14. September 2016

Rein in den Fluß! (eine Danksagung)

von Götz Kubitschek / 92 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

deltaVon Peter Sloterdijk stammt das Bild von einem Flußdelta, in das die Geschichte (und mit ihr das Denken, das Dasein und jedweder Gegenentwurf) eingemündet sei. Ein Delta nun ist geprägt und gekennzeichnet von einem Nebeneinander aus Fluß und stehendem Gewässer:



Es ist eine Fläche, gebildet aus kaum überschaubaren Rinnsalen, Aufschüttungs- und Ablagerungsvorgängen. Es gibt im Delta durchaus Abläufe, Vorgänge, Betrieb (in dem man sich verlieren, in dem man aufgehen kann), von oben gesehen aber doch nur die sanft an ihr Ende kommende, einmündenden Bewegung.

Das Bild vom Delta veranschaulicht das sogenannte Post-Histoire, das Ende der Geschichte, und damit verbunden das Ende des Engagements auf allen Feldern, die das Kollektiv als sinnstiftende und in den Dienst stellende Größe über dem individuellen Ansatz betreffen. Die Energie, die Schaffenskraft, der Altruismus ganzer Generationen werden in Ich-Projekte umgeleitet: Konjunktur haben die Ego-Ausstatter, die den Individualismus und die Abgrenzung unterschiedlicher Konsumnischen fördern und innerhalb dieser Milieus Gesamtpakete anbieten, aus Stil, Verhalten, Meinung, community - entworfene Typen!

Das ist der »Konformismus des Anders-Seins«, der Begriff hinter der irren Tatsache, daß in bestimmten Großstadtkeisen plötzlich eine Vollbart-community entsteht, ein bestimmter Typ Mann also einem style - ja - verfällt, zum Vollbart ganz bestimmte und bestimmbare Klamotten trägt, sich das Kopfhaar nach hinten gelt und Hornbrillen mit null Dioptrin aufsetzt, weil zu Bart und Gelhaar die Brille gehört und die Klone hinter diesem Typ sich ärgern, daß sie keine Sehschwäche haben.

In Kamerun, ich sah das mit eigenen Augen, war es Mitte der 90er Jahre schick, zwischen den beiden oberen Schneidezähnen eine Lücke zu tragen. Wer von der Natur damit nicht beschenkt worden war, feilte zwei Abende von fein bis grob, das Werkzeug wurde reihum gereicht. Wer Pech hatte, lebte gleich mit dem Schmerz zweier bis an den Nerv abgeschmirgelten Zähne, wer Glück hatte, konnte noch ein paar Monate lang kauen ohne zu stöhnen.

Nun läßt sich natürlich kein Berliner Bart-Gel-Träger solange auf die Augen hauen, bis die Brille unvermeidlich ist! Denn es geht auch ohne Schmerzen, und in drei Jahren kommt das Fensterglasgestell in den Sack - individuell ist dann längst der nächste, ganz andere Entwurf.

Der »Konformismus des Anders-Seins«? Im Delta hat der seine Endgestalt angenommen, und daraus ist ein finales Engagement abzuleiten, in dessen Dienst sich tatsächlich sehr viele Menschen stellen lassen: Anders-Sein ist heute nur erlaubt als ein gewähltes, nicht exklusives, nicht schicksalhaftes, sondern konstruiertes und konstruierbares Anders-Sein, das also jederzeit abgelegt, ersetzt oder angenommen werden können soll wie eine Brille, ein Bart, eine wohlfeile Meinung. Jedes ausweglose Anders-Sein hingegen muß dekonstruiert, aufgebrochen oder wenigstens in seinem Ernst relativiert werden, und diese ausmerzende Arbeit der Angleichung, Gleichmacherei und Super-Fairneß ist vielleicht das finale Engagement des Weltinnenraums.

Diejenigen, die am Eintritt in ein Post-Histoire nichts einzuwenden haben, begrüßen die gänzliche Verlagerung der Sinnstiftung in den individuellen Lebensvollzug hinein, in die Beschäftigung mit dem Ich und seiner Spanne bis zum Tod - wobei es zu diesen Egos gehört, den Tod auszuklammern und hinauszuschieben, das heißt: Quantität zu gewinnen, weil es etwas, das über diese Ich-Spanne hinausreichte, wesentlich nicht gebe.



Der Sinn wird ganz aus dem Ich geschöpft, mit sich selbst kann und soll man sich beschäftigen bis zur Erschöpfung, und unbedingt notwendig ist dabei, als dieses Ich wenigstens vor sich selbst relevant zu sein. Das Sinnvolle nämlich ist an das Notwendige geknüpft, und wer von der Geschichte, ihrem Fluß nicht mehr mitgerissen und (im guten wie im dramatischen Sinne) verbraucht wird, muß sich selbst erregen und sich selbst notwendig werden.

Die individualisierte Indienstnahme von allem hat zu einem Verlust der Verbindlichkeit geführt. Die Postmoderne ist fälschlich als das Nicht-Linke begrüßt worden: Das Linke hatte immerhin noch ein Ziel und einen sinnvollen, notwendigen, ergreifenden Einsatz für das Kollektiv formuliert, hatte verbindlich festgelegt, wie der Weg der Befreiung über das revolutionäre Kollektiv zu verlaufen habe.

Postmodern ist: alles zu relativieren, nichts ganz ernstzunehmen oder es ernstzunehmen nur als vernutzbaren Bestand. Jedenfalls: nichts Verbindliches mehr vorzuhaben, sich nicht in den Dienst stellen zu lassen, sondern mit allem zu spielen und im pseudoindividualisierten Angebot-Nachfrage-Raum zu funktionieren. Alles ist nichts mehr wert, sobald es mich langweilt, alles ist ersetzbar, denn es ist nicht verbindlich, zumindest nicht für mich, alles paßt zusammen, denn ich entwerfe das Puzzle ständig neu.

Der »Große Austausch«, das Verschieben von Menschenmassen durch halbe Kontinente, folgt dieser Logik der Ersetzbarkeit und Konstruierbarkeit von allem. Das Wesentliche (Herkunft, Gestimmtheit, Schicksal, Kollektiv, Lage) soll nur scheinbar wesentlich sein, soll aber eigentlich mittels Willensbekundung und sprachlicher Entscheidung angenommen werden können, und zwar ununterscheidbar von jenen, die schon immer da waren. Das Dazugehören: ein täglicher Plebiszit; das Weiterziehen: eine tägliche Möglichkeit; am So-und-nicht-anders-sein-müssen leiden? Etwas für Idioten von vorgestern. Das mit allem spielende, alles ausprobierende Ich mündet in das Delta, speist das Delta, lebt im Delta.

Die Grundfrage lautet: Werden wir noch gebraucht? Können wir unser Dasein als vom Sein »gebraucht«, in den notwendigen Dienst genommen beschreiben? Können wir uns doch noch einmal, entgegen aller Entlastungsleistungen der Moderne, »wiederbelasten«?

Meine These: Die Besseren unter den welcome-Klatschern verspürten den befreienden Impuls, einen Sinn tatsächlich von außen her gestiftet zu bekommen. Jedoch verhalten sie sich seither wiederum so, wie sie schon immer waren: ein bißchen Sinn, ein bißchen stylisches Engagement ist schon recht, aber jederzeit muß man aussteigen dürfen, muß man die Indienstnahme, die Wiederbelastung ablehnen und die Konsequenzen wieder sozialisieren dürfen, das heißt nichts anderes als: das Experiment der Allgemeinheit, diesem anonymen Reparaturbetrieb, zum Ausbaden zu überlassen.

Über die tages- und realpolitische Aufgabe hinaus gedacht, scheint mir das der Grund unserer Arbeit zu sein: den Ernst im Umgang mit dem, woraus und worin wir als Deutsche und Abendländer leben dürfen, überall zu stärken. Ich will so recht eigentlich nur noch mit solchen zu tun haben, die nicht nur spielend die Spanne bis zum Tode gehen, sondern sich »gebraucht« sehen wollen, die sich an einem Nur-Ich langweilen, am Fehlen des Verbindlichen leiden und die grundsätzliche Ratlosigkeit in den Antwortversuchen auf die Frage: »Wie weiter?« für das eigentliche Versagen unserer Eliten halten.

Ich will mit denen gehen, die den Versuch unternehmen, die individuelle Existenz in eine historische, über das Ich hinausragende Notwendigkeit einzubringen und einzuordnen und der »Not der Notlosigkeit« zu entkommen.

Ich bin also – denn diese Zeilen sind ein Dank! – froh, von Leuten umgeben zu sein, die noch immer kämpfen wollen und die durch das Delta waten, weil sie es rauschen hören. Irgendwo muß ein Fluß sein: Rein!

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (92)

Waldgänger aus Schwaben
14. September 2016 08:21
Setze Dich an den Nil und warte - und Du wirst die Leichen Deiner Feinde vorbei treiben sehen.
(Ägyptisches Sprichwort)

Laut faz vom Wochenende hat den nächsten hipster-level jener erreicht, der mit einem Donald-Trump-T-Shirt in einem Berliner Cafe sitzt.
Hauptsache auffallen, Hauptsache nicht langweilig "rüber kommen".

Geduld meine jungen Freunde, Geduld! Und lasst den Ernst noch zuhause. Den meisten geht es noch zu gut.
Frieda Helbig
14. September 2016 08:45
Ich wate mit Ihnen und Danke Ihnen ebenfalls, daß Sie für das notwendige Rauschen sorgen auf das es nie verhallt!

Herzlichst...
Quentin Quencher
14. September 2016 08:59
Lieber Götz Kubitschek,

Es klingt für mich alles ein wenig wie die Suche nach Verhäuslichung. Das Haus ist das Kollektiv, eine gebildete Masse, die aber immer von Zerfall bedroht ist, wenn sie keine Richtung hat (Canetti). Massen sind mir suspekt, egal ob in tiefer Sinnsuche miteinander verbunden oder durch Oberflächlichkeiten und einer Kultur der Ablenkung, die letztlich nur Entspannung verheißt wie das Feierabendbier.

Insofern unterscheiden sich die beiden beschriebenen Gruppen, die die im »Konformismus des Anders-Seins« ihre Richtung erkennen, weil sie eben Entspannung verspricht, und diejenigen die eher von einer Bestimmung und Aufgabe ergriffen sind, nicht wesentlich. Beides ist Suche nach Verhäuslichlichung, oder »Domestizierung des Menschen«, wie Sloterdijk meint, und, dass dies eine Antwort auf die Neotenie des Menschen wäre.

Herzlichst
Quentin Quencher
Realist
14. September 2016 09:25
Sie sprechen mir mit jeder Zeile aus der Seele. Danke!
hubschrauberpilot
14. September 2016 09:46
Mr. K.: Das Delta läuft grob in eine Richtung, bei allen Ärmchen und Ärmelchen, die darin herumdümpeln. Für die Bestimmung dieser Richtung aufschlussreich in der neuen Tumult der Essay von Martin Burckhardt über das Dividuum.
Gustav Grambauer
14. September 2016 10:28
Ich wäre vorsichtig mit der Denunziation des Ich, solange das Abendland noch gar keine Kosmologie des Ich entwickelt hat. (Bis jetzt ist dies nur von dieser Seite geschehen:)

http://anthrowiki.at/Ich

Die gängigen Ich-Begriffe, auch die katholischen und evangelischen soweit sie überhaupt je sauber herausgearbeitet wurden, sind allesamt vorchristlich-basiert, und - um über das Vakuum hinwegzukommen, negativ und noch dazu (hyper-)moralisch aufgeladen.

Daß auf dieser Basis trotzdem geistig gesunde Menschen wie Götz Kubitschek gedeihen, ist ein Wunder; für die Masse ist die kranke Beziehung zum Ich (oder man könnte sagen: "Ich-Schwäche") Hauptursache des Selbsthasses, dessen Folgen wir ja hier unentwegt beklagen.

Dies beobachten wir auch und gerade innerhalb der Kirchen, wo man sich nach römischer Manier vorstellt, ein übersinnlicher Richter (eine Mischung aus quaesitor, iudex und praetor) würde nach dem Tode über das Ich richten. Im New Age hingegen wird, weil dort das Ich sogar so tief gehaßt wird, daß man sein Bestehen gleich komplett ableugnet, im asiatischen Stil lediglich von einem "Selbst" gesprochen, welches nach dem Tode wieder in den Urbrei eingehe, dementsprechend dort das Ego-Gezänk wie im Kindergarten.

Ich finde, für uns sollte jenseits dieser Abstrusitäten eine - wohlverstandene - Ich-Kultur sogar der Schlüssel zu Gebraucht-Werden, Sinnstiftung, Verbindlichkeit und Lebensernst sein.

- G. G.
Meier Pirmin
14. September 2016 10:46
@Kubitschek. Was Sie über das Verhältnis des Intellektuellen zum Tod schreiben scheint mir wichtiger als die Frage, ob jemand wie Sie oder unsereiner noch "gebraucht" werde. Es ist die Schnittmenge zu Ernst Jünger jenseits der Politik. Schön dass @Quentin Quencher Elias Canetti zitiert, bezogen auf sein verkanntes Hauptwerk "Masse und Macht". Canetti war zugleich einer der besten Schweizkenner unter den europäischen Intellektuellen. Ohne sein Kapitel über die Haustochter ("Spionage") in die "Gerettete Zunge" versteht man nicht, was politische Freiheit in kleinräumigen Verhältnissen bedeutet. Das mit der Haustochter, die für den Sieg der Schweizer gegen die Habsburger in der Schlacht bei Näfels Ehre einlegte und sich dieses Sieges würdig zeigte gegenüber ihrer österreichisch-jüdischen Herrin, hat zugleich mit der These von Quencher zu tun, dass es ein wenig um die "Suche nach Verhäuslichung" gehe. Das Haus ist nicht nur ein Kollektiv, es ist weiblich konnotiert. Die Walser sprechen von einem "geschossut Dach". Das Dach ist eine Art Schoss.
Aristoteles
14. September 2016 11:43
Man muss ja nicht unbedingt Rilkes 'Panther' gelesen haben,
dessen zyklischer Aufbau
("Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält ...
Nur manchmal hebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf, dann geht ein Bild hinein.
Geht durch der Glieder angespannte Stille
und hört im Herzen auf zu sein."
)
auf der Homophonie und Doppeldeutigkeit von "sein" basiert,
um Kubitscheks "rein" angemessen zu erfassen.

Es sei dennoch ergänzt,
dass sich die oben beschriebenen Hipster
nicht nur an ihrer nonkonform-konformen Individualität delektieren,
sondern durch Bionade-Trinken und Welcome-Singen auch meinen,
der globalen Menschheit einen gewaltigen Nutzen zu bringen.

Individualität UND globale Menschheit sind die zwei Zangenhebel,
zwischen denen der Mensch,
der sich im Volk und dessen Geschichte und Kultur einbetten möchte,
zerdrückt wird,
wie früher zwischen Kommunismus und Kapitalismus
oder noch früher zwischen dem unnahbaren Gott ganz oben
und der erbärmlichen Kreatur ganz unten.

So wie der Teufel den (Baum- und Volks-)Stamm als Bindeglied
zwischen Himmel und Erde zerhackt hat,
hat man im Mikrokosmos den Menschen das Rückgrat gebrochen,
durch das der Fluß vom Genitalbereich in den Kopf fließt.

Vielleicht sollte man hierbei auch nicht unerwähnt lassen,
dass der Nil von den ägyptischen Priestern
nicht nur als lebenswichtiger Wasserspender betrachtet
und mit der Wirbelsäule des Menschen verglichen wurde,
sondern auch ein nationales Symbol war,
das den Norden und den Süden zusammenhielt.
Paul
14. September 2016 12:05
Also daran , dass die meisten von denen, die hier schreiben, einen Krieg der Intellektuellen oder Belesenen und Gebildeten gewinnen würden, besteht für mich kein Zweifel. Ob der Austausch mit Gleichgesinnten aber über den eigenen Dunstkreis hinaus eine Wirkung erzielen kann, wage ich in Zweifel zu ziehen. Als Zaungast und interessierter Laie marschiere ich hier zeitweilig zwischen den Reihen....oder Zeilen...und frage mich, ob diese Art des Selbstgespräches....nichts anderes ist es nämlich, wenn ich keinen Widerspruch erwartet...am Ende nichts anderes als geistige Onanie ist. Wer hier was von wem gelesen hat, ist nicht nur mir, sondern auch dem politischen Gegner, völlig schnuppe. Die Linke hat ihre eigenen intellektuellen Schutzpatrone und Abziehbilder. Nichts gegen sie, Herr Kubitschek, aber ich kann dieses ewige zitieren und diese ewigen Fussnoten und Quellenangaben im Hinblick auf zum Grossteil bereits verblichene Intellektueller nicht mehr hören oder sehen - weder von der einen, noch der anderen Seite.
Der_Jürgen
14. September 2016 12:11
Von allen Kubitschek-Artikeln, die ich gelesen habe (und es sind deren nicht wenige) finde ich diesen den vielleicht grossartigsten. Ein Dank dem Autor.

Nebenbei: Wenn ich das Wort "Posthistorie" höre, muss ich immer an Ernst Jüngers genialen Roman "Eumeswil" denken, in dem ein vielrassiger, aussenpolitisch völlig vom "Gelben Khan" in Eurasien abhängiger Fellachenstaat irgendwo in Nordafrika geschildert wird. Ob dies das Schicksal ist, das Europas als Ergebnis des scheinbar unaufhaltsamen Niedergangs harrt? Obwohl nicht mehr der Allerjüngste, bin ich froh, zu den von Kubitschek am Ende seines Beitrags erwähnten Menschen zu gehören, die noch kämpfen wollen. Es ist noch nicht aller Tage Abend für das Abendland.
Heinrich Brück
14. September 2016 14:01
Diese "Not der Notlosigkeit" hält der deutsche Mensch nicht aus. Die Notlösung der Amerikanisierung taugt nichts. Eine Erlösung findet nur im Glauben eines unendlich-ewigen Gottes statt. Personalisiert im Gewaltakt des Kreuzestodes. Langfristig kann Gott weder ersetzt noch optimiert werden.
Die Unfähigkeit, über die Verluste eigener Volksanteile zweier Weltkriege und eines millionenfachen Abtreibungsgeschehens, zu trauern, hat dieses Volk auf die schiefe Bahn geworfen. Die Ahnenverehrung ist Teil gesunder Anlagen, die im Normalfall Kräfte zur Trauerarbeit zur Verfügung stellen. Wenn aber das Eigene zum Feind umgedeutet wird, kann die Trauerarbeit guten Gewissens unterlassen werden. Nur der bohrende Stachel bleibt, denn vorbei ist die Angelegenheit mitnichten.
Der Sprung in den Glauben ist dem Sprung in den Tod vorzuziehen.
"Ein Rätsel ist Reinentsprungenes. Auch
Der Gesang kaum darf es enthüllen. Denn
Wie du anfingst, wirst du bleiben,
So viel auch wirket die Not,
Und die Zucht, das meiste nämlich
Vermag die Geburt,
Und der Lichtstrahl, der
Dem Neugebornen begegnet.
Wo aber ist einer,
Um frei zu bleiben
Sein Leben lang, und des Herzens Wunsch
Allein zu erfüllen, so
Aus günstigen Höhn, wie der Rhein,
Und so aus heiligem Schoße
Glücklich geboren, wie jener?"
... Der Rhein - Hölderlin
Desprecio
14. September 2016 14:12
@ "Paul"

Hin und wieder werden Kommentare, wie auch der Ihrige heute,
freigeschaltet.
Auch ich habe mich schon in ähnlicher Form, mit ähnlichen Worten
an das offensichtlich gebildetete, sehr belesene und vor allem hoch-
intellektuelle Forum gewandt.

Wie man sieht, ohne Erfolg.

Möglicherweise ist es ja erwünscht, daß dieser erlesene Kreis unter
sich bleibt. Akademisch elitäre Wortwahl in den Kommentaren (hin
und wieder nicht nur da) verhindern meiner Ansicht nach, daß ein
weiterer ideenverwandter Personenkreis sich angesprochen fühlen
könnte, konstruktive Gedanken einzubringen.

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere ältere Forist an
das linksextremistische Geschwurbel der RAF-Zeit in den 70er bis
90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, das bis in die Verteidiger-
Reden in den entsprechenden Gerichtsverhandlungen ihre Höhe-
punkte erreichte.

Von den "Werktätigen", für die die RAF ursprünglich auf die Straße
ging, für die sie angeblich ihre Morde und sonstigen Verbrechen be-
ging, verstand damals keiner, was diese, sich damals als elitäre, linke
Elite verstehenden "Genossen" damit sagen wollten.

Wenn wir als Rechte den "Mann(Frau) auf der Straße" noch erreichen
wollen, ihm unsere Ideale und Ziele näher bringen wollen, sollten wir
versuchen, ihn in seiner Sprache zu erreichen.

Nicht nur Kommentatoren, auch einige Autoren in der SiN sollte hin
und wieder daran denken.

In dem vorangegangenen SiN-Beitrag vom 11.09.16 erfüllten einige
der Kommentatoren diese Forderung, der Autor dieses Beitrags je-
doch weniger.
Einar von Vielen
14. September 2016 15:03
Verehrter GK,
der Dank, selbst da er wegen fehlender öffentlicher Kampfmeriten zu meinem Bedauern keinesfalls mir gegolten haben wird, kann nur an Sie zurückgegeben werden. Denn wie zerfasert und allein im Windigen stünden wir Patrioten da, wenn es nicht diesen pulsierenden, takt- und liniegebenden Knotenpunkt Schnellroda gäbe?

Gerade auch in Ihren vor Sorge um die Heimat durchzogenen Texten vermengt sich immer wieder das Poetische mit dem Analytischen auf eine Weise, wie sie so vermutlich nur deutsch sein kann.

Es zeigt sich aber auch, denn Ihr Beitrag ist so ohne die Digitalisierung der Erlebenswelt kaum denkbar, wie viel Mut auch aus dem geschöpft werden kann, was unter dem Begriff ‚Postmoderne‘ als Ursache des heutigen Großübels zu benennen ist: Das, was so Viele unseres Volkes ins dämmrige Selbstvergessen hat treiben lassen, stark vereinfacht gesagt vielleicht die Wechselwirkung zwischen Kultur und Technik, gebiert gleichzeitig die Mittel, um den Geist des Volkes zu erhalten, zu konsolidieren und im Gegensatz zu den Möglichkeiten der herrschenden Unechtheit für Taten zu rüsten.

Denn wenngleich die herrschende Unechtheit selber in der Lage ist, Taten durch institutionelle Agenten verüben zu lassen, so reicht sie – was die Hingabe der übrigen Ich-linge angeht – allenfalls zu punktueller Selbstbefriedigung, ansonsten aber doch nur zu passiver Mitläuferschaft. Gerade wegen dieses geringen eigenen Aktivierungsvermögens fördert sie die – im Kern jedoch aus reiner Mordlust motivierte, höhere Ziele also lediglich simulierende – ‚Antifa‘. Diese verstehe ich folglich nicht als eine dem Unechten wesensverbundene Bewegung, sondern lediglich als etwas ohnehin immer Vorhandenes, hier nur lediglich in historisch einmaligem Ausmaß zum Unglück des Volkes instrumentalisierte Kraft. Heißt: Der Gegner mag über viele Hirne herrschen, aber wem bewusst ist, dass er den Herd verteidigt, tut dies leidenschaftlicher als jeder Angreifer.

Daher bin ich hoffnungsfroher als jemals zuvor, denn das was sich um uns vollzieht könnte identitätsformender gar nicht sein. Man stelle sich vor, es wäre immer nur WM 2006.

Entsprechend möchte ich es hier auch wagen, dem Bild des Flußdeltas zu widersprechen (hier irrt Goethe bzw Sloterdijk und GK :-): Was wir als Versandung geschichtlicher Ströme wahrnehmen ist n.m.M. nur der ewig eingeschränkte Blick auf die Gegenwart. Vermutlich werden schon Menschen der Antike das Gefühl gehabt haben, jetzt lösen sich Dinge auf zu etwas Ungeordnetem und etwas, was die Menschen sich in Einzelinteressen verlieren lässt. Ich bin mir sicher, dass Menschen, die in 500 Jahren auf unsere Zeit blicken, mit relativ knappen Bemerkungen das Wesentliche im Heute erfassen können werden, ohne ein Flußdelta voller egomanisch planschender Hippster zu sehen.

Zuversicht spendet mir auch die Erfahrung, dass das Ende der Geschichte nicht durch eine zunehmende Ego-Ausstattbarkeit eingeläutet wird. Denn die gab es ebenfalls schon immer, ob es die seidene Toga, die Mode- und Selbstmordwelle ausgelöst durch den jungen Werther, der Existenzialisten Look war oder was auch immer an geckenhaftem Avantgardismus angesagt ist.

Auch empfehle ich die Trauer, die in Ihren Zeilen ob des wahrnehmbaren Verlustes an allgemeinem Sinn für das, was man Schicksalsgemeinschaft nennen darf, spürbar ist, zu keinem Zeitpunkt triumphieren zu lassen. Übelmeinende könnten sonst zu dem Trugschluss verleiten, der Verlustschmerz in dieser Angelegenheit sei am Niveau historischer Singularitäten wie dem des ‚Du bist nichts, Dein Volk ist alles‘ festgemacht. Tatsächlich war dieses Niveau nicht nur ‚unnatürlich‘ und allein den damaligen Umständen geschuldet, wenngleich nachvollziehbar und – wer weiß das schon – ggf. tatsächlich ‚alternativlos‘. Es wäre aber auch heute unnötig in dieser Zuspitzung, denn es reichte schon hin, wenn es gelänge, die uns zugemuteten Gaukeleien zu entzaubern.

Ein in meiner privaten Praxis bescheiden erfolgreicher Ansatz ist es hierfür, bundesdeutschen Demenzpatienten glaubhaft zu versichern, dass ‚Rechte‘ durchaus die gleichen Ideale anstreben wie unsere hochverehrte Kanzlerin des freundlichen Gesichts: Eine gerechte Welt ohne Not und Diskriminierung, in der Freizügigkeit in jedem erdenklichen Aspekt für ausnahmslos Jedermann sichergestellt ist, auch die räumliche Niederlassungsfreiheit, und in der Geben seliger denn Nehmen ist.

Die Ungläubigkeit auf den Gesichtern habe ich des Öfteren bereits in nachdenkliches Raunen transformieren können, indem ich mich auf Käse bezog. Ja Käse. Wenn wir den Weltenkäse genießen wollen, braucht dieser seine Reifezeit und -geschwindigkeit. Ein Vorgang von A (böses Deutschland) zu B (Ideal der entbehrungsfreien Weltmenschengemeinschaft) ist nur dann erfolgreich, wenn die richtigen Schritte in der richtigen Geschwindigkeit gegangen werden. Man darf nicht zu langsam gehen. Man darf aber auch nicht zu schnell gehen. Sonst reift der Käse nicht. Dass die daher an sich selbstverständlich wünschenswerten Vorgänge in Europa in diesem Sinne leider ‚zu schnell‘ gehen und daher das Risiko bergen, dass das schöne Ziel des Weltkäse nicht erreicht wird, bietet eine entlastende Brücke, über die diese Überforderten den Weg zurück in die Wirklichkeit gehen können. Dann und wann klappt es, denn ein ungutes Gefühl hat mittlerweile ein Großteil der Vernunftjubler trotz ihrer partiellen Hirnfäule…

Herzlichste Grüße und toi, toi, toi für das Wochenende
Matthias Grund
14. September 2016 15:23
So wie der Arbeiter- und Bauernstaat Arbeiter und Bauern selektierte und formte, braucht die globale Konsumgesellschaft den globalen Konsumenten, muss ihn selektieren, notfalls erschaffen.

Charakterelemente des neuen Menschen: Hedonistisch, ichbezogen, spaßsuchend im Hier und Jetzt, geschichtslos, ohne Jenseitsbezug (areligiös), totalkommodifiziert, kennt nichts Heiliges mehr. Nicht ohne Grund wird der Kirche gerade der Zahn gezogen, ihre Widerborsten weggebrannt, denn sie ist der größte Gegner des Liberalismus. Die Bibel weiß seit 2000 Jahren: Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf (den Islam braucht man noch, um die westlichen Nationalstaaten von innen heraus zu sprengen, dann wird auch er abserviert).

Der von Ihnen beschriebene Hipster, in seiner vermeintlich antikonsumistischen Haltung peinlich darauf achtend, nur ja das richtige zu konsumieren, bejaht nur die Fundamente der globalen Konsumgesellschaft. So wie der Kommunismus mit seinen zwanghaften Fünfjahresplänen und Produktionszielen für Rasierklingen und Schraubenmuttern kein Gegenmodell zum Kapitalismus war, sondern ebenso konsumfixiert wie dieser.

Die große Transformation zur globalen Konsumgesellschaft lässt sich nur stoppen, wenn sich Rechte und Linke ihr gemeinsam entgegenstellen.

Wie Sie richtig beschreiben, lässt sich die Linke noch mit Sinnversprechen und Morallügen ködern. Es braucht Aufklärung/Klassenbewusstsein wie bei Marx und Freire, damit die Menschen ihre Interessen erkennen. Der Liberalismus befreit sie nicht, sondern überführt sie in eine Existenz, in der theoretisch alles erlaubt ist, aber nichts mehr möglich, weil alles permanenten ökonomischen Zwängen unterliegt.
Erik
14. September 2016 15:44
Paul: Da Kubitschek und Sellner jedoch auch aktiv über den Bücherrand hinaus tätig sind, dürfen sie hier auch ganz gerne mal etwas geistig „onanieren“. Beim Rest jedoch, der ausschließlich am intellektuellen Saftablassen ist, sieht die Sache schon ganz anders aus. Aber nochmal: Gerade Kubitschek und Sellner leisten hervorragende Aufklärungsarbeit, welche, wenn auch von mir nicht immer vollends ideologisch geteilt, durchaus unterstützens- und nachahmenswert ist.
Paule
14. September 2016 15:46
Hallo Paul,
Richtig! Richtig! Richtig!

In diesem Gewässer fehlt der deutsche Ingenieur, der den Schwimmbagger benutzt um all diese Rinnsale und Pfützen wieder zu einem Strom, der in die weite Ferne der Zukunft fließt, bündelt.
~
Nun ja vielleicht ist es auch erst nur eine Schaufel oder der Spaten, aber wenn er ihn ansetzt werden sich ja bald Viele, auch die, die gerade in K`s Fluss schwimmen gegangen sind, ihm anschließen.

Und Paul, Entschuldigung, aber versuchen es sie auch mal mit Gleichschritt, und sie werden die Resonanz des „Selbstgespräches“ spüren die sich daraus ergibt.
Plötzlich hört man auch die Antworten, von Freund und Feind
.
Die Mär von einstürzenden Mauern und schlechten Brücken ist keine...

Ein Feind zum Beispiel heute in der Frankfurter Rundschau mit http://www.fr-online.de/leitartikel/nationalismus-es-gibt-keinen-deutschen-volkscharakter,29607566,34737730.html
Dieses Gespräch ist Donnerhall und bald kommt auch die Flut verstärkt durch das heraufziehende Gewitter...

Gruß Paule

PS: Ich kann im „Häuslichen“ kein Makel erkennen, dort ist die die eigene Zukunft: Söhne, Töchter und auch bald Enkel. Man muss das Haus ja nicht klein machen und bald hat man ein häusliches Dorf, eine häusliche Stadt und dann ein häusliches Land!
Was ist daran schlimm?
Das man überall die gleichen Märchen erzählt?
Paule.

PPS: An Alle, auch Herrn Sellner! Danke für dieses Forum, die Gedanken, das Gedenken, die Bedenken, auch für die Geschichten, das Berichten, das Gesichten.
Danke für Anteilnahme und die Freude aber vor allem für die Hoffnung auf den Erhalt der Heimat!
Nicht nur für mich sondern auch für meine Söhne und Enkel (ab heute ist es Eines mehr!)
P.
Einar von Vielen
14. September 2016 16:27
@ Paul

Doch, doch, das hier erzielt Wirkung. Vergleichen Sie dieses Stelldichein der Federkönige eher mit einem Kaminabend, an dem Gleichgesinnte zum Parlieren über Waffenkunde und die Welt im Ganzen zusammenkommen. Hier wird sich in respektvollem Wettstreit gemessen und geformt derweil es den Anwesenden eine Freude ist, thematisch vom Gastgeber inspiriert zu werden.

Man geht danach auseinander und zurück in sein Revier in der Zuversicht, nicht allein mit seinen Ansichten zu sein, im Gegenteil, hierin Zuspruch erfahren und sich geistige Anregungen geholt zu haben. Hierin liegt die Wirkung, die ganz konkret und fassbar ist: Es ermutigt draußen Farbe zu bekennen und diese klarer zu beschreiben. Das ist mehr als geistige Onanie (Seife bitte).

Und das übt ferner eine Wechselwirkung mit Ihrer Umgebung aus. Ich für meinen Teil bin seitdem ich hier hereinlese (und auch mal eine sinnlose Zeile hinzudichte) im Privaten ein viel aufrechterer Rechter. Ein kleiner unbedeutender Knoten im Netz nur, aber einer von vielen. Naja Einar von Vielen, mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Abgesehen davon ist dem Kreis um die Sezession ja nun eines wirklich nicht vorzuwerfen: Dass er in der intellektuellen Pose verharren würde. Von wo werden mehr wirkungsvolle Aktionen durchgeführt, inspiriert, unterstützt? Dies alles ist erst das Ergebnis geistiger Reflexion, und das Zitieren Verblichener ist vermutlich auch eine Art meditativer Kraftsammlung aus der Quelle dessen, was diese Bewegung hervorgebracht hat.
Ostelbischer Junker
14. September 2016 16:39
Die mentale Entwurzelung des Menschen beginnt schon im Geschichtsunterricht: Jahresdaten werden weder gelehrt noch gelernt noch abgefragt. Man kann sich nicht mehr als eine Line auf einem Zeitstrahl begreifen sindern nur noch als Punkt. Es ist wie im ,,Tatort": permanente Gegenwart. Es ist in der Wirtschaft genau so: Null Zinsen bedeuten: keine Investitionen, kein Fortschritt, keine Zukunft. Manch ein Politiker weiß komischer weise noch, dass die Wirtschaft (zentralbankgetrieben) in Wellen verläuft. Wir befinden uns auf dem Wellenkamm der Konjunktur. Warum wird wieder und wieder die vergessen, dass ein Abschwung folgt? Permanente Gegenwart!
Aber nur Mut. Auch wenn die gesamte Gesellschaft noch im Altwasser festsitzt: Wir haben versucht, das Boot Fluss(besser gesagt hochsee-)tüchtig zu halten und mussten uns dafür den Vorwurf der Wasserdiskriminierung anhören.
Aber es läuft doch immer besser! Frauke Petry´s völkische Nummer ist nur noch Pausenfüller, der Seehofer sagt tatsächlich, dass als Einwanderer nur noch Abendländer kommen sollen, die AfD bekommt 20 % und mehr während die Kaiserin im Türkischen Puff nackt an der Stange tanzt. Vertrauen in den eigenen Weg Leute. Wir sind mit historischem Wissen, theoretischem Rüstzeug und als Rechte in diesem Lande mit der nötigen Schicht Hornhaut versehen. Wir haben also das Zeug, in 5-10 Jahren die coolen zu sein, also die Opportunisten hinter uns zu versammeln. Denn nur die Mutigen erlangen Respekt. Ich bin mir sicher, dass man viele von denen, die hier lesen, schreiben und kommentieren an seiner Seite haben wird, wenn es richtig heiß wird in Deutschland, während die Gegenseite in Connewitzer und Dahlemer Bunkern verschwindet.
Ralf
14. September 2016 17:29
Hallo Herr Kubitschek,
ich schätze Ihre Beiträge in diesem Blog, weil sie von einer intellektuellen Redlichkeit getragen sind, die weder Freund noch Feind schont. Sie beschreiben die Phänomene der Zeit und analysieren deren zugrunde liegenden Triebkräfte, ohne persönlich zu beleidigen. Wahrscheinlich wissen Sie zu gut um die grundsätzliche Schwäche und Verführbarkeit des Menschen.

Auch dieser Beitrag liegt auf dieser Linie. Zudem werden hier metaphysische Fragen aufgeworfen, deren Beantwortung nur unter Berücksichtigung - ich sag es besser gleich - biblischer Aussagen möglich ist.

Aus welchem Grund sind wir denn genötigt, Begriffe wie Identität, Sinn, Herkunft und Hinkunft zu befüllen? Ist diese Not etwa nicht die der aus dem Paradies - und damit aus der Gemeinschaft mit Gott - Vertriebenen? Ist es uns überhaupt aufgetragen, nachdem Jesus Christus durch sein Sühnopfer den Weg zurück zu Gott ermöglicht hat, diese Begriffe eigenmächtig zu füllen?

Sollte ich durch den Glauben zu einem Kind Gottes geworden sein, kann und darf kein anderer Begriff meine neue bzw. wiedergewonnene Identität und Herkunft ersetzen oder überlagern. Sie festzuhalten ist die tatsächliche, über meine irdische Existenz hinausgehende, Notwendigkeit.

Selbstverständlich bin ich ebenso ein Mensch in Zeit und Raum, der sich in mannigfaltigen Lebensbezügen vorfindet, die jedoch alle den Makel einer gefallenen und gerichtsreifen Welt an sich tragen. Wie bereits an anderer Stelle von mir beschrieben, haben zeitliche Ordnungen den Sinn, sofern sie sich als von Gott verordnete Notstandsgesetze verstehen, den bösen Willen des gefallenen Menschen einzuhegen.

In Ihrem Artikel haben Sie trotz der thematisierten Meta-Ebene menschlichen Seins und Handelns keinen Bezug zur Bibel hergestellt. Sehen Sie keinen? Besteht etwa kein Zusammenhang zwischen der Abkehr vom christlichen Glauben und dem Verfall auf allen Ebenen? Denken Sie, Sie könnten dem Abendland einen neuen Mythos unterlegen, der ihm Fundament sein kann? Woraus und worin dürfen wir Abendländer denn leben, wenn wir Gottes zur Versöhnung ausgestreckte Hand ablehnen und er sie in der Folge abzieht?

Ganz ernst gemeint:
Vielleicht kann mir jemand eine Lesart des Neuen Testaments zeigen, die es mir erlaubt, das, was in Ihrem Artikel als das Wesentliche bezeichnet wird, als sinn- und identitätsstiftend zu sehen. Dies wäre meiner Ansicht nach eine Bedingung für einen hingegebenen Dienst bzw. die Einforderung desselben. Ich lasse mich hier gern belehren. Bis dahin jedoch versuche ich, jeden "fremden Dienst" zu vermeiden.
Helga Müller
14. September 2016 17:48
Bertolt Brecht

DEUTSCHLAND 1952

O Deutschland, wie bist du zerrissen....
Und nicht mit dir allein.
In Kält und Finsternissen
Schlägt eins aufs andre ein.
Und hättest so schöne Auen
und stolzer Städte viel:
Tätst du dir selber vertrauen
Wär alles Kinderspiel.
Brandenburger Sandstein
14. September 2016 18:46
Toller Text, präzise Analyse der Beweggründe sich selber rechts zu nennen. Eben genau hier eine Verbindlichkeit (gegenüber dem eigenen Volk) einzugehen, das zeichnet doch jene aus mit denen K sich umgeben möchte und schon umgibt. Allein das "Flussbild" stört mich, ich habe der Flusslehre nie etwas abgewinnen können, unterstellt sie doch lineare Abläufe (du kannst niemals zweimal in den selben Fluss steigen). So ein Schwachsinn! Für mich stellt es sich gänzlich anders da: wir alle steigen, und zwar Tag für Tag in den selben Fluss (aus Konsumscheisse, Arbeitspflicht in menschenverachtenden Verhältnissen, Steuerzahlungen fürs System das fremde päppelt, nicht-mehr-zuhause-fühlen, und obendrein hat jeder seine privaten Probleme, die auch immer die gleichen bleiben werden.
Kurz um, dieser Gedanke, da fließe etwas weg, ist falsch! Wir werden im Gegenteil in Zukunft genau jene Problem vergegenwärtigen die grad ins Delta münden. Zur Erklärung: nen Delta und einen Fluss überhaupt gibt's erst mit Wasser. Und das hat einen Kreislauf. Und so denke ich dass wir uns auf einem flachen Kreis bewegen: kommende Generationen werden also genau die selben Probleme haben, wie deutsche Nationalisten die Badenser, Württemberger, Bayern oder Sachsen waren, aber Deutsche sein wollten. Und das ist die eigentliche Perfidie hinter unseren Eliten und ihrer Flusslehre, zu behaupten, sie würden Probleme lösen (welthunger, Überbevölkerung, Armut, Ungleichheit, Rassismus etc.), dabei werden genau diese Probleme grade manifestiert: und zwar nicht irgendwo in Afrika sondern hier. Nett!
Grüße an die Sezession!! Ist am mobilen Fernsprecher getippt, Fehler garantiert ;/
Dieter Rose
14. September 2016 18:56
FR Artikel gelesen -
jetzt weiß ich bescheid (sic!).

Wo hat dieser Herr Schreiberling
seine Bildung genossen?

Selbsthass?
cherusker69
14. September 2016 19:46
Herr Kubitschek

vielen Dank für diesen Text der mich sehr berührt hat. Sie sind jemand der für viele Patrioten ein Vorbild ist, ja das kann und muss man so sagen und ich bin froh hier auf diesen Seiten gelandet zu sein..

Ein sehr gutes Gefühl, unter UNS zu sein, den völligen Wahnsinn da draußen zu entfliehen und Kraft zu schöpfen in der Hoffnung noch einiges drehen zu können.
Winston Smith 78699
14. September 2016 20:09
@ Erik
Beim Rest jedoch, der ausschließlich am intellektuellen Saftablassen ist, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Was wissen Sie über diese anderen vom "Rest" denn? Oder ist das jetzt nur Zündelei?
Willkommenskulturlos
14. September 2016 21:04
Postmodern ist: alles zu relativieren, nichts ganz ernstzunehmen oder es ernstzunehmen nur als vernutzbaren Bestand. Jedenfalls: nichts Verbindliches mehr vorzuhaben, sich nicht in den Dienst stellen zu lassen, sondern mit allem zu spielen und im pseudoindividualisierten Angebot-Nachfrage-Raum zu funktionieren. Alles ist nichts mehr wert, sobald es mich langweilt, alles ist ersetzbar, denn es ist nicht verbindlich, zumindest nicht für mich, alles paßt zusammen, denn ich entwerfe das Puzzle ständig neu.


Das ist nicht postmodern, sondern DEGENERIERT und ist überhaupt nicht neu.
Ähnlichen Zustand gab es im weströmischen Reich vor dem Niedergang, dann Tausend Jahre später in Byzanz vor dem Fall usw.

Das kommt in der Geschichte regelmäßig vor (am Ende des ethnischen Lebenszyklus).

Ich bin also – denn diese Zeilen sind ein Dank! – froh, von Leuten umgeben zu sein, die noch immer kämpfen wollen


Das ist der Unterschied zwischen gesunden Menschen (noch immer kämpfen wollen) und Degeneraten.
Degeneration am Ende des ethnischen Lebenszyklus heißt eben nicht, dass alle Degeneraten sind, sondern, dass die Zahl der Degeneraten dramatisch zunimmt und gesunde Menschen in der Unterzahl sind.
Willkommenskulturlos
14. September 2016 21:06
@GK
Ich möchte hier eine Anmerkung zu Ihrer Diskussion in TICHYSEINBLICK machen, wo Sie Masseneinwanderung als gesellschaftliches Experiment bezeichnet haben.

MASSENEINWANDERUNG IST KEIN EXPERIMENT.
Beim Experiment ist das Ergebnis unbekannt / offen.
Bei der Masseneinwanderung ist das Ergebnis aus der Geschichte hinreichend bekannt, siehe z.B. das weströmische Reich.
Masseneinwanderung solches Ausmaßes endet für Einheimische immer mit Katastrophe.

Wer mit solchen Beispielen vor den Augen es trotzdem macht, ist kein Gesellschaftsklempner, sondern DEGENERIERTER SELBSTMÖRDER.
Eckesachs
14. September 2016 21:07
Zuerst einmal Dank zurück an Herrn Kubitschek für seinen Willen und seine Tatkraft.
Kann ich dafür danken, frage ich mich? Tun wir nicht alle, was wir tun müssen, folgen wir nicht unserer Bestimmung? Folgt nicht sogar der Fensterglasbrillenhipster seiner Bestimmung, seinem innerstem Wesen?
Aus diesem Grunde, weil ich ahne, daß nichts von mir allein Geschaffenes aus mir selbst kommt, verabscheue ich Dank für irgendwelche Taten, DIE ICH EINFACH TUN MUßTE. Unser Tun ist Pflicht. Pflicht, die manchmal leicht von der Hand geht, manchmal nicht. ,,Pflicht" - das ist ein innerer Antrieb, etwas hohes, schwer faßbares.

Hiermit wende ich mich an

@Ralf.

Ich hatte Ihren Beitrag im Lichtmeszstrang glatt übersehen. Dabei spricht er mir aus dem Herzen!

Sie schreiben dort, und das paßt auch hier:


,,Die Rechte müht sich um die Erhaltung all dessen, was die Linke zu zerstören trachtet. Aber weiß sie auch (noch) warum? Weiß sie um die Tatsache, dass die Institutionen keinen letzten Wert in sich tragen, sondern dem sündigen Wesen des Menschen geschuldet sind und ihre Funktion die eines Hemmschuhs der Ausweitung des Bösen ist? Dass Jesus selbst vor jeder Absolutsetzung bzw. Vergötzung oben angeführter Ordnungen gewarnt hat? Dass ihr Wert oder Unwert davon abhängt, ob sie mir den Gehorsam gegenüber Gott möglich oder unmöglich machen? Und dass Jesus ebenso fordert, dem Bösen nicht zu widerstreben und dass Unrecht auch erlitten werden muss?"

Eine einfache Frage, die mich schon sehr lange umtreibt:

Darf ich als Geretteter, als Christ, als Diener Gottes (ich bin einer seiner kleinsten Knechte) mein Schwert ziehen?

Hat Karl Martell recht gehandelt?

Anders gefragt: wo wären wir jetzt, was wären wir jetzt, hätte es Prinz Eugen und andere Helden nicht gegeben?

Alle Freikirchler und Zeugen Jehovas, mit denen ich rede, können mir keine klare Antwort geben.

Wir können nicht zwei Herren dienen, das wissen Sie.
Wem dienen wir, wenn wir das Notwendige tun? Ich mag nicht zuschauen und leiden, ich mag nicht zurückstehen und mich auf dem Sterbebett fragen müssen, ob ich richtig gelebt habe. Wenn ich nach meiner Eigenart handele, mit Christus im Herzen, handele ich dann nicht im Sinne Christi?

Ich grüße Sie
Harald de Azania
14. September 2016 21:10
Vivere militare est (Seneca)

Post-histoire is aus, seit 2015 gibts Barbareninvasion und das ist gelebte Geschichte

Vielleicht is das auch ein herausmendeln' untauglicher Typen.

Rein in den Fluss, rauf auf den Berg , "Kolberg' ist angesagt :-)

HdeA
Simplicius
14. September 2016 21:22
@Paul

Ach, Paul, lieber „Zaungast“ Paul,
jetzt halt aber lieber dein ….

Diese Retourkutsche müssen Sie schon wegstecken können, bei dem Kommentar, den Sie sich erlaubt haben: im wahrsten Sinne des Wortes unter der Gürtellinie. Ich weiß, dass es nicht gerade für mich spricht, dass ich auf Ihre O-Provokation überhaupt reagiere. Aber ich bin halt auch so ein halber Prolet.

Außerdem sagen Sie:
„Wer hier was von wem gelesen hat, ist nicht nur mir, sondern auch dem politischen Gegner, völlig schnuppe.“


Aber darum geht es doch gar nicht, lieber Fürst Paul von Onan.

Nur an einem kleinen, konkreten Beispiel so viel:
Scheint es mir doch schon für einen Familienvater bzw. für die Eltern ein löbliches und auch schöngeistiges Ziel zu sein, ein gewisses Niveau an Belesenheit und Weltbetrachtung innerhalb der Familiengemeinschaft zu erreichen und sich im Idealfall beim Abendessen mit den Kindern auszutauschen.

In gewisser Weise ähnlich betrachte ich hier diesen Kreis an gebildeten, engagierten und im großen und ganzen gleichgesinnten Blog-Teilnehmern als einen geistigen Echoraum, deren Kommentare ich zwar nicht immer alle lese, weil ich oft gar nicht die Zeit habe. So wie ich gestern Abend nach der Arbeit das direkte Gespräch im kleinen Kreis gepflegt habe.

Aber dieser Blog macht doch auch stärker. Er ist geistige Nahrung. Ich bin mir darüber hinaus sicher, dass in den meisten Foristen ein für die Linken unangenehmer Waldgänger steckt und auf die Chance wartet.

- Wenn Sie Ernst Jünger gelesen haben, dann wissen Sie, was ich meine. Aber Sie wissen es wahrscheinlich nicht.
Martin S.
14. September 2016 21:30
Weiter oben: "Schwimmbagger für's Delta". ...
Oder brauchen wir vielmehr einen SCHIMMELREITER, der sich im brechenden Deich opfert?
Herzliche Grüße
Martin S.
Winston Smith 78699
14. September 2016 21:35
Eine kleine Fußnote nur, weil ich zuviel schreibe: G.K. fokussiert hier penetrant auf einen Mangel in der eher im Angelsächsischen beliebten Dichotomie "Kollektivismus" versus "Individualismus", die ich eine zeitlang attraktiver fand als links/rechts oder demokratisch/diktatorisch/totalitär und ähnliche. Natürlich war mir die Kritik am äußerlichen und sozialen Individualismus bei zugleich gestiegenem Konformismus im Denken bekannt, aber das "Kollektivistische" fand ich als Feindbild attraktiv, weil ich damit die forcierte Entwicklung unserer "Gesellschaft" mit einem soziologisch anmutenden, neutral-analytischen und wie von einer Außenperspektive aus formulierten Zielbild ansprechen konnte, in dem die totalitären Züge etwa von Stalinismus und Hitlerdeutschland zusammenfallen, damit die Reflexglocken auch kräftig bimmeln. "Was, Merkeldeutschland oder Rötgrünien so ähnlich wie Hitlerdeutschland???" Aber das hinkt, wie Kubitschek zeigt. Vielleicht kann der Begriff vom Egalitarismus helfen: Die Gleichmacherei in vielen Bereichen, besonders verhängnisvoll (vielleicht weil subtil und langfristig) in Bildung und Leistungsbewertung, verlangt vielleicht nach Kompensation durch Absonderung und Inszenierung im Gefieder; man putzt sich bedeutsam, weil das Gesagte belanglos ist (im Hörer oder bereits im Sager). Jene entmutigende und deprimierende Gleichmacherei aber ist mehrfache böse Illusion.
Kaliyuga
14. September 2016 21:50
Der Grundgedanke Sloterdijks ist nicht neu. Henning Ritter diskutierte vor bald eineinhalb Jahrzehnten im Feuilleton der FAZ den Alexandre Kojève (1902 – 1968), der, offensichtlich aus Beobachtung abgeleitet, die Auffassung vertrat: „Sehen Sie sich um, alles, einschließlich der Konvulsionen der Welt, weist darauf hin, daß die Geschichte abgeschlossen ist.“ Im finalen Zustand „Erstarrung mit bewegtem Faltenwurf von Ereignissen“ (Ritter).

Interessant ist, daß diese Bilder sich jeweils an potentiell mächtigen Naturgewalten orientieren, das Wasser hier, das Feuer und Beben der Erde dort. Im schlagenden Kontrast die bei aller schrillen Absurdität durchdringende Lauheit des aufgestylten, feminisierten „Mannes“, der sich mit Sommerschal, Designerbrille und Bart inszeniert.

Das Delta ist, was es ist: ein Delta. Daran wär‘ dann nicht zu rütteln. Anders freilich verhielte es sich, wo dem Fluß bloß künstlich, zum fremden, d.h. uneigentlichen Nutzen, ein Stau eingezogen worden wäre. Der könnte ganz von selbst auch bersten, wenn die Wasser schwellen. Und auch und gerade im Unterlauf wär‘ dann kein Halten mehr.
Fredy
14. September 2016 22:15
Dank zurück, werter GK. Und wenn schon rumgechristelt wird, dann wünsch ich gleichfalls des Herrgotts reichen Segen.

Und jetzt zieh ich die Schwimmweste an und geh rein, in die Badewanne.
Olle
14. September 2016 22:25
Posthistoire, Hipster, daß sind doch alles nur Metaphern für einen allgemeinen großangelegten Niedergang, eine Destruktion, die sich vor unser aller Augen vollzieht. Und dagegen stehen wir! Das ist nichts Selbstverständliches oder Banales und deshalb muß Leuten wie @ Paul, die Intellektualität als solche suspekt finden, gelassen entgegengetreten werden. Klären der Begriffe! Wie sonst? Mit der Faust sind wir sowieso unterlegen... noch! Warum? Weil das intellektuelle Vorfeld über Jahrzehnte vom Gegner beherrscht worden ist. Ich warne vor zu ziselierter Beurteilung des destruktiven Ablaufes! Alberne Typen mit Bart, Brille, wichtigem Getue sind doch nun wirklich nichts Neues. In den 50ern hatte man "Existentialisten". - Ich denje jetzt nicht an die Philosophen, sondern an die trendigen Zeitgeistsklaven jener Zeit.
Die interessantere Frage wäre, weshalb der "Style" für die geistig-moralische herausgeforderten Massen seit etwa 7 Jahrzehnten eine so substantielle Rolle zu spielen scheint. Aber Paul fände sie sicher irrelevant.
Und: Es ist wirklich schön und lohnend, an diesem Orte mitdenken zu dürfen. Aber das wissen wir ja langsam alle.
jack
14. September 2016 22:30
@ Paule

Ein Feind zum Beispiel heute in der Frankfurter Rundschau mit http://www.fr-online.de/leitartikel/nationalismus-es-gibt-keinen-deutschen-volkscharakter,29607566,34737730.html



Die retardierten linken Schwaller können nur bis „Machtergreifung“, „Konzentrationslager“, „Ariernachweis“ usw. denken. Der Autor, Arno Widmann, 70, studierte Philosophie bei Adorno. Der Feuilletonchef der Frankfurter Rundschau resümierte über „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin: „Das ist nicht nur ein Fall für die Justiz.“ „Dieses Buch ist das Buch eines Besessenen“. Nun, der Mann ist alt, blieb irgendwann stehen in seinen Denkmustern. Wie sagt Martin Sellner in seinem letzten Vid, „eure neurotische Fixierung auf die Vergangenheit“ oder noch besser „ sie sind die Asche einer Glut, die nie war“.
https://www.youtube.com/watch?v=mgdev0J99l0


Die Sprechblasen müssen irgendwie herausblubbern und zerplatzen dann in ähnlichen Pamphleten, gleichgültig ob Dr.Lieschen Müller oder Lieschen Müller am Werk war. Lesen Sie, was die Bezahlschreiber absondern und überfliegen Sie den Kommentarbereich. http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_78996732/petry-haelt-der-kanzlerin-ihre-kinderlosigkeit-vor.html
Winston Smith 78699
14. September 2016 23:27
Genießt mal, wie sexy es unter Hipstern im Delta zugeht, im lustigen Geplansche, denn die Brühe ist warm wie Pipi:

https://www.youtube.com/watch?v=DoxqZWvt7g8

Als Darbieterin phänomenal und aufreizend, macht den ersten nonverbalen Gag schon auf dem Weg zum Mikrophon und hält diese permanent flippige Rollenbrechung wie einen bannende Hypnosetrick ganz bis zum Ende durch - ein dauerndes Persönlichkeitsflimmern, wie es Leute auf Koks und Borderliner so anziehend machen kann. (Manches erinnert an die "Standupmigranten".)

Der Text aber: ich du ich du ich du ich du heute morgen ich du ich du

Der geistige Horizont ist auf eine Zweierbeziehung beschränkt, die das ganze Denken ausfüllt. Gerade lief eine Werbedoku über Polyamoristen: noch besser! Denn im Dreier oder Vierer herrscht soviel ständiges Durcheinander, dass die Amoristen mental vollbeschäftigt mit dem eigenen Stall sind, beflittert wie Eingeborene mit Glasperlen oder gar Tiere mit Abrichtungsblendwerk.

Vor allem aber kommen in dem ganzen Gedicht über ein Leben, angeblich bis zum Alt-Sein, KEINE KINDER vor. Als "Kleinkind" bezeichnet SIE SICH SELBST und das "Baby" hat allein die Bedeutung von Sexualpartner (War bei Peter Kraus schon so, wird hier aber bewußt gebrochen zitiert.)

Dadurch ist dies in Wahrheit ein buntes Gedicht über den Tod, und der kommt heute blond und flippig, mit glitzerbestickter Retrojacke. Mit diesem Auftritt wurde sie bekannt gemacht - "gehyped", vermute ich. Ist das Stück Lyrik denn wirklich von ihr oder wurde es ihr von der Agentur zugesteckt?
jack
15. September 2016 00:45
@ Eckesachs

Schwert oder Frieden – was hat Jesus gebracht?
http://www.ngue.info/team/mitarbeiter/andeas-symank/predigten/101-schwert-oder-frieden-was-hat-jesus-gebracht?showall=1

Antworten ! ?
Hartwig aus LG8
15. September 2016 08:13
Ein guter Artikel.
Herr Kubitschek, als Großstädter laufen mir die bärtigen Hipster zu hunderten vor der Nase herum. Ich möchte denen ihre Jugendjahre zugute rechnen. Wie war ich, und was dachte ich, als ich 20 oder 30 Jahre alt war? Wenn es mir gelingt, zu rekapitulieren - nein, so wie die war ich wohl nie, aber eine Entwicklung billige ich diesen Jungen dennoch zu. Ich sehe tief drinnen eine Feigheit vor dem Feind, die sich durch einer Fluchtbewegung äußert. Der Feind ist die wahre Welt, die sich seit Anbeginn nicht verändert hat. Sie besteht aus Macht und Ohnmacht, aus Kraft und Kampf, aus Sieg und Niederlage, aus Krieg und Frieden, aus Herrschen und Beherrscht werden.
Mit alledem will man nichts zu tun haben. Sie, diese Jungen spüren, dass sie dieser wahren Welt nicht (ohne Anstrengung) gewachsen sind. Sie ziehen den Schwanz ein und hoffen, dass alle es ihnen nachtun. Sie fliehen in ein imaginiertes globales Dorf und versuchen sich mit Allem anzufreunden, so dass diese Illusion bestätigt wird.
@Exmeyer beschrieb das als Verweiblichung und setzte es mit Linkssein gleich. Ich gehöre zu den Altmodischen, die Links immer noch mit Arbeiterbewegung in Verbindung sehen. Aber sei's drum.
Was kann helfen: Eine Vermännlichung. Und wie: Wohl einzig durch Vorbild.
Meier Pirmin
15. September 2016 08:50
@Paul. Habe grosses Verständnis für Sie, wesentliche Gespräche als Volkskundler führe ich stets mit Personen, die jenseits von Lektüre etwas verinnerlicht haben. Es bleibt aber dabei, dass Ihr Verhältnis zu Ihrem Land eine Frage Ihrer Kulturalisation ist. Diese hängt von den Geschichten ab, die Sie mit Ihrem eigenen Leben und dem Land verbinden, und was für Sie authentisch ist. Sellner nennt dies das Narrativ. Die verbindlichsten Geschichten sind nun mal in die Literatur eingegangen, weshalb Sie mehr Geduld mit den Belesenenen haben sollen. Klar gehört das heute nicht mehr ins Zentrum der Bildung, die dafür das Hundertfache kostet von einst.


Was Sie bei den Belesenen unterschätzen, ist, dass zum Beispiel die Französische Revolution nicht zuletzt eine Revolution der Literaten war, auch Marx und Engels waren Literaten, und noch Lenin hat wahnsinnig viel gelesen und bis zum Gehthnichtmehr Philosophen und sonstige Autoren zitiert. Sie müssen auch wissen, dass dieses Geistesleben rund um Sezession eben nur hier stattfindet, dass die Leute, die sich hier austauschen, vom sog. Mainstream des Feuilletons normalerweise ausgeschlossen sind, dass hier ein alternatives Geistesleben stattfindet. Unterschätzen Sie zum Beispiel unter denen, die sich hier melden, zum Beispiel @Quentin Quencher nicht, ein Autor offenbar mit sehr eigener Lebensgeschichte. Er schreibt immer wieder auch treffende Kommentare, die im Netz abrufbar sind, und mich beeindruckt, dass er im Gegensatz zu anderen hier in diesem Forum mit seinem Autorennamen auftritt, wenn es kein Pseudonym ist, worüber ich nicht im Bild bin.


Vergessen Sie nicht, dass beispielsweise meine drei letzten Leserbriefe an die Neue Zürcher Zeitung nicht gedruckt wurden, z.B. einer über Putin und die Krim, obwohl ich hier mehr weiss als die dortigen Redakteure, das war es wohl eben. Sie schrieben mir sogar ausdrücklich, warum so was nicht in Frage käme, es war nicht meine bei Sezession manchmal ärgerliche Weitschweifigkeit. Auch dass in der FAZ mehrfach zensuriert wird, wenn ich dort was anmerke, zum Beispiel über die Fäkalsprache eines gehätschelten deutschtürkischen Autors, mit zwei Beispielen, die deswegen, obwohl es nur ein Beleg war, nun mal zitiert werden mussten, aber gegen die Regel waren, dass Fäkalsprache nicht in die FAZ gehört. Von einer ernsthaften kritischen Auseinandersetzung mit Literatur kann oft nicht gesprochen werden.


Es ist also von Bedeutung, dass hier ein zwar nicht zu überschätzender geistiger Austausch stattfindet, vielleicht manchmal etwas sehr aus dem hohlen Bauch, neben Eifer kommt manchmal auch Übereifer vor, und schnell mal wird einer vom andern verdächtigt usw. So geht es allenthalben zu, wenn man sein Land retten will, seien es Deutschland, Österreich, Frankreich, die Schweiz usw. Es ist aber durchaus richtig, dass aus dem Herzen keine Mördergrube gemacht wird. Auch bei Ihnen nicht, dass Sie sich befremdet fühlen. Aber auch wenn hier weder französische Revolutionäre noch Marx und Engels und Lenin das Wort ergreifen, auch bei jenen waren damals Erörterungen über Literatur nicht immer nur geistige Onanie. Ich weiss aber auch sehr wohl, warum in der Schweiz zur Zeit des analphabetischen Landesheiligen Klaus von Flüe das Sprichwort aufkam: "Die Gelehrten - die Verkehrten."
Erik
15. September 2016 08:56
An Winston Smith 78699: Mit dem „Rest“ meine ich diejenigen, die sich angesprochen fühlen. Wenn Sie jedoch ihren Beitrag leisten und gegen den „großen Austausch“ klar und deutlich Stellung beziehen, und das möglichst nicht nur in der hiesigen Kommentarspalte, müssen Sie sich von meiner Kritik natürlich nicht angesprochen fühlen. Ich finde es dennoch äußerst grotesk, dass Kritik am Schwatzen ohne Handeln als „Zündelei“ verstanden wird.
Einar von Vielen
15. September 2016 09:10
@ Hartwig aus LGB
Ihre Beschreibung der Hippster als Feiglinge vor der Wirklichkeit die hoffen, Krüge gehen vorbei sofern man zusammen nur so tut als gäbe es sie nicht, empfinde ich als vortrefflich. Aber ob hier Vorbildsein alleine hilft? Die Figur des auszugrenzenden Strebers wird gern von Group Leadern genutzt, um die eigenen Feiglinge auf Linie zu halten. Bei all den Überlegungen hier komme ich immer wieder zu dem Schluß, dass sich fatales Gruppenverhalten erst durch dramatische Ereignisse mit direkter persönlichen Konsequenzen erschüttern lässt. Erst hieraus entsteht dann für die Entwirrten neue Klarheit darüber, welche Beiträge und Loyalitäten ihnen wirklich nützen. Die Masse optimiert sich selbst und hat spieltheoretisch so lange im eigenen Gefühl Recht, wie ihr kurzfristiger Kooperationsnutzen noch die erkennbaren Risiken übersteigt. Und der kurzfristige Kooperationsnutzen ist eine unglaublich wirkmächtige Triebfeder, weil Menschen im Mittel sogar eher bereit sind gemeinsam Schaden zu nehmen, solange dies gemeinsam geschieht. Denn sie vergleichen ihren Nutzen intuitiv relativ zur Gruppe. Sie wägen dies ab gegenüber dem sehr unsicheren Gewinn, den sie durch Ausscheren für sich erzielen könnten, denn Ausscheren bedingt das Risiko noch größerer Verluste als den eines gemeinsam erlittenen Schadens.

Um dieses spieltheoretische Dilemma aufzubrechen bedarf es neben Vorbild vermutlich auch einer Störung des Sicherheitsgefühls innerhalb dieser Gruppen, zum Beispiel indem sich Protagonisten gegenseitig angehen oder einzelne gar absetzen.

Das nur so während des morgendlichen Schweigekaffees....
Paul
15. September 2016 09:26
@simplicius

Irgendwie habe ich ja insgeheim gehofft, dass jemand den Federhandschuh aufnimmt, den ich hier in den Raum geworfen habe.

Einer der wesentlichen Kritikpunkte an der herrschenden Funktionselite, den ich immer wieder höre, ist Arroganz.

Ein eitles Pfauentum, welches ich auch hier zweitweise in und zwischen den Zeilen lesen kann.

Der Subtext vieler Kommentare - und auch der ihres Kommentars- ist die blanke Besserwisserei (Schaut her, ich weiß es besser).

Sich in den Jüngerschen Wald begeben bedeutet für mich, einen radikalen Schnitt zu machen. Es ist gut und richtig, sich des Wissens und der Weisheit der Altvorderen zu bedienen. Es scheint mir aber von noch größerer Wichtigkeit zu sein, den eigenen Gedanken und Ideen Platz und Raum zu geben.
Genau das meinte ich damit.

Es interessiert mich in diesem Forum nicht, was ein Jünger oder Mohler oder Sloterdijk zu einem Thema zu sagen hat - das kann ich selbst nachlesen- , sondern was Sie oder andere zu diesen Themen an neuen Ideen oder auch Idealen vorzubringen haben. Ich wollte hier niemanden beleidigen, am wenigsten Herrn Kubitschek, den ich für einen klugen Mann halte (ansonsten würde ich mich hier nicht tummeln).

Sie mögen mich für naiv oder ungebildet halten (sie unterstellen mir ja, dass ich Jünger nicht kenne oder nicht verstehe) aber eines steht fest, es waren zu keiner Zeit die Philosophen oder Schwätzer, die die Gesellschaft verändert haben. Es waren Männer und Frauen der Tat.

Mir ist klar, dass eine Gesellschaft Philosophen, Dichter und Denker braucht. Aber alles hat seine Zeit. Die großartigen Fürsten und Heerführer des mittelalterlichen Japans (u.a. der Verfasser des Hagakure) waren nicht nur Krieger, sondern auch Dichter und Denker. Keiner von ihnen wäre aber in der Schlacht auf die Idee gekommen, sich hinter Philosophie und Dichtkunst zu verstecken. Im Kampf geht es um die bessere Technik (Technik im Sinne Mohlers), nicht um die Bessere Vortragskunst.
Es war immer das beliebte Spiel der Salonrevolutionäre, sich im Dickicht der Schriften ihrer Denker zu verstecken, während anderswo das gemeine Volk die Drecksarbeit machte.

Da mag sich mal der ein oder andere Rechtschreib- oder Kommafehler einschleichen, lieber simplicius aber ich verstecke mich nicht hinter den Gedanken anderer. Ich mache mir meine eigenen.
Insofern bin ich vielleicht näher an Jünger als sie denken.....und irgendwie scheine ich ja zumindest bei dem ein oder anderen einen Nerv getroffen zu haben.
Ein bisschen mehr Kontroverse würde ich angesichts der zeitweise aufkommenden Selbstbeweiräucherungsorgien begrüßen.
Meier Pirmin
15. September 2016 09:35
PS. Noch zur Präzisierung meiner Ausführungen, betr. unterdrückte Leserbriefe. Ich behaupte nicht grundsätzlich, über Putin u. die Krim mehr zu wissen als die Redakteure der Neuen Zürcher Zeitung. Es ging um ein Detail, die frühere Besiedlung der Krim durch Schweizer aus dem Kanton Zürich, auch Schwaben, und Überlieferungen von deren Mundart. Nur unter diesem Gesichtspunkt habe ich Spezialkenntnisse, das ist aber nicht nichts und wäre ein Grund, eine Meinung ernst zu nehmen. Es gab im Krimkrieg übrigens 3000 Schweizer Söldner, die allerdings oft nur Reserve waren. Letztlich aber kommt es immer auf Detailkenntnisse an, gilt übrigens auch für Auschwitz. Ich empfehle, nur recherchierte Detail-Geschichten zu erzählen. Die Alternative zum grossen Narrativ ist das kleine Narrativ, welches freilich die Dinge manchmal in etwas anderem Licht präsentiert. Usw.
Meier Pirmin
15. September 2016 09:52
@Paul. Ein letzter Nachtrag, warum Literatur wichtig ist. Sie kennen die unaufhörlichen Debatten über Putin und die Krim. Es ist auch lächerlich, eine innert Wochenfrist ohne Grundstrukturen angeordnete Volksabstimmung mit direkter Demokratie zu verwechseln. Was die Mainstreampresse über diese Geschichte schreibt, ist oft nicht falsch. Aber für mich waren die Sewastopoler Erzählungen von Graf Tolstoi, der nach dem Krimkrieg sich im Hotel Schweizerhof in Luzern erholte, immer ein absoluter Quellentext über die Krim, der mein Urteil viel stärker bestimmt als was jeweils in der Zeitung steht, zu schweigen von den Idiotien der Talkshows. Auch über Spanien, Portugal und Südamerika empfiehlt es sich, sich im Zweifelsfall über die Literatur und deren Nationaldichtungen zu orientieren. Camoes ist wichtiger als Barroso. Und Konfuzius bringt über China Tieferes als viele Tagesmeldungen, macht letztere aber dann und wann sogar auf eine spezielle Art verständlich.
Winston Smith 78699
15. September 2016 11:12
@ Paul
Ein bisschen mehr Kontroverse würde ich angesichts der zeitweise aufkommenden Selbstbeweihräucherungsorgien begrüßen


Aber man macht das Ganze doch besonders auch für neue, noch unsichere und schwankende Leser, die man in manche Gedankengänge erst mitnehmen möchte und sie zu eigenen anregen. Zuviel Hauruck kann die vor den Kopf stoßen, zumal das Kampfkunstbuch ja ohnehin nicht selbst zuschlägt - Text bleibt Text, so dass gerade Paul doch das Medium mißversteht.

Im Gegenteil kann es effektiver sein, stimmungsmäßig unter dem tatsächlichen Grad an Erregtheit zu verweilen, weil das herausfordert und Selbstwirksamkeit in Aussicht stelt. Schreiben Sie weniger in die Noten rein, machen die Musker selbst umso mehr dazu. Es braucht noch immer vor allem selbständige, intelligente Kämpfer und nicht Mitmarschierer - die kommen in unserer Medienzeit dann von selbst.

Viele brauchen gerade jetzt erst eine Begrifflichkeit, um das Eigene wieder nennen und wertschätzen zu dürfen, wewegen auch das eine oder andere Loblied auf die eigene Kultur MIT Quellenangabe keine "Selbstbeweihräucherungsorgie" ist. Es geht um die Neuen! (Außerdem möchte ich mich für die vielen Hinweise bedanken und wünsche mir noch mehr Zitate von Schmitt und Mohler - so viele sind es ja gar nicht.)

Aus demselben Grund bin ich gegen solche pauschalen Unterstellungen wie von @ Erik und gegen einen solchen Umgangston und kontere das dann mit einer Unterstellung, über die Erik sich aufregt. Entschuldigung, Erik, aber warum sollte es gerade bei mir anders sein und nicht bei allen anderen auch, die gerade eben keinen Einspruch erheben? Gehen Sie einfach mal davon aus, dass man sich nicht jeder Aktion öffentlich brüsten kann. Ich möchte neben Kämpfern stehen, die das Beste voneinander denken und einander achten und sich nicht so in die Eingeweide beleidigen. Und wie sieht das überhaupt nach außen aus?

Im Übrigen hat im vorigen Strang der letzte Kommentar leider keine Erwiderung erfahren können, so daß dieses Gedankenexperiment und die Folgerung daraus ziemlich lose in der Luft hängen, als hätte derjenige das letzte Wort bekommen.
Siddharta
15. September 2016 11:22
Was mich irritiert, ist das "Rein in den Fluss!" Ein Delta ist eine Flussmündung und damit das Ende eines Flussverlaufs.
Hartwig aus LG8
15. September 2016 11:46
""Viele brauchen gerade jetzt erst eine Begrifflichkeit, um das Eigene wieder nennen und wertschätzen zu dürfen""

Dieser Satz, stellvertretend für @Winstons Plädoyer, auch für neue, unsichere und schwankende Leser zu schreiben, soll Anlass sein, eine von vielen kleinen Begegnungen zum Besten zu geben. Ein Lehrer in der Schule, ein Trainer auf dem Platz, ein Offizier bei der NVA - es gab einige Vorbilder - Männer, die einen einzig dadurch angespornt haben, dass man vor ihnen nicht als Pfeife dastehen wollte, dass man ihnen imponieren wollte. (dieses wollte ist hier wichtig, denn es gibt auch das erzwungene Eifern)
Anders aber die Begegnung mit einem Psycho ... logen, ... analytiker, ... iater, keine Ahnung, was der nun speziell war. Er referierte ganz simpel über die Ahnenfolge. Er beschrieb die eigene Existenz als kurzen Abschnitt in einer langen Ahnenreihe. Diese Ahnen stehen hinter einem, im Rücken, direkt hinter mir meine beiden Großväter, die ich noch kannte. Ihre Präsenz stärkt. Sie schauen auf mich. Ich wiederum schaue nach vorn auf meine Kinder, die heranwachsen, während ich mich in Bälde an der Spitze meiner Ahnen einreihen werde. u.s.f.
Dieses Bild habe ich vor Augen bzw. hole es hervor, besonders wenn es eng wird.
Paul
15. September 2016 12:36
@W.S.
Ich bin da ganz bei Ihnen. Ich will auch nichts per se in Frage stellen.
Mir geht es vor allem darum, nicht die Gedanken anderer "nach zu denken", sondern sie zum Anlass für eigene Gedanken und eine Weiter- und Fortentwicklung zu nutzen.
Konservativen und Rechten wird zumindest in meinem Umfeld immer unterstellt, zu wenig progressiv zu sein (irgendwie ist das ja wohl auch die Natur des Konservativen). Die Protestaktionen der Identitären Bewegung werden dort vielfach als die reine Übernahme der Mittel des APO-Protests der 68er Bewegung angesehen und mit dem Stempel "Plagiat" versehen. Diese Form der Agitation ist nicht neu. Ich an dieser Stelle nicht unbedingt 1:1 meine Meinung wieder aber ich möchte gerne die Sichtweise Andersdenkender mit einbringen.
Die politische Rechte wird als antiquiert angesehen.
Ich selbst lese immer wieder gerne Ernst Jünger und bin über die Sezession an Mohler und andere Theoretiker gekommen, die der "Konservativen Revolution" zugeordnet werden. Ich komme ursprünglich aus einem anderen politischen Lager und habe mein Wissen um die Welt bislang aus anderen literarischen Werken gezogen...aber auch am anderen Ende des politischen Spektrums gibt es die Tendenz, sich hinter sogenannten Vordenkern zu verstecken. Wenn Freunde oder Bekannte anfangen, Personen zu zitieren oder sich auf Personen zu beziehen, die man gemeinhin als Intellektuelle bezeichnet, pflege ich immer zu sagen : " Ich will nicht wissen was ..........zu dem Thema sagt. Ich will wissen was DU dazu sagst!"
Ich verstehe durchaus, dass es darum geht eine gemeinsame Sprache zu finden und über eine gemeinsame Sprache und Begriffe den öffentlichen Diskurs zu verändern (ich nehme an, dass versteht man hier u.a. unter Metapolitik) aber ich bleibe hartnäckig. Es darf nicht die Sprache der Toten sein, sondern muss eine lebendige, neue und eigene Sprache sein ....und sie darf nicht allein Mittel des Protests sein.
Sabine
15. September 2016 12:59
Alle Veränderung, die dann auch uns betrifft, auf die wir hoffen, kommt von außen. Die Deutschen der BRD sind derartig festgefahren, eingelullt, politisch korrekt abgerichtet, daß sie als blockiert gelten können. Die AfD ist immer noch zu schwach, gegen sie können die System-Parteien munter weiterregieren. Zur Not geht die CDU sogar mit den wendigen Gysi-Linken zusammen ...

Aber: alle Veränderung von außen wirkt auch auf unsere Innenlage zurück, wenn auch nur in Millimeterschritten. Hinter den medial vernebelten Kulissen aber: kehrt die Geschichte zurück:

https://www.welt.de/politik/ausland/article158135243/Kleines-Habsburg-macht-gegen-Fluechtlinge-dicht.html

Auf Habsburg wird, ja muß Preußen folgen!!
philos
15. September 2016 14:10
@Hartwig

Die von Ihnen beschriebenen Männer gibt es auch heute noch, leider sinkt ihre Zahl; das ist in nicht unerheblichem Maße auch auf das zurückzuführen, was "Bildungsexperten" in den letzten 20 Jahren an jungen Köpfen und Seelen verbrochen haben. Hier liegt ein wesentlicher Ansatzpunkt.
Leutnant Ernst Wurche drückte es so aus: "Man muss das Herz der Leute haben, dann kommt die Disziplin von ganz allein."

In diese Richtung geht, unbewußt, auch das, was @Paule ausdrückt: Wenn man junges, aber auch ein älteres, Herz gewinnen will, kann das nicht gelingen, wenn man ständig auf die Autoriät Toter pocht und verlangt, das Gegenüber solle diese doch einfach anerkennen.

Ich selbst habe das mal insofern erlebt, als mein Gesprächpartner mich unwürdig nannte, weil ich sagte, daß ich Ernst Jünger stellenweise einfach langweilig finde. Keine Frage nach dem Warum, nur Empörung; die war echt, aber ein Herz gewinnt man damit eben nicht.
Paul
15. September 2016 15:31
Danke @philos !

Da habe ich ganz lange herumgeschwurbelt und sie bringen es einfach und präzise auf den Punkt: Es gilt das Herz der Menschen für eine Idee zu entfachen, nicht das Hirn !

Klingt für manche hier vielleicht ein bisschen nach Rosamunde Pilcher aber ich weiß genau was sie meinen !

Es gibt wahrscheinlich kaum jemanden hier, in dem nicht das Feuer und die Leidenschaft für ein anderes Deutschland brennt. Aber woher kommt denn das ? Es sind Ideen und lebendige Menschen, die das Feuer der Leidenschaft (klingt schon wieder wie Pilcher, ich weiß) entfachen. Ein charismatischer Redner, der richtige Satz von der richtigen Person, zur richtigen Zeit, der ein Gefühl anspricht und nicht den Intellekt.

Ich habe eben vermutlich Spengler mit Mohler verwechselt....aber wen interessiert das ?

Das Feuer, der Wille zur Veränderung, das letzte bisschen Mut, dass noch fehlt, um den Dingen eine Wendung zu geben (du kannst zu denen Gehören die Geschichte machen oder zu denen, mit denen Geschichte gemacht wird), dieser Funke wird in den Herzen der Menschen entzündet, nicht im Kopf.

Ein Symbol, eine Melodie, ein charismatischer Mann oder eine charismatische Frau oder einfach nur eine Kleinigkeit, ein winziges Detail (der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings ...im übertragenden Sinn), etwas das uns anspricht und unsere Seele zum schwingen bringt.......mehr braucht es manchmal nicht ! Aber auch nicht weniger !
Hesperiolus
15. September 2016 15:45
Delta ist Fellachenlandschaft und anbei unvermeidlich Alexandria, Postmoderne avant la lettre: Topos der spätzeitlichen Übergelehrsamkeit. Schmäht aber nicht das Gespräch (und die Traumbegegnung daraus) mit den Toten, was wäre und wie gelänge "Ent-heutigung" ohne sie? Zu wässrig sind mir die hydrodynamischen Metaphern des ashramerleuchteten Watergeuzen, Blut wider Geld des Blankenburgers treffen es da besser. Raus aus dem Schlamm!
Paule
15. September 2016 17:17
Hut ab @Paul,

von zwischen den Reihen zum Gleichschritt und zum Offizier an der Spitze!
Und erst der Hall der wohl geordneten Kolonne....
Ich freue mich dass wir den gleichen Namen tragen. (zumindest fast *gr*)

@Hesperiolus,

Raus aus dem Schlamm jawohl, aber nicht davon stehlen!
Zum Spaten oder sonstigen Schanzzeug gegriffen (auch die Feder zählt) und den Morast an falscher Eitelkeit trocken gelegt, wie einst die Moorbauern.
Und wenn der Schweiß die Stirne rinnt, ob des gewaltigen Graben, Hauen, Stechen, Ausreißen und das Werke gar wohl gelingt, dank der Vielen, vom Baden und Verloren sein zurück, dann auch der Mut zu neuen Höhen dringt.

Und wenn dann der letzte Deich gezogen, die fruchtbaren Äcker wohl bestellt und der Strom gelassen zieht, dann ist es Zeit die Frucht der Apfel- oder Birnbäume, der Kornfelder und die Leistungen der Altvorderen, und die Schönheit der Frauen für die Nachkommen zu besingen - und für Deichgrafen, unbedingt für diese!

Grüße aus dem Schlamm, mit Spaten.
Paule
Simplicius
15. September 2016 18:09
@ Paul

Lieber Paul, (das meine ich jetzt überhaupt nicht ironisch),

danke, dass Sie meine obige, teils polemische Einlassung auf Ihren offensiven Eingangs-Kommentar so sportlich sehen.

Sie sagen ja selber, ich hätte nur Ihren hingeworfenen „Fehdehandschuh“ aufgenommen. Das beruhigt mich. Ich war mir nämlich nicht sicher, ob ich vielleicht doch falsch und überreagiert habe.

Ich habe keinen Grund, Sie für naiv oder ungebildet zu halten, und meine diesbezügliche Unterstellung, wie Sie sagen, unter Zuhilfenahme von Ernst Jünger, - das war Spontan-Polemik meinerseits. Sie haben die Vorlage gegeben. Ich wollte ein bisschen zurückschießen.

Viele von uns sind ja – wenn Sie mir das Bild erlauben – in der Stellung von Wortschützen, die aus dem verdeckten Unterstand heraus ihre beiläufigen oder ausgetüftelten Kommentare zur Zeit, in glücklichen Fällen als „Leuchtraketen“, aufgeladen mit Leucht-Asche von toten Philosophen und Denkern, mehr oder weniger zielgerichtet in das hiesige Kommunikations-Schlachtfeld schießen – und hinterherschauen, was passiert.

Und nach der Lektüre Ihres „Fehdehandschuh“-Kommentars, @ Paul, war ich versucht, Kimme und Korn direkt auf Sie als Schützen zu richten, dorthin, wo ich vermutet habe, dass ich Sie (mit gleicher polemischer Munition) treffen könnte. – Aber das ist nun geschenkt. Sie haben zurückgeschossen, und ich denke, Sie sind unverletzt.

Lieber @ Paul, für einen "eitlen", „blanken Besserwisser (Schaut her, ich weiß es besser!)“ halte ich mich selber eigentlich nicht, aber das ist vielleicht eine fehlerhafte Selbsteinschätzung. Ihr Plädoyer für „Männer und Frauen der Tat“ kann ich nur unterstützen. - Aber man muss auch an die Folgen denken.

Ich zitiere ganz "eitel" aus dem Waldgang, Ernst Jünger:
"Der Mann sagt seine Meinung, vor welchem Forum es auch sei. Er nimmt auch seinen Untergang in Kauf. Dem soll nicht widersprochen werden, obwohl die Forderung praktisch die Ausrottung der Elite bedeuten würde und es selbst Fälle gibt, in denen sie böswillig vertreten wird."



Noch eine Anmerkung zum Schluss.
Ich denke, man liest hier vielfach gute, treffende, hilfreiche, auch verwirrende Gedanken, wie diesen, wo ich für einen Moment länger verweile und nachsinne:
“Die Rechte müht sich um die Erhaltung all dessen, was die Linke zu zerstören trachtet.“

Das ist furchtbar, es ist sehr vereinfacht gesprochen und ist hoffentlich nicht zutreffend. Aber ich weiß jedenfalls eines, dass ich ein Rechter bin. – Immerhin.

Auch wenn mein eigener Kommentar jetzt sehr lang wird, aber dieses Zitat aus den obigen Kommentaren muss ich in Anbetracht der Blog-Thematik noch – voll und ganz zustimmend! – bringen:

@ Einar von Vielen
„Abgesehen davon ist dem Kreis um die Sezession ja nun eines wirklich nicht vorzuwerfen: Dass er in der intellektuellen Pose verharren würde. Von wo werden mehr wirkungsvolle Aktionen durchgeführt, inspiriert, unterstützt? Dies alles ist erst das Ergebnis geistiger Reflexion, und das Zitieren Verblichener ist vermutlich auch eine Art meditativer Kraftsammlung aus der Quelle dessen, was diese Bewegung hervorgebracht hat.“
Meier Pirmin
15. September 2016 19:02
@Paule. Sie formulieren wie ein Fan vom "Schimmelreiter" und dem damaligen Deichbau. Storm würde wohl kaum zu Multikulti applaudieren. War ein hartnäckiger Ungläubiger. Auch ein Beispiel, dass man in Deutschland den Charakter der Regionen nicht unterschätzen, sondern, wenn schon, pflegen sollte.
E.
15. September 2016 19:32
Entschuldigung wenn ich das hier verlinke, wenn es nicht passt einfach löschen - aber ich finde die zahlreichen Leserkommentare (immerhin zugelassen) sehr bemerkenswert, die dem Jakob Augstein eine lange Nase drehen und in Bezug auf die Aktion der IB im Berliner Gorki-Theater anmerken, dass derlei Aktionen seit Jahrzehnten zum Repertoire der Linken gehören, ohne dass ein Jakob Augstein das jemals empört hätte

http://www.spiegel.de/forum/politik/identitaere-stoerer-begegnung-der-braunen-art-thread-513353-1.html
Desprecio
15. September 2016 20:05
@ "Paul"

Ich versuche es hiermit nöchmals.
Meinen ersten, Ihnen zustimmenden, Kommentar hat man nicht freigeschaltet. Da ich versucht hatte, meinen Standpunkt auch zu
begründen, war ich zunächst etwas frustriert, vielleicht sogar ent-
täuscht.
Dieser Enttäuschung ist aber nun die Einsicht gefolgt, daß man
einem Fremden nie zustimmen sollte, wenn man dessen Beweg-
gründe nicht genauestens unter die Lupe genommen hat, und diese
daher auch nicht vollständig verstehen kann.

Sie haben sich innerhalb kürzester Zeit von Ihrem ursprünglichen
Kommentar vom 14.09.16, 12:05 Uhr, mehr oder weniger distanziert,
nachdem Ihnen einige der "geistigen Onanierer" (um bei Ihren Worten
zu bleiben) in der Folge wohl den Schneid abgekauft hatten.

Mein Beweggrund, Ihnen zunächst beizustehen, war beileibe nicht
eine Gesamtkritik an der überaus wichtigen Arbeit, die das Team der
SEZESSION i.N. als Ideengeber und Leitinstrument des rechten Wi-
derstandes in der BRD verrichtet (für diese Arbeit möchte ich täglich
danken), sondern die Art und Weise, mit der einige der Foristen so damit umgehen, wie Sie es in ihrem ersten Kommentar aus meiner
Sicht richtig dargestellt haben.

Ich persönlich bin vermutlich der Letzte, der sich negativ über das
SEZESSION - Team, an der Spitze Götz Kubitschek, auslassen könn-
te, möchte oder dürfte.

Dem Team SEZESSION, dem Antaios-Verlag und nicht zuletzt den
meisten, fast täglich zu lesenden Kommentatoren verdanke ich den
größten Teil meines revisionistischen Geschichtsverständnisses, mei-
nes Geschichtswissens und meiner politischen Standpunkte, die ich mir nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt aufgrund der von
mir als unerträglich empfundenen politischen Situation nach meiner
Rückkehr im Jahre 2011 aneignete.

Die SEZESSION i.N. ist quasi meine politische Heimat, der ich Einsich-
ten verdanke, die ich ohne sie und ihr Umfeld nie gewonnen hätte.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es vor allem die von mir
so empfundene Tatsache, daß hier, und dies gilt besonders für eini-
ge Selbstdarsteller unter den Kommentatoren, oft auf einem Level
diskutiert und argumentiert wird, der möglicherweise viele davon ab-
hält, sich hier positiv einzubringen bzw. aktiv mitzuarbeiten.

Ich hoffe, hiermit etwas zur Klarstellung beigetragen zu haben.

Sollte dieser Test wiederum nicht überzeugen, dann versagen Sie ihm halt erneut die "Freischaltung". Wenn schon nicht als Kommentator,
dann jedoch als Kunde und Leser werde ich Ihnen wohl erhalten blei-
ben. Ich werde versuchen, Ihre diesbezügliche Haltung zu verstehen.
Winston Smith 78699
15. September 2016 20:25
@ Paul

Ihre letzten beiden Absätze gefallen mir sehr gut, weil sie anzeigen, dass es hier um alle Künste zugleich geht und nichts Menschliches außen vor bleiben darf. (Sie decken damit übrigens ziemlich genau den Themenkreis der Bücher von Robert Greene ab.)

Die Gottheit aber können Sie nicht wirklich zwingen. Von Dichtung und Politik etwa verstehe ich nichts, nur ein wenig vom wilden Musizieren und vom Beweisefinden. Dort jedenfalls kann man nach meiner Erfahrung nur opfern und hoffen. Man opfert erstens durch Üben oder Kleinarbeit, durch (manchmal geistlose) Wiederholung bis zur Trance, und dann zweitens durch Imponiergehabe unter den Augen der Olympier, also durch Risiko, etwa durch eine wilde Annahme oder ein Hinzuziehen von Entferntem, eine waghalsige Analogie, oder ein paar so schräge Töne live, dass man sie nur durch eine Art halsbrecherischen Balanceakt mit Schrecksekunden überm Abgrund ("das kriegt er nie mehr zusammen!") wieder einfangen kann - dann hat man was Neues und wenigstens den Eingeweihten Wertvolles geleistet, denn sie wissen: der war soeben so weit draußen, dass er niemanden mehr nachahmen konnte, ich war dabei, ich habe es gesehen.

In diese Richtung meinte ich letztens das Lernen, wieder beschwingt und rhythmisch mit den Musen zu wandeln, wenn es ins gefährliche Moor geht. "Das Leben tanzen." Vielleicht braucht es ja auch im Kampf hin und wieder einen Husarenritt, ein Abenteuer nicht nur zur Validierung des eigenen Könnens, zum Testen des Gegners und ebenso der Mitstreiter, sondern auch um die Welt und Zeit erst wieder ganz zu schmecken. Alles fühlt sich ja so anders an nach einem echten Wagnis, sogar nach einem heimlichen Einzelgang, es gehört einem alles ein wenig wie Erworbenes, weil man es ja ein wenig gerettet hat, und alles leuchtet im drommentenroten Bereich des Mystischen, in einer Lichtfrequenz der Feier nur für Helden - die alltäglichen Dinge: Bäume, Häuser, Dächer, Wolken ... winken einem insgeheim zustimmend zu - das Geschenk der Gottheit also. In den Blicken auf der Straße, an der Supermarktkasse empfängt man zarte Signale von Dankbarkeit, sieht in Augen und Lächeln freundliche Mitwisserschaften, wo vielleicht keine sind ... aber ob nun eingebildet oder nicht: selbst eine solche Einbildung im Rausch, könnte sie magisch zur echten Gemeinschaft hinführen, wie wenn der Frosch im Milchkrug doch noch überlebt, weil er bis zur Besinnungslosigkeit fest daran glaubt, dass doch noch ein Gott ihn retten wird? (Er denkt nicht an Butter, das ist es ja: Serendipität oder eine Fügung.) Manchmal aber kommt unerwartet doch noch eine echte Botschaft, die einem leise versichert, dass all dieses kein Traum war.

Einmal taumelten wir mit Eispickeln vom Berg runter - und wer uns gleich ausfragte, das war ein uraltes Weiberl in der Tracht. Ich behaupte: weil das früher wohl einfach so üblich war, so einen zu fragen! (Oder weil die Alte noch wußte, was man den Steigeisenbubis touristisch bieten muß, aber egal ... egal!) Die Tour war mit heutiger Ausrüstung wirklich nichts Besonderes, und genau deshalb vielleicht gab sich das Weiberl noch erst recht beeindruckt, und ich wagte kaum abzuwiegeln, um nicht wiederum sie zu beleidigen. Gemerkt hab ich ihn mir erst recht, diesen Ritterschlag von einer Frau, deren Vater, Mann und Söhne ja bereits da oben gewesen sein werden - mir im Nachhinein ist er mir wichtiger als der Gipfel im Nebel. (Letztlich machen wir's ja doch auch für die Bewunderung der Weiber, oder fürchten ihren Spott mehr als die kalte Wand, als die Säbel der Sarazenen.)

Haben sie es schon mal erlebt, dass zunächst im Seichten ewig herumgezickt worden ist, auch von den Frauen, aber in einer Lage, in der plötzlich keiner von den tollen Anführern mehr weiter weiß, Sie auf einmal eine merkwürdige Stille bemerken, weil alles nun von selbst, ohne Absprache, auf ein Wort oder eine Tat von Ebenjenem wartet, dem Unterknecht, dem Fußabtreter? Auch diese Art Ritterschlag wartet auf die Identitären. Höcke, Sellner, Kubitschek und andere können sich schon mal drauf einstellen, dass die Zicken ganz plötzlich schweigen und grimmig, zornig auf die neuen Alphas starren: Na los, jetzt rettet uns schon, Ihr Mistkerle. Entschuldigung oder Reue ist nicht zu erwarten, aber sie werden ohne lautes Murren folgen. Habem die Kerle dann gehandelt, kann es sein, dass sie noch immer kein Lob erhalten, sondern so ein "jaja, nur mal nicht so wichtig fühlen" - aber das ist dann gespielt. (Diesmal muss Josephine für das Volk der Mäuse nicht nur singen, sondern es auch gleich anführen hinaus aus der Nacht, aber es bleiben eben Mäuse.)
Eckesachs
15. September 2016 22:26
Danke @Jack für den Link.

Ich habe alles durchgelesen, aber Antwort finde ich nicht. Diese Auslegung geht zwar weit über das hinaus, was man von der Landeskirche erwarten darf, dennoch meine ich zu fühlen, daß dieser Mann nie in echter Anfechtung stand. Geistig vielleicht, auch das kann ein schwerer Kampf sein. Ich meine im Leben. Allein unter Zombies.

Also: wo wären wir denn, hätten sich die Genannten nicht ermannt?
Was wären wir dann? Teppichflieger wären wir, wahrscheinlich wäre soar das Rad verschwunden, wie damals in Spanien unter den Mauren.

Keine Kirche, keine Mission, kein Guttun, keine Klingelbeutel, nix da.

Auf den Punkt gebracht wird meine Fragestellung von Jean Raspail in ,,die sieben Reiter".

Ich habe das Buch gerade verliehen, deshalb aus dem Gedächtnis.

Ein Land befindet sich im Chaos, Zeit und Ort unbekannt, vielleicht 18. Jahrhundert Europa. ,,Amaniter" zerstören die Gesellschaft und das geregelte Leben. Die Amaniter konsumieren einen Giftpilz, der innerhalb von höchstens zwei Jahren zum Tode führt. Dieser Pilz macht rasend, läßt die Kontrolle verlieren. Besonders junge Leute nehmen diesen Pilz und bilden die Sekte der Amaniter.

Der Herr der Stadt versammelt seine letzten Getreuen, um sie loszuschicken, zu erfahren, was in der Welt vor sich geht.

Graf Heinz (Name vergessen) geht in die Kathedrale, den jungen Bischof Ormond zu suchen und findet ihn knieend betend vor .
Als der Graf eintritt, wendet sich sich der Bischof rasch um und zielt mit einer Reiterpistole auf den Grafen, bereit zu schießen.

Die Situation wird geklärt, Graf Heinz ist kein Feind. Neben dem Bischof liegt ein toter Junge mit einer abgesägten Schrotflinte, ein Amaniter.
,,Ein Kind." sagt der Graf.
,,Ein wildes Tier." sagt der Bischoff.
,,Einen Moment lang hieß es: er oder ich."
Haben Sie Gott um Rat gefragt?"
,,Dazu fehlte die Zeit. Ich habe für ihn entschieden."

Der Graf fragt, ob die Entscheidung richtig war.

Bischof Ormond:,, Was denken Sie, wer der bessere Diener für den Herrn hier auf Erden ist?"

Soviel dazu.

Meiner Meinung nach eine der wichtigsten und eingängigsten Passagen aus dem Buch.

Der Kern meiner Frage liegt genau darin.
Andreas Walter
16. September 2016 00:18
Ein schöner Text, Herr Kubitschek, der natürlich viel Raum zum diskutieren und philosophieren geben würde wenn ... schweigen und etwas einfach nur für sich stehen lassen manchmal nicht auch eine sehr schöne, in dem Fall die richtige Wahl für mich ist.

Ich möchte Sie lediglich um eines bitten. Fordern sie trotzdem Polizeischutz an, wegen der Extremisten, die sich fürs Wochenende bei Ihnen angekündigt haben. Solche Menschen werden nicht von Vernunft gesteuert, sondern von Emotionen, die sie beherrschen, und eben nicht umgekehrt. Solche Menschen haben auch keine Wahl, gelten oftmals darum sogar als gefährlich, impulsiv.

Müssen ja nur ein paar sein, als Zeugen, oder falls Emotionen hochkochen.
Quentin Quencher
16. September 2016 07:37
@Meier Pirmin

Vielen Dank fürs Lob. Tut gut.

Zum Thema Zitate: Wenn ich Geschichten lese, stören natürlich diese ständigen Verweise auf andere Denker oder Nichtdenker. Bei einer Besprechung eines Themas allerdings, sind sie oft sehr hilfreich, weil kürzer kaum in die Richtung verwiesen werden kann, in der sich das Denken des Schreibers bewegt. Freilich gibt es immer auch Menschen die außer Zitate nichts zu sagen haben, das ist aber hier zumindest nicht der Fall.
Exmeyer
16. September 2016 10:07
@ Meier Pirmin: Bei Dem Schimmelreiter handelt es sich um DIE mündliche Erzählung innerhalb meiner Großfamilie. Nicht magels eigener familiärer, die gibt es zuhauf, sondern als regionale Identität mit zusätzlich realem Bezug, der in der Tätigkeit Hauke Haiens liegt.

Deswegen zu Storm: Obwohl mit dem "Oberpreußen" Fontane befreundet, empfand er 1864 nicht als Befreiung von der Dänisierung, sondern Preußen als neue Besatzung ( weil es mit S-H kein neues Bundesland gab, was natürlich realpolitisch unmöglich war, denn hätte es gefreut).
Aber das dürfte wohl daran gelegen haben, daß es damals noch keine Bildzeitung und keinen Rundfunk gab.

So kann man ihren Schluß, an der Eider wäre man nicht sonderlich multi-kulti gewesen, mehr als nachvollziehen, wenn man schon nicht preußisch war. Niemand ist von Natur aus multi-kulti. Das ist eine Künstlichkeit, die immer zerbrechen wird, wenn sie nicht durch stärkste Kräfte, also Angst und Religion, künstlich erhalten wird.

Beide Kräfte besitzt die BRD nicht, weil sie darauf verzichtet. Im Gegensatz zu Preußen und 1871!

Heute Abend werden wir ja sehen, ob die BRD es versucht über Hebel Angst zu verbreiten, oder ob sie genau diese Eskalation nicht will. Ich vermute letzteres. Die Rechte ist bereits so stark, daß die Gegenkräfte zu impotenten Einschüchterungsversuchen nur noch stärker und radikaler machen.
Brettenbacher
16. September 2016 10:34
von Paul:

"(.....) lange herumgeschwurbelt und Sie bringen es einfach und präzise auf den Punkt: Es gilt das Herz der Menschen für eine Idee zu entfachen, nicht das Hirn ! "

@Paul
Trinken Sie doch ab und zu ein Viertel Ruländer (der heutzutag freilich Grauburgunder heißet), von dem der große alemannische Poet Hermann Burte zu singen weiß

Ruländer ist gefährlich,
Er zielt auf Hirn u n d Brust,
Doch wir bekennen gerne,
Gefahr erhöht die Lust.
Meier Pirmin
16. September 2016 11:56
@Breitenbacher. Was Sie Herz nennen, ist "in Wirklichkeit" wohl das Kleinhirn. @Exmeyer. Solche Geschichten verbinden über eine vierstellige Zahl von Kilometern, mutmasslich doch mehr als "Gene". Las den Schimmelreiter 1961 erstmals als Klassenlektüre bei meinem damaligen Deutschlehrer Robert Kappeler, dessen Porträt ich in www.portal-der-erinnerung.de geleistet habe. Bei Storm lernt man exemplarisch, was Heimat ist. Es hängt auch mit langfristigem Denken zusammen. Scheint mir noch wichtiger als was "heute abend" über die Bühne geht. @Desprecio. Lesen Sie Storm! Dann brauchen Sie nicht mal mehr ein "revisionistisches Geschichtsverständnis". Weil es schlicht nicht mehr nötig ist. Im übrigen plädiere ich natürlich nicht für Passivität. Es soll jeder an seinem Ort das tun, was er kann.
Andreas Walter
16. September 2016 12:32
Ein Artikel mit einer Fotostrecke, die mich sinnbildlich heute morgen gleich an das Ihre erinnert haben. Der Einheitsmensch, der Normmensch existiert eben nicht nur in den Köpfen von idealistischen und darum intoleranten Sozialisten und Kommunisten, sondern eben auch in den planenden Köpfen von Marketingexperten und Regenten eher marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften, beziehungsweise global agierenden Gruppen und Unternehmen. Aldous Huxley hat das einstmals in seinem Roman Schöne neue Welt als Fordismus bezeichnet. Vielleicht aber sind die meisten Menschen tatsächlich nicht so individuell, und schon gar nicht junge Leute, oder Ungebildete. Persönlichkeit muss sich ja immer erst bilden(!), bevor man Eine ist, und dazu reicht selbst "nur" der Besuch einer Universität eben noch nicht aus. Sie waren mal in Afrika? In Kamerun? Das klingt ja sehr interessant. Darüber wüsste wahrscheinlich nicht nur ich irgendwann einmal gerne mehr. Ich habe einen Freund, Mitglied der AfD, der ein ausgesprochener Kenner nicht nur Afrikas ist.

http://www.manager-magazin.de/lifestyle/reise/fotograf-roger-eberhard-hiltons-standard-in-32-laendern-a-1110639.html
jack
16. September 2016 12:35
@ Eckesachs

Was wäre wenn... abgesehen, dass das schon ein philosophische Frage ist, Gott keine Menschengestalt angenommen hätte, um die "Sünden" auf sich zu nehmen?

Wenn Gott den Menschen nach seinem Ebenbild schuf, kann der Geschaffene nicht per se sündig sein, könnte es aber vielleicht werden .

Gott weiß, dass der Geschaffene eben nicht Gott, also unfehlbar ist und auch niemals werden kann. Sich nicht an die Gebote würde halten können. Sich daher auch nicht widerspruchslos würde töten lassen.

Erwartet Gott, dass man sich töten läßt? Dass der unvollkommene Geschaffene dabei zusieht, wie Unschuldige abgeschlachtet werden?
Wäre es nicht Anmassung des unvollkommen Geschaffenen sich auf eine Stufe zu stellen mit dem allwissenden Gott?

In dieser Frage unterscheidet sich das Alte Testament „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ grundsätzlich vom Neuen Testament „liebe deinen Nächsten (nicht den Entferntesten), wie dich selbst".
Hartwig aus LG8
16. September 2016 14:25
Ich hatte es vor ein paar Wochen schon einmal versucht, wurde damals nicht freigeschalten. Vermutlich OT.
Jetzt passt es hier vielleicht besser:
Vor einigen Monaten wurde im Kommentarstrang ein youtube-Video verlinkt, welches Abbildungen aus einem alten Bildband aneinander reihte.
Es handelte sich um "deutsche Köpfe" oder "deutsche Charakter"; zeitlich her um 1900. Es waren Portraits von Männern, Frauen und Kindern aus Deutschen Landen von Friesland bis Tirol. Trotz verschiedener Filter konnte ich weder den Link auf SiN noch das Video bei yt finden. Kann jemand helfen?
Meier Pirmin
16. September 2016 16:15
Narrative oder Narrr-Ative?

@Ex-Meyer, Der_Jürgen, Monika et hoc genus omne.


Ihre Geschichte von Hauke Haien, @Ex-Meyer, dem Sie sich auch von Ihrem politischen Bewusstsein her verbunden fühlen, finde ich so gewaltig, dass gelegentliche Zusammenstösse und Meinungsverschiedenheiten sich relativieren. Ebenfalls möche ich @Quentin Quencher ansprechen, der Kolumnen schreibt und schon politisch ordentlich unten durch musste, als Herr Martin Sellner, geb. 8. Januar 1989, noch nicht mal das Licht erblickt hatte. Ich erinnere mich noch gut an den Januar 1989, erarbeitete damals die Familiengeschichte von Paracelsus, dessen Wappen ausser mit drei Kugeln noch mit dem Johanniterkreuz geschmückt ist. Also dem Motiv, das Herr Sellner auf seinem Video trägt, noch ergänzt mit der Kreuzzugslosung "Deus lo vult", ferner mit "Ecclesia militans" und den vier antiislamischen Schädelstätten Poitiers - Granada - Lepanto - Vienna, auf einem gelben Leibchen. Zu meinen Buchprojekten gehört ein Werk über die Johanniter, über die ich schon 1994 in Dresden mal gesprochen habe. Die vier Schlachten auf Sellners Leibchen waren mir schon 30 Jahre zuvor völlig präsent, gründete ich doch mit Jugendfreunden 1964 eine Zeitschrift namens "Abendland".

Ich erwähne dies, weil ich mit einigen von Ihnen den Aufsatz von Sellner diese Woche hier einen erfreulichen Schritt in die richtige Richtung empfand, trotz Betonung, dass es noch nicht ausgereift sei.


Wie ich mir aber nun Sellner auf seinem Identitären-Video bei der erfolgreichen Einschüchterungsaktion gegen Augstein mit diesem martialischen Leibchen, das ich so nie getragen hätte, predigen sah, kam mir nun mal nicht Don Juan d'Austria in den Sinn, über den Reinhold Schneider eine meisterhafte Erzählung geschrieben hat, sondern schon eher die in Berlin an Ostern 1968 selber erlebten 68er, die einerseits gegen Springer demonstrierten, andererseits mit Symbolfiguren wie Che Guevara, Ho Chi Minh, Trotzki, Mao, Lenin und noch anderen provozierten. Für mich schon damals nichts als Massenmörder, so wie Kreuzzügler heute als Klischee bekanntlich den islamischen Terrorismus entschuldigen müssen. Wer von den deutschen Linken und Linksliberalen Karl-Heinz Deschner gelesen hat, den ich gut kannte und mit dem ich stritt, denkt bei den Symbolen, die Sellner spazierenführt, ungefähr dasselbe, was ich damals bei meiner Ablehnung der 68er empfand. Über Sellner wird mir jetzt noch klarer, dass auch die von damals hauptsächlich ans Provozieren gedacht haben.

Ich kann nun aber nichts dafür, bei solchen Auftritten, die im Vergleich zur Antifa zwar völlig gewaltlos waren, in Sachen Symbolpolitik einen unreifen Fanatismus am Werk zu sehen, der beispielsweise Sellners Aufsatz über die Willensnation bei Sezession konterkariert und der mit dem Motiv einer grossen Erzählung meines Erachtens verantwortungslos umgeht, zumindest auf einem weniger theoretisch als pragmatisch ungenügendem Reflexionsgrad. Für mich war als Leser von Reinhold Schneider schon 25 Jahre vor der Geburt von Sellner der Sospiro del Moro ein Begriff, eine Stätte bei Granada, die an den Seufzer des letzten Muslims erinnert. Der Umgang mit solchen Symbolen erfordert mehr Sensibilität, selbst noch und erst recht bei einem Wiener. Daran ändert nichts, dass der politische Gegner auch keine Sensibilität zeigt. Ich schliesse nicht aus, dass man mit einem solchen Symbolkrieg allenfalls mehr Geschirr zerschlägt als Frau Petry, die trotz Doktortitel keine Rechtsintellektuelle ist, mit ihrem "völkisch"; und was noch mehr ins Gewicht fällt: Dieser Auftritt ist, jenseits einzelner Sätze, die durchaus treffend sein mögen, eher ein Narr-Ativ als die Aktivierung eines Narrativs. Es wäre insgesamt wohl besser gewesen, es aus meiner Sicht mit der gelungenen Aktion auf dem Brandenburger Tor bewenden zu lassen.


Im Ernst, die Geschichte vom Schimmelreiter bringt für Deutschland mehr als martialische Erinnerungen an Kriege, die genau genommen eher keine Religionskriege waren und mit deren Symbolen nicht politisiert werden sollte. Objektiv bleibt es dabei, dass das Talent für Fanatismus und Religionskrieg bei den Muslimen höher entwickelt ist als bei uns. Ändert nichts daran, dass a n g e m e s s e n e Abwehrmassnahmen zu ergreifen wären.
Meier Pirmin
16. September 2016 17:44
Noch wichtige Ergänzung zum Vergleich mit den 68ern


Auch wenn der Vergleich des Auftrittes der Identitären im Gorki-Theater mit entsprechenden Aktionen der 68er als kritischer Denkanstoss gemeint war, vor allem auch als Kritik am textilen Auftritt beim Video, bleibt ein Unterschied natürlich gewaltig, was "den Nazi von nebenan" betrifft, wie Augstein sich demagogisch ausgedrückt. Auch hier kann ich einen direkten Vergleich machen, selber beobachtet:


Mai 1972, Franz Josef Strauss hält einen Vortrag im Gebäude der Börse in Zürich. Es handelt sich um eine organisierte Störung der Linken. Die Sprechchöre lauteten

aI zur Begrüssung von Strauss: Sauhund Sauhund Sauhund Sauhund


b) zur Aussage: unsere amerikanischen Verbündeten

Kam-bodscha Kambodscha Kam-bodscha

Es ging um die Solidarität mit den Roten Khmer


Formal war der Auftritt der Linken 1972 genau gleich wie der nach Augstein "Nazi-Auftritt", der in an die Dreissigerjahre erinnerte, wo es übrigens in der Regel Saalschlachten gab.

Dies zur Ergänzung. Das Niveau war ganz sicher höher, und die Solidarität galt auch nicht den Roten Khmer. Es bleibt aber dabei, dass die Methoden der Linken, nicht der Nazis, abgesehen vom Verzicht auf Gewalt, unter einigen Gesichtspunkten Modell waren.
Monika
17. September 2016 10:29
@Pirmin Meier

Ich würde Storm keinen hart-näckigen Ungläubigen nennen !
Seine Ungläubigkeit ist eine aus Liebe zum Leben, zum Menschen, eine "heidnische" Ungläubigkeit.
Nachzulesen etwa dort:
"https://www.amazon.de/Wenn-ich-doch-glauben-k%C3%B6nnte/dp/3804213081"
Ich verehre Storm seit Kindertagen, liebe das Museum in Husum usw.
Seine Bücher sind für mich der Inbegriff von Heimat. Sein Erschauern vor dem Tod und sein Wille zum Leben haben mich mehr erschüttert als Nietzsches "Gott ist tot".
"Wir müssen unser eigner Heiland sein" ( Storm) hat nichts von einem "Übermenschen".
Nun, das hat alles nichts mit dem Thema zu tun. Oder doch ?
"Wenn ich doch glauben könnte " .
Monika
17. September 2016 10:31
Korrektur
https://www.amazon.de/Wenn-ich-doch-glauben-k%C3%B6nnte/dp/3804213081
Nora
17. September 2016 11:02
@Hartwig aus LGB
Ich denke, es handelt sich um folgendes Video
https://www.youtube.com/watch?v=5Q2DvIELWFY
Ein Fremder aus Elea
17. September 2016 11:41
Gebraucht wird nur in der Not und Not wünscht man sich nicht.

Indes spricht es für einen gesunden Geist, die eigene Beziehungslosigkeit für einen unhaltbaren Zustand zu halten.

Freilich, Art und Ausmaß der eigenen Beziehungen werden von den Umständen begrenzt und Bescheidung und Engangement müssen ins rechte Verhältnis gesetzt werden.
Winston Smith 78699
17. September 2016 17:48
@ Meier Pirmin

So behalten Sie es doch bitte nicht für sich, was am Schimmelreiter jetzt so wichtig ist. Ein paar Zeilen werden doch drin sein, oder? Ohne mich da auszukennen fang ich mal an: als Autodidakt in jeglicher Form von Bildung - das kehrt in der Seewolf-Verfilmung wieder - kennt Hauke Haien die Grenze zwischen (politisch) korrektem und eigenem, neuem Wissen nicht, er hat nicht das Nachplappern, sondern Forschung erlernt. Folglich favorisiert er (als Aristoteliker wohl) das Bauprinzip vom flachen Deich gegen die Tradition und den vorherrschenden "gesunden Menchenverstand" und anders die Intuition, sich gegen das Wasser zu stemmen wie gegen einen Feind. Vieleicht ist dieser flache Deich asiatische Kriegskunst. Andersartig denken zu lernen bleibt wichtig und konservative Theoretiker und Taktiker sollten erst recht Mathematik, Logik, Systemtheorie, Psychologie üben und dadurch flexibler werden.° Naja, und das mit dem Pferd kann mehreres bedeuten: die Leute behaupten nur, er reite hier ein totes Pferd; sie unterstellen ihm den bösen Geist eines lang Verblichenen nur wegen einer nicht aussagekräftigen Gemeinsamkeit, der Knochenfarbe des Gauls. Aber das ist ja alles billig, ich will Sie nur kitzeln. Sie wollen tiefer deuten, Dr. Meier, ihnen geht es um das soziale Psychodrama. Ich bin gespannt.

° ΑΓΕΩΜΕΤΡΗΤΟΣ ΜΗΔΕΙΣ ΕΙΣΙΤΩ ("Lern erstmal Logik, bevor Du in diesem staatspolitischen Forum mitredest!") ist zwar nur eine sinnige Legende über die Akademie, aber beispielsweise stritt einer wie Thomas Hobbes ja tatsächlich mit Wallis über die Quadratur des Kreises, über Marx hab ich auch mal was mit Mathe gehört, Napoleon sowieso - und Spieltheorie soll mal Teil der frz. Offizierschule gewesen sein (als W-theoretische Kanonenlogik). Durch heutige Systemtheorie (Nassehi!), Sozialkybernetik, Massenpsychologie und einen Haufen Technik scheint mir die Sache sogar noch dringlicher, wenngleich (jaja) sicherlich, wenn bereits alle anderen auf diese Art ticken, gerade ein emotionaler Schwärmer den völlig unerwarteten "schwarzen Schwan" geben kann und dann das ganze festgefahrene Brett über den Haufen wirft, die Spielregeln ändert. Diese Poesie des Einzelgängers wird also nicht obsolet, nur weil die Kämpfer sich im klar geregelten Denken schlau machen - über Evariste Galois als einen prototypischen Revoluzzer mit Hirn und Herz sind wir uns wohl einig, vielleicht wird es ja einmal eine Brigade seines Namens geben.
Meier Pirmin
17. September 2016 20:07
@Monika. Es gibt ein beeindruckendes Gedicht von Storm, gemäss welchem er keinen Geistlichen bei seiner Abdankung wünscht. Wie Gottfried Keller gab er dem "Trugbild der Unsterblichkeit" seinen Abschied. Las vom September bis November 1963 eine zweibändige Dünndruckausgabe fast aller Werke von Storm, ich glaube, es waren die Bergland-Klassiker.

@Hartwig u @Nora. Wirklich liebevoll fotografierte Köpfe aus dem "Volk", die das Herz des Volkskundlers höher schlagen lassen. Die Leute sind unterdessen alle heim in den Anbeginn gegangen. Gerne hoffe ich, dass ich mich nicht täusche beim Gedanken, dass, wenn diese alle politisch wirklich etwas zu sagen gehabt hätten, dass es dann weniger Kriege in Europä gegeben hätte. Ich meine Angriffskriege. Umgekehrt wäre jeder dieser Volksschläge es wert gewesen, verteidigt zu werden.
Hesperiolus
18. September 2016 21:07
OT @ Hartwig aus LGB

Die nur mit starker Wehmut um das Verlorene zu betrachtenden "Volksgesichter" der Erna Lendvai-Dircksen, welche ich dort kommentierend beiläufig dem Riefenstahlschen Menschen opponiert hatte. Dazu fällt aus einer schönen Stelle im "Abenteuerlichen Herzen" von Jünger, der ersten Fassung, auch folgendes ein:
"Das waren keine Individuen wie sie der Strudel der Masse flüchtig an uns vorüber treibt, mit Gesichtern, die wie durch Masken verkleidet sind, so daß uns nach unseren Gängen von vielen Tausenden nicht ein einziges in der Erinnerung haften geblieben ist. Es waren Persönlichkeiten, jeder Einzelne, Leute von Charakter ... ." Noch keine "kybernetischen Zustände" eben, wie die ZEIT jetzt zu den Figuren eines neuen Gesellschaftsromans rezensiert hat, keine "opaken Körper, bei denen man sich nie sicher ist, was das Pochen des Blutes bedeutet."
Hartwig aus LG8
19. September 2016 09:31
Volksgesicht: Dank an Nora und H.Brück
Exmeyer
19. September 2016 12:52
@ Meier Pirmin:

An anderer Stelle habe auch ich bereits versucht anzudeuten, daß sich unsere Meinungsverschiedenheiten aus MEINER Sicht relativieren.

Die Meinungsverschiedenheiten gibt es. Ihre Sichtweise, die auf die tieferen kulturellen Schichten als stabile Basis zu verweisen, welche noch lange überleben können, wenn die Exmeyers "im Felde" schon längst verottet sind, trifft hoffentlich zu. Ich sehe Sie als einen Träger dieser kulturellen Schicht an - und zwar im besten Sinne.
Die Meinungsverschiedenheiten werte ich derzeit als Ausdruck des Stellenwertes, den man dem eigenen und anderen Fokus zuweist.

Zudem: Das Schweizerische ist halt durch die menschlichen, politischen und geographischen Anforderungen der Schweiz entstanden und hat daher seine existenzielle berechtigung. Das Preußsiche ist aus seinen anders gelagerten Anforderungen heraus entstanden und gibt dementsprechend auch andere Antworten.
Man muß diese Aspekte gar nicht gegeneinander ausspielen. Vielmehr muß das Preußische sich fragen, woran es gescheitert ist. Denn gscheitert ist es.

Nun füge ich aber das folgende an: Das Schweizerische ist vielleicht auch gescheitert. Nur nicht formell, nicht offensichtlich und vielleicht nicht so tiefgehend - im kulturellen Sinne. Womöglich aber sogar doch tiefgehender. Denn in der Schweiz dürfte der Unterschied von Graubünden zu Genf ähnlich ausgeprägt sein, wie Frankfurt aM zum Bayerischen Wald oder Schleswig. Dort gibt es nur Sparkassen und Bauernbanken. Die nicht nur exemplarisch herausgegriffene Entfaltung des Bankenwesens in der Confoederatio sowie in FFM dürfte weder voraussetzungslos vonstatten gegangen sein, noch wirkungslos geblieben. Der Almbauer und Julius Bär haben sich bis heute zufrieden gelassen, scheint es.
Aber in Klein-Deutschland war das nicht der Fall. Und es IST nicht der Fall. Und angesichts der Migrationsmassen mangelt es an dem Willen, sich wehren zu wollen. Und dieser Unwille ist ja nicht zufällig entstanden, sondern hat Ursachen. In der BRD sind diese Wurzeln natürlich leicht zu benennen.

Deutschland ist schon immer (ökonomisch, politisch, psychologisch und militärisch) Drehangelpunkt dieser Welt (und deswegen hat das Preußische alleine nicht gereicht). Die Schweiz liegt im ruhigen Kehrwasser.
Die Reeducation hat versucht die tiefen Schichten zu zerstören, was teilweise (vielleicht wiederherstellbar) gelungen ist. Dieser psychologische Konflikt wird von allen Seiten geführt. Nur gibt es in diesem Konflikt keine große deutsche Eigenkraft, zwischen FAZ und Sputnik. Das erinnert an den dreißigjährigen Krieg. Die (wohl zweite) deutsche Urkatastrophe (nach dem Sieg der Franken über die Sachsen).

Die deutsche Eigenkraft wächst. Aber sie steckt noch in den Kinderschuhen, wird aber deutlich wahrgenommen.
Ralf
19. September 2016 20:39
@Eckesachs
Meine Kommentare hier haben letztlich den Zweck, die Geister zu scheiden. Fredys Einwurf, es würde in den Kommentaren "rumgechristelt", deutet die Notwendigkeit, dies zu tun, an.

Herr Kubitschek hat seinen Beitrag (wohlweislich?) ohne genuin christliche oder biblische Bezüge formuliert. Das ist o.k. Er sieht auf die Probleme der Zeit mit den Augen des besorgten Patrioten (Familienvaters, Konservativen, Rechten, ... ). Im Gegensatz dazu stehen Kommentare, die meiner Ansicht nach in den Aussagen des Neuen Testaments "rumgedeutscheln" oder auch "rumabendländern". Dies soll keine gehässige Kritik sein, sondern eine Aufforderung, zu überprüfen, ob beispielsweise das Abendland der Zweck ist, warum Gott seinen Sohn in die Welt sandte. Damit wünsche ich auch nicht dessen Untergang, sondern weise darauf hin, dass Gott diese Welt zur Sammlung von Menschen für die kommende Welt erhält. Wenn für dieses Ziel ruhige Zeiten in relativer Ordnung dienlich sind, umso schöner. Brauchts Geißeln - in welcher Gestalt auch immer - für eine Hinwendung zu Gottes Gnade, schickt er auch diese.

Man darf nicht vergessen: Gott hat sein Heil in Jesus Christus bereits offenbart. Es gibt daneben kein zweites Heil, was der Mensch aus sich heraus, quasi evolutionär, erschaffen könnte. Es folgt nur noch Entfaltung und Offenbarung des unheiligen menschlichen Strebens, losgelöst von Gott zu existieren.
Stil-Blüte
20. September 2016 10:27
@ Paule
Paule, ich gratuliere allen Beteiligten zum geborenen Enkel (nicht umsonst ist es nur ein Buchstabe, nein, ein Laut nur bis zum 'Engel')
Stil-Blüte
20. September 2016 10:29
@ Paule
Nachtrag: Die 'ungeborenen Enkel' hat Trakl im 'Grodek' beweint.
Stil-Blüte
20. September 2016 10:48
@ an alle, die Theodor Storm im Munde führen. Ich tu' es hiermit auch:

Der Eine fragt: 'Was kommt danach?'
Der andere sagt: 'So ist es recht!'
Und also unterscheidet sich der Freie von dem Knecht.

(Aus dem Gedächtnis zitiert und letztmalig aufgesagt, als ein Mädchen auf einer Bank an einem Badesee lag und die Hausaufgabe (10. Klasse)'Freiheit' zu 'beackern' hatte und ich mich ungefragt einmischte und sie mit 'Reisefreiheit', 'Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit', den Rütlischwur von Schiller ('...wir wollen frei sein wie die Väter waren...') bis zur Gedankenfreiheit von von Eichendorf fütterte und sie, übersättigt, als Quintessenz den köstlichen Satz sagte: 'Freiheit ist ein cooles Gefühl, ist Freiheitsgefühl'. Da war ich baff.)
Sascha
20. September 2016 17:35
@Paul und Desprecio,
wenn Ihr die weniger an intellektueller Diskussion interessierten Massen erreichen wollt, wer hindert Euch daran, eine eigene, weniger intellektuelle Sezession aufzumachen? Man muss sich ja dazu nicht streiten, wie die vielen K-Gruppen - verschiedene Seiten sprechen halt verschiedene Leute an.

Mich würde Ihre Seite beispielsweise überhaupt nicht ansprechen, bin halt intellektuell interessiert. Und verbreite unter intellektuell ansprechbare Leute durchaus gerne mal die Information, dass die intellektuelle Rechte, wie man sie halt bei Sezession lesen kann, an intellektueller Qualität das, was so an linkem Zeug rumgeistert, recht klar an Niveau übertrifft.
Paule
21. September 2016 04:04
@Stil-Blüte,

Dank für die Wünsche, an die "Enkel-Beteiligten". Enkel sind wirklich Engel der Zukunft, der Sorgen der Gegenwart und der Träger der Vergangenheit.

Danke auch für die Anekdote über das schöne Mädchen Freiheit.
Ich hoffe das Sie ihre Schwester "Hoffnung" auch kennen gelernt haben.

Wenn dem so ist, dann werden Sie mir nachsehen das mich Trakel dauert. (Ich kannte in bisher nicht!)
Zu jung, zu allein, zu schlecht gerüstet und zu romantisch in der Hilflosigkeit der Schlacht, ja des Schlachtens. Die ungeboren Enkel waren seine eigenen.

Es dauert mich.

Gruß Paule
Meier Pirmin
21. September 2016 10:00
@Winston.Smith. Exmeyer, Winston Smith, Monica, Stilblüte, Quencher usf.. Um es klar zu machen: Unsere kulturpolitische Übereinstimmung ist enorm. Noch was anderes: Glauben Sie ja nicht, ich würde die Schweizer Verhältnisse idyllisieren. Was die geistige Substanz betrifft, lebt man dort oftmals jetzt schon vom Geruch der leeren Flasche. Und vergessen Sie nicht: was Sie in Sachen Deutschland beklagen und befürchten, ist in der Schweiz sogar noch intensiver der Fall, wird aber vom vorläufig noch höheren Wohlstand und weil wir kein Mitteldeutschland haben, übertüncht. Die Schweiz wächst jährlich in der Grössenordnung eines mittelgrossen Kantons, ohne dass, wie es zu diesem Lande gehört, eine formelle Aufnahme in die Eidgenossenschaft beschlossen wird. Allein in der Stadt Aarau fanden im letzten Monat wöchentlich Schlägereien und Messerstechereien statt, mit Toten, ohne dass es deswegen einen Lärm gegeben hätte wie dies in Deutschland normal ist. Die Asylkosten sind daran, die Kosten der Landesverteidigung mittelfristig zu überholen, ja kurzfristig, dabei war das klassische Verhältnis, als wir noch das Asyl als die Blüte unserer Neutralität bezeichneten, 1% Asylkosten, 99% Landesverteidigung. Wir können uns nicht mal mehr zu einer halbwegs genügenden Luftwaffe aufraffen, obwohl dies gerade auch zur Terrorbekämpfung von Bedeutung sein könnte. Selber war ich am 21. Februar 1970 unmittelbarer Ohrenzeuge des schlimmsten Terroranschlages unserer Geschichte, des Absturzes des Swissair-Coronado über meinem Heimatdorf Würenlingen, woran nach neuesten Informationen auch zwei deutsche Extremisten beteiligt gewesen sind. Ich hielt zu diesem Thema auch schon mal eine Ansprache, aber legen Sie mir das bitte nicht als Eitelkeit aus, ich war einfach nahe dran und gelte als gut informiert. Vor der CDU Waldshut durfte ich vor etwa zehn Jahren auf Einladung des damaligen baden-württembergischen Landtagspräsidenten Straub an mehreren Abenden das schweizerische System erklären. Umgekehrt hat die Neue Zürcher Zeitung meine drei letzten Leserbriefe nicht gedruckt. Auf der Website Swiss Roman Catholics bin ich mit Hans Küng und anderen genannt, werde aber in meiner Arbeit von katholischen Bildungshäusern systematisch boykottiert. Sonst hätte ich mich wohl kaum auf diese Forum-Seite verirrt. Gesprächspartner, wie Sie es sind, finde ich leider nur sehr selten. Die Schweizer Rechten in der Nähe der SVP, aber leider auch die Christdemokraten und Freisinnigen, kümmern sich nur ganz selten um geistige Sachen, während die Leute auf dieser Seite Storm und Trakl zitieren, @Winston Smith sogar Griechisch zu können scheint, was Sie heute kaum mehr bei Theologen und Katecheten voraussetzen können. Es wäre natürlich langweilig, wenn wir immer gleicher Meinung wären, noch langweiliger, wenn wir dieselbe Perspektive hätten. Wohl auch nicht dasselbe Demokratieverständnis, was aber nicht schadet. In Sachen Demokratie, und nicht nur dort, scheint mir jeder schematische Universalismus falsch zu sein.
Winston Smith 78699
21. September 2016 10:57
@ Sascha
... wenn Ihr die weniger an intellektueller Diskussion interessierten Massen erreichen wollt, wer hindert Euch daran, eine eigene, weniger intellektuelle Sezession aufzumachen? [...] Mich würde Ihre Seite beispielsweise überhaupt nicht ansprechen, bin halt intellektuell interessiert.


Damit wäre der Zauber dahin und der einseitige Stallgeruch manchmal erdrückend. Jetzt aber hat der Stall diese Tore nach allen Seiten und wird andauernd gelüftet. Die einen werden ohne Zwang eingeladen, die anderen zu lesen und sich auch manchmal respektvoll geraderücken zu lassen. Ähnlich zu der Frage nach Forum anstatt Blog. Ich will die Schwertschwinger und die Sterngucker im selben Gynmnasium und an denselben Übungen haben, erst dann kann es was werden. Der Allerschlaueste kommt bei Wettkämpfen vorbei, wirft den Diskus und gewinnt sogar noch - warum erzählt ein Epos uns das?
Eveline
21. September 2016 15:44
G.K. Die Grundfrage lautet: Werden wir noch gebraucht? Können wir unser Dasein als vom Sein »gebraucht«, in den notwendigen Dienst genommen beschreiben? Können wir uns doch noch einmal, entgegen aller Entlastungsleistungen der Moderne, »wiederbelasten«?


Wer ist im Flussdelta angekommen? Das Sein oder das Ich? Das Ich (Ego) führt einen harten Krieg gegen das stille und ruhige Sein, das nur lauschen und fühlen möchte und ohne Formen auskommt, wie Zähne beschleifen und Hornbrille tragen. Lebenssinn kann man nicht machen, der steigt in einem hoch oder nicht.

Darum der Aktionismus der Politik, Völker auszutauschen, Kriege zu führen, zu Lügen, Schuld verteilen... damit werden wir äußerlich in Schwung gehalten.

Werden wir noch gebraucht? Mehr als das, gebraucht wird unser stilles Sein.

Aber die Flüsse werden weiterhin durch Deutschland fließen ; entspringen und münden und die Lebenslinien der Menschen weitererzählen. Und wir mittendrin, werden entspringen und anlanden, Pause machen, gegen den Strom springen, mit den Strom schwimmen, einfach alles ausprobieren.
Monika
21. September 2016 21:35
Das Forum ist noch geöffnet. Eine Möglichkeit, auf einen bemerkenswerten deutschen Film hinzuweisen:
http://www.zeit.de/kultur/film/2016-09/24-wochen-film-anne-zohra-berrached-schwangerschaftsspaetabbruch/komplettansicht

Wäre schön, wenn der Film besprochen würde.
Meier Pirmin
22. September 2016 02:19
@Monika. Danke für den Hinweis auf den Film mit dem Motiv des Schwangerschaftsabbruchs. Habe soeben einen Nachruf veröffentlicht auf den populären Theologen und einstigen deutschen Fernsehprediger Jörg Zink (1922 - 2016), es war noch ein halber Nachruf auf die für Zink ursprünglich wichtigen Christdemokraten und auf die Grünen, denen er sich später angeschlossen hat. Ich schrieb aber auch, dass den Grünen alles Leben heilig sei bis auf das ungeborene menschliche. Vgl. www.textatelier.com
Meier Pirmin
22. September 2016 08:11
Betrifft: Kay Werstheimer, über den hier vor einigen Tagen gesagt wurde, einigen AfD-Abgeordneten würde politische Weiterbildung "im staatspolitisch-institutionellen Sinne" wohl mal guttun. Seine Nichtaufnahme in die Fraktion war offensichtlich eine prophylaktische Handlung, um Verhältnisse wie in Baden-Württemberg von Anfang an nicht aufkommen zu lassen. Das war wohl richtig; ursprünglich wusste man nur, dass er sich selber und damit die Partei auf Facebook blamiert hatte. Es ist aber nicht bewiesen, dass er zu den zehn am meisten extremistischen Abgeordneten in Berlin gehört. Mit der Expiratin, die dem Bomber Harris von Dresden gedankt hat, nimmt er es mit den bösesten homophoben Wünschen schwerlich auf. Es ist aber klar, dass "Homophobes" gleichgestellt mit "Islamophobem" gleich nach Verstössen gegen Gesetze über die Sprachregelung der Darstellung der deutschen Vergangenheit einzustufen, eher schlimmer ist als der im Saarland getätigte Verkauf von Souvenirs aus der Zeit vor dem 8. Mai 1945, erst noch in einem Antiquitätengeschäft, wo kämen wir da hin?

Die Frage ist, ob der immerhin auf direktem Weg gewählte Werstheimer sich beispielsweise durch etwa zweijähriges Wohlverhalten rehabilitieren kann oder ob Homophobie zu den unverjährbaren Verbrechen gehört. NB. Habe selber mehrere Publikationen zur Geschichte der Homosexualität geleistet und stehe insofern nicht im Geruch der Homophobie. Über Letzteres haben sich im Zusammenhang mit Werstheimer u.a. David Berger, nicht linksstehender katholischer Berufshomosexueller, und Guy Werhofstadt, von mir als hervorragender Rhetoriker im Europäischen Parlament gerühmt, kürzlich geäussert. Eine Geistesleuchte ist mit Werstheimer oder wie er heisst der Fraktion zweifelsohne nicht verloren gegangen. Der Appell an die Verbliebenen, ihren Leistungsausweise betreffend, bleibt so oder so dringend.
Winston Smith 78699
22. September 2016 12:48
@ Meier Pirmin

Griechisch kann ich nur äußerst schlecht, und genau deswegen übe ich eben mit so etwas, wo es nur geht. An den Bildungslücken leide ich andauernd. Schade, dass es als Angeberei aufgefaßt wird, von diesem Jante-Denken müssen wir wegkommen.

Aber zur Sache: Sie sehen hier diese unsägliche Spöttelei der Deutschen über die Schweizer, wo das Gegenteil der Fall ist. Ich wünsche mir das Idyll geradezu als Vorbild (denn wir brauchen ein positives, wo wir hinwollen), vielleicht wegen der vielen Kindheitserinnerungen, natürlich an eine stilisierte Touristenschweiz, die sich mit ihrer paneuropäischen Mehrsprachigkeit auch als symbolische kulturelle Schatzkammer Europas präsentierte (auch mit dem für mein Empfinden konkurrenzlos gepflegten Kontrast zwischen rustikaler Tradition und futuristischer Hypermoderne) - eine Bibliothek in den Bergen wie diese Maisfelder in Mexiko, dann aber natürlich auch wegen einer besonders geerdeten Analyseschärfe der Literaten. Soll ich Ihnen in vielen Beispielen aufzählen, was ich alles meine? Natürlich ist dort vieles (eigentlich alles) Kulturelle besonders edel, und man scheint mir hierin wohlweislich auf Diskretion bedacht. Die von Steinberger und Schmid hoffentlich gut getroffene Spießigkeit kenne ich auch, besonders aber deren Jugendvariante, denn seit ca. 20 Jahren vermeine ich die jungen Künstler und Intellektuellen dort (also ALLE jungen Schweizer) in einer Luxusblase, die sie selbst gar nicht immer bemerken in ihrer Schola Cantorum. Sogar noch wenn sie alternativ sein oder sich so geben wollen, erscheinen sie mir leicht benebelt wie Traumwandler, zuhause in den Fliegern zwischen Tokyo und Buenos Aires und im Berner Oberland, aber immer irgendwie "oben" und "leicht" wandelnd; auch ihre zottelige Aussteigerkleidung oder schwarzgraue Minimalistentracht ist noch teuer, wie wenn das alles nur ein Spiel wäre, bevor man irgendwann zu Papa in die Bank heimkehrt, wie ein König Midas dadurch aber von den Dingen des Lebens entfernt und uneingestanden deprimiert. Bei Kontakt mit den Deutschen scheinen sie über diesen stehen zu wollen und sie zugleich zu fürchten, als flüchteten sie sich in diese schwache Elitepose wie verirrte Zöglinge im Arbeiterviertel. Sie kennen keine Wut mehr, im Gegensatz zu den älteren Querdenkern (ich kenne welche persönlich), für mir dieses Land aber wie eines der Refugien schlechthin vorkam - jene bei Qualität tolerante Schweiz meine ich, in der selbst die Abgründe Dürrenmatts noch mit einer gewissen Heimeligkeit der Kritik unter Brüdern daherkommen und ein Giger noch ein Typ gemütlicher Märchenonkel bleiben darf wie Gotthelf und Jung: es ist er Zauber der kleinkleinen, menschlich faßbaren Dimensionen und somit für einen Deutschen eine Zeitmaschine zurück in ins Biedermeier oder zumindst vor 1914. Und Überfremdung - ja, die ersten Nordafrikaner in signifikanter Häufung fielen mir wohl in einem Migros Anfang oder Mitte der 80er auf. Über "meine" Schweiz könnte ich viel erzählen, ein Reizthema. Für das Vorbild, welches ich meine, müßte ein Kenner wie Sie vielleicht mal durchgehen, inwieweit meine Idealschweiz ohne den verschämten Überreichtum denkbar ist. Das spirituelle Kraftzentrum "meiner" Schweiz sind die beiden Kirchen übereinander in Raron, plus Dichtergrab; welche Theaterszenerie (von innerlich-äußerlich, alt-neu oben-unten, Himmel-Erde, klein-groß, offen-geschlossen ...) - aber entpuppt sich selbst dies mitsamt dem ganzen Rhonetal als kostspielige Illusion? Stehen dann solche bizarren Orte wie Saas-Fee oder das Jungfaujoch, wo man eine Art von Midas-Frevel ja konkret fassen kann, für die Wahrheit eines Wasserkopfs, der sich vom Körper zu lösen beginnt - und was bleibt dann übrig? Sie sehen: ich kenne die Schweiz nicht, nur ihre Kulissen, also kann ich Ihnen auch keine Idyllisierung vorwerfen.
Martin Lichtmesz
22. September 2016 20:59
Badeschluß, Dank an alle Teilnehmer!

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