19. Dezember 2015

"Christentum und Judentum stellen einen Antagonismus dar." - ein Fundstück

von Götz Kubitschek / 58 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

„Christentum und Judentum stellen einen Antagonismus dar. Darum kann ich mit dem Begriff des christlich-jüdischen Abendlands nichts anfangen.“ Dieses Zitat stammt von Björn Höcke, er hat bestätigt, diese Auffassung im Rahmen einer Vortragsveranstaltung der Jungen Alternative (JA) geäußert zu haben. Höcke liegt damit auf einer Linie mit großen Teilen gläubiger Juden. Das hat Karlheinz Weißmann ausgeführt:



Es seien vor allem die Juden, die in der Verwässerung der Gegensätze und Unvereinbarkeiten zwischen Christentum und Judentum eine Gefahr für die unverwechselbare Identität und den klaren kultischen Umriß des eigenen Glaubens sähen.

Der Historiker Karlheinz Weißmann, Gymnasiallehrer wie Höcke, führte dies in der Jungen Freiheit vor knapp zehn Jahren in einem sehr erhellenden Forum-Beitrag aus, man findet ihn im JF-Archiv. Die beiden zentralen Passagen stehen im hinteren Drittel des kenntnisreichen Textes.

Weißmann interpretiert in der ersten Stelle die Formel vom "jüdisch-christlichen Abendland" als ein Zeichen von Schwäche in der Selbstvergewisserung der eigenen Identität:
Das unmittelbare In-Beziehung-Setzen von Heidentum und Christentum wirkt auf den heutigen Leser ähnlich befremdend, wie es auf Chesterton gewirkt hätte, wenn eine direkte Ableitung des Christentums aus dem Judentum vorgenommen worden wäre. Diese Auffassung hat sich eigentlich nur etablieren können in einem historischen Augenblick, in dem die Fähigkeit erlahmte, Unterschiede - zwischen Religion, Kulturen, Völkern - wahrzunehmen. Im Judentum ist das Bewußtsein der Differenz aber immer besonders scharf ausgeprägt geblieben, eben weil von diesem Bewußtsein Existenz oder Nichtexistenz der Gemeinschaft abhängen konnten.

In der zweiten Stelle zieht Weißmann dann die Schlußfolgerungen aus seinen Ausführungen:
Tatsächlich ist die christliche Botschaft außerhalb der Grenzen Israels mit viel größerer Bereitwilligkeit aufgenommen worden als jemals im Einflußbereich des Judentums, und das hat seine historische Entfaltung bestimmt. Diesen Prozeß rückgängig machen zu wollen, ist ein ebenso lächerliches wie sinnloses Unterfangen, und wenn es wider Erwarten Erfolg hätte, würde es nur zerstören, was die christliche Identität verbürgt. Das Christentum als Christentum ist keine Variante des Judentums. Die Trennung beider lag im Plan Gottes oder wenigstens in der Logik der geschichtlichen Entwicklung.

Es wäre richtig und wichtig - gerade für die Junge Freiheit selbst -  Björn Höcke auf der Grundlage dieses wichtigen Textes von Weißmann auf allen Kanälen zu verteidigen und das Echo der Medienkampagne nicht noch zu verstärken. Unterschiede und Antagonismen festzustellen, ist Identitätsstiftung - Weißmann dixit.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (58)

Remigius
19. Dezember 2015 10:44
Die Bereinigung der von Herrn Höcke erzeugten Flurschäden wird langsam sehr aufwendig. Für sich genommen ist jede seiner Aussagen wohl richtig, aber es hätte ihm doch klarsein müssen, wie man sie interpretieren würde. Er hätte die liberale und linke Weigerung, natürliche Unterschiede zwischen Menschen zur Kenntnis zu nehmen, besser am Genderthema festgemacht. Wer ihn oder seine Partei jetzt verteidigen will, kann sich aber nicht mehr wie beim Genderthema auf gesunden Menschenverstand und menschliche Erfahrung stützen oder an diese appellieren, sondern braucht solide Kenntnisse der Soziobiologie, geduldige und verständige Zuhörer und viel Zeit. Politisch sind die Ergebnisse verheerend.
Das gleiche gilt für seine Äußerung zum Judentum, wobei diese auch inhaltlich an die Grenzen geht, denn wesentliche Elemente abendländisch-europäischer Identität und Kultur beruhen u.a. auf der Naturrechtslehre, die ohne das Alte Testament nicht entstanden wäre. Natürlich kann ich die Äußerung inhaltlich trotzdem noch irgendwie rechtfertigen, aber er macht es einem wirklich nicht leicht.
Carabus violaceus
19. Dezember 2015 11:11
Das Abendland wurde neben dem griechisch-römisch-germanisch-slawischen Kulturerbe vom Christentum geprägt. Der Hinweis auf eine „jüdisch“-christliche Kultur ist aber eine Konstruktion. Natürlich haben Juden neben anderen Minderheiten schon immer in Europa gelebt und gearbeitet. Ein Einfluss auf die geistigen Wurzeln halte ich aber für herbeiphantasiert. Wäre dem wirklich so, müssten auch andere Minderheiten zur Verteidigung des europäischen/deutschen Erbes herangezogen werden – z.B. das „sorbisch“-christliche Deutschland oder die vielen auf dem Balkan lebenden Roma usw.
2010 sprach der damalige Bundespräsident Christian Wulff in gutmenschlicher Manier davon, dass nun endlich auch „der Islam zu Deutschland gehöre“. Daraufhin erwiderte CDU-Fraktionschef Kauder, der Islam könne nicht Teil des Grundgesetzes sein, wohl aber das „jüdisch-chrsitliche Erbe“.
Wie gesagt, beides klingt arg konstruiert. Die jüdische Philosophin Almut Sh. Bruckstein Çoruh sagte daraufhin:
„Die christlich-jüdische Tradition sei eine Erfindung, eine „posttraumatische Konstruktion“… Erst nach 1945 habe ein jüdisch-christlicher Dialog begonnen – und dessen Trennlinien hätten ziemlich genau jenen zwischen muslimischen und christlichen Überzeugungen heute entsprochen.“

Siehe hier: http://diepresse.com/home/panorama/integration/602223/Islamdebatte_Christlichjudisches-Erbe-Eine-Konstruktion

Der Professor für Theologie Friedrich Wilhelm Graf argumentiert: „Die Formel vom „christlich-jüdischen Erbe“ wurde vor allem nach 1945 zwecks politischer Korrektheit geprägt“ – was der Realität wohl am nächsten kommen dürfte.
Der_Jürgen
19. Dezember 2015 11:16
Selbstverständlich hatte Björn Höcke mit seiner nüchternen und wertfreien Feststellung, dass Christentum und Judentum einen Antagonismus darstellen, vollkommen recht. Als Gegenargument könnte man allenfalls ins Feld führen, dass die christlichen Kirchen das Alte Testament als heiliges Buch anerkennen und dass die (in manchen Fällen tatsächlich hinreissend eindrücklichen) alttestamentarischen Geschichten und Bilder aus der christlichen Tradition folglich nicht wegzudenken sind.

Dies ändert freilich nichts an dem schroffen Gegensatz zwischen Altem und Neuem Testament, und es ändert nichts daran, dass Christen und Juden sich in ihrer gemeinsamen Geschichte bestenfalls misstrauisch und schlimmstenfalls feindlich gegenüberstanden. Religiöse Bigotterie seitens der Christen mag dabei eine Rolle gespielt haben, doch nur eine zweitrangige. Die entscheidenden Gründe waren einerseits ökonomischer Natur (die Tätigkeit jüdischer Wucherer), andererseits die extrem antichristliche Haltung des Talmud, der den Juden als heiliges Buch galt und gilt. Man lese hierzu die meisterhafte Darstellung bei Israel Shahak, "Jewish History, Jewish Religion"; online verfügbar. Laut dem Talmud brodelt Christus in der Hölle in siedenden Exkrementen. Konnten die Juden da seitens der Christen Sympathie erhoffen?

Israel ist eines der antichristlichsten Länder der Welt. Fernsehsendungen, in denen Jesus verspottet wird, erfreuen sich dort grosser Popularität. Im Internet findet sich ein Clip aus einer Sendung des israelischen Fernsehens vom April 2011, in dem eine spärlich bekleidete Jüdin einen Plüschaffen, den sie "Jesus" nennt, an ein Kreuz nagelt und dazu sagt: "Jesus, du bist ein Nazi." In keinem einzigen islamischen Land wäre eine solche Blasphemie denkbar. Was würden die stupiden "Christian Zionists", die es vor allem in den USA, aber auch in Europa gibt, wohl sagen, wenn man ihnen diesen Streifen vorführte?

Aus all diesen Gründen ist das Gerede von einer "christlich-jüdischen Zivilisaton", das die prozionistischen Konservativen (z. B. von PI) gebetsmühlenhaft von sich geben, vollkommen abwegig. Somit behalten Karlheinz Weissmann und Björn Höcke recht.
Meier Pirmin
19. Dezember 2015 11:40
Ohne den Antagonismus von Christentum und Judentum versteht man kaum etwas von westlicher Religion, wiewohl klar ist, dass Paulus, der faktische Gründer der christlichen Religion, Jude war und gewiss auch Jesus selbst. Dass das Heil aus dem jüdischen Volke komme, ist eine Losung ich glaube aus dem Johannesevangelium. Die Distanzierung aber zwischen Judentum und Christentum ist seit 2000 Jahren Basis des sogenannten jüdisch-christlichen Dialogs, die Basis zumal des Judentums, selbstverständlich auch eine Basis des christlichen Antisemitismus. Aber selbst nach der Überwindung des Antisemitismus existiert der Antagonismus weiter. Dass man daran Anstoss nimmt, stellt ein psycho-politisches Problem dar. Der Satz ist ähnlich provozierend wie die heute nicht mehr zu vertretende Vermutung, dass es zwei Geschlechter gebe. Auch dass 1+1=2 sein soll, gilt nur unter Voraussetzungen, selbstverständlich nicht, weil es Herr Höcke gesagt hat, der es vermutlich im faschistoiden Sinne missbraucht.

Dass 1+1=2 ist, gilt nur unter Vorbehalt des Satzes von der Identität, des Satzes vom Widerspruch und des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten, den drei Hauptaxiomen der formalen Logik. Er gilt ausserdem nur für die Welt 3 (im Sinne von Karl Popper), also die Welt der Ideen und gewiss nicht für krude Wirklichkeit der sogenannten Welt 1. Aus diesen und ähnlichen Gründen muss man Verständnis dafür haben, dass die These vom Antagonismus von Christentum und Judentum nicht näher Eingearbeitete zu verstören vermag. Jede Aussage gilt unter Vorbehalt ihrer logischen und semiotischen Voraussetzungen.


@Direkte Aktion. Der Begriff "ethnobiologische Überzeugungen" hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Beispielsweise gehörte die Relativitätstheorie nie zu Einsteins Überzeugungen, zumal ihre Richtigkeit u.a. von der Rotverschiebung der Spektrallinien durch das Gravitationspotential abhing, wie er ausdrücklich festhielt. Solche strukturellen und empirischen Falsifikationsempfehlungen sollte man jeder These beimengen, will man denn ernstgenommen werden.


Schliesslich sei noch ergänzt dass der Hinweis auf Auswanderungsdruck im Zusammenhang mit einer exzessiven Fortpflanzung, wiewohl empirisch nicht automatisch gegeben, etwa so banal ist wie der Hinweis, dass es bei höherer Geschwindigkeit auf der Strasse mehr Unfälle geben könnte. Solche Banalitäten, wenngleich nicht identisch formuliert wie bei Höcke, sondern eher geschickter, bringen bekanntlich auch Oskar Lafontaine an den Rand eines Parteiausschlusses.
Arminius Arndt
19. Dezember 2015 11:57
Die Medienkampagne ist für Höcke und für die AfD gar nicht mal so schlecht. Warum ich das so sehe, habe ich in meinem Beitrag zur vorherigen Diskussion ausgeführt. Voraussetzung ist aber, dass niemand in der AFD so töricht wäre, aus Eitelkeit an Herrn Höckes Stuhl zu sägen.

Die junge Freiheit wird, wenn sie weiter solchen Linien fährt, wie in den letzten 2 Jahren, irgendwann mal pleite gehen - so meine Prognose, denn am Ende gilt: Everybody´s darling is ...

Judentum und Christentum stehen religiös betrachtet selbstverständlich gegeneinander, dass ist eine Binsenweisheit, die sich bereits aus der Lektüre des neuen Testaments ergibt. Insofern war auch die Kampagne, die vor kurzem gefahren wurde, mit welcher man Leute wahlweise Stellen aus der Bibel und dem Koran vorgehalten hat, um zu zeigen, dass das Christentum ja auch so seine Problemstellen habe, daneben, da von den Vergleichspassagen aus der Bibel die meisten aus dem alten Testament stammten. Wäre man spitzfindig, könnte man nach diesem "Test" sagen, das Judentum habe ja so viel mit dem Islam gemein.

Aber Gemach:

Ich persönlich interpretiere das jüdisch-christliche nicht so sehr vom religiösen her, denn da gibt es meiner Meinung nach einen Gegensatz bzw. bis hin zu einer Inkompatibilität, als vielmehr darauf, wer kulturbildenden und kulturstiftenden Einfluss in der Geschichte Europas als Personen und Volksgruppen hatte und da ist es schon so, dass es gerade im Kulturbereich eben sehr viele tragende Personen gab, die entweder Juden waren oder zumindest jüdischer Herkunft waren (die Liste wäre sehr lang, ich erspare mir das dozieren) genauso, wie die Mehrheit der kulturtragenden und -bildenden Personen dann doch eher Christen waren und es waren - oh Schreck für jeden echten Nazi - sogar konvertierte Juden unter diesen Christen. Auch Atheisten und selbstverständlich die heidnischen Wurzeln waren kulturstiftend. Deswegen ist der Begriff christlich-jüdisches Abendland ohnehin eher zu kurz greifend.

Wohin der Versuch des Aufdröselns einer Kultur nach der Herkunft seiner "Zutaten" führt, zeigte der NS, der ja auch versuchte, das verwobene wieder künstlich auseinanderzureissen und urplötzlich waren Komponisten, Schriftsteller etc. nur deswegen verpönt, weil sie jüdischer Abstammung waren.

Ich persönlich kann daher das Schlagwort christlich-jüdisch oder jüdisch-christlich nur so verstehen, dass man es jetzt, nachdem es 33-45 12 Jahre bekämpft wurde oder bzw. von den Akteuren der 12 Jahre negativ bewertet wurde, ganz bewusst wieder christlich-jüdisch oder jüdisch-christlich sagt, um damit klar zum Ausdruck zu bringen, dass an der europäischen Kultur Juden ihren nicht verschweigbaren Anteil hatten.

Höcke/Weißman haben rein theologisch recht, rein von einer eher praktischen Anschauung, wie ich sie oben versucht habe, darzulegen, beschreiben sie aber nur einen Aspekt im direkten Vergleich der Religionen und es gibt doch in Europa eine Kultur, die von Christen (Mehrzahl) und Juden (Minderzahl) geprägt wurde, womit sie im Bezug auf das Schlagwort jüdisch-christlich wieder nicht sehr recht haben.

Wie wäre denn dann eigentlich die korrekte Ausdrucksweise, in der man diese Mehrheits-Minderheitsverhältnisse zu Ausdruck bringt?

Christlich-jüdisch, oder jüdisch-christlich?

Es kommt halt mal wieder auf Betrachtungsweise an und im verminten Gelände des politischen war es wieder einmal eine Stelle, wo man eigentlich sich ohne Not überhaupt nicht einlassen muss. Die Gefahr, dass einem dann untergeschoben wird, man wolle den von Menschen jüdischer Herkunft beigesteuerten Anteil an Europa unterschlagen, ist nämlich groß und genau das ist Höcke jetzt eben passiert (was ich für kein Drama halte, nur um wieder einmal die Verhältnismäßigkeiten zu wahren).
Weltversteher
19. Dezember 2015 12:11
Mit Weißmann zu argumentieren heißt, aus der Perspektive eines Gläubigen (besagter Religionen) zu sprechen.
Die Zivilgesellschaft, in der diese Phrase zuhause ist, meint aber damit nicht das Gleiche. Da sie konsumiert, nichts hervorbringt, und sich in diesem Zusammenhang nur als (verzehrender) Erbe sieht, schaut sie nur auf das Sammelsurium der Einflüsse, die unsere Geschichte (von außen) mitgeprägt haben. In wenigen Jahren würde sie bekennen "jüdisch-islamisch-christliches Erbe"; ein Sinnzusammenhang entsteht erst hier, im Rahmen dieser Gesellschaft.
Man lasse sich davon nicht irreleiten und erwarte nicht zu viel, wenn man die Köter kläffen hört. Nicht jedes Geräusch, das sich so anhört wie unsere Sprache, hat auch deren Bedeutung!
Gegendarstellung.
19. Dezember 2015 12:19
Obgleich ich Höcke zustimme – schließlich weiß jeder, der halbwegs bei Verstand ist, daß Religionen nun einmal unterschiedliche Glaubensgrundsätze haben –, so möchte ich doch nicht über dieses Stöckchen springen und Höcke, den ich durchaus schätze, in den entsprechenden Medien verteidigen.

Weißmann dixit: es geht um Unterschiede. Nicht um Antagonismen. Wenn Höcke seine Worte mit Bedacht gewählt hat, so dürfte ihm klar gewesen sein, daß der Begriff des Antagonismus nur im übertragenen Sinne als Gegensatz zu interpretieren ist, da ein Antagonist wortwörtlich ein Zwiderhandelnder bzw. Gegen-den-anderen-Handelnder ist. Die Interpretation des Begriffs Antagonist als Feind oder Gegner dürfte also durchaus vorhersehbar gewesen sein.

Wenn wir das Eigene verteidigen wollen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, was unsere Identität ausmacht. Daß dies am ehesten gelingt, wenn wir Björn Höcke bei einer unpräzisen Wortwahl oder einem wenig glücklich gewählten Beispiel immer wieder aufs Neue beispringen, möchte ich bezweifeln. Was Björn Höcke fehlt, ist ein gutes Lektorat.
Marcus Junge
19. Dezember 2015 12:29
"Darum kann ich mit dem Begriff des christlich-jüdischen Abendlands nichts anfangen."

Kampfvokabel aus der politisch korrekten Ecke, identisch zum "Islamismus", die man vor 10 Jahren erstmalig vernehmen konnte. Also völlig unglaubwürdiges Neusprech.

----
Arminius Arndt

Zumindest "früher", war die JF defizitär und nur durch Spenden und Sponsoren überlebte sie, meine ich mich erinnern zu können. Ob / wann sich das geändert hat, ist mir jedoch nicht bekannt. Trotzdem teile ich Ihre Einschätzung nicht, da D. Stein die JF massiv auf Kurs Mainstream hat, ist das Zielpublikum der Pseudokonservative, der von der CDU enttäuscht und von der "WELT" angewidert ist, davon gibt es in der irren BRD viel mehr, als echte Konservative (das alte Zielpublikum der JF, welches man jetzt wohl bedenkenlos abräumt, nachdem die Säuberung bei den Autoren schon 2012 / 13 war). Da läßt sich wohl mehr Geld machen, als mit "uns".
Gegendarstellung.
19. Dezember 2015 12:37
@ Der_Jürgen

Jürgen, jetzt müssen wir mal Tacheles reden, und zwar über die "prozionistischen Konservativen". Sie setzen Judentum und Zionismus gleich? Dem Zionismus geht es aber um einen jüdischen Nationalstaat auf dem Gebiet des Gelobten Landes. Einen solchen haben wir im Staat Israel. Doch nicht alle Juden, die in Israel leben, betrachten diesen Staat als das versprochene Zion. Fragen Sie mal in Mea Shearim nach, dem Stadtviertel Jerusalems, in dem die orthodoxen Juden leben. Dort betrachtet man den (säkularen) Staat Israel gewiß nicht als das verheißene Zion, ganz im Gegenteil. Aber ohnehin umfaßt der Begriff Zion nicht allein einen Landstrich, sondern auch das Herrschen von Gerechtigkeit etc.
Meier Pirmin
19. Dezember 2015 12:47
@Gegendarstellung. Dem mit dem Lektorat kann man wohl zustimmen. @"Abendland", "christlich", "christlich-jüdisch" sind je nach Zusammenhang, wie Marcus Junge ausführt, tatsächlich Kampfbegriffe. So wie Pegida ein reiner Kampfbegriff war und bleibt, wohl früher oder später mal abzulösen.
Karl
19. Dezember 2015 13:00
"Was würden die stupiden „Christian Zionists“, die es vor allem in den USA, aber auch in Europa gibt, wohl sagen, wenn man ihnen diesen Streifen vorführte?"

Ich habe neulich einen Amerikaner sagen hören, dass diese Erscheinung in den letzten Jahren Gott sei Dank etwas abgeflaut sei - weniger aus der Erkenntnis des Oxymorons heraus, sondern vor allem, weil es auch in Amerika in den jüngeren Generationen einen allgemeinen Abfall von der Religion gibt, sodass mit einem solchen Begriff im Prinzip gar nichts mehr verbunden wird bzw. er nicht identitätsstiftend sein kann.

Auch ich selber habe diesen Eindruck gewonnen. Ich meine vielmehr sogar in Amerika eine gewisse Verbreiterung eines schon immer bei einer Minderheit (oder schweigenden Mehrheit?) vorhandenen Ressentiments gegen Israel (s.a. USS Liberty) bemerkt zu haben, jedenfalls in dem Sinne der Erkenntnis durch immer mehr Amerikaner, dass ein Großteil ihrer Außenpolitik von rein israelischen Interessen / Lobbies bestimmt wird und dies in Verbindung mit einer nicht unerheblichen Kriegsmüdigkeit des Volkes zu Frustration und Fragezeichen führt.
Prozentual am stärksten vertreten dürften diese (frustrierten) Leute sogar in den christlich-patriotischen Südstaaten sein, während im Norden die Solidarität zu Israel und zionistischen Bestrebungen mehr aus Gründen der Political Correctness in Verbindung mit der starken Lobby bekundet wird. Wären die amerikanischen Medien tatsächlich in amerikanischen Händen und der Wahlkampf nicht durch einen Sumpf von Bestechungsgeldern finanziert, hätte sich die amerikanische Außenpolitik schon längst von diesem Dogma entfernt bzw. wäre nie dorthin gekommen.

Während in diesem Zusammenhang Ron Paul wohl das Beste wäre, das Amerika passieren könnte, dieser sich aber aufgrund Marginalisierung durch die Medien und zu wenig Budget wohl nicht durchsetzen kann, bleibt es hier durchaus interessant, wie sich "The Donald" mit einer klaren "(White) America first!" Linie auswirken könnte. Jedenfalls hat er sich in bestimmten Kreisen schon einige Feinde gemacht - vordergründig wg. "Rassismus" gegen Mexikaner und Moslems, aber in Wirklichkeit steckt bei diesen Kreisen die Angst vor dem Machtverlust dahinter, der folgen wird, wenn die Interessen des amerikanischen Volkes und nicht der Lobbys durch einen finanziell autarken und charismatischen "Führer" wieder mehr in den Vordergrund gerückt würden.
Remigius
19. Dezember 2015 13:11
Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger richtig erscheinen mir Björn Höckes Aussagen, sowohl politisch als auch sachlich.
Es gibt viele gute Gründe sowohl für die Verwendung des Begriffes des "christlich-jüdischen Abendlandes" als auch dagegen. Ich vermute, dass Herr Höcke vor allem die Verwendung im Sinne einer Mogelpackung kritisieren wollte. Es gibt ja Christen, die sich nicht so recht trauen, sich auf das eigene Erbe öffentlich und selbstbewusst zu berufen, weshalb sie gerne die jüdische Komponente herausstellen in der Hoffnung, dass sie dann vom linksliberalen Zeitgeist eher akzeptiert werden. Man benutzt in diesem Fall die andere Religion nur als Staffage, und das ist sicherlich falsch.
Umgekehrt gibt es die jüdische Komponente im Entstehen des christlichen Abendlandes aber durchaus, und sie betrifft nicht nur das frühe Christentum, dass sich wohl im wesentlichen auf hellenisierte jüdische Konvertiten abstützte, d.h. tatsächlich als antik-abendländische/jüdische Synthese begann, deren Elemente wie das Alte Testament wesentliche Elemente auch späterer abendländischer Kultur (das Naturrecht hatte ich schon erwähnt) und damit nicht zuletzt auch die konservative Tradition wesentlich beeinflussten.
Der Begriff "Antagonismus" wird dem einfach nicht gerecht, solange man diesen Kontext nicht erwähnt, und als Politiker sollte man ohnehin damit rechnen, ohne Erwähnung des Kontextes zitiert zu werden.
Die oft nur sekundenlangen Äußerungen, die man als Politiker überhaupt vorbringen kann bzw. mit denen man zitiert , sollte man m.E. keine Themen berühren, die in geistigen Zirkeln besser aufgehoben sind.
bernardo
19. Dezember 2015 13:25
Mit Verlaub:

Gymnasiallehrer haben das Recht, zu allem und jedem eine Meinung zu haben - vor allem vor ihrer Klasse. Gymnasiallehrer, die sich deshalb als Universalgelehrte verstehen und vor jedem hingehaltenen Mikrophon wie vor ihrer Klasse locker die größten Weltprobleme ausleuchten, kennen aber ihre Grenzen nicht. Als Parteipolitiker nehmen sie zudem automatisch die Parteikollegen für ihre Meinung unverantwortlich mit in Haftung.
Ja, Höcke hat sachlich Recht. Ja, er benimmt sich wie politischer Tor. Möge er lernen und der AfD noch lange erhalten bleiben.
Zarathustra
19. Dezember 2015 13:29
Ob Christentum und Judentum einen Antagonismus bilden oder nicht, ist im aktuellen Zusammenhang zunächst zweitrangig. Wichtiger ist im Moment, daß Björn Höcke lernt, entweder von solchen skandalisierbaren Äußerungen die Finger zu lassen (denn früher oder später sickern sie ganz sicher in die breite Öffentlichkeit), oder nach ihrem Bekanntwerden standhaft zu bleiben und die Sache argumentativ durchzuziehen.

Wenn er aber erst z.B. die Reproduktionsstrategie von Schwarzen thematisiert, um ein paar Tage später zurückzurudern und sich »zur Würde eines jeden Menschen« und zum »christlichen Menschenbild« zu bekennen, dann wiederholt er damit das systemstabilisierende Ritual, wodurch die Leute immer wieder vorgeführt bekommen, wie sie sich um Gottes willen nicht zu verhalten haben. Auf diese Weise ist er praktisch der systemimmanente und systemdienende Darsteller des Bösewichts in einem von unserem Gegner inszenierten volkspädagogischen Theater.

Was das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum betrifft, gibt es zwischen ihnen sowohl Kontinuität als auch entscheidende Unterschiede: Jeder mit einem Mindestmaß an philosophischer Bildung sollte längst begriffen haben, daß es bei solchen geschichtlichen Phänomenen ein Entweder-Oder zwischen Antagonismus und Wesensgleichheit nicht gibt. Es kommt immer darauf an, welche Aspekte man im Blick hat. Bezüglich des Gottesbildes, des Verhältnisses des Menschen zu Gott und der Stellung des Menschen im Leben ist das Christentum (wenn seine Kernbotschaft begriffen wird) ohne Frage etwas wesentlich anderes als das Judentum. Was aber viele Mythen und Riten und die grundsätzliche Herdenmoral (siehe Nietzsches Genealogie der Moral) im Christentum betrifft, stellt sie eine Fortsetzung des Judentums dar.

Thor von Waldstein hatte in seinem IfS-Vortag vor der »charakterlichen Negativauslese« gewarnt, die in allen modernen Parteien vorkommt. Ich hoffe nun, daß Höcke, der zuletzt immer wieder einen gefährlichen Hang zur Eitelkeit gezeigt hat (immer wieder »Ich bin stolz darauf« etc.), seine Eitelkeit in den Griff bekommt und mit solchen Auftritten und vor allem mit solchen nachträglichen Canossa-Gängen der Gesamtheit der Bewegung nicht weiter schadet.
Zadok Allen
19. Dezember 2015 14:07
Ein wichtiger Umstand, der die Hetzkampagne gegen Höcke kennzeichnet, wird m.E. zu wenig beachtet: vielfach war und ist in Sachen afrikanischer Fortpflanzung im massenmedialen Apparat von einem "vermeintlichen Reproduktionsverhalten" oder gar vom "afrikanischen Bevölkerungsüberschuß" die Rede gewesen, in dem Sinne, bei letzterem handle es sich um eine Phantasmagorie Höckes (vgl. etwa hier).

Man muß dem entnehmen, daß es inzwischen staatsideologisch verpönt ist, die Tatsache der Bevölkerungsexplosion in Afrika auch nur zu benennen. Nicht die Tatsache, daß unter Verwendung aus dem Zusammenhang gerissener Zitate gehetzt wird, ist dabei das Bemerkenswerte, sondern der Umstand, daß der Journaille diese Form von Realitätsverlust nicht einmal mehr zu Bewußtsein kommt.

Damit ist aus meiner Sicht ein neues, unerhörtes Niveau im langfristigen Erosionsprozeß der abendländischen Geisteskultur eingetreten - vielleicht ist auch dieser Prozeß selbst nunmehr qualitativ in einen steilen, haltlosen Absturz übergegangen.

Kann es wirklich noch sinnvoll sein, sich "anschlußfähig" für den "Diskurs" mit Leuten zu halten, denen es nicht unheimlich ankommt zu behaupten, in Afrika gebe es keinen Bevölkerungsüberschuß? Der massenmediale Apparat gleicht mit jedem Monat, der vergeht, mehr einer esoterischen Sekte, die sich unter liturgischem Gebrumm in einen hallozinogenen Rausch hineinsteigert.
Ernst Wald
19. Dezember 2015 14:22
Sehr geehrter Herr Kubitschek,

ich finde das Vorgehen von Dieter Stein & Co gegen Björn Höcke auch verwerflich, vor allem weil sich die Rechte/Konservativen den Luxus eines internen Streits derzeit nicht leisten können. Aber es kann nun auch nicht darum gehen, Herrn Höcke auf Gedeih und Verderb zu verteidigen.

Gewiß, Höcke ist wie Weißmann ein Gymnasiallehrer, aber im Unterschied zu Weißmann ist Höcke nicht durch zahlreiche hochkarätige Publikationen auf dem Gebiet der Geschichts- und Politikwissenschaft in Erscheinung getreten.

Dies zeigt sich de facto auch an der Art und Weise, wie Herr Höcke in seinen öffentlichen Reden über politische, historische und anthropologische Sachverhalte spricht. Beispielsweise sind seine unausgegorenen Äußerungen zu den unterschiedlichen Reproduktionsstrategien von Europäern und Afrikanern in einer politischen Rede deplatziert und ein gefundenes Fressen für den politischen Gegner.

Dass Überlegungen zu phylogenetisch bedingten Reproduktionsstrategien problematisch sind, weiß etwa auch Martin Lichtmesz, weshalb er seine Ausführungen zu diesem Thema in der aktuellen Sezession selbst relativiert. Lichtmesz räumt ein, dass er als „Nicht-Wissenschaftler keine kompetente Meinung“ zu dieser Theorie haben kann (vgl. / S.17 ff.).

Deshalb zitiert Lichtmesz aus Einsicht

diese evolutionspsychologischen Thesen mit allem Vorbehalt gegenüber biologischen Analogien zwischen Tier- und Menschenreich. Als symbolisches Bild, um die laufende Auflösung Deutschlands und Westeuropas zu erfassen, eignen sie sich aber verblüffend gut (S. 18).


Dass Martin Lichtmesz in seinem Essay bezüglich eines derart heiklen Themas vorsichtig ist, zeugt von seiner Professionalität. Einer Professionalität, an der es aber Björn Höcke teilweise bislang noch mangelt.
Ein Fremder aus Elea
19. Dezember 2015 14:24
Nun, üblicherweise ist etwas anderes damit gemeint, aber jüdisch-christliche Kultur bedeutet schon etwas Handfestes, nämlich die Kultur des Mittelalters mit ihren spezifischen Verboten für Christen (Geldverleih) und Juden (Landbesitz) als Teil einer Architektur der Gewaltenteilung zwischen der katholischen Kirche und den nationalen Königreichen.

Die Leute von der Neturei Karta haben diesbezüglich den richtigen Begriff.
Fredy
19. Dezember 2015 14:30
Muss eigentlich alles, was Politiker sagen, korrekt und wissenschaftlich fundiert sein?

Laßt euch nicht vom Gegner in diese Falle führen. Des Gegners Leute machen sich nicht die Mühe den täglich geäußerten Unsinn auch nur einmal zu überdenken, geschweige denn zu korrigieren.

Free Speech!
waldgänger
19. Dezember 2015 14:39
Die aktuelle Erregung wird durch den Umstand bestimmt, dass es der einen Seite (z.B. Weißmann) darauf ankommt, zu objektiv wahren Aussagen zu kommen, während die andere Seite - die Seite der Macht - lediglich wissen will, inwieweit jemand von ihr selbst gesetzte Dogmen beachtet oder nicht.

Man fühlt sich an Galilei erinnert oder an die stalin´schen Schauprozesse der 1930er Jahre!
Es geht um Ketzerei, es geht darum, Ketzer zu denunzieren.
Nichts anderes.

Und wer glaubt, dass es sich in unserem sog. öffentlichen Diskurs um einen herrschaftsfreien und rationalen Dskurs handele, wer glaubt, dass die Macht oder der Wahrheitsgehalt von Argumenten wirken würde, der ist im falschen Film.

Komischerweise stelle ich fest, dass sich auch hier und heute nicht jeder dessen voll bewusst ist.
Hansi Dampf
19. Dezember 2015 14:57
@waldgänger

kurz und bündig gesagt:

Wir können sagen,
was wir wollen,
die Herrschenden und ihre Claqueure
werden immer ein Haar in der Suppe finden.

Und zur Not richtet's die Antifa.
Waldgänger aus Schwaben
19. Dezember 2015 15:05
Jetzt korrekt:

Ich weiß nicht, ob derAutor diesen Hintergrund zum Zitat Höckes kennt?

Die BILD-Zeitung will oder wollte einen Artikel über Höcke bringen und hat ihm angeboten zu einem einzigen Zitat von ihm, eben dem genannten, Stellung zu nehmen:.

<a href=" Höcke auf facebook">

Falls der Link auf die facebook-Seite Höckes nichr funktioniert, hier das Wichtigste als Kopie:


Das Zitat von Herrn Höcke, zu dem er gnädiger Weise Stellung nehmen durfte, lautet: „Christentum und Judentum stellen einen Antagonismus dar. Darum kann ich mit dem Begriff des christlich-jüdischen Abendlands nichts anfangen.“

Dazu erklärt Höcke: „Mit diesem Satz habe ich keine Kritik am Judentum verbunden, im Gegenteil: Das Judentum ist eine großartige Religion. Im Übrigen hat mich insbesondere die Begegnungsphilosophie des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber so stark beeinflusst, dass sie wesentlich in meine Examensarbeit eingeflossen ist.“


Die Einlassung Höckes ist ja eher dürftig. Was Kubitschek hier darlegt, dies wäre DAS Argument gewesen: Der Begriff christlich-jüdisches Abendland vereinnahmt das Judentum und viele Juden wollen dies eben nicht.

Rausschmeissen sollte die AfD Höcke keinenfalls. Aber nach dem verunglückten Ausflug in die Biologie mit den k- und r-Strategen, ist es höchste Zeit dass Höcke seine Grenzen erkennt und sich um der Sache willen zurücknimmt.
Der_Jürgen
19. Dezember 2015 15:06
@Gegendarstellung
Keine Sorge, ich kenne den Unterschied zwischen Judentum und Zionismus sehr wohl. Ich kenne auch mehrere antizionistische Juden wie Israel Shahak persönlich, die sich allerdings nicht zur jüdischen Religion bekennen, sondern lediglich jüdischer Abstammung sind. Dass es ultraorthodoxe antizionistische Juden gibt (Naturei Kharta u. a.) ist mir nicht unbekannt, aber diese Juden fallen politisch nicht ins Gewicht.

Wenn ich von prozionistischen Konservativen spreche (PI, Michael Mannheimer, Achse des Guten etc.) meine ich damit Leute, die mit dem Zionismus und Israel sympathisieren, oft weil sie in ihnen (irrtümlich) Bundesgenossen gegen den Islam sehen. Viele dieser Leute sind Atheisten und stehen der jüdischen Religion ebenso fremd gegenüber wie der christlichen. Das Gerede von einer angeblichen "christlich-jüdischen Zivilisation" ist, wie hier bereits mehrere Foristen klargestellt haben, eine devote Geste der political correctness, ein Kniefall vor einem Staat und einer ethnisch-religiösen Gemeinschaft, in denen Deutschland herzlich wenig Sympathisanten haben dürfte. Dieses Gerede ist somit nicht nur ahistorisch, sondern auch politisch töricht.
Waldgänger
19. Dezember 2015 15:10
@ Zadok Allen

Sie weisen auf etwas Wichtiges hin:
Man muß dem entnehmen, daß es inzwischen staatsideologisch verpönt ist, die Tatsache der Bevölkerungsexplosion in Afrika auch nur zu benennen.


Auch bei dem aktuellen Hype um die Klimaänderung wird über den verschärfenden Faktor der Bevölkerungszunahme nicht groß geredert wird.

Passt eben gerade nicht ins Konzept.
Würde ja den Finger in die Wunde legen
Corax
19. Dezember 2015 15:16
Man hadert mit Höckes frechem Mundwerk. Damit habe er einen politischen Flurschaden erzeugt. Als eine Art politische Wildsau, die den mühevoll korrekt getrimmten politischen Rasen durchwühlt. Wir brauchen aber keine Widsäue. Wir brauchen Zierhäschen, die mit ökologisch wertvollen Kötelchen unseren Rasen düngen.
Gegendarstellung.
19. Dezember 2015 15:25
@ Fredy

Freie Rede: ja. Logorrhoe: lieber nicht.
Sympathisant
19. Dezember 2015 15:27
Ich kann nur nochmals darauf hinweisen, daß der Punkt die politische Grundfeindschaft mit einer immer bedrohlicher wahrgenommenen politischen Konkurrenz ist.

Höcke kann sagen, was er will - als exponierter Vertreter ist er der gegebene Ansatzpunkt für jede beliebige Wortverdrehung und böswillige Interpretation.
Wenn er DAS nicht sagt, dann wird er an DEM aufgehängt. Bis er vielleicht schweigt, zum Schweigen gebracht, also politisch tot ist.

Allerdings ist richtig, daß Höcke dann, wenn er eine Aussage gemacht hat, diese auch resolut argumentativ durchziehen müßte, mit dem Tenor eines Selbstverständlich!, und nicht dreiviertel zurückrudern.
Denn machen wir uns nichts vor - die Lügenpresse hat in ihrer Hysterie einen kurzen Atem. Es wird laut geschrien, gebrüllt - aber wenn man das einfach ablaufen läßt, ist nach kurzer Zeit wieder Ruhe, jedenfalls an diesem Punkt. Das ist das einzige Rezept, das man wirklich vom alten Kohl lernen konnte.

Vor allem aber wird man den Diskurs in diesem Lande nie und nimmer verändern können, wenn man immer gleich wieder einknickt.
Sowohl die Aussage zum Reproduktionsverhalten wie die zum Verhältnis von Christen- und Judentum waren im Kern sachlich richtig, man müßte sie nur adäquat verteidigen.

Nebenbei - das Naturrecht geht m.E. nicht auf das Alte Testament zurück, das höchst 'rassistisch' denkt - die Auserwählten Gottes sind grundsätzlich eine andere Klasse als der Rest. Vielmehr liegt ihm die stoische Philosophie zugunde.

Über die leider immer noch existenten Luckisten in der AfD und über die weithin nur opportunistische JF auf der Suche nach einem existenzerhaltenden Käuferkreis ist nichts weiter zu sagen.
Schon bei der Hamburgwahl hat die AfD wohl dadurch viel verloren, daß auch sie auf das inexistente, weil fluide, 'Mittchen der Gesellschaft' geschielt hat.
Herbert
19. Dezember 2015 16:17
Höcke liegt damit auf einer Linie mit großen Teilen gläubiger Juden.


Diese Aussage scheint korrekt zu sein, denn:

“Die Juden haben mit dem christlichen Westen sehr alte Blutfehden zu regeln.”
(Jacob Leib Talmon, israelischer Historiker und Professor für zeitgenössische Geschichte an der Universität von Jerusalem


„Der Messias wird erst zurückkehren, wenn Edom – Europa, die Christenheit – total zerstört ist. Also frage ich euch: Ist es eine gute Nachricht, dass der Islam Europa erobert? Es sind exzellente Nachrichten! Es bedeutet das Kommen des Messias“
(Rabbi David Touitou)


Wer denkt, Rabbi David Touitou handle kurzsichtig, da islamischer Antisemitismus viel virulenter sei als der europäische, der übersieht, dass die Orthodoxen Juden im Christentum im Gegensatz zum Islam einen Götzendienst sehen.

@Karl

In der Tat wird Trump von Gruppen angefeindet, welche sich Sorgen um die amerikanische Demografie machen. Diese Kreise befürchten wohl, ein Trump könnte den Zerfall des weissen Amerikas verschleppen, wo sie sich doch in einem bunten Amerika viel wohler fühlen. Laut dem jüdisch amerikanischen Autor Charles Silberman zumindest ist die Sorge um das eigene Wohlergehen die Hauptmotivation vieler amerikanischer Juden, sich für eine liberale und multikulturelle Gesellschaft stark zu machen. Hier zeigt sich dann ein weiterer Antagonismus, der sich abseits von religiösen Denktraditionen befindet.

Im Übrigen müsste sich Höcke einfach nur unmissverständlicher ausdrücken. Natürlich sind alle Menschen K-Strategen, aber es gibt Wissenschaftler, die innerhalb der menschlichen Art Gruppen erkennen wollen, die auf einer "K-Skala" am meisten zu einer "r-Strategie" tendieren.

Letztlich geht es doch einfach darum, dass Höcke mit solchen Aussagen (christlich/jüdisch) an den Grundfesten der linksgrünencedeuisierten BRD rüttelt: Gut so! Wer glaubt mit einer etwas rechteren CDU sei Deutschland noch zu retten, der hat den Knall noch nicht gehört. Oder in den Worten Zadok Allens:

Kann es wirklich noch sinnvoll sein, sich „anschlußfähig“ für den „Diskurs“ mit Leuten zu halten, denen es nicht unheimlich ankommt zu behaupten, in Afrika gebe es keinen Bevölkerungsüberschuß?
FFlecken
19. Dezember 2015 16:24
Der Begriff des jüdisch-christlichen Abendlandes ist eine bürgerlich-konservativer Schutznegriff im Sinne der politischen Korrektheit. Er verschafft lauen Charakteren ein wohliges Gefühl, entfacht aber nicht einmal ein Feuerchen der Tradition.Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Ich glaube, die JF würde gerne so einige Artikel der letzten Dekaden im Giftschrank wegschließen. Der formidable Chefredakteur ist eine riesige Belastung für seine eigene Zeitung, aus qualitativer Sicht. Aber quantitativ ist er derzeit erfolgreicher denn je, muss an auch eingestehen. Dies ist von meiner Warte aber nicht der primäre Maßstab, sehen Leute, die davon leben müssen, aber sicherlicher anders. Der mentale Zustand dieses Volkes ist nunmal eine einzige Katastrophe und es ist keine Besserung in Sicht. Die Kräfte, die ihn nach unten ziehen, sie sind enorm. Letztlich bleibt die große Heidegger-Frage, die nur mit einem klaren JA beantwortet werden kann.
Mir geht dieses ganze Klima der geistlosen und affigen Gesinnungsschnüffelei tierisch auf den Geist. Wir leben wahrlich in einer bürgerlichen Zivilisation (die nicht aus Zufall und ohne Planung installiert wurde), die ja einige auf der Rechten auch noch ernsthaft verteidigen wollen. Bürgerlichkeit ist eines der Kernübel der Moderne gewesen und ist es immer noch. Seinen Denken und Werten verdanken wir das geist,- und transzendenfeindliche letztlich antiheroische Universum in dem wir leben müssen. Den Posten halten und ein Zeugnis ablegen, das ist eine Menge und mehr an Hoffnung gestehe ich mir nicht zu.
Hajo Blaschke
19. Dezember 2015 16:33
Letztendlich geht es doch bei den Zurechtweisungsmaßnahmen gegen Björn Höcke doch gar nicht um seine Äußerungen zur christlich-jüdischen Kultur oder zu seinen Ansichten über die Fortpflanzungsstrategie von Afrikanern im Gegensatz zu Europäern (übrigens auch zu Eskimos). Es geht darum, dass nach Björn Höcke die AfD ihre Aufgabe, mit der sie bei Wählern wirbt, nur erfüllen kann, wenn sie eine Fundamentalopposition darstellt. Damit ist offen oder schamhaft verdeckt eine Kritik am Agieren von Petry und Meuthen offengelegt. Und so etwas kann Petry, die sich als Traumkanzlerin sieht, nicht ab. Da fühlt sie sich auf den Schlips getreten. Und da kennt sie keine Verwandten mehr und verbindet sich mit der Systempresse. Dieses Verhalten von Petry ist parteischädigend. Und noch zur Luckezeit gab es etliche Stimmen in der AfD, die ihr ständiges Intrigantentum konstatierten. Damals fand das nicht soviel Beachtung, weil man über Petry Lucke loswerden wollte. Heute stellt sich die Frage, ob es nicht Zeit wäre, Petry mal eine Lektion zu erteilen, wie man eine Partei zu führen hat. Oder sie als Parteivorsitzende abwählt.
Hajo Blaschke
19. Dezember 2015 16:55
Die übelsten Anfechtungen muss Höcke übrigens nicht von der Systempresse hinnehmen. Die widerlichste Schlammschlacht kämpfen Stein und seine Adlaten bei der JF. Stein tritt dabei immer auf, als gehöre er zur AfD bzw. deren engstem Umfeld. Das ist definitiv falsch.
F.W.
19. Dezember 2015 17:16
Wer auch nur "Judentum" sagt, hat sich doch schon fünf von zehn Fingern verbrannt.
Es gibt keine Pflicht, jeden Vorgang zu kommentieren.
So wird das alles nichts.
Fredy
19. Dezember 2015 17:47
Nochmals: Wenn es um die Qualität von politischen Äußerungen geht, dann wäre Claudia Roth nicht in der Politik sondern Hartz4-Empfängerin, und Arnulf Baring wäre Bundeskanzler.

Immer schön vom Gegner hertreiben lassen. Genau so wirds was werden ihr edlen, standhaften Konservativen, wo es doch sonst die Eiche auch nicht stört wenn sich Sauen dranreiben.

Sucht weiter nach der perfekten Partei und nach fehlerlosen Leuten. Und wenn ihr die gefunden habt, ja dann gehts aufwärts, dann ist der Sieg nah.

Ihr hättet auch Bismarck aus der Partei geschmissen um beim Gegner scheinbar geliebt zu werden.
Mark
19. Dezember 2015 17:48
Einerseits ist Höcke zuzustimmen, daß es kein "jüdisch-christliches" Abendland gibt, weil hier der minimale "jüdische" Anteil maßlos aufgebauscht und übertrieben wird. Andererseits hat mal jemand gesagt: "Christentum ist Judentum für die Masse". Als Atheist sind mir beide zuwider.
Gustav
19. Dezember 2015 17:52
Der Antagonismus ist riesig, das Abendland mittlerweile ein jüdisches, da sozialdemokratisches:

»In der Entwicklung der Mystik hat die jüdische ihren besonderen Weg. Alle Mystik sonst will in ihrem wesentlichen die Erlösung vom Willen aufzeigen, von ihm und darum von allem, was ihn bestimmt, was ihn verpflichtet oder führt, ihn fordert oder versucht, von allem, worin er sein Gebiet findet, sei es die Welt mit ihren Gestaltungen und Ordnungen, sei es das Leben mit seinen Richtungen und Zielen, sei es schließlich die Gottheit mit ihren Schöpfungen, ihren Gedanken und ihren Geboten. Sie will von allen Motiven entbinden. All diese Erlösungsmystik ist darum Erlösung vom Ich; denn als wollendes Wesen wird der Mensch ein Ich, eine Persönlichkeit. Und sie wird an ihrem letzten Ende nihilistisch, ihr Ziel ist das Nichts.

Es ist das Besondere der jüdischen Mystik, dass sie gegenüber dieser Mystik des Sterbens, dieser passiven Erlösungsmystik, eine Mystik des Lebens sein will.« (Baeck 1997: 86f.)

Erst die Französische Revolution hat die Tore der Ghettos aufgesprengt, mit denen die nichtjüdische Welt den Geist des Judentums von der Konkurrenz in der Gestaltung der Welt ausschloss. Die Französische Revolution brach das Monopol der Mystiken des Sterbens. Das »Besondere der jüdischen Mystik«, dass sie »eine Mystik des Lebens sein will«, konnte nun versuchen, sich Gehör und Einfluss auf die Gestaltung der Welt zu verschaffen. Ihr Werk war die Geburt der Sozialdemokratie – aus dem Geist des Judentums.

Die Erinnerung an vier die Sozialdemokratie in unverwechselbarer Weise bestimmende Gestalten – Moses Hess, Karl Marx, Ferdinand Lassalle und Eduard Bernstein – kann in diesem Kontext nicht mehr als eine Anmerkung zur Erfolgsgeschichte des politischen Judentums des 19. Jahrhunderts und der Karriere des von ihm formulierten Begriffs der politischen Gerechtigkeit sein.

Die jüdische Religion will Religion im Leben sein, sie soll »gelebt werden, sie soll nicht eine bloße Erfahrung des Lebens sein, sei es auch seine tiefste, sondern seine Erfüllung« (Baeck 1925 [1998]: 84). Das ist die Mystik des Lebens. Zu ihr öffnet sich kein Zugang, solange das »Bild vom Fortleben nach dem Tode, diese Welt der Phantastik«, spricht. »Das Gebot des Menschen, das Gebot: du sollst leben, tritt … vor alle Fragen des Jenseits.« Die Mystik des Lebens steht im Bann der Schöpfungsgeschichte: »Gott sah, dass es gut sei.« (ebd.: 69). Wenn das, was ist, gut ist, ist kein Tod am Kreuz und keine Auferstehung, kein Christus von Nöten.

Aus dem Glauben an Gott und den Menschen ergibt sich im Judentum eine dem Christentum entgegengesetzte, besser: vor-gesetzte Trinität: der »Glaube an uns« (ebd.: 178), der »Glaube an den Nebenmenschen« (ebd.: 215), der »Glaube an die Menschheit« (ebd.: 249). In dieser, dem Christentum vor-gesetzten Trinität »wohnt die Gewissheit, dass das Gute verwirklicht werden wird, dass ihm die Zukunft gehört«.

Dieses Bündel von Motiven, Kräften und Strebungen kennzeichnet die jüdische Religiosität als »Mystik des Lebens«. Als diese findet sie sich auch im politischen und revolutionären Elan von Hess, Marx, Lassalle und Bernstein. Ohne sie wäre vermutlich die Sozialdemokratie nicht zu einer Weltbewegung in Konkurrenz mit dem Konservativismus geworden. Deshalb lässt sich mit einigem Recht von der jüdischen Sozialdemokratie sprechen.
Albert
19. Dezember 2015 18:01
Höcke hat natürlich Unrecht und kein gläubiger Christ wird die enge Beziehung zwischen Judentum und Christentum ernstlich in Frage stellen. Ich empfehle, mal wieder die Bibel zu lesen und ganz besonders die Stellen, in denen Jesus im Neuen Testament über die Schrift (unser Altes Testament) spricht.
Würden die AfD-Herrschaften erst denken und dann reden wäre uns sehr geholfen.
Dylan
19. Dezember 2015 18:10
Aber so lange die Christen noch die Hebräische Bibel haben, so lange Jesus und Paulus Juden gewesen sind, so lange sich das Neue Testament auf das "Alte" Testament bezieht und Jesus als den erwarteten Messias/Christus bekennt - so lange gibt es doch diesen Zusammenhang. Was das allerdings mit "Abendland" zu tun hat, weiß ich nicht. Der Zusammenhang von Judentum und Christentum ist aus der Sicht der Christen jedenfalls elementar. Der Zusammenhang mit "Abendland" ist unbedeutend.
calculus
19. Dezember 2015 18:17
Dieter Stein: "In eigener Sache: Online-Kommentare nerven"

https://jungefreiheit.de/allgemein/2015/online-kommentare-nerven/

Aufreißertext auf der Hauptseite der JF:

"Über 1.000 Leserkommentare erreichen JF-online täglich. Hauptamtliche Redakteure sind dazu verdammt, sich durch eine kaum noch zu bewältigende Flut zu kämpfen. Und die Kommentare nerven zunehmend. Es wäre vielleicht besser, sie abzuschaffen. Ein Kommentar von JF-Chefredakteur Dieter Stein"

Kommentiert sich wohl von selbst.
jack
19. Dezember 2015 18:21
@ Remigius

Das gleiche gilt für seine Äußerung zum Judentum, wobei diese auch inhaltlich an die Grenzen geht, denn wesentliche Elemente abendländisch-europäischer Identität und Kultur beruhen u.a. auf der Naturrechtslehre, die ohne das Alte Testament nicht entstanden wäre.


Was noch zu beweisen wäre.

Naturrecht heißt ein System rechtlicher Normen, die für alle Menschen verbindlich sein sollen. Das Alte Testament bezieht sich aber ausschliesslich auf das jüdische Volk und dessen Geschichte. Das Konzept des Naturrechts wurde in der heidnischen Antike formuliert, basierend auf Natur/Kosmos mit einer ewigen Ordnung.

Die heutige Naturrechtslehre würde sagen: Die Entwicklung des sittlichen
und rechtlichen Bewußtseins der altorientalischen Völker hatte
noch nicht den Stand erreicht, auf dem Lüge und Betrug in den fraglichen
Umständen als Unrecht galten, wie wir es heute sehen.

Naturrechtswidrigkeiten im Alten Testament? www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/jcsw/article/..


Zu Jesus Lebenszeit gab es das Wort "Jude", das neueren Ursprungs ist, nicht und es ist mit dem zur Zeit Jesus verwendeten aramäischen, griechischen oder lateinischen Worten für die „Judäer“ nicht gleichzusetzen.

Wenn die Behauptung „Jesus war Jude“ Sinn haben soll, muss man die Kriterien dazu aus Jesus Zeit zugrunde legen, und danach musste Jesus , um Jude zu sein, eine von drei Bedingungen erfüllen: 1) Er musste Angehöriger des Stammes Juda sein; 2) Er musste Seinen Wohnsitz in Judäa haben; 3) Er musste Seinem Glauben nach ein „Jude“ sein, falls es die Religion in der Form vor 2000 Jahren gab.

Der Stammbaum seiner Mutter, Marias, ist im Neuen Testament unerwähnt. Es gibt drei Stellen, die eventuell andeuten könnten, dass Maria aus dem Hause Davids stammte. Bei Matthäus 1, 20 nennt der Engel Joseph den „ Sohn Davids “, bei Lukas 1,27 steht, dass die Jungfrau Maria „ vertraut war einem Manne mit Namen Joseph, aus dem Hause David “, aber Joseph war nicht Jesus leiblicher Vater.

Jesus Geburtsort war Bethlehem (Matthäus 2; 1), doch es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Maria von Galiläa dorthin begeben hatte, um sich registrieren zu lassen. Dazu wendeten einige jüdische Gelehrte ein, der Hinweis auf Bethlehem sei nachträglich erfolgt, um alttestamentarischen Prophezeiungen gerecht zu werden: „Und du, Bethlehem Ephratha, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll der kommen, der in Israel Herr sei...“ (Micha 5,1.)

Die Jewish Encyclopedia sagte dazu, die Heimatstadt Jesus sei Nazareth gewesen, und man ist sich darüber einig, dass Jesus Galiläer war, gleichgültig wo er geboren wurde. Galiläa, wo Jesus fast sein ganzes Leben verbrachte, war zu damaliger Zeit politisch völlig von Juda getrennt und einem eigenen römischen Tetrarchen unterstellt. Juda galt als „fremdes Land“.
(so Heinrich Graetz in seinem 1888 erschienenen Werk Volksthümliche Geschichte der Juden).
Eheschließungen zwischen Judäern und Galiläern waren verboten, und schon vor Jesu Geburt hatte einer der makabäischen Prinzen, Simon Tharsis, die in Galiläa ansässigen Judäer nach Judä abschieben lassen.

Dies bedeutet, dass sich die Galiläer zu damaliger Zeit rassisch und politisch von den Judäern unterschieden.

War der Galiläer Jesus in religiösem Sinne das, was man heute einen „Juden“ nennen würde?

Zur Zeit Jesu gab es noch keine jüdische oder judaistische Religion. Es gab den Jahwe-Kult, und es gab verschiedene Sekten wie die Pharisäer, Sadduzäer und Essener, die untereinander in Fehde lagen und die sich stritten um Macht über das Volk. Sie waren nicht nur Sekten, sondern auch politische Parteien, deren Mächtigste die Pharisäer waren und die für sich in Anspruch nahmen, Gottes geoffenbarte „mündlichen Überlieferungen“ an Moses zu kennen.

"Der Talmud, das Gründungsdokument des rabbinischen Judentums in der Spätantike" formuliert ein "Gegen-Evangelium zum Neuen Testament [...] daß er [= Jesus Nazarenus] den Tod verdiente, weil er ein Gotteslästerer war, daß er auf ewig in der Hölle sitzen wird, und daß jene, die seinem Beispiel bis in die Gegenwart folgen, nicht, wie er versprochen hat, das ewige Leben erwerben, sondern sein furchtbares Schicksal teilen werden." (Schäfer: Jesus im Talmud, Tübingen 2007, 1, 260)

https://www.youtube.com/watch?v=w0fnsTUPn9c
https://www.youtube.com/watch?v=yBdSkGsPheo
Pepe
19. Dezember 2015 18:24
Herr Blaschke, Ihre Texte sind voll herrlicher Stilblüten. Sie bräuchten auch mal ein Lektorat - genau wie Höcke.
enickmar
19. Dezember 2015 18:28
Kompromissvorschlag:

“Christlich-jüdisch-heidnisch-atheistisches Abendland”.

Wenn schon, denn schon.
Michael
19. Dezember 2015 18:42
"Es wäre richtig und wichtig – gerade für die Junge Freiheit selbst – Björn Höcke auf der Grundlage dieses wichtigen Textes von Weißmann auf allen Kanälen zu verteidigen und das Echo der Medienkampagne nicht noch zu verstärken." --

Mit großer Sorge blicke ich auf die Entwicklung, namentlich auf die schon polemisch anmutenden Äußerungen von Seiten Dieter Steins gegen Höcke.

Weiß jemand Genaueres, warum bei Herrn Stein immer mehr der Blick fürs Wesentliche abhandengekommen ist, warum von seiner Seite eine unfaire Debatte geführt wird, wie man sie wohl in der BILD eher verorten würde.

Deutschland steht am Abgrund, und die rechts -bis konservative Bewegung ergeht sich (immer noch) in Grabenkämpfen... Ist uns eigentlich noch zu helfen!?
Der Gutmensch
19. Dezember 2015 18:53
(...) dass die These vom Antagonismus von Christentum und Judentum nicht näher Eingearbeitete zu verstören vermag. Jede Aussage gilt unter Vorbehalt ihrer logischen und semiotischen Voraussetzungen.


Lieber Pirmin Meier,

ich muss gestehen, dass ich immer wieder erbleiche ob Ihrer schier unerschöpflichen contenance (wegen Ihres profunden Wissens ohnehin; aber diesbezüglich habe ich meine Limits lange akzeptiert). Sie scheinen ja wirklich nie aus der Rolle zu fallen, ein Muster an Verhaltensstabilität! Wo andere zorneswild dazu ausgeführt hätten, dass einen der Versuch einer Debatte mit belastungseifrigen Nichtswissern schließlich nur in die Gummizelle führen kann, erklären Sie so unverdrossen wie nonchalant, dass eine jede geordnete Kommunikation schließlich ihre Voraussetzungen hat, nicht wahr - schon immer hatte und gewiss auch immer haben wird - und klopfen dem Gegner noch dazu freundlich auf die Schulter, indem Sie ihm erklären, dass keine Eitelkeit Sie je dazu verleiten wird, anderen ihre bedauerliche geistige und sonstige Verwirrung zu verübeln. Chapeau!

Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten,

Ihr Gutmensch.
Fredy
19. Dezember 2015 20:54
OT:
Der aktuelle Auswurf von Dieter Stein "in eigener Sache" spricht für sich. Er will sich von all jenen befreien, die ihn in die heutige Lage gebracht haben, er aber auf seinem neuen Kurs nicht brauchen kann. Dass unser Scheißvolk auch ständig pöbeln muss. Können die sich nicht einfach sachlich, ausgewogen, besonnen und abwägend abschaffen lassen?
Gerhard Wruck
19. Dezember 2015 21:02
Werter Herr Stein,
viele andere Foristen haben schon vor mir ihr Befremden über Ihren seit einiger Zeit gefahrenen Anpassungskurs an die verlogene Mainstream-Presse und damit an die zerstörerische Politik der Blockparteien geäußert. Ich schließe mich diesen Kritikern an. Denn ich kann nicht verstehen, was Sie bewegt, in dieser entscheidenden Phase, die so etwas wie ein Endkampf um die Existenz oder Nichtexistenz Deutschlands ist, den Spaltpilz in die erstarkende politische Rechte zu tragen und ihn sogar zu verbreiten. Sie haben mir wie Ihren anderen Lesern gerade einen Brief geschrieben mit der Titelzeile: „Was wir jetzt gegen die Masseneinwanderung tun können!“ Darin teilen Sie uns viele richtige Beobachtungen und Gedanken mit. Doch warum verhalten Sie sich in Ihrem Blatt, das (noch!) auch mein Blatt ist, so, als wollten Sie eigentlich gar nichts tun? Schon Ihre Unterstützung des Herrn Lucke in der AfD war ein schwerer politischer Fehler. Der Mann ist wahrscheinlich ein guter Ökonom, aber kein politischer Kopf und schon gar kein echter Patriot. Er hatte und hat (als jetziger „Online-Experte“ des „Focus“!) jedenfalls nicht die Absicht und den Willen, die deutsche Katastrophe noch aufzuhalten, sondern er wollte lediglich eine weitere Blockpartei bilden.
Ihr Kurs, Herr Stein, scheint mir seit einiger Zeit in die gleiche Richtung zu zielen. Wie kann man nur in dieser Zeit einen immerhin markanten Kopf wie Björn Höcke aus der AfD hinausgraulen wollen! Was hat er denn eigentlich Unanständiges oder gar Verbotenes getan? Gar nichts. Der Mann mag nicht jedermann sympathisch sein. Aber er zieht auch jede Menge Leute an, die wissen, dass es in dieser Zeit nicht reichen kann, nur an einigen Symptomen des kranken politischen Blockparteien-Systems herumzumäkeln und sich ansonsten der Karawane des Stumpfsinns und der Gleichgültigkeit anzuschließen. Mit Lucke wäre die AfD ein zahnloser Zimmertiger geworden, und ohne Höcke und einige andere Kämpfer seines Kalibers würde die AfD gleichfalls solch ein harmloses Kätzchen bleiben.
Also, lieber Dieter Stein, gehen Sie in sich. Überdenken Sie Ihren derzeitigen Kurs. Allein schon um einiger wirklich brillanter Mitarbeiter Ihres Blattes willen.
ulex
19. Dezember 2015 21:23
Also ein das Wort "jüdisch" in den Mund zu nehmen als "Rechter" geht doch garnicht.

Was kommt als nächste Provokation?

Wollt ihr in der Talkshow etwa braune Schuhe tragen?
Seneca
19. Dezember 2015 21:29
Es geht nicht darum, was Höcke gesagt und gemeint hat oder nicht. Es geht um ihn dh um seine Person. Er allein ist für das Establishment brandgefährlich. Sein Erscheinen, sein Denken und seine Sprache sind gut für höhere Weihen. Er ist der Anti-Politiker per se, er ist ein ja vielleicht der Beweger. Er allein könnte eine fundamentaloppositionelle Bewegung als FN auslösen. Er steht diametral entgegengesetzt zur 5%+X-Gedankennische mit Bettelstellung gegenüber CDU/CSU ala LuckePetryMeuthenJF-Stein. Bild und das Kanzleramt haben die "Gefahr" die von Höcke ausgeht längst erkannt. JF-Stein dagegen zeigt einmal wieder, dass er der Mann zur falschen Zeit am falschen Ort ist.
Gegendarstellung.
19. Dezember 2015 21:35
@calculus, @Fredy

Wer die Leserkommentare in der JF zum Artikel über Björn Höcke verfolgt hat, weiß, warum Dieter Stein wirklich schäumt: zu viel Zustimmung für Höcke.
Monika
19. Dezember 2015 21:50
Ich weiß zwar nicht, worin für die politische Rechte das Problem jüdisch-christlich liegt. Und warum das bei Herrn Höcke überhaupt zum Thema wird.
Als Christ verbinde ich mit jüdisch immer noch eine unerfüllte, innerweltlich gedachte Heilserwartung. (Die sich in einer säkularen Form etwa in einer kommunistischen Heilserwartung manifestiert.)
Christlich ist für mich vor allem der eschatologische Vorbehalt. D.h.die Spannung zwischen dem Dasein des Heils und dem Ausstehen seiner Vollendung auszuhalten ( daraus resultiert eher eine Resistenz gegen innerweltliche Heilslehren) . Das ist natürlich ein Antagonismus.
Christliches Denken ist nicht-utopisches Denken !
Da tun sich einige Rechte schwer. Ohne Prinzip Hoffnung.

Aber vielleicht liege ich auch völlig falsch.
Ansonsten kann der wunderbare Pinchas Lapide vielleicht weiterhelfen :
http://www.amazon.de/Der-Jude-Jesus-Antworten-Christen/dp/3491694051
Karl Franken
19. Dezember 2015 22:05
Ich kann mich den letzen beiden Kommentaren ('Freddy' und 'Waldgänger') inhaltlich nur voll anschließen. Hier in dieser Diskussion geht es überhaupt nicht um theologische Fragen, oder um Stil oder Außenwirkung eines Björn Höcke.
Es geht um die gezielte Spaltung einer ernsthaften politisch -oppositionellen Bedrohung für die Herrschaftselite durch eine Partei wie die AfD durch Diskreditierung des substantiell-fundamentalen Kerns dieser Alternative zum vorhandenen Parteienkartell. Die JF hat sich hier eindeutig zum wiederholten Mal als Sprachrohr und Werkzeug des Establishments geoutet. Man kann nur jedem Leser und Abonnenten (ich selbst bin seit über 20 Jahren Abonnent dieses "Mutterschiffs" der rechten Intelligenz...) raten, sein Abo zu kündigen und dieses Kampfblatt des Systems zukünftig konsequent zu boykottieren!
Zadok Allen
19. Dezember 2015 22:58
In Sachen JF stellen sich zwei Fragen:

1) Steigen die Abonnentenzahlen noch immer? (Seit der Kündigung meines Abos vor reichlich einem Jahr entgehen mir die entsprechenden Meldungen.) Falls ja: existiert es im Dezember 2015 tatsächlich noch, das finanzkräftige, gerenische, primär westdeutsche Alt-CDUler-Milieu mit seiner Parallelwelt? Das erschiene mir geradezu unglaublich - wie vieler Realitätsschocks bedarf es noch, daß diese Leute an ihrem Glauben irre werden?

2) Wie werden sich die verbliebenen guten Autoren unter Steins rigider werdender Kuratel verhalten? Mir persönlich tut es leid für sie, die dem Blatt bisher noch ein freundliches Gesicht (Merkel dixit) verliehen haben. Das destruktive Wüten des Chefredakteurs entwertet ihre gute Arbeit großenteils. Das Blatt fährt nun gemeinsam mit dem mainstream an die Wand.

"Simplicius" hat es im anderen Diskussionsstrang bündig zusammengefaßt:

Ich bin gespannt, wann die Realität erbarmungslos zuschlägt. Wie lange dauert es noch?
enickmar
19. Dezember 2015 23:35
Die Beobachtung, daß Afrikaner sich eher wie r-Strategen und Europäer wie K-Strategen verhalten, ist übrigens wissenschaftlich korrekt, wenn man menschliche Populationen, also etwa Afrikaner und Europäer, in ihrem realen heutigen Reproduktionsverhalten miteinander vergleicht. Um Tiere ging es in Höckes Rede nunmal nicht. Denn r- und K-Strategie sind als relative Tendenzen definiert und nicht als feste Maße.
Die aktuellen Verhältnisse allerdings mit Evolutionsbiologie zu erklären ist zweifelhaft. Europäer tendierten vor evolutionsbiologisch sehr kurzer Zeit auch noch stärker zur r-Strategie als heute, wie hier im Forum schon mal angemerkt wurde.
Dafür, daß Höcke die höhere Reproduktionsrate in Afrika tatsächlich aber selbst auch als ein durchaus soziologisches und nicht als rassespezifisch fest determiniertes Merkmal betrachtet, spräche allerdings, daß er annimmt, das Reproduktionsverhalten ließe sich durch entsprechenden sozialen Einfluß (Emigrationsstop) ebenfalls ändern. Genau das hatte er nämlich auch gesagt.
Michael Schlenger
19. Dezember 2015 23:56
Höcke scheint mir derzeit der AfD denselben Bärendienst zu erweisen wie einst Lucke. Durch einseitige oder abseitige Themenwahl versäumt er es, eine sich förmlich aufdrängende Anhängerschaft für sich zu gewinnen, und schafft es zugleich, sich von in dieser Hinsicht versierten Medien zu Korrekturen und Kommentierungen eigener Positionen zwingen zu lassen.

In beiden Fällen scheint mir die Eitelkeit stärker zu sein als das politische Talent.

Wenn ich morgen als deutscher Bürger ins Flugzeug steige, werde ich behandelt wie ein potentieller Massenmörder. Gleichzeitig lässt die Berliner Führung im Namen der Menschlichkeit hunderttausende Individuen unkontrolliert ins Land. Das ist es, was landauf, landab unsere Mitbürger bewegt.

Wer dagegen meint, sich in Sachen deutscher Identität, die man bewahren möchte, an Meinungsverschiedenheiten gläubiger Christen und Juden abarbeiten zu müssen, hat schlicht das Thema verfehlt und überdies wohl auch einige grandiose Phänomene deutsche Kultur verpasst.

Höcke fehlt nicht nur das Lektorat, sondern vor allem ein intellektuelles Korrektiv in der AfD oder außerhalb. Der redet sich und seine Sache noch um Kopf und Kragen.
FFlecken
20. Dezember 2015 00:18
Nun will der formidable Chefredakteur also im Stile der Hauptstrommedien die Kommentarfunktion abstellen... Was kommt als nächstes im Sinne der Großen Anpassung? Wird die JF sich für schwarz-grüne Bündnisse auf bürgerlich-wertkonservativer Grundlage einsetzen?
Dieser Mann hat anscheinend keine Ehrbegriffe und betätigt sich zunehmend als berufsmäßiger Verräter. Diese permanente und wohl sehr persönlich Hatz auf Höcke durch diesen Herren ist niederer Natur. Langsam erscheint eine Kündigung des Abonnements mehr und mehr als unausweichlich...Ich verspüre eine wachsende innere Genugtuung, mich im Zuge der damaligen zwischentags-Affäre klar auf die Seite Kubitscheks gestellt zu haben. Die JF konnte das Ende meiner Tätigkeit wohl problemlos verschmerzen und man selbst konnte wenigstens eine kleine Spur ziehen. Für mich ist jene Seite die Richtige, in der authentisch, tiefschürfend und ohne spießbürgerlichen Habitus samt Besitzwahrermentalität um die Zukunft des Vaterlandes und unseres Kontinents gerungen wird. Zudem: Ich kann einen schreibenden Deutschen in diesen Tagen nur einen Mann nennen, wenn ich zwischen den Zeilen spüre, daß er leidet.
Peter Voit
20. Dezember 2015 00:44
Die Unterschiede zwischen Judentum und Christentum brachte bereits Heinrich Heine in seinem Gedicht "Disputation" recht köstlich zur Sprache. In der Aula zu Toledo kommt es zu einem Wettstreit zwischen Rabbi Juda und Frater Jose, einem Franziskaner-Mönch. Hier ein paar Kostproben. Zunächst der Franziskaner:

"Unser Gott, der ist die Liebe, / Jesus Christus ist sein Namen; / Seine Duldsamkeit und Demut / Suchen wir stets nachzuahmen.

Deshalb sind wir auch so sanft, / So leutselig, ruhig, milde, / Hadern niemals, nach des Lammes, / Des Versöhners, Musterbilde."

Der Konter des Rabbi:

"Unser Gott ist nicht gestorben / Als ein armes Lämmerschwänzchen / Für die Menschheit, ist kein süßes / Philantröpfchen, Faselhänschen.

Unser Gott ist nicht die Liebe; / Schnäbeln ist nicht seine Sache, / Denn er ist ein Donnergott, / Und er ist ein Gott der Rache."

Im Lichte der Aussagen dieser beiden Streiter dürfte auch so manches nicht nur im Hinblick auf die gegenwärtige "Flüchtlingskrise" deutlicher zu sehen sein. In Heines Gedicht jedenfalls fragt am Ende der anwesende König seine Gemahlin, die "schöne Königin", nach ihrer Meinung und wer von diesen beiden recht habe. Deren Antwort:

"Welcher recht hat, weiß ich nicht - / Doch es will mir schier bedünken, / Daß der Rabbi und der Mönch, / Daß sie alle beide stinken."

Was die angebliche christliche "Duldsamkeit" betrifft und den "Donnergott" des Rabbi auf der jüdischen Seite, so ließ - trotz aller nötigen und heilsamen Unterscheidung - der marxistische Philosoph Ernst Bloch hören:
"Es gibt geborene Lämmer, diese ducken sich leicht und gern. Das liegt in ihrer Art, zu ihnen hat Jesus nicht gepredigt, gewaltig, wie es in der Schrift heißt. Am wenigsten steht er selber so gemildert da, wie ihn die sanften Heinriche meinen. Wie ihn die Wölfe vor allem für die Schafe zurecht gemacht haben, damit sie es doppelt bleiben."
Kaspar H.
20. Dezember 2015 04:09
Christentum und Judentum stellen einen Antagonismus dar. Darum kann ich mit dem Begriff des christlich-jüdischen Abendlands nichts anfangen.


Nun - die eigentliche Frage wäre doch, weshalb ein Antagonismus nicht
zur Charakterisierung taugen sollte?

Diese nicht beantwortet zu haben, ist selbstverständlich nicht Anlaß
der Ent­rüs­tung einschlägiger Medien.

Ebensowenig, wie jene Anlaß für Rechtfertigungen sein sollten -
Stefan Jahr
20. Dezember 2015 06:00
Nicht der jüdische Einfluss auf das Abendland, aber auf die Moderne war sehr bedeutend. Für den Zeitraum ca. 1850 -1950 ist bekanntlich der jüdische Einfluss in Naturwissenschaft, Literatur und im sonstigen kulturellen Leben gar nicht zu überschätzen. Ironischerweise ist das aber ein Judentum, welches gar keins mehr sein will; seine Träger sind sehr oft entweder christlich konvertiert oder atheistisch, gegenüber dem Judentum völlig fremd und gelegentlich von jenem Selbsthass erfüllt, der für viele Juden dieses Zeitraums typisch war und der sie den Deutschen so aehnlich macht. Wo man dem Judentum verbunden blieb, war es entweder bloßer Traditionalismus oder eine Quelle selbstquaelerischer Problematik (siehe Franz Kafka).
Über diesen Zeitraum hinaus oder für die Zeit davor ein "christl. jüdisches Abendland" zu konstatieren, ist einfach unsachgemäß, trotz der jüdischen Wurzeln des Christentums, von denen allerdings Franz Werfel einmal meinte, dass, wer sie abschneide, den letzten fleischlichen Zeugen der goettlichen Offenbarung fortschaffe.
Monika
20. Dezember 2015 08:43
1. Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

Heißt es im Liederbuch Speyer 1599

Die Verbindung christlich-jüdisch zu erklären, sollte man doch besser den christlichen und jüdischen Theologen überlassen.
Es geht nicht darum " einen Prozeß rückgängig zu machen " ( Weißmann)
Mit einer schlechten Erklärung Höcke zu verteidigen, macht es nicht besser.

Christliche Identität ist gerade auch in ihrer Herkunft aus einer jüdischen Wurzel zu verstehen. Und zu unterscheiden. Das erfährt jeder, der mal in einer kleinen alten jüdischen Synagoge im Elsass war.( Pfaffenhofen und Umgebung)

Ach ja,
Aus der Zeile " von Jesse kam die Art" wurde 1943 " von wundersamer Art":

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Es_ist_ein_Ros_entsprungen

Auch hier erscheinen mir einige Äußerungen von wundersamer Art.
Götz Kubitschek
20. Dezember 2015 10:39
badeschluß.
gruß aus schnellroda!
kubitschek

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.