24. November 2014

Schuldstolz als geschichtspolitische Forderung

von Erik Lehnert / 29 Kommentare

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Dieter Stein hat sich zur Sache Wehl mit einem eigenen Beitrag zu Wort gemeldet - ein nicht ungeschickter Versuch, die Wogen zu glätten, die Wehls Attacke gegen den Freibund aufgeworfen hatte: Stein stellte den kritischen Leserbriefen eine halbe Forumsseite der Jungen Freiheit (48/14) zur Verfügung und griff darüber hinaus selbst zur Feder. Wir müssen seinen vermittelnden Beitrag leider einer genauen Prüfung unterziehen:

Er beginnt mit der überraschenden Eröffnung, daß es sich bei dem Beitrag von Wehl um eine Provokation gehandelt habe, und bekanntlich seien Provokationen für den Erkenntnisfortschritt ungemein wichtig. Das mag sein, aber: Was hat das mit Wehls Beitrag zu tun? Von Erkenntnisfortschritt  kann keine Rede sein, und Stein kommt auch an keiner Stelle auf die Erkenntnis zurück, zu der wir angeblich durch Wehls Beitrag fortgeschritten sind. Meinung und Erkenntnis ist nicht dasselbe (und nicht einmal das gleiche), und jemanden an den Pranger zu stellen, der gar nicht zurückschlagen kann, ist keine Provokation, sondern die Statuierung eines Exempels.

Nein, Steins Eröffnung hat einen anderen Sinn: Er will uns zu verstehen geben, daß alle, die sich kritisch über Wehls Beitrag geäußert haben, Menschen sind, die als getroffene Hunde bellen. Noch einmal: Ist es eine Provokation, wenn man den schwächsten Teil der Gemeinschaft (von Stein jetzt als „von sympathischen jungen Menschen getragener“ „kleiner Jugendbund“ umschmeichelt) öffentlich an den Pranger stellt und die Antifa zur Hilfe ruft? Früher nannte man das „Niedertracht“, nicht Provokation.

Und die Niedertracht wird zur Kapitulation wenn Stein schreibt:
Man kann diese, teilweise von einschlägigen linksradikalen Antifa-Autoren vorgetragenen Kritik nun als reine Verleumdung abtun.

Und es dann nicht tut, sondern eben dieser Kritik auf den Leim geht. Wer sinkt so tief, daß er die durchsichtige Kampagne des Gegners als Aufforderung zur Selbstkritik versteht? Stein sieht zwar das Problem, wenn er fragt:
Will ich mir ausgerechnet von sogenannten „Antifaschisten“ etwas sagen lassen, die oft mit ihrer kommunistischen, totalitären Ideologie nicht gebrochen haben, der Abermillionen Menschen zum Opfer fielen?

Aber er läßt sich von diesen Leuten ganz offenbar etwas sagen, wenn er im Folgenden die Sichtweise Wehls verallgemeinert und damit für die Junge Freiheit zementiert. Stein kommt er auf das Lied zu sprechen, das Wehl solche Sorgen bereitet: Hans Baumanns „Nur der Freiheit gehört unser Leben“. Stein zeigt sich generös:
Übrigens darf man die Kritik an diesem Lied nicht so verstehen, daß über Hans Baumann und seinen anderen Lieder („Und die Morgenfrühe, das ist unsere Zeit“, „Gute Nacht Kameraden“) der Stab gebrochen werden soll. Auch die SPD singt noch heute das 1914 von Hermann Claudius verfaßte „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit“, auch wenn dieser nach 1933 zu einem glühenden NS-Dichter mutiert. Die Lebensläufe sind kompliziert und Lieder müssen aus ihrem Kontext verstanden werden.

Stein möchte zeigen, daß man ja durchaus in der Lage sei, zu differenzieren. Die Frage ist, wer hier differenzieren kann. Die SPD, die das Lied angeblich noch immer singt, kann das offenbar. Nur Wehl und Stein nicht. (Abgesehen davon: Daß „Nur der Freiheit gehört unser Leben“ als „Identifikationssymbol für zahlreiche rechtsextreme Organisationen der Nachkriegszeit gewählt“ worden war, ist auch noch unbewiesen. Wird aber munter weiterbehauptet. Vielleicht gilt das ja für die Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD, der Wehl früher wohl angehört hat, wie uns einer seiner Weggefährten mitteilte.)


Da Stein erkannt hat, daß der Freibund als Opfer doch etwas danebengegriffen war, ist jetzt das Umfeld schuld, „das die Problematik an diesem Lied nicht erkennen will“. Jedoch: Weder verrät er uns, wer das Umfeld ist, noch was die Problematik an diesem Lied ist. Das Entstehungsjahr und die Gesinnung des 21jährigen Autors dürften doch nicht alles sein, oder doch? Aber darum geht’s Stein gar nicht. Wie alle, die sich auf ihre Meinungsstärke etwas zugute halten, weicht er ins Allgemeine aus. Der konkrete Fall könnte doch zu verzwickt sein, um da zu einer Gut-Böse-Entscheidung zu gelangen. Also muß die Auschwitzkeule her:
Die Frage der geschichtspolitischen Verortung ist die Voraussetzung für jeden konservativen, rechten Ansatz. Und hier ist der Dreh- und Angelpunkt die Haltung zum Dritten Reich und seinem verbrecherischen Charakter.

Die einzigen, die diesen Satz sofort unterschreiben würden, sind Leute wie Joschka Fischer auf der einen und die NS-Nostalgiker auf der anderen Seite. Und mit denen will Stein sich gemein machen? Ja, und er will noch mehr. Er möchte sich ihnen anverwandeln und gibt sich ehrlich zerknirscht:
Ich habe den Eindruck, es fehlt uns oft die eigene Sprache für die geschichtliche Dimension dieser Verbrechen.

Auch mit dieser atemberaubenden Einsicht ist es nicht weit her: Die Beiträge von Hinz, Scheil oder Weißmann in der Jungen Freiheit, die sich mit diesem „Dreh- und Angelpunkt“ befaßt haben, haben eine eigene Sprache. Leider nennt Stein auch hier keine Namen. Es wäre schon interessant zu wissen, wen er meint, wenn er schreibt:
Die Hypermoral der vorherrschenden Vergangenheitsbewältigung wird doch häufig von rechts mit Zynismus und Sprachlosigkeit erwidert.

Dann folgt die Belehrung:
Gerede wer wie wir die Nation bewahren will, muß notwendigerweise eine hohe Sensibilität gegenüber ihre Geschichte haben: weil gerade, wenn nicht überhaupt nur derjenige, der einen wenigstens rudimentären Begriff von der Nation, ja, von „nationaler Ehre“ hat, Scham als Deutscher empfinden kann, wenn diese durch Mordtaten wie im Dritten Reich besudelt worden ist. Wenn also Konservative oder „Rechte“ die Nation im Munde führen, sie reklamieren und sich um ihren Bestand sorgen, müssen sie auch unweigerlich die Verantwortung für den Umgang mit ihrer Vergangenheit übernehmen.

Das ist eine banale Forderung, aber deshalb nicht falsch. Was heißt das? Stein meint, es müsse zwischen neurotischem Selbsthaß und Nazi-Geschichtsverleugnung („wie sie rechts gelegentlich tonangebend ist“) einen Dritten Weg geben.

Ganz abgesehen davon, daß diese Alternative Unsinn ist, weil das Spektrum möglicher Haltungen deutlich größer ist, meint Stein doch offenbar folgendes: Wir sollen, wenn wir die „Nation im Munde“ führen, es schuldbewußt tun. Mit anderen Worten: Stein folgt dem geschichtspolitischen Konsens in diesem Land und wir sollen es auch tun. Er kommt damit dem Mißbrauch, den seine beiden Alternativen betreiben, bedenklich nahe. Stein mißbraucht die deutsche Geschichte, um seine imaginären rechten Gegner zu stigmatisieren. Er betrachtet Geschichte moralisch und hält alle, die das nicht tun, für unmoralisch.

Letztendlich ist das Schuldstolz in Reinkultur: „Als innerer Nachvollzug äußerer Schuldzuweisungen führt es [das Schuldgefühl] einerseits zu Unterwerfung und Selbstpreisgabe, ermöglicht aber andererseits durch die Identifikation mit den Normen der Schuldzuweisung eine Wiederaufrichtung des Selbst und womöglich eine neue Überlegenheit.“ (Peter Furth)

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Kommentare (29)

franz spitzauer
24. November 2014 13:53
Die Unsitte, den Eigenen/dem Eigenen in übler Partisanenmanier in den Rücken zu fallen, häuft sich offenbar im rechtsdemokratischen Spektrum. Ein AfD-Politiker, der in Dresden die Antifa-Resolution gegen die Pegida-Demos unterschreibt. Und ein JF-Chefredakteur, der in seiner Zeitung einen heimattreuen bündischen Jugendverband beschimpfen lässt. Ist es Gemeinheit? Ist es Dummheit? Ist es freiwillige Unterwerfung unter die antifaschistische Zivilreligion? In beiden Fällen ist es unverständlich und eine Fehlleistung sondergleichen. Anstatt den Eigenen/dem Eigenen den Rücken zu stärken und freizuhalten, fallen sie ihnen/ihm in den Rücken. Es ist infam!

Gruß aus Österreich
Ein gebürtiger Hesse
24. November 2014 16:22
Eine hervorragende, im besten Sinne aufdeckende Analyse. Wenn ein Dialog noch (oder wieder) möglich wäre und Stein sich wiederum hierauf äußerte, ginge es wirklich ans Eingemachte, dann müßte wirklich Klartext geredet werden. Leider wird das wohl nicht geschehen. Aber wie auch immer: besten Dank für Ihre vorzügliche "Gegenaufklärung", Herr Lehnert!
Monika
24. November 2014 16:58
Ich erkenne " nicht die Problematik an diesem Lied". Wir haben dieses Lied in den 60-er Jahren an einer katholischen Mädchenschule bei Schwester Theresia ( selig) gesungen. Auch im Rückblick stellen sich bei mir keine Schuldgefühle ein, trotz "problematischen Umfeldes ".

An dem Lied " Nur der Freiheit gehört unser Leben" die Haltung der Rechten zum Dritten Reich abzuleiten, das nennt man wohl ver - messen.
Dieses Thema wird sehr gut und grundlegend in Romano Guardinis Büchlein
"Freiheit und Verantwortung" - Die weiße Rose Zum Widerstand im "Dritten Reich" abgehandelt.
Gerade auch was " die eigene Sprache für die geschichtliche Dimension dieser Verbrechen betrifft".
Ich habe dazu nichts besseres gelesen.

Mehr als dieses Lied irritiert mich zum Beispiel, dass Herr Stein immer wieder den Pappheiden Alain de Benoist bewirbt und empfiehlt. Mit dessem
" antichristianisme viscéral" ( Jean Sévillia) habe ich als Katholikin mehr Probleme als mit "Der Freiheit ist unser Leben". Da greift meine persönliche Kantenschere eher.
Bei Kleinigkeiten fehlt die rechte Unbefangenheit. Da tut sich die Linke leichter. Und nicht nur bei Kleinigkeiten.
In einem schicken Wohnmagazin ( Architektur & Wohnen) ,das mir unlängst in die Hände fiel, wurde die Deko einer noblen Wohnung beschrieben:
"Sehr gekonnt, sehr liebevoll ist das alles, auch in den Details: wie die kleine rote Mao-Statue auf dem schwarz glänzenden Kühlschrank, auf dem sie thront und ihm den Hauch einer chinesischen Lackarbeit verleiht."

Man stelle sich vor, die Details im Arbeitszimmer von Schnellroda würden so liebevoll beschrieben, wobei dort weder Hitler, noch Himmler oder Mussolini als kleine braune Statuen stehen.
Warum also so kleinlich, Herr Stein ?
Nicht mal ein Herr Elsässer hat ein Problem mit seiner Vergangenheit, was Ihnen zu Recht aufstößt. Auch ich sehe nicht, warum er kein Linker mehr sein sollte. ( Da ist Manfred Kleine-Hartlage sehr viel deutlicher und überzeugender.)
Wenn Herr Stein hier den " Kampf" eröffnet, dann ist das sinnvoller als bei Liedern oder Hogesa.
Und hier sind keine unnützen Streitereien, sondern konstruktive
Kontro-versen nötig !

Mit kameradschaftlichem Gruß.
Ohne Zynismus und noch nicht sprachlos.
Monika
Waldgänger
24. November 2014 17:07
Was nutzt diese Auseinandersetzung?
Wem nutzt sie?
Was würde man gewinnen, wenn man im Disput mit der JF gewinnt?
Was würde man verlieren, wenn der Dissens bleibt?

Ich vermisse strategisches Denken.
Kann man nicht einfach akzeptieren, dass es im rechten Lager verschiedene Strömungen gibt?!
Wieso denn dieses Insistieren auf der einheitlichen Linie, der alle folgen müssen?
Das erinnert ja schon an das Ringen der 68er in den 1970ern um den einen besten Weg.
Und das zu einem Zeitpunkt, wo es tatsächlich - endlich - gewisse Anzeichen für so etwas wie eine beginnende Tendenzwende gibt.

kommentar kubitschek:
ich stelle diesen kommentar ausnahmsweise frei, es ist der letzte dieser art. wer nicht begreift, daß es sich keinesfalls um den zwang zu einer gemeinsamen linie dreht, kann nicht lesen und nicht denken. es dreht sich ausschließlich um die frage, ob jemand, der sich verändern möchte, dies auf kosten derer tun sollte, mit denen er bisher kein problem hatte. es geht also - konkret ausgedrückt - um das problem, daß sich stein zu distanzieren beginnt, weil er hofft, daß ihn dies auf anderem felde voranbringt. dabei wäre alles so einfach: er soll stillschweigend sein schiff in eine neue richtung drehen. die zeiten, da um den richtigen kurs debattiert wurde, sind längst vorbei in der wochenzeitung für debatte.
Hartwig
24. November 2014 17:18
Herr Lehnert seziert den Stein'chen Text, wie man das hier vor allem von Lichtmesz mit MSM-Artikeln gewohnt ist. Und Lehnert hat recht. Die Überschrift könnte man als Fazit nehmen.
Trotzdem finde ich (als Außenstehender) den öffentlichen Schlagabtausch zu weitgehend.

kommentar kubitschek:
wir finden das auch.
Stil-Blüte
24. November 2014 17:43
Kann mir jemand das Wort 'Schuldstolz' erklären? Wird 'Stolz auf etwas oder wen' von der Gegenseite in jeder Hinsicht abgelehnt oder in Kombination mit Schuld befürwortet? Ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Der Gutmensch
24. November 2014 18:30
Um eine einheitliche Linie kann es jedenfalls nicht gehen; die gibts bei Konservativen, soweit ich das beobachten konnte, schon aus Prinzip nicht. Geschlossene Weltsichten sind vielmehr entschieden das Privileg der anderen Seite. Und genau da beginnen die Probleme: Wie geht man denn mit der geschlossenen Weltsicht der anderen um? Wie weit muss der Sicherheitsabstand bemessen sein, den man von bestimmten Ideen hält, weil sie von totalitären Kräften vereinnahmt werden können? Die Frage wird man immer nur im Einzelfall beantworten können und hier haben wir es mit einem solchen zu tun. Ich kann das auch abschließend nicht beurteilen, aber: Wenn und soweit hier eine Position geeignet war, unnötigen Schaden anzurichten, dann war es nur folgerichtig, dass ihr jemand entgegen getreten ist. Denn darin besteht doch gerade die Aufgabe der Konservativen: Im Bewahren von Erhaltenswertem.
t.gygax
24. November 2014 18:58
Was ist eigentlich los, wenn man sich "im eigenen Stall" permanent streitet und gar nicht sieht, dass genau das dem Gegner total ins Konzept passt??
Ich bin erst durch die jf und Leute wie Dieter Stein überhaupt auf diesen "rechten" oder "konservativen" Zug gekommen und es ist mehr als übel, wie wenig Solidarität, Zusammenhalt und gegenseitiges Unterstützen es in dieser Szene gibt. Da könnte man sich an den Linken mal ein Beispiel nehmen-im Ernstfall halten die Genossen zusammen. Meine Güte, Dieter Stein wurde von Götz Kubitschek in dem Buch "20 Jahre JF" so positiv dargestellt,- dass man sich im Laufe eines Lebens auch trennt und verschiedene Wegrichtungen einschlägt, ist normal , aber dann doch nicht so, dass Stein/jf plötzlich genau das anfangen, was man 25 Jahre mit ihnen selbst gemacht hat, nämlich ausgrenzen, unterstellen, diffamieren, .....hoffentlich nicht noch später zu großen Hetzjagd aufrufen.....düsteres Szenario. Gut, das war jetzt arg schwarz gemalt,aber warum freut sich eigentlich niemand darüber, dass Jürgen Elsässer heute Sachen sagt und schreibt, über die jeder Konservative nur erfreut sein kann? Und sein "Compact-Magazin" ist so frech und investigativ, wie es die jf vielleicht 1993 oder 1994 war. "Prüfet alles, und das Gute behaltet....." und für die persönlichen Neigungen/Abneigungen gilt: das macht man unter sich aus und nicht in der Öffentlichkeit.
Martin
24. November 2014 19:11
Jemand, der einen Stein, der angeblich nach ihm geworfen wurde, auf seinem Schreibtisch für alle sichtbar aufbewahrt, ist mir per se unsympathisch.
Bernhard
24. November 2014 19:49
Es gibt Grenzen des Anstandes, die man nicht überschreiten sollte. Ebenso inhaltliche Grundsätze. Stein und seine JF gehen ein großes Risiko ein. Je mehr die JF ein MSM-Organ wird, umso überflüssiger wird sie werden.

Müssen wir die JF jetzt endgültig abschreiben? Wäre schade.
Irrlicht
24. November 2014 19:50
Der von Peter Furth beschriebene psychologische Mechanismus trifft auf Stein ohne Frage zu. Die Erkenntnis selbst ist aber nicht neu - bekannt spätestens seit der Auseinandersetzung um Mohlers "Notizen" - , auch nicht der Charakterzug, zur Durchsetzung zum Mittel der Diffamierung zu greifen. Insofern war die Nähe der Sezessionisten zu Stein und der JF seit jeher riskant.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
24. November 2014 20:39
Die Frage der geschichtspolitischen Verortung ist die Voraussetzung für jeden konservativen, rechten Ansatz. Und hier ist der Dreh- und Angelpunkt die Haltung zum Dritten Reich und seinem verbrecherischen Charakter.

Da hat der Dieter schon ein bisschen recht. Mir geht es jedenfalls so. Wo immer ich mich konservativ oder gar rechts oute kommt im nächsten oder übernächsten Satz die Frage nach Hitler, Nazis, usw.

Als konservativ-katholischer "Rechter", komme ich zwar leicht aus der Nummer raus, aber gerne schiebe ich dann gerne die Frage nach, warum nicht jeder Linke sofort nach Stalin, Mao und Pol Pot gefragt wird.

Aber auch wenn Herr Stein hier recht haben mag, verstehe ich nicht ganz den Zusammenhang zwischen "geschichtspolitischer Verortung" und der Notwendigkeit sich lauthals von einem Liedchen und ein paar Pfadfindern am Lagerfeuer zu distanzieren.

Der AfD geht es übrigens gerade nicht so gut - der Streit zwischen Liberalen und Konservativen eskaliert und Lucke deutet an, nicht mehr Vorsitzender sein zu wollen. Die MSM nützen das für hämische Artikel und die Umfrageinstitute sehen angeblich prompt die AfD nur noch bei 6%. Bis zur Landtagswahl in Hamburg werden es dann 4% sein.

Gelingt es dem System die AfD zu erledigen, sehe ich sie schon vor mir. Gewisse zur Larmoyanz neigende Rechte und Konservative wie sie ihre Hände vorm Bauch falten, bedächtig nicken und sprechen:
"Ich habe es ja gleich gewusst."
Inselbauer
24. November 2014 20:45
Wer genau soll Stein diesen Distanzierungskurs abnehmen?
Der unbekannte Kleinbürger aus dem Internet?
Es ist ein tragischer Irrtum, zu glauben, dass man mit einer solchen Schleimerei (ja!) Einlass in den Nato-Mainstream findet. Eher tauchen rudelweise Kritiker auf, die die JF nach erfolgter Kastration nur noch hämischer und feierlicher dämonisieren.
Irgendwie haben diese Leute ja auch recht, wenn sie sagen, dass die JF ein Paralleluniversum abbildet. Das ist halt jetzt ein konformistisches Paralleluniversum und Stein ein mäßiger und umso langweiligerer Spinner.
Sumpfbewohner
24. November 2014 21:01
Was sich hier im Laufe des letzten Jahres (?) zunehmend entwickelt, erinnert mich an entsprechende Erlebnisse an gewissen Universitäten, wo die mittel-tief-tiefstroten Sekten allmittäglich heftiger aufeinander eindroschen als auf den RCDS.

Wieso kann man sich jenseits der CDU nicht zusammensetzen und auf eine Art abgestuftes Angebot einigen?:
JF meinetwegen hart an der Kante zur CDU,
Sezession entschiedener positioniert.
Sicherfindet sich dann auch noch irgendwer für die fanatische Randabteilung.

Auf diese Art könnte man das vorhandene Potential aller Schattierungen erst mal überhaupt ausschöpfen - ja: einsammeln.

Und wenn sich erste kräftige Erfolge zeigen sollten, wirklich die Macht der Blockparteien zu brechen - dann könnte man weitersehen.
Also dann, wenn die Blockparteien entweder um Koalitionen mit Echtkonservativen und entsprechende Konzessionen nicht mehr herumkommen oder wenn doch noch eine massive Volksbewegung gegen die Zustände in D losbrechen sollte o.ä.

antwort kubitschek:
nochmal - es geht nicht um inhaltliche unterschiede, dieser käse ist längst vertilgt. es geht um die frage, ob ich die eigenen leute eines vorteils wegen (den ich mir von den gegnern erhoffe) in die extreme ecke stoße, obwohl ich weiß, daß sie dort nicht hingehören.
Der Gutmensch
24. November 2014 21:15
Aber mal im Ernst: Wer streitet denn eigentlich? Da hat ein Jemand einem Niemand die Gelegenheit verschafft, sein Mütchen mal ordentlich an einer Jugendorganisation zu kühlen, gegen die er selber lange Jahre überhaupt nichts einzuwenden hatte und mutmaßlich auch immer noch nichts einzuwenden hat (sonst hätte er das schon angeführt). Über die Gründe zu spekulieren ist müßig; sowas gehört sich nicht und fertig. Aber welche seltsame Regel sollte es denn nun erfordern, diesen Jemand komplett ungestört weitermachen und in aller Seelenruhe nochmal nachladen zu lassen? Habt Ihr denn jede Sozialkontrolle aufgegeben? Bin ich unter Eloi geraten?


Der Gutmensch.
Inselbauer
24. November 2014 23:19
Die ganze Zeit denke ich darüber nach und jetzt weiß ich, an wen mich Stein erinnert: An den Dorfmetzger meiner Kindheit, der plötzlich Lesungen veranstaltete, mit einem Kredit seine Schaufenster aufmöbelte und keine anständigen Würste mehr produzierte. Seine Insolvenz war eine kleine Tragödie.
X
24. November 2014 23:54
In dem konkreten Fall ist vor allem der Zeitpunkt ausschlaggebend, als Wehls Artikel erschien: es war geeignet, in der entscheidenden Phase des Ludwigstein-Diskurses Argumente für die Gegner der traditionsbewußten Bünde zu liefern. Denn wenn sich sogar die »rechtskonservative« Junge Freiheit kritisch zum Freibund äußert, so der naheliegende Kurzschluß, dann muß da ja etwas dran sein… Das riecht nach einer Kampagne und läßt sich auch von Stein nicht mehr nachträglich wegdifferenzieren.

Grundsätzlich hat aber diese über Jahrzehnte währende Anbiederungsstrategie der Konservativen erst jene Verhältnisse geschaffen, unter denen wir heute leiden, nämlich das Diktat einer politischen Moral. Ich kann den Linken nicht vorwerfen, daß sie auf diesem Wege die Deutungshoheit in der Gesellschaft erlangten und sich bemühen, auf diese Weise ihre politische Gegner völlig aus aus Öffentlichkeit zu drängen. Das liegt (von ihrem Standpunkt her) in der Natur der Sache. Allerdings sind es nur wenige, die einer Mehrheit diese politische Moral aufdrücken wollen. Daß sie trotzdem damit so erfolgreich sind, liegt an der Feigheit der Konservativen. Jeder, der aus Angst um seinen Ruf oder sein Auskommen seine Positionen aufgibt oder sich dazu hinreißen läßt, aus (vermeintlichen) Selbstschutz andere aus dem eigenen Lager zu denunzieren, sorgt ja erst dafür, das diese erpresserischen Methoden funktionieren. Da gibt es den Arbeitgeber, der einen Angestellten wegen seiner politischen Ansichten entläßt, nachdem von Außen Druck ausgeübt wurde, oder den Wirt, der die Saal-Buchung aufkündigt, aus Angst, daß ihm die Scheiben eingeworfen werden; und der Bahnhofkiosk bietet bestimmte Zeitungen nicht mehr an, nachdem Bokottdrohungen eingegangen sind, usw. – Diese Methoden funktionieren nur aus einem Grund, nämlich weil alle mitmachen. Und zwar nicht selten auch entgegen den eigenen Überzeugungen. Nicht selten sind die Betroffenen völlig unbedarft und wurden von der Massivität der Einschüchterungsversuche überrumpelt. Doch das kann man über Dieter Stein nicht sagen, er ist nicht politisch naiv. Aber er wird andererseits wahrscheinlich nicht einmal ein einziges Beispiel nennen können, wo einstmals ausgegrenzte Rechte durch Anbiederung beim Gegner erfolgreich gesellschaftlich rehabilitiert wurden. Denn dazu ist das aufwendig gepflegte Feindbild zu systemrelevant, eine ernsthafte Läuterung ist nicht erwünscht. Mit politischer Klugheit hat das also auch nichts zu tun und erst recht nicht mit Weitsicht – es bleibt also lediglich eine Charakterfrage.
Heiner
25. November 2014 00:53
Ich trinke gerade mein Feierabendbier und weiß eigentlich gar nicht mehr, was ich dazu sagen, darüber denken soll. Natürlich schreibe ich jetzt trotzdem alles, was ich nicht weiß, haha.

Kubitschek hat mit den Direktkommentaren von wegen alte Weggefährten in die Pfanne hauen Recht. Da liegt er 100 Prozent richtig. Das macht man nicht. Irgendwann geht einer einen anderen Weg und dann geht er ihn einfach, läßt alte Freunde zurück und spuckt ihnen nicht dabei ins Gesicht, um neuen Freunden zu gefallen. Es gab immer einen Unterschied, einfach nicht mehr mitzumachen bzw. andere Wege zu gehen, oder wirklich Verrat zu üben - das wußten damals die dümmsten Skinheads. Das ist gesunder Menschenverstand, der keines Intellekts bedarf.

Andererseits hat sich das IfS selbst stets in gewisse Richtungen ohne Frage nach dem intellektuellen Potential abgegrenzt, ohne daß sich z.B. der Tonfall eines Buches wie "Fremde Täter..." von diesen gewissen Ausgegrenzten unterscheidet (zugegeben, dieses Sich-Fernhalten war weniger laut, als das, was jetzt die JF treibt, aber es war spürbar). Solange es Ausgrenzung gibt, war klar, daß jeder einmal auf der Strecke des Erfolgreicheren zurückbleiben würde.

Steckt nicht in jedem von uns - und ich meine das nicht böse - ein Dieter Stein? Einer, der warum auch immer jetzt die Zeit gekommen sieht, das Fundament seines Lebenswerkes nachzugießen? Einmal "da oben" mitspielen zu dürfen und dabei mit gutem Gewissen sagen zu können: Ich habe mich entwickelt, nicht verkauft? Haben wir alle vielleicht keine Lust mehr, ständig darauf zu warten, daß morgens die Hauswand beschmiert wurde und das Monatseinkommen paßt nicht zur Anstreicherrechnung? Und was ist das für eine Last für einen Unternehmer, einen vergleichsweise riesigen Laden finanzieren zu müssen?

Apropos, Finanzen: Für die taz und jeden anderen Kritikeridioten hatte die AfD Anzeigengelder locker. Wann schaltet eigtl. die AfD in der JF mal eine ganzseitige Anzeige in Serie, um sich zu revanchieren??? Es sieht immer so aus, als würde die AfD die kostenlose JF-Berichterstattung gerne mitnehmen... (was die JF in eine Bittstellerrolle drängt) Aber zahlt es sich für die JF in barer Münze aus? Die ständig steigende Auflage gab es ja schon vor der AfD.

Was würde Akif P. eigentlich zu diesem Kommentar sagen? Genau: Redet doch mal mehr übers Ficken und dann kommt der Erfolg ganz von alleine. Das ist eine Erkenntnis aus dem WDR-Beitrag, die der Rechten in D sehr gut täte.
Nordlaender
25. November 2014 08:08
@ Stilblüte

"Kann mir jemand das Wort ‚Schuldstolz‘ erklären? Wird ‚Stolz auf etwas oder wen‘ von der Gegenseite in jeder Hinsicht abgelehnt oder in Kombination mit Schuld befürwortet? Ist das nicht ein Widerspruch in sich?"

Schuldstolz ist Identifikation mit dem Aggressor. Gibt es z.B. auch in schlechten Familienverhältnissen, wenn ein ohnmächtiges Kind wegen eines geringfügigen Vergehens von einem brutalen Vater unangemessen bestraft worden ist.
Stolz generell ist überhaupt nicht verkehrt, nur Stolz auf uns selber. Wer sich dem Feind gänzlich unterworfen hat, kann nun in einer Art Co-Existenz neue Vorteile erringen. Der Feind kann sich zugleich an der Nützlichkeit des Kollaborateurs erfreuen und Ekel vor seinem devoten Diener empfinden.
E.
25. November 2014 08:24
GK / Für DS sind es aber eben nicht (mehr) die „eigenen“ Leute. Und aus diesem Grund scheint er auch keine Gewissensbisse zu haben. Er hofft nun darauf, dass ihm, wenn er ein paar alte Mitstreiter der Öffentlichkeit zum Fraß vorwirft, sprich diejenigen, die seine (neue) Linie nicht mitgehen wollen, Absolution erteilt wird. Vermutlich wird sein Plan auch aufgehen. Ob er nun noch in Spiegel schauen kann, steht hingegen auf einem anderen Blatt.
Mister X
25. November 2014 10:26
Während einige Rechte Linkspopulisten werden, werden einige Linke Rechtspopulisten .
http://www.taz.de/Rechtspopulismus-auf-Compact-Konferenz/!150034/
Und in Dresden wächst langsam zusammen, was zusammen gehört.
Und die Presse blickte stumm auf dem ganzen Platz herum.
Weiße Rosen für die Polizei. Weiße Rosen für die Antifa.
Wir sind ein Volk !
Isabel
25. November 2014 10:36
Interessant, daß im Steinschen Artikel der Schlußsatz vorkommt, nicht die Burg Ludwigstein, sondern die Bünde selbst sollten höhere Anforderungen stellen. Offenbar hat Stein die ganze Debatte um den Ludwigstein - trotz der erneuten Öffentlichkeitswelle nach seinem Meißnerbesuch - nicht in Ansätzen verstanden. "Die Bünde selbst" ist nicht eine Mischung aus heimatverbundenen Bünden, sondern manche Bünde sind in der heutigen Zeit sozialistisch bis stark antifaschistisch geprägt, mit tw. enger Verflechtung der Szenen. Vielleicht spielt für diese Fehleinschätzung die starke Wahrnehmung gerade der heimatbetonten Jugendbewegung der Weimarer Zeit eine Rolle, unter Ausblendung der Ereignisse der Nachkriegszeit. Die tonangebenden Gegner der "traditionellen Bünde" – also die „Meinungsmacher“ - sind nicht gemäßigte Konservative oder Heimatverbundene, sondern dezidierte Antifaschisten plus eine größere Gruppe von Alt-68ern, die große politische Erfahrung mitbringen und über gute Kontakte in die Politik (v.a. SPD) verfügen. Dazu kommt deren Lebenserfahrung, immerhin haben sie ihre eigenen Bünde im Zuge der Nach-68er-Zeit, spätestens Anfang der 80er Jahre inhaltlich nach links gekippt. Es stehen also Jugendlichen und jungen Erwachsenen (mal bis Mitte 30 gezählt) keineswegs nur Gleichaltrige gegenüber, sondern auf der anderen, antifaschistisch geprägten Seite zusätzlich Personen von mindestens 40 Jahren, oft jenseits der 50 und 60. Diesem Ungleichgewicht an Lebenserfahrung und Unterstützungskraft und -energie - auch was die Methodik angeht - ist letztlich kaum etwas entgegenzusetzen. Diese Seite agiert seit Jahren mit den bösartigsten Methoden der Verleumdung - und Stein fällt nichts Besseres ein, als sich mit diesen widerwärtigen Charakteren zu solidarisieren. Ich hatte eigentlich beschlossen mich dazu nicht mehr weiter zu äußern, weil ich zu stark selbst involviert war und unter der Methodik der Verleumdung gelitten habe, aber eine spontane Wut ließ mich nun doch noch diese Zeilen schreiben. Es geht auf der anderen Seite der politischen Skala nicht um einen Verzicht auf Lieder, sondern auf längere Sicht um die totale Anpassung und Aufgabe aller eigenen Positionen. In einem gesellschaftlich sich zuspitzenden Klima mit einem enormen Druckfaktor und unter bewußter Erzeugung von existentiellen/ materiellen Ängsten, beispielsweise durch Internetpranger. In diesen Kreisen wurde auch ganz offen davon gesprochen, absichtlich einen "starken Leidensdruck" zu erzeugen, um Menschen weltanschaulich zu brechen oder auch nur auf Abgrenzungskurs zu bringen. Das betrifft Einzelpersonen, aber durch ein Einbrechen der Übernachtungszahlen auch Einrichtungen wie die Burg Ludwigstein, deren Verantwortliche zuvor bemerkenswert vehement und mutig ihre Haltung der „offenen Burg“ verteidigt hatten. Danke an Stein, daß er den politischen Meinungsmachern innerhalb „der Bünde selbst“ das Geschäft der Erzeugung von „Leidensdruck“ erleichtert.
Sumpfbewohner
25. November 2014 11:35
Was die Strategie der JF angeht, wird sie - klar - auf höhere Verkaufszahlen abzielen.
Se scheint zu hoffen, das auf der Basis einer Parteizeitung der AfD erreichen zu können.
Bis dato publiziert aber dummerweise nur der konservative Flügel der AfD gelegentlich dort - nicht die Neoliberalisten. Was mich keineswegs wundert.

Da Herr Stein offensichtlich aber gerade diesen Flügel für einflußreicher, wichtiger zu halten scheint, setzt er die Luckeschen Maßstäbe oder das, was sie zu sein scheint. So bei der Frage nach rechts, so in der auffälligen Zurückhaltung bei der Ukrainefrage etc.
Die Luckisten werden ihn trotzdem nicht goutieren, sondern weiter bei Handelsblatt & Co. bleiben, weil ihr Projekt letztlich ein rein ökonomisches ist und nur zufällig partiell national oder konservativ ausdeutbar.
Bleibt zunächst abzuwarten, wie lange die Luckisten noch den Ton angeben können, und wie sich danach die politische Lage für die AfD und für die Konservativen generell darstellt.
Ich halte einen weiteren Schwenk der JF also für möglich. Nicht primär nach politischen, sondern nach Vermarktungsgesichtspunkten

Die menschliche Seite der ganzen Sache - ich denke, das gehört nicht in ein öffentliches Forum, sondern ggf. in eine persönliche Abklärung.
Weltversteher
25. November 2014 12:36
Ich finde es sonderbar, und das ist vielleicht der Kern der ganzen Sache, daß Stein es für möglich hält, man könne eine bestimmte Haltung zu dem Dritten Reich haben.
Wer so etwas glaubt, ist entweder ein einfältiger Bundesbürger ohne Begriff vom Leben vor seinem Gartenzaun, oder ein Demokrat, der ohnehin keine Geschichte braucht, weil er ein utopisches Ziel verfolgt.
Jan
25. November 2014 14:31
Forscher erkannten, dass die durchschnittliche Stärke unseres Selbstbewusstseins, von ihnen “Selbstwertgefühl” genannt, zu etwa 50 Prozent genetisch vorgegeben ist. Ob es sich besonders positiv ausprägt oder eher schwächelt, entscheidet sich früh: Über die künftige “Alltagslage” unseres Selbstwertgefühls bestimmen frühkindliche Prägungen (bis zum Alter von etwa fünf Jahren) mit weiteren 30 Prozent mit. Die verbleibenden 20 Prozent werden später durch Elternhaus, Freundeskreis und Schule bestimmt. Es ist doch ganz logisch, daß das Christentum allein aus Machtgründen mit der Lehre von der Erbsünde besonders die Deutschen als das zentrale Volk Europas zu Sündenböcken gemacht hat.

Kositza: Na, genau Sie sind der ideale Adressat für Lichtmeszens in Kürze erscheinendes Buch "Kann nur ein Gott uns retten"!
Nordlaender
25. November 2014 22:47
@ Jan

"Es ist doch ganz logisch, daß das Christentum allein aus Machtgründen mit der Lehre von der Erbsünde besonders die Deutschen als das zentrale Volk Europas zu Sündenböcken gemacht hat."

Nach der Lehre von Moses Heß ("Rom und Jerusalem"), des Mentors von Karl Marx, besaßen wir Germanen eben nur Potential, was unseren technischen Erfindungsgeist anbelangt. In Sachen Ethik waren wir indes Barbaren, die erst durch durch die Einführung des morgenländischen Christentums nach Europa durch Paulus auf den rechten Weg geführt worden sind.
JF-Abonnent von Anfang an
26. November 2014 00:30
Als Korporierter, dem die teils auch von meiner verbindungsstudentischen Seite aus betriebene neurotische Abgrenzeritis zu den Burschenschaften nie als sinnvoll, ehrenhaft oder vorteilhaft eingeleuchtet hat, muss ich leider mit Bedauern und ein bisschen Entsetzen feststellen, dass Dieter Stein in seinem Sammelsurium von Anbiederungs-Zitaten und politisch korrekten Gesinnungsbeweisen, so ganz nebenbei, ohne eine (für mich) aus dem bisherigen Disput heraus erkennbare argumentative Notwendigkeit der längst am Boden liegenden „Deutschen Burschenschaft“ einen vollen Tritt in die Weichteile verpasst, indem er sie wortwörtlich aus seiner Sicht in die „rechtsreaktionäre Ecke“ manövriert, woran jene natürlich selber schuld seien, weil bei ihnen „Geschichtsverleugnung tonangebend“ sei.

Also sowas, lieber Herr Stein!? Die Burschenschaften hatten doch schon vor dem zwölfjährigen Dritten Reich eine mehr als 100jährige Tradition. Und jeder Fux und Bursche, der sich ein paar Semester lang von der konkreten Geschichte seiner Verbindung vereinnahmen lässt - und zeitlich darüber hinaus wenigstens noch die souverän geschriebenen Bücher von Joachim Fernau gelesen hat -, dessen Geschichtsbewusstsein ist aus vielfältigen Fakten, Bildern, Berichten, Meinungen und Erzählungen und zu guter Letzt aus mehr als zwölf Jahren Geschichte gespeist. Vor allem haben jene viel an Wissen und Bewusstsein voraus, die noch die leidgeprüfte Erlebnisgeneration (Weltkrieg) in offenem Gespräch kennen lernen durften.

Geschichtsverleugnung? – So ein Quatsch. Höchstens Geschichtsrelativierung und damit Verleugnung der Singularität des „verbrecherischen Charakters“. Aber das ist ja gerade heutzutage ein „Verbrechen“ im freiesten Staat der deutschen Geschichte, wo die Singularität des absolut Bösen eindeutig für die deutsche Seite nicht nur gesellschaftspolitisch und medial, sondern auch juristisch festgeschrieben ist.

Ist es gemein, wenn ich unterstelle: Herr Stein bereitet sich bereits strategisch und mental auf seinen ersten Talkshow-Auftritt im Fernsehen vor? Er will wohl die Botschaft aussenden: Schaut her, liebe FAZ und andere, habt keine Angst vor mir, ich ringe mit mir, aber ich bin harmlos, behandelt mich nicht wie einen Aussätzigen, auch ich bin doch einer von den Guten. Wie darf ich es noch beweisen?

Trotzdem! – die JF ist immer noch sehr wertvoll für die politisch-historische Orientierung.
H.
26. November 2014 00:56
@Jan

Das Thema klang für mich interessant und ich habe danach "gegooglet". Den gesamten Passus einfach kopieren und einfügen, ohne jegliche Quellenangabe, ist aber schon ein bisschen schwach.

http://www.narzissmus.net/?p=280
Andrenio
29. November 2014 08:53
Durch die Nähe zu "Criticon" und zu Freiburg gehörte ich wohl zu den ersten Abonnenten der JF. Nutzlos die diversen Anfeindungen aufzuzählen, die man im öffentlichen Raum erlitt, wenn man sich für dieses Projekt stark machte.
Obwohl Torsten Hinz, gelegentlich Paulwitz, vor allem die Interviews von Moritz Schwarz ein Genuss sind, auf die man sehr ungern verzichtet, musste jetzt ein Signal gesetzt werden, weil Dieter Stein eindeutig eine rote Linie überschritten hat. So ging diese Woche das Kündigungsschreiben mit Begründung in die Post. Dazu wird der Dauerauftrag der Freunde der JF eingestellt. Wetten, dass darauf nicht einmal eine Antwort kommt?

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