12. August 2015

Entfremdung – zur Renaissance eines Begriffs

von Lutz Meyer / 56 Kommentare

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

gross_entfremdungDer Begriff der Entfremdung ist einer der Zentralbegriffe des Marxismus und auch der Frankfurter Schule. Ohne die Berufung auf eine Entfremdung des Menschen gegenüber der Arbeit, den gesellschaftlichen Verhältnissen überhaupt, ohne den durch die Entfremdung gegenüber den anderen Dimensionen des Lebens entstehenden eindimensionalen Menschen und die daraus resultierende Aufforderung zur Revolte wäre das, was oft als Kulturmarxismus bezeichnet wird und im Gefolge von 1968 die Gesellschaft und Staat nachhaltig verändert hat, kaum möglich gewesen.



Dabei ist dieser Begriff kein genuin linker. Ein Blick in die Ideengeschichte der letzten zweieinhalb Jahrhunderte zeigt, daß das Unbehagen an der Zivilisation auch dort verbreitet ist, wo nicht links gedacht ist. Sehr ausgeprägt ist dieses Unbehagen auch bei Martin Heidegger. Dessen Begrifflichkeit der „Uneigentlichkeit“ und des „Man“ meint nichts anderes. Daß mit Herbert Marcuse einer der entscheidenden Vordenker der 68er-Revolte sich nicht nur von Marx, sondern vor allem von Heidegger entscheidend hat inspirieren lassen, ist bekannt. Der ursprünglich vor allem auf die Produktionsverhältnisse bezogene marxistische Entfremdungsbegriff wird nun in einem ganz allgemeinen Horizont auf jedes Individuum bezogen: Revolutionäres Subjekt ist nicht mehr das Proletariat, sondern wirklich jeder, der die Entfremdung spürt. Der geradezu existentielle Appell „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ hat hier seine Wurzeln.

Später wurde es um den Entfremdungsbegriff merkwürdig still. Das geschah, als den Nachfahren von Adorno, Horkheimer und Marcuse dämmerte, daß dieser Begriff seinem Gehalt nach ein extrem reaktionärer ist, bezieht er sich doch auf eine im Vorhinein festgelegte Bestimmung des Wesens des Menschen. Nur aufgrund einer solchen vorgängigen Wesensbestimmung kann so etwas wie Entfremdung überhaupt stattfinden und konstatiert werden. Genau das aber, die anthropologische Festlegung, darf es nicht geben – nicht nur für die im dialektischen Prozeß fortschreitende Linke nicht, sondern auch für das auf Nivellierung, permanente Veränderung und Globalisierung bezogene ökonomische Denken der Weltkonzerne nicht.

In der Tat ist es so, daß man, um Entfremdung spüren zu können, das Eigene kennen oder doch wenigstens erahnen muß. Ohne Eigenes keine Entfremdung – wer ohne Schwerpunkt und Wurzelgrund lebt, taumelt bezugs- und haltlos im wertfremden Raum, ist überall zu Hause und nirgendwo.

Ein wichtiges Hilfsmittel der Bewusstwerdung des Eigenen ist die Erinnerung. Deshalb war es schon in ältesten Zeiten üblich, nach politisch-religiösen Umwälzungen die Erinnerung auszulöschen. Als Pharao Echnaton den Kult des Aton einführte und die alte Priesterkaste entmachtete, fielen alle Symbole des alten Glaubens der Zerstörung anheim. Die Auslöschung sollte radikal sein. Nach Echnatons Tod vollzog sich ein erneuter Wandel. Der Glaube an die alten Götter wird zerstört, denn an ihnen hängt (neben konkreten Machtfragen) auch die Wesensbestimmung des Menschen.

Nichts anderes geschah im 18. und 19. Jahrhundert in Nordamerika mit den Indianern. Deren physische Vernichtung war ab einem bestimmten Zeitpunkt nur dann noch nötig, wenn es zu Überfällen auf weiße Siedler kam. Ansonsten reichte es, die Stämme vom Land ihrer Väter zu vertreiben und in entlegene Reservate umzusetzen – etwas, was sich gut als humanitärer Akt tarnen ließ. Da die Präsenz der Ahnengeister an den konkreten Ort gebunden war, konnte man durch solche Umsiedelungsaktionen die Identität der Ureinwohner wirkungsvoll für alle Zeiten zerstören.

Nichts anderes geschah im Kommunismus, nichts anderes geschieht auch heute weltweit – der Globalisierungsprozeß entwurzelt und entortet Menschen, raubt ihnen ihre Identität, reduziert sie auf eine Rolle als austauschbares Rädchen im ökonomischen Getriebe, macht sie zu gesichtslosen Niemanden. Das betrifft keineswegs nur uns hier in Mitteluropa, sondern auch jene, die von weither an unsere Gestade gespült werden. Wurzel- und Heimatlose werden zu anderen Wurzel- und Heimatlosen getrieben (um nicht zu sagen: aufeinander gehetzt). Es scheint so, als sollte die Wurzel- und Heimatlosigkeit endgültig zum universalen Prinzip erhoben werden.

Der neuzeitliche westliche Mensch hatte mit der Historie einst ein Mittel erfunden, sich immer wieder auf seine Identität und seine Herkunft besinnen zu können. So wurde er überhaupt erst in die Lage versetzt, systematisch stattfindende Entfremdungsprozesse zu erkennen. Da verwundert es nicht, daß der Geschichtsunterricht in den Schulen, der das Tor zur Vergangenheit und damit zur Herkunft öffnet, zunehmend marginalisiert wurde. Man könnte argwöhnen, daß unfähige Geschichtslehrer als systemrelevant erachtet wurden und werden. Wo Geschichtsunterricht überhaupt noch stattfindet, befaßt er sich heute fast ausnahmslos kritisch und in negativer Weise mit der Herkunft der Unterrichteten. So wurden ganze Schülergenerationen ihrer Herkunft entfremdet – ohne jede Chance auf positive Bezugspunkte im Vergangenen.

Die Auslöschung der Erinnerung (vgl. die Begriffe damnatio memoriae und abolitio nominis) war vollendet. Wenn hier und da sich heute noch jemand an seine Wurzeln, seine Vorfahren, seine Herkunft und alte Gebräuche erinnern möchte – bitteschön, Privatsache, individuelle Schrulligkeit, die man toleriert, solange sie nicht ins Politische gewendet wird. Was nun aber, wenn genau dies geschehen würde: Die Erinnerung an die Herkunft, an das Eigene, an die Wurzeln und damit die Bewußtwerdung einer eigenen Identität in harter, scharfer Abgrenzung zu anderen Identitäten? Würde das nicht immer mehr Menschen begreifen lassen, daß sie ihrer eigenen Identität methodisch und in böser Absicht entfremdet wurden? Was, wenn dieses Gefühl der Entfremdung, des Fremdwerdens im Hier und Heute, politische Dimensionen annehmen würde? Ansatzpunkte gibt es genug – nicht zuletzt sind es ausgerechnet die massenhaft zuwandernden Entwurzelten aus der Fremde, die dem Entfremdungsprozeß hierzulande Auftrieb geben.

Entfremdung bedeutet: Etwas, das bislang Autorität beanspruchte, wird bedeutungslos, es findet keine Identifikation mit ihm mehr statt. Die Bindung zur Autorität geht in die Brüche. Die Autorität selbst verkommt zur Lachnummer – die 68er haben es vorgelebt. Man mag über Fritz Teufel und Konsorten denken, was man will, doch sie hatten ein einzigartiges Talent, angemaßte Autoritäten in ihrer ganzen Lächerlichkeit zu entblößen. Lachen tötet – und zwar gründlicher als ein Maschinengewehr.

Daraus lassen sich Lehren ziehen. Die Entfremdung unserer Tage findet statt gegenüber einem Staat, der so etwas wie eine massenhafte Zuwanderung zuläßt und forciert, gegenüber Politikern, die so etwas vorantreiben, gegenüber Unternehmen, die so etwas verlangen, gegenüber Medien, die so etwas begrüßen und bejubeln, gegenüber allen in Nachbarschaft und Freundeskreis, die sich moralisch überlegen dünken, weil sie das alles für normal und sogar wünschenswert halten. Warum sich immer um mühselige Analyse, kräftezehrende Entlarvung bemühen, warum nicht das alles einfach in Grund und Boden lachen? Hinter einem solchen Lachen kann durchaus ein grimmiger Ernst stehen.

Entfremdung ist wünschenswert. Sie läßt uns jetzt etwas fremd werden, was bislang Identifikation und Bedeutung beanspruchte – durch dieses Fremdwerden des nur vermeintlich Nahen (sprich dessen, was sich als Ersatz für das Eigene aufgedrängt hat) wird uns bewußt, daß uns bestimmte Dimensionen unseres Daseins verloren gegangen sind, daß wir (wenngleich auch auf andere Art, als Herbert Marcuse es sich dachte) eindimensional geworden sind. Die Entfremdung ist aber nicht nur Abkehr und Identifikationsverweigerung, sondern führt uns zurück auf das Eigene.

Entfremdung leitet einen Prozeß der Freilegung von etwas Verlorengegangenem ein. Wie hieß es damals im Gefolge von 1968 (und ursprünglich auf den guten alten Anarchisten Proudhon zurückgehend)? Richtig: Unter dem Pflaster liegt der Strand. Ganz recht. So ist es. Und jetzt sind wir es, die das Pflaster aufreißen und uns längst verloren Geglaubtes zurückholen.

(Bild von kunstnet.de)

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (56)

Albert
12. August 2015 14:42
Sehr schöner Text.
Innerer Exilant
12. August 2015 14:58
Dem ist nichts hinzuzufügen, logisch strukturiert, sehr gut analysiert, Bravo ! Eines denkenden Menschen würdig, genau das, was man nach einem Artikel in der Tageszeitung braucht.
Erik Sieven
12. August 2015 15:03
Der Kulturmarxismus selbst bildet ja Autoritäten, Werte und Verbindlichkeiten aus. Häufig mit großem Pathos und Anspruch an emotionale Beteiligung. Mit Säulenheiligen wie Martin Luther Kind, Mandela etc. Mit den ganzen Denkverboten der politischen Korrektheit. Mit der anerzogenen Fähigkeit nichts zu bemerken was wichtig wäre. Und vor allem mit Lachverboten. Was auf der Rechten fehlt sind Komiker, Kabarettisten, Satiriker die dabei helfen würden den Antirassismus und Kulturmarxismus auszulachen.
Nordlaender
12. August 2015 15:18
Feine Ansprache, Herr Meyer. Bestechend, glasklar.

Als Identität konkurrieren zwei einander widersprechende Entwürfe.
Erich Fromm, Vertreter der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule:

"Seelische Gesundheit im humanistischen Sinne ist gekennzeichnet durch die Fähigkeit zu lieben und schöpferisch tätig zu sein, durch die Loslösung von den inzestuösen Bindungen an die Familie und die Natur, durch ein Gefühl der Identität, das sich auf das Erlebnis des Selbst als Subjekt und Urheber der eigenen Kräfte gründet, und durch die Erfassung der Realität im eigenen Ich und außerhalb seiner selbst, das heißt durch die Entwicklung von Objektivität und Vernunft."

Fromm, Erich: Wege aus einer kranken Gesellschaft - Eine sozialpsychologische Untersuchung/ Amerikanische Originalausgabe: The Sane Society, 1955.

"I am what I am
I am my own special creation
So come take a look
Give me the hook or the ovation
It is my world
That I want to have a little pride in
My world
And it is not a place I have to hide in
Life is not worth a damn
Till you can say
I am what I am ..."

Gloria Fowles ("Gaynor"), schwarze Unterhaltungssängerin in den VSA

Die andere Auffassung von Identität wird hier ja oft genug vertreten, muß also nicht explizit aufgeführt werden.
Peter Voit
12. August 2015 15:37
Mit den Worten von Clemens Brentano (1778 - 1842) aus dessen Satire über den "Philister":

"Sie verachten alte Volksfeste und Sagen, und was an einsamer Stelle vor moderner Frechheit im Alter ergraut ist. Sie unterhalten sich besonders gern von Vaterland und Patriotismus; wenn man sie aber genauer fragt, warum sie ihr Vaterland lieben, so fangen sie an, sich selbst darüber zu wundern; denn sie gestehen gern ein, daß sie ewig damit umgehen, alles, was ihr Vaterland zu einem bestimmten individuellen Lande macht, zu vernichten ..."

"Alles, was kein Geschick, was der Tod selbst nicht raubt, die hieroglyphischen Fußstapfen, in welche die Geschlechter ihren Nachkommen den Baum der Liebe und Treue zu dem Flecken Landes, den sie bewohnen, vererben, wetzen sie aus, damit bald kein Philister mehr wisse, wo er zu Hause ist ..."
Mr. Kurtz
12. August 2015 15:40
Wer konzentrierte Entfremdung hautnah erfahren möchte, ohne deshalb auf die lohnenden Lektüre des ausgezeichneten obigen Textes und der angesprochenen Autoren zu verzichten, möge sich Montagsmorgen um 7.30 h in einer x-beliebigen U-Bahn einer x-beliebigen bunten Stadt einfinden, und die Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit beobachten.
Anders als beim gemeinsamen Konsumrausch am Samstag, in den Tempeln des Einzelhandels, tritt hier die äußerste Vereinzelung des modernen Massenmenschen in ihrer reinsten Form zu tage.
Meier Pirmin
12. August 2015 15:43
@Erik Sieven. Was Sie vermissen, macht der Kabarettist und Satiriker Andreas Thiel ununterbrochen.
Der Gutmensch
12. August 2015 15:45
Das Problem haben die Biografien von Leuten wie Fritz Teufel ja auch herausgestellt: Irgendwann bleibt nichts mehr zum Lachen übrig, irgendwann hat ist alles verlacht und verkauft.

Die 68er waren, sind und bleiben keine Vorbilder, sondern freche Rotznasen, die nichts beeindruckt als das eigene Spiegelbild. Persönlichkeiten wie Wilhelm Busch oder Vicco von Bühlow hingegen wussten, worüber man lachen darf, muss - und worüber nicht. Diese Unterscheidung ist verschütt gegangen.

Aber unterm Strich und auf die Kurzstrecke: Ja, man darf sich von unseren "Staatsgewaltigen" nicht länger ins Bockshorn jagen lassen - und das geht am besten mit Fröhlichkeit; am besten gepaart mit einer gewissen Grimmigkeit. Daher zur allgemeinen Erheiterung eine überraschend aktuelle Geschichte: http://gutenberg.spiegel.de/buch/wilhelm-hauff-erz-3785/1.


Der Gutmensch.
Nordlaender
12. August 2015 15:56
@ Meier Pirmin

"Was Sie vermissen, macht der Kabarettist und Satiriker Andreas Thiel ununterbrochen."

Bei Ihnen in der Schweiz. Bei uns in Deutschland ist Thiel wohl noch nicht so bekannt. Ein Islamkritiker, der einen überaus souveränen Eindruck macht.

https://www.youtube.com/watch?v=Yr_D7lkS5xE
Pommes
12. August 2015 16:26
Bei Ihnen in der Schweiz. Bei uns in Deutschland ist Thiel wohl noch nicht so bekannt. Ein Islamkritiker, der einen überaus souveränen Eindruck macht.

https://www.youtube.com/watch?v=Yr_D7lkS5xE


Uns fehlt vielleicht ein deutscher Andreas Thiel , aber denen ist offensichtlich ein schweizer Michael Friedmann nicht erspart geblieben. Mein Beileid.
Westpreuße
12. August 2015 16:40
Ich fühle mich inzwischen meinem Vaterland Deutschland sehr entfremdet.
Und von den Deutschen auch.

Da trennt mich etwas.
Und das schmerzt...
Aber wo "man" hingeht und lebt, zeitweise, nimmt man sich ja mit.
Und wenn man dort ist, ist man schon da...

Thomas Brasch: "Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin" :

https://www.youtube.com/watch?v=6jIUDU8Lh8g

Und wenn ich folgendes schreibe, kommt es mir wie ein Placebo vor.
Aber ich brauche es zu meiner Selbst-Vergewisserung...:

Patriotische Grüße aus Thorn an der Weichsel
Sebi
12. August 2015 16:49
@15:56

Ok, ich gibs zue, ich han glacht. "Und de Andreas Thiel isch e Nazi-Sau" ..

https://www.youtube.com/watch?v=_BcDH5KOseE
Urwinkel
12. August 2015 17:10
"Aber unterm Strich und auf die Kurzstrecke: Ja, man darf sich von unseren „Staatsgewaltigen“ nicht länger ins Bockshorn jagen lassen – und das geht am besten mit Fröhlichkeit; am besten gepaart mit einer gewissen Grimmigkeit."

Das sind die grusligsten Leute. Schenkelhauend verwechseln sie Witz mit Galgenhumor. Rennen den Kaberettisten scharenhaft nach um etwas Unterhaltung zu haben. Wenn die echten Humoristen ertmal mit der Party anfangen, gehen bei denen die Lichter aus. Die verstehen keinen Spaß. Das ganze Lachen ist "falsch" bei denen. Man fand solche Naturen bei angehenden Lehrern vor ungefähr 25 Jahren vor allem im Kunstbereich. Die mußten immer noch nachlegen, uns zwanghaft motivieren. Den Gute-Laune-Bär spielen. Lustig war das nicht. Zog nur viel autoritär-motivierten Ärger nach sich. Alles, was ich heute in den s.g.n. "Merkheften" sichte, liest sich infantil-humoristisch, man möchte es wie einen Groschenroman in den Ofen werfen, kann aber nicht aufhören darin zu lesen. Das hat auch nostalgische Gründe. Anfängliche Grimmigigkeit, frühpubertäres Aufbegehren hat sich zauberhaft in Witz verwandelt. Dafür hassten uns die Lehrer. Und ich mag sie dafür bis heute.
Nordlaender
12. August 2015 17:20
@ Pommes

"Uns fehlt vielleicht ein deutscher Andreas Thiel , aber denen ist offensichtlich ein schweizer Michael Friedmann nicht erspart geblieben. Mein Beileid."

Die Frage, ob wir solche Talente wie Thiel besitzen, habe ich mir auch schon einmal gestellt. Kam zum Ergebnis, daß wir es nicht wissen können. Denn wir bekommen im Fernsehen ja nur alljene zu Gesicht, denen Einlaß in die gute bunte Stube gewährt wird.

Einen klugen Analytiker wie Kleine-Hartlage habe ich nur mit einem einzigen Auftritt in Erinnerung. Meine, so einen hochtalentierten Spötter und Bösmenschen vor dem Herren wie Michael Klonovsky noch gar nicht auf dem Bildschirm erblickt zu haben, Götz Kubitschek und Martin Lichtmesz tauchten immerhin mal in der köstlichen Satiresendung "Auf dem Rittergut" auf. Ich habe mich herrlich amüsiert, wie die selbsternannte vermeintliche Journalistin "Eth-nien" aussprach wie "Ber-lin" und so schön betroffen geguckt hat.

https://www.youtube.com/watch?v=hlR6UN3oHcs
Waldgänger
12. August 2015 17:42
Richtig guter Artikel, Herr Meyer!
Stimmt: Der Witz war allzeit die Waffe der Schwachen.
Man kennt das aus den Eulenspiegel-Geschichten sowie dem Volkswitz aus der NS-Zeit und der DDR.
Auch Teufel und Kunzelmann hatten das um 1970 gut verstanden.

In diesem Sinne könnte man sich heute so allerlei ausdenken und auch äußern ... überall, immer mal wieder ... beim Bäcker, am Gartenzaun, im Büro ...
Nach meiner Erfahrung reagieren gerade ganz normale Leute, die sonst eingeschüchtert und still sind, darauf sehr positiv und zustimmend.

Auch übertriebene Ironie wird von den meisten Erwachsenen verstanden. Ein betonter Gebrauch von Worten wie "Wahrheitspresse" oder "Bereicherung" zum passenden Zeitpunkt hat schon eine gewisse Wirkung.
Ebenso der Hinweis darauf, dass man bei der Tagesschau den Ton stumm stellt oder lieber Werbung guckt ...

Übrigens haben auch die Sieger von 1945 das Lächerlichmachen auf ihre Weise zu nutzen gewusst. Indem sie ausschließlich den laut-geifernden Hitler zeigten, machten sie ihn lächerlich und zerstörten ihn noch wirksamer als durch Hinweise auf Bosheit.
Ein gebürtiger Hesse
12. August 2015 18:15
"... Warum nicht einfach alles in Grund und Boden lachen?"

Weil die Umstände so ganz und gar nicht zum Lachen sind? Und, lachte man dennoch, eine bloße Schauspielergeste übrig bliebe, die nicht einmal den eigenen Gefühlen (Wut, Pessimismus ... manchmal aber auch Angriffslust) entspräche? So ein Lachen wäre doch vielmehr eine Fratze.
Pommes
12. August 2015 18:22
Die Frage, ob wir solche Talente wie Thiel besitzen, habe ich mir auch schon einmal gestellt. Kam zum Ergebnis, daß wir es nicht wissen können. Denn wir bekommen im Fernsehen ja nur alljene zu Gesicht, denen Einlaß in die gute bunte Stube gewährt wird.


Thilo Sarrazin wurde schon des öfteren Einlaß in den Mainstreemmedien gewährt. Allerdings weiß ein jeder der das verfolgt hat, welch eine groteske Farce das (fast) jedesmal für ihn war.

https://www.youtube.com/watch?v=ucXEdTMRhts

Einen klugen Analytiker wie Kleine-Hartlage habe ich nur mit einem einzigen Auftritt in Erinnerung. Meine, so einen hochtalentierten Spötter und Bösmenschen vor dem Herren wie Michael Klonovsky noch gar nicht auf dem Bildschirm erblickt zu haben, Götz Kubitschek und Martin Lichtmesz tauchten immerhin mal in der köstlichen Satiresendung „Auf dem Rittergut“ auf. Ich habe mich herrlich amüsiert, wie die selbsternannte vermeintliche Journalistin „Eth-nien“ aussprach wie „Ber-lin“ und so schön betroffen geguckt hat.


Die Medienschaffenden in diesem Lande haben sich in eine ihre vollkommen abgeschottete Parallelwelt zurück gezogen und merken schon lange nicht mehr, dass ihre Ergüsse für jeden Außenstehenden wie eine Reallife-Satire wirken muss. Wäre dies ein Kampf alleine auf Basis des Intellekts, dann hätten wir diesen schon lange gewonnen. Aber leider macht es uns der Satan nicht so leicht.
Pommes
12. August 2015 18:25
Korrektur:

Die Medienschaffenden in diesem Lande haben sich in ihre vollkommen abgeschottete Parallelwelt zurück gezogen ...


So hätte es richtig heißen müssen.
Jens Liebig
12. August 2015 18:40
Sehr guter Beitrag - sehr gut getroffen. Die Vertriebenen können
von dieser nachträglich staatlich geforderten und geförderten
Entfremdung ein Lied singen - und sicher nicht nur im Osten.
Wer fährt heute noch über die Neiße / Oder gen Osten - ich meine
von den Nachkommen der Erlebnisgeneration - und schaut mit
deutschem Blick in die Landschaft und in die Städte und Dörfer.
Es gibt kein Recht auf Heimat erhielt ich von einem Linken als
Antwort auf den Vorhalt des Vertreibungsverbrechens und dessen
Leugnung in Linken Kreisen.
Der Gutmensch
12. August 2015 18:49
„… Warum nicht einfach alles in Grund und Boden lachen?“

Vielleicht ist das der Unterschied, lieber Hesse ... die 68 haben "gelacht", Leute mit Humor hingegen bringen andere zum Lachen ...

Fangen Sie vielleicht damit an, die "guten" Leute, insbesondere die Damen, die sich so aufopferungsvoll um die ganze Welt kümmern, einfach bei ihrem richtigen, ihnen zustehenden Namen zu nennen: Nein, ausnahmsweise nicht Rumpelstilzchen, sondern - Grünwieseler! Und dann warten Sie ab, wer wohl zuletzt lacht ...
Nordlaender
12. August 2015 20:01
@ Pommes

"Thilo Sarrazin wurde schon des öfteren Einlaß in den Mainstreemmedien gewährt."

Sein Buch "Deutschland schafft sich ab" wurde von BERTELSMANN (eines der größten Medienunternehmen weltweit) verlegt. Axel Springer SE (BILD) hat kräftig die Reklametrommel geschlagen, versteckter auch der SPIEGEL. (Beim SPIEGEL besitzt BERTELSMANN Anteile und Vetorecht). Unser Deutschland schafft sich nicht ab. Der Täter der systematischen Abschaffung wird nicht genannt. Es wird eine Inszenierung gegeben, das fiese Krokodil ängstigt das Publikum, der Hansus Wurstus hat sich in die schöne Prinzessin verliebt und ist nicht ganz bei der Sache, aber der Schutzmann sorgt wieder für Ordnung. Dieses Spiel darf nicht langweilen, dafür sorgt der Nilbewohner ja auch für Aufregung genug. Die Aufführung steckt den maximalen Rahmen des Erlaubten ab. Wer noch fieser ist als jemand, der sich wie der Sozialdemokrat Sarrazin für Integration einsetzt, für die Leistungsfähigkeit des Standortes Deutschland, der ist draußen. Und es ist ja schon fies genug, das Menschenrecht eines jeden Nichteuropäers einschränken zu wollen, sich in unseren Ländern niederlassen zu dürfen, wie es Peter Sutherland von Goldman Sachs verlangt als Migrationsbeauftragter der Vereinten Nationen.

Grundsätzlich funktioniert das Spiel Guter-Bulle-böser-Bulle niemals, wenn die Rolle des bösen Bullen mit einem Lieben besetzt wird.

"merken schon lange nicht mehr, dass ihre Ergüsse für jeden Außenstehenden wie eine Reallife-Satire wirken muss. Wäre dies ein Kampf alleine auf Basis des Intellekts, dann hätten wir diesen schon lange gewonnen."

Die wissen schon ganz genau, was Sie tun, haben ihren Auftrag von ihren transatlantischen Organisationen (Atlantikbrücke, Aspen-Institut und Co.). Neocon mit Amateuroberliga-Niveau spielt gegen Kreisklasse D und gewinnt ganz lässig. Wer hätte das erwartet!

https://www.youtube.com/watch?v=rL7UARwWGnc
Nordlaender
12. August 2015 20:30
@ Der Gutmensch

"Leute mit Humor hingegen bringen andere zum Lachen …"

Wenn der Reaktionär etwas zutiefst verabscheut, ist es die Erregung Öffentlichen Spasses. Soo schön sind wir eh nicht allesamt, von übermäßig wohlgeratener Physiognomie, und dann noch das Antlitz mit Grimassen entstellen wie auf einer Karnevalssitzung? Wohl gar sich sinnlos blaue Flecken auf die Oberschenkel schlagen?

Mitunter entweicht dem Reaktionär ein leichtes Schmunzeln. Er liebt die bunte Vielfalt, den Pluralismus, der sich aus dem Gegeneinanderstreben von unvereinbaren Bewegungen ergibt, die magischen Momente, in denen alles hin ist und man sich daran erfreut, daß keine noch so totalitäre Maßnahme das chaotische Leben auf diesem Planeten jemals ersticken wird können . Schon aus dem unvermeidbaren Ewigen Krieg zwischen den beiden Rassen auf dieser Welt, die von einander am weitesten entfernt sind, also der des verwundbaren Mannes und der des strategisch überlegenen Weibes, ergeben sich immer wieder Situationen, die jede gelungene Inszenierung des Absurden Theaters an unseren städtischen Bühnen noch weit übertreffen.

Weiß der Reaktionär die Eleganz des Minimalismus zu schätzen, so verpaßt er en passant dem Feind einen wohldosierten kleinen Stich, läßt ganz nebenbei eine wohlausgesuchte Vokabel (wie z.B. "Zeichensetzer" oder "strunzbunt") fallen. Das Pläsier roherer Häme und Schadenfreude verschenkt er großzügig an die beistehende Zuschauergemeinde. Wenn der Gelinkte, der ethisch Besserverdienende und Welterlöser, inmitten der nun laut Auflachenden, die Wunde endlich entdeckt hat, ist der Attentäter schon lange hinter dem Horizont verschwunden.
Lutz Meyer
12. August 2015 20:51
Zum Gelächter noch:

Kennt hier jemand "Die veränderte Welt - Eine Bilderfibel unserer Zeit" aus dem Jahr 1933 von Edmund Schultz und Ernst Jünger?

Man sieht ganz viele Bilder aus der Welt des Liberalismus, Bilder der Technik, Bilder aus der Welt des "Arbeiters", Bilder des Heroismus, Bilder einer sich verändernden Landschaft, teils nüchtern, teils süffisant kommentiert. Auf Seite 75 etwa zwei Bilder unter der Überschrift "Hautpflege in USA". Das obere Bild zeigt einen Vorgang in einem Kosmetiksalon, das untere die "Körperliche Züchtigung eines Negers in Baltimore" (Delinquent an einen Pfahl gebunden, Oberkörper entblößt, Züchtigung erfolgt mit einer Peitsche). Diese Art von Humor ist heute und zumal hier natürlich kaum noch verbreitet, es ist - mit heutigen Augen betrachtet - eher eine Art Geschichtsstunde des Humors.

Im Klappentext heißt es über die gezeigten Bilder:

Die Belehrung, die der Betrachter empfängt, besteht in der Vernichtung der Phrase, die mit Worten wie Wahrheit, Freiheit und Friede als mit leeren Begriffen hantiert. Diese Belehrung ist umso vernichtender, als sie nach dem alten Grundsatz verfährt, daß das Gelächter am sichersten zerstört.


Diese Art von Gelächter meine ich.
enickmar
12. August 2015 21:41
Neocon mit Amateuroberliga-Niveau spielt gegen Kreisklasse D und gewinnt ganz lässig. Wer hätte das erwartet!


Ähnliche Gedanken kommen mir auch hin und wieder. Nur nicht getraut es auszudrücken.

Sind alles schöne Texte: Humor als Waffe, Sinn- und Gottsuche, Wachstumskritik.

Der herausragende Kommentar von Dag Krienen hat hier neulich allerdings nochmal verdeutlicht, was hier sinngemäß schon öfters schlüssig geäußert wurde. Bevor es den Deutschen nicht unmittelbar existenziell ans Eingemachte geht, wird es, wenn überhaupt, keinen bedeutenden Widerstand geben. Vermutlich dann eben auch viel zu spät. Zudem muß man davon ausgehen, daß man versuchen wird, ernsthaften Widerstand (in Deutschland sowieso) gnadenlos mit allen Mitteln niederzumachen.
Mit scheint einzig die Frage noch relevant, wie man sich (gesamteuropäisch) materiell-pragmatisch organisiert, um sich existenziell auf das, was kommen wird, vorzubereiten.
Bernhard
12. August 2015 23:03
Und da gibt es noch die Anhänger einer sog. "Religionsgemeinschaft", die überproportional Macht haben und deren Umtriebe zu nennen, unter die Zensur fällt.

Solange man in der BRD nicht seine Meinung offen sagen kann, ist jede Analyse hier nur eine Teilwahrheit.

Gut, daß in den USA (noch) mehr geht und man auf dortigen Webseiten in die Tiefe gehen kann.

Der Artikel erklärt viel, aber aus obigem Grund nicht alles.
Rumpelstilzchen
12. August 2015 23:49
Zur Entfremdung und Heimatverlust. Fremd im eigenen Land :
Ein interessantes Gespräch.

https://www.compact-online.de/
Thomas Wagner
13. August 2015 03:30
"- nicht nur fuer die im dialektischen Prozess fortschreitende Linke nicht, sondern auch fuer das auf Nivellierung, permanente Veraenderung und Globalisierung bezogene oekonomische Denken der Weltkonzerne nicht".

Eine sehr treffende Feststellung! Diese ideologische Gemeinsamkeit ist meines Erachtens auch der wesentliche Grund, wieso es den 68ern vom volksfeindlichen System ueberhaupt gestattet wurde den sogenannten Marsch durch die Institutionen durchzufuehren, denn besagte 68er und ihre geistigen Nachfolger schienen - und sie haben dies spaeter ja auch, und bis zum heutigen Tag eindrucksvoll bestaetigt - dem transnationalen Kapital ueberaus nuetzlich bei der Demontage/Dekonstruktion der Voelker und Nationalstaaten innerhalb der WWG ("Westliche Wertegemeinschaft" als verschleiernder Euphemismus fuer das informelle US-Imperium). Aus dieser Erkenntnis folgt wiederum, dass den volkstreuen Rechten vom herrschenden System niemals ein wie oben erwaehnter Marsch durch die Institutionen gewaehrt wird. Souveraene, starke Nationalstaaten mit zumindest einigermassen homogenem Staatsvolk sind so ziemlich das Letzte was sich der globale Geldadel wuenscht.
Nordlaender
13. August 2015 08:03
@ Thomas Wagner

"... dem transnationalen Kapital ueberaus nuetzlich bei der Demontage/Dekonstruktion der Voelker und Nationalstaaten innerhalb der WWG („Westliche Wertegemeinschaft“ als verschleiernder Euphemismus fuer das informelle US-Imperium)."

Reaktionäre Linke wie Visconti oder Pasolini ("Freibeuterschriften") erkannten es schon früh:

"Für Herbert Marcuse, einen der geistigen Väter der "68er", zielte die Studentenrevolte auf eine "Kultur ohne Unterdrückung". ... Der italienische Filmemacher und Schriftsteller Pier Paolo Pasolini (1922–1975), Ex-Kommunist und nonkonformer Linker, hielt solche Prophezeihungen schon früh für illusorisch. Die Protagonisten der Studentenunruhen waren in seinen Augen gelangweilte Bürgersöhne, und zur allgemeinen Verblüffung schlug er sich auf die Seite der attackierten Polizei, "weil die Polizisten Söhne von armen Leuten sind. ...
Die vorgebliche Dauerrebellion gegen die "verkrusteten" Institutionen ist in Wahrheit nur noch Fiktion, ja sogar erwünscht, weil sie letzte tradierte und institutionalisierte Dämme gegen die Konsumideologie beseitigt: "Die neue bürgerliche Herrschaft braucht nämlich Konsumenten mit einer ausschließlich pragmatischen und hedonistischen Mentalität; denn der Zyklus von Produktion und Konsum vollzieht sich am reibungslosesten in einer technizistischen und rein irdischen Welt".

https://phinau.de/jf-archiv/archiv99/189aa31.htm
Hartwig
13. August 2015 09:46
Diese vielen Entfremdeten, - seit heute sind sie allesamt befremdet. In Ihrer Stadt (ostdeutsch, Ausländeranteil unter 10 Prozent, links, Antifa-Hochburg, Universitätsstadt, "Refugees welcome" an jeder Strassenecke) wird eine (die!)Universitätssporthalle vom Freistaat Sachsen als Asylantenunterbringung konfisziert.
Das Geschimpfe der Vereine ist groß - eben jener Vereine, die unisono brav ihre Statements gegen LEGIDA abgegeben hatten. Die Unirektorin ("Herr Professsorin" - ja eben diese) will die Halle ab Oktober aber wiederhaben. Illusorisch. Die Studentenschaft ist noch in Urlaub. Jeder LEGIDA-Demonstrant kennt diese illustre Schar krakeelender Halbstarker. Ich wurde soeben von einer Kollegin darüber belehrt, wie "idiotisch" diese Entscheidung sei und was das alles für den Breitensport bedeute etc., eine Person, die sonst ganz eilfertig das Wort Nazi im Munde führte.
Wenn der Anlass nicht so bitter wäre (500 Fremde zusätzlich in der Stadt), so könnte ich nur noch lauthals lachen. Schadenfroh bin ich aber allemal. Ein Irrenhaus.
Rumpelstilzchen
13. August 2015 11:17
Ich kam, weiß nicht woher,
Ich bin und weiß nicht wer,
Ich leb, weiß nicht wie lang,
Ich sterb und weiß nicht wann.
Ich fahr und weiß nicht wohin,
Mich wundert's, daß ich so fröhlich bin.


Alter Volksspruch, aus
Anfechtung und Trost im deutschen Gedicht, gesammelt von
Johannes Pfeiffer

Das Wissen um die Entfremdung ist älter als Marx' und Heideggers geistige Ergüsse und wir sollten Trost bei unseren Altvorderen suchen.

Lieber ein fröhliches Herz als ein dummes Gelächter .
Coon
13. August 2015 11:32
Den Marxisten um Adorno und Marcuse dämmerte, dass der Entfremdungsbegriff für die linken Metapolitiker und Ihre Zersetzungsziele im öffentlichen Diskurs unbrauchbar wurden, denn offensichtlich lies sich der Begriff auch in konservativen Denkgebäuden als Stützpfeiler verwenden. Deshalb wurde er zeitweise beschwiegen und zum blinden Fleck, da dies den klassischen marxistischen Denkmustern widersprach. Schliesslich erwartet auch der Marxismus als Resultat der geschichtlichen Entwicklung den neuen freien Menschen, sieht diesen aber als Resultat einer Bewusstseinsänderung, die zwangsläufig nach den geschichtlichen Gesetzen eintreten wird. Das die andere Seite die Diskussion aufnahm und gewissermassen auf eigene Füße stellte, musste beantwortet werden. Hier knüpfen die Nachkriegsüberlegungen der Marxisten zur negativen Aufhebung an, die den Gedanken aufnimmt, dass selbst die falschen Leute aus den falschen Gründen das Richtige denken können (falsches Bewusstsein). So würde das dann nichts mit der marxistischen Revolution.

In dieser Diskussion standen auch die Avantgardisten der Apo in den frühen bis mittleren 60er Jahren. Alle lasen Marcuse, der das Heideggersche man als Entfremdung im Sinne eines Jeder ist der Andere, keiner mehr er selbst interpretiert. Das "Individuum" der Massengesellschaft wird durch vielfältige Identifikationsangebote so von sich selbst getrennt, so dass er gewissermassen als fremdgesteuerter, hirnloser Zombie durch den Alltag robotert. Übrig bleiben die kapitalistische Herrscherklasse, die marxistische Denkerelite und ihre Anhänger als einzige nicht entfremdete/bewusste Gruppen. Damit interpretierten sie die Auseinandersetzung von vornherein konsequent als Elitenkampf um die gesellschaftlich und ökonomisch relevanten Positionen.

Die Ost-/Westteilung spielte hinsichtlich des politischen Aktionismus damals bereits eine wichtige Rolle. Alle lasen Franz Fanon (Schwarze Haut, Weisse Masken, Verdammte dieser Erde), stimmten in der Analyse der Entfremdungstendenzen als Folge kolonialistischer Herrschaftspraxis überein und sahen die daraus resultierenden Befreiungstendenzen als logisch und gerechtfertigt an. Innerhalb der APO wollten vor allem die Ostler aus dem Berliner Umfeld, die als ehemalige DDR-Bewohner Fanons Beschreibungen aus eigener Anschauung gestützt sahen, entsprechende revolutionäre Überlegungen für ganz Deutschland in den Diskurs einbringen. Aufgrund der real existierenden Machtverhältnisse sahen gerade Westler wie Kunzelmann das Ganze als Schnapsidee an und verlegten sich auf das Instrument der Ohnmächtigen, die subversive Aktion (Puddingattentat). Man sollte aber auch nicht vergessen, dass selbst Gestalten wie Kunzelmann und Teufel dann bereits in der 2ten Hälfte der 60iger in das radikale Lager überwechselten. 1970 war Teufel untergetaucht und ein Kunzelmann fungierte als Spiritus Rector der antisemitischen Hasslinken, die Fanon (sofern sie sich noch erinnerte) bestenfalls für Palästina gelten lassen wollte (hinsichtlich Kunzelmann ist die Doku München 1970 ist in diesem Zusammenhang sehr sehenswert). Da war die Entscheidung für das Deutsche Bürgertum bereits gefallen: Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.

Zurück auf Los: Als Plattform für Metapolitik sollte man sich nicht auf die subversive Aktion konzentrieren. Dies kann man den Identitären und anderen überlassen. Ich zweifle daran, dass Konservative die Zersetzungstechniken ihres ideologischen Gegenübers angemessen umsetzen können. Es widerspricht Ihrer Natur. Daher auch keine rechten Kabarettisten und dergleichen Mitläufer in gezwungenen gesellschaftlichen Debatten.

Die einzige relevante metapolitische Forderung, die es im öffentlichen Raum zu verankern gilt, ist die Forderung nach dem Abzug der alliierten Besatzungstruppen aus der Bundesrepublik. Erst dann haben wir ein neues Stück in diesem Theater.
Meier Pirmin
13. August 2015 12:31
@Gut, dass Sie den in der Analyse oft ausgeklammerten Typus "Reaktionär" angesprochen haben. Einer der geistvollsten der Sorte, sogar mit Sinn für Humor, "Weh dem, der lügt!", war der Österreicher Franz Grillparzer. Auch ein hervorragender politischer Aphoristiker. Seine Gedanken, die sich über das Antirevolutionäre hinaus gegen Metternichs Zensurbedürfnis richteten, hatten und haben 0% Anteil an Linksdrall und Kulturmarxismus, wie dieses Gedankengut auf auf dieser Seite gelegentlich genannt wird. Als Altösterreicher war Grillparzer freilich, wie der Bayer Baader, gegen den Nationalismus, in dem er, wie später Bismarck, "den Ludergeruch der Revolution" witterte.

So weit zu den im öffentllichen Diskurs regelmässig ausgegrenzten Reaktionäre, die es interessanterweise im Horst-Wessel-Lied neben den Linken auf der Feindliste geschafft haben, vermutlich eher als privilegierte Junker denn als geistige Altrechte der Reichsidee wie Grillparzer. Otto von Habsburg gehörte freilich auch zu ihnen. Der war vermutlich im Horst-Wessel-Lied als Feind mitgemeint.

Schweizer Ultrareaktionäre begaben sich 1847 ins österreichische Exil nach Wien; ein im Lande verbliebener unter ihnen zeigte 1856 in Bern als einziges Parlamentsmitglied Verständnis für Friedrich Wilhelm IV., als dieser die Monarchisten im preussischen Fürstentum Neuenburg-Neuchâtel sogar mit Militäreinsatz schützen wollte. Glücklicherweise kam es in jener Situation nicht zu einem preussisch-schweizerischen Krieg. Dies verhinderte u.a. England, damals eine Art Schiedsrichter der kontinentalen Politik.
Nordlaender
13. August 2015 13:31
@ Meier Pirmin

"Otto von Habsburg gehörte freilich auch zu ihnen. Der war vermutlich im Horst-Wessel-Lied als Feind mitgemeint."

Otto von Habsburg war von 1973 bis 2004 Präsident der Paneuropa-Union. Diese wurde 1922 von Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi gegründet, der auch ein Mitgründer der Europäischen Union war.

"Eine geistig-urbane Herrenrasse ist in Bildung: Idealisten, geistvoll und feinnervig, gerecht und überzeugungstreu, tapfer wie der Feudaladel in seinen besten Tagen, die Tod und Verfolgung, Haß und Verachtung freudig auf sich nehmen, um die Menschheit sittlicher, geistiger, glücklicher zu machen. Die ...... Helden und Märtyrer der ost- und mitteleuropäischen Revolution stehen an Mut, Ausdauer und Idealismus den ........ Helden des Weltkrieges in nichts nach - während sie dieselben an Geist vielfach überragen. Das Wesen dieser Männer und Frauen, die es versuchen, die Menschheit zu erlösen und zu regenerieren, ist eine eigentümliche Synthese religiöser und politischer Elemente: von heroischem Märtyrertum und geistiger Propaganda, revolutionärer Tatkraft und sozialer Liebe, von Gerechtigkeit und Mitleid. Diese Wesenszüge, die sie einst zu Schöpfern der christlichen Weltbewegung gemacht haben, stellen sie heute an die Spitze der sozialistischen."

Coudenhove-Kalergi, Praktischer Idealismus Seite 51, Wien, 1925
der Kuckuck
13. August 2015 14:06
re Gutmensch , re Eisenhans .

folgender Gedanke :

ich strebe eine zivilgesellschaftlich / legale Maßnahmenpolitik an :

1) jeder Manipulationsversuch an einer staatlichen Schule wird mit hohen Geld - bzw. Haftstrafen geahndet .

2) die Methode ist legal und im besten Sinne des Wortes republikanisch ; mein Vorschlag :

Jeder Lehrer macht was er will , wann er will und wie er will . Dann die Prüfung :

die Prüfungsunterlagen kommen aus der Bundesdruckerei , versehen mit einer Matrikelnummer ; Wasserzeichen . Eine Fachfirma verteilt die Unterlagen an die Schüler , sie kann die Namen der Schüler der Matrikelnummer zuordnen - kein Mitarbeiter der Schule wird involviert .

Die Prüfung findet immer an verschiedenen Orten statt ( Turnhallen , Kantinen großer Firmen ,Museen ect ; der Ort wird 3 h vor der Prüfung bekanntgegeben und ist mit dem ÖPNV erreichbar ) .

Die Unterlagen werden umgehend als Wertfracht und per Luftpost an eine schweizer Fachfirma geliefert , dort ausgewertet ,optional kann die Auswertung durch überprüfte Schulen in Bayern oder Österreich erfolgen . Die Resultate werden der Druckerei mitgeteilt , diese informiert dann den Direx der entsprechenden Schule . Die Ergebnisse werde alle extern dokumentiert und können nicht verändert werden .

Die Messung mündlicher Leistungen : Jede Stunde wird elektronisch dokumentiert - die Bewertung der mündlichen Leistung erfolgt durch einen privaten Bildungsträger ; die Tische sind durchnummeriert und die Bewertung der mündlichen Mitarbeit erfolgt durch einen externen Fachmann - dieser kennt nicht den Standort der Schule und auch nicht die Nachnamen der Schüler . Das System wird von einem Lloyd überwacht .

KEIN staatlicher Lehrer kann seine eigenen Schüler bewerten . Das System ist nicht ganz billig - aber gerechtfertigt .




Bleibt die kostenintensive Flucht ins Internat :

republikanische Prüfmethoden werden umgehend implementiert - will man das nicht kann sich der Privatschüler seine Bewertungen hinter den Spiegel klemmen . Ausländische Prüfungsergebnisse werden grundsätzlich nicht anerkannt .

Vorteil : Arbeiterkinder können nicht mehr durch politisch motivierte "Lehrkräfte" ausgesondert werden - der "Stallgeruch" wird irrelevant .Bräsig / inkompetente Bürgerkinder erhalten eine leistungsbezogene Bewertung - Folge : die "hochbegabte" Tochter kann zwar das Erbe ihrer wellness Mutti verbraten - aber niemals eine deutsche Universität verstopfen . Praxisbezug ; Grund meiner Einlassung : Birgit Breuel ; Kosten der Expo ; Schlendrian - nur ein Bsp. in der großen grauen Stadt wird jeder Verwaltungsposten mit solchen Leuten besetzt . l Große und kleine Hochbegabungsjasager studieren Geisterwissenschaft ,verbraten Steuergelder und werden bis zur Anstellung bei der Stadt in der Gutmensch NGO geparkt ( " spannendes Praktikum bei der liberalen Wochenzeitung ;man kennt sich , man hilft wo man kann " .

Meine Frage : weshalb funktioniert die Negativauslese ? eben : weil in D die Schule über den Lebenslauf entscheidet . Bleibt ein Problem : Viel Geld kann viel Nachhilfe einkaufen . Lösung : Deutsche Arbeiterkinder können jeden Tag soviel Nachhilfe buchen wie sie wollen - Rechnung zahlt der Staat ; Einsparungen in anderen Bereichen vorausgesetzt . Die Geldelite in der grauen Stadt will die Zuwanderung hochproblematischer Bereicherer "weil es dem Arbeiterjungen den Tag versaut" ( sic ) , so eine in der grauen Stadt bekannte Theologin - und weiter : "solange der deutsche Facharbeiter nicht hungert hat er "sein reaktionäres Maul zu halten " (sic) ; Maurermeister zur globalisierten Kelle ( Name des Clubs geändert ; Weihnachten 2013 ) . Das neue revolutionäre Subjekt wird aus den implodierenden , gescheiterten Staaten importiert ; das alte Geld in der grauen Stadt lässt Kapitalrendite in Asien und den usa erwirtschaften - man braucht keine Facharbeiterheere . re Eisenhans : zu rudimentär ? der Sprachduktus kann Hinweise liefern ; entsprechend bitte ich um Nachsicht wenn`s zu einfach daherkommt . Der Klassenkampf findet statt - und die Geldelite wird ihn gewinnen wenn wir nicht handeln . Ich danke für Ihr Interesse an meinem Beitrag ; der Kuckuck ; Fachmann für das dicke Brett (tm)
Nihil
13. August 2015 14:09
Wir sollten nur aufpassen, dass die ganze Sache nicht zu nostalgisch wird. Ein neuer Historismus ist mehr Symptom als Lösung.
Urwinkel
13. August 2015 14:42
Nochmal Humor, die Anekdote könnte auch von H. Bosselmann sein: Lehrerinnen wurden in ihrem Bemühen um uns ausgelacht und verzweifelten zum Teil. Lehrer wurden aktzeptiert, aber man war weniger frech zu ihnen. Das hielt diese Sadisten aber nicht davon ab, uns Freche der Schulklasse vorzuführen. Zur Anekdote: Einer dieser Lehrer (Biologe) hob mich kopfüber an den Füßen hoch. So schnell konnte man gar nicht gucken und begreifen was passiert. Dort hing ich nun in Abhängigkeit seiner Gnade. Alle haben gefeixt darüber. Halb verzweifelt rief ich den Rumsitzenden zu: Seht ihr, das passiert mit euch auch, wenn ihr nicht fleißig lernt. Der Typ war kräftig genug, mich nicht fallen zu lassen; so ging es dann auch sicher wieder runter. Komisch war: alle fanden das ultrakomisch. Das soll jetzt kein angehender Leher nachexzerzieren, aber das war schon eine anschauliche Lehrstunde. Lustiger als inzeniertes Kabaret. Eine Situationskomik und tagelanger Gesprächsstoff auf dem Pausenhof. Wie nebenbei hatte er uns dazu das Prinzip der Erdanziehung erklärt. Am Ende weiß keiner mehr wer besser darüber lachte: Ich oder er. Verständlich wars jedenfalls.
Th.R.
13. August 2015 14:46
Ein wirklich guter Artikel, Herr Meyer.

Jedoch die Lücke bzw. das klaffende Loch im Seelenleben, das ein solcher Entfremdungsprozeß hinterläßt, muß einmal mit etwas Neuem gefüllt werden. Denn die Psyche des Menschen sucht unterbewußt und instinktiv nach neuem Halt.

Nur, was könnte, sollte, müßte dieses neue Etwas sein?
Andreas Walter
13. August 2015 14:50
Wie arme, verfolgte afrikanische Flüchtlinge in Not beim friedlichen Protest jetzt auch in Spanien sieht das aber nicht aus. Man beachte auch das Detail ganz am Ende des Videos was mit Weissen passiert, die sich vermittelnd oder zurechtweisend einmischen wollen oder schuldlos zwischen die Fronten geraten.

https://www.youtube.com/watch?v=a2c2VGojpj4#t=135
Keats
13. August 2015 16:19
Die Gleichheitsideologie ist eine Conditio sine qua non für den Globalismus. Nur durch die Behauptung, alle Völker, Kulturen und Religionen wären fundamental gleich, ist die Idee der Unterwerfung aller Menschen unter ein Gesetz und eine Herrschaft überhaupt denkbar. Das ist der Hintergrund für die egalitäre Dauerpropaganda, für die Hetze gegen jeden, der Unterschiede sieht und bewahren will. Gegen jeden EUROPÄER, muß man heute noch einschränkend sagen. Dank der Ideologie der Gleichheit scheint die Entwicklung hin zum Weltstaat zwangsläufig zu sein. Wer vorne mitmacht, sichert sich die besten Plätze, wer zurückbleibt, ist verrückt und gefährdet - unpatriotisch - den Standort Deutschland.

Das ist das ganze Geheimnis der "Linken": Sie sind nützlich. Auch "Rechte" können bald nützlich werden. Wenn die Sozialsysteme zerbröseln und die Kriminalität ihr gewünschtes Niveau erreicht, wird in Europa eine Homeland Security gebraucht, mehr Überwachung, mehr Kontrolle, mehr Strafen.

Entfremdete Menschen sind ohne die Virtual-Reality-Brille ihrer Lieblingstheorie verloren. Sie leben in bizarren Parallelwelten, eine permanente Comic-Con clownesker Gestalten:

Willkommenskulturschaffende, die ernsthaft glauben, der anschwellende Ansturm von Afrikanern und Asiaten auf Europa könnte zu einem harmonischen Ergebnis führen.
Klimaphobiker, die mit Umwelt-Pipifax in Deutschland die Welt retten wollen, in der der Ressourcenverbrauch insgesamt rasend schnell ansteigt.
Ayn-Rand-Jünger, die den Deutschen einen grenzenlosen Kapitalismus als Lösung aller Probleme empfehlen.
Kommunisten, für die Faschisten die Hilfstruppen des kriselnden Kapitalismus sind - und die dabei ausgerechnet auf Pegida zeigen.
Sozialisten, die glauben, sie würden ihre Bevorzugung durch das "Schweinesystem" der unwiderstehlichen Kraft ihrer Argumente verdanken.
Anti-Sozialisten, die glauben, 68er würden die Welt beherrschen ...

Ob es irgendwo ein Therorieschwert gibt, mit dem die Fesseln der falschen Ideen zerschlagen werden können, auf daß diese Menschen wieder zu sich selbst finden? Nein.
Eisenhans
13. August 2015 16:39
@ Kuckuck
Dem Himmel sei dank für Ihre Richtigstellung Herr Kuckuck, ich
dachte schon Sie seien ein Dünnbrettbohrer.....
Nordlaender
13. August 2015 17:04
@ Keats

"Ayn-Rand-Jünger, die den Deutschen einen grenzenlosen Kapitalismus als Lösung aller Probleme empfehlen."

Apropos Ayn Rand. Diese Weltnetzseite, die für illegale Fluchthilfe wirbt, wurde vom Ayn Rand Institute eingerichtet:

http://www.fluchthelfer.in/
enickmar
13. August 2015 17:22
Kuckuck

In den

Turnhallen , Kantinen großer Firmen ,Museen ect


werden jetzt hochbegabte Afrikaner untergebracht.

Faszinierend von welchen Gestaltungmöglichkeiten hier im Elfenbeinturm noch phantasiert wird …
Andreas Walter
13. August 2015 19:18
@Nordlaender

Haha, sie sind im Bilde, Nordlaender. Doch selbst kritische Denker verstehen noch nicht, was Sie und ich längst begriffen haben.

"Steckt rechter US-Thinktank oder linkes Revolutions-Kollektiv hinter „Fluchthelfer“-Kampagne?"

http://www.unzensuriert.at/content/0018397-Steckt-rechter-US-Thinktank-oder-linkes-Revolutions-Kollektiv-hinter-Fluchthelfer

Auf den amerikanischen Namen von Frau Rosenbaum war ich schon vor einiger Zeit aufmerksam geworden, im Zusammenhang mit etwas anderem (Banken, Ökonomie, Greenspan, Soros, Ukraine und Ko.).

Und während ich gerade mit der Suche versuche nachzusehen in Welchem will sich mein PC von Apple dabei ständig mit irgendwelchen Webseiten im Netzt in Verbindung zu setzen was ich jedoch auch nur deswegen bemerke, weil ich ein besonderes Programm dafür besitze, welches das blockiert.

Es muss um irgendeine Schmähschrift gehen, welche sie mal verfasst hat und wohl recht scharf und ungehalten war.

Vielen dank darum für den Hinweiss.
RL
13. August 2015 20:16
Dazu nur dies: https://www.youtube.com/watch?v=Ki_D9JjmdzE
Pommes
13. August 2015 20:49
Dazu nur dies: https://www.youtube.com/watch?v=Ki_D9JjmdzE


Da, wo wir leben, da wo wir stehen
Ist unser Erbe, liegt unser Segen
Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache
Für uns Minderheiten eine Herzenssache
Das, was ich meine und jetzt werft ruhig Steine

Eindeutig die falschen Personen die hier über "wahre Werte" singen bzw. plärren. Solche Zeilen sollten nur aus dem Munde von Menschen kommen die auch das nötige Rückgrat besitzen um jene Werte zu verteidigen. Philipp Burger ist es schonmal nicht.

https://www.youtube.com/watch?v=aOyAGaSb0EM
Andreas Kammnagel
13. August 2015 22:58
Ich kann dieses Gewese um die Entfremdung nicht nachvollziehen. Weder hier, noch bei den 68ern. Indem der erste Mensch den Faustkeil aufnahm, entfremdete er sich fürderhin fortlaufend, oder nicht? Will sagen: Der Mensch entfremdet sich nicht von seinem Wesen, Entfremdung ist sein Wesen.
Meier Pirmin
14. August 2015 14:02
@Kammnagel. Ihr Letzter Satz: Wohl genau das hat Jean-Paul Sartre auch gemeint mit seiner Philosophie, "nur mit ein bisschen anderen Worten" (Goethe).
Gonzague de Reynold
14. August 2015 16:17
@Pirmin Meier

Darf ich fragen, um wen es sich beim Angesprochenen gehandelt hat ?

Schweizer Ultrareaktionäre begaben sich 1847 ins österreichische Exil nach Wien; ein im Lande verbliebener unter ihnen zeigte 1856 in Bern als einziges Parlamentsmitglied Verständnis für Friedrich Wilhelm IV., als dieser die Monarchisten im preussischen Fürstentum Neuenburg-Neuchâtel sogar mit Militäreinsatz schützen wollte
Meier Pirmin
14. August 2015 21:31
@ Es war Anton Philipp von Segesser, Verfasser der Rechtsgeschichte des Kantons Luzern, einst Sekretär des Sonderbundes, der historischen Rechtsschule verpflichtet, war als Katholik gegen die Promulgierung der päpstlichen Unfehlbarkeit und ausserdem 1866 gegen den Handelsvertrag mit Frankreich, weil derselbe die Souveränität der Schweiz in der sog. "Judenfrage" in Frage stellte, weswegen Segesser, obwohl es ihm wohl nur um das Staatsrecht ging, neulich und rückblickend als Antisemit klassiert wurde. Eine hochinteressante, äusserst gebildete Persönlichkeit, ausgezeichneter Autor, mir brachte er am meisten für die Forschungen über Klaus von Flüe, das Stanser Verkommnis von 1481 und über Homosexualität im Mittelalter. Für Gonzague de Reynold war Segesser meines Wissens von gewisser Bedeutung.

Beim Neuenburgerhandel fiel Segesser durch eine spektakuläre Stimmenthaltung auf in einer Abstimmung, in der das ganze Parlament "wie ein Mann" schweizerischen Patriotismus bekunden wollte und bekundete. Sicher war auch er nicht dagegen, dass die Schweiz mobilisierte, aber die Argumente gegen die Neuenburger Royalisten und gegen Friedrich Wilhelm IV. waren ihm allzu chauvinistisch und aus seiner konservativen Sicht unangemessen.


Noch was: Es gibt und gab in Parlamenten Abstimmungen, wo praktisch ein Zwang zur Einstimmigkeit und Einmütigkeit erfolgt, will man nicht als Verräter und Nichtpatriot gelten oder gar als Holocaustleugner usw. Wenn es so eng wird, braucht es einigen Mut, als einziger nicht die Mehrheitsmeinung zu bezeugen. Man darf nicht damit rechnen, verstanden zu werden.
Th.R.
15. August 2015 12:30
Ein wirklich ausgezeichneter Artikel. Je öfter ich ihn lese (bzw. ihn mir vom mws-reader vorlesen lasse), desto bemerkenswerter finde ich ihn.

"Schrulligkeit, die man toleriert, solange sie nicht ins Politische gewendet wird. Was nun aber, wenn genau dies geschehen würde: Die Erinnerung an die Herkunft, an das Eigene, an die Wurzeln und damit die Bewußtwerdung einer eigenen Identität in harter, scharfer Abgrenzung zu anderen Identitäten? Würde das nicht immer mehr Menschen begreifen lassen, daß sie ihrer eigenen Identität methodisch und in böser Absicht entfremdet wurden? Was, wenn dieses Gefühl der Entfremdung, des Fremdwerdens im Hier und Heute, politische Dimensionen annehmen würde? Ansatzpunkte gibt es genug – nicht zuletzt sind es ausgerechnet die massenhaft zuwandernden Entwurzelten aus der Fremde, die dem Entfremdungsprozeß hierzulande Auftrieb geben."

Wir sind also wieder beim eigentlichen Thema, dessen Dimension einige Kommentatoren offensichtlich nicht begreifen wollen oder es nicht können: Metapolitik

Den im Artikel angesprochenen Entfremdungsprozeß erfolgreich voran zutreiben, setzt mMn. voraus, dass zunächst einmal eine attraktive geistige Alternative existiert, die in Konkurrenz zu den bisherigen alten geistigen Autoritäten tritt. Eine solche muß den Anspruch verfolgen, die Herrschaft der alten geistigen Autoritäten ablösen zu wollen. Deshalb muß sie in psychologischer Hinsicht attraktiv genug beschaffen und gestaltet sein, um eine Heilsbotschaft (Schutz, Sicherheit, Stärke, Kraft, Halt, Orientierung, Ziele, Lebenssinn, Antworten auf zentrale Sinnfragen, Gemeinschaft usw.) zu signalisieren unter der die Deutschen sich geistig sammeln können.

Eine diesbezügliche Wirkmächtigkeit bedingt eines aufgeladenen, in seiner Anziehungs- und Bindekraft psychologisch fundierten (mystisch-mythisch-religiösen) Narrativs, das alle zentralen (bewußten und unterbewußten) Lebensfragen der Einzelseele eindeutig und mit Gewissheit zu beantworten im Stande ist.

Dann erst ist eine reale Voraussetzung gegeben, um die alte überholte und in ihrer Wirkung nur mehr schädliche Bindung sukzessive aufzulösen, zu zersetzen und sie letztlich vom Willen abzukoppeln. In einem darauf folgenden bzw. parallel ablaufenden Prozess müssen Anstrengungen unternommen werden, den von den Bindungen an die alten Mächte derart befreiten Willen an eine neue Heilsbotschaft solcherart bzw. an eine neue Hoffnung glaubens- und vertrauensmäßig zu binden.

Widersprechen möchte ich aber Ihrer Behauptung, dass "die massenhaft zuwandernden Entwurzelten aus der Fremde" tatsächlich Entwurzelte seien. Denn das sind überwiegend Menschen, deren Seelenleben unter dem Bannkreis des Islam steht. Mit Fug und Recht kann man diesen Eindringlingen unterstellen, dass ihr Eindringen in das Land der Ungläubigen Ausdruck einer religiösen Pflichterfüllung ist, die Allah ihnen durch entsprechende Gebote im Koran auferlegt hat. Die Anschauung kann ich darum nicht teilen, das massenhafte Auftauchen dieser Fremden als ein Zeugnis "entwurzelten Daseins" zu deuten. Das genaue Gegenteil könnte womöglich der Fall sein.
RL
15. August 2015 13:00
@Pommes

mir geht es nicht um die Person Philipp Burgers oder die Gruppe Freiwild, sondern um die Aussage.

Selbst Uljanow oder Brecht haben mal was vernünftiges gesagt.
Peter M. Messer
15. August 2015 14:02
Ein sehr aufschlussreicher Text durch den interessanten Bogenschlag von der Entfremdung zum Verlachen hohl gewordener und entlarvter Autoritäten und Bindungen. Um diesen Bogen zum Kreis zu schließen: Dann müssten die hier vertretenen Rechten ja die Könige der politischen Komik sein. Tatsächlich findet aber rechts, jedenfalls bei den "anständigen" Rechten und Konservativen, so gut wie keine politische Komik statt, sie ist unter allen politischen Richtungen hier am ärmlichsten vertreten. Daraus leiten sich folgende Fragen ab:

1. Sind die Rechten und Konservativen überhaupt von den herrschenden Normen und Institutionen entfremdet, oder sind sie mit ihnen doch auf eine ihnen nicht bewußte Weise verstrickt, die es ihnen unmöglich macht, sich von ihnen wirklich zu lösen? Immerhin haben sie und die heutige Linbke denselben sozialen Ursprung.

2. Zum Witz gehört mehr als nur Entfremdung. Dazu gehören auch Aggressivität, Emotionalität und Nachgeben gegenüber unterdrücken Trieben. Durch welche Eigenschaften von Konservativen und Wahrern der bürgerlichen Form wird das blockiert? Politische Komik kann nicht entstehen, wo man Wert darauf legt, Schmarotzer und Invasoren nicht als solche zu bezeichnen oder das Wort Invasoren wertfrei verwendet wissen will. Ein paar Gedanken dazu habe ich hier dargelegt: http://www.pi-news.net/2012/03/warum-wir-eine-rechte-politische-komik-brauchen/

3. Wer sich von etwas entfremdet fühlt, braucht trotzdem eine Grundlage, von der er aus das Fremd gewordene attackieren kann. Er braucht etwas, das ihm nicht fremd geworden ist, und sei es nur der eigene Körper. Ist die Unfähigkeit zur Komik vielleicht nur das Symptom einer tiefgreifenden Welt- und Wurzellosigkeit unter Rechten und Konservativen? Ist er die Folge davon, dass Konservatismus keine Objektbeziehung ist, sondern nur noch ein Diskurs?

Ich wünsche mir jedenfalls, Herr Meyer, dass Sie in dieser Frage weiter nachbohren.
Pommes
15. August 2015 17:30
@Pommes

mir geht es nicht um die Person Philipp Burgers oder die Gruppe Freiwild, sondern um die Aussage.


Aussagen alleine sind wertlos wenn man diese nicht authentisch vertritt.
Jac
16. August 2015 14:13
"Nichts anderes geschah im Kommunismus, nichts anderes geschieht auch heute weltweit – der Globalisierungsprozeß entwurzelt und entortet Menschen, raubt ihnen ihre Identität, reduziert sie auf eine Rolle als austauschbares Rädchen im ökonomischen Getriebe, macht sie zu gesichtslosen Niemanden. "

Der Begrff der Entfremdung meint zwar im Marxismus etwas anders, aber sicherlich ist diese Analyse richtig.

Die Amerikanisierung ist gründlicher in der Kulturauslöschung als es Identitätskonflikte mit Migranten sein könnten, deren Schwäche nur ihre Identitätsstärke ist. Politcal Correctness als der Versuch bürgerliche Spiessigkeit durch die Hintertür wiederzuinstallieren, ist nur Doktorn an den Symptomen ebenso wie die normale Fremdenfeindlichkeit der Straße. Die wirkliche Triebfeder ist die Globalisierung und Amerikanisierung, also die Kolonialisierung der Welt durch das Großkapital, alles andere, die antiidentitäre Politik des Kapitals ist nur eine Folge. Der Konflikt ist nicht rechts und links, demokratisch oder autoritär, sondern eine Fremdbestimmung mit gewaltigen entfesselten Dynamiken, in der politische Akteure allenfalls noch KAPOs sind, Funktionshäftlinge eines Zwangsystems zur Zerstörung.

Ich möcht' erwachen
Beim Sonnenschein,
Führ' in 'nem Nachen
Zum grünen Rhein.
Wohin ich schaue, nur deutsche Leute –
Nicht fremde Völker – nicht so wie heute. –
Und an der Stelle,
wo die jetzt schrein,
Spielt die Kapelle
"Die Wacht am Rhein".
Pommes
17. August 2015 14:14
@Pommes

mir geht es nicht um die Person Philipp Burgers oder die Gruppe Freiwild, sondern um die Aussage.


Ich muss wohl sowas wie ein Prophet sein. Oder vielleicht erkenne ich rückgratlose Opportunisten an ihrer Nasenspitze. Suchs dir aus.

http://www.pi-news.net/2015/08/suedtiroler-deutschrock-band-frei-wild-beschimpft-pegida-afd-und-eigene-fans/
Volker Spielmann
30. August 2015 21:59
Am Kampf gegen die Rechtschaffenheit sollte man sich nicht beteiligen

Wer nicht links vom marxistischen Usurpator Lenin steht, sprich wer nicht für unbegrenzte Masseneinwanderung, den totalen Marxismus (totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können), die Sodomiten-Hochzeit, die englische Geschlechtslehre, die Mohammedanisierung des Abendlandes und andere Teufeleien ist, der sollte sich nimmermehr am Kampf der Parteiengecken, der Lizenzpresse und der Antifanten gegen die Rechtschaffenheit beteiligen, weil sich dieser dann nämlich ganz entschieden gegen ihn selbst richtet. Indem man den besagten Delinquenten hilft die Rechtschaffenen zu verfolgen und zu unterdrücken beraubt man sich seiner natürlichen Verbündeten und wird zum Dank von den Delinquenten früher oder später selbst der Rechtschaffenheit beschuldigt und zur Strecke gebracht werden. Dies mögen sich vor allem jene gemäßigten Geister hinter die Ohren schreiben, die glauben sie könnten in der Mitte bleiben. Diese wurde nämlich längst über den linken Rand gestürzt.

Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

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