24. August 2016

Wessen Feind steht rechts? (2 von 2)

von Martin Lichtmesz / 41 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Im ersten Teil dieses Beitrags beschrieb ich, wie sich die Herrschenden als "die Demokratie", "die Verfassung" oder "die freiheitlich-demokratische Grundordnung" ausgeben, um sich gegen Kritik abzuschirmen. Insbesondere bedeutet dies, daß nicht Merkels Asyl- und Einwanderungspolitik und deren Folgen - wie das Vorantreiben der Islamisierung und des Bevölkerungsaustauschs - als Gefahr für "die Demokratie" betrachtet werden, sondern vielmehr der "populistisch" genannte Einspruch dagegen.

Ins gleiche Horn stieß am 13. 8. in der Zeit auch der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, Andreas Wirsching. Betitelt war der Beitrag "Die Gefährdung der westlichen Demokratien", und bebildert mit einem Foto von einer Pegida-Demo, auf der russische und identitäre Fahnen zu sehen sind, sowie Transparente, die Merkel als "Mutter Terroresia" darstellen und via DDR-Ikonographie selbst der Demokratiefeindlichkeit bezichtigen (DDR heißt übrigens "Deutsche Demokratische Republik").

Wirsching verortet den Feind "rechts" (die Fauxelle hat es bereits klug kommentiert), und bemüht zu diesem Zweck eine historische Analogie:
Es gibt eine aus der Geschichte bekannte Konstellation, die für eine Demokratie besonders gefährlich ist. Sie entsteht dann, wenn sich auf ihrem Boden extremistische Kräfte bilden, die sich einerseits gegenseitig bekämpfen, die am Ende aber auch die Demokratie selbst treffen wollen. Fast alle europäischen Demokratien in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg sahen sich einem solchen Zweifronten-Konflikt gegenüber.

In Bezug auf die zwanziger und dreißiger Jahre mit ihrer "latenten Bürgerkriegsatmosphäre" und dem "gleichzeitigen Aufkommen starker kommunistischer und extrem nationalistischer Bewegungen", schreibt er:
Zugleich brachte dies vor allem auf Seiten der politischen Rechten neue Gefahren mit sich: die Versuchung nämlich, aus der Konstellation Kapital zu schlagen und mit Extremisten zum Zwecke der eigenen Machterweiterung zu kollaborieren.

Die Geschichte kann man auch ganz anders und etwas präziser erzählen: Wirsching spricht wohl die Tatsache an, daß die politische Rechte dieser Zeit sich zu einem großem Teil dem Faschismus zuwandte, da dieser als einziger stark genug schien, die kommunistische Bedrohung abzuwehren. Eine analoge Bewegung fand allerdings auch auf der Seite der politischen Linken statt. Diese Verzerrung zugunsten der extremen Linken hat System. Über die Zeit nach 1945 schreibt Wirsching:
Am aufregendsten waren noch die Sechzigerjahre. Aber der Ansturm einer starken sozialen Bewegung von links blieb überwiegend in verfassungskonformen Bahnen, und den durchaus vorhandenen extremistischen Tendenzen standen letztlich doch keine vergleichbaren extremistischen und demokratiefeindlichen Kräfte von rechts gegenüber.

Na, kommt wohl darauf, was man mit "überwiegend" meint - ein radikaler Teil dieser "starken sozialen Bewegung von links", der breite Sympathien von der linksalternativen Studentenszene bis weit ins Kulturestablishment hinein genoß, hat es seinerzeit immerhin via RAF, Bewegung 2. Juni und ähnlicher Terrorzellen geschafft, dutzende Menschen zu ermorden und den bundesdeutschen Staat in die schwerste Krise seit seiner Gründung zu stürzen.

Als nächstes bügelt Wirsching die Frage nach dem Islam hinter dem islamischen Extremismus ab, indem er auf angeblich vollendete, angeblich alternativlose Tatsachen verweist:
Seit den Achtzigerjahren haben sich die westlichen Gesellschaften gewandelt. Zumindest in ihren Ballungszentren sind sie unter dem Einfluss der Globalisierung zu multikulturellen Einwanderungsgesellschaften geworden. Das ist nicht mehr zu leugnen. Und die Frage, ob der Islam denn nun zu Europa (oder zu Deutschland) gehöre, ist im Kern falsch gestellt. Denn wer sie angesichts von mehr als 15 Millionen Muslimen in der Europäischen Union verneinen wollte, würde die Realität verkennen.

Mit anderen Worten: der Bevölkerungsaustausch ist bereits so weit fortgeschritten und der Islam bereits so tief im europäischen Boden verpflanzt, daß daran nichts mehr zu rütteln ist. Die 15 Millionen Muslime haben bereits jetzt durch ihre bloße Anwesenheit die Identität Europas umdefiniert, und die restlichen 495 Millionen Menschen, die in der EU leben und keine Muslime sind, sollen dies widerspruchslos akzeptieren.

Nun, dann sollte man aber auch nicht "die Realität verkennen", daß dieser "Wandel" ein demographisch dynamischer Prozeß ist, der noch lange nicht abgeschlossen ist und nach Wunsch der Regierenden "der westlichen Gesellschaften" auch nicht abgeschlossen, gebremst oder gestoppt werden darf, sondern vielmehr vorangetrieben werden muß, um eine Art "manifest destiny" zu erfüllen. Das heißt de facto, daß auch die Frage, ob man den "Großen Austausch" will oder nicht, "im Kern falsch gestellt" ist, weil es hier angeblich keine Infragestellungen mehr geben darf.

Dieser "Wandel" habe, so räumt er ein, nun schon seit den achtziger Jahren "neue Verunsicherungen" erzeugt:
Das für jede Demokratie bedeutsame Verhältnis von Staat, Nation und Individuum ist deutlich komplizierter geworden. Und die für die modernen Massengesellschaften so zentralen Fragen nach Komplexität und Identität stellen sich neu. Denn wenn die Welt komplexer und undurchsichtiger wird, dann steigen auch die Identitätsunsicherheiten.

Man kann es auch weniger euphemistisch ausdrücken: die multikulturalistische Politik hat die relative ethno-kulturelle Homogenität der Staatsvölker zunehmend aufgelöst, und damit auch die essentiellen demokratischen Grundlagen, von denen etwa noch die Väter des Grundgesetzes eindeutig ausgegangen sind. Man kann nun gewiß sagen, die Gesellschaft wäre "komplizierter" und "komplexer" geworden, und dabei so tun, als handele es sich bei dieser "Komplexitätssteigerung" um etwas grundsätzlich Gutes oder Wünschenswertes. Die unvermeidlichen Folgen einer solchen Politik für die Identität eines Volkes verlinkt Wirsching im Handumdrehen mit dem "Extremismus":
Historisch betrachtet, schlägt seine Stunde vor allem dann, wenn drei Voraussetzungen zusammenfallen: wenn - erstens - Identitäten noch nicht gesichert sind oder erst etabliert werden müssen; wenn - zweitens - bestehende Identitäten kultureller Veränderung ausgesetzt sind und damit als akut bedroht empfunden werden; und wenn - drittens - zur Identitätsunsicherheit ökonomisch begründete, soziale Statusunsicherheit tritt.

All das ist in den westlichen Demokratien seit den Achtzigerjahren der Fall, in jüngster Zeit jedoch verstärkt wirksam.

Das ist zweifellos der Fall, und Wirsching wird wohl genauso gut wie jeder andere wissen, warum diese Probleme gerade "in jüngster Zeit verstärkt wirksam" werden. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit Merkels Schleusenöffnung, in der die politischen Tendenzen von vier Jahrzehnten Einwanderungspolitik kulminieren.

Als erste extremistische "Bewegung" nennt Wirsching den Islamismus, bei dem er sich aber nicht lange aufhält:
Im radikalen Islamismus haben sich Formen der Identitätskonstruktion durchgesetzt, die mit ihrer quasi-religiösen und antiwestlichen Ideologie die Welt mit Gewalt in ein Freund-Feind-Schema zwingen wollen.

Die Rede vom "Freund-Feind-Schema" spielt natürlich auf Carl Schmitt an, dessen Formel für den "Begriff des Politischen" bekanntlich so lautete:
Die spezifisch politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung von Freund und Feind.

Die Invokation der "Freund-Feind"-Kategorie dient hier wie üblich vor allem der sinistren Suggestion. Grob gesagt, zerfallen die Schmitt-Ausleger an dieser Stelle in zwei Lager: diejenigen, die akzeptieren, daß "Freund-Feind" im Bereich des Politischen konstitutiv ist, ob man will oder nicht; und diejenigen, die glauben, Feindschaft ließe sich vermeiden und in Schmitts Definition einen finsteren Imperativ sehen.

Daß Wirsching wohl eher zur letzteren Gruppe gehört, zeigt die seltsame und unklare Formulierung, der radikale Islamismus wolle "die Welt mit Gewalt in ein Freund-Feind-Schema zwingen". Man kann es auch einfacher sagen: der radikale Islam hat die westliche Welt zum Feind erklärt, aus welchen Gründen auch immer. Sobald einer einem anderen die Feindschaft erklärt, aus welchen Gründen auch immer, wird letzterer, sofern er diese Feindschaft nicht wünscht, gewiß "mit Gewalt in ein Schema gezwungen"; man kann eine Feindschaftserklärung nicht einseitig verweigern, und dann so tun, als wäre diese Feindschaft aus der Welt geschafft. Der selbsternannte Feind wird nicht aufhören, Feind zu sein, weil man die Kategorie Freund/Feind nicht akzeptiert.

Dies ist wohl der Grund, warum Wirsching abschwächend von einer "Herausforderung" spricht:
Für die westlichen Demokratien ist diese Form des radikalen Islamismus und seiner terroristischen Aktion eine enorme Herausforderung. Wirklich gefährlich wird die Lage aber dadurch, dass diese Herausforderung auf zutiefst identitätsunsichere Gesellschaften trifft.

Hier ist es deutlich formuliert: die "wirkliche Gefahr" - für wen? - ist offenbar weniger der radikale Islamismus, als die "identitäre" Abwehreaktion der "herausgeforderten" Gesellschaften. Das korrespondiert wohl mit einer Feststellung, die ich im ersten Teil dieses Beitrags traf:
Die Macht des regierenden Kartells wird vom islamischen Terrorismus nicht bedroht.

Indes könnte man obigen Absatz auch aus identitärer Sicht unterschreiben, wenn er auch einer ganzer Menge Ergänzungen bedarf. Was nun die Konstitution dieser "zutiefst identitätsunsicheren Gesellschaften" betrifft, so fällt Wirschings Analyse eher trübe und therapeutisierend aus:
Kulturelle Unklarheiten, soziale Statusunsicherheiten und Verlustängste verdichten sich zur Ablehnung von Einwanderung.

Hier versucht Wirsching aus der "Ablehnung der Einwanderung" ein rein psychologisches Adaptionsproblem zu machen: er spricht von "Unklarheiten", "Unsicherheiten", "Ängsten", ohne auf deren konkrete Ursachen einzugehen. Was aber, wenn diese Ablehnung konkrete, handfeste, rationale Gründe hat, die nicht zuletzt mit dem sozialen Verhalten breiter Einwandererschichten zu tun haben?

Er macht noch eine weitere psychologische Volte, indem er den Einwanderungsgegnern unterstellt, sich gleichsam einen "sichtbaren Gegner" zu schaffen, in dessen Richtung sie ihren "Hass" kanalisieren können, den er als "diffus vagabundierend" bezeichnet, also als grundlos und irrational, auf der Suche nach einem (im Grunde beliebigen) Feindbild:
Alle Vorbehalte und Ressentiments, die ganze "Politikverdrossenheit" und der Populismus, die seit Jahren beklagt werden - all das hat nun einen einzigen Bezugspunkt: einen "Feind", gegen den die Mobilisierung - und Gewaltausübung -

"Gewaltausübung"?
so viel einfacher ist als gegen die diffusen Mächte der Komplexität, heißen sie nun Finanzkapitalismus oder Euro-Zone, Globalisierung oder Gemeinsamer Markt.

Abgesehen von diesem wohlfeilen Mythos vom "diffus vagabundierenden Haß" und der Gleichsetzung von "Haß" und "Feindschaft": es ist nun keineswegs so, als ob diese genannten "diffusen Mächte" keinen Bezug etwa zur laufenden Politik der "replacement migration" haben, die von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble bis hin zu George Soros und der UNO als Heilmittel gegen überalternde Gesellschaften angepriesen wird (und ich nenne hier nur ein paar exemplarische Beispiele), um nur einen Strang der globalistischen Agenda zu nennen. Es gibt heute bezeichnenderweise kaum einen Reichen und Mächtigen der westlichen Welt, von Hillary Clinton über Mark Zuckerberg bis hin zum Papst, den Königen der Wall Street und den Chefs der Großkonzerne, der nicht eine Welt der "offenen Grenzen" propagiert. Daraus folgt, daß die Politik der offenen Grenzen und der Masseneinwanderung im Interesse dieser Reichen und Mächtigen sein muß.

Wie Jim Goad sarkastisch auf Takimag anmerkte:
When was the last time you heard an open-borders globalist referred to as “right-wing”?

Ein paar Zeilen weiter oben hat Wirsching noch selbst eingeräumt, die "westlichen Gesellschaften" seien "unter dem Einfluss der Globalisierung zu multikulturellen Einwanderungsgesellschaften geworden".  Diese "Globalisierung" ist allerdings nicht bloß eine unvermeidliche Naturgewalt (sie ist in der Tat ein weltgeschichtlicher Prozeß, der in vielen Aspekten bereits mit der Neuzeit begann); sie ist in ihrer heutigen Form zugleich eine Ideologie, eine universalistische Utopie und eine politische Strategie, in der es nach Thomas Barnett um die Sicherstellung eines vierfachen globalen Flusses geht:
Dabei gilt es, vier Arten von Ressourcen in einen ausbalancierten, aber möglichst ungehinderten Fluß zu bringen: den Fluß von Menschen (migration), von Rohstoffen, von langfristigen finanziellen Investitionen (long-term investment, foreign direct investment) und von „Sicherheit“ („der ‚Export‘ von US-Sicherheitssystemen zu regionalen „Märkten“, mit anderen Worte militärische, „weltpolizeiliche“ Kontrolle des ganzen Erdballs). „Balance“ bedeutet hier, daß in einem globalen System nichts den Fluß von Ressourcen aus Überschuß- in Defizitgebiete behindern darf.


Aus dieser Perspektive erscheinen uns die verfemten "populistischen" Widerstandsbewegungen in einem klareren Licht. Es gibt einen gemeinsamen Nenner in der gängigen Parade derer, die von den Mainstreammedien als Schurken portraitiert werden: Von Farage bis Orban, von Petry bis Le Pen, von Trump bis Putin, ja sogar Erdogan kann man zu dieser Reihe zählen. Apropos Brexit brachte es Alain de Benoist auf den Punkt:
Wir können die Bedeutung dieses Wahlergebnisses nur verstehen, wenn wir es in einem größeren Kontext betrachten, nämlich der globalen Revolte gegen die selbsternannten Eliten. Der Aufstieg des Populismus ist nur dessen sichtbarster Ausdruck, und das "Nein" des Jahres 2005 zur Europäischen Verfassung markiert den symbolischen Beginn dieser Entwicklung. Brexit kann nicht vom Aufstieg des Front National in Frankreich, der FPÖ in Österreich, Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien, von der Wahl einer Vertreterin der Fünf-Sterne-Bewegung zur Bürgermeisterin von Rom, vom Trump- und Sanders-Phänomens in den USA usw. getrennt betrachtet werden. Überall revoltiert das Volk gegen eine übernationale Oligarchie, die es nicht länger unterstützt. Das ist die Essenz von Brexit: die Bestätigung einer fundamentalen Bewegung. Nach Jahrzehnten der Expansion gehen wir auf eine Ära der Sezessionen zu.

Benoist hebt hier den wirtschaftlichen Aspekt hervor - dieser ist allerdings untrennbar mit der Masseneinwanderung verbunden, die von den übernationalen Oligarchien offen gefördert wird.

Vereinfacht auf einen Nenner gebracht, verläuft die Frontlinie heute zwischen Globalisten und "Souveränisten" oder "Nationalisten" im weitesten Sinne. Ich benutze diesen verfemten Begriff wertneutral, um sämtliche Bewegungen zu bezeichnen, die sich für nationale oder identitäre oder patriotische Selbstbehauptung und Souveränität einsetzen. Sie werden von ihren globalistischen Feinden auch kaum mehr unterschieden. Nie zuvor wurde solches Schindluder mit Begriffen wie etwa "extremistisch" oder "rassistisch" getrieben. Sämtliche Maßstäbe sind verloren gegangen, wodurch heute alle souveränistisch-identitären Bewegungen, Gruppen, Parteien in einen einzigen Topf gesteckt werden, seien sie noch so liberal, moderat und kompromißbereit. Längst wird die AfD so behandelt, als stünde sie auf demselben Level wie die dahinsiechende NPD.

Das ist ein Indiz für die Zuspitzung der Feindschaft: das globalistische Lager duldet nicht mehr den leisesten Widerspruch, ohne mit Verfemung, Verleumdung und, ja, "Haß und Hetze" zu reagieren. Darum steht der Feind des globalistisch orientierten politisch-medialen Machtkomplexes "rechts" und kann nur rechts stehen, sofern damit die souveränistische Position der Selbstbehauptung und der Verteidigung des Eigenen gemeint ist; und wer sich ihm entgegenstellt wird rasch "rechts" einsortiert - wie es inzwischen sogar einer Sahra Wagenknecht geschehen ist.

Nun muß aber selbst Wirsching trotz seiner diffusen Suggestionen zugeben, daß sich der "Haß" der "Populisten" und angeblichen "Extremisten" de facto weniger auf "Fremde", Asylanten oder Einwanderer richtet, sondern vor allem auf die Merkel'sche Regierung. Auch das versteht er zu trivialisieren, indem er den Einwanderungsgegnern à la Nassehi  "Komplexitätsreduktion" im Sinne einer intellektuellen Vereinfachung unterstellt. (Nassehis Formel wird übrigens im aktuellen Heft der Sezession nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen.)

Natürlich ist es "einfacher", mit ein paar zugespitzten Slogans auf die Straße zu gehen, und gegen Merkel und ihre Regierung zu "mobilisieren", als über die Komplexitäten der Globalisierung und die "unsichtbaren Gegner"  nachzudenken. Aber wie soll das Volk oder ein Bürger, der von seinen verbrieften demokratischen Rechten Gebrauch machen will, denn sonst seinen Einspruch kundtun? Wirsching gibt sich alle Mühe, diesen Einspruch und Widerstand zu diffamieren:
Die populistischen Bewegungen in den westlichen Demokratien werden nicht aufhören, mit der Konzentration auf einen "Feind" ihre Chance zu verbessern, Menschen zu mobilisieren und damit die unausweichliche Komplexität der modernen Welt in schändlicher Weise scheinbar zu reduzieren. Und sie werden nicht aufhören, die Demokratie als zu korrupt und zu "volksverräterisch" zu diffamieren, um mit dem "Feind" fertig zu werden.

Wieder dasselbe Muster: die herrschenden Eliten werden mit der "der Demokratie" schlechthin gleichgesetzt. Wer sie als korrupt oder "volksverräterisch" bezeichnet, kann per se keine guten Gründe und Argumente haben. Er hat lediglich ein psychologisches Bedürfnis nach einem Feindbild und ist nicht schlau genug, die "unausweichliche Komplexität der modernen Welt" zu bewältigen, wie es etwa Angela Merkel auf profunde Weise vormacht ("Wir schaffen das!", "Ist mir egal, ob ich schuld am Zustrom der Flüchtlinge bin. Nun sind sie halt da.“, "Wir alle leben auf einem Planeten, jeder Mensch hat ein Leben, und jeder hat das Recht, dieses Leben nachhaltig und sinnvoll zu verleben." etc. etc. etc. )

Das Ergebnis wäre, halbwegs analog zu Weimar, ein Zweifrontenkrieg "der Demokratie" gegen Islamisten und Populisten:
 Am dramatischsten ist die Situation derzeit in Frankreich, wo sich auf der Basis einer universalistisch verstandenen Demokratie Parallelgesellschaften etabliert haben; wo viel von der "intégration ratée" die Rede ist; wo der Terror vermehrt zuschlägt; wo gesellschaftliche Verlustängste grassieren; und wo inzwischen jeder Dritte seine Stimme dem rechtsextremen Front National geben würde.

Analog auf Deutschland bezogen wird Wirsching an dieser Stelle wohl an die beiden wichtigsten "rechtspopulistischen" Player denken, AfD und Pegida. Er bleibt aber wie alle verbissenen Verteidiger des Status Quo und der Machthaber den konkreten Nachweis schuldig, warum das Establishment in Frankreich und Deutschland nun "demokratischer" sein soll als deren Herausforderer. Es gibt in deren Parteiprogrammen und politischen Forderungen nichts, was man allen Ernstes als "demokratiefeindlich" oder "extremistisch" bezeichnen könnte. Es ist, ich wiederhole es, im Grunde ganz einfach: die Machthaber bezeichnen sich selbst als "die Demokratie", um ihre Kritiker als "Demokratiefeinde" stigmatisieren und diskreditieren zu können.

Dazu müssen oft allerlei rhetorische Umwege eingeschlagen werden. Man höre etwa die Argumentation eines "Experten" namens Nico Lange, der in den heiligen Hallen der Konrad-Adenauer-Stiftung folgendes von sich gab:
Nehmen Sie das Thema Demokratie. Das nimmt im Programm (der AfD) weit vorn viel Raum ein. Die AfD stellt sich da gegen die Tradition der parlamentarischen repräsentativen Demokratie in Deutschland. Sie versucht, das Bild einer direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild zu entwickeln. Das ist typisch für rechtspopulistische Parteien. Diese gehen zumeist davon aus, dass in Volksabstimmungen die Mehrheit so abstimmt, wie sie es für richtig halten. Darin steckt ein anti-pluralistischer Geist. Das Bild, das hier gezeichnet wird, entspricht nicht dem der parlamentarischen Demokratie der Bundesrepublik.

Michael Klonovsky kommentierte dies in seinem Netztagebuch vom 5. August so:
Halten wir ergriffen fest: Das Prinzip Mehrheitsmeinung entspricht nicht der parlamentarischen Demokratie der BRD.

Auch Bundespräsident Gauck, der vollständig hinter der Linie Merkels steht, ließ verlauten, daß er Volksentscheide für keine sehr gute Idee hält (man achte auf die Verwendung des Wörtchens "kompliziert"):
„Oft müssen schwierige Kompromisse gefunden werden, die mit Volksentscheiden nicht möglich sind.“ Deshalb sei im Bund die „repräsentative Demokratie die beste Antwort auf die komplizierten Probleme unserer Zeit“.

Nun, wo sind sie denn nun, diese "besten Antworten" unserer weisen Entscheidungsträger? Sind die Leute zu blöd, zu feindbildsüchtig, zu unterkomplex, sie in all ihrer Glorie zu sehen, und sollen darum lieber nicht mitentscheiden dürfen? Thorsten Hinz bemerkte nüchtern:
Die repräsentativen Demokraten der Bundesrepublik sind offensichtlich unfähig, Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu geben. Sie wursteln sich durch und lassen aus Konflikt- buchstäblichen Explosivstoff entstehen. Sie haben Deutschland in einen Staat mit ethnisch-kulturellen und religiösen Bruchlinien verwandelt, in dem der Terror zum Alltagsphänomen zu werden droht.

Parallel dazu verflüssigt die europäische Währungsunion unser Erspartes und bringt den Kontinent ins Taumeln. Beides hätten Volksentscheide verhindern können. Schon die theoretische Möglichkeit, daß die direkte Demokratie ihre Fehlentscheidungen korrigiert, hätte die Funktionseliten zu mehr Vor- und Umsicht gezwungen.

Im übrigen gibt es wenig, was den Begriff der repräsentativen Demokratie länger rechtfertigt. Der Bundestag ist zur Abnickmaschine degeneriert. Als Kontrollorgan der Exekutive und zentrales politisches Diskussionforum des Landes ist er ein Totalausfall. Eine parlamentarische Opposition und alternative Politikangebote existieren faktisch nicht. Unverdrossen generiert die politische Klasse sich über inzüchtige Parteienlisten.

Dies alles im Hinterkopf, bekommt die schneidende Feinderklärung Wirschings im Sinne der Machthaber ihren ganz besonders Geschmack:
Demokraten und der Demokratie verpflichtete Medien sollten daher auch keinen allzu großen Ehrgeiz entwickeln, mit den Feinden der Demokratie zu "diskutieren", sie zu "verstehen".

Womit wieder einmal bewiesen wäre, daß kein Weg an Carl Schmitts Erkenntnis vorbeiführt: es gibt im Bereich des Politischen kein Ausweichen vor der Bestimmung Freund-Feind; ausnahmslos jeder, der im Bereich des Politischen denkt und agiert, muß sie treffen; das liegt in der Natur des Politischen.

Die Kirsche auf der Torte ist allerdings dies:
Denn alle historische Erfahrung zeigt: Feinde der Demokratie sind Demokratiefeinde auch deswegen, weil sie sich hinter einer Realitätsverweigerung verschanzt haben. Propagandistisch gefangen in einem Weltbild, das nur noch Freund und Feind kennt, entziehen sie sich dem rationalen Argumentieren und dem ihm zugrunde liegenden Erfahrungswissen.

Wort für Wort dieses Absatzes, insbesondere was die "Realitätsverweigerung" und den Verzicht auf "rationales Argumentieren" betrifft, ließe sich ohne Abstriche auf die Merkel'sche Regierung, ihre linksextremen Kettenhunde von Kahane bis Antifa und ihre medialen und akademischen Propagandisten anwenden - nicht zuletzt auf Wirsching selbst, der offenbar "gefangen in einem Weltbild" ist, das "nur noch Freund und Feind (der 'Demokratie', also der herrschenden Eliten) kennt", und darum seinerseits auf "schändliche Komplexitätsreduktionen" zurückgreifen muß.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (41)

Sven B.
24. August 2016 13:38
Gewiß ist, daß "die Frontlinie heute zwischen Globalisten und „Souveränisten“ oder „Nationalisten“ irgendwie im weitesten Sinne" verläuft.

Nicht zu leugnen ist weiterhin, daß "linksextremen Kettenhunde von Kahane bis Antifa" eine häßliche Rolle spielen.

Gleichwohl: die (oft verdeckten) Akteure der Vorgänge sind an ihrer Ideologie bzw. deren Versatzstücken zu erkennen, die sich aus ihrem seit Jahrzehnten zu beobachtenden Handeln ermitteln läßt. Der Westen insgesamt, die USA voran, befinden sich geistig in der Hand von Leuten, die genau wissen, was sie tun und wen sie bekämpfen. Professor Wirsching ist nur ein x-beliebiger Links-Protestant, dessen liberales Herz allem dienen würde, wenn es nur "gut" wäre.

Deshalb erschien mir dieses Ansatz hier -- die Analysten in den USA sitzen doch gewissermaßen an der Quelle -- doch in seiner Richtung aussagefähiger, schlagkräftiger als die Zitatensammlung von Herrn Lichtmesz:

http://www.transcriptdb.com/watch/G8pPbrbJJQs/00:26/die-wurzeln-des-kulturmarxismus-finden-sich-in-dem-was-gemeinhin-als-frankfurter-schule-bekannt-geworden-ist

Carl Schmitts Freund-Feind-Lehre hat aber eindeutige Feindbilder zur Vorraussetzung -- und die Gegenseite allein ist darin, wie Herr Lichtmesz richtig erkennt, der bislang ungeschlagene Weltmeister!
Winston Smith 78699
24. August 2016 14:25
De Benoist (und, wie ich finde, Jim Goad im Zitat auch) sagt wieder einmal jenes Unerhörte, welches man nur vereinzelt wie gerüchteweise Lebenszeichen einer Legende vernimmt: rechts und im klassisch-konservativen Sinne antigroßkapitalistisch-"links" könnten sich finden, aber werden künstlich auseinandergehalten. Man lese oder höre sich "Der kommende Aufstand" einfach mal an und urteile selbst, wieviel von dieser antiglobalistischen, anti-konzernkapitalistischen und kulturkritschen Schrift auch von identitär oder rechts kommen könnte.

Möglicherweise irrt diese Idee, aber möglicherweise werden wir auch über die Größe des eigenen Lagers getäuscht: wie wenn man die eigene Streitmacht durch Attrappen und doppelte Durchfahrten vergrößert - nur umgekehrt beim Feind: verkleinernd. Mag sein, dass auch der genannte identitäre, oder wie ich sage klassisch-konservative Antikapitalismus eine Chimäre ist, aber immerhin bin ich dann in dieser Fiktion aufgewachsen, immerhin konnte man mit (nicht "unter") Kanzler Schmidt den Eindruck eines stimmigen Gesamtkonzeptes erhalten. Und selbst wenn es - wie am Ende überhaupt alles - unwahre und illusionäre Anteile haben könnte: irgendwann schluckt man jeden bitteren Saft, der helfen könnte gegen diese Pest.

Äußerst unklar erscheint mir jedoch, wo in Deutschland man mit dieser Frage nach Gemeinsamkeiten anklopfen könnte, mit wem denn noch offen reden - im sogenannt linken Lager scheint es ja äußerst rigide und totalitär zuzugehen, ich male mir da Gruseliges aus. Vielleicht wird im letzten Moment der gemeinsame Feind "da oben" oder "da drüben" die Kräfte einen und der Rede von Freund-Feind-Schema einen unerwarteten Sinn geben.

Auch ein solches ist eine Komplexitätsreduktion, wie es Erste-Hilfe-Regeln im Vergleich zum Medizinstudium sind, wie es ein Aphorismus oder die zehn Gebote oder die Sonne-Uhr-Regel des Pfadfinders sind. Eine gute Komplexitätsreduktion zu finden setzt die Durchdringung des Gebietes voraus und ist daher eine Expertenleistung. Dass die Reduktion aber als Vorwurf bewußt erwähnt wird, zeigt folgendes:

Den Mächtigen ist ihr eigenes Spiel am Ende wohl nur allzu gut bewußt, immer hin- und herspringen zu können zwischen der Rolle das Handelnden und der des unsichtbar Gezwungenen, die Verantwortung abschiebend, für vermeintliche Erfolge jedoch Applaus fordernd. Ganz ähnlich wie beim Islam ("WIR Muslime sind beleidigt/fordern ..." gegenüber "DEN Islam gibt es nicht") scheint es immer wieder derselbe, letztlich primitive Illusionstrick zu sein, den die Bürger aber so langsam wie einen Tanzschritt durchschaut haben dürften und immer enger mitgehen können, offenen Auges, den Gegner fester im Blick.

A propos „Gewaltausübung“ und um das mal zurechtzurücken: https://de.wikipedia.org/wiki/Allport-Skala Auf der Allport-Skala ist etwa der Umgang mit AfD-Mitgliedern und Sympathisanten längst auf Stufe 4 von möglichen fünf angelangt, nur noch eine essentielle Steigerung ist möglich.
KW
24. August 2016 14:38
Man kann dagegen leben. Keine ausländischen Waren kaufen, da man sowieso keine Kontrolle hat, wie das Produkt entstanden ist, woraus es besteht, das gilt für Waren, Lebensmittel oder Finanzströme. Ihr Werk besteht aus Betrug und Kriminalität. Kontrollieren läßt sich das durch den Einzelnen, weil er seiner Regierung die Kontrollfunktion nicht mehr zutraut. Oder traut jemand noch der deutschen Regierung, Justiz, dem Bundestag oder den Medien? Also wird die Welt wieder kleiner werden müssen.
Gustav Grambauer
24. August 2016 14:58
"... 'replacement migration' ..., die von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble bis hin zu George Soros und der UNO als Heilmittel gegen überalternde Gesellschaften angepriesen wird (und ich nenne hier nur ein paar exemplarische Beispiele), um nur einen Strang der globalistischen Agenda zu nennen. Es gibt heute bezeichnenderweise kaum einen Reichen und Mächtigen der westlichen Welt, von Hillary Clinton über Mark Zuckerberg bis hin zum Papst, den Königen der Wall Street und den Chefs der Großkonzerne, der nicht eine Welt der 'offenen Grenzen' propagiert."

Aber die meinen mit "offenen Grenzen" nicht alle dasselbe.

Die Paladine sind in einer hochkomplexen Zwickmühle eingekeilt, dem uralten Antagonismus von Zentral- und Partikulargewalt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_AG

Der "rechte" Teil des Sylter Pöbels will die Massenflutung nicht so sehr aus rassischem Selbsthaß, aus ideologischer Verblendung oder aus Begeisterung für die NWO, sondern nur, weil er in seiner überragenden taktischen Schläue das Mutterland als Überlaufbecken für seinen - sonst unkontrollierbar werdenden - kolonialen Hinterhof, den Balkan, nutzen will.

Hier ist die Sollbruchstelle

https://www.youtube.com/watch?v=-5Kfm2JIj9I

https://www.youtube.com/watch?v=bUce3iasfeI

für die Spaltung der deutschen Kurfürsten im Jahr 2010, die zugleich ganz sicher damals zentraler Ausgangspunkt für die Überlegungen zur Gründung der AfD war (welche ihnen später mit dem Putsch gegen Henkel und Lucke und vor allem mit dem Durchmarsch des nationalrevolutionären Flügels allerdings entglitten und um die Ohren geflogen ist).

(Genauso markiert TTIP die Sollbruchstelle für die Eliten-Spaltung nach links hin.)

Der Vasallenstatus wird z. B. hier

http://analitik.de/2016/08/01/merkel/

recht gut erkannt, hier

http://analitik.de/2016/08/09/vasallenuntreue-und-das-liebe-geld/

wurde präzisert. Die beiden Aufsätze könnte ich unterschreiben, wenn sie sich grundsätzlich nicht auf Merkel sondern, sagen wir, beispielsweise auf Schäuble bezögen (den Du ja in Deiner Aufzählung mit genannt hast, lieber Martin).

Merkel hingegen steht ganz offenbar auch innerlich in Niebelungentreue zum Soros-Klüngel und zur Soros-Ideologie:

https://www.youtube.com/watch?v=n_pevZBOkmE

Wegen dieser Bilder - und nicht wegen

https://www.youtube.com/watch?v=1EGNvG1gMP0

wird sie auch alsbald gestoppt, denn sogar viele der größten "Nieten in Nadelstreifen" oben in den Frankfurter Bankentürmen reiben sich wohl langsam die Augen.

Grüße!

- G. G.
laValetta
24. August 2016 15:14
Wie immer ein kluger Kommentar aus Ihrer Feder. Eines Ciceros würdig, wie die wackelige Argumentation des Gegners da auseinandergenommen wird. Ein Sport, der auf dieser Seite ja schon seit Jahren routiniert betrieben wird. Nur scheint mir daraus keine Wirkung zu erwachsen. Die Grün-Linke mit ihren angeschlossenen Außenposten agiert unbeeindruckt, selbst die größten Unverschämtheiten durchbrechen die Duldungsbereitschaft der Wähler kaum, 80% wählen eisern Merkels Parteien. Heute durfte ich auf der FAZ-Seite lesen, dass in München sämtliche Straßennamen auf "reaktionäres" Gedankengut geprüft werden. Es ist alles nicht mehr zu fassen.
Arminius Arndt
24. August 2016 15:29
die Welt mit Gewalt in ein Freund-Feind-Schema zwingen wollen.


Das ist - wie gut dargestellt wurde - in der Tat ein intellektueller Offenbarungseid erster Güte.

Überhaupt meint die vermeintlich intellektuelle Linke mit Kniffen wie „Komplexitätsreduktion“ einem die Nebelkerze des angeblich fehlenden intellektuellen Zugangs vor dem Offensichtlichen zünden zu können. Ein Schelmenstück, wie weiland Kerkelings "Hurz", nur ohne auflösendes Ende.

https://www.youtube.com/watch?v=RAx0P-8n5K4

Um es einmal ganz deutlich und ohne jegliche intellektuelle Vexierspiele auszudrücken:

Man will die Menschen für dumm verkaufen. Von daher erübrigt sich auch eigentlich jede Diskussion.

Dank an alle Autoren der Sezession, insbesondere Martin Lichtmesz, welche die Kärrnerarbeit der regelmäßigen Entlarvung dieser intellektuellen Klugsch... leisten.
Westpreuße
24. August 2016 15:51
Herr Lichtmesz,

wie immer Ihrerseits eine durchdachte Sache!
Mir persönlich, keine Kritik meinerseits, ist es einfach immer zuviel. Manche hier, auch keine Kritik, lieben es ja...sehr...theoretisch. Ich nehme immer bei den Lagebeschreibungen und Kommentaren Gedankenanregungen mit Gewinn mit...

Zu Herrn Andreas WIRSCHING:
Er scheint mir ein Vertreter und Anhänger der "Pfadabhängigkeit" zu sein, die sich in den Sozialwissenschaften etabliert hat.
Zumindest spukt sie in seinem Hinterkopf herum...

Es gibt Wege, Trampelpfade, Holzwege, Pfade, Irrwege, Straßen, Kreuzungen (an denen es dann kracht), die sich scheinbar (also in Wirklichkeit nicht...) absichtslos ergeben. Kaum vorhersehbar, nicht steuerbar, nicht erforschbar; eigentlich nur im Nachhinein untersuchbar.

Andreas Wirsching hat es in "Demokratie und Globalisierung Europas seit 1989" (C.H. Beck, München, 2015) auf die Spitze getrieben...
Durch seine Brille gesehen immer "einerseits - andererseits", und ALLES steckt voller "Paradoxien" bei ihm...

Erinnert irgendwie an Joachim RINGELNATZ:
Überall ist Wunderland.
Überall ist Leben.
Bei meiner Tante im Strumpf(en)band
Wie irgendwo daneben.
(...)
Wenn du einen Schneck behauchst,
schrumpft er ins Gehäuse.
Wenn du ihn in Kognak tauchst,
sieht er weiße Mäuse.

Ernsthaft:
Pfadabhängiges Denken

WIRSCHING kann recht gut analysieren. Die POLITIK-ELITE heute agiert von einem Moment zum anderen. Was heute noch gültig ist, ist morgen Müll von gestern. Jede Überzeugung ist verhandelbar und steht jederzeit zur Disposition. Was gestern galt, ist heute schon wieder "auf dem Pfad"...

Er beschreibt es recht gut an den europäischen Krisen, kritisiert aber nicht und nie die POLITIKER-ELITE (und im Schlepptau die mediale...), sondern nimmt die Situation als gegeben hin: Wir sind eben alle auf dem Weg, irgendwie, irgendwohin...Schaun mer mal...

Er kritisiert NICHT die Paradoxien gegenwärtiger Politik in Europa, insbesondere in D.
Er stellt sie einfach nur dar, recht anschaulich, wenn auch mit blumigen Begriffen, die letztlich die Situation verschleiern...

Ergebnis einer solchen Geschichtsbetrachtung ist, daß die Regierenden sich nicht mehr legitimieren müssen. Im Gegenteil: Sie definieren, wer der Feind im eigenen Volke ist, wo er steht, wie man mit ihm umzugehen hat..

WIKIPEDIA bringt es mal ausnahmsweise auf den Punkt:

"PFADABHÄNGIGKEIT, Asymmetrien der Macht:

Amtierende Politiker können Gesetze und Institutionen in eine Richtung lenken, die ihnen und ihrer Partei bei zukünftigen Wahlen Vorteile verschafft. Paradoxerweise werden dadurch die Machtverhältnisse mit der Zeit verdeckt, da Differenzen mit anderen Interessengruppen nach einer Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten der Regierung nicht mehr offen ausgetragen werden müssen. Stattdessen kann die Regierung dann dazu übergehen, ideologische Manipulationen durchzuführen, die Andersdenkende gar nicht mehr zu Wort kommen lässt."
(Quelle: Wikipedia, Pfadabhängigkeit).

So, Herr Lichtmesz, habe ich Sie verstanden:
Analyse, Ausblick, Schlußfolgerungen...!
Im Namen der Demokratie...

Was nun den von Ihnen erwähnten Herrn Bundespräsidenten GAUCK angeht, lassen wir ihn doch persönlich zu Wort kommen:

https://www.youtube.com/watch?v=bfhxVkjQm3Q
Gauck: Bevölkerung ist das Problem (1:59 Min.)

: Grüße aus dem "Viertel Venedig", wunderschön, in Bromberg an der Brahe und unteren Weichsel
Zadok Allen
24. August 2016 16:28
Die populistischen Bewegungen in den westlichen Demokratien werden nicht aufhören, ... die unausweichliche Komplexität der modernen Welt in schändlicher Weise scheinbar zu reduzieren.


Wie erfrischend klang diese Maxime noch im friderizianischen Preußen:

Es ist dem Untertan nicht gestattet, die Maßstäbe seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.


Wobei im Gebrauch des Terminus "Komplexität" im vorliegenden Kontext eine bittere Selbstironie liegt, bedenkt man den Abgrund okkulter und rundheraus wahnsinniger Pläne und Machenschaften, der unter der immer rascher abbröckelnden seriösen Fassade der Machthaber brodelt.
Ein gebürtiger Hesse
24. August 2016 16:57
Sehr guter Beitrag. Es kann gar nicht genug analysiert, widerlegt und gebrandmarkt werden: das elende Gewäsch, daß die heutige Welt ja viel zu komplex und undurchschaubar sei, als daß ein echter, also aus dem persönlich-kollektiven Innern kommender Widerstand gegen die zunehmende Fremdwerdung im Eigenen auch nur irgend berechtigt oder gar natürlich sein könnte. Denn nein - nicht wir sind die realitätsverweigernden Aufwiegler, sondern jene, die ein positives Gefühl für den angestammten Lebensraum ihrer Väter und Vorväter sich von vornherein verbieten oder es jederzeit gegen den angelernten Wohlfühl-Schuldkult eintauschen würden. Zwischen widerständigen Landsmännern und -frauen, egal ob sie Deutsche, Franzosen, Ungarn etc. sind, und Typen wie Wirsching plus seinen diversen Klonen verläuft die eigentliche Trennlinie.
Demo Goge aus der polis germania
24. August 2016 17:21
Dazu nur eine kurze Illustration aus dem morgendlichen GEZ Programm:

Ziemiak: Und ich möchte einfach nur nicht, dass türkische Konflikte, die es in der Türkei gibt, hier Platz finden in Deutschland. Wer sich engagieren will in türkischer Innenpolitik, der soll das in der Türkei tun, aber nicht in der Bundesrepublik Deutschland.

Schulz: Sind AfD-Wähler unserem Staat loyal genug?


Ich dachte - hähh ? - und auch Herr Ziemiak wird sich Ähnliches gedacht haben, weil er etwas stutzte und dann nur kurz meinte:

Ziemiak: Wissen Sie, das eine hat mit dem anderen jetzt nichts zu tun.

Schulz: Warum nicht?


http://www.deutschlandfunk.de/loyalitaetsdebatte-in-zweiter-und-dritter-generation-haben.694.de.html?dram:article_id=363889

'Warum überhaupt' hätte er zurückfragen sollen!, ich wußte es auch nicht.

Doch nach einigem nachdenken kam ich drauf.
Dem liegt dieselbe Einstellung zu Grunde wie sie letztens bei den Äußerungen dieses Außenamtslautsprechers Chebly zum Vorschein kam:

Die begreifen einfach den Unterschied zwischen Loyalität gegenüber dem Staat und Loyalität gegenüber einem bestimmten Regime nicht!
Für sie ist Merkel der Staat (wie es Ludwig der XIV selbst von sich behauptete).
Der eine Demokratie konstituierende Gedanke, daß Treue zum Staat nicht zu Kritiklosigkeit oder gar Unterwürfigkeit gegenüber dem aktuellen Machthaber führen muß und insofern auch ein die bunte Politik Merkels ablehnendes NPD-Mitglied loyal gegenüber dem Staat sein kann ist denen vollständig fremd!
Nach dieser Haltung kann jemand der an der Macht ist einfach nur deswegen, weil er es ist niemals ein Hochverräter sein.

Das herrschende politisch-mediale Establishment vertritt somit eine orientalisch-despotische Staatsauffassung!

ps.: Das diese Diffamierung des politischen Gegners nun ausgerechnet unter dem Namen 'Demokratie' propagiert wird ist einfach nur ein schlechter Witz und liegt noch unter dem intellektuellen Niveau des Mittelalters wo sich die Kontrahenten gegenseitig als Antichrist bezeichneten - was aber zumindest logisch kein Widerspruch war.
Meier Pirmin
24. August 2016 18:40
@Zadok Allen. Das Zitat aus dem friderzianischen Preussen ist Europarekord. Zunächst mal grosser Unterhaltungswert. Vergleicht man jedoch Friedrich den Grossen sagen wir mal nur mit Martin Schulz, hört die Gemütlichkeit auf. Der Glaube an den Fortschritt in den letzten dreihundert Jahren erfährt eine Einbusse. Selbst wenn der Ausdruck "orientalisch-despotische Staatsauffassung" , siehe @Demo, wohl auch wieder nicht zutrifft. Sowieso hatte die Türkei auch schon relativ bessere Zeiten als heute, als sie zum Beispiel das Schweizer Zivilsgesetzbuch übernahmen.
Der_Jürgen
24. August 2016 19:01
Immer, wenn ich lese, wie Martin Lichtmesz einen linken oder liberalen Schmalspur-Denker zerpflückt, bin ich froh, dass ich diesen Mann nicht zum Feind habe. Es muss sehr demütigend sein, nach Strich und Faden auseinandergenommen und als Scharlatan vorgeführt zu werden.

Aber vielleicht liest Wirsching diese Kritik nicht, und falls er sie doch lesen sollte, vertraut er wohl darauf, dass sich die politischen Verhältnisse allenfalls nach seinem Ableben ändern und ihm bis dann sämtliche grossen Medien zur Verbreitung seines Unsinns zur Verfügung stehen werden.
Winston Smith 78699
24. August 2016 19:30
@ Demo Goge aus der polis germania

Die begreifen einfach den Unterschied zwischen Loyalität gegenüber dem Staat und Loyalität gegenüber einem bestimmten Regime nicht! Für sie ist Merkel der Staat (wie es Ludwig der XIV selbst von sich behauptete).


Ja, aber diese Äußerungen von Schulz gehen für mein Empfinden noch weiter und erklären sich erst durch radikalen Humankapitalismus und Taylorismus. Für diese Leute ist ein Mensch letzlich eine Leistungseinheit wie eine Milchkuh, steht irgendwo rum und kann woandershin verschafft werden, muß irgendwie mit Nährstoffen befüllt werden und bringt dann eine gewisse Arbeitsleistung - ob nun türkischer Nationalist oder AfDler, voll egal. Damit es nicht ganz so sehr wie Zwangsarbeit aussieht und sich anfühlt, wird Spaß und Spiel geboten und der Ortswechsel durch Anreize (hier endlich taucht dieses "nudging" wieder auf) wie eine eigene Entscheidung inszeniert, etwa durch eine sogenannte "Flucht". Ich meine also jetzt mit "Taylorismus" noch was anderes als Ergonomie am Arbeitsplatz oder produktive Effektivität, nämlich wie Samjatin ein letztlich psychopathisches Menschenbild, wie es dem Buchhändler (frustrierter gescheiterter Fußballer, Trinker) und der vermeintlichen Physikerin schmecken könnte - vielleicht extrapolieren ja solche Leute einfach sich selbst. Wenn Sie hier bei Samjatin "Taylor" suchen, kommt auch einmal der Mathetyp mit den Reihen, meist aber der Ingenieur vom Taylorismus, welchen ja auch die Kommies ganz dolle fanden, sagt man.
Caroline
24. August 2016 21:27
Hier ist es deutlich formuliert: die „wirkliche Gefahr“ – für wen? – ist offenbar weniger der radikale Islamismus, als die „identitäre“ Abwehreaktion der „herausgeforderten“ Gesellschaften. Das korrespondiert wohl mit einer Feststellung, die ich im ersten Teil dieses Beitrags traf: Die Macht des regierenden Kartells wird vom islamischen Terrorismus nicht bedroht.


Mal andersherum gedreht: können wir nicht auch stolz darauf sein, offenbar als einzige (in sich freilich reichlich heterogene) Bewegung dem Machtkartell etwas so Substantielles entgegenzusetzen zu haben, daß man sich offen fürchtet? Und zwar mehr fürchtet als vor dem Islamismus, was schon einiges heißen will!? Die daraus resultierenden Konsequenzen könnten fürchterlich werden, aber der Schritt zum "Staatsfeind Nummer eins" ist geschafft.
Marc_Aurel
24. August 2016 22:31
Wort für Wort dieses Absatzes, insbesondere was die „Realitätsverweigerung“ und den Verzicht auf „rationales Argumentieren“ betrifft, ließe sich ohne Abstriche auf die Merkel’sche Regierung, ihre linksextremen Kettenhunde von Kahane bis Antifa und ihre medialen und akademischen Propagandisten anwenden – nicht zuletzt auf Wirsching selbst, der offenbar „gefangen in einem Weltbild“ ist, das „nur noch Freund und Feind (der ‚Demokratie‘, also der herrschenden Eliten) kennt“, und darum seinerseits auf „schändliche Komplexitätsreduktionen“ zurückgreifen muß.


Dieser Abschnitt bringt es auf den Punkt. Das was Wirsching da von sich gibt, ist doch nur der tausend und erste Aufguss von dem was der Mainstream ständig absondert: dreiste Heuchelei und Tatsachenverdrehung, die eigenen Methoden werden dem politischen Gegner unterstellt usw. - alles nur leeres Geschwätz ohne Substanz und die, die es verbreiten wissen das auch...immerhin geschickt genug gestrickt, um dem durchschnittlichen Gutmenschen, der es nicht wirklich genau wissen möchte, eine plausible Ausrede dafür zu schaffen, sich weiterhin konformistisch verhalten zu können, ohne ein allzu schlechtes Gewissen, denn er steht ja auf der "richtigen", "demokratischen" Seite, wie ihm Herr Wirsching gerade glaubhaft und mit vielen ausgefeilten Worten dargelegt hat. Sicher Balsam für die Seele der Zielgruppe, so läßt sich wohl die nahende Götterdämmerung besser ertragen, denn für eine gewisse Zeit sind nun wieder alle Zweifel ausgeräumt...wenn's schee macht, nur runter damit, wohl bekomm's!
Winston Smith 78699
24. August 2016 23:28
@ Gustav Grambauer
Mittwoch, 24. August 2016, 14:58 (URL)
... wird sie auch alsbald gestoppt ...


Kommunistische Führerfiguren scheinen jedenfalls eine Art Notbremse an sich zu haben - getarnt als Blutorden nach ihrem Geschmack -, so dass man sie ausschalten kann wie den Golem. G.G., Sie haben mir von dem Minister Hilde berichtet und dem obligatorischen Gerät im PKW. Ein solches verströmt doch allein durch die praktische Form auch einen gewissen Handlungsappell, etwa wenn einer mitten in Mexiko City eines bei sich aufbewahrt - zu was sonst außer DEM? (Oder sollte dies etwa eine Hinterlassenschaft von Diego Rivera in den Räumlichkeiten gewesen sein, mit der dieser und Frida Kahlo ... schmutzige Gedanken.) Aber das hat ja alles nichts mit der Kanzlerin zu tun.
jacky
24. August 2016 23:35
In der Lückenpresse gerade ZOOM+ mit ausführlichem Bericht über die neue Rechte. Und ja, der Verfassungsschutzpräsident Thüringen, Stephan Kramer, machte so merkwürdige Bemerkungen über G.K.
Bitte mal Podcast suchen.
Willkommenskulturlos
25. August 2016 00:13
Wir können die Bedeutung dieses Wahlergebnisses nur verstehen, wenn wir es in einem größeren Kontext betrachten, nämlich der globalen Revolte gegen die selbsternannten Eliten… Überall revoltiert das Volk gegen eine übernationale Oligarchie, die es nicht länger unterstützt. Das ist die Essenz von Brexit: die Bestätigung einer fundamentalen Bewegung. Nach Jahrzehnten der Expansion gehen wir auf eine Ära der Sezessionen zu.


Nun, diese Eliten sind nicht selbsternannt - die sind schon ziemlich lange da. Und bis zur Wende haben sie auch einigermaßen funktioniert.

Aber seitdem der Sozialismus zusammenbrach und die systemische Konkurrenz zum Kapitalismus verschwand, degenerieren diese Eliten rapide. Die Gier hat den Verstand vollständig ersetzt.

Alles, was diese Eliten anfassen, wird zum Desaster.
Schlimmer noch: sie pflegen globalistische Utopien, die noch utopistischer als Sozialismus sind, und begehen dadurch reinen Selbstmord.
Klar, dass die Völker ihnen die Gefolgschaft verweigern.

Heute sind diese Eliten mit ihrem Latein am Ende.
Ihr politisches Personal ist erbärmlich.
Sie versuchen nur noch die Macht zu erhalten, können aber keine Probleme (die sie selbst verursacht haben) lösen.
Ihr Zustand ähnelt sich dem des französischen Adels vor der Revolution.
Sie verstehen nichts und, wenn sie sogar etwas verstehen, können sie nicht anders.
Ähnlich wird auch ihr Schicksal sein.

Vereinfacht auf einen Nenner gebracht, verläuft die Frontlinie heute zwischen Globalisten und „Souveränisten“ oder „Nationalisten“ im weitesten Sinne.


Bessere Bezeichnung wäre ANTI-GLOBALISTEN oder PATRIOTEN.
Denn z.B. Marxisten, die sich auch gegen Globalismus erheben, sind Internationalisten
(kommunistischer Internationalismus hat mit kapitalistischem Globalismus nichts zu tun).

Die populistischen Bewegungen in den westlichen Demokratien werden nicht aufhören, mit der Konzentration auf einen „Feind“ ihre Chance zu verbessern, Menschen zu mobilisieren und damit die unausweichliche Komplexität der modernen Welt in schändlicher Weise scheinbar zu reduzieren.


Um Probleme zu lösen, muss man zwangsläufig die Komplexität reduzieren.
So arbeitet auch die Wissenschaft.

Außerdem funktionieren in der massenhaften Praxis nur einfache, klare Lösungen.
Komplizierte Regelungen funktionieren nur im kleinen Umfang, bei der Massenanwendung versagen sie.
Das Paradebeispiel dafür ist Asylrecht:
es funktionierte bei wenigen Dissidenten aus den sozialistischen Staaten, wird aber bei der heutigen Masseneinwanderung zu 98% missbraucht.
Sebastian-Maximilian
25. August 2016 00:33
@ Jacky

Ist mir auch aufgefallen. Das habe ich vorhin auch gesehen.

Kramer sagte sinngemäß: GK wird beobachtet bzw. wir machen uns grosse Sorgen usw.

Der hat geredet wie ein Mafioso der einen Mordauftrag erteilt.

Vorsicht vor „Autounfällen“, Fallschirmspruengen, Hotelbesuchen und Badewannen.
Corvusacerbus
25. August 2016 00:36
Zu der angesprochenen ZDF-Sendung ZOOM+: Der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes (wenn ich das hinschreiben, treffe ich vor Lachen kaum die Smartphonetasten), Stephan Kramer, hat in der Ecke seines Büros die Flagge der Vereinigten Staaten stehen. Ich bin gar nicht sooooo pingelig, aber kann man sich das in einem anderen Staat vorstellen? Grundsätzlich zu der Sendung: Das war Werbung für Schnellroda und besonders gut gefallen hat mir die öfters wiederholte These, die rechte Gesinnung sei mitten in der Gesellschaft "angekommen". Yep, habe ich gedacht. Und es tut gar nicht weh und wenn ihr noch ein wenig weiter analysiert und tiefer grabt, werdet ihr feststellen, "das Rechte" ist von je her Teil dieser bürgerlichen Mitte, auch der ursprünglichen Sozialdemokratie, die anders als die Lehrer-DPD ist nichts anderes als der 'conventional wisdom' der bürgerlichen Mitte
Corvusacerbus
25. August 2016 00:46
... als die Lehrer-SPD rechts immer auch rechts, weil national war, und dieses Rechte ist letztlich nichts anderes als der 'conventional wisdom' der bürgerlichen Mitte. Diese bürgerliche Klugheit und dieser instinktsichere Trotz der Bürgerschaft ist nicht verschwunden, auch nicht und vielleicht gerade nicht, seit er als gesundes Volksempfinden denunziert wird. Die Zeiten ändern sich. Merkel und die anderen Globalisten haben den Bogen überspannt. Das Nationale und Rechte hat Konjunktur, selbst in den Demokraturmedien.
Willkommenskulturlos
25. August 2016 00:50
@laValetta
Mittwoch, 24. August 2016, 15:14

Wie immer ein kluger Kommentar aus Ihrer Feder. Eines Ciceros würdig, wie die wackelige Argumentation des Gegners da auseinandergenommen wird. Ein Sport, der auf dieser Seite ja schon seit Jahren routiniert betrieben wird. Nur scheint mir daraus keine Wirkung zu erwachsen.


Jede gesellschaftliche Änderung beginnt in den Köpfen.
Die Aufgabe der Intellektuellen ist diese Kopf-Arbeit zu leisten.

Ob überhaupt und wie schnell sie Wirkung zeigt, hängt nicht von Intellektuellen ab, sondern von sehr vielen Faktoren.

MAN SOLL TUN, WAS MAN TUN MUSS, UND AUF DAS BESTE HOFFEN.
Oswaldo
25. August 2016 01:04
Das Interessante ist, dass die heutige Rechte, die den degenerierten Lobby-Parlamentarismus ja eigentlich und "an sich" skeptisch sieht (durchaus a priori und keineswegs nur von der Ergebnisseite her, etwa weil Landsleute im Rentenalter die Mülleimer durchsuchen, während weltfremde Parteikreatueren Steuermillionen für ideologische Nonsensprojekte verballern und sich im Tourismusausschuß delektieren) - in diesen Tagen trotzdem die besseren Demokraten hervorbringt verglichen mit den zu einem mao-finanzkapitalistischen Globalistenbrei verschmolzenen Gegenseite der Links-Liberalen, vor denen der Wähler nicht zufällig in Scharen flieht, jedenfalls dort, wo er nicht in der ein oder anderen Form auf der Systempayroll steht oder gänzlich mit dem Klammerbeutel gepudert ist.

Die Rechte, sieht man von echten liberalkonservativen a la Gauland einmal ab, reüssiert hier zwar ein bisschen nolens volens, denn eine Rechte, die beim Gedanken an den menschenvergessenen Gesetzesbasar ins Glucksen gerät, ist keine. Ein interessanter Effekt ist die demokratisch-stilistische Überlegenheit aber trotzdem und sie ist, Stichwort Rechtsstaatlichkeit, auch zu begrüßen.

Ein Rechtsstaat war das konstitutionelle Kaiserreich aber auch. Er ist nicht auf die Form der Republik festgelegt und noch weniger auf eine zum Himmel stinkende Parteiendemokratie. Mir wird viel zu wenig darüber diskutiert, ob die Rechte den Parlamentarismus oder den Staat verteidigen will. Warum das erste, wenn die Linksliberalen uns als Feindbehandeln, alles andere als den Eindruck erwecken, über Kompromißlinien sprechen zu wollen und selbst den Parlamentarismus unterlaufen bis hin zur (bislang nur versuchten) Wahlfälschung.

Mit dem weiteren Blick erleben wir die Heraufkunft einer Teufelsfratze aus linker Brave New World und radikalen Weltauslutschungsökonomismus an der Grenze zum Finanzvoodoo, getaucht in den Farben blutrot bis schwefelgelb. Sie lässt bis an die Grenze zur höhnisch offenen Infamie offen erkennen, dass sie auf die Republik pfeift und den politischen Gegner nicht als Mitbürger anderer Meinung und (potentiellen Parlaments-) Diskutanten ansieht, mit dem man einen Kompromiß sucht, sondern als politisch kaltzustellenden Feind, weil er ja die vorgeblichen Verheißungen der entgrenzten Welt ablehnt und in seinem veränderten Alltag als Lüge durchschaut.

Wenn die anderen dieses Land im Gefolge ihrer Stichwortgeber aber nicht mehr als Bürgergesellschaft der Deutschen behandeln - wo kämen wir denn da auch hin! - sondern als eine Art grenzenlosen Marktplatz für alle Menschen - und Geschäftsinteressen - dieser Welt, voller ansonsten marxistischer Tugend, so ist das weniger absurd als es scheint, wenn man doch die Gewinne zu privatisieren und die Verluste zu verstaatlichen gedenkt. Hätte die Amerikaner und die Sowjets 1988 den Kalten Krieg per Systemkompromiß beendet, wäre etwas wie die EU dabei herausgekommen. (Das nur am Rande, und man denke auch an den Hochfinanzmaoisten Barroso!).

Die Frage lautet: Können mindestens Konservative den politischen Verhaltensweisen nach liberal bleiben, wenn die linksliberalen Mitbürger es selbst nicht mehr sind und sich selbst mit Absolutheitsanspruch zu alleinigen Demokraten zu dekretieren versuchen. Vor die Wahl gestellt: Will die Rechte den Staat retten oder die parlementarischen Gepflogenheiten. Nicht dass das Zweite nicht wünschenswert wäre. Aber ist es realistisch?
cherusker69
25. August 2016 01:10
Menschen wie dieser Andreas Wirsching können ja ihr wirres Zeug nur unter die Leute bringen weil sie schon seit Jahrzehnten die Strukturen aufgebaut haben.
Sie haben also einen jahrzehntelangen Vorsprung.
Was für mich absolut entscheidend erscheint ist, dass man diesen Medien die Deutungshoheit über die Begriffe entreißt. Dies mahnte Franz Josef Strauss schon an und er warnte davor das linke Medien diese erlangen.
Genau diese Situation haben wir jetzt.
Winston Smith 78699
25. August 2016 09:40
@ Sebastian-Maximilian

Kramer sagte sinngemäß: GK wird beobachtet bzw. wir machen uns grosse Sorgen usw. Der hat geredet wie ein Mafioso der einen Mordauftrag erteilt. Vorsicht vor „Autounfällen“, Fallschirmspruengen, Hotelbesuchen und Badewannen.


Falls so etwas gerade dann passieren sollte, wenn alle darauf warten, hätte es einen ganz gegenteiligen Effekt. Die wollen keine Märtyrer erzeugen - daher Entwarnung. Insofern schützt eine gewisse Prominenz ja geradezu. Aber auch andere können daran lernen - etwa anonyme Kommentierer wie wir hier, denn auch unsereins hat im persönlichen sozialen Umfeld die Möglichkeit, etwa den Fall einer Verhaftung vorzubereiten und zu einem lokalen PR-Debakel werden zu lassen. Durchatmen, entspannen, die Freude am ideologischen Kampf nicht verlieren. Und mit Röm. 8,31 an das Gute glauben, die Zuversicht bewahren. Das heißt ja nicht, dass man sich wie ein Idiot verhalten sollte.
Reichsvogt
25. August 2016 11:09
"Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten."
Heinrich Heine
Gustav Grambauer
25. August 2016 11:57
Winston Smith 78699

Wenn wir Ihren Gedanken zu Ende denken, dann sind wir etwas vorzeitig hier angelangt:

http://www.ursula-von-der-leyen.de/
http://www.peteraltmaier.de/
https://www.thomasdemaiziere.de/

Meine süße Mutter, deren unnachahmliche Art ich hier nicht wiedergeben kann, würde ihre ganze Altersweisheit zu den vier Worten "Zwiebel geht, Knoblauch kommt" verdichten ...

Ich stelle mir eine ganz andere Frage: Bismarck hat sich von Wilhelm II emanzipiert, Wilhelm II hat sich von seinem Onkel Edward und damit von der britischen Krone emanzipiert, v. Papen hat sich von Hitler emanzipiert, Stresemann hat sich - ansatzweise - vom Völkerbund emanzipiert, Hitler hat sich von Rockefeller

https://www.youtube.com/watch?v=XwkTZKuAxt8

(höre gleich die ersten drei Minuten) emanzipiert, Ulbricht hat sich nacheinander von der Komintern, Stalin, Chruschschow und Breschnew emanzipiert, Honecker hat sich von Breschnew und Gorbatschow emanzipiert. Ob sich jemals ein "BRD"-Kanzler von seinen atlantischen Stiefel-in-den-Nacken-Tretern emanzipiert?!

- G. G.
Sabine
25. August 2016 17:42
@ Grambauer
Es handelt sich um keinen Stiefel im deutschen Nacken usw. --- sondern: es ist ein übersüßes Zuckerbrot, welches mit herrlichen Lügen garniert ist, die runter gehen wie Öl. Das Zeug macht ja wie wir sehen: süchtig ...

Auf die Bilder unserer Selbstverständigung kommt es an! Auf die Bilder!!

Darum liegt @ Sven B. -- Glückwunsch!! -- doch ganz richtig. Erfreulich, daß es sich herumspricht:

http://pi-news.net/wp/uploads/2016/02/Pegida-Dresden-6.2.1667b.jpg
Karl
25. August 2016 23:19
Leider sind manche dieser als Kommentare verpackten Selbstbeweihräucherungen etwas demotivierend, alles Andere als zielführend. Geschwurbel. Erzeugen statt Solidarität Stirnrunzeln. Scheinbar keine andere Gelegenheit das Ego zu streicheln. Das Volk wird dadurch nicht erreicht, sondern abgestoßen. Muss auch nicht. Schon klar. Doch was wenn wir ein wenig in diese Richtung zielten? Sich als anonymer wortgewandter Diskutant zu erleben, mag geradezu Genuss vermitteln. Es hilft. Dem Absonderer. Kommentarforen als therapeutische Institutionen. Fehlt diese Zeit, diese Energie dann? Dem Schreiber, dem Leser? Zum Zwecke der individuellen psychischen Stabilisierung geeignet, zum Zwecke der gesellschaftlichen Entwicklung wohl kaum.

M.L.: Bieten Sie doch was Besseres an!
Nürnberg 2.0
26. August 2016 02:43
»Ins gleiche Horn stieß am 13. 8. in der Zeit auch der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München...«

Zur Entstehungsgeschichte dieses "Instituts" ein Zitat aus Caspar von Schrenck-Notzings äußerst lesenswertem Buch »Charakterwäsche. Die Politik der amerikanischen Umerziehung in Deutschland« (Ullstein Taschenbuchausgabe, Frankfurt/Berlin ²1994, S. 243), :

»Eine zentrale Institution der Geschichtsbildkontrolle (...) hatte seinen Sitz (...) in München. Das "Institut für Zeitgeschichte" wurde "auf Anregung der Amerikaner" ([der ehem. bayer. Ministerpräsident Hans] Ehard) als schlichtes Institiut zur Erforschung des Nationalsozialismus durch das Land Bayern gegründet.«

Noch Fragen?
Michael B.
26. August 2016 03:31
Am aufregendsten waren noch die Sechzigerjahre. Aber der Ansturm einer starken sozialen Bewegung von links blieb überwiegend in verfassungskonformen Bahnen

So, so. Trotz Radikalenerlass konnten also ein paar bärtige Hobby-DKPler und Vollzeit APOs die BRD übernehmen. Wer hat eigentlich den "Marsch durch die Institutionen" überhaupt in Gefahr gebracht? Wer hat ihn vielleicht unterstützt? Und was bedeutet das für das Gegenargument, dass auch heute ein solcher "Marsch durch die Organisationen" möglich sei? Fragen über Fragen...
Karl
26. August 2016 11:26
@ M.L.: Bieten Sie doch was Besseres an!

Es geht mir nicht daraum, grundsätzlich über die Sinnhaftigkeit von Kommentarforen zu diskutieren. Auch wenn dies so wäre, ist diese Reaktion jedoch unangemessen. Nur dann Kritik üben zu dürfen, wenn gleichzeitig etwas "Besseres" angeboten werden kann, erstickt autoritär Diskussionen im Keim. So bitte nicht. Ich weiß ja durchaus all die wertvollen Hinweise auch zu schätzen. Und Zensur zu üben ist nicht anzustreben.
Ich würde mir wünschen, dass solche Diskussionen systematisch aufbereitet werden und ein Weiterführen möglich ist, so dass daraus auch etwas Produktiveres als Diskussionsergebnis entstehen kann. Vielleicht können einige Anregungen dazu dienen, vernachlässigte Aspekte zu vertiefen. Es könnten sich aufgrund solcher Diskussionen auch Arbeitsgruppen mit spezifischer Expertise bilden. Mich stört das Inkonsequentielle, Beliebige, Dahergesagte, Unverbindliche.
Meier Pirmin
26. August 2016 12:35
@Karl. Sie erwarten zu viel von einem Forum Etwas Besseres anbieten hiess gemäss M.L. wohl nur, bessere Argumente bringen. Es sind sodann nicht alle Teilnehmer anonym, und die Publizisten schon gar nicht. Noch weniger kann man von einem Haufen Gleichgesinnter sprechen, es sind deutlich verschiedene Lager identifizierbar. Selber schliesse ich das Entstehen einer konservativen Aufklärung nicht aus. Da ist das gedruckte Heft um Welten näher dran als die Blogger, auf welcher Seite aber oft neben anderen gute und brauchbare Links gegeben werden.


Es gibt in den Foren solche, die wünschen vordergründig direkte Aktion, andere haben von Karl Marx gelernt, dass ohne die Hoheit die Wirklichkeit zu interpretieren auch Veränderungen durch Wahlen usw. nichts bringen. Natürlich gibt es auch solche, die im Einzelfall wirr oder wenigstens unverständlich argumentieren. Im Vergleich zu den Linken @Michael B., steht ein Marsch durch die Institutionen in den nächsten 20 Jahren sicher nicht in Aussicht. Kubitschek wird ohne einen Ehrendoktor einer deutschen Universität sterben. Ich hoffe, er kann damit leben.


Bei tieferer historischer Analyse hat die laufende Auseinandersetzung den Charakter eines Kulturkampfes. Einen solchen gab es im 2. deutschen Reich schon in der Zeit nach 1871. Mit dem Unterschied, das Bismarck eben schon eine ganz andere Nummer war als die heute Regierenden und also diesen Kulturkampf mit der Zeit einzustellen vermochte, sogar merkte, dass die Bekämpften in wichtigen Fragen Verbündete sein könnnten. Das sehe ich im Moment eher nicht. Zum Teil ist die Opposition auch nicht gut genug. Es ist aber aus der Sicht des Beobachters schon keine Kleinigkeit zu sehen, dass Kubitschek gemäss seinem neuesten Artikel, der auch in Politically Incorrect zitiert wird, wie noch andere die hier schreiben dem Justizminister Maas und den Verantwortlichen für den Staatschutz mit hoher Wahrscheinlichkeit geistig überlegen sind. Damit ist annähernd ein Niveau erreicht, wie es zum Beispiel für die Opposition in der DDR normal war. Daran muss aber wohl noch gearbeitet werden. Wenn die Opposition dem jeweiligen Justizminister und der jeweiligen Stasi geistig überlegen wird, wird es für das "System" früher oder später kritisch.
marodeur
26. August 2016 13:07
@karl
Ich bin mir nicht sicher, ob hier der richtige Platz für Arbeitsgruppen und Ausschüsse ist. Sowas erinnert eher an die Aktivitäten der "Judäischen Volksfront", die mit quasi-basisdemokratischen Mitteln sinnlose Gefechte gegen eigene Leute und andere Splittergruppen führt.
Nein, die Sezession soll sich bitte weiter um die metapolitischen Grundlagen kümmern. Hier gibt es grossen Nachholbedarf. Ich habe auch nichts dagegen, wenn intellektuelle Vordenker dabei die Führung übernehmen. Man sieht einfach an allen Ecken, dass die rechte Bewegung noch jung ist und das schmudelige Image haftetet immer noch wie Kaugummi. Es gibt im Alltag keine politische Schulung und das Hantieren mit den Argumenten und Begriffen sitzt nicht von selbst. Der Ruf nach Aktion ist verständlich, aber die Zeit zur Revolution ist aus meiner Sicht noch nicht gekommen. Dafür fehlt die revolutionäre Stimmung. Ich wundere mich ernsthaft über die ständig betonte "gefühlte" Mehrheit für unsere Sache. Ich spüre überhaupt nichts (akademisches Umfeld).
Kurz gesagt: lasst uns bitte die Axt schärfen do lange wir Zeit dazu haben
Karl
26. August 2016 13:24
@ Meier Pirmin
Die Herrschaft der Mittelmäßigkeit ist ja schon von Schopenhauer und Nietzsche vorausgesagt worden. Sicher: G.K. demonstriert diese sinnfällig. Doch bleibt diese Erkenntnis in seiner Deutlichkeit leider nur einem kleineren Kreis vorbehalten. Mittelmäßige verstehen leider oft auch nur Mittelmäßige. Botschaften wirklich Großer Geister finden keinen Resonanzboden. Es gibt daafür keine Rezeptoren. Diese müssten erst konstruiert werden, quasi Antennen für den Empfang. Durch Desinformation und Nebelkerzen werden solche Möglichkeiten zusätzlich erschwert.
Winston Smith 78699
26. August 2016 16:59
@ Meier Pirmin
Im Vergleich zu den Linken ... steht ein Marsch durch die Institutionen in den nächsten 20 Jahren sicher nicht in Aussicht.

Sie denken aber in langen Zeiträumen, und das wirkt auf mich gerade nicht ermunternd, das werde und will ich nicht aushalten. Geschichte ohne Vergleichen geht nicht, sagt man, also: wären wir dann jetzt gerade in einer den Narodniki (Volkstümlern) vergleichbaren Phase? Setzen Sie dabei nicht zu Unrecht etwas Stabiles wie das Zarenreich oder die Siegermacht USA voraus, innerhalb derer und an der man sich entwickeln kann? Dann aber werden islamischer Gottesstaat, Afrikanerflut und Orwellstaat bestimmt schneller sein. Irgendwann ist auch Peak-Oil rum und die Araber werden den Krieg noch offener suchen, oder die Nato gegen Russland. Vielleicht ist Ihr Blick auf das Ganze auch der patentiert schweizerische - nicht dass da irgendwas behäbiger wäre, nein: es ist eine stabile und lange währende Demokratie (natürlich inmitten des untergehenden Abendlands allein konserviert wegen ihres einmaligen Geschäftsmodells). Diese Gemütlichkeit ist nicht auf das europäische Chaos anwendbar. Früher etwa wurde in Sachen Geldanlage immer wieder Panik gemacht, jetzt wird beschwichtigt - ein schlechtes Zeichen. Denken in Jahrzehnten ist blanker Unfug, in Jahren bereits die leicht blasiert-luxuriöse Art von weltabgewandten Bohemiens in Schweizer Lungensanatorien - man gönnt sich diese Großzügigkeit mal als Zeichen der Distanz, spaziert auf dem Gletscher. Zugleich grummelt unten im Tal der Germanen bereits der große Kladderadatsch.
Meier Pirmin
26. August 2016 19:58
@Sie verstehen es völlig falsch. Es gibt Institutionen, in die Leute von hier nicht reinkommen werden. Zu diesen gehören die Hochschulen, wohl auch die Kirchen, das subventionierte Kulturschaffen, vermutlich die Justiz. 20 Jahre ist eine sehr kurze Zeit.
Thomas Wagner
26. August 2016 23:13
@Demo Goge aus der polis germania

Man darf Ihren Worten also entnehmen, dass es da irgendwo im Abstrakten den guten BRD-Staat gibt, dem gegenueber man sich durchaus loyal verhalten kann, waehrend es gleichzeitig moeglich ist den aktuell herrschenden schlechten BRD-Machteliten diese Loyalitaet zu verweigern. Das ist doch reichlich realitaetsfremd und macht die Sache auch noch unnoetig komplizierter als sie ist. Staat ist kein Abstraktum, sondern manifestiert sich in erster Linie im konkreten politischen Handeln. An diesem Handeln muss er sich auch messen lassen. In diesem Sinne gibt es auf deutschem Boden eben nur einen Staat und dementsprechend auch nur eine Loyalitaetsfrage. Im Kontext der Loyalitaetsfrage sollte man sich dann auch immer wieder die schreckliche Realitaet ungeschminkt vor Augen halten, naemlich, dass dieser BRD-Staat (freilich als Subsystem der "Westlichen Wertegemeinschaft"=euphemistisch verschleiernde Aliasbezeichnung fuer das informelle US-Imperium) einen erbarmungslosen Krieg gegen das eigene Staatsvolk fuehrt, an dessen Ende, sollte er vom System gewonnen werden, Deutschland als Land der Deutschen nicht mehr existieren wird.
Meier Pirmin
27. August 2016 04:53
@Winston.Smith. Das mit der Allport-Scala haben Sie richtig gesehen. Das Verhalten weniger gegenüber der AfD als gegenüber einer geistigen Opposition, die man als wirklich gefährlich einschätzt, wird, wie Sie richtig sehen, im Bereich bis Skala 4 verbleiben. Für den öffentlichen Dienst werden solche Leute nicht in Frage kommen.


In der Schweiz nennt man das die "SVPfreie Zone". Die gibt es in vielen Bereichen, obwohl die Partei um 30% Stimmenanteil hat. Obwohl die Ausbootung des Medizinhistorikers Christoph Mörgeli, sein Berufsverbot in einem Umfeld übrigens sehr mittelmässiger Historiker und Geisteswissenschafter, die er leider auch nicht wesentlich überragt, war typisch. Ich kenne mich auch in österreichischen Akademikerkreisen einigermassen aus. Soweit es noch originelle Rechte gibt, haben diese an den Hochschulen in der Regel nichts zu suchen oder höchstens ganz am Rand, meist weitgehend ungeoutet.

Ich kann mir, was ein anderes Thema ist, weil der Mann nun wirklich nicht intellektuell ist, kaum vorstellen, dass sich an der amerikanischen Ostküste im Hochschulumfeld jemand als Anhänger von Donald Trump outen kann oder gar Sarah Palin gutfinden. Letztlich würde man aber einen intellektuellen, auf dem Gebiet der politischen Theorie starken Trump noch weniger ausstehen. Was die AfD betrifft, war das Ausscheiden des Flügels um Lucke doch nicht nur gut, obwohl dieser Flügel auch an den Hochschulen ziemlich am Rand war. Mittelfristig, etwa für die Kommunalpolitik und die Politik in den Ländern, wo die AfD vielleicht da und dort mal in die Exekutive kommt, müsste mit solchen Leuten wohl das Gespräch wieder gefunden werden, soweit sie nicht selber ihre früheren Parteikollegen auf der Allport-Scala haben. Um es aber zusammenzufassen: In den nächsten 20 Jahren wird es sehr schwierig bis unmöglich sein, Leute wie etwa G.K. bei einem offiziellen Anlass, zum Beispiel bei einem Jubiläum in Sachen Martin Luther oder zu 200 Jahren Demagogenverfolgtung (Ermordung Kozebues) oder zu Jubiläen, die duetsche Romantik betreffend, von einer Stadt als Festredner zu engagieren. Leute aus der Richtung Sezession müssen auch, im Gegensatz noch zu Gerd-Klaus Kaltenbrunner selig noch vor 30 Jahfen, auf Kulturpreise verzichten. Daran würde auch ein Wähleranteil der AfD von 20 bis 30%, was auf Bundesebene unwahrscheinlich bleibt, wiewohl nicht unmöglich, verzichten. Das meinte ich mit dem Marsch durch die Institutionen, der in den nächsten 20 Jahren nicht stattfinden wird. Es ist aber nicht gesagt, dass sich deswegen nichts verändern wird.


PS. Absolut nicht sinnvoll wäre es, eine Säuberung des öffentlichen Dienstes (der sich ohnehin in der Regel opportunistisch verhält) zu fordern in der Art des einstigen "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", bloss weil der "Marsch durch die Institutionen" mutmasslich keinen Erfolg haben wird. Umgekehrt war aber schon 1968 und im Jahrzehnt darauf absehbar, dass die Linken beim Marsch durch die Institutionen Erfolg haben würden mit Ansteckungswirkung auf die relativ Unpolitischen wie erst recht auf die "Scheissliberalen", ein Schlagwort, das nicht von der Rechten kommt, sondern von Leuten ungefähr von der Mentalität des Herrn Joschka Fischer.
Meier Pirmin
27. August 2016 05:01
PS. Korrektur von Verschrieb, zweitletzter Abschnitt gegen unten: "Daran würde auch ein Wähleranteil der AfD von 20 bis 30%, was auf Bundesebene unwahrscheinlich bleibt, wiewohl nicht unmöglich, n i c h t s ä n d e r n. Im 2. Abschnitt oben muss das zweite "Obwohl" weg bei Mörgeli. "Die Ausbootung ... war typisch."
Meier Pirmin
27. August 2016 05:11
PS. Ich behaupte hier nicht, öffentliche Kulturpreise für die "Sezession" seien wichtig oder bereits, wie einst bei Gerd-Klaus Kaltenbrunner, in hohem Masse verdient. Ich bringe das Beispiel nur, weil hier im Gegensatz zu den Linken von 1968 der Marsch durch die Institutionen in den nächsten 20 Jahren nicht in Aussicht steht.

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