31. Juli 2015

Tatkult und Revolution von Rechts

von Martin Sellner / 159 Kommentare

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Es geht etwas um im rechten Lager. Will man die „Gespenst“-Metapher bedienen, so ist es ein Gespenst der „Fragwürdigkeit“. Ich sehe es zum Beispiel im großartigen Buch von Martin Lichtmesz, sowie in den Blogbeiträgen Lutz Meyers. Ich spüre es überall um mich herum. Gewisse, bisher oft unthematisierte Grundideen, wie Nominalismus, Dezisionismus, heroischer Subjektivismus/Nihilismus, kurz ein gewisser „Nietzscheanismus“, werden fragwürdig. Sie stehen mehr und mehr in der Kritik, „wenn sie überhaupt noch stehen“ (Nietzsche).

Daraus wird vielerorts die Frage nach einem „neuen Mythos“, bis hin zu einem „neuen Glauben“ laut. Es ist die über alle islamkritischen und rechtspopulistischen Diskurse ragende Sinnfrage, die sich hier aufdrängt. Bevor wir uns verteidigen, von Familienpolitik, Grenzen, Einwanderungsstopp, also dem „Wie“ des Selbsterhalts reden, müssen wir auch wissen „Wozu?“. Was ist der Sinn unseres Daseins?

Die inneren Immunschwächen Dekadenz und Nihilismus, die den Großen Austausch erst ermöglichen, sind vielleicht Symptome dieser unbeantworteten Sinnfrage. In dem „Gespenst der Fragwürdigkeit“ und der Suche nach einem tragenden, sinnstiftenden Mythos versammelt sich in unserem Lager vielleicht die entscheidende Frage, das „Unbehagen“ dieser Zeit. Solange sich die Rechte diesem „Gespenst“ nicht stellt, „reitet“ sie womöglich „auf einer Kuh“ (Lenin).

Ich glaube, daß diese „Stellung“ auch einen gewissen Grundkonsens unseres Lagers in Frage stellen könnte. Es geht in diesem Text um einen bestimmten Zug der Neuen Rechten, der bis auf die konservative Revolution zurückgeht. Ich will hier keine abschließende Definition zu „neurechts“ /„konservative Revolution“ versuchen – weitaus belesenere Menschen als ich haben hier bereits gute Arbeit geleistet –, sondern nur einen Aspekt herausgreifen und der „Fragwürdigkeit“ aussetzen.

„Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt.“ Damit formulierte Arthur Moeller van den Bruck einst so etwas wie ein „Systemprogramm“ einer konservativen Revolution.

Wen sprach er damit an? Das Lager des deutschen Konservativismus war aus einer romantisch-waldgängerischen Defensive gegen den napoleonischen „Imperialismus der Vernunft“, aus dem „Urschock einer von außen aufgezwungenen Modernisierung“ (Richard Herzinger) hervorgegangen. Es war damit immer schon eher „mythisch-national“ als „aufgeklärt-liberal“ veranlagt. Dieses Lager sah im Weimarer System keine erhaltenswerte Ordnung, sondern verfaulte Bürgerlichkeit. Es sah den revolutionären Marxismus und seinen Griff nach der Macht. Und es trat eine Flucht nach vorn an. Der deutsche Konservativismus „entschloß sich zu einer Art Verzweiflungstat – er wurde revolutionär.“ (Martin Greiffenhagen)

Die Verzweiflung trieb schöne und seltsame Blüten: Krisenpropheten, Lebensreformer, Germanenbünde, Futuristen, Avantgardisten, Völkische, Monarchisten, Nationalbolschewisten, Antisemiten, Traditionalisten, Ultramontane, Neuheiden. Alle auf der Suche nach einem namenlosen Anderen, einem „dritten Weg“, ja einem „dritten Reich“. Jünger rief den „Hochverrat gegen den Geist“ aus. Eine ganze Denkschule fiel, Nietzsche nacheifernd, mitten in Europa dem Aufklärungsdenken des Westens in den Rücken. Sie stürmte, im gleißenden Tatkult, auf einen deutschen Sonderweg…


Wir alle sind die Erben dieser Zeit und ihres konservativ-revolutionären Geistes. Doch ein gewisser Zug, das ist meine Befürchtung, kann uns heute in der beschriebenen Fragestellung auch in die Irre leiten. Sehen wir in einer „Sinnstiftung“, die über tagespolitische Fragen hinausgeht, die zentrale Aufgabe eines rechtsintellektuellen Lagers, so wird dieser Geist gar zum echten Hindernis.

Ich habe den Begriff „Sinnstiftung“ eingebracht. Wiederholen wir Moellers Satz: „Konservativ“ sei das „Schaffen“ von Erhaltenswertem. Wer hören kann, hört hier Nietzsche sprechen. Auch wenn Moellers Werk insgesamt ambivalenter ist, drückt sich hier wohl ein „modernes Verhältnis“ zu Werten und Wahrheit aus. „Über dem Menschen stehende“ Werte werden zu „übermenschlichen Werten“, d. h. zuletzt zu Werten, die sich der Mensch als eigener Gott und Gesetzgeber schaffen kann. Es ist die von Mohler und vielen anderen bis ins Äußerste gesteigerte „Form“, der Ausdruck eines Machtwillens, den der Mensch als „Herr der Formen“ (Jünger) dem Chaos aufprägt und ins Nichts setzt.

Das Entscheidende hier ist: Es ist der Willensakt, eine Machenschaft, die das Alte, Verfaulte zerschlägt und den neuen Wert erzeugt. Noch deutlicher wird dieser Zug eines revolutionär gewordenen Konservativismus bei Hans Freyer. Er sah im Setzungsakt der Wahrheiten selbst die entscheidende, einzige Wahrheit. Es geht um „reine Kraft, reinen Prozeß“. Die Frage nach Sinn und Inhalt ist „nicht nur falsch, sondern feige“, denn es „kommt gerade darauf an, daß das neue Prinzip das aktive Nichts in der Dialektik der Gegenwart, also die reine Stoßkraft zu bleiben wagt.“ (Freyer, Revolution von Rechts)

Auch der „Neue Nationalismus“ der jungen Jünger-Brüder faßte dieses Denken in klare, noch radikalere Worte. Die eigentliche Wahrheit einer konservativen Revolte, die ihre Wahrheiten aktiv setzen und schaffen will, ist im Kern die Setzbarkeit der Wahrheit durch das Subjekt selbst. Von ihr leitet sich alle Machbarkeit und Mobilisierung ab.

Ein Tatkult wird „Bedingung der Möglichkeit“ aller Wahrheiten. In Zukunft und die Vergangenheit „projiziert“, führt das zu einem klaren Bruch mit dem traditionalistischen Welt- und Wahrheitsbild. In der Neuen Rechten wirkt dieses Denken als „heroischer Subjektivismus“ Benoists und „Nominalismus“ Mohlers weiter. Es lebt vielleicht auch in Schmitts Dezisionismus, seiner „Entscheidung für die Entschiedenheit“ (Karl Löwith, Der okkasionelle Dezisionismus Carl Schmitts). Und auch der junge Heidegger atmete den Geist dieser Zeit, der ihn bis ins NS-Engagement trieb.


Dieser Tatkult ist womöglich eine Selbstsabotage, im Erhalt von ethnokultureller Identität und der unausweichlichen Frage "Wozu?". Er muß uns, wenn wir die Frage nach Wahrheit, Glaube und Mythos ernsthaft stellen, zutiefst fragwürdig werden.

In diesem „aktivistischen Wahrheitsverständnis“ zeigt sich ein grausames, bittersüßes „Dilemma des Entzugs“ (das sich auch in jedem beliebigen Flirt vollzieht). Die Wahrheit ist ein „Weib“ (Nietzsche). Wenn man ihr nachläuft, wenn man sie zwingen, ergreifen, als Gewißheit feststellen oder gar als politische Funktion für das Volk setzen will, entzieht sie sich augenblicklich. Genau dasselbe gilt für Mythos und Glaube. Wenn man ihnen evolutionäre „Nützlichkeit“ und „Wert für das Leben“ zuerkennt und aus dem Baukasten unserer Tradition etwas Passendes herstellen will, hat man den Glauben bereits ganz und gar verloren. Ein zynischer „ungeglaubter Glaube“ (Adorno) an die eigenen Wahrheiten sitzt wie ein Stachel in diesem Denken und treibt es oft in die selbstinduzierte Ekstase oder manische Depression. Günter Maschke hat das im „faschistischen Intellektuellen“ gut beschrieben.

Dieses Denken hat sich auch in der jüngeren Geschichte – verglichen mit den Jahrtausenden zuvor, in denen Wahrheiten „erfahren“ und nicht erschaffen wurden – als völlig unfähig zum „Stiften“ des Bleibenden erwiesen. Geblieben sind uns von den politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts oft nur Fetische.

Damit ist wieder etwas Entscheidendes angesprochen: Ein neuer Mythos und Glaube kann nicht geschaffen, sondern nur empfangen werden. Er kann „definitionsgemäß“ nicht begriffen und definiert werden, um, wie ein Zahnrad im System, eine Funktion zu erfüllen. Er bleibt ein Geheimnis, dem gegenüber man „offen“ sein muß. Man kann sich ihm nur in einer ganz anderen Stimmung als der der Machbarkeit annähern. Dieses aktivistische Denken, das „neue Werttafeln“ setzen und Staaten bauen will, ist ein Denken der Umsetzung und „Inbetriebnahme“.
Es steht am Fundament der modernen Gewißheit, alles „begriffen“ zu haben und nur mehr richtig manipulieren und „mobilmachen“ zu müssen. Freyer schreibt: „Wir sind fertig mit den Begriffen, nun greifen wir in die Welt. Wir haben widerlegt, nun revoltieren wir. Und ziehen aus den Prämissen der Philosophie den großen Schluß: die Tat.“ Diese Tat rechtfertigt sich selbst durch ihre Tatsächlichkeit. Ihre Wahrheit liegt im Effekt.

Das ist vielleicht nur ein scheinbarer „Hochverrat“ gegen den „abstrakten“ Geist der Moderne. Befindet es sich nicht noch im Rahmen eines modernen Menschen-, Welt- und Wahrheitsbegriffes und seines „Humanismus“? Lebt ihn ihm nicht noch die grenzen- und wurzellose Hybris des „aufgeklärten Subjekts“ (das die Linken gerne mit „weiß und männlich“ identifizieren)?
Dieses Denken und seine politischen Umsetzungen wollten die Sinn-Daseinsfragen des Menschen „technisch“ und „organisatorisch“ lösen. Wollte es den „Himmel zwingen“? (Reinhold Schneider) Lebt in ihm vielleicht auch jener Ungeist, der „alle Dinge umbringt“ (Rilke), indem er sie mit seinen „Tastern und Greifern“ (George) analysieren, kategorisieren und zum „Funktionieren“ bringen will?

Um eines klarzustellen: Dieses Denken ist keineswegs die Essenz oder der philosophische Rahmen der Konservativen Revolution. Doch wenn es um die Frage „neuer“ Werte, Mythen und Wahrheiten geht, wird es sehr oft unbewußt schlagend. Aber ein Denken, dessen innerste Wahrheit eine Bejahung der subjektiven Setzbarkeit von Wahrheit ist, kann die große Fragwürdigkeit nicht stillen, kann uns nicht retten. Auch nicht, wenn es diese Wahrheit in den Dienst eines „National-Subjektes“ stellt.


Eine „Revolution von rechts“ ist, wie Heidegger erkannte, insofern sie fragloser Tatkult und „nietzscheanische“ Setzung von Werten ist, nur die äußerste Steigerung des Nihilismus. Diese Kritik betrifft sowohl Faschismus als auch NS, kurz: die gesamte „3. Politische Theorie“ (Dugin), insofern sie die Bändigung der Moderne mit ihren Mitteln ist. Das, was dieses Denken ersehnt, zerstört es. Es verjagt in seinem Zugriff dasjenige, dem es nachjagt.

Der Nationalsozialismus, der als lauteste und billigste Strömung dieser Zeit den gesamten rechten Aufbruch widerrechtlich „erntete“, steht mit seinem ganzen Wesen für diesen Widerspruch: Uralte Runen und Lichterdom, Erbhofgesetz und Reichsautobahn, Blut und Boden und Elektrifizierung. Diese Spannung erwies sich, wie alle konservativ-revolutionären Vordenker bald erkannten, als ungesunde Verspannung, als Wahn. Im NS verzerrt, wurde der Aufbruch der konservativen Revolte – wie Ralf Dahrendorf in einer wichtigen Studie zeigte – nur ein deutscher Sonderweg in die Moderne. Er und mit ihm der Faschismus sind nicht zu „reaktionär“, zu „gestrig“, sondern, um es provokant mit Heidegger zu sagen: zu modern und zu „humanistisch“.

Ein funktionales Denken, das sich Mythos und Glauben mit einem Vokabular des Herstellens nähert, ist unfähig zur Sinnstiftung. Ja, das ganze Projekt einer subjektiven „Sinnstiftung“ im Tatkult ist vielleicht in sich verkehrt. Die „Täter werden nie den Himmel zwingen.“ (Reinhold Schneider)

Heute schleicht sich diese Erkenntnis gespenstisch und unaufhaltsam in die verknöcherten Stellungen des „alles schon begriffen Habens“ ein und setzt uns einer tiefe Fragwürdigkeit aus. Das Diktat des „nackten Überleben des Volkes“, zu dessen Dienern Wahrheit, Mythos und Glaube werden sollen, widersteht dieser Fragwürdigkeit nicht. Ich glaube: Es steht gar nicht mehr. In uns allen erwacht die unterdrückte Frage nach dem „Wozu?“.

Wozu das alles? Wozu überhaupt Stellung halten, aufstehen, aktiv sein? Dies Frage kennt kein „rechts“ und „links“. Sie lebt im Grunde jedes modernen Subjekts – uneingestanden, aber bestimmend. Die gesamte Unterhaltungsindustrie – vielleicht nichts als eine große Ablenkung davon. Die Ausblendung von Sterblichkeit, Endlichkeit und Grenze ist die große Fluchtbewegung der modernen Konsumgesellschaft, die uns in Dekadenz und Nihilismus führt. Die universalistischen Sinnangebote von „links“ nehmen nur wenige ernst. Ihre One-World-Ideen sind „vor allem langweilig“, wie Davila weiß. Und wirklich, eine gähnende Langweile und Müdigkeit geht durch alles Genießen. In tausenden subkuturellen Eskapismen zeigt sich die Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen, Mythischen, Sinnstiftenden, nach Identität.

Die rechte, unsere Alternative, das „nackte Überleben“, das Verteidigen und Erhalten des Eigenen um seiner selbst willen, befriedigt diese Sehnsucht schon lange nicht mehr. Nicht einmal mehr für uns selbst.


In der Katastrophe des Großen Austauschs kommt wie eine Welle auch diese Frage nach dem „Wozu?“ der Verteidigung und des Weiterlebens über uns. Die „innere Hohlheit“ aller rechtspopulistischen Massenbewegungen wird an ihr zerbrechen. Für die hundertausenden einströmenden Islamisten stellt sich diese Frage hingegen gar nicht.

Was ist überhaupt unsere Aufgabe als Deutsche und Europäer in dieser Zeit und dieser Welt? Ich glaube, die entscheidende Antwort, auf die viele unbewußt warten, kann nur aus unserem Lager kommen. Sie kann aber, wie ein Mythos, vielleicht nur „empfangen“ werden. Der Sinn unserer Stellung ist damit vielleicht, sich mehr als alle anderen in Frage stellen zu lassen. In unserem Leiden an dieser Zeit lebt eine Offenheit für das Geheimnis. Der Aufbau einer Offenheit ist in erster Linie der „Abbau“ der Verschlossenheit. Ein gewisser Zug des konservativ-revolutionären, „nietzscheanischen“ Denkens, kulminierend im Begriff der „Sinnstiftung“, muß dazu vielleicht der Fragwürdigkeit ausgesetzt werden.

Wenn wir das als Erben der ersten europäischen „Widerstandsbewegung gegen die Moderne“ wagen, können wir vielleicht auch die Botschaften der Konservativen Revolution und Nietzsches neu erfahren: als die leidenschaftliche Sehnsucht und das tiefe Leiden an einem Entzug, als feine Seismographen einer blinden Zeit voller blinzelnder Menschen. Geben wir den „machenschaftlichen“ Bezug zu Wahrheit als Gewißheit auf und öffnen uns dem „Dilemma des Entzugs“, so zeigt sich uns vielleicht auch im Nihilismus, im Tod Gottes, dem Verfall von Werten und Wahrheit eine eigene Wahrheit. Sie ist vielleicht in ihrer Verweigerung die wahre Antwort auf den totalen Zugriff der Moderne. In all dem Verfall von Conchita Wurst bis Mario Barth, Türken-Gangsta-HipHop bis Cybersex, „Refugees Welcome“, Abtreibung, Schuldkult, Dekadenz und Großem Austausch geschieht vielleicht „nicht Nichts“. Vielleicht „verbirgt sich ein Advent, dessen fernste Winke wir vielleicht doch noch in einem leisen Wehen erfahren dürfen und auffangen müssen, um sie zu verwahren für eine Zukunft, die keine historische Konstruktion, vor allem nicht die heutige, überall technisch denkende, enträtseln wird“ (Heideggger in einem Brief an Jaspers).

In der schwelenden Krise kreißt etwas. „Etwas“ Fatales kommt in jedem Fall auf uns zu und der „Point of no return“ ist bereits überschritten. Während wir hier vor den Bildschirmen sitzen, klicken, scrollen und tippen, wird Europa überrannt. Mehr denn je müssen wir „die Schwerter halten“. Ein rechtes Lager, das sich offen dem „Gespenst“ der Fragwürdigkeit ausgesetzt hat, kann aber vielleicht mehr, wird vielleicht auch „die große Hoffnung halten“.

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Kommentare (159)

Curt Sachs
31. Juli 2015 12:10
Sofern ich die vielen Worte, die Herr Sellner hier wieder geschrieben hat, einigermaßen richtig verstanden habe, kann ich Herrn Sellners Gedanken gut nachvollziehen. Vor einer Antwort auf die selbst gestellte Frage schreckt er aber wohl noch zurück. Mal sehen, zu welchem Esogrüppchen er im Laufe seines Lebens noch konvertieren wird.

PS: Vielleicht ist jemand von der Sezession so nett, auch nachträglich noch die vielen Tippfehler in Herrn Sellners Beitrag auszumerzen. Danke.
Nordlaender
31. Juli 2015 12:18
@ Martin Sellner

"Es ist die, über alle islamkritischen und rechtspopulistischen Diskursen ragende, Sinnfrage, die sich hier aufdrängt. Bevor wir uns verteidigen, von Familienpolitik, Grenzen, Einwanderungsstopp, also dem „wie“ des Selbsterhalt reden, müssen wir auch wissen „Wozu?“. Was ist der Sinn unseres Daseins?"

Nö.
Die Frage nach dem Sinn ist bereits ein erstes Symptom der Krankheit zum Tode. Welchen Sinn sollte es haben, den Ball ins Netz zu schießen? Wenn sich der Spieler auf dem grünen Rasen häufiger mit dieser Selbstreflektion befaßt, muß sein Treiben sinnlos sein. Nicht etwa, weil er nach dem Sieg strebt, sondern wegen seiner morbiden Grübeleien.

"Die innere Immunschwäche, Dekadenz und Nihilismus, die den Großen Austausch erst ermöglichen, sind vielleicht Symptome dieser unbeantworteten Sinnfrage."

Nihilismus, so erkannte der lebensbejahende Nietzsche richtig, ist die Hemmung des gesunden Strebens zur Macht. Die Selbstbebauchspiegelungen setzen erst dann massiv ein, wenn von außen herangetragene Sinn-Philosophastereien Virilität und Vitalität in erheblichem Maße beschädigt haben.

"In dem „Gespenst der Frawürdigkeit“ und der Suche nach einem tragendem, sinnstifenden Mythos, versammelt sich in unserem Lager vielleicht die entscheidende Frage, das „Unbehagen“ dieser Zeit."

Es bedarf nur des gesunden Menschenverstandes, elementare Organisationsformen des homo sapiens sapiens unmittelbar zu erfassen und zu begreifen: Die Mutter sorgt sich mehr um ein krankes Kind, wenn es ihres ist, der Bauer in Dithmarschen sorgt sich um eine verhagelte Reisernte in Hinterchina weniger, als die dort Betroffenen.

Rechts sein bedeutet Subjektivität.
gert friedrich
31. Juli 2015 12:43
Die Rechten müssen sich mit dem liberalen Denken versöhnen,mit dem freien Wirtschaften sich anfreunden.
Klar und rational wie Popper ,dann klappt es auch mit der Zukunft.
massel tov
31. Juli 2015 12:53
"wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen."
tja...
Matt Hern
31. Juli 2015 13:13
@Nordlaender: Etwas zu oberflächlich Ihre Antwort und Fussball-Metapher auf diesen profunden Text, finden Die nicht?

Ein faszinierender Text und eine tiefgreifende Analyse, , Herr Sellner. Ich hatte mit Martin Lichtmesz mal darüber gesprochen als er noch in Berlin gelebt hat warum die Rechte? Und die Antwort war ganz klar: Weil sie Transzendenz jenseits der Vernunft in ihrer Denktradition beinhaltet. Ich mochte auch genau diesen Aspekt in Kubitscheks PEGIDA-Reden. Die Antwort ist, so denke ich, bereits da, aber eben nur für die, die sie empfangen können. Sie transzendiert aber das Politische.
der Übeldenker
31. Juli 2015 13:57
Ich begrüße zunächst, daß hier dem auch unter den Sezessionisten leider immer wieder zu beobachtenden Intellektuellenhaß von Tätigkeitswütigen entgegengearbeitet wird.
Nordlaenders Einwand übersieht die Notwendigkeit, für einen Erfolg der konservativen Sache auch eine erhebliche Zahl derjenigen ins Boot zu bekommen, die nicht 'von Natur aus' eine bestimmte Überzeugung oder Haltung besitzen.

Das Problem dürfte insgesamt der Versuch einer radikalen Setzung von Alternativen ohne - selbstredend immer heikle - Übergangszonen sein.
Natürlich erinnert eine völlig selbsthergestellte Religion schnell an Esozirkel und Scharlatane. Denen aber doch immer wieder, und das sollte nicht leichtfertig belacht werden, sondern zu denken geben, eine ganze Reihe von Leuten anhangen, auch Akademiker.
Andererseits hat jede Religion auch einen setzenden Charakter, jede zugehörige Theologie sowieso. Anders wäre das Phänomen von Konfessionsstreiten, Ketzerwesen etc. unerklärbar.
"Credo quia absurdum/Ich glaube, weil es eigentlich unsinnig ist", heißt es im Anschluß an Tertullian; ich nehme etwa einfach für die Wahrheit. Das kann man als pures Empfangen, Einleuchten deuten wollen - aber mit demselben Recht als pure, willkürliche Setzung.

Der entscheidende Punkt ist demnach 1) ob man selbst daran zu glauben vermag; frei nach Luther (die katholische Sezession möge verzeihen): daran sein Herze zu hängen vermag, 2) ob andere von selbigem Glauben überzeugt zu werden vermögen.
Man stößt hier in einen Bereich des - ganz wertfrei - Irrationalismus, den man in der Welt aber - in Maßen, in nicht exakt bestimmbaren! - zulassen muß.
Die Beispiele ganz gezielt gesetzter Religion, die gleichwohl dauerhaft zahlreiche Gläubige fand, sind aber zahlreich.
Vielleicht gestattet mir die Sezession, etwa gegen Weihnachten, dazu einmal einen Gastbeitrag zu einem wirkmächtigen Beispiel.
Nordlaender
31. Juli 2015 13:59
@ Matt Hern

"Etwas zu oberflächlich Ihre Antwort und Fussball-Metapher auf diesen profunden Text, finden Die nicht?"

Nein, finde ich nicht. Aber ich ziehe mal einen Experten zu Rate:

"In dem Augenblick, in dem ein Mensch den Sinn und den Wert des Lebens bezweifelt, ist er krank."

Sigmund Freud (1856-1939), östr. Psychiater u. Neurologe, Begr. d. Psychoanalyse
Thomas Wawerka
31. Juli 2015 14:07
Vielen Dank, Herr Sellner, für diesen tiefgründigen und anregenden Text! Sie haben präzise und pointiert den Sachverhalt herausgearbeitet, der es mir schwer bis unmöglich macht, mich selbst als "rechts" zu bezeichnen. Dieser Wille, "eigene Gesetzestafeln" zu schaffen, ob er nun im rechten oder linken Gewand daherkommt, ist am Ende doch gleichermaßen Rebellion gegen die "eigentlichen Gesetzestafeln", gegen die Wahrheit, gegen Gott. - Warum muss es denn überhaupt etwas "Neues" sein, ein "neuer Mythos", eine "neue Setzung", eine "neue Religion": ganz egal, ob dieses "Neue" denn nun erschaffen oder empfangen werden soll? Ich begreife nicht, warum das "Alte" nicht genügt, das sich jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausendelang bewährt hat ... Auch das kann natürlich nur empfangen werden. Alles Transzendente, Sinngebende kann nur empfangen werden und verlangt eine Haltung der Demut, der Zurückhaltung, der Geduld und des Wartens. Das Neue wird bald überholt vom noch Neueren, usw. usf. Die in meinen Augen beste Formulierung, was konservativ sei, stammt von Albrecht Erich Günther:
„Konservativ sein, ist nicht ein Leben aus dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was ewig gilt.“ - Nicht was alt oder neu ist, sondern was e w i g gilt.
Nietzsche lese und verteidige ich in dieser Angelegenheit übrigens durchweg biographisch: Dieser chronisch kranke, dauergeplagte, übersensible Mann hatte gar keine andere Chance, als "eigene Gesetzestafeln" aufzustellen - das ging beim Essen los und hörte bei der Moral auf. Die Alternative dazu bestand in Siechtum, Depressionen, körperlichem und geistigem Verfall.
Nordlaender
31. Juli 2015 14:13
"Sehen wir in einer „Sinnstiftung“, die über tagespolitische Fragen hinausgeht, die zentrale Aufgabe eines rechtsintellektuellen Lagers, so wird dieser Geist gar zum echten Hindernis…"

Der Geist ist ein nützlicher Diener als Sklave seines Herren und dessen Willen. Ist der Herr aber Sklave seines Geistes, dann ist letzterer ein grausamer Tyrann.

"Ein Tatkult wird „Bedingung der Möglichkeit“ aller Wahrheiten."
Subjekte setzen ein System, als Kür ihres Willens. Innerhalb dieses Systemes mit all seinen Meßinstrumenten kann nun verifiziert bzw. falsifiziert werden. DieWahrheit ist ein theologischer Begriff - jenseits aller tausend Wahrheiten - und kann ausschließlich von einem Sprecher eines universalistischen Gottes verkündet werden. Denn nur ein Gott kann dem Käfig der Subjektivität entkommen.

"Der Nationalsozialismus, der als lauteste und billigste Strömung dieser Zeit den gesamten rechten Aufbruch widerrechtlich „erntete“ ..."

Es bestehen heuer nicht ansatzweise die Voraussetzungen, daß ein offener Diskurs über 33-45 geführt werden kann. Von daher ist es immer und in jedem Falle unseriös, seine Argumentationsketten auf Erzählungen über diesen Abschnitt der Geschichte aufzubauen. Nur ein Metadiskurs, der das Szenario genau ausleuchtet, warum Geschichtswissenschaft unter dem BUNTEN Regime nicht möglich ist, könnte nützlich sein.

"Ein funktionales Denken, das sich Mythos und Glauben mit einem Vokabular des Herstellens nähert, ist unfähig zur Sinnstiftung. Ja, das ganze Projekt einer subjektiven „Sinnstiftung“ im Tatkult ist vielleicht in sich verkehrt. Die „Täter werden nie den Himmel zwingen.“ (Reinhold Schneider)"

Die partikuläre Religion der Juden ist - im positiven Sinne! - hochgradig funktional. Der Nächste, also der Volksgenosse, andere Jude, soll nicht versklavt oder betrogen werden. Das gesunde Streben einer Gemeinschaft, sich zu tradieren, bildet sich in den Fünf Büchern Moses immer wieder ab. Die Transzendenz, das Überschreiten der eigenen Lebensspanne besteht im Glauben an die Nation, die weiterleben wird. Nach Moses Hess ("Rom und Jerusalem") ist Jahwe im Volke der Juden und der Volksgenosse, der nicht gläubig ist, gehört als Ketzer nicht zum Volke.

"Das Diktat des „nackten Überleben des Volkes“, zu dessen Dienern Wahrheit, Mythos und Glaube werden sollen, widersteht dieser Fragwürdigkeit nicht."

Grundsätzlich kann es ein Volk nur stärken, wenn es alle Mitglieder ausscheidet, die den Überlebenswillen in Frage stellen. Das kann auf ganz friedliche Weise geschehen. Jeder, der von dem Nihilismus befallen ist, das Leben selber zu hinterfragen, kann sich ja in die Abgeschiedenheit einer religiösen Gemeinschaft wie z.B. die eines Klosters zurückziehen oder sich einfach als reiner Privatmensch, Suitier, seinen Fragen widmen.

"Wozu das alles? Wozu überhaupt Stellung halten, aufstehen, aktiv sein? Dies Frage kennt kein „rechts“ und „links“. Sie lebt im Grunde jedes modernen Subjekts – uneingestanden aber bestimmend. Die gesamte Unterhaltungsindustrie – vielleicht nichs als eine große Ablenkung davor."

Das Verfolgen eines aufregenden Fußballspieles kann viel zur vorübergehenden Ablenkung, damit auch zur Entspannung und schließlich zur Aufrechterhaltung der Kraft beitragen. Oder der Genuß einer musikalischen Unterhaltungsrevue. Ihre Ausführungen vermag ich nicht als kraftspendend wahrnehmen.

"Was ist überhaupt unsere Aufgabe als Deutsche und Europäer in dieser Zeit und dieser Welt?"

Wenn jemand ein schönes Haus nebst Anwesen besitzt, auf dem aber eine marodisierende Zuhälterbande eingedrungen ist, wird ihn "diese Welt" noch am allerwenigsten interessieren.

Das Problem an Universalismen wie "die Welt" oder "der Mensch" (als ein solcher) ist, daß Sie schnell eine Eigendynamik entwickeln, kann mich Davilas unscharfem Prädikat "langweilig" nicht so ganz anschließen. Es entsteht die groteske Situation, daß es im fortgeschrittenen Stadium keine Schnittmenge mehr zwischen der Wirklichkeit gibt (dem, was auf den Einzelnen jeweils wirkt) und solcherlei gesellschaftlichen Konstrukten.
In der Endphase wird jemand dann fälschlicherweise gar für einen Scherzbold gehalten, wenn er als Exempel für "den Menschen" die Bäckersfrau von nebenan heranzieht, wenn er als Exempel für "die Welt", die allgemeine Lage in seinem Landkreis (als Ausschnitt dieser Welt) zum Vortrage bringt.
Monika
31. Juli 2015 14:17
Die Sinnantwort wird nicht durch die letzten Dinge gegeben, sondern durch die nächsten. Viele Menschen warten zeitlebens auf den großen Augenblick, der ihrem Leben einen akzeptablen Sinn gibt. Die meisten warten vergebens und sterben - ihrer Meinung nach -, ohne daß ihr Leben einen bemerkenswerten Sinn gehabt hätte.
Die Erfahrung des leeren Lebens, das «eigentlich» nicht wert war gelebt zu werden, macht nicht selten das aus, was man Mittlebens- oder Endlebenskrise nennt.


Rupert Lay, Vom Sinn des Lebens

Die junge Rechte stellt die Sinnfrage. Ist sie jetzt schon in der Mittlebenskrise ? tristesse droite...

Eigenartig: während die schwarze Jugend sich auf dem Weg ins Paradies wähnt http://www.zeit.de/2003/45/Tanger, klagt die weiße Jugend über die Vertreibung aus dem Paradies ( Austausch).
Wer hat nun Recht ? Sollte man nicht mal miteinander reden ?
Vielleicht sitzen wir wirklich in einem Boot ?

Ist die Tendenz, alles schwarz zu sehen, vielleicht das Symptom der hyperentwickelten Gesellschaften, die nicht mehr die naive Begeisterung von Kindern haben. Das ist auch eine Frage des Temperaments; es gibt Leute, die von Natur aus deprimiert sind.

Stephan Jay Gould
Vielleicht sind die Rechten ja von Natur aus deprimiert ?
Wäre mal eine Forschung wert.
Eveline
31. Juli 2015 14:20
Martin Sellner sagt:
Es geht etwas um im rechten Lager. Will man die„Gespenst“-Metapher bedienen, so ist es ein Gespenst der „Fragwürdigkeit“. Ich sehe es zum Beispiel im großartigen Buch von Martin Lichtmesz, sowie in den Blogbeiträgen Lutz Meyers. Ich spüre es überall um mich herum. Gewisse, bisher oft unthematisierte Grundideen, wie: Nominalismus, Dezisionismus, heroischer Subjektivismus/Nihilismus, kurz ein gewisser „Nietzscheanismus“ werden fragwürdig. Sie stehen mehr und mehr in der Kritik, „wenn sie überhaupt noch stehen.“ (Nietzsche).
----------------
Meister Eckhart, der große deutsche Mystiker.
Vor 750 Jahren geboren, seine Antworten sind zeitlos, aber heute sehr aktuell.

Gleich nach der Wende erwarb ich dieses Buch, für 50 deutsche Pfennige aus einer Wühlkiste.

Wovon hält uns die heutige Zeit ab?
Wir sind in einem Traum gefangen, unser konditioniertes Denken und Fühlen unsere Urängste krabbeln im Kreise herum.
Darum Meister Eckharts ganzes Ringen dem Aufwachen galt. Ich finde es spannend, da heute soviele Menschen vom Aufwachen reden, aber damit nur das Politische meinen.
Das Aufwachen nach Eckhart meint aber den ganzen Menschen.
Er sprach von der inneren Armut, (bitte jetzt nicht an die Jesuiten denken) ein armer Mensch, der nichts will, weder Wissen, noch Erkennen, noch Empfinden - kein weltliches Begehren mehr- es geht um die Gottesschau in unserer Seele.
Wie ein Seilspringer, der 100 Meter in den Abgrund springt, so angstvoll ist der Sprung in unsere eigene Tiefe. Es geht um eine vertikale Tiefe und nicht um die horizontale Zeitachse. Hier befindet sich die äußere Welt.
Dieser Seilspringer ja auch nur dann springt, weil er mit sich im Reinen ist.

Mit den konditionierten Gedankenkreisen und Gefühlen , warum, wieso, weshalb kann keiner im Sinne Eckhart aufwachen.
Abgeschiedenheit und zur Ruhe kommen predigte somit auch der Meister.

Das alles versagt uns unsere Politik, sondern haut noch einen drauf, das war aber auch schon vor 750 Jahren so. Das Ende war damals oft der Scheiterhaufen.
Seltsam daß das Geistige immer verbrannt wurde.

Es geht darum mutig und reich und glücklich (Aufwachen) oder arm und gleich zu sein.

https://www.youtube.com/watch?v=hDxxSjt1Dlk
Eveline
31. Juli 2015 14:29
Dieser Seilspringer ja auch nur dann springt, weil er mit sich im Reinen ist.
Im Sinne Eckharts also arm ist. Keine Urängste, kein Gedankenkreisen.
Bibabutz
31. Juli 2015 15:12
Wozu Selbsterhalt?! Ach da hätte ich eine Anregung zu geben, man lese - und schmecke - diesen Artikel, dann sieht man wieder klar:

http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/jul/28/white-people-smug-leaving-london

tl, dr: weil die Einwanderer nicht herkommen, weil sie uns mögen.
Irrlicht
31. Juli 2015 15:15
Inhaltlich möchte ich auf diesen eher assoziativen Text nicht eingehen (oder vielleicht doch: sich in der Kritik Nietzsches und des KR auf den Erz-Transatlantiker Richard Herzinger und andere "Liberale" zu berufen ist nur bizarr), deshalb nur eine semantische Frage: Was sind "rechtspopulistische Diskurse" und warum wird der diffamatorische Begriff des Populismus, selbst wenn er im englischsprachigen Raum positiver konnotiert sein mag, für sich selbst in Anspruch genommen?
Pommes
31. Juli 2015 15:27
Daraus wird vielerorts die Frage nach einem „neuen Mythos“, bis hin zu einem „neuen Glauben“ laut. Es ist die über alle islamkritischen und rechtspopulistischen Diskurse ragende Sinnfrage, die sich hier aufdrängt. Bevor wir uns verteidigen, von Familienpolitik, Grenzen, Einwanderungsstopp, also dem „Wie“ des Selbsterhalts reden, müssen wir auch wissen „Wozu?“. Was ist der Sinn unseres Daseins?


Es gibt keinen Sinn im Leben. Leben bedeutet letztendlich Leiden, da unser gesamtes Dasein der Vergänglichkeit unterworfen ist. Und wärend dieser vergänglichen Existenz sind wir dazunoch gezwungen einen stehten Kampf um Sein oder Nichtsein zu führen. Ein philosophischer oder mystischer Anstrich kann unserer Sache durchaus einen gewissen Anreiz verpassen, aber letztendlich muss sich jeder selber fragen ob er in diesem ewigen Kampf als Verlierer oder Sieger hervorgehen möchte. Der Kampf um Deutschland ist deshalb die letztendliche Konsequenz für ein Ringen nach Sein.
Zarathustra
31. Juli 2015 15:35
@ Martin Sellner

Sehr geehrter Herr Sellner,

Die eigentliche Krankheit besteht nicht darin, daß man subjektivistisch den Sinn setzen will, sondern daß man den Sinn zuvor als etwas sucht, das zum konkreten Da‑sein äußerlich hinzukommt, d.h. daß das konkrete Da‑sein bereits sinnlos geworden ist.

Sie kennen vielleicht Monty Pythons »Philosophers Football« (auch auf YouTube zu sehen)? Wer mitten im Spiel (oder in unserem Fall gar mitten im Kampf) mit solchen Grübeleien anfängt; wer – wie bei Becketts »Warten auf Godot« – als Protagonist mitten auf der Bühne übersieht, daß es hier und jetzt auf sein Spiel ankommt, der ist vor allem ein schlechter Spieler.

Seien wir wenigstens nicht seinsblind. Nehmen wir wenigstens das Spiel ernst.

Beste Grüße,
Zarathustra
Húrin Thalion
31. Juli 2015 16:05
Ein guter und wichtiger Text - die Linie zum vorherigen "Die Zerstörung der Vernunft" ist erkennbar! Nur die Konklusion hätte etwas deutlicher ausfallen können.

Ähnliche Gedankengänge klingen auch im eingangs erwähnten Buch von Lichtmesz (Kapitel XII) an, v.a. wenn er Benoists Buch "Heide sein zu einem neuen Anfang" behandelt und zu Recht kritisiert.

Damit verwandt ist auch der funktionalistische Zugang zu Religion und Mythos, den leider auch viele (Neu-)Rechte haben. Stellt man bloß die Frage "Welche Religion kann Europa von der Krise befreien?", ist man der "Entzauberung der Welt" bereits auf den Leim gegangen.

Vielmehr sollte die Frage nach der Wahrheit gestellt werden, die - wie im obigen Text treffend bezeichnet - nur empfangen werden kann. Oder anders gesagt: Sie kann nicht er-funden, sondern nur ge-funden werden. Immerhin existiert sie auch, ohne dass wir sie kennen.
Cosima van Tutte
31. Juli 2015 16:08
Mir wird von alle dem so dumm,
als ging' mir ein Mühlrad im Kopf herum.
Waldgänger
31. Juli 2015 16:44
Hmm?
Viele Worte.
Alles reichlich abstrakt und philosophisch, für meine Begriffe zu sehr.
Man die Dinge auch zerdenken.

Dass ein "Tatkult" problematisch sein kann (nicht muss, es kommt auf die Situation an), dürfte klar sein. Die Gedanken zur Konservativen Revolution um 1930 sind gut nachvollziehbar.

Im Folgenden werden bei Herrn Sellner aber derart viele Zweifel wach, dass ich mich wundere.
Man muss nicht alles begründen und durchdenken!
Es gibt auch einen Punkt, an dem Denken zum Fehler und zur Schwäche wird.

Irritierend daher diese Sätze:

Bevor wir uns verteidigen, von Familienpolitik, Grenzen, Einwanderungsstopp, also dem „wie“ des Selbsterhalt reden, müssen wir auch wissen „Wozu?“. Was ist der Sinn unseres Daseins?

Ich antworte mit der Selbstverständlichkeit eines jeden daseinwollenden Lebewesens: Unser Daseins selbst ist der Sinn!
Was denn sonst?
Ist denn für den Willen zum Dasein (außer einem gewissen Mut) ein Mythos nötig??
Muss ich glauben um zu sein?
Oder anders gesagt: Bin ich erst dann, wenn ich an einen Mythos, eine große Idee glaube?
Nein.

und

Das Diktat des „nackten Überleben des Volkes“ zu dessen Dienern Wahrheit, Mythos und Glaube werden sollen, widersteht dieser Fragwürdigkeit nicht. (...)
Wozu das alles? Wozu überhaupt Stellung halten, aufstehen, aktiv sein?

Hmm? Also selbst das nachte Überleben des Volkes genügt nicht als Grund, als Motiv zum Handeln??

und

Die rechte, unsere Alternative das „ nackte Überleben“, das Verteidigen und Erhalten des Eigenen um seiner selbst willen, befriedigt diese Sehnsucht schon lange nicht mehr.


Wenn es so ist, sollte man vielleicht ins Kloster gehen - oder in die einsame Wüste.
Andrenio
31. Juli 2015 17:34
Dann wären Sie bei der konservativ-subversiven Aktion sicher nicht dabei gewesen Herr Sellner.

In Tristesse Droite hat Ellen Kositza wunderbar unser gemeinsames Empfinden zusammengefasst:

"Ist es nicht so, dass unserem Standpunkt eigentlich ein gewaltiger politischer Eros innewohnt, als Wortschöpfung vom pädagogisches Eros abgeleitet? Der leider nicht zum Tragen kommt, was weniger an den Protagonisten liegt, sondern daran, dass unsere Stimmen unter der Decke gehalten werden? Darin, also in unserem potentiellen politischen Eros, liegt womöglich auch die Furcht der Meinungsmacher vor unseren Positionen begründet...Unser politischer Eros, der liegt zum einen an unserer antiutopistischen Realbindung and Leben....Nein, wir sagen was ist. Wir wollen keine Grenzen aufweichen, keine Formen verwischen, wir stehen für die Form, für die Haltung, mehr für die Spannung als für die Synthese, für die Setzung statt für die Debatte...Dazu kommt unsere subversive Ausstrahlung. Die gibt uns...einen heroischen, ja beinahe tragischen Nimbus..."

In dieser Phase der Selbstfindung, in der Sie sich befinden, fällt es schwer sich für eine Kompanie zu entscheiden, in der man dienen will - um einen beliebten Begriff von GK zu bemühen.

Vielleicht wäre ein Schweigeexerzitium nicht die schlechteste Idee?
Der Gutmensch
31. Juli 2015 18:16
@ Matt Hern:

Nein, anderen die Frage nach dem "wozu" vorzulegen, ist m. E. schlicht nicht legitim. Die so etwas formulieren, sind auch meistens diejenigen, die ganz genau wissen, was sie von den anderen hören wollen: "Der Sinn meines Daseins sei es fortan, ein guter XYZ zu sein! Ich habe die transzendente Botschaft empfangen und will das geheime Zeichen der Macht auf meiner rechten Hinterbacke empfangen und mit Stolz tragen, bis dass ich meinen Zweck erfüllt habe."

Darüber helfen mir auch keine Zitate hinweg! Entweder, man akzeptiert, dass man eben auf der Welt ist und dass man die Verantwortung hat, sich diese Frage individuell zu beantworten (was nicht bedeutet, dass man dabei keine Unterstützung in Anspruch nehmen kann. Aber kein ernstzunehmender Pfarrer/Philosoph/Arzt kann und darf Ihnen vorgeben, worin denn nun der Sinn Ihres eigenen Lebens besteht; das müssen Sie selbst rausfinden!) Oder man schmeißt sich den Massen-Sinngebern in die Arme, weil sie so überzeugend reden/so bunte Kutten tragen/so treue Augen haben.

Die Frage nach dem "wie soll unsere Gesellschaft aussehen und gestaltet werden" ist anders gelagert. Wenn und soweit sie darin mündet, dass wir von anderen ein positives Bekenntnis zu einem uns genehmen, individuellen Lebenssinn fordern, sind wir im Totalitären angekommen, unweigerlich.

Der Gutmensch.
Mr. Kurtz
31. Juli 2015 18:24
"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" (Hölderlin), und es ist mit Händen zu greifen, daß "die" Rechte wächst. Nicht einmal primär in einem oberflächlichen quantitativen, aktionistischen Sinn (das vielleicht auch), wohl aber in einem qualitativen. Dieser Text ist ein gutes Beispiel dafür.
Machen wir uns nichts vor, der Massen-Michel war immer träge - jedenfalls seit dem Ausgang des Mittelalters und spätestens mit dem Beginn der "Moderne". Was ihn aber letztlich doch immer auf Trab brachte, war, wenn ihm die liebgewonnenen Lebensgewohnheiten von Außen unter dem Hintern weggezogen wurden. Hier nun ist die EUdSSR auf bestem Wege. Die Transformation der nächsten Jahrzehnte könnte gar nicht radikaler sein. Und die europäische Rechte -in all ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit- ist bereits viel weiter, als manchem lieb ist.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
31. Juli 2015 18:56
Das christliche Abendland hat wie Hans im Glück den Klumpen Gold, der ihm mit dem Christentum geschenkt wurde, gegen immer kleinere Werte eingetauscht.
Nun wirft es das Letzt das ihm bleib auch weg - es bleibt ihm nichts - nihil - Nihilismus.


Der Weg zurück wird mühsam sein. Den Wert des Eigenen, der Identität zu erkennen kann ein Schritt darauf sein, aber nicht der letzte.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
31. Juli 2015 18:57
Nun wirft es das Letzt das ihm bleib auch weg – es bleibt ihm nichts – nihil – Nihilismus.

lies:

Nun wirft es das Letzte das ihm bleibt auch noch weg – es bleibt ihm nichts – nihil – Nihilismus.
Matt Hern
31. Juli 2015 19:40
@Nordlaender: Sigmund Freud zu zitieren, um die Rechte zu verteidigen, passt nicht zusammen, mein Lieber. Ich trinke meinen Vodka zwar in Kolkata, aber gerade deswegen weiß ich wer meine Kultur repräsentiert.
Nordlaender
31. Juli 2015 20:01
@ der Übeldenker

"Nordlaenders Einwand übersieht die Notwendigkeit, für einen Erfolg der konservativen Sache auch eine erhebliche Zahl derjenigen ins Boot zu bekommen, die nicht ‚von Natur aus‘ eine bestimmte Überzeugung oder Haltung besitzen."

Als ich in diesen Diskurs einstieg, hatte ich gerade drei Stunden zuvor in einem vorangegangenen Strang der "sezession" dieses aufmerksam studiert:

Martin Sellner: „Die klare Abgrenzung hat die Identitären zu dem gemacht, was sie sind und schärft täglich unser Profil. Sie siebt politische Spinner aus und zwingt die Medien intensiver auf unsere Thesen einzugehen. Sie trägt unsere Ideen in die gesellschaftliche Mitte und ermöglicht weiten Kreisen ein klares und offenes Bekenntnis zum Lambda. Und das Wichtigste: sie ist kein taktisches Manöver, sondern entspricht einer echten, inneren Überzeugung. Frei nach Nietzsche ist unsere größte Sorge nämlich die, „falsch verstanden zu werden“ und nicht mit gewissen Leuten in ein Lager gerechnet zu werden. Aus diesem Grund sagen wir klar, was wir sind und was wir nicht sind. Da wir auf einem klaren weltanschaulichen Fundament stehen, haben wir bei unseren Distanzierungen bisher noch nichts „verloren“. Außer womöglich die oben beschriebenen „Sympathisanten“ die auf ihre Witze und ihr Kokettieren mit dem „Extremen“ nicht verzichten können. Aber denen weinen wir keine Träne nach.“
http://www.kontrakultur.de/2015/07/wer-sich-distanziert-verliert/

Als rechter politischer Spinner analysiere ich so: Eventuell lassen sich tatsächlich nicht wenige Leute in das Boot hineinholen, wenn rassistischer Ballast abgeworfen wird, wenn der Rechtspopulismus in seine Schranken verwiesen wird. Dieser Vorgang läßt sich beliebig wiederholen, falls die Bewegung immer noch als nicht politikfähig und im Rahmen des demokratischen Spektrums nicht tragbar wahrgenommen wird.

Wenn Herr Sellner diesen freien Bezug auf Nietzsche mit einem Quellenverweis ergänzen könnte, wäre ich sehr erfreut. Jede Konstruktion ist eine Setzung und Ihr konstruktiver Beitrag hat mir ansonsten sehr zugesagt.
Nordlaender
31. Juli 2015 20:13
@ Zarathustra

"wer – wie bei Becketts »Warten auf Godot« – als Protagonist mitten auf der Bühne übersieht, daß es hier und jetzt auf sein Spiel ankommt, der ist vor allem ein schlechter Spieler."

Wer selbstlos ist, sich von seinem Selbst also bereits befreit, erlöst hat, aber als Altruist und guter Mensch den anderen liebt, sollte vielleicht bedenken, daß er diesen als Spielverderber damit keine Freude beschert.

@ Waldgänger

"Alles reichlich abstrakt und philosophisch, für meine Begriffe zu sehr.
Man die Dinge auch zerdenken."

"Denn wo Gespenster Platz genommen,
Da ist auch der Philosoph willkommen,
Damit man seiner Gunst sich freue,
Erschafft er gleich ein Dutzend neue."

"Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte läßt sich trefflich glauben,
Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben." ("Faust")
Lutz Meyer
31. Juli 2015 20:16
Als liebenswürdigerweise in Erinnerung gerufenes Gespenst der Fragwürdigkeit möchte ich mich auch kurz zu Wort melden. Täusche ich mich oder wird hier die Tatkraft, der Appell an die Wirkung der Stoßkraft, gegen das Postulat des Nachsinnens über die Fragwürdigkeit unseres Tuns ausgespielt?

Es ist das alte Dilemma: Denke ich zuviel nach, unterbleibt vielleicht die Tat, das Denken wird, ehe es sich versieht, von den Tatsachen eingeholt und überrollt. Diese Gefahr besteht. Denke ich hingegen nicht weiter über das Fragwürdige nach, sondern handele, kann die bemühte Stoßkraft leicht ins Leere, ins Nichts stoßen. Diese Gefahr besteht erst recht.

Den Heroismus der Tat in allen Ehren – aber erstens frage ich mich, wohin denn nun genau zu stoßen ist (man kann da durchaus geteilter Meinung sein) und zweitens mit welchen konkreten Mitteln dies am zweckdienlichsten zu tun sei. Betreibt man eine Art Graswurzelrevolution, geht man den Gang bürgerlichen Protestes, marschiert wie die 68er durch die Institutionen, geht man gar wie weiland der Linksterrorismus irgendwann zur Gewalttat über? Soll man, statt über die Sinnfrage nachzudenken, tagespolitische Themen anpacken? Das geschieht doch bereits im Übermaß – es gibt zahlreiche Blogs, auf denen tagtäglich bis zur Ermüdung und Abstumpfung nichts anderes geschieht. Ich lese nur noch die Überschriften – und weiß genau, was kommt. Alle Analytiker kommen zum mehr oder minder gleichen Ergebnis, freuen sich über die gelungene Analyse und das unfehlbar einsetzende Schulterklopfen und das wohlwollende Kopfnicken. Dass dieses Kopfnicken fatal an den Mechanismus des Wackeldackels auf der Hutablage von Rentnerfahrzeugen erinnert, wird anscheinend kaum bemerkt. Leute: Die Fakten kennen wir zur Genüge. Aber wir wissen auch wirklich hinreichend, wer wir selbst sind und was aus welchen Gründen überhaupt das Bewahrenswerte ist? Was ist denn das beschworene Geschaffene, das wir zu bewahren haben? Komme mir hier ja keiner mit billigen Antworten...

Ohne Beantwortung dieser Fragen bleibt die Tatkraft blinder Aktionismus, ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Schlimmer noch: bleibt sie Selbsttäuschung. Bei allem Respekt für den Alten vom Todtnauberg: Heidegger lässt sich wohl kaum als Kronzeuge der Tatkraft aufrufen – seine Tatkraft im April 1933 kann man als Musterbeispiel für blinden, in die Irre geleiteten Aktionismus ansehen, als Eselei ersten Ranges, als Tat, die eines Platon am Hofe von Syrakus würdig war. Ja, das ist eine weitere Gefahr für den rechtschaffen Fragenden – da steigt der Denker nun schon mal in die Niederungen der Tagespolitik herab und rutscht direkt in deren Kot aus. Gerade wir hier sollten die Macht des Geistes und der berufenen Geister nicht unterschätzen.
der Übeldenker
31. Juli 2015 20:51
Herr Meyer,
erstmals hier kann ich einem Beitrag von Ihnen ohne Schlucken und Zweifeln zustimmen:
Wiederholt habe ich in den letzten Monaten hier schon das Nachdenken, nein: Vor-denken vor der Tat eingefordert.
Nun werden wir sicher gleich gemeinsam für diese Forderung gesteinigt.

Übrigens: Nachdem Heidegger desillusioniert zurückgesteckt hatte, soll in der Tat Wolfgang Schadewaldt, der große Gräzist, ihn in der Straßenbahn verschwörerisch angesprochen haben "Sind Sie zurück aus Syrakus?".
Herr Kubitschek besteht ja auf der Metapolitik. Er wird Gründe ähnlich den von Ihnen genannten haben.

Gleichwohl halte ich es selbstverständlich für zwingend notwendig, nun nicht ins entgegengesetzte Extrem zu verfallen.
Wie schon oben beschrieben: Man muß sich auf den unsicheren Morast der Schattierungen und Zwischentöne hinauswagen. Sonst wären wir genau dieselben Utopisten wie die Linken.

ansonsten wird der Nordlaender
sicher bei genauerem Nachdenken zustimmen, daß Abgrenzung und Gruppenbildung durch Überzeugung oder sonstige soziale Adhäsionskräfte keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten derselben Medaille.
Peter M. Messer
31. Juli 2015 20:53
Der erste Teil des Artikels ist großartig und überfällig. An ihn kann man nämlich die Frage anschließen, wo eigentlich der Unterschied liegt zwischen einer Haltung, nach der das, was bewahrt werden soll, durch eigenen Willensentschluss erst geschaffen werden soll, und dem (linken) Konstruktivismus, für den alles ebenfalls eine gesellschaftliche und damit aus seiner Sicht willkürliche Konstruktion ist. Ich kann in der geschilderten Abwertung alles Bestehenden durch diese KR auch keinen Unterschied zu linkem Denken erkennen, das Ziel ist bloß ein anderes.

Weiter zeigt sich, dass auch die konservativen Revolutionären für die Umsetzung ihrer Setzungen nicht weniger als die Linken auf die Durchschaubarkeit, Plan- und Gestaltbarkeit der Welt angewiesen sind - was sie denselben Einwänden der skeptischer Konservativer wie Odo Marquard und Michael Oakeshott aussetzt, und im Übrigen auch ihr Scheitern erklärt. Auch konservative Revolutionäre sind nur Revolutionäre.

Ein halbwegs gesunder Mensch wird sich nun allerdings mit Grausen von den weiteren Ausführungen Sellners abwenden, nach der die Bewahrung der eigenen Existenz kein Wert an sich ist. Soll mit einem solchen Denken ein Anspruch auf politische Führung, auf Vordenkertum verbunden werden? Da haben wir sie wieder, die von mir schon zu Martin Sellners vorangegangenem Artikel bemerkte Weltlosigkeit zahlreicher Konservativer, und es freut mich sehr, dass das von vielen hier kritisiert wird. Wirklich intellektuell mutig wäre es nämlich, nicht die Sinnfrage, sondern die Sinnfrage der Sinnfrage zu stellen. Immerhin wissen wir seit Gödel, dass selbst die Methematik nicht die Geltung ihrer Grundlagen beweisen kann. Warum soll das in anderen Bereichen anders sein? Ist die Frage nach dem letzten Sinn am Ende nur eine Krankheit der Sprache, eine Halluzination der Grammatik, die es uns erlaubt, Fragen zu formulieren ohne Rücksicht darauf, ob es auf sie auch eine Antwort gibt? Statt weiter Transzendenzturnerei zu betreiben sollte man sich an die ursprünglicheren Formen des Konservatismus erinnern, die aus der Differenz von Chaos und Kosmos beruht und deren Sorge der stets fragile Fortbestand der Welt ist. Ich verweise da auf Jan Assmanns Überlegungen zu Kosmotheismus und Monotheismus.

In dieser Sorge könnte auch der Ort gefunden werden, an dem sich das Neue zeigen kann, auf das Sellner hofft. Darin, dass man eine neue Grundlage nicht aktiv stiften kann, ist ihm völlig zuzustimmen. Aber dann muss man ihr eben eine Gelegenheit schaffen, eine Einladung aussprechen, dass sie sich zeigen möge, nichts anderes stellen viele religiöse Rituale ja dar. Und so könnte das Tun des Nächstliegenden und das Verteidigen des Vorhandenen das sein, in dem sich das Neue zeigen kann, etwa ein neues Gemeinschaftsgefühl. Viele Schöpfungsmythen sind nicht umsonst Erzählungen von Kämpfen.
jack
31. Juli 2015 20:56
Matt Hern
"Sigmund Freud zu zitieren, um die Rechte zu verteidigen, passt nicht zusammen"
Touché !
Arminius Arndt
31. Juli 2015 21:39
Das kommt also dabei heraus, wenn man zu viel Heidegger liest ... (ich beobachte die Heideggerisierung der "Szene" mittlerweile etwas besorgt, nicht, weil ich etwas gegen Heidegger oder dessen Philosophie habe, aber für Heidegger muss man sehr fest im Leben stehen, sonst kann sein Seinsrauschen Nebenwirkungen auslösen, die ungesund sein können - gerade bei jungen Männern).

Um es daher jetzt einmal ins Triviale herunter zu ziehen:

Heidegger hat mit Hannah Arendt sicher nicht nur diskutiert und Briefe gewechselt ...

In diesem Sinne,
schöne Diskussion noch,
Gruß,
A.A.
Miro
31. Juli 2015 21:45
Mich wundert, dass dieser Wegner noch nicht seinen Senf dazu gegeben hat. Der hat doch zu allem was zu sagen.
Raskolnikow
31. Juli 2015 21:53
Was Ihr wieder habt,

das ist ja nicht zum Aushalten ...

Natuerlich geht der Sellner einen tragischen Weg. Ich nahm mir die Freiheit, das bereits anzumerken. Aber jetzt wieder in die gewoehnlichen Phrasereien zu geraten, ist egocentrisch und kleinkariert. Sellner hat alles Recht der Welt, eben diese Welt auf den Kopf, in die Acht oder unter das Fragezeichen zu stellen. Das bedeutet doch aber keinesfalls, dass nun die gesamte Rechte Selbiges zu unternehmen hat. Nordlaender kann weiter gedankenlos Tore schiessen und sonst muss auch keiner Fragen beantworten, die den Sellner so beschaeftigen. Auch wenn er das frecherweise behauptet ...

Es gab immer geistige Einsiedler, die allem Sinn geben oder nehmen wollten. Gott stellte sie eben auf diesen Posten. Diese Rolle haben sie zu spielen. Hoeren wir ihnen zu und ...!

Unstrittig ist aber die Pflicht, der Dienst. Wuerde der Vater jeden Tag auf's Neue seine Rolle in der Familie disputieren, waere er ein schlechter Vater. Das gilt daselbst fuer Koenige, Lehrer, Maenner, Majore .... Auch wenn man luegen muss. Welcher Vater luegt nicht, welcher Zugfuehrer?

Nun geschah es auf geheimnisvolle Weise, dass die Koenige und Majore, die frueher den Einsiedlern zwar Narrenfreiheit liessen, aber auch vor herzhaften Tritten in den Hintern nicht zurueckschreckten, jenen Sonderlingen eine eigenartige Aufmerksamkeit zueigneten. Dem weichen Maulhelden aus Naumburg haette ein merowingischer Haushofmeister die Schnauze, ja, Zarathustra, ebenjene, poliert, da huelfe auch der Schnurrbart nichts ... Doch die Bildungssucht des 18. und 19. Jahrhunderts fuhr bereits die Ernte ein.

Lustigerweise arbeiten die emanzipatorischen Bewegungen, allesamt intellektuelle Kinder des 19. Jahrhunderts, eifrig an der Abschaffung ebenjener Zustaende und Institute, die ihr Dasosein essentiell bedingen. Staat, Executive, Wohlstand, Sicherheit. Die Re-Tribalisierung Europas ist gelutscht wie Hillers Drops. Vielleicht ist dann das alte Deutschland der Mythos des ethnisch noch halbwegs deutschen Kartells/Stamms/Klans der das Gebiet irgendwo zwischen Polen und Weissrussland kontrolliert ... Wer weiss das schon, wer will das schon wissen?

Dann hinterfragt jedenfalls keiner mehr die Rolle der Homosexuellen, oder sein Weisssein, oder unsere Verantwortung aus der Geschichte und so weiter. Regionen denen der zentrale Akteur fehlt, giebt es bereits jetzt zuhauf und es existiert auf dem ganzen Planeten keine zentrifugale Gruppierung, die emanzipatorisch oder includierend waere ... Das kann man aus europaeischer Sicht heute noch "Bumsfallerismus" nennen, fuer mexikanische, maghrebinische oder balutschische Zeitgenossen ist es das alles bedingende Sein. Codices, Rituale, Musik, Mythen und Religion verschmelzen zu einer Erzaehlung und haben gleichzeitig ihren Ursprung in Erzaehlungen, Liedern. Auch im Jahre 2015.

Manchmal wuensche ich mir heimlich, diese Zeiten des Staatssterbens waeren auch in Europa schon da und die Dinge laegen klarer. Dann streifte ich mit meiner Hijra-Gang durch das Land. Ihr muesst wissen, dass ich auf einer meiner Expeditionen von indischen Transvestiten erst angehimmelt, dann mit geschlechtsneutralen Wesen beschenkt und schliesslich zu so einer Art Ehrenhijra ernannt wurde. Matt Hern wird bestaetigen, dass diese Transen irre Freaks sind und es ein unterhaltsames Schauspiel waere, koennte man die Bundesrepublik mit einer schwerstkriminellen Transgenderbande terrorisieren .... Ich haette sie am liebsten alle mitgenommen.

In Wahrheit moechte ich aber einfach nur meine Stangenbohnen ziehen, mit der Oberaerztin Johannisbeeren entstielen und abends Balzac lesen. Denn das Leben hat ja gar keinen Sinn. Mathematisch korrekt koennte man die Gleichung dann positiv umformen, das Leben ist also sein eigener Zweck. Womit wir schon wieder bei Gott waeren ...

Um wieder zurueckzuschweifen: Lasst Sellner all seine Fragen, es sind die Fragen der Sonderlinge. Niemals sollten solche Gedanken massgeblich sein. Dann werden 10-minuetige Besetzungen leerer Balkone und der freiwillige Abzug von diesen zu grossen Widerstandstaten erklaert. Aber Zeiten in denen es keine gruebelnden Einsiedler mehr giebt, muessen ueble Zeiten sein ...

Wer, wenn nicht wir sollte sie verteidigen?

R.
Turm König
31. Juli 2015 21:54
Sigmund Freud zu zitieren, um die Rechte zu verteidigen, passt nicht zusammen, mein Lieber. Ich trinke meinen Vodka zwar in Kolkata, aber gerade deswegen weiß ich wer meine Kultur repräsentiert.


Hätte statt dessen der Name Ernst Jünger hinter dem Zitat gestanden, wäre es brauchbarer gewesen, nicht wahr?
Das ist doch die typische Manie der derzeitigen Gedanken- und Sprachherrscher, nicht den Inhalt des Gesagten an sich zu begutachten, sondern nur auf den Namen der Person zu schielen und sogleich den Daumen nach oben oder unten zu senken.
Wie kann man sich abseits des Mainstreams wähnen und trotzdem immer noch so einfältig und borniert denken?
Nordlaender
31. Juli 2015 22:06
@ Matt Hern

"Sigmund Freud zu zitieren, um die Rechte zu verteidigen, passt nicht zusammen, mein Lieber."

Sehr geehrter Herr Hern,

grundsätzlich geht es darum, daß der Violinist scheitern muß, wenn er bei seiner Darbietung das Spiel seiner Finger kritisch beobachtet, womöglich sich dabei noch fragend, welchen Dienst er dem Gedeihen der Welt damit überhaupt tut.

Ich trete hier lediglich für meine rechte Position ein, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer "die Rechte" ist, darüber können wir gerne streiten, großes Interesse meinerseits! Als Anhänger unserer Europäischen Aufklärung habe ich keinen Bock darauf, den Unterschied zwischen Boten und Botschaft zu erklären. Habe mich schon sehr häufig auf Mao Tse Tung bezogen, wenn es um die Frage ging, was denn nun Recht bedeutet. Sieche nicht dahin wie jemand, der an Distanzitis erkrankt ist und bringe keine sonderlich große Empathie bei jemandem auf, der sich im Rahmen einer rechtsphilosophischen Debatte dann sofort an dem Reizwort "Mao" (konnotiert mit Kommunismus) verbeißt.

Ihre spezielle Form der Anrede empfinde ich als leicht grenzüberschreitend. Zu meiner Auffassung von Stil gehört es, erst nach einem längeren Austausch zu entscheiden, welche Distinktion man fürderhin einnehmen will bzw. welche Formen der Nähe und Vertraulichkeiten kommodieren.

Mit höfliichem Gruße
Nordlaender
Realist
31. Juli 2015 23:14
Mögen noch zehn Jahre ins Land ziehen, eine Hochzeit vollzogen und ein oder zwei Niederkünfte durchbangt werden, dann erledigen sich die dialektischen Karussellfahrten eines jungen Renegaten von ganz alleine.
Nordlaender
31. Juli 2015 23:26
@ der Übeldenker

"ansonsten wird der Nordlaender
sicher bei genauerem Nachdenken zustimmen, daß Abgrenzung und Gruppenbildung durch Überzeugung oder sonstige soziale Adhäsionskräfte keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten derselben Medaille."

Stimme zu, jawohl. An einer solchen sozialwissenschaftlichen Allgemeinaussage gibt es nichts zu rütteln.

Als politischer Spinner, außerhalb der Guten Stube der Antirassisten, deren Betreten mir mein Geschmack verbietet, ohne das weiter reflektieren zu wollen, jenseits der flexiblen, dynamischen Mitte, verfolge ich weiter das Geschehen, aus der Distanz heraus, die ich schon wegen meines widerborstigen Naturells zwingend einnehmen muß gegenüber allen Distanzierern, ganz egal welcher Coleur. Bin da jedoch nicht stur. Sollte ich den Eindruck gewinnen, daß sich eine der verschiedenen Bewegungen einer Alternative zu Deutschland, die sich derzeit auf dem Markte darbieten, doch noch wider Erwarten als günstig erweist, wird mich meine Meinung von gestern einen feuchten Kehricht interessieren.

Bin leider einfach nur normal. Keine Hete, nicht autochthon, nicht identitär, noch gar biodeutsch, Normalität läßt sich beim besten Willen nicht kommunizieren.

Allenfalls durch die Negation: Wieso, weshalb, warum? - wer alles kritisch hinterfragt ist .... dumdideldumdideldum.
Der Gutmensch
31. Juli 2015 23:30
Aber wir wissen auch wirklich hinreichend, wer wir selbst sind und was aus welchen Gründen überhaupt das Bewahrenswerte ist? Was ist denn das beschworene Geschaffene, das wir zu bewahren haben? Komme mir hier ja keiner mit billigen Antworten…

Na, Herr Meyer, ich hab da keine Skrupel, wie Sie wissen! Ich weiß, wer ich bin und vor allem weiß ich, wer bestimmt NICHT mein Nächster ist. Das ist schon mal der Anfang. Das "Bewahrenswerte" ist aus meiner Perspektive leider genau das, was hier gerade abgeschafft werden soll: Meine Muttersprache, mein Land, die Zusammensetzung meiner Nachbarschaft, das Schnitzel in der Kantine, der kümmerliche Rest meiner Grundrechte, der deutsche Bürger, das Eltern-Kind-Verhältnis, die Ehe ... (Die Ehe deshalb, weil es keine Ehe ist, wenn sie nicht durch eine Geschlechtergemeinschaft gekennzeichnet wird. Wenn alle anderen Gemeinschaften auch so genannt werden, gibt es kein exklusives Kriterium für die Ehe mehr und der Begriff wird redundant.) Diese Aufzählung ist nicht vollständig - aber es reicht ja auch erstmal, ich hab die Nase jedenfalls gestrichen voll!

Ob und wer das warum mal "geschaffen" hat, ist mir derzeit fast egal. Es gehört zu meiner Identität und schon deshalb passt mir die Abschaffung dieser Kriterien nicht; das ist ganz furchtbar einfach. Ich denke auch nicht im Traume dran, mich dafür zu rechtfertigen, dass mir dieses Abschaffungsprogramm nicht passt. Ich lasse mir noch nicht mal einreden, dass ich mich mit diesen - nicht billigen, aber doch ausgesprochen bescheidenen - Wünschen in der Minderheit befände (Und wäre das so, wäre ich eben leider unter die Verrückten geraten. Das würde aber immer noch nichts an meiner eigenen geistigen Gesundheit ändern; Freud sei Dank!) Ich bin vielmehr zuversichtlich, dass diese meine Anliegen ausgesprochen verbreiteter Natur sind. Wie man das geeignet zum Ausdruck bringen kann, ist derzeit meine einzige Sorge ...

Also kurzum: So fragen wie eingangs darf höchstens der Psychotherapeut - und zwar ausschließlich seinen eigenen Patienten.


Der Gutmensch.
Exmeyer
01. August 2015 00:15
Schaue ich auf die nächste Generation, denke ich an die übernächste, sind alle Fragen beantwortet.
Wortarm: Sie sollen nicht knien und erdulden müssen, sondern handeln und gestalten können.

Denkt jemand genauso? Willkommen! Das ist nicht die ganze Antwort? Nun gut: Sieht derjenige ähnlich aus wie ich, spricht er und denkt ähnlich?

Ganz einfach. Und jetzt laßt uns Tore schießen.
Martin Sellner
01. August 2015 00:20
Na ich will im Moment nicht älter als 30 werden.
Martin Sellner
01. August 2015 00:25
@Raskolnikow
Fangt halt endlich mal damit an, sonst müssen wir weiter Balkone besetzen und euch mit der Seinsfrage auf die Nerven gehen. Ich verspreche, dass ich nach der Reconquista nie wieder Artikel über Sinnfragen schreibe, sofern man mir eine Waldhütte mit W-Lan zur Verfügung stellt.
Martin Sellner
01. August 2015 00:36
@Peter M Messer:

Die "Sinnfrage der Sinnfrage" ist mE nicht "mutig" und ungestellt, sondern Kern des gesamten NewAge-Selbsthilfe-Eso Gelabers und mündet in ein fürchterlich fades, unerträglich egalitaristisches "Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst". Probieren Sie es am Wochenende in einer Bar zwischen betrunkenen Blooms aus: alle werden begeistert zustimmen und dann bei Bon Jovis "it's my life" rebellisch-konform einstimmen. "my heart is like an open highway"

Ich gebe Ihnen in der Verteidigung des Bestehenden und der Sammlung der Tradition als Primat völlig recht. Aber inwiefern widerspricht das einer lebendigen Frage nach Transzendenz? Macht nicht genau die den Unterschied zwischen Feuerweitergabe und Ascheanbetung?
Martin Sellner
01. August 2015 00:39
@Nordländer
ad Quelle: Mach ich. War glaub ich irgendwo in Ecce Homo. "Politikfähigkeit" und die Akzeptanz durch andere war niemals Triebfeder einer identitären Abgrenzung.
Martin Sellner
01. August 2015 00:51
@Andrenio Wir hatten eigene konservativ Subversive Gehversuche in Wien. Mit schwarzen Hosen, Hemden und Alfa Romeos. Das Zitat widerspricht mAn nicht direkt dem was ich meinem Text aufzureißen versuche. Ich bin auch ein großer Staatsfan und geistiger Grenzer. "Kämpfen muss das Volk für den Nomos wie für die Stadtmauer." (Heraklit) Deswegen ist aber die Grenze und die Seztung nicht alles, auch wenn sie manchmal sicher dem Gespräch, immer auf jeden Fall der heutigen, ewigen Debatte vorgezogen werden muss. Wer jemals aufhört sich in in der Selbstfindung zu befinden hat sich schon lange völlig verloren.
Martin Sellner
01. August 2015 01:01
@Waldgänger: Sie sind,das denke ich, mit ihrer Haltung nicht alleine sondern repräsentieren einen derzeitigen Mainstream neurechten Denkens, als Modus der Moderne. Meine Frage ist: Warum hat es dieses denken bisher nicht geschafft seine scheinbar fraglose und unantastbare Selbstzweck-Sinnformel gesellschaftspolitisch durchzustezen. Warum leuchtet diese Sinnlosigkeit den Bundesbürgern nicht ein? Warum sehen wir nur dort echtes Leben und nationalen Überlebenskampf, intakte Strukturen und menschen, wo dieser Kampf und das Volk noch an einen höheren Sinn und einen tradierten Mythos geknüpft sind der mehr ist als Selbstzweck? Die zu erwartende Antwort, dass diese Mythen nur getarnter Selbstzweck, "notwendige Lügen" sind, ist genau das geistige Gefängnis eines "ruinierenden" Nietzscheanismus von dem Heidegger sagt er das was jenem Mittel der Kritik war zum Selbstzweck macht. Es ist ja immer etwas abgeschmackt den Zarathustra zu zitieren, aber die letzten Worte laden gerade dazu ein und ich will sie dem "Leierchor" des Niezscheanismus, seinem Biologismus/Vitalismus und seinem "nichts außerdem" entegenstellen: Alle glauben an das nackte Überleben. "Jeder will das Gleiche, jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus."
Martin Sellner
01. August 2015 01:06
@Zarathustra Sie bohren in einer Wunde nämlich den leichtfertigen Gebrauch von "Sinn" und seine Vermischung mit politischen Fragen in diesem und anderen Texten. Aber ich wollte auch niemals Philosoph sein und diesem sacrifium intellectus habe ich nun mal gebracht. Sein, Dasein und Sinn - ich glaube nicht dass das Nachdenken darüber von der Tat abhalten muss.
Martin Sellner
01. August 2015 01:10
@Irrlicht

Ich berufe mich keineswegs auf Inhalte der Kritik der beiden Genannten. Ich nennen sie nur um die akademischen Erwartungen hier zu erfüllen, es ist eine studentischer Reflex und ein formeller Beweis einer gewissen Recherche mit der ich mir die Freiheit zur anschließenden freien Assoziation nehme.
Rechtspopulismus ist mAn nicht unbedingt ein abwertender Begriff, sondern fasst dieses Phänomen in seiner Bedeutung, seinem Wert und seinen Grenzen recht gut. Ich bin zu einem Gutteil meiner Existenz auch "Rechtspopulist" und sehe das gelassen - aber man sollte nicht darin aufgehen.
enickmar
01. August 2015 02:41
@ Sellner

Das Seinsmäßige benötigt keinen Mythos und keine Religion um seinsmäßig sein zu wollen *. Das braucht kein Tier.

Das Leben will sich nur ganz selbst. Alles andere ist Dekandenz.

Mythen und Religionen sind nur oberflächlicher Zierrat als Ausdruck des Seinsmäßigen. Symptom und Ursache.
Sie verschwinden auch nicht als Phänomen. Sie wechseln nur.
Je mehr also der Mensch er selbst sein kann, befreit von den physisch existenziellen Zwängen der Umwelt, desto seinsmäßiger wird auch seine Religion.

Die Gesellschaft in und die Politik mit welcher wir Leben sind in diesem Sinne also auch nicht verkehrt. Sie sind bloß konsequent.

* Kommentar Realist
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
01. August 2015 08:35
@Sellner
Na ich will im Moment nicht älter als 30 werden.

Mit diesem Satz haben Sie alles kaputt gemacht. Alles.
Curt Sachs
01. August 2015 10:20
Enickmar:

Mythen und Religionen sind nur oberflächlicher Zierrat als Ausdruck des Seinsmäßigen. Symptom und Ursache.


Woher kommt Euch diese absolute Weisheit bloß?

»Dixit insipiens in corde suo : Non est Deus.«

»Bonum est confiteri Domino,
et psallere nomini tuo, Altissime

Vir insipiens non cognoscet,
et stultus non intelliget hæc.«
Hernan Cortex
01. August 2015 10:48
Gibt doch nichts Schöneres als am frühen Samstagmorgen aufzustehen, die Laufschuhe zu schnüren und erst mal eine halbe Stunde zu joggen. Anschließend mit Sonnenschein durchs Küchenfenster mit dem Mixer einen Fruchtsaft mit Zitrone, Pfirsich und Tomate zubereiten und drei Spiegeleier in die Pfanne. Und danach dann zum Kraft- oder Kampfsporttraining. Bloß drauf achten, während der anabolen Phase innerhalb der ersten halben Stunde nach der Verausgabung etwas sehr protein- und mineralstoffreiches zu trinken. Besonders empfehlenswert sind Kefir und Buttermilch.
Martin Sellner
01. August 2015 10:51
@waldgänger
Alles muss man nicht immer ernst nehmen. Zum Beispiel Ihren ersten Kommentar und meine antwort.
Nordlaender
01. August 2015 11:04
@ Thomas Wawerka

"Nietzsche lese und verteidige ich in dieser Angelegenheit übrigens durchweg biographisch: Dieser chronisch kranke, dauergeplagte, übersensible Mann hatte gar keine andere Chance, als „eigene Gesetzestafeln“ aufzustellen – das ging beim Essen los und hörte bei der Moral auf. Die Alternative dazu bestand in Siechtum, Depressionen, körperlichem und geistigem Verfall."

Einfach nur traurig, diese Epidemie des Psychologismus. Ja, Nietzsche besaß keine normale soziale Haut, er war ein Rasender, wobei man beim Hören seiner Reden den Ton ja nach Bedarf leister stellen kann.

Warum sollte jemand, der draußen steht, weniger sehen und mitzuteilen haben, als einer, der in der warmen Stube sitzt?

Gäbe einen hübschen endlosen Eiertanz, zahlte man es dem Mitfühlenden und Allesversteher mit gleicher Münze wieder zurück usw.
Nordlaender
01. August 2015 11:11
@ Martin Selner

"@waldgänger
Alles muss man nicht immer ernst nehmen. Zum Beispiel Ihren ersten Kommentar und meine antwort."

Oh weh, und mich hat gerade der erste Beitrag des Waldgängers tief angesprochen. Vielleicht hindert mich mein Gefesseltsein an meinen gesunden Menschenverstand, etwas an diesem nicht ernstzunehmen, diesen zu überspringen oder auch als Scherzeinlage am Rande zu rezipieren.

Wäre hier interessant, diesen "man" selber zu Wort kommen lassen. Er trägt jetzt wieder diese Polohemden. Denn seine Mutter las im Modejournal, daß man diese wieder trägt und hat ihm gleich mehrere zu seinem Geburtstag verehrt.
nörgler
01. August 2015 11:28
@gert friedrich„Die Rechten müssen sich mit dem liberalen Denken versöhnen,mit dem freien Wirtschaften sich anfreunden.
Klar und rational wie Popper ,dann klappt es auch mit der Zukunft.“
Und auch mit dem Nachbarn. Ausserdem:isch abe
gar kein Auddo,Senior.Sie sind ein Dampfplauderer,mein Herr,und ob sie Karl Popper verstanden haben ,wage ich sehr zu bezweifeln.
Monika
01. August 2015 11:31
Das ist eine sehr verworrene , fruchtlose und traurige Diskussion.

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich.

Joh. 14,1


Die Gewähr für die Reinheit des Geistes ist die Anbetung Gottes. Solange ein Mensch Gott anbetet; solange er sich vor Gott neigt als vor Dem, der "würdig ist, zu empfangen die Macht und die Ehre und die Herrschaft", weil Er der Wahre und Heilige ist - solange bleibt er vor dem Trug gefeit.
Reinheit und Gesundheit des Geistes sind das Stärkste im Sinn - aber auch, das Verletzlichste und Verführbarste im Sein. .....
Es gibt zwei Zeiten des Tages, die für die Anbetung besonders bedeutungsvoll sind: der Morgen und der Abend...im Anfang des Tages kehrt der Anfang unseres Lebens wieder und am Ende des Tages vorentwirft sich das Ende unseres Lebens. Das sind die Zeiten der Anbetung.

Romano Guardini Der Herr, dort Über die Anbetung

Der eine joggt stattdessen am frühen Samstagmorgen und trinkt seinen Smoothie, der andere will nicht älter als 30 werden.

Da kann uns nur der eine und wahre und dreifaltige Gott retten.
Es ist wohl schwerer in die Knie zu gehen als durch den Wald zu rennen.
Wovor laufen die Menschen eigentlich davon ?
Cosima van Tutte
01. August 2015 11:44
Ich habe meiner Verwirrung oben bereits Ausdruck verliehen. Die Verwirrung ist nun keineswegs geringer geworden durch die Lektüre der vielen Kommentare, eher größer. Alles zuviel für mich - ich bin ja doch nur ein schlichter Mensch. Deshalb werde ich die Kommentare auch nicht weiter verfolgen. Stattdessen werde ich mir jetzt wieder "Tristesse Droite" vornehmen und noch ein drittes Mal lesen. Darauf freue ich mich.

Nicht daß jetzt etwa jemand auf den Gedanken verfällt, ich hielte "Tristesse Droite" für anspruchsloser als das, was sich hier im Forum alles zusammenbraut an profunden Gedanken. Nein, nein, ganz im Gegenteil. Es ist eben so, daß mir Filigranarbeit doch irgendwie mehr liegt als Paukenschläge und die Posaunen von Jericho.

Das alles soll natürlich keine Kritik sein, Gott bewahre! Sie können offensichtlich alle was. Jeder von Ihnen ist ein Experte, ich kann's mit Händen greifen. Machen Sie ruhig noch ein bißchen weiter. Vielleicht ist es ja irgendwozu gut. Wer weiß. Ich hoff's.
enickmar
01. August 2015 11:46
Curt Sachs:

Woher kommt Euch diese absolute Weisheit bloß?


Gottgegeben.

Mit "Religion" ist ja nicht "Gott" selbst gemeint, nicht wahr ?

Religiöse Bibelverse zu zitieren hilft eben auch nicht immer um das zu verstehen.

ὅπερ ἔδει δεῖξαι
Thomas Wawerka
01. August 2015 11:52
Nordlaender:
Die partikuläre Religion der Juden ist – im positiven Sinne! – hochgradig funktional. Der Nächste, also der Volksgenosse, andere Jude, soll nicht versklavt oder betrogen werden.


Apostelgeschichte 2:
9 Wir kommen aus Persien, Medien und Elam, aus Mesopotamien, aus Judäa und Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien,
10 aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten, aus der Gegend von Zyrene in Libyen und sogar aus Rom.
11 Wir sind geborene Juden und Fremde, die sich der jüdischen Gemeinde angeschlossen haben, Insel- und Wüstenbewohner.


Das Judentum war schon immer multiethnisch. Auch das alte, mosaische - denn aus historischer Sicht ist der gemeinsame Exodus aus Ägypten eine identitätsstiftende Fiktion - die befreiten Sklaven bildeten nur eine Gruppe unter vielen verschiedenen.
Monika
01. August 2015 11:53
Stellt sich ein Mensch die Sinnfrage so radikal, daß er eine vollkommene und endgültige Antwort zu erzwingen sucht, bringt er sich in eine kafkaeske Situation, in der ihn seine sicheren Überzeugungen davon abhalten, das Sinnvolle zu tun. Er verwartet sein Leben. Er steht vor einer offenen Tür, von der er vermutet, sie sei geschlossen, ohne seine Vermutung je ernsthaft zu prüfen.

Rupert Lay, Vom Sinn des Lebens

@ Martin Sellner

Lieber Herr Sellner,
Als ich die Sinnfrage so radikal stellte, wollte ich nicht älter als 20 werden.
Inzwischen bin ich deutlich älter und bin durch viele Türen gegangen.
Auch die letzte Tür wird nicht geschlossen sein.
Thomas Wawerka
01. August 2015 11:56
Realist: Mögen noch zehn Jahre ins Land ziehen, eine Hochzeit vollzogen und ein oder zwei Niederkünfte durchbangt werden, dann erledigen sich die dialektischen Karussellfahrten eines jungen Renegaten von ganz alleine.

Durchaus nicht. Wer zum Denker geboren und bestimmt ist, bleibt es auch - Gedankenarmut, Leere des Geistes empfindet man dann als leidvoll und quälend, Aktionismus nach der Parole "Hauptsache vorwärts!" und blinden Betrieb verachtet man. Daran ändern Hochzeiten und Scheidungen, Geburten und Todesfälle, kleine oder große Kinder nur wenig.
Rainer Gebhardt
01. August 2015 11:58
Guter Artikel. Vieles ist da richtig. Ohne Wenn und Aber kann ich es dennoch nicht unterschreiben.

Es gibt keine neuen Wahrheiten, keine neuen Geheimnisse, keine neuen Mythen. Die alte Wahrheit heißt: wir werden sterben. Daß wir nicht wissen, woher wir kommen und wohin wir gehen, ist das alte Geheimnis. Und der Glaube an einen Sinn hinter allem ist vielleicht der älteste. Auf dieser Höhe stehen wir immer noch, auch wenn wir mit Smartphones und was weiß ich noch auusgerüstet sind. Nur, was den Mythos angeht, da sind wir restlos ernüchtert. Denn der Mythos setzt die Anwesenheit von Göttern voraus; und da hat Nietzsche in der Tat tabula rasa, gemacht: Nichts gelingt mehr von selbst, nichts wird uns geschenkt, und nichts ist „umsonst“. Doch gesetzt, die Götter kehrten zurück – was eher eine literarische Veranstaltung wäre, in der die alten Staffagen noch einmal auf die Bühne gebracht würden - wo Götter sind, da müssten Opfer gebracht werden. Wer will das Opfer bringen? Und welches Opfer wäre das? Schon wer das Licht einschaltet oder am Computer sitzt, bekundet, daß ihm Götter fremd und ihre Ansprüche befremdlich sind. („Am Ende hängen wir doch ab, von Kreaturen, die WIR machten.“)

„Ein rechtes Lager, das sich offen dem ’Gespenst’ der Fragwürdigkeit ausgesetzt hat, kann aber vielleicht mehr, wird vielleicht auch ’die große Hoffnung halten’.“
Ja. Vielleicht. Was aber ist das Frag-Würdige an Nietzsche? Der Göttersturz? Der Wille zur Macht? Die Verachtung der Masse? Was ist frag-würdig an Spengler? Die ganze Konzeption? Und an Heidegger die Kritik am Gestell und an der Seinsvergessenheit der Moderne? Oder generell die philosophische Grundsuppe, aus der Linke Weltverbesserer und rechte Konservative bis heute löffeln: die Subjektbezogenheit mit Prokura zur Tathandlung, J.G.Fichte läßt grüßen: „reine Thätigkeit, die kein Object voraussetzt, sondern es selbst hervorbringt, und wo sonach das Handeln unmittelbar zur That wird.“ Nicht zufällig übrigens liefert dieser philosophische Subjektivismus die politische Ermächtigung für den studentischen Aufbruch gegen Napoleon. Das muß ihm hoch angerechnet werden. Und womöglich ist es am Ende oder vor dem Ende doch ein „heroischer Subjektivismus“, der den Zug auf eine anderes Gleis hebt. (Nur so als Frage.)

Wir wissen was kommt, wissen daß die Flut steigt. Für uns / für mich habe ich nie eine treffendere Symbolfigur gefunden als Lynkeus den Türmer. Es ist vielleicht der einsamste Posten in diesem Weltgeschiebe: Stehen und sehen, wie alles den Bach runtergeht. Der Posten wird nun vakant: das Schicksal überrollt bereits nicht mehr nur Landschaften und Städte, es klopft bereits an die Tür des Einzelnen, will ihn zum Dienst am Globalglück verpflichten, an der großen Auslöschung. Ein paar Stufen können wir vielleicht noch steigen, dann stehen auch wir dem Unabänderlichen Auge in Auge gegenüber. Die Listen, auf denen unsere Namen stehen, sind längst fertig, die Maßnahmen, mit denen man uns Linie zu bringen gedenkt, schon beschlossen. Das öffentlich geförderte und hysterisch betriebene Denunziantentum sind seine Vorzeichen. Machen wir uns also nichts vor: Wir werden weggepustet, wenn wir uns nicht wehren. Ein Dramaturg, der die Zeichen der Zeit zu lesen verstünde, müßte die Türmerszene im Faust heute anders inszenieren: Lynkeus, der, während er seine Elegie singt, ein Sturmgewehr in Anschlag hält.

„Halt auf deiner Höhe Stand!“ heißt die Devise. Auch das ein Anruf gegen die Resignation. Baucis sagt es in jener Szene von Goethes ’Faust’ bevor die beiden Alten von den Spießgesellen des Fortschritts weggeschafft werden. Philemon antwortet: „Laßt uns zur Capelle treten! Letzten Sonnenblick zu schaun. Laßt uns läuten, knieen, beten! Und dem alten Gott vertraun.“ Es hilft nichts, das Rad des Fortschritts rollt über sie hinweg: „Was sich sonst dem Blick empfohlen / mit Jahrhunderten ist hin.“

Und das ist vielleicht die schlimmste Gewißheit: Der Untergang muß nun einkalkuliert werden. Denn ich frage mich ernsthaft, mit welcher „Philosophie“, mit welcher Tat man einem Volk noch beikommen will, das seine biologische Reproduktion verweigert, daß nur noch Bahnhof versteht, wenn von seiner überlieferten Kultur die Rede ist und sich außerdem die Rolle des moralischen Schuldners auf den Leib geschrieben hat und jeden, der dieses Land betritt als Opfer betrachtet, dem zu dienen sei. Da muß man bereits um seine neurophysiologische Unversehrtheit fürchten.
Curt Sachs
01. August 2015 12:14
Der Waldgänger:

»Mit diesem Satz haben Sie alles kaputt gemacht. Alles.«

Schön, dass es jemandem aufgefallen.
Matt Hern
01. August 2015 12:22
@Raskolnikow: Ehrenhijra, das ist was. Ich würde mich Ihrer Gang sofort anschließen. Diese Transen sind irre und haben bereits versucht zu verfluchen. Als ich allerdings den Mjölnir vor mir in die Luft zeichnete und auf Altnordisch den Fluch entgegnete, waren sie schnell weg. Oh, ich würde gerne im fortgeschrittenen Staatsverfall mit der Hijra-Gang durch die Straßen ziehen und mit Wikingermasken selbst die Hooligans das Fürchten lehren. Balzac und die Oberärztin können warten...

@Nordlaender: Ich habe keine Zeit für Kommentarspaltenkämpfchen. Ich fand Ihre Art der Kritik betreff Sellners Text philosophisch niveaulos und völlig ungerechtfertigt. Grenzüberschreitung, insbesonderem im philosophisch Sinn, ist mein Metier, aber schieben wir die gestrige auf das Geist erhebende Rauschgetränk. Sie können zitieren wen sie wollen; ich habe nichts gegen Freud, denn ohne ihn hätte ich keinen Jung, und ohne ihn wäre Gott immer noch tot für mich. Aber den Obergrübler-Psychoklempner, der Frauen Penisneid vorwarf und Jungen unterstellte sie wollten mit ihrer Mutter schlafen, als Autorität für psychische Gesundheit und Tatkraft anzuführen, ist schlichtweg absurd. Und ja Jünger ist eine größere Autorität für mich. Er hatte Mut in jeglicher Hinsicht, nahm LSD mit Hoffmann, um seinen Horizont zu erweitern und kannte die Wirklichkeit des Mythischen.

Überhaupt lese ich diesen Blog, weil mich die Originalität ihrer Schreiber anregt, ihre Verwendung der deutschen Sprache entzückt und ich den Mut von ihnen bewundere. Aber es ist auch der Mut zum Einsiedlertum und zur Tat im Sinne von eigene Denkwege zu gehen. Die Blindheit und Borniertheit von Rechten (wie Linken) zeigt mir immer wieder, dass ich mich jenseits jeglicher Kategorien bewege, und bewegen muss. Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden... ach, ihr wisst schon.
Thomas Wawerka
01. August 2015 12:26
Nordlaender: Die Frage nach dem Sinn ist bereits ein erstes Symptom der Krankheit zum Tode.

Ist diese Frage nicht genau das, was uns vom Tier unterscheidet? Die uns davon unterscheidet, nach einem biologischen Programm lediglich "abzulaufen", zu funktionieren? Die uns fähig macht, eine gewaltige geistige Welt jenseits von Nahrungsaufnahme, Schlaf, Erwachen, Balz, Fortpflanzung, Krankheit und Tod zu erfahren, zu ermessen?
Haben Sie nie den Schauer der Ehrfurcht und der Beglückung durch die Erfahrung der Transzendenz gefühlt? Das Erhobensein durch die Gewissheit, etwas von bleibender Bedeutung getan zu haben, ebenso wie die Qual der Nichtigkeit? Ist das alles nur "Psychologismus" für Sie? - Dann wären Sie arm, unendlich arm!
Ich insistiere: Die Frage nach dem Sinn ist nicht die letzte, die des zum Tode kranken Menschen - sondern es ist die erste, mit der das Menschsein überhaupt anhebt.
Sebastian
01. August 2015 12:37
Nach meinem Dafürhalten einer der besten Beiträge auf dieser Seite seit langer Zeit. Wird zwar leider verhallen im festgelegten Jargon des kindlichen "trotzdem", der hohlen Phrase der "Anreicherung" und was es da sonst noch alles an Sprache gewordenen Vermeidungsstrategien gibt.

Für den Fachkollegen Sellner vielleicht noch der Hinweis auf die später im Jahr erscheinende Werkgeschichte Leopold Zieglers ("Leopold Ziegler. Philosoph der letzten Dinge") von Timo Kölling, die in diesem Zusammenhang sicherlich Erhellendes bereit hält. Und natürlich - immer wieder - Walter Benjamin. Wer Adorno so selbstverständlich zitiert, hat auch vor ihm keine Angst.

Beste Grüße
Andreas Walter
01. August 2015 13:03
Auch auf die Gefahr das ich mich irre:

Wozu es sich zu kämpfen lohnt? Um auch solchen klugen, empfindsamen und nachdenklichen jungen Männern wie Martin Sellner wieder Mut zu machen, auf eine fröhliche, lebenswerte, berechenbare, absehbare Zukunft. Es gibt auch Menschen die brauchen Sicherheit und Geborgenheit, um aufzublühen. Nicht nur junge Frauen, Frauen und Kinder, Alte. Auch Künstler, Dichter und Denker. Denn nicht jeder ist Kriegsberichterstatter, tippt noch wie besessen auf seiner Schreibmaschine während der Staub bereits von der Decke rieselt wegen der Granateneinschläge, die auf den Unterstand prasseln.

https://www.youtube.com/watch?v=OguHIyNNblM
Waldgänger
01. August 2015 13:07
@ Martin Selner

Vorweg:
Ich habe großen Respekt vor Ihren Aktivitäten bei den Identitären. Das ist Tat, und zwar eine, die aus dem Leben und dem Daseinwollen selbst erwächst und außerdem überlegt geschieht. Gut!

Dass Sie viel denken und hinterfragen – vermutlich mehr als ich – das ist natürlich Ihr gutes Recht und kann für Sie selbst nützlich sein.
@ Raskolnikow ist zustimmen: „Sellner hat alles Recht der Welt, eben diese Welt auf den Kopf, in die Acht oder unter das Fragezeichen zu stellen.“
Ob ein alles hinterfragendes Denken aber ganz Allgemein weiterführt? Da haben @ Nordlaender, aber auch ich und andere eben gewisse Zweifel. Ja, man kann die Dinge auch zerdenken.

***

Ihren Kommentar vom 1. 8., vormittags verstehe ich nicht, denn weder war mein (erster) Kommentar unwesentlich noch Ihre gestrige Erwiderung. Sie fragten gestern:

„Meine Frage ist: Warum hat es dieses Denken bisher nicht geschafft seine scheinbar fraglose und unantastbare Selbstzweck-Sinnformel gesellschaftspolitisch durchzustehen. Warum leuchtet diese Sinnlosigkeit den Bundesbürgern nicht ein?
Warum sehen wir nur dort echtes Leben und nationalen Überlebenskampf, intakte Strukturen und Menschen, wo dieser Kampf und das Volk noch an einen höheren Sinn und einen tradierten Mythos geknüpft sind der mehr ist als Selbstzweck?“


Vorweg zum Verständnis meiner Antwort: Ich bin Historiker mit sozial- und wirtschaftswissenschaftlichem Einschlag. Ich bin eben kein Philosoph und bin (in dieser Hinsicht Marx nahe) davon überzeugt, dass Ideen, Gedanken und Theorien (also der „Überbau“) von physisch-materiellen Verhältnissen (Technik, Produktionsverhältnisse, Wirtschaftsmacht, nackter militärische Macht bzw. der „Unterbau“) abhängig sind – und daher eben nicht die Welt bewegen.

Wenn Sie nun fragen, warum das heutige neurechte Denken es so wenig schafft, seine „scheinbar fraglose und unantastbare Selbstzweck-Sinnformel“ gesellschaftspolitisch durchzusetzen, warum so wenig bewirkt wird, so erkläre ich das ganz einfach mit den Machtverhältnissen und der Überlegenheit der Gegenseite.

Das universalistische linksliberale Denken ist wirklich nur aus einem einzigen Grund überlegen, nämlich dem, dass die nackte Macht dahinter steht. Hinter dem neurechten Denken steht keine ökonomische und politische Macht.

Anders gesagt: Es hat kaum etwas mit der inneren Logik, Stichhaltigkeit oder dem Wahrheitsgehalt von bestimmten Theorien, Gedanken, Ideen oder Mythen zu tun, wenn eine bestimmte politische ichtung stärker oder schwächer ist.
Den Bundesbürgern leuchtet die (faktisch größere) Logik neurechter Positionen eben ganz einfach deshalb nicht ein, weil die Mächtigen das Volk mit Propaganda und Orwell´schem "Neusprech" zudröhnen und abweichendes Denken sanktionieren.
Kurz gesagt: Gehirnwäsche-Propaganda und Einschüchterung.
So einfach ist das.

Wenn Sie nun weiter fragen, warum es andernorts doch noch „echtes Leben und nationalen Überlebenskampf“ gibt,
warum woanders – in Afghanistan etwa – die Leute noch an einen höheren Sinn und einen tradierten Mythos glauben und daraus Kraft beziehen, dann hängt das eben damit zusammen, dass die Mächtigen die Glaubenswelt in diesen archaischen Kulturen noch nicht so wie bei uns demontiert haben.

Jene kraftvolleren Völker zehren von einem (kulturellen und religiösen) Erbe und einer Landschaftsverbundenheit, die ihnen noch nicht weitgehend im Zuge einer Umerziehung genommen wurde.

***

Natürlich stimme ich Ihnen zu, dass der Widerstand gegen die Vorhaben der globalistischen Eliten mit einer starken Glaubensüberzeugung im Rücken (man kann auch von Sinngebung oder Mythos sprechen) viel leichter fallen würde ... !
Inwieweit eine Rekonstruktion alter Gedanken oder Neukonstruktion einer solchen Überzeugung angesichts der Machtverhältnisse möglich ist, bleibt offen.

Inhaltlich gesehen müsste ein solcher Glaube auf das Daseinsrecht, das Heimatrecht und das Recht, so zu sein und zu bleinen, wie man ist ("Soseinsrecht") zielen. Hinzu kommt die Einsicht, dass aus multikulurellem Mischmasch auch ganz konkrete Folgeschäden (Demokratieverlust, Bürgerkriegsgefahr) resultieren.

Und natürlich hätte dieser Glaube (wenn man dieses hohe Wort bemühen will), viel mit Volk und nationaler Kultur zu tun.
Eben das weiß die Gegenseite und richtet ihre Geschütze daher schon jetzt in die Richtung: „völkische Ideologie“.

Etwa hier:
http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_74914138/gewalt-gegen-auslaender-bka-schlaegt-alarm-wegen-voelkischer-ideologie-.html

In der Tat ist dies in etwa das, was die Herrschenden – trotz aller Überlegenheit – am aller meisten fürchten: die Besinnung des Volkes darauf, ein Volk zu sein, bestimmte Merkmale zu haben und weiterhin haben zu wollen.

***

Die Verwurzelung einzelner Widerständler in wie auch immer gearteten religiösen, metaphysischen Bereichen und Glaubensvorstellungen sollte hinzukommen, doch kann man sie nicht der Masse verordnen.
Sie muss individuell erarbeitet und errungen werden.

Auch die Männer vom 20. Juli bezogen aus solchen Bereichen Kraft und Mut.


***


@ Nordländer
Danke! Nette Verse.
Nordlaender
01. August 2015 13:56
@ Thomas Wawerka

"Die uns fähig macht, eine gewaltige geistige Welt jenseits von Nahrungsaufnahme, Schlaf, Erwachen, Balz, Fortpflanzung, Krankheit und Tod zu erfahren, zu ermessen?"

Wenn wir, unsere Kinder, unsere Enkel noch existieren werden in der Zukunft - was zur notwendigen Bedingung die Aufnahme von Nahrung, den Schlaf und vor allem die Abwehr des Feindes hat -, ist es möglich, nach dem Essen ein Buch zu lesen, sonst nicht.

"Haben Sie nie den Schauer der Ehrfurcht und der Beglückung durch die Erfahrung der Transzendenz gefühlt?"

Das habe ich.

"Das Erhobensein durch die Gewissheit, etwas von bleibender Bedeutung getan zu haben, ebenso wie die Qual der Nichtigkeit? Ist das alles nur „Psychologismus“ für Sie?"

Meinen? Sie haben hier in Sachen Nietzsche die schlichte ad-hominem-Karte gezogen. DAS ist Psychologismus. Das Schaffen einer Person gänzlich abzulehnen und zugleich Empathie mit dieser zu bekunden, hat mich nicht gerade sonderlich positiv berührt.

"Die Frage nach dem Sinn ist nicht die letzte, die des zum Tode kranken Menschen – sondern es ist die erste, mit der das Menschsein überhaupt anhebt."

Zunächst mal mußten unsere Urahnen nach Nahrung suchen. Schätze mal, daß vor der Frage nach dem Sinn eine gewaltige Furcht, vor den Gewalten der Natur, auch vor dem Tod, bestanden haben muß.

Aber vielleicht ist für Sie auch nicht jeder Mensch ein Mensch, den ich als einen Menschen betrachte. Für mich ist jeder Angehörige der Art homo sapiens sapiens ein Mensch.
Martin Sellner
01. August 2015 14:00
@nordlaender Ich meinte seinen niederkunft-kommentar.
Nordlaender
01. August 2015 14:16
@ Matt Hern

"Ich habe keine Zeit für Kommentarspaltenkämpfchen."

Dann geböte es die Höflichkeit, mich nicht anzuschreiben und auch noch mit privaten Mitteilungen über die Art und Weise, wie Sie Ihre Zeit einzuteilen pflegen, zu belästigen.

"Ich fand Ihre Art der Kritik betreff Sellners Text philosophisch niveaulos und völlig ungerechtfertigt."

Mit anderen Worten also kontraproduktiv. Mein Fußball-Exempel war also nicht hilfreich, um Ihre Philosophie untermauern zu können.

"Aber den Obergrübler-Psychoklempner, der Frauen Penisneid vorwarf und Jungen unterstellte sie wollten mit ihrer Mutter schlafen, als Autorität für psychische Gesundheit und Tatkraft anzuführen, ist schlichtweg absurd."

Vermutlich haben Sie noch nicht einmal Schopenhauer und seine Schrift "Eristische Dialektik" verstanden. Ich habe ihn hier nicht als Autorität eingeführt. Mal angenommen, diese Ödipus-Geschichte wäre vollkommen verkehrt, sagt das nichts geringste über die Richtigkeit des von mir eingestellten Zitates aus.

"Die Blindheit und Borniertheit von Rechten (wie Linken) zeigt mir immer wieder, dass ich mich jenseits jeglicher Kategorien bewege, und bewegen muss."

Wenn es in unseren Kreisen weniger vorkäme, wenn es um inhaltliche Themen geht, lange Schwätzgeschichten über Personen zu erzählen, in der Art, wie sich z.B. gerade Liane Bednarz an Frauke Petri oder Kubitschek abarbeitet, daß es keine Freud nicht macht, zeigten wir damit, das wir die besseren sind.

Unterlassen Sie es bitte auf alle Fälle, mich fürderhin anzuschreiben, wenn es Ihnen so an Zeit mangelt.
Nordlaender
01. August 2015 14:24
@ Thomas Wawerka

"Das Judentum war schon immer multiethnisch. Auch das alte, mosaische – denn aus historischer Sicht ist der gemeinsame Exodus aus Ägypten eine identitätsstiftende Fiktion – die befreiten Sklaven bildeten nur eine Gruppe unter vielen verschiedenen."

Das genau ist eben der Unterschied zum Christentum. Wir Deutschen, also all die Schwaben, Hessen, Sachsen, Bayern, Friesen besitzen über das universalistische Christentum keine solche partikuläre Identitätsbestärkung.
Rainer Gebhardt
01. August 2015 14:44
@ Waldgänger

"...und bin (in dieser Hinsicht Marx nahe) davon überzeugt, dass Ideen, Gedanken und Theorien (also der „Überbau“) von physisch-materiellen Verhältnissen (Technik, Produktionsverhältnisse, Wirtschaftsmacht, nackter militärische Macht bzw. der „Unterbau“) abhängig sind – und daher eben nicht die Welt bewegen."

Zustimmung! Und ich denke Alain de Benoist denkt in diese Richtung. Dennoch etwas zur "Ehrenrettung der Idee": materielle Artefakte sind häufig zuerst auch nur eine Idee. Die Atombombe, der Computer etc. Und manchmal sogar nichts weiter als eine mythologische Erzählung. Die Figur des Ikarus tauchte mehr als zweitausend Jahre früher auf als das erste Flugzeug.
Peter M. Messer
01. August 2015 15:08
@Lutz Meyer

"Leute: Die Fakten kennen wir zur Genüge. Aber wir wissen auch wirklich hinreichend, wer wir selbst sind und was aus welchen Gründen überhaupt das Bewahrenswerte ist?"

Volle Zustimmung dazu, dass die Fakten, die zum Widerstand bewegen müssten, längst allgemein bekannt sind und man sich deshalb neuen Fragestellungen zuwenden sollte, unter anderem der Frage, wer wir sind - aber nicht, um nach den Gründen zu fragen, warum etwas bewahrenswert ist, sondern warum wir wie die meisten Menschen nicht verteidigungsfähig sind. Und hier sollte man sich die Frage stellen, ob das Problem nicht auf der Willensbildungs-, sondern auf der Vollzugsebene liegt. Es ist eben nicht davon auszugehen, dass sich mit einem Entschlusss auch die Fähigkeiten zu seiner Umsetzung einstellen. Wenn ich mich entschließe, Kampfsport zu betreiben, dann beginnt damit erst ein Prozess, in dem ich die dazu notwendigen mentalen und körperlichen Fähigkeiten mühsam erlernen muss, bis ich wirklich kampffähig auf der Matte stehe.

Kartieren Sie doch bitte einmal, wo tatsächlich Widerstand geleistet wird. Götz Kubitschek selbst hat hier beklagt, dass Pegida außer von ihm metapolitisch keinerlei Unterstützung erfährt. Widerstand wird eher dort geleistet, wo wenig Bedarf an Metapolitik und Metaphysik besteht, von den berühmten einfachen oder einfach nur wütenden Leuten, von Ostdeutschen, denen in 40 Jahren DDR den Göttern sei Dank die Bürgerlichkeit ausgetrieben wurde, oder von Hooligans. Ich glaube nicht, dass das in anderen Ländern Europas anders ist. Sind die Wählerreservoire von FN, UKIP, FPÖ, Lega Nord, Dänischer Volkspartei usw. Hochburgen von Fragestellungen, wie sie Martin Sellner umstreiben? Ich glaube nicht.

Stattdessen können sie das tatsächliche Verhalten des real existierenden deutsche Konservativen, wie ihn etwa die JF repräsentiert, mit ein paar einfachen Grundannahmen vorhersagen, die sich auf das Selbstbild und auf die konkrete Handlungs-, genauer die Abgrenzungsfähigkeit gegenüber anderen Menschen beziehen. Gehen Sie davon aus, dass dieser Typ Mensch:

1. immer einer Situation ausweichen wird, in der er befürworten müsste, seine politische Forderung gegen einen anderen Menschen mit Zwangsmittel durchzusetzen, auch wenn es sich um rechtsstaatliche Verwaltungsvollstreckung handelt.

2. er niemals selbst die Grenzen der eigenen Belastbarkeit eingestehen und seinen eigenen Wohlstand egoistisch-aggressiv abgrenzen würde.

3. er niemals etwas tun wird, das dem bürgerlichen Habitus von Maß, Mitte und Selbstbeherrschung widersprechen würde.

Dann erklärt sich das"schizophrene Verhalten der JF" (Martin Lichtmesz) fast von selbst: Abstrakt klagt man die Verhältnisse an, aber wenn der Widerstand gegen sie konkret wird, ist das mit dem eigenen Selbstbild und der eigenen Handlungsfähigkeit nicht vereinbar. Uns so wendet sich ein Dieter Stein gegen Hogesa, Pegida oder den Höcke-Flügel, aber lässt von dem CDU-Abgeordneten Patzelt, der Lampedusa-Migrassoren in sein Haus aufnahm, schreiben: "Der gäubige Christdemokrat Patzel geht hier mit gutem Beispiel voran." (https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2014/wenigstens-konsequent/)

Und darum sollte man zur Abwechslung mal nicht die Tiefe, sondern die Oberfläche in den Blick nehmen.
Hernan Cortex
01. August 2015 15:14
Sehr geehrte Monika,

in der Nacht fest zu schlafen und tagsüber seinen Kraftüberschuss produktiv abzubauen, ist Anbetung durch richtige Handlungen. Gott ist alles und alles ist Metabolismus. Und wo könnte Stoffwechsel schöner passieren als bei Leibesertüchtigung im herrlichen deutschen Wald. Vor so viel stählerner Muskelpracht geht auch so manch sinnsuchende unter 20-Jährige auf die Knie bevor sie dann in müderen Jahren bloß noch ihrem defätistischen Wüstendämon entgegenfrömmelt.

Vitalste Grüße
HC
Peter M. Messer
01. August 2015 15:22
@ Martin Sellner

Die von Ihnen geschilderte New-Age-Seligkeit hat mit dem Ernst einer kosmotheistischen Haltung, wie sie Jan Assmann beschreibt, nichts zu tun. Sie hat auch nichts mit der Geisteshaltung eines Menschen zu tun, der sieht, begreift und fühlt, wie die Grundlagen seines Lebens wegggespült werden.

Ich kann an Ihrer Frage nach der Transzendenz nichts Lebendiges erkennen, weil es den Dingen ihren Eigenwert abspricht, sonst müsste man ihn nicht unter Rückgriff auf eine Transzendenz begründen. Diese Frage hat eher etwas mit Hochmut zu tun, dem Hochmut, auf das, was das eigene Leben ermöglicht hat, verzichten zu können. Wenn Sie nicht die Füße auf den Boden bekommen, dann endet Ihre Bewegung mal in einem Anhang zu einer zukünftigen 10. Auflage von Armin Mohlers "Die Konservative Revolution". Das Buch ist jetzt schon ein großes Grab.
Monika
01. August 2015 15:22
„Aber den Obergrübler-Psychoklempner, der Frauen Penisneid vorwarf und Jungen unterstellte sie wollten mit ihrer Mutter schlafen, als Autorität für psychische Gesundheit und Tatkraft anzuführen, ist schlichtweg absurd.“


@Matt Hern

Bingo, das hat gesessen ! Romano Guardini hat das etwas tiefgründiger formuliert:
Die Schwermut ist etwas zu Schmerzliches, und sie reicht zu tief in die Wurzeln unseres menschlichen Daseins hinab, als daß wir sie den Psychiatern überlassen dürften.

Romano Guardini, vom Sinn der Schwermut

Die Frage nach dem Lebenssinn ist eine geistige Angelegenheit. Und keine psychiatrische. Es geht um etwas, was mit den Tiefen unseres Menschentums zusammenhängt . Wie auch Thomas Wawerka aufzeigen wollte.

Was nützt es, den Körper zu stählen,
wenn die Seele auf der Strecke bleibt ?

Liebste Cosima, Euer Herz lasse sich nicht verwirren !
Selig die schlichten Gemüter. Sie werden das Himmelreich schauen.

Danke auch an Eveline für den Hinweis auf Meister Eckhart. Er hatte ja in Erfurt sein Heimatkloster. Das ist einen Besuch wert. Hier schwindet jede quälende Frage nach dem Sinn:
Willst du Gott auf göttliche Weise wissen, so muß dein Wissen zu einem reinen Unwissen und einem Vergessen deiner selbst und aller Kreaturen werden.

Sie sehen, liebste Cosima:
Wissen ist Macht. Nichtwissen macht auch nichts.
Langer
01. August 2015 15:34
Dann werden 10-minuetige Besetzungen leerer Balkone und der freiwillige Abzug von diesen zu grossen Widerstandstaten erklaert.


Der erwaehnenswerte Akt bestand vielleicht darin, dass man zur Abwechslung mal wieder das angemessene Verhalten der Polizei gegenueber demonstriert hat.
Helgi Knartr
01. August 2015 16:26
@ Matt Hern

Schön und gut, aber wer hier wird denn Ihre Mjöllnir-Anspielung verstehen? Darf ich die zugehörige Geschichte dazu ausbreiten? Sie beweist nichts, sie hat allein Unterhaltungswert. Ich weiß natürlich, daß dieses Forum nicht zur Unterhaltung da ist, sondern ausschließlich ernsthafter Betrachtung gewidmet ist (was sich an Sellners Beitrag und den Kommentaren dazu wieder mal eindrucksvoll zeigt). Alsdann:

Vom süßen Met berauscht, hatte Thor tief geschlafen, und als er morgens erwachte, vermißte er seinen Mjöllnir.

"Lausche, was ich, Loki dir sage,
was niemand noch vernahm auf Erden,
noch auf Himmels Höhen: mein Hammer ist gestohlen!"

Dann kam die Hijra-Zumutung durch die Asen, die über den Fall nachgedacht hatten; aber Thor nörgelte zunächst noch ein bißchen herum:

"Weibisch nennen mich Wanen und Asen,
laß ich mich binden mit Brautlinnen."

Dann ließ er's zu, Thor der Trutzstarke, um als Freyja verkleidet seinen Mjöllnir von Thrym, dem diebischen Riesen, zurückzubekommen, dem nichts Besseres eigefallen war, als zum Auslösen des Hammers die Asin zur Braut zu fordern.

Während Raskolnikow mit einer ganzen Hijrabande durchs Land fegen möchte, sauste Thor allein dahin, gleichsam als Kempe einer Einmannkaserne, doch mit Weiberkleidern angetan:

Berge barsten, es brannte der Grund:
aus fuhr da Thor nach Thursenheim,
flog hin als Hijra, den Hammer zu holen.

So geschah's. Die vorgeblich brünstige Braut griff, als der lüsterne Riese das Linnen lupfte, das Thors Antlitz verbarg, zu dem hergeholten Hammer; erst traf Thor den Thrym, der Thursen König, dann erschlug er den Rest der Riesen.

Soweit in knappster Form.

Und nun frage ich Sie, Matt Hern: Wen alles würden Sie denn gern mit dem Mjöllnir erschlagen? Versteht sich: die Oberärztin dabei ausgenommen. Und Sie, Raskolnikow? Bevor Sie an die Stangenbohnen gehen? Ausnahmen haben Sie ja ebefalls deutlich gemacht; Ihre Großmut ehrt Sie.
Richard Meißner
01. August 2015 16:46
@ Martin Sellner

Wer so schreibt wie Sie ist reif für Buddha oder die Zeugen Jehovas. Seien Sie also wachsam!
Sie sollten ihrem persönlichen Zweifel, der mir nicht fremd ist, keine Allgemeingültigkeit zuschreiben. Der überzüchtete Intellektuelle will immer "wissen" und blickt verachtend auf die Nichtwisser. Aber vielleicht sind z.B. die "Rechtspopulisten", die Kameradschafter, die ganzen "Masse-Leute" doch garnicht so "leer". Vielleicht fühlen sie ihren Sinn und brauchen garnicht wissen. Und gehen damit richtig, denn den Sinn kann man nur fühlen, nicht wissen. Ein Gott der gewusst wird, d.h. erkannt ist, ist kein Gott mehr.

Nicht ein Weltleiden, sondern ein Typenleiden, unser Typenleiden, lastet auf Ihnen. Und das hätte es auch in verzauberteren Zeiten getan.

Ich gebe ihnen eine Weisheit mit, die ich so sinngemäß von meinem Vater habe, bei dem sie sich nicht auf Lektüre, sondern auf Erleben zu DDR-Zeiten gründete: Wenn dir jemand eine Waffe an den Kopf hält, wird die Frage nach dem Warum-überhaupt-leben erstaunlich schnell uninteressant.

Das klingt natürlich viel zu banal, wenn man schwere Worthülsen gewohnt ist. Für die gibt es ja jetzt als neuen Trend der rechten Intelligenz die Hinwendung zum wahren, dreifaltigen Gott. Aber passen Sie auf dass es auch dieser ist und nicht der zwei- oder vier-oder 15-faltige. Sonst funktioniert die Sinnstiftung nicht!

Übrigens: wie beantworten eigentlich die nach Deutschland einfallenden Zigeuner-Clans die Frage, nach ihrem Sinn für die Welt?
Matthew Hern
01. August 2015 17:28
@Monika @Eveline: Danke fuer den Meister Eckhardt-Hinweis.

@Helgi Knartr: Danke fuer die schoene Geschichte, die mich schon immer fasziniert hat. Wen wollte ich mit dem Hammer Thors erschlagen? Grundsaetzlich zu viele, um sie aufzuzaehlen. Daher eher archetypisch verstanden, wuerde ich v. a. meine eigenen Daemonen, die weder dem Geist noch dem Leben dienen, mit ihm erschlagen. Ob ich das kann, weiss ich nicht, sondern vielleicht muss ich auf den gleichen Gott hoffen und vertrauen, von dem Martin Lichtmesz schreibt... Und der Lazarus befreite.
hubschrauberpilot
01. August 2015 17:40
@Helgi Knartr: Das Thrym-Lied ist lustig - eine wichtige Stelle haben Sie nicht zitiert, wie der Riese rettungslos dem cross-dressed Thor verfällt: "Nie sah ich Bräute breiter beißen". Wenn das keine Liebeserklärung ist.

@ Martin Sellner: Diese ganze Heideggerei ist, mit Verlaub, auf den Kopf gestellter 'Bumsfallerismus', in Anlehnung an Fritze Hegel und Carl Sand zu sprechen. Das Raunen in zweiter oder dritter Verwässerung macht's auch nicht besser. Das ganze Tat-Gedöns der zwanziger und dreißiger Jahre kommt vom Expressionismus und ist: Gedöns. Wie Jottfried Benn bei den NS-Bumsfalleristen später selbstkritisch gesagt hat: Alles was nicht ins KZ-Lager führt, ist lächerlich. Was Sie zu der endlich einmal (philosophisch) abzuhakenden Konservenrevolution der Zwischenkriegsjahre schreiben, stimmt zum Teil auch nicht. Das Zeug muß man heute historisch verstehen, und nicht immer wieder aufzuwärmen versuchen. Die Jungs und Mädels wußten letztlich ganz genau, was ihr "Sinn" war, das Tatgedöns war Zeitkolorit. Ihr Sinn war eben das historisch qua Existenz gegebene "Eigene", sie wußten sich in einer Kontinuität, und zwar im Grund immer mit einer "völkischen" Ausgangsbasis (Ausgangs-Basis!). Und darum geht's auch heute, nur auf anderem Niveau. Götz hat's ja bei den Pegi- und Legidesen immer wieder durchklingen lassen: Eine über 1000 Jahre entwickelte Kontinuität ist bedroht, alles das, was Generationen unter Opfern, Fehlern, mit viel Schöpfungskraft und Geist akkumuliert haben, worauf wir sitzen, was wir vertun und verraten. Mehr als das braucht's nicht als "Sinn" für den Waldgang (der irgendwann, und zwar nicht zu spät, auch wieder aus dem Wald herausführen muß).
Martin Sellner
01. August 2015 17:51
Unglaublich wie viel da kommentiert wird. Hätte nicht damit gerechnet, dass sich das überhaupt so viele durchlesen. Vielleicht knacken wir noch die 100. Ich bin im Moment leider zeitlich nicht dazu in der Lage werde aber sobald ich kann auf einige wiederkehrenden Punkte eingehen.
(Ich schalte auch weiter alle Kritik frei, bis auf völlig Absurdes, Unflätiges oder sonstwie Einschlägiges.)
Jim Knox
01. August 2015 18:05
Der Urgrund, warum sich "Rechts" und "Konservativ" tatmäßig nicht viel regt, ist, dass diese rechte Flanke zu sehr zersplittert ist ( zuviele Parteien, zuviele Rechthaber , zuviel Streit , zuwenig Stoßkraft) .

Und die Linke freuts, dass dies so ist . -- Leider. -- Wird es aber so bleiben ?
enickmar
01. August 2015 18:15
Ist diese Frage nicht genau das, was uns vom Tier unterscheidet? Die uns davon unterscheidet, nach einem biologischen Programm lediglich „abzulaufen“, zu funktionieren?


Zumindest änlich wie Antibabypille, Gender Mainstreaming und universeller Egalitarismus uvam uns vom Tier unterscheiden …
Raskolnikow
01. August 2015 18:28
Lieber Meister Sellner,

die Bedeutung der "100" muessten Sie dann aber mal vor uns entfalten! So viel Sinnsuche und dann der profane Bezug auf das metrische System ... (Verzeihen Sie!)

Knartr,

nur kleine Jungs und wuetende Weiber sprechen leichtfertig vom Toeten. Ich bin beides nicht und halte Haemmer fuer Werkzeuge. Ausserdem beruehrt mich diese Germanerei immer etwas peinlich ...

Glauben Sie mir, ich wollte noch Keinen toeten, ich verzeihe lieber. Es gab hier kuerzlich den albernen Einwand, die Einwanderer waeren Opfer var. Sklaven wie wir und man solle sie deshalb in Ruhe lassen. Nur besteht die gesamte Geschichte aus dieser Tragoedie. 1941 hatte Hans sicher nichts gegen Иван oder Francois, aber auf die beiden Kameraden von der anderen Feldpostnummer konnte man, musste man schiessen. Es ist tragisch. Transzendenz hilft diese Tragik zu sublimieren, aber der Schatten des gefallenen Gegners bleibt. Verzeihen Sie mir also, wenn ich keine Todesliste liefere! (Ausserdem wuerde mir die Oberaeztin dann wieder Internetverbot erteilen ...)

Gruesse aus der Gartenlaube,

R.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
01. August 2015 18:32
@Sellner
Na ich will im Moment nicht älter als 30 werden.

Mit diesem Satz haben Sie alles kaputt gemacht. Alles.


Sellner:

Alles muss man nicht immer ernst nehmen.


Ja dann ist ja alles gut. Ich befürchtete schon, dass die Wolke der Sinnsuche zum Wassertröpfchen einer manifesten Depression kondensiert. Und Sezession.de zur deutschen Dependance der US-amerikanischen
a.s.h/a> wird. Über'm Teich waren sie uns schon oft 15 Jahre voraus.

Denn Raskolnikows und Nordlaenders Kommentare wiesen und weisen in dieselbe Richtung.
Eisenhans
01. August 2015 18:49
Beim Barte der heiligen Madonna von Tschenschtochau, einige der hier
an Schreibanfällen leidenden, sich nicht entscheiden könnenden,
ob sie denn nun nach Niflheim oder nach Muspellsheim gehören,
sollten sich vielleicht noch einmal gründlich den hervorragenden Beitrag von
Prof. Thor von Waldstein reinziehen. Der hat an mehreren Stellen seines
Vortrages eindeutig vor verschwurbelten Denken und Reden gewarnt,
welches ja wohl vorrangig im jeweiligen Elfenbeintürmchen zelebriert wird.
Unter den am günstigsten anzunehmenden Umständen lichten sich dann
vielleicht bei einigen die Niflheimschen Nebelschwaden. So wird das
jedenfalls nix mit der Morgenröte am Metapolitischen Himmel, auf die
ja viele so inbrünstig hoffen.
Der Gutmensch
01. August 2015 19:21
@Monika

Die Frage nach dem Lebenssinn ist eine geistige Angelegenheit. Und keine psychiatrische.


Ich schlage vor, Sie begeben sich in eine psychiatrische Klinik und verkünden Ihre Weisheiten dort! Den Depressiven, die sich diesen Sinn nicht mehr erschließen können und ihren Angehörigen! Die müssten ja furchtbar erleichtert sein zu erfahren, dass sie sich diese tödliche Krankheit bloß einbilden und lediglich ein geistiges Problem haben ... womöglich wecken sie deren Lebensgeister auch via spontanem Jähzorn, das halte ich nicht mal für ausgeschlossen! Schlimmer als Psychopharmaka kann es für die Betroffenen kaum kommen.

Die Frage "nach dem Lebenssinn" ist auch bereits hinreichend geistreich beantwortet worden. Die Antwort lautet "42". Und wenn Sie das nicht verstehen (aber auch nicht krank sind!) dann sind Sie wohl eine - Maus und benötigen ein menschenbestücktes Modell, um ihre Frage zu konkretisieren.

Im übrigen hätte ich eine so - pardon, aber: bornierte! - Haltung, nicht die konkrete Aussage, sondern den Aussagenden zu bewerten, hier tatsächlich nicht erwartet; deswegen bin ich eigentlich hier! Werde mal beigehen, schöne Zitate der "falschen" Personen zu alltäglichen Angelegenheiten zu sammeln ... Kishon müsste ja dann auch "pfui" sein ...

Der Gutmensch.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
01. August 2015 19:37
@enickmar
Zumindest änlich wie Antibabypille, Gender Mainstreaming und universeller Egalitarismus uvam uns vom Tier unterscheiden …

Das christliche Abendland hat die von Ihnen genannten Dinge eingetauscht gegen Wertvolleres, das es zuvor besass. Gegen die eigene Identität, gegen den Glauben an die eigene Nation, die eigene Kultur, die eigene Rasse wenn Sie so wollen.
Aber auch diese vorherigen Werte wurden schon zuvor gegen Wertvolleres eingetauscht:


Das ist der gotische Mythos, aus dem die Kreuzzüge, die Dome, die innigste Malerei und die Mystik hervorgegangen sind. In seinem Schatten erblühte jenes gotische Glücksgefühl, dessen Tiefe wir uns nicht einmal mehr vorstellen können


Spengler, Der Untergang des Abendlands

Ich verglich diesen Abstieg in meinem von Sellner mit "nicht ernst gemeint" kommentierten Kommentar, mit dem Märchen vom Hans im Glück.

Nun denn: Der Weg zurück muss die ganze Handelskette wohl wieder durchlaufen.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
01. August 2015 19:42
@Gutmensch
Die Frage „nach dem Lebenssinn“ ist auch bereits hinreichend geistreich beantwortet worden. Die Antwort lautet „42″.

Das liegt schon mehr als zwanzig Jahre zurück und war die Talsohle der Seinsvergessenheit, die nun wohl schon durchschritten ist.
Nordlaender
01. August 2015 19:50
@ Der Gutmensch

"Werde mal beigehen, schöne Zitate der „falschen“ Personen zu alltäglichen Angelegenheiten zu sammeln … Kishon müsste ja dann auch „pfui“ sein …"

Wenn Sie möglichst viele derartige Zitate sammeln wollen, empföhle ich Ihnen als Ihr absoluter Antipode (bin ein Schlechtmensch) das Körnchenspiel. Wählen Sie passend zum Umfeld das richtige Signalwort aus, nach ein wenig Übung werden Sie große Erfolge erzielen, denn nach kurzer Zeit werden Sie sehen: "Putt, putt, putt, da kommen sie."

Habe hier bewußt ein Zitat von Freud eingestellt, zum einen mit einer Aussage, hinter der ich voll und ganz stehe, zum anderen aber auch als eine kleine Zwischenmahlzeit für ganz besonders Hungrige.
Martin Sellner
01. August 2015 19:50
@Waldgänger
Ein Missverständnis: ich meinte mit "nicht ernst gemeint" einen Kommentar von "Realist" indem er mir eine Hochzeit und 1-2 Niederkünfte als panacea für alle "transzendenten Flausen" verschreibt. Auf den war auch mein 30er Kommentar bezogen aber vill hab ich was durcheinander gebracht.
Ich würde und werde gerne noch auf Ihre Kommentare eingehen. Derzeit bin ich seit Tagen auf RedBull und muss ein paar berufliche Dinge erledigen, damit ich bald wieder Zeit und Muße habe mich Heidegger und den Hatern zu widmen. (Da ich es nicht wage in die hl Hallen der SiN Emoticons einzuführen, lasse ich hier ein Zwinkerding weg.)
Thomas Wawerka
01. August 2015 20:03
Nordländer: Zunächst mal mußten unsere Urahnen nach Nahrung suchen. Schätze mal, daß vor der Frage nach dem Sinn eine gewaltige Furcht, vor den Gewalten der Natur, auch vor dem Tod, bestanden haben muß.

Weshalb denn sollte das Eine das Andere ausschließen? Auch unsere jagenden und sammelnden Ur-Urahnen haben Höhlenwände bemalt und ihre Toten unter objektv "sinnlosen" Riten bestattet. Nehmen Sie den "Sinn" nicht zu eng, als gäbe es nur einen, und zwar einen ganz bestimmten Sinn! Das hat doch weder Herr Sellner behauptet noch ich. Furcht ist sicher eine Motivation zur Sinnfindung - eine andere ist die beglückte Dankbarkeit, ein Teil der Schöpfung zu sein, ein Staunen über das (oder die) Wunder des Lebens: etwas, was Sie in vielen biblischen Schriften wiederfinden ... oder auch bei Nietzsche.

Das Schaffen einer Person gänzlich abzulehnen und zugleich Empathie mit dieser zu bekunden, hat mich nicht gerade sonderlich positiv berührt.


Sie tun mir Unrecht. Ich, ein seit vielen Jahren treuer und leidenschaftlicher geistiger Wegbegleiter des guten Friedrich F., würde sein Schaffen "gänzlich ablehnen"? Contraire!

Der Ton ist hier in letzter Zeit manchmal ziemlich ruppig geworden. Liegt's daran, dass es bequemer war, als die eingeschworene Gemeinde noch schön unter sich war und sich nicht durch geistige Migranten provoziert und in Frage gestellt fühlte? Ein gesegnetes Wochenende allseits.
Thomas Wawerka
01. August 2015 20:06
Martin Sellner: Da ich es nicht wage in die hl Hallen der SiN Emoticons einzuführen, lasse ich hier ein Zwinkerding weg.

:-D
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
01. August 2015 20:06
@Sellner,
ok verstanden.
Den 30er Spruch bekam ich in den falschen Hals.

In meiner längst vergangnen Jugendzeit wurde er bewunderungsheischend vorgetragen, verbunden mit Schwärmerei für Jimmy Hendrix und dem restlichen Club 27.

Meist war er nur pubertäres Geschwätz. Doch manche haben es dann auch geschafft und haben nichts hinterlassen ausser zu Tode betrübte Eltern.
der Übeldenker
01. August 2015 20:13
Ein wenig danebenstehend, mache ich mehrere metakommentatorische Feststellungen:
1) Herr Kubitschek serviert der Gemeinde (sit venia verbo) neuerdings, so möchte es scheinen, reihenweise Autoren, die ausgerechnet, aber ausschließlich als mutmaßlich noch feucht hinter den Ohren oder endlich entlarvte Renegaten oder wegen unheilbar gutmenschlicher Verknöcherung die Kommentarschlangen zu generieren vermögen:
Sellner in buddhistischer Verzückung auf leeren SPD-Balkonen, Menzel schon über den Jordan bei den refugees im gelobten Land, Meyer restlinks substanzgeschädigt, Wegner als notorischer Senfspender, ...
Ist das so herum oder zeigt das etwas andersherum?
2) Dies soll ein Forum für Metapolitik sein - aber bei den Kardinalfragen eines metapolitischen Denkens, denjenigen nach Sinn, Ziel und Maßstab des ganzen Unternehmens, fraktioniert sich die Gemeinde in ein Panoptikum von Neugermanen, Altchristen, mystisch Entschwobenen und marxistisch oder freudianisch oder existentialistisch oder gar nicht mehr vorgeheizten Materialisten, also überlackierten Gutmenschen.
Mit fallweise bemerkenswerter älterdeutscher Diktion, exquisiten Literaturduellen à la Goethe versus Romantik, scilicet Jünger (?) versus Nietzsche, und mit Wortpistolen am Hirn werden dabei die Konfessionen umrissen, imaginierten sich selbige nun in künftigdeutschem Großpolen, der oberärztlichen Gartenlaube oder Eddas Niflheim.

Egal, was Herr Sellner im Detail noch schreibt oder geschrieben hat - diese Kommentarserie hier hat, viel besser als die neulich zur deutschen Identität, nichts primär über Herrn Sellner und seine eventuelle juvenil humanoide Konstitution oder seinen aktuellen Redbulltrip geklärt
(Herr Sellner, statt Pauken mit chemischer Keule lieber Frischluft oder Matratze, ist effektiver!),
sondern das geistige Chaos offenbart, das nur Herrn Kubitscheks grau-weiße Spalten fallweise zusammenzuhalten scheinen.

Hier ist die gigantische Aufgabe des ganzen Unternehmens offenbar, die überhaupt erst noch anzugehen ist:
Wie kann das alles wirkungsvoll zusammen-kommen und zusammen-gehen? Kann es das überhaupt?
Denn wie der Pöbel von links und rechts das Resthirn in der Tat ersäufen, das will die Gemeinde ja per definitionem nicht wollen.
Gottseidank. Der Transzendenz sei Dank.
Demiurg
01. August 2015 20:22
@Martin Sellner

Ich verspreche, dass ich nach der Reconquista nie wieder Artikel über Sinnfragen schreibe, sofern man mir eine Waldhütte mit W-Lan zur Verfügung stellt.


Glauben Sie denn etwa ernsthaft, dass eine Reconquista eintreten wird, um uns alle zu Erlösen und die Seinsfrage auflöst? Das ist doch zugleich das Dilemma Ihres politischen Aktivismus. Dieser suggeriert, durch den Stopp des Großen Austausch oder der Schließung der Grenzen sei das Problem unserer Kontinents gelöst, aber das ist doch sicher nicht Ihr Standpunkt?

Beste Grüße
Martin Sellner
01. August 2015 20:39
@der Übeldenker:
Der Balkon war natürlich leer. Wann sind Prunkbalkone bitte besetzt, außer wenn Aktivisten raufklettern?
Hier das Aktionsvideo: https://www.youtube.com/watch?v=1f8mDFf6LPI

Und ja: diese Aktion war kein Fiume, kein Marsch auf Rom und nicht mal ein Fort Chabrol. ABER: das haben wir auch nie behauptet. Es war eine kalkulierte Aktion ala Greenpeace, die, im Rahmen unseres strategischen Gesamtkonzepts genau das gezielte Medienecho erreichte, ohne sinnlose Verfahren und Kosten zu hinterlassen - google: political campaigning
Ich sehe hier fast lehrbuchartig das Problem des Tatkultes, der alle Taten "überladen" will, sie zu Fanalen machen und in süffisantem Dandyismus, vor allen konkreten politischen Aktionen, vor jedem echten Aktivismus in seiner glanzlosen Pragmatik die Nase rümpft.
Eine Entlarvung des Tatkultes, der Dinge in den Aktivismus projiziert, die man nicht erzeugen und erzwingen kann, ergibt gerade eine Freiheit und Gelassenheit zum politischen Kampf und Aktivismus ohne ihn zu überfordern. Ein reiner Tatkult glänzt oft in apolitischer Untätigkeit und intellektueller Eitelkeit um sich hin und wieder in unüberlegte, idR gewalttätigte Amokläufe zu stürzen.
Seine Kritik ist gerade nicht die Flucht in einen Elfenbeinturm, sondern eine Befreiung der Tat von ihrer Überfrachtung mit Ideologie, Romantik, und Sinnsuche. Es scheint hier zwischen vielen Zeilen ein regelrechter Ärger durch, dass die heutigen Kritiker eines Tatkultes und Nietzscheanismus (ich vertrete hier nicht nur eine verstiegene Privatmeinung, freilich auch keine große Strömung) so gar nicht in das Klischee des Elfenbeinturms passen.

Zu ihrem Ärger über die regen Debatten und die Bewegung die in das Denken kommt: Ich denke ein gewisses Fieber und auch Streit ist besser als die Friedhofsruhe einer schwammigen Zustimmung zu: Ja zu was eigentlich?
Solange im (meta)politischen Kampf, über den ich hier ja auch immer wieder gebloggt habe, keine Spaltungen geschehen ist so eine Vielfalt für die Theorie sehr fruchtbar und ich will sie durchaus steigern indem ich immer wieder versuche "heilige Kühe", und unthematisierte, unbegründete Übereinstimmungen kritisch ins Bewusstsein zu bringen.

Danke aber für die Gesundheitstipps.
Curt Sachs
01. August 2015 20:40
@enickmar:

Mit „Religion“ ist ja nicht „Gott“ selbst gemeint, nicht wahr ?


Aber der Nexus ist viel enger. »Religion« ist eben nicht »nur oberflächlicher Zierrat als Ausdruck des Seinsmäßigen.« Das zu behaupten ist eitler Modernismus.

Die eine wahre Religion haben wir vielmehr direkt, unmittelbar von Gott selber empfangen. Wir wissen, wer der Weg, die Wahrheit und das Leben ist und wen er ausgesandt hat, das zu verkünden. Wer darauf nicht mehr vertrauen kann, der flüchtet sich eben in solche wolkigen Sophistereien à la »Religion ist nur oberflächlicher Zierat, aber ich bin so toll, ich bin so viel tiefer gedrungen, habe in die Tiefen der Gottheit geblickt und brauche das oberflächliche Zeugs nicht mehr«. -- Schnickschnack. Das ist ebenjene moderne Schwäche, die auch Sellner hier beschreibt.
Helgi Knartr
01. August 2015 20:47
@ Raskolnikow

"Germanerei"? Berührt mich ebenfalls peinlich. Und mehr sogar. Ich habe mein Mißvergnügen an dem, was Sie mit dem Begriff sicherlich meinen, in diesem Forum früher schon mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht. Zu meinem obigen Ausflug zu unseren nordgermanischen Brüdern (Scherz - ich merke's extra an): Sie können ohne Zweifel richtig lesen, aber Sie wollen nicht unbedingt. (Ja, warum auch?)

Und was den Hammer angeht: Auch ich besitze einen. Ganz ohne Zweifel: Im Gegensatz zu Mjöllnir ist er wie auch der Ihre ein bloßes Handwerksgerät. Ich schlage damit in der Regel Nägel ein, keine Schädel. Mit einiger Wahrscheinlichkeit bleibe ich dabei. Wenn Sie ernsthaft meinen, daß ich Ihnen oder Matt Hern Totschlag mit oder Hammer tatsächlich zutrauen oder anempfehlen würde - naja... Glauben Sie mir: Ich habe wirklich keine "Todesliste" von Ihnen erwartet. Ich schwör's!

Mir kommt gerade Jorge aus dem "Namen der Rose" in den Sinn. Keine Ahnung, warum.

Ich schrieb letzte Woche in einem Kommentar:"Ich hatte mal, da ich hier gelegentlich Kommentare schreibe, ein Gespräch mit einem Kundigen (war fast eine Warnung): Ich solle mich auf einiges gefaßt machen. Bei handfesten Rechten sei der Sinn für Humorlosigkeit auffällig stark ausgeprägt, das Verständnis für Ironie hingegen oft merklich gering. Inzwischen habe ich mich davon überzeugen können: Stimmt. Ist was dran. Natürlich nur ein bißchen."

Natürlich nur ein bißchen. Gott sei Dank.
Der Gutmensch
01. August 2015 21:10
@Waldgänger (e.B.) aus Schwaben:

@Gutmensch
Die Frage „nach dem Lebenssinn“ ist auch bereits hinreichend geistreich beantwortet worden. Die Antwort lautet „42″.
Das liegt schon mehr als zwanzig Jahre zurück und war die Talsohle der Seinsvergessenheit, die nun wohl schon durchschritten ist.

Sie raffinierter Schmeichler! Ich wette, das ist schon älter, als Jung-Siegfried ... pardon, Martin Sellner wollte ich schreiben, überhaupt an jungen Jahren zählt! Und ist die Frage inzwischen gefunden?

@Nordländer
, denn nach kurzer Zeit werden Sie sehen: „Putt, putt, putt, da kommen sie.“


Und zwar gnadenlos:

Krawehl, krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain

trübtauber Hain am Musenginst

Krawehl, krawehl!

(Urheberschaft ist wohl nicht abschließend geklärt, wollte sich wohl keiner außer Loriot dazu bekennen; insbesondere nicht Peter Handke himself!)

Fröhliche Grüße in den lauen Abend,

Der Gutmensch.
Nordlaender
01. August 2015 21:17
@ Thomas Wawerka

"Weshalb denn sollte das Eine das Andere ausschließen?"

Weil die Entwicklung des homo sapiens sapiens in der Zeit stattfindet. Erst geschah dieses, dann kam jenes dazu.
Entferne ich hingegen die vier Dimensionen, die Koordinaten des Raumes und der Zeit, schließt sich nichts einander gegenseitig aus.

"Auch unsere jagenden und sammelnden Ur-Urahnen haben Höhlenwände bemalt und ihre Toten unter objektv „sinnlosen“ Riten bestattet."

Objektiv läßt sich wohl nur von einem extramundanen Standpunkt aus ein Urteil fällen. Von meinem subjektiven Standpunkt aus wirkt die Vorstellung dieses Malen und Bestatten sehr positiv auf mich ein. Das ist nun aber etwas Wirkliches, eine Wirklichkeit, die erst einmal nur mich selber betrifft.

"Nehmen Sie den „Sinn“ nicht zu eng, als gäbe es nur einen, und zwar einen ganz bestimmten Sinn!"

Ich stieg in die Diskussion ein mit der subjektiven Sinnsetzung eines Fußballers. Der entscheidet ganz für sich willkürlich, daß ihm ein Sieg von großer Bedeutung ist. Ich hatte erhofft, daß sich daraus implizit ergibt, daß jede Menge verschiedener Setzungen von Sinn existieren, daß ich das also nicht extra aufführen müßte.

"Das hat doch weder Herr Sellner behauptet noch ich."

Davon bin ich auch nicht ausgegangen.

"eine andere ist die beglückte Dankbarkeit, ein Teil der Schöpfung zu sein, ein Staunen über das (oder die) Wunder des Lebens"

Ja.
Zumindest ein Erstaunen über das kurze Aufleuchten des unendlich Schönen. Das man schändete, auf dem man mit den Füßen herumtrampelte, so man wähnte, es ganz und gar mit Worten einfangen, beschreiben und mitteilen zu können.
Wiewohl ich kein Christ bin, ist mir kein Geist bekannt, der so einen reichen Schatz kostbarer kurzer Sätze zu diesem Thema formuliert hat wie der Katholik Nicolás Gómez Dávila.

"Der Glaube ist Reinigung vom Verstand."

Und Polytheist war er nebenberuflich auch noch:

"Wer sich übereilt, verscheucht Schwärme von Göttern."

"Sie tun mir Unrecht. Ich, ein seit vielen Jahren treuer und leidenschaftlicher geistiger Wegbegleiter des guten Friedrich F., würde sein Schaffen „gänzlich ablehnen“? Contraire!"

Nun ja, Ihre Deutung seiner Aussagen aufgrund seiner persönlichen Geschichte, Krankheit, Außenseitertum, hat mich verärgert, und ich habe gleich kräftig zugebissen. Hier wäre womöglich ein längeres Gespräch klärend.?

"Der Ton ist hier in letzter Zeit manchmal ziemlich ruppig geworden."

M.E. besteht die Gefahr eines Elfenbeinturmproblems. Als Gast habe ich nicht zu bestimmen, wohin die Betreiber dieser Weltnetzseite ihr Schiff steuern wollen. Da aber verschiedenste Besucher hier zur Kommentierung eingeladen sind, kann es mitunter mal zu erheblichen Reibungen kommen. Thor v. Waldsteins brillante Ansprache habe ich so verstanden, daß es a) schädlich ist und b) auch nicht sein muß, daß ein riesengroßer Graben zwischen einem Salon, in dem Philosophisches erörtert wird und einer Aktionsgruppe, die auf der Straße steht, geben muß.

"sich nicht durch geistige Migranten provoziert und in Frage gestellt fühlte?"

Je nach dem. Es kann von großem Schaden, aber auch von großem Segen sein, wenn einer sich auf den Weg macht, etwas hervorzurufen (lat. provocare). War nicht alles schlecht, damals. "Enteignet Springer!" (68) ist nicht zeitgebunden. Die Rolle eines rechten Provos liegt mir eigentlich ganz gut.
Yvonne
01. August 2015 21:20
Wir sollten nicht nach der Wahrheit, sondern nach der Schönheit suchen. Es geht um Geschmacksfragen: Formwille, Gestaltung, daraus folgend Transzendenz.
Billig und verspannt... lustig, von wegen. NS war kein wortreiches (und inhaltsloses) Gedankenspiel, es war real, es war die schmutzige Tat. Da haben Leute was empfangen. Widerrechtlich? Kleiner Witz dazu: "Ich habe Mein Kampf gelesen. Es ist so ein schlechtes Buch."
Nordlaender
01. August 2015 21:25
@ Der Gutmensch

"Krawehl, krawehl!" ...

Fröhliche Grüße in den lauen Abend,
Der Gutmensch."

Griesgrämig zurückgrüßend. Ärgerte mich zunächst, die Erfahrung hier zu machen, daß über einen Dialog ein Konsens zwischen guten Menschen und schlechten mitunter doch nicht ganz auszuschließen ist.

Lebenslanges Lernen, noch ein wenig irritiert zwar wünsche ich Ihnen aber denn doch ein schönes Restwochenende.
enickmar
01. August 2015 21:29
@ Curt Sachs

Die eine wahre Religion haben wir vielmehr direkt, unmittelbar von Gott selber empfangen.


Was sich jedenfalls offenbart ist, daß der Dreifaltige gerade schwer damit beschäftigt ist uns loszuwerden.
Wer die Ursache dafür nun beim Sophismus des Individuums sieht und in “wahrer Reliogion” das Heil sucht, versucht die Paradoxie der Setzung. Der “ungeglaubte Glaube” eben. Diesen kann man ja als Massenphänomen konstatieren. Ob das einzelne Individuum, Curt Sachs, davon ausgenommen ist, spielt dabei keine Rolle.
enickmar
01. August 2015 21:34
@ Waldgänger Schwaben

Der Weg zurück muss die ganze Handelskette wohl wieder durchlaufen.


Wie dem auch sei:

Ich habe nur den Verdacht, daß die junge neurechte Avantgarde bei Ihrer Analyse vielleicht gerade Schwierigkeiten mit dem Verhältnis von Korrelation und Kausalität hat.
Selbst wenn der geglaubte Mythos die Vitalität bedingt und nicht andersherum (Glaube als Symptom von Vitalität bzw. beides als Symptom etwas tiefer Seinsmäßigem), ist ja die Frage was uns diese Erkenntnis hilft.
Der alte Mythos ist leblos, eine neue “rational-spirituelle” Setzung funktioniert nicht.
Was also bleibt ist ein Bißchen Nietzsche und den Biologismus in Frage zu stellen und die Hoffnung zu halten ?

Das was wir jetzt wohl brauchen ist ein materielles Konzept für die Diaspora. Wenn das gelingt, wächst vielleicht auch wieder ein neuer Mythos.
Nordlaender
01. August 2015 21:42
@ Yvonne

"Wir sollten nicht nach der Wahrheit, sondern nach der Schönheit suchen."

Wer seid IHR, ganz konkret, Sie - und wer noch? Wer hat Euch was befohlen?

Die Wahrheit gibt es nur innerhalb eines bestimmten von einer Gruppe von Menschen gesetzen (inter-)subjektiven Systems. Daß München an der Elbe liegt, ist unwahr. Daß fünf plus sieben zwölf ergibt, ist wahr.

"Widerrechtlich?"

Wer soll das wie beurteilen? Gibt es DAS Recht?
Exmeyer
01. August 2015 21:47
Man kann von der Germanisterei genauso peinlich berührt sein, wie von der vollkommenen Abwesenheit derselben. Das gilt für das Katholische/Protestantische analog.

Vielleicht sollten die Mjölniristen mal in Erwägung ziehen, daß uns die Nordischen Varianten fast genauso fremd sind, wie das Alte Testament zum Neuen. Das Niebelungenlied - in seiner vorchristlichen Urform und seinen späteren Abwandlungen, dürfte uns näher liegen, über uns mehr zu sagen haben. Deswegen war nicht "Deutschland, Deutschland über alles..." Fernaus Psychogramm über die Deutschen, sondern "Diesteln für Hagen".

Eine Einigung kann über die Sinnsuche nicht geschehen. Solche Spaltkeile einzuschlagen! Erkenne den Sinn nicht. Ich gebe den Satz wider: Das gemeinsame Handeln vereint. Das in die Tastengehaue trennt.
Martin Sellner
01. August 2015 21:47
Ich stimme Ihnen in weiten Teilen zu. Das "materielle Konzept" und unser Überleben in der Moderne, die den Boden verloren hat, muss sich aber als Interregnum und als Platzhalter verstehen und gewisse Bereiche freihalten. Eine Offenheit und Hoffnung widerspricht in keiner weise der Pragmatik und Tat, der "Gelassenheit zu den Dingen", das "Ja und Nein" zu den Gesetzen der Ochlokratie und der modernen Welt. Tatsächlich hatte ich in einem weiteren Teil genau dieses Thema angesprochen es aber aus dem obigen Beitrag rausgestrichen weil er damit endgültig zu lang war. Ich will nach wie vor meiner Überraschung Ausdruck verleihen, dass so viele diesen Text tatsächlich gelesen oder zumindest angelesen haben. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht die vielen recht radikalen Reaktionen.
Patrick L.
01. August 2015 21:49
Der Autor würde sich selbst einen großen Gefallen tun, auf Verallgemeinerungen (von sich auf das Milieu ) und den Aufbau eines Vulgär-Nietzscheanischen-Strohmannes zu verzichten. Er sollte den von ihm (nachvollziehbar) angenommenen Denkpolen die Komplexität nicht durch Personifizierung entziehen, zumal er sie dadurch zu leicht angreifbar macht. Das würde die Texte auch für Menschen ohne Heidegger-Fetisch leichter lesbar machen. Ansonsten: interessant.
Thomas Wawerka
01. August 2015 22:01
der Übeldenker: Kommentarschlangen

Vom wem stammt noch mal das Diktum, dass die Frage der Identität die große Frage unsrer Zeit sei? Ich denke, Herr Lichtmesz ließ es verlauten ... - Sie ist augenscheinlich auch für alte und neue Rechte, Nationalbolschewiken, Konservative, Reaktionäre, konservative Revolutionäre, Traditionalisten und was sonst sich hier noch tummelt eine Frage von nachgerade existentieller Bedeutung. Die "Kommentarschlange" widerlegt jene, die meinen, der Kategorie "Sinn" entbehren bzw. auf die Formulierung jeglichen Sinnes verzichten zu können.

Kann es das überhaupt?


Muss es denn? "'Ein-Form' nennen sie’s, was sie tragen: Einförmigkeit ist’s was sie damit bedecken."
Ich habe nicht zuletzt deshalb hier geistiges Asyl gesucht, weil ich inmitten eines so wilden Haufens besser atmen und denken kann als im durchregulierten Meinungs-Mississippi.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/73/Repin_Cossacks.jpg

Martin Sellner: Eine Entlarvung des Tatkultes, der Dinge in den Aktivismus projiziert, die man nicht erzeugen und erzwingen kann, ergibt gerade eine Freiheit und Gelassenheit zum politischen Kampf und Aktivismus ohne ihn zu überfordern.

Wegen solcher Sätze werd ich noch Fän von Ihnen, Herr Sellner - und das trotz meines Alters und Ihrer mangelhaften, möglicherweise energietrankbedingten Interpunktion! (Imaginieren Sie hier bitte einen zwinkernden Smiley.)
enickmar
01. August 2015 22:03
@ Martin Sellner

Daß so viele den Text gelesen haben, liegt an diesem Netztagebuch, dem Autor und der erwarteten Qualität.

Die radikalen und zahlreichen Reaktionen bestätigen die Qualität. Es wird ernstgenommen.
zweireiher
01. August 2015 22:13
Da hier die Relevanz der Balkonbesetzung angezweifelt wird: das wurde auch bei unseren amerikanischen Brüdern im Geiste im mittleren Westen registriert, diskutiert und war einen ganzen Tag lang bei SPON ganz vorne.

Als weiteres food for thought:
http://thefutureprimaeval.net/passivism-and-the-procedure/
Nordlaender
01. August 2015 22:16
@ Thomas Wawerka

"Die „Kommentarschlange“ widerlegt jene, die meinen, der Kategorie „Sinn“ entbehren bzw. auf die Formulierung jeglichen Sinnes verzichten zu können."

Weigere mich weiterhin, über den - womöglich durch allerlei Philosophastereien begründbaren - Sinn der Weiterexistenz sowohl meiner Wenigkeit, als auch unseres deutschen Volkes und unserer weißen Nachbarvölker Erklärungen abzugeben.
der Übeldenker
01. August 2015 22:55
Herr Sellner,
meine kleine Bosheit ging gar nicht gegen Sie, sondern resümierte meine Eindrücke aus den Kommentaren, obgleich über den Sinn von Aktionen in Relation zu ihrem - längerzeitigen - Effekt in der Tat oft lange debattiert werden könnte.
Mit Helgi Knatr sollten wir ein wenig mehr das Florett der Ironie statt der Machete goutieren, wie Sie selbst das mutmaßlich in Ihrer letzten Zeile zu mir, bedauerlicherweise sarkastisch, getan haben.
Die voluntaristischen Vulgärnietzscheaner haben außerdem Nietzsche m.E. sowieso nicht wirklich verstanden, aber das wäre ebenso eine extra Debatte.
Mich packt auch weniger der Ärger angesichts dieses Kommentarschlachtfeldes hier als eine gewisse Verzweiflung, obwohl ich von die Reihen fest geschlossen wahrlich nicht viel halte.
Nicht ein Fieber, eine Leidenschaft ist der mir der problematische Punkt, sondern der Blick in/auf ein Chaos, bei dem ich keinen postfebrilen Konvergenzpunkt erkenne.

Yvonne,
lieber kein Ausweichen zu der Schönheit. Da tauschten Sie quasi lediglich Pest mit Cholera.

enickmar,
"Der alte Mythos ist leblos, eine neue “rational-spirituelle” Setzung funktioniert nicht."
Genau das schien mir Herrn Sellners Thema zu sein. Daß es sich bei ihm oder hier in den Kommentaren so klar beantwortet hätte, so beantwortet werden könnte, das sehe ich allerdings ich nicht.

Herr Wawerka,
in der Tat. Die Meinung, die Sinnfrage wegpacken zu können, ist Illusion bzw. Lüge vor sich selbst. So sehr es Lagen gibt, wo man sich mit SEHR vorläufigen Antworten darauf zufriedengibt, geben muß. Die endgültige Antwort wird sich ohnehin allenfalls postum einstellen.
Ilja Repin scheint mir ein schwieriges Feld. Sehr russisch, für uns wohl doch entschieden ZU russisch.
Nun fange ich auch mal mit der Bildungsbombe an "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen."
Heinrich Brück
01. August 2015 23:00
"Was sich jedenfalls offenbart ist, daß der Dreifaltige gerade schwer damit beschäftigt ist uns loszuwerden."

Spricht nicht gegen den Dreifaltigen.
Curt Sachs
01. August 2015 23:19
@enickmar

Was sich jedenfalls offenbart ist, daß der Dreifaltige gerade schwer damit beschäftigt ist uns loszuwerden.


Das Traurige ist nicht unbedingt das fehlende Glaubenswissen. Das Traurige ist, dass weite Teile meinen, sich nicht damit abgeben zu müssen. Tristesse droite eben.
enickmar
01. August 2015 23:35
@ Heinrich Brück

Spricht nicht gegen den Dreifaltigen.


Absolut nicht. Hilft uns aber auch nicht.

@ der Übeldenker

Genau das schien mir Herrn Sellners Thema zu sein.


Eben. Gut aufgepasst.

Daß es sich bei ihm oder hier in den Kommentaren so klar beantwortet hätte, so beantwortet werden könnte, das sehe ich allerdings ich nicht.


"Klar beantwortet" ?
Yvonne
02. August 2015 02:56
An Nordlaender:
Mit "wir" meine ich: wir, die wir uns hier in dieser Kommentarspalte eingefunden haben, die wir gerade noch in ein Boot passen, auch wenn wir das eigentlich nicht tun... Wir beide z.B. sitzen vermutlich näher in einer Bootsecke als andere hier, trotzdem verstehen wir uns nicht, bzw. würden wohl nicht oft einer Meinung sein. So ist das eben.
"Wer hat Euch was befohlen?" Nein, es sprechen keine Stimmen zu mir. War einfach nur ein Vorschlag.
"Die Wahrheit gibt es nur innerhalb eines bestimmten von einer Gruppe von Menschen gesetzen (inter-)subjektiven Systems." Was hat das mit meiner Aussage zu tun?
"Gibt es DAS Recht?" Wollen Sie mich jetzt darauf aufmerksam machen, dass das Recht nicht vom Himmel gefallen ist (obwohl, da werden manche widersprechen hier)? Ist wohl so subjektiv systemgebunden wie die Wahrheit, nicht... Aber ich hab "widerrechtlich" ja auch in Frage gestellt. Das finde ich nämlich tatsächlich billig, diesen üblichen Zugriff auf das Dritte Reich.

An Übeldenker:
Der Vorteil der Schönheit ist, dass ich sie mit meinen Sinnen erfahren kann. Das ist ein ganz bisschen mehr als bei den reinen Kopfgeburten Sinn oder Wahrheit.
Paule
02. August 2015 02:59
Hoch gelehrte und verehrte Versammlung,

mit interessierten Staunen lese ich diesen Text und die darauf folgende Diskussion.

Tat als Gegensatz zum Denken? Gibt es eine Tat die das Denken nicht voraus hat?

Werte bewahren als Gegensatz zur Revolution? Gibt es eine Revolution die nicht die Werte der Revolutionäre zu wahren zum Ziel hat?
Der Sinn des Lebens? Gibt es ein Leben ohne Sinn?

Mein Vater(als 14jähriger als Kriegsgefangener 1941 im WKII interniert) hat mir erzählt was mein Großvater (Bein ab im WKI) ihm erzählt hat, was der Sinn des Lebens ist:
Erst ist das Kind. Es ist der Lebenssinn der Eltern. Dann ist der Mann. Er schafft Leben damit er Lebenssinn hat. Dann ist der Greis. Er freut sich das sein Leben einen Sinn hatte.
Preußische Lebensweisheit über Generationen übermittelt. Ritter, Bauer, Händler. Sie lebten seit ca. 1550 in Königsberg i. Pr..
Gibt es mehr zu sagen?

Der Sinn der Existenz des Deutschen Volkes ist das Deutsche Volk als Solidargemeinschaft in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Wir sind eben nicht die verängstigte, schuldbeladenen, einsame, heimatlose Mensch losgelöst vom Zeitenstrom, Nazinachkommen und Barbaren ohne Kultur.
Wir müßen uns nur daran erinnern, der Vater den Sohn, der Bauer den Gelehrten, der Nachbar dem Nachbarn, mit Tat und Gedanken.

Gertrud von den B r i n c k e n:
Meine Heimat

Meine Heimat könnt ihr nicht zerstören,
meine Heimat findet ihr nicht auf,
nicht die Birken, die nur mir gehören
an des Wiesenbaches Schlängellauf.

Nicht den Feldweg zwischen Roggenhalmen,
zwischen Himmels- und Kornblumenblau;
nicht der Kaddikfeuer braunes Qualmen
überm Brachland im Oktobergrau.

Nicht das langgezogne Lied der Flößer,
das im Dunkel immer weiter währt:
Immer tiefer wird und immer größer
jede Liebe, die von Leid sich nährt.

Meine Heimat könnt ihr nicht entreissen,
denn sie wuchs so ganz in mich hinein,
sang und segnete in ihrer weissen
Winterschwermut meine Seele ein.

Heimat ist nicht Hülle und Gewandung,
die man wechselt, die ein Wind zerstört,
Heimat ist eine Schicksal, Grund und Landung,
was uns tiefst und ohne Tod gehört.
Monika
02. August 2015 03:35
Der Gutmensch
Samstag, 1. August 2015, 19:21 (URL) | Kurz-URL
@Monika
Die Frage nach dem Lebenssinn ist eine geistige Angelegenheit. Und keine psychiatrische.
Ich schlage vor, Sie begeben sich in eine psychiatrische Klinik und verkünden Ihre Weisheiten dort! Den Depressiven, die sich diesen Sinn nicht mehr erschließen können und ihren Angehörigen! Die müssten ja furchtbar erleichtert sein zu erfahren, dass sie sich diese tödliche Krankheit bloß einbilden und lediglich ein geistiges Problem haben … womöglich wecken sie deren Lebensgeister auch via spontanem Jähzorn, das halte ich nicht mal für ausgeschlossen! Schlimmer als Psychopharmaka kann es für die Betroffenen kaum kommen.


Lieber Gutmensch,
Verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht um eine ergänzende Sichtweise und nicht um eine ausschließende !
Man würde heute einen Johannes vom Kreuz ( Die dunkle Nacht der Seele), einen Kierkegaard ( Die Krankheit zum Tode), einen Nietzsche ( die Welt ein Tor zu tausend Wüsten stumm und kalt) mit trizyklischen Antidepressiva behandeln.
In der postmodernen Welt gibt es keine Mystiker, Dichter und Philosophen mehr. Und auch die Religiosität von Menschen wird heute neurophysiologisch erklärt. Im MRT sieht man sozusagen den Sitz der Religiösen Erfahrung. Wir sind in dieser Welt gefangen.
Uns bleiben nur armselige Ersatzreligionen. (Toleranzreligion, Religion der Selbstoptimierung, Körperkult usw.)
Tatkult und Revolution von Rechts, das könnte doch auch heißen, die Gottesfrage in einer gottlosen Zeit neu zu stellen ?
Verbind-lich. Im öffentlichen Raum. Nicht als abstruses Privatvergnügen.
Heidelberger Akif
02. August 2015 04:01
@Arminius Arndt:

der Martin Sellner kann auch anders als nur herumzuheideggern.
Er kann sich auch im Gesichtsbuch, am Lagerfeuer eines gewissen J.T. wilde Wortschlachten mit Türken liefern...

Ansonsten stimme ich Herrn Sellner sehr weit zu. Ich persönlich bin als Nicht-Deutscher glücklicherweise vom Problem der von der Moderne zerschmetterten Identität wenig betroffen, als Gemanophiler, gewissermaßen "Deutschfreundlicher Ausländer" hoffe ich jedoch auf ein Fortbestehen der dt. Nation und daher das Erstarken der Ideen, die das ermöglichen könnten.
Mir ist allerdings aufgefallen dass selten der "Tatkult" derart überhöht wird wie bei Arnold Gehlen. Bei ihm ist Sinn nichts anderes als "Institutionen", die um ihrer selbst Willen perpetuiert werden müssen um das Gemeinwesen zu erhalten und die so lange beliebig sind wie sie funktionieren und den Zusammenhalt sichern.

Wieder der Nominalismus, wie er sich so auch bei allem zwischen Ralf Dahrendorf und Judith Butler finden lässt, dort lediglich ideologisch auf Links gedreht, d.h. dass die herkömmlichen europäischen Institutionen nicht wie bei Gehlen normativ gut sondern normativ böse sind...
Ich lese lieber Adorno, da kann ein Konservativer mehr finden mAn.
Aber Gehlen ist hier ja eine Koryphäe...
Hernan Cortex
02. August 2015 08:11
Was hier wieder mal geschieht, ist die Verwechslung von Ursache und Wirkung. Götter sind nicht dazu da, dekadente Kulturen zu retten. Insbesondere kann niemand, und schon gar nicht abgelebte Völker, für die eigene Fortexistenz nützliche Gottheiten konstruieren. Götter findet man in Zeiten des Überflusses, wenn man berstet vor Energie. Zuerst ist da die überschäumende Vitalität nach Jahrtausenden der Disziplinierung durch unvorstellbare Härte der Natur. Dann tritt ein dergestalt im Kern überreich gewordenes Volk ein in fruchtbare Gefilde, in denen das Leben leicht ist. Dann entstehen gotische Kathedralen, dann blühen Wissenschaft und Kunst. Der Gottesglaube einer solchen Kultur kann dabei komplett unlogisch und kindisch sein (selbst süßlich-tödliches Gift stört da nicht – Sportler ist, wer raucht und trinkt und trotzdem seine Leistung bringt). Das sprudelnde Leben stört sich nicht an Unlogik. Es lacht sogar recht herzlich über den nach- und vordenklichen Intellektuellen. Wer so was schon nötig hat... Jede Religion ist Kunst, Kunst ist aber niemals Religion. Schöpfung ist Kinderspiel aus Spaß an der Freud, aus Energieüberschuss. Und man hat sich der Schöpfung nicht in den Weg zu stellen, sondern liebevollst beiseite zu treten und stramm zu stehen vor der Zukunft, vor dem, was da auch immer kommen mag. Es geht um Disziplin und Gehorsam. Das Notwendige ist keine Bittstelle, sondern eine Befehlszentrale. Übt euch in Demut. Sein Reich soll endlich kommen und sein Wille soll geschehen. Keinem von uns steht es zu, ihm unseren Geschmack aufzwängen zu wollen. Wir kernvitalisieren uns durch, lernen staunen und schlürfen dabei unsere leckeren, gesunden Smoothies. Auf geht’s!

Taten haben das Denken nicht als Voraussetzung. Die Gedanken geschehen als Nebenher, als Phantasterei des Gehirns, um uns einen freien Willen vorzugaukeln, weil's so halt lustiger ist. Am Grunde liegt der Weltwille. Der ist bestimmt durch die naturgegebenen Voraussetzungen, nicht durch Einzelgeschmäcker. Heroische Taten wie das Finden neuer Götter haben kerngesunde Körper als Voraussetzung. Da kommt man dann auch auf ganz andere Gedanken.

Im Übrigen kann man Nietzsche gar nicht beiseite schieben. Denn er hat sich totalst in Dienstpflicht geübt und bloß Bestand aufgenommen während er schon längst salutierend an der Seitenlinie stand.
Nordlaender
02. August 2015 08:41
@ Yvonne

"Wir beide z.B. sitzen vermutlich näher in einer Bootsecke als andere hier, trotzdem verstehen wir uns nicht, bzw. würden wohl nicht oft einer Meinung sein."

Nichtverstehen liegt in diesem Falle an meiner langen Leitung. Jetzt erst gelingt es mir besser, Ihre einzelnen Aussagen zu einem Ganzen zu verknüpfen. Bitte um Entschuldigung für mein unsensibles Vorgehen.

"Wollen Sie mich jetzt darauf aufmerksam machen, dass das Recht nicht vom Himmel gefallen ist (obwohl, da werden manche widersprechen hier)?"

Das Geklammerte beschreibt das, was mich antreibt. Halte es allgemein für wichtig, darauf aufmerksam zu machen, daß jeweiliges Recht per Gewalt gesichert sein muß.

"Aber ich hab „widerrechtlich“ ja auch in Frage gestellt. Das finde ich nämlich tatsächlich billig, diesen üblichen Zugriff auf das Dritte Reich."

Martin Lichtmesz ("Fjordman Europa verteidigen") kommentierte so schön in seinem Kommentar zu den Reaktionen auf den Breivik-Anschlag, der eine sei des des anderen "Nazi". (Da da da, du hitlerst mich, ich hitler dich, aha.) Tausend Jahre währt SEIN (des Leibhaftigen, Untoten) Reich ja noch nicht, sondern erst siebzig. Dieses Reich wird uns das Kreuz brechen, wenn wir uns nicht baldigst in das Helle begeben, außerhalb seines Schattens.

"Der Vorteil der Schönheit ist, dass ich sie mit meinen Sinnen erfahren kann. Das ist ein ganz bisschen mehr als bei den reinen Kopfgeburten Sinn oder Wahrheit."

Kann ich nur ganz dick unterstreichen.
Ob es überhaupt möglich ist, (befreit) von allen Sinnen (den Eindrücken das Auges, der Ohren, Tastsinn, Geruchssinn, Geschmackssinn des Gaumens) zu sein, um auf diesem Wege eine Sinnerfahrung zu machen?
Rainer Gebhardt
02. August 2015 08:50
"Ich lese lieber Adorno, da kann ein Konservativer mehr finden mAn."

Wenn ich das "mehr" streiche, ist da was dran. Und was Gehlens „Institutionen“ bzw. Institutionenlehre angeht, die ist im Vergleich mit Adornos Philosophie geradezu moderat. Der Instituts-Denker Adorno hatte auch seine "Institutionen", an die er sich klammerte: Marxismus und Psychoanalyse. Gehlens Vorwurf, Adorno wolle mit seiner Kritik "den Menschen mit dem bisschen unzufrieden zu machen, was ihm aus dem ganzen katastrophalen Zustand noch in den Händen geblieben ist", benannte ziemlich genau, wonach dem Kritischen Denken der Sinn stand: nach Manifestation der Verzweiflung an den gesellschaftlichen Verhältnissen und deren Institutionen Recht, Ehe, Familie, Eigentum. Es ist mir nicht bekannt, welchen "Ersatz" Adorno für diese Institutionen im Auge hatte. Bekannt ist allerdings, daß sich seine "Schüler" oder Lehrlinge, wo sie sich aufs Politische verlegten, aus diesen Institutionen Gewinn schlagen, indem sie diejenigen, die diese Institutionen anerkennen, bis zum get no schröpfen und abzapfen. Es ist schön und emanzipiert und cool, die Freiheit von allem Institutionen-"Zwang" zu fordern und gleichzeitig von denen zu leben, denen die Institutionen den notwendigen Rahmen geben, um überhaupt wirtschaften zu können. Das hat etwas Parasitäres an sich. Und, nebenbei, diesem emanzipierten Parasitentum verdanken wir inzwischen die absurdesten Institutionen.
Nordlaender
02. August 2015 10:08
@ Heidelberger Akif

"Bei ihm ist Sinn nichts anderes als „Institutionen“, die um ihrer selbst Willen perpetuiert werden müssen um das Gemeinwesen zu erhalten und die so lange beliebig sind wie sie funktionieren und den Zusammenhalt sichern."

Ein Paradoxon, daß der Fortschrittler und Ewigheutige häufig nicht mehr versteht: Die Institution befreit den Menschen von sich selber. Eine Institution ist eine verkrustete Struktur, die nicht kritisch hinterfragt werden darf. Die Institution des Benimms zwingt mich, mir nicht zu überlegen, ob ich jemandem, der meine Meinung nicht teilt, eins über die Rübe hauen darf. Die Institution Schule macht auch die blasse, kleine und etwas picklige Lehrerin zur Autorität.

Solange die Institution nicht beschädigt ist, steht der Mensch nicht im Weg, weil er nämlich nicht im Mittelpunkt steht. Von intakten Institutionen wird der Mensch, der aufgrund der gesellschaftlichen Zurückweisungen (Repressionen) auf seine Selbstverwirklichung verzichtet hat, reichlich beschenkt. Die Schule vermittelt ihm einen Reichtum an Fertigkeiten, die Institution des Benimms bietet die Option, gefahrlos seinen Zeitgenossen zu begegnen.

Odo Marquard hat in seiner Kritik an Habermas (Frankfurter Schule) gut herausgearbeitet, was für ein Popanz der herrschaftsfreie Dialog ist. Eine Begegnung auf dem Nichts ist nicht möglich. Auch die kritischen Kritker haben sich gemütlich eingerichtet auf den Restbeständen dessen, was von unseren Institutionen noch übrig ist. Es sind Pharisäer, die Gleichen, die die neue Institution der Gleichschaltungsbeauftragten geschaffen haben, die uns vorheucheln wollen, daß es möglich sei, neutrale Räume einzurichten. Diese gibt es nirgendwo auf der Welt.
Rainer
02. August 2015 10:35
Nachdem ich den Text von Herrn Sellner durchgelesen, aber nur teilweise verstanden habe und sämtliche Kommentare überflogen oder gelesen habe, müchte ich hier einen Gedanken äußern, der hier nur wenig zu Sprache kam. Es geht darum, wieviel man riskieren will, um ein Ziel zu erreichen.

Junge Afrikaner setzen ihr Leben aufs Spiel um nach Europa zu kommen. Islamisten sprengen sich selbst und andere in die Luft, um ein weltweites Kalifat zu errichten. Linke sind bereit für Strassenschlachten, brennende Autos, und Gewalt, um ihre Ideologie durchzusetzen. Zu wieviel sind (vor allem junge) Europäer bereit, um sich, ihr Land, ihre Kultur, ihre Identität zu retten? Wären sie bereit, dafür auch ihr Leben einzusetzen? Diese Frage sollte sich hier jeder selbst beantworten und diese Frage müsste ich mir auch selbst auch stellen.

Ich befürchte, dass es längst nicht mehr ausreicht, Balkone zu besetzen oder andere spektakuläre Aktionen durchzuführen, sondern das der Preis und die Risiken für eine Rettung der europäischen Völker viel höher sein könnten als solche harmlose Aktionen und solche philosophischen Glasperlenspiele.

Nicht als Vorbild zu Nachahmung, sondern zu Verdeutlichung zu dem, was ich meine, empfehle ich einmal Ernst Salomons Buch "Die Geächteten" z.B. als Hörspiel zu hören, um sich in das Empfinden und Denken der Menschen dieser Zeit hineinzuversetzen, die durch härteste politische Auseinandersetzeungen gekennzeichnet war.
Fredy
02. August 2015 11:39
@Rainer

So sieht es aus. Mit angezogener Handbremse ist es sinnlos sich bei einem Rennen überhaupt anzumelden. Die Dummen fahren so trotzdem.

Der Wohlstand und das bürgerliche Leben zieht die einen an, und hindert die Anderen zur notwendigen Hingabe.

Erst wenn Alles weg ist, ist für den Konservativen ein voller Einsatz möglich. Nur bleibt dann nichts zu retten.
Stil-Blüte
02. August 2015 12:06
@ Paule

Ihre Dar- und Klarstellung hat die extraordinären Beiträge geerdet. So einfach ist das? So einfach.

Eine besondere Fähigkeit der Deutschen habe ich in der deutschen Sprache entdeckt, die, obwohl sie an Schwindsucht leidet, eine Lebenskraft hat, die sich das Fremde, das Ferne, das Fremsprachige so einverleibt , dass es zum Eigenen gehört. Das ist gar nicht selbstverständlich. Dieses enormes Verdauungsorgan unserer Sprache setzt sich in Literatur, Philosophie und (Alltags-)Geschichte fort. Bis... ja, bis der Vorgang künstlich gesteuert wurde und Unverdauliches bereithält, das uns wie Steine im Magen liegt.

Einige Beispiele mögen genügen, um zu veranschaulichen, was ich meine:

- Die Verfolgung der Hugenotten, Böhmen, Juden hat Deutschland Nutzen, den Verfolgten Schutz gebracht.

- Hunderttausende, vor allem französische Fremdwörter wurden in die deutsche Muttersprache syntaktisch, grammatisch, orthografisch, phonetisch aufgenommen.

- Ohne die Kartoffel hätten die Deutschen die Notzeiten nicht überstehen können. Selbstverständlich? Nennen Sie mir einen Türken, der schon mal Sauerkraut probiert hätte.

- Was wäre unsere Literatur, unsere Philosophie, unser Archeologie ohne die Idealisierung der Antike?

- Die Architektur, unbestritten sei sei eigene Größe der Gotik, hat in den Industriebauten des 19. Jhd. Hingucker geschaffen, die nun als Kulturtempel genutzt werden. Ob Bahnhof, Schule, Krankenhaus (Pavilonbauten), Verwaltungsgebäude, Industriegebäuden, überall finden sich Anleihen bei temporär und territorial fernen Baustilen und sie sind dennoch typisch deutsch.

Ich laß es gut sein, um zum Schluss noch die Frage in die Runde zu werfen, ob diese Stärke nicht auch eine Schwäche ist. Dabei ist mir vor allem aufgefallen, daß - Größe ohne Zweifel - Deutsche in anderen Ländern regelrecht gedient haben (eine nur nenn ich - Katharina die Große), aber die Selbstpreisgabe - s. Amerika - enorm ist.

Und noch eine Frage: Wie kann man Familiengeschichten reaktivieren? Es gibt auf dem Markt eine Flut von jüdischen Familiengeschichten. Das sollten wir auch tun, diese nahen und nahegehenden Geschichten erzählen. Das ist keine Tat? Erziehung, Vererben, Verbreiten tatsächlich, ist Tat.
Rainer Gebhardt
02. August 2015 12:20
@ der Übeldenker:
Die Frage ist auch, welche der hier in den Ring geworfenen Überzeugungen/Vorlieben/Anschaungen und von mir aus auch Werte sich überhaupt in politisches Handeln umsetzen lassen. Um es zuzuspitzen: Lassen sich Werte überhaupt in die politische Praxis umsetzen?

@ Thomas Wawerka: Ganz Deiner Meinung, die Sinnfrage ist die Grundfrage. Wo sie nicht mehr gestellt wird, wird die Erkenntnis durch Moral und die Realität durch Wunsch ersetzt.

Zur Diskussion paßt dieser FAZ-Artikel über Reinhart Koselleck:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/politik-und-dauerkrise-wer-fuerchtet-noch-kritik-13629588.html
Der Gutmensch
02. August 2015 12:20
Liebe Monika,

Danke für Ihre Erläuterung! Aber sehen Sie - soweit nicht Dramatisches passiert, wäre es ja heute immer noch Kiekegaards Entscheidung (so er denn noch lebte), die Psychopharmaka zu schlucken oder auch nicht ... und der Mangel an Poesie in unser aller Leben liegt zweifellos auch darin begründet, dass viele Menschen mit Medikamenten ihre Zweifel betäuben, weil sie Angst haben, sonst nicht "überleben" zu können. Und die Frage, ob das Ergebnis noch "lebenswert" ist, darf man wohl für niemand anderen beantworten; jedenfalls nicht als Christ, nehme ich an.

Und man darf eigentlich auch niemanden in solche Zweifel stürzen. Es gibt eine Zeit und einen Grund für solche Fragen; und diese Randbedingungen sind selten bei zwei Menschen dieselben. Insbesondere halten die meisten die intensive Beschäftigung damit gar nicht aus. Der hier ungeliebte Freud stellte einmal (offenbar in einem skrupulösen Anfall von Wahrheitsliebe) aus seiner Perspektive fest, dass auch die Psychoanalyse nichts für die Massen ist, sondern ein gewisses intellektuelles Potential voraussetzen würde. Dass es als clevere Betrugsmasche designt wurde, die nur im Ausnahmefall (praktisch zufällig) mal hilfreich sein kann und im übrigen hochgefährlich ist, wenn man sie zu ernst nimmt, setzte er natürlich nicht hinzu!

Um auf den eingangs beklagten Mangel an Poesie und Wahrhaftigem in unserem Leben zurückzukommen: Der Mangel an chemischen Hilfsstoffen führte früher jedenfalls dazu, dass sich Hochstapler und Heiratsschwindler noch entsprechend blumige Geschichten einfallen lassen mussten (Freud liest sich streckenweise amüsant), weil die Leute noch entsprechend wachsam waren. Wen sie (die Betrüger) nicht direkt damit schädigten, den erretteten sie also jedenfalls vorm Langeweiletod, wenn ihre Geschichten dann doch aufflogen und im Lokalblättchen in der Spalte "Bericht aus dem Amtsgericht" erschienen. Dieselbe gesellschaftliche Funktion dürften die Menschen erfüllt haben, die ihrerseits übereifrig und coram publico nach dem Lebenssinn Ausschau hielten (hier hat jemand dazu aus Faust zitiert).

Diesen charmanten Figuren - Paradiesvögel vor dem Herrn - folgten aber leider die Sandalenträger, die anderen humorlos aufgaben, Rechenschaft über ihren Lebenssinn abzulegen. Der Erbsündegedanke wurde recycelt: "Du, Mensch, bist schlecht, weil Du im Winter in Mitteleuropa heizt, weil Du Fleisch ist, weil Du CO2 verbrauchst ... usw. usf. Nun erkläre, wie Du das wieder gutzumachen gedenkst, sonst bist Du ein Nazi und Nazis - raus!!"
Soweit sind wir uns einig, denke ich?

Ein Befreiung von dieser Plage können aber weder Antidepressiva, noch das von vornherein aussichtslose Bemühen, diesen Gestalten die "richtige" Antwort zu geben, bieten! Auch da sind wir uns einig, oder?

Gedenken wir, die Sandalenträger mit heiler Haut zu überstehen, müssen wir uns vielleicht also wirklich darauf konzentrieren, die richtige(n) Frage(n) stellen; dann hätte Douglas Adams mit seiner Blödelei also voll ins Schwarze getroffen.

Ihr Gutmensch.


Ah, und lieber Nordländer:

Die Bezeichnung "Gutmensch" habe ich mit Blick auf Augustinus´ Widersacher, nämlich den Mönch Pelagius gewählt. Dieser vertrat den bockbeinigen Standpunkt, dass sich der Mensch doch schließlich für das Gute entscheiden könne ... wenn er ... wenn er... wenn er denn, nunja, das auch tatsächlich will! (Diesen Gedanken hatte angeblich auch der Schöpfer von clockwork orange im Kopf, als er den Charakter "Alex" schuf.)

Vielleicht entschädigt Sie das?

Unverdrossen,

Ihr Gutmensch.
Konservativer
02. August 2015 12:57
Herr Sellner will etwas bewegen. Das tiefe Denken liegt ihm und so praktiziert er es, und zwar in dem Sinne, etwas bewegen zu wollen (und wohl auch, wie ich vermute, um sich selbst Klarheit zu verschaffen).
Doch er und seine Mitstreiter (der identitären Bewegung) begnügen sich nicht damit, tief zu denken, sie tun auch etwas http://www.blu-news.org/2015/08/01/identitaere-bewegung-schlaegt-protestcamp-auf/ , weil sie wissen, das tiefes Denken allein nicht ausreicht, um etwas zu bewegen, um etwas zu verändern, (in unserem Sinn) zum Besseren zu verändern.

Wer die Diskussionen auf dieser Seite (nicht nur in diesem Strang) verfolgt, wird feststellen können, daß es auf Seiten der Politischen Rechten genau solch eine Vielfalt gibt, wie etwa z.B. auf Seiten der politischen Linken.

Das widerspricht folgender, von interessierter Seite in die Welt gesetzter Mär: rechts = Braunau > Hitler > Holocaust > Ende (der Durchsage).

Was die Rechte anbelangt, sollte, nein, muss der kämpferische Germanophile (ich z.B.) neben dem tiefgläubigen Katholiken, dem glaubensfesten Protestanten, dem religiösen Skeptiker, dem standesbewussten Adligen, dem weltgewandten Akademiker, dem klugen Unternehmer, dem belesenen Schmittianer, dem kundigen Spenglerianer, dem umfassend gebildeten Militär, dem sich dem Volkswohl verpflichtet fühlenden Genie, dem sich im Alltag behauptenden "kleinen Mann", dem Heidelberger Akif, der Frau Gutmensch und all den anderen Rechten stehen.

Querfrontechnisch gesehen stehen, in diesem Sinne, wir Rechten neben den nationalen Linken (Nationalbolschewisten), den Nationalliberalen und allen anderen anständigen Menschen, die den "großen Austausch" ablehnen, also das Deutsche Volk (auch die anderen Völker) erhalten und die dazu notwendige nationale Souveränität wiedererlangen wollen.

So etwas gefällt den global agierenden Strippenziehern, ihren hiesigen Marionetten und den vielen, vielen anderen Nutznießern der gegenwärtigen Verhältnisse überhaupt nicht.
Unterschätzen wir niemals deren "Think-Tanks", diese Leute werden noch so manches "Kaninchen aus dem Hut ziehen", uns weiterhin gewaltige Steine in den Weg rollen und wahrscheinlich noch viel schlimmeres tun.
Arminius Arndt
02. August 2015 13:43
@Heidelberger Akif,

bloßes Herumheideggern habe ich Herrn Sellner nie unterstellen wollen (dass er intellektuell deutlich "breiter" aufgestellt ist, erkennt ein Blinder), ich wollte eher zum Ausdruck bringen, dass er Heidegger mal weglegen darf, um ihn dann bspw. als Ü-40 wieder entdecken zu können.

Heidegger, konsequent zu Ende gedacht, kann (nicht muss!) zu einem Ergebnis führen, bei dem man dann sehr aufpassen muss, dass einem der "Wille" Schopenhauers nicht kalt von hinten arg überrumpelt ... (in gesetzteren Jahren ist das aber gut verkraftbar).

In Bezug auf Adorno gebe ich Ihnen zu 100% recht und ich habe schon öfters (auch hier) geschrieben, dass gerade sein bekanntestes Werk, welches er mit Horkheimer veröffentlicht hat, die "Dialektik der Aufklärung", für eine "Neurechte" bzw. vor allem konservative Rezeption sehr geeignet wäre.

Und jetzt generell zur Diskussion, nicht mehr als Antwort auf den Heidelberger Akif:

Für mich war sowohl der Artikel als auch der Diskussionsstrang ein "Highlight" auf diesen Seiten in diesem Jahr. Bei manchen Beiträgen merkt man aber leider, dass sie für ihre Ansichten offenbar nur Sekundärquellen oder Wiki-Zitate-Sammlungen etc. kennen und nicht die primären (kein bös gemeinter Vorwurf - niemand kann alles lesen). Gerade Herrn Freud wurde hier zum Teil in offenbarer Unkenntnis seiner Originaltexte etwas unrecht getan. Dabei liest sich Freud sehr einleuchtend, klar und verständlich und man muss auch kein altgriechisch beherrschen, um alles lesen und verstehen zu können - das glatte Gegenteil zu Heidegger also, der nicht so ohne weiteres lesbar ist. Wenn man sich also die Mühe macht, Freud zu lesen, dann wird man feststellen, dass seine "Sexualisierung" zu einem nicht gerade kleinen Teil dadurch bedingt ist, dass er in ein gewisses Neuland vorgedrungen ist, für welches es Sprache und Begrifflichkeiten nicht gab und hier wurde dann mit Sexualbegrifflichkeiten und -Wörtern operiert, um das unbeschreibliche beschreiblicher zu machen. Heidegger ging es übrigens wohl ähnlich. Auch er hatte Probleme, seine Erkenntnisse und Offenbarungen in Sprache und Begriffe zu fassen, nur hat er dann eben bekannte Begriffe wieder in einem eigenen Interpretationszusammenhang verwendet, Bindestriche verwendet etc. (aber wem erzähle ich das eigentlich?). Ach ja: Freud ist aber trotz dieser, meiner Zeilen, nicht zwingend in einen Lektüre-Kanon aufzunehmen. Er ist aber leider einer der Autoren, die durch zigtausend fache Sekundär- und Tertiär- etc.- Ausführungen nicht besser geworden ist, ad fontes ist hier also der beste Rat.

Wie auch immer, haut weiter in die Tasten, ich lese hier gerne mit und halte dann ab jetzt auch wieder meine Finger still ... ;) (Yep - Emoticon musste jetzt einfach sein :) ).
Heidelberger Akif
02. August 2015 14:14
@ Rainer Gebhardt:

Sicher war Adorno vor allem ein Neomarxist, aber ich kann mir nicht helfen und entdecke in der "Dialektik der Aufklärung" jedes Mal wieder eine zutiefst konservative Grundstimmung, und den Versuch sich an ein etwas zu klammern, die Sehnsucht nach echter Stabilität der "Insitutitonen".

Vielleicht ist das eine zu eigenwillige Lesart...

@Nordlaender:

Gehlens Idee, dass die Institutionen den Menschen befreien, ähnelt der Sozialiationstheorie von Mead, wonach der Mensch erst dadurch zur Freiheit befähigt werde, dass er lernt sich in ein soziales System anzupassen.

Diesen Ansatz kann ich mitgehen.
Mein Punkt ist dass Gehlen als Sozialwissenschaftler auf die Natur der Institutionen gewissermaßen "Kryptonormativ" zugeht. Anstatt Deinstitutionalisierung nüchtern als einen Wandel zu analysieren, sieht er es normativ. Die Kohärenz fordert, dass man eine De-Institutionalisierung bereits aus der Logik der vorher bestehenden Institutionen erklären kann, und dazu nicht das Individuum als am eigenen Ast sägendes Mainzelmännchen braucht. Gehlen müsste hier sein eigenes Modell des Antriebsüberschusses nüchtern anwenden, anstatt an einem nicht zufällig sehr "Preußischen" Seinszustand der Institutionalisierung zu sagen "stopp, ab jetzt nicht weiter" . Sein eigenes Modell, dass das "werden" von Institutionen beschreibt, gibt nicht her warum diesem " werden" am Punkt des Hegelianischen Staates ein Schluss gemacht werden müsse, mAn auch nicht durch sein Modell der Bedürfnisbefriedigung.

Dabei merke ich aber gerade dass meine Aussage, Gehlens Institutionen seien "beliebig" solange sie funktionierten, nur theoretisch gilt. Praktisch war Gehlen wohl kein Nietzscheaneischer "Werteschöpfer",, sondern "gläubiger" Preuße.


Was Habermas angeht, da ist die Realität noch härter. Habermas und seine Jünger stehen Heute wieder für Konservatismus. "Critical Whiteness" und "Gender" kommen aus einem ganz anderen Hause.
Nordlaender
02. August 2015 14:23
@ Der Gutmensch

"Wen sie (die Betrüger) nicht direkt damit schädigten, den erretteten sie also jedenfalls vorm Langeweiletod, wenn ihre Geschichten dann doch aufflogen und im Lokalblättchen in der Spalte „Bericht aus dem Amtsgericht“ erschienen. Dieselbe gesellschaftliche Funktion dürften die Menschen erfüllt haben, die ihrerseits übereifrig und coram publico nach dem Lebenssinn Ausschau hielten (hier hat jemand dazu aus Faust zitiert)."

Großartig!
Mag das sehr, wenn ein Gutmensch es zu so einer Meisterschaft in gepflegter Boshaftigkeit gebracht hat. Dagegen bin ich schon fast ein Lieber.

Denke schon lange, daß die Gesamtsumme an vorhandener Neusucht innerhalb einer Gemeinschaft, ob nun im sozialen Mikrokosmos der Familie oder im Makrokosmos eines Volkes, signifkant negativ korreliert mit dem Gedeihen einer Societät.
Nach den Regeln der Kybernetik ist eine Nachricht nur dann eine solche, wenn es eine neue Nachricht ist. Eine wiederholte Nachricht ("Langlauf trägt zur Gesundheit bei.") ist keine Nachricht, lediglich Redundanz. In einer neusüchtigen Gemeinde verkommt so zwangsläufig eine wahre Botschaft ("Kleine Kinder benötigen ihre Mutter.") nach der anderen. Hochsaison also für Verkünder der schrägesten Alfanzereien und Tollheiten.
Waldgänger
02. August 2015 14:29
@ Konservativer

Sie haben ganz Recht: Die gedankliche Vielfalt ist groß und muss angesichts der Unterschiedlichkeit der Menschen, der Lebenserfahrungen und Szenen auch groß sein, dennoch ist die Schnittmenge natürlich viel größer - und darf nicht vergessen werden.
Und im Hinblick auf die vorrangige nationale Frage
(= Fortbestehen als raumprägende Ethnie und Kultur) erstreckt sich die (notwendige) Querfront - wie Sie ja ausgeführt haben - weiter als manche meinen ... im Grunde von Nationalliberalen bei ef und der AfD bis hin zu Nationalbolschewisten wie Elsässer ... und wir mittendrin.

***

Und noch etwas:
Wenn wir hier anonym debattieren und bei den Diskussionspartnern um eine grundsätzliche ähnliche Sicht der Dinge wissen, dann führt die Langeweile, die es bereiten würde, oft bloß zu schreiben:
"Ja, ich denke fast überal ebenso wie Sie!" zu einem Überbetonen der (kleinen) Unterschiede und eben weniger zum Betonen der gemeinsamen Schnittmenge. Man schreibt irgendwann nur noch über Unterschiede und mögen sie noch so klein sein.
Man sucht Unterschiede, betont eine eigene Sicht und macht aus einer Mücke einen Elefanten.
Paule
02. August 2015 16:34
@ Konservativer,
Ja, Herr Seller verdient volle Anerkennung und Unterstützung.
Ja, den „global agierenden Strippenziehern“ gefällt es nicht. Und sie wissen warum!

Warum aber ist die rechte (richtige) Bewegung nicht längst zur Massenbewegung geworden? Weil man nicht nur etwas (rechterweise) verhindern wollen können kann, man muß auch begründen warum man es will und was man stattdessen will.
Das allgemein als Recht anerkannte Ziel fehlt!
Wie soll sich Kevin vom Band bei Opel das vorstellen, und wie „Chantalle“ die die Haare schön macht? Wie? Wenn sie nicht Wissen das es nicht nur ein 1000jähriges Deutsches Reich für 12 Jahre in Europa gegeben hat, sondern mindesten 2 Deutsche Reiche (je nach Zählung) mit tatsächlich fast 2000 Jahren Geschichte? Wenn sie nicht wissen das die Grimms nicht eine Serien im Fernsehen sind sondern echte deutsche Wissenschaftler waren. Allein mit dieser Aussage erntete man bei Kevin und Chantal Staunen, Unglauben und den Vorwurf der Lüge!
Als sie von der Schlacht auf den Lechfeld und Otto I dem Großen erfuhren, war ihre Aussagen „das ist ja wie Fantasie mit Lanze und Zauberei und so“.
Wonach sollen sie sich sehnen? Wie wenn sie in Ihrem Leben noch nie etwas anderes kennengelehrt haben als Multikulti?
Die „Strippenziehern“ sind uns einen Schritt voraus nicht der Vater lehrt dem Sohn, wie das Leben funktioniert sondern der Feind des Vaters....
Das müßen wir ändern! Kevin und Chantal müßen wieder fühlen, denken, wissen das Deutsch sein, was Gutes ist!

@ Stil-Blüte
Danke für die Anerkennung! Ich will mit zwei Zitaten erwidern:

Die deutsche Sprache ist nach allgemeinem
Einverständnis eine der wichtigsten der Welt,
tief und schwer an Sinn und Geist,
in ihren Gestalten und Bildungen unendlich
frei und beweglich, in ihren Färbungen und
Beleuchtungen der innern und äußern Welt vielseitig
und mannigfaltig. Sie hat Ton, Akzent, Musik.
Sie hat einen Reichtum, den man wirklich
unerschöpflich nennen kann und den ein
Deutscher mit dem angestrengtesten Studium
eines langen Lebens nimmer umfassen mag.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)

Was die Sprache verwirrt und verrückt
und auf irgendeine Weise den klaren und
lauteren Fluß trübt, das hat auch den Einfluß der
Verwirrung und Trübung des ganzen Volkes.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)

Und auch hier arbeiten unsere „Strippenziehern“ (@Konservativer) und sind uns einen Schritt voraus.
Demnächst Englisch als Amtssprache!
https://de-de.facebook.com/notes/deutsche-sprachwelt/englisch-als-amtssprache-in-deutschland-wirbel-um-lambsdorff-vorsto%C3%9F/10153298796681617?_fb_noscript=1

Wenn wir das Deutsche Volk noch retten wollen dann müssen wir die Deutsche Sprache, Deutsche Geschichte (@ Konservativer das ist ihr größtes Kaninchen) Deutsche Märchen, Sagen, Lyrik, Romantik (für die Seelen), kurz alles retten was wir von unseren Vätern ererbt haben. Mit und im Denken, der Tat, im Erinnern, in der Seele.

In der Familie wird Familiengeschichte zur Geschichte der Sippe, zur Geschichte des Stammes und zur Geschichte des Volkes.
der Übeldenker
02. August 2015 16:50
Hochgelahrte uneins Versammelte,

Yvonne,
was die sinnlich erfahrbare Schönheit betrifft, konnte man ja kürzlich in der JF am Beispiel van Gogh besichtigen, daß die Nichtlinken sich trotz mächtigen sinnlichen Effekts, sogar Tradition, sogar ethnischer Zugehörigkeit oder Nähe des Meisters, nicht einig zu werden vermögen.
Und außerdem:
Stimmt es wirklich, daß Wahrheit oder das Göttliche prinzipiell sinnlich nicht erfahrbar wären??
Die Visionäre aller Zeiten und Religionen sind da zweifellos anderer Meinung. Vielleicht haben doch auch Sie schon einmal die Schönheit der Wahrheit sinnlich erfahren. Unsere geliebte abendländische Tradition verband die Schönheit fast stets mit der Wahrheit. Auch ich habe meinetwegen die heideggersche Läsion: a-lêtheia - das Un-verborgene, Wahrnehmbare - die Wahrheit.

Paule u.a.,
ein wenig, ein entscheidendes Wenig, mehr als die bloße biologische Fortexistenz möchte ich mir doch für die Menschheit ausbitten! Sonst unterscheiden wir uns in der Tat, wie hier verschiedentlich bereits festgestellt, nicht vom Tier.
Der Haß vieler sog. Rechter gegen das Geistige ist, mit Verlaub gesagt, meines Erachtens nichts als eine Kapitulationserklärung.
Entweder, weil man selber zu dämlich ist - aber dann wäre das mit der unbedingten Fortzeugung ja wohl diskutabel?
Oder, weil man zu faul ist, sich in die geistige Auseinandersetzung zu begeben. Ist Faulheit ein konservativer oder rechter Charakterzug?
Eine Auseinandersetzung, bei der es, es sei abermals betont, keine hübsch messerscharfen Fronten gibt und, in der Tat, auch ein Konservativer beispielsweise mal Adorno aufschlagen sollte. Gerade zum Thema Volksverdummung findet man nirgendwo Klügeres, das - kaum zufällig - heutigentags von der Rotgründenke nicht mehr zitiert wird.
Im Anfang war das Wort/Gedanke, und das Wort war bei Gott ...
Gott SPRACH: Es werde!
Das Wort, der Gedanke sind schöpferisch! Außer allenfalls den proles werden Sie NICHTS produzieren, ohne vorher nachgedacht zu haben. Das hat zunächst auch überhaupt nichts mit der Willensfreiheit zu tun.
Ich kann diese Geilheit nach programmatisch sinnloser Tatenwut und Tatenkult nicht ertragen! Warum dann nicht gleich vom nächsten Hochhaus hechten?!
NEIN - ERST der Gedanke, dann vielleicht die Tat!
Was man dann,
Rainer, Fredy,
tatsächlich zu tun auf sich nimmt, ist eine Frage der Umstände, der äußeren und inneren. Wie Herr Sellner richtig betonte, müssen es nicht immer Märsche auf Rom sein (die auch höchst destruktiv ausfallen können, 1527 hat unser Volk sich nicht mit Ruhm bekleckert). Jedem das Seine an seinem Ort. Und der Glaube, die Geschichte mit der Brechstange bewegen zu können, ist doch wohl genau das, was wir Konservativen den destruktiven Utopisten ankreiden?!
Stil-Blüte,
das nenne ich dann auch nicht Erdung, sondern potenziell Plattmachen. Wie Adolf alles im Nibelungenblutrausch wälzen. Unterirdisch, schon lebendig unter Beton begraben. Und dann noch Zyankali vor der endzeitlichen Verbrennung. So siehts das tolle Ende der Tatwütigen aus -
Diu vil michel êre was dâ gelegen tôt.
die liute heten alle jâmer unde nôt.
hie hât daz maere ein ende.

Ja, wir haben uns vieles Fremde angeeignet.
Aber die Betonung liege auf ANGEEIGNET:
Auf die Verdauung kommt es an, wie bei der Nahrung. Autokannibalismus führt schnell zum Untergang, Inzucht längerfristig auch.
Man muß die Dinge prägen. Aber da sind wir dann schon wieder bei einer GEISTIGEN Tat.
Zu dieser Prägung bedarf es eines Stempels. Das ist die Tradition. Tradition ist aber nicht alles, was je in Land, Gruppe, Biographie geschah, sondern wiederum - das als prägend Zugelassene.
Die Tätigkeit jedes Archivars besteht zunächst vor allem im Aussortieren.
Aber mit einem Maßstab, und zwar im Hirn, und zwar vor der schreddernden Tat.
Womit wir dann wieder bei der Frage von Sinn und Religion sind.
Und die Frage von Herrn Sellners Text ist noch immer nicht beantwortet.
Thomas Wawerka
02. August 2015 16:59
Paule: Kevin und Chantal müßen wieder fühlen, denken, wissen das Deutsch sein, was Gutes ist!

Da werden sich "Kevin und Chantal" aber schön bedanken, und die übrigen Jugendlichen ebenfalls! Den allermeisten Jugendlichen ist Deutsch sein so egal wie sonstwas. "Multikulti" ist für sie keine Bedrohung (wie für uns), sondern selbstverständliche Voraussetzung - sie sind da hineingewachsen, darin aufgewachsen. Und genau das wollen sie auch. Sie gucken einen an, als wär man vom Monde, wenn man von der Notwendigkeit einer gewissen ethnisch-kulturellen Homogenität spricht, oder dass man deutsche Traditionen gern bewahren möchte. Die gucken einen an und fragen "Wieso?", und die geballte Verständnislosigkeit, die in diesem einen Wort ihren Ausdruck findet, lässt einen erkennen, dass alles, was wir uns wünschen, oder was wir zu erhalten oder wiederzuerlangen hoffen, aus und vorbei ist. Wir sind Dinosaurier, wir sterben gerade aus, so ist das. Wer in der globalisierten Welt groß wird, wer es nicht anders kennt, für den werden unsere Träume kaum wünschenswerte Alternativen sein.
Hernan Cortex
02. August 2015 17:24
So lange man die Motivation zur Tat abhängig macht von dem möglichen Ergebnis, wird man versagen. Man tue die Sache um ihrer selbst willen. Das nennt man Liebe. Die Kunst um der Kunst willen. Wer mit Frauen nur flirtet, um Bestätigung zu erfahren oder eine Partnerin zu finden, wird ein schlechter Flirter sein. Es ist auch bedenklich, wenn man daran nicht einfach Freude haben kann oder es aus Instinkt tut wie Essen, Atmen oder Spielen. Da muss man nicht nach dem Wieso fragen. Wenn man innerlich reich genug ist und die Sache um der Sache willen tut, kassiert man auch gerne krasse Abfuhren und freut sich für das Mädchen, dass sie wenigstens jemand angesprochen hat an dem Abend. Es ist die Pflicht eines jungen Mannes, mit jungen Frauen zu flirten. Da gibt es gar keine Wahlfreiheit. Es geht um richtige Handlungen, nicht um die Früchte selbiger. Die Faszination, der Mythos entsteht dann schon, wenn man die richtigen Taten oft genug und von ganzem Herzen vollzieht. Paradoxerweise entzieht sich dann der Mythos auch gar nicht mehr so oft. Weil er merkt, dass es einem nicht um Nutzbarmachung geht, sondern dass man ein liebevoller Mensch ist, der etwas zu geben hat, statt nur nehmen zu wollen.

Vielleicht lernt man hier ja mit dem Mythos flirten, wenn man das Gesagte richtig überträgt.

Die konservative Revolution ist kein Widerstand, sie ist liebevoller Dienst. Erkennet die Wahrheit und die Wahrheit wird euch frei machen. Nehmt euer Kreuz auf euch und ihr werdet siegreich sein. Es geht immer nur um richtige Taten. Der Tatkult ist schon der richtige Weg. Er wurde nur noch nicht radikal genug beschritten. Der Mythos folgt der Tat (nicht dem Gedanken).


Sie kann aber, wie ein Mythos, vielleicht nur „empfangen“ werden.


Genau so sehe ich das auch. Gott erfindet man nicht, sondern findet zu ihm, wenn man die richtigen Taten vollzieht, wenn man richtig lebt. Wenn man das richtige tut, dann empfängt man die Antwort und den Mythos. Sinn entsteht nicht am Reißbrett. Herr Kubitschek hat das in seinem Büchlein „Provokation“ auf den Punkt gebracht und geschrieben, dass man sein Leben erst einmal selber richtig führen muss, wenn man überhaupt etwas bewegen will. Es geht um totale Verantwortung für richtige Handlungen. Kein Berechnen und Wetten auf mögliche Resultate.

Was ich nicht richtig fand, ist, dass er in dem gleichen Buch sagte, es geht darum, wenigstens eine Spur zu hinterlassen. Nein. Auch wenn rein gar nichts zurückbleibt, ist die richtige Handlung immer zu vollziehen, einfach als Dienstpflicht.
Waldgänger (e.B.) aus Schwaben
02. August 2015 17:36
@Paule

Geduld, Geduld, mein junger(?) Freund.
Die Rechte hat nun schon die Diskurshegemonie. Ein Blick in die Kommentarspalten der Nachrichtenseiten, eine Bemerkung zu "Flüchtlingen" am Imbissstand, oder zu Griechenland am Arbeitsplatz zeigt es Ihnen.

Warum aber ist die rechte (richtige) Bewegung nicht längst zur Massenbewegung geworden?


Als die Kameraden von anderen Feldpostnummer 1968 und den folgenden Jahren die Diskurshegemonie errungen hatten, dauerte es noch 15 Jahre bis 1983, bis im Bundestag sassen (5,6% Grüne). Weitere 15 Jahre vergingen bis sie in der Regierung waren.

Nun solange können wir uns nicht Zeit lassen und solange wird auch nicht dauern.

Martin Sellner leistet mit seinem Einsatz im universitären Bereich sehr Wertvolles und ich wünsche ihm, dass er dereinst im Kreise seiner zahlreichen Enkel, die Früchte seines Kampfes geniessen kann ( kein Smiley, nur drei Zeichen : - )
Der Gutmensch
02. August 2015 19:15
Freut mich, Sie amüsiert zu haben, lieber Nordländer!

Den Ausführungen zur Kybernetik (ich glaube, das Wort habe ich jahrelang nicht mehr gehört ... gibts dafür eigentlich noch Lehrstühle? Ist die gesellschaftswissenschaftliche Dimension noch bekannt? Die Entwicklung dieser Disziplin wäre wohl wirklich mal einen Artikel wert!) bin ich mit Vergnügen gefolgt ... und da dort so schön erläutert wird, wohin es führt, wenn man sich allein der wissenschaftlichen Legitimation in die Arme wirft, an dieser Stelle vorsichtshalber eine Klarstellung:

Liebe Monika,

mit "Sandalenträger" meinte ich nicht die, die Monty Python damit meinen. Sondern vielmehr ihre abtrünnigen Verwandten, die Grünen! Hoffe, damit allen eventuellen Missverständnissen entgegengetreten zu sein, im Ernst,

Der Gutmensch.
Paule
02. August 2015 20:14
@Thomas Wawerka
Genau! Kevin und Chantal fragen „Wieso“. Ja, sie sind also doch nicht blöde!
Lieber Thomas Wawerka, welche Antwort haben Sie für sie? Haben Sie ihnen eine gegeben? Kennen sie eine Antwort? Fühlen Sie eine Antwort?

Das ist unsere Aufgabe Antworten finden und geben sonst haben die Feinde unseres Volkes ja recht: auf den Misthaufen der Geschichte mit uns. Machen wir den Platz frei...

Um mit Frei.wild zu sprechen:

Wer nichts weiß, wird alles glauben
Blinde brauchen keine Augen
Taube werden dir nicht zuhören
Und ihr eigenes Leben gehen
Wer nichts weiß wird alles glauben
Öffne du ihnen die Augen
Lieber auf dem Scheiterhaufen
Als in Lügen zu ersaufen
....
Komm, wir öffnen ihnen die Augen
Lasst uns Brücken bauen
Und in die Zukunft schauen
Und auf uns selbst vertrauen
http://www.songtexte.com/songtext/freiwild/wer-nichts-weiss-wird-alles-glauben-7ba78e74.html
Nordlaender
02. August 2015 20:34
@ Arminius Arndt

"hier wurde dann mit Sexualbegrifflichkeiten und -Wörtern operiert, um das unbeschreibliche beschreiblicher zu machen."

"Gerade Herrn Freud wurde hier zum Teil in offenbarer Unkenntnis seiner Originaltexte etwas unrecht getan."

Sehr geehrter Herr Arndt, hat Herr Freud den Dödel also nur als Metapher verwendet, um das Tabuthema Konkurrenz behutsam zu verhüllen? Den Inzest mit der Mutter nur als ein Sprachbild, um nicht konkret ansprechen zu müssen, daß der kleine Bub mehr warmherzige Beachtung von der Mutter erfahren möchte, wenn er gerade mit seinen Bauklötzen spielt, diese sich aber dem von seiner Arbeit heimkehrenden Vater zuwendet?
Ist der Neid auf den Dödel in Wirklichkeit einfach nur die aus der Wut eines Maderls geboren, wenn ausgerechnet ein Bursche in ihrer Klasse der Rechenkönig ist?

Einer meiner Lieblingslinken, Herr Safranski, hat einmal herausgearbeitet, daß es zwischen Herrn Wiesengrund ("Adorno") und Herrn Heidegger in Bezug auf ihre Kritik der Totalen Aufklärung inhaltlich eigentlich keine elementaren Unterschiede gibt.

"Ich glaube, daß militärisch das Schicksal Deutschlands besiegelt ist, jetzt schon, ehe die Macht der Alliierten ihre Höhe erreicht hat, und fast muß man bitten, daß es nicht zu schnell geht: daß nicht ein politischer Zusammenbruch erfolgt, der den Deutschen die offene militärische Niederlage erspart [...] Ich habe nichts gegen die Rache als solche, wenn man auch nicht deren Exekutor sein möchte – nur gegen deren Rationalisierung als Recht und Gesetz. Also: möchten die Horst Güntherchen in ihrem Blut sich wälzen, und die Inges den polnischen Bordellen überwiesen werden, mit Vorzugsscheinen für die Juden.“
(Theodor W. Wiesengrund/ Brief an seine Eltern, 26. September 1943)

„Alles ist eingetreten, was man sich jahrelang gewünscht hat: das Land vermüllt, Millionen von Hansjürgens und Utes tot.“
(Theodor W. Wiesengrund/ Brief an seine Eltern, 1. Mai 1945)

Ob womöglich irgendwelche anderen Gründe vorliegen, daß der Herr Wiesengrund dem Herrn Heidegger nicht sonderlich wohlgesonnen war?
Paule
02. August 2015 20:37
@Waldgänger (e.B.) aus Schwaben

Danke für das „Jung“ aber ich nutze den Begriff lieber bei meinen Sohnessöhnen.
Meine Frage war auch nicht so sehr aus Ungeduld gestellt sondern aus Erfahrung. Wenn ich will das Menschen/Dinge schneller gehen, muß ich den Menschen/Dingen zeigen was das Ziel ist.
Dieses Ziel muß erstrebenswert sein!
Höchstleistungen werden nicht aus Pflichtgefühl (als Preuße weis ich es) erbracht sondern aus Begeisterung für ein gutes Ziel, sei es Paradies, Eldorado, Himmel oder Hölle, je nach Pläsire!
Weil, da stimme ich Ihnen zu, die Zeit nicht für uns läuft!
Nordlaender
02. August 2015 20:50
"... also nur als Metapher verwendet, um das Tabuthema Konkurrenz behutsam zu verhüllen?"

Korrektur: "zu enthüllen" muß es heißen
Heidelberger Akif
02. August 2015 21:56
@ Arminius Arndt:

Der Seitenhieb war nixht gegen Sie, sondern eher gegen Herrn Sellner gerichtet der im Internet sich manchmal etwas merkwürdig benimmt meiner Ansicht nach.

@ Stil-Blüte:

Die allermeisten Türken die ich kenne, wissen wie Sauerkraut schmeckt. Die überwiegende Mehrheit allerdings mag es nicht. Das ist tatsächlich ein ab und an aufkommendes Smalltalk- Thema unter "Kanacks" (so die Selbstbezeichnung), wie dieses und jenes "typisch deutsche Essen" schmecke.
Waldgänger
02. August 2015 22:24
@ Thomas Wawerka

Ihr Beitrag über die Abstumpfung und Internationalsisierung der nachwachsenden Jugend beschreibt eine Realität, die auch besteht.
"Auch" sage ich, weil ich bezweifle, dass Ihre pessimistische Sicht repräsentativ ist.
Ja, es gibt solche Cantals und Kevins, aber dominieren sie?

Sie unterschätzen für meine Begriffe das große Ausmaß an Trennung, an Segregation auch in der Jugend. Volkstumsüberschreitende Kontakte gibt es ab und an, Freundschaften aber weitaus weniger und nur dann, wenn sich der betreffende Ausländer oder Einwanderer nahezu assimiliert hat.
Ansonsten bleibt man eher unter sich.
Dieses Untersichbleiben ist bei aller Gewöhnung an eine "bunte" Gesellschaft das vorherrschende Muster.

Vergessen Sie außerdem nicht, dass etwa eine Band wie freiwild ungemein erfolgreich und oft gehört ist, obwohl die Systemmedien diese Musik boykottieren.
S. Pella
03. August 2015 00:27
Kamerad Stein brachte es in seinem Beitrag zu "Europa oder der Tod?" bereits auf den Punkt, als er von identitären Kräften in unseren Nachbarländern schrieb,
"eine Trennung zwischen „Konservativen“, „Rechten“ und vermeintlich „Extremen“ gibt es hier nicht. Die aus Deutschland bekannten Distanzierungen spielen keine Rolle. Das Ziel ist Europa. Wer mitreden kann jenseits von Nostalgie und ideologischem Wahn, der ist willkommen."


Warum müssen Sie, Herr Sellner, in Ihrem Beitrag erneut diesen typisch deutschen Schritt gehen, eine Abgrenzung zu Teilen unseres ohnehin kleinen und zersplitterten Lagers vorzunehmen und gerade den aktivistischen und sich auf die Straße wagenden Teil nicht mitzunehmen.
Der "große Austausch", die Umvolkung oder das Auslöschen der europäisch-weißen Völker ist in vollem Gange; hierbei noch über Sinnfragen zu diskutieren ist verlorene Liebesmüh... uns läuft die Zeit davon! Wir sollten jeden willkommen heißen, der aus welchen Gründen auch immer gegen die Überfremdung des Abendlandes eintritt.

Doch das Signal der Veranstaltung war fernab der kulturellen Prägung ganz deutlich: unkontrollierte Masseneinwanderung, der daraus resultierende „Große Austausch“, der Verfall jedweder natürlicher Sitten und Normen, ja schlußendlich die unumkehrbare kulturelle und ethnische Vernichtung der Völker betreffen alle Europäer gleichermaßen. Denn wer eine gemeinsame Kultur erhalten und schützen will, muß sich wehrhaft gegen jene wenden, die sie zu zerstören ersuchen.


www.sezession.de/50621/europa-oder-tod.html/3
Urwinkel
03. August 2015 01:22
Zwischendurch zu:

"Vergessen Sie außerdem nicht, dass etwa eine Band wie freiwild ungemein erfolgreich und oft gehört ist, obwohl die Systemmedien diese Musik boykottieren."

Das ist ein berechnetes Hin-und Her zwischen den rauhen Jungs von Freiwild und den Tonangebern (Plattenbosse). Langweiliges Promi-Gedöns. Eines Tages schwätzen die dumm wie Campino von den Toten Hosen in irgendwelchen Laber-TV-Sendungen. Rockmusiker haben erfahrungsgemäß nie viel Weitblick bis dorthinaus. Aber der oben zitierte Schlagertext von Freiwild gefällt mir.

Das, wars schon dazu.
Gerhard Vierfuß
03. August 2015 01:33
149 Kommentare (Stand 1.30 h, 3.8.) - das zeigt, daß Sie einen Nerv getroffen haben, Herr Sellner! Trotzdem kann ich die Schärfe mancher Kritik nicht nachvollziehen. Dabei dürften einige Mißverständnisse eine Rolle gespielt haben. Mir drängte sich bei dem Streit um die Frage nach dem Sinn eine Assoziation zu Schillers Schrift Über naive und sentimentalische Dichtung auf: Der Naive, das ist derjenige, der ganz in sich und seiner Welt zu Hause ist, der unmittelbar sein Erleben schildert, der nicht nach dem Sinn fragt, weil er ihm selbstverständlich ist. Der Sentimentalische ist der Moderne, dem die Welt fragwürdig geworden ist, dessen Wahrnehmungen sämtlich erst einmal den Verstand passieren müssen, bevor er sie zu Papier bringen kann. Der Moderne kann nicht zurück in den vorreflexiven Zustand, in den Zustand der fraglosen Selbstverständlichkeit; ihm bleibt nur, durch Reflexion, über den Weg des Fragens und Nachdenkens sich seinen festen Stand im Leben und in der Welt wieder zu erarbeiten.

Um allen denkbaren Mißdeutungen vorzubeugen: Die Prädikate "naiv" und "sentimentalisch" sind von Schiller völlig wertungsfrei verwendet. Seine Idealtypen sind die größten der Tradition: Homer und Goethe.

Der entscheidende Punkt ist: Wir, die wir die Aufklärung hinter uns haben, denen die Selbstverständlichkeit einer sinnhaften Welt verlorengegangen ist, können nicht anders als nach dem Sinn zu suchen. Das hat überhaupt nichts mit Schwäche zu tun, sondern, im Gegenteil, damit, unsere Verlorenheit, unsere Geworfenheit anzunehmen und als Aufgabe zu begreifen.

Herr Sellner, begreifen Sie die in diesem Blog geäußerte Kritik als Ansporn, weiterzugehen auf Ihrem Weg. Dazu nun auch von meiner Seite noch zwei kritische Anmerkungen: Sie machen es sich selbst und uns, Ihren Lesern, bedeutend einfacher, wenn sie davon ablassen, irgendwelche vorgestellten "akademischen Ansprüche" erfüllen zu wollen; oder anders gesagt: schreiben Sie etwas weniger prätentiös! Und zum anderen eine Kleinigkeit nur, die bereits angemerkt wurde: Sie kommen an der negativen Konnotation des Wortes "populistisch" nicht vorbei (das hat A. Gauland schon vergeblich versucht), und es gibt auch überhaupt keinen Grund, diese Konnotation abzustreifen. Populisten sind Dummschwätzer. In diesem Blog sind solche meines Wissens nicht zu Hause, und Sie sind, entgegen einer Bemerkung von Ihnen, ebenfalls keiner. Da bin ich mir sicher.
Yvonne
03. August 2015 03:57
An Übeldenker
Was Kunst ist, das bestimmt ja angeblich der Kontext. Was man schön findet, das kann sich natürlich ändern, das ist nicht absolut, doch dass man etwas ohne Zwischenschritte schön finden kann, macht die ästhetische Erfahrung zu einer Grunderfahrung. Es ist eine sehr ursprüngliche Kategorie. Wir erkennen darin die gute, die geführte Ordnung an. Darin liegt ihre Transzendenz und ihre Richtungskraft.
Insoweit die Wahrheit schön ist, ist sie in dieser Hinsicht direkt erfahrbar, doch nicht im Hinblick auf ihre inhaltliche Aussage. Und göttliche Erfahrungen sind eben vermutlich göttlich...
Paule
03. August 2015 05:10
@Gerhard Vierfuß
Ich habe Probleme es dem Schiller in die Stiefel zu schieben. Wer nicht nach den Sinn fragt hat damit nicht gemeint das er die Antwort auf die Frage nicht kennt, er meinte das ihm die Antwort selbstverständlich sei. So versteh ich ihn.

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
(Aufsatz von Immanuel Kant „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? aus dem Jahr 1784)


Habe Mut nicht Zweifel. Also Mut zum Denken und Mut die Zweifel beiseite zulegen, wenn es zur Tat geht. Den größten Mut braucht man aber der eigenen Einsicht zu vertrauen.

Wer sich Selbst vertraut muß nicht das naive (einfache) selbstverständliche Wissen immer wieder in Zweifel ziehen, das er in seiner Kindheit, Jugend und bisherigen Leben mit Hilfe seiner Eltern und Kammeraden erworben hat.

Gleichwohl, wenn Es sich einmal doch als irrig herausstellt ist er nicht schlechter dran als ohne Selbstvertrauen. Sapre aude!
Ich wünsche mehr Mut als Zweifel!
Freundlichst P.
Eveline
03. August 2015 06:43
Ein herzhaftes Ringen. Aber um was wird eigentlich gerungen?

Die für mich existentiellen drei Fragen sind nicht angeschnitten worden.

Wer sind wir? Als Menschheit.
Woher kommen wir, als Menschheit?
Braucht uns die Natur ? Sind wir Menschen wichtig für die Natur?

(Im Hinterkopf habe ich die Klimakonferenz im Dezember in Paris, mit Prinz Charles, er scheut sich nicht , diesem Wahnsinn zu dienen. )

http://www.politaia.org/untergang-der-usa/der-untergang-des-hauses-windsor/
Arminius Arndt
03. August 2015 07:39
Herr Nordlaender,

ihr Einwand ist dieses mal - mit Verlaub - albern. Darf man nichts mehr lesen, weil jemand im Übrigen ein Arsch... war? An der Qualität der Texte ändert das Ganze erst einmal nichts.

Heidegger war - rein privat betrachtet - wie wir alle wissen, auch nicht ohne (Kein Wunder, die Amoralität ist bei einer Betrachtung des Seins nie weit weg). Was soll´s? Sein und Zeit ist dennoch ein Meisterwerk und wird es immer bleiben, egal, wie viele Studentinnen sein Autor flach gelegt hat.

Die Liste der lesenswerten Autoren, die im Übrigen ziemliche ... bis hin zu lupenreinen Verbrechern waren, lässt sich in riesige Längen fortsetzen. Von daher - man kann jedes Ressentiment mit beliebigen Zitaten belegen.

Wenn Sie einmal Zeit haben, dann lesen Sie doch etwas von Freud (gibts fast komplett online gratis) und vor allem auch von Reich - sehr entlarvend, ich habe dazu meine eigene Theorie entwickelt, die ich jedoch nicht in einem öffentlichen Forum darlege.

Und das "Dialektik der Aufklärung" eine ganze Zeitlang eingeschlagen hat, wie eine Bombe, lag eben auch daran, dass es in einem typisch deutschen Bildungskontext eingebettet ist bzw. dessen Töne gekonnt anschlägt und gerade auch Leute konservativer Herkunft ansprechen konnte. Es gelesen zu haben, gehört meiner Meinung nach dazu, wenn man mitreden will.
Raskolnikow
03. August 2015 09:11
In der Tat,

scheint der Geist-Materie-Zwist in jedem Einzelnen unendlich. Gott, Schicksal, Mythos auf der einen und Gestaltungswille, Fortschritt, Bildungsoptimismus auf der anderen Seite. Die Weisheit sagt uns "Gott", wirkt dabei aber schal und leblos; der Wille ruft "Tu!" und klingt dabei vulgaer und daemlich...

Wenn Wawerka Kevin und Chantalle ueberzeugt hat, wenn die beiden endlich vom Lichte der Erkenntnis beschienen sind, dann ja dann ... Sympathische Naivitaet!

Gerade das dreihundertjaehrige Scheitern immer neuer Gesellschaftsentwuerfe und Bildungsziele sollte uns in dieser Hinsicht etwas behutsamer hoffen lassen. Die Erbsuendenlehre ist moeglicherweise doch kein perfides Unterdrueckungsinstrument, sondern ein Ausdruck unfassbar tiefen Menschenverstehens, echter Menschenliebe. Es gab zu allen Zeiten Kevins und Chantalles, und es wird sie auch in tausend Jahren noch geben.

Den Gestaltern, Aufklaerern, Menschenverbesserern und Taetern sei um acht Uhr dreissig zugeprostet: "Auf den Ewigen Kevin!"

Wir sollten das Schulterzucken einueben, eine adaequatere Geste ...

R.
Nordlaender
03. August 2015 09:23
@ Arminius Arndt

"Wenn Sie einmal Zeit haben, dann lesen Sie doch etwas von Freud (gibts fast komplett online gratis) und vor allem auch von Reich."

Wilhelm Reich habe ich ebenfalls studiert, wenn ich mich recht entsinne zuletzt den Band "Charakteranalyse".

"Darf man nichts mehr lesen, weil jemand im Übrigen ein Arsch… war? An der Qualität der Texte ändert das Ganze erst einmal nichts."

"Man" dürfte schon genug damit befaßt sein, darauf zu achten, nicht die Rasenfläche zu queren und vielleicht läßt er sich ja von der SPIEGEL-Bestsellerliste leiten, dort wird aufgelistet, was "man" gerade liest. Fragen Sie ihn einfach selber.
Interessiert mich nicht, ob jemand ein ... Gesäßloch ist. Aber ob Wiesengrund oder G. Haydar Aly, wenn jemand ein Feind unseres deutschen Volkes ist, interessiert mich das sehr. Dieser Hintergrund ist für mich immer da, wenn ich Einsicht in dessen Werk nehme.

Meine konkrete Frage bleibt noch unbeantwortet: Hat Herr Freud geschlechtliche Begriffe verwendet, hinter denen aber etwas ganz anderes steht, derart tabuisiert, daß er es nicht auszusprechen wagte?

"Die Liste der lesenswerten Autoren, die im Übrigen ziemliche … bis hin zu lupenreinen Verbrechern waren, lässt sich in riesige Längen fortsetzen."

Antonio Gramsci setzte ich an erste Stelle. Der Schlüssel zum Verständnis des Kulturmarxismus. Sehr lehrreich übrigens auch "Emile" von Rousseau. Der kulturrevolutionäre Erzieher, manipulativ bis zum Anschlag, sich dem Edukanten von der Seite anschleichend. Die perfide Verhüllung der Hierarchie, diese nicht beseitigend, sondern weiter stabilisierend und verstärkend. Ein künstliches Zelt aufspannend über dem emotional mißbrauchten Kind, um es von jedem Kontakt mit der Wirklichkeit abzuschirmen. Pflichtlektüre für jeden jetztsässigen Pädagogen, der dem jungen Wesen Autonomie abverlangt.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.