Sezessionistische Weihnachtsempfehlungen (II) – Salon

Benedikt Kaiser - Alex Kurtagic: Warum Konservative immer verlieren (Schnellroda 2013, leider seit heute vergriffen!). Ein Bändchen, über das nicht nur im Bekanntenkreis viel diskutiert wurde, weil es das Fehlen konservativen Erfolges auch und vor allem an den Unzulänglichkeiten des eigenen Milieus analysiert. Daneben ein leidenschaftliches Plädoyer für eine "virile Gegenkultur", gepaart mit klugen Überlegungen zur Rolle von Emotionen im metapolitischen Feld.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Ellen Kositza – Peter Kurz­eck: Ein Som­mer, der bleibt. Peter Kurz­eck erzählt das Dorf sei­ner Kind­heit (Box mit 4 Audio-CDs, 290 Minu­ten und Book­let, 34.80 €) Kurz­eck, 1943 im Sude­ten­land gebo­ren, von dort ver­trie­ben, wuchs in Stau­fen­berg bei Gie­ßen auf. Anläß­lich sei­nes Todes vor zwei Wochen hol­ten wir die­ses ver­zau­bern­de Hör­buch aber­mals her­vor. Was für ein Erzäh­ler!  Hell­wach regis­triert er die Maß­nah­men der Re-Edu­ca­ti­on.  Eine mei­ner Lieb­lings­stel­len ist aber die, wo Kurz­eck die Ankunft der mobi­len Leih­bü­che­rei schil­dert. Aus fahr­tech­ni­schen Grün­den muß der Bücher­bus vor sei­nem Halt eine enge Schlei­fe dre­hen. Dem klei­nen Peter ist klar, der Krin­gel wird aus rei­ner, über­mü­ti­ger Freu­de gefah­ren: Hier kommt das Vergnügen!

Felix Men­zel – Thea Dorn/Richard Wag­ner: Die deut­sche See­le. Wenn es ein Buch gibt, das bes­tens für Sezes­sio­nis­ten für die Zeit zwi­schen Weih­nach­ten und Neu­jahr geeig­net ist, dann dies. Was ist typisch deutsch: Vom Abend­brot, dem Bier­durst bis hin zur Wurst. Zwi­schen­durch aber auch immer wie­der sehr poli­tisch-phi­lo­so­phi­sche Bei­trä­ge: “Ger­man Angst”, Kul­tur­na­ti­on und Zer­ris­sen­heit. (560 Sei­ten, 26.99 €)

Nils Weg­ner – Ralf Küt­tel­wesch (Hrsg.): Der kon­ser­va­ti­ve Rausch. Aben­teu­er Alko­hol und ande­re Geschich­ten (305 Sei­ten, 24.80 €). Natür­lich ist es, gera­de für uns Jün­ge­re, immer eine Gefahr, daß das Poten­ti­al letzt­lich in Bier­dunst auf­geht. Vie­le schaf­fen die Grat­wan­de­rung nicht; die Zeug­nis­se ande­rer, frü­he­rer, die poli­ti­schen Akti­vis­mus und unge­bro­che­nen Wil­len mit den schier unver­meid­li­chen Zeche­rei­en zu ver­bin­den wuß­ten, fin­den sich in die­ser Antho­lo­gie lie­be­voll ver­sam­melt. Zum Jah­res­aus­klang kommt man selbst nur schwer­lich um den einen oder ande­ren Umtrunk im lie­ber­schlos­se­nen Freun­des­bund her­um. Umso pas­sen­der ist es da, andern­tags mit leich­tem Schwin­del Anek­do­ten von Jün­ger und ande­ren zu lesen – Fla­schen­wür­fe und Wei­ma­rer Van­da­lis­mus inklusive.

Götz Kubit­schek – Zwei­fel­los aus mei­nem Ver­lag die ins Deut­sche über­tra­ge­nen Essays von Richard Mil­let, Ver­lo­re­ne Pos­ten (246 Sei­ten, gebun­den, 22 €). Eli­tä­re, intel­lek­tu­el­le Ver­tei­di­gung des Abend­lan­des nach zwei Sei­ten – gegen die Ein­dring­lin­ge von außen und die deka­den­te Mas­se im Innern. Ist soeben erschie­nen, eines der wich­tigs­ten und anspruch­volls­ten Antaios-Bücher.

Erik Leh­nert - Von Wil­helm Busch soll­te man eine Gesamt­aus­ga­be besit­zen, mög­lichst eine his­to­risch-kri­ti­sche (weil in vie­len Volks­aus­ga­ben weni­ger popu­lä­re Stü­cke feh­len). Anti­qua­risch gibt es die­se güns­tig, es muß also nicht die zwei­te Auf­la­ge für 249 € (nur die Bil­der­ge­schich­ten!) sein. Busch ist ein uner­schöpf­li­cher Quell der Lebens­weis­heit, des Wort­wit­zes und des fei­nen Humors.

Mar­tin Licht­mesz – Botho Strauß: Lich­ter des Toren: Der Idi­ot und sei­ne Zeit. Eher ein stil­les Nach­spiel zum Posau­nen­stoß des Anschwel­len­den Bocks­ge­sangs als eine Fort­set­zung, womög­lich bereits eine Art Schwa­nen­ge­sang. Viel­leicht aber auch nur ein trü­ge­ri­scher Rück­zug in gehei­me Waf­fen­kam­mern. Denn immer noch spricht hier, unter einer neu­en Mas­ke, “der Rech­te in der Rich­te”, die Nach­hut der Geschich­te – oder deren Avant­gar­de? “Idi­ot: der Unver­bun­de­ne, der ande­ren Unbe­greif­li­ches spricht. Pri­vat­per­son. Gemein­schafts­stüm­per. Idi­os: bei­sei­te, abseits befind­lich; den ein­zel­nen betref­fend, dem ein­zel­nen zuge­hö­rig. Idio­teía: Pri­vat­le­ben, Tor­heit.” (176 Sei­ten, 20 €).

Ras­kol­ni­kow – Mau­rice Pin­guet: Frei­tod in Japan. Auf den ers­ten Blick ein Sach­buch, ent­puppt sich Pin­guets Werk schnell als ech­te Lite­ra­tur. Das The­ma Frei­tod wird distan­ziert, teil­wei­se gar mit einer Pri­se Witz behan­delt, ohne jedoch respekt­los zu wer­den. Die Bewun­de­rung für einen bemer­kens­wer­ten Ehren­co­dex und die Kul­tur des japa­ni­schen Rit­ter­tums merkt man dem Autor an. Für Freun­de aske­ti­scher Männ­lich­keit ist die­ses sti­lis­tisch makel­lo­se Buch ein fremd­ar­ti­ges aber fas­zi­nie­ren­des Ver­gnü­gen! Alle ande­ren wer­den abge­sto­ßen sein. 379 S.
(Bestel­lung der meis­ten Emp­feh­lun­gen ist mög­lich per Epost: [email protected], tele­fo­nisch unter 034632–90941 bei Frau Dre­se oder über die Netz­sei­te des Ver­la­ges Antaios.)
Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (6)

niekisch

10. Dezember 2013 21:18

Eine Idee für Weihnachten: Christopher Clark, Die Schlafwandler, Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog, DVA.

Dann seid Ihr für die Diskussionen um den I. WK 2014 -100 Jahre Kriegsausbruch - gerüstet und könnt denjenigen erwidern, die immer noch von Allein- oder Hauptverantwortung Deutschlands faseln.

Revolte

10. Dezember 2013 23:22

Joris-Karl Huysmans: Gegen den Strich ("À rebours")

Ein absoluter Hochgenuss. Ein Abgesang auf die Dekadenz - und zugleich eine Ode an sie. Und diese Wortgewalt, dieses mannigfarben explodierende Bouquet an Sprache.
Geradezu manisch, wie Huysmans Parfüm, Blumen oder Wein beschreibt und überhaupt allen Luxus, unter dem sich der Protagonist begräbt.
Sehr lesenswert.

Rumpelstilzchen

11. Dezember 2013 09:17

Mein Favorit ist hier ganz klar Wilhelm Busch. Dieser Fürsprecher des weiblichen Rausches, ein Frauenversteher, wie es ihn nur einmal gab.
Wie liebe ich die FROMME HELENE:

"Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör !"

Irritiert bin ich über den latent depressiven Unterton der Weihnachtsempfehlungen: Vom ewigen Verlust der Konservativen, auf verlorenem Posten stehend, über den konservativen Rausch gar bis zum Freitod in Japan und dann noch ganz tief nach unten ( Hysmans).
Das erschaudert die DEUTSCHE SEELE.
Und so rufe ich :

"Wenn ich doch glauben könnte!"
Diesen Buchtitel über Theodor Storm und die Religion lege ich Euch ans Herz.

https://buchverlag.boyens-medien.de/verlagsprogramm/literatur/einzelansicht/buch/wenn-ich-doch-glauben-koennte/bereich/literatur.html

Und auch Storms Weihnachtsgeschichten kosten im Hamburger Lesehefte Verlag nur 2 Euro.
Adventliche Grüße

Gutmensch

11. Dezember 2013 18:12

Ja, Wilhelm Busch ist schon toll: "Denken ist oft schwer indess // schreiben geht auch ohne es." Ich muss derzeit mehr vorlesen als für mich alleine lesen und lese daher noch einen anderen Wilhelm, nämlich Wilhelm Hauff, unter anderem das Gespensterschiff (was mich wiederum an die Bauern"krieger" denken ließ, weshalb das Thema nicht völlig OT ist, sondern in den Salon gehört). Zaubersprüche und Koranverse stehen mir leider nicht zur Verfügung, um sie zum erlösenden Sterben an Land zu bringen.

Gruß vom Gutmenschen.

Patricius

11. Dezember 2013 19:30

Zu Menzels Empfehlung:
Ich kann die zum Teil überschwänglichen Bewertungen - auch auf SiN - des Werks von Wagner und Dorn nicht recht nachvollziehen.
Nicht, dass es schlecht wäre, doch hätte ich mir damals vor der Lektüre etwas mehr versprochen.
Auch ohne kleinlich zu sein, fällt es beispielsweise schwer, von Dorns NS-Bezügen und Vorbehalten nicht doch irgendwann etwas angenervt zu sein.
Selbst der "Bruder Baum" kommt dort nur mit einem blauen bzw. braunen Auge davon. Mei o mei...
Aber das nur am Rande.

Wie wäre es mit einer Sammlung Raskalnikowscher Ergüssen zur Gesamtsituation und überhaupt als Weihnachtsempfehlung für nächstes Jahr. Erste Fühlung zum Verlag ist ja anscheinend aufgenommen.

Richard

12. Dezember 2013 17:51

Meine Empfehlung:
Kevin MacDonald: Die Kultur der Kritik.

Die Übersetzung ist just erschienen.

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