11. Oktober 2014

Kulturkritik – 62. Sezession erschienen

von Benedikt Kaiser / 36 Kommentare

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

umschlag_62.inddDie Sommerakademie 2014 des Instituts für Staatspolitik (IfS) vom vergangenen Wochenende (3.-5. Oktober) stand im Zeichen der Kulturkritik (zum Bericht). Wie üblich, werden einige der gehaltenen Vorträge leicht gekürzt in einem Themenheft der Sezession abgedruckt; so auch im Fall der 62. Ausgabe (Oktober 2014), die jetzt erschienen ist und im folgenden kurz & knapp vorgestellt wird:

+ Nach dem Editorial von Götz Kubitschek bekommt der Leser einen ersten Eindruck bezüglich des etwas anderen Antaios-Projektes Die Abende von Schnellroda. Sechs Autoren der Zeitschrift (Kositza, Lehnert, Hinz, Wegner, Lichtmesz und Kubitschek) sowie der von sezession.de her bekannte Gastkommentator Raskolnikow trafen sich zu einem ausufernden Gespräch; der Prolog gibt einen Einblick in die Gesprächsatmosphäre.

+ Ellen Kositza porträtiert mit Friedrich Sieburg einen der letzten großen Kulturkritiker. Sieburg packte die Phänomene an der Wurzel, habituell und notorisch. Sein Meisterwerk war Gott in Frankreich? (1929), seine Leidenschaft die geschliffene Polemik. Kositza holt mit Sieburg einen Autor aus dem Vergessen, der bedauerlicherweise „der Nachwelt ziemlich abhanden gekommen“ ist. (Ijoma Mangold).

+ Das gut gefüllte Arsenal konservativer Kulturkritik skizziert Erik Lehnert. Er bringt die Essenz einer solchen auf den Punkt, wenn er schreibt, daß Kulturkritik die menschlichen Grenzen nicht überspringen, aber gegen die Heilsversprechen der Gegenwart immunisieren kann. So bleibt sie ein wichtiges Ärgernis für alle etablierten Beschwichtiger und sollte von den Lesern verinnerlicht werden.

+ Michael Rieger untersucht das „kulturkritische Echo der Konservativen Revolution“. Er findet dies nicht zuletzt bei den ökologischen Konservativen wie Herbert Gruhl. Ein Beitrag, der zum Nachdenken anregt, ein Thema, das weiter debattiert wird.

+ Ein Wiederabdruck ist Armin Mohlers luzide Kulturkritik von 1981: „Und dann und wann ein Caspar David Friedrich“. Der Untertitel, den die damals noch konservative Welt beifügte, verrät einiges über die Schärfe der Kritik: „Gegenstandsverlust plus schlechte Unendlichkeit – der Krebsschaden der modernen Malerei“.

+ Ein besonderes Augenmerk gilt dem Maler Clemens Maria Fuchs. Er wird von Martin Lichtmesz in einem persönlichen Text vorgestellt und als geistiger Bruder Martin Mosebachs eingeführt. Eine Auswahl des österreichischen Künstlers zeigt zudem der Bildinnenteil.

+ Seinem ureigene Metier widmet sich Lichtmesz in seinem Beitrag über „Kulturkritik und Pop“, während Götz Kubitschek die Frage stellt, was von der „Neuen Slowenischen Kunst“ (NSK) zu lernen wäre. Außerdem wird der Kulturbeauftrage der CasaPound Italia Adriano Scianca nach Gehalt des postfuturistischen „Turbodynamismus“ befragt und Frank Lisson stellt Sinn und Widersinn der Nostalgie dar.

+ Weitere Texte stammen von Volker Mohr ("Der Verlust der Mitte"), Baal Müller ("Über Ludwig Klages und Theodor Lessíng") und Ellen Kositza (die den Klassiker "Kulturpessimismus" von Fritz Stern in seiner Wirkmächtigkeit beschreibt). Abgerundet wird die 62. Sezession durch bewährte Rubriken wie Rezensionen und Vermischtes.

Abonnenten erhielten das Heft bereits gestern und heute, Einzelbestellungen und die Einsicht in das Inhaltsverzeichnis sind hier möglich. Ein Jahresabonnement innerhalb Deutschlands und Österreichs kostet 50 Euro, ermäßigt für Nichtverdiener 35 Euro (jeweils inkl. Porto), drei ältere Hefte gibt es zudem als Prämie.

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kommentare (36)

Stil-Blüte
08. Oktober 2014 17:17
Ein wunderbares Heft! Sezession 62 !Einfach extraordinär!

@ Clemens Maria Fuchs
Baff und erstaunt! Mir fehlen die Worte! Und das soll einem ja auch vor einem Bild geschehen. So schön! So wahr(-haftig). So beseelt.

Die an die alte Salonkultur erinnernde Runde mit einem beinahe incommensurablen Flair - Ellen Kositza im Vordergrund mit Zigarette in feingliedrigen Fingern und langen Beinen in Netzstrümpfen, ja, doch, wahrlich keine Landpommeranze, und - nebulös, umwölkt, umnebelt, gar numinös? im diskreten Hintergrund, recht so! in Zeiten von face-book , das Antlitz sich selbst bewahrend, Raskolnikow obwohl gehörig neugierig war ich schon. Und in der Mitte ein erleuchter Tisch, auf dem sich diskret ein Stil-Leben mehr verbirgt als zeigt. Hm!

@ Götz Kubitschek
Ich weiß nicht, ob meine Anmerkung den Rahmen der 'Sezession im Netz' sprengt, aber vielleicht ist es ja von allgmeinem Interesse.
Zum Soldatenkönig: Die allseits berühmt-berüchtigten 'langen Kerls' waren k e i n e 'Marotte', wie ich erst kürzlich bei einem Besuch im Jagdschloss Königs Wusterhausen von einer exzellenten Führung erfahren durfte, sondern militärisch durchdachtes Kalkül. Die Männer waren damals im Schnitt nicht größer als bis zu 1,70 m. Ihre Gewehre konnten also keinen langen Lauf haben. Das Laden war mit Drehen und Wenden gar nicht so einfach. Und die Zielgenauigkeit, je kürzer der Lauf, um so ungenauer. Das hat der Soldatenkönig, Nomen est Omen, erkannt. Rekutiert wurde die Elitetruppe fortan ab 1,88 m, da selten, nahm man auch ab 1,80 cm. Das Gewehr konnte nun schwerer sein, was der längere Lauf bewirkte. Ein großer Vorteil im 1. Schlesischen Krieg, der ja bekanntlich zum Sieg führte.

In der Führung durfte man erfahren, wie die Preußen zwar militärischer, aber auch das Militär sozialer wurde. Die langen Kerls, oftmals einfache Bauensöhne, stiegen im Ansehen und waren fortan gefragte zukünftige Schwiegersöhne im (Klein-)Bürgertum. Lebten nicht mehr isoliert in der Kaserne, sondern mittendrin in Potsdam.

Bei Ihrem nächsten Familienausflug, Herr Kubitschek, - auf nach Königs Wusterhausen. Lohnenswert!

Und nun mein Schlußplädoyer: Kauft, kauft, kauft Sezession 62! !
Stil-Blüte
08. Oktober 2014 17:31
Ich muss gleich noch etwas hinterherschieben:

Ich finde es eine schöne Idee, daß Sie, der harte Kern, einen Gast aus Sezession im Netz, zu einer geselldigen Runde einladen. Alle treuen Teilnehmer von Sezession im Netzu, werden darin übereinstimmen, daß Raskolnikow die Ehre des ersten Gastes gebührt hat.

Schön wäre es, wenn diese Idee eine Fortsetzung fände, dann mit jeweils einem anderen Gast. Ich glaube, jeder Besucher dieser Seite würde sich gebauchmietzelt fühlen, irgendwann einmal persönlich zu dieser illustren Runde eingeladen zu werden.
Ein gebürtiger Hesse
08. Oktober 2014 19:03
Es ist ganz ausgezeichnet, wie das IfS mit Sezession und Akademie-Veranstaltung an zwei verschiedenen und wiederum doch an einem Strang zieht. So sehr mich, der ich zum ersten Mal in Schnellroda als Hörer dabei war, gerade der Kontakt zu manchen Referenten, Teilnehmern und den Veranstaltern beglückt und auf die Füße gestellt hat, so sehr wirkt das neue Heft als Vertiefung und Weitertragung des Gehörten und Erlebten. Für diese doppelte Teilhabe bin mehr als dankbar (und nehme an, daß es praktisch allen, die dabei waren, genauso geht).
Ein gebürtiger Hesse
08. Oktober 2014 19:22
Im Übrigen war die Idee, den Teilnehmern das neue Heft gerade nicht vor oder während der Akademie auszuhändigen, goldrichtig. Auf die Weise hörte man alles zuerst von den Autoren und Referenten selbst, wodurch ihre Vorträge eine größere Unmittelbarkeit und Prägnanz hatten, als wenn sie in Schriftform bereits bekannt gewesen wären.
Hartwig
08. Oktober 2014 20:44
"Tja, was soll denn eigentlich französische Kultur sein ?" wortwitzelte kürzlich ein sz-Redakteur, der einen Beitrag über die Jugendorganisation des FN schrieb (oder war es die taz ... egal). Diese Frage, selbstredend auch mit 'deutsch', stellt sich in politischen Debatten schnell, wenn man von der deutschen oder auch europäischen Kultur spricht. 'Was das denn heutzutage eigentlich sei?'
Das Heft 62 gibt ein paar Antworten, aber als "Kulturkritik" naturgemäß nur mittelbar. Vielleicht ließe sich in einem der künftigen Hefte vertiefen, was deutsche Kultur ist oder wohl vor allem war. Die Philosophie, die Musik, die Lebensart, die Arbeitswelt, Preußentum, Protestantismus ... Thea Dorn und R. Wagner versuchten sich gar nicht schlecht in dem Buch "Die deutsche Seele". Eine Essenz dessen als Themenheft würde ich begrüßen.
Aber kurzum: Das aktuelle Heft ist fabelhaft. Das beste des Jahres und eine Bestätigung, dass Themenhefte oft einen Dreh besser sind.
Nemo Obligatur
08. Oktober 2014 21:13
Seit gestern liegt die neue Sezession auch bei mir daheim. Kompliment! Ich bin noch nicht lange Leser, aber habe mir angewöhnt, mit den Buchbesprechungen zu beginnen. Bin eben kein bildender Künstler sondern eher ein Buchstabenmensch, auch wenn ich gerne dazulerne. Die Beiträge von Lichtmesz und Mohler kommen daher zum Schluss. Und wenn ich dies noch ergänzen darf: Der Innenteil der Sezession mit Bildstrecke im, ja was eigentlich: Tiefdruck? Vierfarbdruck? Dürfte ein Alleinstellungsmerkmal der Szession sein und rechtfertigt schon für sich, die Hefte aufzuheben.
Strogoff
08. Oktober 2014 22:03
@Stil-Blüte
Interessante Anmerkung zu den langen Kerls.

Raskolnikow wird sicher mit Bedacht ausgewählt worden sein. Nicht umsonst hatte er ja schon die Ehre seine Weihnachtsempfehlungen abgeben zu dürfen. Trotz seiner spärlich gesäten Kommentare scheint man ihm das meiste zuzutrauen. Im Vergleich zu mir stimmt die Einschätzung definitiv.
Auf einen anderen Kommentator im Kreise der Erlauchten sollten wir aber nicht warten und es ist wohl eine einmalige Idee so ein Gespräch dann in Buchform zu gießen.
Trotzdem ein interessantes Konzept und ich bin überaus gespannt auf das Endresultat.
So wollte Raskolnikow als Sklave Mark Aurel bei seinen Äußerungen lauschen. Mir hätte es derweil gereicht in diesen Stunden der Zusammenkunft ihnen etwas Wind zuzufächeln.
jokn
09. Oktober 2014 00:16
Jetzt bereue ich umso mehr, dass ich es, trotz Anmeldung, nicht zum Abschlußvortrag geschafft habe (Für die Akademie selbst bin ohnehin ein paar Lenze jenseits der roten Linie).
Ich hoffe, daß die Idee des offenen Abschlusses beibehalten wird und ich dann das nächste mal zum "halben Dutzend älterer Hörer" gehören werde.
Auch von mir: Kompliment zur Sezession 62!
Carsten
09. Oktober 2014 16:25
Ha! Frau Kositza raucht! Na ja... ich ja auch abends...

Dolles Heft! Über die 'landläufigen Preisdemokraten' lache ich jetzt noch - Martin Lichtmesz wieder in Hochform! Sehr schön, die farbigen Abbildungen!
Hermann Karst
09. Oktober 2014 16:25
@ Stil-Blüte

Darf ich über Sie hinausgehen? Bemerkenswert ist ja nicht nur Raskolnikows Anwesenheit in der illustren Kulturrunde, sondern auch das dem Sezessions-Artikel beigefügte Kulturrundenfoto. Noch bevor ich die Bildunterschrift gelesen hatte, habe ich Raskolnikow zwischen den vielen Teilnehmern auf Anhieb entdeckt: Ein dicker Mann, dessen Korpulenz über die Oberschenkel quillt, gerade noch ein bißchen Platz lassend für ein Kistchen mit Süßigkeiten. Wiewohl sitzend ein gestandenes Mannsbild. Und dann auch noch dieser beeindruckende Charakterkopf obenauf. Schön, daß wir ihn, den Raskolnikow, nun endlich einmal zu Gesicht bekommen!
Konservativer
10. Oktober 2014 20:56
Auch die neue Sezession ist großartig, wie alle anderen Ausgaben, die ich bisher erhalten habe. Jedes Heft auf seine ureigenste Weise.

Besonders beeindruckt haben mich die Bilder von Clemens Maria Fuchs.
Stil-Blüte
11. Oktober 2014 00:00
Ich kann es nicht lassen, mich noch einmal in dem Foto zum Beitrag "Prolog - Wir sind also Kulturpessimisten, ja?" zu verlustieren.

Ellen Kositza raucht, aber Zigarillo, oder gar Zigarre(?), Erik Lehnerts gebender Handteller und die Frage: Woher kommt das Licht? Und noch eine Frage: Wie hätte Clemens Maria Fuchs das Stilleben auf dem Tisch gemalt? Ellen Kositza garantiert im Profil und in der schönen ernsten Ballance der zugleich In-sich-Ruhenden und Nach-außen-Gekehrten.

Ich wiederhole meinen Rat an die Anwesenden hier bei SiN: Sezession 62: Kaufen!
Th.R.
12. Oktober 2014 13:08
Das Projekt Sezession mag ja im Wesentlichen schön und gut sein, ist es auch, aber vergessen werden sollte nicht, dass es da draußen Leute gibt, die Vollzeit arbeiten und die nach einem 10 Stunden Arbeitstag (Hin- und Rückfahrt incl.) schlicht nicht mehr die Nerven haben, abends noch irgendwas zu lesen. Und am Wochenende siehts meistens auch mau aus.

Solche Leuten sehen sich mithin außerstande, der Masse an Veröffentlichungen folgen zu können. Die Taktrate, in der SiN neue Artikel pro Woche bringt, ist manchmal sehr hoch, dass man nicht mehr hinterher kommt.

Mir ist schon bewußt, dass die Literaturwissenschaftler hier es nicht gerne hören: Aber ist es nicht möglich, die Inhalte hier ab und an als Interview, Besprechung, Diskussion oder Film audiovisuell zu veröffentlichen?

kommentar kubitschek:
tut mir leid, daraus wird nichts. ich sah vor gut dreißig jahren bei einem freund der familie ein buch stehen, das hieß ungefähr "goethe für geschäftsleute". im vorwort stand, daß man heute von keinem ernsthaft beschäftigten mehr die lektüre ganzer romane, dramen oder tagebücher erwarten könne, weswegen hier auf 250 seiten das wichtigste von goethe zusammengefaßt sich fände. ich versank damals im "grünen heinrich" und hatte "wilhelm meister" hinter mir. den goethe für geschäftsleute schob ich konsterniert zurück ins regal, der gastgeber hatte verspielt. meine frage: was machen Sie eigentlich in den restlichen 14 stunden des tages?
Ein Fremder aus Elea
12. Oktober 2014 13:42
Clemens Maria Fuchs: goutiert.

Hartwig,

es ist verständlich, nationale Kulturen formalisieren zu wollen, um konkreter argumentieren zu können, aber wenn jemand witzelt: "Was ist eigentlich französische Kultur?", würde ich ihn nur mit schiefer Miene ansehen.

Was übrigens recht französisch ist: Die Franzosen haben einen Reichtum an gestischen und mimischen Floskeln, mit welchen sie den Alltag verschönen. Werde nie vergessen, wie ich ein Buch in einer französischen Buchhandlung gekauft habe, und der Verkäufer so tat, als wäre die Abwicklung der Bezahlung eine ähnlich ernste Angelegenheit wie das Kondolieren.

Gemeinschaft wird gelebt und gelebt geformt. Hin und wieder muß man nur zur Kenntnis nehmen, wo es keine Gemeinschaft gibt und geben kann und warum das so ist. Das Umgekehrte gilt auch: Hin und wieder muß man zur Kenntnis nehmen, wo es Gemeinschaft gibt, warum das so ist und warum man Gegensätze abbauen sollte.

Wie gesagt, Kultur lebt.
Michael Schlenger
12. Oktober 2014 20:32
Herr/Frau Th. R.,
mein Beileid zum hierzulande außergewöhnlichen Achtstunden-Arbeitstag. Und dann noch mörderische zwei (sic!) Stunden An- und Abreise vom sicherlich nicht selbst gewählten schrecklichen Ort der Ausbeutung! Dann verbleiben ja nur noch 14 Stunden vom achso kurzen Tag. Acht davon mögen im Idealfall im Schlaf verbracht werden, somit verbleiben bloße sechs Stunden, in denen Gelegenheit zur Entspannung, Kontemplation oder auch Lektüre (die beides bewirken kann) besteht.
Wenn Sie zwischen Sportschau, dem Auswerten der ADAC-Motorwelt, dem Konsum des IKEA-Katalogs und der Buchung der nächsten Kreuzfahrt einmal fünf Minuten Zeit haben, twittern Sie doch einmal, was Sie sonst so bewegt und belastet. Es gibt hier sicher einige arbeitslose Therapeuten, die Ihnen gerne unentgeltlich Tipps zur Bewältigung Ihres anstrengenden Alltags geben... Sicher gibt es demnächst eine "Executive Summary" der SiN für gestresste Zeitgenossen, die offensichtlich ganz große Räder drehen...

Kositza: Nö, das nicht, aber wir planen gerade Kugelschreibereditionen mit aufgedruckten, brandheißen "Info's"!
kolkrabe
13. Oktober 2014 09:06
Zur Zeitökonomie
@ Th.R., @ Kubitschek, @ Michael Schlenger


Ich kann Th.R. verstehen. Die restlichen 14 Stunden eines Tages (nach 10 Stunden Arbeit incl. Hin- und Rückfahrt) sehen für viele Menschen so aus: Haushalt (Einkaufen, Kochen, Putzen, Garten), Familie, Freunde, Sport, organisatorische Dinge (Bank, Versicherungen, Ämter, Reparaturen). Nicht unterschätzen sollte man auch den Abbau der zum Ende des Arbeitstages angesammelten Anspannung. Ehe der Mensch zur Ruhe kommt, vergeht schnell ein weiteres Stündchen. Mit der restlichen Zeit muss man haushalten und konsequent alles ausschalten, was Ablenkung und Unterhaltung, was nicht wesentlich ist. Das gilt übrigens auch für Wochenenden, Feiertage und den Urlaub. Rechnet man allein diese drei Faktoren zusammen, ergeben sich gut 130, 140 arbeitsfreie Tage pro Jahr (100 Wochenendtage, 5 bis 10 Feiertage, 25 bis 30 Urlaubstage). Da kann man einiges schaffen.

Ich arbeite seit fast 20 Jahren in einem sog. Kreativberuf freiberuflich von zu Hause aus, Familie und Hausarbeit sind dadurch permanent mit einbezogen. Doch auch unter normalen Arbeitsumständen (die ich vor der Freiberuflerzeit ebenfalls kennengelernt habe) tun sich während der Arbeitszeit oder unterwegs (Bus, Bahn, Stau) immer wieder Zeitfenster auf, die man der Lektüre oder dem Nachdenken und sogar dem Schreiben widmen kann. An fünf Tagen in der Woche sollten sechs- bis sechseinhalb Stunden Schlaf ausreichen. Frühes Aufstehen schafft Zeitreserven vor der Arbeit. Es geht also, wenn man nur will.

Auch wenn es keine Video- und Audiodateien geben kann (wie Th.R. vorschlägt), fände ich es eine Überlegung wert, eine Art visuellen Ausgleich zu langen Textstrecken zu schaffen. Das können außergewöhnliche Bilder sein, Momentaufnahmen des Lebens – auch aus dem Kreis der Leser, Hauptsache selbst gemacht und aus tiefster Seele kommend. Es würde dazu beitragen, neben der Theorie auch der Praxis des täglich gelebten Lebens, die hier in vielen Beiträgen und Kommentaren angesprochen wird und um die es ja eigentlich geht, erweiterten Raum zu geben (nein, ich denke nicht, dass das nur eine weitere Ablenkung wäre).
Raskolnikow
13. Oktober 2014 12:26
Liebster Th.R.,

Kapitän Kubitschek hat (bisanhero) keinen Runderlaß Nr. 34-b-2 herausgegeben, daß jedem SiN-Artikel die Ehre der vollgültigen Apperzeption durch alle Sezessionisten zuteil werden muß! Warum fühlen Sie sich gedrängt zu lesen?

Und scheren Sie sich nicht um spitzfindige Impertinentzien jener Rund-um-die-Uhr-Witzbolde. Erfüllen Sie Ihre Pflicht gegenüber Ihren Meistern und gegenüber Ihrer Familie, wie es Gott gefällig ist! Wenn Ihnen dann die Zeit fehlt - na und?

Lesen Sie abitzund eben wenig - dafür aber Gutes; und um Himmels Willen nicht, wie Kolkrabe es vorschlägt. Das ist kein Lesen, das ist abgestumpftes Konsumieren. Wenn Ihnen die Zeit oder die Ruhe fehlt, Tee und ein Schächtelchen Konfekt bereitzustellen, den Sessel am Ofen zu platzieren und vor dem Niedersetzen eine Decke um die Beine zu wickeln, dann lesen Sie lieber nicht. Erst recht nicht im Stau, in der Bahn oder an der Wursttheke ... (Es giebt Bücher, die ich nicht bei elektrischem Licht aufschlagen mag, Bücher denen Kerzenschein zusteht!)

Ich bin mir übrigens sicher, daß Kubitschek, Kositza, Lichtmesz und Co. es prätendierten, den einen Essay oder Artikel zu schreiben, der Sie, Th.R., zum ersten Mal erschüttert aufblicken läßt, der Sie mitreißt; als durch eventuell aufgetane Zeitfenster mal so eben kurz bei Ihnen vorbeizuschauen ...

Ganz davon abgesehen, kann eine Stunde stilles Starren aus dem Zimmerfenster, mehrere Stunden konservativ-reaktionäre Lektüre aufwiegen, stellte man sich dabei je nach Eigensinn eine brennende oder eine blühende Welt vor ...

Diese ganze Leserei führt auch zu nichts.

Ridikül wie eh und je,

R.
Ein Fremder aus Elea
13. Oktober 2014 13:03
kolkrabe,

Sie schlagen [img] [/img] für den Kommentarbereich vor?

Dadurch würde die Moderation zu einer Layout-Aufgabe.

Nun, ich könnte ein Photo von den Maracujas beisteuern, welche ich an einem Nylonnetz über der Küche wachsen lasse, aber ich fürchte, das liest sich eindrucksvoller als es aussieht. Bisher jedenfalls. Sehen wir mal, was ist in 7 Jahren oder so ist.

(Ja, ich habe da noch Fenster über diesem Netz, die Küche ist ziemlich hoch, so zwischen 3m und 4,5m. Das Netz sollte bei 2,5m hängen. Gut, die Idee stammt von griechischen Restaurants, da sind's Weintrauben über der Terrasse, aber Maracujas mögen Halbschatten, und ich mag Maracujasaft. Wie gesagt, mal sehen. Ansonsten, was Saft betrifft, ich hab' auch ein paar schwarze Johannisbeersträucher, wenn das mit den Maracujas nichts wird. Alles andere ist ja eine Zumutung, wiewohl ich genügsam bin.)
Rumpelstilzchen
13. Oktober 2014 14:11
Kapitän Kubitschek hat (bisanhero) keinen Runderlaß Nr. 34-b-2 herausgegeben, daß jedem SiN-Artikel die Ehre der vollgültigen Apperzeption durch alle Sezessionisten zuteil werden muß! Warum fühlen Sie sich gedrängt zu lesen

Das ist wirklich eine sehr wichtige Frage:
Warum fühlen wir uns gedrängt zu lesen ? Das verursacht zusätzlichen Stress. Kaufte mir mal "Novalis für Gestresste" .
Hintergedanke: Wie kann ich mit Wissen glänzen, ohne mich anzustrengen?
Diese Lektüre war eine Enttäuschung. Meine Erkenntnis: Der Autor hat gedacht: Wie kann ich mit der Eitelkeit der Leute Geld machen, ohne mich dabei anzustrengen.
Ich starre auch gerne stundenlang aus dem Fenster. Im Café auch gerne in die Luft und will dann auch gar nichts mehr lesen.
Gedrängt zu lesen fühle ich mich schon lange nicht mehr. Nicht einmal mehr einen Bibelspruch vorm Zubettgehen.
Allerdings fühle ich mich manchmal noch gedrängt zum Verstehen.
Also: ich verstehe die Abkürzung SiN für Sezession nicht. Kann mir das jemand erklären, ohne mir unterschwellig zu bedeuten: Ist die aber doof ?
Ich verstehe auch nicht [ img] für den Kommentarbereich. Das will ich allerdings auch nicht verstehen. Wenn das bedeutet, mir wird jetzt die verlotterte Bude von Raskolnikow als seelenvolle Momentaufnahme seines Lebens zuteil. Ich mag auch nicht in die seelenvollen Keller und Küchen der Mitforisten schauen. Weder Kartoffeln, Dackel, Janker oder Steckenpferde sehen.
Da schließe ich dann lieber mein Zeitfenster.
Urwinkel
13. Oktober 2014 14:36
Raskolinkow:

"Ganz davon abgesehen, kann eine Stunde stilles Starren aus dem Zimmerfenster, mehrere Stunden konservativ-reaktionäre Lektüre aufwiegen, stellte man sich dabei je nach Eigensinn eine brennende oder eine blühende Welt vor ..."

Ich würde gerne über Haustiere plaudern, als über solche Kinkerlitzchen.
Hartwig
13. Oktober 2014 15:42
Stress, ja, der Stress. Wer die Bude voller Kinder hat, der spricht nicht von Stress. Er hat einfach nur viel zu tun.
Ich will hier nicht die img- und Video-Protagonisten anpfeifen, aber ganz unnötiger Stress entsteht z.B. durch umgekrämpelte Internet-Präsenzen; dort wo man sich "zu Hause" wähnte und plötzlich ist alles an anderer Stelle, leuchtet bunt, gibt Töne von sich ...

Und der Raskolnikowsche Lese-Barock ist sowohl beneidenswert als auch vielleicht eher etwas für Frührentner. Aber ein von der Nachttischlampe spärlich beschienener Wälzer und die sich im Halbschatten unter der Decke abzeichnende Silhouette der bereits schlummernden Holden geben dem Wort Feierabend den Sinn.
Aster
13. Oktober 2014 19:07
Liebes Rumpelstilzchen,

SiN ist die "Sezession im Netz", also dieser Ort hier, wie es auch am Seitenkopf steht. Die Sezession ohne Zusatz ist ja die Zeitschrift.
jokn
13. Oktober 2014 20:15
Rumpelstilzchen Montag, 13. Oktober 2014, 14:11

Ich vermute, daß SiN "Sezession im Netz" abkürzt.
[img] [/img] (extra für Sie recherchiert!) verwendet man zur Einbindung von Bildern. Daher leitet sich [img] höchstwahrscheinlich von "image" ab.

PS: Ich find´s schön, wie hier manchmal die Diskussionen frisch und frei mäandern.
Rumpelstilzchen
13. Oktober 2014 21:43
Danke an Aster und jokn
Gott , stand ich auf dem Schlauch.
Jetzt fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren.
Michael Schlenger
14. Oktober 2014 00:51
Werter Hartwig,
wenn Sie den guten Raskolnikow um seine frührentnermäßige Lesefreizeit beneiden, haben Sie nach meiner Meinung folgende Möglichkeiten, sich näherungsweise in seine beneidenswerte (?) geistige Lage zu versetzen:
Fernseher ignorieren (falls Sie noch einen besitzen), Werbung und Wurfzeitschriften im Kamin entsorgen (ja, auch den IKEA-Katalog), Einkäufe in einem Laden erledigen (anstatt fünf Diskonter abzuklappern), lästige Gespräche mit den lieben Reihenhausnachbarn über Fußball, Grillen, Nachbarn, das Wetter, Weltklima und Prominente meiden, die eigenen Kinder zum selbständigen Lernen und Denken anhalten und im Hintergrund irgendetwas von Bach, Händel oder Mozart laufen lassen. Das sollte auch Ihren vielen Kindern gefallen und diese ruhigstellen.
Wenn Sie dann immer noch zu müde zum Lesen sind, fragen Sie sich, was Sie in Ihrem Leben falsch machen, bevor Sie anderen eine barocke Lebensart vorhalten (im Barock wurden hin und wieder auch Kinder großgezogen).
Hartwig
14. Oktober 2014 10:01
Ach Michael Schlenger, Sie verstehen ja nun gar keinen Spass ... Ich habe Ihnen doch mehr als offenherzig mitgeteilt, wie ICH meine Lektüre zu gestalten pflege. Vom "zu müde" war keine Rede. Weiss nicht, was Sie da gelesen zu haben glauben.
Überhaupt: Discounter? Werbung? Tss. Und wieso sind Gespräche mit Nachbarn lästig? Zumal dann, wenn es um Fußball geht? - Jaaa, ich bin solch ein "Banause"! Den einzigen Treffer haben Sie mit Bach gelandet. Bei uns läuft schon aus quasi beruflichen Gründen oft Alte Musik. Bach, Quanz, gar Händel, auch Früheres, viel Renaissancemusik. Über Kinder und deren "Ruhigstellung" könnte ich auch noch einiges loswerden, aber ich will hier nicht rumzicken.
Rumpelstilzchen
14. Oktober 2014 11:28
Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann,
der schöne Perlen suchte.
Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß,
und kaufte sie.

Mt 13, 45

Es geht wohl um das Lesen mit Lust und Liebe. Dafür ist man bereit, alles zu geben. Und, auch wenn viele es nicht mehr glauben:
Es gibt Bücher, Texte oder Gedichte, für die man bereit ist, alles zu geben.
Wie für eine Geliebte oder einen Geliebten.
Verlust von Lesekultur geht einher mit Verlust von Liebeskultur.
Wir Heutigen sehen die Perle oder den Schatz im Acker nicht mehr. Viel schlimmer, wir denken, es gäbe gar keine Schätze mehr, die es zu suchen lohnt. Und das sei der Weisheit letzter Schluß.
Umso wunderbarer ist, daß die Leute von Sezession und SiN noch nach Perlen suchen. Und sie finden. Für mich dieses Jahr die HIRNHUNDE.
Ach ja, auf der Buchmesse findet man diese Perle nicht.

Die Götter aber, sich erbarmend über der Menschen zur Arbeit
geborenes Geschlecht, haben ihnen, zur Erquickung in der Mühsal,
die wiederkehrenden Götterfeiern gesetzt und ihnen zu Festgenossen die Musen und den Musenführer Apollon und den Dionysos gegeben,
Auf daß sie, sich nährend im festlichen Umgang mit den Göttern,
wieder Geradheit empfingen und Richte.

Platon
Urwinkel
14. Oktober 2014 15:00
Mit Lust und Liebe durchstöbere ich immer wieder meine Regalmeter "Antaios"-Hefte. Ja, das ist das Periodikum, das Ernst Jünger und Mircea Eliade um die 1970er veröffentlichten. Dieser sterile Meter ist wie ein Zauberkasten, ein Panoptikum: Ich greife wahllos rein (Jünger-Stechen) und finde Abendlektüre. Bis ich rausfand, daß der Klett-Cotta Verlag auch Jahresbände gebunden hat. Für Sammler in Ordung und nachvollziehbar; Jägernaturen lässt das kalt. So schaue ich tiefer: Scheidewege-Sammlung: auch etliche Einzelhefte voll kluger Gedanken. Ich brauche eigentlich keine neuen Bücher mehr. Es ist alles gesagt worden und die Wände kommen näher.
Hermann Karst
14. Oktober 2014 15:16
Darf ich kurz stören und zurück zum Thema kommen (Sezession 62)? In Parenthesen sozusagen; das heißt: Sie können ungebremst und freudig weitermachen.

Ich möchte eine Passage aus Götz Kubitscheks Aufsatz über die Neue Slowenische Kunst (NSK) zitieren (Sez. 62, S. 39):

„Wenn wir nun […] die Schwierigkeiten ernst nähmen, im öffentlichen Raum mit konservativen, rechten Projekten präsent zu sein (man denke nur an das Drama um die Suche nach Vortrags- oder Ausstellungsräumen in Berlin und anderswo), könnten wir aufhören, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen und das immergleiche Spiel von Anmietung und Kündigung mitzuspielen. Wir könnten vielmehr im Sinne des NSK-Staates eine Parallelstruktur aufbauen und über das ganze Land verteilt Privatleute zu gewinnen suchen, die ihre Wohnungen für Vorträge, Diskussionen und Ausstellungen zur Verfügung stellten […]. Ist es nicht so, daß dieses Netz die Träger der Knotenpunkte sogar euphorisch machen könnte, geistig und politisch euphorisch, wenigstens für die Dauer der Aktion?“

Ein interessanter Gedanke. Diskussionswürdig.
kolkrabe
14. Oktober 2014 17:29
@Hermann Karst - ein sehr wichtiger Hinweis, in der Tat.

Privatleute laden ein, also regionale und lokale Vernetzung im ganzen Land: "Konservativ-revolutionäre Zellen" (KRZ) in jeder Stadt, auf jedem Dorf, überall und jederzeit. Dezentral organisiert und doch mit einem gemeinsamen zentralen geistigen Bezugspunkt.

Die Leute müssen nicht nur hier im Forum, sondern im echten Leben zueinander finden können. Doch wie? Ein allgemeiner Adressentausch sollte aus verschiedenen Gründen wahrscheinlich eher nicht öffentlich sein.

Kann das über die Abonnentendatei in Schnellroda laufen? Es werden per Rundbrief alle Sezessionsleser angeschrieben, ob sie einverstanden sind, dass z. B. die E-Mail-Adresse anderen Abonnenten im Umkreis von 50 oder 100 km zugänglich gemacht wird. Wie und wo die Leute dann zueinander finden und was sie genau treiben, ist deren Sache. Die organisatorische Aufgabe scheint überschaubar zu sein. Wenn landesweit für den Anfang auch nur 40 KRZ mit insgesamt 200 oder 300 Teilnehmern entstehen, wäre das für viele der entscheidende Schritt heraus aus den Studierstuben, Privatbibliotheken und Schmollwinkeln!

Das wird Kreise ziehen.
Ein gebürtiger Hesse
14. Oktober 2014 20:08
Danke für den Hinweis auf diese wichtige, weil eine echte Alternative darstellende Idee, Herr Karst, und ebenso an kolkrabe, der erste praktische Vorschläge macht. Das mit den Abonnenten, bei denen man anfragen könnte, klingt ziemlich gut. So könnte der erste Schritt aussehen.

Ach, die Vorstellung, daß sich hier was bewegen ließe, hat bereits etwas von jener Euphorisierung, die Kubitschek dankenswerterweise anvisiert. Machen wir was draus.
Tuzub 37
15. Oktober 2014 07:04
@Hermann Karst, Kolkrabe

Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, gab es den Versuch einer Vernetzung bereits, anläßlich des ersten Zwischentags, glaube ich. Damals wurde allen Interessierten die Möglichkeit geboten, sich einzutragen in ein Netzwerk, mit Namen, Adressen, Interessen, Fähigkeiten (handwerklich, Anwalt, etc. ein Rechter für alle Lebenslagen sozusagen... ). Ist aber vermutlich (mangels Beteiligung?) eingeschlafen. Was bedeutet, daß man es wieder und wieder versuchen sollte, denn ein wichtiger Punkt ist und bleibt es, sich aus dem Virtuellen (z.B. SiN) hinaus ins Reale zu begeben.
Wind
15. Oktober 2014 15:29
Kolkrabe: 200-300 Teilnehmer an 40 Orten auf deutschen Boden? Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Das schafft nichtmal greenpeace oder amnesty international.

Mir würden ja schon 5 Orte mit 25 Leuten reichen.

Diese Strukturen, die man bereits aufzubauen versuchte, nannten sich Zwischenorte.

Hier der Verweis.

http://www.sezession.de/33624/zwischenorte-der-freien-rede.html

Ich glaube, dass für eine solche Aktion eine, aus sich heraus entspringende, Graswurzelbewegung utopisch ist.

Jedoch halte ich das Internet für zu flüchtig. Ein Klick ist schnell gemacht. Wenn, dann geht das nur mittels der Anschreiben.
Die Adressdatei ist der Schlüssel, aber obacht, dass man diesen nicht verlegt.
Hartwig
15. Oktober 2014 23:21
Allein was zählt ist der öffentliche Raum. Ein Hinterzimmer, ob Gastwirtschaft oder Privatwohnung mag ein Anfang sein. 32 qm (exklusive Sanitär, Küche), Bestuhlung für 20 bis 25 Personen habe ich quasi permanent übrig, Leipzig, nicht Mitte, aber zentral. Bin sicher, dass die Eigenheimbesitzer unter uns noch mehr zu bieten haben. Denke, dass es daran nicht liegen sollte.
Beim Fußball gibt es eine dieser ewigen Weisheiten (Rehagel, Weisweiler, Herberger, von wem auch immer), "Die Wahrheit ist auf dem Platz". Übersetzt: Die Wahrheit ist der Marktplatz, die Fußgängerzone, ... dort wo man Gesicht zeigen muss. Und für wen? Für die rülpsenden Bier trinkenden Bratwurstfresser, so wie sie, die Volksgenossen, gerade heut hier an benachbarter Stelle beschrieben wurden.
Urwinkel
16. Oktober 2014 04:19
Letzte Gedanken zu Laibach und den NSK-Staat: die sind kongenial. Ein musikalisches Vergnügen: In Bezug auf Rammstein, frage ich mich rückblickend: wer beklaute wen? Die Rammsteine kenne ich noch als Vorband für lokale Größen. Ihrem Sänger Tillmann, habe ich es immer krumm genommen, daß er das martialische Potential, dass Band immer schon umwehte so hurenmäßig ausnahm. Dem internationalen Markt gefällts; mir schon lange nicht mehr. Abgesang:

Ballad Of A Thin Man: https://www.youtube.com/watch?v=U-Lo_Okyyak

Schlaflose Grüße. "Thin"-machen mußte ich auch oft genug, um mich durch Massen zu schieben, die Laibach hören und sehen wollten. Das erste Drittel der Leute hat sich nach drei Liedern rausverzogen. Denen war das zu schrill und zu laut. Aber eine Flasche Rotwein wegknallen, das konnten die Hedonisten. Hauptsache, die haben bezahlt. Und das konnten sie. Das heterogene Publikum war der eigentliche Star.
David
30. Oktober 2014 22:43
Sehr geehrter Raskolnikow

Nur ein Hinweis in Bezug auf Ihren Ausruf, dass mit Flaschenwürfen und in Gesellschaft von Weibern nie etwas Grosses angefangen habe. Etwas deplaziert hier, weil die Diskussion zum Treffen der Hooligans mit Smiley beendet wurde.
Obwohl ich mir vorzustellen vermag, dass auch mit Ersterem Grosses anfangen kann und wahrscheinlich auch angefangen hat, möchte ich Sie an jenes Ereignis erinnern, das vor gut zweitausend Jahren in einem kleinen galiläischen Städtchen stattgefunden hat. Zugegen waren ein Engel und ein Weib.

Mit herzlichem Gruss

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