28. Januar 2016

Lage 2016 (2): Hygienefimmel und Thymos-Regulierung

von Götz Kubitschek / 91 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Es sind in den vergangen beiden Wochen zwei Zeitungsbeiträge erschienen, deren Analyse für eine Beurteilung unserer Lage im noch jungen Jahr 2016 interessant ist. Mit »uns« meine ich das im weitesten Sinne für den Erhalt der ethnokulturellen Identität Deutschlands und der anderen europäischen Nationen kämpfende politische Lager, das sich zusammensetzt aus:



Intellektuellen, Medien, Verlagen, Bürgerbewegungen, Projekten, Gesinnungsgemeinschaften, Demonstrationsbündnissen und einem parteipolitischen Arm samt parlamentarischer Verankerung. Dieses Lager versammelt – um eine erste Passage aus Karlheinz Weißmanns in der Jungen Freiheit erschienenen Beitrag "So günstig wie nie" zu zitieren – in seinen Reihen
Praktiker und Theoretiker, kluge Köpfe und Spinner, Apparatschiks und Religionsstifter, Einzelgänger und Weltverbesserer, Liberale, Libertäre, Christlich-Soziale und Christdemokraten, Konservative jeder denkbaren Schattierung, Nationale und Nationalisten aller möglichen Facetten.

Der Kampf um die Identität und das damit zusammenhängende Selbstbestimmungsrecht unserer Völker ist das mögliche einende Band, und dieser Kampf ist ein Verteidigungskampf. Es ist keiner mehr, der ein deutsches oder europäisches Rechtsverständnis, eine deutsche Lebensart und Alltagsorganisationsform, einen europäischen Säkularisationsgrad oder ein abendländisches Kulturverständnis mit Durchsetzungsanspruch in die Welt trüge – wir sind in diesem Sinne Kulturrelativisten nicht so sehr aus Einsicht in die Stimmigkeit dieses Ansatzes, sondern aus Einsicht in die Schwäche der eigenen Position und Lage:

unmöglich, weiterhin auszugreifen, wo doch das Eigentümliche, das Spezifische sogar im eigenen Beritt in Frage gestellt oder offen angefeindet und angegriffen wird – von den Fremden, die das Vakuum spüren und es auszufüllen beginnen, und von den eigenen Leuten, die mit großer Verachtung auf das Eigene, mit großem Vertrauensvorschuß aber auf das ganz Fremde blicken und sich von dort irgend­etwas erhoffen – etwas Befreiendes, etwas Ablenkendes, etwas Besseres, eine neue Garderobe, irgendeine kulturelle Metamorphose …

Und dennoch hat Karlheinz Weißmann vor gut einer Woche den bereits erwähnten Artikel über die Chancen rechter Politik in der Jungen Freiheit veröffentlicht, Chancen, die er als »So günstig wie nie« einschätzt. Was äußert er und worauf will er hinaus?

Weißmann kommt zunächst mit Peter Graf Kielmansegg auf die »eklatante Zukunftsschwäche« der Demokratie zu sprechen, die keine großen, rücksichtslosen Würfe in die Zukunft wagen könne, weil sie aufgrund der Wahlabhängigkeit auf die Gegenwart fixiert bleibe. Darin liege aber auch der Vorteil einer politischen Lern- und Korrekturfähigkeit, und diese Annahme führt Weißmann zu seinem eigentlichen Thema: der Frage nach den Betreibern und Akteuren der Korrektur, und diese Akteure sieht er – kaum verwunderlich! – auf der rechten Seite.

Wichtig an Weißmanns Ausführungen ist die Einsicht, daß kaum etwas von dem, was zur Rettung des Vaterlandes geschehen müsse, von alleine geschehe. Anders ausgedrückt: Was geschehen kann, mag sich als amorphe Tendenz abzeichnen; in Form gebracht, politisch gemacht, also innerhalb des politischen Systems als Möglichkeit erkennbar und anfaßbar gemacht, wird diese amorphe Tendenz hingegen nicht durch die Kräfte und den Druck irgendeines überpersönlichen Ablaufes an sich, sondern immer von entschlossenen Einzelnen, Gruppen, Bewegungen.

Als Fragestellung ausgedrückt:



Was muß nun rasch und klug von unserem Lager organisiert und vorgebracht werden, damit nicht wiederum diejenigen zu den entscheidenden Ordnungskräften im Chaos werden, die es selbst gegen jedes bessere Wissen angerichtet haben – mit einer unglaublichen Arroganz dem ihnen anvertrauten Volk gegenüber? Denn der Machterhaltungstrieb der Altparteien ist stärker ausgeprägt als alles andere, was man ihnen sonst noch zuschreiben möchte, und ihre Witterung für kommende Mehrheiten ist fein wie die von Drogenhunden.

Weißmanns Versuch einer Handlungsskizze für die kommende Umbruchsepoche ist vage und andeutend. Er erinnert in der Neigung, alles oder nichts für möglich zu halten, an den jüngst verstorbenen Soziologen Ulrich Beck. Von ihm sagte Peter Sloterdijk einmal, er prognostiziere ständig "bürgerkriegsähnliche Zustände in den kommenden Jahren, mindestens jedoch Tarifverhandlungen."

Weißmann nun hofft für unser Land – Jacob Burckhardt zitierend – auf eine Phase "beschleunigter Prozesse", auf eine Phase also, in der "die Dinge ins Rutschen kommen". Er schreibt:
Vieles spricht dafür, daß genau das jetzt geschieht und Turbulenzen zu erwarten sind. Die führen dazu, daß noch der Geduldigste die Geduld verliert, daß das, was eben noch als selbstverständlich galt, es jetzt schon nicht mehr ist, daß das, was gestern tabu war, heute die Spatzen von den Dächern pfeifen, und daß Personen und Ideen, die bis dato niemand kannte und niemand ernstgenommen hat, ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Soweit, so Ulrich Beck. Was aber heißt das für uns? Daß Weißmann dieses "uns" als den schillernden Regenbogen wahrnimmt, der es ist, zeigte seine Typenaufzählung von oben. Aus diesem bunten Haufen nun eine politische Einheit zu schmieden, sei die zu leistende Aufgabe. Weißmann:
Um das zu erreichen, bedarf es zuerst der entscheidenden Tugend des echten Politikers: der "geschulten Rücksichtslosigkeit des Blickes in die Realitäten" (Max Weber), und das bedeutet Einsicht darein, was geht und was nicht geht. Dazu bedarf es weiter der klaren Scheidung von denen, die sich dem größeren Ziel – dem Zugriff auf die Macht – nicht unterordnen, wie von denen, die die geltenden Verfahrensregeln nicht akzeptieren wollen. Dazu bedarf es schließlich der Klärung, wie denn die Alternative der Alternative jenseits des politischen Klein-Klein aussehen soll, nicht nur, auf welche Parolen die zu bringen ist, sondern auch welche Weltanschauung ihr zugrunde liegen soll.

Einsicht in das, was geht, klare Scheidung von denen im eigenen Lager, die den Zugriff auf die Macht vergeigen, Klärung des weltanschaulichen Fundaments – dies also sind wohl die zentralen Aufträge an die metapolitische Besenbrigade, und der Jungen Freiheit kommt, als wichtigstem Organ unseres Lagers, vor allem in Fragen der klaren Scheidung von denen, die man auf dem Wege zur Macht nicht neben oder vor sich herumtoben sehen möchte, dabei eine zentrale Rolle zu, der sie mit einem für den politschen Gegner in hohem Maße zugleich irritierenden wie erfreulichen Hygienefimmel durchaus gerecht wird.

Es gäbe zwar wahrlich Wichtigeres: eine "Politeia" zu schreiben, ein konservatives Maximum sozusagen, eine metapolitische Wegweisung, verfaßt mit der "geschulten Rücksichtslosigkeit des Theoretikers für die Praktiker"; aber das Säubern der eigenen Reihen scheint eben vordringlich zu sein auf einem Spielfeld, das sich doch wie ein riesiger leerer Raum vor uns öffnet und selbst Spekulationen über genetisch bedingte Reproduktionsunterschiede zwischen Afrikanern und Europäern als das erscheinen läßt, was sie sind: skandalöse Maulwurfshügelchen.

Mehr Spannung, möchte man rufen, mehr Mut, mehr Experiment, mehr Wegwischen von Mißlungenem, von Vorläufigkeit und Situationsbedingtem! Macht mal die Fenster auf, möchte man rufen, packt mal den Raumspray weg!

Indes:



Wozu sich damit aufhalten? Vielleicht ist längst von ganz anderer Seite zu erwarten, was andernorts vor lauter "Einsicht darein, was geht und was nicht geht", nicht geleistet wird: Vor zwei Wochen erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Beitrag unter dem irreführenden, leserabwehrenden Titel "Die wehrhafte Wut des Winkelzahnmolchs".

Dieser ganzseitige Beitrag ist ein politisches Porträt des stellvertretenden Landesvorsitzenden der AfD in Baden-Württemberg, Marc Jongen. Jongen war Assistent am Lehrstuhl Peter Sloterdijks, arbeitet noch immer als Philosophiedozent an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und steht vor dem Abschluß einer philosophischen Grundlegung der AfD: Er nennt sein noch unfertiges Werk ein "Manifest".

Das Helfende, das Erleichternde an Jongens Ansatz gleich vorweg: Obwohl ihm die beiden Journalisten – Reinhard Bingener und Justus Bender – ein Stöckchen nach dem anderen vor die Beine halten und ihm den Fußball dicht vors leere Gehäuse legen: Jongen schießt die billigen Tore nicht und absolviert nicht den gewohnten Hürdenlauf. Er sieht vielmehr überall, wo für und nicht gegen Deutschland Politik gemacht wird, viel mehr Gemeinsames als Trennendes, und vor allem weitet er den Blick auf eine der Grundvoraussetzungen einer gelingenden "Verteidigung des Eigenen": auf den notwendigen Zorn, mit dem den hyperidentitären, durchsetzungshungrigen, uns fremden Kulturen und Ideologien entgegenzutreten sei.

Jongen bezeichnet die flächendeckende Wehrlosigkeit der Deutschen als "thymotische Unterversorgung" und greift damit auf die antike Trias der Lebenstöne oder – in seiner Diktion – der Seelenfakultäten zurück: den Logos (die Vernunft), den Eros (die Lust) und eben den Thymos (den man in einem Bedeutungsfeld aus Mut, Zorn und Empörung ansiedeln kann).

Daß diese Seelenfakultäten in einer dissonanten Harmonie zueinander stünden und ständig zu einem Ausgleich gebracht werden müßten, ist die Grundlage jeder in die Natur des Menschen einsichtigen, philosophisch gespeisten Erziehungslehre, und seinen literarischen Niederschlag fand diese Ausgleichsarbeit in Hölderlins Bildungsroman Hyperion, der die Lebenstöne des Idealischen, des Naiven und des Heroischen und ihren unausgesetzten Wechsel und Ausgleich, ihre Reibung und Spannung zum Thema hat und in sich aussöhnen mochte.

In Deutschland ist das alles nicht ausgesöhnt. "Thymotische Unterversorgung" als philosophisches Erklärungsmuster hinter der Entmännlichung unseres Volkes bei gleichzeitiger Forderung nach einem überlebensnotwendigen Wechsel in diese Tonlage des Zorns: Das ist ein unserer Lage angemessener Ansatz. Er soll nicht blind sein, dieser Zorn, aber er muß erst einmal wieder in sein Recht gesetzt werden, und zwar vor aller "Einsicht in das, was geht und was nicht".

Denn hätte man – um ein Beispiel aus der AfD selbst zu bringen – auf diejenigen Ratgeber gehört, die für den Abgang Henkels und Luckes das Ende der Partei prognostizierten und jüngst vor einer Entwicklung der AfD zu einer "Lega Ost" warnten:



Wir hätten alle einer völligen Marginalisierung der grundsätzlichen, rechten Kräfte innerhalb der Partei beiwohnen dürfen und als Ergebnis der "geschulten Rücksichtslosigkeit des Blicks in die Realitäten" die Eingliederung der AfD in die Rolle eines Mehrheitsbeschaffers für die CDU miterlebt – mit Personal, das schon immer zum Establishment dazugehörte und weiterhin dazugehören will, und mit ausgewählten Neulingen, deren Wunsch, dazuzugehören, als Ausweis für ihre Politikfähigkeit und Einsicht ins Blablabla diente.

So aber, mit der Verankerung der thymosfähigen Kräfte in der Partei, ist sie in die Funktion gerückt, die ihr Marc Jongen in seinem Manifest zuschreiben wird: Einzig die AfD lege "Wert darauf, die Thymos-Spannung in unserer Gesellschaft wieder zu heben", sagt er. Und entlang dieser von ihm begrüßten und geförderten Aufgabe seiner Partei deutet und bewertet Jongen nun die thymotisch straffer als der Westen aufgespannten Ostverbände.

"Ich bin kein Gegner von Höcke", gibt er zu Protokoll. Nach Jongens Auffassung, notieren die beiden FAS-Redakteure,
weisen auch die vom Höcke-Lager organisierten Demonstrationen wie in Magdeburg in die richtige Richtung. Sie seien Mittel gegen die Thymos-Schwäche der Deutschen. (…) Das zentrale Ziel der ›Psychopolitik‹ der AfD müsse es sein, den deutschen Thymos wieder hochzuregulieren.

Was aber, wenn eine Steigerung des Thymos die Grundordnung der Gesellschaft bedroht?, fragen die Autoren. Jongen antwortet:
Damit ist eine Gefahr angesprochen, das leugne ich überhaupt nicht. Diese Gefahr muß man aber auf sich nehmen, wenn man der existentiellen Großgefahr eines Verschwindens der deutschen Kultur begegnen will. Dann muß man mit diesen Dingen umgehen und leben.

So klingt ein selbstbewußter Ton! Die Frage nach der Kontrollierbarkeit einer Revolte ist als hemmendes Moment, als Logos-Anteil in der herbeigewünschten, thymos-satten Zeit, ohne Frage von großer Bedeutung. Aber dennoch: Zunächst muß auf eine Revolte hingedacht und hingearbeitet werden, auf eine Revolte gegen den Großen Austausch, um den Titel eines Buches aus der Feder des französischen Vordenkers Renaud Camus zu zitieren, der zur fruchtbaren Lektüre Marc Jongens gehören könnte.

»Revoltiert!« heißt einer der von Martin Lichtmesz übersetzten Texte von Camus, die im Verlag Antaios in wenigen Tagen erscheinen, und letztlich münden dessen Ausführungen ebenso wie die Jongens oder unsere eigenen in folgender Überzeugung:

Wir alle haben nicht so sehr Furcht vor dem Maß an Veränderung und Umwälzung, das uns eine Revolte brächte, als vielmehr Angst davor, daß in unserem Volk die Kraft, die thymotische Energie zu einer erfolgreichen Verteidigung des Eigenen nicht mehr ausreiche. Die logos-zentrierte Mäßigung der Deutschen muß ebenso zugunsten einer dringend notwendigen Thymos-Spannung zurückgedreht werden wie die eros-abhängige Konsumzufriedenheit und Verhausschweinung.

Wir dürfen gespannt sein auf Jongens "Avantgarde-Konservatismus", wie er sein Manifest vorgreifend unter anderem bezeichnet. Es wird keines sein, daß sich vornehmlich der Hygiene auf den Treppenstufen zur Macht widmet, sondern ein echter Überflug, der einordnend, relativierend und mobilisierend zugleich wirken und vorpreschende Parteifreunde oder auch jene außerhalb der AfD begrüßen wird, die an der Ausweitung der Kampfzone, an der Steigerung der Spannung, und das bedeutet: an der Vertiefung des Risses durch die Gesellschaft mitwirken.

Keinesfalls also wird es ein vages, neblig-distanzierendes Manifest werden, und das wird diese Politeia fundamental von derjenigen unterscheiden, die noch immer nicht geschrieben ist, aber sicherlich bald mit Einsicht in das, was geht (und vor allem: wer mitgehen darf) geschrieben, zum Zeitpunkt ihres Erscheinens aber leider so von den Realitäten planiert sein wird wie die Schoepssche Preußenrenaissance von 1960.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (91)

Paul
28. Januar 2016 23:29
Köln war doch ein häßliches Geschenk des Himmels, da es die Regel "alle Abhilfe kommt durch die Veränderungen außerhalb Deutschland" relativierte. Schauen wir uns aber im Lande um, wird deutlich, daß die große Angst -- fast schon wie in der DDR -- die allermeisten fest im Griff hat. Weissmanns Disziplinierung und Kubitscheks Aktionism werden Gegensätze bleibe -- ob nun mit oder ohne Manifest aus dem Süd-Westen. Die Massendemokratie als Medien-Demokratie funktioniert ganz anders, viel trivialer: der allabendliche Flimmer-Bildschirm regiert das trübe Bewußtsein des Michels zuverlässig. Doch wird schon bald ein neues Köln, ein Köln 2, die Schraube weiterdrehen helfen. Bis dahin: Demonstrieren! Demonstrieren!! Demonstrieren!!!
Herr Kubitschek, neulich beim einjährigen Jubiläum in Leipzig -- waren Sie und/oder Ihre Leute nicht mit dabei: das widerspricht Ihrer hier zur Schau gestellten Haltung!!
Na dann bis zum 6. Februar in Dresden ...
Simplicius
28. Januar 2016 23:38
Ja, Sie haben Recht mit Ihrer Kritik, Herr Kubitschek; auch mir als altem Karlheinz Weißmann-Fan macht es schon zu schaffen, dass er in der jetzigen nationalen Ohnmachts-Lage - ziemlich leiser Volkstod durch Selbstaufgabe mit leichten Zuckungen (Pegida, AfD), und wo doch machtpolitisch nun wirklich noch gar nichts ins Rutschen gekommen ist - sich allen Ernstes bedeutungsschwer daher kommende Gedanken über das Aussortieren von gemeinsamen oppositionellen nationalen Widerstandskräften macht. Wie Sie schreiben: „das Säubern der eigenen Reihen scheint eben vordringlich zu sein…“ – Oje.
Ostelbischer Junker
29. Januar 2016 00:38
Ich bin positiv geschockt von Herrn Jongen, wenn er im oben erwähnten FAZ-Artikel von einer ,,neodarwinistischen Kulturtheorie" spricht. Erkennt man da nicht einen hier vertretenen Ansatz: Greenpeace für Deutschland?
Dass man nicht alleine ein Survival of the fittest (denn wir sind ja im Sinne der globalistischen Ideologie einfach nicht fit genug für die neue entgrenzte Zeit -geistig und genetisch krank, wie die Gegenseite ja nicht müde wird zu behaupten) propagiert sondern sich aus der Position der Stärke, die die weiße Menschheit und das deutsche Volk ja noch innehaben (vor allem im Technischen und militärischen Bereich) selbst zurück nimmt und seine Heimat, sein eigenes Ich und sein Volk als schützenswertes Biotop begreift, auf dass man nicht permanent die Bagger und Planierraupen loslässt. Fast schon ritterliche Vorstellungen.
calculus
29. Januar 2016 06:08
"Einsicht in das, was geht"

Eine klasse Wortwahl für die Aussage des genannten Artikels (und den kleinen Nadelstich), wird doch sogleich die Assoziation zu einem Spruch geweckt, den man in der DDR zu jedem (un-)passenden Zeitpunkt zu hören bekommen hat:

"Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit."

Friedrich Engels
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gefl%C3%BCgelter_Worte/F#Freiheit_ist_Einsicht_in_die_Notwendigkeit
leser
29. Januar 2016 08:03
Viele Dank für diese Ausführungen,Herr Kubitscheck!
Irgendwo habe ich vor einiger Zeit gelesen , weiß aber leider keine Quelle anzugeben:"....Wenn Widerstand dann nur vonseiten der Rechten. .." Kann es sein, dass man das einkalkuliert hat und deshalb diese Invasoren zur Bekämpfung gerholt hat und einsetzen würde bzw. wird? Zwei Fliegen...... Das Volk muss nicht weggebommt werden im nahen Osten, Staat geschwächt, weil zu wenig Volk im Staat u d hier können die agressiven Kräfte gut verwendet werden. Bei einer Revolution sind sehr wichtige Punkte zu beachten. Für wichtig halte ich auch ein Zusammenspielen Europas von großer Bedeutung. Ansätze si d ja vorhanden. Vor allen Dingen ist Frankreich von Bedeutung. Ich hoffe sehr auf Erfolg, so kann es nicht weiter gehen. Vielleicht wartet Polizei und BW auf Veränderungen. Dort gibt es doch Kräfte, die ebenfalls eine Änderung erhoffen. Ich auf jeden Fall werde alle und alles für unseren Frieden unterstützen.
Frontliner
29. Januar 2016 08:58
Sehr erfreulich, gleich zwei neue Einträge von GK dieser Tage zu lesen. Wurde aber auch Zeit!
Wie einige andere Kommentatoren sehe ich auch die Gefahr, dass die politischen Volksumwandler die Gewöhnungsphase abwarten und nun schrittweise Schein-Beschlüsse kommunizieren (siehe Asylpaket II). Wie GK schreibt, der Drang zum Machterhalt ist unendlich groß.

Dadurch wird sich ein bereits sensibilisierter Teil des Volkes befriedet fühlen, denn die Medien liefern zuverlässig die Bilder und Berichte, und vor der eigenen Haustür ist es ja noch immer ruhig.
Hier müssen wir noch aktiver werden und bessere Memes (online) und Handreichungen (offline) erstellen und verbreiten sowie auf die Straße (Pegida und Co.). In der WirtschaftsWoche 4 vom 22.01.2016 widerlegt z.B. H.-W. Sinn sechs "Denkfehler" der Asylpolitik. Kurz, prägnant, eingängig – in Zeiten von Social Media war es nie einfacher für uns.

Es gilt unsererseits nicht müde zu werden, immer wieder an die Missstände zu erinnern. Ich lese hier oft, die Zeit der Bestandsaufnahmen ist vorbei. Nein, ein Großteil des weniger interessierten und von Arbeitsethos befallenen Volkes weiß eben noch nicht (WOHER AUCH???) bspw. vom millionenfachen Rechtsbruch. Wir sollten hier nicht voller Arroganz (das macht die Politik ggü. Pegida und Co. schon genug) auf das eigene Volk blicken, sondern aufklären, aufklären, aufklären.

Ganz nebenbei muss natürlich die Vernetzung im Vordergrund stehen, so wie es EinProzent sehr gut vormacht.
Freunde, bleibt standhaft. Sport frei.
Exmeyer
29. Januar 2016 10:46
"Wir hätten alle ... die Eingliederung der AfD in die Rolle eines Mehrheitsbeschaffers für die CDU miterlebt "

Das fürchtet die SPD noch heute. Die CDU kann keinen Lagerwahlkampf mehr machen, die SPD kann wählen, ob sie einen macht oder als Juniorpartner der CDU auftritt. Ihre strukturelle Schwäche in allen Wählergruppen, außer den Uraltrentnern kann sie somit relativieren.
Entsteht unter leicht veränderten Vorzeichen eine machterhaltungs-pragmatischere CDU der nächsten Generation, dann kommt die AfD natürlich zur Frage, wie man mit einer Offerte der CDU umgehen will.

Für uns ist das die Rolle der AfD nicht. Sie spielt die Rolle deś Beschleunigers der Dynamik, also eines Katalysators. Die an den derzeitigen Zuständen - innerhalb und außerhalb der Union festhaltenden Kräfte werden durch ihre Angst, daß ganz deutlich Veränderungen am Himmel abzulesen sind, selbst aus Unfähigkeit die Dynamik beschleunigen. Ralf Stegener hat es vorgemacht.
donna_alta
29. Januar 2016 11:30
@Frontliner
Das ist die Devise: Aufklären! Die Gefahren, die Sie beschreiben sind nicht zu unterschätzen. Ich habe auch größte Befürchtungen vor einer "verbalen Befriedung" der Situation. Heute las ich online die Inhalte des Asylpakets II. Alles nur Willensbekundungen und selbst die nicht mal halbherzig. Uns ist das ja auch klar, ohne es lesen zu müssen. Aber wieviele Menschen lassen sich damit wirklich beruhigen?
Ich nehme wahr, dass es in meinem Umfeld nicht wenige gibt, die nach "Köln" eine innere Wende durchgemacht haben. Im Übrigen sind das vor allem Frauen. Und die das Bedürfnis und auch den Mut gefunden haben, darüber zu reden. Die Sensibilität für tiefer gehende Gedanken ist bei so manchem jetzt da. Ich spüre das, wenn ich in solchen Gesprächen die Frage stelle: Wie stellen Sie sich denn unser Land in zehn Jahren vor, wenn jedes Jahr Millionen von afrikanisch/arabisch/muslimischen Männern zu uns kommen und bleiben werden? Was soll aus unserem Land Ihrer Meinung nach dann werden? Da muß man nicht mehr über Bezahlbarkeit von Integration oder einem nahenden wirtschaftlichen Kollaps oder gar den globalen Akteuren, die hinter der Zerstörung Deutschlands und ganz Europas stehen, reden. Wer sich um eine ehrliche Antwort auf diese Frage müht, kommt in ein Gespräch über alles, was uns so sehr bewegt.
Natürlich gibt es auch Unbelehrbare, die selbst dann noch die "Rechten bekämpfen", selbst wenn die Invasion bereits brutal in den eigenen vier Wänden angekommen ist. Mit denen muss man sich nicht weiter befassen.
Und mit dieser Aufklärung verbinde ich persönlich soetwas, wie einen Auftrag. Ich wünschte für solche Gespräche argumentative Handreichungen, die man nutzen könnte, als Rüstzeug sozusagen. (Man kann gar nicht soviel lesen, wie man gerne möchte. Mir geht es zumindest so.) Könnte EinProzent soetwas leisten, auch eine Vernetzung, die gleichzeitig uns allen hier auch als Kraftquelle dienen kann?
Das Neue Forum hat sich 1989 in kleinen, lokalen Zellen getroffen und agiert. Und das alles ohne Internet, o.ä. Komminikationsmitteln.
Pilgrim
29. Januar 2016 11:45
Seit Jahren klagt man (auch hier) über die Uneinigkeit der Rechten in Deutschland. Auch in diesem Beitrag erkennt man Spuren der fast schon ewigen Polemik zwischen dem "Thymos"-Kubitschek (und auch -Höcke, -Patritosche Plattform usw.) und "Logos"-Weißmann (+Dieter Stein, Meuthen, Pretzell, ... - you name it).
Aber ich möchte hier auf einen weiteren klugen Kopf von der Szene aufmerksam machen: Hans-Thomas Tillschneider, auch aus dem "bösen Osten". Er verweist nämlich ganz zu Recht in einem seiner Beiträge auf der Webseite der Plattform, daß eine Formation wie AfD leider die Aufgabe bekommt, nicht nur EINE politische Strömung zu vertreten, sondern das ganze Spektrum der mündigen Bürger von links- bis zu rechtsaußen,, die in Deutschland wieder echte Politik anstatt die leere suizidale Farse des gegenwärtigen Machtkartells sehen möchten. Implizit sagt Tillschneider voraus, in so einer Lage werde sich die AfD bald auch teilen müssen, um einem normalen authentischen Ideenstreit, obwohl mit dem kleinsten Nenner Patriotismus und Erhalt des Volkes und Staates, Platz zu verschaffen.
Das heißt, keine Angst mehr vor Uneinigkeit! Das Dunkeldeutschland (Pack und Mischpoke, fragt man Heiko Maas, wie man das am besten benennt) ist im Moment stark genug - aufrichtigen Dank gilt auch Euch, Ihr brave kölsch-nordafrikanische Gynekologen! - um schon eine grobe Differenzierung leisten zu können. Kommen in Westen und Südwesten besser Leute voran, die auch am geschlossenen (weil zu stark kulturbereicherten) Hallenbad stehend, eher gegen Energiewende und Euro hetzen als gegen den Austausch? Dann lasst man sie. Gleich daneben kann man noch einen viel böseren Hetzer (wie die von Pegida-München) vorstellen, die weniger Angst vor Klartextreden haben. Der Michel-Haushalt teilt sich dann entsprechend, wobei der bangere Teil mit Meuthen geht, der tapfere mit Stürzenberger. Bei nur einer Möglichkeit hingegen könnte der ganze Haushalt unentschlossen und daher auch nutzlos bleiben.
Lehrt man denn auch von den Linken: eine einheitliche SPD (dh. alle rote Spinner und Gutmenschen in einer Einheitsbrei) hätte bestimmt schwächere Unterstützung gehabt als die nun vorhandene rot-rot-grüne Kombination.
Eigentlich, als Lutz Bachmann im Spätsommer mit Reden über einer Pegida-Partei begann, dachte ich zuerst, da entlarve sich ein Provokateur im Dienst einer fremden Macht. Jetzt bin ich nicht mehr so aufgeregt und bin bereit, zuzulassen, auch eine solche Entwicklung wäre keine richtige Tragödie gewesen.
Eckesachs
29. Januar 2016 11:49
,,Vielleicht ist dies sogar das, was mich am meisten erschreckt hat in den vergangenen Monaten: daß wir eigentlich jeden Kopf kennen, der in der Lage ist, Widerstandspositionen zu formulieren. In einem 80-Millionenvolk kennen wir kennen wir jeden solchen Kopf. Das ist kaum zu glauben."

Götz Kubitschek, Sezession 69

Geben Sie es zu. Den kannten Sie nicht. Und viele andere kennen Sie auch ( noch) nicht.

Ich habe diesem Satz sofort innerlich widersprochen, mit einer gewissen Empörung.

Allein ich, ein Provinzler erster Ordnung, ein Bauer mit Gummistiefeln, kann Ihnen eine gute Handvoll solcher Leute zeigen. Die sagen nur nichts, jedenfalls noch nicht.

Weitermachen. Widerrede überall. Selbst beim Frisör rede ich nicht über das Harmlose.
Gegendarstellung.
29. Januar 2016 11:54
@ donna_alta

Eine Vernetzung über EinProzent ist relativ einfach möglich. Dazu aber ein Hinweis aus eigener Erfahrung: Der Eintrag als Mitstreiter über die Seite von EinProzent führt nicht zu einer automatischen Vernetzung, daher am besten noch einmal direkt um eine Vernetzung bitten.
Ich meine aber, daß eher wir EinProzent als Kraftquelle dienen müssen als umgekehrt.
Aristoteles.
29. Januar 2016 11:56
Die Hinweis auf Sloterdijk war sehr gut.
Seine Stimme hat möglicherweise mehr Gewicht als alle Kartellmedien zusammen.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/sloterdijk-attackiert-merkel-ueberrollung-verwahrlosung-luegenaether/12893276.html

Sloterdijk gehört auf unserer Seite. Zieht ihn an Land.
Er würde sich nicht nur einen Eingang in ein paar intellektuelle Bücherregale oder ins ZDF-Abendprogramm verschaffen,
sondern in die Geschichtsbücher späterer Generationen.
leser
29. Januar 2016 12:00
Wenn es schon Bürgerwehren gibt, wird es sicherlich bereits kleine Gruppen geben, die sich vernetzen können. Es wäre schön, wenn einprozent jetzt schnell reagieren würde, damit man weiß, an wen man sich wenden kann. In meinem Umfeld gibt es nur einen schwierigen Fall, Polizist, pensioniert. Sonst sind alle aufgewacht und warten, was passiert. Wenn jemand oder ein Zusammenschluss wie einprozent in Verbindung mit Compact anfangen würden, etwas zu organisieren, wären sicher viele bereit einzusteigen. Ob der Natofunk GEZ noch funnktioniert, wage ich zu bezweifeln. Es wird immer suggeriert, dass viele noch schlafen. Ich kann das in den letzten Wochen nicht feststellen. Allerdings der Westen, gerade hier in Köln, ist es schwierig.
Exmeyer
29. Januar 2016 12:13
Zu dona alta / "aufklären": Aufklären ist nichts. Ein Vorbild sein ist alles. Ruhige, kühle Überlegenheit. Die hektisch-verzweifelten Aufklärer, die ich aus meinem Umfeld kenne, machen die scheuen Pferde nur noch scheuer. Dieser Typus wird ganz zu recht gemieden. Dieses Meiden ist nicht sachbezogen, sondern man meidet alle Anzeichen von Schwäche. Das "Aufklären" klingt für 90% der Nichtaufgeklärten wie ein einziger Hilfeschrei. Seinlassen! Wer nicht aus eigener Kraft dahinter kommt ist entweder grenzdebil oder ein Waschlappen. Schadet nur.

Der Magnet der Menschen ist gelassene Stärke und unverrückbare Geradlinigigkeit. Dann kann man ganz beiläufig mal eine Info fallenlassen.

Wichtiger ist, daß jeder andere SEHEN kann, wo man steht, ohne daß man auch nur ein Wort gesagt hat.
bernardo
29. Januar 2016 12:43
Nun ja, die Junge Freiheit verhebt sich doch völlig mit dem Versuch, irgend einen Einfluß auf die innere Entwicklung der AfD zu nehmen. Da laufen die Linien doch ganz anders und völlig unabhängig von dem, was Weißmann oder Stein schreiben oder wollen. Mit der absehbaren Multiplikation der Mandatsträger und der Entwicklung der parteiinternen Medien wird sich der innerparteiliche Prozeß davon noch weiter entfernen.

Marc Jongen ist ein interessanter Denker, aber ob die AfD einen Parteiphilosophen braucht, wage ich zu bezweifeln. Man weiß, was man will und "Thymos" ist reichlich vorhanden, sonst gäbe es den Verein nämlich gar nicht.
Nero
29. Januar 2016 12:56
@Exmeyer


Ruhige, kühle Überlegenheit. Die hektisch-verzweifelten Aufklärer, die ich aus meinem Umfeld kenne, machen die scheuen Pferde nur noch scheuer. Dieser Typus wird ganz zu recht gemieden. Dieses Meiden ist nicht sachbezogen, sondern man meidet alle Anzeichen von Schwäche. Das „Aufklären“ klingt für 90% der Nichtaufgeklärten wie ein einziger Hilfeschrei. Seinlassen!


Das ist goldrichtig. Da möchte beipflichten.
Allerdings schadet es nicht auch klare Worte zu finden.
Niemanden überreden, einfach klar sagen was Sache ist.

Ich gebe zu auch einer dieser Warner gewesen zu sein. Heute muss ich über mich selbst lachen...
Seitdem ich einfach trocken und knallhart aus dem Nichts meine Meinung ruhig aber bestimmt kundtue, merke ich wie die Leute erleichtert nicken.

Eine sprachlicher Schliff ist auch hier sehr hilfreich.

Dann macht man nicht nur den Eindruck von Stärke, sondern hat auch eine gewisse Ästhetik. Das zieht an...
Winston Smith 78699
29. Januar 2016 13:16
@ donna_alta

Das ist die Devise: Aufklären! Die Gefahren, die Sie beschreiben sind nicht zu unterschätzen. Ich habe auch größte Befürchtungen vor einer „verbalen Befriedung“ der Situation.


Wie? Antwort von @ Frontliner:

Hier müssen wir noch aktiver werden und bessere Memes ... erstellen


Wer soll das tun? Antwort von @ Eckesachs:

Allein ich, ein Provinzler erster Ordnung, ein Bauer mit Gummistiefeln, kann Ihnen eine gute Handvoll solcher Leute zeigen. Die sagen nur nichts, jedenfalls noch nicht.


In welcher Form?

Hier ein variierbarer Vorschlag von mir von gestern Abend.

Dagegen (?) @ Exmeyer :
Aufklären ist nichts.


Wie wäre es mit bündeln, sichtbarmachen, verstärken? Derzeit vereinzelt sich all dies noch in individuellen Blogs und Videos. Außerdem frage ich: was soll es denn schaden? Widerspräche denn ein solches Gemeinschaftsprojekt anderen Bewegungen?

Meme, die mir spontan einfallen: das Burgerking-Bürgerkrieg-Logo; die Kanzlerin wirft die deutschland-Fahne weg; die Kanzlerin verhält sich bei der Verleihung der Freedom-Medaille blamabel ; der fragende Chemiker wird rausgeworfen ; die singenden Katzen usw.

Und das sind noch nicht einmal die persönlichen Erfahrungen der Leser.
der Gehenkte
29. Januar 2016 13:24
Es wird Zeit, endlich wieder über die Grundlegungen zu sprechen. Denn so wichtig die direkte Aktion auch sein kann und ist, so zwingend muß sie theoretisch unterlegt sein. Sonst ist sie blind und in der Regel kontraproduktiv, weil sie vom politischen Gegner ohne großen geistigen Aufwand diskreditiert und umgewendet werden kann – das geschieht gerade massiv und es zeugt von politischer Naivität. Daher ist ein Sellner mit den Identitären Aktionen Gold wert, im Vergleich mit Spontanaktionen, Brandflaschen und selbst Festerling-Reden.

Umso größere Hoffnungen mag Jongen erwecken, auch wenn ich „Hoffnung“ für ein gefährliches Gift halte. Wenn man den „Winkelzahnmolch“ liest, zwischen den Zeilen natürlich, dann offenbaren sich aber auch kommende Widersprüche. Zum einen scheint Jongen noch immer an der Sloterdijkschen Nabelschnur zu hängen, wird umgekehrt aber zusehends verstoßen. Vor ein paar Jahren sprach Jongen noch von einem „intellektuellen und biografischen Näheverhältnis“ und vom „Starkstromdenker Sloterdijk“. Sloterdijks launisches „Mit dem AfD-Ideen-Müll habe ich nichts zu tun“ könnte Jongen ernsthaft verletzen, wenn die Beziehung tatsächlich so intensiv ist, wie angedeutet.
Aber Sloterdijk hat recht! Im Moment stellt die AfD oft nichts anderes dar, als einen ideellen Müllhaufen, auf dem mancher stolzer (Thymos in Kleinform) Hahn steht und seine Parolen in die Welt krächzt. Wie wunderbar man die AfD damit zerlegen kann, haben bei Illner Halbintelligenzen wie Roth und Strobl bewisen, denen es genüßlich gelingt, Meuthen mit Versatzstücken des Mülls zu zerlegen.

Wenn Jongen sich auf die Begrifflichkeit Sloterdijks verläßt, dann ist er verlassen – denn er ist kein Sloterdijk. Was er im Interview tut, ist „Zorn und Zeit“ und „Gottes Eifer“ auf die deutsche Situation anzuwenden. Dabei behandelte Sloterdijk den Thymos gerade als nicht-deutsches, als vormodernes Phänomen, das man in der europäischen Geschichte ebenso findet, wie im Wutkapital der Muslime und unreformierten Kirchen. Ausgenommen „Letzte Ausfahrt Empörung“ – eine Empfehlung an alle.

Wir nehmen für uns in Anspruch, die bereits beschlossene Integration nicht zu wollen - was aber, wenn das deutsche Volk eine "thymotische Überversorgung" nicht will?

Wichtiger wäre es noch, solche Leute wie Sloterdijk zu gewinnen und das geht eben nur durch einen superben metapolitischen Einsatz. Zwar war Sloterdijk wohl potentieller SPD-Wähler aber das Herz seines Denkens ist universalistisch-konservativ – Nietzsche, Heidegger, Jünger, Spengler, Schmitt … tauchen immer wieder und häufiger auf. Ich habe lange schon auf eine Äußerung zur Lage gewartet, spätestens nachdem Safranski sich offenbart hat, aber von der Merkel-Parodie und der „Ausfahrt“ abgesehen, kam bislang noch nichts, soweit ich sehe.

Nun also waiting for Jongen.
Der Gutmensch
29. Januar 2016 13:26
Sloterdijk tut das, was er immer gemacht hat: Er vermeidet es, die richtigen Fragen zu stellen.

Es gehört nun wirklich nicht besonders viel zu der Erkenntnis, dass man nicht unendlich viele Menschen und mit ihnen ihre Mentalitäten und Probleme aufnehmen kann; das ist vielmehr eine Binsenweisheit. Und das hat ein Sloterdijk auch gefälligst auch keinem Ostdeutschen und erst recht nicht der Kanzlerin zu erzählen: Wir leben nämlich seit 25 Jahren mit mehreren Millionen Migranten, die vorher unter den verschiedensten dummen Vorwänden auf dem Gebiet der BRD angesiedelt wurden und die wir auf gar keinen Fall als von uns unterschiedlich wahrnehmen dürfen, damit man vom Westen nicht mit dem Finger auf unsere diktaturgeschädigten Gene zeigt!

Dummer Weise kann man mit anderen aber überhaupt nur dann aus- und klarkommen, wenn man sie in ihren Eigenheiten wahr - also: zur Kenntnis nimmt; das weiß mindestens jeder, der mal im Ausland gelebt hat. Und die, die anderes behaupten, sind derartig beschränkt, dass sie sich bereits beim Cluburlaub international vorkommen - oder sie sind verlogen.

Die erste Frage, die Sloterdijk stellen müsste, lautet also, weshalb genau nun in so kurzer Zeit derart viele Menschen aufgenommen werden, das nun selbst im migrationsgewohnten Westen die Weisheit der Binse zurückkehrt! "Flüchtlingskrise" ist nämlich nur ein Schlagwort - und kein Grund. Aber dafür reicht´s mal wieder nicht. Also hätte er besser den Mund gehalten; dann müsste ich jetzt nicht nach dem Aciclovir suchen gehen.
Sagan
29. Januar 2016 13:40
Ich bin durch die beiden letzten Beiträge von Kubitschek berührt. Bei aller grundsätzlich berechtigten Kritik an Distanzeritis und Hygienefimmel: Ich möchte zu bedenken geben, dass in der gegebenen Situation zur richtigen Einschätzung der Lage auch die richtige Einschätzung der Stimmungslage derjenigen, die sich nicht im weiteren Dunstkreis der eigenen politischen Position befinden, gehört. Man macht da die verblüffende und ernüchternde Erfahrung, dass zwar die ganz überwiegende (fast durchgängige) Einschätzung ist, dass in der Flüchtlingskrise von der Regierung sehr ungeschickt gehandelt wurde, dass "die aber jetzt die Kurve kriegen". Die überwiegende Mehrheit will das so glauben. Ebenso werden die Manipulationen der öffentlichen Meinung durch Politik, Verwaltung und Medien durchaus zur Kenntnis genommen, aber das führt noch nicht zu einer Distanzierung vom "System" an sich. Man will die Sache lieber nicht zu Ende denken, die eigentlich unausweichliche Konsequenz lieber nicht ziehen, den Schwarm nicht verlassen. Es ist frustrierend, es ist deprimierend, aber es ist - so.

Ich spreche das Thema in praktisch jeder sich ergebenden Situation an, beim Buchhändler, beim Friseur, im Sportverein etc., selbst im Beruf - vorwiegend um selber ein Gefühl für die Stimmung zu bekommen, auch um meine Sicht der Dinge und der notwendigen Konsequenzen platzieren zu können. Die Menschen wollen überwiegend noch nicht aus dem Schwarm heraus. Sie suchen Gründe dafür im Schwarm verbleiben zu können. Ein Bekenntnis zur AfD wird nach wie vor als Verlassen des Schwarmes gesehen und deshalb vermieden. Es ist erstaunlich, wie häufig man dabei als Rechtfertigung den Auftritt von Björn Höcke bei Jauch vorgehalten bekommt. Inhaltlich muss der gar nicht diskutiert werden - in seiner Wirkung war und ist er schlicht schädlich, jedenfalls hier im Südwesten. Als Wahlkämpfer fürchtet man sich vor jedem Auftritt Höckes.

Ich schreibe hier als einer, der sich sein ganzes Leben von politischen Parteien ferngehalten, aber im letzten Sommer umgedacht und dann im Rahmen der Herbstoffensive der AfD auf öffentlichen Plätzen gestanden, Flugblätter verteilt, Unterschriften gesammelt hat. Ich habe dabei viel gelernt. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem internen und externen Diskurs, der auf unserer Seite nicht immer akzeptiert oder auch nur verstanden wird. Wer grundsätzlich weltanschaulich auf meiner Seite steht, sich aber so äußert, dass seine Äußerungen für mich im externen Diskurs zur Belastung werden, meiner (eigentlich ja: unserer!) Sache schaden, weil ich im externen Diskurs gar nicht mehr zu den eigentlichen politischen Problemen komme, sondern mich immer mit diesen Äußerungen auseinander setzen muss - der wird dann eben auch zu meinem Problem. Natürlich will ich nicht über jedes hingehaltene Stöckchen springen (leicht gesagt...), aber wenn es immer dieselben Kandidaten sind, deren Holzköpfen diese Stöckchen entstammen, dann muss ich mich irgendwann halt auch mal mit diesen "Mitstreitern" auseinandersetzen. Mit einem Hygienefimmel hat das nicht zu tun.
Gustav
29. Januar 2016 14:29
@ bernardo

".....aber ob die AfD einen Parteiphilosophen braucht, wage ich zu bezweifeln. Man weiß, was man will und „Thymos“ ist reichlich vorhanden.."

Sie müßen aber eine Mehrheit im Volk erreichen, dort den notwendigen Zorn wecken, um im Land etwas bewegen zu können.

Mit einer Handvoll AfDler erobern sie vielleicht eine Kneipe, sicherlich aber kein ganzes Land. Also braucht es viele Verbündete und DENKER, damit die notwendige Tat auch gelingen kann.

Parteienklüngel unter Ausschluß von Leuten wie Jongen (Motto: Wir wissen schon was wichtig ist), ist dem sicherlich nicht dienlich.

Wir haben eh nur noch ein ganz kleines Zeitfenster (wenn überhaupt), da müßen alle, die Veränderungen wollen, an einem Strick ziehen, und die bedingungslos willkommen heißen, die mitziehen wollen und helfen können.
bernardo
29. Januar 2016 16:00
@Gustav

Gewiß will ich Jongen nicht "ausschließen", ganz im Gegenteil! Natürlich brauchen wir viele Verbündete und auch Denker. Nur sollten gerade die Denker ihre eigene Rolle nicht überschätzen, es besteht innerparteilich derzeit wenig Akzeptanz für Welterklärungsattitüden. Wir hatten hier im Landesverband z.B. den Fall Sebastian Moll, der sich selbst für den kommenden Erneurer der bundesdeutschen Theologie aus der AfD heraus gehalten hat und mit größter Selbstverständlichkeit eine führende Rolle beanspruchen wollte. Nachdem man ihm im Kreisverband klar gezeigt hat, wo er eigentlich steht und daß er sich erst mal beweisen soll, ist er prompt ausgetreten. Jetzt zieht er beleidigt durch die Gegend und sieht Parallelen AfD/NSDAP:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article133098452/Aussteiger-sieht-in-AfD-eine-Gefahr-fuer-Deutschland.html

Gerade weil die Zeit drängt, besteht absoluter Konsens, sich auf das Nächstliegende zu konzentrieren, das heißt die zahllosen politischen Elfmeter zu verwandeln, die das Berliner Irrenhaus in den letzten 25 Jahren aufgelegt hat. Schon dafür ist die Personaldecke immer noch sehr dünn.
Arminius Arndt
29. Januar 2016 16:02
Also ich persönlich finde den Herrn Jonge so interessant, dass er es meiner Meinung nach eigentlich nicht verdient hat, hier als Teil 2, ohne Namensnennung in der Überschrift, in einem Beitrag abgespeist zu werden. Er hätte einen eigenen Beitrag verdient und evtl. kommt ja auch einmal ein Interview mit ihm und der Sezession zustande oder gar ein Beitrag von ihm in der Zeitschrift Sezession selber, in dem er seine Gedankengänge etwas genauer darstellt.

Insgesamt ist es gut, dass die AfD auch echte Denker in ihren Reihen vorweisen kann, denn ich bin mittlerweile überzeugt, dass der März in diesem Jahr der entscheidende Monat werden wird. Hat die AfD in den Landtagswahlen Erfolg, dann wird das der größte Schlag sein, der in absehbarer Zeit kommen kann, außerparlamentarischer Widerstand hin oder her, irgendeinen Resonanzboden parteipolitscher Art braucht jede Bewegung. Die AfD ist die einzige erfolgversprechende Partei, die sich derzeit unter diesem Gesichtspunkt anbietet.
Direkte Aktion
29. Januar 2016 16:12
Sehe so langsam die Gefahr, dass sich die AfD selbst zerlegt.
Petry, Meuthen, etc. können es leider nicht. Sie lassen sich vielleicht nicht am Nasenring durch die Quatschbuden ziehen; aber es fehlt ihnen Eleganz, Gradlinigkeit, Empathie, weltanschauliche Härte, Rhetorik.

Und vor allem....mangelt es Ihnen daran Emotionen zu wecken, zu schüren und Hoffnungen entstehen zu lassen. Sie müssten von der absoluten Überzeugung zu siegen durchdrungen sein, und dies bei den Reden und Interviews auch so zum Ausdruck bringen. Aber außer eher harmlosen Gestammel, das dann meist noch im Stakkato-Ton, kommt da nicht viel.

Welch eine Wohltat dagegen, Björn Höcke zuzuhören. Der kann es wirklich. Bei ihm passt wirklich alles. Ihm nehme ich auch ab was er sagt. Deswegen wird Höcke ja auch nicht mehr zu Talkshows eingeladen. Der Aufstieg der AfD begann nach der ARD-Jauch-Runde mit Höcke.

Und heute steht die Partei (noch?) auf Platz 3 - eine rechtskonservative Partei als drittstärkste Kraft in der Antifa-Republik BRD das will schon was heißen. Aber Hallo!

Nur bitte, bitte, falls hier jemand mitliest aus dem oberen Zirkel der AfD: Schickt die Leute in sehr gute Rhetorikkurse. Solche Pannen wie bei Maischberger etc. kann man eine Zeit lang ausbügeln, aber nicht auf Dauer.

Wenn Stegner einen Steckbrief rausholt, dann nicht abwiegeln und verteidigen, sondern in den Gegenangriff; aber mit Schmackes:
- er (Stegner) selbst ist ein geistiger Brandstifter; dann auch mal auf Jusos/Grüne Jugend (Urinieren auf Deutschlandfahnen) und deren Verstrickungen in linke Gewalt verweisen(z. B. Bonn wo die Leute in verdi- und solid (Linksjugend)-Jacken u. Symbolen der Grünen Jugend vermummt Teilnehmer der regionalen Pegida angegriffen hatten, usw).
Videos kann man auf youtube googeln.

Und auch darauf, warum Modratoren niemals mit giftigem Unterton bei Linken, Grünen, Sozis nachfragen, was ihre ("Mischpoke, Pack, Nazis in Nadelstreifen, Demokratiefeinde, Ratten, Rattenfänger, Scheiße, Mob, Gesindel, Dreckslumpen, etc") Äußerungen bei Antifas an Gewalt fördern, wie diese sich als Vollstrecker linken Denkens zu Gewalt berufen fühlen und wie solche Bundestagsparteien und -politiker von CDU, SPD, Grünen, Linken durchaus als geistige Brandstifter gegen Rechts wirken.

Da auch ruhig mal Beispiele live zeigen: Fotostrecken abgefackelter Pegida-Autos, zusammengeschlagene Plakatierer und Flugblattverteiler der AfD, usw. Holt sowas live aus der Jacke und haltes es in die Kameras eines Millionenpublikums; provoziert, eskaliert.

Mut zum Gegenangriff bei und in Talkrunden! Dann aber auch mit fester Stimme, glühendem Blick und sich Dazwischenquatschen von Modration und Gästen vehement verbieten.

Ach man könnte ganze Bücher dazu schreiben....
Winston Smith 78699
29. Januar 2016 16:12
Zu Sloterdijk und Jongen:

Wer auf Worte eines würdigen Vordenkers wartet, ist eines Vordenkers nicht würdig.


Winston Smith, 78.6.99
Realist
29. Januar 2016 16:34
@Gustav

Das Zeitfenster ist mitnichten so klein wie sie glauben. Ein deutsches Rumpfvolk, aus dem neues entstehen kann, wird es noch Jahrzehnte geben.

Womit wir uns aber anfreunden müssen ist der Gedanke, dass die Talsohle noch nicht annähernd erreicht ist, erreicht sein kann, damit der Leidensdruck wirklich groß genug für wirkliche Veränderungen wird.

Es muss noch viel, viel schlimmer werden. Straßen müssen brennen, das Gesetz des Dschungels muss sich etablieren. Kollateralschäden akzeptieren lernen, die Wölfe einen Teil der Herde reißen lassen - das gebietet der kalte Verstand.

Mein Rat - lehnen wir uns zurück, bereiten wir uns mental auf wüstes Ödland vor. Meinetwegen kann wohl noch der eine oder andere Gedanke daran verschwendet werden, wie der Niedergang noch beschleunigt werden kann. Nötig ist das nicht, die Herrschenden schaffen das ganz alleine.

Sammeln wir in aller Ruhe das Heer um uns, machen wir unsere Gedanken kalt und unsere Herzen leer - über Jahre hinweg. Es gibt Speisen, die schmecken kalt am besten.
Aristoteles.
29. Januar 2016 16:36
@Gutmensch

Zu Sloterdijk sagen Sie:
"Also hätte er besser den Mund gehalten"

Sloterdijk kritisiert die BRD-Lügenpresse. Er singt - gegen den BRD-Müllstrom - ein Loblied auf die Grenze. Spricht von einem territorialen Imperativ.
"Dem Nationalstaat prophezeit er jedenfalls ein langes Leben als das einzige, halbwegs funktionierende politische Großgebilde."

Der Tatsache scheinbar ungeachtet, dass Sloterdijks Wort mehr Gewicht hat als das von hundert oder tausend Foristen bei Sezession und Zuerst, lautet Ihre Logik zusammengefasst:
'Jemand ist gegen die Aufnahme von Fremden.
Vor einem Jahr war er noch für die Aufnahme von Fremden.
Ergo: Er soll jetzt gefälligst den Mund halten und nichts gegen die Aufnahme von Fremden sagen.'

Ich rege mich auch manchmal über Wendehälse auf (und dabei weiß ich nicht einmal, ob Sloterdijk einer ist --- haben Sie Belege?).
Warum sollte man eine Meinungsänderung nicht akzeptieren?

Ich kann Gröhlemeyer nicht ausstehen. Wenn er aber morgen ein Lied für die Rettung des deutschen Volkes singt, hab ich nichts dagegen.

Und können Sie mir bitte sagen, was Aciclovir ist. Habe die Pointe nicht so ganz verstanden.

Wenn ich mich recht erinnere, waren Sie ja auch gegen Höckes Auftreten,
aber

@Sagan

Wenn Sie in Ihren vielen Diskussionen die Ansichten Höckes nicht verteidigen können, dann sollten Sie sich vielleicht fragen,
ob Sie der Alfa-Partei beitreten.
Höcke hat sich zur deutschen Fahne bekannt,
im Gegensatz zur Rautenfrau,
und er hat die demographische Gefahr benannt,
die dem deutschen Volk droht.
Er hat UNS DIE CHANCE gegeben, diese Gefahr immer wieder zu thematisieren,
WEIL DIE ANDEREN IMMER WIEDER DAS HÖCKE-STÖCKCHEN HINHALTEN.
Etwas Besseres konnte gar nicht passieren.
Der Gutmensch
29. Januar 2016 16:52
... und vor allem ist es ein Fehler, in Bezug auf die 2015 Angekommenen irgendeinen "Thymos" zu entwickeln. Diese Menschen stellen so sehr oder so wenig ein Problem dar wie die, die hier schon jahrelang leben - ohne sich in die deutsche Kultur so eingefügt zu haben, wie das wünschenswert wäre. Wenn man da unterscheidet und so tut, als sei die Welt 2014 noch in Ordnung gewesen (mit wieviel Millionen im Land?), dann rekurriert man leider auf einen Standard, der ebenfalls einigen Anlaß zur Kritik gab. Einzig diese unsinnige Konzentration auf die angebliche Flüchtlingskrise und die angebliche Protagonistin Merkel (deren Kabinett lediglich das Sahnehäubchen auf die Torte gesetzt hat), wie ihr nun auch Sloterdijk das m. E. einigermaßen dreiste Wort redet, lässt aber nun den Eindruck entstehen, vor zwei Jahren wäre hier noch alles tutti gewesen! Dabei gab es doch damals auch schon ein Duisburg-Marxloh und ein Neukölln. Bindet man den "Thymos" also derartig kurz an, bleibt am Ende nur höchst unangenehmer Klassismus und niederträchtiges Ressentiment stehen: So lange die Villenvororte verschont blieben, fühlten wir uns trotz der Parallelgesellschaften doch recht wohl; Mutti, nun gibt uns doch das wenigstens zurück - dann werden wir uns auch gewiss nie wieder über einen dealer im Görli mokieren! - Das ist nur leider eine ausgesprochen billige Idee von einem "alternativen" Deutschland, die da verfolgt wird.
norbert vain
29. Januar 2016 17:08
Ich habe, werter Herr Kubitschek, hier verschiedentlich gelesen: "ethnokulturelle Identität". In konstruktiver Absicht merke ich an: Das ist allerdings ein Koloss! Hätten Sie mit Bindestrich notiert, wäre dies noch immer riesig. Im Wesentlichen ist das aber n o c h reines Definiendum. Zu "kulturell" würde mir einiges einfallen; zu "ethno" weniger. So halte ich dieser Tage die Japaner für die besseren Europäer, wenngleich ihnen eine andere Ethnie eignet. Dort übrigens eine ethnisch relativ homogene Bevölkerung. Die Insellage macht das leichter, als wenn man, wie wir, geographisch mitten in Europa liegt. Wer einmal pünktlich mit dem Zug fahren will, macht das heute in Japan. Aber nicht nur Pünktlichkeit, sondern auch Höflichkeit, Sauberkeit und Lernwille werden gelebt. Sekundärtugenden, die in dem Uhrwerk einer Gesellschaft wichtige Strukturen bilden.

Wegen der ethnokulturellen Identität zu einem Definies zu gelangen ist allerdings eine Aufgabe der höheren Fakultäten, die sich darum - wegen der bekannten geschichtspolitischen Restrikitonen - lieber nicht bekümmern. Es wäre dies eine hervorragende Aufgabe der Makro-Soziologie, die sich zu Webers' Zeiten darum auch noch gekümmert hat. Auch sie hat sich im Zuge eines ausgreifenden Identitätsverlustes in die speziellen oder Bindestrick-Soziologien zurückgezogen - eine Miktroskopisierung des Wissens, die den großen kultursoziologischen Entwurf weiter erschwert. So scheint mir, dass wir uns einstweilen eher negativ definieren. Nicht so sehr im sicheren Bewußtsein des "Eigenen", als vielmehr im mehr oder minder intuitiven Ablehnen des "Anderen", das sich gerade wie eine Sündflut über uns ergießt. Insofern ist die Chance in der Tat "so günstig, wie nie".

Vom Definiendum zum Definiens zu gelangen ist aber nicht nur eine Mammutaufgabe. Es würde vielmehr, je spezifischer der Begriff bestimmt ist, das Spaltungspotential im eigenen Lager wachsen. Ich würde z. B. einen ethnisch eingeschränkten Kulturbegriff nicht unterschreiben, während andere sich auf einen ethnisch offenen Kulturbegriff nicht verstehen könnten. Oder nehmen Sie den nicht minder kolossalen Slogan des "jüdisch-christlichen Abendlands". Wie ist das gemeint? Als religiöse Verwandtschaft an den Wurzeln der Weltreligionen (Vain: nein!). Oder als säkulare Befruchtung auf dem Gebiet der Literatur, Musik und Wissenschaft (Vain: ja!). Aber auch das ließe sich ja anders bewerten. Hier zu einer Klärung zu gelangen, ist nicht leicht. Sie könnten dies aber im Rahmen der IfS-Akademie in Schnellroda stemmen (könnten beispielsweise eine Preisschrift ausloben).

A n d e r s ist die Situation der AfD als politische Partei. Sie bewirbt sich auf dem Markt der politischen Wettbewerber um: Gefolgschaft. Sie muss ein Interesse daran haben, Begriffe offen zu halten und Ausgrenzungen zu vermeiden. Und sie weiß, dass politische Wahlen nicht im Oberseminar sondern im/auf dem Boulevard gewonnen werden. Die AfD muss - unter gegebenen Bedingungen - ein Interesse daran haben, den Begriff der "Identität" im Ungefähren zu belassen.
Walter Martinez
29. Januar 2016 19:47
Ach ja, diese Diskussion dreht sich seit zig Jahren im Kreis, Abgrenzung hier, Streit über den richtigen Weg da.
Inzwischen ist mir leider klar, daß im Sinne des politischen Markts die Nachfrageseite für rechte Ideen so stark wie lange nicht mehr ist und es wieder mal auf der Angebotsseite hakt. Spätestens nach den Auftritten von von Storch und Höcke seinerzeit ist das klar.
Tenor bei allen "Normalbürgern", mit denen ich gesprochen habe darüber (Storch-Auftritt): "Leider auch keine Alternative".
Leider hat ein Großteil der Rechten gar keinen Kontakt zum Normalbürger. Dadurch falsche Analyse und falsche Schlußfolgerungen.
Romat
29. Januar 2016 19:55
Das, was Sagan geschrieben hat, gehört mit zum Klügsten und Beherzigenswertesten, was hier in den letzten Monaten zu lesen war.

Ich habe auch den Eindruck, dass die Vertreter der "reinen Lehre" hier einfach nicht imstande sind, die Situation zutreffend zu analysieren:

Die Lagebeschreibung lautet kurz gefasst:

1. Eine Mehrheit (und damit meine ich wirklich 50% plus x) der wählenden Bevölkerung unterstützt inhaltlich die Konzepte der AfD. Wenn das bei Wahlen umgesetzt würde, wäre der ganze Merkel-Spuk binnen kürzester Zeit vorbei.

2. Die AfD wird trotzdem nur von 10% plus x gewählt, und zwar exakt aus dem von Sagan beschriebenen Grund: Die Menschen haben Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung und Ausgrenzung. Diese droht ihnen aber, wenn sie sich zur AfD bekennen (irrationalerweise gilt diese Angst sogar im Bezug auf das bloße Wählen des AfD). Daher klammert man sich an jeden Strohhalm, der es einem erlaubt, sich selbst einzureden, es werde so schlimm nicht kommen, die Regierung würde das schon noch schaffen, man müsse deshalb nicht zum äußersten greifen, um die AfD zu unterstützen.

3. Die Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung wird erzeugt, indem von Politikern, Journalisten, Pastoren etc. suggeriert wird, man stelle sich außerhalb des gesellschaftlichen Konsenses, wenn man sich zu AfD bekenne. Dazu, dass das überhaupt möglich wird, tragen Leute wie Höcke, Tillschneider und einige andere leider wesentlich bei, vielleicht nicht einmal so sehr wegen der Inhalte, als vielmehr wegen der Auftrittsformen und des schrillen Tons.

Die Erfahrungen, die Sagan ganz real im Wahlkampf für die AfD gemacht hat, kann ich nur bestätigen: Wenn alle Leute, die uns gesagt haben, sie würden ja AfD wählen, wenn nur Höcke und seine "Völkischen" (ich lasse das jetzt mal einfach so stehen) nicht wären, gewonnen werden könnten, dann hätte die AfD (auch im Westen) locker über 30% bei den anstehenden Wahlen sicher.

Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber im Moment schadet der "interne Diskurs", schadet die "reine Lehre" unserer gemeinsamen Sache und damit dem Land mehr als er nutzt.


Ich habe übrigens auch einen Verdacht, woran es liegt, dass die Lage hier so oft grundlegende falsch analysiert wird. Zum einen nämlich daran, dass man sich nur in den eigenen Zirkeln bewegt statt zu schauen, wie die Mehrheit der Menschen im Land denkt.

Und zum anderen, dass man selbst die Brücken hinter sich schon abgebrochen hat und daher die Stigmatisierung und Ausgrenzung nicht mehr fürchtet. Dann kann aber auch natürlich gar nicht mehr richtig nachvollziehen, wie wirkmächtig diese Mechanismen auf den Durchschnittsdeutschen Einfluß nehmen. Zugleich beginnt man, weil man selbst den Mut aufgebracht hat, die Brücken hinter sich abzubrechen, diejenigen zu verachten, die ihn nicht aufbringen. Das ist aber fatal, weil man so den Bezug zu den Durchschnittsbürgern verliert, die einen immerhin wählen müssen. Man ist gleichsam in einen Kokon eingesponnen.

Insofern sind die Vertreter der "reinen Lehre" im Moment im Begriff, unsere historisch einmalige Chance zu verspielen, den Einwanderungswahnsinn auf demokratischem Weg zu beenden und dabei wahrscheinlich sogar eine generelle Trendwende im geistig-politischen Raum herbeizuführen. Wenn das nicht gelingt, dann bleibt nur noch die Resignation und der Rückzug ins Private, wie es einige hier ja schon mal prophylaktisch vorgeführt haben.

M.L.: Wer sollen bitteschön die "Vertreter der 'reinen Lehre'" sein? Was bitteschön soll die "reine Lehre" sein? Es gibt keine "reine Lehre" und auch keine "Vertreter" der "reinen Lehre". Der nächste, der diesen Ausdruck benutzt, wandert in den Papierkorb und wird lebenslänglich von diesem Blog verbannt.
Volker Spielmann
29. Januar 2016 20:26
(...)
Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

Kositza: Mann, Spielmann, lassen Sie's einfach!Aus den Vokabeln Puffmutter, Ferkel, Rumpfsaat, VSA-Vasallen, Rumpfstaat, Parteigecken können Sie sich doch einfach mal ein eigenes blog basteln, wie wär's?
Magnus Göller
29. Januar 2016 20:28
Thymos, Logos, Kairos, Identität...

Geht es eigentlich auch auf Deutsch?

Lebenskraft, Sinn, Zeitpunkt, Selbst?

Hat das zu wenig Klang, oder scheint es nicht hinreichend gebildet?

Oder ist das zu offenkundig rechts?
Romat
29. Januar 2016 20:34
@ ML: Der Begriff ist sicherlich verkürzend, aber ohne diese Verkürzung hätte ich seitenweise schreiben müssen.

Ich muss allerdings auch zugeben, dass er insofern mißverständlich ist, als er zu sehr auf die Inhalte und weniger auf den Still abzielt, der mir sogar das größere Problem zu sein scheint.
Warum muss Frau von Storch z.B. auf facebook unbedingt behaupten, Merkel werde nach Chile auswandern müssen, wenn das ganze Ausmaß der Folgen ihrer Politik deutlich wird. So was kann man im stillen Kämmerlein denken (oder vielleicht sogar hoffen), aber in öffentlichen Diskursen gelten andere Regeln. Beim Normalbürger, der die Ausmaße der Probleme noch nicht sieht, kommt da nur an: "Die spinnen doch bei der AfD, die kann man nicht wählen."
Der Gutmensch
29. Januar 2016 20:41
Ich sage, lieber Aristoteles,

dass Sloterdijk ein potemkinsches Dorf aufbaut; mit voller Absicht, der Mann ist ja nicht dumm.

Keine Ahnung, was er gestern gesagt hat. Fakt ist aber, dass wir schon gestern arge Problem mit den Begleiterscheinungen der Migration hatten (für die beide Seiten Verantwortung tragen). Sloterdijk stellt sich aber - jedenfalls für mein Empfinden - naiv, und tut so, als ob diese ganzen Probleme erst jetzt und erst unter dieser Kanzlerschaft entstanden wären! Das wiederum bestärkt leider den derzeit sehr populären Kurzschluss: Wäre nur die Kanzlerin nicht da, hätten wir dichte Grenzen und keine Probleme! Was natürlich reines Wunschdenken ist - wie wir auch alle wissen, wenn wir alle mal hinsehen und kurz in unserem Gedächtnis kramen!

Wer auf diesen Zug aufspringt, wird also bestenfalls einen status quo erreichen. So lange ich noch dachte, dass es hier um das alte Phänomen geht - es gibt immer Leute, die von solchen Situationen profitieren - hätte ich aber auch dagegen nichts gehabt; der Teufel ... die Not ... die Schmeißfliegen ... Sie wissen schon!

Aber nun? Wo unser gesamter Umgang mit Migration und Integration und Grenzen und der EU und, und, und einer Revision unterzogen werden wird - und zwar aus sehr praktischen Gründen vom Kabinett selber, ganz egal, wer da morgen sitzen mag - weil sich nämlich in der breiten Bevölkerung endlich, endlich das Problembewusstsein bildet, das es für eine entsprechende politische Willensbildung nunmal braucht?

Da können mich ein paar Schranzenlobbyisten, die sich genau so lange nicht an den Schattenseiten der Migration störten, wie sie in ihren Villen noch ruhig schlafen konnten, nun wirklich nicht mehr hinterm Ofen hervorlocken; schlimmer noch - man kann sich ganz schöne Brüschen holen, wenn man denen jetzt noch hinterher dackelt!

Also kurz und gut: Mein Bedarf an Grieben-Kalles ist gedeckt (mit Aciclovir behandelt man Herpes).

d. G.
Nemo Obligatur
29. Januar 2016 20:44
Zweierlei.

Erstens: Politisch kommt die Sache voran. Nach dem 13. März wird die demokratische Rechte in Deutschland eine recht breite parlamentarische Basis haben. Vor ein paar Tagen hätte ich noch gedacht, dass es wohl so Richtung 15% geht, aber inzwischen rechne ich eher mit 10%. Wir haben in den letzten Tagen und Wochen nahezu das gesamte Führungspersonal der AfD in diversen Talkshows gesehen und der Eindruck war durchwachsen. Ich will es nicht schlechtreden, denn ich kenne die Gründe (da waren einige gebrieft und andere eben nicht). Aber es war eben kein Auftritt, der Wankelmütige in die Arme der AfD triebe. Das tun eher die Wasserstandsmeldungen aus den diversen Kölns. Zudem habe ich das Gefühl, dass eine Art Zersetzungsoperation gegen die AfD läuft. Ich zähle lose auf:

- die Pfeffersprayattacke in Madgeburg
- die Veröffentlichungen über die Finanzen des Herrn Poggenburg
- die Handgranate in Villingen-Schwenningen
- merkwürdige Berichte über vergewaltige Minderjährige.

Ich wüsste zu diesen Ereignissen gerne nähere Hintergründe, aber ich denke, das wird sich nicht so schnell machen lassen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Geschichten rund um die AfD in immer kürzer Folge publiziert werden, wenn die Wahlen näherrücken. Manches davon mag dann zutreffen, anderes wird entsprechend frisiert und wieder anderes ist frei erfunden. Wer kann das schon so genau wissen? Jedenfalls sollte man sich bzgl. der Entschlossenheit des politisch-medialen Komplexes keinen Illusionen hingeben. Aber das tut hier wohl auch keiner.

Damit komme ich zu Punkt zwei. Selbst eine AfD im knapp zweistelligen Bereich bedeutet aufs Ganze gesehen noch nicht viel. Ist dieses Land noch zu retten? Eine kleine Opposition und ein mächtiger Apparat. Angesichts der noch für 2016 zu erwartenden "Flüchtlings"-Zahlen wäre es zu spät, irgendwann im Jahr 2017 die Kanzlerin abzuwählen. Und wer sollte ihr folgen? Mein früherer Optimismus ist diesbezüglich geschwunden. Man kann da wohl nicht mehr viel tun, nur noch seinen Unmut zu Protokoll geben und hoffen, das aus irgendeiner Ecke doch noch Rettung naht. Frei nach Hölderlin sozusagen. Bleiben wir also wachen Sinnes, aber erwarten wir nicht zu viel. Schön wäre ein Refugium. Was könnte das sein? Weil wir Deutsche sind, muss es geistiger Art sein. Verbindende Lektüre, eine gemeinsame Idee. Sodann ein wissendes Zunicken, wenn man auf Gleichgesinnte trifft. Vielleicht kommt demnächst nochmal das wunderbare "Tristesse Droite" auf meinen Nachtschrank.
Aristoteles.
29. Januar 2016 21:34
@norbert vain

Sie sagen:
"So halte ich dieser Tage die Japaner für die besseren Europäer"

Halten Sie auch diesen Wellensittich ...
https://www.youtube.com/watch?v=iXfLsJYKiN0
für einen besseren Menschen als einen Taubstummen?
("Ela ist lieb ..., ganz ganz lieb")

Außerdem sagen Sie:
"Wegen der ethnokulturellen Identität zu einem Definies zu gelangen ist allerdings eine Aufgabe der höheren Fakultäten [...] eine Mammutaufgabe"

Wie? Ich muss an einer höheren Fakultät arbeiten oder ein Mammut sein, um meinen Stammbaum lesen zu können?
Das kann ich schon nach der 1. Klasse.
Und wenn mir meine Eltern erzählen, wer meine Großeltern und Urgroßeltern waren
(ähnlich vielleicht wie ein Rabbi seinem Sohn erzählt, dass er von dem und dem abstammt und dem Volk der Juden angehört),
dann weiß ich's schon vorher.
Wüsste auch nicht, was das mit einer negativen Definition zu tun hat.
(Kann mir diese Negativ-Phantasien nur mit traumatischen Kindheits- oder Jugenderfahrungen erklären.)
Ich finde die Rabbi-Definition jedenfalls sehr positiv.

Schließlich sagen Sie:
"Sie [die AfD] muss ein Interesse daran haben, Begriffe offen zu halten und Ausgrenzungen zu vermeiden."

Solange die BRDiger Deutschlands dieselbe Meinung vertreten wie Sie: ja.
Würden deutsche Politiker Politik für ihr eigenes Volk (und somit auch - in Abgrenzung zu diesen - für die anderen Völker) machen,
könnten sie auch eine klarere Sprache sprechen und aufhören, die einheimische Jugend zu desorientieren.
Definieren heißt nichts anderes als Abgrenzen.


@Romat

Sie sagen:
"Die Menschen haben Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung und Ausgrenzung."

Wahrscheinlich wollen Sie v.a. sagen, dass SIE Angst vor Ausgrenzung haben und anderen nicht dabei helfen wollen, keine Angst mehr zu haben.
Deshalb mein wohlmeinender Vorschlag:
Machen Sie Werbung für Alfa!
Henkel vertritt in etwa dieselbe Meinung wie Meuthen.
Sie unterstellen, dass derjenige, der sich zu Höcke bekennt, den Einwanderungswahnsinn nicht auf demokratischem Weg beenden wolle.
Statt den Argumentationsfeldzug gegen die eigentlich Verantwortlichen zu führen (das BRD-Polit- und Medienkartell), werfen Sie Höcke vor, dass er seine Meinung sagt.
Ich halte das für ziemlich undemokratisch.
Monika
29. Januar 2016 22:49
Der Kampf um die Identität und das damit zusammenhängende Selbstbestimmungsrecht unserer Völker ist das mögliche einende Band, und dieser Kampf ist ein Verteidigungskampf. Es ist keiner mehr, der ein deutsches oder europäisches Rechtsverständnis, eine deutsche Lebensart und Alltagsorganisationsform, einen europäischen Säkularisationsgrad oder ein abendländisches Kulturverständnis mit Durchsetzungsanspruch in die Welt trüge – wir sind in diesem Sinne Kulturrelativisten nicht so sehr aus Einsicht in die Stimmigkeit dieses Ansatzes, sondern aus Einsicht in die Schwäche der eigenen Position und Lage:


Woher rührt die Schwäche der eigenen Position ?

Wir Deutschen haben keine Geschichte ( nur 12 Jahre) . Unsere Dome sind keine Gotteshäuser mehr. ( Niemanden etwa stört der Angriff auf den Dom in der Silvesternacht : Wo kein Gott, da keine Gotteslästerung).
Der Dom ist nur noch ein Weltkulturerbe. Wie die Pyramiden.
Ein Touristenziel.
Wir haben uns gut eingerichtet in der Gegenwart. Wir leben in einer ewigen Gegenwart. Das war schön. Fast paradiesisch. Nun drohen Veränderungen. Werden uns zuge-mut-et. Von außen aufgezwungen. Wir müssen wieder in die Geschichte eintreten, wenn wir eine Zukunft haben wollen.
Da die Deutschen Angst vor Veränderungen haben:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-analyse-die-angst-vor-veraenderung-14035557.html können sie nur verteidigen. Lebenskraft entwickelt sich recht eigentlich im Angriff.
Das kann nur ein geistiger Angriff sein.
Besitzstände kann man verteidigen. Zukunft muß man erobern.
Olle
29. Januar 2016 23:10
Ich finde es ganz natürlich, daß momentan eine allgemeine Verwirrung über die erfolgversprechende Taktik herrscht. Waldstein schreibt gegen die Abgrenzeritis und hat recht, Weißmann will alle konstruktiv Gesonnenen auf den pragmatischen Erfolg verpflichten und hat damit natürlich recht, und Kubitschek hat sich im Rahmen einer mutigen Pegida-Rede von gewaltseligen Provokateuren distanziert - und selbstverständlich zu recht! Wer will schon wissen, ob eher der Versuch einer Adaptation an den mainstream oder eher eine demonstrative Ignorierung der Vorgaben dieses mainstreams erfolgreich sein wird. Das wird v.a. situationsabhängig sein und deshalb ist es wichtig, hinsichtlich Taktik möglichst elastisch zu bleiben. Vorgestern bei Maischberger hätte es sicher nichts geschadet, Typen wie Augstein und Stegner offensiver anzugehen und aģressiver gegen das notorische Inswortfallen vorzugehen.Aber wer wollte Frau Petry daraus einen Vorwurf machen? Sie saß alleine da in dieser nicht ganz einfachen Situation und ich finde, sie hat es gut gemacht. Wir müssen v.a. insgesamt sicherer, selbstbewusster und cooler werden: "So? Das soll er gesagt haben? Ja und? So isser eben, der Höcke!"
Entscheidend ist eine inhaltliche, letztlich philosophische Klärung der nichtlinken Position, die weder Schmitt noch Heidegger geleistet haben. Jongen scheint sich daran gemacht zu haben und das ist doch hoffnungsvoll. Denn an dieser Fehlstelle krankt das gesamte Unternehmen. Wird sie tatsächlich gefüllt, werden taktische Fragen Fragen reiner Taktik.
Eckesachs
29. Januar 2016 23:19
@Romat

,,hat, kann ich nur bestätigen: Wenn alle Leute, die uns gesagt haben, sie würden ja AfD wählen, wenn nur Höcke und seine „Völkischen“ (ich lasse das jetzt mal einfach so stehen) nicht wären, gewonnen werden könnten, dann hätte die AfD (auch im Westen) locker über 30% bei den anstehenden Wahlen sicher."


Har de Hund nich scheeten, har he een Hosen fungen.
(Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er einen Hasen gefangen.)


,,Ich habe übrigens auch einen Verdacht, woran es liegt, dass die Lage hier so oft grundlegende falsch analysiert wird. Zum einen nämlich daran, dass man sich nur in den eigenen Zirkeln bewegt statt zu schauen, wie die Mehrheit der Menschen im Land denkt."

Ja, das wünschte ich! Mich in rechten Zirkeln zu bewegen! Kann ich aber nicht, weil wir keinen rechten Zirkel haben. Also muß ich mit der ,,Mehrheit der Leute" (Menschen kann ich nicht über mich bringen, das ist mir zu sozialpädagogisch) abgeben.

Die sind erstaunlich rechts, wissen das aber nicht. Trauen sich nicht, weil die Zeit noch nicht gekommen ist. Das Potential ist da, ganz gewiß.

Somit schließe ich mich unter Vorbehalt ,,Realist" an. Unter Vorbehalt, weil sich Dinge manchmal schnell und unerwartet ändern können. Die Zukunft ist nicht vorhersagbar.
Waldgänger aus Schwaben
29. Januar 2016 23:48
@Sagan
ähnliche Erfahrungen machte in den 90iger Jahre als ich für die ÖDP auf der Straße stand.
Wir wurden immer mit der Forderung der Grünen konfrontiert:
"Fünf Mark für einen Liter Benzin! Ihr spinnt doch!"

Der Hinweis, dass wir nicht die Günen seien, brachte wenig.
"Ihr seid doch auch Umweltschützer!"

Und so ginge es der AfD ohne Höcke. Die Öffentlich-Rechtlichen, die ganze System-Presse würde doch genauso PEGIDA und AfD in einen Topf werfen. Der AfD bliebe nichts anders übrig, dies hinzunehmen oder sich solange und so deutlich von allem was rechts ist zu distanzieren, bis sie mit der F.D.P. gleichgesetzt würde.

Damit möchte ich aber keinesfalls die Höcke-Fraktion ermutigen. Es reicht! Jetzt erst einmal mal still sein, lange still sein und den Dingen ihren Lauf lassen. Die AfD steigt und steigt und wenn nicht durch radikale Aussagen die bürgerliche Mitte verschreckt wird, sind 20 - 30% dieses Jahr noch drin.
Westpreuße
30. Januar 2016 00:00
@ Romat: Bedenkenswerte "Lagebeschreibung", leider.
Deckt sich in vielem mit meinen Erfahrungen...

@ Magnus Göller: ja!

https://www.youtube.com/watch?v=rIE26d21FGQ
Peter Sloterdijk über Amerika (1:26 Min.)

So denkt der Mann. Da muß man erst einmal drauf kommen.
Sloterdijk ist ein "philosophischer Freigeist". DER ist weder einer von uns noch sollte man ihn bekritteln als nicht die richtigen Fragen Stellender:
Das hieße ja wieder einmal, man wüßte die "richtigen Fragen"...

Natürlich "irrlichtert" er auch herum. Der Mann läßt sich doch nicht vereinnahmen. Man muß seine Gedanken als Steinbruch nehmen. Das ist gut und das ist gut...also eignen wir demokratischen Rechten uns das an, was in unseren Kram paßt, und "basta"... Ebenso Rüdiger Safranski und andere...

Ich habe hier seit dem Herbst des vorigen Jahres schon etliche Ankündigungen verschiedener Kommentatoren gelesen:
Nächsten Monat ist Frau Merkel "weg vom Fenster", bis Weihnachten ganz bestimmt, im neuen Jahr aber dann...
Glaube ich nicht. Die Bundesrepublik Deutschland einschließlich ihrer Nomenklatura, politisch - medial, ist sehr flexibel, wortgewandt, faktenresistent, erstaunlich streßfest, rüpelhaft gegenüber den vermeintlichen Anmaßungen des Volkes, des großen Lümmels... Da geht noch vieles im Sinne des "weiter so" und des "wir schaffen das"...Und mir wird jetzt erst so richtig klar, wie unglaublich wohlhabend, reich (!) dieses Land ist. Was das alles so wegstecken kann, ist schon erstaunlich. Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht...
Und doch:
So wie jetzt kann es nicht bleiben...genug ist genug !
Aus den bekannten hier und anderswo verhandelten Gründen...

Das Rezept scheint ja auch gefunden und geht teilweise auf:
Man diskutiert ja überhaupt nicht mehr mit der AfD, hat man es je? Die Probleme werden von der Sachebene auf die Beziehungs- bzw. Verunglimpfungsebene verschoben...: WENN du nicht...DANN...WEHE dir...
Hat man doch bei Frau Maischberger und bei Frau Illner gesehen:
Es werden Fragen gestellt, in denen die Verunglimpfungen und Unterstellungen schon eingebaut sind; dann werden die AfD-ler massivst "gebeten und bedrängt", den vergifteten Fragen doch bitteschön zuzustimmen...

Natürlich ist das Volk, die Bevölkerung, die Zivilgesellschaft...oder was auch immer...beunruhigt. Ich erlebe, wenn ich in Westdeutschland bin,
daß die Zustimmung zur AfD eben nicht vorbehaltlos ist. Man will es sich...noch nicht...so richtig eingestehen, daß die AfD in vielem recht hat. Man möchte (kann) die bittere Erkenntnis noch nicht wirklich realisieren...

Und, es sei geklagt, die wenigsten Menschen wollen sich eindeutig positionieren in der Öffentlichkeit. Und das hat Gründe. Und eine rigide Ausländerfeindlichkeit kommt im Westen nicht gut an. Ich selbst, im Westen sozialisiert, käme nie drauf, die Menschen aus Südeuropa, die als Arbeitskräfte in den 1960-er Jahren ins Land geholt wurden, dann aber hier blieben, abzuqualifizieren. ich habe nämlich mit denen, vor Abendgymnasium und Studium, zusammen am Fließband gearbeitet. Im Ruhrgebiet, jahrelang, jawoll. Und viele leben noch, alt und vielleicht krank, haben 30 Jahre und mehr malocht, sind deutscher als viele Deutsche; Gott segne sie: Sie sollen in Würde und mit Freude ihren Lebensabend bei uns genießen mit auskömmlicher Rente...
Aber um die geht es ja in der gegenwärtigen Lage überhaupt nicht...

Zu den handelnden Protagonisten der AfD:
Zunächst einmal uneingeschränkter Respekt! Und nun die Wermutstropfen: Kann es sein, daß dort einige in höheren Positionen sind, die in unklaren persönlichen, finanziellen, auch "sprachlich-begrifflichen" Verhältnissen leben? "Klug" hört sich manchmal anders an...

Es wäre außerdem vielleicht auch mal ganz hilfreich, wenn diejenigen, die noch mit Herzblut an unserem Deutschland hängen, sich mal ab und zu aus dem Gehäuse ihrer politischen Begriffe und ihres Denkens hinausbegeben und ihre politische Position immer wieder neu prüfen und von außen betrachten:

Wir (Menschen) denken nun einmal in Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Wir denken also in politischen Systemen: Du dort, ich hier. Zwischen uns der Graben, die Barrikade...Und doch müssen wir unsere eigenen Denkmuster immer wieder neu hinterfragen. Wir müssen immer wieder das Gesamtsystem Deutschland "denken"; wir aber sind nur ein Teil des Systems. Wollen wir das Volk auf unsere Seite bringen, zumindest Teile, müssen wir die Ängste, Sorgen, Befindlichkeiten ernst nehmen. AUCH der verunsicherte, verängstigte UND politisch bedrängte Bürger, vornehmlich in Westdeutschland, sollte ernst genommen werden. Nicht, wie in manchen Kommentaren, auch bei der JF, zu lesen ist, als feige, umerzogen, gehirngewaschen usw. diffamiert wird..

Es würde zunächst reichen, wenn die AfD mit 10 % plus in den Länderparlamenten und im kommenden Bundestag 2017 säße. Diese ganzen Verkrustungen müssen aufgebrochen werden...
Die Grünen und ihre Koalition der Willigen im Staat treiben mit ihren 10 % die anderen Parteien doch vor sich her und bestimmen (weitgehend) die Themen.
Wäre doch schön, wenn die AfD zukünftig "um die andere Ecke käme"...

Und selbst immer schön demütig bleiben:
Ab und zu die eigene Perspektive vielleicht mal überdenken, überprüfen; einen neuen Blickwinkel einnehmen, mal geistig einen Schritt zurückgehen, die eigene Denkweise mal in Beziehung zum Ganzen setzen. Mir selbst gelingt das nur ansatzweise, manchmal...
: Grüße von der Weichsel
der Gehenkte
30. Januar 2016 02:08
@ Gutmensch:
dass Sloterdijk ein potemkinsches Dorf aufbaut; mit voller Absicht, der Mann ist ja nicht dumm.

Keine Ahnung, was er gestern gesagt hat. Fakt ist aber, daß wir schon gestern arge Problem mit den Begleiterscheinungen der Migration hatten (für die beide Seiten Verantwortung tragen). Sloterdijk stellt sich aber – jedenfalls für mein Empfinden – naiv, und tut so, als ob diese ganzen Probleme erst jetzt und erst unter dieser Kanzlerschaft entstanden wären!


Hier irren Sie gewaltig! Seit Mitte der 90er beschäftigte sich Sloterdijk mit einer allumfassenden Theorie der Globalisierung und hat in diesem Zusammenhang auch die Menschenströme angesprochen. Die Lektüre Heinsohns war für ihn ein Schlüsselerlebnis und seither unterließ er keine Gelegenheit auf das demographische Armageddon hinzuweisen. Heinsohn wird nun permanent zitiert und besprochen. "Zorn und Zeit" (2006) sowie "Gottes Eifer" (2007) sind Schriften, die sich dezidiert mit den Auswirkungen der explosiven Mischung aus Demographie und Fundamentalismus beschäftigen. Wenn man ganz penibel sein will, dann kann man schon 1989, in "Eurotaoismus", erste Gedanken zur Volksbeweglichkeit verorten ...

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Hätte man Sloterdijk zu lesen verstanden, dann wären eine Menge Nachhilfestunden jetzt nicht notwendig.

Wer sich die Lektüremühe nicht machen will, der kann in einer Stunde hier den Beweis sehen: Das Philosophische Quartett 2006 - Demographie als Schicksal - Das Drama der Geburtenraten - https://www.youtube.com/watch?v=kZRnuHeqQjw
Der Gutmensch
30. Januar 2016 10:13
Lieber Gehenkter,

Danke für die Aufklärung; dann ist Sloterdijk also nicht der Schlimmste, mea culpa. Dennoch gibt es da eine Frage:

Wenn Sie sich die obige Quelle mal genau ansehen, schiebt er dort die ganze Schuld der derzeitigen Regierung in die Schuhe - und zwar obwohl er es , wie Sie selber ausführen, besser weiß und das Problem schon lange vor der Amtszeit von der Kanzlerin erkannt hat!

Nun kann man zwar sagen, dass Schuldzuweisungen, und zwar je unsachlicher desto besser, zur Folklore der Bundesrepublik gehören (ich werde mich da allerdings nie dran gewöhnen können). Aber sie führen nicht weiter; so reflektiert wird er ja wohl sein, dass er das weiß.

Stellt sich also die Frage - was will er denn erreichen, indem er uns nach weißen Sand schickt?

Ah - der nächste Artikel erläutert das ... soso, Prof. Schachtschneider fröhnt also seiner Leidenschaft und benutzt die Vorlage, um den Oberinterpreten des Landes mal wieder die Verantwortung für die Misere zuzuschieben! Na - das ist wacker, immer voran.

d. G.
Der Gutmensch
30. Januar 2016 10:33
Ich selbst, im Westen sozialisiert, käme nie drauf, die Menschen aus Südeuropa, die als Arbeitskräfte in den 1960-er Jahren ins Land geholt wurden, dann aber hier blieben, abzuqualifizieren. ich habe nämlich mit denen, vor Abendgymnasium und Studium, zusammen am Fließband gearbeitet. Im Ruhrgebiet, jahrelang, jawoll.


Darauf kann man sich unproblematisch auch mit dem Osten einigen, lieber Westpreuße. Die Probleme sind interessanter Weise in den Generationen danach viel virulenter - also woher kommt das? Ist das vielleicht doch eine Begleiterscheinung dieses plakativen "Antirassismus" der den Menschen ggf. beim Blick auf die ethnischen Eigenheiten der Leute im Weg steht? Was ich nämlich in der Wahrnehmung tabuisiere, kann ich nicht einschätzen (was auch jede Wertschätzung ausschließt) ...

Also wenn es nicht so herablassend wäre, und wenn man sich das in der Situation selber noch leisten könnte, müsste es einem leid tun: Menschen, die hier geboren sind, schon in der zweiten oder dritten Generation - aber die Sprache nicht gut beherrschen und Verachtung für dieses Land empfinden, ohne dass sie selber ein (inneres) Zuhause besäßen. Orientierungslose mit Doppelpass.

d. G.
Franka Frey
30. Januar 2016 10:44
Wenn man sich das Handballspiel Deutschland gegen Norwegen gestern Abend angesehen hat, mag man nicht an die mangelde Thymos-Spannung der Deutschen glauben. Die ist ganz sicher vorhanden. Es gibt für sie leider nur keine Erlaubnis, dort eingesetzt zu werden, wo es jetzt notwendig wäre. Es muss wohl erst einmal der "Firnis der Zivilisation" reißen, damit wir zeigen können, in welcher Liga wir zu spielen fähig sind, wenn es um's Überleben geht. (Hierzu Norbert Elias über "Sport und Spannung im Prozess der Zivilisation") Wir sind eben ein wenig zu zivilisiert und obrigkeitshörig...
Gustav
30. Januar 2016 10:47
@ Der Gutmensch

Sloterdijk stellt sich aber – jedenfalls für mein Empfinden – naiv, und tut so, als ob diese ganzen Probleme erst jetzt und erst unter dieser Kanzlerschaft entstanden wären!

„Die ... 100 Millionen arbeitslosen Jugendlichen ..., die bis zum Jahre 2020 die »Länder des Halbmonds« unter Streß setzen. Wer zudem die USA dafür tadelt, sie hätten ebenfalls die Chance zu einem ermunternden Signal an die jungen Ägypter verpaßt, begreift nichts vom strategischen Wert der nordafrikanischen Vorgänge auf dem us-amerikanischen Schachbrett. Für die Spielmacher in Washington laufen die Dinge, wie sie sollen, solange sie in ihrer Summe dafür sorgen, daß die Europäer in den kommenden Jahrzehnten den nordafrikanischen Klotz am Bein haben werden.“

„Im übrigen hatte Muammar al-Gaddafi bei seinem Staatsbesuch in Italien im August 2010 die Europäer vor potentiellen Millionenheeren afrikanischer Zuwanderer in den kommenden Jahren gewarnt und zu deren Ruhigstellung am Ort Bleibegelder in Höhe von vielen Milliarden Euro aus europäischen Kassen gefordert. Von offiziellen Reaktionen der EU auf diesen Droh-Hinweis wurde nichts bekannt.“

„Wenn wir gehen werden, werden wir das Gefühl haben, wir hätten unsere Kindheit in der Antike verbracht, unsere mittleren Jahre in einem Mittelalter, das man die Moderne nannte, und unsere älteren Tage in einer monströsen Zeit, für die wir noch keinen Namen haben.“

Peter Sloterdijk, Zeilen und Tage, 2012

Ganz so naiv erscheint er mir nicht. In den Hauptstrommedien wird er
oft sehr verkürzt wiedergegeben. Vielleicht daher ihr Eindruck.
Der_Jürgen
30. Januar 2016 10:47
@Sagan

Ihre Beschreibung jener Menschen, die zwar tiefes Unbehagen über die Entwicklung empfinden, sich aber scheuen, die Herde zu verlassen und deshalb nach Vorwänden suchen, um keine oppositionelle Bewegung - und sei es auch eine so gemässigte die die AFD - zu unterstützen, ist sehr zutreffend. Ich habe seinerseits in der Schweiz ähnliche Erfahrungen gemacht, und zwar auch mit Menschen, die weiss Gott nicht dumm oder ungebildet waren.

Dennoch: Eine Opposition, die keine Fundamentalopposition ist, ist unter den gegenwärtigen Umständen überhaupt keine. Mit seiner
wahnsinnigen Politik sorgt das System selbst dafür, dass sich die Stimmung rasch radikalisieren wird. Immer mehr Deutsche werden schon in den kommenden Monaten begreifen, dass Taktieren und Sich-Distanzieren nichts bringen. Darum ist ein Björn Höcke für Deutschland eine grosse Chance, eine sehr viel grössere als ein Intellektueller wie Sloterdijk, der allenfalls den Mut aufbringt, ein paar banale Wahrheiten auszusprechen. Wenn die Sloterdijks sich ebenfalls radikalisieren und in einem halben oder einem ganzen Jahr so sprechen wie Höcke schon heute, dann um so besser.
Der_Jürgen
30. Januar 2016 10:53
Mein vorhergehender Beitrag ging unvollständig ab. Meine Botschaft an Exmeyer lautet:

Begehen Sie nicht den Fehler, von sich auf andere zu zu schliessen. Weil Sie die Zusammenhänge begreifen, meinen Sie, diese müssten auch anderen klar sein. Leider sind auch intelligente Personen zum Erfassen von Zusammenhängen sehr oft unfähig. Sie kapieren beispielsweise den für Sie oder mich auf der Hand liegenden Zusammenhang zwischen der pausenlosen Vergangenheitsbewältigung und der Asylantenflut nicht. Deshalb tut Aufklärung sehr wohl not, wie

@donna alta

treffend festhält. Wer an den Fakten nicht interessiert ist und Zusammenhänge auch dann nicht begreifen will, wenn sie ihm logisch Schritt für Schritt erklärt werden, ist für uns als Bundesgenosse nicht zu gewinnen und uninteressant. Diese Menschen werden erst in unser Lager übergehen, wenn sich die Machtverhältnisse grundlegend geändert haben.
Thomas Wawerka
30. Januar 2016 11:33
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/im-dunkeldeutschen-wald

Hier wurde Herr Sloterdijk schon vor zwei Jahren als Vor-/Mit-Denker der "neuen Rechten" gekennzeichnet - und das ist er zweifellos. Dass er mit der AfD nichts zu tun haben will, liegt wohl weniger an seiner politischen Basismentalität als an seinem überbordenden Ego - einer wie er, der nicht zwischen, sondern über allen Stühlen sitzt (oder schwebt), kann sich ebenso unmöglich in die Niederungen der Parteipolitik begeben wie Botho Strauß sich in die Masse der Pegida-Demonstranten einreihen könnte.
Peter Sloterdijk ist ein Solitär, eine "persona sui generis", er kann sich nicht "gemein machen", mit wem auch immer. Auch metapolitisch muss man ihn nicht "gewinnen" oder "einfangen", der macht diese Arbeit ganz ohne "Sezession" und "Junge Freiheit" - und wer ihn aufmerksam liest, kann sich reichlich (meta)politisches Kanonenfutter aneignen, wie Herr Jongens mit "Zorn und Zeit" im Hintergrund zeigt.
deutscheridentitärer
30. Januar 2016 11:38
Frau Petry stellt sich in Debatten generell ziemlich dumm an, sieht man z.B. gerade bzgl. des "Schießbefehls".

Das hätte sie wirklich deutlich besser lösen können.

Ist aber letztlich nicht so schlimm, denn ich habe den Eindruck einem großen Teil der Deutschen, evtl. sogar der Mehrheit, leuchtet ein Schußwaffengebrauch in gegebener Lage absolut ein.


Ich kann auch bestätigen, dass die Mehrheit mittlerweile AfD Positionen vertritt.

Erklärungsbedürftig (mehr oder weniger) ist also, warum sich das nicht im Wahlergebnis niederschlägt.

Ich halte hier Herrn Höcke und andere nicht für ursächlich.

Evtl. wird hier nur eine Hemmung aus der Herde auszubrechen, mit diesem Namen rationalisiert.

Die Rechte darf jetzt nicht in unüberlegten Aktionismus verfallen, weil sie spürt, dass sich vor ihr ein Zeitfenster auftut, in dem sie gewaltigen Aufwind hat.

Gerade jetzt gilt es, Kurs zu halten und sich nicht zu schwächen.

Gleichzeitig darf man auf keinen Fall NPD und NW in das patriotische Lager hineinziehen und sich auch nicht vereinnahmen lassen.

Es werden 2016 noch viel mehr Flüchtlinge kommen, und bereits eine Millionen 2015 haben die Stimmung innerhalb von gerade mal drei Monaten zum Kippen gebracht.

Alles steht gut, wir haben den Finger am Abzug, dürfen aber nicht aus Panik, dass das Ziel wieder verschwindet, zu früh und panisch abdrücken.
Hermann Karst
30. Januar 2016 11:39
@ norbert vain

Zu Ihrer Kritik an dem Begriff "ethnokulturelle Identität": Der sei ein "Koloß", der erst noch zu "definieren" wäre? Dies sei eine "Mammutaufgabe" für "höhere Fakultäten"? Für die "Makro-Soziologie"?

Das habe ich nicht ansatzweise verstanden.

Hingegen habe ich den Begriff "ethnokulturelle Identität" auf Anhieb verstanden.
Andreas Walter
30. Januar 2016 14:19
Schade, dass sie Teil drei dieser Serie so schnell geschlossen haben, Herr Kubitschek.

Denn ich vermisse in ihrer Verfassungsbeschwerde die Bezugnahme auf Artikel 2 GG (sowohl Absatz 1 wie auch 2):

https://dejure.org/gesetze/GG/2.html

Worauf und auf wen sich dieser Artikel 2 bezieht steht ja eindeutig in der Präambel des GG:

"Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk."

https://dejure.org/gesetze/GG/Praeambel.html

Unsere Regierung muss daher uns, das Deutsche Volk, schützen.

Tut sie das nicht oder plötzlich nicht mehr im gewohnten Maß (der Sitte entsprechend), trifft bereits Artikel 20, Absatz 4 zu.

Das steht daher so oder so alles vollkommen ausser Frage und ein deutsches Gericht, das dieser Beschwerde, Klage nicht stattgibt ist ebenso nach Artikel 20, Absatz 4 zu beseitigen, ebenso wie auch unsere gesamte Regierung und auch alle ihre Institutionen. Was ja auch genau das Ziel ist.

Denn es heisst ja, EU-Recht bricht nationales Recht.

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=URISERV%3Al14548

Daher haben wir gar keine, gibt es keine deutsche Regierung, wie es auch keine deutschen Gerichte mehr gibt, und auch das Grundgesetz gilt darum nicht mehr.

Denn selbst Artikel 1, Absatz 1 ist doch eindeutig:

https://dejure.org/gesetze/GG/1.html

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Tut sie aber auch nicht mehr. Darum tut auch die Polizei nichts mehr, um uns zu schützen, nicht einmal mehr Frauen und Kinder. Weil sie eigentlich zuständig ist:

"Sie [die Union] stellt den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns, indem sie die Unionsbürgerschaft und einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts begründet."

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=uriserv:OJ.C_.2012.326.01.0391.01.DEU&toc=OJ:C:2012:326:TOC

Wer also darum zu prüfen was passiert, zulässig nach EU-Recht ist, wenn "die Union" ihren Aufgaben nicht zur genüge nachkommt, wie Sicherstellung der inneren Sicherheit und auch Grenzsicherung, was ja beides der Fall ist.

Rechte haben und diese Rechte auch tatsächlich genießen sind nämlich 3 paar Schuhe.

Wikipedia schreibt dazu:

"Unter der horizontalen Gewaltenteilung versteht man die Aufteilung der Macht im Staat auf die drei Bereiche Legislative, Exekutive und Judikative, die voneinander funktional getrennt sind, aber gegenseitig kooperieren. Sie ist mithin „anerkannter Grundsatz abendländischer Rechtsstaatlichkeit.“[16]

[16] Zit. nach Karl Albrecht Schachtschneider: Prinzipien des Rechtsstaates, Duncker & Humblot, Berlin 2006, S. 168 m.w.N.
Andreas Walter
30. Januar 2016 14:33
Bei dem Absatz habe ich mich verhaspelt. Gemeint ist er so:

Wäre also darum zu prüfen was passiert, was zulässig nach EU-Recht ist, wenn „die Union“ ihren Aufgaben nicht zur Genüge nachkommt, wie eben die Gewährleistung der inneren Sicherheit und auch Grenzsicherung, was ja beides der Fall ist.
Verteiler / Nord
30. Januar 2016 15:32
aha . Alle haben Sloterdijk entdeckt . Die Regeln für den Menschenpark haben bereits 1999 das juste milieu in Panik versetzt . Dann wurde geschwiegen ; Sendungen wurden abgesetzt . ( Precht statt Sloterdijk ist schon eine ziemliche Zumutung ) .

"3sat" über Sloterdijk


https://www.youtube.com/watch?v=KeBgPDHwhzU

und :

"Im Grunde ist die Situation so geheimnisvoll nicht: Die Ära der hypermoralischen Söhne von nationalsozialistischen Vätern läuft zeitbedingt aus."

"Die Kritische Theorie ist an diesem 2. September gestorben. Sie war seit längerem bettlägerig, die mürrische alte Dame, jetzt ist sie ganz dahingegangen."

http://www.zeit.de/1999/37/199937.sloterdijk_.xml/komplettansicht

den frechen Lügner Habermas zu entlarven war überfällig - zeitversetzt kollabiert nun der brd Medienkomplex .

Immerhin : nachdem Hamburg Harvestehude endlich die längst überfällige Bereicherung erfährt bringt man den eigenen Nachwuchs in Sicherheit ( keine überflüssigen Sozialkontakte ; Privatschulen ; Sicherheitstechnik ; sooo anstrengend hat man sich die Globalisierung NICHT vorgestellt ) .

Arbeitshypothese : da die Elite auch noch morgen und übermorgen elitär sein möchte können wir davon ausgehen , daß echtes Herrschaftswissen eben nur im national-konservativen Kreisen zu finden ist - wer heute noch zivilreligiös -dümmlich den Habermas nachplappert verliert . Problem : wohin mit den mäßig begabten social justice warrior und den NGO Spackos - ab in die Produktion ? welche Produktion ?

Beobachtung : Neobiedermeier in HH Harvestehude und Eppendorf ; hin und wieder "engagiert" man sich politisch korrekt - will aber eigentlich nix mehr mit den Kollateralschäden der Moderne zu tun haben : Therapie : Lasst 10000 Afrikaner in den o.g. Schutzräumen siedeln .

Jeden Tag Bereicherung - keine Ausreden mehr - keine Theorien - die Kinder des juste milieu sollten auch von den Segnungen der globalisierten Moderne profitieren können . Bitte den Raum durch den ndr überwachen lassen - falls jemand nach 2 Tagen die Nerven verliert ( " mein Porsche wurde beschädigt" ) : Bericht ; Zwangstherapie ; Schuld , Knast .

Dann warten wir bis zur Bundestagswahl ...danach sehen wir weiter .
Verteiler / Nord
30. Januar 2016 15:49
"......wir suchen händeringend Unterkünfte für die unbegleiteten Jugendlichen " mein Fräulein Dopplenam-Gutmensch ..... ( xyz Organisation )

ich zeige auf das Logenhaus und sage :

"da gibt`s ne Kantine und große Veranstaltungsräume ; abgesehen davon könnte man aufm Uni Gelände Container aufstellen " .

" also : da hätte ich jetzt aber Bauchschmerzen "

"warum ?"

später ... am Kaffeeautomaten : "sag mal , bist du bescheuert ? der Herr XY von der örtlichen xy Behörde hat das gehört ; willst du uns Schwierigkeiten machen ?"

"nö-ich will nur helfen(tm) "
Der Gutmensch
30. Januar 2016 17:40
Genau, Gustav, ich sag ja - der Mann stellt sich eben bloß naiv und verfolgt eine Agenda. Und die trapsende Nachtigall sitzt auch schon im Käfig; na, da läuft ja offenbar alles nach Plan.

Verteiler/Nord - Timur und sein Trupp wären so stolz auf Sie gewesen, schnief.

Andreas Walter: Schreiben Sie doch auch eine Verfassungsbeschwerde!


d. G.
Platon
30. Januar 2016 17:49
Sehr geehrter Herr Kubitschek,

wenn von den „antiken Seelentrias“ die Rede ist, dann wäre es von Vorteil, zu verdeutlichen, an welcher philosophischen Richtung der Antike sich diese Einteilung orientiert. Die aristotelisch-platonische unterscheidet sich fundamental von der der Stoa und den modernen Vorstellungen. Die modernen Vorstellungen sind im Wesentlichen von der Stoa geprägt bzw. von dieser abhängig.
Der grundsätzliche Unterschied der aristotelisch-platonischen Seeleneinteilung hinsichtlich Stoa und philosophischer Moderne seit Descartes ergibt sich aus der Definition dessen, was unter Denken zu verstehen ist. Seit Descartes wird das Denken mit dem Bewusstsein identifiziert.
Aus platonisch-aristotelischer Sicht wird hier jedoch fälschlicherweise die Wirkung von Denken zu dessen Ursache erhoben. Denken in der Tradition Platons und Aristoteles‘ stehend, versteht unter Denken die Fähigkeit des Unterscheidens. Die Art des Unterscheidens charakterisiert die jeweiligen rationalen Erkenntnisakte. So erfasst die Wahrnehmung Einzelnes, das Meinen Allgemeines an Einzelnem und der Verstand oder die Vernunft erfasst Allgemeines für sich selbst. Begleitet werden diese verschiedenen Erkenntnisakte von unterschiedlichen und vielfältigen Strebeformen, die jedoch keine ursprüngliche Eigenständigkeit oder eigene innere Logik besitzen (z. B. Wille oder Gefühle). Das je unterschiedliche Wollen, das unterschiedliches Handeln ermöglicht, ist für Platon Grundlage seiner Einteilung der Seele, die der aristotelischen Differenzierung der Willensformen in Epithymia (=Begierde), Thymos (=Eifer) und bulesis (=vernünftiger Wille) entspricht.
Aus den verschiedenen „Gegenständen“, auf die sich die verschiedenen Formen des Erkennens und die auf sie bezogenen unterschiedlichen Strebeformen fokussieren, ergeben sich die innerseelischen Konflikte, die sich laut Platon aus Kompetenzüberschreitungen der einzelnen Seelenaktivitäten als Erkenntnis- und Strebeaktivitäten ableiten lassen.
Die Moderne hat diesen Sachverhalt äußerst stark simplifiziert. Für Goethe gilt in diesem Sinne in seinem Faust auch nur noch, dass sich zwei Seelen in der Brust Faustens im Widerstreit miteinander befinden. Genauer und das ist das Besondere: Den jeweiligen Seelenvermögen wird eine für sich eigenursprüngliche und voneinander unabhängige Aktivität zugesprochen. Daraus ergibt sich die scharfe Opposition bzw. der angebliche Dualismus der eigenursprünglichen Seelenvermögen wie beispielsweise von Verstand/Vernunft versus Gefühl und umgekehrt.
Bei Platon und Aristoteles hingegen sind die drei Seelenteile drei verschiedene Formen des Willens. Der Wille entsteht aber nicht aus sich selbst, dies gilt für Gefühle ebenso, sondern ist Resultat des Zusammenspiels verschiedener Erkenntnisformen mit unterschiedlichen Lusterfahrungen und der Projektion jener Erfahrungen in die Zukunft. Erst, wenn Erinnerung und Vorstellung die erfahrene Lust in die Zukunft projizieren und festhalten oder wiederhaben wollen, entsteht so etwas wie ein Begehren oder ein Wille. Auch hier ist wieder wichtig, dass die Lust kein eigenursprüngliches Vermögen darstellt, sondern ein Begleitphänomen der Tätigkeit selbst ist. Das Begehrliche ist sowohl für Platon und Aristoteles nicht schlechthin irrational, sondern Teil der einen Vernunft des Menschen, und zwar als ein Teilaspekt der gebundenen Vernunft.
Die Umdeutung dessen, was im eigentlichen Sinne Gefühle sind, nämlich verstärkende oder abschwächende Begleitphänomene verschiedener erkennender Tätigkeiten, führte dazu, dass im Gefolge der Bewusstseinsphilosophie Gefühle dem Bereich des schwer oder nicht mehr Erklärbaren, Dunklen, Irrationalen zugeordnet und als Gegensatz dem kalt, sezierenden Verstand gegenüberstellt wurden.
Der Thymos als Strebeform, für den die moderne Bewusstseinsphilosophie bislang keinen adäquaten Begriff entwickelt hat, wird von Platon erkenntnistheoretisch dem Bereich des Meinens zugeordnet. Das Meinen impliziert bereits Rationalität, wenn auch eine Form des gebundenen Denkens, die es ermöglicht, freier als die durch die Wahrnehmung vollzogenen Denkakte bzw. Unterscheidungsakte zu agieren, aber wiederum weniger frei, als in den Tätigkeitsakten (Verstand/Vernunft) des rationalen Wissens. Dennoch: Alle Tätigkeitsakte sind aufeinander bezogen und voneinander abhängig. Zur Konfusion kommt es, wie oben schon erwähnt, erst dann, wenn die verschiedenen, erkennenden Unterscheidungsakte und ihre Strebeformen ihre Kompetenzen überschreiten, also die Wahrnehmung (sinnliche Begierden) in Bezug auf das Meinen (Thymos), das Meinen oder die Wahrnehmung hinsichtlich der Vernunft. Es ist aber ausschließlich die Vernunft, die als letzte Instanz, erfasste Unterschiede zueinander in Beziehung setzen und zwischen ihnen unterscheiden und werten kann sowie über die Bedürfnisse des Ganzen umfassend, weil frei, ungebunden urteilen kann.
Aus dem Gesagten lässt sich auch ein wesentlich differenzierter Freiheitsbegriff ableiten. Frei ist derjenige Mensch, der in der Lage ist, die Unterscheidungsfähigkeit in allen rationalen Akten vollendet zu entfalten. Wenn die Vernunft jedoch nur dazu gut ist, zu erkennen, wie aus schon viel Geld noch mehr wird (s. Black Rock), dann sitzt – so Platon – die Besitzgier auf dem Thron und die Vernunft am Boden (Herrschaftsform der Plutokratie). Eine Gesellschaft, die die Unterscheidungsfähigkeit des Menschen nivelliert und auf sinnliche Begierden reduziert, erzeugt im höchsten Maße Unfreiheit und Ungerechtigkeit. Insofern fällt das Urteil Aristoteles‘ über die Marktwirtschaft/Kapitalismus vernichtend aus: Sie ist von allen Wirtschaftsformen die schlechteste. Mit Freiheit im eigentlichen Sinne – Unterscheidungsfähigkeit – hat diese Wirtschaftsform nur im depravierten Sinne zu tun.
Vielleicht abschließend noch: Auch die Angst kann vernünftig sein, so wie der Mut etwas Unvernünftiges darstellen kann, wenn man den erkenntnistheoretischen Prämissen Platons und Aristoteles folgt und nicht modernen Ansichten, die beispielsweise in der Angst etwas per se Irrationales, Diffuses erkennen wollen.
Sie sehen aber, dass die von Ihnen formulierten „Seelenfakultäten“ mit denen Platons und Aristoteles (Antike) weder begrifflich noch inhaltlich etwas gemein haben.
Konservativ revolutionär wäre es aber, wenn die seit Descartes sowohl umgedeuteten als falschen erkenntnistheoretischen Prämissen wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden.
Die Konsequenzen habe ich kurz an einem an Aristoteles/Platon entwickelten Freiheitsbegriffs angedeutet.
Monika
30. Januar 2016 17:59
unmöglich, weiterhin auszugreifen, wo doch das Eigentümliche, das Spezifische sogar im eigenen Beritt in Frage gestellt oder offen angefeindet und angegriffen wird – von den Fremden, die das Vakuum spüren und es auszufüllen beginnen, und von den eigenen Leuten, die mit großer Verachtung auf das Eigene, mit großem Vertrauensvorschuß aber auf das ganz Fremde blicken und sich von dort irgend­etwas erhoffen – etwas Befreiendes, etwas Ablenkendes, etwas Besseres, eine neue Garderobe, irgendeine kulturelle Metamorphose …


@Franka Frey

Ich bin zwar kein Handballfan, aber das mit der noch vorhandenen Thymos-Spannung gefällt mir. Manchmal, in den dunkelsten Momenten denke ich sogar: Wir könnten es schaffen .
Natürlich auf eine ganz andere als die von oben diktierte Weise.
Warum sollte von den beunruhigenden Veränderungen, dem und den Fremden nicht etwas Befreiendes , irgendeine kulturelle Metamorphose ausgehen können ?
Timur
30. Januar 2016 18:14
Da hier neuerdings so viel von Sloterdijk gesprochen wird, möchte ich jedem unbedingt folgendes dringend empfehlen:

https://www.youtube.com/watch?v=kZRnuHeqQjw

Man sollte vor allem Herrn Heinsohn sehr genau zuhören!
Es handelt sich hierbei um eine Sendung aus dem Jahre 2006 - dass niemand sagt, man hätte das alles nicht wissen können!
Winston Smith 78699
30. Januar 2016 19:06
"... begreifen Sie denn nicht, dass ich nur Ihr Bestes will?"

Quelle: http://www.untergrund-blättle.ch/buchrezensionen/eugene_ionesco_die_unterrichtsstunde.html

In Ionescos "Unterrichtsstunde" hat die Studentin doch gar keine echte Chance. Der psychopathische Professor wird sie auf die eine oder andere Weise durch seine Fragen in ein Thema maneuvrieren, bei dem er sich wie bei allen seinen anderen Opfern in eine Rage hineinsteigern kann, deren Ziel schon feststeht. Es ist egal, was die Studentin antwortet - das wird schon zu Anfang gezeigt. Und er kann sich dann sogar noch vormachen, dass es ein Unfall war oder er gar nicht anders konnte. (Besonders perfide, aber typisch für modern-angepaßte Psychopathen, ist der sorgsam gehegte Anschein des Wohlwollens und des Verantwortungsbewußtseins.)

An Aporien oder Dilemmata hat es derzeit für das deutsche Volk nicht gerade wenige. Läßt man sich auf dieses Spiel ein, macht es zusätzlich krank:
Der Adressat erlebt eine solche Doppelbindung als unhaltbar, unauflösbar, wenig durchschaubar und existentiell bedrohlich, weil:

- ihm eine Wahl im Sinne der paradoxen Scheinalternativen tatsächlich nicht möglich ist,
- er die der sprachlich korrekten Botschaft innewohnende Paradoxie nicht erkennen kann / darf (z. B. unterstützt durch Verbot einer Metakommunikation),
- er sich aber aufgrund eines Abhängigkeitsverhältnisses gezwungen sieht, der Aufforderung dennoch zu entsprechen und
- er die Situation nicht verlassen kann.

Der Zwangscharakter und die „Illusion der Alternativen“ in einer Doppelbindung schaffen für ihn eine „Lose/Lose-Situation“ (engl.: to lose = verlieren).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelbindungstheorie

Andererseits binden Dilemmafallen auch Kräfte des Verursachers. Je mehr "Gabeln" mein Gegner beim Schach aufbauen will, desto unbeweglicher könnte er selbst werden. Psychopolitisch könnte sich dies zuspitzen, indem die verschiedenen aufwendig arrangierten (und jeweils auf einzelnen semantischen Tricks und Denkverboten beruhenden) Aporien auf dem Brett beginnen, einander zu stören und der Wahnsinn dieser Politik durch innere Widersprüche sichtbar wird. Irgendwann ist der Feind im Zugzwang und muss sich eine Blöße geben.

Nicht dass das Geplauder nicht auch unterhaltsam wäre, aber muß man sich denn riskante Kursentscheidungen aufzwingen lassen, während zugleich der o.g. Metadiskurs einseitig verweigert wird? Oder kann man diesen einfach selbst offenlegen und sich dann mit anderem beschäftigen als verbaler Selbstzerstörung?

Soll doch erstmal was anderes kommen oder getan werden und den ersehnten Vordenkern wieder etwas Handfestes vorliegen, worüber sie schreiben können. Auch in diesem Sinne war mein Spruch da oben gemeint.
Jennie
30. Januar 2016 21:09
@deutscheridentitärer
Gleichzeitig darf man auf keinen Fall NPD und NW in das patriotische Lager hineinziehen und sich auch nicht vereinnahmen lassen.


NPD oder NW sind ja eigentlich nur Synonyme für den VS. Die werden dahin geschickt, wo das System sie für nötig erachtet. Ob das Kürzel NW oder IBD heißt, ist denen doch völlig gleichgültig. Die Vorbereitungen dazu sind längst abgeschlossen.
http://hessenschau.de/panorama/identitaere-bewegung-rechtsextrem,kurz-identitaere-unter-beobachtung-100.html

Leider ist "das patriotische Lager" in der Vergangenheit nicht damit aufgefallen, daß es wirksame Strategien gegen Spitzel, Spalter und Provokateure entwickelt hätte.
Eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall.

Dennoch muß man sich wohl nicht vor zuviel Aktivismus fürchten, denn dafür fehlen ja sowieso die Kräfte.
Nemo Obligatur
30. Januar 2016 21:30
Verteiler / Nord
Samstag, 30. Januar 2016, 15:32


Ihr Artikel ist Labsal und Fundgrube in einem. Bei solchen Mitkämpfern ist mir nicht vor einer Niederlage bange. Am Ende kommt es nur darauf an, die richtigen Schlüsse aus den eigenen Beobachtungen zu ziehen.
Exmeyer
30. Januar 2016 21:35
@ der_Jürgen

Sie mißverstehen mich ein wenig: Es macht keinen Sinn, diejenigen Aussagen parallel zu Meyer, Müller, Schultze zu plappern, die diese bereits selbst schon geschluckt haben, nur um diese irgendwie einzubinden (oder was auch sonst der Sinn sein soll).

In drei Jahren plappern die so, wie wir hioer heute. Es macht überhaupt keinen Sinn, vom Gas zu gehen, damit die alten Esel mitkommen.

Diese Esel interessieren noch nicht mal an der Urne, wie ich oben dargelegt habe.

Solange diese Leute nicht tscheckn, daß es sich um eine systematische Frage handelt, die hier gestellt werden muß, dann ist deren Potential völlig irrelevant. Relevant sind die, die aus eigener Kraft zu Hogesa, Pegida, Legida gehen und das Kreuz (egal wo) rechts von der Union machen.

Wer es nicht begreift und keien Eier hat ist Füllmasse. Wird es immer sein.
Mops
30. Januar 2016 22:27
@Romat:

"Wenn alle Leute, die uns gesagt haben, sie würden ja AfD wählen, wenn nur Höcke und seine „Völkischen“ (ich lasse das jetzt mal einfach so stehen) nicht wären, gewonnen werden könnten, dann hätte die AfD (auch im Westen) locker über 30% bei den anstehenden Wahlen sicher."

Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre.
Gäbe es keinen Höcke, so hätten die Anpasser und Duckmäuser tausend andere Gründe warum die AfD angeblich nicht wählbar ist.
Für mich wäre sie in Baden-Württemberg übrigens auch nicht wählbar, dank eines Landesvorsitzenden, der 200.000 Asylanten pro Jahr für "verkraftbar" hält.
Und wer mehr Angst vorm bösen Höcke als vor >1 Mio orientalischer und afrikanischer Asylforderern hat, dürfte den Ernst der Situation in der wir uns befinden ohnehin noch nicht so richtig erfasst haben
enickmar
30. Januar 2016 22:32
Ich kann auch bestätigen, dass die Mehrheit mittlerweile AfD Positionen vertritt.


Aha. Wie denn ?
Klackto
30. Januar 2016 23:06
@Westpreusse und andere

"Es würde zunächst reichen, wenn die AfD mit 10 % plus in den Länderparlamenten und im kommenden Bundestag 2017 säße. Diese ganzen Verkrustungen müssen aufgebrochen werden…"

usw. usf.

Ein Axiom sollte jedem klar vor Augen stehen:

Die sich an der Macht befindliche Linke von Ex-SED bis CDU/CSU wird sich durch Wahlen nicht vertreiben lassen. Dazu sind die viel zu stark, können sie doch zusätzlich zu ihrem globalistischen Rückhalt und Antifa-Schlägern auf zigtausende zu allem bereiter Invasoren zählen, die sie im Handumdrehen mobilisieren können.

Deutschland wurde nicht durch Wahlen gewonnen sondern mindestens schon mit dem Cheruskeraufstand beginnend über zweitausend Jahre hinweg durch Kriege und härteste Arbeit. Genauso wird Deutschland auch nicht durch Wahlen zu sondern nur durch Kriege und härteste Arbeit zu verteidigen sein.

Also bitte keine Illusionen darüber machen, was uns noch bevorsteht.
Bereitet Euch auf den Tod vor und findet zu Gott, nur so könnt ihr siegen.
der Gehenkte
30. Januar 2016 23:46
@ Der Gutmensch
dann ist Sloterdijk also nicht der Schlimmste, mea culpa. Dennoch gibt es da eine Frage:

Wenn Sie sich die obige Quelle mal genau ansehen, schiebt er dort die ganze Schuld der derzeitigen Regierung in die Schuhe – und zwar obwohl er es , wie Sie selber ausführen, besser weiß und das Problem schon lange vor der Amtszeit von der Kanzlerin erkannt hat!


Ich denke, es hilft, zwischen chronischer und akuter Krise zu unterscheiden. Sloterdijk hat in der Vergangenheit natürlich nur über die chronische Krise sprechen können - einige Foristen haben zeitgleich andere Belege dafür erbracht. Wann und wie und auch daß sie jetzt diese konkrete Form annimmt, konnte niemand voraussagen. Ich finde es daher eher mutig, den Finger in die Wunde Merkel zu legen, auch wenn damit die chronische Krise natürlich nicht tangiert ist. Was soll man noch mehr verlangen? Es ist ein politisches Argument, das man nicht überstrapazieren darf. Taktisch ist das das Maximum, was eine Singularität wie Sloterdijk tun kann.

Ähnlich auch Paul Collier: http://www.welt.de/wirtschaft/article151603912/Ist-Merkel-schuld-an-Fluechtlingskrise-Wer-sonst.html
Gustav Grambauer
30. Januar 2016 23:52
Es gibt diese Woche noch eine delikate kleine Abrechnung mit Merkel zu lesen, gewürzt durch die Abfolge auf Klonovskys Wagner-Hitler-Anspielung.

Maaz - und jetzt erlaube ich mit mal eine Ferndiagnose, die mich ggf. schon als solche als Arzt berufsethisch disqualifizieren würde - hat genau verstanden, von wem, für wen und gegen wen die Psycho-Waffe und dabei insbesondere die Bioenergetik-Waffe eigentlich entwickelt wurde.

Insofern ist Merkel - aber erst seit sie von der Washington Post zum Abschuß freigegeben wurde - auch mit einem polnischen Großvater, der in der Haller-Armee gekämpft hat, noch viel zu deutsch und protestantisch, um einer kleinen Sprechstunde auf der Tätervolk-Couch eines deutschen Protestanten im Selbsthaß-Modus zu entgehen (der sich aber nie, nie nie wagen würde, etwa Charlotte Knobloch einmal so flachzulegen):

http://www.huffingtonpost.de/2016/01/24/psychoanalytiker-hans-joachim-maaz-angela-merkel-_n_9064278.html

- G. G.
Eisenhans
31. Januar 2016 09:43
§ Klackto

" Bereitet euch auf den Tod vor...."
Gehts auch ne` Nummer kleiner ?
Aristoteles.
31. Januar 2016 10:23
Merkel bekennt, die Bunte Republik sei nicht in der Lage, 3000 km Grenze zu verteidigen.
Die Sozialdemokraten machen sich derweile für den Familiennachzug stark.

In solchen Zeiten ist ein Begriff wie "territorialer Imperativ" ein Pfund --- auch angesichts der Tatsache, 'dass sie [die Fremden] ja nunmal da sind'.
Die jüngst wieder oft hervorgeholte Wortwaffe 'Integration' bedeutet nämlich in erster Linie: Genozid.

Begriffe wie 'territorialer Imperativ' zeigen uns dagegen auch an:
Ich will in meiner eigenen ethnokulturellen Guppe leben dürfen.

Dass gerade auch hier im Forum einige sind, die mit 'Ethnie' oder 'Volkserhalt' nichts anfangen können, finde ich erschütternd. Aber sei's drum. Drei Fragen werden in den folgenden Jahrzehnten wieder neu aufgestellt und beantwortet werden:

1) Die Frage nach Rasse.
2) Die Frage nach Land.
3) Die Frage nach Gott.

Und zwar: IM ZUSAMMENHANG.
Waldgänger
31. Januar 2016 12:41
@ Klackto (30.1., 23.06 Uhr)

Sie schreiben vollkommen zutreffend:
Ein Axiom sollte jedem klar vor Augen stehen:

Die sich an der Macht befindliche Linke von Ex-SED bis CDU/CSU wird sich durch Wahlen nicht vertreiben lassen. Dazu sind die viel zu stark, können sie doch zusätzlich zu ihrem globalistischen Rückhalt und Antifa-Schlägern auf zigtausende zu allem bereiter Invasoren zählen, die sie im Handumdrehen mobilisieren können.


Abtreten wird so ein Regime nur, wenn ...

a. es durch desaströses Scheitern (z.B. bewaffneter Aufstand von "Flüchtlingen, Wirtschaftscrash mit Geldentwertung) völlig diskreditiert ist und angesichts dann massiver Proteste zusammenbricht,

b. es von außen abgesetzt wird (z.B. Brüssel); eine nicht unmögliche und noch nicht angedachte Variante im Sinne des cSchachzugs: "Seht ihr, die nationalen Regierungen packen es nicht mehr. Die EU muss eingreifen und das Chaos beenden!"

c. ein Militärputsch von patriotisch gesinnten Bundeswehreinheiten in einer noch weiter eskalierten Situation stattfindet.

Da Deutschland inzwischen bald das Stadium eines gescheiterten Staates ("failes state") erreicht, sollte man auch die Varianten b. und c. nicht von vornherein ausschließen.

In einem regelrechten Bürgerkrieg bzw. in seinen Vorstufen würde das Regime die Oberhand behalten.

Vermutlich würde auch eine (fiktive) Absetzung der Regierung durch das Bundesverfassungsgericht nicht reichen.
Dennoch ist die Verfassungsbeschwerde natürlich gut und richtig!!
Der_Jürgen
31. Januar 2016 14:30
@Klackto @Waldgänger

Sie haben beide recht, Wahlen ändern nichts mehr. Sie sind allenfalls nützlich, um den Druck auf das Regime zu erhöhen; 20% Stimmen für die AFD würden die Herrschenden sehr nervös machen. Doch angesichts der Tatsache, dass Menschen wie Höcke bei der AFD nicht den Ton angeben und das Parteiprogramm ein Bekenntnis zu Westbindung und Nato enthält, sei vor Illusionen gewarnt.

Von Waldgänges Varianten ist c) leider die unwahrscheinlichste. Ich glaube nicht, dass sehr viele unkorrumpierbare Patrioten es bis zum General bringen. Wie es einem solchen geht, wenn er den Mund aufmacht, hat das Beispiel Rainer Güzels gezeigt. b) ist ebenfalls nicht wahrscheinlich, weil Brüssel keine eigene Streitkräfte hat; es müsste schon die Nato - d.h. Amerika - eingreifen. a) ist hingegen realistisch.

Allerdings würde ein Volksaufstand mit anschliessender Machtübernahme durch Patrioten wohl eine US-Intervention auslösen. Vorausgehen würden einer solchen fast sicher eine ungeheuerliche internationale Medienkampagne ("Hilfe, die NAZIS sind wieder an der Macht!") und Sanktionen. Wenn solche nichts bringen, beginnt Uncle Sam zu schiessen und zu bomben - immmer vorausgesetzt, er ist dazu noch gewillt und imstande. Der Niedergang der amerikanischen Macht, der vor unseren Augen Gestalt annimmt, ist unsere grosse Chance.

Doch auch eine offene amerikanische Okkupation hätte ihre Vorteile. Sie würde auch dem Beschränktesten die Augen öffnen und die Fronten endgültig klären.
Der Gutmensch
31. Januar 2016 14:56
Lieber Gehenkter,

und zu welchem Zweck unterscheiden Sie nun zwischen chronischer und akuter Krise? Nur für die Wahl des Sacks, den Sie zu prügeln gedenken, weil sie seiner zufällig habhaft zu werden meinen?

Um verantwortungsethisch zu handeln, kommt man eben nicht daran vorbei, nach den Gründen für die Krise zu fragen. Diesbezüglich bei der Innenpolitik (oder gar bei Personalien) stehen zu bleiben, ist unsachlich, denn wir leben ja nicht auf dem Mond und es handelt auch nicht einer alleine. Im übrigen sind vage außenpolitische Entschuldigungen stets das, was vorgebracht wurde, wenn man mal wagte, die migrationspolitischen Entscheidungen der Vergangenheit auf den Prüfstand zu stellen (wir wurden ja doch aber gezwungen ... blabla). - Mag alles sein, aber was hat sich denn inzwischen geändert? Können wir nun nicht mehr gezwungen werden, nein? Weiß hier jemand ... Näheres?

Natürlich können Sie einwenden, dass meine Argumentation die Gefahr beinhaltet, dass man handlungsunfähig wird, weil man von besseren Informationen nunmal abgeschnitten ist. Das ist dann der Punkt, wo man eben notgedrungen mit reiner Plausibilität vorlieb nehmen muss. Und ich halte die Überlegung eben nicht für plausibel, dass das deutsche Kabinett eine US-amerikanische Agenda auf Biegen und Brechen gegen das deutsche Volk durchsetzen möchte. Zum an-die-Wand-fahren war während der Finanzkrise wahrlich genug Gelegenheit; also wieso hätte man damit noch zuwarten sollen? Und für das reine Bedienen von Schranzeninteressen (billige Arbeitskräfte etc.pp.) ist das Ganze mittlerweile auch eine Nummer zu groß.

Vor dem Hintergrund würde ich eben nicht den Königsmörder geben. Prof. Schachtschneider selber tut das auch nicht; der verfolgt nach meiner Einschätzung seit Jahren kalten Blutes eine Linie, die da heißt: binde dem BVerfG die Verantwortung ans Bein, koste es was es wolle! Nun ist das GG offiziell schon ziemlich malade, also fragt er mal höflich an, wie es denn mit der Verantwortung für den Notstand genau ausschaut? Den ganzen Krawehl drum herum braucht es ja vorrangig, damit diese höchst delikate Frage auch zur Entscheidung angenommen wird; das ändert aber m. E. nichts daran, dass es sich dabei um reinen Krawehl, also rein ideologisch (und nicht sachlich und damit auch nicht patriotisch) motivierte Positionen handelt - schauen Sie sich doch nur mal Ihre eigene Quelle an:

Ich verstehe bis heute nicht, warum Frau Merkel so gehandelt hat.


sagt Ihr Oxford-Ökonom. Na - bravo! Er versteht also nicht - aber das Ergebnis beurteilen, das will er schon ...! Was will er uns damit genau sagen? Ihr Deutschen hattet einen verrückten Führer und jetzt habt Ihr eine verrückte Kanzlerin! Möge er sich ein Ei drauf braten; aber da braucht es schon Argumente, bevor ich über das Stöckchen hüpfe.

d. G.
Björn Clemens
31. Januar 2016 17:35
Damit das, was gehen muss, auch wirklich geht, ist aus meiner Sicht eins eine notwendige, ja geradezu alternativlose Voraussetzung: ein Burgfrieden zwischen all denen, die sich in dem Ziel der Erhaltung unseres Volkes einig sind. Mögen sie sich auch in 99 Punkten unterscheiden, muss dieser eine Punkt genügen, um sachliche oder persönliche Differenzen oder Scheindifferenzen der Vergangenheit beiseite zu legen, um die winzige Chance für die Zukunft zu nutzen.

BC
Andreas Walter
31. Januar 2016 19:03
@Aristoteles

Die Merkel redet eben auch viel Blödsinn, bis der Tag vorbei ist. Hab' es vor ein paar Monaten sogar schon mal selbst ausgerechnet, grob überschlagen, was uns das jährlich kosten würde, 3600 km Grenzzaun Typ DDR. Ein Bruchteil von dem, was uns die überwiegend arbeitslosen weil unqualifizierten, und nicht nur ungehobelten Migranten allein schon Materiell jährlich kosten werden, den sozialen und gesellschaftlichem Schaden des Ganzen mal ganz Aussen vor. Den hat eh noch niemand auch mal monetär zu bewerten versucht.

Wenn selbst Israel, mit seinen gerade mal 8 Millionen Einwohnern bei 1000 km Grenze, sich das leisten kann, dann können wir das schon lange. Sogar auch mit Iron Dome, Dom, wenn's sein muss. Made in Germany. Um feindlich gesinnte oder nicht identifizierte Flieger und Raketen bei Bedarf vom Himmel zu holen.

@Alle

Was den Thymos betrifft, so wurde übrigens bereits 1871 genau dafür der §130 StGB geschaffen, um diesen wirkungsvoll zu unterdrücken. Die meisten Veränderungen hat dieser Paragraph allerdings erst nach 1945 erfahren.
SM
31. Januar 2016 20:25
Viktor Orban:
Es ist eine Warnung für alle Zeiten, dass nur die starke Regierung eines souveränen Landes in der Lage ist, seine Staatsbürger der unterschiedlichsten Nationalität vor den äußeren Kräften und den die äußeren Kräfte bedienenden inneren Anhängern zu schützen. -

http://www.andreas-unterberger.at/2016/01/aussiedlung-war-ausplnderung-und-vertreibung/
Der_Jürgen
31. Januar 2016 20:49
@Björn Clemens

Genau darum geht es. Die einzige Chance ist der von Kubitschek, Elsässer und anderen beschrittene Weg der Querfront, die patriotische Linke (eine rar gewordene, aber noch nicht ausgestorbene Spezies) und Rechte vereint. Initiativen wie einprozent fügen sich in diese Strategie ein. Ich mag es in diesem Forum ja schon einmal gesagt haben, möchte es jedoch wiederholen: Die aussichtsreichste Strategie besteht in der Konzentration auf einige wenige Grundforderungen, von denen die Schliessung der Grenzen, die Ausserkraftsetzung des Asylrechts und die Repatriierung illegaler Einwanderer und abgelehnter Asylbewerber im Zentrum stehen muss. Diese Forderungen sind auf allen uns zur Verfügung stehenden Kanälen ständig zu wiederholen. Ausserparlamentarische - aber gewaltlose - Aktionen bis hin zu Streiks werden den Druck auf das Regime stetig erhöhen.

Wer die zentrale Forderungen der Querfront unterstützt und keine Gewalt anwendet oder predigt, ist unser Bundesgenosse. Ausgegrenzt wird niemand, weder der NPD-Anhänger noch der patriotische Marxist.
Wutbürger
01. Februar 2016 07:19
"In einem regelrechten Bürgerkrieg bzw. in seinen Vorstufen würde das Regime die Oberhand behalten. "

Sie haben natürlich Recht; trotzdem sollten wir alle uns auch auf diese Option vorbereiten; mental sowieso; aber auch rein praktisch. Die ausufernde linksextreme Gewalt, hervorgerufen durch die geistigen Brandstifter aller Bundestagsparteien, ist nur eine Vorstufe des noch Kommenden.

Doch bevor es losgeht ist es wichtig Deutungshoheit über Begriffe zu erlangen. Sobald ein Systempolitiker frech von Integration (sei es von Ausländern, "Flüchtlingen", Asylanten oder sonst wem Nichtnordischen) quasselt muss dagegen vehement protestiert werden.

Hier hätte Beatrix von Storch radikaler sein müssen, als sie bei Maischberger in die Enge getrieben wurde mit der Frage ob "Flüchtlingskinder" auch in die Schule gehen sollten/dürften/müssten.

Als sie daraufhin "ja" sagte, hatte sie bereits verloren.

Sie hätte natürlich sagen müssen, dass "Flüchtlinge" in keine deutsche Schule gehören. Denn dies führe in der Tat zu Integration.

Integration bedeutet jedoch Herstellung eines Ganzen, Zusammenschluss, Vereinigung.

Genau das wollen die Multikulturalisten. Aber nicht wir. Wir wollen die deutsche Volksgemeinschaft. Dies festzustellen ist nichts dessen wir uns schämen müssten; sondern sollte ein Axiom sein.

Was ist an Volk oder Gemeinschaft, also Volksgemeinschaft negativ bestzt? Nichts. Nur Grüne sehen das anders. Und zu dem Geschwafel, aber im Dritten Reich....bla bla bla. Ja, im Dritten Reich haben sie auch Luft geatmet. Sollten wir jetzt kollektiv das Atmen einstellen?!

Kurz, es geht darum Deutungshoheit über Begriffe zu erlangen und es geht darum diese in unserem Sinne in die politischen Diskurse einfliessen zu lassen und letzlich dadurch Risse in die Mauer der Deutschlandhasser zu hämmern.
Insofern war die Diskussion der AfD über den evtl. Schußwaffengebrauch an der Grenze schon genial!
Eisenhans
01. Februar 2016 09:28
§ Der_Jürgen

Ich bin leider nicht so bewandert auf den Feldern der "patriotischen
Marxisten", Sie werden sicher eine ganze Reihe benennen können.
Noch lebende wohlgemerkt.
Der_Jürgen
01. Februar 2016 11:04
@Eisenhans

Sie fragen nach "patriotischen Marxisten". Peter Feist ist ganz sicher einer. Und vor kurzem stiess ich auf die Website der "Roten Fahne". Mit diesen Leuten könnte man trotz der weltanschaulichen Abgründe, die uns Nationalisten/Identitäre/Konservative von ihnen trennen, in manchen Punkten eine gemeinsame Sprache finden.

M.L.: Ich habe gedacht, Sie sprechen von Reinhold Oberlercher, harhar...
Eisenhans
01. Februar 2016 12:35
§ Der_Jürgen

"....in manchen Punkten eine gemeinsame Sprache finden".


Nun ja, soweit mir bekannt ist, hat Ernst Thälmann in den
zwanziger Jahren sich vehement gegen polnische Übergriffe auf
Volksdeutsche verwahrt. Ob er das wohl auch getan hätte, wenn
dies durch sowjetische NKWD- Einheiten erfolgt wäre ?
Man kann sich trotz vorhandener weltanschaulicher Abgründe
sicher eine wackelige Brücke bauen, sollte sich aber im klaren
darüber sein, das sie ganz fix wieder zusammenstürzen kann.
Ostelbischer Junker
01. Februar 2016 13:29
@ Waldgänger

Ist die verlorene Oberhand des Regimes nicht DIE Vorbedingung für den Bürgerkrieg?

Szenario für 2017/18: Es kommt zu einem Angriff des IS auf eine deutsche Stadt, verbunden mit ca 2-3 tägiger Besetzung (Dazu sind sie als divisionsstarker Verband in der Lage - schaut euch die Taktik in Syrien und dem Irak an. Die hier aufgewachsenen Moslems werden die Kundschafter und Einweiser geben). Es wird wohl kurzzeitig ein Emirat ausgerufen, öffentliche Hinrichtungen und Steinigungen, Schändung der Stadtkirchen etc. Danach Rückeroberung durch Bundeswehr, unterstützt durch US-Truppen.
Dann nach einer oder zwei Wochen wird ein Teil des Apperates Meutern, unterstützt von patriotisch gesinnten Bevölkerungsteilen - und es wird wahrscheinlich zu Exzessen kommen. Dann wird aber der linke Teil dieses Landes, unterstützt von den nicht aufgewachten und verblendeten Teilen des Apperates zum Gegenschalg ansetzen. Der Hardcore Muslimische Teil wird eine eigene Partei bilden - die aber wahrscheinlich zerspringen wird (PKK, Graue Wölfe, Salafia, sekuläre Muslime etc). Dann wird es ausgekämpft werden müssen.
Ostelbischer Junker
01. Februar 2016 13:37
P.S.

eigentlich sollte man das Wort Patriot nicht verwenden....wir sind Chouans....
waldgänger
01. Februar 2016 16:05
@ Ostelbischer Junker

Sie fragen:
"Ist die verlorene Oberhand des Regimes nicht DIE Vorbedingung für den Bürgerkrieg?"


Im Prinzip ja.
Es könnte aber auch sein, dass das Regime selbst den Druck so sehr steigert, so sehr provoziert, dass sich bestimmte Kräfte zum gewaltsamen Widerstand entschließen. Dann wäre das Regime am längeren Hebel.

Grundsätzlich setzt ein Bürgerkrieg - diese furchtbarste Form des Krieges - ausgerüstete und kampffähige Akteure auf beiden Seiten voraus.
In diesem Sinne konfliktfähige Akteure gibt es jenseits des Staatsapparats und in größerer Anzahl vermutlich nur in den eingewanderten Parallelgesellschaften.
Das von Ihnen skizzierte Szenario ist daher leider nicht nicht unmöglich.

Allerdings ist davon auszugehen, da stimme ich @ Dem_Jürgen zu, dass in einem solchen Moment wie dem, den Sie skizzieren, mit einer US-Intervention zu rechnen wäre. Eventuell sogar im Verbund mit US-Hilfstruppen, etwa aus Polen.
Alles in allem eine grauenvolle Vorstellung!
Exmeyer
01. Februar 2016 19:27
@ waldgänger

Sollte es so kommen, daß Polen und Amis hier als offene Besatzer auftreten, dann können Sie ja Ihrem nom-de-guerre alle Ehre machen. Ich weiß nicht, ob ich hoffen soll, daß Sie mit ihren Vermutungen recht haben ...

Arminius und seinen Mannen haben es auch hinbekommen. Und was die paar Paschtunen alles schaffen ... warum sollten wir es nicht schaffen. Immerhin wären wir schon mal zwei!
Chris
02. Februar 2016 02:04
Ich habe Sloterdijk früher nur aus den Medien gekannt, den alten Hühnen, dann habe ich ihn gelesen, ein großartiger Intellektueller, der die richtigen Fragen stellte und in den richtigen Wunden bohrte, niemals flach. Hin und wieder auch mal mit Unsinn in der Verkürzung.

Nehmen wir mal an, ein Donald Trump siegt in den USA, der die Politik von Merkel für kompletten Irrsinn hält und eine Anti-Migrations-Agenda im Wahlkampf fährt. Eine Person, die auch für Konservative hierzulande indiskutabel ist, und deshalb die Distanzierung von amerikanischer Macht erleichtern dürfte. Auf jeden Fall aber nicht außenpolitisch die Entgrenzung propagieren und exportieren wird. Oder eben ein Demokrat Bernie Sanders, eine Sozialist im europäischen Sinne, auch dann wird es interessant.

Zunächst mal geht es zur Zeit um die Landtagswahlen im März, da suchen die Parteien alles, was sie greifen können, nehmen alles auseinander. Das bedeutet, dass jetzt keine Fehler gemacht werden dürfen, keine unnötigen Irritationen. Sicher kann man auch dem Rezept von Trump folgen, nach dem es egal ist, was man sich erlaubt, solange man am lautesten Publicity macht. Das wäre erfolgreich, aber nicht konservativ.

Die Debatte um die Flüchtlinge wird an anderer Stelle brechen, nämlich wenn die Linke umkippt. Schon jetzt kann sie allenfalls Kanzlertreu sein, aber sich nicht mit eigenen Angriffen profilieren. Die desillusionierten Flüchtlingshelfer und Teddyschwenker sind die Hoffnung. Geht auf linke Veranstaltungen und hört Euch an, was es da zu erzählen gibt, über die Hackordnung in der Kleiderkammer usw. Dort wird es kippen. Wer die Lage einschätzen will, sollte mehr Taz lesen.

Zuletzt ist "europäische Lösung" eine Chiffre auf die man setzen kann, nicht weil die europäische Solidarität funktionieren wird, sondern weil die anderen Länder eigenständig handeln werden und hier die deutschen Ministerien relativ frei im Schutz der abgeschirmten Gremien des Ministerrats agieren können. Wie würde denn eine Flüchtlingspolitk eines Staatssekretär Ole Schröder aussehen? Alles Leute, die zu klug sind, um sich öffentlich eindeutig zu exponieren oder ohne Sinn für den Treppenwitz der Kanzlerlinie. Frontex wird gestärkt, so oder so.
Karin Pfeiffer
02. Februar 2016 10:02
Was die offizielle Politik und ihre Sprechpuppen unter „Integration“ verstehen, hat mit der ursprünglichen Bedeutung des Begriffes nichts gemein. Integration für unsere Parteisoldaten ist hingegen BEBEBE:

BE-FÜTTERN
BE-KLEIDEN
BE-TREUEN

Und dies möglichst geräuschlos und professionell.

Die Flüchtlinge sind in diesem Spiel keine selbständigen Individuen. Sie werden in die Rolle hilfloser Objekte gedrängt, sind Menschenmaterial für die ganz und gar nicht von Humanität getragenen Interessen der florierenden „Asylindustrie“. Immer mehr Personen verdienen in neugegründeten, vollsubventionierten Unternehmungen und Institutionen ihren Lebensunterhalt. In dem Moment, wo die neuen Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag in Händen halten, schwenken sie auf eine „asylfreundliche“ Linie ein – das liegt in der psychologischen Natur des Menschen.

Täglich werden neue Arbeitsplätze für Autochthone in der Einwanderungsindustrie geschaffen, unsere deutschen Mitbürger sind also höchst wirkungsvoll eingebunden in die Abschaffung der eigenen Heimat. Welchen schweren kulturellen und wirtschaftlichen Schaden dem Land und auch ihnen selbst durch diese Arbeit entsteht, das wird durch den wohligen Blick auf den Lohnzettel tunlichst ausgeblendet. Noch sind die Töpfe nicht leer, das Geschäft ist für manchen kleinen Mann äußerst lukrativ, Widerstand gegen eine Änderung der bestehenden Verhältnisse ist deshalb nicht so schnell zu erwarten. Im Gegenteil.

Um zu erkennen, daß man mit eigener Tätigkeit nicht nur dem Gemeinwesen, sondern auch sich selbst auf mittlere oder lange Sicht schadet, setzt ein gewisses Abstraktionsniveau voraus – Denken in größeren Zusammenhängen als dem Kleinklein der alltäglichen Sorgen. Dieses Vorstellungsvermögen scheint vielen Menschen völlig abzugehen – auch schon weil das Lebensumfeld der letzten Jahrzehnte von Computern bestimmt wird, welcher nur eine Scheinwirklichkeit erzeugt. Die Schule hat maßgeblich dazu beigetragen, selbständiges Denken – vor allem im Zusammenhang mit ökonomischer und geschichtlicher Bildung – zu akademisieren, vulgo der Wirklichkeit zu entfremden.

Kurzfristiges Denken führt den Handelnden automatisch zur Zerstörung des Eigenen. Die heute mit aller Kraft für die Einwanderung arbeiten, gleichen den Bewohnern einer Schutzhütte in den Bergen, deren Mobiliar, Wände und Dach sie verfeuern, weil sie es mit geringem Arbeitsaufwand gemütlich warm haben möchten.

Bei all dem geschieht auch den Einwanderern Unrecht, auch das darf nicht vergessen werden. Sie werden durch das System instrumentalisiert, sind Nachschubmaterial für das am Schreibtisch leidenschaftslos kalkulierte Einwanderungsgeschäft.

Das Geschäftsmodell „Asyl“ ist ein Blutkrebs. Mit jedem neuen Tag strömt infiziertes Blut in weitere, noch gesunde Adern des Wirtschaftskreislaufes, bis alles durchwuchert ist und Infarkt droht.

Die Zeiger der Uhr laufen indes unverdrossen weiter. Je mehr Menschen an der Einwanderung verdienen, desto unwahrscheinlicher ist es, daß sich dagegen breiter Widerstand regt.
Wir müssen wohl bis zum bitteren Ende gehen – der Zeitpunkt kommt, wenn die Wirtschaft zusammenbricht.
Waldgänger
02. Februar 2016 10:55
@ Exmeyer

Hallo. Nein, es ist keine Vermutung, lediglich eine nicht völlig unmögliche Variante.
Im Grunde eine Variante von 1939, aber nicht im Angesicht eines mächtiger werdenden Deutschlands, sondern im Zuge der von außen notwendig erscheinenden Stabilisierung eines teils implodierenden, teils explodierenden mitteleuropäischen Raumes, dessen Wirrwarr den Rest Europas anzustecken droht.
Frankreich wäre zu einer solchen "Mission" wohl nicht mehr in der Lage, weil es in einem solchen Fall wahrscheinlich in ein ähnliches Chaos versinken würde wie Deutschland. Polen war hingegen immer schon ein verlässlicher Partner der Angelsachsen.

In ruhigen Zeiten sind Vorhersagen leicht. Je mehr sich eine Entwicklung beschleunigt, je mehr die politischen und gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse an mehreren Stellen labil werden, desto schwerer sind Prognosen. Aber das wissen Sie ja selbst.

Meine Erfahrung ist, dass sich in derart beschleunigten Zeiten im Zuge der Nichtplanbarkeit der Prozesse(!) und einer unvorhersehbaren Eskalation auch Situationen ergeben können, die noch wenige Jahre vorher auch von Fachleuten für abwegig gehalten wurden.
Ein schönes Beispiele dafür ist z.B. die sich immer mehr radikalisierende französische Revolution.

Hinterher ist es für den Historiker natürlich immer leicht, eine Zwangsläufigkeit der Geschehnisse nachzuweisen oder zumindest zu behaupten. Für die Zeitgenossen sind die Entwicklungen einerseits nahezu unvorhersehbar und andererseits auch wirklich offen.
Eine Zwangsläufigkeit der Geschichte gibt es nicht. Kleine Zufälle haben oft große Dinge entschieden: der harte Winter 1941/42 in Russland, die geniale Idee eines Technikers usw.

Auch für Deutschland sind leider Eskalationsvarianten denkbar, die weit über das hinausgehen, was unsere öffentlich-rechtlichen Medienfritzen überhaupt denken können.

Zu hoffen, dass es dazu kommt, würde meiner Meinung nach der Haltung eines Spielers ähneln, der viel zu hoch pokert und Verlust einkalkuliert, die unersetzbar wären. Vielleicht gäbe es ja einen neuen Arminius, aber wo sind seine Cherusker?
Mettigel
02. Februar 2016 21:00
[...] – der Zeitpunkt kommt, wenn die Wirtschaft zusammenbricht.


Warum sollte sie das tun? Schließlich will die Wirtschaft doch die laufende Entwicklung und profitiert davon.
<a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-02/fluechtlinge-berlin-hotels
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/fluechtlinge-kann-der-mittelstand-ihnen-arbeit-geben-a-1075189.html

Ist ja im Prinzip auch logisch. Die Einkommen aus Arbeit sinken mit zunehmender Bevölkerungszahl, während die Einkommen aus Besitz mit zunehmender Bevölkerungszahl steigen. Man stelle sich einfach mal das Szenario einer grünen Wiese vor, auf der einige Menschen ausgesetzt werden. Am Anfang wird sich jeder ein Stück Land nehmen und bebauen und von dessen Erträgen leben. Miete und Pacht werden nicht existent sein. Mit wachsender Bevölkerung wird der Platz knapp, und diejenigen, welche schon Land besitzen, können weniger arbeiten und ihren Besitz für Geld verleihen oder auf Angestellte zurückgreifen, die ihre Arbeitskraft verkaufen. Dieses einfache Beispiel verdeutlicht, dass "die Wirtschaft" keinerlei Interesse an sinkender Zuwanderung haben kann, im Gegenteil, wer jetzt Besitz hat (Immobilien, Produktionsstätten usw.) wird von der Entwicklung profitieren. Wer seine Arbeitskraft verkaufen muss um an Geld zu kommen, wird sich auf sinkende Einkünfte einstellen müssen. Besonders, da es ja die arbeitende Bevölkerung ist, die unter steigenden Steuern zur Finanzierung der "Willkommenskultur" zu leiden hat.

So, das hätte auch jemand von der Linkspartei schreiben können und eigentlich wäre das auch deren Aufgabe, auf die Allianz aus Wirtschaft und Migrationsindustrie hinzuweisen.
Siddharta
05. Februar 2016 08:22
Mich erreichen inzwischen auch schon die ersten thymotischen Impulse. Zuerst hatte ich diesen Traum während seiner grotesken Eurorettung. Seit er mich als "Rattenfänger" tituliert, ist der Traum intensiver geworden und reißt mich immer öfter aus dem Schlaf: Es ist Nacht in Athen. Ich schiebe ihn durch die menschenleeren Gassen, bis wir zu einem zentralen Platz kommen. In wenigen Stunden wird diese Örtlichkeit voller Menschen sein. Grußlos lasse ich ihn dort zurück.

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