08. Dezember 2015

"Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich" - eine Rezension

von Ellen Kositza / 16 Kommentare

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

drogen-im-dritten-reich_720x600aus Sezession 69 / Dezember 2015

Daß Hitler drogenabhängig und die Wehrmacht auf Meth gewesen sein soll, daß Aufputsch- und Sedierungsmittel gang und gäbe waren unter Nationalsozialisten, ist keine These mit Neuigkeitswert. Allerdings galten solche Befunde bislang als Aufbereitungen aus der Gerüchteküche und als Versuch, durch Pathologisierung sowohl Durchhaltewillen und -kraft als auch die Brutalität der Akteure zu begründen.

Unvoreingenommenheit wird man Norman Ohler, der als Brotberuf dem Roman- und Drehbuchschreiben nachgeht, ebensowenig attestieren können wie eine Ausbildung zum Historiker.

Er hatte für ein Romanvorhaben recherchiert, wovon zahlreiche flapsige Überschüsse im Stil (»Deutschland sucht den Superjunkie«; Rommel als »Crystal-Fuchs«; Hitler mit »Laberflash«; eingangs werden reißerisch »Gefahren und Nebenwirkungen« der Lektüre – »für Kinder unzugänglich« – genannt) zeugen. Die Fülle des teils entlegenen, zuvor ungesichteten Materials hat aus Ohlers Belletristikplan ein Sachbuch wachsen lassen – und das hat es in sich.

Daß es sich spannend wie ein Krimi liest, bedeutet nicht, daß der Autor eine wilde Geschichte aus Indizien strickt, (beinahe) alles ist gut belegt. Nach der Lektüre ist zu konstatieren: Hinter diesen Forschungsstand kann man nicht zurück. Dies gilt für das Kernsujet des Buchs; zahlreiche Nebenbehauptungen (beispielhaft Ohlers Behauptung, beim Luftangriff auf London 1940 handelte es sich um den »ersten systematischen Terrorangriff des Krieges«) sind zweifelhaft oder unzutreffend.

Das erste von vier Großkapiteln widmet sich der »Volksdroge Methamphetamin«. Ohler zeigt, wie sehr Produkte wie Marianiwein, Mormonentee und die pervitinhaltigen Hildebrand-Pralinen (»mehr Freude bei der Hausarbeit!«) in sämtlichen Schichten der Bevölkerung verbreitet waren. Kleine Dosen Pervitin galten für unbedenklicher als Koffein; Heroin, so warb der Pharmakonzern Bayer, könne bei Husten und Darmkoliken selbst Säuglingen verabreicht werden. Sowohl Nationalsozialisten als auch Kommunisten nahmen in den dreißiger Jahren den Kampf gegen »Degenerationsgifte« auf. Die ab 1933 etablierten Karteien, in denen Abhängige erfaßt wurden, bezeichnet Ohler als Instrumente »zum Ausbau eines Spitzelstaats«. Man hätte es auch als Maßnahme zur Förderung der Volksgesundheit nehmen können – die spätere Konterkarierung wäre entlarvend genug.

Das zweite Kapitel titelt ätzend »Sieg High – Blitzkrieg ist Methamphetaminkrieg«. Otto Ranke, Chef des Wehrphysiologischen Instituts, kannte den Hauptfeind der Wehrmacht: die Müdigkeit. Ermüdungsbekämpfung galt ihm als Chefsache. Pervitin wirkte in Versuchen so durchschlagend, daß Rankes spätere Warnungen ungehört verhallten. 1939 bahnte sich die Droge relativ unkontrolliert ihren Weg. Pervitin hielt wach, dämpfte Hunger, besserte die Stimmung und beseitigte Hemmungen. Obgleich es unter Rezeptpflicht gestellt wurde, stieg der Verbrauch rasant an.



Ob Heuschnupfen oder als Geburtshilfe – Metamphetamin griff immer. Gottfried Benn fand, man könne Pervitin »für die Zerebraloszillationen an höheren Schulen« einsetzen, bediene es doch das »uralte Menschheitsverlangen nach Überwindung unerträglich gewordener Spannungen«. Abgebildet ist ein Brief Heinrich Bölls von 1939: »Ihr müßt verstehen, wenn ich nur alle zwei bis vier Tage schreibe. Heute schreibe ich hauptsächlich um Pervitin!« Private Bitten erübrigten sich bald: Für Heer und Luftwaffe hatte die Wehrmacht 35 Millionen Tabletten bestellt, »in Chemiegewittern« läßt Ohler die Armee agieren. Er meint es polemisch – seine Nachweise sprechen eine deutliche Sprache. Die Archive reden für Ende 1940 von über einer Million Dosierungen pro Monat.

Das dritte Kapitel nimmt Hitlers Drogenkonsum und sein Verhältnis zu Leibarzt Theo Morell unter die Lupe. Wo Historiker wie Ian Kershaw schrieben, 90 Mittel während des Krieges, 28 pro Tag, hätten Hitlers Verfall nicht aufhalten können, attestiert Ohler eine Umkehrung von Ursache und Wirkung. Hitler ließ sich (meist intravenös) einen solchen Medikamentencocktail verabreichen, daß Wirkungen und Nebenwirkungen sich ein unaufhaltsames Rennen lieferten. Ohler treibt einigen Aufwand, um herauszufinden, ob sich hinter dem ominösen täglichen »x« in Morells Aufzeichnungen Traubenzuckerinjektionen oder (wahrscheinlicher) das starke Opioid Eukodal verbarg.

Im vierten Kapitel widmet sich Ohler »späten Exzessen«. Hier (»Der tausendjährige Rausch«) will er sensationistisch »aufräumen« mit dem »Mythos der sauberen Wehrmacht« und vor allem der Marine. Admiral Heyes Name nennt Ohlers ulkigerweise »lautmalerisch« – einerlei: Heye segnete in Zusammenarbeit mit Obersturmbannführer Otto Skorzeny den Einsatz einer »Hammerdroge« ab, die aus einer Mixtur aus Eukodal, Kokain und Methamphetamin bestand. Der Spezialeinsatz der Marine wurde (Nebenwirkungen!) zum Fiasko. Vom berüchtigten Schuhläuferkommando in Sachsenhausen wurden – hier arbeiteten Marine und SS Hand in Hand – neue Drogenkombinationen getestet. Derweil wurde Hitler im Bunker drogengesättigt zu »einer Art leiblichem Seismografen für die sich abzeichnende Niederlage«.

Norman Ohler: Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich, Köln: KiWi 2015. 363 S., 19.99 € – hier bestellen!

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (16)

KJ
08. Dezember 2015 18:37
Auch heute sind Führungseliten, vor allem in den Medien, auf Drogen.

Das macht es besonders schwierig, weil hier die Tendenz zum Wahn ja immer ein Problem ist. Geht doch mal in ein großes Medienhaus und beordert die Verantwortlichen zum Drogentest.
Danny
08. Dezember 2015 19:47
An sich steht in dem Artikel (oder auch dem Buch) sicher nicht viel falsches. Allerdings erweckt er zu Unrecht den Eindruck, dass das Geschilderte negativ zu bewerten ist.

Methamphetamin wurde und wird im Militär eingesetzt, weil es Sinn macht, sprich, weil es in Gefechten die Chance erhöht zu gewinnen und mit seinem Leben davonzukommen. Man fragt sich, ob es den Kritikern lieber gewesen wär, wenn die Kampfflugzeugpiloten, etc. öfter grundlos abgestürzt wären.
Der Krieg wär vllt harmonischer verlaufen, wenn alle Seiten auf Aufputschmittel verzichtet hätten, aber das ist genausowenig realistisch wie bzgl. Waffen, Panzern oder anderen Methoden die eigenen Chancen zu erhöhen.

Übrigens wirkt Amphetamin tatsächlich gut gegen Asthma und IST (neben Ritalin) heute Standardmittel für "Zerebraloszillationen an höheren Schulen" (deren Abwesenheit man wohl heute mit ADHS bezeichnet) und zwar v.a. in Amerika.
Fast alle beteiligten Staaten des WK2 haben Aufputschmittel mehr oder weniger flächendeckend eingesetzt. Mittlerweile geht halt es über Rezept, aber die abgegebene Gesamtmenge liegt heute mit Sicherheit deutlich über dem WK2 Niveau. Das gilt vermutlich sogar für Methamphetamin seitdem man in Amerika (wieder-)entdeckt hat, dass es harmloser ist als Übergewicht und entsprechend die Zulassung erweitert hat.

Davon ab haben die heutigen Verbote ohnehin nichts mit der Gefährlichkeit zutun sondern sind Ergebnis der Bestrebungen der USA puritanische Werte global per UN durchzusetzen. Drogen werden nicht verboten, weil sie schädlich sind, sondern weil sie Spass machen. Natürlich sind auch manche schädlich, aber seltsamerweise kam das Christentum zumindest bis zur Reformation sehr gut ohne Verbote aus und mir fehlt irgendwie der Glaube, dass Ärzte heute verantwortungsvoller damit umgehen als die normalen Leute früher. Zumindest wüsste ich nicht, dass man früher in dem Ausmass Kindern Amphetamin gegeben hat wie es heute der Fall ist.
Grau
08. Dezember 2015 20:13
"hier bestellen!"

Nö, eine gute Besprechung, aber kein Buch, das mir den Kauf zu lohnen scheint.
Solch krampfig-locker kritische Abarbeitungen am Thema gibt es zu viele auf der Welt.
jack
08. Dezember 2015 20:48
Junkies also, high Hitler, so ein Glück, da recherchierter Maßen unzurechnungsfähig, ergo strafunmündig. Der Persilschein nach 70 Jahren.
Das Wissen um gedopte Armeen, Vietnam-> Afghanistan-> Guantanamo etc. mit Heroin erklärt die Nichtbestrafung heute.
Gibt es eigentlich noch ein unentdecktes Negativum?
Ostelbischer Junker
08. Dezember 2015 22:08
Drogen sind nicht per se böse, oder schädlich - oft sind sie nützlich. Wenn man sie verantwortlich nimmt. Schaut auf Ernst Jünger, wie man das tut und trotzdem kein Junkie wird. Ich bin überzeugt, dass einer der Gründe für den wirtschaftlichen und vor allem wissenschaftlichen und intellektuellen Erfolg in Deutschland, Europa und Amerika am Beginn des 20. Jahrhunderts die Verfügbarkeit von Legal-Highs war. Damals haben freie Menschen nach ihrem eigenen Gusto Drogen konsumiert. Heute wird man für das rauchen eines Naturprodukts brachial bestraft, während sich meine Generation jetzt verstärkt Badesalz und solches Zeug reinzieht. Nur um nicht in die Fänge dieses Staates zu geraten, ruinieren sie sich die Gesundheit. Was für eine perverse Zeit.

Marcus Junge
09. Dezember 2015 01:50
Das ist alles sooooooo eine Neuheit, daß über all die Themen schon ZDF-Knopp berichtet hat, schon vor Jahren.

Pervitin und Co. - Siehe Youtube "Die pharmazeutische Waffe", eingestellt 2011 oder "Die Wunderpille der Wehrmacht" 2014.

Und das Hitler "high" gewesen sein soll, wird von anderen energisch bestritten, eben weil er keine Drogen / Suchtmittel bekommen haben soll, sondern nur harmlose Sachen.

Dann dieser durchscheinende Pseudomoralismus im Stile von: "Damals haben die bösen Nazis selbst Säuglingen Drogen gegeben". Coca Cola enthielt wirklich mal Kokain, Kiffen war ganz normal und wurde gerade Frauen verordnet, Rauchen sei gut für die Gesundheit, Opium gab es in der "Höhle" nebenan und nur wer süchtig wurde, bekam ein gesellschaftliches Problem, Pervitin gab es in der BRD zu kaufen und wurde massenhaft benutzt. Aber ja, da fand man in den 30'ern eine neue Wirkstoffart und verwendete diese, was aus heutiger Sicht sooooooooo böse ist, da muß der geneigte Zeitgenosse mit BRD-Dachschaden sich ja drüber echauffieren, weil er ein moralisch so viel besseres Wesen ist, wissenschaftlich viel gebildeter. Weshalb man auch wieder bei der Buntewehr über die erneute Einführung von Pervitin-Zeug nachdenkt, es US-Piloten massenhaft schlucken oder gerade beim Kiffen (bin kein Freund davon) die Legalisierungswelle sich auftürmt.

Aber Hitler = Junkie (Gähn) und Wehrmacht = Dauerhigh (Doppelgähn).
Dinkie
09. Dezember 2015 09:09
Der Föhrer auf Amphetamin (Speed), das würde auch seine "Laberflashes" während der nächtlichen "Tischgespräche" erklären.

Allerdings hat Speed einen Haken: Man muss die geborgte Euphorie mit Depressionen zurückzahlen. Dauerhaft ist die körperliche Auszehrung durch Schlafmangel, Appetitlosigkeit etc. auch nicht ganz ohne. Zudem kommt die psychische Abhängigkeit sehr schnell, anders als beim Heroin. Manche Naturen scheinen aber selbst jahrzehntelangen Gebrauch zu überstehen, siehe Lemmy Kilmister (Motörhead).
Kreuzweis
09. Dezember 2015 12:12
Ja, was für eine Überraschung!

Als ein Bekannter berufsbedingt oft lange Fahrten nachts bewältigen mußte (können sich Sozialarbeiter und ihre Brüder im Geiste sicher kaum vorstellen), war er sehr dankbar für die "Pilotenpillen", die ihm ein befreundeter Apotheker empfohlen hatte. Die Pillen wurden irgendwann vom Markt genommen, weil jemand entdeckt hatte, daß sie Amphetamine enthielten. Schlimm-schlimm, er war also einige Jahre ein Drogenkonsument. Lieber wegen Sekundenschlaf in den Graben fahren - dafür rein von Drogen sein!

Liebe Frau Kositza, nun sollten aber auch Sie ihre Weihnachtsbäckerei mal auf den Prüfstand stellen, denn viele Naschereien erhalten ihren besonderen Kick durch (apage satana!) natürliche DROGEN:
www.rowohlt.de/taschenbuch/andrea-fock-opium-fuers-volk.html
(Was waren Mohnspeisen für ein Genuß, als sie noch aus UNBEHANDELTEM Mohn hergestellt waren!)

Und was ist mit den vielen Pillen, die die BRD-Zombies zur Stimmungskorrektur so alles schlucken? Ach so: die sind zugelassen, werden verschrieben und firmieren als Arzneien. Ja dann ist die Welt ja in Ordnung!

Allerlei Drogen in kleinen Mengen machten früher dem Volk das irdische Jammertal erträglicher. Nur all die puritanischen Genußwächter dieser Welt schnuppern in allen Ecken und Winkeln nach der letzten Drogenspur - auf daß man ihnen ihre Paradiesangebote umso williger abkauft.

Demnach wäre das Dritte Reich AUCH nach dem Kriterium Drogenpolitik ein recht liberaler Staat gewesen!
L.
09. Dezember 2015 22:02
Dafür haben die Nazis einen intensiven Kampf gegen Krebs und (normale) Zigaretten geführt. Und nicht nur bezüglich ihrer Bemühungen um die Drogenfreigabe (und dem Kampf gegen Zigaretten jeder Art) wandeln die Grünen heutzutage auf braunen Spuren.

Grundsätzlich war in den 20er und 30er Jahren nicht nur der Antisemitismus sondern auch die Eugenik ein allgemeines Thema in allen westlichen Nationen. Die Nazis haben diese beide Themen "nur" miteinander verbunden und zu vorher ungeahnten extremen Ausformungen geführt. Damit haben sie dann das Feld der Eugenik im Westen für alle Zeiten vergiftet, während die Chinesen traditionell sehr frei und umfassend mit diesem Thema umgehen.

Wenn man so will haben die Nazis nicht nur in ihrer Drogenpolitik Sachen, die eigentlich Konsens waren, derart auf die Spitze getrieben, daß sie den Boden jeglicher Ethik einfach so hinter sich gelassen haben..
Hugo
10. Dezember 2015 00:37
Wenn ein gesitig starker Mensch in der richtigen Umgebung (Raum, Menschen) und unter den richtigen Umständen (Wissen, Begleitung, Nachbearbeitung) bestimmte Drogen nimmt, so kann ihn das wirklich weiter bringen, ohne ihm zu schaden. Schulgin's Buch "Phikal" ist ein klarer Beweis dafür.

Hitler wußte auch hier nicht, was er tat.
Andreas Walter
10. Dezember 2015 03:39
Kann mir kaum vorstellen, dass es in Deutschland auch nur einen einzigen Schriftsteller gibt, der ein neutrales, nüchternes Buch über dieses Thema schreiben könnte, womöglich sogar bei ebensolcher Betrachtung des Gebrauchs und Missbrauchs von psychisch wie auch physisch wirksamen Substanzen auch bei Truppengattungen der Alliierten wie beispielsweise deren Bomberpiloten.

Alles in der Richtung an Propaganda verfolgt jedoch auch in Deutschland oft eine Doppelstrategie mit zweifach negativer Konnotation für die Identitätsgruppe Deutscher, Deutsche oder Deutsches Volk. Wer die Ziele und durchgeführten Experimente an Menschen von Projekten wie MKUltra und ähnlichem kennt, der kann daher über solche verkappten, einseitigen Diffamierungsversuche unserer Vorfahren nur unbeeindruckt und befremdet den Kopf schütteln.

Ein bisschen dieses Jugendkulturmarxismus mit doppelter Botschaft gefällig?

https://www.youtube.com/watch?v=0fRB27kFOG0

"Als Rauschmittel ist Amphetamin aufgrund seiner Wirkungen wie Unterdrückung von Müdigkeit und der Steigerung des Selbstbewusstseins vor allem in der Partyszene verbreitet. Es wird auch als Dopingmittel gebraucht. Die Menge an beschlagnahmtem Amphetamin in der Europäischen Union nimmt seit 1985 mehr oder weniger ständig zu; während ab 1999 eine gewisse Stagnation erreicht wurde, stieg die Zahl in den skandinavischen Ländern weiter an.[9][10]" Wikipedia, Amphetamin

Aus dem gleichen Artikel:

"- Im Zweiten Weltkrieg wurden Amphetaminderivate in den Armeen Deutschlands (Methamphetamin „Pervitin“), der Vereinigten Staaten („Benzedrin“), Großbritanniens und Japans eingesetzt, um Soldaten wach, motiviert und aggressiv zu halten.[11]"

"- 1941 wurde es in Deutschland aufgrund sich häufenden Missbrauchs und Suchtfällen dem Reichsopiumgesetz unterstellt, wodurch der Verkehr mit dem Stoff reglementiert wurde."

Ach, wieso denn das, mitten im Krieg? Da mussten doch alle hellwach sein.

"Ab Mitte 1941 war das Medikament durch das geänderte Reichsopiumgesetz nicht mehr frei, sondern nur noch auf Rezept erhältlich. Dadurch reduzierte sich der Einsatz der Droge merklich.[20] Wikipedia, Methamphetamin

Als Vater der Party-Droge gilt übrigens, seltsame Ironie des Schicksals, Lazăr Edeleanu.

https://de.wikipedia.org/wiki/Lazăr_Edeleanu
Aristoteles.
10. Dezember 2015 21:04
Hier ein kleine Gegendroge gegen Untergangsdepressionen:

https://eulenfurz.wordpress.com/2015/12/09/der-endsieg/

Ist zwar etwas off topic,
passt aber zu den unvergänglichen zwölf Jahren.
Danny
11. Dezember 2015 01:57
Die Entstehung der BTM-Gesetzgebung ist recht interessant.


Die deutsche BTM-Gesetzgebung geht auf den Versailler Vertrag zurück (Artikel 295).
Vorher gab es nur ein Gesetz was den Opiummangel im erstem WK beseitigen sollte, also quasi Rationierung des wichtigsten Schmerzmittels für die Bevölkerung, damit die Soldaten genug hatten.

1920 kam man der Verpflichtung zu Beitritt zum Opiumabkommen durch Gesetz nach ("Gesetz zur Ausführung des Internationalen Opiumabkommens vom 23. Januar 1912"). Kurz vorher fing man auch mit der Alkoholprohibition an, und wo man nun schon Europa erobert hatte lag es natürlich nah auch den Rest der Welt an der eigenen moralischen Überlegenheit teilhaben zu lassen. Instrument natürlich der Völkerbund und später die UN mit dem UN Drogenabkommen. Auch wenn es im Versailler Vertrag stand hat es wohl nicht den zweiten WK verursacht, einfach weil es kaum umgesetzt wurde.
1929 wurd die Verbotsliste um Kokain und Heroin erweitert. Nach dem zweiten WK hat man dann richtig losgelegt und im eigenem Machtbereich auch strenger darauf geachtet dass es durchgesetzt wurde.
Ich vermute in den Niederlanden hat es nicht sogut geklappt weil es so viele sich gegeneinander abgrenzende Religionsgruppen gab (diverse Protestantismen) und man das zurecht als Religionsfrage sah und damit nicht als Staatsangelegenheit.
Mittlerweile hat man auch die Cannabisprohibition in den meisten Bundesstaaten aufgehoben, aber wohl vergessen auch den Rest der Welt an den neusten religiösen Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Sprich selbst nimmt man es, aber per UN schreibt man weiterhin allen unterworfenen Ländern das Verbot vor.

Man kann Cannabis mittlerweile vielleicht sogar als "Droge der herrschenden Klasse" bezeichnen, weil es sind ja überall vorallem Linke, die es nehmen. Kurioserweise denken heute viele Drogenprohibition wär ein konservatives anliegen, obwohl es ein Projekt der modernen demokratischen US-Puritaner war. Der kath. Kirche sind Drogen ziemlich egal; steht auch im kath. Morallexikon (nur Sünde wenn zuviel, wie mit Essen).

Auch intressant, dass v.a. protestantische Länder Probleme mit Komasaufen und anderen ungesunden Praktiken haben, während katholische zwar tlw. den ganzen Tag saufen, in der Summe auch mehr, aber keine Gesundheitsprobleme auftreten und weniger negative Externalitäten in Form von pöbelnden Besoffenen.
Konservativer
11. Dezember 2015 14:13
Einen Irrtum muß ich ausräumen, die Nationalsozialisten praktizierten, im Gegensatz zum Kaiserreich und der Weimarer Republik bis 1930, keine "liberale" Drogenpolitik.

Einen kurz gefassten Überblick bietet der folgende Beitrag:

Rauschmittel im Nationalsozialismus. Die gesetzliche und therapeutische Entwicklung 1933–1939

https://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-30288/04_Haverkamp_Rauschmittel.pdf
Danny
11. Dezember 2015 16:27
Allerdings liberaler als die BRD. Den Stgb §42 gibt es immer noch und heute gibt es wesentlich mehr Zwangseinweisungen als die genannte Zahl. Ebenso wurde die Eugenik stark ausgebaut, wie man an der Entwicklung der Drogentoten sieht.

Eigentlich sieht man von der Weimarer Republik bis heute eine kontinuierliche Zunahme der Betreuungs- und Besserungsmentalität von der man mittlerweile sicher weiss, dass sie absurd und schädlich ist.

Das gleiche gilt auch für fast alle "psychischen Krankheiten". Alles Sachen, die man früher als Charaktermerkmal und tlw. als unmoralisch gesehen hat, aber nicht als Krankheit. Entsprechend unwirksam sind die Therapien.

Bei einigen Fällen scheint es zyklisch, zB Homosexualität: unmoralisch -> Krankheit/Verbrechen -> Zeichen moralischer Hochwertigkeit (aktuell).
Ebenso bei Cannabis und bindungsfreier Sexualität.
Wahr-Sager
17. Dezember 2015 23:09
Die größte (Mode-)Droge der BRD ist zweifellos Hitlerin.

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