03. Mai 2015

Chronik des Bombenkriegs: 3. Mai 1945 – Die Trägodie in der Lübecker Bucht

von Benedikt Kaiser / 0 Kommentare

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Heute vor 70 Jahren, fünf Tage vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, flog die Royal Air Force (R. A. F.) noch über Hundert Einsätze in Norddeutschland. Dabei kommt es zu einem Angriff britischer Flugzeuge auf überladene deutsche Schiffe in der Lübecker Bucht. Tausende vormalige KZ-Häftlinge sterben ebenso wie deutsche Soldaten und Matrosen. Ein militärischer Sinn der letzten Bombardements war wiederum nicht erkennbar.



Zwar gaben R.A.F.-Vertreter bekannt, daß vor allem der Großangriff von 200 Flugzeugen auf Schiffe, die in der Kieler und Lübecker Bucht vor Anker lagen, eventuellen Absetzbewegungen deutscher Soldaten galt. Tatsächlich erfolgten solche aber nicht. Statt dessen ordnete der britische Planungsstab an, die "feindliche Schiffsansammlung" zu zerstören. 23 Schiffe wurden am frühen Nachmittag des 3. Mai 1945 versenkt und mehr als 100 beschädigt. Am bekanntesten dürfte das gemeinsame Schicksal des vormaligen Luxusschiffs "Cap Arcona" (330 Meter lang) und des Dampfers "Thielbek" sein.

Mehr als 4500 Personen, die zuvor in einem KZ bei Hamburg interniert waren, drängten sich auf bzw. in diesem Koloß, ferner hunderte deutsche Matrosen und Flakhelfer. Vier Angriffswellen der britischen Luftwaffe zerstörten "Cap Arcona", das Schiff sank aber aufgrund der dort geringen Tiefe des Meeres nicht. Die etwas kleinere "Thielbek", wo ebenfalls mehrere Tausend darbende Häftlinge festgehalten wurden, sank innerhalb weniger Minuten. Vielen Menschen der "Thielbek" gelang – unter Beschuß der Alliierten, die immer noch dachten, es mit Soldaten zu tun zu haben – das Erreichen des rettenden Ufers.

Aber dessen ungeachtet: Bis zu 8000 Menschen aus 24 Nationen starben insgesamt in den Flammen des Schimpfrumps der "Arcona", gingen mit "Thielbek" unter oder ertranken in der kalten Ostsee, die Mehrzahl – deutlich über 6000 – KZ-Häftlinge. Nur 400 überlebten. Ohne dieses Bombardement wären sie wenige Tage später aus ihrer Gefangenschaft befreit worden.

Damit endet diese Chronik des Bombenkriegs gegen Deutschland, der – das sei abschließend festgehalten – um so heftiger geführt wurde, je näher die deutsche Niederlage rückte.

Literaturhinweise:
Günter Zemella: Warum mußten Deutschlands Städte sterben? Eine chronologische Dokumentation des Luftkrieges gegen Deutschland 1940-1945, 648 S., 24.90 €  hier bestellen
Björn Schumacher: Die Zerstörung deutscher Städte im Luftkrieg, 344 S., 24,90 € – hier bestellen

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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