16. Dezember 2015

Da fehlt doch etwas

von Lutz Meyer / 122 Kommentare

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Nicolas_Poussin_052 Vergleicht man rechte mit linken politischen Bewegungen aller Zeiten und Räume, fällt auf: Die Linke hat es stets verstanden, ihren Protest gegen etwas und ihren Kampf für etwas mit positiven Visionen zu verbinden, während die Aktion auf der Rechten stets Re-Aktion blieb auf die von der Linken postulierten oder auch erreichten Veränderungen.



Diese Re-Aktion kommt oft finster, pessimistisch, negativ, verdrießlich, schroff und selbst dort, wo sie Morgenluft wittert und sich optimistisch gestimmt gibt, ressentimentgeladen und aggressiv daher. Sie hat zwar meist auch allen Grund dazu, doch bleibt das Fehlen eines Gegenentwurfes festzustellen – man bleibt so stets dem Negierten und Abgelehnten verhaftet, ohne ein wirksames Kontrastmittel zu haben. Man beruft sich zwar auf die alten Werte wie Familie, Heimat, Natur, Volk, kulturelles und historisches Erbe usw., doch bleibt das alles merkwürdig abstrakt, ja geradezu blutarm. Man hält Täfelchen mit Begriffen hoch, doch bleiben es Begriffe, zu denen man das eine oder selbst assoziieren mag. Es fehlen die kraftvollen und mitreißenden Bilder und Vor-Bilder (!), die den anderen ohne Umweg über begriffliches Zergliedern und Analysieren sagen: „Ja, so will auch ich leben! Hier erkenne ich mich, mein Sehnen und Verlangen!“ Es fehlt  – nennen wir es ruhig mal so – der Funke des Eros, der überspringt, begeistern und entflammen kann: „Ja, ich will mit Haut und Haaren, mit jeder Faser meines Daseins ein Teil dieser Bewegung sein!“ Wenn ehemals linke oder liberale Menschen sich heute rechten Positionen vorsichtig annähern, spielen teils Verlustängste, teils von Grund auf rationale Erwägungen eine Rolle. Doch der Funkenschlag bleibt aus, denn es geschieht ohne Begeisterung. Wie auch? Es werden keine starken Bilder angeboten, die als Quelle des Lebens dienen könnten.

Auch die Linke war in ihren Anfängen Negation. Sie entstand als Protest gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen, gegen den Ausschluss der großen Zahl vom Profit an den von der großen Zahl erschaffenen Gütern. Hinzu kamen allgemein-menschliche Aspekte. Es war leicht, dem niederdrückenden, sehr konkreten Erleben von Armut, Angst und Unterdrückung einen positiven Entwurf von einem anderen, besseren Leben in Freiheit und Wohlstand entgegenzusetzen. Jeder Mensch begriff sofort, was gemeint war. Das löste sehr konkrete Träume aus, die sich rasant verbreiteten und zu Massenträumen wurden. Es entstanden quasi morphogenetische Felder. Genau hierin lag und liegt die Kraft zur Veränderung.



Der Wandervogel etwa und andere Lebensreformbewegungen, die unter die Vorläufer der konservativen Revolution gerechnet werden, lebten vom unmittelbar einsichtigen positiven Gegenentwurf zu einem naturfernen Leben in den großen Städten, zu einer immer hässlicher werdenden Umwelt, zu einer Transformation natürlicher, gewachsener Gemeinschaft in die anonyme Massengesellschaft, zu einer Knechtung des Seelenlebens durch die vereinheitlichenden Anforderungen der technischen Zivilisation, zu einer Pervertierung von Geschlecht und Liebe in käufliche Erotik und billigen Sex. Raus aus alledem, hieß die Devise. Raus aus alledem und zurück in die Natur! Das war ein kraftgeladenes und sehr konkretes Bild. Den Träumen folgte die Aktion. Doch das liegt lange zurück.

Schauen wir uns ein wenig in der Gegenwart um – und lassen wir dabei die Frage beiseite, ob sich das, was sich heute als links versteht, wirklich links oder nicht vielmehr nur Erfüllungsgehilfe des sich globalisierenden Kapitals ist.

Was sieht man? Man sieht zur Linken die Vision einer Welt, in der die Menschen gleich welcher Herkunft und welchen Glaubens verständnisvoll, respektvoll und friedlich miteinander umgehen, in der es einen gerechten sozialen Ausgleich gibt, in der die Energiefrage ein für allemal umweltschonend und nachhaltig gelöst ist und in der es weder Siechtum, Hunger noch Elend gibt. Daß ein solches harmonisches Miteinander im Zeichen von Love & Peace & Tolerance allem widerspricht, was man über den Menschen weiß und die Wirklichkeit wohl doch eine ganz andere ist, tut nichts zur Sache. Entscheidend ist das schöne, das stimmungsvolle Bild, das tiefe Sehnsüchte nach dem Heilen weckt – ja, Sehnsüchte, denn auch der Linke weiß, daß die Welt anders aussieht, er will sie aber verändern. Und was sieht man zur Rechten?

Dort kommt nun – metaphorisch gesprochen – der Stinkstiefel daher und latscht mit klobigem, kotbesudeltem Schuhwerk in dieses heiter gestimmte Idyll, nichts als Schmutz, üblen Gestank und Verwüstung hinterlassend. Wie sollte man ihm da nicht böse sein? Der Rechte wird zum Spielverderber, weil er dem Idyll die Realität entgegenhält und stur und humorlos darauf pocht, daß, wer am Leben bleiben will, die konkrete Realität und nicht die pastorale Vision einer künftigen Realität zu beachten habe. Soll, wer Visionen hat, also doch zum Arzt gehen, wie Helmut Schmidt empfahl?

So einfach ist das nicht, denn wer keine Visionen hat und immer nur auf die harte, grausame anthropologische Realität verweist, die eben kein friedliches Miteinander zulässt, hat ebenfalls ein Problem. Man hört ihm nämlich nicht gern zu. Er ist derjenige, der für schlechte Stimmung sorgt, weil er eine ehrliche Lagebeurteilung jederzeit dem visionären Wahn vorzieht. Doch ist Ehrlichkeit ein Wert an sich? Müsste man nicht den schönen Schein jederzeit der Wahrheit vorziehen, eben weil der schöne Schein so angenehm träumen lässt und aus konkreten Träumen konkretes Handeln entstehen kann? Auch das ist anthropologische Realität.



Wenn die Rechte Erfolg haben und den künftigen Staat und die künftige Gesellschaft gestalten und prägen will, wird auch sie visionäre Züge entwickeln müssen – wohlgemerkt positive visionäre Züge, Utopie statt Dystopie. Das widerspräche ihrem Wesen? Eine rechte Utopie wäre ein hölzernes Eisen? Das wäre schade, denn es ist nicht damit getan, zu sagen, daß man wieder Grenzen errichten wolle, daß man land- und kulturfremde Elemente nicht dulden wolle, daß man den eigenen Kulturraum verteidigen wolle. Es reicht auch nicht, darauf zu verweisen, daß es die eigenen Wurzeln im innigen Zugewandtsein zu pflegen gelte (was immerhin schon mal ein bejahender, kein bloß negierender Ansatz wäre), solange das nicht mit entsprechend kraftvollen Bildern unterstützt wird.

Kraftvolle Bilder – damit meine ich nicht die Bilder kampfbereiter, Fahnen schwenkender Patrioten oder gar den hollywoodgenerierten Heroenkitsch à la „300“, sondern Bilder, aus denen die Seele Kraft schöpfen kann, die gleichsam ein Ziel erkennen lassen, das zu erreichen jede Anstrengung lohnt.

Daß es auf der Rechten kein Idyll geben kann, stimmt so nicht. Das rechte Arkadien gibt es und es sieht mit Sicherheit etwas anders aus als das linke, doch wie genau? Was ist da anders? Wie genau sieht das Leben im rechten Arkadien aus, wie die Träume? Wie sieht der rechte Mythos vom Goldenen Zeitalter aus, um dessen Wiedererlangung es in jeder politischen Vision wenn auch unausgesprochen letztendlich geht? Worüber lacht man im rechten Arkadien von ganzem Herzen, was stimmt traurig? Was gilt als Krankheit, was als Gesundheit, worin liegt das Heil und wie geht das Heilen? Was ist edel, was schäbig? Wie wird gestraft? Wie bestimmt sich das Verhältnis von Mann und Weib, was bedeutet Frieden, was Krieg, welches Verhältnis hat man zu Tier, Pflanze, Gewässern und Erdreich und zu den Lüften, wie definiert man Eigentum und Wohlstand, welche Vorkehrungen gegen ökonomische Notlagen gibt es, kennt man den Unterschied zwischen Wert und Preis, welche Opfer ist man zu bringen bereit, wie erzieht man  Kinder und nicht zuletzt: Wo wohnen die Götter?

Solange hier keine starken, wirkungsmächtigen Bilder (Visonen) entworfen werden, die konkrete Träume auslösen, werden „die Massen“ nicht für einen Umschwung erreicht werden. Die Aufgabe: Entwickelt solche Bilder!

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (122)

Realist
16. Dezember 2015 19:01
Der Autor erkennt den fundamentalen Webfehler linker Weltanschauung, benennt ihn präzise - und tappt am Ende doch wieder in die Falle. Zu süß ist der Köder der Utopie. Phänomenal! Die hier skizzierten Bilder sind alles - ausser realistisch. Also nicht rechts.
Auch einer
16. Dezember 2015 19:08
Guter Ansatz, richtige Fragen!

Schillers Tell - Kampf gegen Besatzung, Entehrung und Entrechtung. Utopie vom freien Mann auf freiem Grund, freiem Volk von Brüdern und intakter Familie. Dabei nicht nur männlicher Mann mit Eiern und Verstand, auch politische und tätig-handelnde weibliche Frau: Gertrud Stauffacher im Gespräch mit ihrem Gatten, Frau und Mann klar unterscheidend, auf Augenhöhe sprechend, suum cuique. Schluss-Szene Inbegriff der politischen Idylle.

Als Text nicht geeignet für 'web2.* generation', als Modell fruchtbar für angemessene eigene Entwürfe.
Hesperiolus
16. Dezember 2015 19:22
Das Haben oder Wiederfinden des eigenen und inneren Maßes aus Herkunft und Gewissen ist und macht "Rechts", daraus wachsen Widerstand und Bockigwerden gegen die vorprojizierten Utopien linker und liberaler Weltverbesserer. Die urbildhaften Wesensgründe sind innerst, "rechts" ist die Abwehr gerade der vorgemachten "Bilder" von außen. Wäre das Wort eines Humanismus begriffsgeschichtlich nicht so verdorben, würde es eben das bezeichnen, was heute als Eintreten für das eigentliche Menschenwesen nur "rechts" sein kann. Das sich Verbitten und Selbstreinigen von als Bildern vorgemachten Zumutungen der Globaltechnokraten, Sozialingenieure, Humanoptimierer, Modernisierer und Genderisierer, der ewig verfluchten Brut der Brave New World Builder!
Eveline
16. Dezember 2015 19:41
Der Sozialismus kam zu früh.... diese linke Vision.

Also was fehlt? Die kooperative Auseinandersetzung mit rechts und inks.

Das nährt die Seele, das miteinander Ringen - das braucht die Seele. Utopien müssen so weit abgeschliffen werden - und auf die Beine gestellt werden, das sie ohne Subventionen laufen können.

Es gibt natürlich auch stink langweilige Bewahrer....
Ostelbischer Junker
16. Dezember 2015 19:45
Endlich!

Ja es ist wichtig über unser Bild der Zukunft zu reden - aus den im Artikel beschriebenen Gründen, den ich -beinahe- für voll zustimmungswürdig halte.

Mein (auf Deutschland zugeschnittenes, denn jede Landschaft, jedes Volk, jede Stadt kann ein eigenes sein und verschließt sich universaler Schablonen) Bild von Arkadien ist der Ostelbische Gutsherr, der als kleiner König über seine Scholle regiert, die mittelalterliche Kathedrale, der Wilhelminische Bahnhof und die wilhelminischen Villenviertel, das zersplitterte und kleinteilige Deutschland, (beinahe) ohne eine verkommene Zentralgewalt, das im Heiligen Römischen Reich doch (zwar fehlerbehaftet) vereint war, den preußischen unbestechlichen Rechtsstaat (der notwendiger Weise auch gewählte Parlamente beinhaltet) der seine Bürger weitestgehend in Frieden lässt, eine Geldordnung, die diesen Namen verdient (Gold und Silber!), eine Armee die Kampfkräftig ist, das eigene Vaterland verteidigt und keine Welthilfspolizei markiert.

Auch wenn dies ein sehr rückwärtsgewandtes Bild ist, ist es doch mein Bild von der Zukunft, wie sie sein sollte. Ich möchte nicht (die verfälschend dargestellte) Unterdrückung des Junkers wiederherstellen, sondern es jedem ermöglichen, sein kleiner König zu sein. Nicht wie es Davila so schön gesprochen hat, den Menschen das Ausleben plebejischer Verhaltensweisen erleichtern sondern im Gegenteil den Aufwärtsknopf im Fahrstul drücken, auf das jedem durch ehrliche(!)Arbeit ermöglicht wird, ein Vermögen zu bilden und ein aristokratisches Leben zu führen in einer Ordnung, die echte Autoritäten anerkennt und fördert.

In einem Punkt muss ich ihnen widersprechen: Das Bild sollte nicht auf die wehenden Fahnen verzichten!
Jan
16. Dezember 2015 20:14
Hier isser ja, der Artikel, den ich letzte Woche schon mal gesehen hatte. Jetzt mal raus mit der Sprache Lutz Meyer, das war doch keine Geistererscheinung ;)

Meyer: Sie haben vielleicht das zweite Gesicht ;-)
Rüdiger
16. Dezember 2015 20:16
Die Grunddiagnose des Artikels ist bereits falsch. Die Linken, nicht die Rechten sind die Negativen – die Stinkstiefel, die ewig Unzufriedenen, die Kritikaster, die von Neid und Missgunst getriebenen Geister – zum Symbol geronnen in der Physiognomie eines Ralf Stegner!

Der Welt, wie sie ist, können Linke nichts Positives abgewinnen, die Gesellschaft ist so gemein und böse – drum besser wär's, dass nichts entstünde! Die Utopie der Linken ist so naiv und dünn, dass wirklich jeder um ihren u-topischen Charakter, ihre Nichterreichbarkeit weiss. Sie ist ein nur zu offensichtlicher Vorwand, ein Feigenblatt für ihre Destruktions- und Rachegelüste, um die Zerstörung alles Bestehenden zu legitimieren, um "kaputtzumachen, was euch kaputtmacht", aber auch für den enthemmten Hedonismus, der im Grunde gar kein Morgen und keine Nachwelt (und daher im Ernst auch keine Utopie) kennen will.

Und Visionen? Man bleibe mir vom Leibe mit diesem augelutschten Modewort, das in den Kaderschulen der Blockparteien und in Managementkursen beweihräuchert wird: "das ist ein grosser Mann, der hat Visionen"! Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, empfahl schon ein Parteigenosse Stegners einmal in einem klaren Moment.

Die den Linken opponierenden Kräfte sind mit dem Begriff "Konservative" nur unzulänglich beschriebenen. Es sind Kräfte am Puls des Lebens, die das Leben lieben, wie es nun einmal ist, wie es ihnen gegeben ist - eingefasst in die Hüllen der Institutionen und des Volkes; die aber auch die menschliche Begrenztheit erkennen und sie annehmen, ohne sich an ihr zu stossen. Sie wollen eben kein Utopia. Einen Menschen aus diesem Lager plagen keine Visionen, denn er hat etwas viel Besseres: er ergreift das Leben im Hier und Jetzt, übernimmt die Verantwortung für sich und die Seinen, fühlt sich eingefasst und zugleich als Mitwirkender im Strom des Lebens, der ihn zu einem in Freiheit handelnden, aber in die Geschichte seines Volkes gestellten Menschen macht.

Das ist viel besser als jede "Vision"! Denn es stellt die Würde des Menschen wieder her.
Yvonne
16. Dezember 2015 20:16
Warum so mut- und freudlos das Bild verweigern?
Im rechten Arkadien ist es heimelig gemütlich. Es ist simpel: Im Ofen brennt das Feuer, draußen ist es kalt. Dazu bedarf es harter Arbeit.
Wir ziehen Kraft und Tiefe aus der Fügung statt uns im Diversen zu verlieren. Der Staat schützt uns und dient seinem Volk durch seelisch-geistige Führung. Er ist der Betreiber einer Staatskunst. Er ist der Gestalter des Großen Ganzen. Seine Ordnung strebt nach Schönheit und in der Schönheit liegt die Transzendenz.
Ich finde mich wieder auf der Wiese mit dem Brotbackofen. Die Welt drumherum ist geheimnisvoll und verschiedenartig, denn jedes Volk bleibt einzigartig.
Rechts sein, das meint schöpferische Freiheit, die ein Band knüpft zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, zwischen dem Gewesenen und dem Gedachten.

Meyer: Sie sagen es, Yvonne: Warum das Bild verweigern? Bilder, nicht Begriffe - darauf kommt es an.
Hazmat Modine
16. Dezember 2015 20:40
Mensch, Meyer, das sag ich auch immer wieder! Ein bisschen mehr blochsches Prinzip hätten wir bitter nötig. Ich will ja nicht, dass den Leuten das Blaue vom Himmel versprochen und ihnen dabei auch noch eingeredet wird, sie hätten ein "Recht" darauf; dass utopische Gestade beschworen werden und dann ein gigantischer Transformationsprozess in Gang gesetzt wird, um sie zu erreichen - wobei bisher immer mehr zerstört als gewonnen wurde -, aber irgendein emotional positiv konnotiertes Bild von der Zukunft, vom Zusammenleben, auch vom Wirtschaften sollten wir schon anbieten können.
Ich denke, die Grundlage aller rechten Visionen ist die Freiheit. Davon redet die Linke zwar auch, aber sie meint immer die "Freiheit wovon" (von den gesellschaftlichen und zunehmend auch von den naturgegebenen Beschränkungen), während die Rechte meiner Meinung nach immer eine "Freiheit wozu" anstrebte: zur Selbstverwirklichung, zur Aufrichtung und Pflege des Eigenen, zu einem echten Subsidiaritätsprinzip. Es spielt hier die Freude an der eigenen Stärke, die Hoffnung auf das eigene Tätigsein, die eigene Gestaltungskraft mit - und diese Freiheit bedeutet natürlich auch, nutzen und genießen zu können, was man sich erworben hat.
In der recht gelungenen Verfilmung der Teenager-SF-Thriller-Romanze "Seelen" ("The Host") ist der utopische Ort, die heilende Gemeinschaft überraschenderweise eine durch und durch konservative Sache. Man arbeitet hart, lebt schlicht und naturverbunden, aber man ist vor allem frei.
Bernhard
16. Dezember 2015 20:45
Zwei Dinge fallen mir zu dieser recht hilfreichen Analyse ein:

- Die Rechten (im weitesten Sinne) können sich nicht auf ein gemeinsames Ziel einigen. Sie können sich nicht mal, mit sehr wenigen Ausnahmen auf das einigen, was sie ablehnen (Beispiel Religion, Rasse, Staatsform).

- Der Postulierung von Zielen sind strafrechtlich Grenzen gesetzt. Das gilt sogar schon für die Analyse der Lage (z.B. wer alles steckt hinter dem Niedergang?).
Ein Fremder aus Elea
16. Dezember 2015 20:48
So ist das parlamentarische System gebaut, Herr Meyer.

Es gibt nur einen Glauben im Land, und die Wahl besteht dazwischen, ob er hinreichend umgesetzt wird (rechts) oder nicht (links), also ob alles beim Alten belassen werden kann oder ob "mutige" Schritte unternommen werden müssen.

Die Menschenrechte geben die Tendenz vor.

Es geht so lange, bis es fällt.
Zarathustra
16. Dezember 2015 20:51
+ In der rechten Idylle lebt man naturnah. Hier gibt es viel Bewegung und viel frische Luft. Man spaziert, läuft, reitet und grillt am Waldrand oder am Ufer (im Gegensatz zum Asphalt-Leben des entfremdeten Menschen heute)

+ In der rechten Idylle ernährt man sich gesund, d.h. ausschließlich von köstlichem Bio-Nahrungsmittel. Hier ist Schluß mit dem industriellen Müll à la Maggi.

+ In der rechten Idylle musiziert man überwiegend deutsche, vor allem klassische, Musik. Man pflegt das alte deutsche Liedgut und führt dessen Tradition fort (im Gegensatz zum »musikalischen« Müll, den die amerikanisierten amorphen Massen auf der ganzen Erde konsumieren)

+ In der rechten Idylle wird jedes Kind entsprechend seiner individuellen Begabung gefördert (im Gegensatz zu der linken Gleichmacherei der Schulformen)

+ In der rechten Idylle gibt es ordentliche Dokumentationen und Qualitäts-Spielfilme (aber kein Dauerbombardement mit irrelevanten Banalitäten wie im bisherigen Rundfunk, und keine fließbandartig hergestellten Hollywoodfilme)

+ In der rechten Idylle gibt es vorwiegend schönes, klassisch inszeniertes Theater (und kein psychiatriereifes Regietheater als Schaubühne der infantilen Eitelkeit von Regisseuren)

+ In der rechten Idylle gibt es vor allem gute, kluge, gewissenhaft verfasste und ästhetisch ansprechend gestaltete Bücher (und keine fließbandartig »gemachten« Bücher als Konsumware)

+ In der rechten Idylle kleidet man sich dezent und tendenziell klassisch. Die Betrachtung des Straßenbildes ist jedes Mal ein Genuß (Im Gegensatz zum hochfrequenten Konsum von ästhetisch minderwertiger Kleidung bei der BRD-Masse und zum heutigen Straßenbild mit schlampig und geschmacklos angezogenen Zeitgenossen)

+ In der rechten Idylle sind die meisten gesund und sportlich. Jugendliche haben eine normale, aufrechte Körperhaltung (Im Gegensatz zur schimpansenartigen Körperhaltung vieler heutiger Jugendliche). Ältere sind meist schlank (Im Gegensatz zum häufigen Übergewicht beim Homo Bundesrepublikanensis)

+ In der rechten Idylle artikuliert sich jeder niveauvoll und gekonnt (Im Gegensatz insbesondere zur immer primitiver werdenden Jugendsprache samt ihren Ausstrahlungen in die Sprache der Älteren)

+ In der rechten Idylle ist man vorwiegend umgeben von Menschen, die man ohne große interkulturelle Anstrengung und auf Anhieb sympathisch findet. Man fühlt sich zuhause (Im Gegensatz zum Gefühl des Nicht-zuhause-seins in »multikulturell« bereicherten BRD-Gebieten).

+ In der rechten Idylle sind die allermeisten aufrichtig. Es gibt keine Zwangshumanitarisierung und keine Zwangs-»Sensibilisierung« nach linker Manier, und daher auch keine moralinbedingte Selbstzensur. In der Regel weiß man bei jedem, woran man ist.

+ In der rechten Idylle ist Politik keine Angelegenheit einer durch Kapital korrumpierbaren Minderheit, sondern transparent gestaltete Angelegenheit des mündigen und geistig reifen Demos.

+ In der rechten Idylle mag es Herausforderungen geben, aber man fühlt sich zuhause und wohl...

    Beste Grüße,
    Zarathustra
Karl Blomquist
16. Dezember 2015 21:15
Wir leben in einer Zeit der Völkerwanderung, vor dem Fall des Imperiums

Wie wäre es also damit, einmal zu schauen, wie die germanischen Stämme zur Zeit der letzten Völkerwanderung gelebt haben? Während des Falls des weströmischen Reiches, des damaligen Imperiums. Wie haben die Stämme gelebt, die das Imperium unter sich aufteilten, währenddessen und davor? Wie haben diejenigen germanischen Stämme gelebt, die zu Hause geblieben sind? Wie die Bevölkerung der eroberten Gebiete des Imperiums?

Damals brachte die Völkerwanderung das Imperium Rom zum Einsturz. Diesmal setzt das Imperium VSA selbst die Völkerwanderung in Gang, und es plant zusätzlich auch noch einen grossen Krieg, um dann über das Chaos zu herrschen.
Diesmal ist es also umgekehrt: Der Fortgang der Völkerwanderung, und wie unser Leben aussehen wird, hängt davon ab, wann das Imperium fällt.
Ein Fremder aus Elea
16. Dezember 2015 21:21
Im Zentrum steht letztlich die Irrelevanz des Menschen.

Rechtes Denken dreht sich um die Relevanz des Menschen, linkes um seine Irrelevanz.

Und der Mensch wird immer irrelevanter, was konkret heißt, daß linke Vorstellungen im immer größeren Maße realisiert werden können.

Die Menschenrechte sind ein Manifest der menschlichen Irrelevanz, die Gleichheit aller Menschen funktioniert nur, wenn der Einzelne irrelevant ist, also wenn er nichts Wesentliches leisten muß.

Man kann es natürlich auch umgekehrt sehen und sagen, daß die Ungleichheit der Menschen nur durch die Notwendigkeit ihrer robusten Organisierung gerechtfertigt werden kann, insbesondere zum Zwecke der Ernte.

Beides ist wahr.

Wenn es nur nach diesen Dingen gehen würde, handelte es sich ausschließlich um das Problem, daß der Mensch die Möglichkeiten, welche sich ihm heute bieten, evolutionsbedingt nicht hinreichend zu schätzen weiß.

Deshalb spricht das Rechte im Menschen nicht auf die Welt an, sondern nur das Linke im Menschen.

Niemand sieht die Notwendigkeit der Leistung und ihre Erfordernisse, jeder sieht die möglichen Verwöhnungen.

Abhilfe schüfe so gesehen nur ein langfristig angelegtes Zuchtprogramm, um die Ambitionen des Menschen an seine technischen Möglichkeiten anzupassen, sagen wir, die Sterilisierung aller nicht Größenwahnsinnigen.

Aber die Sache hat ja auch noch eine andere Seite. Technik hilft uns nicht nur, Technik gefährdet uns auch. Und mit dieser Gefahr kehrt das Rechte im Menschen zurück.
marodeur
16. Dezember 2015 21:25
Ob unsere Weltsicht als "kotbesudelte Stinkstiefelei" oder als "schönes stimmungsvolles Bild" aufgenommen wird, ist ein rein semantischer Unterschied. Die Linken haben es geschafft, positiv-annotierte rechte Begriffe und Themen zu kapern und mit anderen Bedeutungen aufzuladen. Beispielsweise steht der ur-rechte Begriff der Vielfalt heute für eine gesichtslose entgrenzte Einheitsgesellschaft. Ich habe auch nie verstanden, wie ausgerechnet Umweltschutz eine linke Domäne werden konnte. Praktisch liegt das Thema Umwelt nach dem Atomkraftende in Deutschland völlig brach. Warum nehmen wir den Faden nicht auf und machen was draus?
Die Identitäre Bewegung leistet großartige Vorarbeit beim Kampf um die Semantik. Ich erinnere beispielsweise an die Darstellung der verfemten "Festung Europa" als wohliges sicheres Heim. Das spricht jeden an und entwaffnet den politischen Gegner. Wir sollten dieses Instrument noch effektiver und schneller einsetzen. Beispielsweise ist der positive aufgeladene Begriff Integration aktuell in aller Munde. Bei näherer Betrachtung verbirgt sich dahinter nur ein großes Vakuum. Lasst uns nachdenken, wie diese Leere in unserem Sinne gefüllt werden kann.
muotis
16. Dezember 2015 21:35
@Realist: Ganz hervorragend, wie Sie das herausarbeiten. Nur blöd, daß seit mehr als hundert Jahren der politische Weltstrom nach links driftet, ganz gleich, wie sehr die Rechte Recht behält. Besserwissern hat man noch nie gerne zugehört. Wenn man Massen mitreißen will, kommt es nicht auf die besseren Argumente an, sondern auf das Talent, sie an den Mann zu bringen. Und da reichen Logos und Pathos nunmal nicht aus. Das verkennen wir Rechten gerne. Stattdessen halten wir die Ideologieferne sogar für eine Stärke. Man fragt sich, welcher Erfolg damit jemals erzielt worden wäre. Außer der Genugtuung natürlich, im sinkenden Schiff der Einzige zu sein, der die Katastrophe überhaupt erkennt.
Erik Sieven
16. Dezember 2015 21:43
das ist doch gerade der Reiz rechter Politik (jedenfalls der Spielart rechter Politik die mich persönlich besonders interessiert): sie lässt die Menschen in Ruhe. Begeisterung und Leidenschaft werden aus der Politik ferngehalten, dafür werden Räume im privaten Leben gelassen.
Monika
16. Dezember 2015 22:15
Im Vorwort zu "Kann nur ein Gott uns retten" zitiert Martin Lichtmesz die Bemerkumg der katholischen Schriftstellerin Ida Friederike Görres , wonach

alle "Rechts-Ideale" im letzten Grund "numinos" seien - sie stammen von den Göttern; darum kann der Mensch ihnen aus ganz anderen tiefern Schichten seines Wesens anhangen und wirklich dienen - während die "Links-Ideale" eben doch bloß auf den Menschen und seine Vorteile, Zwecke, Wohlergehen bezogen sind."


Es gibt kraftvolle, mitreißende Bilder. Und das schon im 13. Jahrhundert !
Man schaue sich die ganz reizenden klugen Jungfrauen am Magdeburger Dom an:
http://images.google.de/imgres?imgurl=http://images.fotocommunity.de/bilder/sakralbauten/innenansichten-kirchen/magdeburger-domausschnitt-aus-den-klugen-jungfrauen-9425412d-c184-498d-8faa-d03d59af37cf.jpg&imgrefurl=http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/26662023&h=664&w=1000&tbnid=LOq06SS7QtD_aM:&tbnh=144&tbnw=217&docid=DlSf3zv745ZI5M&hl=de&client=safari&usg=__plafabqU9UdlqjcrrY9jh_mF368=&sa=X&ved=0ahUKEwjPyPy6n-HJAhWJiSwKHUlRBsAQ9QEIMzAE

Da kommt nichts finsteres, pessimistisches, verdrießliches, schroffes daher.
Ungläubiges Staunen. ( Navid Kermani).
Ist es Zufall, daß Muslime die Faszination der christlichen Ikonographie entdecken. Jetzt, wo alle Begriffe ihre Bedeutung verlieren ?
Unmoderner
16. Dezember 2015 22:38
Sehr geehrter Herr Meyer,

prinzipiell: Endlich! einmal der Finger in der Wunde!
Ja, es ist unser Haupthindernis, nicht positive, sondern nur negative Aussichten anzubieten.
Aber der Konservative hat nun einmal zwar nicht unbedingt "Blut, Schweiß und Tränen", aber doch jedenfalls Begrenzung, Beschränkung, Bewahrung als Kernprogramm.
Auf die Freuden auf der Basis des "nach uns die Sintflut" kann er sich nicht einlassen.
Dementsprechend ist das Konservative am belietesten in Zeiten der Not und Knappheit (weswegen wir wohl von daher leider eine Zukunft haben).
Das Konservative geht eher auf die Rationalität als die Sinnlichkeit.

Gleichwohl muß man nicht alle Hoffnung fahren lassen:
- Es ließe sich die verdeckte Rückseite bzw. die unvermeidlichen Folgen der linken/kapitalistischen Utopien enthüllen. Das brächte reichlich auf der anderen Frontseite Negativbilder, von den Schädelbergen von Pol Pot über Drogenwracks und abgetriebene Föten bis zu Industrie- und Müllbrachen.
- Es sollte das Umweltthema von den Grünroten zurückgeholt werden, die es als Tarnkappe der K-Gruppen und Gesellschaftszerstörer gekapert haben.
- Es sollten in der Beschränkung liegende Positiva hervorgekehrt werden, etwa Verläßlichkeit oder Planungssicherheit.

In jedem Falle brauchen wir unbedingt mehr Kreative in unseren Reihen. Mehr Künstler und mehr Geisteswissenschaftler. Freilich unserer Gesinnung. Aber jedenfalls genau die, die hier viele Aktionisten so blindwütig verachten wollen.

Was Sie allerdings unbedingt ändern sollten, ist dieses Bild "Et in Arcadia ego" von Poussin: Nicht bloß, weil solche Verwendung Ärger mit dem Besitzer des zugrundeliegenden Gemäldes geben könnte - vielmehr vor allem, weil auf diesem Bild enthüllt wird, daß auch in Arkadien - der Tod zuhause ist. Das aber ist, bei allem Realismus, genau das Gegenteil der Botschaft, die wir wollen und brauchen!
Setzen Sie dort ein Bild konservativer Idylle hin. Warum nicht etwa auch eine Madonna mit Kind.
Bzw. möge die Sezession hier die erste Gelegenheit nutzen, einen konservativen Künstler ans Werk zu lassen, mit einem positiven, konservativen, neuen Bild.
Womit nichts gegen einen 400 J. alten Klassiker gesagt sei, der seine subtilen Qualitäten behält.
Jedenfalls bildet dieser Poussin den Inhalt Ihres Beitrages glatt als Negativ ab ...
eulenfurz
16. Dezember 2015 23:05
In einer Welt der Erosion, Verpöbelung und Vermassung wird die linke Vision zwangsläufig an Zulauf gewinnen. Rechts-Sein in einer "rechten Idylle" (siehe Zarathustras hervorragenden Beitrag) ist etwas für Aristokraten und Edle, und die gehören zur aussterbenden Spezies. Sich dieser Aristokratie bewußt zu sein, gibt freilich auch Selbstsicherheit.

Das, was derzeit das "konservative" Erstarken in Europa speist, sind (vor allem materielle) Verlustängste. Auch diese rechts-gewordenen Pöbelnaturen sind bestenfalls mit Populismus einzufangen. Aber für was? Wozu benötigen diese Massenmenschen eine Naturidylle, wenn sie den Fernseher haben?

Und ich stelle euch eine Frage: Würdet ihr euren ganzen besch.... Wohlstand ins Mittelmeer werfen - damit die Bedränger danach tauchen, aber euch nicht mehr an die Pelle rücken - und dafür ein Leben in Demut führen?
Anja
17. Dezember 2015 00:17
Was Lutz Meyer schreibt, ist sicher nicht verkehrt:

"Die Linke hat es stets verstanden, ihren Protest gegen etwas und ihren Kampf für etwas mit positiven Visionen zu verbinden"...

Fakt ist jedoch auch, daß die meisten Menschen, die die linke Seite, sprich die Roten, die sozialistischen Parteien, als totalitäre Regierungsform, ja als Diktatur am eigenen Leib kennengelernt haben, dies nicht so sehen, wozu ich nicht nur die Mitteldeutschen zähle, sondern alle in Osteuropa, die in den Genuß der "Vorzüge des Stalinistischen Systems" kamen.

Letztendlich triffteten Visionen und Realität meilenweit auseinander und das war selbst für den Blinden mit Krückstock unübersehbar. Nicht umsonst viel 1989 das sozialistische Kartenhaus der Ostblockstaaten wie im Dominoeffekt in sich zusammen. Denn die Visionen hatten schon lange ihre Faszination verloren und waren von nackten Tatsachen verdrängt worden. Mit Visionen, die sich nicht verwirklichen lassen oder nur eine Fata Morgana sind, wird auf Sand gebaut.

Also nur mit linken Visionen ist es schon lange nicht mehr getan. Linke sozialistische Ideologie erscheint deshalb nur erfolgreich, weil sie zusammen geht mit Falschheit, Lüge, Gewalt und Dummheit. Nicht umsonst sagt man:

"Wer mit 18 nicht rot ist, hat ein hartes Herz,
aber wer mit 30 noch rot ist, hat eine weiche Birne."

Einer der linken ähnlichen Strategie der Meinungsmache und Umerziehung bedienen sich die Rechten nicht. - Das ist Fakt!

@Zarathustra beschreibt das glänzend:

"In der rechten Idylle sind die allermeisten aufrichtig. Es gibt keine Zwangshumanitarisierung und keine Zwangs-»Sensibilisierung« nach linker Manier, und daher auch keine moralinbedingte Selbstzensur. In der Regel weiß man bei jedem, woran man ist."
Hazmat Modine
17. Dezember 2015 01:05
Also ich mag Hollywoodfilme ...
Panther Rei
17. Dezember 2015 01:23
„Ja, ich will mit Haut und Haaren, mit jeder Faser meines Daseins ein Teil dieser Bewegung sein!“

Äh nein, das will ich ganz sicher nicht sein. Egal, was das für eine Bewegung ist. Und wenn die das von mir verlangt oder es mir auch nur vorschlägt, dann weiß ich mit hinreichender Gewissheit, dass diese Bewegung nicht koscher ist.
notaras
17. Dezember 2015 01:37
Eine "rechte Utopie" im Sinne eines Idealentwurfs, wie die beste Gesellschaftsordnung aussehen soll, ist nichts grundsätzlich Abwegiges. Schließlich arbeitet doch jeder, der politische Veränderungen anstrebt, auf ein Ziel hin, das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erreicht ist.
Der wesentliche Unterschied zu allen linken Utopien bleibt dabei allerdings das Bewusstsein, dass sich das Wesen des Menschen nicht oder nur in geringem Maße verändern wird, auch nicht zwangsweise - gestalten lassen sich allein die Rahmenbedingungen des Zusammenlebens (und dies meist auch nur langsam, mühevoll und mit vielen Rückschlägen behaftet). Die Gestaltung der Rahmenbedingungen sollte sich daher ganz an den Gegebenheiten des Menschen, der Gesellschaft und der kulturellen Identität eines Volkes orientieren - die Utopie besteht demnach nicht in der Umwälzung der Verhältnisse, sondern in ihrer bestmöglichen Ausgestaltung, die vor allem ein vollauf funktionierendes Staatswesen mit der Freiheit des Einzelnen in Einklang zu bringen sucht. Es liegt in der Natur der Sache, dass für ein solches Idealbild auch Bewährtes aus der Vergangenheit herangezogen werden kann. Nur waren die Verhältnisse auch in der Vergangenheit niemals ideal, und sie werden es auch in der Zukunft nicht sein. Die Utopie kann für die Rechte daher nur der Impuls zum Streben nach kontinuierlicher Verbesserung der Zustände sein, im Bewusstsein, einen idealen Endzustand niemals zu erreichen, weil es ihn schlichtweg in dieser Welt nicht gibt. Den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, ist als Ziel daher ganz und gar ausreichend. Die Verbesserungen bedürfen zudem der ständigen empirischen Überprüfung, ob der Weg noch stimmt, oder ob die vermeintliche Verbesserung nicht das Gegenteil des Angestrebten bewirkt.
Die Linke dagegen hat ihre Utopie zur allesdurchdringenden Ideolgie gemacht, die sie durch unbeirrte Beharrlichkeit, sei es auch gegen jede Realität, zu erreichen anstrebt. Selbst wenn Rechts und Links eine einzige Utopie teilen würden, so wären doch die Wege zum gesellschaftlichen Idealzustand miteinander unvereinbar.
Ja, auch wir Rechten träumen (gelegentlich) von unserem Arkadien, aber es bleibt eben Abaton, das unbetretbare Heiligtum in einer besseren Welt. Aus unserer realen Welt das Beste zu machen, sollte allerdings der positive Impuls eines jeden gutwilligen Menschen sein, und dieser darf selbstversändlich auch von der Sehnsucht nach dem Ideal ausgehen.


Das Entwerfen und Anstreben eines Idealzustandes gehört zur Natur des menschlichen Geistes, problematisch wird es da, wo dieses Wollen in Zwang umschlägt, wo aus Hoffnung Ideologie wird. Das Rückwärtsgewandte Element
Trouver
17. Dezember 2015 02:01
Die Re-aktion kam immer naemlich von Links und sie war auf den Ist-Zustand.

Die Rechten behaupten im Prinzip nur eins: Menschen sind nicht gleich. Eigentlich, kein Postulat, sondern Konstatation.

Und d a s fechten die Linken vehement an - die Gottesordnung.

Ausbeutung und Entbehrung sind da sekundaer. Im Realsozialismus haben sie die bekannten Muster haushoch uebertroffen, nun beutete den Arbeiter kein Exploatator mehr aus, sondern nur der Staat.
Urwinkel
17. Dezember 2015 02:23
Ihre letzte Frage betreffend, auch den Exmeyer; der wird sich hier auch gleich noch reinklinken: sowas mache ich einarmig. Die eine Hand stützt, die andere textet Onlinenachrichten. Soetwas ist schon ein starker Akt, ein starkes Bild. Ganz nach meinem Geschmack. Ob das maßgeblich ist? Ich weiß es nicht. Es hat jedenfalls Vorbildcharakter. Und auch wenn der Hausarzt rät, sowas sein zu lassen, gibt mir das Bednarz-Gekeife wiedermal recht.
En Passant
17. Dezember 2015 02:48
Da ist was dran.

Doch sollten die Bilder, die Utopien ebenso archetypisch,
wie nicht von beliebiger Seite beanspruchbar sein.

Weiter oben sprach hier "Auch einer" von der:
Utopie vom freien Mann auf freiem Grund, freiem Volk.
Wer dächte da nicht auch, zugegeben, auf den zweiten Blick,
an die Attische Demokratie eines Perikles?

Und mit dem Einfordern von Demokratie als eigener Utopie,
entrisse man en passant der beliebig anderen Seite
ihre Legitimation, ihre Basis, das nie eingelöste Versprechen.

Keine Angst vor beliebiger Inanspruchnahme, nichts wird mehr
gefürchtet, als Volkes Wille.

Man hätte die echte, wahre, direkte Demokratie und die Geschichte -
eine nicht so leicht wieder zu entwertende - auf seiner Seite,
und überließe der anderen die "indirekte", "repräsentative" Entartung,
den bloßen Parlamentarismus.

Demokratie sei keine konservative Utopie?
Schiller, Goethe und auch der alte Stratege waren es in ihrer Zeit
eher nicht - wobei, sie müssen es dennoch sein, fallen mir doch
bei diesen Namen sofort die Bücherschränke meiner Eltern ein ;-)
Und nicht weit entfernt stehen bestimmt noch ein paar Sagas,
deren Thing den Bogen gar gern weiter spannen würde ...

Klar stellt sich die Frage, ob Demokratie dem Konservatismus
überhaupt zuträglich wäre? Ob das Konservative bei freier
Entscheidung des Volkes sich durchzusetzen vermöchte?

Ich bin mir sicher.
Siegfried Kesselfieber
17. Dezember 2015 05:38
Rüdiger hat das in seinem Kommentar bereits sehr schön zusammengefasst.

Ich will nun noch das Meinige hinzufügen.

M.E.n. ist das fundamentale Problem, dass "Rechts" und "Links" lediglich Codes sind für weitaus fundamentalere Aspekte des Lebens. Simpel formuliert steht "Rechts" für das menschliche Element, die Zivilisation und "links" für das Tierische, die Barbarei.

Warum nun also haben es die Linken einfacher als die Rechten? Ganz einfach. Menschliche Natur. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er nun mal lieber Spass hat, als zu arbeiten, sich lieber gehen lässt, als sich selbst zu beherrschen.

Disziplin ist nicht cool! Aber Hedonismus *ist* cool!

*DAS* ist in Wahrheit des Pudels Kern. Jedwede linke Ideologie spricht das Niedere im Menschen an. Es appeliert an seinen animalischen Animus, es verlockt den Menschen dazu, in seinen tierischen Urzustand *zurückzufallen*.

Recht Ideologien, hingegen, sind streng und *machen keinen Spass*. So sinnvoll und notwendig sie auch sind, niemand berauscht sich daran, sich zusammenzureissen und allen möglichen Verlockungen zu *widerstehen*.


Niemand findet Gefallen daran, früh morgens aufzustehen und schwer schuften zu gehen für das Wohl aller. Es ist doch logisch, dass es verlockender ist, faul zu sein und dann Umverteilung zu fordern (also ein Linker zu sein).

Das ist das Tragische an dieser Welt, an unserer Zivilisation, an *allen* menschlichen Zivilisationen. Denn sie sind fundamental paradox: Es kann eine Hochkultur nur dann geben, wenn sich die Kultur selbst verordnet, Maß zu halten, nicht über die Stränge zu springen, sich zusammen zu reissen. Aber genau das macht der Mensch nicht gern. Er macht es widerstrebend. Es widerstrebt seiner Natur.

Und sobald auch nur ein mittelmäßiger linker Rattenfänger anfängt, sein Unwesen zu treiben, ist diese animalische Versuchung sofort wieder da.
Ich empfehle hierbei das Lesen von Sir Unwins "Sex and Culture" (1934). In diesem Buch verglich Unwin diverse Stämme und Kulturen dieser Welt. Und er bemerkte eine Konstante: Kulturen, die sich sexuell nicht kontrollierten und mäßigten, waren unfähig, sich weiter zu entwickeln.

Sie stagnierten auf Steinzeit-Niveau und dies permanent. Z.B. die Polynesier. Ich kann die Gründe hierfür auch noch nennen, so gewünscht.
Hartwig
17. Dezember 2015 07:48
@ L.Meyer

Ich habe Bilder von großer Suggestionskraft im Kopf; meist Sequenzen aus Filmen und Büchern.
Heroische Geschichten aus vorvergangener Zeit, Phantasie-Geschichten von David Gemmell und G.R.R. Martin, Tolkien ... und bewegte Bilder aus nationalsozialistischer Zeit.
"Druss die Legende" von Gemmell. Was für eine Heldengeschichte!
Frappierend der Film "Der Untergang": Magda Göbbels, die glaubhaft versichert, dass es für sie und ihre Kinder ohne den Nationalsozialismus keine lebenswerte Zukunft geben kann.
Die Nachricht vom Tode des Führers, die eine Reihe von Schüssen zur Folge hat, Selbsttötungen von Offizieren.
Das sind Bilder, die haften blieben und eben Ihren Satz illustrierten: „Ja, ich will mit Haut und Haaren, mit jeder Faser meines Daseins ein Teil dieser Bewegung sein!“
Ob man so tief durchdrungen sein will?? So schicksalhaft und fatal?
Oder ein Satz unseres Kommentators @Exmeyer, den er in diesem Jahr hier postete. Den ich mir nicht zu eigen machen kann, aber der das Bild einer Person zeichnet, ein Bild! ... ganz und gar unabhängig vom Inhalt und Wahrheitsgehalt der Äußerung. ""Für einen deutschen Sieg nach '39 würde ich mein Leben eintauschen"". Zehn Worte. Wer wagt es, solch einen explosiven Satz zu sagen, in dieser kalten Klarheit. Dutzende von Vorträgen und Reden und Artikeln - Monat um Monat. Und dann ist es vor allem so etwas, was hängen bleibt.
Treverer
17. Dezember 2015 08:47
Die Geburtsstunde der "Linken" ist nicht der soziale Protest gegen den (Früh-)Kapitalismus, sondern die Jakobiner-Diktatur in der Französischen Revolution, die bereits alle Elemente einer totalitären Entartung enthielt.
Sie machte das Wesen der Linken bereits überdeutlich: Hinter den utopistischen Phrasen einer besseren Welt die nihilistische Zerstörung des Gewachsenen. Selbst eine "positive" linke Ikone wie Che war nichts anderes, als ein zerstörungswütiger (und suizidaler) Psychopath. (Ähnliches gilt auch für Sankta Rosa).
Kein Wunder, daß die globalistischen Eliten Gefallen gefunden haben, an diesen Gesellschaftsigenieuren.
Andreas Törner
17. Dezember 2015 10:03
Hier finde ich mal ausnahmsweise die Kommentare zum Artikel interessanter als diesen selbst. Es gibt da dieses alte deutsche Filmzitat, das in mir nachhallt, seit ich vor 30 Jahren zum ersten Mal "Kolberg" sah - und an das ich gerade in letzter Zeit häufig denken muß: "Ach, Gründe? Gründe brauchen Sie, um ein anständiger Kerl zu bleiben?!"

Aber die Mahnung Lutz Meyers paßt natürlich gut in die besinnliche Vorweihnachtszeit. Die Epoche "großer utopischer Entwürfe" ist jedoch eigentlich vorüber. Auch das liegt wohl weniger am Mangel schöner, anschlußfähiger Ideen, sondern am Mangel entsprechend "anschlußfähigen Personals".

Selbst Linke glauben doch schon lange nicht mehr an Utopien und Ideale. Drum haben sie ja letztlich auch ihren Frieden mit dem Kapitalismus und "dem Westen" (nicht mit dem "christlichen Abendland"!) geschlossen.

Auch als die Linke noch "revolutionär" war, scheint sie mir eher von der Kraft der Negation als von der Ausstrahlung "positiver Gegenentwürfe zur herrschenden Wirklichkeit" profitiert zu haben. Gut, man könnte auch die Auffassung vertreten, daß in Zeiten, wo banale Bedürfnisse, Grundlagen und Selbstverständlichkeiten in Abrede gestellt und aufgelöst werden sollen, schon der Ruf nach "Recht und Ordnung" utopisch "anziehend" erscheinen könnte.

Bemerkenswert erscheint mir dazu dieser aktuelle "Hoffnungsschimmer": Seit Monaten hören wir, man könne doch unmöglich "mitten in Europa" wieder Zäune errichten oder gar unter Androhung von Schußwaffengebrauch verteidigen wollen. In Holland scheint sich da ein Umdenkprozeß anzudeuten:

http://www.t-online.de/tv/news/id_76428340/ausschreitungen-vor-geplantem-fluechtlingsheim.html

Gut, das sind derzeit noch andere Zäune und die Warnschüsse der Staatsmacht richten sich natürlich nicht gegen "verzweifelte Flüchtlinge", sondern aufgebrachte Einheimische, aber das ist doch immerhin eine interessante Entwicklung.

Gegen die eigene Bevölkerung ist die Androhung von Schußwaffengebrauch (zum Schutz des Stadtrats; anders als in den Medien suggeriert fanden die Proteste offenbar nicht vor einer Flüchtlingsunterkunft statt) also offenbar schon mal kein Problem mehr...

Abschließend noch schnell herzliche Weihnachtsgrüße an Exmeyer, der mir zuletzt zu verstehen gab, daß er insgeheim davon ausgeht, daß wir alle nur zum Dung künftiger Entwicklungen taugen. (Ich lese Ihre Beiträge wirklich gern! Am besten gefiel mir der selbstkritische neulich bezüglich der Funktion und "Verwertbarkeit" von Internetforen. - Nur ganz am Rande: ein "Mr." bin ich keineswegs, meine Wurzeln weisen vielmehr ins Schweden des ausgehenden 17. Jahrhunderts zurück.)

Liebe Grüße ebenso an Monika, auch wenn es in meiner Welt vor klugen Frauen nicht ganz so wimmelt; für den Verweis auf Gerl-Falkovitz jedenfalls möchte ich mich, auch wenn er mir gar nicht persönlich galt, aufrichtig bedanken. (Hatte schon immer eine Schwäche für anderer Kinder Adventskalender und meine Neugier wurde nicht enttäuscht, obwohl mir die Probleme katholischer Ärztearbeit an sich fern liegen. Allerdings müssen wir abwarten, ob sich das therapeutische Spannungsfeld zwischen Eros und Agape im täglichen liebevoll-praktischen Umgang mit den - uns derzeit noch fremden - Mitgeschöpfen bewähren wird, welche uns auf den unergründlichen Wegen des HERRN weiter unablässig zuströmen. Als "Auftrag Gottes" gleichsam, wie das so ähnlich ja auch unsere kluge Bundeskanzlerin formuliert hat.)

Allen Mitlesenden noch einen besinnlichen Advent! Und natürlich: Liegestütze nicht vergessen, zwischen den Lebkuchen!
marodeur
17. Dezember 2015 10:03
@ Kesselfieber:
Ich würde gerne mehr davon hören, bin aber noch nicht überzeugt. Sie urteilen Disziplin und Verzicht als Spaßbremse ab. Ich würde behaupten, dass viele ihr Selbstverständnis und ihre Lebenslust genau daraus schöpfen (sofern bewußt entschieden). Auch wenn hier aktuell eher die große Depression ausgebrochen ist, hatte die Neue Rechte zumindest für mich schon immer die Aura der "Coolness". Ein bisschen mehr Pflege dieser Aura würde uns gut tun. Schöne postive Bilder sind das eine. Führungsanspruch muß vor allem von innen kommen.
Exmeyer
17. Dezember 2015 10:07
Tatsache, auf einen Artikel von Lutz Meyer kann der Exmeyer kaum schweigen. Alleine, weil diese Artikel, eher Fragen aufwerfende Bilder, eine deutliche Bereicherung darstellen. Sie umkreisen die gleichen fragen, die ich mir stelle. Auch wenn meine Teilantworten gar nicht im Sinne des Verfassers sein mögen.

Zwei Assoziationen:

Die erste Assoziation die End-Fragen Lutz Meyers selbst betreffend. Eigentlich handelt es sich um nur eine Fragestellung die sich in verschiedenen Formen durch viele Beiträge zieht.
Nachdem eine Horde Apachen einen Treck von Neusieldern im Westen Amerikas angegriffen hat, sind alle Männer gefallen. Nur die Frauen und Kinder haben versteckt überlebt. Sie sind nun männer- und führerlos und fragen sich: Wie weiter? Und: Wohin überhaupt?

Die zweite Assoziation betrifft die Beantwortung der Fragen.
Nachts, auf einem Hochsitz. Mit einem Nachtsichtgerät wird es taghell. Allerdings nur bis zum Waldrand in 400m Entfernung. Der Waldrand ist undurchdringlicher als am Tage.
Bis zum Waldrand ist es reiner Pragmatismus. Die Wildschweine zerlegen die Wiese. Zur Schadensreduzierung müssen sie geschossen werden. Kaputte Wiese kostet richtig Geld. Also die Antwort: Richtige Uhrzeit, Waffe, richtige Munition, passendes Glas, warme Kleidung, Windrichtung beachten, Ansprechen, Ziel aufnehmen, richtig anhalten, Schuß, Nachladen, Ziel weiter beobachten. Liegt es?
Und dann vielleicht das ganze wiederholen.

Aber hinter dem Waldrand ist alles dunkel. Undurchdringlich. Unbeantwortbar. Raum und Möglichkeit, die Vorstellungskraft zur Entfaltung kommen zu lassen.
ODER: Die Undurchdringlichkeit hinzunehmen! Einfache Feststellung: 1. Da IST Raum für eine Dimension des Göttlichen, des Sinns/Telos, des Gesamtlogos. 2. Es bleibt ein Geheimnis. Unser Nachtsichtgerät reicht nicht so tief. (Danke an Schmidt/Ernstfall an dieser Stelle!)

Es reicht nur für das Pragmatische. Die Frage nach der Entfremdung ist in meinen Augen auch eine rein pragmatische.

@ Fremder aus Elea: Treffer. Alle Alles-wird-schöner-Ideologien sind emotional links. Sie betreffen Menschen, die wenig Substanz haben. Jeder abhängige Kleinbauer bis und noch lange nach der "Befreiung" war selbstverantwortlicher und unabhängiger als annähernd 100% der modernen "Bürger". Einfach "mehr". Das Erfordernis der Selbstverantwortung macht "relevant".

Technik und Institutionen machen abhängig, wohlfühllig und daher irrelevant. Kein heutiger Landwirt ist unabhängig. Mehr Bürokratie, Subventionen, die Landmaschinenfinanzierung, der Landmaschinentechniker und der Düngemittelhersteller, der Saatgutlierant, der Züchter, die Tankstelle, der Futterlieferant ...

Und Deutschland? Hat nach '45 seine Kornkammer verloren. Nationalstaat mit schwindender Nation. Im-Exportabhängigkeit. Irrelevant.
Eisenhans
17. Dezember 2015 10:29
§ Monika

" Ist es Zufall, dass Muslime die Faszination der christlichen Ikono-
graphie entdecken ?"
Nanu, sollte ich da was verpasst haben ? Wer denn noch außer
Kermani ? Sie sollten schon Beweise bringen für Ihre kühne Be-
hauptung. Bisher war es doch so, dass vor allem bildliche Darstell-
ungen den Hass der rechtgläubigen erregten. Die persönlichen
Neigungen einiger moderater Moslems sind ziemlich uninteressant.
Es soll ja auch christliche Schöngeister geben, die die Gewänder
saudischer Henker durchaus malerisch und geschmackvoll finden.
Exmeyer
17. Dezember 2015 10:35
@ Urwinkel / Zum Thema Irrelevanz des Menschen und der Staaten

Der Eleaner hat die menschliche Irrelevanz im historischen Vergleich angesprochen.
Wenn man Außenpolitikern zuhört, so nennen Sie das Wort "Gewicht" eines Staates im Bezug zu anderen (bzw. einer politischen Entität in Bezug auf eine andere, zB. die Camorra gegen die Ndrangheta).

Politik ist nichts anderes, als dieses Gewicht zu verstärken. Das ist allgemeingültig. Das gilt auch für sich selbst, d.h. als Individuum. Am besten versteht es jeder, der in einer Beziehung steht. Denn dort gilt dieses Gewicht genauso. Es eröffnet Optionen. Es minimiert sie bei der anderen.

Deswegen stelle ich die Erhöhung des Eigengewichts in den Vordergrund. Auch bei Individuuen! Via Liegestützen. Bei Leuten, die statt Liegetsütze mit 140Kg-Hanteln arbeiten (nein, ich nicht!), würde man das Gewicht wohl eher dadurch erhöhen, daß sie anfangen zu lernen, wer Aristotelis war.
In der Gesellschaft habe ein gebildeter Offizier die besten Chancen, sagte Goethe. Und Jack London hat das Bild des Wolf Larsen hervorgebracht.

Ernst-Ludwig Jahn ist der Name, der für die Verbindung steht.
Exmeyer
17. Dezember 2015 11:23
@ Andreas Törner: Großartiger Film. George!

Es nützt nüscht, Selbstkritik nach außen zu tragen. ("Liegstütze" macht man ja nicht, wenn man nichts zu verbessern hätte ... Nur wenigen ist der vitalisierende Effekt noch/überhaupt im Gedächtnis.)

Ich habe mehrfach mit und unter Profis Verschiedenstes trainieren können. Ich weiß wie groß Abstand sein kann. Aber ich weiß auch, daß der Abstand zwischen keine "Liegstütze" und einer kleinen Handvoll VIEL größer ist. Das ist DER Unterschied.
Ob man dann eher Ausdauertyp, Sprinter, Kraftausdauer oder Kraftathlet ist, ist eigentlich gleichgültig (abhängig von Muskelfaser und Körperbau). Jeder Typ hat seinen Wert, wenn man es obkjektiv betrachtet, und jeder hat subjektiv seine "Aufgaben" die ihm schwer fallen, und jedem werden andere Dinge auffällig leicht erscheinen.

Aber nichts fällt schwerer, als das Nichts zu überwinden. Man weiß ja kaum, was einem leicht fallen wird. Selbst mit Bierbauch wird ein Läufertyp schnell vorwärts kommen. Nur weiß er nicht, daß es so ist.

Wenn links sein Unzufriedenheit ist (die aus seiner Irrelevanz folgt) so beantwortet er sie mit Wünschen, die die Irrelevanz noch vertiefen würden.
Rechts ist dagegen, die Relevanz zu erhöhen und seine Wünsche, sein Wohlergehen, hintanzustellen. Als Investition! Wenn einer also die Irrelevanz des Rechten beklagt, muß sich ein Rechter gefallen lassen, daß man ihn danach fragt, was seine Person denn an Gewicht auf die rechte Seite einbringt. Dabei dürfte die Antwort meistens "null" lauten. Das Beklagen ist nicht rechts. Es ist links. Investitionen in das eigene Gewicht ist rechts. Also: Liegestütze sind rechts.
Urwinkel
17. Dezember 2015 11:36
Naja: "Psychopath" ist so ein relativer Kampf- und Gummibegriff. Plant man die Raunächte mit ein, kann man jeden Irrsinn damit relativieren. Davon lebt eine ganze Subkultur. Das nächste Stichdatum ist die Wintersonnenwende. Für mich der wichtigste Tag im Jahr. Bin ich deshalb gleich ein Psychopath? Um nicht unnötig aneinander zu rasseln: das haben Sie nicht behauptet, Treverer; soweit so gut. Aber lass' doch der Welt ihre Verrückten. Über ein Dutzend Mal wurde mir schon vor den Kopf geknallt: ich sei nicht ganz dicht. Aha. Jetzt erst recht! Bis man mir das Gegenteil glaubwürdig beweist. Eine Rutschbahn, ein Glatteis. Der Anschiss lauert an fast jeder Ecke. Und dahinter steht dann ein Profilierungsjunkie. Dahin kann man nur noch rufen: Verbrannt!
Treverer
17. Dezember 2015 11:41
@Eveline
Der Sozialismus kam zu früh…. diese linke Vision.

Also was fehlt? Die kooperative Auseinandersetzung mit rechts und inks.
....
Es gibt natürlich auch stink langweilige Bewahrer….
---------------------------------
Um gesellschaftliche Wirklichkeit zu werden, kam der Sozialismus (im ökonomischen Sinn) viel zu spät, die entfesselte Marktwirtschaft ließ sich nicht mehr einzwängen. Zum Glück, denn es ist nichts langweiligeres denkbar, als eine sozialistische Gesellschaft der Gleichen.

Die Frage ist doch, ob das Leben an sich, mit Liebe, Hass, Sieg, Niederlage, Genuss, Freude, Leid und Tod nicht spannend genug ist. Braucht es dazu wirklich gesellschaftspolitische Entwürfe ? Welcher gesellschafts-utopistische Entwurf feht denn, um ein Shakespeare-Drama spannender zu machen ? Und man sage nicht, daß sich Elemente davon nicht in jedem Leben wiederfinden...
Coon
17. Dezember 2015 12:11
Auch die Linke war in ihren Anfängen Negation.

Ich sehe das auch für die Gegenwart noch gegeben und es macht doch den Kern der linken Weltanschauung aus gegen etwas zu sein und nie für etwas ausser bestenfalls für sich selbst. Zersetzung statt Veränderung oder gar Verwandlung ist die Konsequenz. Zu zersetzen sind stets Ansprüche und Geltung der Anderen oder was einem selbst nicht gehört.

Rechts sind Form und Ausdruck, positiver Selbstbezug und ein fester Stand.
Der_Jürgen
17. Dezember 2015 12:11
Was Lutz Meyer über die positiven Utopien der Linken sprach, mochte auf die Linke von Anno dazumal durchaus zutreffen. Doch sieht Meyer bei den Grünen, oder gar der Antifa (wobei sich die beiden Kategorien sicherlich personell überschneiden) noch irgendetwas Positives, sieht er noch hoffnungsstiftende und erbauliche "Bilder", um seinen Ausdruck aufzugreifen?

Ich sehe bei diesen Leuten nur noch Hass, Hass auf das eigene Volk und dessen Traditionen, auf die Generation ihrer Eltern und Grosseltern und letzten Endes auf sich selbst als Angehörige dieses ihnen zutiefst verhassten Volkes. Schauen Sie sich doch die hässlichen, hassverzerrten Fratzen der Antifa-Randalierer am Rand von Pegida- oder AFD-Demonstrationen an, Lutz Meyer! Diese Leute können keine Liebe empfinden, auch nicht gegenüber den Migranten. Diese dienen ihnen lediglich als Rammbock zur Zerstörung des eigenen Volkes.

Welch ein Abstieg gegenüber der alten Linken, beispielsweise gegenüber einem Ernst Thälmann, der sich leidenschaftlich zum "harten deutschen Volk" bekannte. Würde man den heutigen Linken einige diesbezügliche Thälmann-Zitate an den Kopf werfen, so bekämen sie bestimmt Magenkrämpfe.

Die heutigen Linken sind nur noch nützliche Idioten des Globalismus und des US-Imperialismus. "Rechtsgerichtete Politiker und Parteien haben von der Bühne zu verschwinden und müssen zum Schweigen gebracht werden, und zwar schnell", fordert Thomas Barnett, der Clausewitz der Globalisierer, in seinem Buch "Blueprint for Action". Dieses Motto hat sich die heutige Linke zu eigen gemacht.

Im übrigen muss man sich fragen, ob die Kategorien "links" und "rechts" der heutigen Lage noch gerecht werden. Mir scheinen sie überholt. Ich bin für eine Verstaatlichung der Banken, für die Abschaffung des parasitären Finanzkapitalismus und für eine Einheitsrente. Damit bin ich nach herkömmlicher Definition "links". Ich bin für die Bewahrung der Nationalstaaten und der Völker, für die Einstellung der Drittwelteinwanderung und die Repatriierung von mindestens 80 % der bereits in Europa lebenden Nichteuropäer. Damit bin ich nach landläufiger Definition "rechts". Die Front verläuft heute zwischen Antiglobalisten und Globalisten, zwischen Verteidigern und Feinden der europäischen Völker und ihrer Kultur, nicht zwischen Rechten und Linken.

Dies hat ein Mann wie Jürgen Elsässer kapiert, dessen Querfront-Konzept meiner Meinung nach das erfolgversprechendste ist.

Meyer: Die bestellten Hassfratzen sind auch für mich keine Linken. Da ich wie Sie die Flüchtlingsströme als von der Globalisierungswirtschaft gewollt und gefördert ansehe, sind die Vertreter der Willkommenskultur deren Erfüllungsgehilfen. Die Selbstverortung "Links" ist da ein Missverständnis, denke ich. Aber eigentlich geht es gar nicht darum, links gegen rechts auszuspielen. Mir geht es um die wirkmächtigen Bilder. Nur Bilder bewegen die Massen. Wo also sind unsere Bilder?
Rosenkranz
17. Dezember 2015 12:35
Herr Meyer, ich halte ihre Aufforderung etwas zu konstruieren für falsch. Alles, was nicht von innen nach außen strahlt, ist nur Fassade, ist aufgesetzt.

Wir "Rechten" können den den Linken nur Stärke entgegensetzen, und Schönheit. Es muß von diesen Menschen ein Kraft ausgehen, die anziehend wirkt. Und diese Kraft kann nur entwickeln, wer Opfer gebracht hat, wer gelitten hat, wer sich verausgabt hat, wer etwas großes geleistet hat, wer auch mal ego non gesagt hat und dafür die Konsequenzen trug.

Meyer: Nicht vom Konstruieren ist die Rede, sondern vom Entwickeln der Bilder. Entwickelt werden die Bilder, die wir in uns tragen, ohne sie zu sehen.
Thomas Wawerka
17. Dezember 2015 12:54
Die Überschüttung mit aller Art von Wohlstandsmüll, der permanente Drang nach Entgrenzung des persönlichen Verlangens, die öffentliche Anerkennung von Gier, Narzissmus, Hedonismus bis hin zur Perversion machen den Menschen klein, schwächlich und verächtlich. Ich weiß nicht, was eine „rechte Vision“ sein könnte. Meine Vision, oder auch nur mein Wunsch für mich, meine Kinder und die Leute, mit denen ich zu tun habe, ist, dass wir starke, aufrechte, mutige Charaktere seien. Dass wir Menschen seien, die stolz auf sich selbst sein können – Menschen mit echter Würde (die einem nicht hinterhergeworfen oder einfach behauptet werden kann); Menschen, auf denen der Abglanz des Göttlichen liegt. Ich würde die „Utopie“ nicht so sehr im Äußeren suchen, sondern im Inneren.

Damit zusammenhängend Kubitscheks Frage: Ob man mit modernen Mitteln die Moderne überwinden kann? Das glaube ich nicht. Das läuft doch nur auf ein „lauter schreien als der Gegner und sich noch mehr echauffieren“ hinaus. Die Moderne mit ihren eigenen Mitteln bekämpfen hieße ein Teil des Problems werden, nicht der Lösung. Ich glaube, das geht nur durch Askese. Durch Stille, geistige und geistliche Zucht, die Wurzeln tief wachsen lassen. Durch Verweigerung all der Verführungen und Versuchungen, die uns mit ihren Glücks- und Befriedigungsversprechen hineinlocken in dieses Tollhaus. Durch tägliche Übung und Entscheidung. Durch Abkehr und gleichzeitig durch Großmut und Barmherzigkeit mit den verirrten, sedierten, fanatisierten Mitmenschen. Nicht ins Brüllkonzert einstimmen, sondern, wenn auch nur bruchstückhaft und aufscheinend, das ewig Gültige verkörpern!

Im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien gibt es diese gewaltigen, langlebigen Mammutbäume, man kennt sie u.a. durch Hitchcocks „Vertigo“. Die haben Stürme überstanden, Waldbrände, Trockenheiten, das Aufschießen und plötzliche Eingehen von Unterholz und allerlei Gesträuch. Die flach wurzelnde Bodenvegetation kommt und geht – den Wald aber bilden sie.
Ich will ein Teil des Waldes sein.
enickmar
17. Dezember 2015 13:40
Unser Bild wäre das Seinsmäßige. Identität.
Gesellschaftlich: Durch kollektive Identität bedingtes soziales Vertrauen und daraus erwachsende Verantwortung. Das ist das Bild der Volksgemeinschaft. Nichts weiter. Natürlich ist es kontaminiert.
Monika
17. Dezember 2015 13:48
"Nun muß ich sitzen so fein und klar,
Gleich einem artigen Kinde,
und darf nur heimlich lösen mein Haar,
Und lassen es flattern im Winde !


Annette von Droste-Hülshoff ( 1797-1848)

Imagine there's no chador,
It's easy if you try,
No hell below us
Above us only sky

Frei nach J.L.

@Eisenhans

Beweise ? Genau darum ging es ja nicht. Es ging darum, daß die Rechten keine positiven Visionen haben.
Ich meine allerdings, dass auch die Linken keine positiven Visionen mehr haben.

Ich habe im September in Venedig gesehen, wie eine bildhübsche Moslemfrau ihr Kopftuch an der Rialtobrücke abgenommen hat, ihre Haare im Wind flattern ließ. Ihr Mann sie fotografierte. Dann zog sie das Kopftuch schnell wieder auf. Ein kleiner Beweis und eine große Vision.

Und schon im 13. Jahrhundert ließen gewitzte junge Fräulein aus Sachsen-Anhalt ( keine Ahnung, wie das damals hieß) ihre Haare im Wind flattern.
S.o. Das ist schon revolutionär.

Ich bin mir fast sicher, daß viele junge muslimische Frauen gerne ihre Haare im Wind flattern lassen würden. Kollektiv:
So eine Art arabischer Frühling.Nur eine Vision.
Nun fürchte ich allerdings, dass der arabische Frühling 2016 auf deutschem Boden stattfindet. Auf eine andere Art, die zu weniger Hoffnung berechtigt.

P.S. Zu Navid Kermani, ungläubiges Staunen

"Das Buch versöhnt das Christentum mit Deutschland", schreibt eine Christiane Florin vom DLF im Klappentext.

Das mag befremden. Trotzdem ist das Christentum mit seinen Bildern auch vielen Menschen der ehemaligen DDR fremd. Ein Bürgerrechtler (atheistisch, marxistisch-leninistisch aufgewachsen ) hat mir mal erzählt, als er zum ersten Mal die Galerie der Alten Meister in Dresden besucht habe, habe er keines von den Bildern verstanden. Er kannte keine einzige Erzählung aus dem Alten oder Neuen Testament.
Da fehlt doch etwas .
Ich meine, dass die Bildsprache mindestens genauso wichtig ist wie das geschriebene oder gesprochene Wort.
kryptkon
17. Dezember 2015 13:52
Zu Unmoderner und Meyer:
Ja, die nicht linksorientierte Kunst und Kultur. Neo-Folk wird kaum noch wahrgenommen, Theater und bildende Künste sind linkssubventioniert.
Von welchen Kunst- Musik- und Theaterschulen etc. sollen die
Künstler kommen? Also erst sich linksorientiert unterrichten lassen und dann
von selbst nach rechts finden? Nehmen wir doch mal die Arbeiten des Künstlers Anselm Kiefer. Die liegen zwar etliche Jahrzehnte zurück, hatten aber niemals eindeutig links- oder rechtsgerichtete Inhalte. Sein Themenbereich waren die Mythologien und Ideologien deutscher Geschichte. Der heutige Künstler müsste sich quasi zurück besinnen auf einen nationalen Kunstbegriff, der in der Lage ist, international wahrgenommen zu werden. Wie etwa bei dem Künstler Joseph Beuys, der trotz seiner späteren Nähe zu den Grünen, einen nationalen Kunstbegriff mit einem internationalen Kunstbegriff in Verbindunge gebracht hatte. Beuys und Kiefer waren eng befreundet. Heute könnte eventuell ein nicht links- oder rechtsorientierter Künstler Arbeiten produzieren, die weder vom Kunstmarkt wahrgenommen, oder linkssubventioniert werden. Könnte? Und wo wären heute Galerien, die solche Arbeiten austellen? Theater? Musiksäle? Etc.? Es müsste eine Moderne in der Rechten existieren, die deren Bereitschaft voraussetzt, die Freiheit der und in der Kunst zu akzeptieren. Grundlegender Widerspruch: Künstler fürchten sich, von Linken als Rechte und von Rechten als Linke wahrgenommen zu werden.
Bibabutz
17. Dezember 2015 13:56
Wenn man ehrlich ist, sieht es mit dem kulturellen Leben in Dl nicht besonders interessant aus. Zum Vergleich die USA, wo fast die gesamte gute zeitgenössische Kultur herkommt (neben vielem schlechten, geschenkt bei der Masse). Die Leute drüben haben nun konkret eine berechtigte Sorge, dass ihre Kultur den Kanal runtergeht durch diese Einflüsse, die da jetzt immer stärker in eine Richtung drücken. Auch mir passierte es mehrfach, dass ich an sich gute TV-Serien nach ein paar Episoden abschalten musste, weil mir das race-mixing und die anti-white Ideologie einfach zu viel wurde. Das ist keine Kleinigkeit - stellt euch vor, das plötzlich Hänsel und Gretel türkischstämmig werden, und man würde das den hiesigen Kindern so aufdrücken. Damit zerstört man Menschen.

Was wir in Dl verlieren ist weniger Kultur, als hoher Lebensstandard und Sicherheit oder "Gemütlichkeit". Das ist eine andere Situation.
CCCED
17. Dezember 2015 14:07
Verflixt, Herr Meyer, was brauchen Sie denn noch für Bilder? Gehen Sie vor den Spiegel, da haben Sie das Bild, das Sie bewegen kann. Sie brauchen hier kein ausgeklügeltes Konzept, keine besondere Marketingstrategie, keine Ideologie. Es geht jetzt nur um das Selbst, um das Eigene, das Sie in Ihnen selbst und in den anderen Angehörigen unseres Volkes erkennen können. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?
kryptkon
17. Dezember 2015 14:08
korr.:
Zu Unmoderner und Meyer:
Ja, die nicht linksorientierte Kunst und Kultur. Neo-Folk wird kaum noch wahrgenommen, Theater und bildende Künste sind linkssubventioniert.
Von welchen Kunst- Musik- und Theaterschulen etc. sollen die
Künstler kommen? Also erst sich linksorientiert unterrichten lassen und dann
von selbst nach rechts finden? Nehmen wir doch mal die Arbeiten des Künstlers Anselm Kiefer. Die liegen zwar etliche Jahrzehnte zurück, hatten aber niemals eindeutig links- oder rechtsgerichtete Inhalte. Sein Themenbereich waren die Mythologien und Ideologien deutscher Geschichte. Der heutige Künstler müsste sich quasi zurück besinnen auf einen nationalen Kunstbegriff, der in der Lage ist, international wahrgenommen zu werden. Wie etwa bei dem Künstler Joseph Beuys, der trotz seiner späteren Nähe zu den Grünen, einen nationalen Kunstbegriff mit einem internationalen Kunstbegriff in Verbindung gebracht hatte. Beuys und Kiefer waren eng befreundet. Heute könnte eventuell ein nicht links- oder rechtsorientierter Künstler Arbeiten produzieren, die weder vom Kunstmarkt wahrgenommen, oder linkssubventioniert werden. Könnte? Und wo wären heute Galerien, die solche Arbeiten ausstellen? Theater? Musiksäle? Etc.? Es müsste eine Moderne in der Rechten existieren, die deren Bereitschaft voraussetzt, die Freiheit der und in der Kunst zu akzeptieren. Grundlegender Widerspruch: Künstler fürchten sich, von Linken als Rechte und von Rechten als Linke wahrgenommen zu werden.
freddyb
17. Dezember 2015 14:21
Frohe Weihnachten Herr Meyer!


https://www.youtube.com/watch?v=GS2wJGRD8UM
Eisenhans
17. Dezember 2015 14:30
§ Monika

Ihre "Visionen" stimmen mich nachdenklich.....
Pit
17. Dezember 2015 14:42
Mein Bild:
Greg Johnsons West Coast White Nationalism: alles wie bisher aber ohne Nichtweiße. Gesellschaftlicher Streit um Positionen, Pluralismus usw. usw. alles wie gehabt. Nur 1 einzige Regel: Nichtweiße gehören nicht zu unserer Gemeinschaft.
Iwein
17. Dezember 2015 14:44
"Nur Bilder bewegen die Massen."
Würde ich so nicht unterschreiben.
Für mich gilt nicht in erster Linie: "Diesem Bilde will ich mich annähern.", sondern: " So wie er ist, will ich werden!"
Insofern braucht es keine Utopien, sondern packende, unverkünstelte Tatmenschen, die zur Parteinahme herausfordern.Kämpen, Streiter, an denen Kraft und Wille (gerade auch zu überlegenem Verzicht !), harte, unbeirrbare Männlichkeit abzulesen ist.
Meine Bilder gehen mir auf zwei Beinen voran!
"Wo also sind unsere Bilder?"
Eher: Wo also sind unsere Helden?
Hagen, Dietrich und Hildebrand 2.0 - und da haben wir die Linke längst geschlagen! Stellen Sie sich doch mal Kubitschek neben dem Gemeinschaftskundelehrer ihrer örtlichen Schule vor!
Konrad T. Burger
17. Dezember 2015 14:44
Der Autor sieht rechte visionäre Bilder als etwas Notwendiges an. Das trifft zu. Es ist notwendig, wenn die Rechte Erfolg haben will. Es ist auch notwendig zur Selbstvergewisserung, zum Klären der eigenen Zielsetzungen und Wünsche.
Die Gefahr besteht nun, dem linken Utopia einfach das Spiegelbild entgegenzusetzen. Das wäre aber, wie schon zurecht erwähnt wurde, nicht mehr rechts; es widerspräche dem rechten Menschen- und Weltbild.

Wie aber sollten dann rechte Zukunftsentwürfe, rechte visionäre Bilder aussehen? Meines Erachtens sollten sie:
1. ... den Menschen als Mängelwesen berücksichtigen. Zu den fundamentalen Abgrenzungen nach links gehört die durch die Realität geschaffene Überzeugung, daß der Mensch nicht machbar ist. Daß folglich also auch die Welt des Menschen nicht beliebig machbar ist.
2. ... den Menschen als geschichtlich gewordenes Wesen berücksichtigen. Im konkreten Fall des deutschen Volkes gehört dazu auch, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, daß dieses Volk durch sieben Jahrzehnte Nachkriegszeit geprägt ist und mitten in einem materialistischen Zeitalter steht - ob uns dies gefällt oder nicht.
3. ... für das ganze Volk gedacht sein. Und zwar für das unter 2 beschriebene konkrete Volk, nicht für ein als ideal gedachtes. Dies verbietet, daß der rechte Zukunftsentwurf nur für eine kleine zurückgezogene Elite realisierbar ist.
All dies wird vor der Zeichnung eines Idealbildes bewahren, gleichzeitig aber auch vor der in rechten Kreisen vielfach anzutreffenden Hang zu Resignation und Rückzug.
Insgesamt sollte für das rechte Zukunftsbild also gelten: Ehrgeizig, aber realisierbar!

Wie aber soll dieses Bild konkret aussehen? Ein paar skizzenhafte Vorschläge:
Freiheit: Der Staat muß die Freiheit seiner Bürger nach innen und außen schützen und verteidigen. Das heißt starke Armee, starke Polizei, in der heutigen Zeit auch wirksamer Schutz vor internationalen Finanzmogulen und Konzernen, dazu ein funktionierendes Rechtssystem, das die Gleichheit vor dem Gesetz durchsetzen kann. Ein soziales System, das die Ärmsten auffängt. Es ist jedoch nicht Aufgabe des Staates wie eine Gouvernante seine Bürger erziehen zu wollen, ebensowenig, wie es seine Aufgabe ist, die Wirtschaft zu steuern, großflächig Gelder umzuverteilen und erst recht nicht, Abhängige zu schaffen.
Identität: Ja zur Herkunft, ja zur Geschichte, Befreiung vom Schuldkult. Drei Generationen nach Ende des Zweiten Weltkriegs wollen wir uns nicht länger für unser Dasein als Deutsche schämen müssen.
Subsidiarität, Eigenverantwortung und Unabhängigkeit: Was die kleinere Einheit leisten kann, darf die größere nicht an sich reißen. Die Familie, die Sippe, die Gemeinde sollen so gut es geht für sich selbst sorgen können und müssen.
Ökologie: Dieses Thema gilt es von den Linken zurückzuerobern. Es ist ein ur-rechtes Thema. In diesen Zusammenhang gehört auch die Eigenversorgung mit Energie; solange wir vom Öl abhängig sind, wie der Drogensüchtige von der Nadel, werden wir auch von der muslimischen Welt und den USA abhängig sein.
Eveline
17. Dezember 2015 15:00
Herr Meyer, ich male ein Bild.
Wir laufen alle nackt durch den Wald, natürlich muß es schneien, ....

Um uns wieder von der Natur berühren zu lassen, unsere versiegelten Sinne zu befreien, zu lauschen, zu riechen, die Kraft der Bäume zu spüren, die eigene Thiede zu spüren und und und.....
Kräuterkurse können und sollten belegt werden, es ist auffallend, wie viele wieder aufs Dorf ziehen...

Man höre auch
https://www.youtube.com/watch?v=sCAU6BomuSI

" Die Aufzucht des Weisungsempfängers " Von Ulrich Mohr.

Dieser Vortrag fokussiert einen Blickpunkt, wie wir von uns selbst entfremdet wurden und werden, und warum die Eltern unbewusst dabei mithelfen.

Wahrscheinlich, ich bin mir ziemlich sicher, daraufhin konnte erst die rechte bzw. linke Anschauung erblühen, mit all ihren Kriegen. ( Weil das Gewaltmonopol hat ja auch der Staat. )

1. Unsere Sinne wurden versiegelt. Wir müssten von klein auf an in der Natur spielen, darauf sind unsere Sinne geeicht, sinnvoll, sinnenvoll das Leben zu entdecken.
Nur in der Natur können wir unsere Sinne entfalten.
Dieser Prozess wird in der Bildung abgewürgt. Bildung heißt : Ich werde geformt. ( Mir kommt so das Bild eines Bonsai Baumes)
So fehlt das seelisch - geistige Selbstvertrauen alleine sich zurechtzufinden. Zu wissen, woher ich komme, dieses Gefühl ist versiegelt.
Zumal Fehler in der Schule immer noch stark sanktioniert werden.

Hinzu kommt das Parallelwelten entstehen, dadurch weil ein Jahrgang zusammengelegt wird, Kinder lernen viel natürlicher, wenn unterschiedliche Jahrgänge zusammen sitzen.

Und glücklich werden und sind dann die Weisungsempfänger. Weil jetzt kann nichts falsch gemacht werden.

So fahren dann die Klimaexperten an wunderschöne alte Bäume vorbei , hin zu einer Klimakonferenz um dort den Katalysator zu implantieren und das böse CO2 zu verdammen. Weil der Guru sprach vom Waldsterben.... und artig plappert der Weisungsempfänger nach. Er kann es nicht mehr sehen.
Sie „sehen“ den Wald nicht mehr. Die Sinne sind bildungsbedingt versiegelt.

Der Glaube.
Deswegen müssen wir glauben, was der Hirte in Rom, der Arzt um´s Eck oder der Politiker links und rechts der Strasse sagt. Wir sind sind mit Glaubenssystemen ummantelt, Humanismus, Sozialismus, Kapitalismus ach ich lebte ja schon im wissenschaftlichen Kommunismus...

Es fehlt das eigene Selbstvertrauen. Das Entfalten der eigenen Sinne. Das Vertrauen in den eigenen Sinn. So bleibt nur noch der Glaube, um ja nichts falsch zu machen.
Politische Gurus so weit das Auge blickt.

7. Nicht in den Krieg ziehen lassen, denn Krieg ist auch ein Glaubensmuster, auch dazu benötigt man Weisungsempfänger.

Meyer: Zu Ihrem ersten Vorschlag ganz oben, von wegen nackt durch die Wälder rennen, why not, da fallen mir ein paar Zeilen eines amerikanischen Folksongs ein, eine Persiflage auf "Oh gimme that Oldtime Religion", ich glaub, ich hörte es mal von Pete Seeger:

Oh, we'll worship like the Druids, Drinking strange fermented fluids,
And run naked through the woods; It's good enough for me.

Richtig, hier ist es: https://www.youtube.com/watch?v=YBtSFhbxBTg



Aristoteles.
17. Dezember 2015 15:03
Ich verstehe die von einigen vorgenommene Entweder-Oder-Polarisierung von Altem und Neuem nicht.

Ein in die Welt gesetztes Kind ist das Ergebnis Jahrhunderte, Jahrtausende alter Vorläufer, ist der Fleisch gewordene Bewahrer von etwas Altem und Ur-Altem. Dennoch ist es auch etwas einzigartig Neues.
Lediglich Bewahrung ohne Mut zur Schaffung von etwas Neuem bedeutet Grab, Sarkophag ('Fleischfresser').

Mir gefällt das Poussin-Bild oben: Im Zentrum der Diagonalen und Vertikalen die Aufschrift: 'Arkadien'.
Holt es heraus aus dem Inneren des Steins. Macht es lebendig. Erweckt Totes zum Leben. Macht etwas Neues.
Als ob Jesus für uns auferstanden wäre und gut ist.
Es geht immer wieder von vorne los.

Der Lebensweg besteht aus Kreuzung, Kreuzigung, Quertreibern, Überwindung von Hindernissen.
Besteht aus der ständigen Suche nach einer geraden Linie für einen aufrechten Gang. Nach einer Mitte.

Passend dazu etws aus unserem Bilderrepertoir:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gebo

https://de.wikipedia.org/wiki/Naudiz

Wird Zeit, dass wir uns die Runen auf die Stirn oder in den Nacken ritzen. Oder zumindest in den Unterarm oder auf den Füllfederhalter.

Und sollte ein Politisch Korrekter kommen, dann fragen:
'Die Moslems dürfen doch auch stolz auf ihre Kopftücher sein, oder?'
Aristoteles.
17. Dezember 2015 15:13
@freedyb

Top Beitrag.

Besonders exquisit:
Die klatschenden Karlsruher und die BRD-Bunzel-Omas.
Thomas Wawerka
17. Dezember 2015 15:31
Konrad T. Burger: Es ist jedoch nicht Aufgabe des Staates wie eine Gouvernante seine Bürger erziehen zu wollen

Ich glaube nicht an die Mär vom "mündigen Bürger", eben weil mir die biblische Tradition vom Menschen als sündigen, d.h. prinzipiell mängelbehafteten Wesen immer noch am besten einleuchtet. Ich glaube auch nicht daran, dass die Selbstermächtigung des Volkes eine gute Idee war oder ist. Und ich glaube nicht, dass Laissez-faire eine gute Methode ist, sondern dass im Gegenteil Erziehung eine sehr notwendige Maßnahme ist. Es beginnt mit dem Anspruch, eine Form an-, eine Haltung einzunehmen.
Ob das der Staat sein muss? Früher gab es andere Institutionen, die Kirche etwa. Die hat ja nun keinen allgemein formenden Einfluss mehr. Wer könnte es sonst sein?
Ralf
17. Dezember 2015 15:33
Bitte entwickelt keine Bilder, sondern bleibt nüchtern.

Es ist bezeichnend, dass in dem Artikel alles nach Herrn Meyers Meinung zu überwindende letzte Reste christlicher Wahrheit bezüglich des Menschen sind, während das zu entwickelnde Selbstverständnis der Mythologie entliehen ist.

Wenn das konservative Denken, wie ich es verstehe, eines auszeichnet, dann ist es, dass es dem Wesen des natürlichen Menschen nicht recht über den Weg traut.

Das, was also pessimistisch, negativ, verdrießlich und schroff daherkommt ist im besten Fall Ausdruck des demütigen Anerkennens biblischer Wahrheit über die Verlorenheit des gefallenen Menschen. Im schlechteren Fall ist es eine via Empirie genährte Skepsis gegenüber Wunschbildern des Menschen bzw. Kollektiven. Misstrauisch geworden gegenüber innerweltlichen Heilsversprechen bietet sich ihm hier allerdings ebenfalls die Möglichkeit, das "Kehrt um!" zu vernehmen.

Das, und nur das ist die Chance des Konservativen: Erfassen, dass er aus sich selbst nichts werden und nichts entwickeln kann, was das Elend seines Wesens überwindet. Und, um es zu vervollständigen, er das Heil dort sucht, wo es ist: in der Vergebung der Sünden durch Jesu Blut, in der Heilung des Bruchs zwischen Gott und Mensch, im Hineinwachsen in die Gotteskindschaft, in der Erwartung des Reiches Gottes.

Alles, was darüber hinausgeht, und sich als europäisches oder nationales geistiges Erbe präsentiert, ist eine unheilvolle Vermischung des Evangeliums mit mythologischen und ideologischen Motiven unterschiedlichster Herkunft.

Was das gesagte letztlich für das konkrete Hier und Jetzt bedeutet und ob es nicht Kategorien wie Politik, Staat, Volk und Nation sprengt, ist Jesu Lehre bzw. den Lehrbriefen des Neuen Testaments zu entnehmen.
Thomas Wawerka
17. Dezember 2015 15:44
Iwein: Meine Bilder gehen mir auf zwei Beinen voran!
„Wo also sind unsere Bilder?“
Eher: Wo also sind unsere Helden?


Vor-Bilder statt Bilder. Gefällt mir. Nicht zuerst an den Verhältnissen rumdoktern, sondern sich selbst bilden, aus-bilden.

Vorschlag: ein ritterlicher Mensch sein.
Thomas Wawerka
17. Dezember 2015 15:50
Wir selbst sind Gottes Eben-Bilder.
lunaria
17. Dezember 2015 15:55
Bilder aus denen die Seele Kraft schöpfen kann?
Frühe Filme von Ingmar Bergmann zeigen diese Bilder

Links und Rechts soll man nicht trennen, sie ergänzen sich doch, was dem einen fehlt hat das andere.
Auch der Mensch ist alles zusammen, eine Synthese aus linken und rechten Anteilen,
beide Gehirnhälften und beide Hände, vervollständigen das Leben des Menschen
--- zum Guten.
Exmeyer
17. Dezember 2015 15:58
Ich bezweifle, daß der Mehrheit des Kommentariats die Tiefe der Veränderungen bewußt ist, auf die alle Vorzeichen hindeuten.

Was solls.

PS: @ Burger: Und Ihr CDU-Parteiprogramm-wie-es-sein-sollte soll jetzt wen genau hinter dem Sessel hervorholen? Zieht es Sie wenigstens selbst aus dem Sessel? Dafür stehen Sie auf, nähmen die Waffe zur Hand und ließen sich dafür auch töten?
Nur damit das klar ist: In einem normalen Staate, wären die meisten Ihrer Forderungen einfach nur erkannte minimal Notwendigkeit und daher richtig. Ab er als Vision, die etwas bewegt?

Männer gehen ins Gefecht, den Tod ignorierend um Fahnen knattern zu höhren und für die Aussicht Ritterkreuze und eine Gesellschaft, die das höher achtet als alles andere. Nicht für irgendein Parteiprogramm, das sich das Zentrum für Innere Führung hätte ausdenken können.
Eine Vision, die nicht stark genug ist, daß Männer für sie kämpfen würden, ist wertlos.

Wieso sollte ich im Kampf um warme Sessel mein Leben riskieren oder auch nur eine Stunde im Eisregen frieren?

Was in Syrien oder der Ukraine, egal ob IS oder Assad, egal ob West oder Donbas, Männer dazu bringt, die Waffen zu ergreifen, taugt einzig als Bild.

Ich sage Ihnen, wie die Katholische (oder die evangelische) Kirche wieder etwas wird, was Beachtung findet: Wenn sich MÄNNER darum bemühen, in der ersten Reihe zu sitzen.
!Im Kino, im Film 300, Fight Club oder Rambo 4 sitzen sie. Nach Fight Club: Kino ist wie Masturbation, IS ist wie ...
Ihr Film ist nur ein Dokumentarfilm über die Schweiz in besser.
lunaria
17. Dezember 2015 16:08
Die Herausforderung besteht jetzt darin, sich zu beidem zu bekennen. Das Links-Rechts-Schema ist dann erledigt, dann stehen wir drüber, dann brauchen wir uns nicht mehr spalten lassen und nicht mehr gegenseitig aufhetzen, dann können wir gemeinsam die wirklichen Probleme angehen um sie zu lösen. Durch die Synthes lassen sich die Konflikte überwinden.

Was erkennen wir dann?

Antwort demnächst, hier....
der Gehenkte
17. Dezember 2015 16:21
Dieser Beitrag, Herr Meyer, hat mich persönlich tief getroffen, erschüttert (danke!) denn Sie sprechen ziemlich exakt meinen inneren Konflikt an, zumal ich, wie Sie, auch die andere Seite gut kenne. Und in der Analyse möchte ich Ihnen gern recht geben. Die Konklusion freilich will nicht recht überzeugen, denn sie fordert uns erneut auf, in ein „falsches Bewußtsein“ zu investieren.

Es ist kein Zufall, daß weltliche Utopien meist im Dunstkreis des historischen Atheismus geformt worden. Zur „materiellen Gewalt“ konnten sie erst mit dem Verlust der Transzendenz werden. Die Bedeutung von Nietzsches „Gott ist tot“ darf man nicht unterschätzen – es ist das Dreh- und Angelwort der Moderne. Die linke Utopie besetzt den Raum, der durch den Transzendenzverlust freigeworden war. Eine Reconquista würde nichts weniger als eine Wiederbesiedlung dieses Raumes, also eine Wiederbelebung Gottes bedeuten. Ob das erkenntnistheoretisch, historisch, logisch, numinos machbar ist, war in den letzten Wochen mehrfach Thema dieser Diskussionsrunde (Machbarkeit, Kann nur ein Gott uns retten? …). Wir können – so glaube ich – als denkende Wesen nicht hinter die Aufklärung zurück.

Im Grunde genommen versucht die Rechte (Bsp. Hielscher, Nebel etc.) das seit jeher – es ist ihr Gründungsvertrag. Doch mit wenig Erfolg, weil Transzendenz eben nicht zu machen ist bzw. nur als Komödie. Sie muß per se „Sein“.

Als einzig zu beackerndes Feld der Rechten bleibt das Verhältnis zur „Realität“, zur „Wahrheit“ – Wahrheit hat die Macht zum Transzendenzersatz.

Man kann sich zweierlei zu ihr verhalten: sie ausblenden (links) oder sie noch härter beleuchten. Ausblenden bringt Zeit- und Scheinerfolge (Höhlengleichnis), Ausleuchten vermutlich gar nichts – es sei denn, die psychische Verfaßtheit wäre eine andere! Daher erscheint es mir logischer, diese Verfaßtheit – die Immanenz – zu ändern. Das ist die Aufgabe und führt sie zum Abgrund, so sei es! Die linke Alternative kennt diesen Weg bereits …
Hesperiolus
17. Dezember 2015 16:59
Alle Bilder wären tauglich, die Heimat zurückrufen, gegen Über- und Entfremdung das Vertraute in Überlieferung und Herkommen beschwören. Entschleunigung und Vereinfachung darbilden, die "gute alte Zeit" und die "heile Welt", wie sie der Ikonisierung von Bio-Produkten massenwirksam und unterschwellig sogar antiamerikanisch gelingt. Von Recken, Runen und Ritterkreuzen bloß die Finger lassen. Erinnere mich eines Buchtitels: "Kleinstadt, Steildach, Volksgemeinschaft".
Letztere nicht als biologistische Norm, eher romantisch als tiefes Deutschland verstanden, wäre mir diese Dreiheit sympathisch, wenn in der Begrifflichkeit coram vulgo auch schon zu viel.
Matt Eagle
17. Dezember 2015 17:21
Und ich stelle euch eine Frage: Würdet ihr euren ganzen besch…. Wohlstand ins Mittelmeer werfen – damit die Bedränger danach tauchen, aber euch nicht mehr an die Pelle rücken – und dafür ein Leben in Demut führen?


Ich halte nicht viel von Demut, aber ich denke einige Menschen wären bereit auf Wohlstand zu verzichten, wenn sie dafür einen Zuwachs an immateriellen Werten haben könnten. Unter Hipstern gibt es doch schon den Trend, seinen Besitz auf das notwendigste zu beschränken. Klar würde man die eher als links bezeichnen, aber entscheidend ist doch, das Ergebnis, ein Lebensstil den man als nachhaltig und asketisch bezeichnen könnte. Also absolut rechts-kompatibel. Vielleicht sollte man sowieso das rechts-links Schema hinter sich lassen. Die Welt ist zu kompliziert für Zweidimensionalität. Ist die Bundesregierung etwa links, obwohl sie nach Gutsherrenart Gesetze "aussetzt" und für das niedere Volk nur Verachtung übrig hat? Oder ist die Antifa links, obwohl sie primitivsten Rassismus gegen Deutsch propagiert? Oder sind Konservative und Rechte links, nur weil sie vor der Abschaffung des Sozialstaats durch Überlastung warnen? Das, was heutzutage als "links" bezeichnet wird ist nur ein Codewort für Autorassismus, Utopismus und maßlose Dekadenz.
Hat jemand vielleicht eine Idee, wie sich das Links-Rechts-Schema in den Köpfen zerstören ließe? Danach könnte man sich auch wieder vernünftig mit seinen Mitmenschen diskutieren.
Exmeyer
17. Dezember 2015 17:33
Ich denke, das fehlt: http://4pt.su/en/content/principles-and-strategy-coming-war .

Alexander Dugin:
"To tell the truth, war has broken out. War has been "broken out". That war, which is most important now, is the confrontation of two civilizations: the Land civilization, represented by Russia, and the Sea ​​civilization, represented by the US. It is a standoff between a trade-based system, and a heroic civilization, between Carthage and Rome, Athens and Sparta. However, at certain moments it reaches a “hot” stage. We are in this moment again. We are at the brink of the war, and also one exists. However, this war can become a major and, perhaps, the sole battle of our lives, at any time. "

Man könnte auch sagen, Deutschland liegt dazwischen: Kleinstadt, Steildach, Zwergenstaat. Hobbitland, Auenland.
Westpreuße
17. Dezember 2015 17:44
"Da fehlt doch etwas."

Herr Meyer, es muß (!) etwas fehlen...
(Und kommen Sie von Ihrer Entwicklung her nicht ursprünglich um die "linke Ecke". Siehe Ernst Bloch...unten...).

Suchen wir denn eigentlich nicht alle nach dem, was uns "Heimat" sein könnte, ist, war !? Das können Menschen, Orte, Erinnerungen, Träume, Phantasien sein. Elternhaus. Die ersten Erfahrungen auf ALLEN Gebieten. Vater, Mutter, Bruder, Schwester. Die "Lagerfeuer der Jugend", die bekanntlich nie ausgehen...Die Gräber gehören auch dazu. Die toten Weggefährten.
Die erste Liebe, die letzte Liebe. Die gescheiterte Liebe. Die erfüllte Liebe:
Die Frau, die es wert war. Der Mann auch...
Die eigenen Kinder...

Grimms Deutsches Wörterbuch: Stichwort HEIMAT
http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GH05424#XGH05424
(ruhig mal ein bißchen mit der Bildlaufleiste spielen, "scrollen"...)

Ich empfehle dringend, (mal) wieder Ernst BLOCHS "Das Prinzip Hoffnung" "von rechts" zu lesen. Dieser Bursche "von der anderen Seite der Barrikade" hat uns durchaus noch etwas zu sagen...

Blochs fulminante Schlußsätze:
"Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch.
Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war. H e i m a t. "
(Das Prinzip Hoffnung, S. 1628)
Und wenn wir damit nicht anfangen, fangen die anderen damit an.
Ja, die sind schon eifrig dabei...
: Grüße aus Posen an der Warthe
Raskolnikow
17. Dezember 2015 17:53
Manchmal,

erscheint mir dieses unser Refugium, als wie ein vertrauter Raum voller Menschen (welch ausgelutschter Euphemismus!) die traurig auf meinen bettlägerigen Leib schauen, weil sie mich für tot halten. Ich aber lebe, kann nur keine Glieder regen oder einen Laut von mir geben, keinen Nachweis meiner Lebendigkeit liefern ... Als ob stünde eine Wand zwischen uns!

Wo bitte, und das frage ich Euch alle, - die Meyers, die Zaras und die Monikawerkas, verfügt die Reaktion vulgo die Rechte denn über größeren Reichtum als bei den Bildern, den Visionen, beim Schönen, bei den Altären?

Mit de Maistre hatte schon ein Zeitgenosse der Aufrührer denselben den theorethisch-argumentativen Strick um den schäbigen Hals gelegt. Die gesamte Romantik war eine reactionäre Bilderflut, eine einziger Schrei "Wir haben uns geirrt!", die Aufstände in der Vendee, Johann-Sebastian, die Cristeros, die katholische Renaissance Ende des 19. Jhd., Nietzsche, ... die Ikonen der ersten Hälfte des 20. Jhd, ... und heute, heute gibt es Rolf Schilling, Jordi Savall, Nolte, Sezession, Dugin, Clemens Fuchs und so weiter und so fort ... Man kann immer so weiter machen.

Uns fehlt gar nichts.

Allerdings, und es war Euch klar, daß ein Allerdings folgen mußte, allerdings wird all das Hohe, Schöne und Wahre auf geradezu viehische Art erniedrigt und entwertet. Nein, nicht vom Gegner, nicht von den Wühlern und den ewigen Zersetzern, sondern von uns selbst!

Wie das, fragt Ihr?

Auch wenn letzthin die Spaziergänger in diesem kleinen Gäßchen oft ein Verhalten zeigten, das besser in eine Jubelpromenade passt; es sei hier an den armen Arminius Arndt erinnert, der es wagte, den Sellner zu bemäkeln; muß ich doch diese eine kleine Unflätigkeit absondern. Es ist nötig, auch wenn ich dabei belanglos bleibe. Und die IB scheint mir hier ein weiteres Mal als Exempel besonders geeignet, da sich das allgemeine bei den jungen Patrioten auf das Spezielle fokussiert.

All unsere Schätze, die Bilder, die Schauungen, die Heiligkeiten, unsere Heldinnen und Helden werden unter das Bürgerliche Gesetzbuch gekehrt.

Wie heilig ist mir der totgesagte Park, wenn ich für ihn nicht einmal einen unwürdigen Knochen bräche? Was ist das für eine Ritterlichkeit, was ist Gottestreue, was Liebe, die das Absolute und Elementare ausschließt?

Von PEGIDA und IB, von der AfD sowieso, habe ich in den letzten Wochen gelernt, daß die abendländischen Werte das BGB, der Sozialstaat und die körperliche Unversehrtheit aller Beteiligten sind. Den Scheiß könnt Ihr allein retten ...

Zu den Krawallen der Globalisierungsfans in Leipzig schrieb ein IB-Kommentator, jeder, der seine politischen Ziele mittels Gewalt durchzusetzen trachte, delegitimiere sich und sein Anliegen. - Diese Aussage ist vollkommen unsinnig. Wer eine Idee vertritt, die keinen Gesetzesverstoss rechtfertigt, hat keine Idee, keine Vision, kein Bild von Wert im Sturmgepäck. Da kann das Nietzsche-Nicki noch so übermenscheln, der Haarschnitt perfekt sitzen und die Lektüre brutalst stahlgewittern ...

Es ist einfach und billig hier den Exmeyer zu machen und vom fantastischen Opfer zu schreiben, schnöselige Trainingslehre unters Volk zu werfen oder von Donbass und Kurdistan zu schwadronieren, aber im Grunde bleibt nichts übrig, wenn in der Heimat keiner mehr unsere Bilder sehen will, und hehre Ziele gemeinsam mit einem greisen Vollidioten als behandelnswert ablehnt.

Mit solchen Wesen mag ich in einem Raum sein, aber ich kann mich ihnen nicht verständlich machen ...! Ex!

Sucht mal schön nach neuen Bildern!

Ich setze mich jetzt ans Fenster, blicke auf die verschneiten Felder und die vom Weiß fast zur Erde gebogenen Birken und genehmige mir einen fünften Glühwein ... Noch so'n Bild.

R.

(Habt Ihr bemerkt, daß ich mein "ß" wiederhabe, und die Umlaute? Jüchü!)
Aristoteles.
17. Dezember 2015 18:26
@Ralf

"die Chance des Konservativen: Erfassen, dass er aus sich selbst nichts werden und nichts entwickeln kann, was das Elend seines Wesens überwindet"

"Nichts"? Wirklich gar "nichts"?
Rappelt mich nicht besonders auf, so was zu ERFASSEN.


@Hesperiolus

" "Kleinstadt, Steildach, Volksgemeinschaft" nicht als biologistische Norm, eher romantisch als tiefes Deutschland verstanden, wäre mir [...] sympathisch "

Wie meinen Sie das?

Ein in einer deutschen Kleinstadt wohnender Türke geht mit seinen Volksgenossen
vom Steildach
bei Kerzenlicht
viele Stufen
tief hinunter
in den Keller?

Und warum vom Ritterkreuz die Finger lassen?
Ist das zu biologistisch?
Ich würde gerne mal eins ANFASSEN.
Stil-Blüte
17. Dezember 2015 18:28
Mensch Meyer (diese heitere Anrede hat mir so gut gefallen, daß ich sie gern wiederhole)! Erkennbar als ostdeutscher Impulsgeber, mit großen Stärken und kleinen Schwächen.

Ihr Plädoyer f ü r eine r/echte U-Topie hat mich am Anfang mitgenommen. Doch dann ging es Berg- und Tal durch die Kommentare. Wissen Sie, wie ich mir hinterher vorkam? Wie ein Kind in einer der modernen künstlichen Spielecken, wo sich Hunderte grüne, rote, gelbe, blaue Bälle - alles Bälle - um mich herum kullern, tollen und rollen. Sie haben Bälle nach draußen geworfen, doch wir holen sie auf unsere bunte Spielwiese alle wieder zurück. Und auch ich kann nicht anders. Das Kontemplative, Nachdenkliche, Besinnliche hält mich. Fest? Gar gefangen?

Noch am ehesten vermag ich darüber hinaus

@ Zarathustra

zu folgen, wird er doch konkret, es aber leider nicht verabsäumt, uns das Negative noch einmal kräftig unter die Nase zu reiben.

Als ich über seine Vorschläge nachdachte, fiel mir ein, daß sich linke wie rechte wie unabhängige Leutchen bei der Nahrungsaufnahme inzwischen recht einig sind: regional üblich, exotisch selten, jahreszeitgemäß, selbstgekocht, ausgewogen zwischen Fisch und Fleisch, Obst und Gemüse, Zucker und Salz, Wasser und Wein, bekömmlich, schmackhaft, wochentags einfach, sonn-/feiertags üppig. Wären diese u. ä. Kriterien auf andere Lebensbereiche, einschließlich der politischen, ohne artistische bis linkische Verrenkungen, übertragbar, und für Andersdenkende, aber Gutwillige einleuchtend?

Alltag, (Wohn-)Kultur, Architektur, Kunst, Technik - eine Annäherung an 'wohl bekomm's!
Weltversteher
17. Dezember 2015 18:32
Wir können – so glaube ich – als denkende Wesen nicht hinter die Aufklärung zurück.


Wenn man sich vor Augen führt, wie willkürlich das Geistige, also auch der Inhalt der religiösen Betätigung, zur Zeit der Aufklärung verbannt wurde, wenn man einsieht, daß seither nur die physische Seite der Welt und der Menschen bis aufs letzte herausgekitzelt wird, das übrige (gewichtigere!) aber unbeachtet bleibt, bekanntermaßen geleugnet wird, sollte man insofern keine Scheu vor einer vermeintlichen aufgeklärten Erkenntnis haben, der man sich entgegenstellt.

Wie sie richtig bemerkt haben, ist der Gott der Kirche zwangsläufig tot, er gehört vergangenen Zeiten an. Es bedeutet aber bestürzende Einfalt, damit das Geistige, das eigentliche der Welt, mit begraben zu glauben.
Was spricht gegen das Denken? Richtig gedacht, und zwar lebendig und nicht in Schablonen, ist das unser Zugang zur geistigen Welt.
Konrad T. Burger
17. Dezember 2015 19:02
@ Thomas Wawerka
Ja, der Mensch ist sündig und mängelbehaftet. Und eben deswegen wird auch jede staatliche Erziehung, die schließlich auch von Menschen betrieben wird, sündig und mängelbehaftet sein. Der Wunsch, ihn mittels staatlicher Erziehung zu einem besseren Wesen zu machen, ist etwas genuin Linkes! Der Rechte wird den Menschen zur Freiheit erziehen, wohlwissend, daß diese Freiheit mißbraucht werden kann. Deswegen werden auch Gesetze, Polizisten und Richter niemals überflüssig sein.

@Exmeyer
Hinter Ihren pathetischen Worten verbirgt sich inhaltliche Leere. Sie bleiben die Antwort schuldig, wie die Rechte die Massen für den künftigen Staat und die künftige Gesellschaft begeistern soll. Was ist Ihr Zukunftsbild?
Ob ich in den Krieg ziehen, töten und mein Leben riskieren würde, um die Fahnen knattern zu hören oder um ein Ritterkreuz zu erwerben? Niemals!
Um das Leben und die Freiheit meiner Familie zu verteidigen? Sofort!
Zur Erläuterung möchte ich mich auch zweier Filme bedienen: Braveheart. Der Held will nichts weiter als in Frieden leben, sein Land bebauen und eine Familie gründen. Als ihm dies brutal verwehrt wird, wird er zum Freiheitskämpfer. Herr der Ringe: Nach gewonnenem Krieg, in dem er seinen Mut, seine Tapferkeit und seine Freundestreue unter Beweis gestellt hat, kehrt Sam in seine Heimat zurück, heiratet, zeugt Kinder, lebt ein Leben als Gärtner in der Gemeinschaft seines Dorfes.
Und weshalb nicht die Schweiz als Vorbild? Ein wehrhaftes Volk, das subsidiär aufgebaut ist, den Menschen ihre Freiheit läßt, Frieden und Wohlergehen sichert. Das Bild des oben erwähnten Ehepaars Stauffacher ist mir jedenfalls hundertmal lieber als das eines Wehrmachtsoffiziers mit "Halsschmerzen".
Lumpazi
17. Dezember 2015 19:09
Kann man nicht von Frankreich lernen? Wie hat es die FN geschafft, Franzosen massenhaft hinter sich zu vereinen?
KJ
17. Dezember 2015 19:25
Man sollte wirklich einmal Lassalles Rede vom Verfassungsstaat lesen! Rechts und links helfen nicht immer weiter als Ortungen.

Die Frage ist, was zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte die Macht und Souveränität mehrt. Deutschland ist das Projekt einer Rekonstruktion eines Staates. Das war es schon immer.

Für mich ist die Aufgabe der rechte Kreise die Rechte des Auslands unserer Nation gegenüber günstig gestimmt zu halten und gegenüber gemeinsamen Gegnern zu positionieren.

Innenpolitisch ist es die Führung durch das Volk. Eine Einigung des Volkes, und zwar ohne bedeutungsvolle Feindgruppen zu bemühen, zu erreichen, wäre die Herausforderung. Insofern ist das Bild der Panzer gut gewählt, aber zeugt auch von der Fragilität. Am Ende sind es ja oft die Pazifisten, die in den Krieg ziehen, die Sozialisten, die den Sozialstaat gefährden, oder die Konservativen, die das Volk ersetzen.
Waldgänger
17. Dezember 2015 19:53
Erstens.
Eine ganz fundamentale Schwierigkeit bei dem Vorhaben, eine rechte Utopie anzustreben besteht darin, dass nahezu alles, was in der rechten Utopie enthalten ist bzw. sein müsste, gegen die Macht- und Geschäftsinteressen der globalistischen Eliten steht, während sich die Ziele der linken Utopie zumindest teilweise mit der Agenda der Eliten decken.

Anders gesagt: Der momentane Erfolg der linken Utopie liegt eben nicht so sehr am konkreten Inhalt der linken Utopie, liegt nicht an deren innerer gedanklicher Kraft oder Schlüssigkeit, sondern daran, dass die Eliten wegen der teilweisen Deckungsgleiche von globalistisch-liberaler Ideologie und linker Ideologie die Linke machen lassen.

Insofern irrt Lutz Meyer etwas, wenn er meint, der Erfolg der Linken habe viel mit dem geschickter formulierten Inhalt ihrer Utopie zu tun. Der Inhalt der linken Utopie wird doch nur noch von einigen vernagelten Irren ernstgenommen!
Es ist nur eine Frage der Förderung durch die Macht!

Nein, da die links-liberale Gegenseite in einem beispiellosen Ausmaß dabei ist, überall Unordnung zu vermehren, und da auch tatsächlich immer mehr Menschen unter dieser Unordnung und Unsicherheit der grenzenlosen liberalen Globalisierung leiden, reicht es, wenn die rechte Utopie auf die Wiederherstellung von Ordnung, Sicherheit, Heimat usw. zielt.



Zweitens.
Daraus folgt, dass all jene vermeintlich rechten Utopien keine wirklichen rechten Utopien sind, die auf eine Heilung unserer Zeit hoffen und gleichzeitig eine weitere Einbindung in das amerikanisch dominierte liberal-kapitalistische System wollen.

Denn dieses liberale System ist eben durch die Tendenz zu Maßlosigkeit in jeglicher Hinsicht, zu Grenzenlosigkeit, Friedlosigkeit, Wurzellosigkeit, sozialer Strukturlosigkeit, Traditionslosigkeit, Autoritätslosigkeit, Verantwortungslosigkeit, Ehrlosigkeit, Geist- und Vernunftslosigkeit, Gottlosigkeit gekennzeichnet.
Das ist dann der Punkt, an dem Leute wie Nikolaus Fest und womöglich auch Dieter Stein – und Andre Lichtschlag erst recht – zurückschrecken ... Brechen mit der liberalen Moderne?


Indem hier auf die „Losigkeiten“ der herrschenden Utopie verwiesen wurde, ist im Umkehrschluss auch gesagt, was eine rechte Utopie ausmacht:

Kunst des Maßhaltens in jeglicher Hinsicht: von der persönlichem Lebensweise bis hin zur Politik und Wirtschaft

innere und äußere Sicherheit durch Begrenzung und Verzicht

Frieden statt stetes Expansionsstreben

Recht auf Heimat, auf Nation, auf kulturelle Wurzeln sowie Traditionspflege

die Familie als unverzichtbare kleinste soziale Einheit

ein materielles Auskommen für jeden an seinem Platz, seinem Stand und ein eher preußisches Verständnis von Gesellschaft in Unterscheidung vom angelsächsischen Sozialdarwinismus

Freiheit in Verantwortung

Primat der Politik vor der Wirtschaft und echte Autorität

Bewusstsein für die eigene Ehre und Würde

Respekt vor der Wahrheit und Vernunft … statt Visionen

Anerkennen von etwas Größerem als dem Menschen, etwas Göttlichem


Nicht die anarchische Freiheit der Liberalen, nicht nur die Freiheit von etwas zum alleinigen Nutzen des Egos bzw. amerikanisch gesprochen: „pursuit of happiness“, sondern Freiheit in untrennbarer Verbindung mit Verantwortung für das Ganze des Landes.
Ordnung!

Da das herrschende System zwangsläufig immer mehr Unordnung produziert - und daher ebenso zwangsläufig immer mehr Unterdrückung und Kontrolle braucht - eben deshalb kommt zwangsläufig die Stunde der Rechten, wenn die Unordnung und Zwang unerträglich geworden sind.
Peter M. Messer
17. Dezember 2015 19:56
Ich schlage mal vor, das politische Pferd genau umgekehrt und damit von vorne aufzuzäumen: Wesentlicher Energieträger der "linken" Umwälzungen, die zur heutigen linken Dominanz geführt haben, waren immer konkrete Bedrohungsszenarien, Zerstörungserfahrungen und Ängste. Bei den 68ern war es der Vietnamkrieg, im Vorlauf zu den Grünen waren es Angst vor Krieg, Reaktorkatastrophe und Umweltzerstörung, nicht umsonst waren anfänglich an den Grünen auch Konservative beteiligt. Ein, wenn nicht das zentrale linke Narrativ ist das der Gegengewalt. Bernd Eichingers Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" demonstriert das sehr gut, und auch der "Kampf gegen Rechts" wird heute als Abwehr einer akuten Bedrohung inszeniert.

Wo die Konservativen und Bürgerlichen sich selbst unmittelbar bedroht fühlten, waren sie auch zu einer entsprechenden Gegenpositionierung in der Lage, siehe die Nachrüstungsdebatte und ihr Ergebnis. Unser heutiges Problem ist doch vielmehr ein Mangel an echter, persönlicher Verlustangst. Zwar beklagen Konservative und Rechte alle möglichen Gefahren und Schäden. Aber sie selbst betrifft das anscheinend immer nur mittelbar, denn, wie Götz Kubitschek hier einmal schrieb, halten sie sich für zu gebildet, zu fleißig und ordnend, um jemals ganz unterzugehen, und das scheint ihnen zu reichen. Die Linken aber fürchteten immer ihren eigenen totalen Untergang.

Es gibt immer etwas, was den Rechten wichtiger ist als die unmittelbar vorhandene, alltägliche Lebensumwelt, falls sie die nicht als materialistisch und dekadent verachten, obwohl sie sie trägt. Vor allem sind das Formfragen: Man ist sachlich, ruhig, differenzierend, nicht extrem, nicht gewalttätig, hält sich an Regeln, auch wenn die Voraussetzungen dafür längst entfallen sind. Nikolaus Fest hat das mit seine Bestimmung der Zusammensetzung des Konservatismus aus Stil, Skepsis und Ideologiefreiheit gut zusammengefasst: Das ist nämlich eine rein formale Haltung ohne eine unbedingte Beziehung zu etwas Konkretem, das unbedingt zu verteidigen ist. So ist man zu keiner festen Position in der Lage.

Verehrter Herr Meyer, als Ex-Linker sollten sie doch eine saubere Diskursanalyse durchführen können und Floskeln wie die von der "illegalen und ungeordneten Masseneinwanderung" bloßlegen können: ist Masseneinwanderung also in Ordnung, wenn sie legal und geregelt abläuft? Das ist nämlich die Aussage dieser Formeln.

Wenn Sie hier mal wirklich produktiven Krawall stiften wollen, dann sollten Sie den Rechten ihren Mangel an Angst vorwerfen, und ihren Mangel an echter Bindung ans Konkrete. Sie sollten auf Jan Assmanns Arbeiten zum Kosmotheismus hinweisen, für den die Schöpfung permanent bedroht war und von Göttern und Menschen gemeinsam geschützt werden musste. Das Erhaltenswerte war gerade nicht ewig, sondern verletzlich. Der Glaube an einen allmächtigen, transzendenten Gott und solchen Unsinn wie ewige Werte unterminiert darum die Aktivität des Konservativen. Dementsprechend war der Mythos immer eine Erzählung nicht nur davon, wie die Dinge geworden, sondern auch wie sie zu erhalten sind, nämlich durch den Vollzug des Mythos im Ritual. Dieses scharfe Bewußtsein für die Verteidigungsnotwendigkeit des Vorhandenen ist verlorengegangen.

Traut Euch also endlich, wirklich Angst zu haben.
Waldgänger aus Schwaben
17. Dezember 2015 20:17
Wie oft schon habe ich hier und andernorts nach einer rechten Utopie gefragt. Aber alles Fragen verhallt in azurener Bläue.

Nun denn. Ich bin jetzt etwas weiter. Eine rechte Utopie kann nur von oben kommen. Wenn es soweit ist, werdet Ihr es schon merken.

Bis dahin bleiben

Glauben, Hoffen, Standhalten.
Werner H.
17. Dezember 2015 20:25
Linke Vision, rechte Vision? Nein ...

Immanuel Kant hat die Kausalität aus der Wirklichkeit da draußen in unser Oberstübchen verlegt. Man muss kein Ingenieur sein, um zu wissen, dass eine solche Idee nur von jemandem stammen kann, der eine gestörte Wahrnehmung hat. Trotzdem sind Heerscharen von deutschen Dichtern, Denkern und Theologen solchem Schwachsinn gefolgt. Man baue auf dem Küchentisch zwölf Gläser Wein auf, schiebe sie einzeln der Reihe nach vom Tisch, sage dabei laut "Kant hat recht, Kausalität existiert nur in unseren Oberstübchen" und rufe schließlich den Irrenarzt.

Mit Kant ist Gott nicht mehr der reale erste Beweger des Aristoteles da draußen in der Wirklichkeit, der selbst keines Anstoßes bedarf, um alles anzustoßen, und dessen Existenz und Vernunft aus realistischer Sicht mit mathematischer Präzision bewiesen ist. Für die heutigen Theologen ist Gott nichts weiter mehr als eine recht beliebige Idee, die dem menschlichen Oberstübchen entspringt.

Aber nicht nur Gott wurde "getötet", sondern das Ding an sich wurde getötet. Auch der Mensch an sich, die ganze Schöpfung an sich. Die Wirklichkeit im Wortsinne wurde "getötet". Derweil regieren uns Phantasten und Visionäre, die aus Mann und Frau, Familie, Volk und Schöpfung machbaren, brauchbaren und beliebig verrührbaren Brei an sich machen.

Nur Gott kann uns helfen. Und dazu müssen wir tun, was ihm gefällt. Er hat eine Vision für uns, die in der natürlichen Ordnung der Schöpfung aufscheint und ansonsten offenbart ist.
Schopi
17. Dezember 2015 20:35
Anja: " Linke sozialistische Ideologie erscheint deshalb nur erfolgreich, weil sie zusammen geht mit Falschheit, Lüge, Gewalt und Dummheit."


Der Erfolg sozialistischer Ideologie ist ein Erfolg im Kapitalismus. Der Kapitalismus schafft die materielle Vorraussetzung für diesen "optimistischen" Überbau. Nirgendwo sonst ist heutzutage diese Ideologie so erfolgreich wie hier im westlichen Überfluss und Wohlstand.
Jan
17. Dezember 2015 20:42
Jetzt nochmal was zum Inhalt: Ich glaube gar nicht, daß die Linke ihre heutige, wenn auch zerbröselnde Diskursmacht noch aus hippiesken Visionen zieht, die die Massen zum Träumen bringen. Sie hat einfach die Medienwelt im Griff und ist letztlich Staatsreligion in dem Sinne wie der Katholizismus im späten Bourbonenreich. Die Elite und solche die dazugehören wollen, müssen linke Pflichtübungen machen. Aber innerlich brennt da kein Feuer mehr, der linke Universalismus ist Ritual. Die Identitätsfrage, eine genuin rechte Kategorie, hat dagegen Poetential zur Entflammbarkeit, deswegen wird sie auch so rigioros bekämpft und verhöhnt, geächtet wie die Aufklärung im 18. Jahrhundert.
Bernhard
17. Dezember 2015 21:22
Es gibt noch einen Bereich, der hier unerwähnt bleibt: Die Musik.

Was ist emotional ansprechender, als Musik? Sind Videoclips nicht auch Bilder und zwar Bilder, die in Kombination mit Musik ein unschlagbares Mittel der Gegenpropaganda darstellen?

So hat Casa Pound z.B. zwei Musikgruppen, die zum Kernbestand gehören. Die Italiener schwören z.B. auf die gemeinschaftsstiftende Wirkung sowie auf die Möglichkeit hier Leute zu rekrutieren.

Die "rechte Musikszene" von Balladen über RAC bis zum Black Metal ist riesengroß und teilweise äußerst professionell.

Hier ein Beispiel mit ca. 1.000.000 Klicks alleine in zwei Veröffentlichungsvarianten:

https://www.youtube.com/watch?v=vv0vxpN14A0

Es kann aber auch weniger politisch sein, wie z.B. Metal Folk und Pagan Metal.

Die Rockmusik ist eine Musik, die sich nur in Ländern mit europider Bevölkerung durchgesetzt hat (Japan und Teile Nordostasiens sind die Ausnahme)

Das Thema wäre mal was für einen Beitrag hier.
Dziadowa Kłoda
17. Dezember 2015 22:39
...das kommt also heraus, wenn man keine genaue Definition von Links und Rechts hat; ist aber nicht schlimm: trotzdem lesenswert...
Jürg Rückert
17. Dezember 2015 22:40
Eine Cautio criminalis (1631 von Spee) wäre eine überfällige Antwort auf den Hexenhammer, den Malleus Maleficarum der Linken mit seinem knöchernen Dreizack „Rassist, Antisemit, Ausländerfeind“!

Himmel tauet die Gerechten! Wer schreibt die Cautio criminalis von anno 2016?
Und wer wird sie dann lesen? Im Getöse von ARD bis ZDF geht alles unter!
Was wir schreiben bleibt ohne Einfluss auf den Gang der Geschichte, denn „les jeux sont fait“:
Die Zerrüttung der Finanzen als Basis für die Weltwirtschaft, der militante Islam und Amerikas Anspruch auf alleinige Weltherrschaft führen uns in den ganz großen Krieg.
Aber unsere Kinder, sofern sie überleben, brauchen sich unser nicht zu schämen.
Das ist der einzige Grund, warum ich den Mund noch aufmache.
Eckesachs
17. Dezember 2015 23:18
Am ersten Tag meiner königlichen Herrschaft werde ich das Fahrradfahren mit Helm verbieten.

Danach das seltsame Laufen an Stöcken im Wald.

In der nächsten Woche werde ich mit Planierraupen sämtliche Spielotheken wegschieben und alle darin aufgefundenen Leute zum Sauberkratzen der Trümmer und Wiederaufbau zwangsverpflichten. Dort wird dann ein Blumenladen , eine Gärtnerei oder eine vereinsverwaltete Kneipe entstehen.

Jedes Dorf muß mindestens eine Kneipe haben. Wird Gesetz.

Bei Mäck Donald wird Messer und Gabel zur Pflicht. Der Betreiber hat ein halbes Jahr Zeit, sein Müllproblem in den Griff zu bekommen. Sonst Schließung.

Die Amtssprache ist Deutsch.

Die Sprache der Wissenschaft ist konsequent und ohne Ausnahme deutsch.

Kunst im öffentlichen Raum wird schön werden. Öffentliche Plätze werden zu Orten der Zusammenkunft und des Besinnens werden. Schrottkunst und alles was den Menschen stört, wird rigoros entfernt.

Bauplätze haben einen Mindestabstand zueinander. Menschen brauchen Abstand.

Angeln in allen schiffbaren Flüssen und Seen wird erlaubt.

Kinderkrippen werden weggeschoben mit der Planierraupe.

Die Werbung wird limitiert und unterliegt strengen Regeln. Keine nackten Menschen mehr.

Ein Ministerium wird sich mit der Beeinflussung der Frau befassen. Kinder auf Plakaten werden positiv dargestellt. Die Stadt ist voll mit Plakaten , die niedliche Säuglinge zeigen. Hormonabgabe nur in begründeten Ausnahmefällen.

Jeder Mann wird an der Waffe ausgebildet. Grundwehrdienst zwei Jahre.

Keine Frauen mehr bei Polizei und Militär.

Aufhebung der Naturschutzgesetze und Neuregelung,Überführung aller Wildarten in das Jagdrecht.

Rückbau von Straßen. Gesetz gegen Lichtverschmutzung.

Aufbau eines bemannten Raumfahrtprogramms.

Nukleare Bewaffnung heimlich und schnell.

Unterhaltungsfernsehprogramm erst ab 6 Uhr abends, davor Testbild oder Schulfernsehen. Nur Schule und Kultur im Nachmittagsfernsehen, rechen, schreiben, lesen.

Verbot der schädlichen Räpp- und Soulgeräusche wegen Wehrkraftzersetzung.

Häßliche Gebäude werden sukzessiv abgerissen und durch solche ersetzt, die auch in 200 Jahren noch als schön empfunden werden.

Ich weiß noch mehr...
JensN.
18. Dezember 2015 00:22
Mal etwas, was nicht zum Thema gehört: Dietr Stein von der JF scheint jetzt völlig am Rad zu drehen. In seinem Artikel "die anderen Gesichter" zieht er mal wieder gegen Höcke vom Leder und fordert - so wie ich das herauslese - sogar zu dessem Parteiausschluss aus:

"Für Höckes erneute, bewußt provokative Entgleisung muß die Parteiführung fast dankbar sein. Sie schafft den Anlaß, den Kurs der Partei deutlich zu klären. Will sich die AfD, die die einmalige Chance hat, sich als frische, moderne politische Alternative zu etablieren, von radikalen Sektierern Programmatik und Außenbild bestimmen lassen?

und:

"Die AfD könnte mit einem Befreiungsschlag nur gewinnen. Wichtig ist, daß endlich das andere, sympathische Gesicht zum Vorschein kommt. Wir werden uns in der nächsten Zeit in einer Serie einmal Mitgliedern widmen, die mehr Beachtung für ihr Engagement verdient haben."


Vor Jahren war die JF noch halbwegs oppostionell. Heute hat sich das Blatt - trotz wohltuenden Ausnahmen ala Hinz und Paulwitz - zu einem halbgaren weichgespülten und angepassten Käseblättchen entwickelt. Schade drum. Ich weiss auch nicht, was D. Stein reitet?! Was erhofft er sich davon? Den Aufstieg in Etablishment? Schon die Worte "frisch" und modern" haben mich misstrauisch werden lassen. Es sind Synonyme für Angepasstheit und Kriechertum. Hier versucht jemand einen Keil in die AfD zu treiben. Vielleicht ergibt sich ja bald eine Zusammenarbeit mit Lucke und Henkel, wo beide die "Kronzeugen"spielen können. Lachhaft!
JensN.
18. Dezember 2015 00:24
Oha, der Text wurde mit der heissen Nadel gestrickt. Bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen :-)

Meyer: ... und ist ein wenig sehr Off-Topic. Aber ist ja bald Weihnachten...
Nordlaender
18. Dezember 2015 00:41
@ Eckesachs

"Verbot der schädlichen Räpp- und Soulgeräusche wegen Wehrkraftzersetzung."

Mist. Da muß ich die ganzen Alben von Etta James, Solomon Burke, Wilson Pickett, Aaron Neville, James Brown, Sly Stone, George Clinton und Co. ja sehr sorgfältig verstecken.

Die meisten Punkte der Liste finde ich ansonsten wichtig und gut.

Ergänzend: Eine der schrecklichsten Erfindungen der Moderne überhaupt ist die Freizeitbekleidung. Es läßt sich eine signifikante Korrelation zwischen der Einführung dieser schlauchförmigen hautengen Beinlinge ohne Fußteil für die Damenwelt ("leggins") und dem dramatischen Geburtenrückgang unter weißen Völkern feststellen. Ähnliches gilt für die Verwandlung unseres schönen Erdenballes in den Blauen Planeten durch die vulgäre Stallburschenerotik dieser Epidemie des Tragens dieser Arbeitshosen (Nietenhosen).

Noch ein Vorschlag: Begriffe wie "Kultur" sollte man für eine gewisse Zeit verbieten (wer "Kultur" gar im Plural verwendet, sollte sofort eingesperrt werden), Vermittlung von "Kompetenzen" für immer, "Kreativität" sollte gesellschaftlich geächtet werden.
Hazmat Modine
18. Dezember 2015 00:52
@ Raskolnikow: Lieber Leonid, vergeben Sie den Suchenden!
Karl Blomquist
18. Dezember 2015 01:12
Also gut, Bilder

Völkerwanderung (Felix Dahn, Kampf um Rom), Stämme, Dörfer, Gehöfte, Palisaden, Feuerstelle
Stefan Jahr
18. Dezember 2015 03:28
@Werner H.

Lieber Werner H.,
gehen Sie doch mit dem alten Kant nicht so streng ins Gericht. Ich fürchte, Sie bekämpfen einen ideologischen Zombie, einen Vulgär - Kant, wie es ja auch einen Vulgär - Nietzsche gibt. Ich will auf Ihre Anwuerfe nicht weiter eingehen - ein solches Forum eignet sich nicht sehr für eine Kritik der Kritik der Kritik der Reinen Vernunft. Nur so viel: Begriffe wie "Schwachsinn" und "lrrenarzt" im Umgang mit Kant sind diesem objektiv unangemessen und wirken poebelhaft.
Unmoderner
18. Dezember 2015 04:22
Rosenkranz ist vorab zuzustimmen:
Alles bloß Konstruierte, Aufgesetzte ist ein sinnloses Kartenhaus. Es muß von innen kommen.
Und, wie ich wieder zusetze: kreativ sein, nicht bloß bewahrend.
Wir wollen doch - bei aller Zurückhaltung - gestalten - nicht bloß die Reliquienkiste abstauben?!! Die Welt bleibt nicht stehen - also können wir auch nicht stehenbleiben oder bloß rückwärtsfahren.

Herr Wawerka,
die Überwindung der Moderne ginge beispielsweise über die Umsteuerung von deren Impetus.
Wenn mir Leute mit Genderismus u.ä. kommen, fange ich nie an zu zetern, sondern lächle milde, sage 'jaja' und fange an, den Faden weiter zu spinnen - große Begeisterung beim Gegenüber - bis irgendwann die Katze sich in den Schwanz beißt, der Irrsinn sich selbst offenbart. Da lächle ich dann einfach konstant weiter und überlasse das Gegenüber sich selbst.
Man kann jemanden mit einigem Aufwand in ein Loch stoßen. Viel hübscher ist es aber, den Boden so zu gestalten, daß er von selbst hineinrollt.
Das Asketische ist unbenommen.

kryptkon,
einige wenige Sparten der Kultur sind subventioniert. Links? Die Subventionen kommen von uns allen. Man könnte sie ja mal an Nichtlinke verteilen.
Außerdem bin ich sicher, daß ein wirklich Kreativer auch über linke Lehrer hinauskommen kann, gerade durch Überdruß am ideologischen Gehämmere.
Drittens kann ich Ihnen versichern, daß es selbst in den ultralinken Bereichen auch noch Standhafte von uns gibt, die - natürlich unter passender Tarnkappe - ihr Scherflein beitragen, sozusagen intellektuelle Bombe mit Langzeitzünder. Auch Herr Kubitschek ist Germanist, eine heute dunkelrote Wissenschaft, und hat studiert an der einst tiefstdunkelroten Uni Hannover (wie das kommen konnte, muß ich ihn mal persönlich befragen). Mit Unschuldsmiene kann man die linken Heiligen auseinandernehmen, bis nichts mehr übrigbleibt, usw.
Wenn Sie aber Anselm Kiefer anführen, kann ich Sie nur warnen - das ist kein Künstler unserer Art, das ist im Gegenteil der 68er in Perfektion. Die Themen sind deutsch - aber alle negativ besetzt, denken Sie bloß an die Brandbilder mit den Portraits von Arminius über Bismarck bis Heidegger, an die brandschwarze bis nazibraune Grundfarbe vieler Bilder, etc. Meines Erachtens ist Kiefer klar links.
Was das Ökonomische betrifft, können oder müssen Künstler nicht anders denken und handeln als selbständige Nichtkünstler.

Aristoteles:
Im Zentrum dieses Bildes von Poussin steht nicht Arkadien, sondern der Tod. Man entziffert die Beschriftung eines Sarges.
Daß dieses Bild als Kondensat konservativer Gesinnung glänzend geeignet ist - Realitätssinn usw. - geschenkt.
Aber als eine positive Ikone, gerade weg von Tod, Mahnung, Erinnerung, Gruft ... ist es katastrophal verfehlt.

Eckesachs,
Stahlbeton ist so nach etwa 25 durchgerostet. Diesen Programmpunkt von Ihnen könnten wir also schon mal ganz einfach sich selbst überlassen ...
Westpreuße
18. Dezember 2015 07:04
Herr Meyer,ein anregender Text!

Wie eine Initialzündung. Ruft viele bedenkens- und nachdenkenswerte Kommentare hervor.
Solche und solche und solche...
Und nun gleich geht's nach Masuren. Erst einmal Richtung Nord - Ost.
Über die Weichsel. An der Marienburg an der Nogat vorbei. Dann durch Allenstein weiter östlich bis Treuburg. Dort abbiegen. Es wird unübersichtlich dann. Nicht weit von Suleiken und Konradsfelde. Mittenmang in der Masurischen Seenplatte. War alles mal deutsch. Für mich ist es das noch. Wiewohl: Vertreiben will ich auch niemanden mehr. Denn die Bewohner sind auch Vertriebene. Die Alten, werden weniger, trauern immer noch ihrer alten Heimat nach. Östlich von Polen. In der Ukraine. Und für ihre Nachkommen ist es eben...Heimat...
Dumm gelaufen alles, historisch gesehen...
Aber es leben dort noch Deutsche und Deutschstämmige, einige, etliche. Heimatverbliebene. Deren Leben darf man sich nicht "romantisch" vorstellen. Das Leben kann hart sein. Und Neusiedler, Deutsche. "Geflohen" aus Restdeutschland. Polen gehört zu den drei beliebtesten Auswanderungsländern der Deutschen.
Wäre ich jung und hätte ich etwas Geld gespart: Ich würde mir eine herzenskluge, "geerdete", adrette und hübsche Polin zur Frau nehmen...und dort siedeln...Kenne einige wenige...
Hoffentlich kann ich dort "sezession" lesen. Ist nämlich weit ab. Zwischen den Wäldern, am Wiesenrain, am See...
Und ein Stückchen weiter nördlich ist die Grenze zwischen polnisch- und russisch Ostpreußen. Und noch ein Stückchen weiter nördlich liegt Königsberg (Oblast Kaliningrad). Aber Königsberg gibt es nicht mehr. Ist eine durch und durch russische Stadt geworden: Fremde Heimat...
Allerdings: Hinter und neben der landschaftlichen Idylle "lauert" das Leben. Andere Länder, andere Sitten...
: Grüße aus Posen an der Warthe und frohe Weihnachten !
Der Sachliche
18. Dezember 2015 07:08
Viele gute Ideen für eine Art zu leben wie sie auch mir nahe ist. Ich laufe fast jeden Tag 15 bis 20 km, mache meine Liegestütze, bin bei erstaunlich guter Fitness, habe noch nie ein Auto besessen, konsumiere fast nur noch Dinge für den Alltag und Bücher. Ich umgebe mich bevorzugt mit Menschen, die ähnlich denken. Nur, warum ich diese in Linke und Rechte kategorisieren soll, erschließt sich mir nicht? Auch nicht die Aggressivität mit der einige Kommentare hier Leser dieser Seite angehen, die viele Artikel als Bereicherung ihres Denkens ansehen und dennoch auch das Rechthaberische mit der mitunter Andersdenkende abqualifiziert werden, abstößt. Meine Utopie von einem Einfluss der "Rechten" ist ein Verzicht auf Provokationen (Höcke), ein Aufgeben des Denkens in Rechts-Links-Schemata und die Bereitschaft zum Dialog mit Andersdenkenden (Nasahi).
"Was einmal gedacht wurden ist, kann nicht wieder rückgängig gemacht werden" (Dürrenmatt). Die Herausforderungen durch die Digitalisierung in allen Lebensbereichen empfinde ich als genauso großen Angriff auf Werte wie die Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen. Auf dieser Basis würde ich als ehemals "grüner Realo" gerne nachdenken.
Langer
18. Dezember 2015 07:48
Man sieht zur Linken die Vision einer Welt, in der die Menschen gleich welcher Herkunft und welchen Glaubens verständnisvoll, respektvoll und friedlich miteinander umgehen, in der es einen gerechten sozialen Ausgleich gibt, in der die Energiefrage ein für allemal umweltschonend und nachhaltig gelöst ist und in der es weder Siechtum, Hunger noch Elend gibt. Daß ein solches harmonisches Miteinander im Zeichen von Love & Peace & Tolerance allem widerspricht, was man über den Menschen weiß und die Wirklichkeit wohl doch eine ganz andere ist, tut nichts zur Sache.


Nein, der einzige Denkfehler besteht darin, diese Faehigkeit grundsaetzlich allen zuzusprechen, wenn in Wahrheit eben nur ein Teil der Menschheit dazu in der Lage ist und die grosse Mehrheit davon auch noch aus dem europaeischen Raum stammt. Wuerde man sich das eingestehen, haette sich die linke Ideologie erstens laengst erfuellt und zweitens waere das Ergebnis nahezu identisch mit rechten Vorstellungen.
firenzass
18. Dezember 2015 08:47
Schauen wir uns ein wenig in der Gegenwart um – und lassen wir dabei die Frage beiseite, ob sich das, was sich heute als links versteht, wirklich links oder nicht vielmehr nur Erfüllungsgehilfe des sich globalisierenden Kapitals ist.“
Nein! Hier findet zusammen was zusammen gehoert. Hier schliesst sich ein Kreis. Das globalisierte Kapital ist die Fortschreibung der Diktatur des Proletariats.
Sozialismus= Internationalismus. Ich moechte hier frei aus Milovan Djilas, „Gespraeche mit Stalin“, zitieren, „Ich sagte Stalin, dass die SU ohne die Industrialisierung//die Industrialisierung, die Stalin vorantrieb und die Trotzki verhindern wollte// den gewaltigen Schlaegen der Wehrmacht nie haette widerstehen koennen. Darauf Stalin: ;Das war ja auch der Gegenstand unseres Streits mit Trotzki".
Trotzki wollte „Soziale Gerechtigkeit“=Freibier fuer Alle, Jetzt und Sofort./Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?//
Trotzki wollte die Weltrevolution, vor allen Dingen auch unter Einbeziehung der transatlantischen Genossen. Der talentierte John Reed war ja schon eingetroffen. Wie wir wissen zog Stalin dann die Notbremse und verkuendete den „Sozialismus in EINEM Land“.
So rettete Stalin die SU, oder soll ich besser Russland schreiben, uebrigens gleich 2 Mal: das erste Mal vor dem Ausverkauf an die transatlantischen „Genossen“, das 2te Mal vor Hitlerdeutschland, eben durch die vorangegangene Industrialisierung.
Zum Schluss moechte ich beobachten, dass Stalin die Orthodoxe Kirche ueberleben liess, wenn auch auf Sparflamme. Stalin, das wissen wir, spielte in Zeiten groesster Bedraengnis auch mit dem Gedanken die Orthodoxie als wirkungsmaechtigeres russo-identitaeres Narrativ wiederzubeleben. Aus mystischer Sicht koennte Stalin sogar als Racheengel den Zorn Gottes ueber das russische Volk ausgeschuettet haben, das heute glaubensfester dasteht denn je, zu einer Zeit, wo sich fuer die Kirchen des Westens, angefuehrt von dem roehrenden Endzeitfreak Bergoglio, der grossen Hure des Islam, das Ende deutlich abzeichnet.
Russland und die russische Orthodoxie als Beschuetzer und Vollender des Christentums, als Licht der Christenheit, so wie es die russischen Dichter aller Zeiten besungen haben? Daran glaube ich!
Zurueck: Trotzki=Sozialist=Internationalist=Globalist. Heute schliesst sich der Kreis des Schreckens.
Schopi
18. Dezember 2015 08:55
Dziadowa Kłoda…das kommt also heraus, wenn man keine genaue Definition von Links und Rechts hat; ist aber nicht schlimm: trotzdem lesenswert…


"Links" heutzutage ist ein Wunschdenken, eine Projektion und Träumerei die alle Bereiche erfasst hat - "Links" ist für die Herrschenden vollkommen ungefährlich, "Links" ist die perfekte Ergänzung und der Wohlfühl-Überbau des Kapitalismus und Neoliberalismus. Links in diesem Sinne hat mehr Gemeinschaft mit dem Werbefernsehen als mit den Ideen von Marx und Engels. Links ist eine westliche Ideologie hervorgegangen aus "68" und vor allem dem Grünen Denken.

Also eigentlich gar nicht links. Welchen Zulauf haben heute noch Marxisten, die DKP? Das tendiert gegen null und dort findet man doch fast nur noch alte Herren denen die Mitglieder und Anhänger wegsterben.
Hansi Dampf
18. Dezember 2015 09:00
Artikel der Schwäbischen Zeitung von heute

"Die neuen Rechten kommen

Wer sagt denn, ein Neonazi sei einer mit einer Tätowierung im Nacken, schwarzer Lederjacke und grimmigem Gesichtsausdruck? Nein, die neue Rechte ist viel smarter, trägt gute Anzüge und Krawatte. Man kann sich mit diesen Menschen gepflegt über das Buch unterhalten, das man gerade liest. Sie haben etwas von der Welt gesehen, sie geben Zeitschriften heraus, auffällig viele unter ihnen sind Frauen.

Geht es aber um Ausländer, Flüchtlinge, um Migration, um den großen internationalen Geist Europas, werden sie intolerant.

Es gehört zur neuen Strategie dieser neuen Rechten, nicht mehr mit dumpfen Parolen Politik zu machen, sondern Institutionen, Vereine oder Friedensinitiativen von innen heraus umzukrempeln. Der Feind von Demokratie und Freiheit ist heute viel schwerer zu erkennen als in Zeiten von Stürmerstiefeln und Hitlerbärtchen.

Christoph Plate "

Alles ganz einfach, wenn man auf der richtigen gleich linken Seite ist.
Nicht mehr selber denken, man ist im Besitz der einzigen Wahrheit.
Kein Hinterfragen - hatten wir doch schon mal.
Der Gutmensch
18. Dezember 2015 09:48
Meine Utopie von einem Einfluss der „Rechten“ ist ein Verzicht auf Provokationen (Höcke), ein Aufgeben des Denkens in Rechts-Links-Schemata und die Bereitschaft zum Dialog mit Andersdenkenden (Nasahi).
„Was einmal gedacht wurden ist, kann nicht wieder rückgängig gemacht werden“ (Dürrenmatt). Die Herausforderungen durch die Digitalisierung in allen Lebensbereichen empfinde ich als genauso großen Angriff auf Werte wie die Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen. Auf dieser Basis würde ich als ehemals „grüner Realo“ gerne nachdenken.


Lieber Sachlicher!

Dann will ich Ihnen mal etwas erklären, auch ganz sachlich: Man muss diesen Björn Höcke tatsächlich nicht mögen. Aber: Das haben die meisten hier ja auch nicht nötig, den tatsächlich mögen zu müssen (ich mag ihn auch nicht, nur mal fürs Protokoll!). Denn im Gegensatz zu "Sachlichen" mochte hier auch kaum jemand solche Ikonen wie den Rudi Dutschke oder den Daniel Cohn-Bendit, und zwar auch nicht, als man damit noch einen Präsentkorb gewinnen und sich als guter Mensch präsentieren konnte, weil man seiner türkischen Angestellten großzügig gestattete, ihre Arbeit mit traditionellem Kopftuch zu verrichten. Das ist tatsächlich ein Unterschied, auch wenn "Sachliche" das vermutlich schwer nachvollziehen können.

Was "Sachliche" für dieses Land geleistet haben, liegt auf der Hand. Aus sexueller Befreiung wurde Mißbrauch, aus Frieden wurde Krieg, sogar aus der Forderung nach der Abschaltung von Atomkraftwerken wurde blanker Ärger, als die Kanzlerin sich diese Idee zu eigen machte. Welcher Standard wurde je gehalten? Keiner, und wenn ich mich da nicht täusche: Aus Prinzip nicht!

Es wäre also an der Zeit, mal eine Revision des bereits Erreichten vornehmen, und zwar auf eigenem Gebiet und nicht, wie das Vorbild Dutschke in seinen Interviews, schon wieder anderen über den Mund zu fahren und alles mögliche aufzuzählen, was andere grundfalsch machen mögen.

Vor dem Hintergrund empfehle ich auch eher keinen Dürrenmatt. Ich habe mir die Mühe gemacht, etwas Passenderes herauszusuchen, und zu Übungszwecken sogar auf Deutsch: https://www.youtube.com/watch?v=v3tW6vS-rFQ
Monika
18. Dezember 2015 09:50
Dieser Weihnachtsabend im Jahr 1945 bleibt unvergessen. Kurz und bescheiden war das Fest, aber dennoch spürt man Hoffnung, Zuversicht und Liebe. ich wollte, ich könnte meiner Mutter noch einmal "danke" sagen.


Aus: Weihnachtsgeschichten aus schwerer Zeit, VDK



Die Beiträge von Westpreuße berühren mich immer sehr.
Wo siedeln, wenn die Heimat fremd wird ?

Zur Entfremdung meiner Altersgruppe:

1. Ab und zu betreue ich die 10 letzten alten Frauen ( 85-95 Jahre) unserer Gemeinde. Die Pfarrkirche ist umgewidmet und zu Eigentumswohnungen umgebaut ( très chic). Ein Pater kommt alle 2 Wochen und feiert Eucharistie in einem kleinen Raum über dem Kindergarten.
Bald wird kein Priester mehr kommen.
Diese alten Frauen wohnen alle alleine in ihrem Haus oder ihrer Wohnung. An Weihnachten fahren sie mit dem Fernbus zu ihren entfernt wohnenden Kindern. Oder die Kinder kommen einen Nachmittag zu Besuch. Oder der Bruder schaut mal kurz bei seiner alten dementen Schwester vorbei. Die gestern hier durch durch Straßen irrte, weil die polnische Pflegekraft in ihrer Heimat ist. Eine andere alte Frau wird erstmals ihr Enkelkind ( 5 ) sehen. Der Sohn reist mit der türkischen Frau aus Istanbul an.
Die Westpreußin (95) sagte bei der Weihnachtsfeier: " Gottseidank habe ich keine Kinder. Diese Zeiten.

2. Vorweihnachtliches Klassentreffen. Unsere Mädchenklasse aus einer katholischen Schule . Es gibt viel zu erzählen. Die Frauen meiner Generation haben im Durchschnitt 2 bis 3 Kinder. Ein typisches Bild des gut situierten bürgerlichen Mittelstandes: 1 Sohn ist nach dem Geologiestudium nach Norwegen ausgewandert, die studierende Tochter kümmert sich an Weihnachten um Geflüchtete ( "Flüchtling" darf man nicht sagen, wird die Mutter belehrt), eine andere Tochter ( Lehramt) engagiert sich plötzlich bei der AfD. Ihr Weltbild zerbrach in der Nähe einer großen Erstaufnahme.
Ein Sohn ist mit seiner asiatischen Freundin in die USA ausgewandert.
Keine der Frauen bei Klassentreffen hat Enkelkinder.
Die Elternhäuser stehen nach dem Tod der ( zumeist) Mütter leer. Die Deutschen kaufen diese alten Häuser nicht mehr. Da verkauft man sein Elternhaus schon mal an einen Türken. Der es wiederum durch die Stadt sanieren läßt, um es dann an Geflüchtete zu vermieten.
Die einzige ledige, kinderlose Mitschülerin ( heute Single genannt) hat ein Alkoholproblem und es graut ihr vor Weihnachten zu Hause bei den alten Eltern.
3. Irgendwo in der Sippe oder Nachbarschaft gibt es vereinzelt ein paar Kinder. Die Kinder der Nichte. Oder der verzogene Nachbarsjunge. Trotzdem sind die Häuser geschmackvoll dekoriert. Lichterketten. Weihnachtsgestecke in Blumentöpfen. Aber kein Geruch mehr von Plätzchen. Kein Kinderlachen.
Auf dem Kinderkarussell des Weihnachtsmarktes dudelte ein neudeutsches Kinderweihnachtslied: Friede, Freude, Eierkuchen....
Dieses Jahr fand ich auch keinen richtigen Schokoladennikolaus mehr ( mit Bischofsstab und Bischofsmütze).
Da muß man dann ins nahe Elsass fahren.

....................

Da fehlt doch was. Da fehlt vieles.

Allen ein be-sinnliches Fest.
Nordlaender
18. Dezember 2015 10:24
Werner H.

"Aber nicht nur Gott wurde „getötet“, sondern das Ding an sich wurde getötet. Auch der Mensch an sich, die ganze Schöpfung an sich. Die Wirklichkeit im Wortsinne wurde „getötet“."

Die Wirklichkeit im Wortsinne ist das, was auf den Einzelnen wirkt. Ein Musikstück mag auf Sie z.B. ganz anders wirken als auf meine Wenigkeit. Niemand kann die Wirklichkeit töten, es sei denn, er tötet eine Person.

Der Mensch an sich ist ein relativ junges gesellschaftliches Konstrukt. In Wirklichkeit begegnet man niemals Menschen, sondern Jungen, Alten, Frauen, Männern, Chinesen, Schweden, Schönen, Unansehlichen u.ä.
Hansi Dampf
18. Dezember 2015 10:26
ach, Monika, so isses.

Einfach für sich das Richtige
oder
das für sich Richtige
machen.

Das gibt wenigstens kurzfristig
die alten Stimmungen zurück.

Vielleicht prägt sich das ja bei den Enkeln ein.

Bei der Tochter war es anscheinend so.
Exmeyer
18. Dezember 2015 10:38
Warten wir noch ein paar Jahre.

Ich bezweifle allerdings, daß sich dann viel geändert haben wird. Außer, daß die Anzahl der grauen Haare zugenommen, die Anzahl der Illusionen abgenommen haben wird. Aber vielleicht hat man dann ein konsistentes Bild, das man verteidigen möchte.

Wenn es dem Bürgermeister Nettelbeck um Haus und Hof gegangen wäre, hätte er dem ersten französischen Vorkommando die Stadt Kolberg übergeben müssen, anstatt die Zerstörung der Stadt in Kauf zu nehmen. Dieser harte Geist atmet gewiß nicht in jemanden, der sein kleines Auenland verteidigen will. Wer das will, muß es übergeben. Wer kämpfen will, muß es innerlich aufgeben, weil es durch einen Krieg nicht gerettet, sondern zerstört würde.

Wer freiwillig kämpft, kämpft um des Kämpfens Willen, um Ehre, Ansehen, Macht. Was hatte Jünger noch gleich verteidigt? - Dem Roald Amundsen war es schietegal welches Wettrennen er gewann.

PS: Lassallles Verfassungsstaat, Auenland? Ich weiß, daß ich hier im falschen Film bin, schon länger. Aber so falsch?

PPS: Geehrter Raskolnikov. Sie mögen Jahn'sche "Turnerei" und den Verzicht auf warme Bilder als zu kalt empfinden. Ich weiß sicher wogegen es sich zu kämpfen lohnt, aber für das Wofür wird sich kein einheitliches Bild finden.

PPPS: Deutschland hat eine Chance, wenn die Frage nach einem positiven Bild ziemlich einhellig mit "Deutschland!" beantwortet würde. Wird es bisher nicht, sondern mit Auenlandwünschen und Lassalles Verfassungstaat. Selbst hier nicht!
Ich suche nicht. Ich kenne die Antwort. Mit einem Schlagwort. Aber ich werde den Teufel tun!
Der Gutmensch
18. Dezember 2015 10:52
Raskolnikow, Herzchen, das war wohl ein Glühwein zu viel? Oder auch nicht!

Zum BGB muss ich da mal ´ne Schnurre erzählen, weil Sie, wie ich befürchte, keine Ahnung von dem haben, was Sie da eigentlich so glühweinselig schmähen: Die Süddeutschen hatten ja auch keine, Sie befinden sich in guter Gesellschaft, nur dass Sie so gar keine Ausrede dafür haben: Das Gesetz galt sogar im Osten bis 1979 und das ZGB hatte vieles übernommen. Egal, zurück zu den Deutschen: Das preußische Landrecht, dem das BGB letztlich entsprang, kannte beispielsweise solche zivilisatorischen Ausfälle wie das Recht zur Züchtigung des Eheweibs nicht. Das überrascht auch nicht, mich jedenfalls nicht: Die Analphabetenquote lag bei sagenhaften 0,9%; man konnte sich auch ohne Rohrstock prima balgen und es verlangte hier keinen Manne nach dem gesetzlichen verbrieften Recht, seine Frau körperlich züchtigen zu dürfen (das kollidiert wohl auch mit gewissen anderen Vorstellungen, offizielles Recht hin oder her).

Nun kamen die anderen Deutschen, weil es ja doch ein gemeinsames BGB geben sollte im Kaiserreich, in das sie sich mal so richtig ordentlich einbringen können mussten, von wegen dem ordentlichen Proporz usw. usf. (für Assoziationen übernehme ich keine Verantwortung). Sie kamen also samt und sonders angelatscht, ihre ganzen prima Utopien im Gepäck und legten los. Die mürrische Antwort der Preußen auf diese Invasion in ihr schönes Gedankengebäude lautete: "Samt und sonders systemwidrig, Euer Nonsens. Fort, zurück in Eure Provinzen, lernt erstmal lesen, kusch!" Und die erboste Antwort darauf lautete: "Das ist doch aber unsere Kultur, unsere Kultur ist das, genau!! Wir sind nämlich anders und wollen es auch in Deutschland bleiben!" Die preußischen Beamten seufzten tief und besannen sich vermutlich auf diplomatische Standards und darauf, dass man das eigene Niveau anderen schlecht aufzwingen kann. Des Menschen Wille ...!

Und so schaffte es das Züchtigungsrecht ins anno 1900 in Kraft getretene BGB. So hat man es mir erzählt und so halte ich es für wahr, jeden Tag ein bißchen mehr.

Mittlerweile ist das aber natürlich finstere Vergangenheit, auch im BGB. Dafür haben wir dort beispielsweise das Schuldrecht vereinheitlicht. Ist alles ganz knorke prima geworden, da gibt es Dissertationen drüber, ist alles Zucker! Aber wem will man das denn noch erzählen, also Prost, und wenn ich hier rausstarre, ist alles bloß gritzegrau; ich habs nicht so mit Utopien (dafür aber auch nicht mit Dystopien, da assoziiere ich immer gewaltverherrlichend).

Der Gutmensch.
Kiki
18. Dezember 2015 11:02
@Raskolnikow
Sie sind nicht nur der geheime König hier, sondern auch der Beweis, daß doch nicht alles tot und vorbei ist mit diesem armen Volk (bzw. Volksrest).

@eulendings (ich hasse diese deutschen Fäkalitäten - da werde und will ich mich nie und nimmer assimilieren)
Was machen Sie mit Leuten, die ihren Wohlstandmüll schon längst weggekippt bzw. sich gar nicht erst zugelegt haben aus vorausschauend-planvoller Demut?

@hazmad
Der Vorname lautet Rodion und nicht Leonid (übrigens ein außerst lesenswertes Buch, dieses "Verbrechen und Strafe" von F.M. Dostojewski. Falls Sie zwischen den Jahren Muße haben, sollten Sie es lesen statt diese immer gleichen und allein schon deswegen öden Holliwuttfilmchen zu gucken - von der Lektüre ewiger Bücher hat man ungleich mehr.
Nordlaender
18. Dezember 2015 11:19
@ Westpreuße

"Blochs fulminante Schlußsätze:
...
Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war. H e i m a t. “
(Das Prinzip Hoffnung, S. 1628)"

Die Nachbarschaft der beiden Begriffe "reale Demokratie" und "Heimat" erzeugt körperliche Übelkeit in mir. Der Wohlklang "Heimat", der für sich selber spricht, neben dem technisch-kalten Reißbrettentwurf des Weltverbesserers. Bäh.
Hartwig
18. Dezember 2015 11:54
Links und Rechts, gibt es nicht mehr?? Gibt es doch! Beides mit Berechtigung.
Links ist die Verschönerung, die Erleichterung, die Verbesserung.
Rechts ist die Basis, das Elementare, der Grund.
Das Linke steht auf dem Rechten.
Wer auf gutem Grund und festen Elementen steht, strebt nach Erleichterung und Verschönerung.
Das Fatale: Auch, wer sich nur auf gutem Grund und festen Elementen wähnt, strebt nach Erleichterung.
Der wahrlich Rechte arbeitet immer nur an Basis, Element und Grund. Der wahrlich Linke arbeitet nicht zu Lasten des Grundes. Der heutige Pseudo-Linke verzehrt den Grund.
Persönlich kenne ich niemanden, der wahrlich Rechts ist.
Zarathustra
18. Dezember 2015 12:38
»Wo bitte, und das frage ich Euch alle, – die Meyers, die Zaras und die Monikawerkas, verfügt die Reaktion vulgo die Rechte denn über größeren Reichtum als bei den Bildern, den Visionen, beim Schönen, bei den Altären?


Auf Ihre allzu durchsichtige Selbststilisierung als den edlen einsamen Helden inmitten einer feigen, unreflektierten Meute, zu der all »die Meyers, die Zaras etc.« (nicht etwa: der Zarathustra) gehören, will ich nicht weiter eingehen. Ich sage Ihnen nur: Durchschaut. Und nun lieber gleich zur Sache:

Sie stellen erstens »die Rechte« (gemeint sind wohl wir) mit »der Reaktion« gleich. Das mag auf Ihr eigenes Selbstverständnis als Mittelalterfan zutreffen, ist aber für die Gesamtheit der deutsch-identitären Bewegung unzutreffend und irreführend. Denn: Re-agieren wir bloß auf eine Entwicklung, welche »die« Entwicklung schlechthin ist?

Wer sich konservativ oder reaktionär nennt, spielt letztendlich das Spiel des Gegners mit, der ja alle räumlichen und identitätsbedingten Unterschiede als zeitliche Unterschiede, und zwar im Sinne der linear-chronologischen Zeitlichkeit einer Weltzeit, als eine alles verschlingende Folge in der Entwicklung »des Weltgeistes« (= One-world, gell?) darstellen möchte. Wer das Recht auf im weiteren Sinne räumliche Unterschiedenheit betont, und ortsgebunden denkt, für den gibt es nicht »die« Geschichte, und erst recht nicht diejenige der gegnerischen Metaerzählung. Und gerade im Rahmen solcher Metaerzählungen kann man sich überhaupt als »konservativ« bezeichnen: als ob es darum ginge, ein nur chronologisch-zeitlich Charakterisierbares zu konservieren oder zu wiederbeleben. Und mit dem Begriff der Reaktion macht man diesen Fehler noch schlimmer.

Ihre historischen Andeutungen auf de Maistre, die Romantik, die »katholische Renaissance« (sic! Das ist doch Reaktion im allerschlimmsten Sinne des Wortes!) und Nietzsche bleiben in derselben linearzeitlichen Vorstellung befangen.

Was Ihren Hinweis auf die Altäre betrifft, bewundere ich zwar Ihren Sinn für das Numinose, aber Sie scheinen allzuleicht zu vergessen, wem wir die heutige Misere mit zu verdanken haben, nämlich dem Universalismus Ihrer heiligen Kirche (Wiederholen Sie mir bitte nicht das Mär vom an sich guten Katholizismus, der von den bösen Konzilianern verdorben worden sei), jener Kirche, die aus Prinzip und ganz folgerichtig alle deutschen Souveränitätsbemühungen unterwandert und unterwandern muß. Sieht sie denn nicht in jedem Homo Sapiens einen potentiellen Verbündeten und einen potentiellen Christen? (In jedem »Flüchtling« begegne uns Christus, hatte dem Sinn nach ein Kardinal gesagt) Muß sie nicht deswegen allen Ausschlußbestrebungen (und souveräne Politik ist ihrer Natur nach Eigene-Fremde- und Freund-Feind-Unterscheidung), die dieser Mission in die Quere kommen, verteufeln? Wer das Verhalten der offiziösen Kirchen auf ihren ökonomischen Status als Teil der Sozial- und Asylindustrie zurückführt, denkt zu kurz. Es ist nicht nur die Verderbtheit der Kirchen, die sie zu ihrer deutschfeindlichen Haltung veranlaßt, sondern ihre innerste Überzeugung und reinste Lehre. Sie, lieber Raskolnokow, und viele andere hier aber scheinen in Ihrer durchaus sympathischen Suche nach dem Heiligen das erste Beste gewählt zu haben; das scheinbar »Eigene«. Wenn Sie aber nur wüßten, wieviel profane Macht-Technik in der ganzen Theologen-Blendwerk steckt, das Sie für Ihr »Eigenes« halten! (Religionswissenschaftler sind in der Regel keine glühenden Katholiken; das sollte Ihnen zu bedenken geben...)

Lieber Raskolnikow:
»[I]hr Instinkt, welcher [S]ie aus der modernen Wirklichkeit hinwegtreibt, ist unwiderlegt, – was gehen uns [I]hre rückläufigen Schleichwege an! Das Wesentliche an [I]hnen ist nicht, dass [S]ie »zurück« wollen: sondern, dass [S]ie – weg wollen. Etwas Kraft, Flug, Muth, Künstlerschaft mehr und [S]ie würden hinaus wollen, – und nicht zurück!« (Jenseits von Gut und Böse, Erstes Hauptstück, Nr. 10)

Dafür rate ich Ihnen, für Ihre spirituellen Bedürfnisse sich eher an Hölderlin und Heidegger (wissenschaftlich interessant ist auch Eliade) zu halten...

Sie schreiben weiterhin:

»All unsere Schätze, die Bilder, die Schauungen, die Heiligkeiten, unsere Heldinnen und Helden werden unter das Bürgerliche Gesetzbuch gekehrt.

Wie heilig ist mir der totgesagte Park, wenn ich für ihn nicht einmal einen unwürdigen Knochen bräche? Was ist das für eine Ritterlichkeit, was ist Gottestreue, was Liebe, die das Absolute und Elementare ausschließt?

Von PEGIDA und IB, von der AfD sowieso, habe ich in den letzten Wochen gelernt, daß die abendländischen Werte das BGB, der Sozialstaat und die körperliche Unversehrtheit aller Beteiligten sind. Den Scheiß könnt Ihr allein retten …«


Hier sprechen Sie Wesentliches an, dem ich nur zustimme. Der bundesrepublikanische Michel vergißt allzugern, daß Gesetze im Grunde nichts anderes als geronnene Macht und Betonierung der gewaltsam errichteten Machtverhältnisse sind. Sie fallen nicht vom Himmel, sondern werden von konkreten Menschen für konkrete menschliche Zwecke gemacht. Und was sind die konkreten menschlichen Zwecke eines Vasallenstaats, der ja nur eine gezuckerte »Modalität der Fremdbestimmung« ist? Muß nicht, um die Fremdbestimmung und die geistige Entfremdung zu beenden, auch das Gesetz des Kollaborateurs als das behandelt werden, was es ist?

Nur: Wer ohne eine Gesamtstrategie, und insbesondere ohne zugleich für menschlichen Nachschub zu sorgen, in das feindliche Terrain vordringt, und dabei durch seine Illegalität dem Feind auch die Legitimierung zum Einsatz nackter Macht liefert, kann vielleich – bildlich gesprochen – die eine oder andere Kommando-Operation zu Ende führen, aber einen großangelegten Schlacht gewinnt er auf diese Weise nicht.

Klar: Die Truppe muß bis zum Äußersten kampfbereit sein (Insofern kann ich die von Ihnen kritisierten IBÖ-Jünglinge nur mit zurechtweisen), aber für menschlichen Nachschub muß auch gesorgt werden, und dafür müssen wir unter Berücksichtigung der tiefsitzenden bundesrepublikanischen Gehirnwäsche besonnen vorgehen.

Besonnen, sagte ich... Wenn es so einfach wäre: Wenn wir nur so viel Zeit hätten, um unsere Zeitgenossen nach und nach argumentativ und emotional in die richtige Bahn zu lenken. Ich hätte beinahe geschrieben: so wie der Gegner uns und unseren Nachwuchs ganz allmählich an Unmöglichstes gewöhnt, so müssen wir auch unsere nächsten Mitmenschen schrittweise aufklären. Aber die Zeit haben wir nicht mehr... Leider? Zum Glück?

Wo der Gegner uns wie Frösche im Topf nach und nach kochen will, und jedes Herausspringen aus dem Topf eine Überreaktion ist (Denn: die Temperatur wurde im letzten Monat doch nur um einen halben Grad erhöht, da muß der zivilisierte Frosch doch nicht so schroff reagieren!), steht man vor einem echten Dilemma: Springt man raus (sprich: wagt man den Schritt in die Illegalität), dann hat man überreagiert, und kann leicht vom gehirngewaschenen und noch am medialen Matrix angeschlossenen Volk isoliert werden. Springt man nicht raus, dann schmeckt man Froschschenkelliebhabern gut...

Schlagen Sie mal vor, Herr Komandosoldat, was machen wir konkret?

    [Trotz allem] Beste Grüße,
    Zarathustra
Rosenkranz
18. Dezember 2015 12:44
Danke Raskolnikow für die deutlichen Worte.

Auch ich neige hin und wider zum Heroismus um am Ende festzustellen, wie klein und feige man am Ende doch nur ist. Wie oft suche ich nach Worten, die einem sagen, was man tun soll in dieser verrückten Zeit? Wie oft sucht man nach einem "Führer", der einem sagt wo es langgeht? Und im nu ist das Leben vorbei... Aber ich will mich nicht in Selbsthaß üben.

Mir scheint es, der Schlüssel zu einem heroischen Leben ist ganz schön versteckt. Es reicht nicht nur 300 zu schauen, ein paar große Worte zu machen und von alten Zeiten zu träumen. Ist die Macht der Tendenzen zu stark für uns, sind wir zu schwach?

Die Birke vor meinem Fenster trägt leider kein Winterkleid. Das Thermometer zeigt zwölf Grad Celsius. Draußen ist das komisch-grausame Leben der Stadtzivilisation. Ein Lied erwärmt mein Herz :



....gleich nehme ich die Siena in die Hand und werde ein altes Volkslied spielen.
Aristoteles.
18. Dezember 2015 13:13
@Unmoderner

Zu meinem Sarg-Leben-Kommentar (http://www.sezession.de/52410/da-fehlt-doch-etwas.html#comment-301755) bemerken Sie:

"Im Zentrum dieses Bildes von Poussin steht nicht Arkadien, sondern der Tod. Man entziffert die Beschriftung eines Sarges. [...]
Aber als eine positive Ikone, gerade weg von Tod, Mahnung, Erinnerung, Gruft … ist [dieses Bild] katastrophal verfehlt."


Warum?
Keine Begründung?

Und warum bestreiten Sie, dass im Zentrum des Bildes 'Arkadien' steht?
Wenn Sie sagen würden ...:
'Auf der Horizontalen befindet sich 'Arkadien' im Zentrum,
auf der Vertikalen ein klein wenig versetzt,
Blicke und Gesten rücken 'Arkadien' ins Zentrum;
ich aber sehe nicht 'Arkadien' im Zentrum,
sondern den Sarg, auf dem 'Arkadien' draufgekritzelt ist,
und der Sarg steht für Tod.'
... dann hätten wir eine Diskussionsgrundlage.
Aber zu bestreiten, dass im Zentrum des Bildes 'Arkadien' steht,
wäre genauso wie ein Angela-Merkel-Porträt,
zu dem Sie sagen:
'Im Zentrum des Bildes steht nicht Angela Merkel,
sondern ein Mensch.'

Mir gefällt das Bild jedenfalls.
Das Deutsche Reich ist auch seit 70 Jahren 'tot'.
Während wir es trotz Tabuisierungen und Entnazifizierungen und Forschungsbehinderungen weiterhin zu entziffern versuchen
(was ich für sehr wichtig halte),
merken wir vielleicht gar nicht,
dass wir uns immer noch auf Deutschem Boden befinden.
Mir gefällt die Frau auf dem Bild jedenfalls sehr gut,
ihre vornehme Blässe, nun gut, etwas sehr blass,
aber vornehm und weiß - - -
Wenn ich ein Arkader oder Peleponnesier oder Grieche wäre,
würde ihr nach der Entzifferung sofort einen Heiratsantrag machen.
Mit Logos und Liebe zum Leben.
Gustav
18. Dezember 2015 13:24
"Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.

Die Menge wird sich immer denen zuwenden, die ihr von absoluten Wahrheiten erzählen, und wird die anderen verachten.

Die Massen urteilen gar nicht oder falsch. Die Urteile, die die Massen annehmen, sind nur aufgedrängte, niemals geprüfte Urteile.


Das Wiederholte befestigt sich so sehr in den Köpfen, daß es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird."

Masssen sind außerdem intolerant und “weiblich”. Instinkt obsiegt in ihnen fast immer über Vernunft. In Richtung Einfältigkeit und zu exzessiven Beurteilungen tendierend dulden sie keinen Widerspruch. “Jederzeit bereit, sich gegen eine schwache Autorität zu erheben, unterwerfen sie sich einer starken Autorität kriecherisch.”

Die Kunst, das Vorstellungsvermögen der Massen zu beeindrucken, ist die Kunst, sie zu beherrschen. “Es ist immer die wundersame und märchenhafte Seite von Ereignissen, die Massen besonders beeindruckt. Darüberhinaus haben alle großen Staatsmänner aller Zeitalter und Länder, einschließlich der absolutesten Despoten, das Vorstellungsvermögen des Volkes als Grundlage ihrer Macht betrachtet.”

Napoleon äußerte gegenüber dem Staatsrat: “Indem ich Katholik wurde, beendete ich den Aufstand in der Vendée; indem ich Moslem wurde, etablierte ich mich in Ägypten; indem ich Ultranmontanist wurde, gewann ich die Priester in Italien für meine Seite.”

Gustave Le Bon

Die Führer einer Masse sind keine Männer des Denkens sondern Männer der Tat. Sie haben mehr Energie als reine Intelligenz. Ihr Aufstieg nimmt die Form eines großen Entwurfs an, der katalytisch auf das Wollen wirkt und Instinkten eine Richtung gibt. Einfache Ideen erleichtern das Erobern von Massen, vor allem Ideen, die reich an Versprechungen sind, wofür Le Bon “die christlichen Ideen des Mittelalters, die demokratischen Ideen des vergangenen [19.] Jahrhunderts und die sozialistischen Ideen von heute” als Beispiel anführt.

Aber wer besitzt heute die Macht über eine so umfassende Propaganda?

Der Satz »Wer das Geld kontrolliert, der kontrolliert die ganze Welt.« stammt angeblich von Henry Kissinger.

Einfache Grundfragen zu stellen könnte den Normalbürger womöglich veranlassen, darüber nachzudenken, wer denn eigentlich die wirkliche Macht über das Geld hat: der souveräne Staat und seine gewählten Vertreter oder eine private Geld-Oligarchie, die vor allem ihre eigene Macht im Sinne führt?

Die zentrale Frage, vor der die Länder inmitten der sich verschärfenden Krise ... stehen, lautet: Wer soll künftig das Geld kontrollieren? Soll diese Macht in der Hand privater Wall-Street-Banker bleiben, einer internationalen Finanzoligarchie, die immer wieder bewiesen hat, daß sie sich um das Allgemeinwohl eines Landes – egal welchen Landes – nicht schert? Oder sollen die gewählten Regierungen souveräner Länder die Macht über das Geld wieder zurückerobern? Dies gilt insbesondere für die USA, wo im Jahr 1913 sich der Präsident und der Kongreß vor dem Altar des Money Trusts verbeugt und diesem die souveränen Rechte über das Geld übergeben haben. Die alles entscheidende Frage für die Zukunft der Welt ist: Wie bekommen die Nationen die Macht über das Geld wieder?

Bleibt alles so wie es ist, braucht man über "da fehlt doch was" sich gar keine Gedanken machen.

Das "Geld" hatte frühzeitig die Konsequenzen aus den Erkenntnissen le Bons gezogen:

„Die CPI-Propaganda sprach bewußt das Herz und nicht den Verstand an. Sie war stark von Bernays’ Anwendungen der Erkenntnisse Sigmund Freuds beeinflußt. Gefühlsagitation war eine bevorzugte Technik der Strategen des CPI, die wohl wußten, daß jede Emotion durch gekonnte Manipulation in Aktivität »abgeleitet« werden kann. In einem unmittelbar nach Kriegsende in der Zeitschrift Scientific Monthly erschienenen Artikel wurde behauptet, »die Einzelheiten über das Leiden eines kleinen Mädchens und ihres Kätzchens können unseren Haß gegen die Deutschen mobilisieren, unsere Sympathie für die Armenier wecken, uns für das Rote Kreuz begeistern oder uns dazu bewegen, für das Tierheim zu spenden«. “

„Das CPI schuf Kriegs-Slogans wie »Blutendes Belgien«, »Der kriminelle Kaiser« oder »Macht die Welt sicher für die Demokratie«. Ein typisches Propagandaplakat zeigte einen aggressiven, bajonettschwingenden deutschen Soldaten unter der Überschrift »Vertreibt den Hunnen mit Freiheitsanleihen«. Damit wurden zum Beispiel die Gefühle von Haß und Angst in Spenden für den Krieg umgeleitet.“ ( Frederick William Engdahl )

Heute geht das so:

Es gibt Menschen in den Hallen der Macht, die die Ideologie des Klimawandels als das perfekte Vehikel ansehen, um eine neue Art der sozialen Ordnung zu fördern – eine Ordnung, in der Kollektivismus und zentralisiertes Governance „wissenschaftlich“ unverzichtbar sind.

Der Club of Rome, eine globalistische Denkfabrik mit engen Verbindungen zur Klimawandel-Agenda, stellte auf Seite 75 ihrer Veröffentlichung „The First Global Revolution (Die erste globale Revolution)„ im Jahr 1990 folgendes fest:

In searching for a common enemy against whom we can unite, we came up with the idea that pollution, the threat of global warming, water shortages, famine and the like would fit the bill… All these dangers are caused by human intervention… The real enemy, then, is humanity itself…
(Bei der Suche nach einem gemeinsamen Feind gegen den wir uns vereinen können, kamen wir auf die Idee, dass die Verschmutzung, die Gefahr der globalen Erwärmung, Wasserknappheit, Hungersnöte und dergleichen in diese Rechnung passen würde… All diese Gefahren werden durch menschliche Eingriffe hervorgerufen… Der wirkliche Feind ist dann die Menschheit selbst…)

Diese Passage erscheint unter dem Untertitel „The Common Enemy Of Humanity Is Man. (Der gemeinsame Feind der Menschheit ist der Mensch.)„

Es ist ein besonderer Geniestreich in der Strategie: die alles entscheidende Vereinigung der Menschheit gegen sich selbst.

http://www.konjunktion.info/2015/12/oekologische-panik-die-neue-begruendung-fuer-den-globalistischen-kultismus/

Eine Kriegserklärung gegen die Menschheit! Da werden Worte nicht mehr helfen!
Winston Smith 78699
18. Dezember 2015 13:27
Ich habe die meisten der vorherigen Kommentare noch nicht gelesen und bitte daher um Verzeihung ob eventueller Wiederhilong. Aber ich will meinen Punkt noch loswerden, bevor der Kommentarbereich zu ist.

Als nach eigener Überzeugung und trotz einhellig gegenteiliger Einschätzung meiner Umgebung noch immer Linker weiß ich, warum ich zu einem solchen geworden bin. Es war und ist Protest, und zwar begründeter - und Utopie eines besseren Lebens. Viele der jetzt schlichtweg zu solchen indoktrinierten "Linken" und auch manche der jungen Konservativen kennen die Unterdrückung und Perversion im Namen der konservativen Werte vielleicht nicht mehr, die in der Nachkriegsgeneration empfangend und weitergebend üblich war, bevor das Fernsehen mit seiner Gehirnwäsche viele der jetzt sehr Alten auch noch weichspülen konnte.

Was ich sagen will: Meyer sucht ein reines Bild ohne Abgrenzung, ohne Dialektik. Ich begrüße diesen Aufruf ausdrücklich und sehe ihn in konsequenter Linie zu seinen vorherigen Artikeln. Allerdings widerspreche ich gerne - dazu gleich mehr - und stelle eine Frage: Hat es das reine Bild je gegeben? Hermann der Cherusker stand auf gegen etwas, Störtebeker, Andreas Hofer, Florian Geyer, Tell, Luther und bestimmt viele mehr. Ebenso definiert sich einer unserer Nationalhelden, Eulenspiegel, als eine Art deutscher Äsop bzw. Diogenes von Sinope, nämlich durch Karikatur und Spott an Bestehendem. Und natürlich Kohlhaas.

All diese kulturellen Leitfiguren möchte ich weder links noch rechts einordnen (so wie die deutsche Kultur und den Volksbegriff auch - auch Karl Marx war Deutscher, und wenn schon, dann sollte man auch auf ihn stolz sein). Der Anteil an der Identität im Protest und überhaupt erst durch diesen Protest ist vielleicht nicht zu extrahieren, ohne die Identität aufzugeben. Der von Napoleon konstatierten Anfälligkeit der Deutschen für Indoktrination steht doch ein immanenter deutscher Starrsinn und Widerspruchsgeist gegenüber, den man dem Volk vielleicht immer wieder nur ausreden will.

Warum nicht genau ihn als Leitbild entwickeln? Hier stehe ich und kann nicht anders, Gott helfe mir. Deswegen braucht man die reinen, ursprünglichen Bestandteile nicht wegleugnen. Asterix und Obelix führen vor, wie das geht. Dass die Selbstdefinition als Opposition gegen bestehende Perversion möglich ist - genau das zeigen uns auch die Linken. Im Film "Land and Freedom" zeigt Ken Loach, wie ein frankistischer Priester vom Kirchturm aus auf das Volk schießt. Jeder Zuschauer versteht dies sofort, obwohl zu diesem Verständnis bereits das Anerkennen einer realen Perversion, der nämlich der christlichen Moral und Menschenliebe des Evangeliums gehört, und die Zustimmung zur Opposition gegen so Solches.

Der Film regt gleichwohl ein Wir-Gefühl an, ein reines, ungebrochenes Bild der sich im Kampf für das Gute und gegen das Böse Definierenden. Jedi-Ritter sind vielleicht nur interessant, weil es Darth Vader gibt - was wären sie denn ohne ihn?
Urwinkel
18. Dezember 2015 14:02
Stellen Sie sich mal vor, Hansi, der Rechte trägt trägt nach wie vor Tarnzeug. Das ist praktisch und haltbar. Über sie Musterung kann mann noch hinterher quasseln. Das selbe Zeug tragen auch Linksradikale. weil: es ist praktisch, kostet kaum was. Trotzdem hängt auch ein passender Anzug im Kleiderschrank. Samt Vatermörder. Geht mehr raus!
Andreas Törner
18. Dezember 2015 14:04
Man sollte wirklich einmal Lassalles Rede vom Verfassungsstaat lesen


Hatte der brave Ferdinand die seinem Tagebuch anvertrauten pubertären Gewaltphantasien, insbesondere seinen "Durst nach Christenblut", 1862 bereits überwunden7austherapiert?

Sonst tu ich mir das, gerade in der Vorweihnachtszeit, lieber nicht an!
Winston Smith 78699
18. Dezember 2015 15:34
Hier noch, vielleicht kurz vor Badeschluss, ein etwas betagter Versuch, eine Utopie gegen die pervertierte Utopie zu setzen - und heraus kommt eine Uminterpretation eines altbekannten Idylls, der

Winterlandschaft Bruegels des Älteren.
bernardo
18. Dezember 2015 15:39
Irgendwie geht mir beim Lesen dieser ganzen Debatte der Jahreskatalog von Munier nicht aus dem Kopf, auf dessen Titelblatt ein Ringeltanz von Mutter mit Kindern zu sehen ist...

Eine einfache Antwort, gewiß. Aber liegt nicht auch Jünger richtig:

"Und süßer noch wird die Erinnerung an unsere
Mond- und Sonnenjahre, wenn jäher Schrecken sie
beendete. Dann erst begreifen wir, wie sehr es schon
ein Glücksfall für uns Menschen ist, wenn wir in un-
seren kleinen Gemeinschaften dahinleben, unter
friedlichem Dach, bei guten Gesprächen und mit
liebevollem Gruß am Morgen und zur Nacht. Ach,
stets zu spät erkennen wir, daß damit schon das
Füllhorn reich für uns geöffnet war. "

"Rechts" ist doch letztlich das Wissen um den Wert und die Zerbrechlichkeit dieser Dinge und der Stolz darauf, sie schützen zu wollen.
Der Gutmensch
18. Dezember 2015 15:39
Als nach eigener Überzeugung und trotz einhellig gegenteiliger Einschätzung meiner Umgebung noch immer Linker weiß ich, warum ich zu einem solchen geworden bin. Es war und ist Protest, und zwar begründeter – und Utopie eines besseren Lebens. Viele der jetzt schlichtweg zu solchen indoktrinierten „Linken“ und auch manche der jungen Konservativen kennen die Unterdrückung und Perversion im Namen der konservativen Werte vielleicht nicht mehr, die in der Nachkriegsgeneration empfangend und weitergebend üblich war, bevor das Fernsehen mit seiner Gehirnwäsche viele der jetzt sehr Alten auch noch weichspülen konnte.


Tja nun - an Unterdrückung und Perversion unter Linken herrschte wahrlich auch kein Mangel. Die Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus leistet da Aufklärungsarbeit. Wobei bereits die Verwendung des Wortes "Opfer" in dieser Zeit ein ungeheures Wagnis darstellt, denn es zementiert diesen Status meistens nur, statt ihn zum einzig legitimen Zweck, nämlich dem der praktischen Abhilfe, strikt vorübergehend anzuerkennen. Das ist überhaupt meistens das Problem mit den Linken: Sie haben echte Schlagseite zum Dagegen ("Das Neinchen" sprach der Autor Friedrich Wolf). Und wenn es nichts mehr zum Dagegensein gibt, und wenn sie alle gestorben sind, denen irgendein Dafürsein noch nachgewiesen werden kann, dann - kommen sie zur Not eben auch mit der Genetik und Schicksal und Weißderteufel daher. Die sind da nicht wählerisch, die differenzieren nicht. Das hat Karl Marx ja auch nicht getan; er wagte den statistischen Blick von oben und meinte: Darauf läufts hinaus mit dem vermaledeiten Mehrprodukt, beschlossen und verkündet! Das ist mir ein wenig zu wenig und ein wenig zu fatal, Herr Kasper Schlich! Im ganzen BGB - weil es vorhin genannt wurde - kommt das Wort "Mehrprodukt" beispielsweise gar nicht vor (meine ich jedenfalls spontan. Würde nie behaupten, jeden Paragraphen gelesen zu haben). Indessen hat man Regularien eingebaut wie Treu& Glauben und Wucher. Und was wurde da reguliert? Na, ein Aus-dem-Ruder-laufen des Austauschprinzips bei Verträgen, mithin: der unkontrollierten Ansammlung des Mehrproduktes auf einer Seite. Wann immer sich jemand darüber beschwert hat. Eben nicht starr statistisch, sondern der differenzierten Einschätzung des Richters im Einzelfall überlassen. - Natürlich ist das nur ein Mechanismus und dem alleine kann nicht die ganze Verantwortung überlassen werden, selbst wenn der Grundgedanke dessen heute noch so Anwendung finden würden wie vor hundert Jahren! Aber für mich repräsentiert das doch noch andere Herangehensweise, eine, die den Umstand mit einbezieht, dass die Statistik zwar zuschlagen, aber doch niemals eine Aussage über den Einzelfall treffen kann.

Es gäbe dazu wohl noch einiges zu sagen - die utopischen Sozialisten hatten wir auch in der Schule und "Utopia" habe ich auch gelesen und sogleich unter persönlichem "Uhl" statt unter "Nachtigall" eingeordnet - aber das führt alles nirgends hin. Und fehlen m.E. weniger Flausen im Kopf, sondern viel eher fester Boden unter den Füßen. Bevor man sich nicht über das einigen kann, was aktuell ist, kann man eben keine sinnvollen Pläne für das schmieden, was wohl mal werden soll. Und wo buchstäblich alles Kopf steht, verkehren sich auch rechts und links, da kann man m. E. gar nichts tun.

Der Gutmensch.
Waldgänger aus Schwaben
18. Dezember 2015 16:02
Noch was:
Wer meint eine rechte Utopie konstruieren zu können, möge mit Gleichgesinnten einen Stuhlkreis bilden. Es wunderte mich, käme dabei etwas anderes heraus als Sozialismus mit völkischen Elementen.

Die anderen müssen aber nicht, wie der hier hoch geschätzte Raskolnikow, alle Hoffnungen fahren lassen, der die AfD, seinerzeit in statu nascendi noch, als weiteren rechtsdrehenden Furz verspottete. Ist nun ja anders gekommen.

Es gilt auszuharren, bis uns eine Utopie geschenkt wird. Die Exmeyer'schen Körperertüchtigungen sind wesentlich, aber geistige und seelische Ertüchtigungen sind genauso wichtig oder sogar wichtiger. Das tägliche Gebet und jeden Tag einmal in ein gutes Buch neben den Liegestützen.
Winston Smith 78699
18. Dezember 2015 16:59
@ bernardo

Hier ist bestimmt viel zu holen, wenn man an den richtigen medialen Hebel kommt. Zwar lesen die Kinder und Jugendlichen dieses Buch nicht, aber die "wilde Schwermut" kennen auch sie: Harry Potter, Der Herr der Ringe, Astrid Lindgren, Michael Ende und so weiter. Sogar in der archaischen Bewaffnung in diesen "Hunger Games" zeigt sich ein Hang zur guten alten Zeit. Für die Mädchen gibt's Vampire, für die Jungs mittelalterliche Schlachtspiele am PC oder Steampunk. Jugendliche betreiben Okkultismus und legen Tarotkarten mit vorwiegend antikisierend-romantischer Ikonographie. Junge Erwachsene machen dann mit Game of Thrones, Nutopia und dergleichen weiter und gehen auf Mittelalterfeste. Sogar die Gothic-Mode könnte dazugehören.

Ich kenne mich da nicht aus, deswegen schimpfe man nicht wegen falscher Beispiele - es geht mir darum, dass die Idylle, die Utopien der Reinheit, Einfachheit (vielleicht Komplexitätsreduktion), Ursprünglichkeit und Wahrhaftigkeit bereits da sind. Früher waren es Wickie, Michel aus Lönneberga der Waldbauernbub (Rossegger). Man müßte den Kindern und Jugendlichen nur altersgerecht klarmachen, dass, wie Sie sagen, genau diese Inhalte und ihre Konnotationen sogar noch in ihren Reminiszenzen, den real vorhandenen kulturellen Resten, bedroht sind, dass die linkstotalitäre Phalanx doch genau das Nichts ist, welches das Land Fantasia verschwinden läßt, und dass in diesem Nichts kein Erwachen im Kirschblütental und kein Kampf mit dem Drachen zu erwarten ist. Vielmehr sind Merkel, Maas und Fahimi bereits der dreiköpfig böse Drache, Schwesig, Kauder und Laschet eindeutig das Nichts, Stegner, Gabriel und Hofreiter die buntgrauen Männer.

Hätte man die Kinder und Jugendlichen aufgeklärt über die Verkleidung von grau als bunt (wie der böse Clown bei Stephen King), hätte man auch manche ihrer Eltern gewonnen, die noch immer meinen; Lindgren und Ende seien Hofpoeten der Linken. Die Sprache allein von Otfried Preußler ist übrigens bereits ein Manifest gegen das linkstotalitäre-kollektivistische Nichts, von seiner Ideenwelt ganz zu schweigen. (Über Kinder- und Jugendliteratur ließe sich noch viel mehr sagen.)
Konrad T. Burger
18. Dezember 2015 16:59
@Exmeyer

Kämpfen um des Kämpfens willen. Is klar. Und ein paar Ritterkreuze gibt's für die ganz dollen Kämpfer noch obendrauf. Das ist echte Motivation!

Im Ernst, Kämpfen um des Kämpfens willen tun auch Söldner (das Geld, das sie dafür erhalten, ließe sich auch anderweitig verdienen), Kriegstraumatisierte, die den Weg zurück ins zivile Leben nicht mehr finden und eventuell noch Schwärmer, die allerdings sehr schnell wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht werden, sobald ihnen echte Kugeln um die Ohren pfeifen.

Ich dachte, es geht um Bilder, die in der Lage sind, so viele Landsleute mitzureißen, daß die Vorherrschaft der Linken gebrochen wird. Viele Landsleute. Und nicht nur die paar, welche die jugendliche Indianerlektüre noch nicht verdaut oder zu Jüngers Stahlgewittern das Falsche geraucht haben.

Deutschland hat eine Chance, wenn die Frage nach einem positiven Bild ziemlich einhellig mit „Deutschland!“ beantwortet würde.


Dann füllen Sie dieses "Deutschland" doch mal mit Inhalt. Und, falls möglich, mit einem, der auf die Realität aufbaut.
thotho
18. Dezember 2015 17:24
Volle Zustimmung, Herr Meyer!
Lutz Meyer
18. Dezember 2015 18:55
Meyer: Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Dank an alle und einen guten Abend!

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