15. Juni 2015

Kreativ und konservativ?

von Lutz Meyer / 57 Kommentare

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

wohinMan kann das Wort „kreativ“ kaum noch ohne einen Anflug von Brechreiz zur Kenntnis nehmen, so inflationär und sinnentleert ist sein heutiger Gebrauch durch jedermann. Und steht nicht das hütende, sorgende Bewahren im Gegensatz zur permanenten Neuschöpfung durch den sogenannten kreativen Geist?

Dennoch könnte es sich lohnen, menschliche Kreativität auch aus konservativer Sicht neu zu bewerten – und zwar ohne dabei ausschließlich neue Ingenieursleistungen im Sinn zu haben.

Ein simples Beispiel für den Einstieg mag das Wort „Geschichte“ liefern. Ich denke bei diesem Wort an aufeinander Geschichtetes, an Schichtenbildung, an ein gleichsam archäologisches Freilegen Schicht für Schicht.

Oberlehrerhafte Gemüter schelten mich oberflächlich, weil ich frei assoziierend an der etymologisch richtigen Ableitung von Geschichte aus Geschehen vorbeigehe. Ich habe nie verstanden, warum die Oberfläche als minderwertig gilt, weiß doch jeder Bauer, jeder Geologe, jeder Archäologe und auch so mancher Fischer von der Oberfläche auf das in der Tiefe Verborgene zu schließen.

Nennen wir das eine (das Assoziieren) mal kreativ, das andere (den Verweis auf Lehrbuchweisheit) konservativ. Man könnte auch beides zusammen denken: Das Geschehene bildet Schicht für Schicht Geschichtetes, also Geschichte.

Überhaupt das freie Assoziieren: Man denkt Dinge zusammen, die weder von Natur noch von der bisherigen Empirie her zusammen gehören. Die Ergebnisse dieses freien Assoziierens, dieser wilden Analogiebildung, dieses Bastelns mit verborgenen Ähnlichkeiten sind schräge Einfälle, die der konservative Geist als Mist abzuqualifizieren geneigt sein wird – der kreative sieht im Mist den Dünger.

Der konservative Geist nähert sich einem Problem bestenfalls analytisch-systematisch, meist aber nur von der vertrauten Schulbuchweisheit her (ipse dixit – der Verweis auf gelehrte Spruchweisheit soll oft genug das Selbstdenken ersetzen); der kreative fliegt scheinbar planlos wie die Biene von Blüte zu Blüte – und bringt den Grundstoff für Honig nach Hause.

Können Konservative und Kreative sich annähern? Welche Spielregeln müsste der Konservative, der eher orthodox und dem Dienstweg verhaftet ist, akzeptieren, wenn er in einen kreativen Diskurs eintreten wollte?

Es sind die Spielregeln, die explizit vor allem seit den 60er Jahren in der Werbewirtschaft gelten (aber nicht explizit ausgesprochen auch für die großen Künste aller Zeiten gelten). Bevor wir zu ihnen kommen, halten wir uns vor Augen: Es geht im kreativen Prozess darum, etwas noch nicht bewußt Gewordenes bewußt zu machen – das und nicht die beliebige Schöpfung von irgendetwas Neuem um des Neuen willen ist die Kernleistung des Kreativen.

Die Regeln des kreativen Denkens könnten (zitiert nach R. Fabian „Der Gott aus der Maschine“, 1974) in aller Kürze so formuliert werden:



(1) Kritik ist untersagt. (gemeint sind vor allem die gern genutzten Killerphrasen wie „Alles graue Theorie!“, „Haben wir schon versucht!“ „Haben wir noch nie gemacht!“ und „Ihnen fehlt ganz einfach die Erfahrung!“ – solche Killerphrasen und Denkverbote sind für die hohe Säuglingssterblichkeit der Gedanken verantwortlich)

(2) Freies Umherschweifen der Phantasie ist willkommen.

(3) Quantität der Einfälle ist erwünscht.

(4) Kombination und Verbesserung von ausgesprochenen Ideen ist grundsätzlich gestattet.

Hier geht es um ein Starkmachen der Intuition, die normalerweise nicht zusammenpassende Informationen (diese sollten freilich im Übermaß vorhanden sein) verknüpft und dabei nicht auf der Heerstraße des logischen Denkens marschiert, sondern die Neben-, Wald- und Holzwege beschreitet.

Wichtig im intuitiven Prozess ist das Element der Verfremdung – alles, was ist, wird mit anderen Augen gesehen. Dieses Sehen mit anderen Augen ist es, was der konservative Geist vielleicht als allererstes lernen müßte. Gern zitiert zur Veranschaulichung der kreativen Leistung wird auch die chinesische Legende vom gelben Kaiser, der seine Zauberperle verloren hatte. Nacheinander sandte er, um sie wiederzuerlangen, Erkenntnis, Denkkraft und Absichtslos aus. Natürlich war es Absichtslos, der die verlorene Zauberperle wiederfand. Warum nicht mal absichtslos in den Zug nach Nirgendwo einsteigen?

Selbstverständlich ist es mit dem freien Assoziieren allein nicht getan. Wenn auch der Konservative oft glaubt, des Kreativen nicht zu bedürfen, so braucht der Kreative doch das konservative Element. Der kreative Geist sucht und integriert zwar schöpferische Spannungen, doch ohne eine organisierende Lebenshaltung wäre er ein Chaot, ein Stück Treibholz im Fluß des Lebens.

Doch das Schräge bleibt. In der Mythologie wie auch im wirklichen Leben ist der Kreative oft mit einem Manko behaftet. Hephaistos, Daidalos, Wieland der Schmied – alle hinken (darauf machte systematisch die auch heute noch sehr lesenswerte Abhandlung von Stephan Sas „Das Hinkende als Symbol“ aus dem Jahr 1964 aufmerksam). Der gelernte Arzt Gottfried Benn hat die Kunstgeschichte im Blick, wenn er in seinem „Lebensweg eines Intellektualisten“ ausführt:
Unter den hundertfünfzig Genies des Abendlandes finden wir allein fünfzig Homoeroten und Triebvarianten, Rauschsüchtige in Scharen, Ehelose und Kinderlose als Regel, Krüppel und Entartete zu hohen Prozenten, das Produktive, wo immer man es berührt, ist durchsetzt von Anomalien, Stigmatisierungen, Paroxysmen. Natürlich sind Goethe und Rubens da, reich, stabil, nahezu rausch- und giftfrei, wenn man sich Götter vorstellen wollte, hier sind sie, aber sie sind die Ausnahme, es ist nachweislich klar, statistisch klar, der größte Teil der Kunst des vergangenen Halbjahrtausends ist Steigerungskunst von Psychopathen, Alkoholikern, Abnormen, Vagabunden, Armenhäuslern, Neurotikern, Degenerierten, Henkelohren, Hustern –: das war ihr Leben, und in der Westminsterabtei und im Pantheon stehen ihre Büsten, über beidem stehen ihre Werke: makellos, ewig, makellos, Blüte und Schimmer der Welt.


Benn weist darauf hin, daß das Abnorme kein Freibrief für Schweine und Schnorrer sei. Doch dieser Fingerzeig auf die Produktivität des Abnormen, die Künstlern als Kreativen oft zueigen ist, sollten den konservativen Büsten- und Büchersammler vielleicht nachdenklich stimmen.

Armenhäusler, Abnorme, Degenerierte – ihnen, diesen Freaks und Schreckensbildern zumindest schlicht gestrickter konservativer Gemüter vom „Bausparer“-Typus, ist zu verdanken, was der Konservative bewahren möchte. Ist seine aus- und breitgelatschte Heerstraße des logischen, des rationalen, des herkömmlichen Denkens wirklich der Königsweg? Warum sich nicht den Feld- und Waldwegen, den Holzwegen (wie denen Heideggers) ein wenig mehr anvertrauen?

Konservative könnten, um sich aus der nicht selten anzutreffenden Erstarrung des Denkens und Fühlens und dem oft nur unproduktiven Festhalten am einmal Gelernten zu befreien, von Kreativen lernen. Dazu freilich bedarf es eines gewissen Mutes und einer Bereitschaft, in die Sphäre des Abnormen, des von jeder Norm Befreiten, einzutreten. Notabene: Es geht nicht um die grundsätzliche Preisgabe des Bewahrens, sondern um dessen produktive Anverwandlung.

Also: Welche Themen, welche Aufgabenstellungen sollen und müssen wir kreativ-konservativ angehen ("kreativ" bitte nicht verwechseln mit "konstruktiv")?

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (57)

Exmeyer
15. Juni 2015 09:53
Das assoziative Denken ist schnell (reale Gefahrenabwehr), effizient im Umgang mit einer unendlichen Datenmenge, aber ungeordnet, zum großen Teil unaussprechbar und ziellos. Das ist der Nachteil.
Das geordnete analytische Denken ist in seiner geschulten Form begrifflich. Es kann auf den Punkt kommen, führt zu Ergebnissen, erzeugt mitteilbare Ordnung. Sein Nachteil ist die Begrenztheit der Datenmenge, mit der man kalkulieren kann. Dieses Denken ist immer begrenzt, simplifizierend und erkennt diese Begrenzung kaum.
In der empirischen Entscheidungsforschung, die jeder dieser beiden Denkweisen je eine Hirnhälfte zuordnet, stellt sich heraus, daß erfolgreiche Entscheidungen durch beide Hirnhälften zu wandern haben, um sich positiv von Durchschnittsergebnissen abzuheben.

Während die linke begriffliche, analytische, rationale und langsame Hirnhälfte zwar Ordnung in das Denken bringt, im Wesentlichen durch Versymbolisierung, Definitionen und durch Reduktionen, wird sie, aller Philosophie zum Trotze, niemals die Richtung vorgeben können. Wenn unvorhergesehene Phänomene auftauchen, ist es die schnelle rechte Hirnhälfte, die uns das Phänomen als gefährlich oder ungefährlich einordnen läßt und adäquat darauf reagiert: Bei Gefahr Flucht oder Kampf.

Ob die Variante Kampf für mehr steht als das bloße individuelle Überleben? Ist Kampf nicht das Einsetzen der eigenen physischen Existenz für etwas anderes?

Sicher ist, daß das Hirn im Zweifel auf Aktion und auf Gefahr hin ausgerichtet ist, wenn es darauf ankommt. Mittels linkshirnischer Analyse des rechten assoziative Gehirns, erhält man den Ordnungsfaden, den das linke und das rechte Hirn jeweils alleine nicht ermitteln können: Alles rationale Denken SOLL auf das Handeln und auf die Gefahrenbawehr gerichtet sein. Über das eigenen Ich hinaus. Das ist der Anknüpfungspunkt. Bekämpfung von Optionseinschränkungen, erzielen von Optionserweiterungen für das Gemeinswesen und für das ich.

PS: Hier kann es nur einen "Meyer" geben, so wie es ja auch nur einen "Raskolnikov" geben kann.
Regenwalde
15. Juni 2015 10:04
Lieber Herr Meyer, ich denke, Sie konstruieren da einen Gegensatz, wo nicht unbedingt einer ist.

Es soll auch schon den einen oder anderen kreativen Konservativen gegeben haben. Die totale Dekonstruktion des Althergebachten war ja nicht immer der Job der Kreativen, so wie das im westlichen Kulturkreis seit Jahrzenten leider zum Beispiel in der Kunst und in der Architektur en vogue ist.

Kreativ leitet sich von Creatio ab, was Schöpfung heißt, und bekanntlich ist das Bewahren der Schöpfung urkonservativ. Der Konservative bejaht deshalb im allgemeinen das Entstehen des Neuen nicht nur in der Natur, sondern auch im Geiste. Er möchte das Alte dadurch aber nicht verschwinden sehen, das scheint mir das wesentliche. Er unterwirft das Neue wahrscheinlich auch einer kritischeren Betrachtung als der Fortschrittsjunkie - aber ein Feind der Veränderung ist er dadurch nicht automatisch.

Der englische Admiral, der beim Aufkommen der ersten Eisenschiffkonstruktionen sagte, das sei Blödsinn, jeder Mensch wüßte schließlich, Eisen schwimmt nicht, war meiner Meinung nach deshalb nicht in erster Linie konservativ , sondern hauptsächlich -nun ja, es tut mir leid - blöd.
Carsten
15. Juni 2015 10:29
Hör ma uff mit Werbewirtschaft! Den Stall kenn' ich! Nur Spinner! Aber ist der Kölner Dom nicht "kreativ"? Oder Bruckners Musik? Oder die Ikonographie der Identitären? Ich sehe den Widerspruch nicht. Die Konservativen bestehen doch längst nicht mehr nur aus "Bausparern". Und andererseits, mit dem Künstlertum von Alkoholikern und sonstigen Freaks ist das so'ne Sache: Heute wird jeder entartete Scheiß gefeiert, wenn der Urheber bloß umoperiert, mongoloid oder sonstwie "benachteiligt" (auch schön: "andersbegabt") ist. Soll ich jetzt konservatives Regietheater machen, oder was? Schöpferisch sein - ja; ”kreativ" sollen mal die irgendwas-mit-Medien-Deppen sein.
Lutz Meyer
15. Juni 2015 10:56
@ Carsten:

Nu mal langsam... Nicht wenige heutige Rechte/Konservative neigen dazu, die Problemlösung aus dem Gestern heraus anzugehen (meinetwegen auch aus dem, "was ewig währt"). Ich möchte dazu ermuntern, hier etwas forscher und auch forschender zu sein und dem Geist freien Lauf zu lassen - raus aus der Stallung, weg mit den Zäunen, fort ins Freie, Unverstellte. Meine Befürchtung: Man kann die Stalltür noch so weit offen stehen lassen, die Herde geht nicht in Freie. Und erst recht wird sie nicht den angestammten Weidegrund verlassen. Oder?

Die Werbewirtschaft zu glorifizieren, liegt mir sehr fern (obwohl ich die US-Serie Mad Men wirklich sehr sehenswert finde - heutige Agenturen sind da meist nur ein müder Abglanz). Dennoch muss man anerkennen, daß von dort, wo konsequent und systematisch "kreativ" im Sinne der in meinem Text gestreiften Grundregeln gearbeitet wird, große gesellschaftliche Veränderungsimpulse ausgegangen sind (und teilweise auch noch ausgehen).

Es geht also um Fragen der Methode, nicht um Slogans und Logos. Ich möchte das für uns hier nutzbar machen.


@ Exmeyer:

Ihre Umbenennung: Danke, sehr feinfühlig :-)
Hartwig
15. Juni 2015 11:20
@ Lutz Meyer
Seit zwei Wochen schreiben Sie hier. Liege ich richtig, wenn ich Ihren wortreichen Beiträgen die Überschrift "Ich will euch Beine machen" verpassen würde?
Ihre Texte sind mir zu weitschweifig und binnen zweier Wochen auch zuviele. Aber grundsätzlich ist die Absicht eines "Aufscheuchens" die Richtige. Die Akzente sollte jeder für sich setzen. Ich empfehle "Beine machen" im wörtlichen Sinn. Täglich Sport. Das Bäuchlein wegtrainieren. Der Gang! Welcher Frau schaue ich auf der Strasse nach?? Der Schönen? der Reizenden? der Nuttigen? Allen! Aber bei welcher Frau kann ich nicht mehr wegsehen? Bei einer, die sich zu bewegen weiß, der Anmutigen. Und ähnlich auch bei Männern. Gehen, bewegen, Sicherheit gewinnen, beeindrucken. Und zu dem gehen, der beeindruckt.
Alles andere führt zu 'Diskussionen'. Davon rate ich ab.
Gustav Grambauer
15. Juni 2015 11:49
Nach meiner Analyse ist die Junge Freiheit mit ihrem Karren nicht im politischen System steckengeblieben, sondern in kulturellen "Schichten": sie hat den Anschluß an die ganze Dimension der "Wiederverzauberung der Welt" nicht geschafft. Es wäre die größte Tragödie, wenn sich jetzt die Träger der Eurasischen Achse erfolgreich gegen diesen Geist verschwören würden. Der Schlüssel liegt im deutschen Geistesleben, Sezession ist längst die Avantgarde.

Weiterhin diagnostiziere ich eine hilflose Angst, weil heute die Bestrebung zur "Wiederverzauberung" noch potenziert größere Gefahren in sich birgt als deren letzter Versuch - in der Aufzählung der Hinkenden darf Goebbels nicht fehlen.

Aber es muß sein, nur auf einer anderen, rettenden, Basis:

Der von Ihnen erwähnte Gelbe Kaiser gilt in der Anthroposophie als Inkarnation Luzifers, was eine Inkarnation seines Gegenpols, (sowie seines Karmas) Mephistopheles / Mammon in einem nordamerikanischen "Leader" nach sich ziehen wird, zeitlich gespiegelt am Mysterium von Golgatha: der Kern der Meta-Polarität zwischen China und Nordamerika.

Der Ausweg für uns (und für andere aus ihrer berechtigten Angst) liegt weder in "permanente Kreativität" noch im "Bausparer-Konservatismus" sondern in derer christlicher Synthese, was ich keineswegs in irgendeinem konfessionellen Sinne meine.

Davon hängt das Überleben Europas ab: wenn uns eine solche Synthese gelingt, wird der Krieg nicht über uns ausgetragen sondern über den Pazifik.

- G. G.
Theosebeios
15. Juni 2015 12:25
Ich finde es verdienstvoll, Herr Meyer, dass Sie (evtl. schon verknöcherten) Konservativen Beine machen wollen, wie es ein Mitkommentator ausdrückt. Ich lasse das gerne hin und wieder an mir zu. Aber: geht das überhaupt so allgemein, wie Sie es tun? Man kann Karlheinz Weißmanns letzten Kommentar in der JF als eine Art Antwort auf Ihr Bemühen lesen. Schließlich ist es neu und vielleicht sogar kreativ, beispielsweise zu fragen, ob die Ehe von Homosexuellen "ein konservatives Projekt" sein könnte. Denn es stärkt ja Bindungen, wo diese doch so eminent zerfallen. Ich halte Weißmanns Schlussfolgerungen nicht für zureichend, aber das ist eine andere Sache, so jedenfalls wäre zu erörtern, ob und wie der Konservative zum Änderer wird, mit aller Beweislast, die er sich selbst in dieser Funktion auferlegen muss.

Daher halte ich auch von einer "Mythendebatte" nichts. Zu allgemein, zu diffus.

@ GUSTAV GRAMBAUER: Drum halte ich auch nichts von einer "Wiederverzauberung der Welt", sondern bleibe ein 'Bausparer' mit "kaltem Blick". Die Lage erkennen, nicht die Welt verzaubern (wollen), was sowieso -- pardon, bei aller Wertschätzung Ihrer geistreichen Kommentare -- an Größenwahn grenzt (Zitat: "wenn uns eine solche Synthese gelingt ...")

Also, Herr Meyer, werfen Sie doch mal eine konkrete 'Kreation' in den Raum!
Lutz Meyer
15. Juni 2015 12:46
@ Theosebeios:

Ja, ich mache es hier bewusst allgemein, um etwas anzustoßen, Diskussionen auszulösen, Reaktionen und meinetwegen auch Wutausbrüche zu provozieren (da hat @Hartwig durchaus recht). Das mache ich aber nicht mutwillig, sondern weil ich im rechten Sektor immer wieder einen Mangel spüre, den ich für hinderlich halte. Wenn es mir dabei zuweilen etwas zu sehr in Richtung "Publikumsbeschimpfung" zu gehen scheint, bitte ich um Nachsicht. Ist nicht ganz so gemeint.

Und: Die konkreten Kreationen sind in Arbeit!
Yvonne
15. Juni 2015 13:35
Mit Meyer wird es frischwindig peppig-kreativ hier, das finde ich gut!

Also: Welche Themen, welche Aufgabenstellungen sollen und müssen wir kreativ-konservativ angehen („kreativ“ bitte nicht verwechseln mit „konstruktiv“)?


Warum aber nicht konstruktiv? Kreativität, die nicht im Dienste der Zersetzung steht, sondern wahrhaft schöperisch ist, zusammenführt und transzendiert, das ist doch die rechte Kunst, die könnten wir gebrauchen.

Apropos Publikumsbeschimpfung: Bitte nicht ständig so viel peinliches Eigenlob und albernes Namedropping zum Beweis der Belesenheit in Kommentare packen, sonst könnte der Eindruck entstehen, es handelt sich bei uns um eine Menge verkniffener, zukurzgekommener Unsympathen.
Überhaupt hapert's mit der Außenpräsentation, da könnten wir mal kreativ sein: „Wir“ sind nunmal ein gemischter Haufen von konservativ bis liberal Unangepassten, Revolutionären, Spießern, Völkischen, Alt- und Neu-Rechten und müssen daher auch als solcher selbstbewußt in Erscheinung treten. Konservativ-kreativ - wir haben ja schon alles dabei, jetzt müssen wir es nur noch so zusammenbasteln, das es nach was Interessantem aussieht. Und bitte dafür auf Abgrenzung verzichten. Wer das nicht kann, hat sich geistig schon unterworfen. Zur allgemeinen Lockerung empfiehlt sich dieser Künstler: https://www.youtube.com/watch?v=4TBnLTgjHQM
Hermann Karst
15. Juni 2015 15:12
Ich kenne zahlreiche Zeitgenossen, die sind konservativ, nach eigener Einschätzung und nach meiner Beurteilung. Die einen sind kreativ, andere sind es nicht. Oder nicht in auffälligem Maße. Ich kenne sicherlich noch viel mehr Menschen, die ich eher nicht als konservativ bezeichnen würde (und sie sich selber auch nicht). Die einen sind kreativ, andere sind es nicht. Oder nicht in auffälligem Maße.

Bis jetzt ist mir nie in den Sinn gekommen und wäre mir auch nie in den Sinn gekommen, „konservativ“ und „kreativ“ als Gegensatz zu verstehen oder irgendwie in Gegensatz zu bringen. Und nun? Nun habe ich Lutz Meyer gelesen und bin bestürzt: War ich denn mein Lebelang blind? Oder naiv? Oder was? Ich werde in mich gehen und drüber nachdenken.
jack
15. Juni 2015 15:27
"Das Abendland geht nicht zugrunde an den totalitären Systemen, auch nicht an seiner geistigen Armut, sondern an dem hündischen Kriechen seiner Intelligenz vor den politischen Zweckmäßigkeiten."
(Gottfried Benn)

Ist die "hündisch kriechende Intelligenz" jetzt rechts, links,
konservativ, kreativ, progressiv oder nichts von alledem?

"Warum Konservative immer verlieren"
http://antaios.de/gesamtverzeichnis-antaios/reihe-kaplaken/1300/warum-konservative-immer-verlieren?c=7
Lutz Meyer
15. Juni 2015 15:32
@ Hermann Karst

Ich bestreite doch gar nicht, daß es konservative Maler, Musiker, Dichter, Bildhauer, Alltagskreative gibt. Ich zitiere sie ja sogar gelegentlich. Mir geht es um eine bestimmte Form der Kreativität - nämlich die, die im politischen Handeln hilft, aus den vertrauten Denk- und Lebensbahnen auszubrechen. Und auch hier würde ich niemals bestreiten, daß es im rechten Lager neben bestürzend schlechten auch gute Ansätze gibt. Aber vielleicht käme man noch weiter, wenn man öfter mal den Dienstweg verlässt und auf Holzwegen wandelt. Soll sagen: Wir sollten vor allem den Methoden der geistigen Arbeit mehr Aufmerksamkeit schenken.
Exmeyer
15. Juni 2015 15:33
Es gibt zwei Arten zu lesen:
Schreibtisch mit Blatt und Stift ("Wer das Buch im Bette las, hat es nicht gelesen.") Analytisch. Langsam. Gründlich. So müht man sich mit Schopenhauer ab.

Oder: "Hirn aus" / "im Bette". Das entspricht der Aufforderung des Dozenten, "jetzt nicht mitzuschreiben" (woran sich Studenten der Jursiprudenz nicht halten). Dabei wird man kaum einen MESSBAREN Mehrwert einfahren. Man wird bei Desinteresse das Buch auch zügig beiseite legen. So kann auch weder volkswirtschaftliche Rechnungen verstehen, noch die Definitionen von irgendwelchen unbedeutenden Normen auswendig lernen.
Aber man wird dennoch ETWAS behalten. Unmeßbar. Es versenkt sich direkt ins Unterbewußstein und ist mächtiger, als alle rationale Analyse. So hat man Lederstrumpf gelesen, Stahlgewitter und Fernau. Aber auch Schmitt. Manchmal fasziniert die Verbalisierung von Selbstverständlichkeiten. Schmitt kann das oder der Hagakure.

Sind Konrad Lorenz oder Machiavelli nun "konservativ" oder "kreativ"?
Arminus? Andreas Hofer (Partisan UND k-u-k-katholisch)?
Passen die Begrifflichkeiten "konservativ" vs. "kreativ" zur Beschreibung?

Um das zu klären: Der Typus weinerlicher Spießer, der auch hierhin gefunden hat, ist nicht politisch-konservativ, wenn man unter konservativ versteht, daß die Gestaltung oder der Verlust des eigenen, gewünschten Lebensumfeldes von machtpolitischen Voraussetzungen abhängt. Diese machtpolitischen Voraussetzungen sind bis heute aus rein anthropologischen Gründen heraus recht konstant. Selbst die Technik hat das noch lange nicht verdrängt, nur verändert.
Diese Konstante und der VERSUCH, diese zu erkennen, daraus Schlüsse zu ziehen und konkretes Handeln abzuleiten, ist konservativ. Und reaktionär. Und revolutionär. Zugleich.

Alles andere ist Heulsuserei, links wie rechts. Es ist das Geweine eines Braunbären, daß ihn ein neues Wasserkraftwerk von der naturgesetzlichen Lachszufuhr abschneidet. Irrelevant.

Die pseudokonservativen Spießer werden ihre geliebeten DIN-NORMEN (ganz nach Kubitschek) alle verlieren, wenn sie nicht gewillt sind und diesen Willen deutlich erkennen lassen, die DIN-Normen außer Kraft zu setzen.
Und das macht den DIN-Norm-Spießer ja aus, daß er sich niemals über diese hinweg setzt. Deswegen wird er sie verlieren. Zurecht!
Rainer Gebhardt
15. Juni 2015 16:01
Glotzt nicht so kreativ!

Die Kreativitätsforderung hat längst alle Lebensbereiche erfaßt. Friseure, Müllmänner, Busfahrer, Briefträger, Femen, Autonome, Liebespaare, Winzer, Fußballer, Bauern, Polizisten, Hausfrauen, Schüler - alle sind heute "irgendwie kreativ" oder sollen es sein. Das nervt. Schön, daß das Leben, so konservativ ist, es vergeht einfach.
Hermann Karst
15. Juni 2015 17:13
@ Lutz Meyer, 15.32 Uhr

So gefällt's mir schon besser! Da kann ich das meiste unterschreiben.

Sie haben allerdings in Ihrem Beitrag oben die Frage gestellt: "Können Konservative und Kreative sich annähern?" Damit haben Sie doch die beiden Begriffe ganz entschieden in Gegensatz zueinander gebracht, und in einen mißlichen Gegensatz zumal, deshalb ja Ihre Frage, ob da (überhaupt) einen Annäherungsmöglichkeit denkbar ist.

Nun räumen Sie mehr oder weniger ein, daß Sie es soo eigentlich doch wieder nicht gemeint haben. Ich bin beruhigt!
RL
15. Juni 2015 17:39
Sehr geehrter Herr Lutz Meyer,

in Ihren Texten finde ich nur sämtliche Klischees und Vorurteile versammelt, die die ach so liberale bis ganz weit linke Mehrheitsgesellschaft über Konservative hat.

Habe die Ehre,

RL
Lutz Meyer
15. Juni 2015 17:48
@ RL

Ich will Ihnen coram publico wirklich nicht wehtun. Aber Sie bestätigen diese Klischees doch aufs Trefflichste.

@ Hermann Karst

Beruhigt sein sollten Sie auf gar keinen Fall. Versetzen Sie sich lieber in den permanenten Unruhestand. Und: Doch, ich habe das alles so gemeint. Meine Antwort an Sie war kein Widerruf angesichts der drohenden Inquisition, sondern eine Präzisierung.
Eveline
15. Juni 2015 17:55
Nach dem Lesen Ihres Textes wollen ein paar Gedanken schon loslaufen und rufen : "Nicht schlecht, nicht schlecht von Lutz Meyer, was er so nebeneinander schreibt, reißen schon diese und jene Kiste auf, aber die Genervteren sagen: "Ruhe! Du schaust heute auf die Welt wie durch Zuckerwatte." Laß es.

Und so fällt mir gerade noch ein, das morgen Neumond ist. Also der Mond
lädt jetzt die letzten 14 Tage gelebter menschlicher Gefühle der Sonne zum Lesen ab. Und da waren die Treffen der Bilderberger und der G7 Gipfel. Nichts wird vergessen, aller Geheimnistuerei zum Trotz.
Wie konservativ doch das Universum ist, der Mond kann nicht so abhängen wie ich heute. Oder doch?
Waldgänger
15. Juni 2015 19:07
Hallo Herr Meyer,
um mal konkret zu werden:
Wo, bei welchen Themen und in welchen Situationen könnten, sollten Konservative denn Ihrer Meinung nach kreativer sein?

Ich hoffe, dass Sie das jetzt etwas konkretisieren können, sonst hängt der Artikel irgendwie unverbunden und rein theoretisch im Raum
Helga Müller
15. Juni 2015 20:42
Ich habe ein Problem damit, so schnell zu denken, wie der Verfasser schreibt.
Das meiste davon bewegt mich auch nicht.
Ich denke mit dem Sprichwort STILLE WASSER SIND TIEF- und kann mir vorstellen, daß im Ruhigen noch viel ungeborenes liegt.
Wir leben in diesem unseren Vaterland und erlauben den Amerikanern das ungerechte Morden von Ramstein aus entgegen den Regeln unseres Grundgesetzes....
Warum bringen Sie hier so viele Aspekte, die in einer bestimmten Akademie vielleicht interessieren, aber durchschnittliche Blogleser eher verwirren?
Bezwecken Sie das?
Peter M. Messer
15. Juni 2015 20:50
Es ist schon lustig: Während Lutz Meyer die Konservativen zur Kreativität bekehren will, ist man bei den Linken und in der Mainstream-Soziologie längst weiter und thematisiert die Kosten des allgegenwärtigen Kreativitätskults für das Individuum – und zwar teils seit Jahrzehnten. Ein guter Einstieg ist der von Juliane Rebentisch und Christoph Menke herausgegebene Sammelband „Kreation und Depression“. Der Titel gibt einen wesentlichen Zusammenhang als Ergebnis dieser Analysen wieder. Auch das von Lutz Meyer gebrachte Benn-Zitat bekommt eine besondere Brisanz vor dem Hintergrund, dass der künstlerisch-kreative Mensch das Leitbild der gegenwärtigen Gesellschaft bildet. Dann wird eben auch die damit verbundene Kaputtheit epidemisch, und die hier regelmäßig beklagte Dekadenz hätte ihre eigentliche Ursache nicht in Individualismus, Materialismus usw., sondern im Kult der Kreativität.

Zudem steht Kreativität heute in unmittelbarem Zusammenhang mit den herrschenden „Ideologien der Auflösung.“ Der Nutzen der Auflösung aller Grenzen zwischen Nationen und Kulturen und die Vermischung von allem mit allem wird je gerade damit angepriesen, dass die so entstehenden „Third Spaces“ und hybriden Persönlichkeiten im Sinne eines Homi K. Bhabha der Kreativität und Innovation förderlich seien. Konservative haben nichts zu gewinnen, wenn sie in diesen Diskurs einsteigen.

Es wäre also die eigentliche Aufgabe substanziell Konservativer, diesen Kreativitätskult zu entzaubern, und das könnte man ganz einfach tun, wenn man eben die genannten Erkenntnisse der Soziologie aufnehmen und für die eigene politische Argumentation fruchtbar machen würde. Damit könnte man sich auch der Lebenswirklichkeit der Menschen nähern, die man politisch gewinnen will. Linke Analytiker fördern hier jede Menge an Argumenten zu Tage, die Konservative und Rechte ungenutzt liegenlassen. Sollte Lutz Meyers Aufruf zur Kreativität dazu führen, sich dieser Mittel endlich zu bedienen, dann würde ich ihn lebhaft unterstützen. Ich fürchte nur, dass er eher zu noch mehr geistig-metapolitischen Höhenflügen führen wird. Hier wäre mir bei Konservativen und Rechten deutlich weniger Kreativität lieber.
Realist
15. Juni 2015 21:17
@Helga Müller,

Ich habe ein Problem damit, so schnell zu denken, wie der Verfasser schreibt.


das ist nun wahrlich zuviel der Ehre für derartige Allgemeinplätze. Das lästigste an den MSM ist das ständige Hintergrundrauschen aus Belanglosigkeit, plumpen Manipulationsversuchen, Halbwissen, welches selbst zum gefährlich sein zu seicht ist, und "Informationen" mit der Halbwertszeit eines Schokoladeneises in den Händen meines Sohnes.

Es nervt, das Filtern kostet unnötige Kraft. Es ist der Hauptgrund, warum ich mir maximal 5-10 min. Exposition am Tag erlaube.

Nun fängt es auch bei der Sezession an zu rauschen. Die Inflation der Information hat bereits eingesetzt. Schade.
Yvonne
15. Juni 2015 21:59
@ Peter M. Messer
Die sog. Kreativität (das Wort ist einem natürlich eigentlich verdorben, hat Meyer selbst vorangeschickt) steht hier eben für gewöhnlich im Dienste von Individualismus und Materialismus. Unser in die Depression führender "Kult der Kreativität" ist der Kult der Emanzipation, der Zersetzung, und damit das Erbe von Frankfurt/ 68. Doch für uns kann es nicht verkehrt sein, nach neuen Wegen zu suchen - wir sind ja insgesamt nicht gerade auf der Erfolgsspur, auch wenn es besser geworden ist. Kann also jeder was vorschlagen. Unser Volk geht seinem Ende entgegen, da darf man schon mal kreativ werden. Ist einfach in mancherlei Hinsicht nicht der richtige Zeitpunkt fürs Bewahrerische.
glauben, hoffen, standhalten
15. Juni 2015 22:33
@ Herr Meyer,
mir ist das alles zu viel sprachliche Wortklauberei.

Angesichts der heutigen radikalen Verlust-Bedrohungen kann der grundsätzliche Lebensspruch für einen „Konservativen“ erstmal nur lauten: „Die Schöpfung bewahren“.

Hierzu müssen wir unseren "Mut" vor den übermächtigen Abschaffern und unsere widerständige "Kreativität" beweisen.

Einzelne, künstlerisch begabte oder begnadete Psychopathen, Alkoholiker, Asoziale und Neurotiker, wie Gottfried Benn sie beschreibt, können selbstverständlich akzeptiert werden, solange sie das Ganze nicht im Bestand und in der Fortentwicklung gefährden.
Michael Schlenger
16. Juni 2015 00:14
Werter Herr Meyer,

Sie schreiben: "Es geht im kreativen Prozess darum, etwas noch nicht bewußt Gewordenes bewußt zu machen". Da haben Sie sicher recht.

Nur ist der Konservative m.E. der Überzeugung, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass gerade er Dinge bewusst machen kann, die vor ihm über Jahrtausende noch keiner bewusst gemacht hat. Diese Skepsis zeichnet ihn aus. Hätte er sie nicht, wäre er kein konservativer Geist.

Der Konservative konzentriert sich auf den Erhalt dessen, was seinen Wert über die Zeiten und bewiesen hat. Er ist sich bewusst, dass dies eine Beschränkung darstellen mag. Daher überlässt er gern den Kreativen das Feld, so sie ihn nicht bevormunden, und lässt sie sich - meist vergeblich - abmühen, den Grundfragen des menschlichen Daseins neue Erkennntnisse abzugewinnen. Das Bedürfnis, selbst seine Zeit damit zuzubringen, bleibt ihm jedoch fremd und "das ist gut so". Oder mangelt es dieser bunten Gesellschaft an Kreativen? Wohl eher an Konservativen, nicht wahr?

Darf ich bei der Gelegenheit fragen, zu welchen neuartigen Einsichten und Lösungen Sie Ihre vermutete Offenheit für kreative Techniken gebracht hat? Wollen Sie ihre Ergebnisse nicht lieber vorstellen, als sich auf ein im Ungewissen bleibendes Fragen und Raunen zu beschränken?

Skeptische Grüße
M. Schlenger
Realist
16. Juni 2015 02:17
@Sezession

Daß mein letzter Kommentar freigeschaltet wurde, ist Ausdruck jener Wahrhaftigkeit, die mich immer wieder an diesen Ort zurückkehren läßt. Wenn Heimat dort ist, wo man sich nicht zu erklären braucht, auch wenn der Ausdruck gelegentlich ruppig daherkommt, dann ist dies wohl ohne Wenn und Aber ein integraler Teil meiner geistigen Heimat geworden.

Dafür gilt Ihnen mein Dank!
Lutz Meyer
16. Juni 2015 07:05
@ Realist

Das, was Sie Rauschen nennen, ist für mich nicht der Hinweis auf Unscharfes oder gar Verdorbenes, sondern auf einen Prozess, den man fast schon als vorbereitend-kreativ deuten könnte. Es knistert, es scharrt und scheuert, es liegt Unruhe in der Luft. Manche hier reagieren darauf sehr ablehnend, andere aufnahmebereit. Was entstehen kann, ist eine Auseinandersetzung mit eigenen Positionen, aber auch untereinander. Könnte es etwas Besseres geben? Nicht das ständige Bestätigen der eigenen Meinung bringt uns weiter - kann demgegenüber nicht gerade das ernsthafte Infragestellen des Eigenen im Sinne einer Selbstprüfung der Beginn zu etwas Großem sein? Daß ich holzschnittartig vergröbere, ist mir bewusst - mitunter muss man die Dinge einfach polemisch zuspitzen, muss auch laut werden, um andere aufzuschrecken.
Hartwig
16. Juni 2015 07:20
War gestern mal wieder bei LEGIDA in Leipzig. Müßig und OT, hier alle Begleitumstände aufzulisten. Nur soviel, weil passend zu Lutz Meyers Beiträgen:
Ich möchte alle hier Lesenden "an-stiften", ebenfalls eine GIDA-Demonstration zu besuchen. Als "Outlaw" kann man sich dort insoweit fühlen, als dass man von einem Mob umzingelt ist, welcher von Politik und Presse (lvz-online.de) gebauchpinselt wird. "Kreativität" ist vor allem beim Erreichen bzw. beim späteren Verlassen des Versammlungsplatzes gefragt, speziell dann, wenn man "kreativ" mit entsprechender Symbolik geschmückt ist.
Und um die Ehre zu geben: Unter den Demonstranten waren neben der IB und erstaunlich vielen Jungen auch Männer und Frauen, die man rein äußerlich für "Schrebergartenkonservative" halten mag.
Lutz Meyer
16. Juni 2015 07:24
@ Michael Schlenger

Ich teile Ihre Skepsis gegenüber meinem Tun durchaus. Wir haben heute in der Tat ein Übermaß an falsch und zu kurz gedachter Kreativität.

Gerade deshalb möchte ich ja das Kreative (hier nicht begriffen als der Flachsinn, als der es heute ausgegeben wird, sondern als geistige Beweglichkeit und spielerische Offenheit für noch nicht Gedachtes, für Fremdes und Befremdendes - und dies nicht im Sinne einer gedankenlosen Übernahme, sondern als neugieriger Versuch, es mit eigenen Überlegungen zu kreuzen, es anverwandelnd zu verbauen) mit dem Konservativen verbinden. Ich möchte zu Experimenten einladen, die jeder jederzeit an nahezu jedem Ort durchführen kann - für sich und mit anderen. Ich ziehe deshalb auch keine fertigen Antworten aus der Tasche, obwohl ich natürlich schon einiges durchgespielt habe.

Betrachten Sie meine bisherigen Äußerungen hier deshalb bitte als Anstoßerregung - ich will nicht vordergründig anstößig wirken, sondern etwas anstoßen.
Waldgänger
16. Juni 2015 07:28
@ Peter M. Messer

Danke für diesen sehr interessanten Kommentar.
Mir scheint auch, dass das, was heute "Kreativität" genannt wird, nicht unbedingt das ist, was man traditionell unter Kreativität versteht.

Es scheint mehr in Richtung auf "kreative Anpassung" an fremdbestimmte Neuerungen und in Richtung auf "Flexibilität" (bei der Anpassung) zu gehen ...
So im Sinne jenes berüchtigten "Sich-neu-erfinden", was der Mainstream dann als kreative Leistung feiert, obwohl es keine ist.

Daher Zustimmung:
"Es wäre also die eigentliche Aufgabe substanziell Konservativer, diesen Kreativitätskult zu entzaubern, ..."


Außerdem warte ich immer noch auf die Beantwortung meiner gestern gestellten Frage an Herrn Lutz Meyer ... Bleibt er diese schuldig, so würdet das um so mehr Ihre Sicht bestätigen.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
16. Juni 2015 08:08
Der Autor scheint in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Den Konservativen, den er sieht gibt es heute nicht mehr.

Wer sich heute dazu bekennt konservativ zu sein, stellt sich in's Abseits, ist bereits ein outlaw.

Machen Sie die Probe auf's Exempel! Gehen Sie zu einer CDU-Wahlveranstaltung. Wenn dann dem Publikum die Gunst gewährt wird, Fragen zu stellen, stehen Sie auf, sagen Sie laut:
"Ich bin konservativ bis auf die Knochen und freue mich in der CDU eine Partei wählen zu können, die meiner Anschauung entspricht!"

Verlegenes Schweigen, dann ein:
"Hm, wir sind nicht rechts, wir sind Mitte, also konservativ, nein, äh, ja, wählen sollen Sie uns schon - noch weitere Fragen?"

Zum Rauschen:
Gelegentlich hört man da ein Signal für die Völker raus:In Mecklenburg-Vorpommern sollen sich Migranten "mit den Erfahrungen ihrer uralten Subsistenzwirtschaft, also der Selbstversorgung, eine bescheidene Existenz aufbauen".

meint Heribert Prantl, eine Art hard-core-Dietz. Das ist nichts anderes als stalinistische Völker-Umsiedlungspolitik. Selten wird dies in solcher Deutlichkiet ausgesprochen.
Eveline
16. Juni 2015 08:19
Was sind konservative Gedanken und was nicht? 100 Jahre bekriegtes und gespaltenes Deutschland in unterschiedliche Bündnissysteme haben Gedanken und Ansichten festgeschraubt, die alles andere als erhaltenswert sind.
Zum Beispiel patriotische Gefühle für unsere Heimat zu haben.
Eine eigene deutsche Volksarmee zu haben und stolz auf die Männer zu sein.
(in der DDR war es so) Und haben die alten DDR Generäle nicht einen guten Friedenstext rausgebracht?
Oder die Astrologie, ein rotes Tuch für fast alle Männer, peinlich zum Quadrat, sich damit zu beschäftigen, lieber werden die Frauen/Männer beleidigt.
Insofern finde ich Lutz Meyers bemühen, hier neue Einsichten zu schaffen, mit Hilfe der Kreativität, nicht schlecht.
Es macht halt Mühe gegen den Strom zu schwimmen, das kann sehr einsam machen, dafür ist man aber noch nicht tot.
Eveline
16. Juni 2015 08:25
die alles andere als erhaltenswert sind - besser; die für viele Deutsche alles andere als .......
Hermann Karst
16. Juni 2015 08:47
@ Lutz Meyer 15. 6., 17.48 Uhr / 16. 6., 7.24 Uhr

Sie schreiben: "Versetzen Sie sich lieber in den permanenten Unruhestand." Dieser Empfehlung an mich bedarf es wahrlich nicht! (Sie kennen - unter anderem - meine Blutdruckwerte nicht...)

Sie schreiben: "... ich will nicht vordergründig anstößig wirken, sondern etwas anstoßen." Wenn ich es richtig sehe: Bei Sezession, SiN, Antaios, IfS wird ja doch dauernd etwas angestoßen. Sie wollen also mitstoßen. Stoßen Sie, stoßen Sie - darf ja durchaus auch überspitzt und polemisch sein.

Und was die "Kreativität" betrifft: "Hier" (siehe oben) wird ja doch nun dauernd mit höchster Kreativität angestoßen (andernfalls wäre mein Interesse möglicherweise mäßiger). Ich bleibe dabei: Ihre Gegensatzkonstruktion zwischen "konservativ" und "kreativ" wirkt auf mich befremdlich. Aber lassen wir's, führt zu nichts - ich bin gespannt auf Ihre nächsten Beiträge.
Der Gutmensch
16. Juni 2015 12:35
Wiedermal ein ausgesprochen wilder Artikel. „Wild“ deswegen, weil ich die zahlreichen Phänomene komplett anders einordnen würde. Wir schauen wohl durch verschiedene Brillen, wie´s ausschaut!

Die Kreativität politisch zu verorten, ist wieder so eine ausgesprochen linke Idee. Euer Oberindianer Brecht stellte dazu folgende (wie sich herausstellen sollte: schicksalsträchtige!) Forderung auf : „Auch die Kunst muss in dieser Zeit der Entscheidungen sich entscheiden. Sie kann sich zum Instrument einiger weniger machen, die für die vielen die Schicksalsgötter spielen und einen Glauben verlangen, der vor allem blind zu sein hat, und sie kann sich auf die Seite der vielen stellen und ihr Schicksal in ihre eigenen Hände legen. Sie kann die Menschen den Rauschzuständen, Illusionen und Wundern ausliefern, und sie kann den Menschen die Welt ausliefern. Sie kann die an die Unwissenheit vergrößern, und sie kann das Wissen vergrößern. Sie kann an die Gewalten appellieren, die ihre Kraft beim Zerstören beweisen, und an die Gewalten, die ihre Kraft beim Helfen beweisen.“ (Bertolt Brecht, Über Realismus, Verlag Phillip Reclam jun. Leipzig, das Jahr steht nicht dabei, also wohl: in Ewigkeit, Amen.)

Persönlich meine ich, zwar dass sich Brecht, der Wicht, ja etwas überhoben hat, indem er meinte, der Kunst etwas - und gar eine Entscheidung - abverlangen zu können. Und selbst das BVerfG hisste irgendwann einmal die weiße Fahne und ergab sich dem offenen Kunstbegriff: Was auch immer es sei, Hauptsache, man kann es nicht abschließend interpretieren (BVerfGE 67, 213, 225.)!

Aber der destrudo der Linken ist bekanntlich auch nicht zu unterschätzen; kriegt man schon die große Kunst nicht klein, so nimmt man wenigstens diejenigen in den Schwitzkasten, die für ihr Betätigungsfeld auf die Bezeichnung „Künstler“ leider nicht verzichten können: Die Schriftsteller, Maler und was sonst noch so als „Künstler“ gilt (Musiker scheinen schon nicht mehr dazu zu gehören, weil sie in ihrem Autoritätsglauben tatsächlich spielen, was das Notenblatt ihnen aufgibt und dann das auch noch, wenn und wie ihnen das der Dirigent mittels Stöckchen erlaubt. Gewiss sind sie allesamt als Kinder verprügelt worden und nun als Erwachsene in ihrem Sexualtrieb gehemmt!)

Diese Damen und Herren Künstler (oder jedenfalls das gros von ihnen) ergaben sich also „in blindem Glauben“ dem „Rauschzustand“ des Zeitgeistes und gingen bei, uns diversen „Illusionen und Wundern auszuliefern“ (weshalb ich auch zunehmend ungern lese). Darauf können wir uns prima einigen, mein lieber Herr Meyer!

Aus dieser Beobachtung ziehen sie m. E. aber die ganz falschen Schlüsse: Nämlich, dass die „rechte Seite“ die nicht „kreative“ sei. Für diese Betrachtungsweise, die faktisch fordert, die Politik habe der Biologie (auch noch des Gehirns) zu folgen, müssen sie schon doch von links als „Biologist“ gescholten worden sein! Oder hat man es (der Unwissenheit durch linke Kunst sei Dank!) das erst gar nicht bemerkt und Ihnen durchgehen lassen, hm?!

Ich bemerke allerding schon und gewähre keineswegs Pardon, sondern schwinge autoritär das Stöckchen: Nein, Kreativität ist (Leider, seufzen die Linken. Gott sei Dank, atmen die Konservativen voreilig auf!) nicht an die offizielle Anerkennung des „Künstlers“ gebunden:

Vielmehr sind Techniker und Naturwissenschaftler, hält man sie nicht Gebeten, Gesetzen und Budgetkürzungen davon ab, mitunter ganz gar unangenehm kreativ; private, schmerzhafte Ausführungen schenke ich mir an dieser Stelle und verweise lieber auf die böse Gentechnik. Und auch die Gesellschaftswissenschaftler möchten leider auch nicht auf die Kreativität verzichten; man denke nur an der, die, das „Gender“ in mindestens 60facher Ausführung!

Die damit verbundenen konservativen Zahnschmerzen sind Ihnen, lieber Herr Meyer, natürlich auch nicht entgangen. Sie möchten daraus schon wieder schlussfolgern und zwar:

Konservativ sei dann also, wer eben nicht „kreativ“ ist, diesen Widerspruch meinen Sie ja, hier zu erkennen: „Der konservative Geist nähert sich einem Problem bestenfalls analytisch-systematisch, meist aber nur von der vertrauten Schulbuchweisheit her (ipse dixit – der Verweis auf gelehrte Spruchweisheit soll oft genug das Selbstdenken ersetzen); der kreative fliegt scheinbar planlos wie die Biene von Blüte zu Blüte – und bringt den Grundstoff für Honig nach Hause.“

Und da der „konservative Geist“ den „Honig“ der „Kreativen“ nicht schlecken mag, sondern kritisch analysiert (= in seine Einzelteile zerlegt) sei er folglich nicht „kreativ“?

Da sind wir nun beide einen gewaltigen Kreis gelatscht, lieber Herr Meyer, ich hab schon einen gewaltigen Drehkreisel - aber die Natur des Zirkels zu ändern, das ist uns doch nicht vergönnt:

Was sie da tun (und wozu sich sogar das BVerfG herabgelassen hat) ist nämlich ganz und gar unlogische Zirkelschließerei. Sie erklären Kreativitiät schlicht mit dem Ergebnis; Hauptsache wir haben irgendetwas scheinbar Neues, und wer mit dem Finger draufzeigt und erklärt: Aber der Orgonstrahler erscheint mir ganz vertraut, der Künstler hat da ja ganz eindeutig die allmorgentlichen Hinterlassenschaften seines Köter auf dem Friedrichshainer Pflaster in Plaste gegossen und zwei kaputte Fernsehantennen und ein Preisschild draufgeklebt - der ist der Unkreative! Ich glaube aber, derjenige ist allenfalls der Spielverderber ...

Genosse Brecht hat seine Ansichten folglich sehr zu recht mit „Realismus“ überschrieben. Denn realistisch ist, wie wir alle wissen, auch das, was in unserem Kopf (und bloß da) vonstatten geht! Eine konservative Ansicht (über Kreativität) wäre also ganz genau so realistisch wie die Ihre - und ärgerlicher Weise muss keine von beiden irgend etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Nun können Sie ein letztes Mal auftrumpfen, mein lieber Herr Meyer, und darauf hinweisen, dass Sie immerhin überhaupt eine Definition der Kreativität gebracht haben. Das wäre sehr realistisch in Brechts Sinne!

Aber, spricht der Spielverderber in mir, das geht vielleicht auch wirklichkeitsnäher. Ginge es in der Tat auch, wenn man, wie vom juristischen Repititor vorgeschlagen, den formalen und den materiellen Kunstbegriff kombiniert (z. B. bei Pieroth/Schlink):

Formal liegt Kunst vor, wenn das Werk tradierte Strukturmerkmale aufweist, aufgrund derer es einem bestimmten Werktyp (Malerei, Dichtung, SATIRE etc.) zugeordnet werden kann. Materiell liegt Kunst vor, wenn das Werk das geformte Ergebnis schöpferischer Gestaltung ist, in der der Künstler seine Eindrücke zu unmittelbarer Anschauung bringt und das auf kommunikative Sinnvermittlung nach außen gerichtet ist.

Sind beide Definitionen erfüllt, mag der Konservative erwägen, dass ggf. Kunst vorliegen könnte ... aus der rechten Perspektive betrachtet ...

Ich geh jetzt was essen und mich vom Co-Referat erholen.

Der Gutmensch.
Heinrich Brück
16. Juni 2015 12:59
Bevor die Seelenbildung für die notwendige Kreativität aufgebracht werden kann, muß den Protagonisten das Leben erschwert werden.
Von einem Joseph Giebenrath erwarte ich keine große Kreativität, dafür aber Standhaftigkeit und Notwehr. Dann bliebe die Lebensgeschichte
eines Konservativen erzählenswert; zwar als Nebenfigur, aber ohne sie wäre die Haupthandlung nicht vorhanden.
Wenn aber der Konservative kreativ sich zu Tode denkt, dann bleibt
nichteinmal mehr eine gute Geschichte übrig. Jedenfalls möchte ich eine solche Lebensgeschichte nicht lesen wollen.
Aristoteles
16. Juni 2015 15:03
@Hartwig

"War gestern mal wieder bei LEGIDA in Leipzig."

Ich war auch dabei.
Haben Sie den Kerl gesehen, der das "Gebet der Deutschen" verteilt hat? Er sagte, es sei nicht von ihm und ergänzte sinngemäß: Manchen Christen ist es wegen des zweiten Verses zu heidnisch; manchen Heiden ist es wegen des dritten Verses zu christlich; manche Atheisten haben es gleich wieder aus der Hand gelegt, als sie "Gebet" gelesen haben.

Ich habe es abgetippt und halte es für außerordentlich kreativ:

"(über dem Küchen- oder Nachttisch aufzuhängen, täglich aufzusagen)

Lieber Gott, Allvater, Urvater im Himmel, Schöpfer der Welt und der Menschen,
Liebe Mutter, Erde, Heimat, Quelle unserer Ahnen und Kinder,
Heiliger Geist, der uns bindet und niemals schwindet:
Tägliches Lob erweisen wir Dir.
Aus Dir kommen wir, zu Dir kehren wir wieder zurück
wie unsre Kinder und Ahnen, die immer in uns sind und in Dir.
Du verzeihst uns unsere Fehler, mahnst uns zur Ordnung,
gibst uns, unseren Dank empfangend, Kraft, Witz und Mut.
Aus Deiner Allmacht strömt die Ewigkeit durch das Tal des Todes ins Leben,
Wunden heilend, Böses verzeihend, immer in uns weilend.
Für das Leben danken wir Dir.
Dich in Deiner Weisheit und Güte bitten wir ehrfürchtig aus tiefer Not:
Gib uns unser tägliches Brot,
Wahre unsere Linden und Eichen, die Reinheit der Flüsse, der Berge und Seen.
Schütze uns vor unsern Feinden und führe
unsere Deutschen Stämme nach oben,
Gott --- erhalte das Deutsche Volk!
Schenke uns, Mutter, Früchte des Feldes, Früchte des Waldes, des Meeres,
schenke von unserem Samen uns Kinder und Enkel und Enkel von diesen,
segne das Deutsche Leben und Land.
Lass uns, Heiliger Geist, in Freundschaft und Frieden
leben mit anderen Völkern nicht ohne Trennung von diesen,
gib uns Ordnung und Klugheit und Kraft.
Nimm in Gnade das klagende Opfer uns'res Gebets,
dass unser Reich im Himmel uns bleibe
und auf der Erde entstehe und bleibe und stets wieder werde.
Lob und Liebe gebührt Dir, Demut und
Heil."

Vielleicht sollte man es vervielfältigen und in den EKD- und RKK-Tempeln verteilen. Und in den Universitäten.
jack
16. Juni 2015 17:27
Und: Die konkreten Kreationen sind in Arbeit!


Bei dem Wort "kreativ" hatte ich bisher an Kunstschaffende und Sterne-Köche gedacht. (Hummersößchen an Wasweißich usw. ;-)

Auf die politisch oder ideologischen "konkreten Kreationen" müssen wir, hoffe ich, nicht zu lange warten.
Rumpelstilzchen
16. Juni 2015 18:49
Nur ein Bausparer kann kreativ sein !
https://m.youtube.com/watch?v=SKfiYu807NA
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
16. Juni 2015 22:35
@Aristoteles
OMG
Eveline
17. Juni 2015 07:32
Gutmensch

Sind also die Prieure - de - Sion - Dan Brown nennt sie in seinem Roman die Bewahrer und Beschützer - auch in ihrem Sinne konservativ?

http://www.sueddeutsche.de/panorama/fiktionen-dan-brown-und-die-prieure-de-sion-1.680893

Sie sagen: Diese Damen und Herren Künstler (oder jedenfalls das gros von ihnen) ergaben sich also „in blindem Glauben“ dem „Rauschzustand“ des Zeitgeistes und gingen bei, uns diversen „Illusionen und Wundern auszuliefern“ (weshalb ich auch zunehmend ungern lese). Darauf können wir uns prima einigen, mein lieber Herr Meyer!

Der Rauschzustand ist ein entsetzliches Loch, indem die Kinder gefallen sind....und hat wohl bestenfalls mit unserer vaterlosen - damit keine Grenze
und Schutz gebenden Nachkriegsgesellschaft zu tun.
Im Sozialismus machte sich dafür der Brecht` sche Realismus breit - genauso schmerzhaft.
Eveline
17. Juni 2015 08:17
"Das Böse ist mit dem Schwert nicht zu besiegen."
Es ist nur GEISTIG in den Wandel zu bringen.
" Die Auferstehung bricht nach oben durch " - solange müssen wir leiden, bis der Wandel in uns geschieht.

Sarg oder Auferstehung - beides ist nicht zu trennen. Darf nicht getrennt werden.
Zersetzen, Erkenntnisse gewinnen, dann wieder heilsam zusammensetzen ist homöopathische Arznei.
Also ohne konservative Denke - keine Auferstehung.
Aber nur konservative Denke ist der Tod einer Gesellschaft.
Und nur kreative Ergüsse, ohne Bezug zur Materie, zur Erde auf der wir leben ist der Wahnsinn.
(Der heutige Genderwahnsinn zählt hierzu. Ganz sicher werden wir die Trennung zwischen Mann und Frau in der 5 oder 6. Dimension nicht mehr gebrauchen, aber eben erst dann. )
Ich warte heute - hier - auch nicht auf meinen Drachen, wie im Avatar Film gezeigt. Aber in der höheren Dimension gibt es ihn schon.
Sie sind übrigens in Angkor, Kambodscha , im Tempel abgebildet. Damals flogen sie noch rum.

Die Zeit - die Bewegung- ändert sich, die Erde eiert. Eine Sekunde wird am Sonntag hinzugefügt. Höre ich gerade im Radio.
Am Ende des Aufstiegsprozesses werden unsere Tage ich glaube um 12 min länger sein....
Der Gutmensch
17. Juni 2015 08:57
Liebe Eveline, ob die Prieure de Sion konservativ sind, wage ich nicht zu beurteilen.

Ich denke allerdings, dass man den Bereich dessen, was man mit Fug und Recht als "Kreativität" bezeichnen kann, schon lange verlassen hat, wenn anfängt, diese politisch zu verorten.

Kunst und Kreativität müssen sich anders von Willkür und Irrsinn unterscheiden lassen. Es ist auch noch gar nicht so lange her, da war das jedem klar: In unserem Haushalt gibt es irgendwo eine "kleine Zeichenschule" von Gollwitzer aus den 50ern (ich hab gerade keine Lust, danach zu suchen). Im Vorwort warnt der Verfasser, dass die von ihm gezeigten zeichnerischen Techniken (mit denen die Kreativität in Fluss gebracht werden soll) Erwachsenen vorbehalten sein sollen; ein Kind müsse noch daran arbeiten, seine Gedanken und Gefühle auf herkömmliche (allgemein verständliche) Art und Weise auszudrücken und sein Heil besser noch nicht in der Kunst suchen, die doch besser einem Bereich vorbehalten bliebe, der anders eben nicht mehr zureichend beschrieben werden kann. - Jawohl, es geht wirklich nur um "Maltechniken", nicht um Drogeneinsatz!

Ich denke, ich verstehe auch ganz gut, was Gollwitzer meint. Kunst darf nicht eben nicht nur als billige Ausrede dienen, wenn man das, was man ausdrücken/erreichen will, aus Feigheit lieber nicht so genau sagen möchte.

Und Kinder dürfen auch nicht angestiftet werden, ihr Heil in der Kunst zu suchen, wo sie noch lernen müssen, ihre Bedürfnisse eindeutig zu formulieren, um anderen keine Ausreden zu liefern, sie ihnen unter dem Vorwand eines Missverständnisses abzusprechen.

Letzteres ist aber sehr häufig zu beobachten: Statt die Kinder (auch) dazu zu erziehen, ihre Bedürfnisse klar zu formulieren und diese korrekt aufzuschreiben, werden sie lieber im "Kunstunterricht" aufgefordert, mal so richtig "kreativ" Blödsinn zu treiben, um sich so richtig "auszudrücken". Die unästhetischen Ergebnisse dessen zieren jede Wand der geplagten Eltern. Die Kinder haben davon aber - rein gar nichts: Ich muss nämlich kein akutes Bedürfnis nach Speiseeis auf den Bildern erkennen, wenn ich das nicht will (und in etwa sieben von zehn Fällen dominiert genau dieses Begehren die kreativen Aktivitäten meines Kindes)! Mein Kind kann mich höchstens soweit schikanieren (findest Du etwa, ich kann nicht malen!?), dass ich ein weiteres seiner objektiv missratenen Bilder aufhängen muss ...

Das soll natürlich kein Plädoyer gegen Kunst und Kreativität sein. Aber eines, diese Dinge eben nicht als Ersatzbefriedigung und/oder Vorwand zu missbrauchen! Letzteres ist - um den Bogen zur Politik zu schlagen - aber eben gerade unter den Linken zur großen Mode geworden.

Der Gutmensch.
Rainer Gebhardt
17. Juni 2015 11:30
Wir sind noch lange nicht fertig mit dem Thema. Also weiter im Text:

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ (Karl Marx)

„Wenn du die Welt verändern willst, junger Mann, dann musst du das Design verändern!" (Buckminster Fuller)

Zwei Zitate, die Welten voneinander trennen, die aber die Richtung beschreiben, in die wir uns bewegt haben: Weg von der Unmittelbarkeit einer „schmutzigen“ Praxis hin zu Entwürfen und Formen, die diese Praxis erträglich machen.

Die Sonderlinge, von den Benn sprach, die einsamen Artisten, die gibt es nicht mehr; statt ihrer rücken uns die Genies der kreativen Selbstvermarktung auf die Pelle, die den erschöpften Bewohnern der Nachmoderne vorexerzieren, wie man sich clever durch eine Welt des Scheins schlägt, wie man den Schein mit dem Schein blendet. Kreativität – tut mir leid – aber der Begriff bezeichnet heute kaum mehr als den Versuch, dem psychischen und seelischen Elend eine lebbare, von allen Inhalten isolierte Form zu geben.

In diesem Sinn ist das beinahe schon diktatorisch anmutende „Kreativitätsdispositiv“ mit dem v.a. die Gegenkultur der 60er die Welt erklären und auf dem Kopf stellen wollte, der Transmitter für die „kreative Mobilmachung“ der müden Massen. Ihnen wird erzählt, ihr Glück hänge davon ab, wie „kreativ“ sie ihr Dasein gestalten. Da stehen dann auch gleich Trendcoaches bereit und ganze Kreativindustrien, die die nötigen Techniken und Gadgets vorhalten, mit denen sich die Tristesse dekorieren läßt. Zuletzt und wenn gar nichts mehr hilft, kommt dann der kreative Umbau des eigenen Körpers.
Der Gutmensch
17. Juni 2015 12:48
Ach, Herr Gebhardt ... nicht des Körpers; das wäre ja noch erträglich. Sondern die "Entleerung" der Seele zugunsten von I-Mac-Persönlichkeiten! In der Tat, mit dem Thema sind wir noch lange, lange nicht fertig.
Eveline
17. Juni 2015 15:18
Lieber Gutmensch

Von meiner Seite eine kleine Geschichte dazu.

In der Unterstufe bekamen wir jeden Mittwoch keine Schularbeiten auf.
Und manchmal passte es, dann durften wir unser Lieblingsspielzeug mitbringen und damit im Hort spielen.
Ich nahm mein Handarbeitskörbchen mit, hatte es gerade so mit dem Stricken.
5 verschiedene Wollfarben, eine Rundstricknadel und los ging es die Maschen aufzunehmen.
Und so strickte ich mich voller Freude durch die Zeit.
Bis die Frage eines Schulkameraden kam: "Evi, was soll das werden? "

Jaaa????

Diese Episode fiel mir ein, als ich die Bemerkung von Gollwitz las.

.....ein Kind müsse noch daran arbeiten, seine Gedanken und Gefühle auf herkömmliche (allgemein verständliche) Art und Weise auszudrücken und sein Heil besser noch nicht in der Kunst suchen, die doch besser einem Bereich vorbehalten bliebe, der anders eben nicht mehr zureichend beschrieben werden kann. – Jawohl, es geht wirklich nur um „Maltechniken“, nicht um Drogeneinsatz!......

Hätte dort jemand an meinem Handarbeitskörbchen gestanden und mich gefragt, was ich denn herstellen möchte, und wieviele Maschen denn aufzunehmen wären, das wäre ein Überraschungsmoment gewesen.
Weiß, weiß, weiß ich kann es gerade nicht sehen. Ein leeres konservatives Feld.

Zu meiner Rettung muß ich aber sagen, daß das Stricken das Effektivste ist, die rechte und linke Hirnhälfte miteinander freundlich zu verbinden.
Hartwig
17. Juni 2015 19:13
Bevor hier eine mich sehr interessierende kulturpessimistische Debatte beginnt, würde ich gern nochmal zurück zum Kreativ-Begriff, so wie ich meine, dass ihn Meyer gemeint haben könnte, nämlich weit weniger hochgestochen.
Warum hatte die Linke Erfolg? Weil sie ein verlockendes Produkt unter die Leute brachte:
"allgemeiner materieller und imaterieller Substanzverzehr". Details und Beispiele spare ich jetzt.
Das ganze wurde "vermarktet". Über Ikonen, Musik, Kleidung, Frisuren, Bücher, Demonstrationen, Filme, Pornos, bis hinein in kommerzielle Werbung - alles inflationär, medienverstärkt, geschwürartig wuchernd.
Wieso kennt jeder(!) Ü40 Che Guevara? Wieso gibt es in seriösen Kaufhäusern T-Shirts mit rotem Stern? Und warum kann jemand ohne jede Befürchtung mit 'nem Lenin-Konterfei rumlaufen?
Worauf will ich hinaus? Ich bin niemand, der sich in der Öffentlichkeit mit einem "Motto-Shirt" zeigt. Aber die Jüngeren könnten das schon. Etwas Provozierendes! Einen Soldaten, ein Kreuz, etwas Preussisches.
alfashirt oder spreadshirt (jeweils mit .de) bieten viele Möglichkeiten.
Musik! Kürzlich war hier von Black Metall die Rede. Nichts für mich. Aber es gibt "rechte" Musik für alle Ohren.
Vor einigen Wochen hatte ich drei Kollegen über eine Stunde in meinem Privatwagen und war somit Herr über das Radio. Ich wählte eine CD mit Musik von "Wappenbund" - deutscher Sang mit Orchester(-simulation), Trommeln, faschistische Stil-Elemente. Einer wollte wissen, was das ist. Es wäre nicht übel. Also: Die Gelegenheit nutzen - Bilder, Klänge, Sprüche in die Öffentlichkeit tragen. Ich würde das zwar nicht kreativ nennen, aber irgendwie muss man ja anfangen.

Und natürlich ... unser Produkt, der "Substanzerhalt und -aufbau" ist anstrengender, und weniger verlockend.
Der Gutmensch
18. Juni 2015 16:01
Liebe Eveline,

ich habe doch nichts gegen das Stricken! Natürlich sollen die Kinder handarbeiten und basteln und malen; ob nun mit oder ohne Plan! Aber selbstverständlich hat auch Gerhard Gollwitzer recht damit, dass man die Dinge einordnen können muss: Topflappen für Oma oder nicht-identifizierbares zum Spaß ist doch in Ordnung. Aber ich nehme in der ersten Klasse natürlich kein Bild statt eines schriftlichen Wunschzettels zu Weihnachten mehr entgegen. Und ich habe entschieden etwas gegen Kunstunterricht, in dem man eine symbolische Torte aus blutroten Toilettenpapierrollen bastelt, um gegen den obszönen Reichtum in Deutschland zu protestieren! Auch den in Berlin umtriebigen Nekrophilen, die ein Kunsthappening aus bekiffter Grabschändung zu machen gedenken, stehe ich nicht besonders aufgeschlossen gegenüber; dafür dürfen Sie mir herzlich gerne "Kunstbanause" auf den Topflappen häkeln.

Der Gutmensch.
Der Gutmensch
18. Juni 2015 16:48
"Warum hatte die Linke Erfolg? Weil sie ein verlockendes Produkt unter die Leute brachte:
„allgemeiner materieller und imaterieller Substanzverzehr“. Details und Beispiele spare ich jetzt."

Mein lieber Hartwig, ich fürchte, ganz so einfach ist es nicht! Natürlich ist es dass, was uns vorgegaukelt wurde: Seht doch, die Grünen, die schafften es aus eigener Kraft, bloß mit wohlfeilem Geschwätz und selbstgestrickten Pullis! Ich habe daran aber so meine Zweifel. Ich glaube viel eher, dass den Protagonisten einige dicke Steine aus dem Weg geräumt wurden; belastende Ermittlungsakten etwa. Diese Rückendeckung - wer immer sie geleistet hat und die Bundesregierung zwang, diese ungebildeten, anmaßenden Gesellen gewähren zu lassen - fehlt den jungen Leuten heute. Sie werden sich folglich etwas anderes einfallen lassen und wohl etwas härter im Nehmen sein müssen.
Hartwig
18. Juni 2015 19:57
@ Gutmensch
Sie haben recht, Ich wollte keinen Essay schreiben und habe mich beschränkt. Die 68er haben spätestens beim Gang in die Institutionen vollen Support genossen (der Anglizismus ist Absicht und hat Bezug).
Diese "Erfolgsgeschichte" ist nicht zu wiederholen, jedenfalls nicht von Rechts unter den jetzigen Umständen. Dennoch muss man tun, was man kann.
Der werte R. hat sinngemäß mal geschrieben, dass mit der Masse nichts zu holen sein wird. Das ist wohl richtig. Die Masse 'trägt' nicht, aber sie läuft mit. Und ein paar Mitläufer sorgen schon für ein behaglicheres Gefühl, oder ...?
Eveline
18. Juni 2015 21:09
Lieber Gutmensch

Vieles machen Vater/Mutter ja automatisch richtig, es ist tatsächlich wichtig für die Kinder, welche ja noch in der Sprachbildung sind, sie so vorsichtig aus dem Einheitsgefühl rauszufragen.
Und somit dem Kind einen eigenen strategischen "Webrahmen" zu geben. Somit hat G. Gollwitzer unbedingt einen wichtigen Platz.
Danke für den Hinweis
Eveline
19. Juni 2015 07:00
Die Amerikanisierung der BRD, ein Erfolg der Linken?
Amerika hat die Todesstrafe. Das greift tief in die archaische Gefühlswelt ein.
Darum die flippige Verblödung der Grünen, denn die Bergpredigt ist uns Deutschen in den Genen eingeschrieben.
Unser Deutschland, hier zählt die Bergpredigt, wieviel Kriege sind dafür geführt worden, du darfst scheitern, denn es gibt einen Wandel. Zur Not im Knast.

Das Erfolgsmodel der Grünen , die Amerikanisierung, ist ein zivilisatorischer Rückschritt. Die Totalität des Seins, du darfst nicht scheitern. Und wenn du scheiterst und immer noch lebst , droht Versaill , ein Bombenkrieg oder völlige genetische Durchmischung des Volkes.
Weltversteher
19. Juni 2015 19:56
Um Herrn Meyer noch beizuspringen:
Für mich heißt "kreativ" hier v. a. "visionär, schöpferisch". Und daß so zu sein das Gebot der Stunde ist, liegt doch auf der Hand?
Ein konservativer Geist hat in den letzten Jahrzehnten seinen Fundus zusammenschmelzen sehen müssen. Nicht nur sind die Güter gefressen, sie sind oft auch fraglich oder ungültig geworden.
Unser Leben ist zu einem Fünklein zusammengesunken. Wenn es wieder lodern soll, und nur so kann es bestehen, braucht es Nahrung, Stoff, und den gilt es zu schaffen.
Erinnerungen, Bücher, stoffliche Zeugnisse sind der letzte Rest unserer Größe. Die zu "befreien" wird wenig mehr nützen als sie etwas knarren und stauben zu lassen. Sie werden nicht wieder lebendig. Wir müssen also schon mächtig kreativ werden.

Man sollte bei der Kritik an dem Begriffe nicht übersehen, daß zum quirligen Aktionismus, wie es heute verstanden wird, der geistige Funke gehört. Den kann man nicht erzwingen. Man kann ihn aber verschlafen.
Der Gutmensch
20. Juni 2015 19:16
Herr/Frau Weltversteher:

"Erinnerungen, Bücher, stoffliche Zeugnisse sind der letzte Rest unserer Größe. Die zu „befreien“ wird wenig mehr nützen als sie etwas knarren und stauben zu lassen. Sie werden nicht wieder lebendig."

Nee? Ich finde, man kann das schon noch gebrauchen. Zum Orientieren, zum Interpretieren, zum Spaß haben, wie die Eveline mit ihrem Stickzeug:


Aus: Des Knaben Wunderhorn

Die Abc-Schützen
 
[249] Rathe, was ich habe vernommen,
Es sind achtzehn fremde Gesellen ins Land gekommen,
- Über drei zählt man hier nur noch "viele",  

Zu mahlen schön und säuberlich,
die wegen der Geschäfte hier sind und vielleicht auch der Liebe.

Doch keiner einem andern glich,
-  Dafür sind sie von weit her gekommen,

All ohne Fehler und Gebrechen,
- junge, kräftige Männer- und: ungebunden!

Nur konnte keiner ein Wort sprechen,
- Zwar ohne Deutsch und Fachkräftewissen,

Und damit man sie sollte verstehn,
- doch machte sich daraus schon ein Gewissen?
- Denn:

Hatten sie fünf Dolmetscher mit sich gehn,
Das waren hochgelehrte Leut,
- Unsere Politiker setzen sich für sie ein:

Der erst erstaunt, reißts Maul auf weit,
- Wer möchte wohl rassistisch sein?!

Der zweite wie ein Kindlein schreit,
- Die armen Familien!!

Der dritte wie ein Mäuselein pfiff,
- Sie draußen lassen, das ist gemein ...

Der vierte wie ein Fuhrmann rief,
- Nazis raus! Marsch! Marsch!!

Der Fünft gar wie ein Uhu thut,
- Weil: unsere Geschichte - die lehrt uns was!

Das waren ihre Künste gut,
- Und was ist die Moral von der alten Geschicht?

Damit erhoben sie ein Geschrei,
Füllt noch die Welt, ist nicht vorbei.[249]
 - ... ... - DAS braucht es nicht!


Der Gutmensch.
Urwinkel
21. Juni 2015 07:45
Die "Kreativen"... gehen immer mit dem Zeitgeist (keine Verwunderung darüber, daß "Zeitgeist" als Künstlername schon gekapert wurde). So auch die Stile in Bezug auf Musik. 0 (Null) Kreativität. Kreativitätsambitionen werden von s.g. "Machern" weggebügelt. Ein ehemaliger DJ-Bekannter spielt heute angepasst und gutgelaunt Congas in einer Samba-Truppe auf trüben Stadtfesten. Was verband uns einmal? Die Aufbruchsstimmung. Der Experimentierwahn! Jemanden in solcher Jazzdudelei verlieren zu sehen, schmerzt doch. Aber ich habe kein Mitleid. Wir werden alle älter, manche vielleicht auch weiser.
Urwinkel
21. Juni 2015 08:22
Wie also umgehen mit den "Kreativen"? Ein einfaches "Hallo, wie gehts Dir" reicht oft nicht. Bevor man den Satz über die Lippen bekommt, prahlen diese "Gewinner" mit Haus, Auto und Kindern und allem was zum Pseudoliberalismus noch so dazu gehört. "Tja", das war einmal, sagen sie. Heute bin ich angepasst und ultrakreativ, take it easy, machs wie ich. Aus dir wird auch nochmal was (mitleidiges, leicht arrogantes Lachen). Tja, dem feinen Herrn mit den feinen Ausgehschuhen muß man wie einem kleinem Kind erklären, was Sommersonnenwende und Frühlingsende gemein haben. Das allein ist schon ein Kraftakt der verbalen Kreativität. Diese Kasper fallen überrascht aus ihren Traumwolken. Probierts mal.
Urwinkel
21. Juni 2015 09:50
Erkenntnis: Wenn das Wetter und die progonostizierte Klimaveränderung nicht zu uns passt, müssen wir "passend" gemacht werden. Das führt dazu, daß "Toleranz" wie ein Ehrfurchtsbanner propagiert wird. Was dann nicht passt, wird passend doktroniert. Schon Kleinkindern werden heute, normabfallende, gesellschaftsstörende Auffälligkeiten als Psycho-Störung von Gutachteraffen diagnostiziert. DAS KIND macht aber umso besser mit, je älter es wird. Das ist der perfide Plan institutionalisierter Früherziehung. Ich kennen diesen Zirkus von Beginn an und streife ihn hiermit ab, wie eine Schlangenhaut.

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