28. April 2015

Die Idee des Staates

von Erik Lehnert / 50 Kommentare

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

leviathanDa der Beitrag von Lutz Meyer auf den Kern der Arbeit des Instituts für Staatspolitik (und damit auch der Sezession) zielt und diesen infrage stellt, seien mir ein paar knappe Anmerkungen dazu gestattet.



Daß unser gegenwärtiger Staat nicht der von Meyer eingangs erwähnten Idee des Staates entspricht, dürfte klar sein. Fraglich ist, ob dieses Schwundstadium geeignet ist, Aussagen über den „Staat an sich“ zu treffen. Im nächsten Absatz wird es daher deutlich unklarer: Was hat der „Staatsgedanke als solcher“ mit Parteien zu tun? Nichts. Im Gegenteil: Die Parteien sind ein Beispiel dafür, wie die Idee des Staates, „maßgebende Einheit“ (Carl Schmitt) zu sein, in sein Gegenteil verkehrt wird.

Weiter: Seine Ansichten mit Nietzsche belegen zu wollen, ist immer etwas problematisch, da sich bei Nietzsche zu fast jeder Aussage auch das Gegenteil findet. Er läßt sich also gut als Zitatmaschine gebrauchen, ohne daß damit irgendetwas außer der Bestätigung seiner eigenen Auffassung gewonnen wäre.

Auch wenn sich bei Nietzsche sicher mehr kritische als positive Bemerkungen über den Staat finden, so darf doch nicht übersehen werden, daß Nietzsches Kritik immer auf den seinen Zweck verkehrenden Staat, der zum Götzen geworden ist, zielt. Einige Jahre vor dem Zarathustra hieß es noch: „Der Staat, von schmählicher Geburt, für die meisten Menschen eine fortwährend fließende Quelle der Mühsal, in häufig vorkommenden Perioden die fressende Fackel des Menschengeschlechts – und dennoch ein Klang, bei dem wir uns vergessen, ein Schlachtruf, der zu zahllosen wahrhaft heroischen Taten begeistert hat, vielleicht der höchste und ehrwürdigste Gegenstand für die blinde und egoistische Masse, die auch nur in den ungeheuren Momenten des Staatslebens den befremdlichen Ausdruck von Größe auf ihrem Gesichte hat!“



Ohne Staat gibt es keine Kultur, kein in Form gebrachtes Volk und auch keinen schaffenden Einzelnen. Nietzsches Kritik am Staat, wie er sie im Zarathustra äußert, zielt auf den Staat von Masse und Durchschnitt. Dem kann man folgen, weil kein Staat jemals den Ansprüchen eine vergeistigten Intellektuellen genügt haben dürfte. Doch ohne die Frage, inwieweit man selbst so zu den „schaffenden Einzelnen“ gehört, daß man auf andere nicht mehr angewiesen wäre, bleibt diese Ablehnung Pose. Und ob Nietzsches zunehmend solitäre Existenz eine geeignete Lebensform war, um Aussagen über etwas zu treffen, daß es zu 99,9 Prozent nicht mit solchen besonderen Menschen zu tun hat, sei mal dahingestellt.

Der Staat ist nicht nur die „maßgebende Einheit“, sondern auch eine Gemeinschaft, die nach innen für Frieden unter seinen Mitgliedern sorgt (auch den sozialen Frieden) und nach außen diesen inneren Frieden verteidigt. Hinzu kommt, daß der Staat eine umfassende Rechtsgemeinschaft ist. Wer ihn abschaffen will, schafft auch das Recht ab und stiftet in der Regel mafiöse Strukturen, die nur das Recht des Stärkeren kennen. „Der Staat, obwohl selber ein Produkt der menschlichen Sünde, ist dazu da, noch größerer Sünde zu wehren.“ So schlicht hat es Hans-Joachim Schoeps auf den Punkt gebracht, als der Staat durch die Hinnahme der Zerstörung seiner Autorität durch die 68er seine Selbstzerstörung betrieb. Wenn das Amt keine Autorität mehr beanspruchen kann, ist es um den Staat geschehen.

Die Hoffnung auf Chaos und Selbstorganisation, die den Staat überflüssig machen würde, geht von einem naheliegende Trugschluß aus: Man hält die anderen Menschen, in dem Fall wahrscheinlich die Deutschen, grundsätzlich auch für fähig und bei gutem Willen auch in der Lage, sich selbst zu organisieren. Die Konsequenzen dieses Trugschlusses können verheerend sein. Die alte menschliche Neigung, andere Menschen zu versklaven, ist noch nicht überall auf der Welt aus der Mode gekommen.

Schließlich ist das ähnliche Denken und Fühlen von Menschen ein ziemlich dünnes Band für eine Gemeinschaft. Da reichen manchmal allzumenschliche Dinge aus, daß es um dieses gemeinsame Denken und Fühlen geschehen ist. Der Staat gibt mir nicht zuletzt die Möglichkeit, mit anderen Menschen zusammen eine Gemeinschaft zu bilden, obwohl sich mein Denken und Fühlen von dem ihren fundamental unterscheiden mag. Durch seine Autorität, sein Versprechen von Gerechtigkeit und seine Daseinsvorsoge gibt er der Schicksalsgemeinschaft eines Volkes die Form, in der sich jedes Mitglied wiederfindet. Und nebenbei sorgt der Staat dafür, daß eine Gemeinschaft existiert, in der mir der andere nicht zu nahe tritt.

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Kommentare (50)

Yvonne
28. April 2015 13:18
Wie Herr Meyer sich das vorstellt, so ganz ohne Staat, lauter Einzelgrüppchen... es geht aus dem Text nicht hervor. Jedenfalls wird von unseren Staatsverächtern ja meist der Markt bemüht. Sie glauben, dieser würde praktischerweise die Aufgaben des Staates übernehmen. Er würde wie ein Naturgesetz walten und der egoistische und unfähige Mensch könnte keinen Schaden mehr anrichten. Aber zum Einen braucht so ein Markt den Staat, um überhaupt bestehen zu können (Rechtssicherheit, Infrastruktur, Umweltschutz etc.). Zum Anderen heißt es doch schlicht, dass unter idealen Bedingungen sich Angebot und Nachfrage (von entsprechend stückelbaren Gütern) über den Preis regeln, und zwar paretoeffizient, d.h. verteilungsneutral! Der Marktmechanismus zementiert folglich Verteilungsungleichgewichte! Da außerdem ideale Bedingungen nie gegeben sind, besteht eine latente Tendenz zur Monopolbildung (z.B. über Absprachen) und damit zur Selbstvernichtung des freien Marktes. Und selbstverständlich lassen sich viele schutzbedürftige Güter nur schwerlich in handelbare Eigentumsrechte transformieren.
Wie armselig ist so eine zu Markte getragene Gesellschaft schon in der Vorstellung. Bei uns ist es schlimm genug. Die Libertären sagen, es gibt viel zu viele Eingriffe, böser Sozialismus hier! Doch woher kommt es denn? Es sind in Wahrheit vielfach "Marktteilnehmer", die hier zugreifen und denen sich "unser" Staat bereits zu fügen hat. TTIP wird es besiegeln
In einem vernünftigen Staat gibt es den Markt da, wo er hin gehört. Als ein Wirkprinzip von vielen.
Es scheint mir ein naiver Glaube dahinter zu stecken, ein Glaube daran, dass ein formaler Regelungsmechanismus eine inhaltliche Definierung überflüssig machen könnte. Um einen gewissen kulturellen und moralischen Standard zu sichern, braucht es den Staat. Aber das hilft nicht über die Frage hinweg, was für einen Staat man will, welchen Prinzipien er treu sein und welches Volk er schützen soll. Diese Dinge fallen nicht vom Himmel. Auch in einer reinen Marktgesellschaft müsste darüber entschieden werden.
Aber vielleicht hofft Herr Meyer auch, dass wir letzten Deutschen oder die, die es noch sein wollen, bald in ein Reservat entlassen werden, irgendwo in der mecklenburgischen Heide. Dort leben wir dann in Großfamilien und besprechen artgerecht das Anstehende im Thinghaus...
Georg Mogel
28. April 2015 14:08
Denn für ganze Nationen gibt es
oberhalb der Selbsterhaltung
kein Gebot.

Arnold Gehlen,
Moral und Hypermoral
1969
Julius
28. April 2015 16:26
Die Lehre von den zwei Naturen - der Grundstock der traditionalen Lebensauffassung - spiegelt sich auch in der Beziehung wider, die in der Tradition zwischen dem Staat und dem Volk - demos - besteht. Die Vorstellung, daß der Staat seinen Ursprung im demos hätte und in diesem auch das Prinzip seiner Rechtmäßigkeit und seines Zusammenhaltes läge, ist eine ideologische Perversion, typisch für die moderne Welt, und bezeugt im wesentlichen einen Rückschritt. Denn mit dieser Auffassung kehrt man dazu zurück, was für naturhafte soziale Formen ohne geistige Erhöhung charakteristisch war. Und daß, nachdem einmal diese Richtung eingeschlagen war, man immer tiefer sinken mußte, bis zur kollektivistischen Welt der Massen und der absoluten Demokratie, ergibt sich aus einer natürlichen Notwendigkeit, nämlich aus dem Gesetz der fallenden Körper. Nach der traditionalen Auffassung hingegen steht der Staat zum Volk, wie das olympisch-uranische Prinzip zum chthonischen und «niederen», wie sich «Idee» und «Form» - νους - zu «Materie» und «Natur» - ΰλή - verhalten oder in anderen Worten, im Verhältnis eines lichthaften, männlichen, unterscheidenden, individualisierenden und befruchtenden Prinzips zu einer schwankenden, vermischten, dunklen, weiblichen Substanz. Zwei Pole sind es, zwischen denen eine innere Spannung herrscht, die sich in der traditionalen Welt im Sinne einer inneren Verwandlung und einer Ordnung von oben auflöste. So ist auch der Begriff «Naturrecht» eine reine Fiktion, dessen antitraditionale und subversive Verwendung wohlbekannt ist. Es gibt keine Natur, die in sich «gut» wäre und wo die nicht greifbaren Prinzipien eines für jedes Menschenwesen gleich geltenden Rechts vorgeformt und verwurzelt wären. Auch wenn die ethnische Substanz in einem gewissen Maße als «geformte Natur» erscheinen mag, also einige elementare Ordnungsformen aufweist, so haben diese erst einen geistigen Wert, wenn sie in einem Staat oder in einer analogen, von oben ausgehenden traditionalen Organisation aufgegriffen werden und auf Grund der Teilhaftigkeit an einer höheren Ordnung eine Bekräftigung erlangen, außer es handelt sich schon um Überreste und Spuren vorgängiger formender Aktionen. In ihrem Grunde ist die Substanz des demos immer dämonisch (im antiken, nicht christlich-moralischen Sinn), d.h. sie braucht eine Reinigung, eine Befreiung, bevor sie als Kraft und Materie - δύναμις – eines traditionalen, politischen Systems wirksam werden kann und damit ermöglicht, daß jenseits einer naturhaften Grundsubstanz immer stärker eine unterscheidende und hierarchische Ordnung der Würde faßbar wird.

Julius Evola, Revolte gegen die moderne Welt
kolkrabe
28. April 2015 16:50
Lieber Herr Lehnert,

den Staat bzw. eine Idee des Staates infrage zu stellen bedeutet doch nicht gleich, die Arbeit der Sezession und des ifs infrage stellen zu wollen.

Und selbst wenn: Darf und sollte man nicht ab und an des Sinn seines Tuns hinterfragen - zur Not auch radikal? Es dient der Besinnung und Standortbestimmung. Dass manche hier allergisch reagieren oder gar hyperventilieren und sich als Gralshüter der Staatsidee aufspielen, zeigt andererseits, dass es sich um eine brisante Fragestellung handelt.

Ein Rückblick in die Geschichte der Philosophie seit Platon lehrt uns im Übrigen, dass höchste Vorsicht gegenüber dem Leviathan geboten ist - gerade wenn wir uns mit hohen Erwartungen nähern. Hat nicht auch Heidegger in dieser Sache Lehrgeld zahlen müssen? Und standen nicht konservative Geister wie Gerhard Nebel, den Sie ja gut kennen, dem Staat sehr distanziert gegenüber? Auch mit der Bundesrepublik hat Nebel nie seinen Frieden gemacht - ich glaube, er sprach irgendwo davon, dass man dem heutigen Staat noch dankbar sein müsse, wenn er sich auf den bloßen Steuerterror beschränke (ich finde die Stelle leider gerade nicht).

Nach meinem Eindruck wird doch nicht verlangt, den Staat grundsätzlich abzuschaffen. Sondern es geht doch mehr darum, dass Konservative und Rechte eine gewisse Distanz gegenüber dem Ungeheuer aufbauen und einhalten sollten - einerseits, um nicht die Kräfte in falsche Bahnen zu lenken, andererseits um einen modus vivendi innerhalb des Machtbereichs vor allem heutiger Staaten zu finden. Der Markt ist gewiss keine Alternative zum Staat, wohl aber der Einzelne und sein soziales Gefüge. Arnold Gehlens heilige Institutionen hingegen wirken gegenüber diesem natürlichen Gefüge armselig, blutleer und abstrakt und sind von jeder Macht beliebig manipulierbar.

Dass man mit Nietzsche nahezu alles und das Gegenteil begründen kann, ist richtig. Doch geht es hier ja nicht um eine akademische Nietzsche-Auslegung, sondern um einen Denkanstoß mit freundlicher Unterstützung des alten Pulverkopfs. Und warum zum Teufel sollte es eigentlich keine rechten Anarchisten geben - Leute also, die den aktuellen Staat gleichsam unterlaufen und so helfen, des Lebens tiefste Substanz zu bewahren?
Dirty Harry
28. April 2015 18:25
Was hat Lutz Meyer eigentlich geschrieben?

Ich verstehe ihn so, dass es ihm weniger um das Ziel als um den Weg geht. Seinen Text lese ich nicht als anarcho-libertäre Absage an den Staat an sich, sondern als Aufruf, sich nicht auf ihn zu fixieren.

Aus neurechter Sicht wäre dieser Gedanke doch nachvollziehbar, oder? Erobern kann man diesen Staat nicht, dafür gibt es nicht das geringste Anzeichen; warum sich nicht also auf das Naheliegende konzentrieren?

LM "Es geht darum, den Staat durch uns selbst überflüssig zu machen".

Dem Autor geht es - das lese ich aus diesem Satz heraus - nicht um eine aktive negative Absage an den Staat, sondern darum, den Weg zu beschreiten, ihn sukzessiv (soweit möglich) "überflüssig" werden zu lassen. Durch "uns selbst", durch Schaffung von Strukturen ohne Staat, durch Verdrängung des Staats aus unserem Leben.

Ist das anarchistisch, ist das libertär?

Was mich vor Jahren an den Ideen aus Schnellroda gereizt hat, war vor allem dieses parteienferne, auf das naheliegende Eigene (Familie, Garten, familiäres bzw. quartiersbezogene Umfeld) bezogene Denken, welches staatlichen Einflüssen mit großer Skepsis gegenübertrat. Dazu die Ablehnung des Verbiegens des Eigenen durch Medien und Institutionen. Ich bezog das immer auch nicht nur auf den derzeitigen Staat, sondern auf einen Staat überhaupt. Mein Irrtum...

Mein Lackmustest: Gebe ich gerne meine Ressourcen (Steuern, Wahldienst) für einen Staat und dieser verfügt darüber nach eigener Schwerpunktsetzung? Möchte ich meine Vorstellung den Ideen und Werten eines Volkes / der Bevölkerung unterordnen und diese übernehmen? Möchte ich, dass irgendeine Nation verlangt, dass meine Söhne für einen Krieg zwangsverpflichtet werden?

Dreimal Nein.

Ist das keinesfalls konservativ? Sind das für Rechte unmögliche Gedanken?

Mit Blick auf freikirchliche Gemeinden, mit Ernst Wiechert, "Der Waldgang" und "Eumeswil", mit Blick auf... nein.

Meine Familie, meine natürlich gewachsene Gemeinschaft, mein Eigentum, meine spirituellen Vorstellungen und meine Werte und Tugenden sind mir wichtig. Nicht Volk, Nation und Staat.

Ich weiß nicht, ob Lutz Meyer dies auch so sieht. Gleichwohl: Ich finde den Beitrag von Lutz Meyer erfrischend und nachdenkenswert. Gerne mehr davon.
Roman
28. April 2015 18:28
Ich betrachte den Artikel auf den sich Herr Lehnart bezieht als Ausdruck der Ansteckung der Rechten durch die bundesrepublikanische Weltinnenpolitik. Staatlichkeit ergibt sich schon allein aus der Existenz der anderen Staaten. Die Flucht aus dem Staat liefert einen nur der Willkür der anderen Staaten aus. Und hier kann man auch die Sezession ein wenig kritisieren. Es fehlt fast gänzlich die Behandlung der Außenpolitik. Die eigene Machtlosigkeit kann da keine Erklärung sein. Die rechten Denkfabriken in anderen Ländern bereiten das aktuelle Spiel der Mächte und die Perspektiven des eigenen Staates auf, selbst wenn sie ihn für durch fremde Mächte besetzt halten.
Der Gutmensch
28. April 2015 18:44
... bin schwer erleichtert!


Der Gutmensch.
Thomas Schramm
28. April 2015 19:36
Wenn sich Völker keine Formen der Gesllschaftsorganisation geben, sind sie Spielball jeder Macht die von außen eindringt und sie schlimmstenfalls zerstört.

Wer die Auflösung von Staaten propagiert, rät zum Selbstmord des Volkes.

Die einzigen, die dabei gewinnen können sind Mächtegruppen, die weltweit auf der Suche nach Sklaven sind.
Thomas
28. April 2015 22:04
"Ohne Staat gibt es keine Kultur, kein in Form gebrachtes Volk und auch keinen schaffenden Einzelnen."

Mit Verlaub, Herr Lehnert, aber dies halte ich für mehr als gewagt, all die von Ihnen genannten Punkte (Kultur, in Form gebrachtes Volk, schaffende Einzelne) entfalten sich auch ohne Staat - sogar besser noch!

Was mich immer wieder wundert: Merken Sie und all die anderen hier versammelten Staatsgläubigen denn nicht, dass der Staat die Ursache für all die Übel sind, die wir hier seit Jahr und Tag beschreiben und bekämpfen?

Nur der Staat erzeugt die Asylströme (via Asylrecht und Sozialleistungen), nur der Staat betreibt mittels seiner institutionalisierten Multukulti-Ideologie die Auslöschung seines eigenen Volkes und ersetzt den "schaffenden Einzelnen" durch einen Anspruchsmenschen, der die vornehmste Aufgabe des Staates darin sieht, dass jener mittels seines Gewaltmonopols von den produktive(re)n Nachbarn über Steuern deren Eigentum beschlagnahmt, um es via Sozialtransfers an ihn "umzuverteilen", wie dieser unmoralische und asoziale Raubzug verharmlosend bezeichnet wird.

Ich fand den Artikel von Lutz Meyer jedenfalls hervorragend; er ist ein Lichtblick inmitten all der Staatsgläubigen. Der Staat und sein ihm innewohnendes Monster und Antriebsstoff, nämlich die Politik, sind das Unglück der Menschheit. Ohne Staaten keine Atombombenabwürfe, kein Holocaust, keine Vernichtung der deutschen Städte im 2. Weltkrieg, aktuell kein Terrorismus etc. pp.
Thomas
28. April 2015 22:15
Meinen vorhergehenden Beitrag möchte ich noch ergänzen durch ein Zitat von Frederic Bastiat, der - noch ohne das Wissen, was die modernen Staaten später angerichtet haben und wie sehr sie die Menschheit quälten - bereits um 1850 schrieb:

"Der Staat ist die große Fiktion, nach der sich jedermann bemüht, auf Kosten jedermanns zu leben." (Frederic Bastiat)
Der Ghibelline
29. April 2015 01:39
Ich bin sehr erleichtert, daß Erik Lehnert hier eine Lanze für den "Staat als Polis der Neuzeit" (H.-D. Sander) bricht!

Ich hatte schon Sorge, die unseligen rechten Leviathanjäger hätten sich selbst beim IfS und in der Sezession breitgemacht...

Seit Preußen wissen wir, daß Staat und Freiheit keine Widersprüche sind.
Waldgänger
29. April 2015 07:21
Ist ja logisch, das ein Text mit dem Titel "Der Staat - ein Ungeheuer" auf das "Institut für Staatspolitik" verstörend und ärgerlich wirken muss.
Habe mich daher sogar etwas gewundert, dass Meyers Artikel hier überhaupt erschienen ist. Andererseits entsteht in der erneuten und vertieften Auseinandersetzung mit widersprechenden Positionen zumeist ein noch tieferes Verständnis für den eigenen Begründungszusammenhang.

Was Herr Lehnert hier geschrieben hat, ist weit überzeugender als Meyers Position. Meyers anarcho-libertärer Ansatz, den auch etwas Romantik kennzeichnet, betrachtet außerdem weniger den Staat als solchen als vielmehr den Staat in seiner gegenwärtigen aktuellen Verfasstheit und Degeneration.


Etwas, was zu dem vom IfS und Herrn Lehnert Gesagten noch hinzugefügt werden könnte, ist die Frage, ob es den Staat an sich überhaupt gibt.
"Staat" kann ja von Fall zu Fall etwas sehr Unterschiedliches sein und ganz sicher spielen in jedem Konzept von "Staat" nicht nur die Befriedung nach Innen und Außen und das Kulturermöglichende eine Rolle, sondern auch die Herrschaft des Stärksten bzw. der mächtigsten sozialen Gruppe. Staat ist ohne Herrschaft nicht denkbar. Und herrschen tut nie der Klügste, Beste oder Verantwortungsvollste, sondern der Mächtigste.
Banale Dinge!

Hier sind je nach Art der inneren Verhältnisse des Staates und dem Ausmaß der entstandenen Überlegenheit einer bestimmten Gruppe recht verschiedene Varianten möglich. Man denke nur an den Absolutismus im Frankreich vor 1789 oder an die chaotische Konkurrenz des Hochadels in der späten römischen Republik.

Wie der Staat konkret ausgestaltet ist, das ergibt sich aus dem Kraftvektorenfeld seiner sozialen Gruppen.

Und da heute das Gewicht globalistischer US-affiner Eliten und überhaupt der Einfluss ausländischer Mächte weit größer ist als etwa um 1970 herum, hat sich auch die Ausgestaltung unseres gegenwärtigen kläglichen Staatsgebildes verändert.
Der Gutmensch
29. April 2015 08:59
Lieber Kolkrabe,

ich dachte eigentlich, wir befinden uns hier in Gesellschaft derer, die von selber zum Waldgängertum neigen und diesbezüglich keiner weiteren Ermutigung bedürfen? Wohin das auf die Spitze getrieben führt ... "Finsterworld" hat es in rabenschwarzer Romantik gemalt! Selbstverständlich braucht jede Gesellschaft ihre schrulligen Einzelgänger ... Schriftsteller zum Beispiel ... aber gerade diese bedürfen ja gelegentlich der mütterlich-fürsorglichen Erinnerung daran, dass so ein Staat (und eine Armee und eine Daseinsvorsorge etc.pp.) durchaus eine kulturelle Errungenschaft ist oder jedenfalls: sein sollte! Vor mafiösen Strukturen und unangenehmer Gesellschaft gruseln die sich nämlich schon von ganz alleine in ausreichendem Maße; deswegen ja die Freude am Wald. Oder?

Der Gutmensch.
Thomas Schramm
29. April 2015 11:16
"Der Staat ist die Ursache für all die Übel"

Warum?
Ist der Staat ein selbständig handelndes Lebewesen?

Ist er nur schlecht - immer und für alle? Wo sind die Gegenbeispiele das ohne jegliche staatliche Organisation alles viel besser läuft?


Ein Staat - wie jede gesellschaftliche Organisationsform - kann nur zum Wohl des Menschen funktionieren wenn er auch die biologischen Grundlagen des menschlichen Lebens und ihre Erfordernisse berücksichtigt.
An der Ignoranz und der absoluten Vernachlässigung der ehernen Naturgesetze der Schöpfung (nicht im Sinne der Großreligionen gemeint) sind das Scheitern bzw. die Entartung dieser Staatsformen begründet.

Das ist kein Aufruf "zurück zur Natur" im Sinne von alternativen Spinnern, die die Menschheit schon genügend "beglückt" haben, sondern zu einem ständiger Abgleich der menschlichen Entwicklung zu den biologischen Naturgesetzen, die wirken ob wir es wollen oder nicht.
Rainer Gebhardt
29. April 2015 11:59
Eine Anmerkung noch: Meyers Fragen sind ja so neu nicht, wie das Icon mit dem Thoreau-Zitat belegt. Extrem ausformuliert hatte ähnliche These bereits Max Stirner. Der hatte ein Wesen konstruiert, das sich selbst setzt, selbst entwirft, selbst verwirklicht - ohne die geringsten Konzessionen an irgendwelche Verhältnisse, weder an genealogische noch an gesellschaftliche oder familiäre. Nachdem dieses Gespenst fast 200 Jahre durch die Geschichte irrte, findet es in der Nachmoderne alle Voraussetzung seiner Entfaltung: Es tritt nun als Endverbraucher seiner kulturellen Bedingungen auf, als Verzehrer von Chancen, Gütern und Beziehungen (Sloterdijk). Eine Art liberaler Vielfraß, der am liebsten in der Maske des vagabundierenden Kapital-Nomaden, des schamlosen Künstlers und Event-Erzeugers auftritt. Stirners „entstaatlichter“ Einziger taucht dann bei Deleuze und Guattari wieder auf, quasi als Baumfäller, der den Staat genannten „verholzten Baum“ in Stück hackt. Anvisiert war ein Zustand permanenten Karnevals und ewiger Katastrophe. Vielleicht die späte Rache luxusverwöhnter Bürgerkinder, die ihren Nannis nicht verzeihen konnten, im Bois de Boulogne nicht von ihnen mißbraucht worden zu sein.
Das „staatenlose“ Subjekt ist das beziehungslose Subjekt, der Mensch, der glaubt, sich aller Bindungen entschlagen zu können. Der deklarierte Selbsterzeuger Stirnerscher Prägung eröffnet den Reigen bindungs- und beziehungsloser Selbstverwirklicher. Nach eigener Auskunft bedürfen sie weder irgendwelcher Bindungen, noch gehen sie solche ein. Zweifellos gibt es einige Solitäre, die das durchziehen, vor allem, wenn sie den Beruf eines Erben ausüben oder als Künstler auf den Staatstrich gehen. Im Alltag freilich ist es eher der Sozialstaatsbohemien, der seine parasitäre Existenz für einen autonomen Akt der Selbstverwirklichung hält. Wir haben es mit Illusionisten zu tun, die es im wirklichen Leben nur zu Onanie-Exzessen bringen. Im luftleeren Raum ohne Staat.
Thomas Schramm
29. April 2015 12:25
Das oben gesagte schließt nicht aus, dass dieser Staat missbraucht und wichtige Funktionen außer Kraft gesetzt werden.
Diese Tatsachen sind heutzutage ganz offensichtlich.

So beweist der Fall Dr. Ryke Geerd Hamer und die Unterdrückung seiner Erkenntnisse mit Hilfe der Justiz und den Medien, dass der Rechtsstaat in wichtigen Lebensfragen ausgehebelt wird.

Das ist aber nur möglich weil die Mehrheit der Menschen mitspielt. In der Wissenschaft, den Medien (allen - egal ob "rechts" oder "links"), der Justiz, der Parteien und vielen anderer staatlicher Institutionen handeln viele Verantwortliche gegen ihr besseres Wissen zum Schaden des gesamten Volkes.

Die Unterdrückung dieser Erkenntnisse seit 1981 hat vielen Millionen Menschen durch verbrecherische "medizinische" Behandlung das Leben gekostet.

Diese Fakten müssen auf den Tisch. Eine allgemeine Verurteilung des Staates, ohne die genauen Tatbestände zu erfassen, hilft niemand sondern verschleiert nur die Wirklichkeit.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
29. April 2015 13:21
Die völlige Abschaffung des Staates steht nicht nur Debatte, das kann nur eine Utopie sein, an der sich, wie der Wanderer an einer Kompassnadel, der Suchene ausrichten kann, wohl wissend, dass er die Anarchie so weniger erreichen kann - und will, wie der Wanderer den Nordpol.

Was ansteht ist, die Frage ob in der heutigen Situation mehr oder weniger Staat zu fordern ist.
In diesem Kreis hier können wir uns wohl auf ein Kriterium einigen, an der der Nutzen des Staates für das Volk, innerhalb des abendländischen Kulturkreises zu messen ist.
Dies ist: Die Reproduktion der autochonten Bevölkerung.

Daran gemessen ist die BRD einer schlechtesten Staaten im Abendland.
Es gibt Bessere, viel Bessere. Irland hat einen Geburtenüberschuss, bei gerade mal 1% Moslems. Die Ausländer dort sind überwiegend Polen, oder stammen aus dem Baltikum.
Ebenso ist Finnland bei gerade mal 4% Ausländeranteil (überwiegend Schweden), nahe an der "Nachhaltigkeit" bei 1,7 Kindern pro Frau.

Frankreich hat auch einen Geburtenüberschuss, bei einem geringeren Anteil an Moslems, als Deutschland.

Es wäre nun zu untersuchen, ob in den erfolgreichen Staaten der Staat eher libertär ausgerichtet ist oder weniger. Pauschal: Steuern und Sozialabgaben sind eher geringer als in Deutschland, Zuwendungen an Familien erfolgen in Form von Geld, aber auch durch Bereitstellung von KiTa-Plätzen. Ganz eindeutig ist das Bild aber nicht.

OT:
Die JF / WfD stimmt in in den Abgesang auf dei AfD. Und Forsa legt gelich einen nach, indem heute die AfD angeblich nur noch bei 4% liegt.
Es ist wohl noch zu früh einen Nachruf zu schreiben. Aber eine Bestandsaufnahme, frei von Häme, wäre sicher ein Thema für die sezession.
Stil-Blüte
29. April 2015 13:40
@ Der Ghibelline

Seit Preußen wissen wir, daß Staat und Freiheit keine Widersprüche sind.


Auf den Punkt gebracht. Doch: Der Staat Preußen ist untergegangen. Untergegangen worden. Aber wenn er so gut und schön und stark gewesen ist - warum ist er untergegangen worden? Was hat ihm gefehlt? Könnte er als Legende, Mythos weiterleben?

Vielleicht, weil er nicht organisch gewachsen, sondern ein Konstrukt war, aufgebaut auf Ehre, Pflicht, Herrschen als Dienen, Prinzipientreue, nüchterne Verwaltung und Rhetorik, keine Phrasen, Strenge, Disziplin, Befehl, aber auch Toleranz und die Fähigkeit, sich das Fremde religiös Verfolgter als produktives Eigenes anzueignen?

Fehlte das, was die Sachsen besitzen Leichtlebigkeit, eine opportunistisch zu nennende Anpassungsfähigkeit?

Gegensatz: Frei-Staat Sachsen - Staat Preußen zwei mentalitäts-, kulturbedingte Alternativen/Varianten?

Was wäre, wenn sich die Frei-Staaten Sachsen, Bayern zu ihrem Wort und Wert bekennten und freie Staaten würden?

Die deutsche Klein-Staaterei als Modell, ohne Berliner, was sag ich, Brüsseler Diktat?
Dag Krienen
29. April 2015 14:12
Ein wenig vewundert eine fundamentale Staatskritik auf diesen Netzseiten. Zu den wenigen gemeinsamen Überzeugungen aller Rechten gehört es, daß der Mensch ein gefährliches Lebewesen sei, vielleicht zu sozialer Kooperation begabt, zugleich aber auch frei im Sinne von unberechenbar, jederzeit auch anders könnend, und deshalb ebenso und vielleicht sogar noch mehr zu aggressiver Durchsetzung seiner Ziele und Wünsche begabt und neigend. Das bildet in der politischen Philosophie von Hobbes über Hegel bis Carl Schmitt die eigentliche Rechtfertigung für die Existenz des großen Leviathans, der auch die "
Söhne des Stolzes"
bezwingen kann und muß. Nietzsches Kennzeichnung des Staates als kältestem aller kalten Ungeheuer stellt insoweit eine Banalität dar, denn dieser muss notwenig eine Repressionsmaschine sein, die die Leidenschaften der Menschen in Zaum hält. Erst unter diesen Voraussetzungen ist eine Entfaltung von wirtschaftlichen Eigentumsverhältnissen und Marktbeziehungen, die Bildung von über den engsten Familien- und Freundeskreis hinausgehenden stabilen sozialen Beziehungen und nicht zuletzt eine fuktionierende Rechtsordnung, die allen "Bürgern" einen gewissen Schutz vor der Willkür anderer bietet, überhaupt erst möglich. Nur auf mehr oder minder spontan gebildete soziale Netzwerke zu vertrauen, ist abwegig, im Binnenverhältnis, weil ein Ausscheren von Mitgliedern nicht verhindert werden kann, im Aussenverhältnis nicht, weil stets mit gewaltsamen Übergriffen und Eindringen anderer gerechnet werden muß. Will man auf den Staat als Gewaltmonopolisten verzichten und zumindest ein Mindestmaß an Kohäsion "seiner" Gruppe wahren, bleibt nichts anderes übrig, als diese nach den Grundsätzen der Mafia zu strukturieren - was in vor- und außerstaatlichen Regionen ja auch regelmäßig der Fall ist.
Kraftvolle Staatlichkeit stellt insoweit eine Notwendigkeit eines halbwegs zivilisierten Zusammenlebens dar. Aber aufgrund ihrer außerordentlichen Machtfülle ist sie auch das Ziel allerlei Begehrlichkeiten partikulärer Gruppen. Abgesehen davon, daß alle konkreten Staaten das Ergebnis der Herrschaftsverdichtung kleiner Eliten darstellen, ist jeder bestehende Staat immer von den jeweils herrschenden Machtverhältnissen geprägt, und zwar durchaus ein wenig in dem Sinne Marx, daß der Staat stets ein Instrument der herrschenden Klasse(n) ist.
Hier dürfte auch die Erklärung für den auch auf der deutschen Rechten zu findenden Hang zu anarcho-libertären Gedanken liegen. Die BRD mochte ursprünglich als Notstaat zur Organisation und zum Wohl der deutschen Nation gegründet worden sein, ja, man kann den ursprünglich dieses Staatswesen lenkenden Eliten sogar konzedieren, daß sie bei allen Differenzen im einzelnen dieses zu befördern trachteten. Doch hat sich dies gründlich geändert. Wenn die neue "classe politique" noch etwas anderes als ihren eigenen Nutzen im Auge hat, dann sind es Abstrakta wie "die Demokratie", "unsere Werte, "die Menschen", die "multikulturelle" und die "Weltgesellschaft", nicht aber das Wohl und Wehe einer konkreten Nation und ihrer Angehörigen.
Kurzum, dieser konkrete Staat scheint in die Hände von - vielleicht nicht immer subjektiven, aber auf jeden Fall objektiven - Feinden der Deutschen Nation geraten zu sein.
Der Hang zum generellen Rückzug aus dem Staat, zur prinzipiellen Sezession, ist so verständlich, aber auf Dauer der falsche Weg. Das Ziel, die BR "Deutschland" zumindest langfristig wieder zu einem nationalen Staat zu machen - d.h. in die Hand von am nationalen Wohl orienterter Eliten zu bringen (was nicht unbedingt heißt, in die Hand der heutigen Nationalen, sondern von Kräften, die die Nation wieder als zentralen Bezugspunkt akzeptieren, auch wenn sie sich um die konkreten Einzelziele und Maßnahmen wie die die Kesselflicker streiten mögen) - darf nicht aufgegeben werden. Ohne den Schutz einer starken Staatlichkeit, nur in Form von informellen Netzwerken, hat die Deutsche Nation auf Dauer keine Überlebenschance, à la longue würden nur einige Museumsdeutsche in Reservaten oder Horrorkabinetten übrigbleiben.
Allerdings bleibt die Frage, ob es in der Gegenwart nicht ratsam ist, dem heute existierenden, noch mit dem Prädikat "deutsch" versehenen Staat so weit als möglich aus dem Weg zu gehen. D.h. seine noch halbwegs neutralen rechtlichen Schutzfunktionen in Anspruch zu nehmen, zähneknirschend Steuern zu bezahlen, aber ansonsten seine übrigen drohenden oder lockenden Angebote zur "Mitwirkung", aber auch zur leistungslosen Alimentierung abzulehnen. Kurzum, sich nicht auf irgendeine Weise zu seinem Komplizen bei der Schaffung jener "brave new world" zu machen, die die unserer jedenfalls nicht ist. Eine Alternative zu dieser Welt vorzubereiten und wieder zur Geltung zu bringen, ist wohl nur aus der Sezession heraus möglich. Insoweit ist es für einen Rechten nicht ganz falsch, dem gegenwärtigen "kalten Ungeheuer" in Deutschland soweit als möglich die kalte Schulter zu zeigen, solange man nicht der Illusion anheimfällt, auf das Ungeheuer Staat ganz verzichten zu können.
Waldgänger
29. April 2015 16:26
@ Dag Krienen

Sie haben oben alles Nötige gesagt und gut auf den Punkrt gebracht.
Ich, Sentinelese
29. April 2015 17:15
Staatsvolk, Staatsgebiet, Staatsgewalt... voila, schon hat man einen Staat nach der Lesart gewisser Theoretiker und Theoriegläubiger. Und insofern ist auch das Gebiet, das die BRD verwaltet, samt seiner Insassen ein Staat. Der Theorielastige führt diese "Staatslehre" als Keule und wendet sich nach dem Schlag mimt dieser Keule vom Aufsässigen intellektuell angewidert ab. Aber immer bedenken bei solcher intellektueller Selbstbelustigung, nur die Naturgesetze sind immer gültig und gelten auch stets.

Offenkundig ist die BRD die Kapo-Lagerverwaltung des Kriegsgefangenenlagers der Westkriegsmächte zur Internierung, Ausbeutung und demokratischen Finalisierung der Deutschen (siehe u.a. ESM) auf einem Deutschlandfragment. Es anders darzustellen ist eine unzulässige Verharmlosung alliierter Kriegsgräuel und Relativierung des Andenkens Lebender und Verstorbener.

Das Besatzungsstatut gilt nach Aussagen von BRD-Verwaltern höchster Ebenen nach wie vor. Hätten wir Deutschen nicht jedes Recht, die BRD-Verwaltung zu verhaften und abzuurteilen? Nach ethischen und historischen Prinzipien allemal, aber wohl auch nach völkerrechtlichen Vorschriften.

Wer diese Staatssimulation auf deutschem Boden für bare Münze (an)nimmt und sich daran auch bspw. durch Wahlen beteiligt, ist Teil des Problems, das da auch Genozid lautet: "Gekennzeichnet ist er durch die spezielle Absicht, auf direkte oder indirekte Weise „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“. Daher wird er auch als einzigartiges Verbrechen,[2] als Verbrechen der Verbrechen (englisch crime of crimes)[2] oder als das schlimmste Verbrechen im Völkerstrafrecht[3] bezeichnet."
http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord

Die aktuelle Ansiedlung kräftiger junger hoch- oder maximalpigmentierter Männer aus dem Nahen Osten oderAfrika, die Flüchtlinge genannt werden, ist im Rahmen von vor Jahrzehnten formulierten Plänen für Deutschland zu sehen.

GInge es in der Tat um die Sache und nicht gegen die weiße Rasse, müßten über dieser Insel die "alliierten" Bomber doch nur so kreisen, um zu befreien, zu entnazifizieren und zu demokratisieren. Vielfalt ist Stärke und solche Sachen, bunt und tolerant und so...
http://www.focus.de/reisen/videos/vorsicht-todesgefahr-fuenf-fakten-ueber-die-insel-die-sie-niemals-besuchen-sollten_id_4636566.html *)

Warum also über Markt streiten, wenn wir abermals wie alle Generationen normaler Menschen zuvor von einem Herrschaftssystem der Soziopathen drangsaliert werden? Der freie Markt als Gesellschaftsprinzip hätte schon vor dem Hintergrund des immer und immer wieder installierten und ins Verderben führenden Herrschaftssystems, wie es auch immer genannt wurde, eine Chance verdient.

Wer wollte denn wirklich eine Demokratie?
http://www.theintelligence.de/index.php/politik/demokratie-demokratisches/4464-wer-will-schon-eine-demokratie.html

Und wenn ich auch einmal über Staat theoretisieren darf, so sehe ich in ihm einen Schutzraum zum Überleben desjenigen und seiner Angehörigen, die ihn ins Leben gerufen haben und legitimieren. Die BRD wiederum ist von den Westkriegsmächten, federführend durch die Angelsachsen ins Leben gerufen worden, zu dumm, wenn die Drangsalierten eine Art Legitmation abgeben durch Wahlen und die anderen staatstragenden Dingen wie Tributleisten, Denuntieren, sich auf den Nachbarn hetzen lassen...

Das Deutschlandprinzip ist verar...t zu werden und noch dafür zu bezahlen:
http://www.insm.de/insm/ueber-die-insm/INSM-Anzeigen/das-deutschland-prinzip.html


*) Wenn man bei denen nachfragt, wieso sie nicht Anwalt auch der indigenen europäischen Völker sein wollen, bekommt man regelmäßig keine Antwort, Heuchelbande:

http://www.survivalinternational.de/geschichten-indigener-voelker
´
Yvonne
29. April 2015 19:09
@ Dag Krienen

Schließe mich dem Waldgänger an! Schade, dass es hier keine Like-Funktion gibt.
Schlesische Fachkraft
29. April 2015 19:38
@Waldgänger

Frankreich hat auch einen Geburtenüberschuss, bei einem geringeren Anteil an Moslems, als Deutschland.


Hm, das nenne ich mal eine gewagte These ;-) Im europäischen Stammland des doktrinären Egalitarismus sind jegliche Fragen zur ethnischen und religiösen Zugehörigkeit unzulässig. Es gibt also nur die Schätzungen. Sie liegen zwischen 8 und 8,5% (bei rund 60,5 Mio. Einwohnern). Zum Vergleich: Deutschland ca. 5% (bei knapp 81 Mio. Einwohnern). In absoluten Zahlen sind das vergleichbare Größen, doch der Bevölkerungsanteil ist in Frankreich viel größer. Und jeder, der in Frankreich mit offenen Augen aufemerksam durch die Straßen zieht, bemerkt ganz schnell, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach schon "etwas" mehr sein müssen als die geschätzten 8-8,5%.

Zum Kernthema: Die Frage nach der optimalen Staatsform treibt auch mich seit geraumer Zeit um. Und ich schwanke zwischen zwei Gegenpolen: direkte Demokratie (wie die Schweiz) und aufgeklärte Monarchie (wie Preussen). Eines steht für mich aber jetzt schon fest: Die representative Demokratie westlicher Prägung wie wir sie in letzter Zeit hier in Europa erleben ist die denkbar schlechteste Variante für ein Volk, das vor gewaltigen Herausforderungen steht. Mit dem wahren Volkswillen können die abgehobenen Eliten ja ohnehin nicht viel anfangen, die Wahlen sind mittlerweile zu einem Nebenkriegsschauplatz verkommen. Was für uns "gut" und "alternativlos" ist, wird es ja ohnehin anderswo entschieden. Die "Umerziehungsmaßnahmen" in der jüngsten Zeit und die Reaktion der "Staatsdiener" auf den Unmut des Volkes sollten eigentlich jedem die Augen öffnen. Und die zurecht in Verruf geratene "vierte Gewalt" (Großteil der Medien) schert sich nicht um die Probleme des Volkes, sondern regt sich noch darüber auf, dass man sie als "Lügenpresse" bezeichnet. Köstlich!

Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
Ulrich von Hutten
29. April 2015 22:11
"Zu den wenigen gemeinsamen Überzeugungen aller Rechten gehört es, daß der Mensch ein gefährliches Lebewesen sei, vielleicht zu sozialer Kooperation begabt, zugleich aber auch frei im Sinne von unberechenbar ..."

Das sind Aussagen, die aufzeigen, was der Mensch qua Lebewesen mit Pflanzen oder Tieren gemeinsam hat, aber nicht, was den Menschen zum Menschen macht. Insofern halte ich diese Überzeugungen für unsinnig. Warum? Sie offenbaren einen Mangel an Unterscheidungsfähigkeit.

Die Frage nach dem Wesen des Mensch beantwortet man nicht, indem man glaubt, dies aus einem depravierten Zustande ableiten zu können, sondern, indem nach dem Vermögen/nach der Leistung des Menschen gefragt wird. D. h., den Menschen als Menschen erkennt man an der freien Verfügung über sein rationales Unterscheidungsvermögen bzw. an den Akten seiner Vernunft und nicht an Akten, in denen er diese Vermögen nur in eingeschränkter oder gebundener Form betätigt.
Die Natur einer "Sache" kann grundsätzlich nur an ihrem vollkommenen Zustand erkannt werden (Aristoteles).

Im Übrigen: Die Nivellierung der menschlichen Vermögen und damit von Unterscheidungsfähigkeit (als Fähigkeit zu Denken in verschieden Formen/Akten) führen zu "gefährlichen Lebewesen" und Unberechenbarkeit, aber auch zum Verfall von Staaten, wenn also jede Begierde ausnahmslos oder unterschiedslos als gleich betrachtet wird.
Unter diesen Bedingungen entsteht eben auch die Unfreiheit. Umgekehrt, die Fähigkeit unterscheiden zu können, also denken zu können, bedeutet Freiheit. Freiheit kann demnach nie etwas Absolutes sein ("der Mensch von Natur aus frei"), sondern erst als zu entwickelndes, wie eben auch das Denken. Dies ist sowohl Aufgabe des Menschen als auch des Staates.
Von diesen Prämissen ausgehend, kann man ein mehr oder weniger an Freiheit, Verfall etc. pp. einer Gesellschaft beschreiben. So auch der gegenwärtigen.
neocromagnon
30. April 2015 03:26
Eine Staatskritik muß nicht zwangsläufig die Abschaffung des Staates fordern. Das wäre ebenso falsch wie der Satz
Der Staat ist ... auch eine Gemeinschaft, die nach innen für Frieden unter seinen Mitgliedern sorgt und nach außen diesen inneren Frieden verteidigt.

Der Staat ist eine Organisation die ihren eigenen Regeln folgt, er ist keine Gemeinschaft, denn einer solchen kann man beitreten oder auch nicht. Wer auf dem Staatsgebiet lebt ist seiner Gewalt unterstellt, mehr nicht. Der Staat, daß sind diejenigen Menschen, die in seinen diversen Organisationen für ihn tätig sind und als Organisation verfolgt er seine eigenen Interessen, die nicht zwangsläufig auch die der Beherrschten sind und die nicht zwangsläufig Frieden und Gerechtigkeit bedeuten.
Ob in einem Gebiet Gerechtigkeitecht und Frieden herrschen, hängt von den dort lebenden Menschen und ihrer Kultur ab.
Natürlich ist ein Staat notwendig, denn sonst würden sich ähnlich strukturierte Organisationen ausbreiten, die man organisiertes Verbrechen nennt.
Aber wieviel Macht darf ein Staat über die Menschen und ihr Eigentum haben?
Ich denke, so wenig wie möglich.
Thomas Schramm
30. April 2015 07:33
Ulrich von Hutten stimme ich vollkommen zu.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
30. April 2015 07:50
@Specjalista Śląska :-)

Der Anteil der Moslems in Frankreich wird zwischen
3 und 8 Millionen geschätzt

Allerdings förderte weiteres Schürfen Schockierendes zu Tage - ich muss wohl widerrufen was Frankreich angeht.

Immerhin 75,5% der Franzosen bekennen sich als Katholiken (2005).

Aber nur 313054 Taufen (bei 834000 Geburten insgesamt, 2008). Das sind 37% Taufen bei 75,5% Katholiken. Aber 80% der Beerdigungen erfolgen nach katholischem Ritus. Mon dieu ! Die frühere Bezeichnung Beiruts als Paris des Ostens bekommt so eine ganz neue Aktualität. Jede Menge zu tun für Marine LePen.

In Deutschland übrigens werden 50% der Kinder getauft, bei 60% Katholiken und Evangelischen - Anteil jeweils 30% Angehörige vs. 25% Taufen.

Zum Kernthema. Mir (und wohl auch Lutz Meyer), geht es weniger um die Staatsform. Eine aufgeklärte Monarchie könnte auch libertär sein - jeder soll nach seiner Facon selig werden - und nur die innere und äussere Sicherheit als Aufgaben des Staates ansehen. Auch eine direkte Demokratie dagegen könnte sich intensiv in die privaten Belange des Bürgers einmischen, ihm sein Einkommen und Vermögen entziehen, um es an alle möglichen Bedürftigen dieser Welt zu verteilen. Und dazu noch jede Menge Geßlerhüte aufrichten, die zu grüßen es täglich gilt.

Ich denke ein libertäres Staatsmodell wäre eher dazu geeignet, die Demografie zum Wohl der Ureinwohner zu fördern - und das sehe ich momentan als die entscheidende Frage für die Zukunft der abendländischen Völker an.
Denis
30. April 2015 08:33
"Man hält die anderen Menschen, in dem Fall wahrscheinlich die Deutschen, grundsätzlich auch für fähig und bei gutem Willen auch in der Lage, sich selbst zu organisieren."

Ein Trugschluss? Wenn es einer sein sollte, ist auch die Hoffnung auf einen guten Staat ein Trugschluss, denn ein Staat kann ja immer nur Ergebnis einer Selbstorganisation von Menschen sein. Zumindest solange keine Aliens ihn organisieren.
Thomas Schramm
30. April 2015 10:53
Richtig.

Wenn Menschen zusammenleben, dann organisieren sie sich.

Die Fähigkeit (menschliche Reife) zur Organisation kann man am Ergebnis (z. B. den jeweiligen Staat) genau erkennen.
Der Gutmensch
30. April 2015 11:06
Ja, meine liebe Stilblüte, manchmal denke ich, Sie haben die Situation schon ganz gut erfasst. Preußen ist untergegangen. Das hat dieses kleine Männchen, dem München seine große Chance bescherte, erreicht! Bayern bekam was ab vom Kuchen: Neue Herren, die endlich moderne Maßstäbe setzen konnten, zum Beispiel Grundrechte, die bekanntlich nicht etwa in der Tradition des preußischen Landrechts stehen - sondern von den schlauen Amerikanern erfunden wurden, genau wie die Atombombe. Deshalb zahlte man als Bayer und Freistaatler ja auch keine Reparationen sondern schwelgte in einer ganz und gar wunderbaren Wirtschaft; die anstrengende Verantwortung hatten andere, z. B. die Sachsen und die wenigen Erben des kümmerlichen Restes von Preußen zu übernehmen, und zwar zu 98%, weiß sogar Wikipedia - und so war´s auch nur gerecht! Dummheit und Stolz sind nämlich vom selben Holz, wie man in Bayern weiß und stattdessen lieber mit den Sportfreunden Stiller schunkelt: „Knips die Sonne aus//alles muss dunkel sein//zündet die Kerzen an//in New York, Rio, Rosenheim.//Die Welt ist groß genug//wir sind nicht allein//zündet ein Leuchtsignal//in New York, Rio, Rosenheim“

1990 ging ja dann irgendwie nicht anders. Aber seit 2010 ist alles passé. Der pedantische preußische Rechtsstaat (Gustl, Gustl, - Du hast da was falsch verstanden, das gehört doch echt nicht zu unserer Kultur!) ruht auch bald final in der Grube. Jetzt ist der Weg frei, - ob nun der 5x. state oder Freistaat - der Unterschied ist bloß Folklore und nicht für voll zu nehmen - aber man kann ihn auf alle Fälle zählen! Die Griechen werden´s uns schon richten.

Mit den Sachsen kann man das nicht in einen Topf werfen. Dort, im „Tal der Ahnungslosen“ konnte man sich die Zeit ja leider nicht mit Captain Future vertreiben, sondern man hatte so gewisse Dinge zu erledigen und musste dabei obendrein noch bestimmten Gestalten aus dem Weg gehen, die einen reineweg aus Passion und Geschäftssinn noch über die offensichtlichsten Dinge täuschen. Weil sie Sachsen sind, und folglich nicht ungeschickt, lässt man sich da schon mal neppen. Aber spätestens, wenn´s dann schon wieder fremde Leute richten sollen, geht man heim, hier hat man eben doch die besseren Zensuren! Ist eben Sachsen!

Der Preuße in mir philosophiert nun ein wenig über die nicht als solche kodifizierte Zechprellerei als Ausdruck der Leichtlebigkeit und die durchaus sehr unterschiedliche Neigung der Völker zu dieser Unsitte. Überhaupt kommt er über´s Dummsein nicht so ganz hinweg. Mea culpa. Mea maxima culpa!!

Der Gutmensch.
Denis
30. April 2015 11:48
"Natürlich ist ein Staat notwendig, denn sonst würden sich ähnlich strukturierte Organisationen ausbreiten, die man organisiertes Verbrechen nennt."

Wieso sollte die Ausbreitung einer ähnlich strukturierten Organisation eigentlich eine Gefahr sein? Wäre das alles, wäre der Staat nichts weiter als das besser organisierte Verbrechen - unvermeidlich, weil man halt gegen das am besten organisierte Verbrechen machtlos ist.
Rainer Gebhardt
30. April 2015 12:00
Der Staat ist keine Sache, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis. Das nur, damit wir nicht zu metaphysisch werden.

Kritik des Staates kann nur heißen: Kritik an seinen repräsentativen Instanzen - an seinen Agenturen, an seinen Autoritäten und an seinen Strukturen (Verwaltung, Bürokratie etc.). Man kommt dann sehr schnell von der "abstrakten Idee" zu den wirklichen (d.i. ökonomischen) Verhältnissen und den Interessen der in ihm agierenden Gruppen und, sagen wir es: Klassen. Klingt nach Historischem Materialismus? Stimmt. Es ist aber nicht falsch, erst mal den kulturkritischen Tinnef über Bord zu werfen.

Ein Beispiel: Gendermainstreaming. Wie konnte diese extreme Ideologie zur staatlichen Doktrin mit universitärer Lehrbefugnis werden? Nicht, weil es allein der Staat so wollte. Gendermainstreaming ist mehr als Abweichung von der Norm, mehr als die zum Ideologem geformte Psychose sexuell devianter Gruppen. Es ist das, was man im ökonomischen Bereich Deregulierung nennt und entspricht so dem "Bedürfnis" der Produktionsverhältnisse nach totaler Barrierefreiheit in allen menschlichen Bereichen, hochkompatibel übrigens mit dem "No-Border-No-Nations"-Gedöns. Kompatibel, weil sie die kulturellen Treiber eines politisch-ökonomischen Prozesses sind. Wie die Emanzipation sexueller Vielfalt in Wirklichkeit Ent-Geschlechtlichung ist, so ist die Verwirklichung kultureller Vielfalt in Wirklichkeit Ent-Kulturalisierung. Aber beide beziehen ihre eigentliche Energie eben nicht primär aus der kulturellen Sphäre, nicht aus dem staatlichen Überbau, sondern aus den ökonomischen Bedürfnissen der Produktion, die in der Konsumtionssphäre den nie satt zu bekommenden Allesfresser verlangt. Der geschlechtslose Mensch, der Unisex-Krüppel ohne Heimat und ohne Paß ist die ideale Konsummonade.

Und der Staat? Er ist der Durchlauferhitzer dieser Prozesse. Kritik am Staat heißt dann aber Kritik an den ökonomischen Verhältnissen. Und ob man den Staat will, wieviel Staat man will, wieviel Staat gut ist und wieviel schlecht – das sind dann beinahe schon Nebensächlichkeiten. Klingt alles sehr marxistisch, ich weiß, aber egal, ein bißchen Dialektik kann ja nicht schaden. Und analytisch hat die „Kritik der politischen Ökonomie“ einiges für sich.
Ulrich von Hutten
30. April 2015 17:57
"Der Staat ist keine Sache, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis."

Ein gesellschaftliches Verhältnis ist vielerlei , mitnichten aber ein Staat.
Einen Staat definiert man danach, inwiefern er Bedingung der Möglichkeit der Selbstverwirklichung des Einzelnen und damit der Möglichkeit eines guten Lebens seiner Einzelglieder ist.
Der Staat ist nicht einfach dazu da, das Überleben des Einzelnen zu sichern (s. Hobbes), dies können zur Not der Einzelne, die Familie oder die Horde selbst leisten, sondern er ist nötig, für die Vollendung der je besonderen Vermögen und Fähigkeiten des Individuums, also der Vollendung des Menschen als Menschen (s. Aristoteles).
Nur wenigen – Nietzsche gehört nicht dazu – gelingt es, in Reflexion auf die Bedingungen der Verwirklichung der eigen Vermögen, zu erkennen, dass diese Verwirklichung nur in der Organisationsform eines Staates und nicht in einem isolierten Eremitendasein oder im Rückzug auf Familie, Sippe oder Horde möglich ist.
Thomas
01. Mai 2015 10:00
Ich finde es bezeichnend, dass hier niemand auf mein Vorbringen eingegangen ist, wonach DER STAAT UND SEINE INSTITUTIONEN doch die Voraussetzungen für all die Übel sind, die wir hier gemeinsam ablehnen und bekämpfen.

All das Folgende wird erzeugt nur durch den Staat:

- die Masseneinwanderung
- die Gender Mainstreaming-Ideologie
- die linken Berufsdemonstranten (Ermöglichen via Hartz4)
- Schul"bildung" voll linker Ideologeme
- Hochschul-Lehrstoffe voll linker Ideologeme
- staatlich betriebene Zerstörung der klassischen Familie
- zwangsfinanzierte, linke Staats- und System-Medien (GEZ)
- etc. pp.

Und was ist mit all den Kriegen, die Staaten gegeneinander führten und noch führen werden? Macht das nicht nachdenklich? Wieviel Blutvergiessen durch das Wirken des Götzen namens Staat soll denn noch geschehen, damit die Staatsapologeten endlich einsichtig werden?

Können wir uns denn vielleicht wenigstens auf einen Minimalstaat einigen, der nichts anderes tut, als das Eigentum und die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten?
Der Gutmensch
01. Mai 2015 10:56
Bei allem Respekt, lieber Herr von Hutten,

das gehört dann wohl zu den wenigen Erkenntnissen, die man besser für sich behalten sollte:

"Nur wenigen – Nietzsche gehört nicht dazu – gelingt es, in Reflexion auf die Bedingungen der Verwirklichung der eigen Vermögen, zu erkennen, dass diese Verwirklichung nur in der Organisationsform eines Staates und nicht in einem isolierten Eremitendasein oder im Rückzug auf Familie, Sippe oder Horde möglich ist."

Denn das ist vorzüglich geeignet, an der Motivation eines jeden zu sägen, der sich selber für "nicht-mal-Nietzsche" hält! Auf den es aber am Ende und in der Menge ja auch ankommt - will der Übernietzsche seinen Staat haben, bitteschön!

Aber vielleicht haben Sie die Situation auch nur besser erfasst als ich; Übernietzsches, wo das tränende Auge hinblickt ...

Der Gutmensch.
Dag Krienen
01. Mai 2015 12:32
Ad: Ulrich von Hutten

„Zu den wenigen gemeinsamen Überzeugungen aller Rechten gehört es, daß der Mensch ein gefährliches Lebewesen sei, vielleicht zu sozialer Kooperation begabt, zugleich aber auch frei im Sinne von unberechenbar …“

Das sind Aussagen, die aufzeigen, was der Mensch qua Lebewesen mit Pflanzen oder Tieren gemeinsam hat, aber nicht, was den Menschen zum Menschen macht. Insofern halte ich diese Überzeugungen für unsinnig. Warum? Sie offenbaren einen Mangel an Unterscheidungsfähigkeit.
[..]
Die Natur einer „Sache“ kann grundsätzlich nur an ihrem vollkommenen Zustand erkannt werden (Aristoteles).


Abgesehen davon, daß eine sich auf Aristoteles berufene Argumention vom Telos, vom prefekten Endzustand her, im Hinblick auf die Beschreibung der Natur des Menschen ihre Probleme hat - um die Insinuation "unsinnig" zu vermeiden - verfehlt sie auch völlig die Frage, die für die politische Theorie allein maßgeblich ist: was kann man von den Menschen alles erwarten und was hat man sich von ihnen zu vergegenwärtigen? Das ist das erste Grundproblem des Politischen. Auch wenn man als politisches Endziel mit den alten Griechen daran festhält, daß dies das gute Leben im Sinne der Entfaltung der vernünftigen Anlagen in seiner Natur ist, bleibt das Problem, wie mit seinen
übrigen Anlagen umzugehen ist. Politik muß immer damit rechnen, daß die meisten Menschen das eigentliche Telos ihrer Natur nicht erreichen werden und meist auch nicht erreichen wollen. Deshalb betrachtet sie den Menschen als "gefährliches" Lebewesen, was eben keine erschöpfende Beschreibung seiner Natur, sondern nur eine realistische Auffassung der möglichen Spielbreite seiner Handlungen ist.
Im übrigen ist auch die Vernunftbegabung des Menschen zunächst ein Problem, macht es ihn doch, wie Hobbes so schön sagte, zum "Tier, das schon vom zukünftigen Hunger hungrig wird" und seine Vernunft in der Konkurrenz um deshalb stets knapp erscheinende Ressourcen einsetzt.
Die Konkurrenz wenigstens soweit zu regeln, das sie nicht in ein ewiges Hauen und Stechen mündet, ist die erste Aufgabe der politischen Organisation, die Bedingung der Möglichkeit der Erreichung aller "höheren Ziele".
Ohne Selbsterhaltung ist alles andere nichts. Zu glauben, daß ein Einzelner seine Selbsterhaltung ganz allein bzw. nur mit Hilfe von Familie, Sippe, Klan oder "Freundeskreis" sichern könne, ist eine Illusion. Der staatliche Repressions- und Justizapparat mag zwar nur im Hintergrund wirken, ist aber indirekt immer präsent. Ist er das nicht mehr, wird das mit der Selbsterhaltung sehr schwierig werden und das Leben, um nochmals Hobbs zu zitieren, wird "nasty, brutish and short" sein.
Von anderen Grundannahmen auszugehen und statt eines nüchtern-realistisches Verständnis von menschlischer Freiheit ein teleologisches Ideal als Grundlage politischen Denkens zu pflegen, ist meines Erachtens nur ein weiterer Fall von "Politischer Romantik", vor der Carl Schmitt schon vor 90 Jahren gewarnt hat.
Ulrich von Hutten
01. Mai 2015 15:50
Lieber Gutmensch,

ohne Ironie: Sie kennen sicherlich dieses herrliche „Gedankenspiel“: „Denn es mag wohl eben keiner von uns beiden etwas tüchtiges oder sonderliches wissen; allein dieser doch meint zu wissen, da er nicht weiß, ich aber, wie ich eben nicht weiß, so meine ich es auch nicht. Ich scheine also um dieses wenige doch weiser zu sein als er, daß ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen.“

„…das gehört dann wohl zu den wenigen Erkenntnissen, die man besser für sich behalten sollte: …“

Mag sein. Nun ist diese Erkenntnis aber leider schon mehr als 2000 Jahre alt. Also kein Geheimnis.

Was meinen Sie, hat der Menschen ein unendliches Bewusstsein oder ist es ein endliches? Welche Konsequenzen ergeben sich in Bezug auf die Vermögen/Fähigkeiten des Menschen, wenn der Mensch endlich ist, Grenzen hat?

Nietzsches „Übermensch“ ist eine unsinnige Kategorie. Gleiches gilt für den Übernietzsche.

„Übernietzsches, wo das tränende Auge hinblickt …“

Hätten Sie auch noch eine Steigerungsformel für den Hobbes oder ist das schon der Übernietzsche?
Karl Martell
01. Mai 2015 17:09
@ Thomas

Der Staat setzt nur noch die Ziele der Wirtschaft um.

„Mit anderen Methoden behaupten heute der Markt, die Technik und die Kommunikation, was die Staaten, die Ideologien und die Armeen gestern behaupteten: die Legitimität der vollständigen Weltherrschaft. Auch die Wahnvorstellung von einer völligen Transparenz und Beherrschung, die in den totalitären Systemen am Werk ist, gibt es immer noch. Die liberale Gesellschaft drängt weiterhin den Menschen in den Zustand des Objekts, indem sie die sozialen Beziehungen verdinglicht, die Bürger-Verbraucher in Warensklaven verwandelt und jeden Wert auf die Kriterien des kommerziellen Nutzens bezieht. Heute hat das Ökonomische den Anspruch des Politischen übernommen, die letzte Wahrheit in menschlichen Angelegenheiten zu besitzen. Es kommt zu einer allmählichen »Privatisierung« des öffentlichen Raumes, die zum gleichen Ergebnis führen könnte wie die allmähliche »Nationalisierung« des privaten Raums durch die totalitären Systeme. Nach Louis Dumont hat auch Pierre Rosanvallon sehr gut gezeigt, welche Stellung paradoxerweise gerade das Marxsche Denken in der Geschichte des Individualismus innehat. »In dieser Hinsicht«, schreibt er, »fügt sich die Utopie einer kommunistischen Wohlstandsgesellschaft, die die vollständige Entfaltung des Menschen zu sichern strebt, reibungslos in die liberale Vision ein.« (Pierre Rosanvallon, a.a.O., 1998). Dann ist es nicht absurd, den Willen zum wissenschaftlichen oder rationalen Regieren, den die totalitären Staaten an den Tag legen, mit anderen Formen von Regierungsrationalität zu vergleichen, »vor allem im industriellen Bereich, etwa der Idee der systematischen, wissenschaftlichen Arbeitsorganisation oder der planmäßigen Lenkung, die in Ländern mit liberaler Regierung weitgehend entwickelt wurde«. Jean-Marie Vincent schreibt in diesem Zusammenhang: »Wenn das durch disziplinierende Vorrichtungen und Anpassungsformen konditionierte Leben hauptsächlich als ein Rohmaterial zur Erzeugung von Arbeitskraft erscheint, dann ist es nur so viel wert, wie es dem Kapital einbringen kann. Es gibt zwar einen qualitativen Sprung vom Ausrangieren wertlos gewordener Arbeitskräfte zur systematischen Vernichtung von Millionen Menschen, doch in beiden Fällen dient das menschliche Leben als Nahrung für gesellschaftliche Maschinerien.«

„Es ist auch festzustellen, daß in den liberalen Gesellschaften die Normierung nicht verschwunden ist, sondern andere Formen angenommen hat. Die Zensur durch den Markt hat die politische Zensur abgelöst. Die Dissidenten werden nicht mehr deportiert oder erschossen, sondern ins Abseits geschoben oder zum Schweigen gebracht. Die Werbung hat die Propaganda abgelöst, und der Konformismus nimmt die Form des Einheitsdenkens an. Die »Angleichung der Lebensbedingungen«, von der Tocqueville befürchtete, sie könnte einen neuen Despotismus heraufbeschwören, erzeugt automatisch die Standardisierung der Geschmäcker, der Gefühle und der Sitten. Die Konsumgewohnheiten gestalten die sozialen Verhaltensweisen immer gleichförmiger. Die eigenständigen Lebensweisen verschwinden allmählich. Und die Rückbesinnung der politischen Parteien auf gemeinsame Ziele führt in der Praxis zur Neubildung eines Einheitspartei-Regimes, dessen weiterhin bestehende politische Gruppen kaum mehr als Gesinnungstendenzen sind, die nicht über die Finalitäten unterschiedliche Standpunkte beziehen, sondern nur über die einzusetzenden Mittel, um dieselben Werte zu verbreiten und zu denselben Zielen zu gelangen. Die Zielsetzung ist dieselbe geblieben: Es geht immer noch darum, die Vielfalt auf das Gleiche zu reduzieren.“

Alain de Benoist, Totalitarismus

Davor schützt uns ein starker Staat, der NUR die Interessen seines Volkes vertritt, in dem die Wirtschaft dem Volk dient, und nicht umgekehrt!
Dirty Harry
01. Mai 2015 17:58
Womöglich ist es ja nur eine Frage, welchen Zweck ein Staat haben soll. Wenn es darum geht, ob dieser nur Aufgaben erfüllt, für welche sich sonst niemand zuständig fühlt und die trotzdem bewältigt werden müssten (diskutabel u.a. Verteidigung, Allmende, Umweltschutz, Recht), dann ist man maximal bei einem Minimalstaat (und minimal bei gar keinem Staat). Wenn man noch andere Zwecke, über die Interessen des Einzelnen hinausgehend, haben will (Wohlfahrt, religiöse/biologische Lenkung, Formatierung der Gesellschaft, Weltherrschaft), dann reicht das natürlich nicht. Das ist m.E. die entscheidende Trennlinie. Aus Sicht des Einzelnen ist jeder Staat mit Mehr-Zweck eine Katastrophe, weil dieser Mehr-Zweck fast immer nicht seine Sache ist. Mit Blick auf die Technik des 21. Jahrhunderts und die damit einhergehenden Möglichkeiten für ebensolche Staaten ist Dantes Inferno dagegen eine Chill-Lounge.

@ Hutten

Sie schrieben "Nur wenigen... gelingt es, in Reflexion auf die Bedingungen der Verwirklichung der eigen Vermögen, zu erkennen (!), dass diese Verwirklichung nur in der Organisationsform eines Staates ... möglich ist."

Ich stimme Ihnen zu 100 % zu. Es ist eine Frage des Erkennens, nicht des Verstehens. Mir fehlt dafür auch das Sinnesorgan, aber dass gewisse Gruppen diese Weltanschauung pflegen, ist offenkundig.
Dirty Harry
01. Mai 2015 19:23
Zum Libertarismus sollte man noch festhalten, dass eine solche Denke nicht zwangsläufig ohne Staat auskommt. Manche libertäre Schule kalkuliert einen (Minimal-)Staat mit ein. Ist in der englischen Wikipedia schön nachzulesen.

@ Thomas

Wenn ich die Masse der Sezessions-Kommentare richtig deute, finden Sie hier keinen Konsens auf einen Minimalstaat. Den Wunsch, dass der Staat "mehr" leistet/steuert/regelt, als es ein Minimalstaat tun würde, spricht m.E. aus vielen Postings.

@ Denis

Like :)
Der Gutmensch
02. Mai 2015 10:21
Lieber Herr von Hutten,

Sie meinen also, ich möge lieber geradeaus denken, statt mich hier klammheimlich zu amüsieren ... ? Sie haben mich erwischt - mit der Hand in der Keksdose!

Was die 2000 Jahre alten Kenntnisse angeht, so bin ich in der Tat demütig. Neulich hab ich ein Buch abgestaubt, dass ich mir vor ... naja, es ist jedenfalls sehr lange her, dass ich es mir in jugendlichem Überschwang gekauft habe, damals, als ich noch nicht ahnte, wie schlimm es noch werden kann! Ehrfurcht (und um die Wahrheit zu sagen: nackte Angst vorm unlösbaren Krampf im Kopf) befallen mich noch immer bei seinem Anblick - es behandelt die 20 spannendsten Probleme des Sachenrechts. Ich bin aber wild entschlossen, spätestens im Altersheim mal einen Diskussionskreis dazu zu eröffnen, wenn ich nichts mehr zu fürchten habe als den einsamen Tod.

Kurzum - ich habe in der Tat Grenzen, das steht leider ziemlich fest. Ob „der Mensch“ indessen welche hat ... wie soll ich denn das wissen? Der liebe Gott höchstpersönlich war sich dessen nicht vollkommen sicher; weshalb sonst hätte er sich doch nicht der Mühe unterzogen, unsere Sprache zu verwirren? Er hätte die Füße hochlegen und warten können, dass der eitle Turm aufgrund eines Architektenfehlers einstürzt und die Menschen von selber begreifen, spätestens, wenn ihnen die Steine der Zinnen auf die Füße fallen. Stattdessen dachte er sich vielleicht ... Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste? Aber das ist bestimmt zu profan - für einen Gott. Und ich kann ihn nicht mal fragen! Sie sehen, mit den Grenzen und den Erkenntnissen - das hat so seine Tücken. Fehlschlüsse sind leider nicht auszuschließen, und "Übernietzsches" schon mal gar nicht!

Wo waren wir noch? Beim Hobbes und möglichen Steigerungsformen, die ich mir aus lauter Furcht nicht auszumalen wage. Da schicke ich lieber Gandalf, den Zauberer, mit dem Balrog fertigzuwerden: „You shall not pass!!“ Undenkbar für einen Ritter! Aber für mich ...

Herzlichst,

der Gutmensch.
Meyer
02. Mai 2015 11:46
@ Dirty Harry

I Das Verhältnis zum Staat als Teil eines Kollektivs

Minimalstaat oder nicht: Das hat mit Wünschen wenig zu tun. Es geht um Funktionalität, um ein Grundverständnis für Machtkonzentration.
Was man wünscht, ist in diesem Zusammenhang gleichgültig. Was die (annähernd ewigen) Anforderungen einer Welt des Machtkampfes sind, ist entscheidend.
Um den Sinn und Unsinn von totalitären Strukturen, kann man natürlich diskutieren. Aber dabei ist der Fokus, der den übergeordneten Zweck des Staates darstellt, wie man im internationalen Raum Macht akkumuliert und verteidigt, und sich im Inneren nicht eine Konkurrenz großzieht, die dann mit außenpolitischen Entitäten kooperiert (bspw. AEG in den Zwanzigern mit den USA, heute die Deutsche Bank), als einziges relevant.

Ethnische Deutsche "führt" man nicht totalitär sondern ideell. Für "Zugereiste" gilt dies überwiegend nicht. Die benötigen eine härtere und strengere Hand. Und zwar auf ewig. Singapur!

Wenn aber der Staat beobachtbar totalitärer wird und das "Recht" als annähernd heiligen Begriff entzaubert, ja zerstört, muß man besorgt sein, ob DIESER Staat, bzw. diejenigen, die ihn entgegen den grundgesetzlichen Begriffen zu Lippenebkenntnissen degeneriert haben, autokratisch ursupierten, muß man sich Sorgen machen.
Sorgen deswegen, weil die machtlogisch natürliche Symbiose von Staat und Volk, wobei das Volk das Machtpotential darstellt, was der Staat zu seinem (egoistischen) Nutzen formt. Dabei fällt naturgemäß für das Volk Positives ab. Das ist der ewige Kreislauf zwischen Eliten und dem Volk. Bisher hat man in Deutschland seit Jahrhunderten mit Weitsicht agiert. Diese Weitsichtigkeit scheint weitgehend verloren gegangen zu sein, aber noch nicht so extrem, wie in angelsächsischen Ländern.

Ich behaupte (ganz nach dem Libertären Hans Hermann Hoppe) daß nur Monarchen dauerhaft eine Elite darstellen, die einen ausreichend langfristigen Fokus besitzt, um die Volk-Staat-Symbiose aufrecht zu erhalten. Der jetzige Staat scheint(!) zumindest seine eigene Machtbasis zu zerstören, wenigstens dies bewußt in Kauf zu nehmen. Ein möglicher Schluß aus dieser Beobachtung könnte sein, daß es sich bei der BRD gar nicht um einen souevränen Staat handelt, sondern um eine Art Zwitterwesen: eine weitgehend selbständige Verwaltungskörperschaft, die seit der Niederlage 1945 von den USA zu ihrem Zwecke errichtet wurde, um das Kerngebiet Europas unter Kontrolle zu haben.
Wie dieses staatliche Verhalten zu bewerten ist, danach richtet sich das eigene politische Verhalten. Meine Entscheidung: Neutralität.

II. Frage vom Verhältnis Einzelner und Staat
Aber die Frage nach dem JETZIGEN, EIGENEN Verhalten in Relation zum DERZEITIGEN, REALEN Staat, steht im Raum.

Aus ganz eogistischer Sicht des Einzelnen, kann man feststellen, daß der Unwille des Staates die Volk-Staat-Symbiose aufrecht zu erhalten auch auf das eigene Verhalten Auswirkungen haben muß.
Da der Staat den Einzelnen nicht mehr strukturell vor Schäden schützt, bspw. gegen Einbrüche, muß man dies selbst in die Hand nehmen.
Das gleiche gilt für die wirtschaftliche Situation. Alle Kerndaten weisen daraufhin, daß eine "Altervorsorge" gar keine ist. Das gilt auch für privatwirtschaftliche Lebensversicherungen. Die zu erwartenden Produktivitätssteigerungen werden die fehlenden Arbeitskräfte, vor allem den Rückgang Hochqualifizierter, die entweder gar nicht erst geboren wurden oder später Sozialpädagogik studieren, nicht ausgleichen.

Die Konsequenz lautet: EIGENVERANTWORTUNG! Und zwar im weiten Umfang.

Da der Einzelne, eingerahmt von Generationen, von einer symbiotischen Struktur von Volk und klugen Staatseliten profitiert, ist es nur natürlich, daß, wenn der Staat den Nachteilen immer weniger Vorteile, vor allem solche existenzieller Art, aufrechterhät, daß der Einzelne dies zu ersetzen versuchen wird. Entitäten zur Machtakkumulation bietet diese Vorteile. Diese werden dann von unten neu entstehen. Umso weiter der Staat abgleitet, umso verstärkt werden neue und kleine quasi-staatliche Kooperationen entstehen. Es gibt keine Machtvakuuen, die sich lange halten. Sie werden immer gefüllt. Und zwar aus existentiellen Gründen. Diese Kraft des SELBSTERHALTES ist so stark, daß der Staat sein geräumtes Feld nicht wieder zurückbekommen wird. Im kriminellen Umfeld gibt es das schon seit langem.

In Zeiten, als die Menschen im berechtigten Zweifel über das Verhalten ihrer Monarchen sich befanden, entstanden eine Vielzahl solcher Bündnisse: Burschenschaften oder Turnvereine sind beispiele dafür.
Heute, wo der Zweifel tiefer geht, ja, gehen muß, werden auch diese Kooperationen tiefer gehen. Denn mittlerweile handelt es sich um existenzielle Fragen.

Die Verantwortlichen des real existierenden Staates scheinen zu vergessen, daß er ohne Machtbasis eine geringe Halbwertszeit besitzt. Die DDR wurde nicht von der VoPo, NVA oder der Stasi zusammengehalten, sondern von der Roten Armee, so wie das Königshaus Saud von Isrealis und Amerikanern.

Will es die BRD wirklich soweit kommen lassen? Die Regierung Merkel mag über die Jahre außenpolitisch klüger geworden sein. Aber innenpolitisch sind sie völlig orientierungslos. Die Bürger müssen irgendwann mal einen Schimmer von Eindruck bekommen, daß sie nicht nur peu a peu "höheren" Interessen halber geopfert werden. Soviel Geduld und Einsicht ist auch im Deutschen Volk nicht vorhanden. Es ist einzig der Opportunismus und das - noch ganz gut funktionierende Brot-und-Spiele - , weswegen noch Kontinuität herrscht. Der Dampf im Kessel steigt. Nach meinem Dafürhalten auch geschürt von Außen.
Ulrich von Hutten
02. Mai 2015 14:12
@ Dag Krienen

Sie geben Aristoteles leider sehr verkürzt und zudem aus bewusstseinsphilosophischer Sicht wieder, die eine Umdeutung des aristotelischen Telos-Begriffes bedeutet.
Ich wiederhole es gern noch einmal: Um Aristoteles Telos-Verständnis zu verstehen, benötigen Sie dessen Unterscheidung des von „uns aus früheren“ und dem „der Sache nach Früheren“ (ist durch Descartes „Ich denke…“ und die Identifizierung des Denkens mit dem Bewusstsein „eingeebnet“ worden).
Es geht also um erkenntnistheoretische Voraussetzungen, die notwendig sind, um einen Sachverhalt angemessen zu erfassen.
Der Mensch wird hier nicht von Natur aus als absolut betrachtet (u. a. Hobbes, Rousseau), sondern als etwas, das es zu entwickeln gilt. Aristoteles bemüht zum besseren Verständnis das Scherenbeispiel: Was eine Schere zu Schere macht, erkennt man eben nicht daran, dass da etwas reißt oder quetscht, sondern daran, was die Funktion des Schneidens spezifisch und optimal ermöglicht. Wenn man das Wesen einer Sache an ihrer Leistung/ihrem Werk erkennen kann, dann bedeutet das, dass das innere Telos einer Sache die Hinordnung aller ihrer Momente auf die Erzielung dieser ‚Leistung‘ ist. Davon sind alle diejenigen Ziele zu unterscheiden, für die man eine Schere benutzen kann. Analoges sagt Aristoteles auch über den Menschen, wie oben von mir schon aufgezeigt.
Hinsichtlich des Staates heißt das, dass dieser nicht von außen als Ziel hinzukommt, sondern als inneres Ziel im Menschen selbst angelegt ist. Wenn also vom Staat als dem inneren Telos des Menschen die Rede ist, ist hier die Hinordnung aller Anlagen und Vermögen des Menschen gemeint, die ihn zum Menschen machen und nicht zum Affen oder Wolf.

Aristoteles verneint ausdrücklich, dass die Selbsterhaltung, als Selbstvergewisserung bzw. Selbstverwirklichung, den Menschen zum Menschen macht. Der Mensch würde so betrachtet nie über den Anfang seiner selbst hinausgelangen und so auf der Erkenntnisebene der sinnlichen Wahrnehmung, die er mit Pflanzen und Tieren gemeinsam hat, verharren. Er bliebe Affe oder Wolf und würde es nie zu einem Mozart oder Heisenberg bringen.

Also, die Reduktion des Menschen auf die reine Selbsterhaltung, würde alle anderen Motive des Menschseins nivellieren. Aber es gibt gute Gründe anzunehmen, dass im Menschen viel stärke Strebemomente wirken können, als lediglich der Selbsterhaltungstrieb (s. Mozart, Heisenberg, Caesar, Alexander, Clara Schumann, Berta von Suttner und viele mehr).
Der von Hobbes hypothetisch (mehr ist es ja nicht) erschlossene Krieg aller gegen alle führt dazu, dass der Selbsterhaltungstrieb des Einzelnen unter rationaler Kontrolle gebracht werden muss. Aus diesem Sachverhalt wird jedoch auch deutlich, dass dieser Selbsterhaltungstrieb in sich selbst nicht rational ist, denn weshalb sollte er in einem freiwilligen Vertrag aller mit allen korrigiert werden müssen?
Der dem bewusstseinsphilosophischen Ansatz verpflichtete Hobbes irrt, wenn er meint, dass durch reflexive Bewusstmachung etwas, das in sich nicht rational ist, rational gemacht werden kann. Und noch einen Einwand gegen Hobbes. Ein Affe, der in den Spiegel sieht, sieht einen Affen und keinen Friedensfürst.
Dag Krienen
02. Mai 2015 15:15
Ad Thomas,
Ad Dirty Harry,

Zunächst einen Minimalstaat wie den Hegelschen Not- und Verstandesstaat zu akzeptieren, fällt auch einem alten Etatisten wie mir nicht schwer. Eine politische Institution, die mit Hilfe ihres Gewaltmonopols die persönliche Unverletzlichkeit der ihr Unterworfenen, ihr Eigentum und die Einhaltung der erlassenen Gesetze und der geschlossenen Verträge sichert, ist auf jeden Fall besser als das Fehlen einer solchen. Selbst wenn die Gesetze vorschreiben, öffentliche Kritik am Machthaber zu unterlassen, man sich aber sicher sein kann, unbehelligt zu bleiben, wenn man schön die Schnauze hält, ist dies einem Zustand vorzuziehen, in dem zwar auf dem Papier alle möglichen Freiheiten erlaubt sind, aber de facto eine ganze Reihe von rivalisierenden Gruppen herrschen und egal was man tut, dies von einer dieser Gruppen zum "Verrat" und "todeswürdiges Verbechen" erklärt und entspechend geahndet wird.
Allerdings wünscht man sich im allgemeinen etwas mehr als den blossen Elementarschutz von einem Staat. Das hat meines Erachtens auch damit zu tun, daß gerade unter modernen Verhältnissen das Führen eines "guten Lebens" aus eigener Kraft nicht mehr möglich ist, sondern nur "kollektiv" organisiert werden kann. Will man auf die Art und Form dieses kollektiven Organsierens Einfluss nehmen, bietet sich ein zumindest halbwegs demokratischer organisierter "Vernunftstaat" als Mittel an. Auch der kann nicht garantieren, daß alle politische Entscheidungen jeweils der eigenen Überzeugung entsprechen, er muß vielmehr die jeweils getroffenen Entscheidungen, die ja immer auch andere Optionen ausschliessen, durchsetzen, notfalls repressiv gegen bestimmte Minderheiten. Den Gesetzen muss gehorcht werden, aber man kann (beispielsweise beim § 130 oder § 218 StGB) sie inhaltlich für falsch halten und durch Anstrengungen zur Erreichung einer Mehrheit bei der Gesetzgebung zu ändern versuchen.
Das ist das zugegebenen sehr idealisierte Bild eines "Mehrwert-Staates", der m.E. am besten als Nationalstaat zu funktionieren verspricht. D.h. als Staat einer sich als politischen Schicksalgemeinschaft verstehenen Menschengruppe, die zumindest ein gewisses Maß an kollektiver Selbstbestimmung realisieren will und kann, um nicht völlig hilflos anonymen Mächten wie dem internationalen Kapitalismus oder auch international organisierten Mafiosos oder ideologisch-religiösen Fanatikern ausgeliefert zu sein. Nationale Homogenität erleichtert es dabei, daß auch strittige politischen Entscheidungen leichter die Akzeptanz der Minderheit finden, als in Staatsgebilden, in denen mehrere Schicksalsgemeinschaften zusammengefasst sind. Daß im übrigen Nationalstaaten multilateral und in Bünden echte gemeinsame Interessen definieren können, versteht sich.
Ebenso versteht es sich, daß die derzeitige BRD und die derzeitige EU diesem Ideal nicht entsprechen, weil sie von Eliten gekapert wurden, die keinen positiven Bezug mehr zu den von ihnen eigentlich zu vertretenden Volk haben. Die meisten der von Thomas aufgeführten Übel, die er dem Staat als solchen angelastet hat, ist zudem von diesen Eliten den Deutschen subkutan untergejubelt worden, nicht aber tatsächlich auf dem Weg echter politischer Entscheidung des Demos zustandegekommen. Das zu revidieren und zu ändern, ist zweifellos eine wahre Sysiphus-Arbeit, zumal sich immer mehr Deutsche als geblendet und gehirngewaschen zeigen. Sie ist aber notwendig, denn auf Dauer droht die Entstehung eines neuen Welt-Minimalstaates, der die Menschen endgültig und auf allle Zeiten zu Marionetten anonymer Mächte werden läßt. Im Jahre 212 erklärte der Kaiser Caracalla alle freien Männer im Imperium zu Cives Romani, zu römischen Bürgern. Es dauerte keine einhundert Jahre, bis unter Diocletian und Konstantin nicht mehr von römischen Bürgern die Rede war, sondern nur noch von "subiecti" - blossen Untertan (wörtlich übersetzt dem kaiserlichen Willen "Unterworfenen") eines absolut regierenden Herrschers. Das ist die Alternative zum Nationalstaat für Deutschland und die Welt. Nur solche Staaten haben überhaupt noch das Potential, sich, gemeinsam, gegen die übermächtige weltimperiale Tendenz zu behaupten. Wo man auf der Linken nachdenkt, kommt man gelegentlich zu ähnlichen Schlüssen, wie das Beispiel Elsässer zeigt. Deshalb verwundert auch nicht, dass die meisten Kommentatoren auf dieser Seite es nicht beim Minimalstaat bewenden lassen wollen.
Dirty Harry
04. Mai 2015 18:42
@ Meyer

Der Staat relevant einzig als Funktion einer Machtpolitik im internationalen Raum? Führung der Bürger, ideell, ggf. mit härterer und strengerer Hand? Symbiose zwischen Staat und Volk, Staat formt Volk? Errichtung einer Monarchie?

Wir leben auf einem Planeten, doch in ganz anderen Welten.

In der jetzigen Situation mehr Eigenverantwortung als notwendig zu erachten treffen wir uns sicherlich. Doch für mich nicht als Übergangszustand zu einem ganz anderem System (und, Sie sehen mir meine Deutlichkeit bitte nach, schon gar nicht zu dem von Ihnen skizzierten Staat), sondern als dauerhafte Etablierung neuer Strukturen. Dezentral, basisdemokratisch, möglichst ohne Staat - hier kann nur die Praxis zeigen, was tatsächlich sinnvoll ist.

M.E. gibt es einen gewaltigen und nicht vorhersehbaren Wandel. Gerade der technische Wandel wird uns in den nächsten Jahren massiv in unserem täglichen Leben treffen. Die erhöhte Komplexität macht es selbst für kleinere Staaten schwieriger, steuernd und regelnd einzugreifen. Ich erwarte tendenziell eine Stärkung der Kommunen und lokaler Gemeinschaften (nicht nur der "Parallelgesellschaften"). Wegen der Technik. Wegen größeren Möglichkeiten, lokal und global aktiv zu werden, sich zu organisieren und etwas zu bewirken. Wegen den Interessen und Wünschen der Bürger. Wegen den Gefahren, die jenseits des überschaubaren Bereichs drohen. Wegen dem Wissen, welches kein Herrschaftswissen mehr ist; bzw. nicht mehr sein wird.

Ein paar Namen für den Wandel: Julian Assange. Peter Thiel. Edward Snowden. Elon Musk. Cody Wilson. Usw.

Wohin führt dieser Wandel? Wie viel Staat ist wirklich noch notwendig? Ich halte das für nicht vorhersehbar. Eine Frage der Praxis, nicht der Prognose...

Ich stehe zudem Theorien, die sich auf die Vergangenheit stützen, sehr skeptisch gegenüber. "Das war schon immer so" erlaubt nicht die logische Folgerung, dass es auch immer weiter so sein wird. (Ich würde i.Ü. auch anzweifeln, dass nur der Machtkampf von Staaten in der Vergangenheit relevant gewesen ist, aber dieses Thema ist zu sehr off-topic). Die fortschreitende internationale Vernetzung ist kein Zeichen der Unterwanderung unseres Staates, sondern zeigt einfach einen erhöhten Grad an Verknüpfung, an Kooperation und Zusammenarbeit. Der die Lage noch unübersichtlicher und Machtspiele noch unnötiger macht.

Mit Blick auf die Staaten außerhalb der westlichen Welt haben die westlichen Staaten sicherlich noch einige wichtige Aufgaben militärischer und wirtschaftspolitischer Art zu erfüllen. Doch ist es notwendig, sich deren innere Verfassung zu eigen zu machen? Muss man selbst zu einer Diktatur oder einer gelenkten Demokratie werden, wenn man mit solchen Staaten kooperiert? Ich meine nein.

@ Dag Krienen

Darf ich als Erwiderung für den ersten Teil Ihres lesenswerten Postings einfach nur auf das Subsidiaritätsprinzip verweisen? Für mich regelt unser Staat entschieden zu viel. Bei ernsthafter Anwendung des S. ergeben sich viele Probleme gar nicht mehr; verbunden natürlich mit einem Abbau der Märkte, in die sich der Staat einmischt. Aber hier liegt das Problem einer zentralen Machtstellung - diese ist notwendig, um bestimmte belegbare Aufgaben erfüllen zu können und wird genutzt, diese auszuweiten. Und das System ist wie es ist - starr und unbeweglich. Da hilft bohren und reformieren nur bedingt. O.g. Entwicklungen werden hier stärker wirken und passend machen, was nicht passt (ggf. mit ein paar kleinen Schubsern durch organisierte Bürger).

Ihre Ausführungen zum Mehrwert-Staat lesen sich flüssig und logisch - richtig finde ich sie deshalb trotzdem nicht ;) Die von Ihnen genannten Punkte zur Rechtfertigung eines Mehrwert-Staates sehe ich als mögliche Aufgaben eines Minimalstaates - Militär, Polizei, Justiz, Wirtschaftsrecht. Und die Verknüpfung zwischen Volk und Staat und Demos... Was in der Polis funktioniert hat, muss nicht im 21. Jahrhundert richtig sein. Und die nationalen Freiheitskämpfe, um im Namen der Nation die Monarchen loszuwerden, sind auch vorbei. Ich erwarte etwas Neues. Auch weil "das Volk" sich gewandelt hat und weiter wandeln wird. Das Industrieproletariat ist weg. Die Junker sind weg. Die Zeit homogener Nationalstaaten ist vorbei. Liegt des dies an "geblendeten und hirngewaschenen"? Nein, Dag Krienen. Die Zeiten haben sich gewandelt. Und die Menschen mit ihnen. Korrektur: Die meisten Menschen. Die große Mehrheit. Vielleicht liegt ja auch keine Fehlsteuerung vor, sondern eine logische und nachvollziehbare Entwicklung.
Ulrich von Hutten
07. Mai 2015 22:22
Lieber Gutmensch,

schön, dass Sie Grenzen haben. Interessant, dass Sie die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel bemühen, die metaphorisch aufzeigt, dass nicht nur der einzelne Mensch - Sie - sondern alle Menschen Grenzen haben. Warum nur gibt es Staaten, weil der Mensch Grenzen hat? Kann es sein, dass dies überhaupt die Voraussetzung für die Gründung von Staaten ist?
Sie kennen nicht zufällig die essayistische Erzählung "Über das Marionettentheater" von Heinrich von Kleist? Schade.
Ulrich von Hutten
07. Mai 2015 22:51
Lieber Dirty Harry,

Sie überschätzen den Menschen genauso wie die Technik. So wie ein Computer bei zu viel Information zusammenbricht, ergeht es dem Menschen. Genauso, wie der Computer eine Grenze hat, hat der Mensch Grenzen. Insofern unterscheidet sich der Mensch der Antike oder des Mittelalters nicht vom Menschen der Gegenwart.
Warum? U. a. , weil der Mensch zu allen Zeiten nur selektiv wahrnehmen kann. Geändert haben sich nur die technischen Mittel. Seltsam, dass ich glaube, dass ein Aristoteles wesentlich klüger war als ein Carl Schmitt oder Richard David Precht. Und das alles ohne Internet und Wikipedia.
Im Übrigen: Globalisierung hat es auch schon immer geben. Es ist keine Besonderheit der Gegenwart.
Dirty Harry
08. Mai 2015 18:21
@ Hutten

Überschätze ich den Menschen? Das Gegenteil könnte man mir mit mehr Grund vorwerfen. Ich freue mich, wenn ein Mensch sich selbst und sein Umfeld überblickt und positiv beeinflussen kann. Mehr geht nicht. Wer den Menschen nicht überschätzt ist automatisch staatsskeptisch. Den wer, wenn nicht Menschen, lenken einen Staat?

Überschätze ich die Technik? Nur wer träumt, kann sie noch überschätzen.

Sind die Grenzen des modernen Menschen wie die des Menschen in der Antike? Ja: Ein Mensch wird nackt geboren und hat seine Grenzen (z.B. Aufnahmefähigkeit). Nein: Der Wissensstand, auf den man aufsetzen kann ist ganz anders. Die Hilfsmittel, deren man sich bedienen kann, sind ganz anders (z.B. Kommunikation). Die "Muse" sich mit neuen Dingen zu beschäftigen, zu erfinden, zu denken,... haben jetzt viel mehr Menschen als zu Zeiten, als die Nahrung noch auf den Feld (von fast allen) mit eigener Hand erarbeitet werden musste.

Globalisierung gab es schon immer? Nehmen Sie den Begriff und verwenden Sie ihn sowohl für die Verknüpfungen der Vergangenheit als auch für die Verknüpfungen der Gegenwart. Das ändert nichts daran, dass Quantität, Qualität und Art jetzt ganz ganz anders sind als in der Vergangenheit.
Ulrich von Hutten
11. Mai 2015 15:04
Lieber Dirty Harry,

Sie schreiben: „Wer den Menschen nicht überschätzt ist automatisch staatsskeptisch.“

Der Grund hierfür wird allerdings nicht deutlich.

„Den wer, wenn nicht Menschen, lenken einen Staat?“

Zum Staat noch einmal nur so viel: Der Staat ist dem Menschen immanent und nicht sein als Gegensatz zu verstehendes Alter Ego. Es ist auch nicht so wie u. a. Rousseau dies formulierte: Der Mensch ist frei geboren und liegt überall in Ketten.
Dass es diese Ketten gibt, liegt daran, dass Freiheit eine Aufgabe ist, der sich sowohl der Mensch als auch der Staat stellen muss und die durch Erziehung erst verwirklicht wird. Insofern kann der Mensch als auch der Staat diese Aufgabe verfehlen. Ist dies Ihre Skepsis?
Freie Selbstbestimmung und damit Freiheit gibt es – um mit Platon zu reden – erst bei dem, der aus einem Wissen um das für ihn Gute handelt. Wirklich frei sind die Wenigsten.
Freiheit ist eben nicht, wie es die Bewusstseinsphilosophie suggeriert, Wahlfreiheit – dies wäre nach Platon allenfalls eine depravierte Freiheit.
Im Übrigen: Auch die sogenannte FDP propagiert diese depravierte Freiheit.

„Die 'Muse' sich mit neuen Dingen zu beschäftigen, zu erfinden, zu denken,… haben jetzt viel mehr Menschen …“

So, so. Schrieb nicht vor Jahren einmal jemand, dass aus der dumpfen Masse die dumpfe aufgeklärte Masse geworden sei?
Arte ist sicherlich der Sender von den vielen, die es gibt, der bei aller "Muse" die höchsten Einschaltquoten hat?

„Das ändert nichts daran, dass Quantität, Qualität und Art jetzt ganz ganz anders sind als in der Vergangenheit.“

Ja, das bilden wir uns ein – wir Spätgeborenen. Ich schlage Aristoteles auf und stelle fest: Alles, was philosophisch danach kam, sind nur noch Fußnoten.
Können Sie sich vorstellen, dass Aristoteles die Marktwirtschaft/Kapitalismus als die schlechteste aller Wirtschaftsformen charakterisierte? Warum kam der, ohne Marx zu kennen, zu dieser Erkenntnis? Weil Aristoteles noch wusste, wie man Freiheit, wie man Denken, Menschsein definiert?
Dirty Harry
15. Mai 2015 16:22
@ Hutten

Wo wird der Grund in meinem vorhergehenden Posting deutlich, dass, wer den Menschen nicht überschätzt, automatisch staatsskeptisch ist? In den beiden Sätzen vor diesem Satz finden Sie die Begründung.

Zum Staat: Mir geht es nicht darum, anderen Leuten vorzuschreiben, dass sie ihre Kinder vom Staat und nach dessen Vorstellungen erziehen lassen wollen. Ich will es halt für mich nicht. Und ich will mich (und meine Familie) nicht von Dritten zu etwas zwingen lassen, was ich nicht will. Ganz einfach. Der Staat mag als sinnvolle Organisationsform in manchen Punkten seine Berechtigung haben. Mehr als die Summe seiner Teilchen sehe ich aber nicht in ihm. Ist Ihnen womöglich zu profan, weil die metaphysische Verankerung in den Schriften antiker Denker fehlt und das abstrakte Modell, wie die Wirklichkeit zu sein hat, nicht dazu passt und irgendwie unbedingt "der Staat" mit dabei sein muss, weil er ja angeblich dem Menschen immanent ist. Tja, dann ist es halt so.

"Wirklich frei sind die Wenigsten". Als Notwendigkeit für Freiheit sehe ich Fähigkeiten und Wissen, nicht die richtige Gesinnung um "das Gute". Es ist also m.E. keine Frage des ja/nein ("freier Geist vs. unfreier Geist"), sondern in welchem Maße jemand "skills" hat. Womit man - vor allem - wieder bei der Erziehung ist.

Bevor Sie an dem Punkt einhaken und nach der Ethik fragen: Die gibt es auch. Sieht so ungefähr aus wie der kategorische Imperativ Kants oder die profane Erkenntnis, dass man andere Leute so behandeln soll, wie man selbst behandelt werden möchte. Da braucht man aber keine langen Diskurse über das wahreguteschöne. Passt auf einen Autoaufkleber und wird durch Vorbild vermittelt (bzw. versucht :).

Die Muse... hoppla, B.S. war doch kein antiker Denker und Sie haben ihn gelesen!? ;) Vl. trotzdem doch nochmal mein Posting lesen. Ich sprach nicht davon, dass die Masse sich jetzt mit Heidegger beschäftigt. Sondern dass die Masse sich jetzt mit etwas anderem beschäftigen kann als Feldarbeit und Frondienste.

Aristoteles: Hatte er eigentlich selbst Sklaven? Jedenfalls hatte er damals schon "die Muse" sich über viele Dinge Gedanken zu machen. Ist ja auch lobenswert. Ich bitte allerdings um Ihre Nachsicht, dass es für Personen, die sich nicht für bestimmte alte Denker interessieren, etwas schwierig ist, die gleiche Verehrung aufzubringen. Ist ja auch ziemlich unübersichtlich, wessen Glaubenssätzen man folgen soll, es gibt einfach zu viele - manchmal wirklich beeindruckende - Denker, Gurus und Leitsterne. Ich bleibe da lieber nah an der Realität und bei einer profanen Betrachtung der Dinge. Manchmal gibt es sicher auch von Theoretikern gute Anregungen; warum Aristoteles von Ihnen behauptete Aussagen allerdings für die Ökonomie unserer Zeiten als Glaubenssatz stehen soll, erschließt sich mir allerdings nicht. (Ohne großes Interesse aber der Vollständigkeit wegen: Welche Wirtschaftsform hat den Aristoteles Ihres Erachtens alternativ empfohlen? Landwirtschaft mit Sklavenhaltung? 8).

Vielleicht ist das genau der Punkt, der mir so große Bauchschmerzen verursacht. Irgendjemand will jemand anderem sagen, was er zu tun/lassen/denken hat, weil... (irgendwelchen gute Gründe). Das ist in manchen Fällen leider unvermeidlich (Kinder, Kranke, etc.), aber ansonsten unnötig. Wer so angibt, fühlt sich überlegen, elitär und wissend. Weil er auf die Moral verweist, auf die historische oder persönliche Schuld, auf den Denker xy, auf seinen Status, auf die richtige Gesinnung. Der Sprung zwischen "freier Staatsbürger" und "Sklave" ist weniger groß der der Sprung von "Eigenbestimmt" zu "Fremdbestimmt".

Lieber Herr Hutten... Stirner, Nietzsche und Wittgenstein als Fußnoten des Aristoteles? Hermetik, keine Hermeneutik ;)

Nothing more to say

Ich empfehle mich

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.