07. April 2016

Frans Timmermans: Der Große Austausch als "Manifest Destiny"

von Martin Lichtmesz / 74 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

ManifestDestinyDie F.A.S. hat in der letzten Ausgabe einige ihrer Autoren auf "Kampfbegriffe der Neuesten Rechten" (harhar) angesetzt, um ihre Leser vor neuen giftigen Gewächsen in der "Diskurslandschaft" zu warnen. Das Ergebnis fiel im Schnitt eher plump und halbinformiert aus, insbesondere wenn man es mit Manfred Kleine-Hartlages "Sprache der BRD" vergleicht.

Eine besondere Leuchte mit dem Kürzel pek (vermutlich Peter Körte) etwa schreibt:
Lichtmesz, der auch der identitären Bewegung verbunden ist, verrät in seiner apokalyptischen Gestimmtheit jedoch leichte Identitätsschwankungen. Er ist auch schon mit der These hervorgetreten, nicht am ––> Islam, sondern am Liberalismus gingen die Völker zugrunde. Der Gedanke liegt da nicht fern, er habe sich derart mit dem vermeintlichen Aggressor identifiziert, dass ihm präzisere Vorstellungen des Eigenen fremd geworden sind.

Von "Identitätsschwankungen" meinerseits kann keine Rede sein: vielmehr ist meine Position in diesem Punkt seit eh und je konsistent. Wenn Körte das Büchlein "Die Verteidigung des Eigenen", auf das er sich bezieht, wirklich aufgeschlagen und gelesen hätte, dann wüßte er, daß der Islam darin nur eine Nebenrolle spielt, während die Liberalismuskritik im Vordergrund steht (daß am Islam "die Völker zugrunde gehen" habe ich indes nirgends behauptet. Im Gegenteil, manche gedeihen offenbar prächtig an ihm!).

Daß beide Probleme - Islamisierung und schrankenlos liberale Gesellschaft - eng zusammenhängen, ist Grundlage jeder ernsthaften "Islamkritik", die sich nicht im bloßen Radau erschöpft, und es ist weder Zufall noch "Identitätsschwankung", daß sich mein Kollege Kleine-Hartlage nach dem "Dschihadsystem" der Analyse des "Selbstmords" des "liberalen Systems" zuwandte.

Jim Goad hat neulich diese alte Frage im Takimag so formuliert und beantwortet:
Ist es reiner Zufall, daß Brüssel gleichzeitig die Hauptstadt der Europäischen Union und Ground Zero für die islamischen Terrorzellen Europas ist? Und ist es nur ein Zufall, daß sich unsere modernen Progressiven nahezu ausnahmslos der krass sexistischten, patriarchalischten und homophobsten Religion auf diesem Planeten an den Hals werfen? Nein, denn was die EU-Bürokraten, die eine grenzenlose Einwanderung befürworten, und die verirrten Marxisten, die die "Migranten" mit selbstmörderisch offenen Armen willkommen heißen, miteinander verbindet, ist die sture moralische Überzeugung, daß alles eingeboren Europäische bis ins Mark böse ist und vernichtet werden muß.

Diese "Verachtung des Eigenen", die Goad hier anspricht, ist ein Syndrom, das nicht immer so offen zutage liegt, wie etwa im linksextremen Lager. In der Tat gibt sie sich eher selten als solche zu erkennen. Die eigenartige Freude etwa darüber, daß die Deutschen zur Minderheit in ihren eigenen Städten werden, tarnt ihre eigene Aggressivität gern als "bunt" und "progressiv" oder was für verhübschende Adjektive man auch immer hierfür finden mag.

Damit wären wir wieder einmal bei einem zentralen "Kampfbegriff" angelangt, den die FAS-Autoren seltsamerweise vergessen haben: der "große Austausch", der auch Thema von Pirinçcis neuestem Schocker "Umvolkung" ist.

Es muß immer wieder betont werden, daß die Forderungen der politischen Eliten und ihrer medialen Handlanger nach mehr und mehr "Diversity" (die schick anglisierte "Vielfalt", die den alten "Multikulturalismus" als Schlagwort abgelöst hat), nichts anderes meinen und auf nichts anderes abzielen, als auf das, was wir mit Renaud Camus als "Bevölkerungsaustausch" beschreiben; dies läßt sich an unzähligen Beispielen belegen, was auf diesem Blog schon oft Thema war.


Als eine Art Aperitif zu Camus oder Pirinçci kann man sich etwa diese markige Rede des niederländischen EU-Kommissars Frans Timmermans anhören; sie ist, wie immer, gepflastert mit inneren Widersprüchen und ideologisch bedingten Kurzschlüssen.

https://www.youtube.com/watch?v=N14U5ZE-N2w

Zunächst die wörtliche Transkription:
Diversity is now seen in some parts of Europe as a threat. Diversity comes with challenges. But diversity is humanity's destiny! There is not going to be, even on the remotest places of this planet, a nation that will not see diversity in its future. That's where humanity is heading. And those politicians trying to sell to their electors a society that is exclusively composed by people of one culture are trying to portray a future based on a past that never existed. Therefore, that future will never be. Europe will be diverse, like all other parts of the world will be diverse. The only question is: how do we deal with that diversity? By ensuring that our values determine how we deal with diversity; and not giving up our values to refuse diversity. That will bring us down as a society. We don't get this right, I truely believe Europe will not remain the Europe we built. Europe will not remain a place of peace and freedom for very long.

Und nun die Übersetzung, mit meinem Senf:
"Diversity" wird heute in vielen Teilen Europas als Bedrohung betrachtet. Diversity bringt Herausforderungen mit sich. Aber Diversity ist das Schicksal der Menschheit! Nicht einmal auf den entferntesten Orten dieses Planeten wird es zukünftig eine Nation ohne Diversity geben. Das ist, worauf sich die Menschheit zubewegt.

Was mit "Diversity" in diesem Kontext gemeint ist, muß ich an dieser Stelle wohl nicht weiter ausführen. Wie immer wird der Satz von Schmitt "Wer Menschheit sagt, will betrügen" auf das Allerschönste bestätigt. Da die innereuropäische ethno-kulturelle "Diversity" für die von Timmermans vertretene Ideologie keine Bedeutung hat, soll "Diversity" vor allem durch außereuropäische Masseneinwanderung erzeugt werden. Osteuropäische Staaten wie Polen, Ungarn und Tschechien, in denen dieser Prozeß noch nicht so weit fortgeschritten ist wie in Westeuropa, sperren sich gerade massiv gegen die vermeintlichen Segnungen dieser "Diversity", weil sie die überwiegend negativen Folgen sehen und in der Tat als "Bedrohung" empfinden.

Dem hat Timmermans kein wirkliches Argument entgegenzusetzen. Hier muß sozusagen der Wille Gottes einspringen. Stattdessen behauptet er, daß ein quasi-mythisches, unvermeidliches "Manifest Destiny" am Werke sei, ein unerbittliches Fortschreiten des Weltgeistes hin zu einem globalen Menschheitsziel, dem man sich nicht entgegenstellen dürfe und könne, eben jene globalistische Ideologie, wie man sie auch von Thomas Barnett und anderen kennt, im Grunde eine Variante des alten Herrschaftsanspruches, der von sich behauptet, "im Namen der Geschichte" aufzutreten, und dabei stets bereit ist, seine Kollateralschäden (wozu auch Menschenleben zählen) und Massaker zu bagatellisieren und zu rechtfertigen.

Der offensichtliche Schönheitsfehler ist, daß "Diversity" nur in westlichen Ländern als Wert gilt, wo sie inzwischen als als eine Art Farblack funktioniert, um eine bereits angerichtete und womöglich unumkehrbare Misere zu verschönern, um gleichsam das eigene Verschwinden zu vergolden, und es in eine weltgeschichtliche Mission umzulügen, als dekadente Endphase des westlichen Universalismus, der seine Rolle als Welterzieher nicht aufgeben will. Denn offenbar soll sich in diesem stufenweisen Plan Europa in ein multirassisches, multiethnisches, multi-"kulturelles" Gemisch verwandeln, um damit beispielhaft dem Rest der Welt voranzugehen, als Präludium für den auf alle Zeiten befriedeten Weltstaat.

Genausogut könnte Timmermans rufen: "Wollt ihr die totale Diversity??" Schließlich soll ja nach seinen eigenen Worten das glorreiche Endziel darin bestehen, jedes letzte Eskimo- und Gallierdorf auf diesem Erdball "divers" zu machen. Wenn Europa dann ausreichend "divers" ist (lies: vor allem afro-arabisch-muslimisch besiedelt), was steht  als nächstes auf dem Speiseplan? Will man dann Afrika kleinholzen und es massenhaft mit Asiaten und (zahlenmäßig nicht vorhandenen) Weißen besiedeln, damit es rassisch ein wenig "diverser" wird? China und Japan im westlichen Sinne multikulturalisieren und "umvolken"? Pakistan? Indien? Saudi-Arabien? Die Türkei? Die Ukraine? Nord-Korea? Na dann viel Spaß bei der Verwirklichung dieses Jahrtausendplans!

Das alles ist schon ansatzweise derart absurd, daß klar sein sollte, daß trotz allem Gerede vom angeblichen Schicksal der "Menschheit" die "Diversity" vor allem den Europäern zugedacht wird, aus welchen Gründen auch immer.



Weiter im Text:
Und diese Politiker, die ihren Wählern eine Gesellschaft verkaufen wollen, die ausschließlich von Menschen aus einer Kultur zusammengesetzt ist, malen eine Zukunft aus, die auf einer Vergangenheit basiert, die niemals existiert hat. Darum wird es diese Zukunft auch niemals geben. Europa wird divers sein, wie alle anderen Teile der Welt divers sein werden.

Hier hat Timmermans einen für seine Clique typischen argumentativen "double bind" eingebaut. Wenn er von einer "Vergangenheit" spricht, "die niemals existiert hat", meint er zweifellos jene ethnisch und kulturell "homogenen" "Gesellschaften", die nach dem Gesetz der "Diversity" überholt sind. Wenn es diese "Gesellschaften" - in Wahrheit meint er sowohl die klassischen europäischen Nationalstaaten als auch die ihnen vorangegangenen multinationalen oder regionalen politischen Einheiten - niemals gegeben hat, dann hat aber auch die Rede von der wachsenden und noch zu forcierenden und zu erschaffenden "Diversity" logischerweise keinen Sinn.

Hier vermischt er unter der Hand zwei verschiedene Bedeutungen von "divers", denn natürlich war Europa auch schon vor den großen Einwanderungswellen in hohem Maße "divers" und vielfältig. Daß auch "alle anderen Teile der Welt divers sein werden", ist natürlich,wie gesagt, nichts als Augenauswischerei. Tatsache ist außerdem, daß die Politik der "Diversity" nur zum Teil ein nivelliertes, entwurzeltes Konsumentengemisch schafft, zu einem anderen Teil aber eher die Ausbreitung einer islamischen Monokultur und die Landnahme durch Gruppen fördert, die alles andere als begierig darauf sind, "divers" zu sein.

Die große Frage, was nun diese ganze grandiose "Diversity" zusammenhalten soll, beantwortet Timmermans mit dem Klassiker aller Klassiker:
Die einzige Frage ist: wie sollen wir mit dieser Diversity umgehen? Indem wir sicherstellen, daß unsere Werte bestimmen, wie wir mit Diversity umgehen; und nicht indem wir unsere Werte aufgeben, um die Diversity abzulehnen. Das wird unsere Gesellschaft zerfallen lassen. Wenn wir das nicht auf die Reihe bekommen, dann glaube ich ernsthaft daran, daß Europa nicht das Europa ist, das wir aufgebaut haben. Europa wird dann nicht mehr länger ein Ort des Friedens bleiben.

Es ist immer wieder derselbe verlogene, kriminelle, tautologische Dünnschiß: "unsere Werte" sollen wie durch Zauberhand den diversen, diverseren und superdiverseren Laden zusammenhalten, und "unsere Werte" bestehen vor allem darin, daß wir uns zur "Diversity" bekennen und sie immer mehr verwirklichen, wobei völlig außer acht gelassen wird, daß die Diversen, die uns die seligmachende Diversity bringen sollen, leider häufig gerade deshalb so divers sind, weil sie "unsere Werte" nicht teilen.

Endgültig in orwellianischen Sphären bewegt sich dann die Behauptung, "unsere Gesellschaft" würde durch die Ablehnung von "Diversity" "zerfallen" und ihren inneren Frieden riskieren, wo doch offensichtlich und für jedermann, gerade in Brüssel, klar sein sollte, daß das genaue Gegenteil der Fall ist.

Wie man in so wenigen Sätzen so viele Lügen und Verdrehungen unterbringen kann,  ist immer wieder verblüffend. Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob da nun wirklich abgefeimte Umvolkungspläne dahinterstecken, oder ob sich Leute wie Timmermans überhaupt bewußt sind, wie wahnsinnig das eigentlich ist, was sie da von sich geben. Ich sehe vielmehr Gestalten, die sich illusorisch als Vollstrecker des historischen Fortschritts inszenieren, während ihnen die Weltgeschichte in Wirklichkeit längst aus den Händen entglitten ist. Natürlich wollen sie das nicht sehen; natürlich wollen sie mit allen Mitteln an der Macht bleiben. Timmermans ist am Ende auch nur einer von vielen Funktionären und Rädchen im Getriebe, die sich an dieses ideologische Opium klammern und ihren Arsch vom Grundeis zu lügen versuchen.

Um noch einen anderen Blickwinkel einzubringen - Hadmut Danisch kommentiert diese Forderung nach totaler Diversity so:
Wo auch immer sich irgendwer irgendetwas schafft, muss er sich damit der Plünderung durch die Mehrheit stellen. Alles, was geschaffen wird, wird sofort durch eine untätige Mehrheit gefressen, absorbiert. Im Prinzip wird damit der gesamte Planet auf das unterste verfügbare Niveau reduziert, auf Null. (...)

Das Ergebnis sehen wir im Kleinen schon in Deutschland: Eine immer kleiner werdende Zahl von Menschen arbeitet tatsächlich produktiv, wertschaffend, leistend, und muss eine immer größere Menge von Leuten mitschleppen, die selbst überhaupt nichts beitragen, die nur noch mitversorgt werden wollen und müssen. Schon der Sozialstaat Deutschland ist im Prinzip nichts anderes, als die Plünderung einer arbeitenden Minderheit durch eine zahlenmäßig überlegende Mehrheit. (...)

Das Ziel ist dann wohl, das Prinzip vom 80-Millionen-System Deutschland auf das 8-Milliarden-System Erde auszudehnen. Nur mit dem Unterschied, dass das Zahlenverhältnis von Arbeitenden zu Unproduktiven noch schlechter ist.

Der nächste Weltkrieg ist irgendwas zwischen einem Einwanderungs- und Plünderungsweltkrieg.

Und wenn man sich die Meldungen anschaut, wer hinter den explodierenden Betrugs-, Diebstahl-, Raub- und Einbruchszahlen steckt, mal heißt es, es wären die Roma, mal rumänische Dörfer, mal die georgische Mafia, mal kriminelle Nordafrikaner, vermutlich alle zusammen, dann sieht das tatsächlich so aus, als wären wir bereits mitten in der Plünderung. Deutschland hat sich zum Selbstbedienungsladen erklärt.

Bild: Youtube Screenshot.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (74)

M. M.
07. April 2016 21:42
"diversity/divers" -im offiziellen Sprachgebrauch scheint ja "Vielfalt/vielfältig" die geforderte Übersetzung zu sein.
Trouver
07. April 2016 22:25
Polen und Ko. bleiben ,u.a., darum weiss, wei sie arm sind. Die osteuropaischen Reegierungen koennen dort die Loyalitaet der Buereger mit Alimenten nicht erkaufen.

Waere Merkel bereit in Polen Hartz-4 komplett finanzieren, dann ginge auch Merkel zu grunde.

Aehnlich ist die Lage in den USA: relative Freiheit dort ist dadurch bestimmt/gegeben, dass es dort keine Sozialhilfe fuer Alle gibt.

Zum Glueck?
Erik Sieven
07. April 2016 22:34
zum Beitrag von Hadmut Danisch: dass Wohnungseinbrüche so stark zugenommen haben ist natürlich bedenklich, aber die eigentlichen Umverteilungsattacken kommen doch woanders her. Von den staatlichen und nicht-staatlichen Sozial-, Heil- und Bildungsinstitutionen die auf Pseudowissenschaften wie Pädagogik, vielen verschiedenen Therapieschulen basierend für Nicht-Arbeit Geld von Arbeitenden nehmen. Der Sozialstaat ist ein großes Problem, ohne ihn wäre vieles weniger schlimm.
Das sind die Schwierigkeiten mit denen sich die Menschheit seit der neolithischen Revolution rumschlägt. Davor hat mehr oder weniger jeder Clan für sich gejagt, seit dem profitieren verschiedene Kasten vom entstandenen Überschuss. Seit der industriellen Revolution und bis heute beschleunigt wird das Problem nur gravierender, da die Produktivität einzelner (konkret Leuten die weit überdurchschnittlich begabt und im MINT Bereich ausgebildet sowie fleißig sind) immer weiter steigt. Der Unterschied in Bezug auf die Fähigkeit in der satten Weltgesellschaft noch weiter den Wohlstand zu steigern wird immer größer.
Filarete
07. April 2016 22:35
Wie immer eine schöne Analyse - lieber Landsmann, weiter so!
Fredy
07. April 2016 22:38
Solange die Deutschen das alles finanzieren, durch Arbeit im System und Steuern, solang wird das weitergehen. Also bis zum Ende. Ich hoffe nur, dass ich diejenigen noch werde leiden sehe, die uns das einbrocken. Be prepared.
Feuerturm
07. April 2016 22:39
Europa ist doch bereits vielfältig. Mit „more diversity“ kündigt uns Timmermans Chaos an.

Die Grundlage jeder Vielfalt ist Ordnung (= gut funktionierende Nationalstaaten). Wenn gut funktionierende Nationalstaaten mit Menschen aus aller Herren Länder geflutet werden, bekommt man zwar eine ethnisch stark vermischte Bevölkerung, aber wer will das, wenn gleichzeitig Chaos entsteht?

Wo werden so gefährliche Visionen geplant? Für wen?

Die Merkel-Raute, die sie wie ein Großes Notzeichen vor sich herträgt, erinnert mich immer öfter an das Freimaurersymbol Zirkel (oben) und Winkelmaß (unten).

Angela, die Große Baumeisterin aller Welten ... am Ende gelingt es ihr und ihren Kumpanen noch, die Weltrepublik aus willenlosen Satellitenstaaten aufzurichten.
Danton
07. April 2016 23:12
Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

um es mit Loriot zu sagen: Das ist fein beobachtet!

Allein, es bringt leider absolut nichts- was ich Ihnen nicht vorwerfen kann. Allerdings empfinde ich die sezession als etwas Mehr als das reine Feulleuton; und so sollten Sie zukünftig dazu übergehen sich dieser Rolle bewußt zu werden. D.h. leiten Sie uns an: Genug mit der reinen Aufklärung, Zeit für die Vermittlung von Guerillataktiken!

Und das bedeutet ganz konkret: Wie überzeuge ich im konkreten Schlagabtausch einen "Schläfer"? Wie beschleunige ich den Weg (bei den zu Erweckenden) "der lang und beschwerlich ist und zum Licht führt"? Bieten Sie bitte (nur zur Abwechslung mal) etwas Handfestes. Dass ein EU- Funktionär seine Mißstände zu optimieren sucht, indem er vollkommenen, bösartigen NWO- Mumpitz verzapft haut mich mittlerweile einfach nicht mehr vom Hocker; auch welche Grausamkeiten diversity verantwortet oder ellenlange Intellektualität. Wir kämpfen hier auf Bajonettlänge!

Was ich brauche sind Erfahrungswerte und Informationen. Die täglichen Schocker machen mich auf Dauer mürbe. Variieren Sie! Um es mit einem Zitat einer berühmten Band aus Ihrer Heimat enden zu lassen: " Na, und wenn schon, wir hocken im Kaffeehaus rum?!". Kommen Sie 1. darauf welche Kombo ich meine und 2. kann es sein, dass ich Sie bei einem Interview in einem solchen sitzen sehen konnte?

Danton
Thomas Friedrich aka Friedfertig
08. April 2016 00:05
An dem FAS Artikel ("Das Wörterbuch ...") fiel mir insb. zweierlei auf:

1) Sämtliche arg bemühten Versuche, die rechte = richtige Terminologie zu widerlegen, misslangen kläglich.

2) Gut gefiel mir der erste Satz jenes Artikels: "Es ist etwas in Bewegung geraten in der deutschen Diskurslandschaft." Ja, stimmt.
Nero
08. April 2016 00:54
Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob da nun wirklich abgefeimte Umvolkungspläne dahinterstecken, oder ob sich Leute wie Timmermans überhaupt bewußt sind, wie wahnsinnig das eigentlich ist, was sie da von sich geben. Ich sehe vielmehr Gestalten, die sich illusorisch als Vollstrecker des historischen Fortschritts inszenieren, während ihnen die Weltgeschichte in Wirklichkeit längst aus den Händen entglitten ist.


Hmmm... also ich dachte früher auch immer die wären einfach nur gefährlich-dumm. Nach all dem was passiert ist in so kurzer Zeit:
Angriff der Rating-Agenturen auf Griechenland, ESM, B-Waffen Angriff auf Deutschland (Volkssturm a.k.a. Flüchlinge), Ukrainekonflikt... etc
glaube ich an keine Zufälle mehr.

https://geistesadler.blogger.de/
Ziemlich guter Blog finde ich. Der erste Beitrag könnte ganz gut passen.

Timmermanns ist ein skrupelloses karrieregeiles Ar********
Ihm eine derartige Strategie zuzutrauen wäre zu viel der Ehre für dieses ***********
Im Hintergrund allerdings ist geplant eben jene Kräfte zu vernichten die ein Weltreich verhindern könnten: Europa, seine Nationen und Völker.

Ansonsten toller Artikel. Eignet sich mal wieder hervorragend um neue anzufixen.
der Übeldenker
08. April 2016 01:53
Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

ich fürchte, man muß statt der so oft benannten (planhaften) Bosheit in Rechnung zu stellen

1) geschwätzige Dummheit - wie Ihre logischen Analysen aufzeigen
2) Herdentrieb und Gruppendruck
3) befördert durch früh beginnende Beschränkung des sozialen Umfelds dieser Personen und einschließlich der Tatsache, daß man in diesen Kreisen nicht hochkommt, wenn man Ecken und Kanten zeigt.
4) ein Denken, das nicht positiv, konstruktiv auf ein Ziel hin konstruiert, sondern vielmehr von gewissen absoluten Tabus her negativ einen Restbestand des p.c. dekonstruiert
5) grobe Inkonsequenz bei der Auffassung von Werten: Man will Menschen- und Naturrechte als unverrückbare Basis von allen fordern - aber gleichzeitig möglichst alles postmodernistisch als frei definierbar behaupten (natürlich ohne die Selbstanwendung, wie freie Definierbarkeit von Definierbarkeit noch definiert werden könnte, und mit welchem Ergebnis) - und für das solcherart Definierte dann aber die naturgesetzliche Gültigkeit einfordern. (Punkt 5 ließe sich freilich auch als Unterpunkt von 1 auffassen.).
6) mangendes Durchdenken der Bedeutung von 'Diversität': Diversität ist nur feststellbar im Vergleich zu nicht Diversem. Existiert dieser geradezu archimedische Vergleichspunkt nicht (mehr), existiert in dem Moment auch keine Diversität (mehr). Oder, mit einem Beispiel aus der Farbenlehre: mische ich sämtliche Farben, entsteht Schwarz, strahle ich sämtliche Farben aufeinander, entsteht Weiß. Beides ist radikal einheitlich, beides sind keine Farben. Totale Buntheit ist totale Farblosigkeit.
Metall-Hahn
08. April 2016 01:58
Heute las ich ein Traktätchen einer Frau Elm (Historikerin) aus der Märzausgabe des Merkur.

Im Januar erbarmte sich die FAZ noch, den Text eines Herrn Demandt (ebenfalls Historiker und nicht identisch mit dem Herausgeber des Merkur, Herrn Demand) zu veröffentlichen, dessen Publikation an anderer Stelle abgelehnt wurde, da es im Kontext der aktuellen Debatten zu heikel erschien. Dort ging es um das Ende des Römischen Reiches als eine Folge von... tja, unter anderem zu liberaler Einwanderungs- und Integrationsgesetze bzw. -regelungen. Der Untertitel zeigt die inhaltliche Stoßrichtung klar auf

Das Römische Reich war fremdenfreundlich. Doch Einwanderer ließen sich nur in überschaubarer Zahl integrieren. Das Machtgefüge verschob sich. Den Fremden blieb das Reich fremd – trotzdem übernahmen sie die Macht.


Nun liefert genannte Dame mit ihrem Text zu "Bürger[n] und fremde[n] im Römischen Reich" quasi den Kontrapunkt, die ins Optimistische gewendete Variante zu der als scharfe Kritik an der derzeitigen Asylpolitik lesbaren zitierten historischen Parallelisierung.

Warum schreibe ich das? Nun, der rhetorische Kniff mit dem diese Umdeutung erreicht wird, erinnert mich an die verbalen Verrenkungen des Herrn Timmerman, bzw. musste ich bei der Lektüre von Herrn Lichtmeszs gelungener Analyse der Rede dieser eurokratischen Variante eines Sprechers des Ministeriums für Wahrheit eben an den Erguss von Frau Elm denken. In jenem Text wird also die kosmopolitische Gesinnung der römischen Eliten und das multikulturelle Leben im Imperium Romanum abgefeiert, welches sich verstärkt seit dem Edikt des Kaisers Caracalla aus dem Jahre 212 Bahn gebrochen habe, welches (fast) allen auf römischem Territorium lebenden Menschen von einem auf den anderen Tag automatisch das römische Bürgerrecht verlieh. In der Lesart von Herrn Demandt wäre das quasi der (frühe) Anfang vom Ende des antiken Großreiches gewesen (wobei dieses spezielle Ereignis dort nicht erwähnt wird), in der Lesart von Frau Elm hingegen eine visionäre und zivilisatorische Großtat.

Natürlich drängen sich sofort die Parallelen zu den ideologischen Programmen der heutigen (west)europäischen, eurokratischen und atlantischen Eliten auf, welchen man mit diesem Rückgriff auf die Erfolgsgeschichte der römischen Variante des Multikulturalismus wohl höhere Weihen verleihen will. Moment... Erfolgsgeschichte? War da nicht irgendwas mit Untergang und so, von fremden Barbaren überrannt und erobert? Diesen kleinkarierten Einwand weiß Frau Elm souverän zu kontern. Das Konzept des (spät)römischen Staatsbürgertums, welches nicht auf ethnischer Zugehörigkeit, kulturellem Hintergrund und anderen muffigen Kategorien beruhte, sondern auf der Einladung für jedermann, welcher gewillt war Mitglied des Gemeinwesens zu werden, sei daher so überzeugend, da es selbst den Untergang der (west)römischen Zivilisation überdauert habe.

Das römische Bürgersein als eine Form der aktiven Teilnahme und der Identifikation mit einem Gemeinwesen, das über die Stadt hinausreichte, begann mit Caracallas Edikt, aber es überdauerte nicht nur Caracalla, sondern das römische Reich für viele Jahrhunderte"


Übertragen auf heutige Verhältnisse: Sollte auch das Abendland / die westliche Zivilisation tatsächlich untergehen, unter dem Ansturm einer neuen Völkerwanderung... macht nichts. Hauptsache das Gedankengut und die Ideologie der derzeit herrschenden globalistischen Eliten überdauert diese Katastrophe. Na dann... was haben die reaktionären Wutbürger denn eigentlich noch zu quaken?
Heinrich Brück
08. April 2016 02:10
Wenn es keinen wahren Gott mehr geben darf, die Priester haben Gott aus den Kirchen vertrieben, dann bleiben nur noch die Abwechslungsreichtümer einer liberal-diversen Gesellschaft.
Man ersetze Diversity durch Umvolkung.
Eine akzeptable Religion bekämpft primär den Todestrieb. Sie verhilft dem Lebenstrieb zum Sieg. Geht aber nicht mit einem Tuntengott (also ohne Heiligen Geist, um es netter zu formulieren).
Dieser Niederländer ist lediglich eine Marionette der im System tonangebenden Finanzoligarchen. Deshalb seine unausgegorene Sülzensprache. Wer wirklich Macht hat, redet ganz anders.
Und der letzte Absatz (von Danisch) könnte noch heiter werden, schließlich können die Unproduktiven auch über eine Robotersteuer (Automatisierung) am Existenzminimum gehalten werden. Die Reichen kaufen sich Sicherheit; die Armen werden kämpfen müssen.
Der Kampf bringt uns alles wieder: Gott, Volk, Kultur, Gesundheit usw.
Der Islam ist Kriegspartei, aber nicht der Hauptfeind (Muß Europa unbedingt Platz machen? Diverse Bewerber dürfen sich dann um einen Platz bemühen.)
Welches Trauma die Europäer schmerzhaft kultivieren, um von einem (auf)gebauten Europa faseln zu können, kümmert den Rest der Welt einen feuchten Kehricht.
"Der Stolz des freien Mannes" http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/textezurfreiheit/2016_04_04_dav_freiheit_stolz.html und ab und an etwas gute Musik https://www.youtube.com/watch?v=QWqId2yQZik&ebc=ANyPxKo8G-YEs7JCmRbjVMaob6uM5iIPobDoNpI8E0Qa_vyBzny2Tnp763eO_KdwvOcl_u5WP3K6lFPnGATU5o_EMPuF7mNENQ
Michaela
08. April 2016 02:33
“In Europa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monotheistische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.” Der Spiegel Nr. 40/2015

„Im Osten gibt es gemessen an der Bevölkerung noch immer zu wenig Menschen, die sichtbar Minderheiten angehören, die zum Beispiel schwarz sind." „die größte Bankrotterklärung der deutschen Politik nach der Wende“ gewesen, dass sie zugelassen habe, „dass ein Drittel des Staatsgebiets weiß blieb“ Anetta Kahane
http://www.tagesspiegel.de/politik/fluechtlinge-in-deutschland-es-ist-zeit-fuer-einen-neuen-aufbau-ost/12062620.html

Und wer es noch nicht gelesen hat sollte es endlich nachholen: "Praktischer Idealismus"

Gewisse Gruppen haben da anscheinend ein Programm ...
Stogumber
08. April 2016 07:44
Aus Anlass von "manifest destiny" schlage ich vor, wieder einmal nachzulesen, was Popper über die "Deifizierung der Geschichte" geschrieben hat. Immer noch ein Gegengift gegen die "historizistischen" Verführer.
Hansi Dampf
08. April 2016 08:05
Diversity =
Kolonisierung
der Kolonisatoren
durch die von ihnen Kolonisierten
in den Heimatländern ebendieser Kolonisatoren.

Rache der Geschichte?
Milarepa
08. April 2016 08:30
Wir schreiben das Jahr 1990,
zwei Deutsche, 18 Jahre alt, stehen in der 114 Straße, Amsterdam Avenue New York, Harlem. Schwarz, aggressive Blicke.
Sie wünschen sich nichts sehnlicher als ein kaltes Bier.
Sie wissen sie sind zu jung, aber die Lust siegt.
Also rein in den Liquor Store, an den Kühler, zwei Sechser raus und an die Kasse.
Hinterm Tresen ein gewaltiger Schwarzer Muskelberg a la "Hightower".
Guckt die beiden weissen Spargel durchdringend skeptisch an.
" How old are you"
Äahhh ....aäaahh ... eighteen..
'Where you from?"
Germany
"German and beer it's the same"
Genüßlich tranken sie auf der Parkbank ihren ersten Pils aus der Papiertüte.

Es kann alles so einfach sein.
Zam
08. April 2016 08:33
"Das wird unsere Gesellschaft zerfallen lassen. Wenn wir das nicht auf die Reihe bekommen, dann glaube ich ernsthaft daran, daß Europa nicht das Europa ist, das wir aufgebaut haben. Europa wird dann nicht mehr länger ein Ort des Friedens bleiben."


Ist wohl eine Drohung. Er und seine Freunde fürchten, irgendwann vor einem Äquivalent zu Den Haag zu landen. Abhängig davon, welche Strafe er sich erwartet, wird sich auch sein Widerstand formieren. Im kritischen Moment sollte man diesen Leuten, so weh es uns auch tut, irgendeinen Ausweg ermöglichen, der sie ihr Gesicht wahren lässt, damit sie nicht aus purer Verzweiflung noch Bomben in das brennende Haus werfen.


@Hansi Dampf
"Diversity =
Kolonisierung
der Kolonisatoren
durch die von ihnen Kolonisierten
in den Heimatländern ebendieser Kolonisatoren.
Rache der Geschichte?"

Ich finde es bemerkenswert (und auch ermutigend), dass selbst in einer wahlweise hämischen bzw. resignativen Aussage wie dieser ein abgeschlossener Prozess der Identitätsbildung dahintersteckt. Offensichtlich existiert für Sie kein Frankreich oder Deutschland oder Schweden mit unterschiedlicher Vergangenheit mehr, es gibt nur noch den weißen Europäer, und es herrscht Sippenhaft. Gut, wieso nicht. Das kann man nämlich dann auch umdrehen, im Sinne von: alle Mitglieder der Familie sind unzertrennbare Teile und schützenswert.
Friedhelm
08. April 2016 08:42
@Hansi Dampf: Eher nicht. Es leben mittlerweile mehr Menschen aus MENA in Frankreich als jemals Franzosen in MENA-Ländern. Die Deutschen hatten zudem kaum Kolonien. Und: die Weißen haben ja kein Chaos, sondern Zivilisation nach Afrika gebracht (Arabien wurde eh kaum kolonisiert). Obwohl das wohl eher ein Fehler war. (Siehe Kurtagic: Africa needs to go to hell.)

Daher greift auch das Argument mit den Indianern nicht: die Europäer waren technisch-kulturell überlegen, die heutigen Einwanderer entstammen der Unterschicht ihrer Länder und weisen im Schnitt eine niedrige Intelligenz und niedrigen Fleiß auf. Wir sind einfach nur schwach und müde.

Ich frage mich jedoch: mit jedem Dritte-Welt-Menschen sinkt der Wohlstand in Europa. Glauben die Einwanderer, der Wohlstand kommt aus dem Nichts? Oder ist an die geographische Lage Europas gebunden? Er wird natürlich von einer vergleichsweise -- siehe Danisch -- geringen Zahl von fleißigen Autochthonen erzeugt. Wenn erst einmal der letzte Techniker Europa verlassen hat, dann werden die Einwanderer hier wie die Fliegen sterben, weil unter anderem kontaminiertes Wasser aus dem Hahn läuft.

Wie Gregory Cochran sagte:
Maybe we need to leave at least one major advanced country alone, not fucking it up any more than it already is, so that on those odd occasions where actually getting something right matters, humanity has at least a Chinaman’s chance.


Aus gegebnen Anlass: Henry Harpending ist vor kurzem gestorbenn; Vonderach hatte ihn ab und an zitiert (über die Entwicklung der jüdischen Intelligenz); er hat zusammen mit Gregory Cochran "The 10.000 Year Explosion" geschrieben.
Friedhelm
08. April 2016 08:44
Das ist der Text Kurtagics (mit korrigiertem Titel): Yes, Africa Must Go To Hell
Monika
08. April 2016 08:51
Es ist etwas in Bewegung geraten in der deutschen Diskurslandschaft.



Ich halte diesen Satz für den bemerkenswertesten im F.A.S. Beitrag.

Die sich hinter Kürzeln verbergenden Autoren ( Motto: gemeinsam sind wir stark) werden, um ein interessantes FAZ Feuilleton zu retten, nicht umhin kommen, mal einen Diskurs mit Martin Lichtmesz zu führen. Und natürlich auch mit Manfred Kleine Hartlage.
Es kann ja nicht angehen, daß die intelligentesten Vertreter der "Neuesten Rechten" gezwungen werden, innere Dialoge zu führen. Um dann dafür Beifall von den eigenen Leuten zu bekommen.
Natürlich nimmt Herr Lichtmesz die Argumente seiner geistigen Gegner wie immer gekonnt auseinander. Klatsch, Klatsch !
Ich vermute allerdings, daß er erst im Diskurs von Angesicht zu Angesicht zu Höchstform aufläuft.
"Es ist etwas in Bewegung geraten in der deutschen Diskurslandschaft".
Nun müssen nur noch die Kürzel-Autoren der FAZ in Bewegung geraten. Und ihren internalisierten Habermas überwinden !!!
Damit ein Diskurs gelingen kann, müssen die Teilnehmer bestimmte internalisierte Regeln hinter sich lassen können (Antihabermas) .
Risiko also bin ich lautet ein Buch von Frank Böckelmann.
Viele Grüße an die hier mitlesenden Faz-Schreiber.
Corax
08. April 2016 09:39
Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob da nun wirklich abgefeimte Umvolkungspläne dahinterstecken, oder ob sich Leute wie Timmermans überhaupt bewußt sind, wie wahnsinnig das eigentlich ist, was sie da von sich geben.


Ein Freund von mir, der 20 Jahre lang als Photoreporter für die Zeitung gearbeitet hat, und so die Gelegenheit hatte, viele Jahre derartige Polyticker recht nah zu erleben, ist zu der für ihn unerschütterlichen Erkenntnis gekommen, dass es sich bei diesen Artgenossen um nichts anderes handelt, als um besessene Fresser. Denn es geht ihnen nur ums Fressen. Sie fressen und saufen sich ihre Tage durch die ausgetüfteltsten, raffiniertesten Kulinarien, ohne dafür auch nur einen einzigen Kreuzer zu blechen. Je höher ein solcher Polyticker sich hinaufgewurstelt hat, desto schlaraffiger sind die Banketts, durch die er sich beinahe täglich durchzuschlemmen hat. Auch für andere Gelüste, etwa sexueller und drogistischer Natur, ist, wenn gewünscht, bestens gesorgt. Wichtig ist bei allem natürlich vor allem immer auch das Gefühl, ein gaaanz wichtiger Hecht im Karpfenteich zu ein. All dies kann man mit der Metapher „Futtertrog“ belegen. Um sich weiterhin an und in diesem Futtertrog zu besaufen, zu befressen, darin zu suhlen und sich zu verlustieren, muss ein Polyticker nichts weiter tun, als ab und an gewisse phonetische Signale von sich zu geben. Sinn und Inhalt dieser Lautäußerungen sind dabei für den lautäußernden Polyticker völlig irrelevant. Hauptsache ist, dass ein weiteres Verbleiben am Futtertrog gewährleistet ist. Sie wissen zwar nicht so genau, was sie reden, aber sie wissen sehr genau, was sie fressen. Denn allein darauf kommt es an. Es verhält sich dabei nicht viel anders, als mit den Haustauben, die neuerdings von Forschern dazu gebracht wurden, Röntgenbilder erstaunlich präsize auf Krebs hin zu diagnostizieren. Die Tiere lernten innerhalb verblüffend kurzer Zeit, von Krebs befallenes Gewebe auf Röntgenaufnahmen etwa so treffsicher zu erkennen, wie erfahrene Onkologen. Denn wenn sie mit dem Schnabel auf ein von Krebs befallenes Gewebe auf dem Röntgenbild tippen (und nur dann), fallen unten leckere Körner raus, und nur darauf kommt es ihnen an. Das lernen Tauben erstaunlich schnell. Vom Krebs selbst haben sie dabei natürlich nicht die blasseste Ahnung.
Winston Smith 78699
08. April 2016 10:34
Hach, ich wollte jetzt gerade so viel sagen zu diesem guten Artikel, aber die Wirklichkeit ist so viel schneller, denn im Ticker von Phoenix erscheint gerade, im Zusammenhang mit der Abstimmung der Holländer:

(Martin) Schulz: Nun muß um "Zivilisationsprojekt" Europa gekämpft werden.


Ich fordere Kommentatoren wie @Danton (der Anleitung und Vordenker wünscht) freundlich auf, ihre Allerwertesten hochzukriegen und die Analyse selbst vorzunehmen, selbst auch (geistige, argumentative, sprachliche rhetorische) Waffen für die Schlagabtausche zu entwickeln. Man könnte mit dieser einfachen Übung an der Phrase von Schulz beginnen. Wenn wir auf Eingebung von intellektuellen Autoritäten warten, wird das nix. Man muß das Kämpfen schon praktisch üben.

Mit Aristoteles (Sophistische Widerlegungen), der zur Entlarvung von Müll u.a. die Formulierung desselben Arguments mit anderen Inhalten vorschlägt, könnte man zu Timmermans auch antworten:

"Wir sehen eine Zukunft der allerprimitivsten und ungeahndeten Gewalt auf den Straßen und in den Heimstätten unaufhaltsam auf uns zukommen, also müssen wir unsere Werte dieser geschichtlichen Wahrheit anpassen."


Jemand fügt frech an: "Und wir sehen Zusammenkünften mit Herrn Timmermans unter geeigneten Voraussetzungen entgegen."

Eine Ähnichkeit mit Timmermans Anrufung des Weltgeistes sehe ich übrigens in der plötzlichen Behauptung, dass etwas bereits zu spät sei, daher meine Geschichte mit den Mäusen.
Metall-Hahn
08. April 2016 11:09
Muss meinen obigen Beitrag korrigieren. In dem Artikel von Herrn Demandt wird das Edikt Kaiser Caracallas sehr wohl erwähnt, und zwar...

Mit der Constitutio Antoniniana 212 erhielten sie [die Germanen] das römische Bürgerrecht. Die Einbürgerung der Germanen minderte den Bevölkerungsdruck auf die Grenzen, konnte ihn aber nicht beheben.


Interessant also, dass hier eine völlig andere Lesart dieser römischen Masseneinbürgerungsaktion nahegelegt wird, nicht als Ausdruck einer progressiven Fortschrittlichkeit, sondern als quasi defensive Maßnahme, um eine bestehende Gefahr abzuwenden (was dann freilich nicht von Erfolg gerkrönt war).

Aber etwas anderes, wenn man sich das Stichwort "Vereinigte Staaten" aus dem "Wörterbuch der neuesten Rechten" der FAZ durchliest fällt auf, dass man den Vertretern dieser neuesten Gefahr für die volksferne Konsensbildung des Mainstreams, unter der Hand auf subtile Weise Antisemitismus anzuhängen sucht.

Nein, die meisten jener Autoren, die in den Zeitschriften der Neuen Rechten publizieren, haben nichts gegen Afrikaner und Araber – auch wenn oft eine seltsame Angstlust mitschwingt bei der Beschreibung künftiger Verhältnisse, in welchen junge Männer mit dunkler Haut das müde, weiße Europa dominieren (...) Das Geld, der große Gleichmacher, ist das Gift, der wahre Gegner sitzt in Amerika, genauer: in jener Wall Street, von wo aus der „Weltkapitalismus“ gesteuert wird. Schon klar, wer gemeint ist


Man ist sich mal wieder für keine Niederträchtigkeit zu schade, auf den Kommandohöhen der einzig wahren staatstragenden (bzw. staatsdemontierenden) Gesinnung.
Michelle
08. April 2016 11:10
Heute in der FAZ antwortet Christian Geyer via Sezession auf die von Lorenz Jäger verantwortete Reportage über Raspail dort:

"Man muss sich nur die manipulativen Techniken anschauen, mit denen die ethnische Organisation der politischen Probleme in rechten Foren betrieben wird, wie etwa im um die Zeitschrift 'Sezession' gruppierten Milieu, wo die Migration als völkischer Austausch beschrieben wird und man reaktionäre Romanciers als politische Seher verehrt."

Schön verschwurbelt, aber zwei Tage zuvor stand die Verehrung des Sehers im eigenen Blatt....

Wann wird Lorenz Jäger eigentlich als "Kamerad" rehabilitiert? :-)
Ein gebürtiger Hesse
08. April 2016 11:31
@ Monika

Exzellenter Kommentar. Sie machen alles richtig - gerade, indem Sie die andere Seite in die intellektuelle Pflicht nehmen. Denn wer wollte es verneinen? Es kann ja in der Tat nicht angehen, daß "wir" - einmal mehr aufs Beste vertreten durch Lichtmesz und diesen wie stets augenöffnenden Beitrag - alleweil Binnendialoge führen, in welche die "anderen" einzuschalten sich zu fein sind. Danke, daß Sie hierauf den Finger legen.
Lumpazi
08. April 2016 11:37
„Diversity“ (die schick anglisierte „Vielfalt“, die den alten „Multikulturalismus“ als Schlagwort abgelöst hat)

Was ist ,,schick" daran, wenn die eigene Sprache tätowiert wird?
Der Gutmensch
08. April 2016 12:00
„Er ist auch schon mit der These hervorgetreten, nicht am ––> Islam, sondern am Liberalismus gingen die Völker zugrunde. Der Gedanke liegt da nicht fern, er habe sich derart mit dem vermeintlichen Aggressor identifiziert, dass ihm präzisere Vorstellungen des Eigenen fremd geworden sind.“


Ich finde diese Sätze eigenartig in einem Artikel, der nach meinem Empfinden - pardon aber: einen schmeichelnden Eindruck vermittelt. Und mitten drin so eine regelrechte Einladung, loszukröten?!

Wenn ich im übrigen mal einen Schritt zurücktrete, sehe ich in Menschen wie dem Herrn Timmermann jemanden, der den Standpunkt vertritt: Was uns nicht umbringt, macht uns hart! Die weitere Begründung für sein präferiertes Mittel des Hartwerdens (Diversity) und überhaupt der höhere Zweck des Hartwerdens kann der Normalbegabte allerdings argumentativ schwer nachvollziehen: Waren wir den bislang, also mindestens seit 70 Jahren etwa nicht hart genug und haben wir etwa nicht überlebt? Welche Randbedingung(en) genau hat/haben sich wann und wie geändert, dass nunmehr zu einem neuen (?) Mittel namens Diversity gegriffen werden muss, um unser schieres Überleben zu sichern?

Und in unserem Herrn M.L. erkenne ich hingegen jemanden, der sich sorgt, dass wenn wir uns nicht hart machen, wir mittels Diversity am Ende noch - na, sagen wir: mal ordentlich gepiesakt werden! Immerhin kann jeder Normalbegabte seine Begründung argumentativ nachvollziehen; bei Schaffung von sonst gleichen Voraussetzungen setzt sich zwangsläufig der Härtere durch; das weiß auch unsere Antifa und fordert eben drum privilegierte Bedingungen für ihre Klientel.

Ziehen wir mal Bilanz: Alle beide (Herr Timmermann und Herr M.L.) sind sie für´s - härter werden!! Der eine erklärt uns leider nicht auf normalbegabtem Niveau, weshalb das nötig sein soll; dafür sagt er, wie wir das am besten anstellen sollen (be divers). Der andere wiederum erklärt uns, weshalb wir uns seiner Meinung nach hartmachen sollten (can one be too divers?) aber natürlich nicht, wie wir das genau nun anstellen sollen; das geht schon deshalb nicht, weil dem Normalbegabten schließlich Grenzen gesetzt werden.

Also - was genau sollen wir nun eigentlich tun oder lassen?

Vielleicht sollten wir zunächst den Herrn Timmermann, der es als EU-Repräsentant ja am besten wissen muss, fragen, welche Gefahr genau uns uns droht, und gegen die wir uns also mittels Diversity zu wappnen haben.

Herr M. L. nimmt Herrn Timmermanns Antwort in seinem Artikel einfach vorweg; kommt denn das einem Normalbegabten zu? Steht uns denn die demokratische Nachfrage nicht viel besser zu Gesicht? Welchen Vorwurf darf man uns machen, wenn wir aufgrund unserer Normalbegabung schlicht nicht wissen, wie wir ohne Musik tanzen sollen? Na - und wenn er nicht antwortet, der Herr Timmermann, dann war seine Botschaft wohl gar nicht für uns bestimmt. Darüber könnte man dann ja auch mal nachdenken, unter - diversen Aspekten.

d. G.
der Übeldenker
08. April 2016 12:29
Werter Metall-Hahn,

der Knüller fehlt noch:
Erstens war jener besagte Caracalla, der alle eingemeindete, ein blutrünstiger Serienmörder, der sogar seinen eigenen Bruder meuchelte.
Zweitens zeigt sich, daß das Argument mit dem demographischen Druck anscheinend immer wieder für Kurzschlüsse gut ist.
Aber vor allem drittens:
Caracallas Mutter, Julia Domna, stammte - aus Syrien,
sein Vater, Septimius Severus stammte - aus Nordafrika,
Manchmal wiederholt sich Geschichte als böse farce ...
Trouver
08. April 2016 12:31
Lybien bereitet den Nachschub vor.

Die Balkanroute ist weitestgehend abgeriegelt, doch rechnet Entwicklungsminister Gerd Müller in diesem Frühjahr mit einem großen Zustrom von Flüchtlingen und anderen Migranten aus Nordafrika. "Nach unseren Informationen warten allein in Libyen 100.000 bis 200.000 Afrikaner, die aus Staaten südlich der Sahara kommen, auf ihre Überfahrt nach Europa", sagte der CSU-Politiker der "Rheinischen Post". Die Schlepperbanden seien schon "voll in Aktion".

http://www.welt.de/politik/deutschland/article154128211/Bis-zu-200-000-neue-Fluechtlinge-warten-schon-in-Libyen.html
Gegendarstellung.
08. April 2016 13:17
@ Monika

Sich hinter Kürzeln verbergende Autoren? Bitte werden Sie wieder nüchtern.
Die FAZ hilft Ihnen gern weiter, geben Sie einfach das gewünschte Kürzel ein:

http://www.faz.net/redaktion/

Et voilà ...

pek = Peter Körte (Lichtmesz dixit)
*1958. Seit 1. August 2001 stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

tob = Tobias Rüther
*1973. Ab August 2006 Redakteur für die Reiseseiten der Sonntagszeitung, im September 2007 Wechsel nach Frankfurt zur Samstagsbeilage „Bilder und Zeiten“. Seit Januar 2010 zurück in Berlin im Feuilleton der Sonntagszeitung, seit Mai 2015 stellvertretender Ressortleiter.

pba = Patrick Pahners
*1967. Seit 1. Juli 2015 Feuilletonkorrespondent in München.

cls = Claudius Seidl
* 1959. Seit 2001 Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Si = Mark Siemons
*1958. Von 1996 bis 2005 war er Kulturkorrespondent in Berlin, von 2005 bis 2014 in Peking. Seit 2015 schreibt er wieder aus Berlin.


Lediglich »cord« finden Sie dort nicht, da er nicht zur Redaktion gehört – dafür aber beim Verlag Matthes & Seitz Berlin:

Cord Riechelmann
*1960. Studierte Biologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Er war Lehrbeauftragter für das Sozialverhalten von Primaten und für die ›Geschichte biologischer Forschung‹. Außerdem arbeitete er als Kolumnist und Stadtnaturreporter für die ›Berliner Seiten‹ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


Und wenn wir schon beim Verbergen sind: Verbirgt sich hinter Monika … Monika?
Und:nein, ich bin nicht bei der FAZ, nicht einmal mehr Leser derselben.
Harald de Azania
08. April 2016 13:27
@ Corax: Genau!

Die Tendenz: Ein paar Superreiche ala Soros nd ihre Erfuellungsgehilfen. Der Rest Fellachen. Wenn man sich zu Null Prozent finanzieren kann, geht das eine Zeit lang & aus ca 7 Milliarden Fellachen kann man auch noch was rauspressen ( die Masse machts). Dazu noch viele viele Maschinen fuers automatische Produzieren von 08/15 gimmicks und totale Verbloedung der Menschen durch Medienmaschinen.

Koennte sogar funktionieren WENN es keine reale Alternative gaebe. Daher musz im namen der vielfalt etc alles Andere vernichtet werden.

Die Welt ein einziges Russland oder Polen des 18.Jht nur ohne jedwede Kultur.

Nur: das ganze ist so unfruchtbar dasz auch die Superreichen verbloeden und aussterben.

Vielleicht bleiben ein paar wirkliche Menschen ueber und fangen von Neuem an. Oder nur leere maschinenhallen, die langsam ueberwachsen werden, bleiben ueber.

Ein Besucher von einem anderen Stern wuerde sich dann fragen: was ist da passiert? Dann musz er sich nur vieleilcht noch vorhandene Videobaender mit politischen und kulturellen Meldungen ansehen und sagt; "aha"!

Die Antwort, wie das zu verhindern ist, verstoesst gegen alle Benimmregeln aber man kann's sich denken ...

HdeA
Gerald
08. April 2016 14:13
"Man muss sich nur die manipulativen Techniken anschauen, mit denen die ethnische Organisation der politischen Probleme in rechten Foren betrieben wird, wie etwa im um die Zeitschrift „Sezession“ gruppierten Milieu, wo die Migration als völkischer Austausch beschrieben wird und man reaktionäre Romanciers als politische Seher verehrt." http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hilft-bei-der-gereiztheit-der-deutschen-nur-reden-14165976.html#GEPC;s6
eulenfurz
08. April 2016 14:23
Über Jahrhunderttausende entwickelte sich Diversity in Rassen, Kulturen, Sprachen, Religionen, Dialekten, Trachten, Ernährung, Lebenswelten ... die seit etwa 50 Jahren gezielt forcierte Auflösung dieser Vielfalt in einen steuerbaren Menschenbrei müssen ihre Nutznießer ideologisch verklären, denn sie ist widernatürlich und bestenfalls ein Kollateralschaden der globalistischen Zivilisation mit ihrer infrastrukturellen Vernetzung, welche wiederum nur mit der Ausbeutung aller Ressourcen möglich ist.

Man muß gelassen bleiben: die 50 oder 100 Jahre Verirrung sind ein Furz in der Menschheitsgeschichte, die Lebenswirklichkeit spricht ihr Urteil und wird alles wieder so einrichten, wie es Konservative predigen. Ob nun mit oder ohne Islam, aber dafür mit einem großen Zusammenbruch.
der Gehenkte
08. April 2016 16:17
Es ist ein Geschenk, einen solch wachen Autor zu haben, dem es immer wieder gelingt, aus der Masse des Irrsinns ein paar apodiktische Zeilen herauszufischen und argumentationslogisch und weltanschaulich zu hinterfragen. Liest sich jedes Mal aufs Neue gut und macht vor allem - geht mir zumindest so - die eigene Trance deutlich. Zwar hatte ich Timmermanns Einsatz auch wahrgenommen, bin aber nicht auf die Idee gekommen, die Sache genauer zu durchleuchten. Man ist selbst oft schon eingelullt.

Allerdings überzeugt mich nach wie vor nicht die hier immer wieder ausgedrückte Vorannahme, es stünde eine Art Masterplan dahinter. Dem kann durchaus so sein, nur fehlen bislang die wirklich zwingenden Beweise und das Dauerzitieren von Barnett, Coudenhove-Kalergi und Soros und dergleichen beweist eigentlich nur, daß es diese drei Autoren gibt. Na und? Keith Moore, Embryologe, glaubte im Koran die gesamte fötale Entwicklung vorgedacht zu haben, aber außer ein paar muslimischen Simplicissimi nimmt das niemand ernst. Doxa und Episteme - alles nur Meinung. Kann man sich mal anhören, kann man auch abspeichern und bei Bedarf abrufen, sollte aber nicht mit Realität verwechselt werden.

Politik, die "moderne", "neoliberale", "demokratische" zumindest, funktioniert anders. Das war der einzig treffende Punkt Münklers gegen Sloterdijk, weshalb man die Debatte noch einmal studieren sollte. Das strategische Element ist weitgehend abwesend, das globalstrategische umso mehr. Politik ist taktisch bestimmt und also eine Schritt-für-Schritt-Geschichte in der Dunkelkammer.

Meinung wird aber dann wichtig, wenn sie geschichtsbildend geworden ist, und Lichtmesz denkt auch in diese Richtung und sollte, so scheint mir, diesen Weg stärker verfolgen. Es ist nämlich Marx‘ Meinung, die in Timmermanns Interpretation fröhliche Urständ feiert, oder genauer: die hegelianische-marxistische Philosophie. Sie war tatsächlich zu dem Schluß gekommen, die Idee des Weltgeistes, den Sinn der Geschichte entziffert zu haben und konnte sich daher als Kämpfer für den Fortschritt gerieren. Was Marx freilich übersah, war seine eigene Rolle dabei, die Selbstreferenzialität, das Aushebeln der Gesetze der Geschichte durch Erkenntnis und damit Beeinflussung dieser. Lenins Satz: "Die Lehre von Karl Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist. Sie ist in sich geschlossen und harmonisch, sie gibt den Menschen eine einheitliche Weltanschauung, die sich mit keinerlei Aberglauben, keinerlei Reaktion, keinerlei Verteidigung bürgerlicher Knechtung vereinbaren läßt.", hätte theoretisch wahr sein können, wenn sie nicht ebenjenen Sprung voraus in die unbemerkte Selbstreflexivität getan hätte.

Das alles ist nicht akademisch, sondern betrifft exakt die jetzige Diskussion. Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, es kömmt darauf an, ihre dadurch geschaffenen Selbstwidersprüche zu durchschauen. Konkret ergäbe sich die Aufgabe, zu erklären, warum und wie der marxsche Fortschritts- und Geschichtsgedanke sich hat durchsetzen können und wieso gerade die offensichtlichen Feinde des Marxismus, die Neoliberalen und der „westliche Universalismus“, letztlich also der „Kapitalismus“, sich seiner bedienen (ohne es vielleicht zu ahnen). Solange das nicht geklärt, aufgedeckt und damit eventuell unmöglich gemacht wird, solange werden wir gegen diese selbstimmunisierende Bastion umsonst anrennen und uns nur selber bestätigen, ohne Außenwirkung.
Arkanthus
08. April 2016 16:41
Der "Diversity"-Fanatismus ist eine um 180 Grad gewendete, nichtsdestotrotz völkische Ideologie reinsten Wassers. Wie jemand, der sich am Ende des Amoklaufs selbst erschießt, richten diese Ideologen jetzt die Waffe auf ihre eigenen Völker. Der ganze humanistische Schleim ist nur zynische Tarnung wie bei Clément Dio aus dem "Heerlager". Interessanter Charakter übrigens, er findet sein reales Gegenstück m.E. in Navid Kermani.
Der_Jürgen
08. April 2016 18:11
@Corax

Von den vielen guten Kommentaren zu diesem Beitrag von Martin Lichtmesz ist Ihrer der beste. Er ist geradezu genial. Man gestatte mir, diese Behauptung zu begründen.

Akif Pirincci stellte vor drei Tagen auf diesem Blog die Behauptung auf, die Elite der BRD sei "geisteskrank", denn anders lasse sich ihre zerstörerische Politik nicht erklären. Ich habe darauf relativ ausführlich geantwortet und die Unhaltbarkeit dieser These aufgezeigt. Ein weiterer Beweis dafür, dass wir es mitnichten mit "Geisteskranken" oder "Dummköpfen" zu tun haben, liefert das frische Beispiel Frans Timmermans.

Eine kurze Recherche bei Wikipedia ergibt, dass dieser Mann sechs Sprachen fliessend spricht, darunter Russisch, das nicht einfach ist. Das schafft nicht jeder. Timmermans kann also kein Geisteskranker und kein Idiot sein. Er kann seine Thesen in geschliffenem British English darlegen, inhaltlich haarsträubend, aber formell perfekt. Ein weiterer Beweis dafür, dass er nicht geisteskrank ist. Die EU wird sich ohnehin hüten, Irre mit stierem Blick, die unverständlichen Blödsinn lallen, in Spitzenpositionen zu berufen.

Handelt dieser Timmermans also aus Idealismus? Glaubt er an den Stuss, den er verzapft? Gewiss nicht; als intelligenter Mann weiss er ganz genau, dass "diversity" einem Land nicht nützt, sondern schadet. Warum tut er also, was er tut?

Martin Lichtmesz hat nicht den gesamten Text der Timmermans-Rede ins Netz gestellt. Diesen findet man u. a. bei thedailystormer, einem Blog, der Sezession intellektuell hinten und vorne nicht das Wasser reichen kann, aber keine Tabus zu respektieren braucht, weil in den USA immer noch das First Amendment gilt. Zu Beginn seiner Auslassungen wettert Timmermans lang und breit gegen den "Antisemitismus" (ein weiterer "red herring" der Systemterminologie, da es keinen einzigen halbwegs intelligenten Rechten gibt, der die Juden aufgrund ihrer semitischen Abstammung ablehnt; die Kritik am Judentum richtet sich gegen seine talmudistische Weltanschauung und nicht gegen seine Rasse).

Wir haben also einen unzweifelhaft intelligenten, hochgestellten EU-Funktionär vor uns, der

1) gegen den (fiktiven) "Antisemitismus" Sturm läuft.
2) die europäische Menscheit (denn nur um die geht es; wie Lichtmesz treffend festhält, denkt kein Mensch daran, die Chinesen oder die Inder oder die Türken oder die Schwarzen mit "Verschiedenheit" zu "bereichern"; dies ginge ohnehin nicht, weil keine chinesische Regierung verrückt genug sein wird, zwecks Diversifizierung ein paar hundert Millionen Neger oder Inder zu importieren) "divers" machen, d.h . durch Vermischung abschaffen will, bis hin ins hinterste bretonische oder sächsische oder apulische oder weissrussische Dorf.

Wer dächte da nicht an den seligen Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi (ja, Sie haben es kapiert, @Michaela),

der in "Praktischer Idealismus" (1925) die Schaffung einer "eurasisch-negroiden Zukunftsrasse" unter Führung der "jüdischen Adelsrasse" propagierte. Nach diesem Mann ist ein Preis benannt, den u. a. Kohl, Merkel, de Rompuy und Jungker erhielten und den auch Timmermans zweifellos erhalten wird (falls er nicht schon damit ausgezeichnet wurde; da müsste ich recherchieren).

Da Timmermans weder jüdischer Abstammung noch Idealist ist, bleibt als einzige Erklärung die von @Corax
gelieferte: Er will möglichst lange am Trog stehen und mitfressen dürfen und, wenn dereinst ein neues Schwein an seine Stelle rückt und er seinen Platz räumen muss, eine möglichst fette Pension beziehen, die es ihm erlaubt, bis zu seinem seligen Ende in Saus und Braus zu schwelgen. Und darum gibt er, wie
@Corax
so treffend festhät, regelmässig die "verlangen akustischen Signale" von sich. "Quackspeak" nannte sie George Orwell.

Dieser Art ist also die Elite, die über West- und Mitteleuropa herrscht. Die Leute ganz oben, die die Fäden ziehen, werden dabei gemischte Gefühle empfinden. Ihre Handlanger sind "Five Dollar Whores", die ihre Beine für den Meistbietenden breitmachen, und auf solche Leute ist kein Verlass. Sie werden, sobald sich der Wind dreht, ins feindliche Lager übergehen (falls man sie dort will, was hoffentlich nicht der Fall sein wird).
Winston Smith 78699
08. April 2016 19:00
@ der Gehenkte
Freitag, 8. April 2016, 16:17 (URL) | Kurz-URL

Solange das nicht geklärt, aufgedeckt und damit eventuell unmöglich gemacht wird, solange werden wir gegen diese selbstimmunisierende Bastion umsonst anrennen und uns nur selber bestätigen, ohne Außenwirkung.


Ein Gedankenexperiment: was wäre, wenn es - etwa hier oder auf anderen Blogs - geklärt und aufgedeckt wäre. Warum wäre es damit unmöglich gemacht? Was wäre anders?


@ Der_Jürgen
Freitag, 8. April 2016, 18:11 (URL) | Kurz-URL

Er will möglichst lange am Trog stehen und mitfressen dürfen und, wenn dereinst ein neues Schwein an seine Stelle rückt ...
Dieser Art ist also die Elite, die über West- und Mitteleuropa herrscht. Die Leute ganz oben, die die Fäden ziehen, werden dabei gemischte Gefühle empfinden. Ihre Handlanger sind „Five Dollar Whores“


Man könnte die Beschreibung als verharmlosend empfinden. Es sind ja nicht einfach Freßtiere oder Nutten, sondern Verantwortungsträger, die viel Unheil anrichten können. Wenn einer wie der Timmermans so helle ist, dann weiß er das. Dann nimmt er für ein wenig Futtertrog also so viel Zerstörung in kauf, und das ist psychopathologisch. Die Erkenntnisse zum Zusammenhang von Macht und dem Komplex der "Dark Triad" sind mittlerweile wissenschaftlich gefestigter als früher, das ist keine Verschwörungstheorie mehr. Die echten Psychopathen sehen nicht aus wie die Serienkiller aus den Filmen, auch nicht wie die der gestreßte Irre aus "American Psycho". Die Masken der echten sind viel besser - besser, als Schauspieler das umsetzen. Auch dazu gibt es neuere Forschung. (Ich bin etwa auf dem Stand von vor eineinhalb Jahren.) Daher sind wir i. A. nicht für das Erkennen dieser Macken gerüstet.
herbstlicht
08. April 2016 19:00
But diversity is humanity’s destiny! There is not going to be, even on the remotest places of this planet, a nation that will not see diversity in its future. That’s where humanity is heading.


Beweis? Inwiefern wäre diese These besser begründet als etwa die von der "Überlegenheit der nordischen Rasse" im NS?

In der Körpersprache erinnert diese Gestalt an den da (Auerhahn).

Das Interessante dabei ist, daß so ein Timmermans mit seinem Gequatsch nicht ausgelacht wird.
Winston Smith 78699
08. April 2016 20:27
@ der Gehenkte
Freitag, 8. April 2016, 16:17 (URL) | Kurz-URL

Konkret ergäbe sich die Aufgabe, zu erklären, warum und wie der marxsche Fortschritts- und Geschichtsgedanke sich hat durchsetzen können und wieso gerade die offensichtlichen Feinde des Marxismus, die Neoliberalen und der „westliche Universalismus“, letztlich also der „Kapitalismus“, sich seiner bedienen (ohne es vielleicht zu ahnen).


Offenbar wird ja Betrug und Vernebelung mit Scheinargumenten betrieben.
Was ist denn neu und sprengt bzw. überfordert die alten Theorien und Denkweisen, so daß sie damit selektiv angefüllt und beliebig gemacht werden können, schon allein weil sie nicht für dieses Gelände gebaut wurden?

- globale Überbevölkerung
- globale Ressourcenknappheit (als These)
- globale und begrenzte ökologische Bedrohungen (real und als These)
- globale (Nuklearkrieg) und neuartige (ABC, Roboter, Cyber, Terror, Kinder, Frauen) militärische Bedrohungen
- Biotech
- globale Mobilität und digitale Vernetztheit; Acceleration vor allem im Handel, Virtualität, Twitter
- regional und zum Teil auch kontinental langfristig und schlau aufgebaute Ideologien; deutlich größeres psychologisches Wissen (siehe Werbung)
- Omnipräsenz der Medien, auch im Hinblick auf die Bereitstellung von Scheinrealitäten (Soap-Operas, Computerspiele, Fußball ...)
- Google (Wissensverfügbarkeit, Wissenszuwachs, Wissenskontrolle, Wissensgenerierung)
- Facebook, soziale Netzwerke, Foren
(...)

Insgesamt Überkomplexität, Relevanz zuvieler Perspektiven, welche einzeln so weit bis zur Perfektion ausgearbeitet sind, dass sie das Denken und die Aufnahmefähigkeit jeweils gänzlich ausfüllen. Jede einzelne kann zum mentalen Overkill eingesetzt werden.

Nun können Denkgrenzen sehr selektiv nach Belieben gesetzt werden.

Räumliche und zeitliche Beispiele: Lokales oder nationales Handeln kann mit globalen Verhältnissen gerechtfertigt werden und umgekehrt. Situatives Handeln wird mit Fokus auf beliebige Abschnitte der Geschichte begründet. Situatives Handeln wird etwa räumlich und im Präsens begründet und die Perspektive auf nur Tage oder Wochen in die Zukunft ausgeblendet, während zugleich woanders mit der fernen Zukunft argumentiert wird und wieder woanders mit kurz- oder mittelfristigen Folgen. Ähnliche Beispiele könnte man evtl. zu Spielereien mit Ursache-Wirkung, Teil-Ganzes, einzeln-wenige-viele-alle usw. finden. Man könnte mal Kategorientafeln daraufhin durchgehen. Von Paradoxien und Mißbrauch von Analogien (durch Manifestierung, Materialisierung) ganz zu schweigen. Dabei ist Manipulation durch Sprache etc. noch gar nicht berücksichtigt.

Dann kann z.B. der Bedarf an billigsten, identitätslosen Arbeitsnomaden leicht mit Humanismus oder kategorischem Imperativ oder sonstwas verschleiert werden, zumal wenn man technisch Hoheit über die Diskussion hat und jeweils die mentale Überfüllung sicherstellt. Um der Unüberschaubarkeit Herr zu werden, braucht's natürlich Thinktanks, brainstormige Redaktionssitzungen und dergleichen, gerne auch online oder gar mit Analyse von Äußerungen vermeintlich Unbeteiligter und Scharmintelligenz und dergleichen, oder etwa deren Verhaltens etwa mit Google-Analytics.

Im Kern könnte aber jeweils die Manipulation der Perspektiven stehen, die Verengung oder Ausweitung oder Verschiebung von Grenzen der Wahrnehmung und der Referenz, die Umdefinition von Grundmengen oder gar Folgerungsregeln nach Belieben. Damit könnte man im Prinzip jede Theorie oder Weltanschauung harmonisch mit jeder anderen verbinden. Ein herrliches Trainigsfeld dafür ist die Frage nach Evolution und Gott, aber spielerisch geht viel mehr, die Marketingindustrie macht's vor: nehmen Sie irgendein Firmenimage und irgendeine Weltreligion und setzen Sie zum Spaß noch ein tabuisiertes Laster drauf.
Fredy
08. April 2016 22:10
@Der_Jürgen

Hinzu kommt: Das Lager ist groß. Man bestätigt und versichert sich gegenseitig. Wenn soviele, auch intelligente und reiche Leute dabei sind und mitmachen, dann wird das schon die richtige Sache sein und erfolgreich sein, oder zumindest irgendwie gut gehen. Jegliche Selbstzweifel, die ab und an auftauchen, zerstreuen sich schnell. Und wenn doch Zweifel bleiben: Für das eigene Leben ist MItmachen die bessere Option.
der Gehenkte
08. April 2016 22:33
@ Winston Smith 78699 (1)

„Ein Gedankenexperiment: was wäre, wenn es – etwa hier oder auf anderen Blogs – geklärt und aufgedeckt wäre. Warum wäre es damit unmöglich gemacht? Was wäre anders?“


Alles und nichts. Kommt darauf an, ob man an die Kraft der Aufklärung glaubt. Wer so fragt, scheint seine Zweifel zu haben. Aber warum dann überhaupt sich Gedanken machen? Ich will zumindest die Illusion nicht aufgeben, daß das bessere Argument auch tatsächlich Einstellungen verändern kann.

@ Winston Smith 78699 (2)

Alles schön und gut – und richtig! Aber sehr weit ausgeholt. Ausgangspunkt war die Frage, wie politische Eliten (am Bsp. Timmermann) dazu kommen, hegelianisch-marxistische Denkfiguren zu bemühen und ob es nicht sinnvoller wäre (am Bsp. ML und unter dem aufklärungsoptimistischen Vorbehalt), diese Figuren als Entlarvung und in ihrer Historizität, Entwicklung, Widersprüchlichkeit und Teleologie nachzuweisen, anstatt sich an vereinzelten wenn auch paradigmatischen Verbalentgleisungen abzuarbeiten.

Lichtmesz ist eines der hellsten Lichter hier im Saal – man sollte das nutzen, um den Saal auszuleuchten und nicht nur ein paar schummrige Ecken. Obgleich diese Achtsamkeitsübungen durchaus wichtig sein.

Und wenn Sie selbst zur Allumfassung neigen, warum nicht auch Sie?
Der_Jürgen
08. April 2016 22:52
@Winston Smith

"Die Erkenntnisse vom Zusammenhang von Macht und dem Komplex der 'Dark Triad' sind mittlerweile wissenschaftlich gefestiger als früher..."

Das interessiert mich. Literaturhinweise bitte!
Winston Smith 78699
09. April 2016 00:14
@ Der_Jürgen

Wie gesagt ist das der Stand von vor eineinhalb Jahren, aber als gute und immer wieder aktualisierte Informationsquellen kann man z.B. nutzen

psychologytoday.com

ponerology.com

sott.net/article/203026-Ponerology-101-Lobaczewski-and-the-origins-of-Political-Ponerology

Das Buch von Andrej Lobaczewski "Politische Ponerologie" ist zwar viel älter, aber die zentrale Ausgangsthese über die 3-5% echter klinischer Psychopathen in jeder Gesellschaft ist seit ca. 15 Jahren eben durch bildgebende Verfahren und Experimente gestützt. Insofern gewinnen auch andere Klassiker neue Relevanz, z. B. das grandiose "The Psychopath Next Door" von Martha Stout.

Weitere sehr bekannte Autoren, darunter zuerst die beiden Klassiker, die auch für die gängigen Tests stehen: Robert Hare (Snakes in Suits), Hervey M. Cleckley (Mask of Sanity), Kevin Dutton, Thomas Sheridan (Puzzling People), Joe Navarro

Seit Ende 2014 scheinen nun die Literatur und die Anzahl der Blogs und Dokus im Netz zu explodieren und ich hab den Überblick verloren, auch weil nicht Neues mehr zu kommen schien. Ausschlaggebend für den Hype erscheinen mir die Brainscans. Deswegen mach ich jetzt mal nur einen Hinweis auf Fallon rein: http://www.smithsonianmag.com/science-nature/the-neuroscientist-who-discovered-he-was-a-psychopath-180947814/?no-ist

Dann gibt es einen US-Psychologien, der sich mit der Psychopathologie der "Dark Triad" beschäftigt hat und wie Menschen Gesichter einschätzen. Hochinteressant das Thema und mit einigen Facetten. Hier nur ein Link von vielen https://frankiebow.com/tag/personality-disorder/

Ausgeklammert habe ich jetzt die sozialpsychologische Untersuchung des Bösen (erste Stichworte: Milgram, Zimbardo, Asch, Sherif, bandwagon effect, bystander effect). Diese Dimension brauchen Sie aber, wenn Sie's verstehen wollen, denn um jeden Psycho an der Macht schart sich eine Horde von Günstlingen, Wasserträgern usw., gerne auch minder befähigte Leute. Diese sind moralisch nicht besser beieinander als die zentralen Irren! Genau zu diesen gab es mal eine Fortsetzung zu Lobaczewski als ebook, deren Titel ich aber vergessen habe. Sie finden dazu in der Mobbinghliteratur (z.B. Hirigoyen) viel, und verdichtet in Dramen (z.B. Dürrenmatt "Besuch" oder aktueller im Film "Die Jagd/ Jagten/The Hunt" - nicht so sehr übrigens in Millers "Hexenjagd"). Wenn man unter diesem Aspekt Dramen von Frisch (Biedermann, Anorra), Brecht (Furcht und Elend), Ioneso (...) ansieht, geben sie noch mehr her. Ionescos "Unterrichtsstunde" ist übrigens über die Dark Triad ergiebig. Ich weise auf Dramen hin, weil all dies im Alltag so gut wie nie sichtbar ist, außer für Betroffene. Die Verdichtung ist hier nötig. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse allein haben oft kein Gesicht und Bücher bzw. Filme wie "Die Welle" oder übers Stanford-Experiment loten's nicht ausreichend aus.

Wir sind übrigens gerade im Fernsehen auf heute+ mit Liane Bednarz. Nachher in der Mediathek schauen!

Dann muß ich hinzufügen, dass meine Worte natürlich nicht als Ferndiagnose an Timmermans zu verstehen sind, sondern als rein theoretische Spekulation über Macht und Verantwortung, die sich aus der Diskussion ergeben hat. Ich bin zu keiner Diagnose befugt und kenne den Menschen nicht.
Rabenfeder
09. April 2016 03:20
@ Lichtmeß


Sie schreiben:
„Timmermans ist am Ende auch nur einer von vielen Funktionären und Rädchen im Getriebe, die sich an dieses ideologische Opium klammern und ihren Arsch vom Grundeis zu lügen versuchen.“

Sie sagen es.
Leute wie Timmermans sind kaum mehr als willige Knechte der eigentlichen Herrschaften; so mag er durchaus aufrichtig glauben, was die geheimen Oberen (und noch geheimeren Obersten) ihm so alles an tiefem Wissen zuflüstern und kein innerer Widerspruch, kein Un- und Wahnsinn der Glaubensbotschaft kann den guten Mann in seinem orwellschen Zwiedenken beunruhigen.
2 plus 2 ist 5.

Oder er ist ein zynischer und entwurzelter Opportunist, der sein Fähnchen immer in den Wind des Tages hält und so hofft oder glaubt, zu den Gewinnern zu gehören.

Gefühlt gehört unsere ganze politische, wirtschaftliche und mediale „Elite“ zu einem dieser beiden kümmerlichen Menschentypen.


Aber wir sollten nicht den Fehler machen und von diesen Knechten aller Art auf die Herrschaft zu schließen.
Angela Merkel zum Beispiel mag eine von vielen Funktionären und Rädchen im Getriebe sein, aber am Steuer des Kraftvehikels sitzt die „Mutti“ sicher nicht.

Wer ist dann der Steuermann auf dem abendländischen Seelenverkäufer, der mit Volldampf voraus ins schöpferische Chaos mit Diversity und Umvolkung schlingert?

M.L.: Ab jetzt wird ausnahmslos jeder, der zum xyz-ten Mal die Coudenhove-Kalergi-Platte auflegt, auf Lebzeiten von diesem Blog verbannt!
Eisenhans
09. April 2016 10:07
Passend zum großen Austausch die Leserbrief- Stilblüte einer gewissen
Lucia T. aus Berlin.

"Die verstärkte Verteilung der Flüchtlinge auf ländliche Gebiete würde
die kulturelle Integration fördern: Wie soll sich denn ein Fremder im
Kulturkuddelmuddel unserer Großstädte in unsere Kultur integrieren
können..."
Veröffentlicht am 9.4.2016 in der " Lippischen Landes Zeitung"

Ja, ja, die gute Lucia hat es schon irgendwie erkannt....oder doch nicht ?
Leserbriefe dieser Art machen das Lesen der Käseblätter immer wieder
zu einem besonderen Erlebnis, da beginnt der Tag gar lustig....
thotho
09. April 2016 11:14
http://ec.europa.eu/justice/events/colloquium-fundamental-rights-2015/files/frans_timmermans.mp4
das ist wohl die interessanteste antwort auf das ganze, gegeben von ihm selbst.
Schopi
09. April 2016 11:30
Noch eine Anmerkung zu dem Begriff "Umvolkung".

Es wurde uns Deutschen ja nun nicht per Gesetz verboten oder durch medizinische Maßnahmen zwangsweise verordnet keine oder nur eine zu geringe Anzahl an Kindern in die Welt zu setzen, noch werden wir zwangweise ausgebürgert oder umgesiedelt.

Insofern ist dieser Begriff unscharf und ideologisch aufgeladen.
Nordlaender
09. April 2016 12:10
@ Metall-Hahn

"Das Geld, der große Gleichmacher, ist das Gift, der wahre Gegner sitzt in Amerika, genauer: in jener Wall Street, von wo aus der „Weltkapitalismus“ gesteuert wird. Schon klar, wer gemeint ist.."

FAZ/ Wörterbuch der Neuen Rechten

Grübel ... Heißet er Hinz? Heißet er Kunz? Von wem soll die Rede denn hier sein?

"Man ist sich mal wieder für keine Niederträchtigkeit zu schade, auf den Kommandohöhen der einzig wahren staatstragenden (bzw. staatsdemontierenden) Gesinnung."

Bevor dieser Insinuation gar noch Originalität unterstellt wird, möchte ich darauf hinweisen, daß es eine grundlegende herrschende Lehre der akademischen globalistischen Linken gibt, wie der Antiamerikanismus generell einzuordnen ist.

Stephan Grigat über Antiamerikanismus

https://www.youtube.com/watch?v=O1FNvXTN9vw
Waldgänger aus Schwaben
09. April 2016 12:52
Das Begriffskarussell, es dreht sich immer schneller. Nehmen wir nur
Asylant, Flüchtling und ganz neu Schutzsuchender. Dazu wird dies mit Zuwanderer, Einwanderer, Migrant vermischt. Genauso die von Timmermanns propagierte diversity und europäische Werte. Vor Jahren war das noch die multikulturelle Gesellschaft und die europäische Leitkultur, dann Vielfalt oder Buntheit.

Das ist kein Zufall aber da steht auch kein geheimer Plan dahinter. Das Begriffskarussell muss sich drehen sich, weil hinter diesen Begriffen keine Wirklichkeit steht. Asylanten oder Flüchtlinge sind eine heterogene Gruppe aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Motiven, der nur gemeinsam ist, dass sie alle bei uns leben wollen.

Der Begriff "multikulturelle Gesellschaft" ist gescheitert, weil das damit Gemeinte und die damit verbundenen Probleme so gar nichts mit dem zu tun haben, was gemeinhin unter Kultur verstanden wird.

Die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel hat einen tieferen Sinn:

Wenn die Menschen versuchen gottgleich mit willkürlich geprägten Begriffen eine neue Welt erschaffen zu wollen, also in die göttliche Sphäre vordringen, endet dies in einer Sprachverwirrung, sie verstehen sich nicht mehr.

Für uns als Rechte, Konservative ist wichtig, Begriffe zu prägen und zu verwenden, die nie die Bodenhaftung verlieren und sich stets an der Wirklichkeit orientieren. Damit werden wir in der Tat am Ende den Diskurs beherrschen. Die FAZ Autoren haben diesen Zusammenhang wohl eher unbewusst geahnt, als schon in aller Schärfe erkannt und bringen ihr dumpfes Unbehagen zu Ausdruck.
Der Gutmensch
09. April 2016 13:04
Naja, W.S. - die Phase mit der "politischen Ponerologie" und den Psychopathen all überall habe ich auch mal eine Weile gehabt. Das ist nicht völlig falsch, aber am Ende kriegt man nur schlechte Laune und noch mehr Angst. Wollen Sie mir die einjagen, ja? Haben Sie schon!

Vor allem aber sollte man sich vor allzu komplexen Erklärungsmustern hüten, sagt Occam. Daher gebe ich jetzt mal den Einfaltspinsel des Sonntags und stelle die ganz doofen Fragen:

Dieser Timmermanns kommt - aus den Niederlanden. Vielleicht ist er im übrigen normal und hat nur eben einen Grund, aus dem er nicht normal schwatzt, wem wäre das noch nie so gegangen? Die Niederlande ist sogar noch ein Königreich; die Idee, der Mann könnte vielleicht bloß patriotisch - statt psychotisch - sein, ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Also fragen wir mal: Was könnte die Niederlande denn so existentiell bedrohen, dass sie ihren EU-Kommissar schickt, das hohe Lied der Diversity zu singen?

Die Niederlande haben schon mehrfach in der Geschichte der EU eine, nun sagen wir: eigenartige Rolle gespielt und sind ausgeschert. Aktuell sind sie keine Freunde des Assoziierungsabkommens mit der Ukraine. Welche Kategorie von Gründen traut man den Niederländern eigentlich eher zu - geschäftliche Gründe oder ethische? Letztere liegen natürlich auf der Hand ...

Also weiter im Text - der Timmermanns will also seine Diversity all überall verbreitet sehen. Kein Überraschung soweit - die Niederländer waren ja auch schon immer ein umtriebiges Völkchen und sind in die hinterletzten Winkel gekrochen, um Handel zu treiben! Das letzte Puzzleteilchen, was da nicht zu passen scheint, ist dass wir ganz offensichtlich gar nicht in diesem Ausmaß Arbeiter benötigen, wie sie mittels weltweiter Diversity bewegt werden. Und im übrigen - suchte ich Arbeitskräfte, würde ich nach Dt gehen, da arbeiten die Leute in 1-Euro-Jobs und haben immer noch Angst vor Konkurrenz.

Aber - schert Euch nicht um Verschwörungstheorien, geht lieber an die Sonne.


d. G.

PS: Oh, und beherzigt Winstons Warnung, dass sich am Ende der Grübelei, selbst wenn sie mir einer wunderschönsten aller Verschwörungen endet, vielleicht herausstellen könnte, dass wir - nichts tun können oder tun sollten. Also - besser nicht nachdenken. Gibt nur Sorgenfalten!
schornsteinfeger
09. April 2016 13:59
@ der Gehenkte Freitag 8 april 2016

'konkret ergaebe sich die Aufgabe, zu erklaeren..'
In der WfD hat Thorsten Hinz sich zu diese Frage geauessert, unter dem Titel 'Pragmatismus und Systemfrage' /Es geht um Alternativen vom 07.08.15
Heinrich Brück
09. April 2016 14:15
"Noch eine Anmerkung zu dem Begriff „Umvolkung“."

Paßt zu dem Begriff Umerziehung.
Der_Jürgen
09. April 2016 14:18
@Winston Smith

Verbindlichen Dank für die wertvollen Hinweise. Werde mir, sobald ich wieder mehr Zeit habe, das eine oder andere zu Gemüte führen.
Keats
09. April 2016 15:42
Natürlich ist der FAZ-Artikel für einen auch nur halbwegs Eingeweihten lächerlich. Aber es sind keine Diskussionsbeiträge, kein Autor könnte seine Ausführungen ernsthaft verteidigen. Es geht wie so oft im Feuilleton nur darum, dem eiligen eilfertigen Untertan ein paar Begriffe zu zeigen und zu sagen: Die sind böse, paß auf! Und der ist wieder ein wenig gewappneter im Glauben.

Timmermans redet über den Kern der herrschenden Religion: Der Sinn des Lebens heutiger Generationen ist es, die Welt zu vereinen. Wer daran nicht mitwirkt, kann kein gutes und sinnvolles Leben führen.

Es ist ein Erlösungsangebot in einem sonst weitgehend illusionslosen Zeitalter. Glauben läßt sich nicht wegräsonieren. Es gibt kein Anzeichen dafür, daß es einen Gott gibt, schon gar keinen guten Gott, aber wenn es ihn nicht gäbe, wäre alles sinnlos, also muß es ihn geben.

Nach dem Ende des Realexistierenden Sozialismus erleben wir jetzt das Ende der Sozialdemokratie. Das schwedische Experiment, ursprüngliche auf einem guten Weg in eine harmonische Gesellschaft mit sozialdemokratischen Neuen Menschen, wird dank der Babylonisierung in wenigen Jahren in Blut und Tränen enden. Das deutsche Sozialsystem kann die nächste Wirtschaftskrise nicht überleben.

Der Globalismus ist nicht sozial und menschlich, er ist ein reines Elitenprojekt. Es geht - und da sind alle, die sich in einem schlechten Film wähnen, auf der richtigen Spur - um die Weltherrschaft. Erstaunlich ist, daß sich nicht nur die Anhänger einreden lassen, es würde sich dabei um ein "linkes" Projekt handeln, auch viele Kritiker sind vom gleichen Glauben besessen. Wer also nicht trollig, sondern aus ehrlichster Überzeugung meint, der Globalismus wäre ein Coup von Grünen und Sozialisten, wer die Abschaffung von Grenzen und Staaten zugunsten eines freien Marktes fordert, wer auf die alten Anti-X-Wörter zurückgreift, der sollte in sich gehen und findet dort den gleichen Gläubigen, an den Timmermans und die FAZ-Autoren appellieren. Nur wer die Macht hinter sich stehen hat, kann / muß es sich leisten, seinen Feind nicht verstehen zu wollen. Sich selbst zu verstehen, das wäre schon einmal ein guter Anfang.
thotho
09. April 2016 18:14
Timmermans redet über den Kern der herrschenden Religion: Der Sinn des Lebens heutiger Generationen ist es, die Welt zu vereinen. Wer daran nicht mitwirkt, kann kein gutes und sinnvolles Leben führen.
Vollkommen korrekt. Hier geht es um Religion, mit genau jenem Ziel.
Erstaunlich ist, daß sich nicht nur die Anhänger einreden lassen, es würde sich dabei um ein „linkes“ Projekt handeln, auch viele Kritiker sind vom gleichen Glauben besessen. Wer also nicht trollig, sondern aus ehrlichster Überzeugung meint, der Globalismus wäre ein Coup von Grünen und Sozialisten, wer die Abschaffung von Grenzen und Staaten zugunsten eines freien Marktes fordert, wer auf die alten Anti-X-Wörter zurückgreift, der sollte in sich gehen und findet dort den gleichen Gläubigen, an den Timmermans und die FAZ-Autoren appellieren.
Na ja. Für meine Begriffe geben sich Globalisierungseuphoriker (und da sind orthodoxe Linke genauso dabei wie Wirtschaftsliberale) einen Kampf, wer noch schneller noch mehr seines Staates bzw. seiner Nation opfert. Nationalstaaten, die in der Form nur in Europa entstanden sind, sind eben einmalig. Sie waren auch beharrlich gegen jene teleologisch ausgerichteten Dogmen eines Timmermans (Wir wissen aber auch, dass die katholische Kirche Ähnliches verzapft.). Genau deshalb müssen sie abgeschafft werden und mit ihnen die homogenen europäischen Völker gleich mit.
Mein Blick richtet sich immer stärker vor allem nach Ungarn mit Orban. Es ist dringend nötig, gegen jede Form von Globalismus vorzugehen.
Winston Smith 78699
09. April 2016 19:24
@ der Gehenkte
die Frage, wie politische Eliten (am Bsp. Timmermann) dazu kommen, hegelianisch-marxistische Denkfiguren zu bemühen


Mein ganz individuelles Bauchgefühl bei diesm Buben der Münzen ist nicht das von HML/Diamat/Teleologie, sondern von einem schnöden Appell an Pragmatismus und Bequemlichkeit und Scheu vor der tätigen Übernahme von Verantwortung: wenn sich so große Veränderungen zutragen, kann man nichts dagegen machen, ohne schlimme Dinge zu tun, also fügen wir uns lieber; die Geschichte lehrt uns, dass nachher in der Trümmern nämlich alle sagen, alles andere wäre besser gewesen. Also: Finger weg. Den Sermon dann noch ein wenig aufpolieren mit irgendwas Übersinnlichem, fertig ist die Sonntagspredigt.

Ansonsten: nimmt man das mit der Geschichtsphilosophie und der Notwendigkeit ernst, dann steckt im Kern der Denke entweder ein Plan Gottes oder irgendeine "Dialektik" in der Hegeltradition (oder, bei Hegel, beides). Zum Wesen einer solchen "Dialektik" gehört, dass sie der Logik (und antiken "Dialektik") zu widersprechen neigt - sonst bräuchte es diese Denkfigur ja nicht extra.

Wozu Hegel noch (Einleitung zur Phänomenologie des Geistes) eine Art Wort- oder Begriffsmystik veranstaltet, das wird bei den Materialisten von der Masse übernommen, von deren geheimnisvoller und nicht aufdröselbarer geschichtlicher Eigendynamik. Diese kann dann erklären, dass Entwicklungen in ihr Gegenteil umschlagen, oder dass man mit aller Gewalt in die eine Richtung arbeitet und genau die andere rauskommt. Erklärbar ist so gesehen damit alles und jedes, auch jede Schandtat "für die Sache", das Gute. Prominent stehen für Spielarten dieser Denke z.B. die Figuren Ivanov und besonders Gletkin aus Arthur Koestlers "Sonnenfinsternis" (übrigens weist auch Sarrazin auf die Figur Gletkin hin) - aber auch Dostojewskis Großinquisitor rechtfertigt, rationalisiert bereits mit einer verdächtigen Mischung aus Irrationalität und Rationalität. Naja, und wie immer irgendwie auch Orwell und Co. , ja vielleicht auch Pilatus und auch die Verehrer von Judas Ischariot (bei Borges und vielleicht gar wirklich) - Mephistopheles benennt ja eine "Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft" oder so ähnlich.

Vielleicht sollte man solche strategischen Vermengungen von Rationalität und Irrationalität aufspüren? Ich sage immer wieder meine Meinung, dass Dialektik für die Erklärung der Psyche oder der Kunst und der Kunstwerke und dergleichen überkomplexer Gebiete eine tolle Assoziationshilfe und ein Ideengeber ist, aber eben nicht als Rechtfertigung für politische und real-planerische Entscheidungen herhalten darf. Dass sie eine schöne, elegante Hure ist und sich im Nachhinein für alles hergibt, aber nichts vorhersagen kann und somit nicht falsifizierbar ist. Diese meine ganz persönliche Meinung vorzuführen habe ich hier und hier versucht und freue mich über Einspruch und Widerrede.
Andreas Walter
09. April 2016 20:20
OK, dann eben eine andere Platte.

https://www.youtube.com/watch?v=CdtiHPM2C4Q

Denn ich bin auch ein (A)TCK. Wie Akif. Wie traditionell (oder gezwungenermaßen) aber auch sehr viele Juden oder eben auch viele andere Globalisten, "Globetrotter", die überdurchschnittlich oft auch Kinder diverser Eliten sind. Politischer Eliten, aber eben auch der Wirtschaftselite, der Finanzelite, der religiösen Eliten, Kommunisten, Spezialisten, Entwicklungshelfer, Militärs, Lehrer, Professoren, Wissenschaftler. Doch auch die Kinder von Wanderarbeitern und Migranten können TCKs, und später als Erwachsene dann ATCKs sein (A, für adult).

Die klassische Definition, was ein TCK ist, möchte ich allerdings noch erweitern: Die damals noch jungen Einwohner der ehemaligen DDR sind jetzt auch ATCKs. Man kann nämlich nicht nur Menschen versetzen, man kann ihnen auch buchstäblich den Boden, ihre Identität unter den Füssen wegreissen. Was übrigens auch nach 1945 hier schon mal passiert ist, sowohl in der BRD wie auch schon mal in der DDR.

Die halbe Obama Administration sind übrigens auch ATCKs, und darum sollte man als "local" unbedingt wissen, wie solche Menschen in der Regel ticken, egal ob als Kommunisten oder Kapitalisten.

Der historische Schmähbegriff "heimatlose Gesellen (Gesellinnen!)" trifft nämlich auch auf die "Nomaden der Moderne" zu, auf die Jetsetter.

Mir ist das neulich erst wieder bewusst geworden, als ich bei einem Freund der bei der AfD ist über "Die Deutschen" geschimpft habe, ich oft dabei den Ausdruck "ihr" benutze, für "ihr Deutschen ...".

https://www.youtube.com/watch?v=8RCmgMKJRy8

Wer sich daher mit den Themen Heimat, Identität und Diversität beschäftigt dem empfehle ich, sich unbedingt auch mit dem Thema Third Culture Kids zu beschäftigen, die irgendwann ja auch erwachsen werden, und anfangen zu wirken.

Aus 1 plus 1 wird nämlich nicht einfach nur eine Mischung von 1 plus 1, sondern etwas Anderes, was ich auch mit vielen Juden in der Welt teile, aber eben auch mit allen anderen TCKs und ATCKs, egal welche Hautfarbe sie auch haben mögen.

Und darum werde ich selbstverständlich nicht die Vorherrschaft, Vorgaben und Pläne dieser selbsternannten Elite über und für die Welt akzeptieren, denn ich kenne auch die Nachteile und die Gefahren davon, wenn man etwas forciert, gegen den Willen der locals, denn damit sind wir dann beim Totalitarismus, Absolutismus, in einer Diktatur.
der Gehenkte
09. April 2016 23:48
@ Winston Smith 78699

Zu gern würde ich Einspruch und Widerrede geben, aber dazu müßte ich erst wissen, wovon Sie reden. Ich kann Ihnen, kurz gesagt, nicht folgen.

Nur so viel scheint mir klar: Sie tun der Dialektik beträchtlich Unrecht. Sie ist und bleibt in erster Linie ein mächtiges Erkenntnismittel und ich kann nicht recht sehen, wie man sie als Rationalisierung mißverstehen kann.

Sprächen wir über das Gleiche, dann hätten Sie m.E. Rubashov und nicht Gletkin, Borges‘ „Der Garten der Pfade, die sich verzweigen“, statt den „Judas“ etc. erwähnen sollen. Wie auch immer: es ist hier wohl am Thema der Diskussion vorbei.

Aber da wir schon mal dabei sind: gerade die Dialektik bietet noch lehrreichen Lesestoff aus dem linken Lager. Ich denke dabei an Hans Heinz Holz und Wolfgang Harich und unter Abstrichen (Gerede) auch Dietmar Dath.

Vermutlich ist ohnehin bald Badeschluß – vielleicht können wir später an passenderer Stelle fortsetzen (aber nur, wenn Sie nicht weiter in Rätseln reden …)

Immerhin bin ich bereit, meine Timmermans-Lesart tatsächlich als evtle. Überinterpretation zuzugeben – was am Grundproblem nichts ändert (Stichwort: Kulturmarxismus).
Urwinkel
10. April 2016 00:29
Aber – schert Euch nicht um Verschwörungstheorien, geht lieber an die Sonne.


Richtig. Und hört dazu Dead Can Dance, damit seid ihr der Bürgerschreck. Möglichst laut und unüberhörbar! Was was ein relativ neues Meisterwerk von denen... hatte die Band schon abgehakt. Dieser Track hätte auch von Adrian Sherwood oder Lee Perry so gemacht sein können. Immer voll auf die Zwei, mit ordentlichem Hall:

https://youtu.be/aiDNf8trWn8?t=1283

Aber sie gibts noch (das Bandpaar). Der Gesang von Brendan Perry klingt noch wie früher. Der kann kanns einfach. Er kanns. Kitschige, aber schöne Platte.
Andreas Walter
10. April 2016 05:31
Nein, ein Aprilscherz ist es nicht, dass habe ich bereits überprüft, sondern offener Rassismus und ausserdem noch Diskriminierung eines Geschlechts, was hier Thomas Moßburger vom Focus am Weltfrauentag verbreitet:

"Hau ab, weißer Mann! Warum Frauen das Internet regieren sollten"

http://www.focus.de/digital/internet/zum-weltfrauentag-hau-ab-weisser-mann-warum-frauen-das-internet-regieren-sollten_id_5343574.html

Doch wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Trotzdem ein Fall für den Verfassungsschutz, offiziell: Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), und dieses müsste es an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, unaufgefordert.

"Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Art 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html

Sicher, selbst dieses Gesetz steckt voller Widersprüche, bestätigt aber immerhin, dass es Rassen gibt.

Doch auch bei so einem Justizminister, der ansonsten wohl keine Probleme und wichtigere Dinge gerade zu tun hat, sehe ich rabenschwarz für den sozialen Frieden, für die innere Sicherheit Deutschlands, unsere Heimat.

Aus dem gleichen "Leitmedium":

http://www.focus.de/finanzen/news/sexistische-werbung-soll-angeschafft-werden-moderneres-geschlechterbild_id_5423137.html
Monika
10. April 2016 06:16
Und da war da noch diese Integrations-Initiative " Wir zusammen" von der deutschen Wirtschaft:
https://www.wir-zusammen.de/home
Und im Fernsehen und in den Medien wird derzeit geworben für die Chancengleichheit der Einheimischen und der Zuwanderer.
Man sieht einen Menschenkopf. Die linke Hälfte ist weiß, blond, blauäugig und dort steht: Sie hat eine Chance. Die rechte Kopfhälfte ist schwarz, kräuselhaarig, dunkeläugig und dort steht: Sie nicht.
Wer bekommt da nicht ein schlechtes Gewissen ? Weil er so viel Glück und Chancen im Leben hatte. Und andere nicht.


„Man muss sich nur die manipulativen Techniken anschauen, mit denen die ethnische Organisation der politischen Probleme im altlinken BRD-Milieu betrieben wird, wie etwa in der Integrations-Initiative " Wir zusammen" , wo die Migration als Austausch von Arbeitskräften beschrieben wird und man reaktionäre Romantiker als wirtschaftliche Seher verehrt.“

eigentümlich frei nach der "Neuesten Rechten"

Ich sehe auch beliebig viele andere Doppelköpfe:
1. Links sieht man eine unverschleierte Frau, die eine Chance hat, rechts sieht man eine verschleierte Frau, die keine Chance hat;
2. Links sieht man einen westdeutschen Menschen südländischer Herkunft, der seine Chance schon genutzt hat, rechts einen mitteldeutschen Menschen authochthoner Herkunft, der im Wendemanöver auf der Strecke blieb und keine Chance hatte und im Untergrund versank....
usw.usw. die Variationen sind zahlreich und vielfältig....wirklich zahlreich und vielfältig.....
Hans
10. April 2016 07:18
@ Winston Smith
Herzlichen Dank für ihre Links zum Thema Psychopathologie, die mir einige neue Hinweise brachten.
Neben der historischen und politischen Betrachtung ist die Psychologie in der Lage, weitere Erklärungen zur Lage zu geben. Vor allem scheinbar irrationale Haltungen und Reaktionen lassen sich einordnen.
Ich sehe die negative Charakterauslese als einen Punkt, der immer wieder sachlich zu recht als Erklärung genannt wird. Für mich ist es aber das Zusammenspiel von Voll-Psychopathen (und -innen:-) mit den menschlichen Schwächen von uns allen. Wer traut schon seiner Wahrnehmung, und ist dann bereit die notwendigen persönlichen und rechtlichen Schritte zu gehen, wenn er auf solch einen Menschen trifft? Der Gegenangriff wird verheerend sein uns sich aller Mittel bedienen.
Um jeden funktionellen Psychopathen entsteht so eine Blase von Mitwissern und Mittätern, die Seilschaften und Netzwerke, die in gegenseitiger Verstrickung zusammen gehalten werden, auch wenn sich bei Einzelnen das Gewissen regt.
Oben drauf kommen noch natürlicher Herdentrieb und Konfliktscheu, und diese Strukturen bleiben erhalten bis zum St. Nimmerleinstag.
Andreas Walter
10. April 2016 07:51
Hahaha, kleines Detail für den ganz aufmerksamen Beobachter:

In der URL des FOCUS steht an-, nicht abgeschafft.

Frauen sind nicht nur das was Sie in ihnen sehen, Herr Maas. Oder das, was sie in Ihnen zeigen. Doch ich weiß warum Sie blind sind, auch für die wahre Natur der Frau.

https://www.youtube.com/watch?v=k7S11h7lU8g

Weil Sie sich selbst unterdrücken, Ihre Gefühle, Ihre Emotionen, Ihre wahre Natur, Ihren Schatten, Mister Selbstkontrolle.

https://www.youtube.com/watch?v=xayqDK5EHo8
Rabenfeder
10. April 2016 08:00
@ Andreas Walter


Sie schreiben:
„Und darum werde ich selbstverständlich nicht die Vorherrschaft, Vorgaben und Pläne dieser selbsternannten Elite über und für die Welt akzeptieren, denn ich kenne auch die Nachteile und die Gefahren davon, wenn man etwas forciert, gegen den Willen der locals, denn damit sind wir dann beim Totalitarismus, Absolutismus, in einer Diktatur.“


Das ist der ins Auge springende Punkt.

Wenn Umvolkung sein soll und Gewachsenes zersetzt werden muss,
wenn alles Feste verflüssigt werden soll, damit der Verflüssigte besser in neue Formen gegossen werden kann (und Überflüssiges in den Abguss ausgegossen werden kann),
wenn gewachsene Völker sich fremd werden müssen, damit der unter den Völkern und womöglich auch sich selbst Fremde sich endlich überall „heimisch“ fühlen darf,
wenn, um ein wenig Licht auf die Schattenseite der dunklen Triade (@ Winston) zu werfen, alle Welt in ein chaotisches und korruptes Chicago verwandelt werden soll, damit Al Capone herrschen kann,
dann muss sich der lokal noch einigermaßen Verwurzelte fragen, ob dieses Schicksal, das sich durch Taten in der Wirklichkeit manifestieren soll, in seinem ureigenen Interesse liegen kann.

Wer aus der Wurzel seine Freiheit zieht, der wird in der entwurzelten schönen, neuen Welt, in der niemand mehr in lokale Tradition, in Blut und Boden, verwurzelt sein darf, die totale Unfreiheit erkennen.
Diese Unfreiheit der verflüssigten, flexiblen Welt ist zwingend; eine solche Welt wird durch eine Militärdiktatur, ein tyrannisches Imperium nach römischem Vorbild beherrscht werden.
Bedenken wir die heutigen technischen Möglichkeiten, dann wird diese Herrschaft so total und alles penetrierend sein, dass der Orwellsche „Große Bruder“ daneben noch beinahe maßvoll und bescheiden wirkt; alles Private wird (und ist es bereits weitgehend) öffentlich und damit manipulierbar und kontrollierbar
Kein Geschwätz von unseren „westlichen Werten“ kann davon ablenken, dass auch diese Werte bereits flüssig gemacht worden sind und noch immer flüssiger werden und stets neu im Sinne der Herrschaft interpretiert werden können.

Beschleunigen und forcieren muss diese Entwicklung derjenige, der schnellstmöglich nach der Herrschaft greifen muss, bevor ihm die zu verflüssigenden Massen vielleicht doch noch mehr Härte und Festigkeit entgegensetzen können, als dem Plane zum Gewinn der Weltherrschaft dienlich wäre; wir sollten niemals die Furcht als einen Antrieb zur Macht unterschätzen.

Wer kann bestreiten, dass wir mittlerweile den ganzen Planeten in den Blick genommen haben und überall Verbindungen entstehen, die einen weit intensiveren Austausch als noch vor wenigen Jahrzehnten und somit auch Wandel im Denken schlicht zur Realität werden liessen und lassen?
Aber dies würde eine langsamere und natürlichere und harmonischere Entwicklung ja keineswegs ausschließen.

Eine solche harmonischere Entwicklung, die den Menschen vielleicht Zeit zum Nachdenken lassen würde, ist aber sowenig im Interesse unserer Lug- und Trug-Eliten, wie sie im Interesse eines windigen Pyramidenspiel-Verkäufers ist, der schnellstmöglich neue Opfer finden muss, damit sein Profit sichergestellt werden kann, bevor die Blase platzt und die Lügen offenbar werden.

Nachdenkende Völker könnten womöglich Wege einschlagen wollen, die den diesen Völkern feindlich gesinnten „Eliten“ nicht schmecken würden.
Das große revolutionäre Werk darf nicht durch kleingeistige Gestrige gefährdet werden; zuviel wurde bereits investiert und geopfert, jetzt gibt es kein zurück mehr...
Rabenfeder
10. April 2016 08:23
@ Urwinkel


Sie schreiben:
„Der Gesang von Brendan Perry klingt noch wie früher. Der kann kanns einfach. Er kanns. Kitschige, aber schöne Platte.“

Ich mag Brendan Perry's Stimme und Dead can dance sowieso. Aber nicht immer, manchmal kann ich die nur schwer ertragen, vor allen Dingen dann, wenn Perry allzu verständlich weltanschaulich singt, ich also verstehe, wovon er singt. In solchen Momenten ist mir dann Lisa Gerrad lieber, die singt wenigstens in Engelszungen und ich kann verstehen, was immer ich will...

Allerdings manchmal, so als Lied an die vom Himmel gefallene Engeline, sind auch seine Texte sehr poetisch...

https://www.youtube.com/watch?v=3av3pcAGpwQ


;)
Monika
10. April 2016 09:48
Ergänzung

Gefragt, was sich gegen die große Gereiztheit in Deutschland tun lasse, antwortet der Pate des Miteinanderredens, Friedemann Schulz von Thun: „Eine Gesprächs- und Kommunikationskultur, die unterschiedliche Wahrheiten würdigt und gelten lässt, wäre hilfreich. Es geht um eine Kommunikation auf des Messers Schneide.“

Christian Geyer, FAZ

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hilft-bei-der-gereiztheit-der-deutschen-nur-reden-14165976.html

Der Beitrag von Christian Geyer sollte m. E. noch einmal zu einem gesonderten Forum führen. Vorgestellt und moderiert von Herrn Lichtmesz.

Warum ?
Da auch ich mich im Dunstkreis des " um die Zeitschrift "Sezession" gruppierten Milieus bewege, betrachte ich es als Ungeheuerlichkeit, wenn mir explizit oder implizit " Menschenverachtung in elaborierter Form" unterstellt wird.
Herr Lichtmesz u.a. neue Rechte, Menschenverachter ?

Ich bestreite nicht, dass es in rechten Milieus Tendenzen gibt, Menschenverachtung unter elaborierten Theorien zu verstecken.
Gerade aber Herr Lichtmesz ist da ziemlich selbstkritisch. Und freigeistig.
Im SiN- Forum kann mehr auf Messers Schneide kommuniziert werden als in anderen Foren. Und ich hoffe, dass das so bleibt und kultiviert wird.

Menschenverachtung in elaborierter Form, das ist immer noch Spezialgebiet der alten und neuesten Linken. Hier hilft nicht mal Kommunikation auf Messers Schneide. Nur ein langer, schmerzhafter Lernprozess. Oder ein Realitätsschock. Den ich nicht wünschen will .
( siehe auch MKH " Warum ich kein Linker mehr bin)
So elaboriert, wie reale Menschenverachtung verpackt werden kann, kann das nur die Linke. Denn ihre Theorie klingt immer wieder gut.
So gut kann keine rechte Theorie je klingen.
Das wissen die besten rechten Denker am genauesten.
Winston Smith 78699
10. April 2016 11:12
@ der Gehenkte

Ich als Dropout neige ja zur Zeit selbst zur sogenannten Esoterik, aber die falschen Denkweisen mancher Alternativmedizin (z.B. die Sache mit der Resonanz bei den Homöopathen: man probiert so lange rum, bis, aus welchem Grund auch immer, was besser wird und feiert dann das eigene Handeln als DIE Ursache) aufzudecken - das kann ich nicht lassen.

Eine von denen ist: bevor es besser wird, wird es (meist) erstmal schlechter. Damit kann jede Verschlechterung noch gerechtfertigt werden. Die größten Scharlatane betreiben genau diese Irreführung.

So auch die Dialaktiker (achtung: es geht hier nicht um die antike Diskursdialektik These-Antithese-Synthese sondern um die Verdinglichung dieser Bewegungsmuster in der Hegeltradition): jeder Bewegung wohnt auf geheime Weise schon der Keim ihrer Negatio inne, und dann der Gegenbewegung.

Man kann hiermit zu jedem Unheil sagen: das ist geschichtlich notwendig auf dem Weg zur Besserung, es erzwingt umso mehr den Umschlag in die richtige Richtung zum Wohle der Menschheit.

Das ist sehr romantisch, aber Bullshit auf beleibig hohem Niveau.
Der Gutmensch
10. April 2016 11:36
Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, es kömmt darauf an, ihre dadurch geschaffenen Selbstwidersprüche zu durchschauen.


Jawoll. Für den eigenen Seelenfrieden, wenn gerade nicht die Sonne scheint (draußen ist es gerade trübe) und solange es Nero nicht gefällt, einem die Selbsttötung anheimzustellen.

Konkret ergäbe sich die Aufgabe, zu erklären, warum und wie der marxsche Fortschritts- und Geschichtsgedanke sich hat durchsetzen können und wieso gerade die offensichtlichen Feinde des Marxismus, die Neoliberalen und der „westliche Universalismus“, letztlich also der „Kapitalismus“, sich seiner bedienen (ohne es vielleicht zu ahnen).


Ja, was für ein Rätsel! Wie hieß nochmal Marxens Steckenpferdchen? Mehr ... noch mehr ... immer mehr ...

Solange das nicht geklärt, aufgedeckt und damit eventuell unmöglich gemacht


Wie auch immer die Frage lautet - Marxens Antwort lautete: Kommunismus. Basta!

wird, solange werden wir gegen diese selbstimmunisierende Bastion umsonst anrennen und uns nur selber bestätigen, ohne Außenwirkung.


... der irgendwie schwierig zu verwirklichen ist, hat es mittlerweile sogar auf Kuba den Anschein! Aber lasst Euch bloß nicht verdrießen, wie hieß es im Osten so schön: Immer mal wieder nachfragen!

Was sagt uns das? Kann schon der Weg das Ziel sein oder den Timmermanns dieser Welt als Ziel gelten? Kann man eine solche Frage überhaupt sinnvoll beantworten?

Kommen wir zum nebeligen Einwand:

Ein Gedankenexperiment: was wäre, wenn es – etwa hier oder auf anderen Blogs – geklärt und aufgedeckt wäre. Warum wäre es damit unmöglich gemacht? Was wäre anders?


Wie was - aufklären, aufdecken? Sind wir hier bei Detektiv Pinky, haben wir die Befugnisse eines Waisenknaben, hm?

Wo man einen bestimmten Impuls in ein Netz aus Profiteuren geben kann, die diese Parole dann nutzen, ihren eigenen Vorteil daraus zu ziehen und andere unter Druck setzen, kann man natürlich auch einen zerstörerischen Impuls setzen und auf die Systemträgheit vertrauen. Wenn man denn kann. Wir können aber - nicht!

Hier geht es darum - oder sollte es darum gehen, die Kollateralschäden zu mindern und Menschen davon abzuhalten, sich nicht vorzeitig selber aufzugeben - oder? Naja, vielleicht auch nicht, aber das ist jedenfalls der Grund für meine kleinkarierten Vorschläge - schrebergärtnern, stricklieseln, Frühschoppen, Gedichte lesen - was immer einen bei Verstand und Laune halten mag. Meinetwegen folgt Urwinkels famosem link, dazu kann man garantiert weltschmerzig abfeiern, das baut Aggressionen ab, wie einst im Knaack in der Darmwäsche!


d. G.
Gustav
10. April 2016 14:06
Wer an das wirkliche Walten ihm vorgeschriebener Normen glaubt, aufgrund deren alle Menschen in eine übersinnliche moralische Ordnung gestellt sind und diese zu verwirklichen haben, liefert sich denjenigen aus, die sich auf sie berufen und zu ihrem Nutzen konkrete Verhaltensanweisungen auf sie stützen. Vor normativistischen Fiktionen ist Vorsicht geboten: Sie lassen ihren Interpreten getarnt im Hintergrund und rechtfertigen seine Macht über die Gläubigen. Wir dürfen uns die freie Entscheidung für eine unseren Bedürfnissen entsprechende Ethik nicht entwinden lassen. Gegen sie funktionalisieren Unfreiheit und Fremdbestimmung heute wie eh und je eine gegen uns gerichtete Moral, deren Sprachregelungen kalte, graue Begriffsnetze über uns werfen. (Nietzsche). Wir sollten feinfühliger darauf achten, ob wir durch eine Moral benutzt und fremdbestimmt werden. Wer die Fäden dieser Moral zusammenhält, geißelt uns mit Wahnvorstellungen von Sündhaftigkeit, Bösesein und Schuld: Begriffen, die es nur innerhalb seiner Glaubenslehre gibt. Ihr praktischer Sinn aber ist es, uns Gehorsam abzuverlangen, denn Sühne oder Buße, jedenfalls aber Gehorsam, verlangen sie alle.

In solchen Wert- und Unwertsetzungen verkörpert sich in der gegenwärtigen historischen Lage Deutschlands der Machtanspruch derjenigen Menschen, die aus biographischen Gründen eine Urangst vor uns haben und die uns mit ihrer Moral fesseln und harmlos machen wollen; aber auch der Machtanspruch derjenigen, die uns aus Haß oder Rachsucht leibhaftig da sehen möchten, wo ihre Hölle am tiefsten ist, und die uns von Herzen wünschen, daß uns Angst, Scham und Verzweifelung nie wieder aus ihren Klauen lassen. Am heimtückischsten sind dabei jene pseudobiologistischen Lehren, die uns allein schon aufgrund unserer Abstammung eine metaphysische Schuld wie eine Erbsünde aufladen. Wer an einen Gott und seine Moral glaubt, in dessen Hölle der eigene Großvater bereits schmort, der allerdings ist wirklich selbst schuld und verstrickt sich unentrinnbar in einem Labyrinth von erster, zweiter und dritter Schuld. Hier hilft nur ein geistiger Befreiungsschlag: Wir dürfen nicht an jenen Gott und seine ganze alttestamentarische Schuldmetaphysik glauben. Schon Pufendorf hatte geargwöhnt: »Die Zahl der Sakramente wurde mit Bedacht vermehrt, damit die Menschen häufiger der Priester bedürfen. ... Ja ich glaube, auch das Fegefeuer ist nur zu dem Zweck angezündet, um diejenigen mit einer Abgabe belegen zu können, die der Tod sonst von allen menschlichen Dingen befreit.« (Pufendorf). Wir werden erst frei von jenen Abgaben sein, wenn alle moralischen Fegefeuer gelöscht sind.“ (Klaus Kunze, Mut zur Freiheit - Ruf zur Ordnung, 1995
Der Gutmensch
10. April 2016 14:40
@ Winston Smith
Herzlichen Dank für ihre Links zum Thema Psychopathologie, die mir einige neue Hinweise brachten.
Neben der historischen und politischen Betrachtung ist die Psychologie in der Lage, weitere Erklärungen zur Lage zu geben. Vor allem scheinbar irrationale Haltungen und Reaktionen lassen sich einordnen.
Ich sehe die negative Charakterauslese als einen Punkt, der immer wieder sachlich zu recht als Erklärung genannt wird. Für mich ist es aber das Zusammenspiel von Voll-Psychopathen (und -innen:-) mit den menschlichen Schwächen von uns allen. Wer traut schon seiner Wahrnehmung, und ist dann bereit die notwendigen persönlichen und rechtlichen Schritte zu gehen, wenn er auf solch einen Menschen trifft?


Sowas in der Preislage habe ich befürchtet ... Also, Hans-der-auszog-das-Gruseln-zu-lernen:

Wenn Sie diese unterhaltsamen Bücher gelesen und wieder damit aufgehört haben, vor Angst mit den Zähnen zu klappern, werden Sie feststellen, dass Ihnen die Autoritäten exakt zwei Strategien für den erfolgreichen Umgang mit Psychopathen anheimstellen: Sie können rennen - oder der größere Psychopath sein.

Im Zweifel sollten Sie rennen.

d. G.
Nordlaender
10. April 2016 15:25
@ Monika

"Menschenverachtung in elaborierter Form, das ist immer noch Spezialgebiet der alten und neuesten Linken."

Komme hier nicht ganz mit. Wen soll man denn bitte sonst verachten, wenn nicht Menschen?
Na schön, es verbliebe noch die Albernheit, den Kommunismus, den Islam, den Liberalismus ... (Beliebiges einsetzen) zu verachten, dem modernen Aberglauben anhängend, daß Ideologien tatsächliche Subjekte von Entscheidungen und Handlungen seien.

Freilich sollte es sich jemand schon verdient haben, verachtetet zu werden, ein gewisser Geiz im Umgang mit der Verachtung schadet nicht.
Der_Jürgen
10. April 2016 18:01
@Nordlaender

Bevor Bademeister Lichtmesz die Gäste aus dem Schwimmbad komplimentiert, noch rasch ein Wort der Zustimmung.

@Monika - die ich sehr respektiere - begeht den Fehler, die Terminologie des Systems und seiner Lügenpresse aufzugreifen, indem sie von "Menschenverachtung" spricht. Dies ist in der Tat ein sinnloser Begriff. Da keine geistig gesunde Person einen Käfer oder einen Baum verachten kann, richtet sich "Verachtung" zwangsläufig immer gegen Menschen.

Jawohl, den Islam oder den Kommunismus oder den Liberalismus kann man nicht verachten. Ebenso wenig kann man Anhänger dieser Ideologien verachten, die aufrichtig an diese glauben und bereit sind, dafür Opfer zu bringen. (Gilt für allem für den Islam und den Kommunismus - den klassischen natürlich, den Kommunismus von Thälmann -, weniger für den Liberalismus.) Die IS-Barbaren kann man hassen; verachten kann man sie nicht, denn sie gehen ja furchtlos für ihre Ueberzeugung in den Tod.

Unserer Verachtung würdig sind Individuen, die an nichts glauben als an ihr Recht, an den Trögen zu stehen und sich vollzufressen und die bereit sind, ihr Fähnlein um ihrer Karriere willen jederzeit nach dem Wind zu hängen. Verachtung verdient beispielsweise jener Frans Timmermans, der den Anstoss zu dieser Debatte gab. Dass er intelligent ist, ist kein Grund, ihn nicht zu verachten, sondern im Gegenteil ein erschwerender Umstand. Wäre er ein begrifsstutziger Narr, so könnte er mildernde Umstände für sich in Anspruch nehmen. Doch er trägt in vollem Bewusstsein der Tragweite seines Handelns um seiner Karriere willen ein grosses Scherflein zum Untergang Europas bei, auch zum Untergang seiner niederländischen Heimat, die der Welt viele geniale Künstler geschenkt hat.

Timmermans nennt sich "römisch-katholisch". Das ist natürlich auch nur ein billiger Propagandaschwindel um der Publicity willen. Wäre er wirklich ein Katholik, wie wollte er sich dann vor seinem Schöpfer dereinst für sein Zerstörungswerk verantworten?
H. M. Richter
11. April 2016 00:24
@ Winston ...

"und freue mich über Einspruch und Widerrede."


Und hoffentlich auch über Dank ...

Was hiermit geschehen.
Martin Lichtmesz
11. April 2016 06:46
Badeschluß!

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