25. Juni 2015

Warum Konservative scheitern – metaphysisch betrachtet

von Lutz Meyer / 84 Kommentare

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

krabbegescheitertWie schon in meinem Beitrag über den Staat als zu meidendes Ungeheuer gehe ich auch im Folgenden an die Wurzeln konservativen bzw. rechten Selbstverständnisses. Es ist nicht die reine Lust an der Provokation, die mich antreibt. Mein Anliegen ist es vielmehr, Selbstgewissheiten in Frage zu stellen – voraussetzend, daß ein Infragestellen nicht zwangsläufig eine Verneinung bedeutet, sondern auch ein Prüfstein sein kann.

Man betrachte es als Antidot gegen den sich allzu oft Geltung verschaffenden Drang, einander wohlwollend in Stammtischmanier auf die Schulter zu klopfen. Die gegenseitige Bestätigung hilft uns nicht weiter. Wir müssen die beständige, harte und ehrliche Auseinandersetzung mit unseren eigenen Grundlagen und Denkvoraussetzungen suchen.

Wann und wo immer konservative Versuche, das Ruder herumzuwerfen, scheitern, machen die Gescheiterten alles Mögliche dafür verantwortlich: die Linken, die Liberalen, die Medien, den Zeitgeist, besondere Umstände, gelegentlich auch Querelen in den eigenen Reihen. Kaum jemals reicht die konservative Besinnung weit genug, um zu erkennen, daß der konservative Anspruch selbst es sein könnte, der auch die konservative Aktion notwendig scheitern lässt. Wie ist das zu verstehen?

Ernst Jünger konstatiert im Vorwort zu den Strahlungen: „Der konservative Anspruch, sei es in der Kunst, der Politik, der Religion, stellt Wechsel auf nicht mehr vorhandene Guthaben aus.“ Konservative sind also – metaphysisch gesehen und völlig unabhängig vom Begriff bürgerlichen Ehrhaftigkeit – Betrüger, Zinker, Hütchenspieler.

In Typus, Name, Gestalt führt Jünger diesen Gedanken einige Jahre später näher aus. Er warnt davor, die „Weißung“ („Blanko“), in der die überkommenen Begriffe, Werte, Namen, Typen und Gestalten an Geltung verlieren, vorschnell zu füllen. Denn hierin liegt eine große Gefahr: „... es gibt nichts Unreineres als Götter, die überständig geworden sind.“

Der Rückgriff auf den Mythos genügt nicht: „Daß unzureichende Setzungen schnell unter Einbußen ad absurdum geführt werden, hat das jüngste Geschehen gelernt“. Natürlich kann jeder für sich im Privaten konservative Wertsetzungen leben und damit individuell durchaus glücklich sein, vielleicht sogar als Vorbild wirken. Darum geht es Jünger aber gar nicht. Ihm geht es um die großen Setzungen, um das überindividuell Prägende in Kunst, Politik und Religion. Und genau darum geht es uns doch auch, nicht allein um das werterfüllte Leben im Privaten.



Jünger greift Nietzsches Analyse des Nihilismus auf: der Nihilismus als gewaltige Grundströmung der abendländischen Geistesgeschichte seit Platon. Dass Nietzsche (und mit ihm Heidegger) den Nihilismus als langwirkende Macht ansieht, dem kein bloßes Meinen und Bekennen und trotziges Festhalten auch nur ansatzweise etwas entgegensetzen kann, will der konservative Geist nicht wahrhaben:

Er geht zur Tagesordnung über, bekennt sich zu den „Werten“ seiner Vorväter, glaubt weiter unbeirrt an Gott, das Ewige, das Wahre, das Schöne und Gute und tut so, als ob der „Nihilismus“ eine bloße Meinungsäußerung des bekanntlich geistesgestörten Nietzsche gewesen sei.

Nochmals: Natürlich kann jeder für sich entscheiden, ob er an den Gott der Bibel glauben möchte oder nicht. Die Frage ist, wohin diese „kleinen Fluchten“ führen. Das wesentliche Ziel erreichen sie, wie es aussieht, nicht: das einer Umgestaltung im Großen. Das liegt daran, dass das Bekenntnis zu Werten und Weltanschauungen beliebig und Sache einer subjektiven Entscheidung ist. Im Warenhaus der Sinnangebote entscheidet der eine sich für dieses, der andere für jenes. Eine echte, strenge Notwendigkeit, ein „Ich kann nicht anders“ ist bei nüchterner Betrachtung nicht zu erkennen.

Die Frage, der Konservative sich stellen sollten, wäre die: Wenn der Nihilismus – der Rückzug der Götter, des Gottes – wirklich eine langwirkende Macht aus der Tiefe der abendländischen Geschichte und als solche gleichsam Seinsgeschichte (Heidegger) bzw. Heilsgeschichte ist: Wie verhalten wir uns angemessen?

Rückgriffe sind Griffe ins Leere, ins Haltlose. Sie fördern bloße Schemen zutage, nicht den echten, lebendigen Gott, der alles Seiende durchdringt. Sich hingegen an der Destruktion zu beteiligen, scheidet für Konservative ebenso aus wie der reine Genuss der Abwesenheit verbindlicher Autoritäten („Spaßgesellschaft“).

Auch das von Carl Schmitt favorisierte Modell des Katechon, des Aufhalters, kann es nicht sein, wenn denn der dem heraufdämmernden Nichts vorangehende Rückzug Gottes von diesem selbst gewollt ist. Wozu ihn aufhalten und ihm so ins Handwerk pfuschen? Geht es nicht vielmehr darum, die heraufziehende Kälte auszuhalten? Gilt es nicht, sich dem Nichts zu stellen? Wäre nicht zu akzeptieren, dass wir uns vielleicht noch nicht einmal im Auge des Sturms befinden und erst recht nicht schon jenseits der imaginären Linie, die uns von einer neuen erfüllten Wertsetzung im Großen trennt?

Sowohl Nietzsche als auch Heidegger sahen weitere Jahrhunderte ohne neuen Gott oder neue Götter als das Ganze prägende Mächte vor uns liegen. Also: Wie lässt sich eine solche Zeit jenseits individueller Erwägungen, also ausschließlich mit Blick auf „Werte“ bzw. deren Abwesenheit, mit Blick auf das Ganze überleben? Wie lässt sich überwintern? Müssen wir vielleicht weit hinter den Mythos zurück?

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (84)

Isabel
25. Juni 2015 22:33
Konservative scheitern an zu viel Literaturgefasel, zu wenig Idealismus und vor allem zu viel Feigheit. Inklusive Doppelmoral.
Manchmal hat man den Eindruck, es handele sich um völlig verstaubte Hinterzimmergestalten, die sich gegenseitig die Zitate "großer Männer" um die Ohren hauen zur Befriedigung ihrer Eitelkeit als einzigem Lebenszweck. Wer die meisten wohlklingenden Zitate raushaut, ist der Held schlechthin und hat gewonnen, auch wenn die Welt drumrum untergeht.
Rumpelstilzchen
25. Juni 2015 23:03
Nochmals: Natürlich kann jeder für sich entscheiden, ob er an den Gott der Bibel glauben möchte oder nicht. Die Frage ist, wohin diese „kleinen Fluchten“ führen. Das wesentliche Ziel erreichen sie, wie es aussieht, nicht: das einer Umgestaltung im Großen. Das liegt daran, dass das Bekenntnis zu Werten und Weltanschauungen beliebig und Sache einer subjektiven Entscheidung ist. Im Warenhaus der Sinnangebote entscheidet der eine sich für dieses, der andere für jenes. Eine echte, strenge Notwendigkeit, ein „Ich kann nicht anders“ ist bei nüchterner Betrachtung nicht zu erkennen.


Warum soll die Umgestaltung im Großen das wesentliche Ziel sein ?
Mir graut vor einer Umgestaltung im Großen! Die ist schon bei den Kommunisten und Nationalsozialisten gründlich daneben gegangen.

Schwaches linkes Geschwafel. Tut mit Leid.
Michael Schlenger
26. Juni 2015 00:59
Werter Herr Meyer,

Ihr Beitrag gefällt mir – nicht zuletzt, weil er Erinnerungen an Gemeinschaftskundestunden in einem sich humanistisch dünkenden mittelhessischen Gymnasium in den 1980er Jahren weckt. Wir hatten damals einen sich durchaus liberal gebenden linken Lehrer – heute übrigens ein meist vernünftig argumentierender Grüner in einer sich weltstädtisch dünkenden hessischen Provinzmetropole.

Bei ihm habe ich zum ersten Mal das „Argumentations“muster kennengelernt, Fragen zu stellen, ohne selbst Antworten zu geben. Etwa: „Muss man bei der Beurteilung der Ortega-Regimes in Nicaragua nicht auch den kostenlosen Gesundheitsdienst berücksichtigen?“ Oder: „Fühlt sich die Sowjetunion nicht zurecht durch die aggressive Aufstellung atomarer Mittelstreckenraketen in Deutschland bedroht?“

Zum Glück hatten wir damals eine recht geschlossene konservative und liberale Fraktion in der Klasse (übrigens fast ausschließlich männlich sozialisiert), die ohne wesentliche Schulung auf solche Fragen mit impulsiver Attacke losgegangen ist und keine Antworten schuldig blieb. Ich weiß nicht, ob dieser Kampfgeist auch in heutigen Oberstufenklassen noch anzutreffen ist, aber es wäre zu wünschen.

Nun zu Ihren Ausführungen: Sie unterstellen, dass der Konservative die Umwälzung im Großen, also eine metaphysische Wende anstrebt. Damit wird er bei realistischer Einschätzung der Lage scheitern, insoweit stimme ich Ihnen zu. Aber ist das wirklich das Ansinnen der meisten, die sich für „konservativ“ halten? Um eine Antwort zu geben: Der vordringliche Wunsch vieler Konservativer ist es nach meiner Auffassung, möglichst von „fortschrittlichen“ Institutionen in Ruhe gelassen zu werden und sein Leben in allen Facetten nach eigenem, an bewährten Traditionen orientierten Sinn zu führen. Das geht wahrlich nicht zwangsläufig mit dem Wunsch nach einer Umwälzung auf gesamtgesellschaftlicher Ebene einher. Eher will man sich die Freiheiten erhalten, nach seiner Facon glücklich zu werden, ohne mit dem Überbau über Gebühr anzuecken (klingt auch ein wenig nach liberalem Gedankengut..).

Nun kann man einwenden, dass eine Gesellschaft wie der unseren, die selbst auf allen Ebenen progressiv (wertneutral verstanden) ausgerichtet ist und den Einzelnen zunehmend ins Visier nimmt, letztlich doch einer fundamentalen Umwälzung bedarf. Aber ist das wirklich so? Auch hier eine Antwort: Es ist im Europa der Gegenwart vielleicht nicht leicht, doch nach wie vor weit leichter als unter totalitären Regimen, seinen eigenen Weg zu gehen. Es bedeutet vielleicht Verzicht auf Ansehen, Positionen, Karriere, Vermögen, Subventionen – aber welchem intelligenten Menschen liegt daran? Die Antwort: Nicht dem Konservativen, der um den geringen Wert dieser Güter weiß.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich meine, der Konservative ist mit seinem am Dauerhaften orientierten „pursuit of happiness“ keineswegs auf dem Holzweg – er muss nur die äußeren Bedingungen hinnehmen, wo er sie nicht ändern kann. Sie selbst, Herr Meyer, führen Ernst Jünger als Kritiker der konservativen Position an – übrigens auch eine linke Methode, aus dem Riesenwerk des Gegners etwas herauszupicken, was einem gerade zupass kommt – doch das Faszinierende an Jünger ist gerade, dass er am Ende seinen eigenen Weg gegangen ist, der ihn denkbar tief in das noch pochende Herz des vielgeschmähten „alten Europas“ zurückgeführt hat. Sein Weg ist ungeachtet einiger utopistischer Versuchungen letztlich ein fortschrittsskeptischer, also konservativer geblieben.

Der Blick auf die Geschichte der Menschheit zeigt, dass man mit dem Bewahren von Bewährtem, dem Erhalt von Wertvollem und einer gesunden Abneigung gegen Heilsversprechen aller Art – ob von „links“ oder „rechts“ – gut beraten ist. Der sogenannte Fortschritt nimmt ohnehin seinen Lauf, und alles was möglich ist, wird von irgendeinem hoffnungsfrohen Geist früher oder später doch erprobt.

Ich meine, dass vor diesem kaum wandelbaren Hintergrund der Einzelne ruhig hinter der rasenden Herde zurückbleiben kann. Er wird nichts verhindern, was künftig erkannt und erschaffen sein will, doch er wird bewahren und weitergeben können, was auch in Zukunft eine das Ganze stabilisierende und den Einzelnen beglückende Kraft entfalten kann.

Auch wenn ich mich hier unbeliebt mache: Der Konservative wird gerade nicht für grundstürzende Veränderungen, einen abrupten Fortschritt im Formalen gebraucht, sondern für die unterschwellige Tradierung und Aneignung uralten Erfahrungswissens, das der Einzelne und selbst eine ganze Generation nicht aus sich selbst schöpfen kann.

Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Konservativen wenig ausmacht, im Großen zu scheitern, aber im Kleinen sich selbst treu zu bleiben und anderen ein Vorbild zu geben. Was daraus irgendwann werden kann, ist dem Mahlstrom der Zeiten überlassen – nur Utopisten meinen, ein Endziel menschlichen Strebens erkennen und erreichen zu können.

Abschließend fände ich es reizvoll, werter Herr Meyer, von Ihnen nach all den Fragen der letzten Beiträge auch einige „konkrete“ – noch so ein „learning“ aus Schülerzeiten – doch besser: „handfeste“ Antworten auf die selbstgestellten Fragen zu geben. Die vermisse ich hier bisher.
Curt Sachs
26. Juni 2015 00:59
Wir müssen die beständige, harte und ehrliche Auseinandersetzung mit unseren eigenen Grundlagen und Denkvoraussetzungen suchen.

Nee. Müssnwa jar nich.

Konservative sind also … Betrüger, Zinker, Hütchenspieler.

Hier ha’ck ßu lesn uffjehört. So’n Stuss.
Michael Rieger
26. Juni 2015 01:07
Ach, Herr Meyer, ich weiß nicht so ganz, was ich davon halten soll. Der neuerliche Gegenwind wird Ihnen gewiß sein. So schön und richtig es ist, Fragen zu stellen, Gewißheiten zu hinterfragen, scheint mir doch die Lust am Fragen selbst – sofern sie immer nur in eine Richtung geht – zunehmend bemüht zu sein. Und doch ehrenwert.

Warum schreiben Sie: „Rückgriffe sind Griffe ins Leere, ins Haltlose.“ Ist das denn so? Nein. Das ist nur eine Behauptung. Denn das hinter uns allen Liegende ist eben nicht nur Luft, ist keineswegs Leere. Man muß nur hinsehen. Ein Rückgriff bietet mehr Anknüpfungsmöglichkeiten als ein eifriges Vorgreifen, bei dem man im Gewusel nicht so genau sehen kann, was man dann am Ende in der Hand hat.

Und wenn Sie den Katechon, wie Carl Schmitt ihn be-greift, in Zweifel ziehen, dann darf man Ihnen höflich und freundlich auf die Frage: „Wozu ihn aufhalten und ihm so ins Handwerk pfuschen?“ urkatholisch antworten: Damit wir, so hat es Robert Spaemann formuliert, noch halbwegs anständig leben können.

Was bleibt also von der Frage-Stunde? Daß der Rückgriff sehr wohl auf etwas zielen kann, was andere nicht mehr als jenes zu Bewahrende erkennen können. Und daß das Auf-Halten eben eine Tat des Haltens im Hier und Jetzt ist. Was mehr ist, als deren zynische Kommentierung.

Müssen wir hinter den Mythos zurück? - so fragen Sie abschließend. In die reine Naturgeschichte des Vogelgesangs also? In die Zeit der Steine? Vielleicht. Und doch tendiere ich zu einem Nein: wir müssen durch den Mythos hindurch – denn er ist das Diaphainon, durch das alles (also: alles, sprich: das Ganze) hindurchscheint.
Michael Rieger
26. Juni 2015 01:33
Korrektur: Leider hat sich in der vorangegangenen Textpassage ein falscher grammatikalischer Bezug ergeben. Mit dem "ihn" im Meyer-Zitat ist natürlich nicht der Katechon gemeint, sondern, wie von Meyer entsprechend ausgeführt, der "Rückzug Gottes". Auf die Frage, warum es gilt, "ihn", also den "Rückzug Gottes" aufzuhalten, muß man mit Spaeman antworten: damit wir noch eine Zeit lang anständig leben können, was ja nicht ganz ohne Belang sein dürfte.
Nihil
26. Juni 2015 01:39
Wichtige Worte. Nur leider fehlen die Hörer, wie auch die Kommentare hier zeigen.
neocromagnon
26. Juni 2015 01:50
Geht es denn überhaupt um eine Umgestaltung im Großen?
Objektives Wissen ist nur im Rahmen der Naturwissenschaft möglich und es ist eng begrenzt auf das Messbare. Wissen über das Jenseits von Raum und Zeit gibt es nicht.
Weltsicht ist letztenendes immer subjektiv, was aber nicht bedeutet, daß es keine übergeordnete Wahrheit gibt. Es muß sie sogar geben, denn sonst gäbe es nichts.
Rückgriffe bringen allerdings in der Tat garnichts. Gott muß sich jede neue Generation auf Neue erarbeiten. Dazu sind die Überlieferungen hilfreich. Und menschengemachte Götter, also Götzen, gibt es natürlich auch heute, so, wie zu allen Zeiten.
Diesen Kampf muß aber jedes Individuum mit sich alleine kämpfen.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
26. Juni 2015 07:19
Wenn der Nihilismus – der Rückzug der Götter, des Gottes – wirklich eine langwirkende Macht aus der Tiefe der abendländischen Geschichte und als solche gleichsam Seinsgeschichte (Heidegger) bzw. Heilsgeschichte ist:

Ex falso quodlibet
Eveline
26. Juni 2015 07:34
Die Konservativen scheitern, richtig, an der eigenen gut versteckten und somit fehlenden Mars - Energie.

Hier gibt es zwar Burschengesänge und Burschenschaften, aber das Glühen, das bedingungslose Glühen, wie noch vor 200 Jahren, ist nicht zu spüren.
In der anderen Kommentarspalte - Schule Brief an die Eltern - kommt das so deutlich zum Ausdruck, ziemlich gleich sind die Frauen selber schuld.

Da lobe ich mir Elsässer, der hat die Energie und die männliche Kraft. Nur mal weisend, es gibt sie noch.

Alles bleibt im Untergang stecken, keiner schaut wo ist der Ausstieg? Der eigene Ausstieg?
Realist
26. Juni 2015 09:29
Im Warenhaus der Sinnangebote entscheidet der eine sich für dieses, der andere für jenes. Eine echte, strenge Notwendigkeit, ein „Ich kann nicht anders“ ist bei nüchterner Betrachtung nicht zu erkennen.


Unsinn. Es gibt kein Warenhaus der Sinnangebote. Was es gibt, ist ein Basar der billigen Verführungen.

Ein "Ich kann nicht anders" ist überall zu erkennen. Jeder Mutter, jeder Vater, der sein Leben damit füllt, für die Seinen zu sorgen, seine kleine Welt in Ordnung zu halten, lebt dieses "Ich kann nicht anders". Die Welt quillt über vor konservativen Seelen.

Hier urteilt jemand über Konservative, der den Kern des Bewahrens gar nicht erfasst hat. Falsche Analyse aufgrund oberflächlicher Betrachtung. Die ganze Argumentation ist eine dialektische Luftnummer, oder, wie an anderer Stelle hier bereits kommentiert, linkes Geschwafel.

In Zukunft erspare ich mir bereits das Lesen der Beiträge. Herr Meyer, ich melde mich ab.
Der Gutmensch
26. Juni 2015 09:34
Ach Herr Meyer,

haben Sie sich wieder vorgenommen, hier ein wenig Unruhe zu stiften? Ich weiß nicht, ob es das jetzt und hier noch braucht. Mir scheint, aus konservativer Sicht sollten wir an einem Konsens arbeiten. Ich sehe davon weit und breit nichts, sondern fühle mich zurückgeworfen auf Dinge, die ich nicht verändern kann/will: Mensch, Ostdeutscher und jetzt auch noch Frau - alles Dinge, die ich früher gar nicht als entscheidende Distinktionskriterien wahrgenommen hätte, weil mein Leben noch eine ganz andere Prioritätensetzung erlaubte. Tempi passati!

Der Grund dafür liegt m. E. in der Manie unserer Zeit, alles anzuzweifeln in Kombination mit einer konsequenten Ächtung der ergebnisoffenen Diskussion: Es gibt, um nur ein Beispiel zu nennen, keinen Weg mehr, jemanden - und sei es einen Hochschulabsolventen - von dem wirren Nicht-Standpunkt abzubringen, Tiere (und neuerdings auch Bäume!) könnten Rechtssubjekte sein. Zunächst versucht man es mit Humor: „Wie viele Verträge haben Sie bereits mit einem Affen oder einer Eiche abgeschlossen?“ Kalt lautet die Antwort, dass man schließlich alles regeln könne, über Affen- oder Eichenbetreuer oder sowas. Wo man aber früher mit Humor und gesundem Menschenverstand nicht weiterkam, half dann wenigstens das Autoritätsargument, je nach Gusto: „In der Bibel steht doch aber, der MENSCH soll sich die Erde untertan machen ... Im GG steht doch aber, die Würde des MENSCHEN ist unantastbar .... Nun aber bringt das alles nichts mehr, denn das Autoritätsargument wird als solches erkannt und - entsprechend der nihilistischen 68er-Prägung - empört zurückgewiesen, da helfen weder Teufel noch Ewigkeitsklausel drüber hinweg. Also begibt man sich stöhnend auf den langen Weg und fängt entwicklungsgeschichtlich bei Adam und Eva an - Was ist ein Mensch, was ist ein Recht, wieso nimmt die Natur in der Regel nicht daran teil? Aber auch das ist ganz und gar vergebliche Liebesmüh: Am Ende geht es ja doch wieder darum, dass man bestimmte Kategorien bemüht (und sei es nur die Grundsätze der Logik), die sogleich als Autorität erkannt (wer war denn schon Aristoteles?) und zielsicher geschmäht werden (und wieso sollte man immer noch auf jemanden hören, der schon so lange tot ist?)

Ohne einen Grundkonsens (Tillschneider würde sagen: einen kulturellen Grundkonsens!) kann es also überhaupt keine Verständigung geben. Und mit Menschen, die sich dem verweigern, kommt man nirgends hin. Es geht hier auch nicht mehr nur darum, ob man beispielsweise die Reste des preußischen Berufsbeamtentums oder das BGB erhält, weil sie einen weltweit vorbildlichen Standard gesetzt haben, den zu erhalten unseren gesellschaftlichen Alltag erfreulich reibungslos gestalten könnte! Nein, es geht hier schon längst um alles, es geht mittlerweile tatsächlich um die Anerkennung des Existenzrechts der eigenen Art. An diesem Punkte angelangt, müssen wir der Tatsache ins Auge sehen, dass es sich bei den konsequentesten Freunden der „Nicht-Standpunkte“ - leider den Tonangebenden einer ganzen Generation und ihren Klonen - um suizidale Personen handelt, die unserer Fürsorge bedürfen, weil sie sich nämlich aus Prinzip jedem echten Anliegen verschließen und nur noch Vorgeschobenes beklatschen.

Wir müssen uns also - notfalls eben autoritär, es wird wohl auch gar nicht anders gehen - darauf verständigen, was vom kulturellen Konsens überhaupt noch zu retten ist; das ist ja nun wirklich wenig genug. Was wir bestimmt nicht tun sollten, ist auch noch freiwillig eine „Weißung“ oder vielmehr „Schwärzung“ der kümmerlichen Reste vorzunehmen; bis wir das Rad irgendwann neu erfunden haben, ist nämlich keiner mehr da, der damit überhaupt noch etwas anfangen könnte.
Der Gutmensch
26. Juni 2015 09:38
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
Freitag, 26. Juni 2015, 7:19 (URL) | Kurz-URL
Wenn der Nihilismus – der Rückzug der Götter, des Gottes – wirklich eine langwirkende Macht aus der Tiefe der abendländischen Geschichte und als solche gleichsam Seinsgeschichte (Heidegger) bzw. Heilsgeschichte ist:
Ex falso quodlibet

Ich hätte erst die Kommentare lesen, dann co-referieren sollen. Treffend auf den Punkt gebracht.
Meier Pirmin
26. Juni 2015 10:32
An Lutz: Auch ohne "Heideggerisierenn" einer der stärksten Texte hier, Sie scheinen erfasst zu haben, dass Jünger das Wichtige in der Regel präziser und verständlicher sagt, woraus dann auch ersichtlich wird, warum er weder das 3. Reich noch was danach kam akzeptieren konnte noch letztlich die ihn ursprünglich prägende Konservative Revolution als Programm aufrechterhalten wollte. "Tretet weg vom Herde, es ist worden spät", hätte Stefan George formuliert. Das Interessanteste bei Ihrem Essay betrifft das Motiv des "Gestaltwandels der Götter", welcher in diesem Sinn herkömmliche Rückgriffe nicht erlaubt. Dazu müsste man nicht unbedingt Heidegger lesen, wenn schon dann den Karlsruher Religionsphilosophen Leopold Ziegler (Goethepreis 1929), der 1958 in Ueberlingen am Bodensee verstorben ist. Von einem seiner Standardwerke stammt das Stichwort "Gestaltwandel der Götter". Typisch für Deutschland bleibt ja, dass man die eigenen Philosophen nicht kennt. Wer schon zum Beispiel hätte den für Ziegler und Kaltenbrunner richtungsweisenden Franz von Baader gelesen? Baader wusste schon alles, was nach ihm für Karl Marx und andere wichtig wurde, ohne Marxens totalitäre und nicht zu Ende gedachte Wahnideen.

Bei allem Tiefsinnigen, was Herr Lutz hier über den Nihilismus ausführt, haben diese zutreffenden Reflexionen über die Verflüchtigung der Werte trotzdem nichts zu tun mit den konkreten Problemen, die zu lösen sich die Politik mit dem Hilfsmittel der Uminterpretierung der Wirklichkeit (etwa bei Joachim Gauck) weigert. Der Bundespräsident hat früher mal einen schönen Essay über die Freiheit geschrieben. Da hätte man noch nicht gedacht, dass er im Hinblick auf den Vergleich der Vetriebenen mit den heutigen Afrikamigranten Deutschland doch eigentlich nicht besser zu kennen scheint als sagen wir mal die Osterinsel. Diese Verleugnung der Wirklichkeit ist ihrerseits nicht mit dem Nihilismus zu verwechseln, eher schon mit dessen Gegenteil, den Ersatz der alten Götter durch neue Fetische und Pseudo-Ideale.

Bei philosophischen Diskussionen auf diesem Blog sollte man sich im übrigen hüten, in den Irrationalismus abzugleiten. Den neuesten Beitrag von Herrn Lutz bewerte ich indes als positives Beispiel.
Hartwig
26. Juni 2015 11:09
Der einzig wirklich belastbare Pfeiler, der die linke Herrschaft stützt, ist der materielle Wohlstand. Er ermöglicht jeglichen Ausflug in den Irrsinn unserer Tage, der sogleich zum Weg ins Paradies gerühmt wird. Konservative sollten darüber sinnen, inwiefern sie durch ihr Tun diesen Pfeiler immer und immer wieder festigen.

"Überwintern" ist das Stichwort. Die Konservativen müssen sich mindestens die Ruhe nehmen lassen, wenn es darum geht, sich zu vernetzen und Gemeinschaft zu bilden; zweckdienliche Gemeinschaft, nicht der persönlichen Erbauung wegen. Das können religiöse Gemeinden sein, Kulturkreise, Sportgruppen nach Gesinnung, Männerbünde, Kinderlager etc. Zellen bilden, in denen das zu Bewahrende verteidigt werden und überwintern kann.

@Lutz Meyer scheint den Begriff des Konservatismus hier Schritt für Schritt demontieren zu wollen - so mein Eindruck.

Ich persönlich stehe mit dem Wort "konservativ" auf Kriegsfuß. Wenn es isoliert steht, fehlt Härte und Dynamik. Und Witz und Sexappeal muss man sich auch mühsam dazudenken.
Ein gebürtiger Hesse
26. Juni 2015 11:13
Herr Meyer, Sie schreiben, daß wir "vielleicht weit hinter den Mythos zurück müßen" ... Darf ich fragen, was das konkret heißen könnte? Und inwieweit, wenn überhaupt, es sich von der gängigen linksliberalen Traditionsverleugnung unterscheiden würde?
P. Weber
26. Juni 2015 11:31
Nochmals: Natürlich kann jeder für sich entscheiden, ob er an den Gott der Bibel glauben möchte oder nicht. Die Frage ist, wohin diese „kleinen Fluchten“ führen. Das wesentliche Ziel erreichen sie, wie es aussieht, nicht.


Was hat Ihnen aber Ihr Unglaube gebracht? Aus meiner Erfahrung, mit Jesus, kann ich sagen, dass die eigene Kraft niemals ausreicht, mit ihm habe ich allerdings schon eine Menge erreichen können. Im übrigen ist der eigene Stolz, das sich Wichtig-nehmen, die Ursünde. Und wie Nietzsche zu Overbeck schreibt: "dass es mit allen Dingen anders stehen möge als ich sie begreife, und dass mir jemand meine `Wahrheiten` unglaubwürdig mache" - auch ganz einfach: Beten hilft! ;-)
Vielleicht nicht danach Fragen, was ICH kann, sonder was ER möchte, dass ich es tue.
Ein Fremder aus Elea
26. Juni 2015 11:52
In gewisser Weise muß der Konservative heute gar nichts tun, sondern nur zuwarten, denn die Vorstellung der großen Erneuerung ist bankrott:

http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2015/06/das-schwingen-des-pendels.html

Was den Nihilismus angeht. der ist sehr relativ, der eine sieht etwas als leer an, was für den anderen noch sinnerfüllt ist:

http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2015/06/die-bedeutung-der-christlichen-schismen.html

Es handelt sich letztlich darum, daß es verschiedene Arten von Sinnhaftigkeit gibt, welche nicht alle zugleich die Gesellschaft prägen können.

Der eine nennt den anderen also gottlos, weil er an der Aufgabe, welche ihm am Herzen liegt, nicht mitwirken möchte, sondern lieber an einer anderen. Natürlich, wer dabei Gewalt anwendet, um seinen Willen zu kriegen, darf sich nicht wundern, wenn er ihn dann doch nicht kriegt.

Andererseits besteht das Wesen gesellschaftlicher Prägung in Verbindlichkeit, woraus nach umsichtiger Abwägung der Sache das Recht der Vielen gegenüber den Wenigen entspringt.

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Es gibt heute ein echtes Nichts, nämlich das Ende des menschlichen Geschlechts, welches wie ein Damoklesschwert über unseren Häuptern hängt. Es wird nicht jahrhundertelang dort hängen, sondern maximal jahrzehntelang.

Und es gibt Verwirrte, welche sich der dominanten Sinnsetzung ergeben, ohne sie zu verstehen. Die könnte man auch Nihilisten nennen.

Und es gibt Nihilisten im Sinne Nietzsches. Das sind Leute, welche der Gehirnwäsche prinzipiell wohlwollend gegenüberstehen und deshalb in 99% aller Fälle gehirngewaschen sind.
Lutz Meyer
26. Juni 2015 12:35
@ Gutmensch:
Unruhe stiften - ja, das mach ich gern. Unruhe finde ich produktiver als die sich selbst beruhigenden Gewissheiten. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es im Leben neben Phasen der Ruhe auch solche der Unruhe geben sollte?

@ Ein gebürtiger Hesse:
"Hinter den Mythos zurück" - das meinte ich im Sinne des Staunens über das Anfängliche der Menschwerdung, ich folge damit dem mal von Ernst Jünger genannten Schema Märchen - Mythos - Geschichte. Also sehr weit zurück, quasi in die Kinderjahre der Menschheit. Übertagen auf die Situation: Nicht alte Lebensmuster wiederbeleben, sondern von der Grundlagen her neu denken.

@ Hartwig:
Nicht demontieren, eher dekonstruieren. Auseinandernehmen. Untersuchen. Auf Widerstandsfähigkeit prüfen. Die Wahrheit der eigenen Voraussetzungen zum Fragwürdigsten zu machen.

@ Michael Schenger:
Die handfesten Antworten, ja, da haben Sie recht. Zum einen versuche ich redlich, diese im täglichen Leben als Familienvater und Freiberufler und was sonst nicht noch alles zu geben (was hier natürlich nicht sichtbar wird). Zum anderen (was die Sichtbarwerdung in einem hier zu veröffentlichenden Text angeht) arbeite ich noch daran.
Konservativer²
26. Juni 2015 12:37
an die Gutmensch-in:

Nicht gleich verzweifeln - einfach nur radikalisieren und dadurch die postmodernen Schwätzer mit eigenen Waffen schlagen:
Wer allen Lebewesen ethische Rechte zuerkennt, also zwingend vorab das Recht auf Lebenserhalt - der muß sich sofort durch Verhungern umbringen.
Punkt.

Wer diese Konsequenz nicht ziehen will, kann auch von niemandem anders irgendeine Konsequenz verlangen.
Es scheint mir überhaupt das viel zu wenig genutzte Rezept zu sein, einfach die Herrschaften mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.
Womit wir dann auch beim Konservativen wären. Die postmodernen Schwätzer haben nämlich als einzigen wirklichen Programmpunkt, daß nichts bleiben darf.
Nun dann: Also insbesondere auch sie und ihre Ansichten nicht! Keine ewigen Wahrheiten mehr? Also auch nicht die postmoderne (so sie eine wäre)!

Der Konservative muß vor allem warten.
Und derweil, wie der alte Römer gesagt hätte, die Penaten und die Glut des Herdfeuers und die hergebrachten Sitten zu retten versuchen.
Er muß lediglich schon verwesende Leichen erkennen und aussortieren.
Dann ist mir für den Konservatismus IM PRINZIP nicht bange.

Jedes Mehr ist selbstverständlich zu begrüßén, wenn es das Hauptziel nicht gefährdet.
HBD
26. Juni 2015 13:34
Komisch, mein Kommentar kam irgendwie nicht durch. Nur soviel: Wer Kaku
und Kurzweil gelesen hat, weiss, dass die Zukunft fuer jeden konservativ
eingestellten Geist unlebbar werden wird -- selbst ohne Masseneinwanderung
aus der Dritten Welt. Der Konservative ist zuallererst ein Aesthet,
der, wie ich annehme, die alten Sprachen beherrscht und die Tradition
schaetzt. Dies alles wird mit der technischen Singularitaet ueber den
Haufen geworfen.

Douglas Hofstaedter ist bisher der einzige, der sich wirklich gegen
Kurzweil ausgesprochen hat, denn auch der von den Deutschen geschaetzte
Jaron Lanier moechte die technische Singularitaet.
Rucki
26. Juni 2015 14:36
Hartwig

Der einzig wirklich belastbare Pfeiler, der die linke Herrschaft stützt, ist der materielle Wohlstand. Er ermöglicht jeglichen Ausflug in den Irrsinn unserer Tage, der sogleich zum Weg ins Paradies gerühmt wird.


So ist es!!

Ohne die hohe industrielle Wertschöpfung, wären die ganzen sozialistischen und liberalen "ismen" ein unmittelbares Todesurteil ihrer eigenen Protagonisten gleichgekommen. Vor 200 Jahren hätte eine Flutung unseres Landes mit tausenden "Flüchtlingen" zum durchfüttern, unmittelbar in einer Hungersnot geendet. Doch Bauer Friedrich ernährt nicht mehr 2 oder 3 mit Fisch und Brot, sondern er produziert für Tausende. Die Wertschöpfer, die unseren Wohlstand erzeugen, sind aber längst in der Minderheit. Eine Armada von schmarotzenden universitären Geisterwissenschaftler, staatlich alimentiert, transportiert, über die Medien und Schulen, ihren Geistesmüll in die Köpfe der Bevölkerung, der jeder Logik und Wirklichkeit Hohn spricht.

Zudem werben eben diese Protagonisten für ein "zurück zur Natur" und huldigen einem religiösen Ökologismus. Diese Deppen würden im "zurück zur Natur" keine zwei Tage überleben.

Wir haben es geschafft mit industrieller Wertschöpfung, der von wenigen erbracht werden kann, nicht nur tausende Flüchtlinge durchzufüttern, sondern auch tausende universitäre Geisterwissenschaftler, Politheinis, NGOs, Ökologisten, Antifatruppen, Paradies-auf-Erden-Prediger und wie die Schmarotzer alle heissen.

Das ganze finanziert mit einem Steuer- und Falschgeldsystem, dass die Wertschöpfer um ihren Lohn beraubt und auf Schmarotzer umverteilt.

Solange das funktioniert, haben alternative politische Konzepte, die auf Logik, und Wirklichkeitsbezug unter Berücksichtigung der Natur des Menschen, aufbauen, keine Chance.
gerdb
26. Juni 2015 15:00
@HBD

Inwieweit macht es einen Unterschied ob man die Singularität möchte oder nicht möchte.
Es nützt auch nichts wenn man sich dagegen ausspricht.
Genausogut kann man Gentechnik mögen oder nicht mögen.
Rumpelstilzchen
26. Juni 2015 16:03
Werter Lutz Meyer,

Das Bekenntnis zu Werten ist zwar die Entscheidung eines Subjektes, aber diese Entscheidung eines Subjektes ist keine beliebige !

Das Warenhaus der Sinnangebote ( der eine glaubt das, der andere an Bachblüten oder winkende chinesische Katzen) wurde von dem linken Soziologen Ulrich Beck in dessen Buch "Eigenes Leben" bis zum Erbrechen abgehandelt. (Stichwort: Individualisierung, Pluralisierung).

Auch wenn in der Postmoderne das der christlichen Religion zugrunde liegende metaphysische Gottes- und Menschenbild zunehmend un-verbind-lich wird, sprich, nicht mehr verbindet, bleibt immer noch Religiosität in ihrer Erfahrungsdimension als menschliches Existential ( siehe William James: die Vielfalt religiöser Erfahrung) . Und darüber läßt sich auch in einer "postmodernen Gesellschaft" reden .

Völlig ungebundene wird zur unverbindlichen Religiosität. Warum sollte ich an die Ersatzreligion der Toleranz und statt an die göttliche Gerechtigkeit an eine weltweite Transferunion glauben ?
Wenn das das große wesentliche Ziel sein soll, nein Danke.

Zwischen Individuum und globaler Welt befindet sich dann nichts mehr....
Keine Heimat, kein Volk, keine Familie, kein Glaube an Höheres, keine Kirche mehr...
Schöne Aussichten.
Exmeyer
26. Juni 2015 17:46
"Müssen wir vielleicht weit hinter den Mythos zurück?"

Na, das ist doch des Aufsatzes Pudel. Allerdings ist diese in der Frage versteckte Aussage nicht selbsterklärend. Denn dahinter verbirgt sich alles, was sich der einzelne so wünscht und vorstellen kann. So lautet meine Frage: Welcher konkrete Mythos ist gemeint, hinter dem man mal nachschauen möge? Welcher Mythos verdeckt welchen Kern?

Also das "Märchen".

Ein paar Brocken zum Märchen:

- Die Landung des Odysseus in seiner alten Heimat und die Rückeroberung seines Heimes sind ein Mythos der der an inhaltlicher Vitalität nicht zu überbieten ist. Ob vor hundert oder vor zehntausend Jahren. Die Rückkehr hätte zu allen Zeiten stattfinden können und zu allen Zeiten wäre Odysseus dafür zum Märchen-Helden geworden.

- Auch bei Nietzsche ist der Vitalismus das, was die sterbenden Götter ersetzen sollte.

- Bereits Machiavelli bemüht die alten Götter und beruft sich auf Moses! Und zwar Moses als vitalen Heerführer.

- Auch ich hätte gern hemmungslos meinem protestantischen Standesdünkel gefröhnt. Allein es geht nicht. Punkt und Ende. Die straffe Form ist natürlich irgendwie zu erhalten. Dank der Preussen, Römer oder Spartaner sollte dies möglich sein.

- In der Ostukraine oder in Syrien dürfte es nicht mehr um Mülltrennung gehen, vermute ich. Was dort funktioniert, funktioniert auch hier. Was hier noch ein paar Jährchen funktioniert, führt dort binnen Minuten zum Untergang.

- Die Werte der realchristlichen Mülltrennung und des Odysseus dürften diametraler nicht sein. Leben und Leben nehmen! Diese Werte funktionieren auch im Donbass.

- Jack London hat freundlicherweise das Drehbuch für Kapitän Raimund Harmstorf geschrieben. Seine Lebensphilosophie dürfte der des Odysseus entsprechen. Leben fermentiert anderes Leben. Oder es lebt nicht.

- Die Sachsen waren vor ihrer Christianisierung "schlimmer", also vitaler, als die Normannen. Danach deren Opfer. Christentum ist Anti-Vitalismus.

- Ich sehe überall nur weisse Flaggen!
Rainer Gebhardt
26. Juni 2015 17:50
Lutz Meyer: "Müssen wir vielleicht weit hinter den Mythos zurück?"

Und das heißt zurück wohin?
Roman
26. Juni 2015 18:12
@Konservativer: Nach der postmodernen Dekadenz kommt nicht der Triumph der Konservativen, sondern die Barbarei, die sich weder ihrer Rohheit genieren, noch ein Interesse für die Werbestände des Konservativen aufbringen aufbringen wird. Ob man auch diese Phase überwintern wird, kann bezweifelt werden. Nicht, dass es nicht eine Freude wäre die bunte Republik brennen zu sehen, nur wird man spätestens in dem Feuer auch selbst umkommen. Der Verweis auf die alten Römer passt, wenn auch ungewollt. Ich weiss nicht ob es ihnen ein Trost ist, ein paar Jahrhunderte später geistig ausgegraben zu werden. Als Gesamtempfehlung ist es dann doch wenig tauglich. Es gibt kein Geburtsrecht der Konservativen. Zumal wir durch die Sprünge der Technik die Zyklik der menschlichen Geschichte verlassen könnten und die heutigen Nihilisten Spielzeuge in die Hände bekommen könnten, die vor hundert Jahren nicht einmal vorstellbar gewesen sind.
Mundsburger
26. Juni 2015 19:10
Hochinteressante Aussage des Sozialisten und langjährigen Mitterrand-Beraters Attali (der durch seine Beziehungen auch seinen Freunden Hollande und Royal zur Macht verhalf) http://bit.ly/1CyFrf8.

Die Franzosen wissen also längst, daß Deutschland, so Attali, aufgrund fehlendender Bevölkerungspolitik "demografischen Suizid begeht", und dies mit irrationaler "historischer Begründung" tut.
Exmeyer
26. Juni 2015 19:20
"Nach der postmodernen Dekadenz kommt nicht der Triumph der Konservativen, sondern die Barbarei, die sich weder ihrer Rohheit genieren, noch ein Interesse für die Wertbestände des Konservativen aufbringen aufbringen wird."

Denkt man die Barbarei, so stößt man automatisch auf den Kern. Das reale Chaos wirft Fragen auf, die es zu beantworten gilt. Das sind Fragen, auf welche die Postmoderne die Antworten vergessen hat. Den Weg aus der Barbarei würden die Postmodernen nämlich als Barbarei bezeichnen. Beispiel: Der Große Kurfürst machte inflationären Gebrauch von Seilen. Das ist der Zivilisationsprozess: Herstellen und bestimmungsgemäßes verwenden von Seilen.

Nun sollte allerdings klar sein, daß die kommende Barbarei durch keinen Staat, keine Armee, keine Polizei verhindert werden wird, sondern diese Institutionen Teilnehmer an der Barbarei sein werden. Der Weg zum Überleben in der Barbarei und der Weg heraus sind recht ähnlich und von jedem selbst zu beschreiten. Es gibt nur einen wirklichen Aspekt, der alle Barbarei verschwinden läßt: Stärke!
Selbst der Stärkste ist alleine schwach. Viele Schwache sind zusammen stark. Dazu ist Wille, Einheit und Geschlossenheit erforderlich.

Aber das, was Gemeinsamkeit entstehen läßt, ist Glaube! Auch den Römern war klar, daß Hühnerorakel nur Schnickschnack sind. Wahrscheinlich ...
Solange das Christentum vor allem Form war, war es eben nichts anderes als Hühnerorakel. Immer dann, wenn es nun aber seinen Inhalt ernst zu nehmen anfing (Franziskus, Cluny, Luther u.a.) und darüber die Form verlor, ist es nicht nur nutzlos, sondern sogar gefährlich geworden.

Wenn nun das Christentum nicht mehr zu retten sein wird und nicht mehr gerettet werden sollte, weil es dem Zweck der Barbarei-Eindämmung nicht mehr dient, sondern diesem zuwiderläuft, Glaube aber nötig ist, um wehrhafte Gemeinschaft zu erzeugen und zu erhalten, so ist die Frage zu stellen, welcher Glaube wenn nicht der christliche? Welcher Mythos? Oder welches "Märchen"?

Sicher ist, daß ich lediglich insoweit konservativ bin, daß die einzige anthropologische Konstante der Barbareiverhinderung "organisierte Vitalität" ist. Das ist die Basis, alles andere Überbau. "Konservativ" zieht die falschen an. Diejenigen, die nicht machen, sondern gemacht bekommen wollen. Keine Aktive, keine Tatkräftige, sondern Wehleidige, Bedauernde, Defaitistische. Und deswegen werden "Konservative" immer verlieren! "Schuld" wären nach ihnen auch immer die Progressiven, nie ihre eigene Schwäche, Vitalitätsarmut.

Ich kann im Westen keine einzige Institution erkennen, die diejenigen, die diese Institution erhalten möchten, so stärkt, daß sie den Erhalt auch erreichen können.
Armeen wären dem Grunde nach Ausnahmen. Tatsächlich ist deren Zustand aktuell nicht erhaltensfähig. Sie würden im Konflikt sich ändern müssen oder unter gehen.
jack
26. Juni 2015 19:35
Sehr gut, das obige Foto.
Ein toter, auf dem Rücken liegender Krebs am Strand.
Die aasfressenden Möwen haben den Leckerbissen noch nicht entdeckt, aber wenn sie ihn entdecken, werden sie auch den toten Krebs genüsslich ausweiden, mit ihren Schnäbeln. Und bleiben wird die leer gefressene Hülle.

Eine treffende Symbolik.
Waldgänger
26. Juni 2015 19:42
Lieber Herr Meyer,

es geht mir mit diesem neuesten Beitrag von Ihnen wie mit einigen früheren: meine Erwartungen sind groß, das Lesen an sich ist Ihres guten Stils wegen reizvoll, es finden sich auch durchaus interessante Gedanken und Verweise (etwa auf den von mir sehr geschätzten Ernst Jünger) – und doch scheint mir am Ende nicht allzu viel übrig zu bleiben.
Dies auch deshalb, weil Sie die Antwort auf die von Ihnen aufgeworfenen Fragen ja auch heute schuldig bleiben…
in der die Mächtigen nahezu jede Veränderung als Fortschritt und die Utopie zur Norm erklärt, ist logisch. Sicher wird man darüber missgestimmt sein, doch sollte bei jedem Realisten kein Zweifel daran aufkommen, dass das gegenwärtig und wohl auch mittelfristig unabänderlich ist.
Wer es nicht erträgt, Außenseiter auf der Verliererstraße zu sein, wer also nicht das Zeug zum „tragischen Helden“ hat, der ist anderswo besser aufgehoben.

Die Werte und Konzepte, die einen Konservativen ausmachen, z.B. Wertschätzung und Beachtung von Erbe, Tradition, anthropologischen Konstanten und funktionierenden Strukturen – beispielsweise von Gerd-Klaus Kaltenbrunner oder Karlheinz Weißmann zusammengefasst – sind nun aber mit dem Fortschrittskonzept der Gegenseite absolut unvereinbar. Da kann man nicht dran rütteln.

Was wäre überhaupt ein Nichtscheitern von Konservativen?
Im besten Falle ein Re-Implementieren konservativer Werte in die Gesellschaft und eine Verlangsamung des aktuellen Entwicklungsprozesse;
wenn nicht dies, so doch ein spürbarer Einfluss auf das Handeln der wirtschaftlichen, ökonomischen, kulturellen und medialen Eliten oder
drittens wenigstens eine Störung und Verlangsamung jenes „Fortschritts“.
Angesichts der gegenwärtigen Machtverhältnisse sind praktisch alle drei Varianten – selbst die dritte – nicht realisierbar.

Hieraus nun aber den Schluss zu ziehen, dass gesellschaftlicher Einfluss das Wichtigste sei, und zwar ausdrücklich auch um die Preisgabe zentraler Positionen ist falsch.
Und täte es jemand, so erinnerte er an jene frustrierten Revoluzzer von früher, die endlich, nach langen Jahren des Protests auch mal an die Fleischtöpfe wollten.
Ein Konservativer ist heute ein Außenseiter, muss es sein und bleiben – oder er hört auf zu sein.

Doch auch wenn er gesellschaftlich nicht dominant und marginalisiert ist, bewahrt er etwas – und sei es im Bereich, in der Familie, in einer bestimmten geistig-kulturellen Szene. Da man nie weiß, wie sich die Dinge noch einmal entwickeln, gleicht das von Konservativen Bewahrte den Samenkörnern die vielleicht irgendwann einmal nach einer „Klimaänderung“ keimen können…

@ Hartwig hat das ja ähnlich formuliert:
„Überwintern“ ist das Stichwort. Die Konservativen müssen sich mindestens die Ruhe nehmen lassen, wenn es darum geht, sich zu vernetzen und Gemeinschaft zu bilden;


Wenn man sich das Tempo und die immer irrwitzigere Richtung des Fortschrittsprojekts von globalistischen Eliten und Linksliberalen ansieht, so gäbe es dort für rechte Modernisierer ohnehin nichts zu holen, da die Gegenseite doch immer zuerst da wäre und das eigene Hinterherlaufen von jenen Eliten nicht honoriert würde, sondern lediglich als Bestätigung für die Richtigkeit der eigenen Auffassungen betrachtet würde.
Anders gesagt: Es gibt nichts zu gewinnen durch Modernisierung, durch Bewegung.

***

Die Schwäche konservativer Positionen hat für meine Begriffe auch wenig mit geistesgeschichtlichen Strömungen oder gar einer metaphysischen Ebene zu tun, sondern ist das logische Resultat einer gewissen Konstellation im gesellschaftlichen Unterbau (Technik, Produktionsverhältnisse, politische Konstellation).

Das, was gemeinhin „Fortschritt“ genannt wird, sind doch bloß die Anstrengungen diverser gesellschaftlicher Akteure im mittlerweile global gewordenen Kampf um eigenen Einfluss.
Um ihre Konkurrenzposition zu verbessern, bedienen sie sich technischer Neuerungen, neuer Produkte, wirksamerer Manipulationstechniken, einer ideologischen Unterfütterung der eigenen Bestrebungen oder plumper militärischer Gewalt.
Und das wird weitergehen, solange es nicht einer neuen Zentralmacht (oder mehrerer) gelungen sein wird, das Streben der Mächtigen so zu begrenzen wie es dem französischen König gegenüber dem Adel oder den römischen Cäsaren gegenüber der römischen Nobilität gelungen ist.
„Fortschritt“ reduziert sich so auf wie auch immer geartete Techniken zum Gewinnen eigener Überlegenheit und wird danach lediglich auf der Überbauebene mit Utopien, Menschenrechten und dergleichen verziert.
Dass diese "Techniken" auf Bewahrenswertes keine Rücksicht nehmen, liegt in der Natur der Sache.

Das Drama der deutschen Konservativen ist, dass hier vergleichsweise lange eine starke Zentralmacht bestanden hat (der preußische Staat, das wilhelminische Kaiserreich) die dem liberalen Streben der Mächtigen gewisse Grenzen oder zumindest Regeln setzen konnte, die konservative Positionen bis ins 20. Jahrhundert hinein bewahrte – und die dann von den Großmächten bewusst zerstört wurde.
Gegenüber den dann bei uns eingeführten angelsächsischen Vorstellungen waren und sind deutsche Konservative ohne einen deutschen Staat mit echter Zentralmacht bereits in den 1960er Jahren wie ein Fisch auf dem Trockenen gewesen.

Das Jünger-Zitat bedeutet meiner Meinung nach lediglich eine nüchterne Situationsbeschreibung angesichts der Zusammenbrüche, um die es in den "Strahlungen" geht, nicht aber eine innerliche Distanzierung von jenem „Guthaben“.
Er konstatiert lediglich voll Bitterkeit die nun nicht mehr vorhandene Deckung.
In den Folgejahren suchte er nach einem Fundament, das einem auf individueller Ebene niemand mehr nehmen kann.
Philip Stein
26. Juni 2015 20:00
Na ja, Herr Meyer, na ja. In vielen Punkten haben Sie freilich Recht. Aber: Das sind doch nun wirklich alte, uralte Kamellen. In Ihren Beiträgen sprechen Sie immer wieder vom Typus des "Konservativen", charakterisieren ihn und bringen Kritik an. Ich stimme mit Ihnen hier überein! Doch bezeichnen sich viele der hier Lesenden, sicher auch eine große Zahl der Autoren bewusst und dezidiert als rechts, und eben nicht konservativ. Das hat einen Grund.

Wie auch immer, den larmoyanten, spießigen "Konservativen", den Sie immer wieder beschreiben, gibt es nach meiner Empfindung nur selten im Umfeld der Sezession. Zumindest dort, wo die "wichtigen" Köpfe sich treffen. Daher: Die Lektüre könnten Sie fruchtbar in einer Berliner Wochenzeitung unterbringen und dort provozieren. Hier empfinde zumindest ich sie als überholt. Sie haben doch die "linke Erfahrung" im Rucksack. Wann packen Sie die interessanten Sachen aus? Bitte!
Lutz Meyer
26. Juni 2015 20:09
@ Waldgänger

Sie beklagen, daß am Ende nicht viel übrig bleibt - so ist es. Was ist die Zielsetzung meiner bisherigen Texte? Ich möchte erreichen, daß über die Fundamente konservativen Denkens intensiv nachgedacht wird - meine Texte ersetzen dieses Nachdenken nicht, verstehen sich nur als Anstoßgeber, wirken deshalb vielleicht auch anstößig.

Meine Überzeugung: Die Fundamente müssen freigelegt und auf ihre Tragfähigkeit hin untersucht werden, das geht nicht ohne Einsatz grober Werkzeuge und einigen Lärm ab. Was Sie und andere hier zu vermissen scheinen, ist die der Dekonstruktion folgende Aufbauarbeit. Aber so weit sind wir noch nicht, fürchte ich.

Ich gebe gern auch zu, daß diese Aufbauarbeit der weitaus schwierigere Teil sein wird. Ich werde mich dem nicht entziehen und versuchen, meinen Beitrag zu leisten.

Mit Ihrer Deutung Jüngers haben Sie recht. Allerdings hat er immer wieder auch auf das Risiko einer verfrühten Sinngebung hingewiesen und ebenso vor dem Rückgriff auf alte Muster gewarnt (ich habe stets auf solche Stellen bei ihm geachtet und sehr viel Einschlägiges gefunden). Die Wichtigkeit der individuellen Ebene als das letzte Fundament ist genau der Punkt. Denn wenn es nur um diese Ebene noch geht, ist der konservative Ansatz, der als politischer ja das Ganze gestalten will, nicht nur fragwürdig, sondern überflüssig.

@ jack:

Danke, genau das soll dieses Bild aussagen.
Albert
26. Juni 2015 20:13
Das Thema interessiert mich sehr, nur habe ich den Artikel nicht verstanden: gibt's vielleicht dazu einen tldr oder eine Kurzfassung in "leichter Sprache"?
Lutz Meyer
26. Juni 2015 20:14
@ Philip Stein:

Sie haben doch die „linke Erfahrung“ im Rucksack. Wann packen Sie die interessanten Sachen aus? Bitte!


Hätten Sie diesbezüglich Wünsche? Der Rucksack ist übervoll, was würden Sie denn gern sehen?
hubschrauberpilot
26. Juni 2015 20:26
Meyer & Exmeyer, wenn das mal nicht einen Hypermeyer ergibt ...
Roman
26. Juni 2015 20:53
@Exmeyer: die Barbarei gibt keine Antworten im sprachlichen Sinne. Ihre Kommunikation ist bevorzugt nonverbaler Natur, allenfalls Slogan, die verkünden Wer totgeschlagen werden soll. Mit ihr zu reden oder sie gar zu reiten wird kaum möglich sein. Allenfalls wird man sich einreden können, dass sie im eigenen Sinne handelt, weil die Einschläge für einen zufälligen Moment bei dem ehemaligen Gegner und nicht bei einem selbst landen werden.

Was mich immer wieder verwundert ist die zweckrationale Betrachtung des Glaubens, die man hier immer wieder lesen muss. Wenn der Glaube nur dazu dienen soll, eine egal wie definierte Gemeinschaft zu festigen, ist die Gemeinschaft der Glaube, nicht ein Gott. Man kann keinen Glauben erfinden, um an irgendwas zu glauben. Um an die Götter zu glauben muss man an sie glauben, nicht sie bloß für nützlich halten. Die Verherrlichung der heidnischen Religionen als dem Christentum überlegen kann ich noch weniger nachvollziehen. Wie kann etwas als Ersatz für das angeblich unbrauchbare Christentum herhalten, was just gegen diese Schreinerlehre verlieren musste? Offensichtlich langte die Vitalität nicht um zu bestehen.
Lutz Meyer
26. Juni 2015 21:13
@ Albert:

Aber ja doch, Sie Schelm - hier eine Kurzfassung in halbwegs leichter Sprache:

1. Wir sollten die alten Götter ruhen lassen und uns nicht voreilig neue machen.

2. Dieses religiöse Interregnum (Zeit ohne Götter) auszuhalten ist schwierig, aber notwendig.

3. Wer dennoch so tut, als gäbe es die alten Götter noch, ist ein Roßtäuscher.
Aristoteles
26. Juni 2015 21:17
@Philipp Stein

"Wie auch immer, den larmoyanten, spießigen „Konservativen“, den Sie immer wieder beschreiben, gibt es nach meiner Empfindung nur selten im Umfeld der Sezession."

Wieso? Schauen Sie sich doch mal die Kommentare an:

Rumpelstilzchen:
"Warum soll die Umgestaltung im Großen das wesentliche Ziel sein ?
Schwaches linkes Geschwafel."


Carl Sachs
"Hier ha’ck ßu lesn uffjehört. So’n Stuss."

Realist:
"Hier urteilt jemand über Konservative, der den Kern des Bewahrens gar nicht erfasst hat."

Der Gutmensch:
"Ich [...] fühle mich zurückgeworfen auf Dinge, die ich nicht verändern kann/will"

Ein Fremder aus Elea:
"In gewisser Weise muß der Konservative heute gar nichts tun, sondern nur zuwarten"

Waldgänger:
"doch sollte bei jedem Realisten kein Zweifel daran aufkommen, dass das gegenwärtig und wohl auch mittelfristig unabänderlich ist.
Wer es nicht erträgt, Außenseiter auf der Verliererstraße zu sein, wer also nicht das Zeug zum „tragischen Helden“ hat, der ist anderswo besser aufgehoben."



Dass man anders und sportlich auf Provokationen reagieren kann, zeigt
Konservativer², der zwar auch sagt ...:
"Der Konservative muß vor allem warten."
... doch kämpferisch weiterüberlegt:
"Nicht gleich verzweifeln – einfach nur radikalisieren [...] Es scheint mir überhaupt das viel zu wenig genutzte Rezept zu sein, einfach die Herrschaften mit ihren eigenen Waffen zu schlagen."
Sehr gut.

Andere machen sich Gedanken, worauf Meyer über den Mythos hinaus abzielt. Mir, der ich eigentlich jeden Tag überlege, wie das deutsche Volk und das Deutsche gerettet werden kann, ist zwar auch nicht ganz klar, was Meyer mit seiner Präzisierung meint:
"Nicht alte Lebensmuster wiederbeleben, sondern von der Grundlagen her neu denken."

Aber immerhin mal neue Ansätze suchen, offen, flexibel sein, Odysseus sein ... (ohne sich aufzugeben, versteht sich!, die Heimat trotz Kalypso im Auge!)
Wenn ich ein Linker wäre und das hier alles lesen würde, würde ich mich wahrscheinlich amüsieren.
Vielleicht könnte ich einen Linken auch verstehen, wenn er schlussfolgerte: 'Nee, Zugeständnisse an solche Langweiler?! Da berausche ich mich lieber am Seinsbrei.'
Eveline
26. Juni 2015 21:30
In Island gibt es einen Elfenbeauftragten. Wird eine neue Straße gebaut, werden erst die Elfen gefragt, die Isländer haben nicht vergessen, wie wichtig die Rolle der Gnome und Zwerge und Elfen sind.
Ist das Mythos, Wissen oder Glaube?
Auf alle Fälle etwas sehr Gemeinschaftliches.

In Deutschland wird dieses Wissen gerade noch in der Kindheit gestattet, über Märchen.

http://www.engelundelfen.com/index.php/ueber-elfen/elfenbeauftragte

Vielleicht hat gerade diese Gemeinschaft den Isländern die Kraft gegeben, sich gegen die EU zu stellen und diesen Verein nicht weiter zu füttern.
Aristoteles
26. Juni 2015 21:43
@Lutz Meyer

Einspruch:

zu 1) Wir sollten (vielleicht nicht voreilig, aber) ständig in Auseinandersetzung mit den alten Göttern und mit Gott überlegen, welche Bedeutung und vielleicht sogar welche Wirkung sie für uns und für die Zukunft haben können.

zu 2) Bitte nicht die profane, säkulare, sexualisierte Kulturhegemonie zu einer "Zeit ohne Götter" machen. Auch Nietzsche hatte seinen Dionysos, welche Chiffre der Weingott auch immer für ihn gewesen sein mag, Vitatlität wahrscheinlich. Wenn Sie sagen würden, dass mit einem Besuch eines EKD-Gottesdienstes kein Kontrapunkt gegen die Kulturhegemonie gesetzt werden kann, dass man das auf lange Sicht wohl so akzeptieren muss, dann gebe ich Ihnen recht. Aber Gott, die Götter, das Göttliche ist für ein Geistwesen (Logos!) selbstverständlich IMMER DA!

zu 3) Richtig. Die alten Götter gibt es nicht mehr im alten Kontext. Aber ein Jesus, ein Apoll, eine Freya können gleichwohl immer wieder neu interpretiert und kontextualisiert werden. Es können auch neue Götter kommen, ein neuer Gott, ein Paraklet, eine Parusie. Es braucht nur den Glauben, das Charisma, den Priester und den Mächtigen, der auf den Priester hört. Die Liebe.
Exmeyer
26. Juni 2015 21:51
@Roman: Ob die heidnischen Religionen dem Christentum überlegen SIND? Sicher nicht. Welche heidnischen Religionen?

Ob die heidnischen Religionen der christlichen überlegen war? - Phasenweise. Phasenweise nicht. Im ganzen: nicht. Ob das aber mit den GlaubensINHALTEN zu tun hat, wage ich zu bezweifeln. Es lag wahrscheinlich an vielen Faktoren. Gewiß aber in einer Art Propagandarevolution: "Top-down"!

auch @Meyer
Ich will nicht zwingend auf eine bestimmte heidnische Religion abzielen, konkrete Götter sind auch nicht vonnöten. Aber eine "teleologische Reduktion" des Heidentums auf die Forcierung von Vitalität ist meine Zielrichtung. Ich stelle zumindest fest, daß heidnische Religionen das zum Inhalt haben, was das Christentum - zumindest heute - kalt erdrosselt. Und insofern könnte - wird - das Heidentum, das man kaum zu erfinden braucht, sondern man lediglich die vorhandenen Mythen theologisch durchdringen sollte, eine starke Renaissance erleben. Es ist nach der Wagner'schen und der schwermetallastigen Musik wohl ein längst eingesetzt habendes Phänomen; auch "SMS Sleipner".

Zudem, Kult geht vor Inhalt. Ohne Kult geht nichts. Es hat in etwa den gleichen Wert, wie die Reihenfolge des Fußballschuhzubindens - exponentiell. Ob christlich oder militärisch, ist fast unbedeutend.

Die Barbarei wird für viele Menschen die existenzielle Frage stellen, nicht nur im Donbass. Und selbstverständlich gibt es Antworten. Z.B. von Löns, von Tell usw. ...
Waldgänger
26. Juni 2015 22:01
@ Lutz Meyer

Sie schreiben:
Meine Überzeugung: Die Fundamente müssen freigelegt und auf ihre Tragfähigkeit hin untersucht werden, ...

Ich frage mal zurück: Was verstehen Sie denn unter "Tragfähigkeit"?

Das ist für mich unklar.
Meinen Sie damit die Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit bei gegnerischen Angriffen oder meinen Sie eher die Festigkeit und Richtigkeit der inneren und geistigen Struktur dieser konservativen Fundamente?
Rainer
26. Juni 2015 22:06
Für Menschen, die in einer Gesellschaft leben müssen, die alles verrückte und dekadente für normal hält, die sich und ihre Überzeugungen und Wertmaßstäbe täglich überprüfen und mit der beobachteten Realität in Einklang bringen müssen, die halte ich die Fragen und Vorschläge von Herrn Meyer für destruktiv. Schon alleine das Zitat, Konservative seien so etwas wie Hütchenspieler und Betrüger ist unter der Gürtellinie.

Für mich geht es auch erst einmal nicht darum, alte Götter zu beleben, sondern geistig gesund zu bleiben in einer Welt, die Radikale und Psychopathen zu einem Spiegeluniversum gemacht haben. Wenn dies mir und anderen gelingt, werden irgendwann entweder neue Götter kommen oder gänzlich überflüssig werden.

Der Begriff "Konservativ" gefällt mir auch nicht, und ich würde mich auch nie als solchen bezeichnen, besser ist der von Guillaume Faye geprägte Begriff "Archeofuturismus", der wenigstens neu und unverbraucht ist.

Selbstkritik ist richtig, aber diese sollte nie öffentlich in einer feindlichen Umgebung stattfinden. Ich halte es daher für taktisch unklug, hier auf diesem Blog öffentlich Selbstkritik zu üben, weil die gesamte Öffentlichkeit so etwas wie eine feindliche Umgebung darstellt. Besser wäre dies in Gesprächen aufgehoben, die in vertrauter Runde stattfinden.
Lutz Meyer
26. Juni 2015 22:30
@ Waldgänger:

Ausschließlich Letzteres. Es geht nur um die Sache als solche. Gegnerische Angriffe interessieren mich nicht.
Bernhard
26. Juni 2015 22:55
Ich bin rechts und kein "Konservativer". Ich bin Atheist. Ich denke vorwiegend in biologischen Kategorien.

Betrifft mich das auch, was Lutz Meyer hier über "Konservative" schreibt?

Alex Kurtagic hat in einem hervorragenden Kaplaken-Band beschrieben, "warum Konservative immer verlieren".

Wollen wir hier hinter diese Erkenntnisse zurück gehen? Wollen wir die Debatte noch einmal führen?

"Rechts" - was sonst?!
Exmeyer
26. Juni 2015 22:58
Sehen Sie, da ist der Unterschied: Mich interessiert vor allem der Gegner/Feind (ohne jetzt Schmitt zu zitieren). Der Gegner macht "mich" erst. Ohne die primäre gegnerische Wahrnehmung des Selbst, keine sekundäre eigene Wahrnehmung als "durch den Gegner zum organisierten Sein gezwungenes Subjekt".

Kollektives Sein, kollektive Stärke, kollektive Institutionen, kurz: kollektive Form, trägt kollektive Substanz. Wird sie gefürchtet oder setzt sie sich im Konflikt durch, IST sie. Werden sie zerfetzt oder ignoriert, stirbt sie. Also: Eigene Identitätswahrnehmung folgt der fremden Wahrnehmung zeitlich.

Meine kollektiven Institutionen müssen also danach abgeklopft werden, ob sie dabei helfen, dem Gegner standzuhalten bzw. ihn zu schlagen. Dabei ist es unerheblich, ob der Gegner in Form der Wikinger daherkommt oder als "Zweites Deutsches Fernsehen". Es ist auch unerheblich ob es sich um harte Institutionen handelt oder um weiche. Beispiel für letzteres: Erziehung. Die alles entscheidende.
Langer
26. Juni 2015 23:08
Von all dem mal abgesehen: Ich dachte eigentlich, dass die Konservativen gerade anfangen zu gewinnen? Ueberall wird Widerstand sichtbar, es formiert sich eine Gegenbewegung, langsam begreift die traege Masse, dass sich um sie herum Abgruende auftun, die sie so nicht wollen. Noch nie seit den letzten 70 Jahren wehte dem System ein solcher Wind entgegen. Und ich warte nur darauf, dass das alles mit ordentlicher Wucht kippt. Vom Scheitern kann nicht die Rede sein.
Konservativer²
27. Juni 2015 00:12
@Roman
Die Postmoderne IST die geistige Barbarei.
(Wobei leider etliche Mitforenten glauben, dafür gleich den ganzen Berufsstand der Geisteswissenschaftler als solchen in Haft nehmen zu müssen.)
Ob noch einmal unser TRIUMPH kommt, das weiß ich nicht.
Wobei ich ohnehin denke, daß es klug ist, nicht zu wissen zu meinen, wie die deutsche oder die Weltgeschichte weitergeht oder endet. (Glauben ist eine andere Sache; ich glaube dazu auch nichts, aber hoffe doch.) Und spekuliere auf Triumphe daher schon mal gleich gar nicht. Triumphe machen auch leicht übermütig und blind.
Auch vom alten Römer ist doch, trotz allem, so einiges geblieben. Italien lebt recht gut von seinen "beni culturali". Das Römische Recht. Doch ebenso der Gedanke eines Abendlandes. Starke sprachliche, und das heißt immer auch: geistige Prägung von Portugal bis Rumänien, usw.
Hoffnung dürfen wir haben.
Ein Mehr ist willkommen, wenn es das Ziel nicht gefährdet.
Das war/ist meine Empfehlung.

@Exmeyer
Das Glaubensproblem - aber als solches, nicht gleich christlich oder irgendwie germanisch gefaßt! - ist ein ganz wesentlicher Punkt. Dazu bietet @Aristoteles hier einiges. Nicht für das Bewahren. Aber für jeden Erfolg eines Ausweitungsversuches, christlich vulgo "Mission" genannt. Übrigens ist die Frage des eigenen Glaubens m.E. auch das Kernproblem des Abendlandes gegenüber den Moslems.
Freilich @Roman: Glauben läßt sich nicht verordnen, herbeientschließen. In der Tat. Und DAS ist das Hauptproblem auf diesem Feld überhaupt. Der Ausweg der Romantiker in den Katholizismus kann heute m.E. nicht mehr funktionieren - obgleich das mancher Konservative, wohl auch in Schnellroda, aus verständlicher Verzweiflung glauben möchte.
Gibt übrigens genügend Indizien, daß mindestens ein Großteil der Römer mindestens teilweise die Orakelgeschichten glaubte. Lesen Sie mal Plutarch.
Luthrisches Christentum nutzlos? Na, Meister Weber hat da über den Kapitalismus - auch einen unserer Erzfeinde - aber anderes gelehrt.
Konservativ das Ghetto der Lebensuntüchtigen? Sind Sie sicher, daß Sie von heute schreiben? Schreiben wir hier großenteils mit Pseudonymen, weil Konservatismus heute pure wellness ist und man schon mindestens bekennend RECHTS sein müßte, damit der dazu geschlürfte latte macchiato etwas prickliger, weil brauner aussähe?
Und außerdem: Der Spruch unseres Beelzebubs Marx ist Ihnen aber noch irgendwie im Ohr - es komme nicht darauf an, die Welt zu interpretieren, sondern sie zu verändern? (11. Feuerbachthese) Sind Sie also auch schon rot angekränkelt?
Der Kult des Aktivismus ist der Kult des Berserkers und führt zu nichts. Ok, dafür setzt mir hier wieder irgendjemand den Hut des "bösen Opas" auf. Meinetwegen. Immerhin hält mich ja @Aristoteles noch für sportlich.
Die gesuchte bewahrende, stärkende Institution ist jeder standhafte Konservative mit seiner Außenwirkung.

@Waldgänger
Mir vieles sympathisch.
Aber die Dekadenz hat schon spätestens mit der Reichsgründung begonnen, gerade auch die innerliche. Lesen Sie Fontanes "Stechlin" und dessen verzweifeltes Schäumen über die Berliner Schönlinge, die sich um die Wette neue Manschettenknöpfe patentieren lassen. Die Erinnerungen von Helene von Nostitz. Ach, es wäre mancher Name nennbar.

@Aristoteles
Vielen Dank. Aber ich lese die Mehrzahl hier nicht als larmoyant, sondern allenfalls verzweifelt. Larmoyante schreiben nicht mehr im Netz. Die ziehen nur noch den Vorhang runter. Den aus Stoff oder den aus Ethanol.
Hugo
27. Juni 2015 00:36
Wahrscheinlich bedeutet "rechts" heute, sich der eigenen Ausrottung bewußt zu sein. Eine deutsche Nation wird es in 50 Jahren nicht mehr geben. Die Wiedervereinigung war der Sargnagel unserer Nation, nicht ihre Wiedergeburt, den der Preis war die völlige Preisgabe des letzten Restes von dem, was einst in gutem Sinne deutsch genannt werden konnte, in Ost und West.

Wie kann man ständig "konservativ" und "christlich" mit "rechts" in einen Topf werfen? Gerade unter dem Mantel des Christentums und der Nächstenliebe wird heute der Große Austausch betrieben. "Lasset die Kindlein zu mir kommen"... na klar doch, gerne!

Gerade die Konservativen schrecken nicht davor zurück, die durch Geburtenschwäche entstehenden Lücken im Heer der Arbeiter durch billige Arbeitskräfte aus dem Ausland aufzufüllen, um des Profites willen. CDUSPD läßt jeden rein, der so dumm ist, sie zu wählen. Von Konservativen lese ich die immer irgendwie schon passenden Sprüche toter kluger Philosophen, die schon zu Lebzeiten so gar nichts bewirkt haben. Ich kann mich nur voll und ganz Isabels Meinung im ersten Kommentar anschließen. Für mich ist Heidegger eine Witzfigur und Nietzsche jemand den ich zitiere, wenn ich betrunken bin.

Wir erleben gerade den völligen Verlust der Privatsphäre. Freiheit ist nur noch in den engen Grenzen gestattet, die eine kleine Gruppe von Allmächtigen zuläßt. Selbstverteidigung gegen die Invasoren ist strengstens verboten. Was nicht gerade mit Fußball, Musik, Saufen oder Broterwerb zu tun hat, wird ebenfalls verboten werden. Bestimmte Kreise in den USA zetteln gerade den nächsten Weltkrieg an. Die Lebensqualität sinkt exponentiell, die Überbevölkerung steigt parallel dazu. Unsere Grundlagen für lebenswertes Leben schwinden.

... und hier werden Jünger-Zitate zerpflückt... ???
Pommes
27. Juni 2015 02:29
Konservative scheitern an zu viel Literaturgefasel, zu wenig Idealismus und vor allem zu viel Feigheit. Inklusive Doppelmoral.
Manchmal hat man den Eindruck, es handele sich um völlig verstaubte Hinterzimmergestalten, die sich gegenseitig die Zitate „großer Männer“ um die Ohren hauen zur Befriedigung ihrer Eitelkeit als einzigem Lebenszweck. Wer die meisten wohlklingenden Zitate raushaut, ist der Held schlechthin und hat gewonnen, auch wenn die Welt drumrum untergeht.


Super Kommentar. Die Kernproblematik der Konservativen war schon immer, dass die Konservative umringt war von Feinden, aber der Feindseligkeit immer versucht hat mit Geist anstatt mit Angriffslust zu begegnen. Dazu fällt mir ein guter Spruch aus Amerika ein: Wer auch immer sagte: Die Feder ist mächtiger als das Schwert, der kannte wohl keine Automatikwaffen.
Frank S.
27. Juni 2015 04:17
Der Konservatismus ist nach meiner Einschätzung jedoch keine Heilslehre, sondern eher eine Unheilvermeidungslehre, womit die fehlende klare Werte- und Zielorientierung die Unattraktivität und damit auch die Frage des Autors beantwortet wäre. Er orientiert sich am bereits aus Erfahrung bewährten und bietet damit eine solide Alternative vergleichbar mit unverzinsten unsexy Edelmetallen gegenüber verheißungsvollen neuen Finanzderivaten/ Optionsscheinen.

Er ist nicht das Ziel an sich, sondern die bessere Alternative zu all den anderen kursierenden funkelnden Heilsversprechen, die bei nüchternem Blick meist einfach zu gut klingen, dafür das man ihre wackelige Konstruktion bereits erkennen und samt unheilvollem Ende erahnen lassen.
Eveline
27. Juni 2015 08:26
@Aristoteles sagt:
zu 3) Richtig. Die alten Götter gibt es nicht mehr im alten Kontext. Aber ein Jesus, ein Apoll, eine Freya können gleichwohl immer wieder neu interpretiert und kontextualisiert werden. Es können auch neue Götter kommen, ein neuer Gott, ein Paraklet, eine Parusie. Es braucht nur den Glauben, das Charisma, den Priester und den Mächtigen, der auf den Priester hört. Die Liebe.

Volle Zustimmung.

Und auch das Christentum, nicht nur der Buddhismus kennt die Reinkarnation.
Wurde entwendet von der Kirche, damit die Menschen ja nicht auf den Gedanken kommen, für ihr Leben, für ihr SEIN verantwortlich zu sein.
(Ein grausamer Höhepunkt der heutigen Zeit ist das Ausschlachten der Menschen am lebendigem Leib.)

Wer sagt denn, das Platon oder Nietzsche heute nicht wieder unter uns weilen und z.B in der Neuen Physik tätig sind?
Dr. Volkamer, Physiker, könnte ich mir als Schiller vorstellen und Nietzsche als einen heutigen Andreas Körber vorstellen.

Andreas Körber "Wortkraftschwingung"
Dr . Volkamer : hat den feinstofflichen Körper gewogen.
Und wie Aristoteles sagt, in der Hauptsache - sie sind voller Liebe.

Da ich selber Rückführungen anbiete, weiß ich, seltenst kommt man 2x als Dichter auf die Welt.
Gast
27. Juni 2015 09:40
@Langer
Noch nie seit den letzten 70 Jahren wehte dem System ein solcher Wind entgegen.

Das ist kein Gegenwind, das ist Fahrtwind. Völlig normal bei der Geschwindigkeit, die das System inzwischen erreicht hat. Sehr optimistisch von diesem Fahrtwind auf ein Kippen zu schließen.
Hier artet es, in letzter Zeit, wirklich zu sehr ins akademische aus und auch im Kommentarbereich will jeder zeigen, das er es philosophisch drauf hat.
Das hier: http://www.blauenarzisse.de/index.php/anstoss/item/5333-mut-zum-abgrund ist des Pudels Kern. Damit erreicht man Leute, genau wie mit dem Text von Thomas Schmidt. Alles andere ist Schwall ins All und der Kommentarbereich sollte öfter geschlossen bleiben.
Keimling
27. Juni 2015 10:46
Da schreitet der Weihnachtsmann über die Schwelle, er hat sein rotes Gewand abgelegt, der Rauschebart ist mäßig gestutzt; aus seinem routiniert geschulterten Jutesack zieht er heiße Eisen und Jünger-Zitate.

Ins Wespennest stechen will Herr Meyer, die großen Dinge will er angehen, nicht etwa die letzten, wer glaubt noch an das ganze Brimborium? sondern die ersten: man müsse zurück zum Anfang und die Geschichte überlisten, diese alte Mätresse, - über Bord mit dem, was sie aus ihrem Schoß gepreßt hat, wenn's in der neuen Luft nicht mehr atmen kann. Ein herrliches Bild, der domestizierte Deutsche, der in seiner Ursuppe wühlt, um zu seinem innersten Organ vorzudringen, während er die Götter, Gott und die Engel, woran er altersgreis eben so geglaubt hat und vielleicht noch glaubt, vom Himmel purzeln sieht.

Wie soll der Schnitt denn aber nun im und am Leben vollzogen werden? Welcher Aktionsplan faßt das luftige Gerede in eine Form? Zuerst, wir wissen ja, wo wir sind, muß der Buchstabe anvisiert werden. Goethe, von Goethe bitteschön, was hat der uns noch zu sagen? Der muß freilich ins Feuer, was da allein im "Faust" an Gift verarbeitet ist! Und was ist mit dem Schiller, aufmüpfig war der ja schon, aber ehrlich, spätestens seit der "Ode an die Freude" hat er doch wohl gründlich verschissen!
"Was bleibet aber, stiften die Dichter." - Da die Schere angesetzt! Der Jünger ist mir auch verdächtig mit seinem implementierten Bildungsbürgergut, was zitieren Sie den! Der verführt uns ja!

Der neue Rechte liebt den Handelnden, wenn er Bücher geschrieben hat; er liebt die Handlung, wenn sie 80 Jahre zurückliegt; vor allem liebt er Spengler, denn der hat's den Marxisten gesagt: "Denken ist Arbeit" - also Tat! Also von wegen vom Kopf auf die Füße stellen! Flugs Heidegger zitiert: https://www.youtube.com/watch?v=OxmzGT1w_kk Wer die Welt verändern will, müsse sie zuerst interpretieren: Hört, hört!
Wie ungünstig! Also interpretieren wir und interpretieren wir fort und fort, die alte Mätresse schmückt sich immer wieder neu, und wir gaffen begehrlich, und wir müssen gründlich gaffen, und dann, Herr Meyer, hängen wir schließlich doch wieder an ihrer M*** - und das Schöne ist, wir können dabei bleiben. Bis dann der Weihnachtsmann im nächsten Jahr wieder über die Schwelle schreitet (ich weiß schon, er müßte eigentlich durch den Schornstein schlittern, das tut er schon immer so!), seinen Jutesack aufschnürt und neue Überraschungen hervorzieht. Ich glaube an den Weihnachtsmann - und an seinen Jutesack.
Gast
27. Juni 2015 12:37
Wenn man im Text zensiert, sollte das durch (...) gekennzeichnet werden. Das was ich geschrieben habe, war allerdings genauso gemeint wie geschrieben und nicht so weich, wie es jetzt hier steht! Habe die Ehre.
Der Gutmensch
27. Juni 2015 13:27
Ja, ja alles hat seine Zeit, wusste man ja schon zu biblischen Zeiten. Und die Fundamente anzusehen, kann ja nie schaden, wer sich dem verweigert, ist ein langweiliger Spießer!

DAS ist es, was mich ungeheuer langweilt, weil die Zeit für Mätzchen nämlich längst vorbei ist. Um noch ein praktisches Beispiel dafür zu nennen:

Man kam ja vor einigen Jahrzehnten auf die wirklich goldige Idee, in der Schule kollektiv den Schrifterwerb der Menschheit nachzustellen: Verschriftlicht doch erst einmal, was ihr so hört! Ich gebe zu, es war nicht ganz bis zu Ende gedacht; konsequenter Weise hätte man den Kindern auch die Buchstaben verweigern müssen und sie ganz im Finstern lassen; Symbole sind doch auch was Hübsches und reichen sicher demnächst zur Bedienung des I/Smart/Bunt/Blödsinns aus!

Doch so unreif dieser Ansatz war, so effektiv war er am Ende; es stellte sich heraus, dass - Überraschung!! - die Schriftsprache des Deutschen, dessen Rechtschreibung eben nicht (mehr) auf dem Gehörten, sondern - Kultur sei Dank - auf dem Wortstamm beruht, doch nicht so nebenbei von anleitungslosen Kindern in der Grundschule entwickelt werden konnte und aus den Kindern funktionelle Analphabeten (mithin wohl die Vorstufe zum "Neuen Menschen") wurden.

Dabei kann man diese Art "Experiment" nicht mal wirklich "links" nennen, denn das gab es schon häufiger in der Geschichte.

Der Konservative ist mir demgegenüber eben deshalb sympathisch, weil und falls er nicht gleich das ganze Haus einreißt, sondern über genügend Verstand verfügt, den Kammerjäger einzubestellen, wenn er seltsame Geräusche unter den Dielen vernimmt.

Der Gutmensch.
Exmeyer
27. Juni 2015 13:30
Wie verhindert der Vater, daß seine Tochter vergewaltigt wird?
Wie erzieht der Vater seinen Sohn, daß er verhindert, daß dessen zukünftige Töchter nicht vergewaltigt werden?

Das ist eine reine Machtfrage. Und Macht ist fast technisch-mathematisch zu begreifen.
Wer das Denken und analysieren von den obigen Fragen abkoppelt, wer aus dem Denken kein - alltägliches und außergewöhnliches - Tun ableitet, kann soviel Denken und Schreiben wie er will. Jeder unreflektierte Gang in einen Boxclub oder Eisenbiegerbude ist zweckmäßiger. Viel zweckmäßiger.

Die Mehrheit der Mitteleuropäer bringt es nicht übers Herz, ein Tier zu töten und auszunehmen. Aber an der Fleischtheke zuschlagen, als gäb's kein Morgen! - DAS ist verkommen!
Die Mehrheit der Menschen will in Frieden und bescheidenen Wohlstand leben. Aber sie tun nichts dafür. Nichts. Sie sind passiv und konsumieren. Konsumieren Güter, die sie nicht erzeugt haben. Und das konsumierte Hauptgut ist die körperliche Unversehrtheit, die auch noch religiösen Status besitzt.
Das ist schwach. Man vertraut darauf, daß es irgendwer schon richten werde. Natürlich, selbst Marx hat in der Arbeitsteilung den Grund für die Entfremdung (von der tiefen Erkenntnis von Ursache und Wirkung) gesehen. "Dafür sind doch Polizisten zuständig?" - Ach ja?

Passivität und Konsumgeist ist Verkommenheit!

Nicht jammern, daß nichts getan wird. Selbst tun!
deutscheridentitärer
27. Juni 2015 13:41
Na ja, Herr Meyer, na ja. In vielen Punkten haben Sie freilich Recht. Aber: Das sind doch nun wirklich alte, uralte Kamellen. In Ihren Beiträgen sprechen Sie immer wieder vom Typus des „Konservativen“, charakterisieren ihn und bringen Kritik an. Ich stimme mit Ihnen hier überein! Doch bezeichnen sich viele der hier Lesenden, sicher auch eine große Zahl der Autoren bewusst und dezidiert als rechts, und eben nicht konservativ. Das hat einen Grund.
Wie auch immer, den larmoyanten, spießigen „Konservativen“, den Sie immer wieder beschreiben, gibt es nach meiner Empfindung nur selten im Umfeld der Sezession. Zumindest dort, wo die „wichtigen“ Köpfe sich treffen. Daher: Die Lektüre könnten Sie fruchtbar in einer Berliner Wochenzeitung unterbringen und dort provozieren. Hier empfinde zumindest ich sie als überholt. Sie haben doch die „linke Erfahrung“ im Rucksack. Wann packen Sie die interessanten Sachen aus? Bitte!


Genauso ist es.

Herr Meyer kritisiert Dinge, die schon lange und besser kritisiert wurden, und diese Kritik war damals alles in allem fruchtbar
Waldgänger
27. Juni 2015 14:18
Mich wundert, dass hier einige Kommentatoren das Scheitern von Konservativen auf das Wirken der Konservativen selbst zurückführen - so z.B. @ Isabel, @ Eveline - und nicht auf die äußeren Rahmenbedingungen.

Gewiss mag es auf konservativer Seite hier und da übergroße Passivität, Ungeschicklichkeiten und taktische Fehler - vielleicht auch "Larmoyanz" - gegeben haben und geben, doch ist all das als Erklärung dieser Schwäche überhaupt nicht ausreichend !!

Ohne eine nüchterne Analyse der ganz profanen Machtverhältnisse und Interessen bei den wirtschaftlich Mächtigen sowie ihren politischen, medialen und universitären Wasserträgern kommt man nicht weiter.
Hat man diese Analyse getätigt, so ergibt sich ein ganz eindeutiges Bild, und zwar dergestalt, dass praktisch alle konservativen Werte den Interessen der kapitalistischen Akteure widersprechen und den Interessen von deren nützlichen Hiwi-Idioten (ich meine die Linke) sowieso.

@ Hugo
Sie irren, wenn Sie die heute wirtschaftlich Mächtigen oder gar Leute von der CDU für Konservative halten.
Auch die US-Republikaner sind nicht wirklich konservativ, sind es in Form der Teaparty allenfalls allein für ihr eigenes Land, während sie im globalen Maßstab eine andere zersetzende Strategie fahren.

@ Lutz Meyer
Danke. Zustimmung zu Ihrer Antwort von gestern.
Ich meine, dass wirkliche Konservative hier aber auf ausreichend sicherem Fundament stehen.
Ungeeignet ist das geistige Fundament allerdings bei solchen "Konservativen", die zu sehr ins Libertäre neigen und nicht erkennen, in welchem Maße es die liberalen kapitalistischen Geldeliten sind, die den Schlamassel verursachen.
Anders gesagt: Die Linke ist nur deswegen stark, weil sie den Liberalen nutzt und im Windschatten teilweise deckungsgleicher Vorstellungen wie Brennesseln wuchern kann.

@ Roman
Nach der postmodernen Dekadenz kommt nicht der Triumph der Konservativen, sondern die Barbarei, die sich weder ihrer Rohheit genieren, noch ein Interesse für die Werbestände des Konservativen aufbringen aufbringen wird. Ob man auch diese Phase überwintern wird, kann bezweifelt werden. Nicht, dass es nicht eine Freude wäre die bunte Republik brennen zu sehen, nur wird man spätestens in dem Feuer auch selbst umkommen.

Ich fürchte, dass Sie Recht behalten.
@ Exmeyers Gedanken hierzu haben natürlich nicht viel mit dem Begriff "konservativ" zu tun - und er weist das Konservative ja auch von sich - aber ich denke, er liegt nicht so sehr daneben.

@ Bernhard
Ihre Unterscheidung von "rechts" und "konservativ" ist sinnvoll, weil hier wirklich nur teilweise eine Schnittmenge besteht.
Es lohnt, hierüber ganz allgemein mehr nachzudenken!
Peter M. Messer
27. Juni 2015 14:51
Ach Herr Meyer, der Grund, warum Konservative politisch und metaphysisch scheitern, der ist so einfach: weil sie überhaupt Metaphysik brauchen. Weil ihnen die schlichte Physis der Welt (hat Heidegger nicht mal den Begriff physis als "Erstrahlen" übersetzt?) nicht reicht. Weil ihnen das Materielle, das Alltägliche zu vulgär und banal ist und sie deshalb ständig in die fahle Gespensterwelt des Geistes ausweichen müssen. Das starke Bedürfnis nach Metaphysik ist ohne Geringschätzung dessen, was der Fall ist, nicht denkbar. Zu viele Konservative sind politische Ästhetizisten nach dem Motto Oscar Wildes "Man versorge mich mit (geistigem) Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten." Mit dieser Geringschätzung des Vorhandenen arbeitet man den Linken in die Hände, auch weil diejenigen Menschen, die im Reich der Notwendigkeit leben, die "einfachen Leute", schnell begreifen, dass sie und ihr Leben von konservativen Geistlingen nichts als Verachtung zu erwarten haben.

Mit ihrem Aufforderung, hinter den Mythos zurückzugehen, haben Sie allerdings den Kern des Problems getroffen, aber nicht im Sinne Ernst Jüngers, sondern der Myth-and-Ritual-Schule in den Religionswissenschaften. Nach dieser geht dem Mythos nicht das Märchen, sondern das Ritual voraus, das der Mythos erklärt und dem er letztlich untergeordnet ist. Und dieses Ritual gilt der Welterhaltung. Insofern würde ich mit auf konservativer Seite eine Auseinandersetzung mit Jan Assmanns These vom Kosmotheismus wünschen, in dem die göttliche Schöpfung ständig von Göttern und Menschen gegen die Kräfte des Chaos verteidigt werden muss. Sie muss nicht auf eine Transzendenz hin überstiegen werden und empfängt nicht erst von dort ihren Wert, sondern trägt diesen schon in sich, und er wird durch die ständige Bedrohung durch das Chaos bewusst gehalten. Könnte man daraus einen angemessenen, handlungsfähig machenden Konservatismusbegriff entwickeln?

Noch besser wäre es allerdings, wenn Konservative in den konkreten Konflikten, die oft genug sehr irdisch-materieller Natur sind, immer das nächstliegende tun, dem Gegner nicht in die Hände spielen und den ihnen jeweils maximal möglichen Widerstand leisten würden. Das kann schon die einfache Protestwahl sein, zu der sich ja mancher oft genug zu fein war/ist und stattdessen lieber die große geistige Wende fordert.

Konservative verlieren, weil sie nicht konservativ sind. So einfach ist das.
Exmeyer
27. Juni 2015 16:10
@Waldgänger bezüglich "konservativ":

Wie soll man Gedanken, Beurteilungen und Beobachtungen bezeichnen, die versuchen, im menschlichen Handeln Konstanten über die Jahrhunderte und Jahrtausende zu erblicken und die modernen Abweichungen von diesen Konstanten klar zu benennen?
Ja, "konservativ" trifft wohl nur in einem sehr unspezifischen Sinne zu.

Was verbindet Clausewitz, Sun Tsu, Tacitus, Xenophon, Haushofer, Ratzel, Mahan, Mackinder, Friedrich List, Jomini, Schmitt, Machiavelli, Hobbes , van Creveld miteinander? Sie beleuchten die Existenzvoraussetzungen kollektiver Organisationen. Existenzvoraussetzungen die fast zeitlos sind. Konservativ. Kann man eine treffendere Bezeichnung für diesen politischen Existenzialismus finden?

Neben diesen analytischen Beleuchtern gibt es auch die Erschaffer: Lykurg zum Beispiel, der aus den Lakedaimoniern die spartanische Organsiation geschaffen hat. Eine Institution, deren Wert darin lag, sich selbst zu erhalten! Und was beobachten wir heute? Das Gegenteil. Keine Institution schafft das. "Unsere" Institutionen sind nicht selbsterhaltend, gar expansiv, vital. Sie sind todgeweiht.

Der strukturkonservative Konservative will nicht zu den vitalen, zeitlosen Linien und Prinzipien zurück, er will die untauglichen Strukturen und "Meme", erhalten. Er will seinen Frieden, seine Ruhe. Er nimmt die Nase AUS dem Wind, will sich in die Kaminecke verkriechen. "Wenn er nichts böses will, wird ihm auch nichts getan!" Die Linken sprechen diesen Unsinn aus, die "Konservativen" leben ihn.

Ich verstehe also unter Konservativismus nicht das Abstellen auf das, was erhalten werden soll, sondern das Abstellen und Ausrichten auf die Institutionen (aller Art), die wirksam die Voraussetzen des Erhaltens herstellen. Letztlich: Das Erhalten der Strukturen, die das Erhalten ermöglichen.

Man kann sich dem Begriff konservativ rational näheren. Tatsächlich ist er als Propagandabegriff aber deutlich anders besetzt und deshalb zum Eigengebrauch nicht geeignet. Dem alltäglichen Konservativen geht es um Erhalt des derzeitigen Zustandes. Eines Zustandes der Unmündigkeit und Wehrlosigkeit. Diese Strukturkonservativen können diesen Zustand allerdings nicht erhalten. Durch den Erhalt der Institutionen, die zum Niedergang führen, wird der Niedergang natürlich niemals beendet oder gar umgekehrt. Michael Schlenger (s.o.) und andere Kommentatoren, wahrscheinlich die Mehrheit, stehen dafür.

Nein. In diesem, allgemein gebräuchlichen Sinne bin ich keineswegs konservativ. Ich bin das Gegenteil! Nein, im Sinne der strukturkonservativen Weich- und deshalb Schwächlinge bin ich "revolutionär". Aber sie mögen keine Sorge haben. Ich habe nicht vor deren Lebensrealität zu ändern. Sollen sie den Gang alles Irdischen gehen, sie werden mit der Klospülung ihrer Feinde in einem Gang runtergespült. Sie befinden sich längst im Fallrohr auf dem Weg zur Kanalisation. Aussteigen kann jeder jederzeit. Jeder mit Verstand und Eiern!
Der Gutmensch
27. Juni 2015 17:34
Lieber Exmeyer,

das mit der Revolution wird jedenfalls eine billige Nummer, wenn alle anderen dafür sorgen, dass die Verhältnisse zusammenkrachen. Mussten die gemeinen Linken früher die Drecksarbeit noch selber erledigen, sind die Konservativen Ihrer couleur da ein ganzes Stück weiter! Aber den Linken abgeschaut haben sie sich jedenfalls die Heldenpose und die Versicherung, dass es sich bei ihnen um "die Harten" handelt. Da bleiben keine Wünsche offen.


Der Gutmensch.
Waldgänger
27. Juni 2015 18:01
@ Exmeyer

Sie haben natürlich Recht, dass Selbsterhalt und Behauptung im steten Daseinskampf wichtig und unverzichtbar sind.
Und in der heutigen Situation, da das schiere Dasein unseres Volkes und seiner Trditionen gefährdet ist, gewinnt das eine besondere Bedeutung und tritt deshalb in den Vordergrund.
Soweit d`accord.

Und selbstverständlich ist die Bewahrung der eigenen physischen und psychischen Existenz insofern eine konservative Angelegenheit, als dass ohne diese grundlegenden Dinge auch nichts anderes mehr bewahrt werden kann.

Andererseits ist es aber doch ein bisschen wenig und auch ein bisschen zu sozialdarwinistisch, außer dieser Selbstbehauptung kaum andere konservativen Werte zu betonen.
Mag sein, dass wir unterschiedliche Vorstellungen vom Begriff "konservativ" haben. Ich beziehe mich im Wesentlichen auf Kaltenbrunner.

Nehmen Sie es mir nicht übel, aber Sie erinnern mich etwas an die Figur des "Braquemart" in Jüngers "Marmorklippen"...
Frenchman
27. Juni 2015 18:09
Hier mal ein Beispiel, wie man moderne Medien in unserem Sinne technisch und inhaltlich perfekt einsetzen kann:

http://www.redicecreations.com/

Sowas brauchen wir auch, um aus unserem "Lager" heraus zu kommen!
Yvonne
27. Juni 2015 19:58
@ an die tapferen und braven Bewahrer hier:
Mit den Konservativen ist es wie mit den Pazifisten: sie sind darauf angewiesen, dass alle so sind wie sie, denn sie werden ihren Feinden nichts entgegenzusetzen haben. Na gut, im Liberalismus gibt es noch ein Nischenplätzchen für sie. Aber der Kreis wird immer enger bzw. das Konservative daran immer abstrakter. Warum wollen wir uns aus der Ebene des Politischen verabschieden und uns ins Biedermeierlich-Private zurückziehen? Weil es nichts bringt? Das Ganze gestalten zu wollen ist doch nun mal der Sinn des politischen Diskurses und SiN ist eine politische Seite. Also, was gibt’s da zu meckern?
Bei uns stand heute ein nettes, sicher sehr konservatives Pärchen vor der Tür. Ich habe eine exklusive Einladung zu Gott erhalten. Ich dachte, das wär bestimmt für einige hier ganz geeignet, allein mit sich und Gott und ein paar Zeugen.
enickmar
27. Juni 2015 20:01
Hinter den Mythos zurück, also in die “Kinderjahre der Menscheheit”, würde ja zurück in Steinzeitgesellschaften bedeuten. Eher aber zurück in Gesellschaften aus Halbaffen und zurück auf deren ideelle Fundamente.
Das ist eine ganz wertfreie Feststellung. Trifft aber die Situation, mit der wir uns auseinanderzusetzen haben, auch ziemlich genau.

Daher ist mit den Kommentaren von Hartwig und Rucki bzgl. der materiellen Bedingungen usw. und dem Hinweis vom Gast auf den “Mut zum Abgrund” eigentlich alles gesagt.
Roman
27. Juni 2015 20:17
@Waldgänger:

Ja, ich gedenke Recht zu behalten. Im Vorfeld des ersten Weltkriegs und danach waren die Vorwürfe an die Dekadenz auch da. Was ist schon Dekadenz? Es ist eine Überfeinerung, die in Perversion umkippt und letztlich nicht nur die eigenen Lebensgrundlagen zertrümmert, sondern auch die der Sittlichkeit und Zivilisation. Dann tobt für eine ganze Weile der Tanz der Lemuren. Das Chaos als Intellektueller reiten zu können, erwies sich meist als Träumerei, egal ob der Anspruch nun von rechter oder linker Seite formuliert wurde. Alexander Blok feierte die russische Revolution, nur um dann in seiner Wohnung zu verhungern. Etlichen erging es genauso.

Von konservativer Seite gilt es theoretisch die Entwicklung autoritär vor dem Moment, in dem es umkippt zu stoppen und der Gesellschaft eine andere Form zu geben. Wenn es umkippt wird es zu spät sein. Dann sind sie mit ihren Büchern und Tradition erst recht, nur noch lächerliche Figuren. Dann schlägt die Stunde der "Vitalen", die für ihre Gelüste keine komplizierten Begründungen brauchen. Der Konservative überlebt diese Phase, wenn überhaupt, so aus Versehen.

Der Hauptvorwurf an den galoppierenden Linksliberalismus ist in erster Linie, dass er den Boden für die Barbarei bestellt. Wenn sie dann kommt, ist man natürlich nicht schuld gewesen. Sie ist dann nicht Dank, sondern trotz der eigenen wunderbaren Agenda gekommen.

Aber das bleibt reine Theorie. Der Zug für eine Umkehrung ist längst abgefahren. Man wird zusammen mit den alten Bunten gefressen werden. Das Chaos wird man nicht reiten können, allein schon Mangels nummerischer Relevanz. Naja, es kann natürlich sein, dass im Verlauf eine der marodierenden Kräfte sich das Label "konservativ" anheften wird, falls es ein Trost ist.
Heinrich Brück
27. Juni 2015 23:50
Die Konservativen können nur die BRD bewahren, aber diese BRD hat es
in sich. Und wieviele Häuser bei der nächsten Party den Besitzer wechseln
werden ... https://www.youtube.com/watch?v=6I0Bgb-vAAY ... nur ein
Vorgeschmack der harmloseren Variante. Und die Polizei wird dann
anderweitig beschäftigt sein.
Gustav Grambauer
28. Juni 2015 00:14
Na was ist das denn hier für eine Babylonische Sprachverwirrung?!

Ich meine weniger im inhaltlichen Hinblick auf die jeweiligen "Steckenpferde" philosophischer, politischer usw. Art, mehr im Hinblick auf die Verbissenheit je in der Festlegung auf persönliche Bezugsebenen. Ganz schlimm sind die dran, die sich nur auf eine einzige Ebene beziehen können, d. h. die Welt nur durch eine einzige Brille (wie z. B. die Brille des Traditions-konservativen - aber auch die Nietzsche-, Heidegger- oder Jünger-Brille nehme ich dabei ggf. keineswegs aus) betrachten können. Am allerschlimmsten sind die dran, die dann auch noch unfähig sind, inneren Abstand zu ihren eigenen Positionen aufzubringen.

Herr Meyer kitzelt genau das heraus wie kein anderer, aber ich frage mich noch, wozu das eigentlich gut sein soll: denn die Neue Rechte wird hier nicht sinnstiftend sein können, schon deshalb nicht, weil der Sack Flöhe nur in Minimalzielen vereint ist und sich bei der kleinsten Provokation sogar noch über diese zerstreitet (... wie wie an dieser Diskussion hier sehen).

Die Durchdringung möglichst vieler und möglichst hoher Ebenen mit Empfindung, Verstand, Bewußtsein, Ich und Geist nenne ich Lebenskunst. Das Kriterium ihrer Reife ist, neben der Vermeidung der Schizophrenie, die kompositorische Stringenz in der eigenen Biographie. Die höchste Reife erlangt, wer dennoch den größten Gegenpol zum Relativismus ausbilden kann.

Erst von dieser Position aus wird die Wahl eines archimedeschen Punkts, eines "Kurukshetra" oder - in unserer Sprache: - einer Kampfzone eine Delikatesse.

Es mag verwundern, daß ich äußeren Erfolg / Sieg nicht als Kriterium für solcherart Lebenskunst ansehe, nicht einmal das individuelle oder kollektive physische Überleben. Dávila hat sich als "bloß ein Passagier, der mit Würde Schiffbruch erleidet" bezeichnet. (Als Reaktionär hat er den Vorteil der längeren Erfahrung im Kampf mit dem Feind, als Katholik hat der den Vorteil des spielerischen Herangehens, als Mystiker hat er den Vorteil der Geborgenheit in Gott.)

Noch darüber hinaus anempfehle ich eine apokalyptische Lebenshaltung.

- G. G.
Exmeyer
28. Juni 2015 00:43
@Waldgänger
Ginge es nach meinem Wunsche, stünde uns ein Kaiser Wilhelm oder Friedrich lobesam vor. Und zu Karfreitag Bachs Passionen. Sie verstehen: Den Anteil Kälte mußte ich mir abringen. Aber irgendwann entblättern sich die Kausalketten der Notwendigkeit wie von selbst.

Die meisten identifizieren mit dem Mauretanier ja eine teuflische Gestalt rheinischer Herkunft und jesuitischer Schule in Regierungsfunktion ab '33. Ich hingegen identifiziere mit dem Mauretanier eher einen Carl Schmitt. Alleine deswegen sehe ich keine Ähnlichkeit, wenngleich Notwendiges eben auch als notwendig zu bezeichnen ist. Zudem trifft das Bild weiters nicht zu, denn ich mache mehr Liegestütze als der Mauretanier ... und bin wohl deutlich größer ... und nicht dunklen Typs.
Exmeyer
28. Juni 2015 01:01
@Gutmensch: Seit wann handelt es sich bei Linken um die Harten? Die sind gegen Diskriminierung und Hunger, für Gleichberechtigung und und und.

Zudem füge ich zum Verständnis an, daß sich "Revolution" auf die EIGENEN Einrichtungen, Institutionen bezieht. Das genannte Vorbild war Lykurg. Der aus einer Luschen-Veranstaltung einen Heeres-Staat gemacht hat. Unter "die Eigenen" verstehe ich nur wenige. Im Kern: Mich selbst.
Was ich nicht unter "Eigen" verstehe, ist Deutschland oder die Deutschen. Was mit denen passiert, darauf habe ich keinen Einfluß.

Was meine ich also mit "Revolution": Ich stelle erziehe mich selbst zu einem Wesen, daß die Passivität und Naivität ablegt.
Eveline
28. Juni 2015 07:15
@Waldgänger sagt: ....Mich wundert, dass hier einige Kommentatoren das Scheitern von Konservativen auf das Wirken der Konservativen selbst zurückführen – so z.B. @ Isabel, @ Eveline – und nicht auf die äußeren Rahmenbedingungen. .....

Gestern hörte ich folgende Feststellung: Vor 500 Jahren, so 16 Jh, erlaubte die katholische Kirche den aufstrebenden Wissenschaften, sich um den materiellen Körper der Menschen zu kümmern, aber Beweise , das es helfe, müssen erbracht werden.
Die Kirche wolle sich nur noch um das Geistige kümmern. Man denke auch an die Scheiterhaufenkultur der kath. Kirche.
Heute - und ich komme aus dem Gesundheitswesen - es ist so ein Riß durch die Denke der Deutschen gegangen, das auf alle Fälle mentale Scheiterhaufen brennen, wenn der Versuch unternommen wird, hier wieder Ordnung, im Sinne der Heilung reinzubekommen. Die Trennung von Körper/Seele und Geist wieder rückgängig zu machen.
Die äußeren Rahmenbedingungen sind von den inneren Rahmenbedingungen nicht zu trennen. Sie bedingen einander und drücken sich gegenseitig aus.

Die Frage ist also , was wollen Sie bewahren an diesem Beispiel ? Die guten Sitten der katholischen Kirche? Den Forschergeist, alles auseinander
zupflücken?
Ich kann nachvollziehen, das die Männer müde sind. Nach den Jahrhunderten von Kriegen einfach müde sind. Nebenbei mussten ja auch noch die Kinder versorgt werden und auf die Frau geachtet, die ja auch gerne mal woanders hinschaute....
Andererseits tragen die Frauen das Erbe ihrer Väter auch im Blut. Und sind diesbezüglich genauso müde. Aber sie kommen in die Puschen , was dann wieder von den Männer verächtlich z.B Eso genannt wird.

Ich glaube nicht, das es hier in der BRD zu einem Aufweichen der Positionen kommt. Und ich glaube an Wunder.
Rosenkranz
28. Juni 2015 10:38
Ich schaue mir gern Statuen der alten Philosophen an. Weiter schaue man sich die Männer- und Frauenstatuen z.B. des Trevi-Brunnen in Rom an. Was fällt auf?

Es sind schöne Menschen, mit einem schönen, weil muskulösen (Männer) Körper und einer starken Ausstrahlung. Der Philosoph der Antike hat, bevor er seine geistigen Ergüsse seinen Mitmenschen näherbrachte, erstmal seinen Körper in Form gebracht, durch Krafttraining.

So wichtig der geistige Austausch der hier Gleichgesinnten ist, Leute vergeßt das körperliche Training und die Tat nicht. Wenn das Böse vor der Tür steht und sie eintritt, hilft nur die starke Tat des Vaters und der Söhne, das Böse entschlossen in seine Schranken zu weisen. Und dieses ist auch eine Sprache, die der Angreifer versteht, so wie kürzlich in Hamburg.
Lutz Meyer
28. Juni 2015 11:06
@ Rosenkranz:

Angesichts Ihres Nicknames und Ihres Kommentars empfehle ich Ihnen mal Karl Rosenkranz: Die Ästhetik des Hässlichen.

Die alten Philosophen waren selbst keineswegs immer ein Muster an Wohlgestalt - Sokrates galt antiken Quellen zufolge sogar als ausgesprochen hässlich, ja geradezu monströs, dämonisch und satyrhaft vom Aussehen. Andererseits heißt es von ihm, er habe nach durchzechten Nächten (Symposien) am Morgen sein Tagwerk wie gewohnt begonnen, was sicherlich eine gewisse körperliche Fitness voraussetzt (zumindest im Bereich der Leber). Man muss also unterscheiden zwischen körperlicher Hässlichkeit und Bizeps.

Andererseits waren gerade die großen Geister des Abendlandes oft nicht mit vorteilhafter körperlicher Ausstattung gesegnet, Gottfried Benn sprach von den Genies des Abendlandes als einer Gruppe von lauter Hustern und Henkelohren (die Hinker nicht zu vergessen). Und einen Martin Heidegger trotz seiner starken Bezüge zur Antike kann ich mir nun wirklich weder beim Boxtraining noch bei Klimmzügen am Reck vorstellen.

Doch Scherz beiseite, Ihren Hinweis auf die Heilsamkeit und Notwendigkeit des Sports lasse ich, solange es nicht zur Zwangsveranstaltung wird und auch Schach weiterhin als Sport gilt, gern gelten.
Rumpelstilzchen
28. Juni 2015 12:38
Konservative scheitern an zu viel Gefasel. Da gebe ich Isabel recht.
Wenn schon Gefasel, dann bitte auf einem höheren Niveau.

Zum Mythos hat der konservative Jean Gebser in "Ursprung und Gegenwart" Entscheidendes, wenn nicht das Entscheidende gesagt:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jean_Gebser
Jean Gebser wäre m. E. auch mal einer sezessionistischen Betrachtung wert.

Und jetzt macht brav Eure Hausaufgaben und lest Euch erstmal in die Materie ein. Das gilt natürlich nicht für alle hier !
Die Länge der Beiträge ist auch kein Garant für Qualität !
deutscheridentitärer
28. Juni 2015 12:40
Sokrates war bekannt für seine körperliche Robustheit und soldatische Tapferkeit.
Aristoteles
28. Juni 2015 12:45
@Peter M. Messer

"Mit [der] Aufforderung, hinter den Mythos zurückzugehen, haben Sie allerdings den Kern des Problems getroffen, [...] im Sinne [...] der Myth-and-Ritual-Schule in den Religionswissenschaften. Nach dieser geht dem Mythos nicht das Märchen, sondern das Ritual voraus, das der Mythos erklärt und dem er letztlich untergeordnet ist. Und dieses Ritual gilt der Welterhaltung. Insofern würde ich mit auf konservativer Seite eine Auseinandersetzung mit Jan Assmanns These vom Kosmotheismus wünschen, in dem die göttliche Schöpfung ständig von Göttern und Menschen gegen die Kräfte des Chaos verteidigt werden muss."

Danke für den Beitrag.
Vor Kurzem las ich von Manfred Görg "Mythos, Glaube und Geschichte. Die Bilder des christlichen Credo und ihre Wurzeln im alten Ägypten." Auf verblüffende Weise zeigt der Autor, welch enge Bezüge zwischen dem christlichen Glaubensbekenntnis und der ägyptischen Kosmologie und Theologie bestehen (freilich nicht ohne hier und da, allerdings relativ selten, auf das spezifisch Christliche zu sprechen zu kommen). Dabei zitiert Görg immer wieder aus 'Jan Assmann: Ägyptische Hymnen und Gebete' und zeigt die staatstragende Funktion auf, die Religion und Riten, Unsterblichkeitsglaube, Opfer, die Vater-Mutter-Kind-Trias für das Herrschaftssystem in Ägypten hatten.

Wenn die Konservativen einen Trumpf gegenüber der westlichen Dekadenz und dem EU-Machtapparat haben könnten, dann wäre es der, sich auf Riten einzulassen, die - abgesehen vom schwachen bis schwachsinnigen BRD-Wahlurnengang und Fußballbundesliga - so gut wie überhaupt nicht existieren. Diese Riten müssten allerdings aus den alten neu geboren werden, denn in die katholische Papst-Franziskus-Kirche oder in die evangelische Käß-oder Junkermann-Anstalt zu gehen, ist für jemanden, der das deutsche Volk und Vaterland retten will, vertane Zeit.

Richard Wagner war ebenso Konservativer wie Revolutionär, er vernüpfte Altes mit Neuem. Nur: Sich den Nibelungenring anzuschauen, wäre vielleicht ein Ritual für alle vier Jahre und, solange sich noch keine deutsche Gemeinde gebildet hat, lediglich eine Zutat im BRD-Buntheitstopf.

Auch wenn ich zugebe, dass ich mir insgeheim und apokalyptisch anlässlich der Grexit-Geschichte, einen baldigen Untergang des EU-Falschgeld-Faschismus wünsche (er kommt freilich noch nicht, denn noch hat man das Geld der BRD-Bevölkerung nicht ausreichend angezapft; bis dahin wird noch viel Falschgeld und Fremdbevölkerung ins Land gepumpt), so weiß ich nicht, ob er nicht auch für uns, für die Deutschen, geistesgeschichtlich zu früh käme.
Statt nämlich eigene Riten aufzubauen (das bekommt der Feind, so negativ wie er ist, bis auf das H-Ritual überhaupt nicht hin) besteht die Fähigkeit des Feindes schlicht nur in Zersetzung, Zersplitterung, Desorientierung, Desinformierung und Partikularisierung der Deutschen.
Es bräuchte also noch eine gewisse Zeit für gute Leute, für Schriftgelehrte, Priester, die Riten und Dogmen hervorbringen, eine deutsche Gemeinde formen und deren Überleben sichern könnten.
Gustav Grambauer
28. Juni 2015 14:54
Rumpelstilzchen

"Jean Gebser wäre m. E. auch mal einer sezessionistischen Betrachtung wert."

Gebser ist einer der maßgebliche Vordenker des zentripetalen (luziferischen) Flügels der NWO. Wir werden noch sehr viel von ihm hören, obwohl seine Lehren erst mit Wilbers Holistischer Bewegung bzw. der "Integralen Kirche" zum Durchbruch gekommen sind.

Habe sein Hauptwerk "Ursprung und Gegenwart" in den 90er Jahren auf Anregung von Rudolf Bahro gelesen. Die Kernthese lautet, daß die seit der Renaissance (und in einem größeren Zyklus seit den Pharaonen) dominierende perspektivisch-pyramidische Bewußtseinsstruktur in unserer Zeit "defizitär" werde, was niemand ernsthaft bestreiten wird.

Anstelle der Wandlung etwa im Sinn der goetheanistischen Metamorphose oder des Wirkens der Gralsmacht wie in Parsifal sieht er die "holistische", alles-auflösende, integrierende "Transformation", die bei Obama als "Change" firmiert, den Menschen transparent wie aus Glas macht und politisch anstatt auf dem Opfer auf dem "universellen (Umver-)Teilen" in der Breite beruht.

Seine "Aperspektivische Welt" in ihrer Gläsernheit des Menschen sah er antezepiert in Picassos "Weeping Woman"; er konnte noch nicht wissen, daß sich Picasso am Ende seines Lebens als trickreichen, opportunistischen "Allerweltsclown und Marktschreier" ohne künstlerischen Anspruch bekennen würde.

Es handelt sich um den zweiten Versuch, den europäischen Genius von Indien (via Aurobindo-Schule - seine Inspirationsquelle / Adyar) und Nordamerika her in die Zange zu nehmen und zu zerquetschen, nachdem (1.) Krishnamurti sich nicht hat vom Christus-Geist (in Wahrheit: Luzifer-Geist) "überschatten" lassen und (2.) Steiner die Anthroposophie aus der Theosophie herausgespalten hat.

Die tiefste Auseinandersetzung mit der "Integralen Spiritualität" - soweit ich sehen kann - hat folgerichtig eine Anthroposophin geleistet:

https://www.occident.nl/de/bucher/spiritualitat/arabeske-das-integral-ken-wilbers-9783000286292

- G. G.
Rumpelstilzchen
28. Juni 2015 19:59
Werter Herr Grambauer,

Ich bin schwer beeindruckt ! Nur hilft mir das im Moment gar nicht.

Mein jüngster Sohn hat mir am Wochenende seine neue, wirklich gut aussehende, aber total linke Freundin vorgestellt. Nach dem ersten Schreck dachte ich:
Lieber eine gutausehende Linke als eine häßliche Rechte.
Ist das jetzt frauenfeindlich ?
Hartwig
28. Juni 2015 22:00
@ Rumpelstilzchen

Wo die Liebe hinfällt. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.
Hüten wir uns, zu kleingeistig zu werden. Liebe und Partnerwahl nach politischen Preferenzen?? Das ist doch Quatsch. Ich lebe glücklich mit meiner Frau, die sich zwar für christlich-konservativ hält, aber durch und durch links ist.
Zwischenrassige Beziehungen? Gab es schon immer als Ausnahmeerscheinung, und als solche auch akzeptabel.
Selbstredend würde ich "durchdrehen", wenn meine Tochter mit einem Schwarzen ankäme .... ;-) wobei diese Gefahr wenig wahrscheinlich ist, - ganz der Papa. Meinen Söhnen traue ich da weniger uber den Weg :-)
Gustav Grambauer
28. Juni 2015 22:30
Rumpelstilzchen

Ich komme mit meiner Antwort auf das Thema von Herrn Meyer zurück.

Ein waschechter Rechter sollte es sich leisten, gewisse "Lieblingslinke" zu haben, (1.) weil er keine Berührungsängste kennt, (2.) weil dies Ausdruck der Freiheit des Geistes ist und (3.) weil er das Motto "Ehre wem Ehre gebührt" pflegt. (Meine Lieblingslinke ist z. B. Frau Wagenknecht.)

Und welche(r) Rechte kann schon von sich behaupten, seine "Lieblingslinke" in der eigenen Familie zu haben!!!

Kenne Männer, die sich aus Feigheit und Bequemlichkeit gezielt eine häßliche Frau oder Freundin suchen. Seien Sie froh, daß Ihr Sohn nicht zu denen gehört!!! Dann schon lieber eine Linke wenn sie auch noch Stil hat!!!

Grüße

- G. G.
Götz Kubitschek
29. Juni 2015 08:04
feierabend.
gruß!
götz kubitschek
Kaliyuga
05. Juli 2015 15:58
Werter Kolkrabe,

allzu grob gesehen, lebensalters- und -abschnittshistorisch betrachtet, könnten wir uns doch beinahe „del tu“ anreden und die Hand reichen. Wohl hatten wir uns beide einst, in den Achtzigern irrlichternd den Kriegsdienst verweigernd, vor einem, nach heutigen Maßstäben harschen, Militärgericht zu verantworten, und lebten studentisch gar in Kommunen.

Doch muß man, nach solchen Episoden, wieder anfänglich denken. Glücklich, wer in seinem ersten Jahrzehnt das im Kirchenschiff sonntäglich widerhallende, von bebenden bäuerlichen Männerstimmen dem Priester nachgesprochene „Vater Unser“ aufgenommen hat. Grundlage für das Ver-mögen, viel später die Stimme eines vor Damaskus Geschlagenen aufzunehmen.

Wenn sich Gott nun mit dem Ernst Jünger bekannten Bloy „zurückzieht“, woran sollte das dann auch liegen und wohin führte das wohl? Auch Nietzsche wurde mit seinem „tot“ nur allzugern falsch verstanden.

Welcher Wert eignete einem von Menschen ge-macht-en und nicht von „oben“ inspirierten „Testament“? Es wäre nichtig. Religion verweist von je auf einen vor dem Menschen liegenden Ursprung.

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