08. Juni 2015

Wir Konservatoren und Schichtenbildner

von Lutz Meyer / 99 Kommentare

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

schichtenDie rege, teilweise sogar erregte Diskussion um meine kleine Polemik zu Putins motorisiertem Nachtwolfsrudel hat in den Leserkommentaren eine faszinierende Bandbreite an Positionen zum Eigenen und zum Fremden offenbart. Ich würde hier gern noch ein wenig weitermachen mit einer grundsätzlichen Erwägung: Was machen wir hier eigentlich?

Kürzlich in kleiner Runde: „Hätten die Flüchtlinge aus dem Osten 1945 nicht so viel Zeug mitzuschleppen versucht auf ihrer Flucht, es wären nicht so viele im Eis eingebrochen.“

Ein zynischer, ein grausamer, ein wahrer Satz – wahr wird er vor allem, wenn wir ihn auf unsere Situation heute beziehen. Auch der Konservative versucht etwas zu retten. Auch er ist auf der Flucht. Auch er hat umso mehr zu verlieren, je mehr er mitschleppt. Und vielleicht wird er nicht nur vieles, sondern alles verlieren, wenn er zuviel alten Bestand mit sich schleppt. Wovon kann ein Konservativer sich trennen, welchen Ballast links liegen lassen, ohne sein Wesen als Konservativer zu verraten?

Der Konservative ist ja per definitionem ein Bewahrer. Der deutsche Konservative möchte speziell das Deutsche bewahren. Aha.

Fragen wir also brutal und direkt: Was ist das Deutsche? Möchte man auf eine solche Frage nicht mit Augustinus antworten, der auf die ähnlich komplexe Frage, was die Zeit sei, sagt: Si nemo a me quaerat, scio. Si quaerenti explicare velim, nescio (also: Wenn mich keiner fragt, weiß ich es. Wenn ich es einem Fragenden zu erklären versuche, weiß ich es nicht.)? Würde man zu diesem Thema eine repräsentative Umfrage machen – Luther, Goethe, Schiller, Bismarck, Bach, die Ingenieurskunst, das Reinheitsgebot, der Fußball, die Mittelgebirge, der Rhein, der Wein, der Wald, die deutsche Sprache, der Minnesang, die Treue, das Pflichtgefühl, das Wandern und die Wirtschaftskraft würden neben vielen anderen, weitaus weniger nett gemeinten Dingen wahrscheinlich häufig genannt werden.

All das – nennen wir es mal im weitesten Sinne unsere Kultur, unsere Heimat – wollen wir nun retten vor Überfremdung, vor Zerstörung generell.

Geht das überhaupt? Konservative glauben ganz selbstverständlich daran – doch muß man nicht gerade auch das vermeintlich Selbstverständliche ab und an beherzt in Frage stellen? Ist all das – vor allem die kulturelle Überlieferung, die unsere Identität ausmacht –  etwas, was man sich wie einen Schinken unter den Arm klemmen und so wie vor einem Feuer retten kann? Wohl kaum.

Wenn schon, hat man es im Kopf oder trägt es meinetwegen auch in seinem Herzen mit sich. Die kulturelle Identität ist im Wesentlichen nicht materiell – Bauten, Büsten, Bücher, Banner sind zwar materielle Träger, aber nicht der Geist der Identität selbst. Es kommt also auf die Köpfe an, die Herzen – dort und nur dort (und in den Genen, sofern wir sie denn weiterzugeben gewillt sind) wird so etwas wie die deutsche Identität für eine Weile überleben können.

Ist die Rettung dann also nur Privatsache und steht sie im Belieben jedes Einzelnen? Reicht es aus, wenn Einzelne hier und da etwas retten? Oder müsste nicht der lebendige Kulturzusammenhang, das gelebte Leben gewahrt und insgesamt gerettet werden? Dann heißt es jetzt ganz tapfer sein:



Die Hochkulturen der Menschheitsgeschichte sind samt und sonders nach mehr oder minder langer Blüte untergegangen – und zwar nicht vordergründig auf materieller Ebene, sondern auf der des Lebenszusammenhangs.

Überdauert haben einige Ruinen, Scherben, Fragmente des Alltags, Knochen, Texte, Kunstwerke, aber eben nicht das Leben als die eigentliche Kultur. Dadurch, daß man diese Überreste eines fernen Tages wieder ausgräbt, herausputzt und hochhält (wie beispielsweise in der Renaissance oder im Klassizismus), ersteht nicht das Griechentum oder Römertum neu. Was entsteht, ist eine – bestenfalls einen neuen Stil bildende – Interpretation.

Neben diesem bewussten, stilbildenden Umgang mit den Relikten alter Kulturen gibt es auch noch eine andere Art des Fortwirkens, mehr nach der Art der Humusbildung: Es bilden sich Schichten, das Geschichtete wird zur Geschichte und lebt im Einzelnen fort – ganz gleich, ob der sich dessen zu jeder Zeit bewusst ist oder nicht. Es bilden sich sehr tiefe Erinnerungen, so daß in jedem heute lebenden Menschen Paläolithisches, Mesolithisches, Neolithisches, Bronzezeitliches, Eisenzeitliches und ganz obendrauf eine Prise Mittelalterliches liegt – das ist der uralte Humus der Geschichte, ist unser Sicherheit und Halt gebender Wurzelgrund, der umso wirkungsvoller und mächtiger ist, wenn er seiner Landschaft, seiner Region verhaftet bleibt. Und damit zurück zu uns Deutschen:

Ich behaupte: Das, was wir als deutsche Kultur oder Identität retten möchten, wird auf Dauer nicht zu retten sein. Das liegt nur vordergründig an den massenhaft Zuwandernden oder an der Zerstörung unserer Kultur durch die seltsame Allianz von Neomarxismus, christlich geprägtem Humanitarismus und Kapitalismus – dies alles wäre gar nicht möglich, wenn es noch eine starke, virulente Identität gäbe.

Vor allem der Lebenszusammenhang und das durch ein Identitätsgefühl geprägte Selbstverständnis und das Selbstbewusstsein werden verloren gehen. Ein geradezu klassisches Beispiel ist die Religion: Man kann zwar einwenden, daß Gott (der christliche) überall dort ist, wo an ihn geglaubt wird. Doch die das Individuum oder allenfalls kleine Gemeinschaften übergreifenden Zusammenhänge sind kaum noch vorhanden – die Kirchen (nicht die Gebäude als solche, sondern vor allem der Kirchengedanke selbst) liegen längst in Trümmern, wurden vor allem von innen heraus zerstört. Der Glaube ist Privatsache geworden, im Großen und Ganzen bestimmt er nichts mehr.

Die deutsche Identität im Ganzen wird ebenso untergehen (zumal das Christliche ein durchaus wichtiger Bestandteil dieser Identität war). Nicht heute, auch nicht morgen, aber in einigen Jahrzehnten oder in hundert Jahren werden wir wie die antiken Griechen und die Römer nur noch eine Erinnerung sein. Und doch wird etwas sehr Wesentliches bleiben. Die bewusste Rettung, die Konservierung materieller Beständen ist zwar möglich, aber nicht entscheidend. Entscheidend ist die geistige Humusbildung – die Transformation dessen, was uns ausmacht, in neue Schichten des Wurzelgrunds künftiger Generationen.

Läge mir an zeitgeistkonformer Diktion, würde ich vielleicht von einer Identitäts-Cloud reden, die alles, was jemals wesentlich und wirkungsmächtig war, umfasst und in jedem von uns steckt.

Doch reicht uns das? Welche Hoffnung treibt uns an, daß wir hier dem Zeitgeist nicht hinterherlaufen, den Untergang nicht einfach genießen, nicht gleichgültig werden, sondern widerständig bleiben? Da ist doch noch Hoffnung hier, oder? Welche?

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (99)

Carl Sand
08. Juni 2015 21:16
Zwei Definitionsversuche;

1) Heimat ist dort, wo man sich nicht zu erklären braucht.

Die irrsinnige Illusion, ein Mensch könne (und müsse damit auch) sich stets neu definieren, bis er nicht mehr Männlein noch Weiblein ist, ist bei genauerem Hinsehen das Gegenteil; die Zumutung, sich - seine bloße Existenz - ständig erklären zu müssen.

2) Volk ist die Möglichkeit von Solidarität.

Menschen sind Rudelbestien. Sie verhalten sich willkürlich wie Schweine, wenn sie nicht explizit vom Wohlverhalten einen Vorteil genießen.

Volk ist die bloße Möglichkeit, innerhalb eines biologischen und traditionellen Verbandes dieser menschlichen Naturkondition immerhin Grenzen setzen zu können.
Realist
08. Juni 2015 22:05
Sehr geehrter Herr Meyer,

mit Verlaub - wenn Sie auf unseren ach so fruchtbaren, in Jahrtausenden aufgeschichteten geistigen Humus nur genügend Schiffsladungen afrikanischen Wüstensandes kippen, dann wächst da gar nix mehr, ausser ein paar Kakteen vielleicht. So sieht's nämlich aus.

Hoffnung? Stirbt die nicht zuletzt? Habe ich Hoffnung? Eigentlich - nein, nicht wirklich. Ich erkenne mein Volk nicht mehr. Wird wohl noch nicht mal einen ordentlichen Kampf geben. Aber es gibt immer ein Leben nach dem x-ten Reich. Ich hol mir noch 'nen Wein...
Spielhahn
08. Juni 2015 22:27
Götz Kubitschek hat die Antwort schon in seiner exzellenten Rede auf dem Kommers der Deutschen Burschenschaft gegeben:

"Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun" (nach R. Wagner).

Alles was uns ausmacht und was Deutsche schaffen und je geschaffen haben, beruht auf dieser Mentalität - im Positiven wie im Negativen. Das gilt für den gammeligen Punk genauso wie für den Reihenmittelhausbesitzer. Solange es möglich ist, diese Eigenschaft zu vererben oder zu tradieren, ist mir um das deutsche Volk nicht bange.
glauben, hoffen, standhalten
08. Juni 2015 22:32
@ Herr Meyer,

sorry, aber ich denke, Ihre schulbuchmäßige Fragestellung, so grundlegend und wohlformuliert sie auch ist, geht an der speziellen Realität und Entwicklung Deutschlands völlig vorbei.

Freilich, Kulturen und Völker kommen und vergehen schon immer und aus verschiedensten Gründen. Diese allgemeine Betrachtung über Werden, Sein und Vergehen hilft jedoch nicht weiter.

Denn „Deutschland“ (oder nennen Sie es die „deutsche Identität) und die (positive) Erinnerung an seine Geschichte werden systematisch und tiefgreifend abgeschafft, umgeschrieben und verteufelt.

Wir konservativen Rest-Deutschen sind nicht auf der Flucht, wir stehen von Bulldozern gepresst und gedrückt an der Kante zum Abgrund der großen Müllverbrennungsanlage.

Hier liegt meines Erachtens die heutige Herausforderung für jeden Deutschen, ob links oder rechts, der noch ein bisschen Ehre im Leib hat:

Diesen von oben initiierten nationalmasochistischen Selbstzerstörungs- und Endlösungsprozess nicht mitzumachen, sondern vielleicht aufzuhalten. Dann wäre schon viel gewonnen.
Familienmensch
08. Juni 2015 22:32
Die Antwort ist ganz einfach.

Wir müssen das Minimum bewahren. Nicht das konservative Minimum, sondern das deutsche Minimum.

Das oben erwähnte Griechen- und Römertum ist an Blutvergiftung, wie man es früher genannt hat, gestorben. Sprich: Sie haben sich mit nichtweißen Völkern vermischt, die nicht in der Lage waren, die römische oder griechische Kultur zu bewahren.

Das deutsche Minimum ist also unser Genpool.
Die Wartburg und Dresden, der "Faust" und die "Räuber", unsere technischen Erfindungen und Patente - all das können wir wieder aufbauen.
Es kann einen zweiten Goethe, einen zweiten Schiller und einen zweiten von Braun geben.

Aber nur dann, wenn es auch uns in Zukunft immer noch geben wird.
Das ist es, war wir über das Eis mit retten müssen: Unsere Kinder.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


PS: Wer wegen meiner Worte zur Antike Zweifel hegt, der lese (den auch hier beworbenen) A. Vonderach (Anthropologie Europas) oder Arthur Kemp (Marsch der Titanen).
L.
08. Juni 2015 22:45
Die Frage stellt sich so gar nicht. Besser: Sie sollte so gar nicht gestellt werden, weil wir von unseren Feinden bereits im Innenhof der Burg an viel wesentlicheren Punkten angegriffen werden: Genderwahn, Ehe, Wirtschaftsordnung, grundlegende Freiheiten von Rede und Publikation - all dies und noch viel mehr stehen bereits zur Disposition und dies zeigt doch das das von Lutz Meyer angesprochene Vorfeld und die äußeren Verteidigungslinien bereits durchbrochen oder sogar aufgegeben sind.

Unseren Feinden geht es auch gar nicht um Deutsche Kultur und Identität, deren Existenz sie ja sogar bestreiten.
Sie verabscheuen die gesamte westliche Zivilisation an sich.

Insofern ist die Fluchtanalogie falsch. Es geht eher um eine Kesselschlacht wie sie von einem US-amerikanischen Offizier im Korea-Krieg berichtet wird, der angesichts einer chinesischen Übermacht an seine Truppe ausgab:
"Der Feind steht vor und hinter uns sowie rechts und links - Jetzt kann er uns nicht mehr entkommen."
Nemo Obligatur
08. Juni 2015 22:45
Nicht zu vergessen: Alles fließt! Irgendwann ist auch der schönste Tag vorbei. Außerdem ist nichts beständiger als der Wandel, denn man kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Andererseits gilt auch: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Und bei Lichte betrachtet ist der Mensch nur ein Staubkorn im unendlichen Weltall. Eines Tages wird die Sonne erlöschen und die Erde wird aufhören, sich zu drehen. Natürlich nur, falls uns nicht vorher ein Riesenasteroid von der Platte putzt. Aber dass irgendwann alles vorbei ist, ist eigenlich klar. Also schenken wir nochmal vom edlen Tropfen nach, halten das Glas ins Licht und freuen uns, dass wir noch da sind.

War es ungefähr das, was Sie uns sagen wollten, Herr Meyer? So richtig klug werde ich aus dem, was Sie schreiben eigentlich nicht. Es spricht ein gewisser Grundpessimismus aus Ihren Worten, um nicht zu sagen eine Art Lebensekel.

Ich werde Sie in Ihren Aussagen kaum widerlegen können. Mir geht es aber um dies: Ich möchte noch als Deutscher unter Deutschen leben und sterben können und für meine Kinder und Enkel wünsche ich mir dasselbe. Das ist ungefähr die Grenze meiner Vorstellungskraft. Ich finde es legitim, diesen Wunsch zu äußern.

Wenn man es lässt (und dies ist genau die heikle Nebenbedingung unserer Zeit), dann wird das Deutsche auch in der Zukunft aus sich heraus seine Form finden. Diese Aussagen können Sie übrigens ebensogut für jedes andere Volk der Erde treffen, nur eben nicht für das moderne Amalgam der "Bevölkerung". Die Diskussion, was denn nun eigentlich deutsch sei, überlasse ich gerne anderen, denn ein Fisch wird dem Vogel auch kaum erklären können, was das Wasser sei, in dem er schwimmt. Man fühlt es und weiß es, oder eben nicht. Über Details kann freilich gestritten werden.

Was die Vergangenheit angeht: Ich kalkuliere da grob mit 100 Jahren, die rückwärts lebendig sind aus den Erzählungen der Eltern und Großeltern, die ihrerseits noch den Erzählungen ihrer Großeltern lauschten. Alles, was weiter zurückgeht, darf man den Büchern entnehmen. Ich schleppe übrigens kein Gepäck mit. Ich will nicht den "Alten Kaiser Wilhelm" wiederhaben, nicht den Alten Fritz und keinen Kaiser Barbarossa. Das alles ist längst vergangen. Aber es schadet sicher nicht, darüber orientiert zu sein. Kurz und gut: Wir stehen in der langen Reihe unserer Vorgänger und Nachfolger.

Wer nicht wenigstens ab und zu mit Ehrfurcht, Dank und Rührung an seine Ahnen denkt und nicht für seine Kinder hofft und plant, der kann eigentlich kein echter Konservativer sein.
Peter Niemann
08. Juni 2015 23:00
Ich kann das rational nicht en detail erklären (bin mir übrigens auch sicher, daß das nicht Wunschdenken ist), muß aber den Text von Lutz Meyer ablehnen denn in meinen Augen hat das Deutsche und seine Kultur noch nicht seine Finis historiae erreicht, hat noch viele Jahrzehnte und -hunderte vor sich. "Was soll bewahrt werden?" als Kompromiß- bzw. Adapationsfrage an externe Zwänge ist dabei abzulehnen, denn die Kompromißkultur der letzten Jahrzehnte hat das Deutsche als Kultur nicht gestärkt sondern nur zu akzeleriertem Siechtum und Niedergang geführt. Aus der verengten Perspektive der Nachkriegsdeutschen, also der letzten Jahrzehnte, scheint tatsächlich ein Nieder- oder gar Untergang stattzufinden, doch solch eine Perspektive ist vor allem Mutlosigkeit par excellence, ein Sich-Aufgeben ohne überhaupt die Waffen in die Hand genommen zu haben. Gibt man wirklich nach mehreren Dürrejahren einfach auf und legt sich in den Acker um zu sterben? Ich glaube an die Bewahrung dessen wer wir sind, und fühle mich verstärkt beim Gedanken an was die Alternative wäre, nämlich die Werdung zum willfährigen und inhaltsarmen Konsummenschen.
enickmar
09. Juni 2015 00:05
Hier kommt beim Autor vielleicht etwas der Altlinke durch, welcher im Konservativen den Konservator sieht, der krampfhaft dem alten, verstaubten, morschen und ewiggestrigen anhängt.

Dabei gibt es ja diese schöne Erkenntnis:

Konservatismus ist nicht ein „Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt".

Einklang mit der "Realität" eben. Das Konservative ergibt sich durch das in der Realität Bewährte. Können auch mal Neuerungen sein.

Das heißt aber letztlich, daß sich die Frage gar nicht stellt, was man bewahren will oder nicht. Die Frage ist nur vor welche Konsequenzen man von der Realität gestellt wird, wenn man gegen ihre Regeln, also das, was immer gilt, verstößt.
CCCED
09. Juni 2015 01:31
Lieber Herr Meyer,

mein Rat für die Flucht:

Goldmünzen des Kaiserreiches. Für die erste Zeit des Schwarzmarktes die beste Währung. Silber ist zu schwer, Goldbarren sind zu leicht fälschbar.
Schmerzmittel, vorzugsweise Opiate, wenn es hart auf hart kommt. Nehmen Sie 15kg zu. Schön wäre auch eine Flasche Branntwein.

Aber mal im Ernst:
1. Nehmen Sie die Beine bitte nicht zu früh in die Hand. Erst möchte ich Sie noch etwas härter kämpfen sehen. Lernen Sie von den Linken: Die letzte Schlacht gewinnen wir!
2. Haben Sie Acht auf ihren Genpool. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Boden vertreiben und ziehen Sie auch nicht leichtfertig fort.
3. Die Sprache wird es Ihnen vermutlich nicht so schnell verschlagen. Das ist gut für Sie.
4. Zu guter Letzt: Falls Sie Norddeutschen Geblütes sind, bleiben Sie beim Bier. Nur wenn Sie Süddeutsches Blut in den Adern haben, können Sie zwischendurch auch mal zum Wein greifen.
Andreas Walter
09. Juni 2015 03:51
Das es eben nicht so kommen wird. Wir laufen dem Zeitgeist nicht hinterher, wir sind der Zeitgeist. Nicht nur in Deutschland begreifen, fragen sich immer mehr Menschen, was Identität, das Eigene ist. Es wird bereits weltweit der Globalismus, die Universalität, die Einige noch betreiben bereits hinterfragt. Mexikaner wie Griechen, Russen wie Finnen, Spanier wie Südafrikaner. Weil niemand und nirgendwo seine Wurzeln, seine Identität, das besondere Eigene verlieren möchte. Es entsteht daher bereits die Gegenkraft, die in vielem sichtbar ist. Weil es wie zwischen Gemeinsinn und Eigensinn, dem Wunsch nach Gemeinsamkeit aber auch Individualität auch ein natürliches Gleichgewicht zwischen National und International gibt. Phänomene wie die Sezession, JF, AfD sind nur die Anfänge, nicht das Ende dieser Bewegung. Natürlich wird daraus nicht mehr ein Nationalismus wie noch im vorherigen Jahrhundert in ganz Europa entstehen, sondern ein gemässigter, ein im wahrsten Sinn des Wortes kultivierter. Weil die Menschen gerade durch das Experiment EU jetzt erst den Wert von kultureller und regionaler Diversität begreifen, erst jetzt wo sie erstmals Gefahr laufen sie zu verlieren schätzen lernen. Ein in der Weltgeschichte bisher einzigartiger Paradigmenwechsel, in dem Konservativ sein, etwas konservieren, erhalten wollen progressiv ist. Das ist wie mit dem Geld von dem man sagt, dass das Gute das Schlechtere verdrängt und so ist es eben auch mit allen anderen Werten. Ist doch aber irgendwie auch klar. Warum sollte man nur eine Käsesorte haben wollen, wenn man Dutzende haben kann. Auch der klassische Proletarier und selbst das Prekariat haben sich ja durch die neuen Kommunikations- und Informationsmittel weiterentwickelt, nicht nur das Bürgertum und die Oberschicht.
Mittelwächter
09. Juni 2015 07:50
Herr Meyer,
welche zu rettende deutsche Kultur meinen Sie denn? Die von 1938? Oder das was 1648 nach 30 Jahren Krieg blieb? Oder wollen wir zur Zeit der Kreuzzüge zurückgehen und eine neue Reconquista visualisieren? Ich meine, wie auch ein anderer Kommentator vor mir, daß Sie dts. Kultur zu statisch fassen. Kultur findet einen Weg, wenn, ja, wenn Identität da ist. Da stimme ich zu.
Identität heute? Da bin ich d'accord, da stimmt etwas nicht mehr. Ich habe verschiedene Identitäten: Kopf einer kleinen Familie / Familienvater; Mensch, der im Sozialwesen arbeitet und v.a. mit Linken irgendwie auskommen muß; Mitglied einer guten Nachbarschaft, die sich aber auch nur über die wohnliche Nähe definiert; Mitglied einer Fördergemeinschaft einer längst untergegangenen Infanterie-Division - mit langsam aussterbender "Grundsubstanz". Nur in letzterer Identität erahne ich noch das Grundgefühl des Deutschseins. In allen anderen Bereich ist den Menschen offenbar das Deutschsein mächtig ausgetrieben worden. "Da redet man nicht drüber", das ist kein Thema.
Selbst beim Fußball, den ich über den Bekanntenkreis meiner Frau ein wenig verfolge, wird dieser komische Balanceakt versucht: auf der einen Seite baut man die Identität als Mannschaft auf, doch auf der anderen Seite wird der Gegner nicht als Gegner hingestellt, sondern das "Fair Play" als oberstes Ziel vorgegeben.
Ich glaube tatsächlich, daß viel der heutigen "Biodeutschen" _verlernt_ haben, sich auf diese gemeinsame Identität zu berufen - und daraus Kraft zu ziehen. Die Menschen, die mir in den letzten Jahrzehnten begegnet sind, die daraus Kraft schöpfen, waren einmalige Personen: Visionäre, Denker, Macher, integre Personen, die aber auch Don Quijotes Fußstapfen folgen.
Von daher schaue ich mit viel Sympathie zur Identitären Bewegung, die es schaffen könnte, ein neues Bewußtsein dieser Identität (und Solidarität) in der Öffentlichkeit zu manifestieren.
Letztlich glaube ich aber auch, daß es auf jeden Einzelnen ankommt, Deutsch sein zu definieren und das auch irgendwie zu kommunizieren.
Rüdiger
09. Juni 2015 07:52
Die Weitergabe und Pflege des Eigenen ist nicht irgendeine zierliche Vase, die wir mit uns herumtragen. Es ist alles, was wir haben und zu einem guten Teil auch das, was wir sind. Die Ideologie der Globalisierung wird nicht siegen, sie ist ja keine dauerhaft tragfähige Alternative, vor der wir unser Volk-Sein zu rechtfertigen oder zu retten hätten, sondern ein parasitäres Projekt, das das über die Jahrtausende aufgebaute soziale Kapital der Völker aufzehrt. Es wird aber so bleiben, dass Menschen sich in Völkern organisieren, Herkunftsgemeinschaften bilden, sich von anderen Völkern abgrenzen. An dieser ehernen Gesetzlichkeit können auch 50 oder 100 Jahre verkehrten Lebens nicht rütteln. Ich bin daher optimistischer als der Autor und glaube, daß wir früher oder später aus diesem irren Alptraum aufwachen werden, uns die Augen reiben werden angesichts der angerichteten Verheerungen und zu dem in unserer Natur angelegten Sein zurückkehren werden.
Eveline
09. Juni 2015 08:42
Die Biologie formt uns nicht zu einer Nation, sondern das uns umgebende feinstoffliche Feld.
Vielleicht noch einmal "Avatar" schauen, dort erklärt der Film ziemlich gut die Landschaft und ihre Eingeborenen, die feinen unsichtbaren Verflechtungen zwischen den Ahnen - und der heutigen Generation.
Ein Türke, heißblütig, schnell aufbrausend paßt natürlich auch charakterlich 10 x besser in sein trockenes , steiniges sonnenbeschienenes Land. Wie schnell sind sie auf 180, immer hitzig.
Der langsame bedächtige Mecklenburger paßt zur wasserreichen Landschaft.
Wasser tauscht sich nämlich sehr langsam aus. Beides bedingt sich.
Und ansonsten haben wir unsere Sprache oder auch Dialekte.

Reine Beobachtung: Jemand verkauft seinen Garten.
Auf einmal, nach ein paar Wochen, Monate wachsen dann dort - so man es läßt - völlig andere Kräuter. Nämlich die Kräuter, die zum neuen Besitzer passen.... ein neues Mikroklima ist entstanden, zwischen Mensch und Landschaft.
Hartwig
09. Juni 2015 09:05
Herr Lutz Meyer, Sie stellen die Fragen, die auch mich seit Jahren beschäftigen.
Ob mir Ihre Antworten gefallen? Nein. Ob Ihre Antworten dennoch richtig sein können? Vielleicht. Zum Teil.

Bestimmte Dinge brauchen aber auch gar keine ausformulierte Begründung. Widerständigkeit kann auch ein Prinzip sein. Mancher Kampf muss auch geführt werden, wenn er aussichtslos ist.
Und wenn ich solche Sätze schreibe, dann frage ich mich, worüber wir überhaupt reden, wenn von "Kampf" und "Widerstand" die Rede ist. Die letzten Deutschen, die wirklich kämpften, taten dies vor siebzig Jahren. Seither haben diese Worte allmählich eine andere Bedeutung bekommen. Was riskieren wir denn eigentlich? Vergleichsweise? Soziale Ausgrenzung wird schon als hohes Strafmaß empfunden. Einen Film wie "Fightclub" schaut man sich zwar an, aber dann fragt man sich, wann man sich denn das letzte Mal geprügelt hat. Viele werden dann bis auf den Schulhof zurück blenden müssen. Und wäre man denn überhaupt bereit? Etwas mehr "Fahrradkette" (R.) täte dem deutschen Mann doch gut. Es würde, davon bin ich überzeugt, die politische Landschaft ändern; das kulturelle Phlegma sowieso.
Schopi
09. Juni 2015 09:11
Viele, der auch hier hochgehaltenen besonderen Leistungen deutscher Männer, ob nun mit der Feder niedergeschrieben oder mit dem Zirkel zu Papier gebracht, sind nicht wegen, sondern trotz bestimmter Wesenszüge des hiesigen Volkscharakters entstanden. Das sollte man fairerweise auch sagen (dürfen).
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
09. Juni 2015 09:19
Gegen Spengler, der den Niedergang als unausweichliches Geschick und ebenfalls im Russentum das Kommende sah, will ich ein Bild anführen:

Ein Stein, gegen die Sterne geschleudert, steigt nach oben, erreicht den Gipfel der ihm bestimmten Bahn und kehrt dann zur Erde zurück, von der er genommen ist. Ebenso ein Pfeil, ein Ball, eine Pistolenkugel.

"Alles Vergängliche ist ein Gleichnis." so schließt Spengler mit einem Wort von Goethe sein Werk.

Doch die Schwerkraft ist nicht unüberwindlich und der Niedergang kein unüberwindbares Schicksal. Übersteigt die Beschleunigung die Erdanziehung erreicht das Geschoss den Kosmos.

Vielleicht sind wir, die faustische Zivilisation, die Rakete zu den Sternenräumen. Und vielleicht haben wir es nun zu entscheiden, hier und heute, in dieser Generation, ob wir wieder zur Erde zurück sinken, oder in die unendlichen Weiten des Weltalls vordringen.
Wir wissen es nicht, und wenn wir scheitern, wird niemand nach uns sein, der es je wissen wird.

So bleiben uns armen Wanderern nur als Kompass in Sumpf, Nacht und Nebel : Glaube, Hoffnung und Liebe.
Thomas Wawerka
09. Juni 2015 09:21
Die Welt ist alles, was der Fall ist, meinte der gute alte Wittgenstein, analog dazu könnte man formulieren: Deutsch ist alles, was in Deutschland gerade der Fall ist. Das verändert sich, und irgendwann kommt es bestimmt auch mal an sein Ende. Die Spengler-Fraktion weiß das.
Ist daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, in gleichsam asiatisch anmutendem Fatalismus die Hände in den Schoß zu legen und auf dieses Ende zu warten? Es ist eine Möglichkeit, sicher.
Was aber über die These vom quasi "organischen" Altern und Sterben ganzer Kulturen eindeutig hinausgeht, ist der erneute Versuch, mittels Anthropotechnik und social engineering den "neuen Menschen" zu schaffen. Nach dem Klasse-Menschen des Kommunismus und dem Rasse-Menschen des Faschismus soll's diesmal ein dem Ideal des globalisierten Marktes entsprechender Mensch sein, bindungslos, wurzellos, geschichtslos, das totalbefreite Wesen. Manche sehen darin einen Quantensprung in der "gesellschaftlichen Entwicklung", ich erlaube mir grundlegende Skepsis ... Wenn ich richtig informiert bin, wurde Gender Mainstreaming, die Förderung homosexueller Partnerschaften, die Schwächung der Familie usw. auf einer UN-Konferenz beschlossen (1995? oder ist das ein Hoax? kann mir da mal einer helfen?) - d.h., es gibt eine Agenda. Hier geht nicht etwas auf sein natürliches Ende zu, hier wird etwas gewaltsam umgeformt. Und dagegen, finde ich, sollte man schon Widerstand leisten.
Wo sollen denn unsere Kinder, oder sagen wir mal deren Kinder, überhaupt noch erfahren, dass es ein traditionales Leben als Alternative zum "neuen Menschsein" gibt, wenn wir das nicht bewahren?
Widerstand auch gegen die schleichende, aber permanente Aushöhlung der Souveränität der Nation - nicht speziell der deutschen Nation, sondern jeder Nation (aber wir sind halt nun mal Deutsche), denn seit dem ollen Kant hat noch keiner ein besseres Gebilde erfunden, das eine freiheitliche und selbstbestimmte Politik ermöglicht. Bisher ist die Nation - soweit ich das überblicken kann - der vernünftigste Rahmen für politisch erfolgreiches Handeln. Die Alternativen eines melting pot, eines failed state oder einer Theokratie vermögen jedenfalls mich nicht zu überzeugen.
Ich teile Ihren Pessimismus. Sloterdijk hat mich gründlich abgewatscht. Ich glaube, dass das Ruder nicht mehr rumzureißen ist und das Schiff gegen den Eisberg fahren wird. Aber ich glaube auch, dass es sich lohnt, die Glut zu hüten, die Alternative eines traditionalen Lebens zu bewahren und den sozialen Nahraum daraus zu gestalten, sich auf anhaltische Rittergüter oder brandenburgische Bauernhöfe zurückzuziehen, Inseln zu bilden, auf die sich die Schiffbrüchigen retten können. Das Biedermeier ist ja so verpönt - aber während dieser Zeit hat das Bürgertum Kraft gesammelt. Zuerst wurde das bürgerliche Leben im Privatraum gestaltet, dann griff es auf den öffentlichen Raum über.
Zur Religion: Haha, das ist eine reichlich "kulturegozentrische" Perspektive. Schauen Sie nach Osten: Das Erste, was die Russen nach der Abschaffung der kommunistischen Diktatur getan haben, war ihre Kirchen wieder aufzubauen. Schauen Sie nach Westen: Ob Nord- oder Südamerika, das Christentum ist vital und wächst. Ebenso in Afrika. Auch in den katholischen Ländern Europas kann man keinesfalls vom Verschwinden des Christentums reden. Es ist nur dieser kleine Zipfel nordwesteuropäischer, protestantisch geprägter politischer Borderlineländer, in dem es seine gestaltende Funktion verloren hat. Wir sind zum Missionsgebiet geworden, so wie früher andere Länder auf anderen Kontinenten Missionsgebiet waren. Aber nur deshalb geht das Christentum noch lange nicht unter.
Was ja auch schon ein nicht gänzlich trivialer Trost ist.
Bootsmann
09. Juni 2015 10:02
Sehr gut, Herr Meyer! Wenn wir auch nur einen Teil »unserer« Literatur und Philosophie ernstnähmen (Spengler, Jünger, Schmitt etc.), müßten sich Ihre Fragen von selbst stellen. Das wellness-Bedürfnis konservativer »Reihenhausbewohner« ist erschreckend. Schillerzitate, große Termine längst vergangener Zeiten, grandiose Selbstattribuierungen, permanente Selbstvergewisserung, Gartenzaun und Kuckucksuhr – alles nett, hat aber mit der tristen Brühe, die manche Realität nennen, nichts zu tun. Und so kommt es dann, daß ein paar russische Biker mit Stalinfahne als Provokation gegen das Eigene wahrgenommen werden anstatt als großartiger Spaß gegen die absurde westliche Moralität – als etwas Widerständiges eben.
Lutz Meyer
09. Juni 2015 10:14
Ich will mich nicht selbst kommentieren, sondern nur kurz was nachreichen. Drei Zitate von Jünger, die gut hierher passen:

Von allen Domen bleibt nur noch jener, der durch die Kuppel der gefalteten Hände gebildet wird. In ihm allein ist Sicherheit.
(Strahlungen, 31. Dez. 1943)

Das ist der Sinn der Urgeschichte überhaupt: das Leben in seiner zeitlosen Bedeutung darzustellen, während es durch die Geschichte im zeitlichen Ablauf geschildert wird. Urgeschichte ist daher immer die Geschichte, die uns am nächsten liegt, Geschichte des Menschen an sich.
(Strahlungen, 14. Januar 1940)

Der echte Konservative will nicht diese oder jene Ordnung erhalten, sondern das Bild des Menschen wiederherstellen, der das Maß aller Dinge ist. Eben darum ist heute jeder konservative Ansatz fragwürdig. Bei wachsendem Tiefgang werden Konservative und Revolutionäre sich sehr ähnlich, weil sie sich notwendig demselben Grund nähern. Bei den großen Veränderern, bei jenen, die Ordnungen nicht nur stürzen, sondern auch gründen, lassen sich daher stets beide Qualitäten finden.
Maxima Minima S. 36
Andreas Vonderach
09. Juni 2015 11:07
Meyer scheint wie viele Linke zu glauben, man könne die Bevölkerung austauschen, ohne das sich dadurch groß etwas ändert. Der Rechtsstaat, das Gewaltmonopol des Staates, die Zivilgesellschaft, die Wissenschaft, die Wirtschaft und der Wohlstaat werden schon bleiben. Aber wenn man die autochthone Bevölkerung gegen eine Dritte-Welt-Bevölkerung austauscht, wird man auch in der Gesellschaft Dritte-Welt-Verhältnisse bekommen, und zwar auf Dauer.
Luise Werner
09. Juni 2015 11:23
Sehr geehrter Herr Meyer, ich möchte eine Beobachtung aus einem Biergarten schildern.
Schräg gegenüber drei junge Männer. Mein allererster Eindruck: Grün, Links, Alternativ. Alle drei langhaarig. Einer mit Dreadlocks, einer mit einem Zopf. Bärtig sowieso, alle drei. Bei dem einen reichte der Kinnbart bis zur Brust, geflochten! Flatterige, bunte oder karierte Hemden aus Leinen oder Baumwolle, nichts besonderes. Kurze, eher knielange Hosen. Der eine, den Außentemperaturen zum Hohn in knöchelhohen abgewetzten Wanderschuhen, ein anderer in Riemensandalen, der dritte gar ohne Schuhwerk. Alle drei beim Bier und sich über irgendein "Projekt" unterhaltend. Später gesellte sich noch ein, den Jungs bekanntes junges Mädel dazu. Deren Aufmachung war ein deutlicheres Statement. Peace- und Refugee-Welcome-Anstecker.
Soweit, so gut.
Aber kann man die Szene nicht auch ganz anders sehen? Die Jungs sahen aus wie Nordmänner, fast wie aus einem Wikingerfilm. Traditionell. Lagerfeuertypen. Gewiss keine "Bürger". Beim Einkaufsbummel konnte ich sie mir nicht vorstellen, keine Konsumhelden. Ihr "Projekt" schien ihnen wichtig. Wahrscheinlich wollten sie sich das irgendwie alimentieren lassen, so wie sie sich am liebsten ihre ganze Existenz alimentieren ließen. Aktentasche, Hamsterrad? Bestimmt nicht!
Mit viel "metapolitischer" Phantasie könnte man diese jungen Leute doch als die eigentlichen Bewohner der Trutzburg gegen den kapitalistischen Globalismus ausmachen, und somit auch gegen die Kulturvernichtung. Mehr jedenfalls, als den sich konservativ wähnenden, traditionsverpflichteten Bildungsbürger, mit Sehnsucht nach deutscher Romantik, mit Arbeitsethos und Konsumverhalten, womit ich mich, unvollständig zwar, selbst beschreibe.
Rosenkranz
09. Juni 2015 11:27
Herr Meyer,

ein Volk wandelt sich. Auch wir Deutschen haben uns immer wieder gewandelt. Wir waren Heiden, dann Christen und nun glauben wir halt nicht mehr so sehr an Gott, sondern vielleicht der Propaganda aus dem Rundfunk. Wir haben so einige Wirtschaftssysteme überlebt und sicher wird auch unsere Zivilisation in irgendetwas anderes transformiert werden. Dieses ist auch gar nicht schlimm.

Schlimm ist, daß zur Zeit die Völker Europas aus eigener Schwäche und ohne Not, ihr mit Blut und Schweiß ererbtes Land dem "Feind" einfach überlassen. Bei den Völkern Westeuropas sind überall Menschen an der Macht, die Freude am beschleunigten Untergang des "Weißen Mannes" haben. Ein Geburtenrückgang oder das Absinken der Bevölkerung ist zwar für die Leistungsträger mit noch mehr Anstrengung verbunden, aber durchaus verkraftbar (siehe 30-jähriger Krieg).

Den Spagat, den wir hinbekommen müssen ist, gegen dieses System der Versklavung und Umvolkung widerständisch zu sein, ohne aber die ganze Bevölkerung gegen sich zu haben. Es ist die Frage: Welche Mittel des Widerstandes sind erlaubt, welche zu vermeiden?

Von den Männern wünsche ich mir mehr Mut, Kraft und Durchsetzungsvermögen; von den Frauen, daß sie ihre Männer ermutigen, widerständisch zu sein.
Aristoteles
09. Juni 2015 11:31
Sehr gut, Meyer,
endlich geht es mal ans Eingemachte.

Warum sollte es nicht möglich sein, irgendwo einen neuen Planeten zu finden, bevor hier ein Asteroid draufknallt oder die Sonne verglüht?

Der Begriff "Cloud" ist zwar denglisch, aber möglicherweise ist er der entscheidende
(da unser Territorium zu großen Teilen schon besetztes Land ist).

Man sollte vielleicht mehr als auf die universalistisch-fatalistischen Fernostphilosophien in der Frage des Überlebenskampfes den Blick auf das Judentum lenken.

Die Juden hatten über 2000/2500 Jahre Diaspora hinweg ihre 'Clouds':
1) einen rituellen Kalender
2) eine fixierte Schrift
3) die Beschneidung (ok, eine sehr körperliche Cloud)
4) die ständige äußere Bedrohung (wie wir jetzt)

Zuallererst und eigentlich auch auf Dauer hatten die Juden eine gemeinsame Notlage zu überstehen.
Ihr Nationalgott band sie über eine gemeinsame Geschichte zusammen.
Später wurde dieser Stammesgott (mit zahlreichen Anleihen aus anderen Kulturen) zu einem Universalgott ausgeweitet.
Der Gott, der Himmel und Erde schuf, gehört zu einer wuchtigen und überzeugenden Schrift einfach mit dazu. Wichtiger für die Juden war hingegen von jeher, dass das Tetragramm JHWH als Stammesgott das Überleben des jüdischen Volkes sicherte.

Wie wäre es
1) mit einem germanischen Kalender (der sich wie die jüdischen Feste) an den Jahreszeiten und bedeutenden geschichtlichen Ereignissen orientiert
2) mit einem verbindlichen Geschichtsbuch (Kapitel-, Versangaben inklusive) und sonntäglichen Priestern, die daraus vorlesen (von mir aus auch ein zusammengeschmolzenes Evangelium als Additum, ähnlich wie die Offenbarung im Neuen Testament; von mir aus auch ein bisschen mystisch-kabbalistischer Schabernak mit Runenzeichen usw.)
3) mit einer Stigmatisierung zwischen den Schulterblättern (wie wär's z.B. mit einem Lindenblatt?)
4) dem Selbstbehauptungswillen, wie er aus den obigen Kommentaren herauszulesen war.

Es braucht in Zukunft nur ein paar kluge Schriftgelehrte, die
1) dem Volk diese Clouds schenken
2) aus der Fülle das Stoffs das passende Dogma bilden (bitte keine Angst vor dem Begriff, nur so kann Verbindlichkeit entstehen)
3) genügend Charisma haben und
4) Häresien entlarven (was relativ einfach sein dürfte, denn das Kriterium ist nicht mehr und nicht weniger als das Überleben des Deutschen Volkes)
Lutz Meyer
09. Juni 2015 11:46
@ Andreas Vonderach

Verzeihung - beziehen Sie sich tatsächlich auf meinen Text? Ich kann dort beim besten Willen und selbst großzügigster Auslegung nicht einmal ansatzweise die Grundlage für Ihren Leserkommentar finden. Mir geht es zum einen darum, daß Kulturen seit jeher entstehen, blühen, vergehen und nach ihnen andere entstehen. Zum anderen stelle ich erste, durchaus vorläufige Überlegungen an, was von uns unter welchen Umständen bleiben und fortwirken könnte. Daß ausgerechnet der "Rechtsstaat", die "Zivilgesellschaft" und der "Wohlfahrtsstaat", diese traurigen Abgesänge auf das, was den Menschen einmal ausmachte, darunter sein werden, hoffe ich noch nicht einmal.
Helga Müller
09. Juni 2015 12:00
Gute Beobachtung .....
Wir können ja nicht erwarten, daß unsere Enkel Friedrich Schiller, Emanuel Kant oder andere gute Beobachter in sich tragen. Ich kann in beschränkter Weise Heimatliebe vorleben, vielleicht auch alte Lieder für mich spielen , irgendwann glaubt man, sich so selbst was vor zu machen. Das brauchen wir nun überhaupt nicht , wo wir doch umstellt sind von Blendern und Überfliegern.
Vielleicht gibt es in den Familien der Kaukasusvölker noch die am längsten tragenden Konzepte von konservativen Traditionen....
Bei uns hier wird es spannend, wie familiäre Bindungen und Verpflichtungen dem derzeitigen Zeitgeist sich entziehen können -
Und das soll Humus sein??
Eveline
09. Juni 2015 12:00
Aristoteles

http://www.germanen-magazin.de/2015/06/08/germanische-things-demokratie-in-grauer-vorzeit/

Das Germanen Magazin - es lohnt sich mal reinzublättern.
Der Gutmensch
09. Juni 2015 12:05
Auch er ist auf der Flucht.
Ich? Nein, das kann ich ausschließen. Ich bin hier, wo ich schon immer war und bin sogar ... zurückgekehrt. Trutzend!

Fragen wir also brutal und direkt: Was ist das Deutsche? Möchte man auf eine solche Frage nicht mit Augustinus antworten

„Jetzt wo ich hier bin, glaube ich nicht, dass ich es möchte.“ (sprach der arme Frodo vor dem Eingang zu Kankras Höhle). Also vielleicht doch lieber mit Pelagius: Der Mensch ist wesenhaft gut und der menschliche Wille folglich imstande, nur aufgrund seines natürlichen Vermögens Gottes Geboten zu gehorchen.
Soviel nämlich zum „Gutmenschen“!

Die Hochkulturen der Menschheitsgeschichte sind samt und sonders nach mehr oder minder langer Blüte untergegangen – und zwar nicht vordergründig auf materieller Ebene, sondern auf der des Lebenszusammenhangs.

Aber nicht doch nicht binnen einhundert Jahren; das ist mir dann doch etwas zuviel des Defaitismus ... trinken Sie einen Schnaps, nehmen Sie sich doch bitte ein klein wenig zusammen!

Dadurch, daß man diese Überreste eines fernen Tages wieder ausgräbt, herausputzt und hochhält (wie beispielsweise in der Renaissance oder im Klassizismus), ersteht nicht das Griechentum oder Römertum neu. Was entsteht, ist eine – bestenfalls einen neuen Stil bildende – Interpretation.

Wieso jetzt: Eines „fernen Tages“? Wen genau soll diese Grabrede ehren, ganz genau?

Vor allem der Lebenszusammenhang und das durch ein Identitätsgefühl geprägte Selbstverständnis und das Selbstbewusstsein werden verloren gehen.

Trinken Sie doch noch einen Schnaps!

Der Glaube ist Privatsache geworden, im Großen und Ganzen bestimmt er nichts mehr.

Ach, papperlapapp! Seit wann muss man denn Kirchenmitglied sein, um eine protestantische (selbstgerechte) oder eine katholische (selbstgefällige) Natur zu besitzen?

Entscheidend ist die geistige Humusbildung – die Transformation dessen, was uns ausmacht, in neue Schichten des Wurzelgrunds künftiger Generationen.

Noch bin ich kein Humus, wenn ich bitten dürfte.

Mich treibt auch keine „Hoffnung“ in diesem Sinne. Ich bin bin vorhanden und gedenke es zu bleiben. Das ist schon alles.

Der Gutmensch.
Siddharta
09. Juni 2015 12:44
Die Frage, was zu bewahren sei oder wieviel davon, stellt sich gar nicht. Grundsaetzlich laesst sich alles in Frage stellen, alles ist entbehrlich. Es geht vielmehr darum, ob wir unsere Zukunft in freier Selbstbestimmung - also als Souveraen - bestellen oder im Dienste der Luege eines niedertraechtigen Feindes, welcher uns vor siebzig Jahren einen Sack ueber den Kopf gezogen hat, der - Gott sei Dank! - dank einiger aufrechter Maenner und Frauen (nicht nur deutsche) Loecher bekommen hat.
Ein gebürtiger Hesse
09. Juni 2015 13:00
Mit Verlaub, Herr Meyer. Zwar ist es hin und wieder wünschenswert oder gar angebracht, letzte Fragen zu stellen ("Was ist das Deutsche?", "Welche Hoffnung treibt uns an?"), den Leser im Grundsätzlichen abzuholen und ihm sogar einen - wenn's denn klappt - mobilisierenden Rüffel zu geben (etwa wenn Sie ihm in Ihrem vorletzten Beitrag "Besitzstandswahrermentalität" vorhalten). Und doch gibt es, gerade für Konservative, eine gewisse Manier der Akklimatisierung. Bevor man eigene Ansprüche und Wünsche heraus posaunt, versucht man mit dem Umfeld, das man vorfindet, zunächst einmal Tuchfühlung aufzunehmen. Auch nimmt man sich ein klein wenig zurück. Man verhält sich gerade nicht so wie jene Moskauer Rocker, die durch fremdes Land brettern und all den Unbekannten, die von ihrem Fahrtwind umgeblasen werden, die eigene Ambition entgegenzuhalten. Jedenfalls nicht, wenn man sie erst zum dritten Mal sieht.

Im Übrigen ist besagte Art Manier in meinen Augen sogar gehörig "deutsch" und sehr erhaltenswert.
Andreas Vonderach
09. Juni 2015 13:58
@Lutz Meyer: Verzeihung – beziehen Sie sich tatsächlich auf meinen Text?

Ich habe Sie so verstanden, dass es Ihnen darum geht, den Humus der Kultur zu erhalten, auch wenn das Deutsche (und Europäische) untergeht. Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Deutsche für Sie etwas recht beliebiges ist.

Wenn die ethnische Grundlage für die europäische Kultur weg ist, ist aber auch der Humus wegen. Kann sein, dass ich etwas spießig bin, aber den Rechtsstaat, das Gewaltmonopol des Staates usw. halte ich sehr wohl für Errungenschaften, die ich nicht missen möchte. Wenn wir uns erst einmal um in Frieden (oder überhaupt) leben zu können, mit arabischen Großamilien oder Gangstern arrangieren müssen, werden Sie vielleicht verstehen, was ich meine.
gert friedrich
09. Juni 2015 14:03
Das ewige Kreisen um die deutsche Identität bringt doch nichts.
Wir sind alle Nachfahren der Germanen,wie auch die Engländer und white-anglo saxons in den USA.
Die Skandinavier sind uns verwandt.
Die Franzosen sind frankisch-germanisch geprägt.
Die Italiener sind coole Leute.
Lest mal Herald Tribune,Le Monde oder Corriere della sera und badet nicht immer im deutschen Selbstmitleid.
enickmar
09. Juni 2015 14:07
Bzgl. der durchaus berechtigten letzten vier Fragen des Autors:

Vielleicht müßte man sich tatsächlich an den Juden, Amisch oder sogar an den Indianern orientieren, denen man wenigstens noch Reservate gelassen hat. Also Deutschsein als Idee und Religion. Wenn es geht mit etwas Raum (Ghetto/Reservat). Mehr wird, wenn überhaupt, nicht drin sein. D.h., das wäre schon sehr viel.
Wenn man sich die letzten Wahlen so ansieht, dann ist dieses Volk inzwischen vollkommen verkommen und verblödet. Selbst in Dresden - nach all dem Zirkus der letzten Zeit in der Stadt - schaffen es nur rund 5-10% der Wahlberechtigten, wenigstens über die Wahlurne ein klitzekleines Zeichen zu setzen ...
Einzige Alternative: "Bilderberger & Co" sehen ein, daß sie ihre Pläne mit uns vielleicht doch besser ändern sollten. Und vielleicht wäre es auch hier schon viel, wenn sie uns wenigstens noch das Ghetto zugestehen ...
Karl Martell
09. Juni 2015 14:39
Die Tugend besiegter Völker ist die Geduld, nicht die Resignation.

Oswald Spengler

Manchmal sieht unser Schicksal aus wie ein Fruchtbaum im Winter. Wer sollte bei dem traurigen Aussehen desselben wohl denken, daß diese starren Äste, diese zackigen Zweige im nächsten Frühjahr wieder grünen, blühen, sodann Früchte tragen könnten, doch wir hoffen's, wir wissen's.

Sein Jahrhundert kann man nicht verändern, aber man kann sich dagegen stellen und glückliche Wirkungen vorbereiten.

Johann Wolfgang von Goethe
Magnus Göller
09. Juni 2015 14:43
@ Aristoteles

Einen stimmigen germanischen Kalender gibt es, und er ist im 24er gemeingermanischen Runenfuthark abgebildet: Oding-Wizzod von Gerhard Heß, Knaur Verlag 1993.
Das Buch, das die kosmologische Anordnung unserer alten Schriftzeichen (die übrigens auch phonologisch ein viel besseres System bilden, selbst für unser heutiges Deutsch, als unser neues 26er Alphabet) nachweist, gibt es sogar noch gebraucht und günstig.

@ Lutz Meyer & Alle

Die Volkszerstörung, die über uns gebracht wurde und wird, richtet sich in der Tat grundsätzlich rassefeindlich gegen den weißen Mann, damit gegen Europa. Dass in diesem Zuge die Zerstörung des deutschen Volkes ganz oben auf der Agenda stehen muss, liegt auf der Hand. Dass bestimmte Leute auf uns Deutsche und das Deutschtum noch einen besonderen Hass mitbringen, mag durchaus nicht unwesentlich hinzutreten. Schaut man aber einfach mal nach Frankreich, England, Holland, Schweden, so gewahrt man unschwer, dass mancher Aberwitz dort sogar noch weiter "gediehen" ist als bei uns.
Da kommt nicht einfach eine Naturgewalt daher, in Form nicht abwehrbarer , wilder, fremder Horden: Diese Umvolkung (die Identitären nennen es Bevölkerungsaustausch) wird ganz gezielt betrieben, vorsätzlich, mit allen Mitteln.
Ich komme da immer wieder nicht recht mit, wenn doch sehr belesene und ansonsten reflektiert erscheinende Leute diese Tatsache kaum beachten mögen, die ganze Sache auf eine rätselhafte, unerklärlich über sie gekommene Schwäche der westeuropäischen Völker hinausmystifizieren.
Das heißt für mich, dass man sich der Sache im Kern nicht stellen will, weil man sich nicht traut, diejenigen klar zu stellen, die sie betreiben.
Es sind keine unbesiegbaren Negerkönige in Afrika, die das betreiben. Es sind auch keine Pistoleros der albanischen Mafia. Und auch die Scheichs am persischen Golf sind es nicht zuvörderst.
Überwiegend sind es weiße Amerikaner und Juden und Italiener und Schweizer und Luxemburger und Biodeutsche und Dänen und weiße Engländer usw.
Von vielen von ihnen kennt man sogar Klarnamen, Gesicht und Wohnort.
Lutz Meyer
09. Juni 2015 14:53
@ Ein gebürtiger Hesse

Sie werfen mir, dem scheinbaren Neuling, mangelnde Dezenz vor - ich als Elefant im Porzellanladen gewissermaßen, das Enfant terrible mit der Physiognomie eines "guten Märchenonkels" (so vorhin ein anderer Kommentator, dessen Kommentar - trotz einigen Schmunzelns ob der sich einstellenden Assoziation einer Mischung aus Peter Lustig und Käpt'n Blaubär - ich dann doch nicht freigeschaltet habe, weil mir der Unterton etwas zu gehässig war).

Zur Klärung: Ich bin zwar als Autor neu hier, bewege mich aber schon eine ganze Weile "unter Rechten und Konservativen" - ein geistiges Milieu, das ich zunehmend schätzen gelernt habe, ich bin denn auch seit langen Jahren Sezessionsleser und habe früher gelegentlich und etwas unauffälliger (vor meiner Mauser sozusagen) hier als "Kolkrabe" mitkommentiert.

Gerade wegen meiner Sympathie drängt es mich heute, hier und da mal mit dem Stöckchen im Ameisenhaufen herumzustochern, um Reaktionen zu sondieren, Widerspruch herauszufordern und bei manchen auch Klärungsprozesse anzustoßen - das mit den Ameisen soll jetzt um Gottes Willen nicht schon wieder despektierlich klingen, ich mag Ameisen und bewundere ihre im Gegensatz zur unseren nahezu perfekte Staatenbildung. Also nichts für ungut, sehen Sie mir meine schlechten Manieren einfach nach.
Meier Pirmin
09. Juni 2015 15:12
@Lutz Meyer. Ihre drei Jünger-Zitate scheinen mir grossartig zu sein, das mit dem Dom der gefalteten Hände passt fast besser zum christlichen Monarchisten Reinhold Schneider (1903 - 1958), der indes am Ende seines Lebens realisierte, dass es auch den Betern nicht gelungen sei. @Aristoteles. Die Verwechslung des deutschen Volkes mit dem jüdischen Volk war nicht nur während den 12 Jahren ein wahnhafter Irrtum. Diese Art nationaler, internationaler, religiöser und kultureller Identität wird es beim deutschen und einem anderen Volk nie geben. @gert friedrich. Sie scheinen es erfasst zu haben. Vielleicht noch ein Hinweis auf die sprachlichen Wurzeln: das Lateinische und die Sprache Homers repräsentieren unsere Identität womöglich noch stärker als die Edda. Nicht zu vergessen die permanente Beschäftigung vor Ort mit der lokalen und regionalen Volkskunde, vom Walpurgisnachtbrauchtum über die Pfingstkönigin bis zu den Mitsommerfeiern, auf die u.a. noch das Datum des ältesten Schweizer Bundesbriefs (1. August) zurückgeht, nicht zu vergessen die viermal jährlichen Fronfasten, Allerheiligen, die 12 Nächte in der Mitte des Winters, was nicht zu einem neuheidnischen Julfest gleichgeschaltet werden muss. Weihnachten gehört aber heute zu den am stärksten entarteten Festen, christliche Anspielungen gelten bereits als politisch unkorrekt und irgendwie passt auch die ganze Fresserei nicht dazu, wenn man bedenkt, dass einst noch der 24. Dez. ein gebotener Fast- und Abstinenztag war.
Andreas Vonderach
09. Juni 2015 15:40
@„Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun“ (nach R. Wagner).

Es ist hier von verschiedenen Kommentatoren versucht worden, das Deutsche inhaltlich zu bestimmen. Diese Versuche haben jeweils mehr oder weniger ihre Berechtigung, gibt es doch tatsächlich so etwas wie einen deutschen Volkscharakter, und ich habe mich selbst auch schon darin versucht.

Als Argument für die Verteidigung des Existenzrechts des deutschen Volkes gehen sie jedoch am Kern der Sache vorbei. Das Eintreten für das Eigene ist existenziell, so wie man für seine Familie und Freunde eintritt. Es bedarf keiner Rechtfertigung. Nicht etwa, weil das deutsche Volk besonders wertvoll ist, was überzeugt zu sein unser gutes Recht ist, müssen wir es erhalten, sondern weil es das unsere ist, das einzige das wir haben. Ihm sind wir durch Herkunft, Verwandtschaft und Schicksal verbunden. Wenn es dieses Volk nicht mehr gibt, weil es im eigenen Land von uns nicht verwandten Fremden verdrängt wurde, ist ein sinnvolles Leben für u n s nicht mehr möglich.

Die Bindung an das eigene ist teils instinktiv, teils durch Überlieferung gegeben. Ich glaube jedoch nicht, dass es demjenigen, dem sie aufgrund seiner politischen Sozialisation fehlt, möglich ist, sie durch intellektuelle Argumente wieder herzustellen. Der Glaube an eine solche intellektuelle Herstellbarkeit von Bindung ist ein linker Irrglaube.

Es gibt in Fontanes "Schach von Wuthenow" eine Stelle, wo im Befreiungskrieg ein junger, intellektueller preußischer Offizier dem älteren Vorgesetzten seine Gründe erläutert, warum er gegen Napoleon in den Kampf zieht. Der ältere jedoch fährt in schroff an: "Was denn, G r ü n d e brauchst Du, um anständig zu sein?"
Horst ben Willi Aschkenasi
09. Juni 2015 15:41
@Aristoteles: Den entscheidenden Punkt für das Überdauern der Juden in der Diaspora haben Sie vergessen - die mit dem Kult einhergehende Matrilinearität. Auch in Israel gilt als Jude nur, wer, nach orthodoxer Regel, eine jüdische Mutter hat, genau besehen wenigstens auf vier Generationen jüdischer Mütter zurückblicken kann. Das ist effektiver völkischer Souci de soi: Ethnische Substanz kann gehalten werden, zugleich ist genetische Variabilität durch Einheirat nicht ausgeschlossen.
Eveline
09. Juni 2015 16:04
Magnus Göller sagt:

Überwiegend sind es weiße Amerikaner und Juden und Italiener und Schweizer und Luxemburger und Biodeutsche und Dänen und weiße Engländer usw.
Von vielen von ihnen kennt man sogar Klarnamen, Gesicht und Wohnort.
...

Das ist der Spirit, was uns trennt. Erfolgreicher, da viel skrupelloser wird immer der weiße Mensch sein, der überwiegend sein reptoides Gehirn zur Bewältigung seiner Herausforderungen benutzt.
Anders die weißen Menschen, die ihre Zirbeldrüse benutzen. Heißt, sie können sich nicht dagegen wehren. Sind dafür aber sozial sehr kompetent.
Eine Frage der Reife und des Seelenalters.
Magnus Göller
09. Juni 2015 16:40
Die Idee, jetzt sozusagen den "Judentrick" zu fahren und aus dem Deutschtum eine Religion zu machen, finde ich schon lustig.
Die moslemische Religion kennt eine begrenzte Duldung aber leider nur für Juden und für Christen; da hätten wir schonmal auf wenig Rücksicht zu rechnen.
Das ist so ungefähr der letzte Verzweiflungsschritt: Deutschtum wird, ganz unterwürfig und bescheiden, unter Einforderung von Religionsfreiheit und Minderheitenrechten, zu einer anerkannten "Weltreligion".
Jetzt brauchen wir nur noch einen, der unser Volk auserwählt hat. Odin hat vier Buchstaben auch, mit Wotan wären es fünf. Kirchen respektive Synagogen oder Moscheen oder buddhistische Tempel bräuchten wir nicht, denn der Germane pflegt seine Kulthandlungen an bestimmten besonderen Kraftorten unter freiem Himmel zu veranstalten. Es könnte uns also schonmal keiner die Scheiben vom Gotteshaus einschmeißen.
Inwieweit die Landratsämter und Dorfbürgermeister allerdings unsere alten Thingplätze für die entsprechenden Zusammenkünfte dauerhaft herausrückten, das wäre zu erproben.
Auch, ob wir für unsere Kinder an den Schulen deutsches Essen und eigene Feiertage als unterrichtsbefreit durchsetzen könnten, erscheint fraglich.
Und, ohnehin, was machen wir dann mit den deutschen Christen? Die können doch nicht gleichzeitig ihre Christenprivilegien behalten und überdies einen auf deutsch- (bzw. germanisch-)gläubig machen. Wer nähme uns diesen Zirkus ab?
Ich weiß auch schon vom Grunde her nicht so recht, ob ich den Erfolgskonzepten der Juden nacheifern will; immerhin halten die es oft nicht allzulange irgendwo aus; und ich bin, bei aller Reiselust, vom Grunde her sesshaft veranlagt.
Auch erwartete ich mir von den christlichen Kirchen nur etwas mehr Toleranz als von den Imamen; von den Rabbinern, wer weiß.
Mit entsprechenden Ansagen könnte aber ein wackeres Häuflein Deutscher doch schon einmal Aufmerksamkeit und Nachdenken hervorrufen.
Gänzlich abgeneigt bin ich der Sache, abgesehen von diesen Details, daher nicht. In Island ist die germanische Religion der christlichen gleichgestellt.
Als Heilige Schrift (damit wir uns unter die Buchreligionen einnorden können, also Toleranz auch für uns einfordern) läge die Edda schon bereit.
Wir haben dazu unseren (Fest-)Kalender, und die Runen, unser Heiliges Futhark, liegen bereit.
Raskolnikow
09. Juni 2015 16:40
Prustete einer,

seinen Sechzehn-Uhr-Cognac über den Tisch, als er las, der Meyer Lutz war es, der ihm als "kolkrabe" einst den Schädel einschlagen wollte ... Ist mir ein Ehre!

Beunruhigen Sie ruhig weiter mit Axt und Stöckchen den Ameisenhaufen! (Mofaketten sind hier allerdings nicht gern gesehen!) Ihre Verpflichtung durch Käpt´n Kubitschek stellt sich als erfrischende Angelegenheit heraus.

Und was Heimat, Deutschtum und die Verwobenheit des Ganzen anbelangt: Da ist es wie mit der Liebe oder mit Gott. Wüsste man es in Worte zu fassen, verlöre es seinen Zauber, also sein Wesen. Gott zu beweisen, würde ihn widerlegen. Die Liebe erklären wollen, kann nur einer, der nie liebte. Heimat bleibt für Fremde ewig unbeschreibbar. Und das Deutsche ist wahrscheinlich einfach nur das finstere Geheimnis in der Mitte Europas ...

Jede Definition hat etwas Unverschämtes, etwas Entkleidendes.

Diesbezüglich also einfach auf Mauri und Ludwig hören!

R.
Lutz Meyer
09. Juni 2015 17:15
@ Raskolnikow

Sie vergessen auch gar nichts, was? Ja, ich war derjenige, welcher... Aber das war nichts Persönliches. Hatte nur was mit Ihrem einschlägigen Namen zu tun, glaube ich. Die Ehre ist jedenfalls ganz meinerseits.
Irrlicht
09. Juni 2015 17:50
Eine Diskussion über das Thema der Identität auf der Grundlage von Lutz Meyers Text halte ich aus unterschiedlichen Gründen zwar für unmöglich (schon die Einleitung ist mindestens geschmacklos), sein Selbstbild als Konservativer/Rechter reizt mich aber zu einem Kommentar. Dass sich jemand, den ich eher in die Kategorie "zu spät geborener 68er" einordnen würde, als langjähriger Leser/Mitkommentator der Szession/SiN herausstellt, ist nicht wirklich überraschend und dürfte an einem eigenartigen Merkmal der Szene um JF/Sezession/IfS, der theoretischen Uneindeutigkeit und des selbst eingestandenen eklektischen Verhältnisses zu Ideen, liegen. Es mag eine metapolitische Strategie sein oder einem wenig ausgeprägen Interesse an Theorie mit einer Prioritätenverschiebung hin zum Aktionismus ("Reden spaltet, Aktion verbindet") geschuldet sein, im Ergebnis ist die Szene hochgradig heterogen.
Alexey
09. Juni 2015 18:04
@ Familienmensch
Das ist ja Quatsch. Die alten Griechen und Römer waren keine "nordischen Arier". Sie haben immer überwiegend zur etwas dunkleren mediterranen Subrasse gehört. Aber sie sind doch keine Schwarzen oder Mulatten, diese Völker sind normale Südeuropäer (europide Rasse). Schauen Sie mal auf antike Statuen und Münzen.
Ich bin doch damit einverstanden, dass die Deutschen weiß und europid bleiben müssen. Ein in der BRD geborener Somalier ist kein Deutscher.
Magnus Göller
09. Juni 2015 18:07
@ Eveline

Ich mag - noch - nicht so erfolgreich sein wie manche dieser Reptorüsel, aber, ich weiß nicht, ob's meine Zirbeldrüse ist, unter fairen Bedingungen wackeln die angesichts meiner Person meist sehr schnell und nehmen am liebsten bald reißaus.
Ohne den gewohnten Schutz, allein, sind diese Vertreter unserer Spezies (oder doch anderer, wenigstens teilweise?) nicht sonderlich standhaft.
Vielleicht hat mir meine Zirbeldrüse im Laufe der Jahre auch beigebracht, dass ich ab und an auch auf mein Reptohirn zurückgreifen muss, allzumal, wenn ich mit ganz besonders abgefeimten Typen zu tun bekomme.
Das Fass Außerirdische mache ich hier aber nur auf klare Einladung des Blogschreibers auf. Auch das, genauer, zu den Theorien zu verschiedenen Hirntypen und deren "Seelenreife", also in vieler Leute Diktion reinkarnatorischer Geprüftheit.
Das führte dann auch zu ganz anderen Fragen bezüglich Jahwe, Jesu und anderen Gottesvorstellungen (-vorstellungen hier im doppelten Sinne).
Den von Ihnen oben verlinkten Germanenartikel habe ich mit einigem Vergnügen und weitgehender Zustimmung gelesen; allein, als es da hieß, die Germanen seien auch thingweis wohl immer wieder deshalb arg besoffen gewesen, weil man ein Trinkhorn der Form halber nicht habe abstellen können und den Met daher stets auf Ex reinlassen müssen, diese Interpretation überzeugte mich nicht so ganz.
Die werden schon Trinkhornhalter gehabt haben.
Wenigstens für die Greise.

LG
Der Gutmensch
09. Juni 2015 18:40
Zur Hölle ... schön, dass Raskolnikow noch Cognac hat (man gönnt sich ja sonst nichts vom Erbfeind); ich hätte mir besser auch welchen besorgen sollen!! DAS also macht die Mauser aus einem Kolkraben. Wobei - ich glaub, ich hab ihm gegen Links/Trüb/Starrsinn auch schon mal einen Schnaps empfohlen ...

Prost!

Der Gutmensch.
Strogoff
09. Juni 2015 18:58
Meyer und Raskolnikow
Das Beil sollte, wenn ich mich richtig erinnere, wegen R.s "öligen Defaitismus" geschwungen werden. Oder schrieb das doch jemand anders?
Roman
09. Juni 2015 19:10
@Lutz Mayer: Der Dissens zwischen ihnen und etlichen Teilnehmern hier besteht darin, dass sie davon ausgehen, Kultur sei zumindest soweit unabhängig von der Ethnie oder auch Rasse, dass eine langsame Beimischung keine Folgen hätte. Der Chinese wird zum Deutschen, solange man mit kleineren Mengen arbeitet und so Assimilation ermöglicht. Ihre Kritiker machen die Ethnie aber zu einem Subjekt aus dem sich dann die Kultur ableitet. Grob gesagt, wenn es keine weissen Mitteleuropäer mehr gibt, ist die Kultur auch weg. Daraus leitet man instinktive Gemeinsamkeiten ab.
Spenglerian
09. Juni 2015 19:20
Ja, die Dinge sind im Fluß. Ja: was vergangen ist, wird nicht wiederkommen. Die Welt Meister Eckharts und des gotischen Dombaus, die des Deutschen Ordens, des klassischen Preußen des Alten Fritz, sie werden nicht wiederkommen, um mal so ein paar Identitätsquellen zu nennen.

Aber erstens heißt das nicht, dass Lebensgefühle verschwinden.

Konservativ ist das, was immer gilt.

Und zweitens ist ihr Untergangsdenken sehr nahe daran, die Prämisse Spenglers um die Konklusio zu betrügen.

Da ist kein Defaitismus, sondern Bejahung des Schicksals.

Natürlich sind wir in der "Spätzeit" des Abendlandes. Natürlich brechen "Barbaren" von außen in den kulturlos gewordenen, "zivilisierten" Raum ein (zivilisiert im Sinne von technisch-seelenlos organisiert und im Wesentlichen von austauschbaren Funktions-Massenmenschen bewohnt).

Gewiss nähert sich der Archetyp des Fremden, was übrigens kein biologischer Faktor ist, sondern ein kultureller. Defense-Boateng ist "einer von uns". Hilft das? Fraglich. The Big Oswald schreibt ja selbst, dass es im Jahr 2200 selbst in diesem Sinne ("alles eingliedern, was (charakterlich) von Rasse ist") keinen Deutschen, keinen Franzosen, keinen Engländer mehr geben wird.

Die Parther und die Skythen sind auch verschwunden. Das Lexikon ausgestorbener Völker kennt kein Pardon.

In der Tat ist "das Eigene" zuletzt keine historische Größe, sondern eine theologische. Das grenzenlose Selbst, das nicht untergehen kann.

Absolute Größen kennt nur die Theologie, nicht die Geschichte. Und "Deutschland" ist eben kein absoluter, sondern eine historischer Faktor. Es ist keine ontologisch gesetzte Größe, ganz im Gegenteil.

Genau deswegen blüht eine Kultur, solange sie religiös ist (nämlich am Anfang) und verfällt, wenn der Transzendenzbezug stirbt, Materialismus und Actionfilme Einzug halten.

Und individuelle Theosophie plus Gymnastik sollte man nicht mit urwüchsiger Religion verwechseln - die über den Gedanken des Kollektivs der Seelen, im Abendland "der Kirche" durchaus politisch war. Die deutschen Dome wurden nicht für Deutschland geschaffen, sondern für Gott.

Und dennoch heißt das nicht, sich in der Spätzeit abschlachten zu lassen, sondern ihrem Phänomen, das Sakralbauten, Choräle und Metaphysik achselzuckend-berechnend gegenübersteht - eiskalt ins Auge sehen. "Sehend herabzusteigen" in Spenglers Worten. Marine statt Malerei und so.

Wenn schon ein sinnvolles Dasein zwischen Hochhausschluchten nicht mehr möglich ist, dann kann man wenigsten dafür sorgen, dass der darin hausende kalte Verstand den eigenen "Standort" weitet. "Gewalt der Ideen wird Imperialismus."

Auf das Problem der "Flüchtlinge" gibt es in der Spätzeit nur eine Antwort: Ihre Heimat unter Kontrolle bringen und ihre Bewohner imperial in Dienst stellen. Natürlich nicht mit Kolonialoffizieren in Stoßzahnsänften, diese Form (!) ist Geschichte, sondern eher so ein bisschen wie China, das inzwischen halb Afrika kontrolliert.

Den Verlust der Heimat bejammert nur, wer sich nicht traut, zu herrschen.

Es gibt in Osteuropa sogar eine Figur, die dem spenglerianischen Diktator verblüffend ähnelt. Das Chaos der Demokratie wurde kaltlächelnd beendet und an ihrer Stelle eine imperiale Ordnung gesetzt, die zu kämpfen bereit ist.

Auf auf Macht, auf Einfluß, auf Härte, auf Geopolitik. Das ist Spätzeit.

Die Landkarte des Geistes ist für den Kulturmenschen, die von Macht und Ausdehnung für den nüchternen Menschen der Spätzeit.

Und wenn er sein Spiel richtig spielt, verlängert diese auch das historische Leben des "Eigenen". Freilich nicht im Sinne einer Wiederkehr der Barockzeit.

Die gute Nachricht: Demokratie - die kranke Herrschaft des Geldes im Namen der wehrlosen Massen - ist auch keine Seinsgröße - sondern nur ein historisches Übergangsphänomen. Allerdings muss man ihren Tod heute in ihrem Namen organisieren. Sie ist "normativ stärker" als zu Dollfuß' Zeiten, wo die volkszersetzendes Lobbyistenparlamente einfach zugemacht wurden. Der Reaktionär 2.0 braucht - Humor.
Karl Martell
09. Juni 2015 20:14
@ Meier Pirmin

"Die Verwechslung des deutschen Volkes mit dem jüdischen Volk war nicht nur während den 12 Jahren ein wahnhafter Irrtum."

Wie muß ich mir das jetzt vorstellen? Sind die Deutschen versehentlich durch das Ha'avara Abkommen nach Palästina ausgewandert und die Juden da geblieben? Und keiner hat es gemerkt? Ist die Politik in Israel deshalb vielleicht "typisch deutsch"? Oder gab und gibt es gar kein jüdisches Volk? Vielleicht sollte man mal in Israel nachfragen, für was sie sich dort halten? Ich dachte eigentlich, wenn man von sich selbst als "auserwähltes Volk" spricht, das man schon annimmt, ein Volk zu sein. Ein Licht der Nationen!

Aber vielleicht können Sie mich ja erhellen?
Andreas Walter
09. Juni 2015 20:42
@ Ah, Eveline. Haben Sie meinen Kommentar mit dem Beitrag über Rechte und Linke Gehirnhälfte mitbekommen? Bei Frau Kositzas letztem Artikel? Das könnte Sie interessieren, so wie ich jetzt Ihnen zum Dank die übertragene aber eben auch tiefere Bedeutung von kaltblütig versteh'.
Lutz Meyer
09. Juni 2015 22:16
@ Strogoff: Doch, doch, dem war so - ich erinnere mich dunkel.... ich erröte noch nachträglich... das war mal so eine richtig blöde Formulierung der Extraklasse. Hoffe, R. fordert jetzt nicht nachträglich Satisfaktion im Morgengrauen - Duell mit Weinbrandbohnen oder so. Ich würde es nicht überleben.

@ Gutmensch: Weiß nicht, warum man mich gelegentlich für trübsinnig und des Trostes durch Alkohol bedürftig hält. Ich bin meist gut gelaunt. Statt Schnaps würde ich im Übrigen anderen Substanzen den Vorzug geben (wohlgemerkt: WÜRDE!). Passt also gleich doppelt nicht.
Laokoon
10. Juni 2015 00:03
Bei aller verständlichen Abneigung gegen Deduktion, aber die Theorieantipathie ist ein großer malus der politisch Konservativen. Wenn die Frage nach dem "Was ist Deutsch?" eine der letzten Fragen sein soll, frage ich mich was die Erste sein soll, wenn man über Identität sprechen möchte.
Diese Sprachlosigkeit ist ein Grund, warum die neue Rechte zwar Probleme aufzeigen, aber nie Lösungen zeigen können wird. Natürlich bleibt ein Rest und die Begriffsbestimmung geht, wie die Welt, nie ganz auf, aber deshalb sich selber der Begriffsklarheit entrauben?
Zudem hoffe ich die Rede aus Eisenach bald nachlesen zu können. Denn das Wagner Zitat, welches Spielhahn oben so darbrachte, wird losgelöst von jeder Erklärung immer genau ins Gegenteil missverstanden. So wie es dort steht ist es entweder nicht verstanden, oder verkürzt dargestellt. Ich freue mich von GK dazu zu lesen.
Stil-Blüte
10. Juni 2015 00:08
@ R.
Meinten Sie mit Mauri und Ludwig den Helge Schneider Finnlands und mit Sabine Ludwig. Sie entschuldigen? Dumme Fragen entstehen bei mir nicht vor, sondern nach dem Googeln; denn Ihr angegebenes Video, wie könnte es anders sein, 'ist in Ihrem Land nicht verfügbar'.
Waldgänger
10. Juni 2015 07:07
Die von Ihnen hier angestoßene Debatte, Herr Meyer, erfordert längeres Nachdenken und Abwägen.
Daher möchte ich darum bitten, dass die Kommentarfunktion nicht so rasch geschlossen wird. Eine Woche Zeit sollte schon sein.
Raskolnikow
10. Juni 2015 07:56
Werteste Stil-Blüte!

In obverlinktem Filmbeitrag vertont bzw. versingt Mauri Numminen Wittgensteins Satz "Wovon man nicht sprechen kann ..."

Meine Argumentation geht in die Richtung A. Vonderachs; weder Definitionen, noch Begründungen oder Rechtmäßigkeiten sind relevant. Man steht einfach zu seinem Vater oder Großvater, ob er nun Friedensengel oder Massenmörder ist. Ex!

Verzeihen Sie bitte meine Gedankenlosigkeit; hier über den Wolken, wo ich behaust bin, ist stets alles verfügbar. Darüber vergesse ich manchmal all die Menschen dort unten in der Finsternis ...

Pax vobiscum,

R.
Eveline
10. Juni 2015 08:25
@Magnus Göller

http://www.holidaycheck.de/vollbild-Vatikanische+Museen+Pinienzapfen+im+Vatikanischengarten-ch_ub-id_1166240841.html

"Der Kampf um den Pinienzapfen" könnte man auch schreiben. Ein weltweites Symbol unserer Zirbeldrüse. Und das im Garten des Vatikans.
Also steckt dort sehr viel mehr dahinter. Es eröffnet auch unser drittes Auge. Eine Sicht auf das Ganze. Auf unser sein, der Vatikan hat seltsamerweise kein Interesse uns hier einzuweihen.
Selbstverständlich benötige ich auch das reptoide Gehirn. Aber zwischen sinnloser Zerstörungswut , blutiger Knechtschaft , Feigheit, bewusster Täuschung und Lüge und unserem heiligen Zorn liegen auch Welten.
Harald Juhnke und Eddi Arndt haben mal zusammen einen Sketch gedreht. Der Gutmensch Eddi bedankte sich dabei immer für die Ohrfeigen, die er vom Tyrannen Harald bekam. Also das bloß nicht.

@Andreas Walter
Werde mich aufmachen und lesen. Danke.
Aristoteles
10. Juni 2015 08:45
@Eveline

Wir kriegen das hin.
(Schade, dass Sie gestern nicht dabei waren ... )


@Magnus Göller

Hatte vor geraumer Zeit einen Vortrag von Gerhard Hess gehört. War sehr interessant. Besitze selbst den Kalender und versuche, mich an einigen Punkten zu orientieren. Bin allerdings immer noch unsicher, ob wir nun mit 'Fehu' oder mit 'Othala' beginnen sollen ...

Zum Thema Christentum: Ich habe nichts gegen einen Synkretismus. Bin der Meinung, dass wir nicht ohne die christliche Kulturstufe auskommen, deswegen kommt ein zusammengefasstes Evangelium mit in die Schrift hinein. Wer aber nicht will, bleibt bei den göttlichen heidnischen Mythen.
Und selbstverständlich werden uns die deutschen Gechichtsbücher einen Weg in die allgemeine Ewigkeit bahnen. Auch die Bibel ist zu einem großen Teil ein Geschichtsbuch.


@Pirmin Meir

Ich sagte...:
"Man sollte vielleicht [...] den Blick auf das Judentum lenken."

Darauf entgegneten Sie:
"Die Verwechslung des deutschen Volkes mit dem jüdischen Volk war nicht nur während den 12 Jahren ein wahnhafter Irrtum."

Ich schaue von meinem Garten hinüber in den Garten des Nachbarn und beobachte, was der so mit seinem Garten macht. Verwechsel ich deshalb meinen Garten mit dem des Nachbarn?
Die Logik müssen Sie mir mal erklären.

Danach behaupten Sie:
"Diese Art nationaler, internationaler, religiöser und kultureller Identität wird es beim deutschen und einem anderen Volk nie geben."

Wer hat behauptet, dass ein anderes Volk genau dieselbe Art von Identität wie die Juden haben soll?
Die Juden haben auch nichts anderes gemacht als dass sie ihre Identität aus anderen Kulturen zusammengebastelt haben.
Mich fasziniert die Überlebenskraft.
Mag sein, dass Sie als globalistischer Katholik überleben wollen...
Ich will als Germane überleben.
Karl Martell
10. Juni 2015 09:42
@ Eveline

"Also steckt dort sehr viel mehr dahinter. Es eröffnet auch unser drittes Auge. Eine Sicht auf das Ganze. Auf unser sein, der Vatikan hat seltsamerweise kein Interesse uns hier einzuweihen."

„Die Wahrheiten, die großen Wahrheiten – und auch die meisten weniger großen – sind für den überwiegenden Teil der Menschheit unerträglich. Wir finden unseren Schutzschild im Glauben. In Ihrem Glauben, in meinem, in jedem. Nichts spielt eine Rolle, solange wir glauben, wirklich und wahrhaftig glauben, egal, an welche Lüge wir uns auch klammern. […] Wissen Sie, die Psychologen haben uns immer eingeredet, die Glücklichen seien die Gläubigen. Man mag an Christus, an Buddha oder Erica Stormjones glauben, an die Wiedergeburt oder die Unsterblichkeit oder an die Natur, an die Macht der Liebe oder an die Grundsätze einer politischen Partei, es läuft immer auf dasselbe hinaus. Man glaubt, also ist man glücklich. Die die Wahrheit gesehen haben, sind diejenigen, die verzweifeln und sich umbringen. Die Wahrheit ist so gewaltig, der Glaube so gering, so dürftig, so von Irrtümern und Widersprüchen durchlöchert. Wir blicken hinter ihre Fassade und durchschauen sie, und dann spüren wir das Gewicht der Dunkelheit auf uns und können nicht mehr glücklich sein.“

Aus "Der Weg von Kreuz und Drachen" von George R. R. Martin.

Jene, die Gläubige ( und nicht Wissende ) zur Aufrechterhaltung ihrer Macht benötigen, fördern die Furcht vor dem Unbekannten, auch oder gerade dann, wenn das Unbekannte die Wahrheit ist.
Galton
10. Juni 2015 10:12
Ich sehe es wie Eibl-Eibesfeldt: die Vielfalt ist wichtig und erhaltenswert.

Die europäische Vielfalt ist durch Amerikanisierung und Islamisierung bzw. generell Überfremdung bedroht. Die Linken reden zwar immer von Vielfalt, wünschen sich jedoch insgeheim, daß alle Menschen sich durchmischen und kakaobraun werden (überspitzt formuliert).

Wie der immer lesenswerte The Undiscovered Jew auf Lion Of The Blogosphere schrieb:

"[...] blacks and browns are genetically too low in intelligence, criminal,
and otherwise maladapted to be effective citizens in a first world nation."

Ich glaube auch nicht, daß uns der Wohlstand und die Wissenschaft erhalten bleibt, wenn erst einmal das Prekariat aus der dritten Welt bei uns ist. Wie soll das gehen? Schwarze Studenten in Südafrika haben laut der Amazon-Rezension von Volkmar Weiss zu Lynns "IQ and Global Inequality" einen mittleren IQ von 100, in den Arabischen Emiraten sieht es nicht viel besser aus. Mit solchen Menschen kann man eine moderne Industrienation nicht aufrechterhalten, geschweige denn wissenschaftliche Leistungen erbringen.
Eveline
10. Juni 2015 15:14
@Aristoteles
Dafür habe ich heute einen Einfall....... gehabt.

Gestern trafen sich Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer und andere, um die Partei AfD - ins Loch trullern zu lassen.- Vielleicht besser mal aus dem unterirdischem Loch trullern zu lassen.

Mir kommt dies so vor, wie die "Reise des Heldens" der den Ausgang aus der Unterwelt nicht mehr findet. Und so immer wieder in der dunklen Unterwelt gefangen gehalten wird. - In der zerfaserten Parteienlandschaft, die bis heute alle einem dienen, der Dunkelheit.
Im Germanischen ist ja auch HEL die Göttin der Unterwelt. Wie klug beobachtet.
Folgendes fiel mir heute ein:

Es ist hohe Zeit eine Partei (Volksbewegung) zu gründen, die der Sonne dient. Also dem Licht. Völlige Transparents und Offenheit.

Auch hier mag der Zweiungstrieb ( Yin und Yang) herrschen , stört aber nicht, wenn die Richtung - Licht - stimmt.
Denn links oder rechts ist , wenn der Dunkelheit gedient wird, bleibt eh alles Lüge und Täuschung.

Es gibt bis heute keine Partei die dem Licht dient. Der Offenheit, der des Vertrauens, der Gemeinsamkeit. Und ich finde, das wird hohe Zeit.

@ Karl Martell
Richard Wagner hat dies in seinem Parsifal erkannt, bis heute hat es das Volk noch nicht ergriffen.
Stefan Mickisch: "Spielt und erklärt Richard Wagner."
Eveline
10. Juni 2015 15:21
Es ist auch die Zeit der runden Tische.... wie vor 25 Jahren schon einmal.
Andreas Walter
10. Juni 2015 15:42
Also was den Pinienzapfen betrifft genügt es doch ihn sich einfach anzusehen, um seine Symbolik zu verstehen. Er wirkt auf den ersten Blick wie eine grosse, geschlossene Einheit und erst auf den Zweiten, also bei genauerem Hinsehen, erkennt man ganz viele kleinere aber alle in etwa gleich grosse Untereinheiten, die alle miteinander Verbunden sind. Weiß zumindest der Kenner des Zapfens.

Mit dem Unterschied, dass vor allem auf der geistigen Ebene viele Menschen wesentlich unterschiedlicher sind als die einzelnen Schuppen des Zapfens. Selbst auf der rein körperlichen Ebene sind wir Menschen aus allen Herren Ländern meines Erachtens sogar noch kompatibler als auf der Geistigen.

Doch der Pinienzapfen bezieht sich ja vor allem auf höhere und die höchste Ebene der Spiritualität, während auf der Geistigen derzeit immer noch mehr als nur babylonische Sprachverwirrung herrscht, wenn man es eben zu bunt treibt, zu grelle Bilder malt, Farben zu radikal miteinander mischt.

Es ist jedoch hauptsächlich diese Verwirrung, diese Unterschiedlichkeit, welche glaube ich die meisten Probleme mit sich bringt und vor denen beispielsweise auch PEGIDA warnt. Mit Rassismus hat das bei mir zumindest nichts zu tun, wie sich mir auch die höchste spirituelle Frage nicht stellt, denn auch die kenne ich die Antwort. Einzig und allein Bräuche und Verhalten, soziale Faktoren und geistige Einstellungen werden sich als ernste Probleme herausstellen wie aber auch Missgunst und Neid bei ökonomischen Sachverhalten und darum dann Rassenunruhen und -konflikte wie in den VSA in Zukunft zum Alltag gehören. Denn ob ausgerechnet die Deutschen dann das gleiche Schicksal wie das der Indianer ereilen wird möchte ich bezweifeln. Vielleicht ereilt auch die Fremden dann ein ähnliches Schicksal wie die Juden, oder wie das der Tutsi.

"In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich aktiv dagegen einsetzten.[1]" Aus Wikipedia, Völkermord in Ruanda

Wodurch man erkennt, vor welche Wahl uns gerade alle derzeitigen Politiker stellen. Sie, oder wir? Mein Land, oder dein Land? Fragt am besten einen Zionisten, die Israelis, Putin- und Russlandhasser, was darauf die richtige Antwort ist. Oder den Spiegel. Wichtig ist nur Ernstfall oder nicht. Oder eben Selbstverteidigung. Selbstverteidigung geht immer, egal wie weit weg das von Zuhause ist.

"Die Deutschen müssen das Töten lernen. Wie Afghanistan zum Ernstfall wird" Der Spiegel, 47/2006
Heinrich Brück
10. Juni 2015 16:04
"... wirklich und wahrhaftig glauben, egal, an welche Lüge wir uns
auch klammern."

Im Erlebnis liegt die Wahrheit. Wir leben und erleben, und darin liegt
die Unterscheidung ob Lüge oder Wahrheit als Beweis.
Das Erlebnis kann nicht durch Mitteilung erkannt werden, sonst könnte
der Beweis ohne Glaube erbracht werden. Ein Gottesbeweis setzt
den Glauben voraus. Und weil die Möglichkeit des Glaubens vorhanden
ist, also wirklich werden kann, kann nur ein Narr nicht an Gott glauben.
Und wenn die Narren sich umbringen, was macht es, schließlich gibt es
genug davon?
Andreas Walter
10. Juni 2015 16:11
Ach so, die Frage wollte ich hier doch mal stellen, viel mir gerade wieder ein:

Wer von euch hat schon mal von der "Pale of Settlement" gehört?

Immerhin schreibt und liest hier laut Handelsblatt der Think Tank der Neuen Rechten, das OKW 2.0 persönlich sozusagen. :D

Die Einfaltspinsel der zugelassenen und offiziellen, der etablierten Presse können anscheinend nicht einmal mehr Kassandra von Hitler unterscheiden, wissen wahrscheinlich nicht einmal, wer Kassandra ist. :D
jack
10. Juni 2015 16:28
Der Autor versteht es polemisierend zu provozieren. Er lotet die Leserschaft aus. Er will wissen, wie weit er gehen kann.

Auch der Konservative versucht etwas zu retten. Auch er ist auf der Flucht.


Nicht nur der Konservative wird im Falle des Falles auf der Flucht sein. Aber ihm fallen die Veränderungen früher auf, als den Linken, die etwas länger von dem System profitieren weil sie auf Schäferhund konditioniert wurden, die die unfolgsamen Schafe bewachen und beißen dürfen. Wenn der Linke realisiert, dass auch er zum Opfer auserkoren ist....Pech gehabt!


Der Konservative ist ja per definitionem ein Bewahrer. Der deutsche Konservative möchte speziell das Deutsche bewahren. Aha.



Conservare kommt aus dem Lateinischen. Heißt aber nicht ausschliesslich -> bewahren.
Heißt auch ->retten->schonen. Und dann bekommt "konservativ" doch zusätzliche Bedeutung. Etwas retten oder schonen zu wollen, als "Ballast" zu bezeichnen ist zynisch.
Und dann noch mit Klischees zu wedeln, was denn wohl Deutsch wäre, finde ich, mit Verlaub, unter aller Sau.

Herr Meyer scheint der Ansicht zu sein, dass das Deutsche Volk in einer annähernd heutigen Version unrettbar ist. Nur noch als Fossil früherer Tage in den Köpfen einiger vielleicht vorhanden. Nun, dann muss man doch wirklich fragen, warum er sich der Mühe, falls es nicht eine Freude für ihn ist, die Konservativen mit Thesen aufzuscheuchen, unterzieht, hier zu schreiben. Ein Glas Rotwein in der Toskana ist doch ein angenehmerer Zeitvertreib.


Die kulturelle Identität ist im Wesentlichen nicht materiell – Bauten, Büsten, Bücher, Banner sind zwar materielle Träger, aber nicht der Geist der Identität selbst.


Das ist genau das, was uns die selbsternannte Elite täglich vorbetet. Also nichts Neues!
Abgesehen davon, die Bauten dieser Zeit sind wertloser Schrott, Büsten gibt es nur noch von Obama, Bücher werden nur noch gehört, selten gelesen und haben damit ohnehin eine flotte Verfallszeit.
"Geist der Identität" was soll das sein? Folkloristische Events a la Stonehangetreffen im Mittsommer, oder einmal Jahr der V..Auftrieb in Bayreuth?

Stellen wir "beherzt" die Frage nach rettbarem, werfen wir den Schinken in die Gosse und legen uns dazu!

Ich behaupte: Das, was wir als deutsche Kultur oder Identität retten möchten, wird auf Dauer nicht zu retten sein.


Das sagt Frau Merkel auch. Obama stimmt ihr zu. Die EU schon lange. Und darum brauchen wir die Masseneinwanderung.
Quintessenz: Beugen wir uns doch jetzt sofort, wozu das Opponieren und Palavern um Dinge, die lange beschlossen, durchgeführt und wie man hier sieht, auch durch trojanischen Pferde, relativ zügig und widerspruchslos akzeptiert werden.

Sklaven- und Krämerseelen!
Magnus Göller
10. Juni 2015 17:11
@ Aristoteles

Ich kenne Gert Heß persönlich sehr gut. Meines Erachtens hat er - auch wenn einzelne Fehler zu finden sein mögen - den kosmologischen Runenkalender wiedergefunden. Die wenigsten wissen, wie weit der christliche Festkalender (weltweit!) dem in Verkleidung folgt. Ich kann dazu nur noch einmal empfehlen, sein Buch zu lesen.
Ihrem Gedanken, heidnisch-germanische und christliche Elemente zusammenzuführen, bin ich, obschon ansonsten durchaus Nietzscheaner, nicht grundsätzlich abgeneigt. Schaut man sich viele patriotische Christen an, so lechzen die innerlich geradezu danach, nicht nur im Neuen Testament, sondern auch in naturnäheren Anschauungen ihr Heil suchen zu können. Immer nagt an ihnen der Zahn, dass das Christentum einen universellen, damit auch globalistischen Anspruch und Angang mit sich führt.
Glauben, damit geglaubt ist (oben gab es dazu einiges), davon halte ich nun gar nichts. Man kann dem Volk - und manchem Intellektuellen - aber ohne weiteres bessere geistige Angebote machen, und so eine Art kosmologisch-mythologisches Leitbüchlein, in dem die positiven Seiten des christlichen Glaubens und Weltbildes seit' an seit' Platz haben mit dem Runenkalender und der Runenkunde und offen germanischen Bräuchen, so etwas einmal zusammenzustellen, das hätte zunächst etwas Reizvolles und dann womöglich auch Sinnstiftendes. Auch Agnostiker und Atheisten und wie sie alle heißen könnten darin einiges für sich finden; manche unnütze Trennungslinie unter Patrioten könnte dadurch aufgehoben werden, manches Gemeinsame gehoben.
Vielleicht würzte ich das Werk außer wie schon angesprochen auch gerne noch mit den Märchen der Gebrüder Grimm. Wenigstens einer Auswahl derer.
Ein "spirituelles" patriotisches Haus- und Nachdenkbuch für alle, vom kleinen Kinde bis zum Philosophen.
Hier würde nun auch, sollte gar eine neue Glaubensgemeinschaft daraus (auf diesem Humus) wachsen, oder, um Verfolgung besser zu entgehen, eigene Rechte einzufordern, so wie der Rest, darauf fußen, ohne weiteres transparent, dass man eine Reihe von "Offenbarungen" in seinen Kanon genommen, ganz willkürlich: dazu wäre nicht zu eiern und zu lügen.
Wenn Sie Lust darauf haben, diesen Gedanken mit mir gemeinsam weitergehend zu verfolgen, als es hier in diesem Strange pässlich, so kontaktieren Sie mich gerne, geschätzter Aristoteles.
Lutz Meyer
10. Juni 2015 17:17
@ jack:

Ihr Problem scheint zu sein, daß Sie einem Text nur das entnehmen können, was Sie in ihn hineinlesen wollen. Mich mit NWO-Apologeten in einen Topf zu werfen, zeugt von einer bemerkenswerten Unkenntnis dessen, was man "Geist" nennt. Um den geht es mir nämlich, wenn ich den absoluten Wert materieller Identität anzweifele.

Natürlich ist das deutsche Volk in seiner heutigen Form nicht rettbar. Nichts bleibt in seiner heutigen Form. Insofern ist die Feststellung vielleicht sogar ein wenig trivial. Um die nötige Betrachtungstiefe zu gewinnen, beschäftigen Sie sich mal mit Heraklit. Erarbeiten Sie sich den Horizont für eine metaphysische und geschichtsphilosophische Betrachtung der Situation.

Dann reden wir weiter.
Keats
10. Juni 2015 17:28
"Verschwörungstheoretiker" ist der Standardvorwurf gegen jeden, der nicht an ein allüberall waltendes Schicksal glaubt und nach Verantwortlichen fahndet. Der gepredigte Fatalismus gehört mit zur herrschenden Ideologie. "There Is No Alternative!" (Margaret Thatcher)

Wie sehr Fatalist muß man sein, um das, was in den letzten Jahrzehnten in Westeuropa geschehen ist, mit dem jahrhundertelangen Niedergang der Griechen und Römer zu vergleichen? Die diversen Eliten sind nicht dekadent und müde, sie sind besessen von Fitness und Arbeitsethos. Die Herrschaft über den Weltstaat (T.I.N.A.) ist ein konkretes, breite Bündnisse schmiedendes Ziel.

Die Veränderungen sind nicht einfach passiert, sie wurden gezielt herbeigeführt. Wer hatte dafür ein Motiv, wer die Möglichkeit? An dieser Stelle wird meistens aus der hohlen Hand ein Lieblingsfeind hervorgezaubert. Die 68er - aus Selbsthaß & weil sie Bücher gelesen haben. Die Sozialisten - wegen der ganzen egalitären Rhetorik, die von den Medien ausgekübelt wird.

Das "Gender Mainstreaming" ist in Deutschland von CDU-Ministerinnen durchgesetzt worden, mit streberhafter Planübererfüllung. Die Theorie ist albern, ihre Propagandisten sind teils unfähig, alleine auf's Klo zu gehen, weil sie Männer und Frauen ablehnen. Trotzdem wurden sie in Positionen gehoben, die es ihnen ermöglicht, die Freiheit von Forschung und Wissenschaft abzuschaffen, in den Schulen die Kleinsten zu ähnlich lebensunfähigen und abhängigen Wesen zu machen, wie sie selbst es sind. Wer die Geschichte zurückverfolgt, wird auf die Verantwortlichen dafür stoßen.

Die Veränderungen in Europa wurden von Menschen in eine bestimmte Richtung gelenkt, sie können auch wieder in menschlichere Bahnen zurückgeführt werden. Die meisten haben noch nicht einmal mitbekommen, daß es ein Problem gibt. Die meisten der "Aufgewachten" haben sich noch nicht ernsthaft der Frage nach den Ursachen beschäftigt. Wir stehen noch ganz am Anfang.
Monika
10. Juni 2015 17:43
Ich behaupte: Das, was wir als deutsche Kultur oder Identität retten möchten, wird auf Dauer nicht zu retten sein. Das liegt nur vordergründig an den massenhaft Zuwandernden oder an der Zerstörung unserer Kultur durch die seltsame Allianz von Neomarxismus, christlich geprägtem Humanitarismus und Kapitalismus – dies alles wäre gar nicht möglich, wenn es noch eine starke, virulente Identität gäbe.

Vor allem der Lebenszusammenhang und das durch ein Identitätsgefühl geprägte Selbstverständnis und das Selbstbewusstsein werden verloren gehen. Ein geradezu klassisches Beispiel ist die Religion: Man kann zwar einwenden, daß Gott (der christliche) überall dort ist, wo an ihn geglaubt wird. Doch die das Individuum oder allenfalls kleine Gemeinschaften übergreifenden Zusammenhänge sind kaum noch vorhanden – die Kirchen (nicht die Gebäude als solche, sondern vor allem der Kirchengedanke selbst) liegen längst in Trümmern, wurden vor allem von innen heraus zerstört. Der Glaube ist Privatsache geworden, im Großen und Ganzen bestimmt er nichts mehr.

Die deutsche Identität im Ganzen wird ebenso untergehen (zumal das Christliche ein durchaus wichtiger Bestandteil dieser Identität war). Nicht heute, auch nicht morgen, aber in einigen Jahrzehnten oder in hundert Jahren werden wir wie die antiken Griechen und die Römer nur noch eine Erinnerung sein. Und doch wird etwas sehr Wesentliches bleiben. Die bewusste Rettung, die Konservierung materieller Beständen ist zwar möglich, aber nicht entscheidend. Entscheidend ist die geistige Humusbildung – die Transformation dessen, was uns ausmacht, in neue Schichten des Wurzelgrunds künftiger Generationen.


Genau das frage ich mich zur Zeit. Was wird bleiben ?
Meine Mutter ist mit 83 Jahren gestorben. Sie hat immer im selben Ort , im selben Haus in Frankfurt gelebt. In dem Haus, welches ihr Großvater gebaut hat. Sie hat Ahnenforschung betrieben. Ihre, meine Vorfahren dokumentiert. War Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein. Praktizierte ihren katholischen Glauben wie meine Vorfahren.
Ich spüre, daß ein Faden abreißt. Einen katholischen Priester zur Beerdigung konnte ich nicht auftreiben. Ein mir und auch meiner Mutter völlig unbekannter Pastoralreferent fand sich dann doch.
In die Grundschule, in die ich einst ging, gehen 80 Prozent Kinder ausländischer Herkunft. Es wird türkischer und arabischer Sprachunterricht angeboten. Es gibt einen islamischen Bestatter in dem Ort meiner Kindheit. Und so geht es fort.
Wir Kinder dieser von deutscher-christlichen Kultur geprägten Eltern werden einst irgendwo anders in einem Ruheforst beerdigt werden. Unsere Enkel werden keine deutschen Volkslieder mehr singen können. Sie werden die Tiefe ihrer Sprache nicht verstehen. Und auch nicht in die Kirche gehen.

Und trotzdem oder deshalb: Man versteht sich sofort mit Menschen, die an Traditions- und Heimatverlust leiden. Sei es der letzte Jude, der die Synagoge in Ingwiller im Elsaß betreut. Die Erinnerung an die ehemalige große jüdische Gemeinde aufrecht erhält. Obwohl er keinen Gottesdienst abhalten kann, weil keine 10 jüdischen Männer mehr zusammenkommen. Es gibt keine Gemeinde mehr.
So geht es heute darum, sein Erbe zu bewahren, wie ein zartes Pflänzchen, jeder an seinem Platz.
Und auch, wenn das verloren geht, verbleibt einem Christen noch Hoffung.
Ich hoffe, wir kriegen noch ein paar mehr Leute zusammen. Und es ergeht uns nicht so wie dem letzten Mönch von Tibhirine....
Karl Martell
10. Juni 2015 17:45
@ Heinrich Brück

Glauben, Religion und Theologie braucht die Priesterkaste doch nur, um die Menschen zu betrügen. So wie die Politikerkaste die säkularisierten
Formen wie Demokratie, Menschenrechte,Liberalismus, Kommunismus und Sozialismus für ihren Betrug benötigt. An diesen Blödsinn muß man auch glauben, sonst funktioniert der ganze faule Zauber nicht.

"Der Glaube ist nicht der Aufgang, sondern das Ende allen Wissens.

Wem die Welt (also Gott) nicht unmittelbar eröffnet, was sie für ein Verhältnis zu ihm hat, wem sein Herz nicht sagt, was er sich und anderen schuldig ist, der wird es wohl schwerlich aus Büchern erfahren, die eigentlich nur geschickt sind, unsern Irrtümern Namen zu geben."(Goethe)

Gott kann ein Mensch mit freiem und offenem Geist täglich erleben. Wer die täglichen Wunder unserer Welt (der belebten Natur) nicht wahrnehmen kann, weil er noch einen "Gottesbeweis" benötigt und Gott mit einem Menschen verwechselt, ist ein armes, der Natur entfremdetes Wesen.

Nur Narren glauben. Wissen ist weise.

"Die Menschheit steckt jetzt in einer religiösen Krisis. Seit die Menschen einsehen lernten, wieviel dummes Zeug man ihnen aufgeheftet, und seit sie anfangen zu glauben, daß die Apostel und Heiligen auch nicht bessere Kerle als solche Bursche wie Klopstock, Lessing und wir anderen armen Hundsfötter gewesen, muß es natürlich wunderlich in den Köpfen sich kreuzen." (Goethe)
Waldgänger
10. Juni 2015 18:18
@ Jack
Ich finde, Sie haben den Artikel vorhin sehr zutreffend kommentiert und gedeutet.

***


Weitere Anmerkungen.

„Auch der Konservative versucht etwas zu retten. Auch er ist auf der Flucht. Auch er hat umso mehr zu verlieren, je mehr er mitschleppt.“

Kann man das so sagen? Sind Konservative heute „auf der Flucht“?
Sie sind ja gewiss in Bedrängnis und verlieren an Einfluss, aber heißt das, das Konservative deswegen „auf der Flucht“ sind, dass sie fliehen? Ich denke nicht.
Es widerspräche auch ein Stückweit ihrem Selbstverständnis.
Gerade zur Flucht taugt ein echter Konservativer nicht.


Auch der nächste Satz, dass der Konservative umso mehr zu verlieren hat, "je mehr er mitschleppt", ist mir zweifelhaft.
Der Satz passt nur zur vorher von Herrn Meyer eingeführten Analogie der physischen Flucht.
Wenn ein Konservativer Überzeugungen preisgibt, so gibt er sich selbst preis, gibt selbst das auf, was ihm wichtig ist und vom linksliberalen Mainstream unterscheidet.
Mit anderen Worten: Selbstmord aus Angst.

Gleichzeitig resultiert aus dem Preisgeben von Überzeugungen aber kein Vorteil, da der Konservative ohne gewisse Überzeugungen aufgehört hat, konservativ zu sein. Hier sind die Grenzen recht eng.


Allerdings – und das ist die Ausnahme von der Regel – könnte ein teilweises Preisgeben alter Überzeugungen und ein gleichzeitiges Aufgreifen neuer Themen den erfolgreichen Reaktionär, ja den konservativen Revolutionär kennzeichnen. Bismarck ist dafür ein gutes Beispiel.
Das Problem ist nun aber, dass der Reaktionär wahrscheinlich in dem Maße seinen politischen Erfolg steigert, indem er seine alten konservativen Essentials verwässert und durch Modernes ersetzt.
Die (oft übersehene) Modernität der Nationalsozialisten, die ja in auffälligem Widerspruch zu manchen Programmpunkten stand, kann hier als Beispiel dienen.

Die Vorstellung, dass sich Konservative von heute durch Abwerfen „unzeitgemäßer“ Überzeugungen so weit dem Mainstream anpassen, dass sie sozusagen koalitionsfähig werden, halte ich für grundfalsch. Da wird man nur über den Tisch gezogen und gewinnt rein gar nichts. Das wäre dann in etwa der Lucke-Weg in der AfD.

Vielleicht hat Herr Meyer es aber auch so gemeint, dass ein Konservativer, der sich nicht wenigstens von gewissen nun wirklich antiquierten Vorstellungen trennt (z.B. zur Gleichberechtigung der Frau) sich selbst so sehr ins Abseits stellt, dass er völlig ignoriert wird. Da ist was dran. Völlig ignoriert werden wäre ein Problem.


Weiter:
„Der deutsche Konservative möchte speziell das Deutsche bewahren.“

Stimmt das? Ich denke, er möchte auch das Deutsche bewahren, aber ebenfalls allgemeine konservative Prinzipien: Freiheit, Identität und Unterschiedlichkeit, natürliche Strukturen, Nation, Ehe und Familie, Realitätssinn, Skepsis usw. - die auch dann Gültigkeit haben, wenn sie nicht speziell auf das Deutsche angewandt werden.


Weiter:
„Die deutsche Identität im Ganzen wird ebenso untergehen…“

Da ist mir ein bisschen zu viel Bestimmtheit dabei. Ersetzen wir doch das „wird“ durch ein „kann“.
Es ist ja immer gefährlich und intellektuell problematisch, aktuelle Trends zu sehr fortzuschreiben.

Natürlich hat er Recht, wenn er auf das morsch gewordene Holz unseres deutschen Baumes verweist:
„Das liegt nur vordergründig an den massenhaft Zuwandernden oder an der Zerstörung unserer Kultur durch die seltsame Allianz von Neomarxismus, christlich geprägtem Humanitarismus und Kapitalismus – dies alles wäre gar nicht möglich, wenn es noch eine starke, virulente Identität gäbe.“

Umerziehung, das 1945 gebrochene Rückgrat und der langjährige Landesverrat durch die "Eliten" blieben nicht ohne Wirkung ...

Dennoch sollte man nicht mit zu viel Bestimmtheit etwas Künftiges annehmen und dann sein eigenes Verhalten ganz durch die eigene Prognose bestimmen lassen.


Nun zur „geistigen Humusbildung“, den Dingen, die so typisch deutsch sind, dass sie unbedingt „in neue Schichten des Wurzelgrunds künftiger Generationen“ eingearbeitet werden müssen.
Von „transformiert“ (wie es Herr Meyer getan hat) würde ich nicht sprechen, weil das schon zu sehr in Richtung Anpassung, Kompromiss und Preisgabe zielt.

Ich denke, das Zentrale ist die Sprache. Die gesprochene und geschriebene deutsche Sprache.
Wer sie verwendet bzw. wer sie auf halbwegs hohem Niveau verwendet (Grammatik, Syntax, Wortschatz), der übernimmt automatisch eine gewisse Art des Denkens und damit auch der Erkenntnis und des intellektuellen Zugangs zur Welt.
Das macht viel aus. Nicht alles, aber viel.

Vergessen wir nicht, dass auch schon früher immer mal wieder Zuwanderer eingedeutscht worden sind – von den Wenden und Hugenotten bis zu den Ruhrpolen und den inzwischen teilweise assimilierten Jugoslawen der 1970er Jahre. Dies gelang in erster Linie durch die Übernahme der deutschen Sprache.

Doch auch dies hat seine Grenzen, wie uns Frankreich zeigt, wo die algerischen Einwanderer zwar französisch sprechen, aber deswegen keineswegs zu Franzosen werden.
Sprache allein reicht also nicht, aber ohne die Sprache ist alles andere hinfällig.


Etwas verwunderlich der Schluss von Herrn Meyer:
„Welche Hoffnung treibt uns an, daß wir hier dem Zeitgeist nicht hinterherlaufen, den Untergang nicht einfach genießen, nicht gleichgültig werden, sondern widerständig bleiben?“


Darauf haben Herr Kubitschek und andere ja schon das Entscheidende gesagt: Es gibt Dinge, an die man glaubt, die man um ihrer selbst willen tut.
Es hat etwas mit der eigenen Würde zu tun.
Der Gutmensch
10. Juni 2015 18:48
Oh, Heraklit, lieber Herr Meyer ... ich will natürlich nicht behaupten, dass das nicht lohne, aber gerade der Umstand, dass sein Werk - sofern es überhaupt seins ist - so bruchstückhaft überliefert wurde, lässt Raum für unbegrenzte Interpretationen, die eigentlich der Kunst vorbehalten sein sollen - und nicht der Wissenschaft.

Mich hat Heraklit - Alles fließt - von klein auf begleitet; und zwar in Form eines Mosaiks, das sich über dem Eingang eines Pförtnerpavillions befand, von dem aus die Zufahrt zu einem Betriebsgelände schräg gegenüber von meinem Kindergarten kontrolliert wurde. Das war ein (aus meiner Sicht) wirklich schönes Mosaik auf blauem Grund, das die Menschheitsgeschichte darstellen sollte - bis hin zum Arbeiter- und-Bauern-Staat (Wer unbedacht bis hier gelesen hat und sich nun wegen dieser unerwarteten Reminiszenz in ästhetischen Krämpfen windet: Entschuldigen Sie! Jaja, in der DDR war man ein großer Freund von Mosaiken!!) Ich hab dieses spezielle Bild aber jedenfalls immer sehr gemocht. Nun ist es natürlich nicht mehr da; baue auf und reiße nieder - haste Arbeit immer wieder! Dort steht jetzt ein Autohaus oder sowas ... jedenfalls ein ästhetisches Äquivalent des Westens! In der Tat: alles fließt.

Also, um jetzt nicht zu geschwätzig daherzukommen: Ich empfehle in dieser Situation doch eher Plutarchs Doppelbiografien. Er schrieb faktisch aus der Defensive heraus, in der sich die Griechen gegenüber dem übermächtigen Rom befanden und bewahrte Haltung und Moral, indem er immer einen großen Griechen und einen großen Römer gegenüberstellte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Plutarch jedem Offiziersanwärter als Lektüre dienen solle ... aber ich verstehe nichts vom Militär, das muss also jemand anders beurteilen.


Gruß, der Gutmensch.
Der Gutmensch
10. Juni 2015 18:53
Oh, und weil ich gerade den Waldgänger-Kommentar gesehen habe und unser armer Kolkrabe soviel Federn lassen muss:

Das war wohl mal nötig, diese Positionsbestimmung. Alle sind noch lebendig und wach, jedenfalls! Nix: Humus!! Also: Sammeln, was sinnvoll scheint und nach vorne weist und eine Artikelserie darüber veröffentlichen ...

Der Gutmensch.
Waldgänger
10. Juni 2015 19:13
Herr Meyer, Sie haben geschrieben:
Und vielleicht wird er [der Konservative] nicht nur vieles, sondern alles verlieren, wenn er zuviel alten Bestand mit sich schleppt. Wovon kann ein Konservativer sich trennen, welchen Ballast links liegen lassen, ohne sein Wesen als Konservativer zu verraten?


Mir ist aufgefallen, dass Sie selbst angesichts dieser von Ihnen in den Raum gestellten Frage, keine Antwort gegeben haben.

Daher frage ich Sie nun, was betrachten Sie selbst denn als "Ballast"?
...

Da Sie in Ihrem Artikel direkt danach auf das Deutsche an sich zu sprechen kommen (dass Ihrer Meinung nach den deutschen Konservativen am meisten am Herzen liegt - wohl richtig vermutet) und darauf hinweisen, dass diese Kategorie Ihrer Meinung nicht zu halten sein wird, darf man vermuten, dass Sie das Deutsche selbst als eine Art abzuwerfenden Ballast sehen.
Habe ich Sie richtig interpretiert?

Und obwohl Sie natürlich mit Ihrem Hinweis auf Heraklit und den beständigen Wandel aller Dinge Recht haben, muss man da schon etwas schlucken angesichts so viel Fatalismus und so wenig Widerstand.
Der Gutmensch
10. Juni 2015 19:36
Ach, und Keats:

"Die Veränderungen sind nicht einfach passiert, sie wurden gezielt herbeigeführt. Wer hatte dafür ein Motiv, wer die Möglichkeit?"

Ich bin ja sehr auf Ihrer Seite. Das Problem ist nur: Selbst wenn wir sie ausfindig machen würden, die Strippenzieher - kommen wir denn dran? Carl Sand schicken? Das wird nichts, denke ich. Fakt ist: Es sind ganz sicher wenige, die die "breiten Bündnisse" steuern. Aber doch einige, die für diese Beschlüsse konkret einstehen müssen; jeder Bürgermeister sieht sich heute aus seiner Komfortzone geschubst, weils einfach grotesk ist, was er den Leuten verkaufen soll. Das verkürzt den Spielraum für seine eigenen Schweinereien; sehr ärgerlich! DIESE Leute dürfen wir also nicht aus der Veranwortung entlassen; auch nicht verbal. Ein Mann in Frauenkleidern, der eine Damentoilette aufsucht, hätte man früher als Sittenstrolch bezeichnet! Jemand, der Ungleiches gleichzusetzen versucht, hätte man entgegnet: Sie wollen mich wohl für dumm verkaufen?!
Diese Abwehrmechanismen müssen wir pflegen. Der Rückgriff auf die Antike kann in dem Zusammenhang nicht schaden. So Parteischweinchen auf dem Karrierepfad sind meistens nicht die Gebildetsten; aber eben eitel. Und bei ihren Schwächen - Feigheit, Opportunismus, Neid, Dummheit, Dreistigkeit - sollt ihr sie packen und sie vorführen. Nun aber genug für heute.

Der Gutmensch.
Shuca
10. Juni 2015 20:59
@ Karl Martell
"„Der Glaube ist nicht der Aufgang, sondern das Ende allen Wissens."
Und für manche ist der Glaube ein rotes Tuch von dem sie nicht lassen können.

"An diesen Blödsinn muß man auch glauben, sonst funktioniert der ganze faule Zauber nicht."
Mein Politoffizier bei den Grentruppen der DDR hatte so eine ähnliche Meinung über den Glauben aber natürlich nicht so eine feine Sprache wie sie. Trotztdem war er ehrlich. Er hat den Gott bei seinem Namen genannt den er nicht leiden konnte. Er sprach von Jesus Christus.

"Nur Narren glauben. Wissen ist weise."
Da sollten wir doch erstmal abwarten wer am Ende der Dumme ist.
Ich hab das irgendwann schonmal geschrieben. Wenn die Konservativen die Linken und progressiven in der Gegnerschaft zu Jesus Christus übertreffen wollen brauchen sie sich nicht viel anzustrengen.

Per Mariam ad Christum.
Lutz Meyer
10. Juni 2015 21:04
@ Waldgänger

Das Deutsche als solches - was die Identität des Einzelnen betrifft - ist auf gar keinen Fall als Ballast abzuwerfen. Das hätte ja fast schon psychopathologische Züge. Im Grunde will ich doch nur auf diesen Punkt hinaus: "Das Deutsche" ist keine Monstranz, die wir in der Vitrine stehen haben und sonntags einfach so vor uns hertragen. Wenn es uns wichtig ist, müssen wir es uns erarbeiten, es suchen. Es formt sich erst im Prozess dieses Sich-Erarbeitens. Ich fordere eine Besinnung auf unsere Grundlagen. Sollten wir diese Grundlagen nur noch in Fragmenten vorfinden, wäre "das Deutsche" brüchig und museal, so lautstark wir es auch heraustrompeten möchten. Vielleicht ist es auch nur eine versiegte Quelle, die wieder zum Sprudeln gebracht werden könnte. Doch als Selbstverständlichkeit ist es mir zu löchrig geworden. Eine kulturstiftende Identität sieht anders aus als das, was uns heute umgibt.

@ Gutmensch

Ihr Mitgefühl angesichts meines zerzausten Federkleids rührt mich nun doch. Ihre Anregung, zu sammeln, was sinnvoll erscheint, finde ich großartig. Ich vermute im konservativen Milieu ohnehin viele Sammler, bin als Freund der Ur- und Frühgeschichte gar selbst einer. Aber das genau ist der Punkt: Wenn ich als Norddeutscher so ein Steinbeil berühre, vor fünf Jahrtausenden verloren und nun wieder aufgefunden im Holsteinischen, spüre ich, obwohl es rational betrachtet blanker Unfug ist, eine Art Funken über die Jahrtausende mir zufliegen. Sehe ich den Mercedes-Stern oder Jogis Jungs, spüre ich hingegen gar nichts. Vielleicht müsste man sich nicht nur empirisch (also Konkretes sammelnd), sondern im Sinne einer von Husserl inspirierten phänomenologischen Reduktion oder cartesianischen Meditation dem Thema nähern.



Hinweis in eigener Sache: ich bin den ganzen Donnerstag über auswärts und verabschiede mich bis Freitag früh aus allen Diskussionen. Wer mich noch zausen möchte, kann dies gern tun, wehren werde ich mich frühestens am Freitag wieder.
Raskolnikow
10. Juni 2015 21:18
Herr Martell,
dasz Sie Ihren putzigen Beitrag mit Goethe garnieren, goenne ich dem selbstgerechten Karrieristen von einst. Das hat er sich verdient, heute im plumpen Allerweltsgerede der Metzger und Postboten eine Rolle zu spielen. Hab ihn nie gemocht ...
Aber den Gipfel Ihres kleinen Abiturientinnenauswurfs, Sie wissen schon: glauben ... Narren ... Wissen ... weise ... Ach welch Vergnuegen waer es mir, koennten Sie dies dem Karl Martell ins Gesicht sagen.
Warum Leute wie Sie, sich nicht einfach Hugo Kleinschmidt nennen koennen ...
Gott mit uns!
R.
Spielhahn
10. Juni 2015 21:51
@Laokoon

Nur zu Klarstellung: Das Zitat von Kubitschek (der ein Wagner zugeschriebenes Wort zitierte) ist in meinem Beitrag auf die "" beschränkt. Der Rest ist tatsächlich meine Kurzinterpretation. Aber, ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Ihre Behauptung

"Denn das Wagner Zitat, welches Spielhahn oben so darbrachte, wird losgelöst von jeder Erklärung immer genau ins Gegenteil missverstanden. So wie es dort steht ist es entweder nicht verstanden, oder verkürzt dargestellt."

ist für mich jedoch nicht überzeugend bzw. nachvollziehbar. Also, nur zu, decken Sie meinen (nach Ihrer Meinung wohl verbreiteten) Verständnisfehler auf, und zeigen sie der Welt, dass sie es besser wissen.

Ansonsten wäre der vollständige Wortlaut Kubitschekrede in der Tat interessant, verblasst das gesprochene Wort doch leider sehr schnell.
Michael Schlenger
10. Juni 2015 23:43
Nicht so ungesthüm, werther Raskolnikov!

Mich dünkt, als sei Ihnen allhiero der Gaul durchgegangen: "putziger Beitrag" et al., solchen Bediensteten-Vokabulars wähnte ich bislang lediglich bei selbstgerechten Personae fellachischer Abkunft und niederer Absichten gewärtig werden zu müssen.

Nunc jedoch ad rem: Gewiss kann dem Weimarer Hof(sch)rath eine pathologische Inclination zur Amtheranhäufung nicht in Abrede gestellt werden. Auch seine überaus irdische Dependenz von allerley Frauensvolk mag seinen Rang sub specie aeternitatis mindern...

Schnitt: Sie müssen Goethe als Menschen nicht mögen - zumal da er tot ist. Doch können Sie - vielleicht nach einiger Überlegung - auch etwas Fundiertes zu seinen Werken sagen, die für die deutsche Sprache Ähnliches bewirkt haben wie Luther? "Hab ihn nie gemocht" - Wie geht das, wenn man auch nur einen Bruchteil seiner Dichtung kennt und die deutsche Sprache schätzt? Mir scheint, die pure Lust an manieriert daherkommender Provokation geht bisweilen zulasten Ihres im Übrigen geschätzten Urt(h)eils. Schade.
CCCED
11. Juni 2015 00:05
Lieber Herr Meyer,

ich habe Ihren Text nochmals gelesen, und er bleibt ein Ärgernis.

Sie stellen sehr grundsätzliche Fragen. Was ist das Deutsche, was bleibt auf lange Sicht davon übrig, was kann und soll ein Konservativer bewahren.

Und Sie haben ja Recht. Am Ende wird alles vergehen. Die Idee, der Geist werden eine Weile weiterbestehen. Wandlung und Neubeginn.

Das wäre es dann (Sie haben das alles eleganter ausgedrückt).

Heute früh musste ich an Robert Vansittart (Namensvetter des Vansittartismus) denken. Was dachte und wollte dieser Mann? Er erkannte durchaus die Errungenschaften der deutschen Kultur an. Allerdings wollte er Deutschland keinesfalls größeren politischen Einfluss in Europa zugestehen. Die Deutsche Kultur, politisch ausgelebt zur Macht in Europa war als Konkurrenz zum englischen Empire nicht akzeptabel. Zudem führte sie seiner Meinung einer inneren Logik folgend zum Nationalsozialismus. Also müsse der Nationalsozialismus und Deutschland als politische Macht zerstört werden. Übrig bleiben dürfe allenfalls geistiges Erbe. Das ist in Konsequenz das, was auch Sie einem konservativen Deutschen als mögliches Ziel zubilligen. Ihre Zukunftsvision für Deutsch(land) unterscheidet sich von der des Robert Vansittart erschreckend wenig.

Herr Meyer, sie sind ein in der Wolle gefärbter Linker, der tastend versucht auf schwankendem Boden Halt zu finden. Wenn es um das Fortbestehen der deutschen Kultur, die Zukunft Deutschlands, um Ihr eigenes Leben, um die Möglichkeiten Ihrer Kinder geht, machen Sie sich keinen einzigen Gedanken um Deutschland in seiner konkreten politischen Erscheinungsform.

Deutsches ist nur in einem Kompartiment möglich. Das muß nicht unbedingt der Nationalstaat des imperialistischen Zeitalters sein. Es muß aber ein Kompartiment sein, dass diese Identität, die anders ist als die anderer Nationen, ermöglicht. Das das derzeit nur ein Wunschziel sein kann, ist geschenkt. Aber wenn man es schon im vor- oder metapolitischen Raum nicht einmal mehr denkt oder einfordert: Dann ist es bald vorbei.
enickmar
11. Juni 2015 06:20
Anscheinend kommt bei Meyer immer noch der linke Romantiker durch. Ansonsten spürte er, daß der Jahrtausende alte Steinkeil nur der damalige Mercedes ist.

Wie auch immer, auch ich habe seinen Text nocheinmal gelesen. Meyer bringt ja eigentlich das Prinzip, daß konservativ sein nicht bedeutet, an Altem zu hängen, sondern aus dem Immergültigen zu leben, auf den Punkt.

Er schreibt hier ja von nichts anderm als von einem "identitären Code" (Er nennt es "Cloud". Das ist ja in der Biologie, also der Wissenschaft vom Leben an sich, das Prinzip der genetischen Vererbung. Hier wird ja auch der Phänotyp in Form eines genetischen Codes über die Generationen gerettet. Ohne das der physisch ausgebilddete Phänotyp selbst überlebt. Es gibt sogar Sporen als Überdauerungsformen für Jahrzehnte oder mehr in diesem Sinne.

Insofern, aus unserer Perspektive heute, eigentlich ein sinnvoller Text. Allerdings läuft es beim "identitären Code" vermutlich wieder auf die DNA selber hinaus. Womit wir wieder bei Vonderach wären. Ich fürchte wir können uns drehen und wenden wie wir wollen. Es bleibt dabei ...
Rumpelstilzchen
11. Juni 2015 06:37
Schnitt: Sie müssen Goethe als Menschen nicht mögen – zumal da er tot ist. Doch können Sie – vielleicht nach einiger Überlegung – auch etwas Fundiertes zu seinen Werken sagen, die für die deutsche Sprache Ähnliches bewirkt haben wie Luther? „Hab ihn nie gemocht“ – Wie geht das, wenn man auch nur einen Bruchteil seiner Dichtung kennt und die deutsche Sprache schätzt? Mir scheint, die pure Lust an manieriert daherkommender Provokation geht bisweilen zulasten Ihres im Übrigen geschätzten Urt(h)eils. Schade.


In diesem Forum kommen einige manieriert daher. Der eine hängt den alten Lateiner raus, der andere den ollen Nietzsche, der dritte will sich einfach nicht Hugo Kleinschmidt nennen. Das ist alles sehr amüsant.
Zum manierierten paßt m. E. sehr gut etwas mariniertes .
Und da am Ende alles vergeht, sollte man bei einem Glas Burgunder Goethes Sessenheimer Lieder genießen. Etwa dort :
http://bonjouralsace.blogspot.de/2014/02/auberge-au-boeuf-sessenheim-wo-goethe.html
Raskolnikow
11. Juni 2015 09:01
"..., daß die Menschheit zusammen
erst der wahre Mensch ist, und
daß der Einzelne nur froh und
glücklich sein kann,
wenn er den Mut hat,
sich im ganzen zu fühlen"

(Dichtung u. Wahrheit)

Mit dieser goethischen Albernheit, darf ich wohl beginnen, ja?

... solchen Bediensteten-Vokabulars wähnte ich bislang lediglich bei selbstgerechten Personae fellachischer Abkunft und niederer Absichten gewärtig werden zu müssen.


Ich bin fellachischer Abkunft, werter Groß-Cophta, und mein manieriertes Getue bildet, vermengt mit einer kräftigen Portion abseitiger Belesenheit, nur einen silbernen Panzer zur Verhinderung allzugroßer Menschennähe. Ich bin kein Kleinschmidt, der sich für sonst wen hält. Ich gehöre zum Typus Dorfdepp, grinsend und mit offenem Munde staunend. Ich mache mir da nichts vor. Aber wahrscheinlich ist das auch etwas sehr Deutsches; die eigenen Cordpantoffeln für ritterliche Stulpenstiefel zu halten.

Da es um das Deutsche an sich und die Seelengründungen unseres Volkes gehen soll, sind vielleicht ein paar Ausschweifungen zum deutschen Dichterfürsten erlaubt.

Gestatten Sie mir bitte zuvörderst eine Anekdote!

Einst fuhr ich in der Eisenbahn von Nord nach Süd. Im Abteil saß mir gegenüber eine äußerst ansehnliche Frau. Der Rock etwas zu kurz, das Jäckchen etwas zu eng, aber sowohl die Beine als auch der Rumpf vertrugen diese Knappheiten ganz hervorragend. Das Gesicht versprach eine gewisse Intelligenz, Güte und vielleicht etwas Erziehung. Die Haare waren zu einem Knoten aufgetürmt. Ich verliebte mich natürlich umgehend. Als die Unbekannte dann noch ein Buch hervorholte, das nicht nach Bahnhofsbuchhandlung aussah, sondern in Leinen gebunden war, hätte ich mich für ein Wort von ihr aus dem Zug gestürzt oder einen Mann ihrer Wahl erdolcht.

Irgendwo hinter Frankfurt geschah es dann: Sie gähnte. Und zwar, stellen Sie es sich vor!, ohne eine bergende Hand vor ihren kleinen Mund zu halten. Wie konnte sie sich nur so widerlich benehmen? Ich fühlte mich betrogen. Für diese Frau hätte ich mich weggeworfen, und was tut sie …

Kennen Sie solche Gefühle? Wenn wir bemerken, daß ein guter Freund uns belügt oder eine Liebe nicht erwidert wird … Es ist dieser schwere Kopf, als ob wir zu viel von Rumpelstilzchens Wein genossen haben, ein Gefühl aus dem Feindschaften geboren werden.

Ich liebte meinen „Faust“!

Doch können Sie – vielleicht nach einiger Überlegung – auch etwas Fundiertes zu seinen Werken sagen, die für die deutsche Sprache Ähnliches bewirkt haben wie Luther? „Hab ihn nie gemocht“ – Wie geht das, wenn man auch nur einen Bruchteil seiner Dichtung kennt und die deutsche Sprache schätzt? Mir scheint, die pure Lust an manieriert daherkommender Provokation geht bisweilen zulasten Ihres im Übrigen geschätzten Urt(h)eils. Schade.


Vielleicht darf man nur „einen Bruchteil seiner Dichtung“ kennen, um ihn zu mögen …

Menschliches sollte sicher nicht den Blick auf das Werk trüben, aber die Wendigkeit eines Goethe, sein geschicktes Poussieren mit dem Zeitgeist, sein ganze perfekte Karriere und die stets parate Gestik des gemachten Mannes näherte sich dem Gehabe eines Hofnarren (auch wenn er selbst einen eigenen Hofstaat hatte).

Wieviel näher ist mir da ein Kleist, ein Gryphius oder der Hans Sachs (neben anderen); Typen die deutsch im besten Sinne genannt werden dürfen …

Aber der Reihe nach!

Unsere Landsleute reden zwar viel über ihren Dichterfürsten, aber wirklich gelesen haben ihn die meisten nur kleinportioniert in der Schule. Und das hat seine Gründe. Gab es je etwas Langweiligeres als den „Egmont“? Vielleicht seine „Stella“ … Gibt es etwas Pedantischeres als die „Iphigenie“? Und dann der „Werther“; ich könnte über dieses Machwerk stundenlang reden und jedem, den beim Lesen nicht ein Gefühl der Peinlichkeit befällt, die Leviten lesen. Was für ein anmaßender Schwulst! Ein bißchen Metaphysik macht aus Schamlosigkeit nicht Moral. Und eine achtzehnfach gewundene Halsbinde macht keinen Fürsten ...

Wer den „Wilhelm Meister“ gelesen hat, kann diesen Mann nicht mehr als Fürsten der Dichtung bezeichnen. Das ist ganz einfach, verzeiht die fellachische Wortwahl, katastrophaler Schrott. Lest dieses Buch - vielleicht auch die „Wahlverwandtschaften“, wenn Ihr das Spektakel auf die Spitze treiben wollt - und seid ehrlich zu Euch selbst! Vielleicht könnte Lichtmesz die Sache noch retten, drehte er aus dem idiotischen Sujet ein trash-movie und besetzte die Mignon mit irgendeinem vollbusigen Mädchen. Meine Herren ...

Aber wann gähnte Goethe? Er gähnte, als ich Shakespeare las und den Faust entdeckte, als ich Dante verschlang und den Faust erneut entdeckte, als ich Rousseau, Beaumarchais, Byron und die Anderen apperzipierte und gewahr wurde, daß Goethe immer der Theaterintendant geblieben war und perfekt arrangierte. Aber eben nur arrangierte …

Ich habe meinen „Gesammelten“ Goethe an einen Lehrer verschenkt …

"Was getan ist,
ist getan und bleibt´s."

R.
hubschrauberpilot
11. Juni 2015 12:02
Na, lieber Raskol'nikov, man schütte das Kind bzw. den Alten nicht mit dem Bade aus. Von Zeit zu Zeit liest man den Alten doch ganz gern, hatt' er doch auch manch treffliche Gedanken wie jenen, daß alle Polen Deutsch lernen sollten. Und wenn einer fürs zonzervative Prinzip stehen kann, dann gewiß er: Mit diesem wird man alt und vielleicht Minister, immerhin.
Rumpelstilzchen
11. Juni 2015 12:38
Irgendwo hinter Frankfurt geschah es dann: Sie gähnte. Und zwar, stellen Sie es sich vor!, ohne eine bergende Hand vor ihren kleinen Mund zu halten. Wie konnte sie sich nur so widerlich benehmen? Ich fühlte mich betrogen. Für diese Frau hätte ich mich weggeworfen, und was tut sie


Lieber Raskolnikov,

Dieses enttäuschende Gefühl kenne ich sehr gut. Natürlich auch auf einen Mann zu beziehen.
Und ich finde, Wilhelm Busch ( für mich der größte Deutsche) hat dieses traurige Thema ( Kritik des Herzens ) viel besser bearbeitet als der Schürzenjäger Goethe:

http://www.wilhelm-busch-seiten.de/gedichte/kritik36.html

Und kennen Sie diese beglückende Erfahrung :
Sie begegnen einem Penner, ohne Zähne, offenen Beinen ... und dieser ist ein belesener, gebildeter Mann und seine Augen können in dem ganzen Elend noch strahlen .....
jack
11. Juni 2015 13:13
@ Waldgänger

Danke.

@ Lutz Meyer

Muss man wirklich die Vorsokratiker bemühen, um festzustellen, dass "Alles im Fluss" ist, oder das alles auf diesem Globus einem Wandel unterliegt? Um die Gegenwart relativ unbeschadet zu ertragen, halte ich es lieber mit den Stoikern und Seneca's "De tranquillitate animi" oder "De vita beata".

Die Bil Dung beiseite lassend, ist "soziale Kompetenz", "Diversity Management" und ähnliche BRD Sprachbegriffe nach Meinung der selbsternannten Eliten erstrangig. Schleichende Indoktrination über Jahrzehnte, was bleibt da für unsere Nachfahren an "Geist", den Sie erwähnen.

Die Vergewaltigung der Deutschen Sprache, ebenfalls über Jahrezehnte, besorgt den Rest.
Man muss schon von Ignoranz beseelt sein um den gesteuerten Verfall nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Wir leben im Hier und Jetzt. Wir haben Probleme und zwar gewaltige. Bei allem guten Willen, ich verstehe, was ich lese, aber wenn ich bei SIN lese, erwarte ich keine Verschwurbelung wie von der Journaille der MSM.
Was Intellektuelle bisweilen ' heraushängen' lassen, ist beschönigend destruktiv, defätistisch und zer- wie verstörend.

Ich frage mich schon, während ich hier die Kommentare lese, wieso haben eigentlich die Chinesen Jahrtausende überlebt? Kann es daran liegen, dass dort man dort der Meinung ist, dass nur Söhne die Tradition weitertragen und die Ahnen ehren?

Wir Europäer haben, durch welche Umstände auch immer, Platz auf dem morschesten Ast eingenommen und man kann bereits das Knarren des bevorstehenden Bruchs hören. Wir werden, wenn wir dort sitzenbleiben, alle herunterfallen, erschlagen werden, dass das fruchtbarer Humus für Nachfolgegenerationen ist, wage ich zu beweifeln.

Das macht weder fröhlich, noch zuversichtlich, aber Zuversicht brauchen die Konservativen nötigst.
Rainer Gebhardt
11. Juni 2015 15:57
@ Raskolnikow

„Goethe — kein deutsches Ereigniss, sondern ein europäisches: ein grossartiger Versuch, das achtzehnte Jahrhundert zu überwinden durch eine Rückkehr zur Natur, durch ein Hinaufkommen zur Natürlichkeit der Renaissance, eine Art Selbstüberwindung von Seiten dieses Jahrhunderts. — Er trug dessen stärkste Instinkte in sich: die Gefühlsamkeit, die Natur-Idolatrie, das Antihistorische, das Idealistische, das Unreale und Revolutionäre (— letzteres ist nur eine Form des Unrealen). Er nahm die Historie, die Naturwissenschaft, die Antike, insgleichen Spinoza zu Hülfe, vor Allem die praktische Thätigkeit; er umstellte sich mit lauter geschlossenen Horizonten; er löste sich nicht vom Leben ab, er stellte sich hinein; er war nicht verzagt und nahm so viel als möglich auf sich, über sich, in sich.“ (Nietzsche: Götzen-Dämmerung, 49)

Sehr deutsch also ist dieser Mann, selbst dort, wo ihm die Deutschen auf den Zeiger gingen. Ein starker Instinkt für Reinlichkeit (hätte Nietzsche gesagt). Und was danach kam an Artistik und praktisch-prosaischem Tun - ohne ihn nicht denkbar. Hofmannsthal, Rilke, Mann. Überdeutlich sind Jüngers Bezugnahmen und "strukturell prägende Rückgriffe" auf Goethes Denkstil. Zuletzt: Die „Magie der Heiterkeit“ – das ist das, was Jünger mit Goethe verbindet. Schade, dieser Goethe ist Ihnen entgangen. Er stellt den Schmerzensmann Werther in tiefsten Schatten.

Den Anti-Goethe hatten wir in verschärfter Form zuletzt zwischen 19868 und 1980. Ihr Furor läßt vermuten, daß hier Verletzungen vorliegen, von denen Sie womöglich selbst nichts ahnen. Dem unbedingt mal nachgehen! Nicht selten liegt dem ein Unbehagen (und wenn es sich um dichterische Konkurrenz handelt: ein Unvermögen) an der Form zugrunde (und die muß nicht einmal klassisch sein). Wo alles auseinander fliegt, Kopien frech das Original in den Schatten stellen wollen, Stammeln schon Poesie und Installationen schon Kunst zu sein behaupten, kann die Form schon Rettung bedeuten. Die Nummer mit Kleist, Byron e.a. versus Goethe ist zu ausgeleiert, um noch mal aufgelegt zu werden.
Rainer Gebhardt
11. Juni 2015 16:13
Was ist deutsch? Wenn du an einer Bar in Cugamonga sitzt und dir die Tränen kommen – das ist deutsch.
benitomussorgsky
11. Juni 2015 18:03
Kann gelegentlich einmal jemand auf die Ladefläche schauen (die geistige), ob der Ballast dort nicht schon vor einigen Kurven abgerutscht ist und es allein die Lafette ist, die so verflixt schwer geht ?
Grundsätzlich sind die völkischen Erlösungshoffnungen genauso irrig wie die sozialistischen. Es geht vielmehr um Gesittung, lt. Wagnerzitat. Freilich gibt es Bürokraten und Funktionäre die ihr unheilvolles Werk um seiner selbst willen betreiben. . .
Zu Goethe: Auch seinen Bedarf an Schwulst sollte man vom Meister beziehen, also doch lieber "Werther" als "Anton Reiser" und "Wilhelm Meisters Lehrjahre" ist ohne Frage der gelungenste romantische Roman, und die "Wanderjahre" enthalten manch großväterlichen Spruch, den sich die wilden Urenkel ruhig zu Herzen nehmen sollten, aber auch einige der schönsten Erzählungen d(eutsch)er Sprache.
Demut! Ergebenheit! Standhaftigkeit! Die "Entsagenden" könnten dabei wohl helfen. Daran ist nichts albern. Bitte Goethe aufmerksam lesen, das bildet im Wortsinne (auch physisch) und hat nichts mit dem Ballast der Bildung zu tun. Goethe war wohl später äußerlich oft ein seltsamer Klassizist, als junger Mann ein furchtbar arroganter Schnösel, aber man kann ihm nicht den Vorwurf machen, dass er je Humanist gewesen wäre, oder schlimmer noch gar Christ. an ihm gibt es noch vieles zu verstehen, das uns weiterhülfe.
Als (fast)Abiturient habe ich auch noch geglaubt Goethe zugunsten Hölderlins und Kleists verunglimpfen zu müssen. (peinlich, peinlich, peinlich)
Shuca
11. Juni 2015 19:22
@benitomussorgsky
"dass er je Humanist gewesen wäre, oder schlimmer noch gar Christ. an ihm gibt es noch vieles zu verstehen, das uns weiterhülfe."
"Wenn je das Göttliche auf Erden erschien, so war es in der Person Christi."
Helfen sie mir, warum redete er so. War er vielleicht schon in einem Alter wo man vorsichtiger wird? Aber sie haben recht das meiste was man heute glaubt kann schon morgen ganz anders sein.
Per Mariam ad Christum.
Hühnerbaron
11. Juni 2015 20:40
Goethe: Seine Farbelehre ein schlechter Scherz, die Arroganz die dazu verleitet, zu glauben alles zu können. Einen Jacobiner hat er angeblich (Goethes Eigenlob) vor dem Tode gerettet, am Todesurteil einer "Kindsmörderin" hingegen hat er durch ein Rechtgutachten mitgewirkt. Auch der Werther ist - mit Verlaub - arg überspannt, zumindest distanzlos zur exaltierten Hauptfigur, die sich auf Gedeih und Verderb einer fixen Idee verschreibt. Wucht hat außer dem Götz fast nur der Faust. Und wo war Goethe eigenltich als es in der frazösischen Besatzungszeit galt, Farbe zu bekennen? Was Goethe in dieser Zeit stattdessen etwa positiv zum Koran absondert (West-Östlicher Divan) geht auf keine Kuhhaut. Ich würde jedoch nicht so weit gehen, ihn den Günther Grass seiner Zeit zu schimpfen....
Rainer Gebhardt
11. Juni 2015 22:04
@benitomussorgsky

"Als (fast)Abiturient habe ich auch noch geglaubt Goethe zugunsten Hölderlins und Kleists verunglimpfen zu müssen."

Entwicklungsbedingter Aufruhr, Pubertätspickel. Die Phase kenne ich.
benitomussorgsky
12. Juni 2015 07:05
@Shuca

Es ist ganz einfach: Goethe ist mit Ludwig Derleth und dessen Worten "Mit Jesus von Nazareth gegen das Christentum." Auch ein Besuch in den Kirchen von Ravenna kann ein Augenöffner sein. Sein "Christentum" hat Goethe von Johann Georg Hamann, dem er (aus Scheu) nie persönlich begegnete, es sei denn über dessen Schüler Herder in Straßburg. Siehe und lies: Dichtung und Wahrheit oder das apokryphe Gedicht von 1810 "Das Tagebuch".
Übrigens: Mein Ballast macht mir Flügel... Er wirft mich ab, nicht ich ihn!

@Rainer Gebhardt

Wir hatten in dieser Phase das Vorrecht der Jugend. Zur Dreiecksbeziehung Goethe-Schiller-Hölderlin ist sehr erhellend Kurt Hildebrandts Buch über den Philosophen Friedrich Hölderlin

Herrlich abgeschwiffen sind wir.
Lutz Meyer
12. Juni 2015 07:19
@ CCCED: Ich also ein in der Wolle gefärbter Linker - wer weiß so was schon immer so genau.... Am 16. Oktober 1992 ruft Ernst Jünger André Müller an und teilt ihm u.a. mit, ER (also EJ) SEI JAKOBINER, also für radikal linke Lösungen.* - - - In so erlauchter Gesellschaft betrachte ich mich natürlich gern als links.

* Nachzulesen in Ernst Jünger - André Müller, Gespräche über Schmerz, Tod und Verzweiflung, 2015 erschienen bei Böhlau, S. 124


Benitomussorgsky sagte es soeben treffend: "Herrlich abgeschwiffen sind wir." Dem schließe ich mich an und schließe dieses Thema. Wir werden früher oder bestimmt darauf zurückkommen.
Stil-Blüte
11. Juni 2015 07:49
@ Waldgänger

...das Zentrale ist die deutsche Sprache...


Ja! Das ist sie! Mehr noch: D i e Zentrale ist die deutsche Sprache! Es ist kein historischer Zufall, daß über die Übersetzung der Bibel durch Luther den deutschen Dialekten ein Zentrum, eine Zentrale geschenkt wurde, gemeinhin Hoch-Deutsch genannt, das weit über den religiösen Inhalt des Buches der Bücher hinausweist

Neben diesem Kraftzentrum der deutschen Sprache sind mir das Synonymen- das Herkunftswörterbuch lieb und teuer. Nicht zu vergessen das Fremdwörterbuch - eine Quelle des Erstaunens insofern, wie viele Wörter aus fremden Sprachen ganz natürlichen Eingang in unseren Wort-Schatz gefunden haben.

Die unglaubliche f r e i w i l l i g e Saugfähigkeit des Deutschen, fremdes (Wort-/Kultur-/Gedanken-)Gut anzunehmen, sich einzuverleiben, zu verdauen und als Eigenes wieder freizugeben ist ohne Gleichen. Denken Sie nur mal an Herders 'Stimmen der Völker in Liedern', Schiller hat die Schweiz, die Holland, Rußland, Griechenland, Italien, Spanien, England in seine Dramen, seine Gedichte, seine Geschichte ('Universalgeschichte!) aufgenommen. Nach der hymnischen Einführung durch die Sturm-und-Dränger, allen voran Goethe, wurde Shakespeare vom Lokaldichter zum Dramatiker von Weltformat. Die persische Dichtung wurde im 'West-östlichen Divan' adaptiert. Durch die Übersetzungen ins Deutsche wurde uns die griechische Antike zum nationalen Kulturerbe, die Mythen bekamen durch Schwab Volkscharakter. Die skandinavische Literatur erfuhr zuerst durch deutsche Übersetzungen Weltgeltung.

Auch die deutsche Architektur-Sprache hat das Fremde und Alte, die Antike (Spree-Athen), das Römische, Italienische (Elbflorenz), gar das Byzantinische, Orientalische adoptiert, die Agro-Kultur hat Kartoffeln, Äpfel zu Grundnahrungsmitteln gemacht usw.usf. Man kann, will ich sagen, dem Deutschen die Integrationsfähigkeit des Fremden und der Fremden wahrlich nicht absprechen.

Das Eingemeinden nach allen Regeln der Kunst betraf auch Menschen - die Hugenotten, die Böhmen, später die Polen im Ruhrgebiet, die europäischen Gastarbeiter, sie betraf auch langezeit die Juden, die hier, vor allem in Preußen, einen Platz fanden, wo sie zu Ansehen, Wohlstand - zur Ruhe gekommen sind (man durchstreife beim nächsten Berlinbesuch ruhig einmal stundenlang den kilometerlangen und -breiten jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee) - bis...

Hat dort der Verschleiß der deutschen Sprache begonnen? Wann hat die deutsche Sprache ihre Kraft zur Verwandlung des Fremden ins Eigene verloren? Denglisch verwahrloste Wörter liegen meiner Muttersprache schwer im Magen, Fremdkörper, unverdauliche Klöpse wider alle Regeln der 'Deutschen Sprachpflege' (so nannte sich damals noch meine Grammatik). Englisch als lingua franca? Als hätten Publikationen auf Deutsch nicht Erfindungen in Physik, Medizin, Ingenieurwesen ('Made in Germany') in die Welt hinaus tragen können. Nun wird in globalisierten deutschen Konzernen, an Universitäten, Institutionen, Ämtern behauptet, nur Englisch könne dies leisten. Mit dem ständigen Beschuß durch das Ordinär-Englische - auf allen Sendern fast ausschließlich englischsprachige Songs - wird die eigene Sprache und Mentalität, auf gut Deutsch, das Gemüt und der Geist demoralisiert.

Der permanente Ansturm importierter englisch-sprachiger Pop-Art, Musicals (statt Operetten), abstrakter statt anschaulicher Kunst, Jazz statt Klassik tut seine schleichende Wirkung.

In der Architektur-Sprache: Man vergleiche nur mal die Industriebauten der Gründerzeit mit den charakterlosen Gewerbegebieten, die wie Obdachlosenquartiere am Rande organisch gewachsener Städte oder mitten in der Landschaft hausen. Vorläufer: das weit überschätzte Bauhaus (Kasten-/Blockcharakter, Flachdach statt Fach-Werk und Ziegelbauten mit schützenden Spitzdächern).

Das, was uns aufgedrängt wird, sich aufdrängt, nicht heimisch werden kann. Mit voller Absicht nicht heimisch werden s o l l .
Waldgänger
13. Juni 2015 14:12
@ Lutz Meyer………….. zur Identität

Das Tempo unserer Zeit verführt dazu, schnell und aus dem Affekt heraus zu schreiben und zu antworten. Denkt man länger über einzelne Äußerungen von anderen nach, so erschließt sich einem gewöhnlich mehr.

In diesem Sinne habe ich auch über Ihren Haupttext vom 8. 6., Ihre Antwort an mich vom 10. 6. und auch über Götz Kubitscheks (indirekte) Entgegnung vom 10. 6. noch einmal nachgedacht.

Sie hatten ja eingangs betont, dass der Konservative womöglich „Ballast“ abwerfen sollte.
Später haben Sie dann präzisiert, dass Sie damit nicht die konservative Identität des Einzelnen meinen. Der Einzelne kann und soll sehr wohl sein Weltbild, sein Heimat- und Identitätsbewusstsein bewahren:
„Das Deutsche als solches – was die Identität des Einzelnen betrifft – ist auf gar keinen Fall als Ballast abzuwerfen. Das hätte ja fast schon psychopathologische Züge.“


An anderer Stelle haben Sie betont, wie sehr aber alles im Fluss ist, wie sehr sich alles, also auch alle Identitäten(!), wandeln.
Das ist richtig.
Das, was uns als Identität durchdringt und was wir hier mit uns führen, ist natürlich im ständigen Wandel begriffen und abhängig von den Eindrücken, die wir erhalten. Von überall her wirken Erfahrungen auf uns ein: vom Elternhaus, der Nachbarschaft, dem Freundeskreis, der Landschaft und Region, der Schule und natürlich den großen Erlebnissen und Erfahrungen, die uns in späteren Lebensjahren beeindrucken.
Kubitschek hat von den „großen Bildern“ und „Erzählungen“ gesprochen, die in diesem Sinne identitätsstiftend sind und die man den Kindern nicht vorenthalten darf.
Ob und welche Bilder und Erzählungen uns erreichen, das hängt zu einem großen Teil von den Zeitumständen ab. Deswegen gebrauchte ich das Wort „schicksalhaft“. Man selbst ist nicht der Prägestock.

Die Identität – und natürlich auch die deutsche Identität – eines modernen großstädtischen 20-Jährigen, eines kleinstädtischen 50-Jährigen oder eines 70-jährigen ehemaligen Landwirt unterscheiden sich so massiv, dass die tatsächliche Schnittmenge gering ist. Die gemeinsame Sprache wird indes´ dazugehören!

Die Schnittmenge ist bekanntermaßen auch deshalb so klein, weil die Mächtigen ganz bewusst die Kategorie des Erbes und der geistigen Verbundenheit mit früheren deutschen Verhältnissen kappen und zerstören wollen.
Die Umerziehung, der die Deutschen seit 70 Jahren ausgesetzt sind, hat als neues Thema die Eliminierung des historischen Bewusstseins und praktisch der gesamten deutschen Geschichte vor 1900.
Man kappt all das, was vor 1900, vielleicht gar vor 1933 war und konstruiert eine „Identität“ die in ihrem „Schuldstolz“ und ihrer ahistorischen Beschränktheit gar nicht mehr anders denken soll als dass man die Selbstauflösung in der EU bejahen muss.
Oder um mit Kubitschek zu sprechen: „Neukonstruktion einer Negativ-Identität“
Man braucht sich in diesem Zusammenhang nur mal die neuen Rahmenlehrpläne für Berlin und Brandenburg für das Fach Geschichte ansehen! Da sieht man, wie die neue Soll-Identität mit totalitär anmutender Konsequenz die Schulen noch weitgehender durchdringen soll. Wirklich ein krasser Einschnitt.

Ob die Schnittmenge der Identitäten wieder größer werden kann, ist eine schwierige und wichtige Frage! Die Identitäre Bewegung denkt darüber gewiss nach.
Man möchte meinen, dass dazu große gemeinsam durchlebte schicksalhafte Ereignisse oder gar Katastrophen nötig seien …
etwa in der Art der gemeinsam durchlittenen Bombennächte, der hungrigen Nachkriegszeit.

Rein theoretisch könnte die aktuelle Flutung unseres Landes mit Ausländern eine ähnliche schicksalhafte gemeinsame Erfahrung bewirken ...
Das setzte allerdings voraus, dass die unangenehmen Folgen wirklich sehr viele Menschen in etwa zur selben Zeit betreffen, dass sich wirklich viele Millionen in ihrem Land nicht mehr heimisch fühlen und sich von den Eliten und Systemmedien betrogen fühlen.
Und so schwach Pegida und die Identitären auch derzeit sind, so haben sie dennoch etwas mit einem neu geschärften Identitätsbewusstsein zu tun.

Wenn Sie, Herr Meyer, schreiben …
Das Deutsche ist keine Monstranz, die wir in der Vitrine stehen haben und sonntags einfach so vor uns hertragen.

… dann ist das insofern richtig, als dass die real existierenden Identitäten all der anderen, der Leser der Lügenpresse, der korrupten Elitenhelfer oder der Apolitischen eben nicht ignoriert werden können. Oder:
Wenn man es ignoriert, so wird die Resonanz der eigenen Ideen gering bleiben.
Wenn wir also Wirkung erzielen wollen, so müssen wir uns bewusst machen, was denn in der „Mehrheitsgesellschaft“ heute zur deutschen Identität zählt - egal, wie entsetzt mancher darüber sein mag.
Und wenn das nur DSDS mit Dieter Bohlen, die Strände von Mallorca, Helene Fischer, Rosenstolz, das Münchner Oktoberfest, die Bundesliga, Grillwürstchen aus Schweinefleisch, das Interesse an gleichsprachigem Krankenhauspersonal und nicht multiethnischer Nachbarschaft sind, dann gilt es, das zu respektieren.
Sich hierüber lustig zu machen, ist billig.

Ich denke, dass dieselbe Sprache, Hautfarbe und Alltagssitten den Kernbestand darstellen. Eine Nation definiert sich aber nicht (allein) durch die Leistungen ihrer Geisterheroen oder Künstler!
Mit Verweisen auf deutsche Geistergrößen der Vergangenheit wird man heute aber nur noch eine Minderheit interessieren können.
Was natürlich nicht heißt, dass man diese Geistesgrößen selber vernachlässigen sollte oder sie den Kindern nicht mehr nahebringt.

Wenn Sie eigentlich nur meinen, dass wir uns dieser Tatsachen bewusst sein sollen und nicht glauben sollen, dass unsere eigene Art von deutscher Identität ehernen Bestand haben wird bzw. von den anderen übernommen werden wird, dann kann ich Ihnen zustimmen.
Das Konservieren eines bestimmten Lebensgefühls, einer bestimmten Art von Identität ist unmöglich. Wir steigen eben niemals zweimal in denselben Fluss. Ein Zurück zur deutschen Identität von 1850, von 1870 oder 1914 ist in diesem Sinne unmöglich. Ich nehme mal an, dass Sie ungefähr das ausdrücken wollten.

Widersprechen möchte ich aber etwas im Hinblick auf diese Aussage:
„Wenn es uns wichtig ist, müssen wir es [die deutsche Identität] uns erarbeiten, es suchen. Es formt sich erst im Prozess dieses Sich-Erarbeitens.“

Dass man seine eigene Identität großartig entwickeln und gestalten kann, scheint mir eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich. Doch bleibt solches eher den wirklich freien Großen Geistern vorbehalten.
Oder meinen Sie damit, dass wir erarbeiten, erfassen müssen, was für die anderen, die Mehrheit der heutigen Deutschen, zur Identität gehört?!?

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@ Stil-Blüte
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