24. November 2015

Vertrauen: Verlust und Gewinn

von Lutz Meyer / 98 Kommentare

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

kubinPolitiker, Parteien, Medien, staatliche und kirchliche Institutionen – alle bitten, ja buhlen derzeit wie noch nie zuvor um das Vertrauen ihrer Wähler, Abonnenten, Kunden, Mitglieder. Sie fordern gar Vertrauensvorschüsse ein, als wäre Vertrauen käuflich, eine handelbare Ware wie Würste oder Kohlköpfe.



Dem vorausgegangen ist ein spürbarer und sogar messbarer Vertrauensverlust, verursacht durch fahrlässiges oder gar absichtsvoll zerstörerisches Handeln derer, die nun um Vertrauen werben. Dieser Vertrauensverlust ist massiv und irreversibel.

Man scheint verdrängt zu haben, daß Vertrauen erst verdient und durch verantwortungsvolles und richtiges Handeln tagtäglich gerechtfertigt sein will. Vielleicht hält man uns auch nur für gutmütige Trottel, denen unter dem Einfluss der Rund-um-die-Uhr-Unterhaltung und billigen Konsums längst jedes eigene Denkvermögen, jede Erinnerungsfähigkeit und jede Selbstgewissheit abhanden gekommen ist.

Dem ist – in noch kleinen, aber beständig wachsenden Teilen der Bevölkerung – nicht so. Wir sind diejenigen, die denen, die uns um einen Vertrauensvorschuss anwinseln, einen fetten Strich durch die Rechnung machen. Wir haben das Vertrauen aufgekündigt. Diese Kündigung ist endgültig.

Daran werden auch dem Schielen auf künftige Wahlen geschuldete marginale „Kurskorrekturen“ nichts mehr ändern. Vertrauen ist das Lebenselixier des Staates – kein Staat kann ohne das Vertrauen seiner Bürger bestehen. Deshalb ist der endgültige Vertrauensentzug kein schwächlicher, individueller Rückzug in den Schmollwinkel, sondern ein mächtiges Instrument. Er ist unsere schärfste Waffe.

Denn mit dem Vertrauen entziehen wir dem Staat unsere Bereitschaft, seinen Worten jemals wieder zu glauben. Wir entziehen ihm Gefolgschaft und Mandat. Das muss nicht zwangsläufig in einen Steuer- oder Generalstreik münden, die innere Abkehr ist viel einschneidender. Sie erfolgt aus eiskalter Tiefe und ist zugleich voll brennender Sehnsucht nach etwas wesensmäßig Anderen und damit all den Lauheiten aus Politik und Medien in der Intensität des Temperaments überlegen.

In anthropologischer Hinsicht erscheint die Vertrauensaufkündigung freilich als Rückschritt. Erst durch Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Vertrauenswürdigkeit von Institutionen konnte der moderne Staat entstehen. Man legte – vereinfacht gesprochen – einen Teil der persönlichen Freiheit in die Hände des Staates, der im Gegenzug Sicherheit versprach und gab und einen Teil der Daseinsfürsorge übernahm.

Das Vertrauen der Bürger in die unbedingte Verlässlichkeit dieser Grundlagen führte Staat und Gesellschaft mehr oder minder sicher auch durch Notzeiten und Gefahren. Dieses Vertrauen unterliegt nun einer massiven Erosion.



Wie schnell der Entzug des Vertrauens ganze Machtblöcke kollabieren lässt, konnte man zuletzt in den späten 80er Jahren in den Ländern jenseits des sogenannten eisernen Vorhangs sehen. Hier und heute wird der Prozess vielleicht langsamer ablaufen, denn die Voraussetzungen und Umstände sind andere.

Zum einen erscheint die ökonomische Lage durch Konsum auf Pump und eigens bereitgestellte Endloskredite weniger desaströs als damals im Osten, zum anderen und vor allem aber wird dieses Mal niemand da sein, der für einen weichen Fall sorgen wird. Denn wer könnte, wer würde und wollte den im Kern und nicht bloß wirtschaftlich verfaulten Gesellschaften des Westens Halt geben? Rußland? China?

Der Kollaps geht schleichender vonstatten, wird sich wohl nicht innerhalb weniger Monate vollziehen und daher eher einem langjährigen Siechtum gleichen. Doch die Folgen werden gravierend sein. Denn was macht der Vertrauensverlust mit den Staatsbürgern – mit uns? Sucht das verwaiste Vertrauen sich rasch andere Fixpunkte, lässt es sich anderweitig adoptieren („Wes’ Brot ich ess’, des’ Lied ich sing“)? Oder kommt unter dem erodierten Vertrauen etwas anderes zum Vorschein – etwas Älteres, Härteres, Mächtigeres?

Dem Schock des Erkennens, daß der Staat, dem man eben noch bedenkenlos und vertrauensselig seine Sicherheit anvertraut hatte, sich nun als Sicherheitsrisiko und als Feind entpuppt, folgt im günstigen Fall die Einsicht in die Notwendigkeit, die eigene Sicherheit so gut und weit wie möglich selbst zu organisieren – sei es durch Auswanderung, durch gewisse Vorkehrungen und Zurüstungen oder durch den Aufbau handfester Widerstandsstrukturen hier im Land.

Daraus folgt ein gestärktes Selbstvertrauen, das – sofern es sich beweisen kann – weiter anwachsen wird. Längst verloren geglaubte Kräfte der Selbstorganisation werden wieder wach und schaffen viele kleine Sicherheiten im Umkreis der Person, der Familie, der Freunde und Nächsten.

Doch dieses Selbstvertrauen wird durch kleinere und größere Krisen immer wieder herausgefordert werden. Es ist so schwach und verletzbar wie das einzelne Selbst. Deshalb wird das Selbstvertrauen alleine nicht genügen. Ihm muss sich etwas noch Stärkeres beigesellen – das Urvertrauen.

Das Urvertrauen gilt nicht der eigenen Kraft und erst recht nicht irgendwelchen Institutionen (weder nationalen noch solchen in Brüssel oder gar in Washington). Das Urvertrauen – das Gefühl letzter Sicherheit, die Gewissheit eines sinnvollen Ganzen – transzendiert das Selbst ebenso wie die Institutionen. Es ist die Sicherheit der Christen im Kolosseum, die Sicherheit der Spartaner wie auch der asengläubigen Krieger vor der Schlacht, die Sicherheit, die nur die Bindung an das All-Eine zu geben vermag.

Dieses Urvertrauen erst gibt dem individuellen Selbstvertrauen Kraft und Sicherheit in allen Krisen – eine Sicherheit, die kein säkulares Staatswesen seinen Bürgern geben kann. So wie die Machtübertragung auf den Staat nur einhergehend mit einer neuen metaphysischen Grundausrichtung des Menschen möglich war, so ist die Rückforderung und Neubegründung der Macht ebenfalls nur an einer neuen Zeitenwende möglich, die wiederum mit einer gewandelten metaphysischen Grundausrichtung des Menschen verbunden ist.

Zieht das die Notwendigkeit einer neuen politischen Theologie nach sich? Wie sähe diese aus? Wäre diese noch christlich oder handelt es sich eher eine politische Theologie neuen Zuschnitts – ohne personal gedachte Gottheit? Lassen sich Konturen erahnen?

Die gegenwärtig aufbrechende Vertrauenskrise, die das Ende dieses Staates und seiner Werteordnung bedeuten wird, wird für uns jedenfalls keinen substanziellen Verlust bedeuten, sondern einen erheblichen Gewinn – den Gewinn eines neuen Selbst- und Urvertrauens und metaphysischer Sicherheit.

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (98)

John Haase
24. November 2015 23:08
Mir geht es wir Ihnen, ich weiß auch nicht mehr weiter. Ich sage das aber ganz offen, das ist der Unterschied. Wobei ich auch noch anfallsweise an Hoffnung leide, aber das gibt sich mehr und mehr.

Wenn wir nur gegen das Regime antreten müssten, dann hätten wir eine Chance. Leider steht aber mindestens eine gute Minderheit des Volkes ganz auf Seiten des Feindes und die große Mehrheit ist so kaputtgebildet, daß es nicht darauf ankommt, wo sie steht, weil sie für den Kampf schlichtweg zu degeneriert ist, mithin also letztlich auf Seiten des Feindes steht: "Aber wo sollen die Menschen denn hin? Wir müssen sie halt aufnehmen, auch wenn ich das nicht gut finde. Ich will ja auch, daß die Grenzen dicht gemacht werden, aber ich würde niemals AfD wählen." So oder ähnlich oft genug gehört die letzten Monate.

Neenee, hier ist durch. Game over.
ingres
24. November 2015 23:21
Also für mich müßte nichts Neues entstehen. Es müßte eigentlich lediglich dafür gesorgt werden, dass politische Macht nicht mißbraucht werden kann. Vor 13 Jahren dachte ich noch, dass wir so ein System hätten. Das war ein Irrtum.
D.h. dann aber auch (jedenfalls für mich, Bekannte glauben immer noch an die Kraft der Demokratie), dass es mit den aktuellen System nicht möglich war. Das dieses System gescheitert ist, ist mir aber schon seit mehreren Jahren klar. Damit war mir auch klar, dass ein stabiler humaner Nachfolger irgendeine Art von autoritärem Staat sein muß. Die USA scheinen mir immer noch besser dran. Aber nur so lange sie wirtschaftlich stark bleiben; dann lohnt es sich dort vermutlich. Ich denke die Bürger der USA können eventuell überleben, die haben Substanz, dort ist noch vieles in Ordnung, wiewohl die Political Correctness teilweise extrem ist. Ein Selbstläufer sind die USA nicht.

In unserer Gesellschaft hat der Bürger in der Mehrzahl aber keine eigene Substanz mehr. Also müßte er autoritär geführt werden. Die 50-er und 60-er habe ich gut in Erinnerung. Obwohl ich da Kind und Jugendlicher war meine ich, dass ich das richtig sehe. Andererseits weiß ich nicht, ob man das richtige Maß an Autorität planen kann. Es muß sich durch die Autoritäten letztlich von selbst ergeben. Ich denke die Wiedereinführung der Leistungsanforderungen, die Abschaffung der Frauenquote und die Wiedereinführung der Bildung im alten Stil würden ausreichen.

Aber was soll mit den ganzen Opfern werden, die heute für immer verloren sind. Und außerdem, der Übergang könnte ja für alle blutig werden. Vielleicht bekommen wir auch zunächst die Diktatur der Multikulti-Globalisierung. Und die könnte sich ja auch noch einige Zeit halten.
Karl Blomquist
24. November 2015 23:43
Was aus Deutschland wohl wird, wenn Merkel sich abgesetzt hat?

"Die BRD versinkt zur Stunde in Perspektivlosigkeit. Da ihr kryptototalitäres Parteienregiment… alle Alternativen im Keim erstickte oder mittels Unterwanderung an die Leine nahm, wird es eines nahen Tages nicht durch eine handlungswillige und handlungsfähige Regierung abgelöst werden können… Der Neuanfang kann eine Angelegenheit von Generationen werden.
Es werden nicht nur Notstandsregierungen scheitern müssen, sondern nach ihnen auch etliche Regierungen, die den Neuanfang erproben. Es gibt über ihn bisher keinen Konsens. Das ist die Folge der Verkettung der sogenannten vierten Gewalt mit den anderen Gewalten, in der es nie einen freien Raum für ein offenes Wort gab. So kann die Entscheidung nur in einem Kampf aller gegen alle fallen, bis er in einer übergreifenden Überzeugung endet."
(Sander, Wesen und Verwesen der BRD, 2006)

Also, vielleicht, Zustände wie zur Zeit der germanischen Völkerwanderung? Wir erleben derzeit ja auch wieder eine allerdings mohammedanische Völkerwanderung - die Lage für uns ist allerdings nicht offensiv wie damals im 5. Jh., sondern heute äusserst defensiv. Vorstellbar ist, dass sich im bereits jetzt beginnenden Chaos Dörfer und Stadtteile organisieren und befestigen. Diese könnten sich dann vernetzen und zu einer Art von Herzogtümern zusammenschliessen. Diese wiederum zu einer Art losem Reichsverband, allerdings erst nach dem Ende oder dem Rückzug der VSA. Was nicht mehr allzulange auf sich warten lassen dürfte, immerhin haben sie durch das Fluten ihre eigenen Tributkolonien ja bereits ihre Niederlage eingestanden. Die VSA geben derzeit praktisch ihren europäischen Reichsteil auf, wie derweil Byzanz seinen westeuropäischen.

Also vielleicht Verhältnisse wie nach dem Fall des Imperium Romanum West beim Übergang zum Mittelalter, was allerdings nicht heisst, dass die neuen Strukturen wieder "mittelalterlich" werden müssen. Aber vielleicht eine Art Wahlmonarchie?

Alles in allem also auf jeden Fall besser als die Fortdauer des derzeitigen unerträglich gewordenen "byzantinischen" Zustände unter der Herrschaft der VSA.
Inselbauer
25. November 2015 00:05
Ein sehr guter Text. Was mir auffällt, und was für einen ehemaligen Linken erstaunlich ist, ist die Verdrängung des Faschismus, also der hysterischen Fortsetzung des Systems mit anderen Mitteln. Da gibts noch ordentlich eins auf die Mütze. So leicht lässt sich ein kapitalistisches Drecksystem nicht unterkriegen.
Thomas Wawerka
25. November 2015 00:06
Hm. Selbiges haben vermutlich die Vormärz-Revoluzzer einander in Briefen zur gegenseitigen Auferbauung geschrieben. Als advocatus diaboli sag ich mal: Lass es doch an allen Ecken und Enden brennen - was macht das schon?!
Und wer genau ist eigentlich das "wir" im "Wir schaffen das"? - Ich jedenfalls nicht, ich bin überflüssig, so viel ist mir klar.
Peter Merbitz
25. November 2015 00:44
Da hat sich aber jemand sehr in ein Wort verliebt! Vertrauen!
Also bitte!
Gehen Sie ernsthaft davon aus, dass es ein Grundvertrauen in die Institutionen des Staates, Politiker, Parteien, Medien, staatliche und kirchliche Institutionen wirklich gab? Glauben Sie wirklich, dass es das schwindende Vertrauen in Partei- und Staatsführungen war, was zu den Ereignissen 1989/90 führte?
Platon, Machiavelli, Shakespeare (Coriolan, Julius Cäsar) nicht gelesen?
Das Vertrauen, was eine Basis gesellschaftlichen Handelns ist, gilt nicht und galt nie den Institutionen des Staates. Ganz im Gegenteil, wir Deutschen mögen zwar kein so inhärentes Misstrauen wie die Griechen besitzen, aber doch zumindest ein resignatives: Die da oben machen ja doch, was sie wollen.
Vertrauen gilt gegenüber dem Seienden: Et hat noch immer joot jejange. Die bestehende Struktur, die mir ermöglicht, zu existieren und mich zu entwickeln, der "Stahlkasten" der über die Zeitläufte hinweg Sicherheit bietet und den Herrschenden die Grenzen setzt, dem wird vertraut. Das konservative Element, das ja anscheinend funktioniert und hoffentlich weiter funktionieren möge.
Und eine Irreversibilität des Vertrauensverlustes? Wenn eine Institution weiter funktioniert, wird man die Unfälle schnell vergessen. Jedes Versprechen vor der Wahl, welches gebrochen wird - was schadet es den Institutionen?
Nein, wirklich revolutionäre Veränderungen geschehen auf wirtschaftlicher Basis. Nicht nur die reine Befriedigung der Lebensbedürfnisse: Es bedarf der Entwicklung. Die 80er zu DDR-Zeiten waren Stillstand, Perspektivlosigkeit, keine Aussicht, dass sich etwas ändern könnte. Nicht einmal zum Besseren - nein, einfach nur etwas Anderes, eine Aussicht auf Änderung des Festgefahrenen.
Andreas Walter
25. November 2015 03:00
Muss ich Ihnen leider widersprechen, Herr Meyer. So sehr es mich auch berührt zu lesen, was Sie unter einer starken Gemeinschaft verstehen.

Man kann eine Gesellschaft nämlich auch wie Stalin führen, oder über das Geld. Das beides natürlich nicht so stark und erfolgreich ist wie das was Sie beschreiben ist mir klar, doch in (fast) Reinkultur hat es das in der Neuzeit eh immer nur in den Anfängen der zwei grossen Systemumbrüche des letzen Jahrhunderts gegeben. Die Ernüchterung stellt sich jedoch meist bald ein, wenn es an die konkrete Lösung von Problemen geht, und die Zeit des Träumens und der Versprechen, der Ideale und Illusionen vorbei ist.

Zumindest beim Kommunismus war es so.

Beziehungsweise spätestens dann wenn man so erfolgreich ist, war, dass andere Nationen und Systeme dieses Glück nicht länger ertragen konnten beziehungsweise auch reale wirtschaftliche Nachteile dadurch erlitten haben.

Kraft durch Freude ist das Ideal, und wozu Gleichschaltung fähig ist haben die Deutschen ja eindrücklich demonstriert, doch war eben nicht die ganze Welt gleichgeschaltet, sind nicht alle Menschen gleich und wollte man zudem auch noch einige Gruppen gänzlich ausschließen, von der Teilhabe (Leitung?) ausgrenzen.

Hinzu kommt noch durch alle Jahrhunderte und Jahrtausende das individuelle Problem vieler Menschen mit dem Selbstvertrauen, wodurch jedoch Vertrauen in andere oder wenigstens in einen anderen überhaupt erst entstehen kann.

Das auf und ab und für und wider und allgemeine Chaos um uns herum ist daher womöglich schon die Beste aller jemals möglichen Welten und der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich einigen konnte, das Geld.

Geld, Gold, ein sorgenfreies Leben. Everybody wants the sunshine in his name. Eben etwas gelten, gülden spiegeln sich darum die Stahlen der Sonne auch auf dem Meer. Die Sonne aber, dass ist das Licht, wie der Funke, aus dem alle geboren und wieder streben bis zum Tod. Re-ligio. Re.
Werner H.
25. November 2015 03:31
Das Philosophieren über die Quellen der Kraft des Lebendigen führt zu der Erkenntnis des Philosophen, dass die Spartaner etwas hatten, was er nicht hat, dass die Christen im Kolosseum etwas hatten, was er nicht hat.

Wer noch rumphilosophiert, ist halt noch auf der Suche. Wer auf der Suche nach der Kraft ist, hat sie nicht gefunden. Er nimmt noch nicht wirklich teil an dem Kampf zwischen Gut und Böse, der seit dem Sündenfall stattfindet und bei dem Adam, der Mensch, das Tal der Tränen hinabgeht.

Er fragt sich, was ihm fehlt, um das durchzusetzen zu können, was ihm gefallen würde, wobei er sich nicht einmal sicher ist, was eigentlich ihm gefallen würde. Den Bauch gepinselt? Den Nabel beglotzt? Den Arsch geleckt, fein sauber?

Jeder weiß, was wir tatsächlich wollen. Wir wollen Kämpfer sein für den Besten. Wir wollen zu der Truppe des Höchsten gehören. Wir wollen ihm erst dienen und dann so sein, wie er wünscht, dass wir sind. Eine Art zu sein, die wir hier nur näherungsweise träumen können.

Wer die traditionelle katholische Lehre studiert, kann sie vielleicht nicht als wahr, so doch als das erkennen, was am besten wahr wäre. Als wahr erkennen können sie nur die Erwählten mithilfe der Gnade Gottes. Hach, wie ungerecht aus Sicht von Gleichstellungsbeauftragten!

Die Deppen, die sagen, man müsste Gott im Zweifelsfall halt erfinden, haben nicht im geringsten verstanden, was der Begriff Gott überhaupt bedeutet. Gott ist derjenige, der uns erfunden hat. Legt Eure moderne Wissenschaft komplett ab. Vergesst den Idioten Kant. Vergesst alle Idioten, die sich aufgeklärt nennen. Vergesst Kopernikus und Einstein. Vergesst die "Deutschen Dichter und Denker". Jeder junge IS-Kämpfer handelt so, dass er wünschen könnte, kann und wünscht, dass die Maxime seines Handelns ... usf.

Ja, die Kirche scheint von den Pforten der Hölle überwunden. Ist sie aber nicht, solange nur einer übrig ist, der glaubt, was sie seit (dem ersten) Pfingsten glaubt.
KAB
25. November 2015 08:07
@Werner
da bin ich ganz bei Ihnen, bin jedoch sehr zu versichtlich das in Anbetracht der Ereignisse die dieses mal unausweichlich da unvermeidlich hereinbrechen aus dem Schaf der Wolf wird der den Hirten reisst und aus dem Michel der Hermann.. und letzten Endes wird der Schreiberling sich mit dem Dolch vertraut machen und den Stift beiseite legen.. Kopf wird zu Bauch..

Ist Jesus nicht
auch gekommen um das Schwert anstelle des Wortes zu bringen?

Keine Ahnung ob es en vogue ist Video Links einzustellen - ich riskiere es einfach mal, vielleicht augenöffnend für jede die noch nicht verstanden haben das das Ende der Bequemlichkeit nah ist.

https://www.youtube.com/watch?v=q7QHrBmtJqs
Der_Jürgen
25. November 2015 08:12
@Werner H.
Ein sehr fundierter Kommentar!

Michael Stürzenberger erklärt gerne, man müsse die Islamisierung unter Berufung auf das Grundgesetz und die Demokratie bekämpfen. Doch wer wird für ein Grundgesetz kämpfen und notfalls sterben wollen, das dem Bürger Meinungs-, Forschungs- und Pressefreiheit zusichert - Freiheiten, die in der Praxis ständig mit Füssen getreten werden? Wer wird für eine Demokratie kämpfen und nötigenfalls in den Tod gehen wollen, die darin besteht, dass das Volk die Auswahl zwischen Parteien hat, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen und alle dieselbe kriminelle Politik vertreten? (Die Herren Höcke und Gauland mögen entschuldigen; sie sind glaubwürdig, aber die Spitze ihrer Partei nicht, und deren Programm sieht immer noch den Verbleib Deutschlands in der Nato vor.)

Ob Deutschland und Europa gerettet werden können, hängt vor allem davon ab, ob sich genug Deutsche und andere Europäer finden werden, die bereit sind, für traditionelle europäische Werte zu kämpfen und notfalls ihr Leben zu geben.
Der Gutmensch
25. November 2015 08:14
Die Kanzlerin setzt sich aber nicht ab, wo kommen wir denn da hin! Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Vertrauensfrage, die Schröder mit der Frage der deutschen Intervention im ehemaligen Jugoslawien verbunden hat? Schreibt es jemand Schröders Charme zu, dass beides positiv für ihn ausging? Ich glaube, Aufklärung ist doch für etwas gut!

Natürlich ist ein Vertrauensverlust zu beobachten. Die Frage ist nur, wer den herbeigeführt hat. Dass Kabinette schräge Parolen rausgeben, wenn man sie in ein Panoptikum zwingt, liegt doch auf der Hand. Dass andere aber die Gelegenheit nutzen, aus noch aus der schrägsten Parole für sich rauszuholen was geht - das macht mir Sorge.
Optimist
25. November 2015 08:26
Vertrauensnbruch?

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Frau Dr. M. und viele unserer elitären Vordenker haben erkannt

Dieser rechtsradikale, selbstsüchtige, rassistische Schwur erdreistet sich tatsächlich das deutsche Volk in den Mittelpunkt zu stellen. Pfui Teufel, darf man überhaupt vom deutschen Volk reden? (politisch dermaßen unkorrekt) und dann auch noch seinen Nutzen mehren!!! Vollkommen daneben, sowas geht nämlich immer auf Kosten anderer...widerlich!

politisch korrekt wir der Eid geringfügig anders in die Tat umgesetzt

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle der Welt widmen, ihren Nutzen mehren, Schaden von ihr wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes nötigenfalls beugen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.

Ich für meinen Teil gestehe, dass ich bis heute immer noch fälschlicherweise von einem Meineid ausgehen. Meine intellektuellen Spielräume sind leider zu limitiert, um die wahre Größe unserer Kanzlerin nebst unserer politischen Eliten zu erkennen.
Hartwig
25. November 2015 09:05
@L.Meyer auf der Suche nach einem Weg. "Überwintern" war vor Monaten ein Stichwort. "Eine neue Kirche" war meine Interpretation, ebenfalls vor Monaten. Eine Sekte, Wehrdorf, Kloster; oder genügt eine virtuelle Gemeinde?
In Ansätzen ist so etwas schon da. Ich denke an völkische Siedler oder städtische Kommunen. Und der von @Meyer beschriebene Zerfall gesellschaftlicher Struktur wird diese Ansätze verstärken.
Ich habe mir vor Wochen auf Empfehlung hin die Mühe gemacht, den Gottesdienst einer ev. Freikirche zu besuchen. Mein flüchtiger Eindruck der Gemeinde: Autarkie, Dynamik, Inbrunst, Verbundenheit, Stärke.
Mir fallen die Einlassungen von T. Schmidt auf ernstfall.org ein, der seinerseits bestimmte Strukturen innerhalb der kath. Kirche erwähnte.
Ein Zerfall im Großen und ein Gedeihen im Kleinen wird wohl ein wahrscheinliches Szenario sein.
Die geistige (Über-)Aufgabe könnte darin bestehen, diesen vielen "Wohnungen" ein gemeinsames "Dach" zu bieten, eine geistige Klammer.
... Und von Leuten, die "... wollen, dass die Grenzen dicht gemacht werden, aber nie rechts wählen würden ..." muss man sich besser früher als später abwenden.
muotis
25. November 2015 09:48
Eine mögliche Spur: die von Ihnen angesprochene Asengläubigkeit, die natürlich nichts oder wenig mit der Praxis des alten Glaubens unserer Vorfahren zu tun hat. Aber die Idee von Göttern oder - entpersonalisiert - Mächten, die Vertrauen schaffen in die eigene Kraft, in den göttlichen Funken, der in jedem Menschen glimmt. Bei unseren Ahnen hatten viele Stämme eine eigene Zusatzgottheit, die wohl ein Symbol war für die Volkseele. In Zeiten fortschreitenden Identitätsverlustes von Gesellschaften könnte ein solches Modell wieder an Attraktivität gewinnen. Und außerdem: Einäugige Weise in Begleitung von Raben und Wölfen als Reminiszenz an Transzendenz und Sinnsuche sowie hammerschwingende Kraftprotze als Idealisierung des letzten Mittels, nämlich der kriegerischen Gewalt, scheinen in Zeiten des Institutionenverlusts wohlmöglich besser geeignet als Nächstenliebe und Selbstaufgabe.
Aber es kann natürlich auch alles zum Islam hin tendieren. Wer weiß das schon!
enricolevi
25. November 2015 10:26
Nicht schon wieder eine neue politische Theologie! Bitte nicht, davon haben wir doch gerade mehr als genug.

Hieß es nicht, als es um erstmalige deutsche militärische Auslandseinsätze ging, Deutschland dürfe sich hier nicht schon wieder einen Sonderweg erlauben, wenn es darum ging munter mit den Alliierten mit zu tun beim Herbeibomben des Friedens? Erinnert man sich noch des Geschreis, das anhub als Deutschland es tatsächlich wagte, in Libyen außen vor zu bleiben? Die Bomben in Libyen, im Irak, in Syrien haben die staatlichen Strukturen in diesen Ländern nun so weit destabilisiert, dass dort die Kette der Tradition gerissen ist und die Leute dort halt- und heimatlos geworden sind und nun ihre nur allzu verständliche Verwirrung und Haltlosigkeit zu uns importieren.

Bei der Aufnahme der Flüchtlinge werden alle Bedenken gegen den deutschen Sonderweg per Federstrich zur Seite gewischt. Der neue deutschen Sonderweg der Republik der Heiligen aus Pastoren, Pastorengattinnen und Pastorenkindern wie Gauck, Göring-Eckart oder Merkel, (in Ostdeutschland von Alt-SEDlern, säkularen Bauernpfaffen, sozialisiert) wird es noch schaffen, nicht nur Deutschland zu spalten, sondern ganz Europa auseinander zu reißen. "Was für ein vernichtender und von Irrationalismus getriebener Größenwahn gegen ganz Europa! – Nirgendwo wird der prophetische Wille zur Heiligkeit als Mischung aus Krankheit und Wille zur Macht so deutlich erkennbar wie in diesem Deutschland" (anonymus). Nietzsche lässt grüßen, auch er stammte ja aus dem evangelischen Pfarr- und Narrenhaus. Bleibt mir vom Leib mit Eurer politischen Theologie.

Keine Gewalt! Das ist die einzige Theologie, die ich akzeptiere.

Gewalt allenfalls, wenn es darum geht, das Eigene mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Und bitte: Verteidigung des Eigenen nur an der Grenze in Passau und nicht am Hindukusch oder ähnlichen Stellen wie Libyen, Syrien oder dem Irak, wo wir nichts verloren und ergo nichts zu suchen haben.
Kiki
25. November 2015 10:34
@WernerH.
Da dies eine kultivierte Seite mit Anspruch und Niveau ist, bietet sie weder dem Kommentierungswilligen noch -wütigem jene Palette an kleinen gelben Grinsgesichtchen an wie andere (nicht zwangsläufig schlechte) Netzseiten.

Daher bitte ich Sie darum, sich hier mindestens 12 volle Zeilen mit hesftig nickenden, applaudierenden und fahnenschwenkenden Grinsgesichtchen vorzustellen.

Vor allem wie Sie dieses ganze eklige Konstrukt "neuzeitliche Philosophie des Westens" samt seinen schmierigen Konstrukteuren bezeichneten, gefiel mir sehr gut. Es sind nämlich wirklich alles Idioten.

Ein gelehrter Priester des alten Schlages meinte neulich, das Wesen des modernen Denkens bestünde darin, sich dumm zu stellen und das virtous und wortmächtig zu ignorieren, was jedem in die Augen springt (etwas ähnlich wird Voegelin mit seinem Vorwurf des gnostischen Denkens der Neuzeitler gemeint haben).

Aber wie dem im einzelnen auch sei, die Tatsache bleibt, daß die säkulären Lehrer und Schüler der letzten Jahrhunderte allesamt Idioten und Trottel sind (daran ändert auch ihr imposantes Wortgeschepper nichts).

Die sind das allenfalls Problem aber niemals die Lösung.
Heiko Sprang
25. November 2015 10:36
Es ist für mich noch nicht ausgemacht, ob der demokratisch verfaßte Staat, mit "kantianischem" Grundgesetz, mit Notwendigkeit auf Dauer seine Struktur nicht halten kann, erodiert und letztlich implodiert. Vieles deutet darauf hin, denkt man z.B. an die Weimarer Republik und auch die heutige Zeit der Masseneinwanderung. Lassen wir diese Frage einstweilen dahingestellt sein.
Das derzeitige akute Staatsversagen ist aber doch nur die Oberfläche, es geht vielmehr ums Kulturelle, Vorpolitische, letztlich der Wiedergewinnung einer Spiritualität für die Europäer, die nur eine christliche sein kann.
Insofern: Vollste Zustimmung zu den Konsequenzen, die Lutz Meyer zieht.
Glaube und Vernunft gehören eh zusammen, und daß das Mysterium das Eigentliche ist, ahnt man auch.
Also: Katechese machen, Bekenntnis ablegen.
Vorher am besten noch die Frau überzeugen.
Frage in die Runde: Wo geht man dafür hin in Deutschland, wenn man sich bei M. Mosebachs "Häresie der Formlosigkeit" wiedergefunden hat. Die Hauptkirchen scheiden eher aus. Orthodoxie? Piusbüder?
Heiko Sprang
25. November 2015 11:06
@kiki
Falls Sie Ironie verwenden, bitte ich Sie höflichst um Kenntlichmachung.
Andernfalls: Ihre Verachtung bzw. Beschimpfung unserer Denktradition finde ich unangebracht.
Hochmut ist die achte und höchste Stufe auf der Sündenleiter des Evagrius.
Spr. 3,34 "Der Herr stellt sich den Stolzen entgegen, den Demütigen aber gibt er seine Gnade."
KAB
25. November 2015 11:25
@Heiko Sprang

wir gehen lieber in den Wald anstatt in die Kirche. Die Mutation des Menschen hin zur Person hat den Ursprung im Verlust der Überlebensfähigkeit respektive der Entkopplung des Menschen von der Natur. In die Natur gehen - Mensch werden - Aggresivität (nicht zu verwechseln mit Aggression) zulassen wäre meine unbedingte Empfehlung.

Btw. Die Durchgeknallten wird es wenn der Startschuss gefallen wenig interessieren welcher Konfession die Kirche hat die sie mit Wonne in Brand setzen.
Carl Reiter
25. November 2015 11:30
"Frage in die Runde: Wo geht man dafür hin in Deutschland, wenn man sich bei M. Mosebachs „Häresie der Formlosigkeit“ wiedergefunden hat. Die Hauptkirchen scheiden eher aus. Orthodoxie? Piusbüder?"

Antwort: Zur Petrus- oder Piusbruderschaft! Ich bin auch durch die Lektüre von "Häresie der Formlosigkeit" auf die tridentinische Messe aufmerksam geworden und ging anfangs zu Petrusbruderschaft, mittlerweile zur Piusbruderschaft. Die Piusbruderschaft ist etwas "konservativer" und strenger in ihrer Kritik. Man muss auch wissen, dass ihr kanonischer Status derzeit ungeklärt ist.

Eine - für die öffentlich-rechtliche Verhältnisse - relativ faire Dokumentation über die Piusbruderschaft kann man sich hier ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=6X8bLSC3c7g
Jürg Rückert
25. November 2015 11:33
Das Bild im Hintergrund ist eine Variante einer Karikatur mit Hakenkreuz schwingenden Deutschen anno 1933: Alle marschierten in ein Massengrab.
Als kleines Kind sah ich ein enormes Ölgemälde in einem Schloss, das meine Fantasie länger beschäftigte: Von der rechten Seite kamen die Verdammten in endloser Reihe anmarschiert. Ein schwarzer, tierisch entstellter Teufel (mit Augen auf dem Hintern, damit ihm nichts entgehe) trieb dann die erkennbar Jammernden in das Maul eines riesigen Wals.
Dieses Bild war zeitlos gedacht und damit immer aktuell!

Die Nennung des Vertrauensverlustes trifft einen Nerv bei allen, die eine gewisse Distanz zum Geschehen halten können.
Früher sah ich nach oben: Oh, ein Bischof. Oh, ein Minister. Heute sehe ich nur noch hinab.
Gegen das tägliche Opium des volkspädagogisch infiltrierenden Medienkomplexes habe ich nur noch Verachtung und inzwischen sogar ein Quäntchen Hass.

Der Staat bietet keinen Schutz unseres Eigentums, unserer Ersparnisse. Er macht uns mittellos und wir alle werden ihm aus der Hand fressen müssen. Genau das ist gewollt.
Mit Euro und TTIP liefert er sich selbst und damit uns an eine „Goldene Horde“ aus.
Er wird uns in Bälde keinen zuverlässigen Schutz vor der Gewalt der Straße bieten können.
In seiner Schwäche wird er ihm gefährlich werdenden Hordenbildenden alles geben, was er jenen, die ihm nicht gefährlich werden können (sozial schwache Altbürger) nehmen wird.

Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Verachtung der Korruption, Fleiß, Ehrlichkeit usw., also jene von H. Schmidt genannten Primärtugenden (mit denen man nach Lafontaine auch KZ` s bauen könnte), schwinden sowohl im hausgemachten Wertewandel als auch über die mitgebrachten „Haustugenden“ der Zuwanderer.
Die Singvögel schwinden, die Rabenvögel übernehmen.

Egal was vernünftige Bürger heute sagen oder tun, es bleibt wirkungslos. Es ist nicht wie 1933, es ist wie 1938. Aber wir können von uns nur sagen: Wir waren keine Mitläufer!
Eine Konsequenz ist für mich zwingend: Eure Kirchen und Paläste werde ich nicht löschen. Ich werde dann nur den St. Florian um Hilfe anrufen.

Anmerkung Meyer zum Bild: Man kann es auch anders sehen - die Menge marschiert im Rückwärtsgang (quasi reaktionär) aus dem Ungeheuer heraus. So hat Kubin es zwar nicht gemeint, aber was spricht eigentlich gegen eine Neuinterpretation gegen den Strich?
Exmeyer
25. November 2015 11:52
Sehr geehrter Herr Meyer,

Sie beschreiben in Ihrem Aufsatz eine zu erwartende Lageentwicklung. Diese stellt einen Minimalkonsens dar. Wer diesen nicht teilt, schließt sich aus einem WIR aus. Und: Zu einem WIR kann nur gehören, wer darüber hinaus bereits reale und meßbare Anstrengungen unternommen hat, dieser Lageentwicklung angemessene Strukturen und Fähigkeiten zu entwicklen.

Alle anderen haben mit einem "WIR", das auch mich umfaßt, nichts zu tun. Die quatschen nur und teilen ihr Unbehagen oder ihren Defaitismus mit. Zur Entscheidung und zum Handeln nicht geeignet. Das gilt auch für diejenigen, die auf Lösungen hoffen, die außerhalb ihrer selbst sind. Altheidnische, Katholische oder christliche Kirchen, Gemeinden oder ähnliches (Schmidt und ernstfall.org sind natürlich nicht gemeint).
Es wird zudem auf viele verschiedene WIRs hinauslaufen. Diese unter einer Fahne zu vereinen, ist schwer. Obwohl es dazu aktuell ein - in struktureller Hinsicht - eindeutiges Vorbild gibt, das ich keinesfalls mit seinem Namen benennen werde. Wer das strukturelle Beispiel nicht aus eigener Kraft sieht, ist sowie nur ein abgeschlagener "Konsument". Allerdings gibt es auch mehr als eins. Und keines trifft "voll".

Selbst für diejenigen, die das Heil im Katholizismus suchen, muß eindeutig klar sein, daß dieses nicht in und nicht mit, sondern nur _G_E_G_E_N_ die römische "Kirche" zu haben ist.
Der Protestantismus ist als Hort des preußischen Militarismus durch die Alliierten nach 1945 geschliffen worden. Übrig geblieben ist eine Lachnummer für menopausale Waschweiber. Die römische Kirche mußte gar nicht erst geschliffen werden. Nur in ihren "allerbesten" Zeiten war sie kurzzeitig und ausnahmsweise mal nicht Feind selbstbestimmter Nationen, besonders der deutschen. ZUDEM: Wo ist, ganz praktisch und alltäglich, eigentlich der Unterschied zu den Evangelen? Ich kann das Gewäsch von der Kanzel nur an wenigen Formalien unterscheiden. Und ab ubnd an am Geschlecht der Vorturner.

Es braucht eigene Strukturen.

Diese Ansätze zur zwingend NOTwendigen Übernahme der Eigenverantwortung und der zu bildenden Strukturen werden dezentral und von unten wachsen, quasi "bottom up". Hingegen hat das mit den prominenten Versuchen, in der BRD zu retten, was zu retten ist, siehe EINPROZENT, PEGIDA, AFD, nichts zu tun. Diese wirken anders, medial und ""top down". Diese Ansätze stehen und wirken unabhängig voneinander. Es handelt sich dabei um grundverschiedene Ansätze, die auch nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sich sogar im besten Falle gegenseitig ergänzen, als Hammer und Amboß.

Daß dies hier so prominent angesprochen wurde! Es sind ja bis jetzt sehr wenige, die sich mit EXISTENZIELLEN Fragen beschäftigen und sich dazu äußern.

_________________________________
Allgemeine Anmerkungen:

I. Vertrauen ist der Wirtschaftsfaktor Nummer eins; und zwar vor Steuersätzen, Infrastruktur, Bildung und innerer Sicherheit.
1. Dieses Vertrauen ist in den wirtschaftlich erfolgreichen, sprich mittel- und nordeuropäischen Völkern am ausgeprägtesten unter allen Völkern.
2. Dieses erodiert.
3. Dazu gibt es - gerade unter nordiden - eine Studie, die feststellte, daß ein menschlicher Typus, mit einer bestimmten, unter Nordeuropäern am häufigsten anzutreffenden Genvariante, unter vertrauensverhältnissen aufgewachsen, sich zu einem sozial-integrierten Lesitungsträger entwickelt. Deutlich verstärkt zu Nichtträgern dieser Genvariante. Derselbe Typus aber, der dieses Vertrauen nicht entwickeln konnte, zu krasser Kriminalität und Gewalt neigt ("Kriegergen" Typ II - "Bersteiger-", "Kitesurfer-" Gen). Diese war dann ausgeprägter als bei anderen Gen-Varianten (zumindest im Durchschnitt . Wiedergabe nach Erinnerung).
4. Das läßt auf lange Sicht für eine völlige Veränderung der innenpolitischen und wirtschaftlichen Lage schließen, wenn die allgemeinen Entwicklungstendenzen anhalten - und nicht in ihr Gegenteil verkehrt werden.
5. Anmerkung zum "Kriegergen". Typ I, gehäuft zu finden unter Südländern, führt unter existenziellem Streß zur Ausschaltung des Frontallapens im Gehirn. Das sind die medienbekannten "Nach- und Tottreter". Typ II, unter Nordiden, Typ: Blonder Freeclimber, lernt die Kontrolle und wird dafür mit Endorphinen und Dopamin belohnt. Risikojunkies, Ausdauerjunkies.

II. Der VERTRAUENSVERLUST ist nicht das Ende. Er stellt den WIRKLICHEN Neuanfang nach 1945 dar. Wir erhalten zum erstenmal die Chance, Deutschland von unten auf neu zu errichten.

III. Von wegen BRD und Entwicklung zum totalitären, autoritären Staat:
Es wird von etwa 1% Gefährder unter den Zuwanderern gesprochen. Vor Monaten kursierte die Zahl 4000. Für eine volle Observation benötigt man etwa 24 Personen pro zu observeirender Person. Macht über 30.000 Observierer. Welche Polizei, welcher Nachrichtendiesnt in Deutschland verfügt über diese Zahlen, ZUSÄTZLICH. Wenn die Zahl der politischen Dissidenten auf der Rechten ansteigen sollte, wieviele Pegidisten?, Wieviele AfDler?, wer wollte sie effektiv kontrollieren?
Das schaffen "die" nicht. Nie und unter keinen Umständen.
und die wachsende Kriminalität ist mjicht eigenrechnet. Wenn "die" diese nicht in den Griff bekommen, ist der Zuwachs auf der rechten nicht mehr auszumalen.
Wenn, WENN!, "die" der Lage Herr werden wollen, können die gar nichts anderes tun, als das was seit 30 Jahren die Forderungen von rechts sind.

IV. Zum Religiösen.
... schreibe ich hier nichts. Dieser Punkt, der ja die offen gelassene Fragestellung, DIE Kernfragestellung unserer, wahrscheinlich jeder Zeit, ausmacht, ist der entscheidende auch jetzt.
Soviel nur dazu:
Antiheidentum, Antikatholizismus und Antivengelizismus sind nichts weiter als jeweils die Zerstörung von uns selbst.
Der Sachliche
25. November 2015 12:16
Der Fatalismus, der aus vielen Texte auf dieser Seite spricht, ist für mich als Familienvater, Lehrer an einem Gymnasium und Mitglied eines kommunalen Parlamentes irritierend und auch kaum nachzuvollziehen. Trotzdem auch ich viele Entwicklungen unserer Gesellschaft ausgesprochen kritisch sehe, bin ich froh, in einem Land zu leben, das mir und meiner Familie Wohlstand, Sicherheit, Zukunftsperspektiven und vor allem Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Fast jede noch so krause Position, die heute über das Internet für die Allgemeinheit sichtbar wird, kann geäußert werden. Manchem hier möchte ich zurufen: Verlassen Sie die Studierstube, treten Sie hinaus ins Leben und beginnen Sie im Rahmen der demokratischen Mitgestaltungsmöglichkeiten daran mitzuwirken, dass das Leben in diesem Land lebenswert bleibt. Doch hoffen Sie dabei nicht zu einseitig auf die AfD. Schill-Partei, Statt-Partei, Republikaner usw. haben schnell ihr wahres Gesicht gezeigt, wenn sie erst mit an den "Fleischtöpfen der Macht" saßen.
Exmeyer
25. November 2015 12:21
Bis eine kollektive religiöse Alternative entstanden ist, denn es gibt derzeit keine: Meine Kirche ist die Preußische Armee, mein Kreuz ein eisernes, mein Heilland der Große Kurfürst. Meine Gemeinde ist die der kalt Entschlossenen.

Und alle anderen sind Geisterfahrer. Und sie wissen es. Alle.
Monika
25. November 2015 12:37
Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto,
sicut erat in principio et nunc et semper
et in saecula saeculorum, amen.


Trinitarische Doxologie aus dem 4. Jahrhundert

1. Der Analyse von Lutz Meyer kann ich folgen. Die staatlichen, kirchlichen und sozialen Strukturen in Europa zerfallen rasant. Neue Strukturen haben sich noch nicht herausgebildet.

2. Über die Ursachen kann man politische, philosophische, theologische, soziologische, biologische Theorien bilden. Allein, Theorien sind weder wahr noch falsch, allenfalls brauchbar.

3. Mit schwindendem Wohlstand wird die Mehrheit der Bürger erkennen, daß noch mehr auf der Strecke bleibt: Sicherheit, Sorglosigkeit, Vertrauen in die sozialen Sicherungssysteme. Das, was wir unsere europäischen Werte nennen.

Wir erkennen langsam, daß "es nie wieder so werden wird, wie es war".

Und meinen, tätig werden zu müssen. Selbstvertrauen und Urvertrauen werden plötzlich relevant.

Aber Herr Meyer, warum haben Sie das Gottvertrauen verloren ? Oder noch nicht gefunden ?
Vertrauen hat mit Treue zu tun !
Wer uns treu ist, dem können wir vertrauen.

Es wird nie wieder so werden, wie es war !

Dem steht entgegen die trinitarische Doxologie der Form
(gegen die Häresie der Formlosigkeit, @Carl Reiter@Heiko Sprang)

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
Wie es war im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.



P.S.
Im Religionsgeschichtlichen Rückblick wird die Regensburger Rede von Papst Bendikt 16. vom September 2006 die entscheidende Zäsur für den Niedergang der abendländischen, institutionell verfassten Kirche darstellen:

http://epub.uni-regensburg.de/406/1/Papstredeneu.pdf

Wir kommen m. E. in eine Art vorkonstantinische Zeitenwende.
Klaus Scholz
25. November 2015 12:41
Sehr geehrter Herr Meyer,

als regelmäßiger Leser dieser Seiten & in weit überwiegender Übereinstimmung mit dem hier Geschriebenen, muß ich Ihnen gleichwohl widersprechen. Vertrauenserosion zu diagnostizieren ist sicherlich richtig, alle Umfragen belegen dies nachdrücklich. Daraus einen Akt des Widerstandes zu konstruieren, finde ich angesichts des geradezu schizophren anmutenden Meinungsbildes, daß relevante Umfragen in diesem Lande belegen, falsch & auch gefährlich, denn es gaukelt etwas vor, was es nicht gibt. Eine Mehrheit der Menschen sieht & benennt zwar Probleme, wählt jedoch gerne weiterhin deren Verursacher. Widerstand bleibt weitestgehend auf Sachsen beschränkt & ist weder dort, & schon gar nicht darüberhinaus, mehrheits- oder auch nur anschlußfähig. Bislang gelingende Versuche, wie z.B. der offenbar positive Start der Ein Prozent Aktion, sollten nicht überbewertet werden, die Identitäre Bewegung besteht in Deutschland überwiegend aus virtuellen Gruppen. Schon gar nicht glaube ich, daß die Flucht in einen finsteren Mystizismus & eine mit Wunschdenken & dunklen ahnungsvollen Hoffnungen durchwirkte metaphysische Überhöhung der eigenen Hilflosigkeit angesichts des gegenwärtig offensichtlich unabwendbar Erscheinenden in irgendeiner Weise weiterführt. Wir alle haben kein Rezept. Dies dürfte daher kommen, daß der übergroßen Mehrheit das Bewußtsein für das Geschehen entweder fehlt, bzw. abhanden gekommen ist, oder sie ihr „pathologischer Altruismus“ (Martin Lichtmesz) zur Zustimmung zum eigenen Untergang geführt hat. Ein Ihnen sicherlich bekanntes Zitat von Rosa Luxemburg lautet: „Die revolutionärste Tat ist & bleibt, zu sagen, was ist!“
„Wir“ tun sicherlich gut dran, uns zuersteinmal darauf zu beschränken, um vom Tatsächlichen zum Wünschenswerten zu gelangen.

Viele Grüße,

Klaus Scholz
Winston Smith 78699
25. November 2015 13:17
@ Jürg Rückert


Das Bild im Hintergrund ist eine Variante einer Karikatur mit Hakenkreuz schwingenden Deutschen anno 1933


A. Paul Weber. Vorbilder: Bosch: Christus im Limbus; Bruegel d.Ä.: Die tolle Grete; das Karpfenfroschmaul steht in der musikalischen Hölle (Bosch; rechts) neben der Drehleier und im Heuwagen (Bosch; rechts) als einer der Häscher;


ein Massenmarsch in den Tod, angeblich von Bosch
;

Hier ein noch deutlicheres Vorbild, nicht von Bosch selbst:

Anonym?.

Das Interesse an dem Bildchen von Kubin und dessen Referenzen deuten an, welcher Vergleichsmaßstab für das Gegenwärtige und Kommende sich aufdrängt. Mythenbildende Zeiten oder auch Grenzerfahrungen erzwingen irrationale Mentalität. Siehe den Expressionismus, siehe Gryphius, siehe die Kindertotenlieder. Je später man sich dem öffnet, desto unkontrollierter kann es dann ausbrechen, als bloßer Irrsinn. Dies ist meinerseits mehr Frage als Behauptung.

Brzezinsky

@ Andreas Walter: Alles zu seiner Zeit? Die Idee des Urvertrauens kann man leicht mit allem möglichen aus der Vergangenheit in Beziehung setzen. Ist das ein derzeit recht verbreiteter Reflex oder eine böswillig kollektiv ankonditionierte Reaktion? Aber sind denn die Rahmenbdingungen von Stabilität und Sicherheit überhaupt noch vorhanden, in denen man sich solche Empfindlichkeit leisten kann? Wo beginnt Notwehr? Wann ist der Punkt erreicht, ab dem man es nicht mehr fertigbringt, an mögliche Folgen oder Parallelen zu denken? Die Bilder von Bosch zeigen mir Zustände wie in diesen Zombiefilmen (von denen ich rein gar nichts verstehe, daher keine Wertung).
Stil-Blüte
25. November 2015 13:34
Bisher verkennen wir immer noch die totale Nichtigkeit unseres Staates, unseres Rechtswesens angesichts, nein, nicht angesichts des christlichen Gottes, denn der sagt: 'Gebt des Kaisers, was des Kaisers und Gottes, was Gottes ist', sondern Angesichts Allahs. Alles, aber auch alles, kommt für j e d e n Moslem direkt, unmittelbar, ungefiltert von Allah: die Geburt sowieso, der Tod sowieso, aber alle irdischen Siege und Niederlagen auch, Hartz IV kommt direkt von Allah, ein gelungener Raubüberfall kommt direkt von Allah. Was ist dagegen ein Grundgesetz, eine Verordnung, ein Vertrag, ein Formular, eine Unterschrift auf einer Einbürgerungsurkunde, eine Einladung zum Dialog. Es ist immer ganz unten im Kopf eines jeden Moslems angesiedelt. Christus sagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.' Der Islam sagt: Mein Reich ist im Himmel und auf Erden. Daher sind wir den Moslems auch nicht gewachsen. Unser christlicher Gott war das letztemal in den Kreuzzügen präsent, aber auch nur, weil es das christliche Ethos verletzt hat, und es noch keine Reformation, wenig Aufklärung gab und sich 'passion' als Leidenschaft u n d Leiden die Waage hielten.

Diese geschichtslose, allen Strömungen zum Trotz, geschlossene Religion ist ehern, statisch, fundamental und hat eine Kraft durch einen einzigen Zauberspruch, der jeden Tag rund um den Globus milliardenfach gerufen, geschrien, gesendet wird Allah akbar . Diesen Ruf hören auch Moslems, die weltlich gesonnen sind. Und er verfehlt seine Wirkung garantiert nicht, ergeht den 'Traditionschristen' ebenso, wenn sie einmal im Jahr Händels 'Halleluja' oder Bachs 'Weihnachtsoratorium' hören.

Uns Christen ist die 'ewige Leier', der Rosenkranz, das tägliche Gebet langweilig geworden, immer was Neues essen, sehen, hören, erleben; Abwechslung.

Oswald Spengler hat über die Statik des Islam in 'Untergang des Abendlandes' bestens referiert.

Woher könnte Hilfe, vielleicht sogar Rettung kommen? Ja, schauen wir ruhig gen Osten. Nicht nur nach Ostdeutschland, noch östlicher. Nach Rußland. Rußland hat in 70 Jahren finsterster Totalität buchstäblich 'überwintert' und ist nicht erfroren. Dort feiert die orthodoxe Inbrunst und Andacht Renaissanceblüte.

Unseren Alltag, unser Refugium, unsere Insel, unsere Nische, auch wenn die Selbstverständlichkeit in der Zermonie verdunkelt ist, mit so vielen Attributen unserer Überlieferung wie möglich zu pflegen, zu schmücken, weiterzugeben, zu verteidigen, zu be - w a h r e n , ist die Pflicht auch dann, wenn wir Höheres oder Größeres anstreben: in der Tradition bleiben.

Wahlverwandtschaften gibt es allemal: Die Japaner pflegen inzwischen unsere Klassische Musik mehr als wir selbst. Und unsere Weihnachtsbräuche lieben sie ohne Ende. Unterschätzen wir nicht, wenn wir nicht zu Größerem geboren/berufen sind, die Überzeugungskraft der bescheidenen alltäglichen Zeichen eigene Sitte, Tradition, Sprache, Herkunft. Aber auch ein äthiopischer Prinz, Asfa-Wossen Asserate mit seinen Büchern 'Draußen nur Kännchen'. Meine deutschen Fundstücke und 'Deutsche Tugenden' steht uns heutzutage zur Seite.


@ Jörg Rückert

Eure Kirchen und Paläste werde ich nicht löschen


Schade, und gerade die gilt es als unwiederbringliches Erbe, als Geschaffenes, das allen und nicht denen gehört, zu retten. Denken Sie nur an Dresden!
Thomas Wawerka
25. November 2015 13:54
Der Sachliche: Trotzdem auch ich viele Entwicklungen unserer Gesellschaft ausgesprochen kritisch sehe, bin ich froh, in einem Land zu leben, das mir und meiner Familie Wohlstand, Sicherheit, Zukunftsperspektiven und vor allem Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Fast jede noch so krause Position, die heute über das Internet für die Allgemeinheit sichtbar wird, kann geäußert werden. Manchem hier möchte ich zurufen: Verlassen Sie die Studierstube, treten Sie hinaus ins Leben und beginnen Sie im Rahmen der demokratischen Mitgestaltungsmöglichkeiten daran mitzuwirken, dass das Leben in diesem Land lebenswert bleibt.

Das ist wacker und gut gemeint, lieber Sachlicher, aber aus anderer Perspektive ist es eben ein von einer transatlantischen Finanzdiktatur abhängiges Land, und sobald man aus der Studierstube tritt, sieht man die Resultate eines gigantischen linksliberalen Gesellschaftsexperiments, inkarniert in konkreten Personen, durch eine kafkaeske Welt stolpern. Manch einer, der das so sieht, möchte daran nicht teilhaben. Manch einer möchte das, was uns als "demokratische Mitgestaltungsmöglichkeit" angeboten wird, gar nicht nutzen, denn er kann es nur in einem Rahmen nutzen, den er nicht befürwortet, und für einen anderen Rahmen, für eine grundlegende Alternative gibt es solche Möglichkeiten kaum. Manch einer möchte diese kafkaeske Welt nicht noch durch seine Mitarbeit bewahren. Manch einer hätte lieber mehr Selbstbestimmung als demokratische Mitgestaltung. Manch einer findet das Leben in diesem Land nicht sonderlich lebenswert. - Wenn Sie einmal aus der "Perspektive der Alternativlosigkeit" ausgestiegen sind und über den Tellerrand geblickt haben, wenn Sie auch das letzte Denkverbot überwunden und das schlechthin Unhinterfragbare hinterfragt haben, dann würde Ihnen Ihr eigener Vorschlag gewiss ein bisschen wie das Kästnersche Kakaotrinken anmuten.
der Gehenkte
25. November 2015 13:59
Lugt da noch das alte Utopiedenken des Linken durch? Bei aller Liebe, scheint mir doch der Wunsch Vater des Gedankens zu sein.

Von oben nach unten:

Urvertrauen – ein schönes Wort – kann man nicht machen, herstellen, kreieren: Es ist da oder nicht, es ist vorzeitlich und wenn es einmal verloren ist, wenn Gott einmal tot ist – ganz gleich, ob wir ihn getötet haben oder er sich oder er nur eine Fiktion war – dann bedürfte es eines kompletten Neuanfangs, so etwas wieder zu ermöglichen. Denn nur eine Transzendenz kann doch gemeint sein, oder spielen Sie etwa auf den psychoanalytischen Abklatsch an? Die Gedankengebäude dazu wären ja da, von Meister Eckhart über Heidegger bis Bahro –, allein: mir fehlt der Glaube. Hier sind wir wieder beim Thema Machbarkeit (siehe Lichtmesz). Als Marxist sollte man eigentlich wissen, daß das Sein das gesellschaftliche Bewußtsein bestimmt und wie sollte in Zeiten von Technik und Machenschaften je wieder ein Urvertrauen möglich sein? Im Gegenteil: Diese Prozesse sind objektiv und unabänderlich. Man sollte besser darüber nachdenken, wie man innerhalb dieser Klammer noch agieren oder von mir aus auch nichtagieren kann.

Stichwort: „innere Abkehr“! Auch eine feine Sache aber eben individuell. Einschneidender vielleicht, aber doch nur für den je einzelnen. Die „eiskalte Tiefe“ klingt nett nietzschisch aber „der Staat“ – das „kälteste aller Ungeheuer“ – kann sicher mehr Kälte generieren und auf ihr bißchen dankend verzichten. Innere Abkehr wäre nur als äußeres Mittel sinnvoll, dann wenn sie organisiert werden könnte – eine Art contradictio in adjecto. Das war es ja, was Bahro z.B. versuchte. Damals zumindest noch eine Denk-Option, heute schlicht und einfach: too late!

Sie überschätzen die Menschen, Herr Meyer. Selbst wenn der kleine Bevölkerungsteil – den sie im „WIR“ subsumieren – noch wachsen sollte, so wird er doch im Verhältnis unendlich klein bleiben. Und auch seine Kündigung wird nie und nimmer endgültig sein – im Gegenteil: zeige den Leuten einen Weg, ein Licht am Ende des Tunnels, eine neue Verheißung, das Unabänderliche noch ein wenig hinauszuzögern und sie werden sich mit Wonne sofort neu versklaven.

Dream on! – Get real!
Exmeyer
25. November 2015 14:15
@ Alle Ultrakatholiken: Wie stellen Sie sich die Rettung des Abend- oder Vaterlandes (oder nur Ihrer eigenen Familien) mittels Katholizismus eigentlich so vor? Ganz konkret meine ich? Wollen Sie Bonifatius gleich eine IS-Fahne ansägen, um zu gucken, was dann passieren wird? Oder den Drogenhändlern um der Ecke mit Weihwasser vollspritzen oder endlich mal wieder ein Hochamt mit Latein und den priesterlichen Rücken bewundern?

Da ist wohl noch etwas Erklärungsbedarf übrig ...
Exmeyer
25. November 2015 14:17
@ Der Sachliche: Sie sind der Kontrapunkt zu meiner Person. Sie verkörpern die DEKADENZ und schreiben nur deshalb hier, weil Sie die Dekadenz am Leben erhalten möchten. Eine Dekadenz, die Sie selbst noch nicht einmal existenziell bedroht sehen; nicht durch die Anforderungen der Notwendigkeit, nicht durch Ihre Feinde. Bestenfalls ein bißchen angekratzt. Nicht Linke, nicht Islamisten, nicht Pazifisten, nicht Masseneinwanderung, noch nicht einmal die Politkaste ist das eigentliche Problem in diesem Lande.

Leute wie Sie sind das wirkliche Problem. Und ich verstehe überhaupt nicht, weshalb Sie hier kommentieren. Es ist doch alles in Ordnung...
Das dürfen Sie ruhig als eine Art virtuelle Kriegserklärung auffassen.

Ursprünglich dachte ich, Sie seien ein (institutioneller) Troll. Nein. Sie meinen das wirklich so?!
Carla Junke
25. November 2015 14:42
@Werner H.

Vielen Dank für den Kommentar. Als Christ kann ich nur noch den Kopf schütteln und was mich sehr besorgt ist die allgemeine Verblendung (auch unter Konservativen, etc.), dass uns iridische Systeme und Ideen aus dem Schlamassel retten. Nein es wird nichts gerettet, nicht mit Technik, nicht mit Philosophie.

Bevor der Mensch nicht erkennt woran er ist (Sündenfall, der Ernst der Lage!) geht es nicht bergauf. Denn die Tragödie befindet sich in jedem Menschen und da kann keine noch so gute Idee uns davon befreien. Das kann nur Gott.
Hugo Treffner
25. November 2015 14:58
@ Der Sachliche

Sie erinnern mich an Gottlieb Biedermann, der die Brandstifter in sein Haus einlädt, um von ihnen verschont zu werden. Es entlarvt präzise eine Geisteshaltung, die der Technik des Totalitären zum Erfolg verhilft. Biedermann und die Brandstifter - eine politische Parabel, die ihre kritische Kraft nicht aus der Entlarvung der Lüge bezieht, sondern aus der Inszenierung der biedermännischen Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen.

„Niemand in Deutschland hat Anspruch auf immerwährende Demokratie und auf freie Marktwirtschaft“ – wer hat das nochmal so gesagt?
Arminius Arndt
25. November 2015 15:19
Sehe das ähnlich wie andere zuvor auch,
die ganze Bibelforscherei bringt uns hier auf Erden nicht weiter, die katholische Kirche ist in ihrem Stamm faul, da helfen auch ein paar sich auf diesem faulen Stamm schön entwickelnde Triebe nicht weiter (jeder, der einen alten Garten hat, kann dieses Bild nachvollziehen). Und das schreibe ich als Christ. Für mich ist aber eine der zentralen Botschaften des Christentums "Mein Reich ist nicht von dieser Welt", will heißen, wir hier "unten" müssen uns schon schön selber um unser rein irdisches Wohl kümmern - die Ausrichtung als Christ geht natürlich immer auf das große, transzendente Lebensziel. Aber dennoch, die Welt ist in der Hand der Menschen.

Übrigens ist die katholische Kirsche, neben so manch anderen Institutionen, ein schönes Beispiel für die Wechselwirkung, welche in den meisten Fällen einem Vertrauensverlust zu Grunde liegt. Am Ende weiß man gar nicht mehr so recht, was eher da war, die Henne oder das Ei, sprich, wer für den Vertrauensverlust verantwortlich war.

In dem die katholische Kirche (aber auch die evangelische, für die das in noch größerem Maße mehr gilt) gedacht hat, man müsse wieder Vertrauen gewinnen, in dem man auf die Menschen zugehe, statt schlicht wie der Vater auf seinen verlorenen Sohn zu warten (hat der Vater je den verlorenen Sohn gesucht, sich zu ihm an den Biertisch gesetzt, mit ihm gezecht, um ihn so wiederzugewinnen? Nein, er hat gewartet und dann bei der Rückkehr sich um so mehr gefreut) hat sie in dieser Motivation Positionen verlassen, ist dem vermeintlichen Zeitgeist hinterher gelaufen und hat damit ein großes Stück an Vertrauen schlicht weg verspielt, weil sie ihre eigenen Werte und Traditionen zur Disposition gestellt hat, um so irgendwie wieder Vertrauen zu gewinnen, mit dem Ergebnis, dass sich all die Zweifler auch noch bestätigt fühlen durften. Vertrauensverluste und Demontage von Institutionen sind Ergebnisse von Wechselwirkungen.

Vertrauen kann man nicht durch Beliebigkeit und Flexibilität erzeugen, sondern durchaus durch Positionen und Standhaftigkeit, Verlässlichkeit. Es gilt am Ende der alte Spruch "everybody's darling is everybody's a ...."

Sieht man auch an unseren Politikern - kann man Leuten vertrauen, die jeder Mehrheit hinter her laufen? Die ihr Fähnchen immer in den Wind halten? Die letztlich immer irgendwie nachgeben?
Eine sog. "repräsentative Demokratie" hat den Vertrauensverlust des Volkes gegenüber den Repräsentanten (Politikern), der durch schlichte Zeit entsteht, vorprogrammiert. Das ist ein quasi eine Art von Systemfehler.

@Exmeyer,
Herrn "Der Sachliche" braucht niemand virtuell den Krieg zu erklären. Er ist im notwendig falschen Bewusstsein verhangen, denn sonst könnte er kein Lehrer sein ... ;)

Gönnen wir ihm sein Vertrauen auf die Staatsknete. Am Ende, wenn alles so weiter geht, wie es derzeit aussieht und wenn keiner eingreift, wird er mit viel Glück noch das arme Dorfschullehrerlein sein. Das ist jetzt kein Spott - ich weiß, dass mir sicher nichts besseres im Alter bzw. für die Zukunft blüht, wenn alles so weiter läuft, wie bisher, aber ich weiß das eben zumindest bereits JETZT.
der Gehenkte
25. November 2015 15:33
@ Exmeyer an @ Der Sachliche:

Egal, wer hier wessen Problem ist - wir sollten beide Seiten, alle Seiten hören und nicht mit Auschlußgesten antworten. Man sollte schon in der Lage sein, zwischen Person und Position zu unterscheiden.

Lieber Sachlicher: Sie haben wirklich ziemlichen Quark geschrieben, wie ich finde, aber Sie haben trotzdem recht - weil Sie es hier geschrieben haben! Den alten Voltaire will ich wegen solch einer Banalität gar nicht erst bemühen.
Machen Sie weiter, sachlich ist schon mal ein guter Anfang, gerade weil Sie anders denken, als viele hier! Ich jedenfalls suche das Gegenargument und nicht die Bestätigung.

Lieber Exmeyer:
"Nicht Linke, nicht Islamisten, nicht Pazifisten, nicht Masseneinwanderung, noch nicht einmal die Politkaste ist das eigentliche Problem in diesem Lande. Leute wie Sie sind das wirkliche Problem."
... hätte ich beinahe geschrieben - aber falsch, nicht Sie, sondern Ihre, besser diese Intoleranz (daß ich dieses Wort hier noch mal benutzen muß, hätte ich auch nicht gedacht) ist das Problem.
Hugo Treffner
25. November 2015 15:34
Eine Betrachtung der Vergangenheit wird allein das rechte Augenmaß geben für Gegenwart und Zukunft.

"Kluge Männer", mahnte bereits vor etwa 400 Jahren der vielerfahrene Florentinische Staatsmann NICCOLO MACCHIAVELLI in seinen "Diskursen", "pflegen, und zwar nicht von ungefähr noch ohne Grund, zu sagen: wer sehen will, was sein wird, muß betrachten, was gewesen ist, weil alle Dinge in der Welt jederzeit eine eigentümliche Ähnlichkeit mit den vergangenen haben. Es kommt dies daher, daß sie von Menschen betrieben werden, welche immer dieselben Leidenschaften besitzen und besaßen und daher auch notwendig immer denselben Erfolg haben müssen."

Die älteste europäische Fabel, die wir HESIOD, einem Bauernsohn, verdanken, schildert die Nachtigall, die in den Krallen des Habichts ihre Unschuld beteuert. Aber dieser antwortet: "Schuldig oder unschuldig - ich bin der Stärkere: ich tue nach meinem Belieben." Und ergreifend schildert er die Not der Armen: "Nimmer am Tag ruhen sie von Arbeitslast und Leid, ja selbst die Nacht nie."

....in einem anderen Hauptgebiet des alten Hellas, in Attika, ist es eine Neuregelung der Bodenfrage, die das Volk aus höchster Not befreit. Hier hatte der Übergang von der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft die Masse des Volkes in tiefes Elend gebracht. Überall erhoben sich auf den Äckern der kleinen Bauern die Hypothekensteine, die den Namen des Gläubigers und die Höhe der Schuld angaben. 18 % galt als gewöhnlicher Zinsfuß. Und nicht nur das Land, sondern auch die Person haftete für die Schuld. Wer nicht zahlen konnte, verlor Eigentum und Freiheit. Dagegen gab es weder göttliche noch staatliche Hilfe; denn die Leihkapitalisten waren Glieder des Adels, deren Standesgenossen zugleich als Priester den Willen der Götter und als Richter das Gesetz des Staates verkündeten.

Die älteste attische Prosaschrift, deren Verfasser nicht bekannt ist, etwa aus dem Jahre 426, rühmt:

Wenn ZEUS Mißwuchs schickt, so werden die Landstaaten schwer betroffen; die Seemächte aber ertragen es leicht. Da Mißwuchs nie gleichzeitig auf der ganzen Welt eintritt, beziehen sie das nötige Brotgetreide aus den Gebieten der guten Ernte!

Und dieselbe Schrift stellt mit Stolz fest, daß Athen allen Ländern vorschreiben kann, wohin sie ihre Erzeugnisse absetzen dürfen:

Wenn irgendein Staat reich ist an Schiffsbauholz, wohin soll er es absetzen ohne die Erlaubnis der Meeresbeherrscherin, oder seinen Überfluß an Eisen, an Kupfer oder Flachs? Aus diesen Erzeugnissen bauen wir unsere Schiffe. Zu unseren Nebenbuhlern lassen wir diese Dinge nicht ausführen. Versuchten ihre Besitzer es, so würden wir ihnen das Meer sperren!

ADOLF DAMASCHKE
Geschichte der
Nationalökonomie

Geschichte wiederholt sich nicht? Anscheinend braucht sie das gar nicht, da sie kontinuierlich fortgesetzt wird. Nur die Namen ändern sich, die Handlung nie.
ingres
25. November 2015 15:49
Zur Religonsthematik meine ich, dass die Kirche nicht deshalb nichts mehr leisten kann weil sie dem Zeitgeist hinter her gelaufen ist. Nein, die Kirchenleute selbst glauben eben nicht. Oder viele eben nicht. Auch ich weiß nicht wie es ist zu glauben. Insofern glaube ich nicht, dass die Kirche bzw. unsere Religion jemals wieder eine Rolle spielen wird. Wenn Religion, dann wird der Islam das übernehmen, aber der ist keine Religion.
Exmeyer
25. November 2015 15:54
@ Arminius Arndt

Um sich "Sachlicher" gemäß zu äußern, wird nur die klare Ansage des hier so verhaßten Kants benötigt: Weder Verstand, noch Mut.

Wenn man das Kommende kommen sieht: Ich möchte Ihnen noch den Spruch des (von den hier anwesenden Ultrakatholiken ebenfalls verabscheuten?) Alten Fritzen entgegenrufen: "Wer zwei Halme dort wachsen läßt, wo vorher nur einer wuchs, ist größer als der größte Feldherr." (Aus dem Gedächtnis zitiert nach Feuerzangenbowle, natürlich.) Der Garten ist ja schon da ...
Und, noch vor einem Nutzgarten die beste Altersabsicherung, in die man jeden Tag investieren kann: Bleiben Sie fit.

@ Wawerka: Ihre Aussage IST tatsächlich wacker.
Monika
25. November 2015 16:09
@Exmeyer

Wie stellen Sie sich die Rettung des Abendlandes durch die Katholiken vor ?

Ich mußte über die verzweifelt wirkende Anfrage und mehr noch über die konkreten Lösungsvorschläge lachen.
Wären unsere deutschen katholischen Bischöfe so mannhaft und vor allem vernünftig wie der irakische chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako , bräuchten wir uns keine Sorgen machen:

http://www.kath.net/news/53032

Auf dem Blog eines unserer Foristen, der auch Asylsuchende betreut, war zu lesen, daß die muslimischen Männer ganz erstaunt darüber seien, daß die meisten Menschen in Deutschland gar nicht an Gott glauben.
Vielleicht sollte man den jungen Männern die arabische Übersetzung des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn von Prophet Isa vorlesen und darüber diskutieren. Daß der Barmherzige auch einem vom Glauben abgefallenen verzeiht. ( Statt Weihwasserspritzer)
Auch könnte man die Weihnachtsgeschichte auf arabisch in den EALs verteilen.
Waldgänger aus Schwaben
25. November 2015 16:50

Johannes. Christus. Diesen, ein
Lastträger, möcht ich singen, gleich dem Herkules, oder
Der Insel, welche gebannet, und angeblümt, sinnreich, erfrischend,
Die benachbarte mit kalten Meereswassern aus der Wüste
Der Flut, der weiten, Peleus. Aber nicht
Genug. Anders ist es ein Schicksal. Wundervoller.


(Hölderlin, Patmos, Ansätze zur letzten Fassung)



Kann nur ein Gott uns retten?

Heidegger mit Bezug aur Hölderlins Hymne Patmos und Lichtmesz in seinem gleichnamigen Buch werfen diese Frage auf. Dieses Buch lese ich übrigens gerade mit großem Gewinn.

Der Waldgänger aus Schwaben beantwortet sie nun hier und jetzt. Und es hat etwas mit Vertrauen zu tun - mit Gottvertrauen.

In der letzten Fassung der Hymne Patmos hatte sich Hölderlin anscheinend zu Einsicht durchgerungen, dass Christus mehr war als ein auserwählter Mensch oder ein antiker Halbgott:
"Aber nicht Genug. Anders ist es ein Schicksal. Wundervoller."

Und tatsächlich sind Wunder unabtrennbarer Teil der Rettung der Welt durch Jesus Christus. Er kam durch ein Wunder und umgeben von Wundern in die Welt. Er gewann seine Anhänger nicht nur durch seine Worte, sondern auch durch Wundertaten. Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten waren Wunder, die das Christentum begründeten. Die Krux ist nun, dass der (post)-moderne Mensch, darunter viele Theologen den Glauben an Wunder ablehnen. Erhöht wird die Bedeutung der Wunder noch durch die Tatsache, dass Jesus auf Erden kein einziges Wort einer Lehre niedergeschrieben hat und dies auch nicht seinen Jüngern auftrug. Um wieviel aufgeklärter, moderner und vernünftiger wirkt da der Islam auf die Heutigen: Ein Gott, ein Buch, ein Siegel der Propheten.
Ein allmächtiger Gott braucht doch keine Wunder sondern überzeugt allein durch Worte. Die beschriebenen Wunder in den Evangelien, ja sogar Jungfrauengeburt und Auferstehung, sind deshalb aus moderner Sicht als Metapher zu verstehen, keinesfalls als Tatsachenberichte.

Allerdings Metapher werden uns nicht retten, sondern nur echte Wunder. Es gab im vergangenen Jahrhundert einige Phänomene, die nicht überzeugend wissenschaftlich erklärt werden können, genannt sei nur das Sonnenwunder von Fatima . Nur, dass diese Wunder kaum beachtet werden von aufgeklärten Menschen.

Wie aber müssten Wunder aussehen, die aufgeklärte Menschen überzeugen und damit retten? Die sich nicht weg erklären lassen? Teufelsaustreibungen - Heilung von Psychosen, Krankenheilungen medizinisch noch nicht erklärbare Spontan-Heilungen - kommt vor. Tote, die auferstehen wären nicht tot gewesen, oder Betrüger. Wein- und Brotvermehrungen Betrug oder Halluzinationen, vielleicht durch übermäßigen Alkoholkonsum oder Mutterkorn im Brot verursacht.
Und stiege Jesus Christus selbst inmitten himmlischer Heerscharen vom Himmel herab, zöge der (post)-moderne Mensch Parallelen zu den spanischen Eroberern Südamerikas, die sich den Glauben der Ureinwohner zunutze machten und er glaubte eher an eine Invasion Außerirdischer als an die Wiederkunft Jesu, des eingeborenen Sohnes des allmächtigen Vaters, des Schöpfers von Himmel und Erde. Auf Patmos empfing Johannes die Apokalyse. Der Wiederkunft Christi müssen Drangsal voraus gehen. So ist es wohl.

Ein Gott kann uns nicht retten, aber Wunder Gottes werden uns retten. Dazu müssen wir aber das Gott-Vertrauen haben, an Wunder zu glauben. Wir müssen uns retten lassen wollen. Wenn wir soweit sind, an Wunder zu glauben, werden rettende Wunder geschehen.

Wer nun mit Sprüchen kommt wie: "Das Wunder ist des Glaubens liebsten Kind. Ja, an Wunder muss man glauben. " hat mich nicht verstanden. Man muss nicht, man wird.

Amen, das sage ich euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer!, und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen.
Markus 11,23
ingres
25. November 2015 17:02
>> „Niemand in Deutschland hat Anspruch auf immerwährende Demokratie und auf freie Marktwirtschaft“ – wer hat das nochmal so gesagt?

Ich kenne nicht den Zusammenhang in dem Merkel das gesagt hat. Aber ich sage das auch immer so: Die Aufgabe des Staates (wobei ich davon ausgehe, dass es sichg tatsächlich um einen Staat handel, was ja bei der BRD nicht der Fall ist) besteht vorrangig darin Sicherheit und Ordnung zu garantieren. Ich denke dabei immer an ein mögliches Chaos im Anschluß an eine Währungsreform. Wenn dann Menschen die sich nichts mehr kaufen könnten plündern, müßte der Staat natürlich die öffentliche Ordnung mit Gewalt durchsetzen. Un das auch wenn er das Chaos wie im Falle des Euro selbst herbeigeführt hat. Aber wie haben keinen Staat und der wird Gewalt vermutlich nicht als Staat sondern als failed State einsetzen.
Winston Smith 78699
25. November 2015 17:04
@ Der Sachliche

Ein weiterer Versuch, sachlich zu antworten.

Nein, man kann seine Meinung schon lange nicht mehr öffentlich dort schreiben, wo ein breiteres Publikum liest. Auf Facebook und Youtube wird man spätestens seit Sommer flächendeckend ausgesperrt. Übrigens nicht als Pöbler - die bleiben alle sichtbar - sondern als peinlicher Frager mit echtem, ehrlichem Diskussionsangebot. Von den breit rezipierten Printmedien (etwa regionale Tageszeitungen) usw. rede ich noch gar nicht, dort ist die ausgrenzende Kontrolle ja noch einfacher.

Sich beteiligen? Wissen Sie denn, wer alles hier sich inwiefern einbringt? Unterstellen Sie da nicht etwas? Und selbst wenn: wer weiß, was manche hier schon hinter sich haben. Ich jedenfalls bin bei jedem Versuch zur Beteiligung (kirchlich oder politisch) immer wieder mehr oder weniger deutlich, zwischen brüsk und durch gänzliches Ignorieren, abgewiesen worden. Diese Vereine waren immer schon mit mediokren Gestalten oder echten Deppen und deren Eltern so besetzt, dass man interessiertere Teilnehmer gar nicht sehen wollte. Diese selbstbewußtere Ausdrucksweise leiste ich mir weit im Nachhinein, nicht dass Sie schnell mal daraus schließen, ich sei eben zu narzisstisch aufgetreten.

Es gab dort niemals relevante Gegenmeinung oder rationale Diskussion. Ein weiterer Aspekt der Elitenabsonderung der letzten Jahrzehnte. (Man sieht dies allein schon daran, wie albern sich viele lokal Verantwortliche angesichts der Invasion verhalten, indem sie sich als überforderte Ausführende geben, als planlose Erfüllungsgehilfen ohne eigene Ansichten. Und das als Bürgermeister oder Landräte - wie peinlich!) Wer geistig etwas breiter aufgestellt ist, fragt sich dann, ob es angesichts der Endlichkeit lohnt, sich intern an den wichtigtuerischen Jasagern abzuarbeiten. Und sagen Sie jetzt nicht, so sei eben Demokratie ohne "Schein-". Das ist vielmehr Filz und inzestuöse Degeneration.

Mir fallen dazu jene Führungen für Schulklassen durch Parlaments- oder Regierungsgebäude ein, bei denen das dortige Treiben vermeitlich jugendgerecht als eine Art lustiger Zirkus mit Geschäftsordnung dargestellt wird, wobei aber gar keine Gelegenheit zum Stellen substanzieller Fragen (etwa nach der Souveränität, dem Lobbyismus, dem Fraktionszwang, der 5%-Hürde etc.) aufkommt.

Werdet Politiker, aber habt bloß keine Meinung und keine Fragen. Infantilisierung, Verdummung. Menschen, die sich logischerweise eben beteiligen wollen, um etwas zu verändern - warum sollten sie sonst? -, konnte man dort nie brauchen. Ich wiederhole mich: dort sollte man sich immer eifrig und zugleich devot beteiligen, paradoxerweise um das Bestehende toll zu finden: die Regierung, und falls Opposition, dann die kleineren Herrschaftsbezirke, und wenn das nicht, dann zumindest die interne Hierarchie? Und nun frage man sich, zu welcher Gruppe selbständig denkende Menschen mit Rückgrat wohl gehören.

Sie wissen das, schon allein, weil ein guter Teil der Bevölkerung das weiß. Tun Sie nicht so. Man sollte mit Bürgern doch nicht wie mit Kindern reden, und mit Kindern schon erst recht nicht so.

Noch dazu ist dies doch ein vegiftetes Angebot. Wer JETZT in die etablierten Parteien geht, läuft höchste Gefahr, zwar freudig empfangen, dann aber sogleich entweder als Prügelknabe nach vorne geschickt (während die anderen ihre Sachen packen) oder intern als Sündenbock mißbraucht zu werden.

Die Elite wollte auf ihren Pfründen viel zu lange unter sich sein, und da sollen sie jetzt gefälligst auch unter sich bleiben, damit es demnächst immer den Richtigen trifft. In deren Nähe will vielleicht ohnehin schon keiner mehr kommen. Steckt das hinter Ihrer Aufforderung? Übrigens müssten Sie als Lehrer von den internen Drohungen gehört haben, dass man sich ja nicht in der Nähe der AfD zeigen darf. (Damit ist nicht das Neutralitätsgebot gemeint.)
Exmeyer
25. November 2015 17:05
@ Toleranz

In der Vergangenheit - im realen Leben - habe ich mich immer darum bemüht, alle mitzunehmen. Also integrativ. Das ist manchmal - selten - gescheitert. Wenn man das Scheitern erkennt, hilft nur noch Exklusion - Härte - Ausschluß.

1. Nur im Kollektiv liegt eine Chance, in dem durch Lutz Meyer angesprochenen Szenario zu bestehen.
2. Ein solches Kollektiv muß genau auf das Bestehen in einem solchen Szenario ausgerichtet sein.
3. Stärke zu entwickeln ist das wesentliche Mittel: Kollektiv und individuell.
4. Neben einer gewissen Grund-Homogenität müssen dazu zumindest die nötigen Anlagen mitgebracht werden.

Nun bin ich älter. Und ich bin bei weitem nicht mehr der Ansicht, daß man annähernd jeden mitnehmen kann. Ganz im Gegenteil: Ich bin der Ansicht, daß es auf ein recht geringen Prozentsatz hinausläuft, je nachdem, um was es geht.
Ich bin also der Ansicht, daß man erst gar nicht mehr versuchen soll, jeden mitzunehmen, sondern konsequent auszugrenzen. Exklusivität. Intoleranz. Kein Dulden von (deutlicher) Schwäche, weder mental, noch geistig, noch körperlich.

Ich sehe das analog zur einer Vor-Auswahl bei Ausbildungslehrgängen zu elitären Militär- oder Polizeiverbänden. Wenn man mit der Ausbildung fertig ist, sind die Hunderte von Liegestütze ein Klacks. Aber ehe man überhaupt nur zur Ausbildung zugelassen wird, sind schon eine Handvoll Liegestütze eine Hürde. So sehe ich das auch. Über eine kleine Hürde, hier geistig und mental, muß man schon springen können. Wenn das nicht geht? Was soll das dann überhaupt? Was ist das Ziel?

Toleranz? Funktioniert nicht! Nie. - Meinen Sie Geduld? Ja. Aber es muß auch einen Grund geben, geduldig zu sein. Das heißt, daß wenigstens das Potential zu einer Entwicklung erkennbar ist. Ich habe danach in den letzten Jahren den Freundes- und Bekanntenkreise, sanft und geduldig, neu sortiert.
Wenn die Prognose, daß die politische Großwetterlage annähernd jedem noch auf den kleinen Zeh fallen wird und immer schon gefallen ist, auch jetzt gerade in dieser Sekunde, was soll ich meine Zeit mit denen vertrödeln, die nicht genug Mut oder Verstand haben, bereits jetzt, oder wenigstens morgen, einige richtige Schritte einzuleiten? Noch dazu, daß diese Schritte weder besonderen Mut noch Verstand noch allzugroße Entbehrungen oder Zeit oder Fleiß benötigen!!!
Freundschaften benötigen Zeit (und manchmal auch Nehmerqualitäten der Leber) und haben einen inneren "Telos", der weit über Nutzenfragen hinausgeht. Aber wer spätestens jetzt den Knall nicht gehört hat, bei sich selbst eine Entwicklung anzustoßen, so setze ich meine Zeit eben in Freundschaften mit deutlich verschobenen Schwerpunkten ein.
Im vorliegenden "sachlichen" Fall kann ich keinen Grund für Geduld erkennen.

Hier: Etwa 80% der hier Kommentierenden sind so sehr erzürnt, weil sie merken, daß ihr "Heil" von ANDEREN, von Institutionen, Kirchen, Staat, Parteien, Verbänden, nicht mehr befördert wird. Sie fühlen sich getäuscht betrogen. Aber anstatt das kühl zu konstatieren, sich hinzusetzen, das notwendige zu überlegen und dann selbst dafür aktiv zu sorgen, hoffen Sie auf andere. Zum Beispiel: ANDERE sollen sich im "Sündenfall" wiedererkennen (siehe oben)? Weshalb? Was bringt es? Wem?

Für das ziellose Umherschweifen sehe ich keine Zeit mehr.
I. Im Kleinen hat man den zu erwartenden Staatsausfall zu ersetzen. Davon schrieb Lutz Meyer.
II. Im Großen hat man den zu erwartenden Staatsausfall VERSUCHEN zu vermeiden. Davon redet Kubitschek.

Ich kann unter diesem Aufsatz nur wenig Kommentare finden, die sich auch nur im Ansatz mit dessen Inhalt beschäftigt haben. Sie machen das, was sie immer machen: Sie bemängeln alle irgendein mangelndes XY. Mangelnde Form im Glauben zum Beispiel. Wo die sachliche Verbindung zur aufgeworfenen Frage ist, was ein einzelner selbst dazu beitragen kann, so daß es im Ganzen ein funktionelles Gebilde ergibt, teilen sie leider nicht mit. - Weil es das nicht gibt.

Geduld? Weshalb!
Christin
25. November 2015 17:29
Origenes (um 185-253), Priester und Theologe

Das Zeichen des Tempels

Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ (Joh 2,18f.). Unser Retter war sicherlich in der Lage, tausend andere Zeichen zu tun, aber um klar zu machen, warum er so handelte, war kein anderes möglich. Deshalb nutzte er die Gelegenheit und gab eine Antwort, die den Tempel betraf, statt anderer Zeichen, die keinen Bezug dazu gehabt hätten. Es scheint mir jedoch, daß Tempel und Leib Jesu als Symbol der Kirche gedeutet werden müssen, da diese ja aufgebaut ist aus „lebendigen Steinen, zu einem geistigen Haus, zu einer heiligen Priesterschaft“. Sie ist „auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut, der Schlußstein ist Christus Jesus selbst“ (Eph 2,20), der wahre Tempel.
Selbst wenn nun die harmonische Fügung der Steine des Tempels nicht mehr gegeben ist, und wenn, wie in Psalm 22 zu lesen ist, sich alle Glieder Christi unter dem Ansturm von Prüfungen und Drangsalen „gelöst haben“ (22,15) […] und Verfolgungen die Unversehrtheit des Tempels wieder und wieder bedrohen – so wird doch, da „ihr der Leib Christi seid und jeder einzelne ein Glied an ihm ist“ (1 Kor 12,27), der Tempel wieder aufgerichtet und der Leib auferstehen, und zwar am dritten Tag nach dem Tag der Ungerechtigkeit, die ihn zerstört hat, und nach dem darauf folgenden Tag der Erfüllung. Denn es wird einen dritten Tag in einem neuen Himmel und in einer neuen Erde geben, wenn die Gebeine […] am großen Tag des Herrn, nach seinem Sieg über den Tod, sich wieder aufrichten werden. Die Auferstehung Christi nach seiner Passion und seinem Kreuz umschließt das Geheimnis der Auferstehung des ganzen Leibes Christi.
Exmeyer
25. November 2015 17:41
@ Monika:

Haben Sie mein schallendes Lachen durch meine provokative Anfrage nicht durchgehört?
Aristoteles.
25. November 2015 17:51
Ein hervorragender Beitrag von Lutz Meyer. Treffende Bestandsaufnahme mit Zukunftsmut.
Als Rechter frage ich mich, was er über die konservative Langeweile unter seinem Artikel denkt.

Hier ein kleines Flori-, oder besser gesagt: Mortilegium:

"Neenee, hier ist durch. Game over."

"Also für mich müßte nichts Neues entstehen."

"ich bin überflüssig, so viel ist mir klar."


"Das konservative Element, das ja anscheinend funktioniert"


"Das auf und ab und für und wider und allgemeine Chaos um uns herum ist daher womöglich schon die Beste aller jemals möglichen Welten"

"Legt Eure moderne Wissenschaft komplett ab. [...] Vergesst alle Idioten, die sich aufgeklärt nennen. Vergesst Kopernikus"


Hierzu ein Kommentator: "Ein sehr fundierter Kommentar!"
Und weiter unten: "Vielen Dank für den Kommentar."
Und noch eins drauf: "daß die säkulären Lehrer und Schüler der letzten Jahrhunderte allesamt Idioten und Trottel sind"

"Keine Gewalt! Das ist die einzige Theologie, die ich akzeptiere."
Und gleich im nächsten Satz:
"Gewalt allenfalls, wenn es darum geht [...]"

"einen Akt des Widerstandes zu konstruieren, finde [...] falsch & auch gefährlich"

"allein: mir fehlt der Glaube. [...] und wie sollte in Zeiten von Technik und Machenschaften je wieder ein Urvertrauen möglich sein?"


Zum Glück gibt es noch Deutsche wie Kalle Blomquist, Hartwig, Arminius Arndt, Exmeyer, muotis, Monika.
Bekäme sonst fast schon Depressionen.

Monika diagnostiziert, finde ich, recht gut:
"Wir kommen m. E. in eine Art vorkonstantinische Zeitenwende."

In Bezug auf Merkel und von der Leyen hier eine Erinnerung an Frauen um Elagabal und Severus Alexander:
https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Mamaea#Rolle_in_der_Regierungszeit_Alexanders

"Wie schon Julia Domna trug sie [Julia Mamaea] die Ehrentitel „Mutter des Feldlagers“ (mater castrorum), „Mutter des Senats“ und „Mutter des Vaterlands“. Die offizielle Titulatur wurde von übereifrigen Verehrern noch erweitert: Eine hispanische Inschrift verherrlichte Mamaea als Mutter des Kaisers, des Feldlagers, des Senats, des Vaterlands und des ganzen Menschengeschlechts, eine thrakische sogar als „Herrin der Welt“."


Lutz Meyer geht auf die Suche nach geistigem Rüstzeug, nach Neuem in Verbindung mit Altem, er kämpft um's Überleben,
und die meisten Reaktionen sind Alltag, Defätismus, Ultramontanismus, Angst vor Stalin und Hitler.
Spröder und öder geht's kaum.
enickmar
25. November 2015 17:55
@Der Sachliche

… treten Sie hinaus ins Leben und beginnen Sie im Rahmen der demokratischen Mitgestaltungsmöglichkeiten daran mitzuwirken, dass das Leben in diesem Land lebenswert bleibt.


Machen die doch:

http://einprozent.de/


Doch hoffen Sie dabei nicht zu einseitig auf die AfD. Schill-Partei, Statt-Partei, Republikaner usw. ...


Sondern ?
Th.R.
25. November 2015 18:03
Ein wirklich ausgezeichneter Beitrag, Herr Meyer!

Ich bin gerade sprachlos.

Dass da draußen einer ist, der die Sache fast genau so sieht, hätte ich nicht für möglich gehalten. Herr Meyer, ihre Gedanken sind fast exakt die selben, die ich seit ein paar Jahren schon mit mir herumtrage!

Mehr kann ich gerade nicht schreiben, aber ich denke, dass auch Sie das Buch "Das Heilige" von Rudolf Otto kennen. Dort ist quasi die Bauanleitung enthalten für das, was es nun zu errichten gilt:

https://archive.org/details/RudolfOtto_dasHeilige

Gruß,
Th.R.
enickmar
25. November 2015 18:29
@Der Sachliche

… in einem Land zu leben, das mir und meiner Familie Wohlstand, Sicherheit, Zukunftsperspektiven und vor allem Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.


Dieser Satz hätte von jedem Opportunisten jedes totalitären Staates stammen können.

Fast jede noch so krause Position, die heute über das Internet für die Allgemeinheit sichtbar wird, kann geäußert werden.


Auch das trifft für jedes totalitäre System zu. Natürlich kann alles geäußert werden.

Pirinçci hat es - nach einer ganzen Reihe Anderer - gerade wieder demonstriert.
Waldgänger
25. November 2015 19:07
Guter Text, Herr Meyer!

Ihre Sätze über das Urvertrauen bzw. das Bewusstsein für die Ruhe im Sturm, die Geborgenheit im All-Einen, in Gott, im Es – allem Wahnsinn der Zeit zum Trotz – sind sehr wichtig.

Oder um mit Jünger zu sprechen: Auf dem sinkenden Schiff der politischen und gesellschaftlichen Ordnung unserer Jugend gleichen wir nun den von Panik bedrohten Passagieren der Titanic, die indessen spüren könnten,
„dass sie zugleich in einem anderen Reiche weilen, in dem vollkommene Ruhe herrscht. (…) Das zweite Reich ist Hafen, ist Heimat, ist Friede und Sicherheit, die jeder in sich trägt. Wir nennen es den Wald.“


Eine neue „politische Theologie“ sehe ich hier allerdings nicht entstehen, da der Zugang zu dieser Sphäre von mystischer Erfahrung eben kaum organisierbar ist.
Er ist meist das Ergebnis individueller Erfahrung und hat mit religiösen Organisationen überhaupt nichts zu tun.


@ Inselbauer
... ist zuzustimmen, wenn er darauf verweist, dass das Regime angesichts des schwindenden Vertrauens mit stärkerem Zugriff und wachsendem Extremismus reagieren wird, ja muss:
„… hysterische Fortsetzung des Systems mit anderen Mitteln. (…) So leicht lässt sich ein kapitalistisches Drecksystem nicht unterkriegen.“

Das gilt sowohl für Deutschland wie für den Westen überhaupt.

Da das verlorene Vertrauen, wie Lutz Meyer richtig betont, wohl dauerhaft verloren sein dürfte und da außerdem auch die Gehirnwäsche durch das staatsnahe Propagandakartell zunehmend geringere Wirkung zeigt, bleibt den Mächtigen auch gar nichts anderes übrig als gröbere Mittel anzuwenden ..., sobald der Vertrauensverlust zum Problem wird.
Ähnliches kann man übrigens auch beim Römerreich der Spätantike beobachten, wo der Staat den Übergang vom leidlich rechtstaatlichen Principat zum absolutistischen Dominat bzw. einem alles durchdringen wollenden Zwangssystem vollzog.
Am Ende hat auch das den Kollaps nicht verhindern können.

Übrigens hat das Regime heute durch seine Rechtsbrüche auch gleichsam die Brücken hinter sich abgebrochen bzw. die Schiffe verbrannt. Die Revolution von oben läuft – ein Zurück wäre nur um den Preis der Blamage und des Machtverlusts möglich.
enickmar
25. November 2015 19:14
PS @Der Sachliche

Xavier Naidoo wurde auch gerade wieder auf seine „Gestaltungsmöglichkeiten“ aufmerksam gemacht, nachdem er alles äußern konnte was er wollte.
Kiki
25. November 2015 19:27
@H. Sprang
"Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter." Dieses Wort könnte von Chesterton stammen oder auch nur von einem Abreißkalender mit flotten Pennälerspruchen, ich weiß es nicht mehr, aber es trifft das, was Sie so Ihre Denktradition nennen, recht gut.

Mein Beitrag war völlig bar jeder Ironie, aber voller Verachtung (das haben Sie schön festgestellt), denn diese ganzen Bekloppten der Neuzeit mögen seit Jahrhunderten zwar großmäulig behaupten, sie würden die Weisen der Antike einholen und überholen, aber tatsächlich bleiben sie selbst hinter den aus Versehen überlieferten Afterdenkerchen der Alten Welt zurück.

In der Antike ist alles gesagt und gedacht worden, was es an sinnvollem und in den zwei Dimensionen des Menschenmöglichen zu denken gibt, das Christentum (d.h. die Kirchenväter des ersten Jahrtausends) haben das Ganze noch um die dritte Dimension ergänzt und weiter geht es nicht (höchstens abwärts in die Hölle, wie wir heute alle sehen).

Das aufgeblasene Geschwätz moderner Gnostiker mag zu seiner Tradition zählen wer will (und Ihnen sei es unbenommen, wenn Sie so großen Wert darauf legen), aber meine Denktradition ist es keineswegs und niemals gewesen. Im Gegenteil, die neuzeitlichen Herdentiere und die sie leitenden Mietlinge halte ich für Scharlatane, wobei ich den meisten zugestehen mag, daß sie nicht aus Bosheit, sondern nur aus borniertem Stolz (da haben Sie ihre Hauptsünden postwendend zurück) meinen, das Rad neu erfinden zu müssen, indem sie die bereits vorhandenen und funktionstüchtigen Räder systematisch zerstören.

@Carl Reiter
Wenn Sie auch zu jenen wackeren Zeitgenossen gehören, die vor Antritt der Revolution erst ordungsgemäß eine Bahnsteigkarte lösen, bevor Sie den Bahnhof stürmen, dann sind sie bei Duckmäusern wie den Petrusbrüdern gut aufgehoben.

@Exmeyer
Ein guter Mann sagte einst: "Diese ehebrecherische Geschlecht verlangt ein Zeichen, aber es wird ihm keines gegeben werden außer dem Zeichen Jonas."
Und wenn unser Chef schon aufsässigen Dauernörglern und sturen Besserwissern irgendwelche Zertifikate und Beglaubigungsleistungen verweigert hat, warum sollte unsereins über das lächerliche Stöckchen enttäuschter Schmoller hüpfen?
"Sie haben Moses und die Propheten," heißt es an einer anderen Stelle über ähnlich unheilbare Klugscheißer wie die oben genannten. Ein Europäer hat eine mindestens 2000jährige Geistestradition (die letzten 500 Jahre im Westen nehme ich heraus, weil sie ein Reinfall und Irrtum sind), suchen Sie dort nach und wenn Ihnen nichts zusagen will, dann lernen Sie von den Alten Heiden wenigstens, würdevoll unterzugehen (das ist auch keine kleine Sache).

@Alle Angesprochenen
Meine hier etwas grob geratene Ausdruckweise bedauere ich schon jetzt und bitte um ein wenig Nachsicht, aber man wird halt fahrig, wenn man auf einem sinkenden Schiff steht und sehen muß, wie sich die Passagiere genüßlich über die Anordnung der Sitzkissen in den Rettungbooten zanken.
Demo Goge aus der polis germania
25. November 2015 19:56
Exmeyer
"Bis eine kollektive religiöse Alternative entstanden ist, denn es gibt derzeit keine . . . "


Doch es gibt eine, den ISLAM, und jedem hier sollte langsam bewußt werden, daß sich Frau Merkel für die Islamisierung der BRD entschieden hat und sich derzeit weder in Schockstarre befindet noch unter US-Druck steht; vermutlich hat sie die Islamisierung sogar beschleunigt, weil sie befürchtet das D. Trump die Wahlen gewinnt und sie vorher noch - solange Barak Hussein Obama herrscht - vollendete Tatsachen schaffen will.

Geopolitisch hat sie damit einen dritten Weg zwischen USA und Rußland betreten!; es findet also gerade Weltgeschichte statt!
Werden zukünftige Historiker von der 'Merkelinischen Wende' sprechen !?
Scipio
25. November 2015 21:27
Das ist alles ziemlich intellektuell. Es ist nicht wichtig, daß wir heute Erfolg haben; wichtig ist, daß wir unsere Pflicht tun.
Scipio
25. November 2015 21:44
Oder nach Macaulay:

Then out spake brave Horatius,
The Captain of the gate:
“To every man upon this earth
Death cometh soon or late.
And how can man die better
Than facing fearful odds
For the ashes of his fathers
And the temples of his gods"
...
And still his name sounds stirring
Unto the men of Rome,
As the trumpet-blast that cries to them
To charge the Volscian home;
And wives still pray to Juno
For boys with hearts as bold
As his who kept the bridge so well
In the brave days of old.
...
Then none was for a party—
Then all were for the state;
Then the great man helped the poor,
And the poor man loved the great;
Then lands were fairly portioned!
Then spoils were fairly sold:
The Romans were like brothers
In the brave days of old.

Now Roman is to Roman
More hateful than a foe,
And the tribunes beard the high,
And the fathers grind the low.
As we wax hot in faction,
In battle we wax cold;
Wherefore men fight not as they fought
In the brave days of old.
Exmeyer
25. November 2015 21:44
@ domo goge:
1. dritter Weg: Ja. Mit China allerdings.
2. Islam? Ich glaube nicht, daß man dort so weit denkt. Ich werte den Versuch, die EU zu retten als den Ansatz. IN dieser EU werden Muslime die Mehrheit stellen. Nicht in den einzelnen Ländern. Sie werden die Arbeitssklaven und die Bande, über die man spielt, um einen strafferen Staat einzurichten.
Diese Berufsversager werden damit scheitern.

Nun, für mich ist der Islam keine Alternative. Gewiß sind aber viele islamische Prinzipien interessant.

@ Kiki: Ich muß zugeben, Sie nicht verstanden zu haben. Über Religion will ich mich hier nicht weiter äußern. Das hat zwei Gründe:
1. Viel zu wichtig. Hier nicht. Auch wenn der Artikel es eigentlich wert wäre. Die Kommentare sind es nicht.
2. Bei dem ultrakatholischen Zeugs, das hier rausgeblasen wird, muß ich meine ganze Kraft aufbringen, nicht jeden von mir entwickelten versöhnlichen Ansatz über Bord zu werfen.
3. Zum hohen Wert des Heidentums will ich mich aus Gründen zu 1. nicht äußern.
Rainer Gebhardt
25. November 2015 22:03
Großartiger Artikel. Das Thema verlangt mehrere Runden. Nur eine Anmerkung, und um der Dialektik die Ehre zu geben: Auch der Staat hat seinen Bürgern längst das Vertrauen entzogen.
Trouver
25. November 2015 22:29
Die Wende kommt mit der allgemeinen Wohlstandsverschlechterung.

Historie lehrt immer wieder: alles ist vergaenglich.

Noch 1930 stellten die Roten einen Kanzler.
ingres
25. November 2015 22:49
>> Als Rechter frage ich mich, was er über die konservative Langeweile unter seinem Artikel denkt.
Hier ein kleines Flori-, oder besser gesagt: Mortilegium:

„Also für mich müßte nichts Neues entstehen.“

Ja mich interessiert weder ein linkes noch ein rechtes Paradies. Ich bin da so langweilig, dass mich lediglich eine praktikable lebenswerte Alternative interessiert. Möglichst für mich lebenswert und für die anderen nicht nicht lebenswert. Große Entwürfe habe ich eigentlich nie gehabt. Die Alternative ist schwer seriös zu beschreiben. Einfach ist lediglich die Kritik des bestehenden Irrsinns.
Werner H.
25. November 2015 22:58
@Exmeyer
Wollen Sie Bonifatius gleich eine IS-Fahne ansägen, um zu gucken, was dann passieren wird? Oder den Drogenhändlern um der Ecke mit Weihwasser vollspritzen
Ich würde das Anrufen des hl. Bonifatus, der hl. Elisabeth von Thüringen u.a., in Frankreich der hl. Jeanne d'Arc usw. usf. zwecks Fürsprache vor dem Herrn für die europäischen Nationen als metapolitische Maßnahme empfehlen, jedenfalls jenen, die glauben und verstehen, dass das die Hoffnung auf ein Wunder erhöht. Die Spanier sind sich sicher, dass die Fürsprache von Santiago el Mayor bei diversen Schlachten der Reconquista äußerst hilfreich war.

Ansonsten behindert das Vertrauen, dass Gott hilft, ja nicht bei jeglicher anderen Art der Reaktion in diversen Umständen, die natürlich der traditionellen katholischen Morallehre entsprechen sollte, deren zugehörige Praxis aus der Geschichte bekannt ist.
Werner H.
25. November 2015 23:06
P.S.: @Exmeyer

Selbst für diejenigen, die das Heil im Katholizismus suchen, muß eindeutig klar sein, daß dieses nicht in und nicht mit, sondern nur _G_E_G_E_N_ die römische „Kirche“ zu haben ist.

Die Waffen von den Herren Bergoglio in Rom oder Marx in München segnen lassen, das würde ich nicht riskieren.

Die haben zwar die Gebäude, aber nicht den Glauben (St. Athanasius über die Arianer).
der Gehenkte
26. November 2015 00:30
@ Monika

Vielleicht sollte man den jungen Männern die arabische Übersetzung des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn von Prophet Isa vorlesen und darüber diskutieren. Daß der Barmherzige auch einem vom Glauben abgefallenen verzeiht. ( Statt Weihwasserspritzer)
Auch könnte man die Weihnachtsgeschichte auf arabisch in den EALs verteilen.


Fast schon unheimlich! Die Bibel und wohl auch diverse Filme werden bereits an Asylsuchende auf Arabisch, Tigrinya, Farsi und Englisch verteilt und zwar als Chip für das Handy. Das soll das heimliche Lesen, Hören und Sehen ermöglichen, da der kleine Bildschirm Privatheit erlaubt und man den Chip im Notfall auch zerstören kann - der Notfall ist der aufmerksame Muslim nebenan: http://www.jesus.de/blickpunkt/detailansicht/ansicht/digitales-evangelium-fuer-den-nahen-osten188661.html

Das Neue Testament auf Arabisch (عهد جديد) liegt schon bereit. Zu testen wäre zuerst die prinzipielle Bereitschaft, dann gerne Lukas 15.11 ff.
Magnus Göller
26. November 2015 01:07
Die Chinesen werden sich in zehn Milliarden Jahren nicht islamisieren lassen. Die Russen vielleicht nur eine Milliarde Jahre lang. Oder zwei.
Den Japanern gebe ich mindestens eine halbe Milliarde Jahre.
Das ist aber jeweils lange genug, dass man nur noch in ganz alten kosmischen Chroniken daran erinnern wird, es habe diese Religion einmal gegeben.
enickmar
26. November 2015 04:21
Warum kommentiert der Sachliche in diesem freien Land eigentlich unter Pseudonym ?
Westpreuße
26. November 2015 09:18
Herr Meyer,
eine insgesamt schöne und einleuchtende Darstellung, was Vertrauen oder eben nicht vorhandenes Vertrauen, gar VERTRAUENSBRUCH, um den geht es nämlich im gegenwärtigen Politikgeschehen, anrichten kann...

Nur Ihre Schlußfolgerungen erscheinen mir nicht so ganz überzeugend.
Sie steigern dann ja, wie auch so manche Kommentatoren, die Ihnen folgen, das VERTRAUEN zum URVERTRAUEN.
Urvertrauen wäre dann sozusagen Vertrauen in seiner höchsten und reinen Form. Und Sie binden dann das Urvertrauen an die (eine) metaphysische Sicherheit.

Das, so meine ich, mit Verlaub, kann so nicht gesagt werden.
Es gibt keine Steigerung von Vertrauen. Vertrauen ist "das Höchste"...
Und was ist nun mit dem Urvertrauen?
In der Bibel ist das Wort (der Begriff) Urvertrauen nicht zu finden.
Jesus sagt ja (so oder ähnlich):
Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr denn gar kein VERTRAUEN zu mir...
Er sagt ja nicht, liest sich doch "komisch": Habt ihr denn gar kein Urvertrauen zu mir...

Exemplarisch Goethe (für unsere Dichter) und Immanuel Kant (für unsere Philosophen): Sie kennen begrifflich das Urvertrauen nicht. Es ist bei ihnen nicht zu finden...

"Urvertrauen" ist eine relativ junge Wortschöpfung. Geprägt von dem Psychoanalytiker Erik H. Erikson. Es ist ein Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung. Wie sie idealerweise stattfindet.
Acht Stufen, die erste lautet:
Stadium eins: Ur-Vertrauen vs. Ur- Mißtrauen (Kleinkindphase).
Erikson sagt, daß jede Stufe (idealerweise) durchlaufen werden muß.
Keine darf übersprungen werden. Idealerweise...
(Erikson: Identität und Lebenszyklus, deutsch 1966)

Anders gesagt: Das Urvertrauen ist die Voraussetzung zum Vertrauen, also keineswegs eine höchste Steigerung, in der der Mensch sich dann an das Transzendente bindet, also eine je eigene existentielle Entscheidung trifft...
Urvertrauen kann nicht "gemacht werden". Jemand schrieb es ja weiter oben: Man hat es oder eben nicht...
Nehmen Sie es mir also bitte "nicht krumm". Ich lese ihre "Gedanken und Analysen zur Zeit" recht gerne.

Eine der schönsten Steigerungen des Vertrauens, also sozusagen vorweggenommenes Urvertrauen, finde ich bei Goethe.
Er läßt FAUST sagen...

Die Phantasie, in ihrem höchsten Flug,
Sie strengt sich an und tut sich nie genug.
Doch fassen Geister, würdig, tief zu schauen,
Zum Grenzenlosen grenzenlos Vertrauen.
(FAUST, Der Tragödie zweiter Teil, Kapitel 13)

Zur gegenwärtigen Situation bei uns in D.:
Es gibt eine schöne Karikatur, die ich im Internet leider nicht gefunden habe. Also mit Worten:
Die Titanic fährt durch die Nacht. Das Schiff in seiner ganzen Pracht, beleuchtet, ist zu sehen. Helle Lichtflecken auch. Das Leben tobt an Bord...
Eine Sprechblase, wohl aus eine Schiffsbar:
Herr Ober, wann kommt das Eis?
Weitere Sprechblase. Bald, mein Herr, bald...
(DAS ist unsere gegenwärtige Lage. Die Kapelle spielt. Wir warten "aufs Eis"...).
: Grüße aus Thorn an der Weichsel
Hugo Treffner
26. November 2015 09:25
"Keinesweges aber gedenke ich Sie zu erheben über diesen Schmerz durch Vertröstungen auf eine Hülfe, die von aussenher kommen solle, und durch Verweisungen auf allerlei mögliche Ereignisse und Veränderungen, die etwa die Zeit herbeiführen könne: denn, falls auch nicht diese Denkart, die lieber in der wankenden Welt der Möglichkeiten schweifen, als auf das Nothwendige sich heften mag, und die ihre Rettung lieber dem blinden Ohngefähr, als sich selber verdanken will, schon an sich von dem sträflichsten Leichtsinne und der tiefsten Verachtung seiner selbst zeugte, so wie sie es thut, so haben auch noch Überdies alle Vertröstungen und Verweisungen dieser Art durchaus keine Anwendung auf unsere Lage. Es lässt sich der strenge Beweis führen, und wir werden ihn zu seiner Zeit führen, dass kein Mensch und kein Gott, und keines von allen im Gebiete der Möglichkeit liegenden Ereignissen uns helfen kann, sondern dass allein wir selber uns helfen müssen, falls uns geholfen werden soll. Vielmehr werde ich Sie zu erheben suchen über den Schmerz durch klare Einsicht in unsere Lage, in unsere noch übriggebliebene Kraft, in die Mittel unserer Rettung."

"In der regelmässigen Ordnung der Dinge hingegen soll das irdische Leben selber wahrhaftig Leben seyn, dessen man sich erfreuen, und das man, freilich in Erwartung eines höhern, dankbar geniessen könne; und obwohl es wahr ist, dass die Religion auch der Trost ist des widerrechtlich zerdrückten Sklaven, so ist dennoch vor allen Dingen dies religiöser Sinn, dass man sich gegen die Sklaverei stemme, und, so man es verhindern kann, die Religion nicht bis zum blossen Troste der Gefangenen herabsinken lasse. Dem Tyrannen steht es wohl an, religiöse Ergebung zu predigen, und die, denen er auf Erden kein Plätzchen verstatten will, an den Himmel zu verweisen; wir andern müssen weniger eilen, diese von ihm empfohlne Ansicht der Religion uns anzueignen, und, falls wir können, verhindern, dass man die Erde zur Hölle mache, um eine desto grössere Sehnsucht nach dem Himmel zu erregen."

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Fichte,+Johann+Gottlieb/Reden+an+die+deutsche+Nation
Monika
26. November 2015 10:07
Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider.5 Der Herausgeber, Theodore Khoury, kommentiert dazu: Für den Kaiser als einen in griechischer Philosophie aufgewachsenen Byzantiner ist dieser Satz evident. Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit.6 Khoury zitiert dazu eine Arbeit des bekannten französischen Islamologen R. Arnaldez, der darauf hinweist, daß Ibn Hazm so weit gehe zu erklären, daß Gott auch nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und daß nichts ihn dazu verpflichte, uns die Wahrheit zu offenbaren.


Papst Benedikt XVI, Regensburger Rede, s.o.

Abschließend zum Gottvertrauen.
Wie kann ich einem Gott Vertrauen,
der nicht durch sein eigenes Wort gehalten ist ?

Ayaan Hirsi Ali schreibt ( Ich bin eine Nomadin):

Ich vertrete die Theorie, dass die meisten Muslime auf der Suche nach einem erlösenden Gott sind. Sie glauben, dass eine höhere Macht existiert und eine Moral vermittelt, die den Menschen als Kompass bei der Unterscheidung von Gut und Böse dient. viele Muslime suchen einen Gott oder eine Vorstellung von Gott, die in meinen Augen der Beschreibung des christlichen Gottes entspricht. Stattdessen finden sie Allah.


M. E. sucht Mouhanad Korchide in seinem Buch " Barmherzigkeit" den christlichen Gott.
Unlängst habe ich ein Interview mit Korchide gelesen. In der Zeitung der Herz Jesu Priester in der Deutschen Ordensprovinz ( Dein Reich komme)
Seine Antworten klangen leider noch sehr verkrampft und unerlöst.
Sein neues Buch heißt "Gott glaubt an den Menschen".
Korchide wagt den Versuch eines analogen Gottesbildes. Heraus kommt:

Es geht immer um eine Partnerschaft von Gott und Mensch - Gott ist der absolute Humanist.

Hier müssen m. E. die Auseinandersetzungen zwischen postmodernen Christen und Muslimen weitergehen.
Vielleicht zu einem neuen Nicäa-Konstantinopel ?

@Gehenkter
Danke für die Hinweise !
Exmeyer
26. November 2015 10:39
@ Werner H.

Sollte ich die Kommentare unter diesem Artikel von Lutz Meyer auf einen Satz komprimieren, es wäre der Ihre:

"Die Waffen von den Herren Bergoglio in Rom oder Marx in München segnen lassen, das würde ich nicht riskieren."

_____________________

In der Hoffnung das die Karawane weiterzieht, ein paar Ansätze:

1. Selbst die Ultrakatholiken sind ja gar nicht katholisch. Sie wollen eine Kirche, die es nicht gibt. Darin sind sie geradezu unkatholisch! Die Kirche ändern wollen ...
Sie sind in Wahrheit Kirchenopposition. Uralt-Katholiken. Das ist ja völlig in Ordnung. Nur, werden Sie sich diesen Konsequenzen auch bewußt! IHRE KIRCHE, ist nict real, sondern ein nichtexistentes Ideal! Sie sind also die Protestanten!

2. Mit Verlaub, diejenigen, die den Katholizismus retten wollen, brauchen etwas womit sie ihn retten. Denn er rettet sich nicht selbst. Sie müssen dem Lieben Gott auch noch einen kleinen Hinweis geben, wo er Ihnen ein bißchen zur Hand gehen könnte.
Dabei handelt es sich um das Bayern-München-Phänomen: Sie müssen dem Schiedsrichter auch die Möglichkeit geben, auf ihrer Seite sein zu können. Sprich, die Einzelspieler müssen so gut und nah am gegnerischen Strafraum spielen, daß sie nur durch Foul zu stoppen sind. Dann gewinnt man auch mit oder durch den Schiedsrichter.
Also nochmal die Anti-Gretchen-Frage: Wie halten Sie es mit der Realität, liebe Katholiken? Wie wollt ihr das anstellen, beispielsweise in einer umgekippten und multikriminiellen Umgebung? Wie wollen Sie mittels Katholizismus die Vergewaltigung der Töchter, den Einbruch, den Straßenraub, den Drogenhandel verhindern?
Der Glaube vermag einem vielleicht die Stärke zu geben, abzudrücken, wenn es drauf ankommt. Aber ohne ein Etwas zum Abdrücken geht das nicht.

3. Und es ist die Frage nach den Nichtkatholiken zu stellen. Könnte ein gedanklicher Ansatz zum Versuch, den Katholizismus zu retten, eins zu eins auf die Evangelen übertragen werden?
Nein. Die Evangelische Kirche ist 1945 ermordet worden, was bei der katholischen ja gar nicht nötig war. Man kann sie nicht retten, nur neu erfinden. Völlig außerhalb der heutigen Kirchenstrukturen. Man müßte sie von Grund auf neu bauen und die Ruinen des heutigen Evangelismus links liegen lassen.

4. Ist der christliche Gott überhaupt ein Gott, der einem beim Abdrücken hilft? Wäre ein sich bekreuzigender Ultimate Fighter nicht ein Hohn?
Sagt uns der christliche Gott nicht recht deutlich: "Ihr habt das zu ertragen, was ich Euch sende, als Prüfung fürs Himmelreich"?
Er führt uns doch eben nicht die Schwerthand! Aber Allah tut es bei unseren Feinden. Und Tyr, Odin, Zeus und Mars taten es auch. Haben wir nicht eher diese Götter nötig?

5. Ganz nach Machiavelli ist die Frömmigkeit eine Basis der Staatlichkeit. Korrekt. In diesem Artikel von 'Lutz Meyer geht es aber nicht mehr um den Erhalt der Staatlichkeit. Es geht um das Überleben ohne Staat. Daher die Frage: In wie weit soll also Religiösität in einer Zeit ohne oder mit zurückweichendem, oder sogar feindlichen Staate helfen? Niemand der Katholiken hat dazu Stellung genommen.

6. Religion, besonders eine hochformelle, ist nur für Schwache. Um diese das tun zu lassen, was sie sonst nicht tun würden. Im Unterschied zu einem Linken bin ich deswegen nicht gegen, sondern gerade deswegen für Religion; sogar - ganz nach Machiavelli - für (nur) eine (und zwar sehr) strenge. Aber diese Religion gibt es nicht.

7. Eine solche Religion wird es geben. Bis dahin werden wir viele an den Islam verlieren!

Konkreter zu werden, verbietet sich aus oben genannten Gründen.
Helgi Knartr
26. November 2015 11:30
@ Exmeyer, 10.39 Uhr

Tyr, Odin, Zeus und Mars ... Haben wir nicht eher diese Götter nötig? ... Religion, besonders eine hochformelle, ist nur für Schwache... Konkreter zu werden, verbietet sich aus oben genannten Gründen.


Gott sei Dank.
der Gehenkte
26. November 2015 11:43
Das Ur in Vertrauen

Allen, von Meyer bis Exmeyer, von Aristoteles bis Zenon, die sich auf ein Urvertrauen glauben berufen zu können, wage ich zu entgegnen, daß Sie dieses Urvertrauen nicht haben und auch nicht haben können und als Beweis gilt mir die Tatsache, daß Sie hier darüber schreiben.

Denn Urvertrauen ist vorreflexiv. Wer darüber spricht, wer es thematisiert, der hat schon daran gezweifelt, der ist nicht in ihm, sondern hat es von oben gesehen und damit sich selbst davon entfernt. Wer Zarathustra verstanden hat oder Hamsun liebt ..., kann es nicht mehr haben, denn der Gedanke ist ihm aufgegangen und in der Sehnsucht danach hat er sich genüßlich gesuhlt. Urvertrauen ist ein Existential, ein Apriori – vielleicht hat es der Waldschrat noch oder der Bauer, vielleicht der Mönch (der buddhistische eher als der christliche), wahrscheinlich der Amazonasindianer ohne Fremdkontakt … aber für uns „Aufgeklärte“, für uns Offenbarungsempfänger und Apokalyptiker ist es per se verloren.

Das kann man mögen oder nicht und man kann dann auch den Skeptiker als Defaitisten, Nihilisten, Pessimisten, Saft- und Kraftlosen, Angsthasen … beschreiben, aber es ändert nichts daran, daß dieses „Urvertrauen“ ein „Konstrukt“ ist, ein Traum, leer und unerreichbar. Die die es haben, können hier nicht schreiben und die, die hier schreiben, können es nicht haben, auch nicht wiederhaben.

Anmerkung Meyer: Man redet also nur über das, was man NICHT hat? Und wenn man es hat, REDET man nicht darüber? Ihr Einwand kommt mir ein wenig absurd vor - gerade hier an diesem Ort ;-)
der Gehenkte
26. November 2015 12:36
@ Anmerkung Meyer

Nicht "MAN" sondern SIE! Und in Hinblick auf das "Urvertrauen" und nicht "das".
enickmar
26. November 2015 14:02
@Meyer

I
hr Einwand kommt mir ein wenig absurd vor


Der Gehenkte meint hier vermutlich den hemmenden Einfluß der Reflexion auf die unbewußte Natürlichkeit.

So wie sie etwa bzgl. der menschlichen Grazie in Kleists Marionettentheater beschrieben wurde.

Da ist was dran.
Taurec
26. November 2015 15:33
Denn Urvertrauen ist vorreflexiv. Wer darüber spricht, wer es thematisiert, der hat schon daran gezweifelt, der ist nicht in ihm, sondern hat es von oben gesehen und damit sich selbst davon entfernt.


Hier geht es schlichtweg um das unveräußerliche Recht auf das eigene Leben, vor allem des Wirs, dessen Teil ich bin.
Dieses Recht ist mir nicht durch Verfassungen garantiert, wird mir von niemandem gegeben. Ich nehme es mir einfach und rechtfertige es mit der schlichten Tatsache, daß ich da bin.
Das ganze transzendiert: Allein daß ich da bin, beweist, daß im Schöpfungsganzen, in Gottes Plan mein Dasein einen Sinn hat, daß ich es folglich zu erhalten und meine Aufgabe erfüllen zu habe.
Das ist nicht Leben als Selbstzweck, sondern Leben in Ausrichtung auf etwas Höheres, Transzendentes.

Aktionen zur Erhaltung meiner Lebenseinheit (des Ganzen, dessen Teil ich bin) sind folglich per se von oben sanktioniert. Lebenskraft ist direktes Zeichen, daß man gemäß den Schöpfungsgesetzen lebt. Gott führt mein Schwert, wenn ich es konsequent durchziehe.
Das Urvertrauen entspricht dem Glauben, daß Sinn hat, was auf der Welt, im Leben passiert, daß das Schicksal nicht zufällig ist. Darüber kann ich durchaus nachdenken, habe es schon oft getan. Die Gewißheit bleibt aber unangetastet, denn anders erscheint mir die Welt nicht sinnvoll. Ich habe einen Platz, Aufgabe, Bestimmung. Fertig.

Wer daran zweifelt, wer ernsthaft gegenteiliges glaubt, dem muß die Welt eigentlich zwangsläufig chaotisch erscheinen, sinnlos und gottlos. Derjenige ist von der Lebenskraft abgeschnitten. Sein ganzes Leben ist fragwürdig. Im Grunde hat er schon vorbewußt, vor dem Nachdenken Selbstmord begangen. Von Äußerlichkeiten abgesehen gehört er nicht mehr zu meinen "Wir". Er ist Abfall und nur eines der vielen Atome der modernen Welt, die nirgendwo mehr dazugehören.

Über das Urvertrauen nachzudenken und Gedanken zu äußern, bedeutet übrigens nicht, daß man bis zum vorreflexiven Kern des Urvertrauens vorgedrungen ist. Man spürt, daß es da ist, es läßt sich aber nicht begreifen. Es bleibt bei der Annäherung.
Wer es nicht spürt, dem ist es allerdings nicht beizubringen. Derjenige wird aber besonders penetrant, auf vielfältige Weise über seinen empfundenen Mangel jammern und damit ganze Foren und Unmengen Altpapiers füllen.
Aristoteles.
26. November 2015 15:44
@ingres

Sie brauchen "nichts Neues".

Finde ich sehr totalitär und langweilig.

Bevor meine Kinder auf die Welt kamen, hätte ich sagen können:
'Wieso, Menschen gab's doch schon immer, warum also was Neues?'
Hab dann trotzdem was Neues gemacht.
Und wie mit den Kindern ist es auch mit den Gedanken und den Dingen.
Stillstand ist Tod.

Sie unterstellen wem den totalitären Wunsch, er wolle ins "Paradies"?

In der Tat, ich habe volles Vertrauen, ein Ur-Vertrauen darin,
dass 1+1 = 2 ist.
In diesem Paradies kann, wer will, durchaus eine Weile verweilen.
1+1 ist 2, bevor ich darüber angefangen habe zu reflektieren.
1+1 wird 2 sein, wenn ich nicht mehr lebe.
Darin habe ich jetzt zu meinen Lebzeiten ein Urvertrauen.
Darüber reflektieren,
inwieweit ich reflektiere, dass 1+1 = 2 ist,
oder in gewissen Phasen bereits verinnerlicht habe,
dass 1+1 = 2 ist,
so dass ich nicht mehr darüber reflektieren muss,
dass 1+1 = 2 ist ---.
das mach ich nicht.

Übrigens lass ich mir auch von keinem BRD-Dekonstruktivismus mein
Urvertrauen darin nehmen,
DASS ICH DEUTSCHER BIN.

Ich bin nicht stolz darauf, dass ich reflektieren kann,
dass 1+1 = 2 ist.
Aber ich bin stolz darauf, dass 1+1 = 2 ist.

Würde mir jemand mein Urvertrauen darin nehmen wollen,
dass 1+1 = 2 ist,
dann wäre es wahrscheinlich ein Frage der Folterstärke,
bis ich abschwörte, dass 1+1 = 2 ist.
Toll fände ich es natürlich von mir,
wenn ich überhaupt nicht abschwörte,
dass 1+1 = 2 ist,
egal wie heftig die Folter ist.

Natürlich können Sie sagen:
Eine Abschwörung nach außen muss noch lange nicht mein inneres Vertrauen darin zerstört haben, dass 1+1 = 2 ist.
Doch finde ich, dass es wichtig ist, dass das Urvertrauen,
das jeder Mensch hat,
auch nach außen gelebt wird.

Wer diese Rückbindung hat
(bewusst oder unbewusst),
kann sich selbst zum Kreator machen oder
(damit es nicht zu blasphemisch klingt)
zum kreativen Medium.
Stil-Blüte
26. November 2015 16:04
Auch in fast jedem Kleinkindantlitz steht es noch geschrieben: das Urvertrauen, die Unschuld, die Anmut. Zumindest dort dürfen wir es uns mit einem Zulächeln für einen Moment der Ahnung abholen. Auch Kindern aus behüteten, heilen Familien ist es noch lange anzusehen. Erfreuen wir uns daran!
Exmeyer
26. November 2015 16:46
I. @ der Gehenkte / @ enickmar: Niemand, der hier schreibt besitzt ein uneingeschräntes (Ur-) Vertrauen. Niemand.

II. @ Helgi Knartr: "Gott sei Dank." - Welchem? ;-]

III. @ Helgi Knartr: Es ist gar kein Problem, daß sie meine aufgeworfenen Fragen oder kleinen Provokationen beiseite schieben. Ich freue mich, daß Sie die Antworten auf diese aufgeworfen Fragen alle zu kennen scheinen. Dann steht dem wohl nichts entgegen, sie alsbald zu äußern ...

IV. Ich selbst muß meinen eigenen Vorwurf an die meisten auch an mich selbst richten. Meine Ansätze waren gar keine Antworten auf die im Kern nach dem Urvertrauen gestellte Frage Lutz Meyers, sondern drehen sich nur um diesen Punkt herum, ohne ihn zu treffen. Deswegen: Einige - mich eingeschlossen - haben ein vages, abstraktes, ein mögliches Gottesbild. Jede konkrete Religion ist lediglich der Versuch aus dem Abstrakten ein konkretes Bild zu machen.
1. Dieses konkrete Bild verhilft einfach gebauten Geistern überhaupt zu glauben. Sie müssen sehen. Naja, in den zehn Geboten findet man dazu die passende Antwort.
2. Dieses konkrete Bild ist natürlich von Menschen für Menschen gemacht. Spätestens deren Interpretation dient ganz profanen Zwecken der Interpretatoren.
3. Dieses konkrete Bild verhindert ob seiner leichten Angreifbarkeit den Glauben bei Mittelintelligenten.
4. Diese Primitivskepsis zu überwinden ist für die meisten schon eine Herausforderung.
5. Hingegen: Die meisten hängen dem Althergebrachten in idealisierter Form an (von mir Ultrakatholiken genannt), aus zwei Gründen:
a) Die Hoffnung, daß letztendlich doch alles zu retten sei und gerettet werden wird. Letztendlich so wie es ist, so es angeblich mal war. Davon ausgehend, daß dies möglich sei. - Ist es nicht.
b) Das zutreffende Wissen, daß nur starker und konsequenter Glaube, selbst wenn nur geheuchelt, einem Kollektiv ausreichend Stärke durch inneren Zusammenhalt verleiht. Grundsätzlich ist das richtig. Aber die Frage, ob heute ein reaktionärer Urkatholizismus dies REALISTISCH übernehmen kann, mit all den Hemmnissen, die dazu aus der Amtskirche kommen, ist dabei allerdings bestenfalls ungeklärt und wohl zu verneinen.
c) Ob einer dieser ans Althergebrachte Glaubenden wirklich an einen Gott glaubt, ist gar nicht eindeutig. Ich halte das Festhalten an der Form für das sicherste Zeichen des Durchschlagens des inneren Zweifels. Sie "glauben" entweder aus weltlichen Zwecken. Oder weil sie wirklich glauben wollen, aber nicht können. Sie brauchen - wie immer - externe Hilfe.
6. Die Skeptiker gegenüber dem Althergebrachten - mich eingeschlossen - haben keine Alternative zu bieten. Weder im Ideal, schon gar nicht Institutionell. Korrekt.
7. Die Anhänger am Althergebrachten haben bisher allerdings nicht begründet, wieso dieses die Lösung sein soll. Somit haben sie ja noch nicht einmal den Hut in den Ring der möglichen Ansätze geworfen. Gerade diesem Kreis ist doch selbst klar, daß selbst eine Konversion aller Flüchtlinge (durch Verteilung von Bibeln und Weihnachtsgeschichten?????) zum Katholizismus eben nichts an dem Masseneinwanderungsproblem oder der einhergehenden Kriminalität ändern würde, siehe italienische Mafia. Die hat der Katholizismus auch nicht von den Verbrechen abgehalten.

Die Frage nach dem Katholizismus ist hier nicht anhand einer idealen Staatsreligion zu beantworten, sondern ob dieser in einer (im besten Falle) staatenarmen/staatenlosen (Übergangs-) Zeit den Menschen ganz konkret dient.

Nicht eine Antwort bisher in dieser Richtung. ... natürlich nicht ...
Ich glaube an Gott / an eine göttliche Ebene, habe ich immer. Aber sicher nicht an die Bibel oder die Dreifaltigkeit.
der Gehenkte
26. November 2015 17:43
„Vergiss nicht, dass ich mich 25 Jahre lang – größtenteils als Gläubiger, mindestens aber als Suchender – unter Hohepriestern, heulenden Derwischen, Mirakelbewirkern, Stimmenhörern und anderen Pfaffen jeglicher Spielart bewegt habe. Seitdem allerdings bin ich endlich allergisch geworden. Wer mit Gott zu tun hat, dem glaube ich’s nur noch, wenn er davon gefälligst die Fresse hält“ (Herbert Fritsche: Briefe 1, 97)


Ich verstehe gar nicht, weshalb sich hier einige auf den Schlips getreten fühlen und sogleich mit Versammlungsausschluß drohen, einen sogar als „Abfall“ bezeichnen. Kann doch jeder glauben, was er will. Mir ging es lediglich darum, einige logische Probleme bei absoluten Argumenten aufzuzeigen und ich fürchte, dem ist mit Bekenntnissen nicht beizukommen.

Das Problem des Glaubens ist doch dies: Man wird entweder hineingeboren – geworfen – und glaubt, weil die Eltern/Gesellschaft so wollten oder aber man überzeugt sich und macht seine eigene Urteilsfähigkeit zum Maßstab für absolute Fragen. Die dritte Variante ist die „Erleuchtung“, das „Wunder“ – sie ist die einzig interessante. Kann jemand berichten?

So wird der Katholik in die „Absurdität“ der Trinität hineingeboren, wie der Muslim, in die „Absurdität“ des „La ilaha illa Allah, Muhammadur rasuulu Allah“ hineingeboren wird. Wer hat nun recht? Jeder kann auf seinem beharren und jeder kann auch daraus ein Urvertrauen saugen – beantwortet ist die Frage damit trotzdem nicht. …

Da kann man Schöpfungspläne entwerfen wie man will, ich bin ziemlich sicher, daß Gottes Wege unergründlich sind und kein Sterblicher sie erfassen kann. Da wird Psychologismus betrieben (@ Taurec:„Die Gewißheit bleibt aber unangetastet, denn anders erscheint mir (sic!) die Welt nicht sinnvoll. Ich habe einen Platz, Aufgabe, Bestimmung. Fertig.“) und man hält das dann für Ontologie oder einen Gottesbeweis.

Da wird Logik gröblichst mißachtet: Sein – des Gläubigen – Schwert führt Gott, aber der „Ungläubige“ ist „von der Lebenskraft abgeschnitten. Sein ganzes Leben ist fragwürdig.“ – als ob der Ungläubige nicht auch von Gott wäre (wenn er es denn ist). Paradoxien des Glaubens. Habe ich drei Mal im Jahr, wenn die Zeugen vor meiner Tür stehen.

Egal. „Strategisches Bündnis“ sollte hier das Stichwort lauten: Jeder nach seiner Fasson aber gemeinsam für unsere Grundwerte – und das sollten keine spezifisch religiösen sein.
Der Gutmensch
26. November 2015 17:57
Anmerkung Meyer: Man redet also nur über das, was man NICHT hat? Und wenn man es hat, REDET man nicht darüber? Ihr Einwand kommt mir ein wenig absurd vor – gerade hier an diesem Ort ;-)

Lieber Herr Meyer,

man kann nicht alles sinnvoll positiv beweisen; ich nehme an, darauf will der Gehenkte hinaus. Ob jemand Urvertrauen hat, zeigt sich nämlich nur, wenn er sich anders verhält als jemand, der nachweislich keines hat; beispielsweise ein nachweislich Angstgestörter. Genauso verhält es sich mit dem freien Willen: Es wird einem nie gelingen, nachzuweisen, dass es ihn gibt; zuviel spricht dagegen. Aber der Lauf der Geschichte lässt sich auch nicht nur mit Zwangsläufigkeiten begründen (wie beispielsweise Marx das versucht hat). Nennen Sie das also, wie Sie wollen ... den göttlichen Funken in uns ... die Kreativität ... das, was uns als Mensch ausmacht ... das Eigene ... das hat tausend Namen und lässt sich dennoch nicht vollständig erfassen. Gott sei Dank!

LG,

d. G.
Helgi Knartr
26. November 2015 18:13
Vertrauen, trauen, (sich) anvertrauen, Treue, getreu - alles Wörter, in denen sich im Laufe von Jahrhunderten vieles an Sinn schichtweise überlagert und abgelagert hat, alles Wörter mit semantischer Tiefendimension.

"Urvertrauen"? Ein Neologismus. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob ich als Säugling ein vorreflexives Urvertrauen hatte. Als ich mich später an Mutters Schürzenzipfel geborgen fühlte und an Vaters Hand Sicherheit verspürte - ob das etwa das hier bemühte "Urvertrauen" war? Ich glaube, eher nicht. Zumindest reicht mir das Wort "Vertrauen", mit dem komme ich voll und ganz aus.

Ohne Vertrauen läßt sich kaum sinnvoll leben. Mir geht's da wie jedem. Aber was mein Vetrauen in den Staat betrifft - das erodiert zusehends. Und gar "Vertrauensvorschuß"? Früher habe ich den im Hinblick auf den Staat durchaus gewährt: damals z.B., vor Jahrzehnten, als ich meinen Fahneneid schwor.

Ich habe eigentlich nie in besonderer Weise an diesen Eid gedacht; der gehörte damals dazu, so war's Brauch, so war's gut und richtig. In den letzten Jahren allerdings denke ich mehr und mehr an diesen Eid, und mir wird mehr und mehr bewußt: Er gilt nach wie vor. Er verpflichtet.

Wenn mich solche Gedanken beschäftigen, dann fällt mir verdammt viel ein. Eines allerdings ganz gewiß nicht: den Politikern dieses geschundenen Staates "Vertrauensvorschuß" einzuräumen. Wenn ich an meinen Fahneneid denke, dann fällt mir was ganz anderes ein. (Und das teile ich hier besser nicht mit.)
Helgi Knartr
26. November 2015 18:46
@ Exmeyer, 16.46

@ Helgi Knartr: „Gott sei Dank.“ – Welchem?


Ich meinte nicht: Odin.

III. @ Helgi Knartr: Es ist gar kein Problem, daß sie meine aufgeworfenen Fragen oder kleinen Provokationen beiseite schieben. Ich freue mich, daß Sie die Antworten auf diese aufgeworfen Fragen alle zu kennen scheinen. Dann steht dem wohl nichts entgegen, sie alsbald zu äußern …


Viele werfen hier Fragen auf, von Meyer bis Exmeyer. Aber wie kommen Sie darauf, daß ich die Antworten auf diese Fragen alle zu kennen scheine? Das hieße ja doch, daß ich die Fragen bzw. die Fragenkomplexe akzeptiere, daß ich sie (hier!) als relevant ansehe (und die mitgeteilten Antworten bzw. Lösungsvorschläge dazu).

Das tue ich vielfach keineswegs.

(Mir drängt sich auf, daß es auch anderen, die hier mitlesen, so gehen könnte wie mir - aber das ist nur eine Vermutung.)
Exmeyer
26. November 2015 19:47
@ Knartr: Nun gut.

1. Die realexistierenden Kirchen stehen auf der FEINDLICHEN Seite.
2. Viele Menschen BRAUCHEN einen Glauben und einen institutionellen Rahmen.
3. Das Vertrauen in den Staat ist nicht bloß "erodierend", sondern bereits auf annähernd null erodiert. Objektiv. Subjektiv hängen wohl noch einige hinterher.
4. Das Vertrauen in die Kirchen? Das dürfte mit etwas Gedankenkälte sogar noch übler stehen. Aber subjektiv ist hier wohl die größte Diskrepanz zwischen den Kommentatoren.

Teilt man diese Einschätzungen, entsteht daraus zwingend die Frage: Wie weiter?

Relevante Frage? Nicht? - Ich denke schon.
Antworten? - Ich sehe hier keine.

Weshalb? Na, weil die meisten schon Punkt 1 nicht teilen. Nicht, weil sie es nicht wollen! Weil es nicht können. Ein tausend Jahre altes Gebäude, eine noch ältere Institution, (mit etwas Liebe) sogar existent seit der "Zeitenwende": Das steht für eine Stabilität, die in DIESER heutigen Zeitenwende nicht mehr zu greifen ist. Sie KÖNNEN NICHT davon lassen! Verständlich. Da kann der Verstand hundertmal "wissen", daß diese Institution an ihrem Untergang aktiv beteiligt ist und diese dabei alleine die Kraft hätte, diesen Untergang zu verhindern. Tut sie nicht.
An dieser - idealisierten - Kirche hängt ihr ganzes vergebliches Hoffen. Man könnte das wohl als Tragödie sehen. Ich neige mittlerweile dazu, es als Komödie zu betrachten. Nach Marx wohl eine Farce.

Aber in Wahrheit handelt es sich unerbittlich um Schwäche!
Der Gutmensch
26. November 2015 20:37
und PS Herr Meyer:

Hier ist, hoffe ich, der Ort, wo gepflegt wird, zusammengetragen, gehütet, vieles verworfen, einiges wenige bestätigt. Aber "bewiesen" ... also wenn das wirklich möglich wäre, könnte man wohl auch Kühen das Seiltanzen beibringen, das wäre dann nur eine technische Frage.
Hartwig
26. November 2015 20:49
Um es ganz simpel und mit einer Sprechblase auszudrücken, "Der Weg ist das Ziel", oder "Der Weg ist der Weg ist der Weg" auf der Suche nach Gott.
Mein Elternhaus sagte mir nicht, wie er heisst, wo er ist, wer er ist, was er ist, das er ist. Doch seit ich lesen kann, suche ich. Warum? Weil es "Gott" zu geben scheint. Ich nenne das Glaube.
Religion ist etwas anderes. Unpersönlich. Stiftend. Klammernd. Wichtig für eine Gemeinschaft. Wenn sie fehlt, dann bilden sich Ersatzreligionen. Scheint also so, als sei auch Religion dem Mensch etwas Notwendiges.
Ich sehe in Deutschland (auch Mitteleuropa) in den christlichen Religionen aktuell wenig Potential. Wir benötigen etwas Neues, oder etwas Altes - eine Geburt oder Wiedergeburt.
ingres
26. November 2015 20:54
Ich habe nicht das Vertrauen in diesen Staat verloren ich weiß, dass es derzeit in diesem Staat nicht mit rechten Dingen zugeht. Ich weiß das!

Ich habe dem Staat also nicht meine subjektive Überzeugung hinsichtlich dessen Redlichkeit entzogen, sondern ich weiß objektiv, dass dieser Staat unredlich handelt, bzw. lügt. Ich habe dem Staat nicht das Vertrauen entzogen indem ich ihm nun mißtraue. Ich weiß, dass der Staat lügt, bzw. nicht wahrhaftig handelt. Meine Beurteilung dieses Staates ist also nicht subjektiv, sondern objektiv gültig. Insofern spielt der Begriff Vertrauen für mich keine Rolle. Entweder ich weiß etwas oder ich weiß es nicht.
Hartwig
26. November 2015 21:45
@ ingres

Sie hatten weiter oben etwas Wichtigeres geschrieben; sinngemäß: Sie suchen nicht das Paradies, sondern nur ein lebenswertes Leben.
Falls Sie "lebenswert" so übersetzen, wie es in Deutschland gemeinhin verstanden wird, so suchen Sie eben doch das Paradies. "Wohlstand und Frieden" - das ist das "lebenswerte Leben", wie es 90 Prozent verstehen; das Paradies. - Der paradiesiche Zustand, der zwangsläufig in der Vertreibung aus dem Paradies enden muss.
Bran
26. November 2015 21:58
Mich dünkt wie so oft in der Kommentarspalte, wenn Raskolnikov abwesend ist, dass Exmeyer der Einzige ist, der Relevantes von sich gibt, das sich oberhalb der Ebene intellektueller Gedankenspielereien bewegt.
Die Widersprüche, die er jeweils erhält, sind m.E. auch jeweils nur Sophistereien, die ihn aber in keiner Weise entkräften oder widerlegen.
Ich würde es begrüssen, wenn hier mehr Ex- und weniger Meyer zu lesen wäre auf diesem Blog, wenigstens so lange bis das Projekt Ernstfall wieder auftaucht.
Karl Blomquist
26. November 2015 23:53
Zur Diskussion Sun Tsu:
Kannst du den Feind nicht besiegen, verbünde dich mit ihm

Die VSA fluten Deutschland mit Mohammedanern und Afrikanern, weil sie diese für maximal inkompatibel halten, und meinen, damit in Deutschland den maximalen Schaden anrichten zu können. Beide, die VSA auf der einen, die Mohammedaner und Afrikaner auf der anderen Seite, können wir nicht besiegen.

Wie wäre es eigentlich damit, uns mit den Mohammedanern, die schon hier sind, gegen die VSA zu verbünden? Damit würden wir den Spieß umdrehen, den Feind seines Instrumentes berauben und die VSA-Strategen ziemlich dumm aus der Wäsche gucken lassen.

Goethe, Faust – Der Tragödie erster Teil
Mephisto: »Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.«

M.a.W. hieße das hier, dass etwas, das die VSA in böser Absicht geplant haben, in etwas Gutes umschlagen kann.
nörgler
27. November 2015 02:03
Herrlich,diese verhinderten Schriftsteller,mit ihren Ergüssen.Alle haben die Weisheit buchstäblich mit Schöpflöffeln gegessen.Bitte um Veröffentlichung,Herr
Ritter vom heiligen Gut,sei es auch nur so zum Spass,
Herr Baron.
Werner H.
27. November 2015 02:25
@Exmeyer
Naja, gut, ich habe Ihre Götter, Kant&Co., "Aufklärer", moderne Wissenschaftler usf. als Idioten bezeichnet. Im Gegenzug kommen sie mit deren schräger Weltweisheit plus ein wenig Küchenpsychologie, um mich wahlweise als Heuchler oder betreuungsbedürftig zu klassifizieren. Sieht so aus, als kämen wir da nicht weiter.

Zum Abschluss eine Anmerkung historischer Natur, um die niemand herumkommt: der Untergang der Abendlandes kam mit Ihresgleichen.
Werner H.
27. November 2015 02:43
P.S.: Das ist nicht als Ablehnung eines "strategischen Bündnisses" gemeint.
ingres
27. November 2015 06:33
@Hartwig

Lebenswert ist einmal für mich und ein andermal für den normalen Menschen gemeint. Lebenswert für mich ist: ein Dach über dem Kopf, keine finanziellen Sorgen (obwohl man natürlich für sich selbst sorgen muß!), Meinungsfreiheit usw. Nicht normal bin ich insofern, als ich unter HartzIV-Niveau leben könnte, bzw. es getan habe, auch wenn ich Millionär wäre (oder war). Aber natürlich kaufe ich auch einen Laptop für 700 Euro und gute Sachen zum Anziehen, die dürfen ruhig was kosten. Aber man muß ein Dach über dem Kopf haben und finanziell sorgenfrei sein. Und der Staat muß mir die Freiheiten lassen, die ich in dieser Gesellschaft immer hatte und auch heute noch uneingeschränkt habe. Nur ertrage ich das Lügen- und Ideologie-System dieses Staates nicht mehr. Da nutzt dann auch ein Wohlstand unter HartzIV oder beliebig darüber auch nichts. Religiös bin ich nicht. Ich versuche es über die Naturwissenschaft, da wo die noch nicht greift mit Philosophie, so weit ich die spezielle Philosophie als Vorstufe zur exakten Wissenschaft begreife.

Für den "normalen Menschen" mache ich keine Vorschriften. Der soll auf dem Niveau seines Gehaltes leben und streben. Da maß ich mir nichts an. Er soll aber eben die Möglichkeit haben innehalb eines Rechtsstaats auf diesem Niveau zu leben, statt durch das System massakriert zu werden.

Wie man zu einem solchen System findet, bzw. zurückfindet ist die Frage. Ich denke nach dem Scheitern der "Demokratie" (was ich für endgültig halte) zwar, dass es ein autoritäre System sein muß. Aber ich habe keine Ahnung, ob man das planen kann (vermutlich nicht). Das muß sich ergeben. Da dürfen natürlich "Rechte" (Rechte) für mich ihre theoretischen Vorstellungen einbringen. Nicht alle mag ich vielleicht teilen, aber das ist das Spiel der Kräfte, bei dem ich gestalten kann oder eben auch akzeptieren muß. Der jetzige Zustand jedenfalls ist unerträglich und ich mache mir die größten Sorgen.
ingres
27. November 2015 06:52
Ich möchte folgendes ergänzen und vielleicht kann mit hier auch jemand diesbezüglich weiter helfen.
Ich kenne Kierkegaard nicht und schätze Ausführungen von Robert Spaemann sehr.
Aber es gab bei beiden für mich eine Irritation. Sowohl über Kierkegaard als auch über Spaemann habe ich mal gelesen, dass die das Nicht-Glauben an Gott "bestrafen" wollten oder wollen (bei Spaemann bin ich mir sicher, dass das mal in der FAZ stand). Ich habe das nicht näher untersucht und philosophisch betrachtet verstehe ich durchaus was die meinem könnte. Also philosophisch laß ich mich darauf sogar ein. Aber praktisch wäre das natürlich fragwürdig. Ich habe so das Gefühl, dass echte Rechte eben mehr wollen als nur eine lebenswerte Gesellschaft (was ja auch eine Leerformel ist).
Ja und das mag zum freien Spiel der Kräfte gehören, aber eine Absicht wie die Kierkegaards bzw. Sparmanns, ist bei allem philosophischen Verständnis meinerseits für ein solches Anliegen, halt nicht meine Sache. So denke ich halt nicht.
Rumpelstilzchen
27. November 2015 08:39
Bevor die Diskussion über den Vertrauensverlust noch mehr entgleitet, sollten wir wieder auf den Boden der Realitäten zurückkommen.
Der Vertrauensverlust in die Ordnungskräfte erfordert nicht nur eine geistige oder geistliche Verteidigung, sondern zunehmend auch eine physische:
http://www.welt.de/wirtschaft/article149324141/Deutschland-hat-Angst-und-greift-zur-Waffe.html

Und jetzt bitte nicht darüber philosophieren !

Anmerkung Meyer: Ein schöner und würdiger Schlussatz. Philosophiert wurde genug. Dank allen für die rege Beteiligung!
Andreas Törner
27. November 2015 10:01
Mich dünkt ..., dass Exmeyer der Einzige ist, der Relevantes von sich gibt, das sich oberhalb der Ebene intellektueller Gedankenspielereien bewegt.


Oberhalb?

Eine Klonovskyeske Ergänzung dazu vielleicht noch:

Halal (mit viel Zucker oben drauf!):

...der Untergang der Abendlandes kam mit Ihresgleichen.


(...der Aufstieg freilich auch, wir wollen ehrlich sein!)

Haram (nie hinter das einmal Erkannte zurückfallen!):

Das ist nicht als Ablehnung eines „strategischen Bündnisses“ gemeint.

Exmeyer
27. November 2015 10:28
@ Werner H.

"Naja, gut, ich habe Ihre Götter, Kant&Co., „Aufklärer“, moderne Wissenschaftler usf. als Idioten bezeichnet." - Es sind NICHT!!! meine. Ich teile deren Kern NICHT! Das heißt aber auch nicht das immer gleich das Gegenteil dessen richtig, ist was diese schreiben.
Ich sehe Aufklärung und Materialismus ebenso den kalten Realismus als eine - notwendigerweise verkrüppelten - Ansatz, dem Verständnis der Welt näher zu kommen.
Das ist aber eben nur EIN Ansatz, niemals DER Ansatz. Und ich kenne keinen Aufklärer, der dem Großen Ganzen wirklich näher gekommen wäre. Dennoch gibt es beispielsweise die Biochemie. Falsch? Nein. Ausreichend? Nein.

"Im Gegenzug kommen sie mit deren schräger Weltweisheit plus ein wenig Küchenpsychologie, um mich wahlweise als Heuchler oder betreuungsbedürftig zu klassifizieren." Das ALLERLETZTE was ich wollte, ist beleidigen. Meinen Sie, ich bin da wirklicher "besser"? Meinen Sie ich habe früher anders gedacht und dies mit Klauen und Füßen verteidigt. Nun sind die Jahre weiter. Und weshalb sollte ich andere mit den Fragen verschonen, die ich mir selbst gestellt habe. Ich will PROVOZIEREN! Nachdenken! will ich bei denen erreichen, die das wollen.
Meinen Sie, für einen Menschen, dessen Familie von der Reformation an bis heute AUSNAHMSLOS evangelisch war, ist der allererste Kirchenaustritt leicht?
An Gott habe ich immer geglaubt, an Jesu (als Christus) nie (als historische Person schon). Ich habe insofern das Glaubensbekenntnis nie mitgesprochen. Der Anfang meines Zweifels am evangelischen institutionellen Rahmen hat das erste Lesen der Edda bewirkt. Welche Kraft! Ich habe trotzdem immer am Evangelischen formell festgehalten und sogar recht streng. Alleine schon weil die Preußen das Eiserne Kreuz als Tapferkeits- und Identitätszeichen hatten, Kontinuität und Stabilität und Kraft. "Man müsste sich nur wieder daran etwas konsequenter erinnern und alles kommt in Ordnung", habe ich gedacht.
Was für ein Unfug! Wer ist dieser "man"? Gibt es den? Wer ist es, wenn ich es nicht bin? Keiner? Genau!

"Sieht so aus, als kämen wir da nicht weiter." Stimmt das wirklich?

"Zum Abschluss eine Anmerkung historischer Natur, um die niemand herumkommt: der Untergang der Abendlandes kam mit Ihresgleichen." NEIN. Das ist nicht historisch. Das ist bestenfalls philosophisch. Der Untergang des Abendlandes kam, als man sich nach Bismarcks Abtritt dem Wunschdenken anstatt dem festen Glauben an Eisen und Blut hingab. Untergegangen ist das Abendland formell 1945, bis dahin gab es ebenfalls nochmal viel Wunschdenken.
Und die römische Kirche hat über die Jahrhunderte ihren Teil dazu beigetragen. Das ist politische Geschichte, um die niemand herumkommt. Seit Karl dem Großen hat sie einer stabilen Mitte Europas den Krieg erklärt. Der letzte Höhepunkt wohl das 1. Vatikanum. Oder Refugees Welcome? Licht aus in Köln?

Da geht das Licht aus. MAchiavelli hat in seinen Discorsi alles notwendige über Religion geschrieben. Dagegen ist auch Nietzsche, der Antiaufklärer, der den Kern selbst tausendmal besser trifft, als alle Aufklärer zusammen, naiv.
Exmeyer
27. November 2015 10:34
@ Lutz Meyer

ich hatte fahrlässigerweise genau nicht bis zu Ihrer "Schluß!"-Zeile geklickt. Bitte daher um Ausnahme.

Mein letzter Satz: Wenn das "strategische Bündnis" nicht gelingt, ist wohl tatsächlich Game over!
Lutz Meyer
27. November 2015 10:34
Danke an alle! Die Diskussion zu diesem Beitrag ist beendet!

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