30. Juni 2016

Der Fall Wolfgang Gedeon - ein Austausch zwischen Marc Jongen und Götz Kubitschek

von Götz Kubitschek / 101 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Wolfgang Gedeon, baden-württembergischer Landtagsabgeordneter der AfD, hat geschichtsphilosophische Schriften publiziert, deren Inhalt seinen Verbleib in der Fraktion aus Sicht des Bundesvorstands und des Fraktionschefs Jörg Meuthen unmöglich macht. Dr. Marc Jongen gehört dem Landesvorstand der AfD Baden-Württemberg an. Ich habe mit ihm einen Briefwechsel zum Fall Gedeon geführt und kann ihn, autorisiert von uns beiden, in voller Länge präsentieren:



Kubitschek: Herr Dr. Jongen, die Landtagsfraktion der AfD in Baden-Württemberg hat den »Fall Gedeon«, der auch ein »Fall Meuthen« ist, vertagt. Der ob seiner antizionistischen Schriften in die Kritik geratene Wolfgang Gedeon läßt sein Mandat ruhen, seine Äußerungen sollen von einem unabhängigen Experten geprüft und beurteilt werden. Sind Sie mit dieser Entscheidung zufrieden oder ist dieser Aufschub das Gegenteil von jener klaren Positionierung, die Sie fordern?

Jongen: Ich hätte mir eine Entscheidung der Landtagsfraktion über den Ausschluß von Herrn Gedeon bereits in der Sitzung am 21. Juni gewünscht. Und es ist auch kein Geheimnis, daß ich diesen Ausschluß für richtig, ja für notwendig halte. Anscheinend fühlten sich einzelne Abgeordnete durch Jörg Meuthens Rücktrittsankündigung im Fall des Verbleibs von Herrn Gedeon zu sehr unter Druck gesetzt.

Aus meiner Sicht hätte man für Meuthens Schritt Verständnis haben müssen, denn er stand unter Zugzwang und nachdem er sich ein Urteil gebildet hatte, war es nur redlich, dieses auch offenzulegen. Zu akzeptieren ist aber auch, daß sich nicht jeder Abgeordnete in der Kürze der Zeit und in der bereits aufgeheizten Situation unbefangen eine Meinung über Gedeons doch recht umfangreiche Schriften bilden konnte.

Es müssen eben beide Aspekte berücksichtigt werden: die inhaltliche Klärung und die Verfahrensfrage. Nachdem man sich nun auf ein Verfahren gütlich geeinigt hat, hoffe ich sehr, dass die Fraktion bis zum September auch auf inhaltlicher Ebene zu einer geschlossenen Haltung findet. Eines ist nämlich klar: Keine Wissenschaft und keine Justiz können der Partei diese Entscheidung abnehmen, sie ist und bleibt eine politische.

Kubitschek: Kann man das so formulieren, daß die Entscheidung in jedem Fall eine politische ist? Wir bewegen uns ja fraglos sofort in tabubewehrten Zonen, wenn wir über die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums, des Zionismus oder der Holocaustindustrie nachdenken und unsere Gedanken äußern.

Man kann diese Tabus nun aufgrund der deutschen Geschichte als gerechtfertigt akzeptieren - das ist dann eine politische Entscheidung, sie ist im Bezug auf die Leugnung des Holocausts in Deutschland sogar juristisch abgesichert.

Man kann die Tabus aus wissenschaftlicher Sicht aber auch ablehnen, und zwar ohne jede Prüfung der Sachverhalte, nämlich schlicht, weil es keine Frage- und Forschungstabus geben sollte. Diese Entscheidung wäre als eine grundsätzliche sicherlich ebenfalls politsch, denn sie könnte die konkrete politische Lage, das parteiinterne Minenfeld und die Kräfteverhältnisse zwischen Fragesteller und Tabuwächter nicht ignorieren.

Die Frage lautet also: Wie sehr ist jede inhatliche Auseinandersetzung mit Wolfgang Gedeons Position von vornherein parteistrategischen Erwägungen unterworfen, vollkommen unabhängig vom Gehalt seiner Äußerungen? Oder noch anders: Kann es überhaupt noch einen Zweifel am indiskutablen Gehalt dieser Äußerungen geben, wenn Sie in der Jungen Freiheit - der Parteiphilosoph also im parteikursbeeinflussenden Blatt - das Urteil gesprochen hat?



Jongen: Das Etikett "Parteiphilosoph" ist mir von den Medien aufgeklebt worden, das verleiht mir sicher keine Sonderrechte. Am Ende wird die Fraktion und niemand anderer über Ausschluß oder Verbleib eines ihrer Mitglieder entscheiden. Allerdings habe ich als Amtsträger der Partei, der ein wenig Einblick in die hier berührten Diskurse hat, auch das Recht, ich meine sogar die Pflicht, mich zu äußern. Ihre Fragen geben mir Gelegenheit, auf ein paar Mißverständnisse hinzuweisen, die es in diesem sehr sensiblen Fall zu vermeiden gilt.

Wenn ich sage, daß die anstehende Entscheidung eine politische ist, dann heißt das zunächst, dass sie keine, jedenfalls keine primär wissenschaftliche ist. Das Gutachterverfahren, so legitim und hilfreich es zweifellos ist, stellt nicht die objektive Eigenschaft "antisemitisch" fest, die an einer Person haftet wie die Farbe Braun an der Erde, und aufgrund derer man quasi im Automatismus den Ausschluß vollziehen könnte. Es zeigt vielmehr, wie die aktuelle historische und politologische Forschung die Äußerungen eines Autors einschätzt, nicht mehr und nicht weniger.

Die politische Entscheidung, die danach immer noch zu treffen der Partei nicht erspart bleibt, ist erstens, ob und inwieweit wir der Wissenschaft vertrauen wollen, und zweitens und noch wichtiger, ob wir eine „antizionistische“ und „antijudaistische“ – mithin auch eine „antisemitische“ – Partei sein wollen. Der politische Wille, nicht die wissenschaftliche Wahrheit ist hier das Entscheidende.

Natürlich enthält die Antwort auf die erste Frage bereits ein gewisses Präjudiz über die zweite, denn der Hauptgrund, der Wissenschaft in diesem Fall zu mißtrauen, wäre ja gerade, sie durch zionistische Einflüsse bereits für so weit korrumpiert zu halten, daß ein objektives Urteil gar nicht zu erwarten ist.

Umgekehrt hat die Fraktion mit der Berufung auf ein wissenschaftliches Gutachten als solche bereits ihre Distanz zur Gedeonschen Verschwörungslogik signalisiert und eine Art politische Vorentscheidung getroffen, was ich begrüße. Für mein persönliches Urteil kommt es auf das Etikett „antisemitisch“ übrigens gar nicht so sehr an, da mir Herrn Gedeons Selbstbeschreibungen als „Antizionist“ und Verteidiger eines „wesenhaft antijudaistischen“ Christentums völlig ausreichen, um sein extrem polemogenes Weltbild als mit den Grundsätzen und dem historischen Auftrag der AfD unvereinbar anzusehen. Wir dürfen den Kampf des Wolfgang Gedeon nicht zu dem unsrigen machen.

Auf die Tabuzonen des deutschen hegemonialen Diskurses und die „Holocaustindustrie“ sollten wir nachher noch zurückkommen, mein Fazit zum zweiten Teil Ihrer Frage lautet: Natürlich gibt es immer eine gewisse Spannung zwischen einer "inhaltlichen Auseinandersetzung" und "parteistrategischen Erwägungen", aber zwischen beiden einen absoluten Gegensatz zu konstruieren und in der "schmutzigen Strategie" nur eine Korruption des "reinen Inhalts" zu erkennen, würde am Wesen des Politischen vorbeigehen.

Schlimm wird es nur dann, wenn man sich aus bloßer Parteistrategie – oder schlicht aus Angst – um die inhaltliche Auseinandersetzung herumdrückt. Dann bestimmt man nicht mehr selbst seinen Kurs, sondern läßt ihn sich von außen, vom hegemonialen Diskurs diktieren.



Kubitschek: Ihr Hinweis auf das Spannungsverhältnis zwischen inhaltlicher Auseinandersetzung und parteistrategischer Erwägung ist wichtig und verweist auf eine Verhaltenslehre, die ich für eine wesentliche Neuerung im Politikbetrieb hielte: Entschleunigung der Vorgänge.

Die Causa Gedeon ist aus meiner Sicht so verfahren, weil die Protagonisten Ihrer Partei noch nicht einmal die berühmte eine Nacht über der Sache schliefen, geschweige denn - das wäre mein Vorschlag - eine ganze Woche.

Sie selbst haben sich wohl gründlicher als jeder andere die Schriften Gedeons vorgenommen und aus der Lektüre ein hartes Urteil formuliert. Aber in der guten Woche, die Sie benötigten, haben sich innerhalb der AfD empörte, distanzierende, drohende, fordernde, eingeschnappte, aufmüpfige und schäbige Wortmeldungen zu einem Knäuel ineinandergewickelt, das heillos ist und den sorgsamen Umgang miteinander fast unmöglich macht.

Interessant ist dabei, daß der Druck auf die Partei von außen beispielsweise mitnichten zu vergleichen ist mit dem Druck, dem die CDU im Fall Martin Hohmanns 2003 ausgesetzt war. Den Druck im Fall Gedeon hat die Partei vielmehr vor allem selbst aufgebaut und hat sich dabei leider von selbsternannten Beratern mit weltanschaulichem Hygienefimmel beeinflussen lassen, die - wir erinnern uns - vor einem Jahr noch an Lucke festhielten und nun leider nicht mit ihm den traurigen Weg der ALFA mitvollziehen, sondern bereits wieder alles besser zu wissen vermeinen.

Das führt mich zur zweiten Verhaltenslehre: Neben die Entschleunigung der Beurteilungsgeschwindigkeit muß die Einordnung treten. Was meint das? Eine knappe Bestandsaufnahme: Wolfgang Gedeon ist einer von zwei Dutzend AfD-Landtagsabgeordneten in Baden-Württemberg und bekleidet weder im Landesverband noch in der Fraktion ein Führungsamt. Er war Kommunist, hat also einen Hang zum Radikalen und zur Wirklichkeitsanpassung an die Theorie. Er hat sich in der rasanten, geradezu überstürzten Aufwuchsphase der Partei durchgesetzt, in einer Phase also, in der weder die thematische noch die personelle Beruhigung eingetreten sein können.

Was meint vor diesem Hintergrund Einordnung? Erstens: Die AfD ist noch keine reife Partei, aber sie wird reifen und wie jede andere Partei das (bereits längst gegebene) Übergewicht der Realos vor den Fundis noch vergrößern. Zweitens: Es besteht in der Frühphase einer Partei keinerlei Notwendigkeit, daß ein Fraktionsvorsitzender seine geradezu historisch wichtige Rolle wegen einer Randfigur aufs Spiel setzt. Denn bevor ein Meuthen ausgetauscht wird, gehen hundert radikal angelegte Charaktere wie Gedeon von Bord.

Ein Drittes: Bei den Grünen tummelten sich im erste Jahrzehnt ihres Bestehens knallharte Kommunisten, RAF-Unterstützer, Revolutionäre, Leute, die das System beseitigen wollten und solche, die experimentierfreudig waren bis zur Pädophilie - etwas auch nur annähernd Vergleichbares ist mir aus Ihrer Partei nicht bekannt.

Bis heute ist bei den Grünen etwa ein Joscha Schmierer in Amt und Würden, ein Mann, der noch in den Siebzigern Grußadressen an Pol Pot sandte - etwas wiederum auch nur annährend Vergleichbares ist mir von Wolfgang Gedeon nicht bekannt. Und wer hätte seine Schriften überhaupt gelesen, wer etwas davon in Politik umzusetzen versucht? Nullkommazwei Prozent der Mitglieder aus Ihrer Partei? Stellt man deshalb eine ganze Partei in Frage oder schreibt man nicht besser, wenn man Jongen heißt, das angekündigte Buch über den psychopolitischen Gang der AfD zuende - das dann von fünfundzwanzig Prozent der Mitglieder gelesen und von den Entscheidungsträgern in praktische Politik umgesetzt wird?

Sie sehen: Entschleunigung und Einordnung, und in diesem Zuge parteiinterne Auseinandersetzung respektive Entlarvung der Thesen Gedeons - das wäre ein angemessenes Verhalten. Keine Hysterie, keine Verabsolutierung lagegemäßer Probleme, denn darüber freut sich nur einer: der politische Gegner, der die Selbstschwächung Ihrer Partei wahrnehmen darf.



Jongen: Sie können mir glauben, daß ich nichts lieber täte, als in aller Ruhe mein Buch zu schreiben und mich um nichts anderes zu kümmern. Das kann ich mir aber – und das kann sich die AfD – nicht leisten. Ein Schweigen der Partei zu Antisemitismusvorwürfen, die ja nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern sich auf einschlägige Zitate berufen können, würde mit jedem Tag dröhnender, weil als Billigung, ja Zustimmung verstanden.

Die Fraktion hat sich mit ihrer Entscheidung weit mehr als die „berühmte eine Nacht“ Zeit gelassen, zwischen den ersten Beratungen und der Sitzung am 21. Juni lagen über zwei Wochen. Und selbst dann wurde ja noch nichts Endgültiges beschlossen.

Kubitschek: Das meine ich nicht mit Entschleunigung. Zu diesem Zeitpunkt waren ja alle Entweder-Oder-Drohungen schon in der Welt.

Jongen: Ob Jörg Meuthens frühe Festlegung „entweder Gedeon oder ich“ politisch klug war, darüber kann man in der Tat streiten, undenkbar aber, daß der Fraktionsvorsitzende und Bundessprecher in einem solchen Fall erst einmal das Ergebnis eines „entschleunigten Verfahrens“ abwartete. Wir wollen Deutschland verändern, ja, aber es wäre eine gefährliche Hybris zu meinen, wir könnten dabei die elementarsten Regeln der Politik ignorieren.

Freilich – und in diesem Sinn haben Sie mich richtig interpretiert – ist Entschleunigung in einem zweiten Schritt äußerst wichtig. Nicht anstelle der schnellen tagespolitischen Reaktion, sondern in Ergänzung dazu und zur vertieften Begründung, wenn nötig auch zur Korrektur des ersten Schritts. Die AfD ist es ihrem Anspruch auf Systemkritik schuldig, ihre Haltung zu den im Fall Gedeon aufgeworfenen Fragen grundsätzlich zu klären.

Es wäre fatal, das vom „System“ gebrauchsfertig angebotene Verfahren nach dem Reiz-Reaktions-Schema anzuwenden, Herrn Gedeon auszuschließen und zur Tagesordnung überzugehen. Auch wenn es dieses eine Mal den Richtigen getroffen hätte, wären wir bei einem solchen reflexartigen Vorgehen nicht davor gefeit, daß es beim nächsten Mal den Falschen trifft. Am Ende hätten wir uns durch mimetisches Verhalten dem Gegner ununterscheidbar angeglichen.

Unser Gespräch hier ist ja bereits Teil dieser metapolitischen Nachbearbeitung, vielleicht sogar ein nicht unwesentlicher. Nun höre ich aber aus Ihren Fragen eine Fehleinschätzung heraus, die der Person Gedeons nämlich. Gedeon ist nicht irgendein Hinterbänkler ohne Einfluß und Bedeutung, wie Sie zu unterstellen scheinen, sondern einer der theoretisch ambitioniertesten Köpfe, die mir in der AfD bekannt sind.

Es stimmt zwar gottlob, daß er bei den Mitgliedern mit seinem Anspruch als eine Art ideologischer Präzeptor nicht durchdringen konnte und bei allen Kandidaturen auf wichtige Ämter bisher gescheitert ist, aber seine Parteitagsresolutionen zu aktuellen Themen, etwa zur Ukraine-Krise, haben immer wieder viel Zustimmung erhalten. Das ist deshalb so gefährlich, weil er aus seinen grundfalschen Prämissen häufig durchaus richtige Schlüsse zieht. Dadurch entsteht die fatale Suggestion, man müsse „Antizionist“ und sogar „Antijudaist“ sein, um sich gegen Gender Mainstreaming, gegen die Aggression der Nato gegenüber Rußland oder gegen die Masseneinwanderung glaubhaft wenden zu können.

Gedeon möchte diesen Kernpositionen der AfD einen geschichtstheologisch verbrämten ideologischen Überbau verpassen, der nicht nur unnötig, sondern mit seinen offenkundig judenfeindlichen Implikationen extrem schädlich wäre.

Anders als Sie meinen, ist der enorme Druck auf die AfD in der Causa Gedeon auch nicht hausgemacht, sondern resultiert ganz und gar aus der Brisanz der Sache. Im baden-württemberger Landtag mußte Jörg Meuthen schon gegen „Antisemiten!“-Sprechchöre anreden.

Der Autor Wolfgang Gedeon würde uns ja hier nicht weiter beschäftigen, wenn er sich nicht zum Medium einer historisch sehr machtvollen, fast schon archetypischen „großen Erzählung“ gemacht hätte, die in nuce besagt, es gebe einen jahrhundertealten Plan zur Vernichtung der Völker und die Hauptdrahtzieher dieses Plans seien die Juden – „zionistische und freimaurerische Cliquen“, wie es bei Gedeon heißt.

Der von Gedeon als „Dissident“ bezeichnete Horst Mahler – mit dem ihn interessanterweise auch die linksradikale Vergangenheit verbindet – ist seinem Bruder im Geiste jetzt zur Seite gesprungen und hat einen drohenden Brief an die AfD-Landtagsfraktion geschrieben. Im Anhang befand sich ein Pamphlet, das überschrieben ist mit den Worten: „Das Deutsche Volk ist berufen, die Menschheit von Satan zu befreien“. Als „Visitenkarte des Satans“ werden im Text die „Protokolle der Weisen von Zion“ bezeichnet, die auch Gedeon für „mutmaßlich echt“ hält. Mehr muß man, glaube ich, nicht zitieren.

Es geht hier nicht um bloßen „Applaus von der falschen Seite“, in Mahlers Irrsinn tritt vielmehr der mythologische Glutkern des Plots offen zutage, der auch Gedeons Erzählmuster bestimmt. Wir betreten hier sozusagen politisch radioaktiv verseuchtes Sperrgebiet.

Die entscheidende Frage für uns als AfD – und erweitert auch für das mit ihr sympathisierende intellektuelle Milieu – lautet, ob wir tatsächlich über ein „Stöckchen“ springen, wenn wir uns von einem solchen Abgeordneten trennen, oder ob es gute Gründe gibt, dies ganz unabhängig vom Geschrei des politischen Gegners zu tun.

Wenn ich Sie oben richtig verstanden habe, wenn ich vor allem auch Ihren Artikel „Schlingen im Widerstandsmilieu“ in der letzten Ausgabe der Sezession richtig gelesen habe, dann sähen Sie es als fatal an, wenn Strukturen und Denkweisen der „alten Rechten“ in das Terrain eindrängen, das die AfD erschlossen hat. Wenn das nun wiederum mehr ist als eine strategische Überlegung – und davon gehe ich aus –, dann muß sich auch angeben lassen, warum das fatal wäre.

Sie sprachen oben – fast schon aus der Warte eines aus der Zukunft auf die „Frühphase der AfD“ zurückblickenden Historikers – von notwendigen Reifungsprozessen der Partei, die ihre Zeit brauchten. Das ist sicher richtig, was sich aber aus dieser distanzierten Warte wie ein friedliches, organisches Geschehen anhört, das bedeutet in der konkreten Praxis, die hier und jetzt stattfindet, einen harten Kampf der Argumente. Leider oft auch der Personen, aber das muß uns hier weniger beschäftigen.

Ich würde gerne – wenn ich die Fragerichtung einmal umdrehen darf – von Ihnen als eminentem Vertreter der Neuen Rechten in Deutschland wissen, wie Sie die Positionen eines Wolfgang Gedeon beurteilen. Ist er einer von denen, die, wie Sie schrieben, „gut über das Land denken“ und die man daher ins Widerstandsmilieu eingemeinden soll, oder ist, was ich behaupten möchte, „gut gemeint“ nicht manchmal auch das Gegenteil von gut?



Kubitschek: Der gelassene Blick auf die Dinge oder das Gespräch mit Außenstehenden auf die Befangenheit im Betrieb sind heilsam insofern, als dadurch Dimensionen zurechtgerückt werden. Mir bleiben ja nun leider die Ordnungs- und Sortierungskämpfe innerhalb Ihrer Partei nicht verborgen, und ich verstehe unsere Arbeit als Beruhigungs- und Entschleunigungsversuch - wobei ich völlig illusionslos bin, was die Verbindlichkeit übergeordneter Gespräche angesichts von Karrieretaktik und Einflußarithmetik anbelangt.

Ich komme zu Ihrer sehr wichtigen Frage nach der Bedeutung des Denkens Wolfgang Gedeons für die Neue Rechte in Deutschland. Vorauszuschicken habe ich folgendes:

Mir war der Name dieses Autors und Abgeordneten bis vor vier Wochen völlig unbekannt. Ich kenne niemanden, der ihn gelesen hätte, kenne keines seiner Bücher und wurde in meiner über zwanzigjährigen Arbeit als Publizist, Verleger und Veranstalter von Seminaren noch nie auf ihn angesprochen oder hingewiesen. Das will tatsächlich etwas heißen, denn mir und vor allem meiner Frau Ellen Kositza entgeht nichts von Bedeutung. Die wohlwollende Rezension eines der Bücher Gedeons in der Jungen Freiheit haben wir überlesen, sonst hätten wir vielleicht reingeblättert.

Mittlerweile weiß ich ein bißchen mehr, kann aber mit Ihrem Lesepensum nicht mithalten. Ich werde in die Lektüre auch nicht einsteigen, denn von derlei Schriften gibt es ganze Meter, und sie spielen für meine Arbeit und unser »Milieu« keine Rolle. Vergleichen Sie das ruhig mit dem Theoriewust, den Verlage wie Suhrkamp und andere in die linke Bewegung der sechziger bis achtziger Jahre gepumpt haben - nur in völlig anderen Stückzahlen natürlich. Wer hat das gelesen? Und wer war danach noch in der Lage, Politik zu machen?

Zu Gedeon: Er gehört zu jenen, die das, was unserem und anderen Völkern widerfährt, für den Ausdruck eines Ringens machtvoller Akteure halten. Es steckt dahinter das Bedürfnis, den vermeintlich zum straffen, mündigen und dienstbereiten Leben fähigen Menschen als Opfer sehr viel mächtigerer Kräfte zu beschreiben. Im Grunde sind doch alle geschichtsphilosophischen Theorien Beschreibungen großer Bögen, Kreisläufe, Linien, die die weltgeschichtliche Lage bestimmen und mit den Menschen »verfahren«.

Debatten über die Wirkmächtigkeit solcher Groß-Pendel führt unser »Lager« seit jeher. Derlei ist stets weniger historisch, mehr philosophisch gespeist, und ich halte es für eminent wichtig, wenigstens eines dieser Denkgebäude gründlich zu durchwandern und als Willensbremse wirken zu lassen: im ehernen Zeitalter (Evola), in verblühenden Epochen (Spengler), welthistorischer Häutungen (Nolte) oder Ausstiegsprozessen ganzer Kulturkreise aus der Geschichte (Sloterdijk) ist nämlich selbst mit der größten Willensanstrengung des Einzelnen kein beliebiger Staat zu machen. Man wird mitgespült im Lauf der Dinge, man wird bestimmt durch die nicht hintergehbare Zeit und das daraus bestimmte Sein (Heidegger), man hat keine beliebige Bewegungsfreiheit.

Es ist nun aus meiner Sicht sehr leicht nachvollziehbar, daß gesellschaftspolitisch engagierte Köpfe unserer Grundgestimmtheit fassungslos vor dem Verfall und der Auflösung der Strukturen stehen und innerhalb der geschichtsphilosophischen Erklärungsmodelle nach einem Agens für diese Katastrophe suchen: der deutsche Mensch, der Europäer insgesamt als Opfer einer Großintrige - das nähme ihm die Verantwortung für seinen Zustand, das wäre der ins welthistorische ausgeweitete Dolchstoß in den Rücken derer, die aus freien Stücken niemals so auf den Hund gekommen wären. Wir wären dann nicht mehr verantwortlich für uns selbst, sondern vor allem in der Opferrolle, in der Matrix, fremdgesteuert, im Grunde nicht wir selbst.

Und Wolfgang Gedeon? Wer wäre er? Er wäre einer, der den klaren Blick sich nicht hat vernebeln lassen, er wäre eine Widerstandsinsel, ein wirklich Mündiger, einer, der uns zu unserem Eigentlichen führen könnte. Und er wäre gefährdet, weil die entlarvende Wahrheit immer gefährdet ist, denn sie zeigt uns ja den übermächtigen, den nicht für jeden sichtbaren Feind, und warum sollte dieser Feind sich das gefallen lassen - oder auch nur dem Entlarver sein Landtagsmandat?

Vielleicht ist zwischen den Zeilen bereits deutlich geworden, daß ich Welterklärungsmodelle für lehrreich, aber nicht hinreichend halte. Und natürlich habe ich mich auch mit der welthistorischen Rolle des Volkes ohne Staat beschäftigt: mit dem Judentum, das nicht auf einem Territorium, sondern aufgrund intensivster Identitätserzählung, Abstammungsdisziplin und dem Bewußtsein göttlichen Auserwähltseins sich als unverwechselbare Gruppe behauptete.

In der Sezession finden Sie aus den Federn von Karlheinz Weißmann (»Biblische Lektionen«), Ernst Nolte (»Was ist Revisionismus«) und mir selbst (»Wie etwas bleibt«) Aufsätze zur Frage, was in entgrenzter, also globalisierter Zeit von den Vernetzungsstrategien des weltweit hervorragend aufgestellten Judentums zu lernen sei - dies alles vorgetragen ohne Pauschalierung oder der Vermutung, es dabei mit einem fatalen, gegen uns gerichteten Entwurf zu tun zu haben.

Das bedeutet: Den Juden ihre besondere und zweifelsohne welthistorische Rolle abzusprechen, hieße, sie zu verkennen. Das hieße es übrigens auch beim Blick auf unser oder andere welthistorisch wirkmächtig gewordene Völker. Die Geschichte nun trotz all dieser durcheinanderwirkenden Kräfte, Durchsetzungs- und Behauptungsversuche auf den Kampf zwischen judaischem und christlichem Entwurf zu reduzieren und dabei die Attribute gut und böse, aufbauend und zersetzend, schaffend und raffend zuzuordnen, ist falsch und gefährlich.

Derlei Ansätze gab es, gibt es, wird es immer geben, aber, das kann ich als jemand, der das rechtsintellektuelle, konservative Milieu und seine Ränder sehr gut kennt, sicher sagen: Derlei zu schlichte, auf eine Verschwörung abstellende Modelle verfangen nicht. Man sollte ihnen stets die stimmigen Gesellschaftstheorien und historischen Beschreibungen entgegensetzen, die es auf unserer Seite gibt - und die als Chiffre zum Grundbestand unseres Denkens gehören, also weit wirkmächtiger sind als die Arbeiten Gedeons. Zu ihm abschließend noch ein Wort: Er denkt sicherlich gut über unser Land, aber er tut etwas, das unserem Land nicht guttäte, setzte es sich durch. Indes: Das ist ausgeschlossen.



Jongen: Ausgeschlossen ist das nur dann, wenn man tatsächlich beherzt tut, was Sie zurecht fordern: den schrecklichen Vereinfachern und Verzerrern vom Schlage Gedeons das besser Gedachte entgegenzuhalten. Darauf zu hoffen, daß sich dieses von alleine durchsetzt, wäre doch ein wenig zu viel des Vertrauens in die allgemeine Verbreitung menschlicher Vernunft. Ich gebe allerdings zu, daß mir als für die AfD Mitverantwortlichem die Gelassenheit in dieser Sache „von Amts wegen“ abgeht, die Sie sich als „Außenstehender“ eher leisten können.

Sie erwähnten die geschichtsphilosophischen Großtheorien, die aus der einen oder anderen Form des Ursprungsdenkens heraus eine Verfallsgeschichte der Kultur entwickeln, und die, indem sie das Wahre und das Gute nicht wie linke Utopismen in der Zukunft, sondern im Vergangenen, „Uralten“ oder auch Überzeitlichen verorten, so etwas wie die Meistererzählungen des konservativen Denkens darstellen.

Die Chiffre „Gedeon“ – es geht hier tatsächlich nicht um einen individuellen Autor, sondern um ein Symptom – steht gleichsam für die verschwörungstheoretische Erzversuchung dieses Denkens. Sogar die von Ihnen erwähnten Großdenker sind, wo man ihnen verschwörungstheoretische Elemente meinte nachweisen zu können, an den Rand der Verfemung gebracht worden – was es heute so schwer macht, an sie positiv anzuschließen.

Der letzte große Angriff der Diskurswächter betraf bekanntlich Martin Heidegger, dem man aus einigen Bemerkungen in seinen „Schwarzen Heften“ endgültig den antisemitischen Strick zu drehen versuchte. Wer heute „nachweist“, daß Heideggers Seinsdenken nur eine metaphysische Verbrämung eines vulgären Antisemitismus sei, auf den warten hohe akademische Prämien, symbolischer wie auch pekuniärer Art.

Unter ähnlichen hochsubventionierten Beschuß könnte bald die gesamte klassische deutsche Philosophie geraten, und man errät schnell, welche Rolle den Wolfgang Gedeons und Horst Mahlers dieser Welt – letzterer begründet seinen glühenden Judenhass mit Hegel – in diesem Denunziationsspiel zukommt: die der nützlichen Idioten, an deren Wahngebilden man die angebliche innere Wahrheit der von ihnen mißbrauchten Theorien abzulesen unternimmt. Nach diesem Muster hat Georg Lukacs bereits im Jahr 1954 die gesamte philosophische Entwicklung seit dem deutschen Idealismus als „Zerstörung der Vernunft“ interpretiert, als Denk-Zündschnur, die auf Hitler hin abbrannte.

Wer so argumentiert, für den stehen bereits die sehr triftigen völkerpsychologischen Überlegungen, die Sie oben anstellen, unter Rassismusverdacht, da schon bei Erwähnung des Begriffs „Volk“ in diesen Köpfen eine Assoziationskette losgeht, die mit innerer Zwangsläufigkeit bei den rauchenden Öfen von Auschwitz endet.

Das Fatale an Leuten wie Gedeon ist, daß für solche denunziatorischen Interpretationen konservativen Denkens die idealen Steilvorlagen liefern, und daß alles, was sie an teils richtigen politischen Forderungen in den Mund nehmen, vom Pesthauch der Judenfeindschaft vergiftet wird. Gäbe es sie nicht, das „System“ müßte sie glatt erfinden.

Ich möchte weiterhin die heuchlerischen politischen Instrumentalisierungen des Holocaust kritisieren können, ich möchte nicht schweigen müssen, wenn unsere Bundeskanzlerin die Torheit begeht, die Verteidigung des Staates Israel zur Staatsraison Deutschlands zu erklären. Wie kann ich das noch glaubhaft tun mit einem Wolfgang Gedeon in der eigenen Partei, der uns kaum verklausuliert erklärt, daß „die Juden unser Unglück sind“?

Sie haben vorhin etwas sehr Wichtiges angesprochen, das uns, meine ich, zum Kern des Problems führt: daß es einer Selbstverkleinerung gleichkommt, sich als Opfer einer verschwörerischen Matrix zu sehen, daß es stattdessen notwendig ist, Verantwortung für seine Vergangenheit wie für sein aktuelles Handeln zu übernehmen.

Diesen Gedanken möchte ich auf die Forderung nach einer „ressentimentfreien Rechten“ hin verlängern. (Um eine „ressentimentfreie Linke“ kämpft man andernorts - oft vergebens, wie wir wissen – eine analoge Aufgabe besteht aber auch auf rechter Seite.) Hier sollte man sich an Nietzsches unübertroffene Formel vom „amor fati“ erinnern: Akzeptanz alles Gewesenen, Verzicht darauf, die Vergangenheit umzulügen oder zurechtzubiegen. Erst dadurch wird man eigentlich frei. Im deutschen Fall sicher keine leichte Aufgabe, aber das ist nun einmal unser Pensum.

Ohne Zorn kann man den politischen Kampf nicht führen, aber es muß ein heiliger, ein gerechter Zorn sein, wenn es ein Kampf für eine gute Sache sein soll. Das Gift des Ressentiments, das sich bei Verschwörungstheoretikern wie Gedeon als mehr oder weniger offene Judenfeindschaft äußert, verdirbt diesen Kampf im Innersten. Auf diese Leute trifft ja das bittere Bonmot voll zu, die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen.

Daß wir es den ermordeten Juden und deren Nachfahren schuldig sind, uns gegen solche Tendenzen zu wenden, ist eigentlich selbstverständlich. Wenn man eine gewisse Scheu hat, es auszusprechen, dann deswegen, weil dergleichen Sprechakte zu wohlfeilen Formeln erstarrt und vielfach moralistisch missbraucht sind.

Mehr noch möchte ich hier daher betonen, daß wir es auch uns selbst schuldig sind. Was wäre das für ein armseliges Selbstbild einer Nation, aus dem die bösen Aspekte ausgespart blieben? Und was wäre das für ein Stolz, der nur um den Preis der Ausblendung oder verharmlosenden Zurechtbiegung „gewisser Schandtaten“ zu haben wäre – um Gedeons Ausdruck zu verwenden?



Kubitschek: Um zu illustrieren, daß wir uns in der Annahme des Ganzen unserer Geschichte einig sind, will ich zwei praktische Beispiele nennen: Zum einen habe ich auf meiner ersten Rede im Rahmen der Leipziger LEGIDA die Zuhörer an die deutsche Geschichte erinnert und diese Geschichte in einem knappen Abriß vor dem geistigen Auge vorüberziehen lassen. Dazu gehörten neben vielen anderen Gestalten auch die ermordeten Juden, und das ist damals in vielen Briefen und Kommentaren, die ich erhielt, als redlich und souverän vermerkt worden.

Die Medien haben das damals entweder verschwiegen oder aber bemängelt, daß dieses Verbrechen von mir in die Geschichte eingereiht worden sei.

Das zweite Beispiel harrt noch seiner Umsetzung: Meine Frau und ich hatten einen sehr bekannten, mittlerweile in hohe politische Ämter aufgestiegenen SPD-Politiker einige Male zu Gast, er arbeitete sich intensiv an unserer Weltanschauung ab. Im Verlauf der stets fruchtbaren Gespräche vereinbarten wir ein publizistisches Projekt: Gemeinsam wollten wir Ende Januar nach Auschwitz fahren, dann von dort aus weiter nach Dresden, jeweils zu den Jahrestagen der Befreiung bzw. der Zerstörung. Danach würde jeder von uns sein Tagebuch darüber ausfertigen, das aus den Fahrten, Gesprächen, Eindrücken und historischen Einordnungen bestehen sollte. Arbeitstitel: »Zwei Orte, zwei Richtungen«.

Ich denke, daß beide Beispiele die zweifache Zugrichtung einer resentimentfreier Rechten veranschaulichen, und ja, in der Tat: Es gibt vermeintliche Verbündete, die man nicht braucht, und manchmal beruht das Bündnis mit ihnen auf einem Irrtum.

Ich meine, daß Wolfgang Gedeon durch seine grundsätzlich in die Irre gehenden Welterklärung beweist, wie wenig er zum Politiker taugt. Ich meine, daß er überschätzt wird und zum »Fall« gemacht worden ist. Ihn wird nicht retten, daß er sich selbst einen Antizionisten nennt, Antisemit oder Judenfeind (Sie verwenden dieses harte Wort) zu sein jedoch von sich weist. Er hat sich verrannt, sein Antrieb dafür mag redlich gewesen sein, aber das spielt keine Rolle. Es gibt nun einmal Themenfelder voller Minen, und nicht immer ist klar, wer sie gelegt hat und warum jemand hineinspringt, um einen möglichst lauten Knall herbeizuführen (auf dessen Wirkung er alle politische Hoffnung setzt).

Unsere tatsächlich historische Aufgabe ist, die Spurbreite des schmalen Grats zu halten, und weder den reduzierten Erklärungen des Establishments noch denen falscher, aber suggestiver Theorien zu folgen. Kurz: Wir dürfen keine jener Funktionen annehmen, die das »System« für uns vorgesehen hat. Nur auf diese Weise schaffen wir unserer Zukunftsdebatte einen angemessenen Freiraum, und das sollte uns Intellektuellen doch sehr am Herzen liegen.

Jongen: Dem ist fast schon nichts mehr hinzuzufügen. Ihre beiden Aktionen sind eindrückliche Beispiele für die Haltung, die ich meine. Daß die vom „Establishment“ kontrollierten Medien fortfahren werden, diese Haltung zu diffamieren und zu verzerren und aus untauglichen historischen Parallelen ein Schreckbild für die Bürger zu fabrizieren, ist absehbar, denn es ist das einzige Mittel, das ihnen noch bleibt, den Einsturz ihrer Fassadenrealität hinauszuzögern.

Wie schön für den Gegner, wenn dann Leute auftauchen, die sich freiwillig melden, das auf unsere Seite projizierte Klischee in allen Punkten zu erfüllen. Sich mit ihnen aus falschem Trotz zu solidarisieren, ist die Falle, in die die AfD jetzt nicht tappen darf. Dem intellektuellen Freiraum, den Sie fordern und der dadurch offen bleibt, entspricht ja der politische, in dem erst das Neue entstehen kann.
Bilder: B.C. Richter / Marijan Murat (dpa)

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (101)

Olle
30. Juni 2016 20:49
Da sind zwei "Fallen, in die die AfD jetzt nicht tappen darf", und das ist das eigentliche Problem. Die Solidarisierung aus falschem Trotz, auf die Jongen hinweist, ist die eine, aber die Abgrenzeritis ist die andere. Beides sind taktische und keine inhaltlichen Fallen. Politische Taktik kann nie substantiell, sondern immer nur akzidentell sein, d.h., es handelt sich um stark relative, zeit- und ortsabhängige Probleme. Diesbezüglich finde ich es sehr schwer, aktuell zu beurteilen, was das pragmatisch Gebotene ist. Ob es den Wähler noch viel kratzt, wenn ein AfD - Politiker in irgendeinem Parlament mit bekannten Parolen unsachlich angegriffen wird, wer will's wissen? Ich glaube, daß wir zumindest Grund haben zu einer gewissen Vorsicht und Gelassenheit. Wer hat diesen Gedeon denn bisher schon gelesen? Ich meine, außer Jongen.
Und Dank für ein großartiges Gespräch!
Nero
30. Juni 2016 20:54
*Seufz*

Was bin ich enttäuscht...
Was schadet ist nicht Gedeon, sondern der unsouveräne Umgang mit der ganzen Thematik. Jongen übt sich in Distanzeritis (der Artikel in der JF war eine Frechheit) und ,,was sollen die anderen Leute von uns denken?''.

Ohne Gedeon wäre das Thema Juden und Israel überhaupt nicht relevant geworden. Hat er doch schon vor einem Jahr erklärt, dass die Forderung, Israel als Thema für die AfD aufzunehmen an ihn herangetragen wurde. Von wem?

In diesem peinlichen Video, erklärt Gedeon das er kein Antisemit ist.
Wie erbärmlich. Gedeon und die AfD. Wie sie alle nicken und sich ganz bedrückt fragen: reicht das, sind wir jetzt gut?

Als nächstes kommt der Vorwurf, den Worten auch Taten folgen zu lassen und ehe wir uns versehen, sind wir wieder an den Strippen der Puppenspieler. Gedeon muss weg, weil er uns geschadet hat.
Weil er nicht strategisch denken kann und weil er einer verrückten christlichen Szene angehört.

Mir kommt das schon alles so vor wie in den USA. Da muss jeder der was werden will auch das Glaubensbekenntnis an Israel und die Juden ablegen.
Ist es jetzt Israel und das Judentum, was entscheidet wer hier das Sagen hat?

@ Herr Jongen


[...] ob wir eine „antizionistische“ und „antijudaistische“ – mithin auch eine „antisemitische“ – Partei sein wollen.


Nein, das wollen wir nicht.

Gegenfrage: will die AfD eine zionistische, jüdische mithin auch semitische (Palästinenser sind auch Semiten) Partei sein?
Dirk Ahlbrecht
30. Juni 2016 21:15
Sehr schöner Briefwechsel. Meinen Dank an die Herren.
Ein gebürtiger Hesse
30. Juni 2016 21:20
Runter wie Öl ... es hat bislang nichts Wichtigeres, Erhellenderes über diesen Fall zu lesen gegeben, als dieses Gespräch, gerade auch durch die anfachdenden Fragen Kubitscheks. Der Fall wird in unendlich reichhaltigere Gefilde überführt, als es durch die bloße verfemdende (und damit jegliche Diskussion abwürgende) Haltung der anderen Medien bislang geschehen ist.
Copy and Paste - und zwar in das eigene Dossier der Schriften, Auseinandersetzungen, die man einmal, zweimal und - weil man Kind seiner Zeit ist und es nötig hat - noch ein weiteres Mal lesen sollte. Man lernt von diesen Schriften, wächst durch sie.
Nemo Obligatur
30. Juni 2016 21:35
Ohne Zorn kann man den politischen Kampf nicht führen, aber es muß ein heiliger, ein gerechter Zorn sein, wenn es ein Kampf für eine gute Sache sein soll. Das Gift des Ressentiments, das sich bei Verschwörungstheoretikern wie Gedeon als mehr oder weniger offene Judenfeindschaft äußert, verdirbt diesen Kampf im Innersten.


Diesen Satz von Herrn Jongen nehme ich aus dem recht langen Briefwechsel mit. Hoffen wir mal, dass die Sache selbst glimpflich für die AfD ausgeht. Im Moment ist das die einzige Kraft, die eine Wende zum Besseren in Deutschland erreichen kann. Ich mag mir nicht ausmalen, was werden wird, wenn sie wegen Herrn Gedeon in sich zusammenfällt wie ein zu heißes Soufflee.

Im Übrigen sei Herrn Jongen und Herrn Kubitschek für das gewiß mühselige und unerquickliche Aufdröseln und Einordnen der ganzen Affaire gedankt. Da wir in einer überaus rasanten Zeit leben, haben sich (auch bei mir) mittlerweile etliche andere Schlagzeilen dazwischen gedrängt. Aber man täusche sich nicht, zur gegebenen Zeit wird der politische Gegner auf die Angelegenheit zurückkommen. Bis dahin muss Klarheit sein.
Jan
30. Juni 2016 21:43
Gedeon ist aufzuzeigen, wie und warum er falsch liegt.

Die These, das Christentum sei ein Widersacher des Judentums, und wir Deutsche sollten Kämpfer des Christentums sein, ist vollkommen falsch. Niemand irrt so fatal wie Gedeon. Denn das Christentum, das nichts weiter als die Folge und Bestandteil des abergläubischen, mosaischen Dreigestirns ist, zerstört Deutschland von innen mit seiner jenseitsorientierten Moral.
Daß zwar viele, aber eben nur ein Teil der einflussreichen NWO-Aktivisten- und Führer jüdisch ist, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidender ist, daß diese global organisierten Juden für uns ebenso wenig greifbar wie ein John Rockefeller sind und daher nur eine in der Rhetorik deutlich untergeordnete Rolle für die Politik der AfD spielen sollten. Denn wer sehr wohl moralisch als auch faktisch greifbar für das Widerstandsmillieu ist, sind die beinahe gänzlich nichtjüdischen, BRD-deutschen Systemeliten selbst, aber auch das Wahlvolk.

Im übrigen halte ich weder Meuthen, noch Gauland für intellektuell fähig, Gedeon zu widerlegen. Deshalb wäre es besser, wenn Gauland und Meuthen ebenso wie Gedeon zu einem Thema schweigen, von dem sie keine Ahnung haben.
Exmeyer
30. Juni 2016 21:58
@ Nero:

Seufzen Sie nicht! Wir haben den Dingen ins Gesicht zu schauen. Eine Gelegenheit zu erkennen: Niemand ist unser guter Hirte. Außer wir selbst.

Es hatte sich angekündigt.
Solution
30. Juni 2016 22:00
Die große Mehrheit der Bevölkerung hat von der Angelegenheit gar nichts mitbekommen oder es schnell wieder vergessen. Die Masse kann es auch nicht verstehen, weil ihr die Grundlage dazu fehlt.

Der Fall ist von AfDlern und der unsäglichen JF (Stein) sinnloserweise aufgebauscht worden. Vielleicht will man damit gegen die Rechten in der Partei punkten, sie aus der Deckung holen und mit abschießen.

Ich finde Gedeons Sichtweise gar nicht so falsch. Was hier ein "Partei-Philosoph" geäußert hat, ist die Bestätigung, daß man die Spielwiese des Systems nicht verlassen darf. Bezeichnend ist das angeblich hohe Niveau eines Philosophen, der vermutlich nicht ein einziges revisionistisches Buch gelesen hat. Das paßt nicht in seine reine, gute und erlaubte kleine Welt.

Mir ist egal, was die AfD an Parteitaktik tun müßte, wenn es um Inhalte geht. Wie wäre es, wenn man Gedeon auf dieses Gespräch antworten ließe?

Für mich bleibt nur festzuhalten: Si tacuisses... In Anbetracht der BRD-Gesetzgebung ist es nicht einmal ansatzweise möglich, sich frei zu äußern. Insofern wird hier nie eine offene Debatte möglich sein.
deutscheridentitärer
30. Juni 2016 22:04
Ich habe mich mit diesem "Fall" nur sehr am Rande beschäftigt und glaube auch nicht, dass das nennenswerte negative Konsequenzen nach sich ziehen wird, aber man wird sehen.

Jongen jedenfalls ist sehr gut hier, aber Kubitschek übertrifft sich selbst; noch nie habe ich jemanden gehört, der die jüdische Frage derart präzise und nüchtern auf den Punkt gebracht hat. Beeindruckend.

Wobei mir persönlich, rein instinktiv, die Antizionisten immer weit mehr zuwider waren als die erklärten Antisemiten; dass das Judentum in der Diaspora nunmal Vorreiter vieler zersetzender moderner Tendenzen war, ist nunmal Fakt, wie auch immer man das einordnet, aber den Überlebenskampf (oder auch Macht-/eroberungskampf) dieses Volkes gegen eine Welt von Feinden als moralisch schlecht, verbrecherisch usw zu verurteilen, das erschien mir schon immer als der Gipfel der Stillosigkeit.

Hagana, Merkava und Sajaret Matkal, dieses Judentum als Rechter abzulehnen wäre eine Peinlichkeit.
Peter Niemann
30. Juni 2016 22:10
Nach Lektüre dieses Briefwechsels ein trauriger Gedanke: Finis Germaniae. Die Intellektualität des Diskurses ist beachtlich und spricht für die extrem hohe Intelligenz und Bildung der beiden Protagonisten Kubitschek et Jongen, doch in Massenkulturen sind solche Differenzierungen nicht relevant, es kommt auf Schwarz-Weiß-Malerei an ("Wir brauchen Facharbeiter" oder eben "Die Flüchtlinge sind schlecht für Deutschland" als Beispiele). Einfache Erklärungsmuster überzeugen die Masse, und deshalb sind sie auch so beliebt. Der zu erwartende Ausschluß Gedeons wird aber mehr verprellen als hinzugewinnen, denn auf der Hauptströmungsseite wie FAZ, Welt, TAZ usf. wird er als "zu wenig und zu spät" angesehen und auf der aufgerauhten Seite der Protestbewegungen als Einknicken vor dem politischen Gegner mit Resignation und ggf. Verbitterung aufgenommen.
Das Tragische scheint aber zu sein, daß der Fall Gedeon nicht anders gelöst werden kann, daß es keinen klaren metaphysischen oder kiskursiven Geländegewinn sondern vielmehr stets weiteren -verlust geben wird und das obige Gespräch nichts weiter als ein Spiegelbild des verminten Geländes ist. Ein Entkommen ist nicht möglich, tragisch, oder? Ich hoffe nicht, daß das das Fazit ist: Finis Germaniae?
Solution
30. Juni 2016 22:26
Kleiner Nachtrag: Selbst bei PI, wo man grundsätzlich philosemitisch ist, sprachen sich von 3771 Teilnehmenden an einer Umfrage 79% für einen Verbleib von Gedeon in der Fraktion aus:

http://www.pi-news.net/2016/06/eine-lanze-fuer-dr-wolfgang-gedeon-afd/

Solange der "Kampf gegen Rechts" in den eigenen Reihen geführt wird, ist man nur ein Haufen von Unterworfenen, der es akzeptiert, Ketten zu tragen.

Angesichts unserer ernsten Lage spielt das aber sowieso keine Rolle mehr. Oder glaubt hier jemand ernsthaft, die AfD wird den Niedergang verhindern? Mir reicht da der jährliche Blick in das Statistiche Jahrbuch.

Wenn es nicht gelingt, in kürze für den legalen Widerstand wirkliche Massen zu mobilisieren, war es das. Ein paar Prozent für die AfD sind da nur wie ein nasser Joint.
Ein gebürtiger Hesse
30. Juni 2016 22:49


Die Intellektualität des Diskurses ist beachtlich und spricht für die extrem hohe Intelligenz und Bildung der beiden Protagonisten Kubitschek et Jongen, doch in Massenkulturen sind solche Differenzierungen nicht relevant, es kommt auf Schwarz-Weiß-Malerei an (…)

Das mag nicht stimmen. Denn achten Sie einmal allein darauf, wie die Gedanken und Einsichten dieses Gesprächs, ganz abgesehen von seinem Vortrag, auf SIE SELBST wirken. Und jetzt frage ich: wer ist man, daß man die Exzellenz, die da wirksam ist, als etwas Zupackendes, Klärendes, Nährendes, nicht auch für andere erkennt? Die Schwarz-Weiß-Malerei, die Sie ansprechen, was ist sie denn anderes als eine Vulgarisierung der Dinge, die einzig durch eine kluge und verantwortungsvolle Sichtweise der Dinge verbessert werden kann? Halten wir uns doch an das Gute und setzen es dem Schadhaften entgegen – es wird dann schon ein Schuh daraus.
herr k.
30. Juni 2016 23:14
...sag ich doch immer, vom Judentum kann man eine Menge guter Dinge lernen, wie etwa die Identitätsbildung.
ja, und bei Gedeon, was soll man da halt sagen? Es ist eben die Frage "Wie gehen wir mit Leuten um, die es vielleicht gut meinen...aber so ziemlich das Gegenteil erreichen?".
Von daher halte ich den Umgang für eine Weiterentwicklung! Anstatt reflexartig zu distanzieren, setzt man sich inhaltlich auseinander und zieht dann ggf. seine Konsequenzen. Nannte man das früher nicht mal Real-Politik?

....und so hat die AfD doch den Fortschritt hingekriegt. Etwas holprig, ok, aber das wird schon noch. Dialog kann so eine Stärke sein, wenn man das lebt.
eulenfurz
30. Juni 2016 23:53
Ein wunderbares Duell, aber ... Einerseits: Gedeons Schriften und Denkmuster haben in der Realpolitik nichts zu suchen, klar. Aber hat er diese dort rezipiert, selbst wenn Jongens in bei Parteitagen geäußerten "richtigen Forderungen" Gedeons diesen strukturellen Impetus nunmehr (verschwörungstheoretisch) vermutet? Andererseits: Sind die mehrtausendseitigen Ergüsse Gedeons nicht wissenschaftlich angelegt (gern auch pseudo-, wer meint, aber der Wille zählt!) und ist es nicht gerade das hohe Leitbild der Wissenschaft, sich allen Fragen und allen Aspekten unbefangen nähern und Rückschlüsse ziehen zu dürfen?

Genau das sollte man eben verdeutlichen: Die AfD ist noch lange nicht antisemitisch, wenn sich einer ihrer etwa 70 Landtagsabgeordneten mehr oder weniger wissenschaftlich an einer Geschichtsphilosophie des Judentums versucht(e!). Soll er doch, und soll er diese doch vor einem akademischen Kolleg verteidigen - und diese Verteidigung gut anlegen, um sich nicht zu blamieren. Die Partei resp. die Fraktion hat auch alle Möglichkeiten, lauthals zu verkünden, daß sie derartige Positionen ablehnt und diese - wenn sie im realen Politbetrieb (durch Gedeon) auftreten (und erst dann!) - als partei- und politikschädigend ahnden wird.

Die inhaltliche Ablehnung ist das eine, Stigmatisierung das andere. Jeder, ob rechts, ob links, soll Verschwörungstheorien verfassen dürfen. (Typen wie Andrea Röpke & Co. machen das auf linker Seite weitaus unwissenschaftlicher und plumper und werden von Antifa bis SPD gepampert und gefördert.)
Nero
01. Juli 2016 00:29
@ deutscheridentitärer

Fallen Sie nicht auf die Pseudounterscheidung herein Judentum oder Zionismus. Das bedingt einander. Hier ein Strategiepapier des Jewish People Policy Institute (JPPI) Think Tanks.
Da legt man auch sehr großen Wert auf die Unterscheidung zwischen Israelis und Juden. Warum eigentlich? Weil man dann einen Plan B hat. Einen Lebensanker außerhalb Israels und eine Rettungsinsel innerhalb Israels. Je nachdem wie es gerade läuft.

Das Problem liegt doch darin, dass man sogar hier im Forum das Glaubensbekenntnis spricht. Ich wüsste nicht was mir Israel und/oder das Judentum bringen sollte?
Da hat so ein Tollpatsch wie Gedeon christlichen Unsinn verzapft und jetzt überschlagen sich alle im Freundsein mit den Juden und Israel.
Also besser kann es für die gar nicht laufen...
cherusker69
01. Juli 2016 00:41
Meine Herren,

ein sehr gutes Gespräch muss ich sagen, Kompliment.
Ich bin kein Experte bei diesen Thema und ich denke das man sich in Deutschland bei diesem Thema immer in eine Todeszone begibt. Man kann nur verlieren...Jede Partei die sich in den Verdacht des Antisemitismus begibt geht Zugrunde. Eine neutrale Beurteilung ist bei uns nicht möglich..

Ich hoffe das dies eine Warnung an jene wahr sich in dieses Minenfeld zu begeben. Man kann nicht gewinnen, es gleicht einen Himmelfahrtskommando.
ulex
01. Juli 2016 01:42
Persönlich versteh ich das Affentheater nicht, welches man hier veranstaltet.

Staatsräson in Deutschland ist es ja nicht nur, dass Israel einer besonderen Unterstützung Deutschlands bedarf aufgrund der Vergangenheit, sondern (zumindest mainstream-massenmediale) Staatsräson ist auch, dass Israel dort ne Art Apartheitsregime betreibt und die armen Palästinenser drangsaliert.

Ist ein sicherlich unentwirrbarer Konflikt - in dem ich mir kein Urteil erlaube und auch keinerlei Anlass dazu sehe mich in nahöstliche Streitigkeiten einzumischen.

Weshalb die AfD nun aber im Dreieck springt wenn einer ihrer Hinterbänkler genau im Sinne des medialen BRD-Mainstreams Bücher schreibt und dies als "antisemitisch" geisselt - dös erschliesst sich mit nicht.

Wäre man böse, würde man darauf verweisen dass erst vor kurzem durch die Medien ging dass Willy Brandt et al in den 50er von den USA erhebliche "Spenden" bekamen um in der SPD die "Westbindung" durchzusetzen - und würde vermuten dass hier in der AfD vielleicht der ein oder andere auswärtige "Lobbyist" oder "ThinkThank" versucht Einfluss auszuüben, aber dies wäre natürlich rein Spekulation.
ulex
01. Juli 2016 01:45
Übrigens wurde doch erst heute ein - vermutlich recht dubioser, weil anderweitig auffälliger - AfD-Funktionär aus Brandenburg vom Vorwurf des Antisemitismus und der Volksverhetzung FREIgesprochen, der - meiner Erinnerung nach - ne Rothschild-Karrikatur auf Facebook geliked hatte.

Gaulands lapidarer Kommentar dazu:

"Wenn ein deutsches Gericht dies entscheidet, dann ist das so..."
Sporti
01. Juli 2016 01:55
"…sag ich doch immer, vom Judentum kann man eine Menge guter Dinge lernen, wie etwa die Identitätsbildung."

gehen wir doch den nächsten Schritt und fordern: unser eigenes Israel! Ein Staat mit solidem Grenzzaun, einer Kultur, die Frauen anhält zu heiraten und Kinder zu bekommen, und ab und zu die Nachbarn bom... nein, Spaß. Das genau nicht, die räumliche Trennung soll ja Frieden schaffen und Wohlstand erhalten, also wir müssten es schon besser machen.
Morbrecht
01. Juli 2016 07:22
Das Stichwort des falschen Trotzes wurde ja schon angesprochen. Gedeon sitzt aber nicht nur eindeutig ein paar fundamentalen weltanschaulichen Irrtümern auf (etwa in seinem Versuch, das Christentum von seiner jüdisch-alttestamentarischen Grundlage zu lösen), sondern lenkt in seinen Schriften vor allem die Debatte weg von den tatsächlichen Auflösungskräften der Gegenwart, eröffnet dabei völlig unnötige Fronten und vertieft die Gräben zu denen, die wie kaum eine andere Gruppe praktisch vorleben, wie man als Teil einer modernen Gesellschaft Identität pflegen und erhalten kann. Von Israel und israelnahen Strukturen ließe sich eine Menge lernen und manches Ziel vielleicht sogar gemeinsam angehen. Es gibt dort gewiss manche Übersensibilität auch gegenüber den neuen alternativen Parteien Europas, aber was hat man davon diese noch aktiv zu fördern und zu verstärken? Gedeon macht m.E. somit nicht nur weltanschauliche, sondern vor allem auch politische Fehler.
Andrenio
01. Juli 2016 07:35
Meine Mutter, Gott hab sie selig, riet mir als jungem Politaktivisten nur eines: Nie ein negatives Wort gegen die Juden.
Erst kurz vor ihrem Tod offenbarte sie mir, dass ein Vorfahr zum Christentum konvertierter Jude war, allerdings von der charäischen Linie.
Nach der Nazinomenklatur findet man sich dann unverhofft in der Kategorie "Teiljude" wieder. Weist man bestimmte Blutmerkmale nach, kann das sogar die Stastsbürgerschaft in Israel einbringen. Verrückte Welt, denn der Großvater dieser Linie wurde über ein Jahr täglich von einem jüdischen NKWD-Major gefoltert, weil er der falschen gesellschaftlichen Klasse angehörte.
Wenn der dankenswerte Dialog eines zeigt: Die Judenfrage ist in Deutschland ein derart vermintes Feld, dass man den Hut abziehen muss wie die beiden Gesprächspartner lebendig herausgekommen sind; und das ohne die Dieter-Stein-Wende zum spät berufenen Vergangenheitsbewältiger.
Die AfD wird weiter Ziel von Vernichtungskampagnen sein. Der Gegner ist so mächtig, dass er immer eine Schwachstelle finden wird, in die er sticht. Viele Themen sind dadurch tabu, wie beispielsweise die Präsenz fremder Truppen in Deutschland.
Bei Gedeon geht es jetzt um die Frage des Bauernopfers. Wenn eine Strategie dahinter steht um damit langfristig den Gegner Schachmatt zu setzen: ok! Aber das alles riecht verdammt nach Rückzug, bevor das erste Gefecht stattgefunden hat.
Ludwig Witzani
01. Juli 2016 07:42
Sehr geehrter Herr Kubitschek,
bei der Lektüre Ihres hochinteressanten Gespräches mit Herrn Dr. Jongen interessiert mich ein Hinweis auf einen SPD-Mandatsträger, mit dem sie gemeinsam Auschwitz besuchen wollen, um anschließend ein Tagebuch aus zwei Perspektiven herzustellen. Solche Versuche, mit achtbaren und integren Persönlichkeiten von "der anderen Seite" ins Gespräch zu kommen, werden derzeit des öfters unternommen. Manchmal sind sie sehr aufschlussreich, wie etwa der Briefwechsel Oehlers-Gerlich in der ZEIT, manchmal werden sie aber auch verweigert. Ich selbst habe einem weltanschaulich anders orientierten Bekannten, den ich eine Zeitlang als "Freund" angesprochen hätte, vorgeschlagen, für eine Weile unsere JF- und taz-Abos zu tauschen, um genauer festzustellen, wie die andere Seite denkt und wie man in einen Austausch eintreten kann. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Inzwischen ist der Kontakt auch abgebrochen, was bedauerlich, aber wohl nicht zu ändern ist. In diesem Zusammenhang habe ich festgesellt, dass politisch andersdenkende Gesprächspartner aus dem kulturellen Mainstrembereich zum Meinungsaustausch immer dann bereit sind, sie von einer argumentativen Überlegenheit ihrerseits ausgehen. Sobald diese unwahrscheinlich wird oder wankt, wird der Diskurs abgebrochen oder gar nicht erst eingegangen. Schade, denn "das einzige, was uns in der Politik von der Gewalt erlöst, ist das Miteinanderreden." (Hannah Arendt)
Monika
01. Juli 2016 09:12
Die Ursprünge des Marxismus in der antisemitischen Verschwörungstheorie können niemals ganz ausgelöscht werden. Welche Gestalt der Marxismus auch annehmen mag, er wird diesen Makel wie ein Kainszeichen bewahren, manchmal unter anderen Schichten verborgen, manchmal unverhohlen hervortretend. So war und bleibt der Marxismus in Theorie und Praxis außerstande, die Juden so hinzunehmen, wie sie sind.

Paul Johnson

Ich verweise auf den aufschlußreichen Beitrag von Paul Johnson
"Marxismus und Judentum" . Dort geht Johnson dem jahrtausendealten Phämomen des Antisemitismus in seiner linken Prägung nach.

in kontinent, Ost-West-Forum, Heft / 1984

Die causa Gedeon ist nurmehr ärgerlich.
Die Diskussion sollte auf der Sach-Ebene geführt werden. Nicht auf der Personalebene.

Ebenfalls aufschlußreich auch ein Aufsatz von Nikolaj Berdjajew " "Christentum und Antisemitismus" , das religiöse Schicksal des Judentums,
zu Beginn der 30er Jahre geschrieben. d.h. vor dem Holocaust und vor der Staatsgründung Israels, ebenfalls in Kontinent, Heft 2, 1985

Beide Aufsätze könnten die Diskussion versachlichen.
Terzauslage
01. Juli 2016 09:14
Werter Hr. Dr. Jongen, werter Hr. Kubitschek,

ich danke Ihnen beiden für dieses ansprechende intellektuelle Gespräch zu einer Thematik, die an Brisanz und Tabuisierung definitiv ihresgleichen sucht. Der grundlegenden Übereinkunft Ihres Austausches möchte ich mich anschließen: unsere komplexe Welt, weltlich, historisch als auch geistig; kann nicht ausschließlich durch ein einfaches, und dadurch allzu billiges, Muster erklärt werden.

Dennoch möchte ich, Hr. Dr. Jongen, eine zentrale Frage an Sie stellen, auf die im Gespräch nur unzureichend eingegangen wird:

Will die AfD in ihrer geistigen Gesamtheit einen pro-zionistischen Kurs fahren, oder nicht?

Meine Frage, die zunächst sehr oberflächlich erscheint und leicht mit einer Diskussion über die richtigen Begriffe "beantwortet" werden könnte, hat aber einen tieferen Sinn. Nämlich: Muss man dem zionistischen Bestreben der Juden, das in nicht unerheblichen Teilen durchaus vorhanden ist, entgegentreten, es leugnen, bejahen, begrifflich umgehen, ausweichen?

Ich meine das ganz ehrlich: es geht nicht um die Frage, und das muss ganz klar sein, ob das Judentum "gefährlich" ist. Es ist Unsinn, eine ganze Volksgruppe zu verunglimpfen. Aber Sie werden um eine Frage nicht umher kommen: Wie ist es zu rechtfertigen, dass eine so kleine Abstammungs- und Religionsgemeinschaft eine derartige positive Sonderbehandlung erfährt?

Ich würde mir wünschen, dass Sie Antisemitismus und Antizionismus nicht so leichtfertig vermengen.
Julius Krull
01. Juli 2016 09:27
@Ludwig Witzani

Tja, und wenn man die Hoheit über den publizistischen Diskurs durch etliche linksliberale Zeitungen und Zeitschriften mit hohen sechsstelligen Auflagen hat, dann bestimmt man auch darüber, wann diskutiert wird und wann nicht. So ist das leider.
t.gygax
01. Juli 2016 09:35
"von Israel lernen?"

Aber bitte:
"Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der Herr es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war. (......) Und die Kinder Israels nahmen gefangen alle Frauen der Midianiter und ihre Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten, und alle ihre Zeltdörfer. (...) und Mose ward zornig über die Hauptleute des Heeres und sprach zu ihnen:
Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? (...) So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind.Aber alle Mädchen, die noch unberührt sind, die lasst für euch leben."

4.Mose 31, Vers 7ff.
Also, was lernen wir daraus?

Zwischen Christentum und Judentum gibt es offenbar doch gewisse Unterschiede.

Bitte sehr:
" Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, die Fürsten halten ihre Völker nieder , und die Mächtigen tun ihnen Gewalt. So soll es unter euch nicht sein"

Matthäus 20, 25f.
Exmeyer
01. Juli 2016 10:17
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder führt man das Gespräch im KLARTEXT und inhaltlich, also unter Einbeziehung der Thesen Kevin MacDonald und geschichtlichen Entwicklungen oder man führt es unter dem Gesichtspunkt von Strategie und Taktik.

Beides war weder ansprechend noch folgerichtig.

Daß dieses Gespräch geführt wurde, sowie dessen Verlauf, sind zur Kenntnis zu nehmen und es sind Schlüsse daraus zu ziehen.

Im aufziehenden Unwetter sucht man Kurs in ruhigen Fahrwassern. Kurs: Heimathafen.
Arminius Arndt
01. Juli 2016 10:27
Ich hatte mich zu diesem Thema bereits recht eindeutig in den Debattenteilen zu anderen Beiträgen auf SiN geäußert und möchte daher nur folgendes in diesem Debattenstrang anmerken:

Der Fall Gedeon ist meiner Meinung nach nicht das taugliche Objekt, feingeistig mit dem Diskussions-Florett auszutragen, wo die Diskursgrenzen einer Partei sein sollten, was man jetzt diskutieren darf und was nicht und ob man nun über Stöckchen von der ach so schlimmen Außenwelt springt oder nicht, sich selbst konditioniert hat, vorauseilenden Gehorsam dem "System" gegenüber erbringt etc.

Das Gedeon sich einreiht in regalfüllende andere Ergüsse ähnlicher Art und dass man es sich nicht zwingend geben muss, vertieft in die Lektüre seiner Werke einzusteigen, hat Götz Kubitschek völlig richtig erkannt.

Der Fall Gedeon ist eher eine Frage, wie Parteien geführt werden oder geführt werden sollen und wie man es mit einer Form oder Art von Parteiräson hält, in die sich dann aber auch die Mitglieder und in deutlich gesteigerter Form die Mandatsträger einer Partei einzuordnen haben (Gedeon ist kein einfaches Parteimitglied - er ist Landtagsabgeordneter).

Herr Gedeon darf gerne seine Weltsichten im Eigenverlag oder bei anderen Verlagen publizieren - kein Problem damit. Ich ganz persönlich hätte auch kein Problem damit, wenn er noch ganz andere Dinge publizieren würde. Aber das er mit einem fast schon messianisch anmutendem Sendungsbewusstsein meint, seine Ansichten auch über eine offen erkennbar anders aufgestellte Partei und ein Mandat, welches er dieser Partei zu verdanken hat, zu verbreiten und dann auch großzügig seine Fraktionsmitgliedschaft nur ruhen lässt, statt anstandshalber von selbst auszutreten, ist für mich ein Indiz, dass man es hier mit einer Art von Überzeugungstäter zu tun hat, dem ein Parteiprojekt offenbar ziemlich egal ist. Gerade solche Leute sollte eine Parteiführung in irgendeiner Form entweder raus schmeißen oder sonst kalt stellen. Da lag der Herr Meuthen mit seiner entweder er oder ich Nummer tendenziell gar nicht mal so daneben und dass er keinen echten Rückhalt von Oben bzw. den Vorstandskollegen bekommen hat, dass vielmehr offenbar einige unter der Hand Herrn Gedeon auch noch als Mittel zum Zweck den Rücken gestärkt haben, zeigt nur, dass auch bei der AfD mittlerweile der alte Spruch der Altparteien gilt:

"Wie ist die Steigerung des Wortes Feind?
Feind, Todfeind, Parteifreund."

Ich frage mich immer noch, wie Herr Gedeon überhaupt auf die Idee kommen konnte, dass die AfD die richtige Partei für ihn sein könnte und nach wie vor sein kann.

Das die AfD ein Projekt der Reform und nicht der Revolution ist und das sie sich zu 100% auf dem Boden des Grundgesetzes und der Bundesrepublik bewegt, war und ist von Anfang an klar gewesen. Das sollte dann aber bitte auch jeder respektieren, der dort Mitglied werden will oder ist und ggf. auch noch Mandate über diese Partei anstrebt oder erringen konnte.

Wer die AfD unterwandern will, der ist subversiv. Und in solche Fällen hat die Parteiführung berechtigterweise dagegen zuhalten. Mit Hexenjagd oder Ähnlichem hat das dann nichts zu tun. Führung muss sein, auch bei einer Partei.
Hartwig aus LG8
01. Juli 2016 10:47
Eine Reise von Auschwitz nach Dresden ist eine Reise von Chiffre zu Chiffre - Chiffren des Gegners.

Lange her, als ich das letzte mal auf einem Soldatenfriedhof war - irgendwo im Altmühltal. Werd's mal wieder machen.
Johannisthaler
01. Juli 2016 11:15
@t.gynax Beitrag von 9:35
Sie ziehen eine Überlieferung über Stammeskämpfe aus der Bronzezeit für eine Bewertung des gegenwärtigen Judentums heran. Als ob ein zivilisierter Mensch von heute alttestamentarische Zustände für maßgebend halten würde.
deutscheridentitärer
01. Juli 2016 11:49
Meine Frage, die zunächst sehr oberflächlich erscheint und leicht mit einer Diskussion über die richtigen Begriffe „beantwortet“ werden könnte, hat aber einen tieferen Sinn. Nämlich: Muss man dem zionistischen Bestreben der Juden, das in nicht unerheblichen Teilen durchaus vorhanden ist, entgegentreten, es leugnen, bejahen, begrifflich umgehen, ausweichen?
Ich meine das ganz ehrlich: es geht nicht um die Frage, und das muss ganz klar sein, ob das Judentum „gefährlich“ ist. Es ist Unsinn, eine ganze Volksgruppe zu verunglimpfen. Aber Sie werden um eine Frage nicht umher kommen: Wie ist es zu rechtfertigen, dass eine so kleine Abstammungs- und Religionsgemeinschaft eine derartige positive Sonderbehandlung erfährt?


Ich frage mich: wen interessiert das?


Oder besser, da es ja faktisch recht viele interessiert, warum sollte uns das interessieren?


Zionismus, wenn man es in der eigentlichen Bedeutung nach und nicht als pol. Kampfbegriff für jede Form jüdischen Machtstrebens überhaupt verwendet, meint das Eintreten für einen israelischen Staat.


Das ist gerade deshalb zu unterstützen, weil die bereits erwähnten Thesen von Kevin McDonald über die besondere gruppenevolutionäre Strategie des Diasporajudentums, nämlich die Zersetzung und Fragmentierung ihrer Gastgesellschaften, real und wirkmächtig ist.


Entscheidender Grund für diesen jüdischen Sonderweg ist die Entwurzelung einer Heimatlosigkeit.


Ein israelisches Judentum dagegen ist die Antithese dieser zersetzenden Züge.


(Natürlich ist das deutsche Verhältnis zu Israel nüchtern und vorurteilslos zu prüfen und auszurichten, aber der Weltfeind ist es eben gerade nicht, lediglich eine Regionalmacht unter vielen.)
Martino Taverniere
01. Juli 2016 11:50
Vergleichen Sie das ruhig mit dem Theoriewust, den Verlage wie Suhrkamp und andere in die linke Bewegung der sechziger bis achtziger Jahre gepumpt haben – nur in völlig anderen Stückzahlen natürlich. Wer hat das gelesen? Und wer war danach noch in der Lage, Politik zu machen?

Dieser Theoriewust hat die Lektüre der von Wagenbach veröffentlichten Bücher ideologisch unterfüttert und die Generation der jetzt in den Redaktionen sitzenden Chefredakteure hervorgebracht, sowie die Juroren der Grimme und anderer Fernsehpreise wie die Regisseure selbst und leider auch Juristen wie Susanne Baer. Wenige Berufspolitiker regnete es aus diesen Theoriewolken, aber viele "Kulturschaffende".
Der_Jürgen
01. Juli 2016 12:06
@exmeyer

"Entweder führt man das Gespräch im KLARTEXT, oder man führt es unter dem Gesichtspunkt von Strategie und Taktik."

Ja, so ist es. Ein Gespräch über den Themenkreis Judentum-Zionismus-Zweiter Weltkrieg im Klartext zu führen, kann sich unter den heutigen Bedingungen nur leisten, wer nichts zu verlieren hat. Sowohl Jongen als auch Kubitschek haben aber sehr viel zu verlieren und mussten das Gespräch folglich unter dem Gesichtspunkt von Strategie und Taktik führen.

Klarer Sieger nach Punkten war natürlich Kubitschek; sämtliche intelligenten Bemerkungen gingen von ihm aus. Von Jongen halte ich nach der Lektüre dieses Textes überhaupt nichts mehr. Wenn das der "Parteiphilosoph" der AFD sein soll, ist von dieser herzlich wenig zu erwarten.

Bei aller Hochachtung vor kämpferischen Persönlichkeiten wie Björn Höcke muss ich
@Solution
recht geben, wenn er vor illusionäen Hoffnungen auf diese Partei, und den parlamentarischen Weg überhaupt, warnt.
t.gygax
01. Juli 2016 12:06
@johannisthaler
Ich zitierte aus dem 4. Buch Mose, für Juden eine Heilige Schrift.
Nennen Sie mir bitte einen jüdischen Schriftgelehrten des 21. Jahrhunderts, der sich von diesen "Stammesüberlieferungen" distanziert!
Die 5 Bücher Mose sind elementarer Bestandteil jüdischen Glaubens, von wegen "Stammesüberlieferungen". Da geht es um das auserwählte Volk, und um den Plan Jahwes mit diesem seinen Volk.
Nordlaender
01. Juli 2016 12:25
Bin ganz baff: Sieben Seiten Gespräch über ein Thema, über das man nicht reden darf! Mir wäre es nicht möglich, meine Argumentation auf einer These aufzubauen, solange die Gegenthese polizeilich verboten ist.
Der lässige Gebrauch des Kampfbegriffes "Verschwörungstheorie" irritiert mich.

Antiantisemitismus als erste Staatsräson? Atemberaubend finde ich, wie Neomarxisten den Antiamerikanismus bekämpfen (Verdacht des sekundären Antisemitismus):

http://www.gerhardscheit.net/pdf/KritikUndIdentification.pdf

Stephan Grigat - "Antisemitismus & Kapitalismuskritik. Über Ressentiments und Judenhass"

https://www.youtube.com/watch?v=sKtV7JG0WM4

Gegen den Zionismus im allerengsten Sinne, das Eintreten für den Staat Israel, ist nichts einzuwenden. In Israel leben 380 Einwohner pro Quadratmeter. vergleichbar mit den Niederlanden oder Belgien, sicher bei Weitem nicht Raum genug für alle Angehörigen des jüdischen Volkes.

Grundsätzlich kann weder Antizionismus noch Zionismus die erste Bestimmungsgröße für das Wohl unseres Deutschlands sein. Man tausche mal probehalbe die Völker, stelle sich an unseren Universitäten Lehrstühle für Antigermanismusforschung vor, die Vertreibung aller Personen mit antigermanischer Einstellung aus öffentlichen Positionen.
Morbrecht
01. Juli 2016 12:41
@t.gygaxt
Man kann Religionen nicht im PI-Stil auf einen Zitate-Steinbruch reduzieren. Den Geist des Judentums findet man im Kontext etwa im Buch Nehemia ausgedrückt, und die Lektüre lohnt sich. Man könnte dem Buch unter Bezug auf Raspail auch den alternativen Titel geben: "Ein Reiter kehrt in die Stadt zurück".

Dann machte ich mich bei Nacht auf, nahm aber nur einige wenige Männer mit. Noch hatte ich keinem Menschen mitgeteilt, was mein Gott mir eingegeben hatte, für Jerusalem zu tun. ...

So ritt ich bei Nacht zum Taltor hinaus. An der Drachenquelle vorbei gelangte ich zum Aschentor. Dabei besichtigte ich die Mauern Jerusalems: Sie waren niedergerissen und die Tore vom Feuer verzehrt.[…]

Ihr seht selbst, in welchem Elend wir leben: Jerusalem liegt in Trümmern und seine Tore sind abgebrannt. Gehen wir daran und bauen wir die Mauern Jerusalems wieder auf! So machen wir unserer Schande ein Ende. […]

Als aber Sanballat und Tobija sowie die Araber, die Ammoniter und die Leute von Aschdod hörten, dass der Wiederaufbau der Mauer von Jerusalem voranging – denn die Breschen schlossen sich allmählich -, wurden sie wütend und alle zusammen verschworen sich, gegen Jerusalem in den Krieg zu ziehen und dort Unruhe zu stiften. Wir aber beteten zu unserem Gott und stellten Tag und Nacht eine Wache auf, um uns vor ihnen zu schützen. […]

Ich musterte sie, dann erhob ich mich und sagte zu den Vornehmen, den Beamten und den übrigen Männern: Fürchtet euch nicht vor ihnen! Denkt an den Herrn; er ist groß und furchtgebietend. Kämpft für eure Brüder und Söhne, für eure Töchter und Frauen und für eure Häuser! […]
So arbeiteten wir am Bau, während die Hälfte die Lanzen bereithielt, vom Anbruch der Morgenröte bis zum Aufgang der Sterne.


"Auswähltes Volk" bedeutet übrigens soviel wie "in den Dienst gestelltes Volk", und auch Christen gehören dazu.
Winston Smith 78699
01. Juli 2016 12:58
Kann nicht irgendein aufrechter Laberfächler mal ein paar Artikel vom Kubitschek zusammengefaßt als Diss durchwinken? (Oder die gesamte Schnellroda-Performance als integrales Kunstwerk zur Erlangung der Doktorwürde anerkennen? Die Geweihe, das fotogene Abendessen, die Ziegen, obskure Zigaretten und Gummistiefel ... Dittsche hat eben nicht das alleinige Anrecht darauf, den Beuys zu channeln.) Das ist doch peinlich, wie er den Jongen so antiteln muß und der sich das auch noch gefallen läßt. Jongen scheint mir im Vergleich zum Badischen Asterix doch eher ein kuschelweicher Prechtklon sein zu wollen. Man überzeuge mich bitte hart und schmerzhaft vom Gegenteil, vielleicht mit einem genialen Auszug oder so.
Exmeyer
01. Juli 2016 13:02
"'Auswähltes Volk' bedeutet übrigens soviel wie 'in den Dienst gestelltes Volk', und auch Christen gehören dazu."


... das ist ja äußerst großzügig. Ich weise diese vergiftete Gunst ab. Vergiftet, weil damit die Anerkennung der FREMDEN Definitionsmacht verbunden ist. Aus welchem Zitate-Steinbruch ist denn diese Auslegung erfolgt?
Valjean72
01. Juli 2016 13:12
Der Diskurs ist insofern interessant, als dass er von beiden Seiten auf gehobenem sprachlichem und auch intellektuellem Niveau geführt wird. Allein für mich selbst ist er doch wenig erbaulich, gleichwohl erkenntnisreich.

Zugegeben, eine Partei, die innerhalb des vorgehebenen Rahmens der real existierenden und transatlantisch ausgerichteten Bundesrepublik politisch erfolgreich agieren will, ist naturgemäß auf das stärkste darin interessiert „vermintes Terrain“ zu vermeiden, um ja nicht mit dem rufschädigendsten aller Stigmata behaftet zu werden.

So wie ich das aus der Ferne beurteilen kann, wird die AFD (wieder) in die genehme und im Grunde harmlose rechtsoppositionelle Rolle gepresst, mit Aussicht auf Regierungsbeteiligung als Juniorpartner der CDU. Gegen Muslime und gegen den Islam aufzubegehren ist erlaubt, auch gegen das Phänomen der Masseneinwanderung. Wobei sich dann bei letzterem noch zeigen muss, was eine AFD in Regierungsverantwortung ändern kann, was über kosmetische Korrekturen hinaus geht.

Die transatlantische Ausrichtung und die unverbrüchliche Verantwortung (Staatsräson) für Israel bleiben hingegen unantastbar.

(Ein Zitat Geert Wilders kommt mir hier in den Sinn: „Israel is fighting our fight!”)

Eine solche verbroderte Partei wird allerdings nichts Grundsätzliches verändern, im Gegenteil solch eine Partei ist geradezu ein Garant dafür, dass sich eben nichts Entscheidendes auf parlamentarischen Wege verändern wird. Sie fungiert lediglich als Honigtopf für unzufriedene und enttäuschte Bundesrepublikaner.

Der adrett eloquente Marc Jongen wird mit vielen anderen auf dem Rücken der AFD in den nächsten Bundestag einziehen. Die damit verbundenen Vergünstigungen wecken offensichtlich Begehrlichkeiten und fördern den Karrierereinstinkt.

Diese Passage von Kubitschek fand ich schließlich befremdlich:

„Ich werde in die Lektüre auch nicht einsteigen, denn von derlei Schriften gibt es ganze Meter, und sie spielen für meine Arbeit und unser »Milieu« keine Rolle“


Um über jemandes Werk urteilen zu können, sollte man sich schon mit diesem auseinandergesetzt haben, zumindest in groben Zügen. Zustimmung allerdings zum hinteren Satzteil, dass Gideons Schriften für das Entwickeln der AFD zu einer etablierten Partei im System Bundesrepublik keine Rolle spielt.

Persönlich habe mich weder mit Gideons Schriften noch mit denen Mahlers ausgiebig beschäftigt. Aber insbesondre Horst Mahler nötigt mir Respekt ab, alleine dadurch - und unabhängig davon ob und wie weit ich ihm evtl. zustimme – dass er trotz der gravierenden Konsequenzen zu seinen Aussagen steht. Mahler mag irren und sich verrannt haben aber sein Antrieb speist sich meines Erachtens aus Liebe zu Deutschland.
Heinrich Brück
01. Juli 2016 13:16
Es gibt zweierlei Leben, das normale Leben und das Leben als Politiker. Das Leben als deutscher Politiker fällt in eine dritte Kategorie.
Dieses Gespräch kann kulturpolitisch durchaus in einem wohlwollend angedachten Akzeptanzrahmen sein Dasein fristen, sei es als ausgestreckte Hand oder als sprachliche Wissensvergewisserung vor dem Format der Deutschen Geschichte.
Wenn ich über Nachbars ungepflegten Garten lästere, wird meiner dadurch nicht schöner. Im Augenblick sind einige Dinge im Fluß; Abwarten und Gelassenheitstraining bis zum nächsten Rendezvous, und bis dahin an der eigenen Sprachfähigkeit feilen.
Wenn der Samurai den Heimathafen verteidigen kann, stellt der Ninja keine Gefahr mehr dar. Die Ausbildung zum Samurai, darauf kommt es wohl an.
Natürlich können diese Dinge viel härter formuliert werden, massentauglich sind sie dann nicht mehr.
hr. k
01. Juli 2016 13:35
@sporti

ja, ein "eigenes israel" klingt für mich attraktiv. wenn frauen wieder kinder kriegen, unsere grenzen grenzen sind, die eigene religion zur identitätsbildung und nicht zu dessen zerstörung beiträgt - ja, da hätt ich nix dagegen.
sie begehen den fehler zu glauben, dass mann ALLES übernehmen müsste. das ist aber unsinn. man kann sich auch einfach das sinnvolle rausnehmen und das "den nachbarn bomben" sein lassen. sowohl als auch statt entweder oder.
davon abgesehen hab ich gar nix gegen ein friedliches nebeneinander. ist allemal lieber als eine multinationalenationale konstruktion bei der jeder mit dem pass die identität wechseln kann wie die unterhose.

und ja, da kann man bei juden lernen: natürlich ist die palästinenser-nummer total daneben. ABER: sie verteidigen ihr land, sie leben ihre religion und kultur (zumindest die, die man auch juden nennen kann) und sie treten für entschlossen für sich ein. find ich gut. ja.
ganz ehrlich: erst mal selbst besser machen, dann kritisieren!

(....und das die einen eigenen chauvinismus hatten, so wie alle anderen völker des 19. jahrhunderts auch, na klar stimmt das. aber was soll uns das jetzt bringen? olle kamellen, das ist doch sowas von schnuppe für unsere aktuelle lage. wer zum henker sind wir denn, dass wir über jeden honk ein urteil haben müssen? mir wäre ein wachstum des deutschen volkes wichtiger, aber wesentlich.)
Johannes P.
01. Juli 2016 13:44
Von Anfang an habe ich über die Schlagworte geärgert, auf die die Mainstream-Medien die Debatte reduzieren wollten, und wenn Jongen sie jetzt immer noch so en passant um sich wirft, ärgern sie mich immer noch.

"Dissident" und "Schandtat" sind keine Euphemismen. Sie haben konkrete Bedeutungen, und Gedeon hat sie in diesem eigentlichen Sinn verwandt. Diese Ablenkungen und sprachlichen Untergriffigkeiten, an denen Jongen sich ohne Not beteiligt, sind der Grund, warum sich das Urteil über den Kern der Sache verzögert hat und weiter verzögert.
Johannisthaler
01. Juli 2016 13:54
@t.gygax
Sollen die Schriftgelehrten sich extra distanzieren, weil es Leute gibt, die ihnen unterstellen, sie würden alle Handlungen empfehlenswert finden, die in der heiligen Überlieferung stehen?
Garant
01. Juli 2016 14:17
Ist es nur eines oder sind es zwei Kaninchen, die hier auf die Schlange starren? Wahrscheinlich eher zwei.

@Exmeyer hat auch schon Kevin MacDonald erwähnt. Eine von MacDonalds Thesen besteht tatsächlich darin, dass wenn nicht das Christentum dann zumindest die spätantike Kirche als eine in ihrem Wesenskern antisemitische Institution ins Leben kam. Und nicht nur das, darin ist MacDonald sich sogar mit vielen vielen jüdischen Gelehrten einig. Was wussten die Kirchenväter, dass Jongen und Kubitschek nicht zu wissen wollen scheinen?

Abgesehen davon ist es auch rein pragmatisch gesehen eine Torheit ersten Grades, Antizionismus aus der AfD verbannen zu wollen. Dieses Thema eignet sich wie kein anderes, eine Brücke zur israelkritischen Linken zu schlagen. Querfronten dieser Art sind es, die der Linken Schrecken einjagen.

Wo wir beim Thema Schrecken sind: Ein absolut abschreckendes Beispiel für eine Partei, die den prozionistischen Irrweg gegangen ist, sind die Schwedendemokraten, von vielen als eine Art Schwesterpartei der AfD angesehen. Die Schwedendemokraten sind mittlerweile der Prototyp einer kuckservativen Partei, die sich hyterisch von allem abgrenzt, was auch nur den Anschein einer pro-weissen Einstellung erweckt. Gleichzeitig sind sie unter allen schwedischen Parteien diejenige, welche am israelfreundlichsten ist.
Bran
01. Juli 2016 14:46
Interessanter Schriftwechsel.

Aber der Kommentarbereich neigt wieder mal zur Ausschweifung.
Antizionismus oder Antisemitismus? Mir egal. Ersteres ist mein Ding nicht und das Problem Israels, zweites halte ich für einen reinen Kampfbegriff der Gegenseite, der missliebige Meinungen innert Sekunden zu Asche verbrennen soll.
Ich für meinen Teil behalte es mir vor, das Judentum gleich anzusehen, wie jede fremde Kultur.
Und zu uns Christen: Erstens ist das europäische Christentum sowohl europäisch als auch christlich. Soll heissen: Ein Import aus der Wüste wurde durch europäische Gedankentraditionen und Gebräuche erst zu Etwas Lebendigem. Ein Christ aus dem Kongo ist nicht auf die selbe Weise und in der selben Tradition Christ.
Was die alten Bücher anbelangt: Die Juden dürfen meinetwegen gerne an zweitausend Jahre alte Bücher glauben. Ich für meinen Teil will einfach nur das Recht haben, auch unsere zweitausend Jahre alten Rechte und Traditionen aufrecht zu erhalten, für gut zu befinden und zu ehren.
Denn während das kleine und recht unbedeutende Volk Israels in der Wüste umherzog und sich auf dem kahlen Hügel Massadas entleibte, haben in unseren Breitengraden andere Menschen eben diese Römern wieder über den Rhein gejagt.
deutscheridentitärer
01. Juli 2016 15:13
Abgesehen davon ist es auch rein pragmatisch gesehen eine Torheit ersten Grades, Antizionismus aus der AfD verbannen zu wollen. Dieses Thema eignet sich wie kein anderes, eine Brücke zur israelkritischen Linken zu schlagen. Querfronten dieser Art sind es, die der Linken Schrecken einjagen.


Mein Gott das ist so eine dumm-michelhafte Schwätzerei ...

Sie haben weder Ahnung von der zeitgenössischen Linken, egal ob antiimperialistisch oder antideutsch (ist im Kern eh das Gleiche), noch werden Sie erklären können, warum es in unserem Sinne sein soll, den Daseinskampf eines anderen Staates kategorisch verurteilen sollten, wenn unser Hauptproblem ist, dass wir uns zu eben diesen Daseinskampf moralisch nicht mehr aufraffen können.
Morbrecht
01. Juli 2016 15:24
@Exmeyer
Im Fall der Juden war die Indienstnahme unfreiwillig und mit meist unangenehmen Folgen verbunden, während sie im Fall der Christen eine Indienststellung freiwilliger Art ist. Das ist nicht die Aussage eines einzelnen Zitates, sondern allgemeiner Gegenstand christlicher Theologie. Die Freiwilligkeit ist hier ein so zentraler Aspekt, dass niemandem die "vergiftete Gunst" aufgezwungen werden soll, für den Dienst am Nächsten zu leben.

@Garant
Die frühe Kirche entstand durch Loslösung vom Judentum, blieb aber in wesentlichen Aspekten doch auf Teile seines geistigen Erbes bezogen. Die Beschreibung "antisemitisch" passt hier nicht, weil sie sich auf moderne, eher auf ethnischen Gegensätzen beruhende Konezpte bezieht.
Siddharta
01. Juli 2016 15:52
Man kann nicht "von Israel lernen", so wie man von einem Klassenkameraden Lösungen abschreibt. MacDonald beschreibt sehr gut die evolutionär entstandenen, eugenischen Faktoren: Aggressivität, Intelligenz, Kollektivismus, eine spezifische Schichtung der Gruppe so dass die religiösen Teile eine hohe Fertilität garantieren, während die säkularen erfolgreich Ressourcen erwirtschaften, usw. Es ist sinnlos die Charakteristika eines bestimmten Diaspora-Volkes teilweise oder gesamthaft zu imitieren.
Jim Knox
01. Juli 2016 16:17
Der Herr Gedeon war in jugendlichen Jahren ( ist schon sehr lange her ) angeblich ein beinharter Kommunist, wie sein Landesvater Kretschmann ebenso. Wenn ich mich recht entsinne , waren die studentischen Maoisten und Spartakisten der 70iger Jahre, besonders im badenwürttembergischen Raum keine Israelfreunde, vorsichtig ausgedrückt. Denn Israel war aus damaliger kommunistischer Politbüro-Sicht ein klarer Satellit und Schwert der USA im Nahen Osten . Vielleicht sollte man auch mal die früheren schriftlichen Ergüsse und Pamphlete des Herrn Alt-Genossen Kretschmann genauestens unter die Lupe nehmen. Ich vermute , da käme was Interessantes dabei raus, was sich mit seinen heutigen politischen Ansichten und besonders dem Politik - main stream der Merkel - BRD keinesfalls mehr deckungsgleich wäre. Also , - man sollte den Fall Gedeon nicht so hoch hängen . Es gibt wesentlich schlimmeres in diesem Vielvölkerstaat.
Einar von Vielen
01. Juli 2016 16:38
Geiles Battle. Beide bekommen heute ein Foto von mir.

Zu Arma-Gedeon oder wie der heißt: Wer einmal Kommunist war, den würde ich generell nicht eingemeinden, der darf vor den Toren allenfalls Lumpen sammeln und gegen Essbares tauschen.

Wenn ich ein Hauptargument pro'Gedeon ostentativ langsam abwickeln wenn überhaupt' richtig herausgehört habe, dann wohl, dass - neben der generell gebotenen Stöckchenverweigerung - seine zügige Suspendierung als Bestätigung seiner Thesen gewertet werden könnte.

Nun kann man an Stöckchen auch selbstbewußt vorbei schreiten, um ohne Springen auf die andere Seite zu gelangen. Insofern halte ich diese an sich völlig richtige Linie nicht für verletzt, wenn der Ort auf der anderen Seite des Stöckchens tatsächlich einmal der richtigere ist.

Ferner kann es generell ja auch nicht von Belang sein, ob sich ein Irrläufer in seinem Verfolgungswahn bestätigt sieht, wenn man ihn auch zu seinem eigene Schutze aus dem Verkehr zieht. Das ist sonst so, als ob ein nackter Flitzer bei der EM behauptet, die Sicherheitskräfte im Stadion wollten FKK-Anhängern übel an den Kragen.
Ernst DeVie
01. Juli 2016 17:27
Wir haben Politiker die hinter Parolen herlaufen wie “Deutschland, du mieses Stück Scheiße”, die Glückwunschtelegramme an Pol Pot sandten, die Unterstützer von Linksterrorismus waren und sind, die nicht mehr auf das Wohl des deutschen Volkes schwören wollen, Präsidenten aus führenden Alt-Nazi Familien die glauben uns Moralpredigten über das Dritte-Reich halten zu können und dann soll ein Gedeon ein Problem sein?

Linke entschuldigen sich nie, halten die Reihen fest geschlossen. Die bürgerliche Rechte glaubt sich wegen jedem Furz distanzieren und entschuldigen zu müssen, vorne über fällt vor lauter Demutsgesten. Völlig grund- und sinnloser Weise, weil die Linke (-Presse) Blut leckt, sich dadurch noch bestätigt fühlt, aber nie daran denken wird das „Missverständnis“ oder die „lauteren Absichten“ anzuerkennen, da man den politischen Gegner mit allen Mitteln vernichten will.

Der Wunsch nach Anerkennung aus dem Establishment ist in konservativen Kreisen so stark, das man sich und bevorzugt andere gerne in Ritualen der „Selbstkritik“ geißelt und erniedrigt, fast wie im China der Roten Garden, auch in der Hoffnung dass man selbst verschont wird oder einem „das Krokodil als letztes frisst“.

Dieses total abstoßende Verhalten der “bürgerlichen Konservativen” sollten diese sich schnellstmöglich abgewöhnen, falls sie jemals der Macht nahe sein wollen. Stattdessen ein wenig vom Vorgehen eines Trump in den USA lernen, der die Anwürfe an sich abprallen lässt, Haltung bewahrt und gut begründet noch einen daraufsetzt.

Ach ja, die Juden und Israel halte ich für kein Thema dass uns im Moment weiterführen wird und auch sinnlos ist, lenkt es doch einfach nur davon ab eine Katastrophe von Deutschland und Europa abzuwenden. Wir haben jetzt wirklich keine Zeit zu verschwenden.
niekisch
01. Juli 2016 17:39
„Heute erscheint die BRD als eine Erziehungsanstalt zur konsequenten Disfunktionalität“
@ Exmeyer: darf ich hinzufügen, daß sie auch als jakobinische Erziehungsdiktatur aufscheint? Denn Disfunktionalität folgert aus induziertem Fehlverhalten der Institutionsbetreiber und deren Hilfswilligen. Ein Herr Irsigler nannte das speziell für uns Deutsche im Zusammenhang mit der Niederlage im II. Weltkrieg „induziertes Irresein“. Jakobinisch deswegen, weil uns betreffend wie 1792 in Paris die „Göttin der Vernunft“ als Monstranz der antitraditionellen Weltbruderschaftskrieger und Menschenköpfer vorangetragen wird. Generationen von Deutschen ist seit 1945 der satanische Irrsinn geistig implantiert worden ud wird heute als Religion empfunden. Wie ist diese psychische Krankheit zu heilen und damit der allererste Schritt all unserer Pflichten zu tun? In geradezu brutaler Offenheit wie bei einer psychotherapeutischen Sitzung den Begriffen des Irrsinns heilende positive Begriffe entgegenschleudern, schöne, gute Gefühle zulassen und fördern, positive, eigengegründete Rituale einüben, den geschichtlichen Lügen Wahrheiten entgegensetzen, eine notwendende reichssozialistische Diktatur auf Zeit als Gedanken zulassen, selbst das überlebensrettende Klonen unserer eigenen Menschenart in Betracht ziehen.

„Wir betreten hier sozusagen politisch radioaktiv verseuchtes Sperrgebiet“
Und sollten, verehrter Herr Jongen, auch weiter vorangehen in Richtung auf den Reaktor mit seinem volksvergiftenden Auswurf, um ihn wie in Tschernobyl mit einem Betonmantel einzusargen, damit er keinen weiteren Schaden anrichtet. Im Sperrgebiet sind wir genau richtig und genau hier ist das Kampfgelände. Hier kann die Nahkampfspange verdient werden.
rundfunkfreiheit
01. Juli 2016 18:13
Eine instruktive Korrespondenz. Ich danke für die Veröffentlichung!

Die Schriften von Herrn Dr. Gedeon haben mich vor dieser Kausa nicht interessiert und auch nicht nachher. Mag der Mann seine Thesen vertreten, wie er will. Den einschlägigen rechtlichen Rahmen wird er wohl kennen.

Ich habe jedoch, als Parteiloser, ein gewisses Interesse an der AfD, weil ich bestimmte programmatische Absichtserklärungen für wesentlich erachte. Das ist dann auch der einzige Grund, warum mich der "Fall" Gedeon aufmerken ließ. Und ich denke in der Tat, dass sich die AfD gegenständlich in der bekannten instrumentellen Konditionierung bundesdeutscher Provenienz befindet. Und was mich daran stört ist, dass sie auch nicht im Ansatz erkennen ließ, sich diesem entschieden zu verweigern. Götz Kubitschek mahnt mehr Gelassenheit an. Zu Recht.

Wir leiden ja strukturell - das fällt nach dem Brexit-Triumph des britischen Volkes einmal mehr stark ins Auge - unter nichts stärker, als unter der bei uns bis in den Exzess betriebenen betriebenen sog. "repräsentativen Demokratie". Sie versucht sich durch die Unmündigkeit des Bürgers zu begründen und führt zur schädlichen Machtvollkommenheit der gewählten "Repräsentanten" im Parteienstaat. Die Folge ist, dass die dazu intellektuell und ethisch i. d. R. am wenigsten berufenen Wenigen sich die Kontrolle über die Vielen anmaßen.

Leider fügen sich Herr Dr. Meuthen und auch Herr Dr. Jongen beinahe bruchlos in diese Strukturen. Ein Fraktionsvorsitzender muss nicht das Denken seiner Fraktionsmitglieder kontrollieren wollen. Für strafrechtlich Relevantes ist ohnehin die Staatsanwaltschaft zuständig. Und wenn Herr Jongen hier auf Herrn Kubitschek, der ausschließt, dass sich im konservativen Milieu das durchsetzt, was dem Land abträglich wäre, respondiert:
"Darauf zu hoffen, daß sich dieses (das Zuträgliche; Anm. d. Verf.) von alleine durchsetzt, wäre doch ein wenig zu viel des Vertrauens in die allgemeine Verbreitung menschlicher Vernunft."

So klingt das gymnasial und befremdlich auf mich. Die allgemeine Verbreitung menschlicher Vernunft? Ist das die Aufgabe einer politischen Partei im Interessenkampf? Gänzlich: von einer "Erzversuchung" irgendeines Denkes möchte außerhalb einer Kirche oder anderen religiös-weltanschaulichen Vereinigung überhaupt gar nichts hören.
Feuerturm
01. Juli 2016 18:23
Das sprachliche Niveau des Gesprächs ist faszinierend. Das pure Mitlesen, auch im Forum, ist ein intellektueller Genuss.

Was mir persönlich daran fehlt:

ich vermisse die präzise Nennung des corpus delicti: wo bleibt die konkrete inhaltliche Auseinandersetzung mit dem von Gedeon Gesagten/Geschriebenen?

Geht es bei dieser Gedeon-AfD-Debatte nicht um ganz bestimmte Aussagen, die Herr Gedeon in einem ganz bestimmten Buch gemacht hat (ich mag irren)?

Heißt dieses Buch nicht

„Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“?

Oder geht es inzwischen auch um frühere Aussagen/Schriften des Herrn Gedeon?

Das Buch habe ich gerade aufgeschlagen vor mir liegen.

Die beanstandeten Textstellen befinden sich, denke ich mal, im Kapitel „Was hat es mit den Protokollen der Weisen von Zion auf sich?“ (ab S. 275, Ausgabe von 2012).

Das Kapitel ist weder schlecht geschrieben noch unwissenschaftlich.

Doch möge sich jeder selbst überzeugen.
Demo Goge aus der polis germania
01. Juli 2016 18:57
Die Falle, Sehr geehrter Herr Jongen, in die die AfD jetzt nicht tappen darf, ist es, sich von Leuten, die ein altbundesrepublikanisches Klischee des Rechten zu verkörpern scheinen, aus falscher Nachgiebigkeit gegenüber einem vermeintlichen Mainstream zu distanzieren.
Denn wer sich wie ich in den letzten Wochen ausschließlich von den politischen Informationen der GEZ Medien ernährt hat, hat von dem 'Fall Gedeon' zu 99 % NICHTS mitbekommen!
Ein linkslastiger Rundfunk der „Juden ins Gas“ skandierende ‚Neubürger‘ keiner Aufregung für wert hält hat natürlich auch keinerlei Legitimation theoretische Zionismuskritik zu skandalisieren.
Das ‚Stöckchen‘ wird hier also von innerhalb des ‚konservativen‘ Lagers hingehalten. Warum?!
Die AfD soll ihren eigenen Anhängern als judäophile Pseudorechtspartei abspenstig gemacht werden (im übrigen auch den vielen anständigen Turk-Deutschen die ihr bei der letzten Wahl in BW ihre Stimme gaben) um die christlichen und geschichtsbewußten Wähler (alte Rechte ?) zur CDU zurückzutreiben!

Zur Gedeonthese von der zionistisch geplanten „Vernichtung der Völker“ selbst; Im Moment drängt sich mir eher ein gegenteiligen Eindruck auf, nämlich daß ‘der‘ Zionismus am Erhalt der Völker ein größeres Interesse haben könnte als an einer völkervermischenden, islamophilen, starken europäischen Union.
Hühnerbaron
01. Juli 2016 19:02
Dieser Fall stellt die AfD vor eine gnaz einfache Frage: Vorwärts oder rückwärts? Eine politische Partei muss auch taktisch agieren, sie ist keine Krichengemeinde oder sonstiger Orden. Mit diesem Gedeon mauert sich dei AfD ein und kann vorerst nicht weiter ins bürgerliche Milleu vordringen - und noch ist die von den rändern her angefressene gesellschaftliche Mitte der stärkste Wählerblock. Ohne Gedeon verliert die AFD aber keine wesentlichen Stimmen. Das Antisemitische bzw. antizionistische lager liegt vielleicht bei 3 % Wäherlpotential gegenüber 30% bürgerlichen, die mit dergleichen nichts zu tun haben wollen. Was wäre denn, wenn dieser Kerl zB für den Austritt der Sorben aus Deutschland - oder eine andere Forderung solcher Art - einsetzen würde? Wer würde ihm die Stange halten?
Lektüre zum Thema: Der Friedhof in Prag, von Umberto Eco, gibt es auch als Hörbuch.

kommentar kubitschek:
rezensierte ich seinerzeit für die sezession.
Ingo Bading, M.A.
01. Juli 2016 19:07
"Der eine fragt, was kommt danach, der andre fragt nur: Ist es recht. Und also unterscheidet sich der Freie von dem Knecht." (Theodor Storm)

Sowohl Götz Kubitschek wie Marc Jongen fragen hier - jeder auf seine Weise: "Was kommt danach?" Was kommt, wenn man einen Wolfgang Gedeon gewähren lässt.

Sie fragen NICHT, ob eine Sichtweise wie die von Gedeon aushaltbar sein muss von Seiten einer Partei, die VERÄNDERUNGEN haben will in Deutschland statt geistige Erstarrung und Stillstand. Sie fragen nicht, ob das RECHT ist, dass so etwas aushaltbar sein muss, wenn man eine echte ALTERNATIVE sein will zum herrschenden Diskurs.

Und das ist - traurig. Es wird erkennbar, dass viele Menschen merken, was hier gespielt wird. Dass damit Vertrauensverluste einhergehen. Das Ansehen von Meuthen ist merklich angekratzt, viel deutlicher als das von Frauke Petry.

Woran erkennbar wird, dass hier nicht sauber durch argumentiert wird. Dass hier Brüche in der Argumentation sind. Man kann nicht Geistesfreiheit fordern und sie nicht leben. Punkt.
Pit
01. Juli 2016 19:09
Götz Kubitschek sagt (auf S. 5):
Debatten über die Wirkmächtigkeit solcher Groß-Pendel führt unser »Lager« seit jeher.

Mir scheint, daß in solchen Debatten dieses Lagers ein Element deutlich zu wenig berücksichtigt ist, die merkantile Macht. Meine These ist, daß das Merkantile die größte Macht auf der Erde ist, d.h. weit größer als "klassische" Macht von Führern, Ländern, Militär; vielleicht weil das Merkantile als Verkäufer die Bedürfnisse der Menschen ernst nimmt und es nicht besser weiß als die Menschen (zumindest soweit dadurch nicht die eigene Merkantile Macht berührt wird).
karl
01. Juli 2016 19:42
Kubitschek hat Enormes für Deutschland geleistet - doch hier leistet er sich selbst einiges.

Meiner Ansicht nach schließt er hier seinen Frieden mit dem Zionismus, vielleicht ist es auch zu anstrengend, an allen Fronten zugleich zu kämpfen.
In der Sache aber fällt er so manchem in den Rücken, der wissenschaftlich durchaus zu Recht fordert, dass es in Geschichtswissenschaft und Politischer Wissenschaft kein Tabu geben dürfe - wenn es nicht Religion sein solle. Denn tatsächlich gibt es längst Ermüdungserscheinungen im Unterdrückungsapparat und der Widerstand wächst in vielen Ländern täglich. Auch die Perestroika begann nicht in der DDR, die schließlich als Besatzungsland zuletzt etwas zu melden hatte - zuletzt aber konnte die Veränderung auch hier nicht mehr ausgesperrt werden, zu groß wurde der Unwille, das Gefühl der Erstickung noch länger zu dulden.
Da uns im Westdeutschland die Unterdrückung mithilfe der Antisemitismus-Keule seit Jahrzehnten die Luft abschürt und auch abschnüren soll, ist es durchaus wichtig, sie unwirksam zu machen und als das zu brandmarken, was sie ist:

Der Begriff "Antisemitismus" ist an sich blanker Rassismus.
Denn wer behauptet, ein bestimmter Rassismus gegen eine bestimmte Gruppe sei viel schlimmer als alle anderen Rassismen gegen andere Gruppen, der wertet diese anderen Gruppen ab. Alle Völker haben ihr eigenes Recht und ihre eigene Würde...
Der Begriff "Antisemitismus" ist in seiner behaupteten Besonderheit ein rassistischer Begriff und sollte als solcher auch gegen seinen Verwender gekehrt werden.

Insofern, Herr Kubitschek, es besteht kein Anlass zu Distanzeritis. Die Rechte wird erfolgreich sein, wenn jeder das sagt, was er selbst für richtig hält - und die Aussagen des Nebenmannes mal hübsch unkommentiert lässt.
Nero
01. Juli 2016 19:42
Nochmal zur Klarstellung:
Von mir aus kann die AfD Pro-Israel und/oder Pro-Judentum sein. Wir können auch noch zehn weitere U-Boote nach Israel liefern - kein Problem. Die Frage ist nur, was bekommen wir dafür?

Ich stelle eigentlich eine einfache Frage.
Warum sollte ich Israel und/oder das Judentum unterstützen und was habe ich davon?
Ist diese Frage schon antisemitisch?
Laokoon
01. Juli 2016 19:45
Man sollte - wenn man die neue Rechte eine lange Zeit verfolgt hat - doch erahnen können wer der hochrangige Sozialdemokrat sein könnte. Ich würde mich nicht erdreisten zu sagen man wäre ansonsten doof wie Brod. Leider würden wir wahrscheinlich einen Korb bekommen, würden wir Kubitschek direkt nach dem Namen fragen.
Garant
01. Juli 2016 20:36
@Nero

cite>... U-Boote nach Israel liefern ...

Die an Israel gelieferten U-Boote sind hochmoderne, mit Brennstoffzellen betriebene Typen, die sehr leise operieren und tagelang untergetaucht bleiben können. Israel bestückt sie mit weitreichenden, Nuklearsprengköpfe tragenden Marschflugkörpern. Summa summarum hat Israel somit mindestens ganz Europa und den ganzen nahen und mittleren Osten im Visier seiner Atomwaffen, ohne das es im Fall der Fälle ein effektives Gegenmittel gäbe. Darüber, ob das ein Problem ist oder nicht, kann man sicherlich geteilter Meinung sein.
Rainer Gebhardt
01. Juli 2016 21:07
Für mich die Quintessenz:

Jongen: „Sie haben vorhin etwas sehr Wichtiges angesprochen, das uns, meine ich, zum Kern des Problems führt: daß es einer Selbstverkleinerung gleichkommt, sich als Opfer einer verschwörerischen Matrix zu sehen, daß es stattdessen notwendig ist, Verantwortung für seine Vergangenheit wie für sein aktuelles Handeln zu übernehmen.
Diesen Gedanken möchte ich auf die Forderung nach einer „ressentimentfreien Rechten“ hin verlängern. Hier sollte man sich an Nietzsches unübertroffene Formel vom „amor fati“ erinnern: Akzeptanz alles Gewesenen, Verzicht darauf, die Vergangenheit umzulügen oder zurechtzubiegen. Erst dadurch wird man eigentlich frei. Im deutschen Fall sicher keine leichte Aufgabe, aber das ist nun einmal unser Pensum.“


Kubitschek: „Es gibt nun einmal Themenfelder voller Minen, und nicht immer ist klar, wer sie gelegt hat und warum jemand hineinspringt, um einen möglichst lauten Knall herbeizuführen (auf dessen Wirkung er alle politische Hoffnung setzt).
Unsere tatsächlich historische Aufgabe ist, die Spurbreite des schmalen Grats zu halten, und weder den reduzierten Erklärungen des Establishments noch denen falscher, aber suggestiver Theorien zu folgen. Kurz: Wir dürfen keine jener Funktionen annehmen, die das »System« für uns vorgesehen hat. Nur auf diese Weise schaffen wir unserer Zukunftsdebatte einen angemessenen Freiraum, und das sollte uns Intellektuellen doch sehr am Herzen liegen.“
Rainer Gebhardt
01. Juli 2016 21:10
Und so schmal der Grat auch ist, auf ihm ist Platz für viele Mitstreiter. Wer die Vergangenheit annehmen und auf Rechtfertigungen verzichten kann, hat das innere Gleichgewicht und die Selbstsicherheit, um selbst auf einem Seil die Balance zu halten. Hier freilich gilt dann der Rat des Artisten: Wer auf einem Seil geht, sollte leicht und beweglich sein, und was ihn drückt, soll er abwerfen.
Carl L.
01. Juli 2016 21:22
An Herrn Dr. Jongen und Herrn Kubitschek meinen herzlichen Dank für den Abdruck Ihres Gesprächs!

@Feuerturm

Wenn man den Artikel von Herrn Dr. Jongen in JF mit in Betracht zieht,
dann sollte in dem von Ihnen erwähnten Kapitel die Schlußfolgerung der "mutmaßlichen" Echtheit der Protokolle gezogen werden.s

Falls das so ist, verweise ich auf das Original: "Ein Streit in der Hölle" von Maurice Joly mit dem Untertitel "Gespräche zwischen Machiavelli und Montesqquieu über Macht und Recht". Dem Autor wurde 1870 der Prozess gemacht.
Exmeyer
01. Juli 2016 22:10
@ Morbrecht: "Im Fall der Juden war die Indienstnahme unfreiwillig und mit meist unangenehmen Folgen verbunden, während sie im Fall der Christen eine Indienststellung freiwilliger Art ist. Das ist nicht die Aussage eines einzelnen Zitates, sondern allgemeiner Gegenstand christlicher Theologie. Die Freiwilligkeit ist hier ein so zentraler Aspekt, dass niemandem die „vergiftete Gunst“ aufgezwungen werden soll, für den Dienst am Nächsten zu leben."

Schön am relevanten Thema vorbei. Vorbildlich! Aber für den "Dienst am Menschen" hätte ich einen ganz konkreten Terminvorschlag: Morgen, 10:30, Autoputzen, bei mir. - Nutzen Sie die Gelegenheit! Da werden Sie zudem mal lernen, was konkrete Definitionsmacht wirklich ist.
niekisch
01. Juli 2016 22:20
"Man kann nicht Geistesfreiheit fordern und sie nicht leben. Punkt."

Und wie wertvoll diese Freiheit ist, Ingo Bading, M.A., das kann letztlich nur derjenige Mensch ermessen, der das Unterdrücken dieser grundlegenden Freiheit wenigstens einmal am eigenen Leibe verspüren durfte. Wenn "Staatsschützer" deine Wohnung durchsuchen und dabei verwüsten und deine kleinen Kinder erschrecken, dich erkennungs-dienstlich behandeln, weil du ein Gedicht mit "rechtsradikalem Inhalt" verfaßt haben sollst, deine Bücherei weggeschleppt wird und du dich wunderst, warum ein Werk mit dem Titel "der liberale Gedanke - gewogen und zu leicht befunden" dabei ist, wenn deine Finger durch Tinte gewälzt werden und du einer Kamera ausgeliefert wirst, wenn dir behördlicherseits schriftlich verboten wird, mit Menschen zu reden, dann weißt du, was dieses Menschenrecht bedeutet und du wirst j e d e Meinung tolerieren, selbst verbotene Ansichten, wenn das Verbotsgesetz grundgesetzwidrig ist wie insbesondere der sog. Volksverhetzungs § 130 StGB.
Exmeyer
01. Juli 2016 22:21
@ deutscheridentitärer: "... den Daseinskampf eines anderen Staates kategorisch verurteilen sollten ..." Na, wer macht denn sowas! Ganz provokativ verstehe ich jede palästinensische Aktion, um das Vaterland zurückzuerkämpfen.
Ernst DeVie
01. Juli 2016 22:23
Ich glaube hier machen sich viel zu viele noch Illusionen über die Natur der Demokratie, Illusionen die ich bei langjährigen Vertretern der Blockparteien der BRD nie gefunden habe.

Vertreter von CDUSPDFDPGrüne verachten, meiner persönlichen Erfahrung nach, ihre Wähler und das Volk.

Sicherlich wer jahrelang auf der Straße Werbung für eine Partei macht merkt schnell das viele Leute arg uniformiert, uninteressiert und naive sind.
Praktisch macht sich das bei Wahlen durch opportunistisches Verhalten bemerkbar, man folgt den am stärksten erscheinenden Gruppen. Der Fußballfan nennt das Erfolgsfans und ein orientalischer Politikphilosoph hat das Gleichnis vom schwachen und starken Pferd gegeben, im Affenhaus ist der der Größte der am meisten Lärm macht.

Was heißt das für uns, wir müssen stark ,geeint und zielstrebig erscheinen, das Establishment der Blockparteien aber als inkompetenter, impotenter Kaiser ohne Kleider der kein Vertrauen verdient.

So leicht wie jetzt hat es uns das Establishment noch nie gemacht. Das sie dauernd signalisieren, man solle mit uns „Schmudelkindern“ nicht spielen schadet uns nicht, erhöht nur unsere Glaubwürdigkeit als Alternative zum Klüngel.
Das dümmste was die AfD machen könnte wäre eine Koalition einzugehen. Ein paar kurzsichtige Karrieristen mögen mit Aussicht auf Versorgungsposten darauf spekulieren, praktisch würde die AfD sich damit korrumpieren, ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren, untergebuttert werden wie die „Schill-Partei“.
Die Situation im Lande und Europa wird sich noch zuspitzen, verschlechtern, die Blockparteien als schwaches Pferd erscheinen lassen, sorgen wir dafür dass wir das starke Pferd sind dem sich alle zuwenden.
Ufi
01. Juli 2016 23:04
Danke, Herr Kubitschek, für den interessanten und aufschlussreichen Briefwechsel. Es werden darin einige Fragen beantwortet, die bisher - für mich - noch offen waren. Die Schriften des Herrn Gedeon sollte man in der Tat nicht überschätzen. Aus seiner Feder stammt auch ein (AfD-)Programmentwurf ("unaufgefordert eingesandte Manuskripte"?), in dem aber das brisante Thema (wohlweislich) nicht angeschnitten wird. Er scheint eben gerne längere Abhandlungen zu schreiben - und dabei die Welt erklären zu wollen ... Vielleicht hat aber die Beschäftigung mit dieser "causa" den (positiven) Nebeneffekt, dass in diesem Zusammenhang einige der vorhandenen Ungereimtheiten bzw. Ungerechtigkeiten zur Sprache kommen - siehe die vielen guten Kommentare zum Thema auf dieser Seite.
Jacky
01. Juli 2016 23:38
@deutscheridentitärer

aber den Überlebenskampf (oder auch Macht-/eroberungskampf) dieses Volkes gegen eine Welt von Feinden als moralisch schlecht, verbrecherisch usw zu verurteilen, das erschien mir schon immer als der Gipfel der Stillosigkeit.


Dann kann man nur hoffen, dass der Überlebenskampf unseres Volkes gegen eine Welt innerer und äusserer Feinde, die es offensichtlich gibt, nicht als "Gipfel der Stillosigkeit" verurteilt wird.
Leider ist aber Stefani Drese, SPD, ganz anderer Ansicht.
https://youtu.be/3cpuF3FtgR0
Rabenfeder
02. Juli 2016 01:39
Ich bleibe mal unverzagt am Ball und überarbeite meinen abgelehnten Beitrag in der Hoffnung, den Grundtenor nicht zu verändern und ihn dennoch so zu verbessern, dass die Hausordnung gewahrt bleibt und er nicht ganz so unsäglich ist:


Dr. Jongens Argumentation überzeugt mich nicht.

Im Gespräch mit Götz Kubitschek sagt er:

„Es zeigt vielmehr, wie die aktuelle historische und politologische Forschung die Äußerungen eines Autors einschätzt, nicht mehr und nicht weniger.
Die politische Entscheidung, die danach immer noch zu treffen der Partei nicht erspart bleibt, ist erstens, ob und inwieweit wir der Wissenschaft vertrauen wollen“


Haben wir denn Grund der aktuellen historischen und politologischen Forschung zu trauen, wenn sie sich zur jüdischen Frage äußert?



Dr. Jongen erklärt:

„(...) der Hauptgrund, der Wissenschaft in diesem Fall zu mißtrauen, wäre ja gerade, sie durch zionistische Einflüsse bereits für so weit korrumpiert zu halten, daß ein objektives Urteil gar nicht zu erwarten ist.“


...was vermutlich seiner Ansicht nach bereits einen weitgehend irrationalen und von obskuren bis hin zu verrückten Verschwörungstheorien geleiteten Wirrkopf entlarven würde.


Können wir denn von der diesbezüglichen Forschung überhaupt ein einigermaßen objektives Urteil erwarten?


Wir alle wissen, dass jede Forschung zum Holocaust in Deutschland nicht wissenschaftlich ist und es auch nicht sein kann, da es unter Androhung einer Freiheitsstrafe verboten ist, hier unbefangen Fragen zu stellen (Wissenschaft muss überprüfbar sein) und zu alternativen Ergebnissen zu gelangen.

Nun ist der Holocaust ja nur ein Unterthema zur jüdisch-deutschen Frage, wie sieht es denn mit anderen Aspekten aus?

Könnte etwa ein renommierter Professor am historischen Seminar der Universität zu Köln ein unzweifelhaft sich wissenschaftlicher Methoden bedienendes Buch wie „The Culture of Critique“ des amerikanischen Psychologen Kevin MacDonald veröffentlichen, ohne einen medial gesteuerten, nie dagewesenen „Shitstorm“ über sich ergehen lassen zu müssen, bevor er schließlich in Schimpf und Schande von seiner Uni davongejagt wird?

Selbstverständlich könnte er das nicht?


Wie viel Vertrauen verdient eine solche aktuelle historische und politologische Forschung dann?



Auch Herr Dr. Jongen kennt seine Pappenheimer in der Wissenschaft:

„Wer heute „nachweist“, daß Heideggers Seinsdenken nur eine metaphysische Verbrämung eines vulgären Antisemitismus sei, auf den warten hohe akademische Prämien, symbolischer wie auch pekuniärer Art.“


Wir haben also unzweifelhaft außerwissenschaftliche, nennen wir sie ideologische oder weltanschauliche Einflüsse auf die Forschung, die sich für entsprechende Gefälligkeits-“Wissenschaft“ auch nicht lumpen lassen.
Vielleicht ist Gefälligkeit eine wichtige oder sogar die wesentliche Eintrittsgebühr in die finanzierte Forschung?

Wir kennen solche Beispiele zur genüge -denken wir nur an den menschgemachten Klimawandel- und sicher nicht nur da, wo es um Juden geht.


Ist also ein gesundes Misstrauen gegen die aktuelle historische und politologische Forschung nicht zwingend angebracht?


Dr. Jongen setzt:

„Sie haben vorhin etwas sehr Wichtiges angesprochen, das uns, meine ich, zum Kern des Problems führt: daß es einer Selbstverkleinerung gleichkommt, sich als Opfer einer verschwörerischen Matrix zu sehen, daß es stattdessen notwendig ist, Verantwortung für seine Vergangenheit wie für sein aktuelles Handeln zu übernehmen.“


Ganz recht. Aber um derart eigenständig Verantwortung zu übernehmen, muss man zu einer freien Lagebeurteilung in der Lage sein.
Ein Verantwortlicher muss anhand seiner möglichst umfangreichen Informationen souveräne Entscheidungen treffen und nicht etwa gewisse Aspekte, nur weil sie vermint sein mögen und dem Verantwortlichen von einer fremden Autorität untersagt sind, ignorieren.
Wie verantwortlich kann jemand sein, wenn er fremdbestimmt ist, wenn nicht sein kann, was nicht sein darf?


Befassen wir uns also für einen Augenblick jenseits aller Scheren im Kopf mit dem zugrunde liegenden Thema:


Michael Klonovsky schreibt in seinem Netztagebuch:

„Dass dieses unbedeutende, in alle Welt zerstreute, permanenter Verfolgung ausgesetzte Völkchen heute einen Staat besitzt und Einfluss und Atomwaffen im Megatonnenbereich – Geist und Geld besitzt es ja seit Olims Zeiten –, dass es jenes Jerusalem zurückerobert hat, welches ihm in Zeiten der Demütigung als Verheißung immer vor Augen stand – „Und nächstes Jahr in Jerusalem!“ lautete der uralte Abschiedsgruß –, das gilt den Antisemiten natürlich als Beweis für seine weltherrschaftsplanende Teufelsbündnerei, während es unsereinem bloß ein Beleg dafür ist, was ein intelligentes, Intelligenz gezielt produzierendes und förderndes, starkes, an sich glaubendes Kollektiv – eine „Rasse“ im Sinne Spenglers, Rasse hat man, Rasse ist man nicht – gegen alle Widerstände zuwege bringen kann, mögen auch viele seiner Angehörigen an Diabetis und Unmanierlichkeit und manche an einer grässlichen Chuzpe leiden.“


Selbst Klonovsky leugnet ja nicht, dass es dieses „intelligente, Intelligenz gezielt produzierende und förderndes, starkes, an sich glaubendes Kollektiv“ gibt.
Inzwischen verfügt dieses netzwerkelnde Kollektiv nicht nur über mittelbare Machtmittel, wie international wirksame Geld-und Bankenmacht, Handelsmacht und Dominanz in der meinungsbildenden Industrie, in Film und Schrift, mittlerweile gibt es auch einen jüdischen Staat mit unmittelbaren Machtmitteln (im Megatonnenbereich).

Unbedeutend ist dieser erweiterte „Clan“, dieses Kollektiv, wenn es das denn jemals war, heutzutage nun wirklich nicht.


Dass man mit der jüdischen Macht kalkulieren muss, das wusste Adenauer noch:

„Und was nun die Judenfrage angeht - ich darf vielleicht Ihre Frage so verstehen: Warum haben Sie die Judenfrage als eine ungemein wichtige Frage immer bezeichnet und sich danach auch verhalten? Erstens aus einem Gefühl der Gerechtigkeit. Wir hatten den Juden so viel Unrecht getan, wir hatten solche Verbrechen an ihnen begangen, daß sie irgendwie gesühnt werden mußten oder wiedergutgemacht werden mußten, wenn wir überhaupt wieder Ansehen unter den Völkern der Erde gewinnen wollten. Und weiter: Die Macht der Juden auch heute noch, insbesondere in Amerika, soll man nicht unterschätzen. Und daher habe ich sehr überlegt und sehr bewußt - und das war von jeher meine Meinung - meine ganze Kraft daran gesetzt, so gut es ging, eine Versöhnung herbeizuführen zwischen dem jüdischen Volk und dem deutschen Volk.“


http://www.konrad-adenauer.de/index.php?cID=4202


Auch unter amerikanischen Juden ist man gelegentlich entwaffnend ehrlich:

http://articles.latimes.com/2008/dec/19/opinion/oe-stein19



Es mag sicherlich verständlich aus Sicht des fremden Kollektivs sein, aus schlichtem Selbstschutz möglichst umfassende Kontrolle bei denjenigen Völkern zu gewinnen und zu behalten, wo sie sich angesiedelt haben.
Jedes Volk mit Überlebenswillen würde es in ähnlicher Lage ohne eigenes Territorium vorziehen, mehr anstelle von weniger Macht und Kontrolle auszuüben. (es wären aber sicher nicht alle dazu in der Lage)
Das kann unsere Lagebeurteilung aber kaum tangieren, besonders wenn wir bedenken, das es historische Überlegungen gibt, nach denen Rom aus einer defensiven, sehr schutzbedürftigen Grundhaltung die antike Welt erobert hat...

Uns muss interessieren, wo die Interessen dieses Kollektivs sich mit unseren decken (was sicherlich in manchem der Fall sein dürfte) und wo sie sich fundamental unterscheiden (was nicht minder häufig der Fall sein dürfte).

Kann es im Interesse eines verantwortlichen und souveränen Volkes sein, wenn seine Meinung durch ein fremdes Kollektiv weitgehend bestimmt wird, wie auch seine Finanzen, seine Kultur, seine Politik und sein Handel?


Man kann natürlich leicht auch in einer Autosuggestion die Macht des besagten Kollektivs überschätzen und sich in eine bestimmte Sichtweise verrennen, keine Frage.

Vielleicht lesen wir dereinst einmal eine gute Analyse, die uns einsichtig macht, dass der jüdische Einfluss maßlos übertrieben wird, aber die sollte bitte fundiert sein und nicht mit „Nur Narren, Dunkelmenschen, Antisemiten und anderes Gelichter glauben...“ beginnen und enden.


Genau dies ist ja die Aufgabe einer möglichst freien und umfassenden Analyse, hier zu brauchbaren Entscheidungshilfen zu gelangen.



Es mag sein, dass es einfach klüger ist, den Mund zu halten.

Es mag ebenso sein, dass es aus strategischen Gründen ein Fehler ist, das Minenfeld zu räumen.


Ich halte allerdings das Gegenteil für zutreffend:

Wenn wir denn gesunden wollen, dann ist es unerlässlich, das verminte Gelände zu räumen und für Soldaten des Vaterlandes sollte es die vornehmste Aufgabe sein, vor dem Sturm und der Rückeroberung des Eigenen (und die soll doch die Souveränität und auch die echte Verantwortlichkeit im Guten wie im Schlechten, bei Licht und im Schatten, erkämpfen, oder etwa nicht?) eben diese Minenräumung durchzuführen.


Dr. Jongen formuliert:

„Diesen Gedanken möchte ich auf die Forderung nach einer „ressentimentfreien Rechten“ hin verlängern. (Um eine „ressentimentfreie Linke“ kämpft man andernorts – oft vergebens, wie wir wissen – eine analoge Aufgabe besteht aber auch auf rechter Seite.) Hier sollte man sich an Nietzsches unübertroffene Formel vom „amor fati“ erinnern: Akzeptanz alles Gewesenen, Verzicht darauf, die Vergangenheit umzulügen oder zurechtzubiegen. Erst dadurch wird man eigentlich frei. Im deutschen Fall sicher keine leichte Aufgabe, aber das ist nun einmal unser Pensum.“


Genau, verzichten wir darauf, die Vergangenheit umzulügen oder zurechtzubiegen und vor allem darauf, in einer Art umgedrehtem ressentiment einen traurigen und hochnotpeinlichen Eiertanz aufzuführen, der von vielem ein beredtes Zeugnis ablegt, aber ganz sicher nicht von irgendeiner Freiheit.

Befreien wir uns!
Telemachos
02. Juli 2016 02:59
Tiefen Dank an die Herrn Kubitschek und Jongen.

Zusammen mit dem Aufsatz 'Schlingen im Widerstandsmilieu' zeugt dieses Gespräch wieder einmal von einer behutsamen Redlichkeit, die sich - jenseits von wohlfeiler Beschwichtigung wie auch diesseits der Annahme von Geschehenem - der Irrpfade bewusst ist (vom Niveau der beiden Beiträge nicht zu schweigen, dennoch wiegt die Redlichkeit höher).

Auch @ Rainer Gebhardt sei Dank für den Kommentar.

Anbei eine kleine Bitte um Entschuldigung (zwecks eventueller Mißverständnisse):

Aufgrund meines Zeitmangels konnte ich an Lichtmesz' Lesung in der Gothia nicht teilnehmen. Es war somit weniger eine 'Allergie' Burschenschaften gegenüber (wobei ich sicherlich ein paar Schwierigkeiten damit habe), sondern Herrn Wegner's Hinweis auf die Pünktlichkeit, die ich nicht hätte einhalten können.
Ich wäre aber gerne gekommen, hätte ich gekonnt... .
Womöglich demnächst.

Euch Alles Gute.
enickmar
02. Juli 2016 03:32
Ich weiß noch, wie dem Pärchen von der Artgemeinschaft relativ bestimmt und unentschleunigt, aber ruhig, höflich und erklärend durch Götz nahegelegt wurde, die IfS-Akademie „Christentum“ zu verlassen. Paßte von der Denke her einfach nicht. Souverän, selbstverständlich und klar. Das hat mich damals beeindruckt.
sahe
02. Juli 2016 06:56
Eine interessante Dieskussion hier. Wenn ich einige kurze Bemerkungen dazu abgeben darf. Beide "Richtungen" haben im Grunde recht. Leider leben wir in der BRD und eine wirklich freie Diskussion ist in einem öffentlichen Forum einfach nicht möglich. Würde man dezidiert auf die Vorwürfe gegen den hochanständigen Herrn Gedeon eingehen, würde man sich strafbar machen.

Um den Ernst der Lage klar zu machen in dem sich unser Volk befindet einige kurze Notizen aus dem völlig überfremdeten Bielefeld. Und unter Volk verstehe ich nicht wie im BRD-Sprech eine bunt zusammengewürfelte zufällige Mischbevölkerung a la Özil und Boateng sondern immer noch unsere über Jahrtausende gewachsene ethnisch homogene Sprach-, Abstammungs- und Schicksalsgemeinschaft der Deutschen, der Nicht-Nur-Pass-Deutschen, der Bio-Deutschen.

Die Stadt Bielefeld teilt in ihrem Propaganda-Newsletter „Bielefeld integriert“ (Mai 2016) mit, daß im Jahr 2015 offiziell 3.397 Asylanten Bielefeld zugewiesen worden sind (2014: 637 Asylanten). Dies sind aber nur die geschönten Zahlen.

Keine Angaben wurden zu denjenigen gemacht, die sich illegal hier aufhalten, da im Zuge der verfassungswidrigen, von Angela Merkel verursachten Grenzöffnung Hunderttausende unregistriert und ungeprüft nach Deutschland eingedrungen sind.

Der Deutsche Bundestag hat in seiner Entschließung 13/4445 (übrigens interessanterweise mit den Stimmen der überfremdungsfanatischen Grünen!) vom 23.04.1996 die chinesische Massenzuwanderung nach Tibet scharf verurteilt, weil dadurch die tibetische Identität und Kultur „zerstört“ wird. Der Bundestag forderte damals mehrheitlich die chinesische Regierung auf, sofort die Ansiedlung von Chinesen in Tibet einzustellen, da dies einer planmäßigen Zerstörung der tibetischen Identität, Kultur und ethnischer Bevölkerung entspräche. Dies sei ein Verbrechen.

Mehr noch, laut Beschluß der Vereinten Nationen Nr. 260 A III vom 09.12.1948 begeht Völkermord, wer eine rassische, durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe (hier: das deutsche Volk) ganz oder teilweise zerstören will. Die geplante Umvolkung mittels Millionen art- und kulturfremder Ausländer stellt also Völkermord am deutschen Volk dar.

Folgerichtig hat der Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter, vergangene Woche erklärt, Deutschland dürfe kein arabisches Land werden und Deutschland habe schon zu viele „Flüchtlinge“ aufgenommen. Offenbar hatte der Dalai Lama das furchtbare Los seiner Landsleute in Tibet vor Augen, die – wie wir – durch illegale Masseneinwanderung von Völkermord und ethnischer Auslöschung bedroht sind.

Wohin das zusätzlich führt, konnte man an der Festnahme von drei islamischen Terroristen erkennen, die, als Asylanten eingewandert, schwerste Anschläge in Düsseldorf geplant hatten. Sie wollten Bomben zünden und mit Maschinengewehren in die Menge schießen. So bedanken sich also manche Asylanten bei uns! Mit Massenmord und Terror!

Dagegen stehen wir auf: So freue ich mich zum Beispiel darüber, daß Patrioten derzeit wieder eine große Flugblatt-Aktion in Bielefeld-Brake durchfühen, wo Mitte Juni 2016 vier große Containerbauten von Asylanten bezogen werden sollen. Weitere Containerbauten gibt es bereits in BI-Senne (Industriestraße) und BI-Mitte (Ernst-Rein-Straße und Pestalozzischule). Vor Eröffnung der Asylanten-Container plant die Stadtverwaltung jeweils „Tage der offenen Tür“. Anwohner sollten dort ihren Unmut über Überfremdung und Umvolkung äußern.

Über allem weht in dieser Republik der verwesende Geist der marxistischen 1968er-Revolte und der „Frankfurter Schule“. Während in der Türkei jeder wegen Volksverhetzung angezeigt wird, der es wagt, die tatsächliche oder angebliche Ermordung von 1,2 Millionen Armeniern in der Türkei als „Völkermord“ zu bezeichnen, ist es in der BRD genau umgekehrt: Hier wird jeder wegen Volksverhetzung angezeigt, der gewisse historische Ereignisse anders akzentuiert als von der offiziellen BRD-Linie vorgezeigt. Was sich historisch ereignet hat, wird nicht der geschichtlichen Ermittlung wertneutral überlassen, sondern ist wie in Stein gemeißelt vom BRD-Lumpenestablishment vorgeschrieben.

Das Grundproblem hierbei ist, daß sich die BRD von der Grundüberzeugung als das exakte Gegenteil des historischen Nationalsozialismus versteht und darauf ALLE seine Wertentscheidungen ausrichtet. Die katastrophale Willkommensdiktatur für die 1,5 Millionen Invasoren, das Tolerieren von sexuellen Exzessen (zuletzt in Darmstadt), von Terrorismus, Mord und Totschlag (zuletzt an Niklas in Bonn-Bad Godesberg) sowie auch das Bestrafen und Unterdrücken aller anständigen, prodeutschen Kräfte in diesem Land, die sich (auch) für historische Wahrheit und Gerechtigkeiten einsetzen, ist nur aus diesem historischen Fehlverhalten der gesamten politischen Klasse „verstehbar“.

Doch ein solches Politikverständnis, das von nonkonformen Dissidenten vehement ablehnt und bekämpft wird, führt nur zu
– Vaterlandsverrat und Verneinung der Nationen
– Ehrlosigkeit, Nihilismus
– Geschichtsvergessenheit und –verfälschung
– kulturellen Zerfall und „pro-EU-Denken“
– Auslöschung der nationalen und rassischen Identität
– „Refugees welcome“-Wahnsinn
– Ende Deutschlands und des deutschen Volkes

Von ganz unten bis ganz oben muß also diese politische Klasse der BRD und das ihr zugrundeliegende komplett falsche Denken angegriffen und letztendlich auch besiegt werden. Viele Patrioten und auch meine Wenigkeit werden alles dafür einsetzen, um diesen historischen Kampf um das Überleben unseres Volkes als ethnisch homogenes Volk, das NICHT in einem multikulturellen Albtraum aufgelöst werden darf, siegreich zu beenden.
Karl K
02. Juli 2016 07:06
Herr Dr. Gedeon sollte nach dem Lesen dieses ausgezeichneten Gesprächs den Beschluss fassen, sein Mandat aufzugeben und als einfaches Mitglied in dieser Partei bleiben.

Seine Ansichten sind für mich diskursfähig – nicht aber im Rahmen einer rechten Partei, die die zukünftige bürgerliche Mitte unseres Volkes vertreten will. Die noch immer gegebene Diskursunfähigkeit in dieser Thematik im öffentlichen Raum verdanken wir nun einmal unseren Massenmedien, die mit der Instrumentalisierung von Hitler und Auschwitz Volkserziehung in einer Weise betreiben, die den Untergang dieses Volkes mit aller Macht beflügelt, ersetzt durch eine vermeintlich bunte, weltoffene, tol(l!)erante Zivilgesellschaft, an deren Ende sich jene Weltanschauung durchsetzen wird, die die stärkste unter den „multikulturellen“ ist. So war es in der Weltgeschichte stets, als vermeintlich Unterdrückte, die sich nicht assimilierten, schließlich zu Unterdrückern wurden.

Der Zionismus ist das derzeit erfolgreichste nationalstaatliche, ethnozentrierte Konzept auf der Erde; man sollte ihn sich zum Freunde machen. Dieser Staatsgedanke entspricht idealerweise den Forderungen von Comenius, die dieser angesichts der Schrecken des 30jährgen Krieges formulierte. Dass der Zionismus dabei ist, sich seit nunmehr über einem Jahrhundert sein Land durch blutige Kämpfe zu erobern sucht, sollte auch in einem historischen Kontext gesehen werden. Sein Herrschaftsanspruch ist ungebrochen und sein Einfluss in der bedeutendsten Weltmacht und ihrer Vasallen besser denn je. Daran könnten sich meine deutschen Landsleute ein Beispiel nehmen statt zu jammern.

Dass sich der Zionismus zweier Narrative bedient, die auch auf unsere Kosten gehen, ist nun einmal selbst verschuldet; es waren „unsere“ Eliten in Politik, Medien und Hochschulen die meinten, diese zur Verbesserung unseres Ansehens in den USA auch noch strafrechtlich befestigen zu müssen und damit die Aufklärung Kants mit seinem „sapere aude“ rückabzuwickeln. Des Gesslers Hüte wollen der Form nach gegrüßt sein! Dass wir darin Übung haben, sollte uns auch unsere Geschichte lehren. Die Freiheit des Denkens und Redens wurde stets nur dem zu Teil, der selbst in dieser Freiheit zu leben vermag. Das Politische hat andere Regeln.
Gustav
02. Juli 2016 10:09
@ Karl K

"Der Zionismus ist das derzeit erfolgreichste nationalstaatliche, ethnozentrierte Konzept auf der Erde; man sollte ihn sich zum Freunde machen."

Bereits 1915 erklärte einer der führenden Zionisten seiner Zeit, der spätere Gründer und langjährige Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC) Nahum Goldmann:

„Man kann den Sinn und die historische Mission unserer Zeit in einem zusammenfassen: Ihre Aufgabe ist es, die Kulturmenschheit neu zu ordnen, an die Stelle des bisher herrschenden gesellschaftlichen Systems ein neues zu setzen. Alle Um- und Neuordnung besteht nun in zweierlei: in der Zerstörung der alten Ordnung und im Neuaufbau der neuen.

Zunächst einmal müssen alle Grenzpfähle, Ordnungsschranken und Etikettierungen des bisherigen Systems beseitigt und alle Elemente des Systems, die neu geordnet werden sollen, als solche, gleichwertig untereinander auseinander gelegt werden. Sodann erst kann das zweite, die Neuordnung dieser Elemente, begonnen werden. Sodann besteht denn die erste Aufgabe unserer Zeit in der Zerstörung: Alle sozialen Schichtungen und gesellschaftlichen Formungen, die das alte System geschaffen hat, müssen vernichtet, die einzelnen Menschen müssen aus ihren angestammten Milieus herausgerissen werden; keine Tradition darf mehr heilig gelten; das Alter gilt nur als Zeichen der Krankheit; die Parole heißt: was war, muß weg.
Die Kräfte, die diese negative Aufgabe unserer Zeit ausführen, sind auf wirtschaftlich-sozialem Gebiet der Kapitalismus, auf dem politisch-geistigen die Demokratie. Wie viel sie bereits geleistet haben, wissen wir alle; aber wir wissen auch, daß ihr Werk noch nicht ganz vollbracht ist. Noch kämpft der Kapitalismus gegen die Formen der alten, traditionellen Wirtschaft, noch führt die Demokratie einen heißen Kampf gegen alle Kräfte der Reaktion. Vollenden wird das Werk der militärische Geist. Sein Uniformierungsprinzip wird die negative Aufgabe der Zeit restlos durchführen: Wenn erst alle Glieder unseres Kulturkreises als Soldaten unseres Kultursystems uniformiert sind, ist diese Aufgabe gelöst.
Dann aber erhebt sich die andere, die größere und schwierigere Aufgabe: der Aufbau der neuen Ordnung. Die Glieder, die nun aus ihren alten Verwurzelungen und Schichtungen herausgerissen sind und ungeordnet, anarchisch herumliegen, müssen zu neuen Formungen und Kategorien geschlossen werden. Ein neues, pyramidales, hierarchisches System muß errichtet werden.“


Nahum Goldmann: Der Geist des Militarismus. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart/Berlin 1915, S. 37f.
Albert
02. Juli 2016 11:11
Bei einigen Kommentaren hier stellt es mir die Haare zu Berge. Als überzeugter Christ kann ich nur meine Solidarität mit Volk und Staat Israel bekunden. Alles andere wäre unredlich und schäbig.
J.Pinneberg
02. Juli 2016 11:24
Machen wir nicht einen Fehler, wenn wir uns mit einem Einzelfall (Gedeon) derart intensiv in der Öffentlichkeit auseinandersetzen? Es ist offensichtlich, dass sich hier intellektuelle Zeitgenossen mit beträchtlichem politischen und geschichtlichen Wissen austauschen.
Verloren geht mir dabei das große Ganze: Wir müssen eine Strategiedebatte eröffnen, die unsere Außenwirkung im Blick hat. Für eine breite Akzeptanz der AfD in der Öffentlichkeit ist es weder von Relevanz ob Herr Gedeon Antisemit oder Antizionist ist, und welche umstrittenen Schriften er in der Vergangenheit veröffentlicht hat. Nur eine für die Öffentlichkeit überzeugende Selbstdarstellung der Partei bei der Bewältigung von Krisen ist von elementarer Bedeutung: Erstens: Geschlossenes Auftreten nach außen, zweitens: Lösen von Problemen hinter verschlossenen Türen, drittens: Präsentation der Lösung möglichst ohne lange Diskussionen nach außen.
Viele haben es hier schon gesagt: Das ständige, von der Angst vom Establishment in eine Ecke gedrängt zu werden bestimmte, Distanzieren von Diesem oder Jenem muss zugunsten eines gesunden Selbstbewusstseins aufhören, da es sowieso nicht geglaubt wird.
Rainer Gebhardt
02. Juli 2016 11:55
@Rabenfeder

Trotzdem die Frage: Was haben deutsche Unzulänglichkeiten, um nicht zu sagen: Machtlosigkeiten, mit den Juden zu tun?
Rainer Gebhardt
02. Juli 2016 12:00
@ Gustav

Nahum Goldmann hat mit den Juden so viel zu tun wie Hitler mit den Deutschen und Stalin mit den Russen.
Nordlaender
02. Juli 2016 12:14
@ Albert

"Bei einigen Kommentaren hier stellt es mir die Haare zu Berge. Als überzeugter Christ kann ich nur meine Solidarität mit Volk und Staat Israel bekunden. Alles andere wäre unredlich und schäbig."

Zwei Herren zugleich zu dienen könnte zu unlösbaren Loyalitätskonflikten führen. Welche Prioritäten Sie im Fall der Fälle setzten, läßt sich unschwer erahnen.
Henry Steyer
02. Juli 2016 12:19
@karl

Wenn das Ziel des Anti-Rassismus ist, die Rassen zu vermischen, und des Rassismus sie zu erhalten, dann läßt sich der Satz "gegen Rassismus und Antisemitismus" in "für die Abschaffung der Rassen außer der Semitischen" am natürlichsten übersetzen. In Wirklichkeit sollen aber vor allen Dingen die weißen Menschen weg vermischt werden. Der Absicht entschprechender wäre also: "für die Abschaffung der Weißen und die Erhaltung der Semiten".
Arrow
02. Juli 2016 12:25
Ich empfehle die katholische Perspektive auf die “Juden“. Dann erkennt man: Religiös handelt es sich bei ihnen um eine frühprotestantische Sekte. Abgefallen von Christus sind sie wegen ihrer Sola-Scriptura-Ketzerei, ihrer falschen Rechtfertigungslehre, ihrem Streben nach Erwähltheitsnachweis durch Werke des innerweltlichen Erfolges.
Mit dieser nüchternen Sichtweise bewaffnet, erkennt man dann, was schon Pius X. ggü. Theodor Herzl bekannt hat: Dass das heilige Land geistigerweise dem Auserwählten Volk (Katholiken) gehört, leiblicherweise den Palästinensern, dass Israel sich zu nennen allein der Kirche erlaubt sein kann. Dann kann man auch nüchtern grobe Linien zeichnen: Von Kain über die Baalspriester und Prophetenmörder bis zu Kaiphas. Dies alles wären dann aber rein religiöse, rein innerkatholische Erklärungsansätze, die durch die Religionsfreiheit gedeckt wären und die gar keinem Minenfeld politischer Diskurse zurechenbar wären.
Karl K
02. Juli 2016 12:32
@ Gustav

Darin ist kein Widerspruch. Man muss nur die doppelgesichtige Natur des Zionismus verstehen, der auf nationalstaatlicher Ebene, dort wo das Diaspora-Judentum lebt, zu zerstören sucht was er für seine eigene Bekenntnisgemeinschaft als und im Staat fordert. Diese Doppelgesichtigkeit ist es, die die Vorsitzenden des Zentralrats der Juden und anderer prominente Protagonisten an dem Verhalten der Menschen in ihren Heimat- oder Gastländern geißeln, was sie wiederum für ihre eigen Wertegemeinschaft in Israel mit gleicher Radikalität verteidigen.

Es liegt an uns selbst, diese Stimmen unbeachtet zu lassen, zur Kenntnis zu nehmen, dass es Herrschaftsansprüche gibt, von Zionisten und anderen – und die eigenen dagegen zu setzen, wenigstens für unser Land. Die Herrschaftsansprüche sind im Judentum älter als der politische Zionismus. Schon Benjamin Disraeli formulierte diesen Herrschaftsanspruch in seinem Alroy in beeindruckender Weise.
Gustav
02. Juli 2016 14:02
@ Albert

"Als überzeugter Christ kann ich nur meine Solidarität mit Volk und Staat Israel bekunden. Alles andere wäre unredlich und schäbig."

Schon 1919 hatte die von den USA eingesetzte King-Crane-Kommission davor gewarnt, das zionistische Maximalprogramm weiter zu verfolgen. Wenn man, hiess es in diesem Bericht, das von Präsident Wilson geforderte Selbstbestimmungsrecht der Völker ernst nehme, dann müsse man konstatieren, dass die überwältigende Mehrheit der palästinensischen Araber den Zionismus total ablehnten. Den Palästinensern eine unbegrenzte jüdische Einwanderung zuzumuten, laufe darauf hinaus, den Palästinensern das Selbstbestimmungsrecht zu verweigern, schrieben die Mitglieder der Kommission in ihrem Bericht.

Und der britische Aussenminister Curzon, Nachfolger von Lord Balfour, der 1917 die Errichtung einer „nationalen Heimstätte“ für die Juden in Palästina befürwortet hatte, fand diese Idee plötzlich gar nicht mehr so plausibel. Im Jahre 1920 schrieb er: „Die Zionisten wollen einen jüdischen Staat mit Arabern als Holzfäller und Wasserträger. Das wollen auch viele Briten, die mit den Zionisten sympathisieren. ... Das ist nicht meine Sicht der Dinge. Ich will, dass die Araber eine Chance haben, und ich will keinen Staat der Hebräer. Da gibt es ein Land mit 580 000 Arabern und möglicherweise 60 000 Juden (keineswegs alle Zionisten). Für uns gilt das edle Prinzip der Selbstbestimmung. ...“

Dieses Selbstbestimmungsrecht wird den Palästinensern bis heute vorenthalten.

Und das soll ein Christ unterstützen?
Gustav
02. Juli 2016 14:17
@ Rainer Gebhardt

"Nahum Goldmann hat mit den Juden so viel zu tun wie Hitler mit den Deutschen und Stalin mit den Russen."

So wie der Islam nichts mit den "Islamisten" zu tun hat?

Ein Islamist ist Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, aber der Koran ist ihm unbekannt, bzw. geht ihn nichts an?

Hitler war auch als Österreicher Deutscher, oder sollen wir die gemeinsame Geschichte (So sind die Landesteile des Hauses Habsburg fast ein Jahrtausend lang ein integraler Teil des Deutschen Reichs, und die Fürsten Habsburgs während der letzten 368 Jahre zugleich die Könige und Kaiser Deutschlands) einfach vergessen?

Bei Stalin als Georgier passt es, seine Vorgänger passen erstaunlicher Weise mehr zu Nahum Goldmann. Was war der jetzt nochmal?
Gustav
02. Juli 2016 14:57
@ Karl.K

"Schon Benjamin Disraeli formulierte......"

Und was hat sich denn seit den Warnungen Disraelis geändert? Haben wir Macht über das Geld? Haben wir Macht über die Medien? Haben wir Macht über unsere Politiker? Nein!!!

Unsere "Eliten" waren so dumm, diese Institutionen aus der Hand zu geben! Jetzt haben WIR den Salat!

Verantwortlich sind aber nicht WIR, sondern unsere "Elite" und die sie korrumpierende Plutokratie!

Wenn die Medien korrumpiert sind, was soll der Wähler dann für eine Verantwortung haben? Soll er wissen, was er glauben kann? Woher??
Kaliyuga
02. Juli 2016 15:43
Vor wenigen Umrundungen dieses unvermittelt arm gewordenen, seit Milliarden um unser eingesetztes und verglühendes Zentralgestirn elliptisch kreisenden Planeten, zum Ausgang eines Sommers, nach, an sehr namhaftem Ort meta-galileisch vollbrachter Arbeit, am Südufer des Lago di Benaco (Garda):

Sturm zog unvermittelt auf und peitschte heftig die grünlich durchlichteten Wellen, vom Abendlicht gestreut. Anlaß genug, ich schrieb, auf der Terrasse eines, schon das!, uneigentlich von Fiorentinern betriebenen Lokals und versuchte, das großartig Geschaute auf Papier, in magere Worte zu fassen.

Vom bis dato leeren Nachbartisch eine plötzliche, etwas neugierige Ansprache, reichlich ungebührend auf Englisch oder Deutsch statt auf Italienisch, ob ich Dichter sei. Meine auf die Armut des zeitgenössischen Ingenieurberufs verweisende Verneinung mündet‘ auf das frühe und dann auch späte, an Abraham Sancta Clara, Rilke und Hölderlin gerichtete Wirken eines weltbekannt Gewordenen, an Marburg und Freiburg geprüften Meßkirchners.

Woraufhin die intrusive Erkundung des Gegenüber, in ein reiches Haus an der Ostküste eines derzeit noch weltbestimmenden bekannten Staates auf die Erde geworfen, in vehemente, ja grundsätzliche Aversion mündet. Auf meine Frage, was er denn von Heidegger tatsächlich gelesen habe, die arme Antwort, er sei Historiker, kein Philosoph. Am Ende seine ernsthaft und recht herzlich ausgesprochene, nach dieser Aversion freilich nie und nimmer, zur Heilung freilich nötige, wahrgenommene Einladung in sein in süddeutscher Millionenstadt, meiner Heimat, liegendes Haus. Übrigens sei er auch zum Protestantismus konvertiert und darin Priester. Freilich kann er seiner Wurzeln nicht entbehren.

Wie krankhaft wund und schmerzhaft und entscheidend nun alles liegt!

Danke, Herr Kubitschek, daß Sie Elementares ins Thema bringen.
Karl K
02. Juli 2016 15:43
@ Gustav

Es dämmert vielen Redakteuren, dass ihnen die Leser fortlaufen, den Parteien die Wähler. Sie haben nun das größte aller Probleme am Hals, das ihrer Glaubwürdigkeit.

Das Internet wird uns den Teil der Freiheit zurückgeben, den wir verloren haben. Und solche Seiten wie hier werden wahrgenommen! Es waren 40 Jahre, die zur totalen politischen Verblödung führten, seit den unseligen Jahren der Fritz Fischer, Max Horkheimer und Jürgen Habermas et al. und einer Historikerzunft, die sich widerstandslos dem §130 StGB unterworfen hat.

Wir brauchen nun besonnene, ernstzunehmende Denker wie Götz Kubitschek, die nicht ins Sektiererische verfallen, dass immer nur zur Selbstisolation mit gesamter Fantruppe geführt hat.

Wer den Zionismus bekämpft, stärkt ihn, führt zum Schulterschluss aller jener, die seit weiland Amaleks Zeiten gelehrt bekommen, dass „sie sich in jeder Generation erheben um uns zu vernichten.“

Wir sollten keinerlei Feindbild gegenüber dem Judentum üben und uns in Israelkritik öffentlich extrem zurückhalten; das Politische erfordert ein anderes Verhalten als das Private. Deshalb ist die Gedeon-Debatte keine, die ernsthaft im Politischen geführt werden sollte. Pädagogik heißt, Kinder dort abholen wo sie stehen – und Politik ist gegenüber dem Wähler auch nichts anderes – nur das noch die Gegnerschaft des Establishments einbezogen werden muss. Und nicht nur da schrillen schon beim Wort Jude – falls es nicht in der aller verehrungswürdigsten Form geschieht – alle Alarmglocken. Kritik an Israel, der AIPAC, an Sabah und Adelson usw. können und sollten wir gern der Linken überlassen.

Wie hieß der schöne Sponti-Spruch: „Wir können [die Eliten] nicht zwingen uns die Wahrheit zu sagen, wir können sie nur zwingen immer dreister zu lügen.“
Jacky
02. Juli 2016 16:39
Auf ein Interview mit dem Holocaust-Historiker, Prof. Mommsen, im Deutschlandfunk von 2011, möchte ich aufmerksam machen.
http://www.dailymotion.com/video/xiv7g1_deutschlandfunk-interview-mit-holocaust-historiker-prof-hans-mommsen_news


Deutschlandfunk
Interview mit Prof Hans Mommsen zum Thema Holocaust

Der bedeutende BRD-(System)-Historiker und Holocaust-Experte Prof. Hans Mommsen rechnet im Deutschlandfunk mit seinen zunehmend unqualifizierten und linksfanatischen Historikerkollegen wie auch dem BRD-Geschichtsbetrieb ueberhaupt ab.

Sehr enthuellend von einem Insider, dem man aus Altersgruenden nichts mehr tun kann und der sich nun doch an sein in gewissen Fragen der Zeitgeschichte freilich auch anfechtbares Wissenschaftsethos erinnert. Alles in allem eine Charakterstudie zum Thema Futterneid oder Politisch korrekte Zeitgeschichtsschreiber unter sich im Kampf um die bestbezahlteste Pfruende.


Sinngemäß sagt Prof. Mommsen, eine sachliche Diskussion wäre empfehlenswert, bevor eines Tages rechte Historiker "jeden einzelnen Stein umdrehen".

Leider ist bis heute keine sachliche Diskussion möglich.
Exmeyer
02. Juli 2016 17:06
Kalt im Eigenen Interessen denken: Das Leid anderer Nationen interessiert mich nicht. Die Wehrleidigkeit ist darüber abstoßend. Schuld ist eine Kategorie von Sklaven.
Wenn eine Rechte so eine Schwäche zeigt, wird ihr kein Erfolg beschieden sein. Wenn ich das Verhalten von Stein und Meuthen bewerte, so ist dies auch bezweckt.
Stärke und Verläßlichkeit ist DAS Odium, das ihr Erfolg bringen kann. Das vorsorgliche zurückschrecken vor einer Maus, beschert den Gegeneffekt. Daß sich darüber hinaus die Hälfte der Kommentierer als das erweißt, was nach der Gauß'schen Verteilungskurve eher im Bereich von 20% zu erwarten war, ist eine Überraschung.
tOm~!
02. Juli 2016 17:40
Nero: Mir kommt das schon alles so vor wie in den USA. Da muss jeder der was werden will auch das Glaubensbekenntnis an Israel und die Juden ablegen.
Ist es jetzt Israel und das Judentum, was entscheidet wer hier das Sagen hat?


"Rabbi Ovadia Yosef says in Saturday sermon that 'Goyim have no place in the world - only to serve the People of Israel'; ADL chief calls Yosef's words 'hateful' and 'divisive'."

read more: http://www.haaretz.com/jewish/adl-slams-shas-spiritual-leader-for-saying-non-jews-were-born-to-serve-jews-1.320235
enickmar
02. Juli 2016 19:27
@ Gustav

Das Interessante daran ist, daß Goldmann diesen Aufsatz in der Schriftenreihe „Der deutsche Krieg“ veröffentlichte und die formulierten Aufgaben dem deutschen „Militarismus“ (nicht dem Judentum) zugedacht hatte. Dem revolutionären Anspruch des NS nicht ganz unähnlich.
Feuerturm
02. Juli 2016 20:06
@ Carl L.

Das von mir zitierte Buch ist äußerst lesenswert.

Wer Angst vorm Lesen hat, weil es eine meinungveränderne Wirkung entfalten kann, darf sich dieser Gefahr natürlich nicht aussetzen.

Auf den besagten 3 von 431 Seiten zieht Gedeon mitnichten die Schlussfolgerung der Echtheit der Protokolle. Er regt dafür zum Denken an, was die Aufgabe von Büchern ist (Notabene: Wahrheiten können unbequem sein).

Darum geht es doch:

der Öffentlichkeit müssten die genauen Textstellen, die Anstoß erregen, vorgelegt werden (wer nimmt Anstoß? Auch das ist nicht unerheblich!).

Jemandem den Antisemitenstempel auf die Stirn zu drücken, so wie es die Medien derzeit tun, ist steinzeitlich.

Die von Herrn Kubitschek angedeutete Entschleunigung der Ereignisse (d. h. die Entscheidungsfindung aufgrund der Fakten, nicht aufgrund des medialen oder politischen Drucks) mag schon bald zur notwendigen Klarsicht in dieser Angelegenheit führen. Ich bin gespannt (und zuversichtlich).
Nordlaender
02. Juli 2016 20:25
@ Karl K

"Pädagogik heißt, Kinder dort abholen wo sie stehen – und Politik ist gegenüber dem Wähler auch nichts anderes – nur das noch die Gegnerschaft des Establishments einbezogen werden muss. "

Wo der Nachbar nebenan steht, möchte ich mit zwei in diesem Jahr gemachten Impressionen beschreiben.

I) Kleine Gesellschaft von ca. acht Personen. Ausgesprochen reges Gespräch zum Thema, was aus KARSTADT wohl wird. 2010 wurde der Geschäftsmann Nicolas Berggruen als Retter gefeiert. Eine akademisch gebildete Teilnehmerin wähnte, daß es sich bei Berggruen wohl um einen Skandinavier handle. Ich korrigierte sie, so wie man eben jemanden beiläufig darauf hinweist, daß der Schauspieler Lino Ventura kein Franzose, sondern ein Italiener ist. Nun gehört aber Berggruen einem ganz besonderen Volke an, er ist kein Italiene und auch kein Schwede nicht. Abruptes Schweigen allerseits, nahezu unheimlich, als versagte in einer Diskothek plötzlich die Stromversorgung.

II) Telephonat mit einem alten Bekannten, dieser rechter Sozialdemokrat, Merkelsympathisant. Man ist im gleichen Viertel aufgewachsen, tauscht vergnügt Jugenderinnerungen aus, meine politische Einstellung verschweige ich, nur in homöopathischen Dosen reiche ich auch schon mal meine Perspektive weiter. Nun geht es um Politik, den Irakkrieg, ich spreche auch von der ehemaligen Außenministerin, der Jüdin Madeleine Albright. Nur einige Sekunden werden es gewesen sein, gefühlt aber endlos lange Schockstarre am andern Ende der Leitung. Dann aggressive Reaktion, welche Bedeutung ihre Herkunft denn hätte. Schließlich abrupter Wechsel des Gesprächsthemas.
Nero
02. Juli 2016 21:21
Ich habe vor kurzem das Büchlein
Vergeßt Broder! Sind wir immer noch Antisemiten? - Günter Scholdt gelesen. Darin war ein interessanter Verweis zu den Protokollen der Weisen von Zion auf Seite 44 ff.
In der Times of Israel vom 01.06.2012 wird ein Artikel veröffentlicht indem der Autor sagt, dass die AIPAC quasi das Äquivalent zu den Weisen von Zion ist. Der ganze Artikel hier.

Speichern kann man eine Website, indem man auf Einstellungen geht, dann Drucken und dann Speichern als PDF auswählt.



@ tOm~!

Danke für den Link. Wir werden bald auch sowas wie die AIPAC und die ADL hier haben. Unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit wird hier Politik betrieben. Und zwar von allen Seiten. Gerade unsere Kirchen sind hier ein Negativbeispiel.
Ernst DeVie
02. Juli 2016 22:15
Nordlaender schrieb:
Abruptes Schweigen allerseits, nahezu unheimlich, als versagte in einer Diskothek plötzlich die Stromversorgung.

Jude – Ein Wort das vielen Deutschen das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Furcht, Terror, Traumatisierung.
Karl K
02. Juli 2016 22:56
@ Nordlaender

Natürlich ist Madeleine Albright Amerikanerin und Leo Baeck Jude; dieses oszillierende Spiel mit Identitäten sollten Rechte schweigend genießen, nicht durchbrechen; es wäre ein Eigentor mit Anlauf. Die Täter-Opfer-Kategorisierung erlaubt keine unerlaubten Zuschreibungen. Sie schadet uns Deutschen nicht. Auf der BBC-Umfrage stehen wir seit längerem auf einem der vordersten Plätze – unsere very spezial friends auf einem der letzten. Also gefährden wir nicht durch unbedachte Äußerungen unser Ansehen in der Welt.
Nordlaender
02. Juli 2016 23:29
@ Karl K

"Natürlich ist Madeleine Albright Amerikanerin und Leo Baeck Jude"

Verstehe ich jetzt nicht. Mancher BUNTER Bürger kennt Albright, die allermeisten kennen Baeck hingegen nicht. Analog zu Albright wäre Baeck als Deutscher, Posener, Preuße einzuführen, um keinen Anstoß zu erregen.
Heißest du etwa Hinz? Heißest du etwa Kunz? Ach wie gut, daß niemand weiß ...
Götz Kubitschek
02. Juli 2016 23:35
die debatte ist hiermit beendet, und allen teilnehmern will ich nochmals den grundsatz hinter unserer arbeit einschärfen, denn im eifer des gefechts, das ist mein eindruck, vergißt doch mancher, daß wir metapolitik betreiben, um zum erhalt unserer nation beizutragen. daher ein vorabstück aus der druckausgabe der august-sezession, in der das gespräch in erweiterter fassung erscheinen wird.
dank an alle und gruß!
götz kubitschek

Unsere tatsächlich historische Aufgabe ist, die Spurbreite des schmalen Grats zu halten, und weder den reduzierten Erklärungen des Establishments noch denen falscher, aber suggestiver Theorien zu folgen. Kurz: Wir dürfen keine jener Funktionen annehmen, die das »System« für uns vorgesehen hat. Nur auf diese Weise schaffen wir unserer Zukunftsdebatte einen zur Selbstbehauptung notwendigen Freiraum, und ein solcher ist eine nichthintergehbare Notwendigkeit. Arnold Gehlen hat das in Moral und Hypermoral so ausgedrückt: »Es ist die bedeutendste geschichtliche Leistung einer Nation, sich überhaupt als eine so verfasste geschichtliche Einheit zu halten, und den Deutschen ist sie nicht geglückt. Die Selbsterhaltung schließt die geistige Behauptung und das Bekenntnis einer Nation zu sich selbst vor aller Welt ebenso ein, wie die Sicherheit im großpolitischen Sinne, und diese besteht in der Macht eines Volkes, den physischen wie den moralischen Angriff auf sich unmöglich zu machen.«

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