07. Oktober 2016

Thomas Wawerka, warum haben Sie keine Gemeinde mehr? – ein Gespräch

von Ellen Kositza / 108 Kommentare

Als Thomas Wawerka Anfang 2014 seine ersten Kommentare auf diesem Blog verfaßte, freuten wir uns an dem hübschen & subtilen Pseudonym. Der "Wawerka" aus Erich Kästners Fliegendem Klassenzimmer!  Nach weiteren klugen und besonnenen Beiträgen googleten wir diesem "Wawerka" ein bißchen hinterher. Witzig war, daß es einen evangelischen Pastor mit Namen "Thomas Wawerka" (Jahrgang 1975) gleich um die Ecke, im sächsischen Frohburg gab!

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Als sich der Verdacht erhärtete, daß hier einer mit offenem Visier schrieb, nahmen wir Kontakt auf. Ob das nicht ein bißchen tollkühn sei, in heutigen Zeiten unter Klarnamen zu schreiben? Nein, beschied Wawerka, er habe ein reines Gewissen. Er predige auf der Kanzel niemals politisch und äußere im Kommentarbereich hier ja nichts, was irgendwie krude oder nicht von dem verbrieften Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sei. Und doch: Die Einschläge kamen näher. Beizeiten wurde Pfarrer Wawerka "ins Gebet" genommen und seit September ist der Pfarrer arbeitslos. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. "Natürlich" habe das nichts mit seiner politischen Einstellung zu tun. Ich habe mit Thomas Wawerka ein Gespräch über seinen Fall geführt, er selbst ist für Nachfragen oder Unterstützungsvorschläge ab sofort erreichbar unter wawerka(at)sezession.de. Ich leite die Nachrichten an ihn weiter.

Kositza: Herr Wawerka, wen haben Sie vor den Kopf gestoßen? Teile Ihrer alten Gemeinde?

Wawerka: Da ist etliches hinter verschlossenen Türen geschehen, das ich nur zum Teil erfahren habe oder durchschaue. Meine Gemeinde hat jedoch nichts damit zu tun, die hätte mich gern als Pfarrer behalten. Ich pflegte ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern und eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand, die allermeisten Gemeindeglieder kamen gut mit mir klar, und ich mit ihnen ebenfalls. Ich bin von Herzen begrüßt und eher unter Schmerzen verabschiedet worden. Die Entscheidung, meinen Arbeitsvertrag nicht zu verlängern, wurde von meinen Vorgesetzten (dem Superintendenten in Borna und der Personaldezernentin im Landeskirchenamt in Dresden) ohne jegliche Rücksprache mit der Gemeinde getroffen. Das bedeutet, daß es bei dieser Entscheidung nicht um die Beurteilung meiner Arbeit ging, sondern um mich persönlich; darum, ob ich ins Profil der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens passe. Offensichtlich ist das nicht der Fall.

Kositza: Wie hat man das denn begründet?

Wawerka: Die Begründungen waren zum Teil an den Haaren herbeigezogen. Beispielsweise wurde mir vorgeworfen, daß ich mit der kirchlichen Ämterhierarchie nicht klar käme - dabei habe ich das bißchen Hierarchie, das es noch gibt, gegen die fast schon selbstverständlichen Nivellierungstendenzen verteidigt. Oder daß ich illoyal gegenüber meinen Amtskollegen wäre, was ich geradezu grotesk finde, da meine Loyalität schwer zu brechen ist und ich auch mit den linken und/oder liberalen Kollegen stets das theologisch und zwischenmenschlich Einende als Basis suchte – Sie wissen, wie ich mich geziert habe, diesem Interview zuzustimmen, aus Sorge, es könne als Illoyalität aufgefaßt werden.

Der Kern war der für mich absurde Vorwurf der "Menschenfeindlichkeit". Es gab da einen gut gefüllten Aktenordner, der alle Kommentare enthielt, die ich auf SiN, auf Facebook und wohl auch anderswo gepostet habe. Ich habe immer unter meinem Klarnamen gepostet, und zuweilen habe ich gewiß zugespitzt oder in ironischer Übertreibung formuliert, manchmal auch grob.

Kositza: Ich kenn durchaus solche Zuspitzer und Grobiane aus unserem Kommentarbereich, die aber dennoch ein gutes Herz haben. Nun erinnere ich mich an ü b e r h a u p t  keine Überspitzungen aus Ihrer Feder!…

Wawerka: Naja, vielleicht empfindet das jeder anders. Aber auch mir als Pfarrer muß das zugespitzte oder grobe Wort erlaubt sein. Wenn man sich nur noch zitierfähig äußern kann, bleiben am Ende nicht mehr als nichtssagende Wortblasen übrig. Denken Sie nur mal an Martin Luthers Sprache … Offensichtlich hat jemand alle meine Kommentare gesammelt und sich bei der EKD-Leitung über mich beschwert. Ich ahne auch, wer es ist. Die EKD hat wiederum Druck auf die sächsische Kirchenleitung ausgeübt. "Ihretwegen haben wir jetzt richtig große Probleme", wurde mir im Landeskirchenamt beschieden. Die sächsische Kirche steht ohnehin unter dem permanenten Verdacht, zu wenig gegen "rechts" zu tun, und mir war vom Landeskirchenamt das Etikett des "Pegida-Verstehers" zugeteilt worden. Die Auskunft, es ginge nicht um meine persönliche politische Orientierung, sondern um die "Menschenfeindlichkeit" meiner Kommentare, erscheint mir ehrlich gesagt hanebüchen. Ich vermute eher, hier sollte ein Exempel statuiert werden.

Kositza: Politische Predigten gibt es in Kirchen ja bekanntlich zuhauf. Die sogenannte Flüchtlingskrise bot ja gerade linksfühlenden Pfarrern reichlich Gelegenheit. Haben Sie die Kanzel denn als Ort genutzt, um ein bißchen Wasser in den süßen Willkommenswein zu gießen?

Wawerka: Nein. Das hat hauptsächlich zwei Gründe. Zum einen nimmt man ja wahr, daß selbst sehr vorsichtige und zurückhaltend kritische Äußerungen schnell skandalisiert werden können. Mir steht das Beispiel einer Kollegin aus Brandenburg vor Augen, die im Gottesdienst für verfolgte Christen betete, kurz darauf ein Dienstaufsichtsverfahren wegen "Fremdenfeindlichkeit" am Hals hatte und seitdem unter dauernder Beobachtung ihrer Vorgesetzten steht. Das begann wie auch bei mir mit der Pressure-group-Taktik linker „Aktivisten“. Gegen Vorwürfe wie "Fremdenfeindlichkeit" oder "Menschenfeindlichkeit" kann man sich nicht wehren, weil es um nichts Objektives geht, das man widerlegen könnte oder das überhaupt nachgewiesen werden müßte. Vielmehr kann der, der den Vorwurf erhebt, den Begriff füllen, wie es ihm beliebt – und man findet sich plötzlich in einer Ecke wieder, aus der man nicht mehr rauskommt, zumindest nicht rhetorisch.

Zum anderen, und das ist für mich das schwerer wiegende Argument, verstehe ich mich auf der Kanzel vorrangig als Ausleger der biblischen Texte und als Glaubenslehrer, so altbacken das jetzt auch klingen mag, aber das ist doch die eigentliche Aufgabe des Theologen und Predigers, nicht das Bewerben oder Verwerfen politischer Positionen. Freilich predigt man nicht in ein Nirwana hinein, sondern in eine konkrete geschichtliche Situation mit ihren ethischen Herausforderungen; freilich besteht eine Wechselwirkung zwischen Kirche und Welt, Glauben und Leben. Mitunter kann es fruchtbar sein, politische Phänomene in der Predigt mitzubedenken, wenn der Bibeltext das hergibt – obwohl ich das brennend Aktuelle lieber ins Fürbittengebet hineinnehme, statt es mit vielen Worten zu zerreden.

In den letzten zwei Jahren habe ich jedoch an keinem Gottesdienst teilgenommen, in dem die Predigt nicht früher oder später auf die Flüchtlingsproblematik zurechtgebogen wurde und in einem Gewitter moralischer Appelle gegen „rechts“ endete, und das betrifft beide Kirchen. Es ist für mich kaum zu begreifen und nur schwer zu ertragen, dass so viele meiner Kollegen persönlich und die Kirchen insgesamt, als Institutionen, sich derart politisch instrumentalisieren lassen. Das hat sicher einiges mit den zeitgeschichtlichen Entwicklungen seit '68 zu tun, muß darüber hinaus aber tiefere, geistliche Ursachen haben. Ich habe mich jeglicher Instrumentalisierung entschieden verweigert und auf der Kanzel eine strenges Regiment der "politischen Hygiene" betrieben – das schien mir notwendig, um meiner Berufung als Prediger gerecht werden zu können.

Kositza: Gut. Nun steht man als Pastor doch aber „in der Welt“ und kann daher nicht nur vom Himmel reden, wenn die Leute auf Antworten auf diesseitige Fragestellungen warten, oder?

Wawerka: Genau. In meine Predigten aufgenommen habe ich konkrete, anschauliche Begebenheiten. So schilderte ich im letzten Weihnachtsgottesdienst die Geschichte einer Flüchtlingsfamilie aus dem kurdischen Irak. Mann und Frau waren von ihren Eltern für jeweils andere Partner bestimmt, verliebten sich aber und verweigerten die Zwangsheirat. Die Frau gebar einen Sohn, blind und mit Gaumenspalte. Die Eltern des Ehepaars erklärten, dies sei die Strafe Allahs für ihre Sünde. Der behinderte Sohn sollte mit Drogen getötet werden. In ihrer Verzweiflung besuchten die jungen Eltern den Gottesdienst einer christlichen Gemeinde. Dort hörten sie als Evangelium Johannes 9,1-3. Dieses Wort befreite sie aus ihrer Angst und Verzweiflung. Sie wurden Christen, ließen sich taufen und nahmen als neue Namen "Josef" und "Maria" an. Ihre Familien verstießen sie, sie erhielten Asyl in Deutschland. Ich lernte sie in Borna kennen – eine Familie, die Asyl bei uns benötigt, weil sonst ihr Leben in Gefahr ist; eine Familie, die sich mit all ihrer Kraft bei uns zu integrieren versucht.

Mittlerweile sollen sie abgeschoben werden, irgendein Beamter hat den Vorwurf erhoben, sie hätten sich nur taufen lassen, um sich Vorteile für die Aufenthaltsgenehmigung zu verschaffen. Mit meinem katholischen Kollegen habe ich einen Brief verfaßt, in dem wir diesen Vorwurf widerlegen und für die Beibehaltung des Asyls plädieren. Zur Not hätten wir ihnen auch Kirchenasyl gewährt. Diese persönliche Begegnung, diese Geschichte mit all ihren Härten, in der doch gleichzeitig die Kraft des Evangeliums so klar und deutlich aufscheint, schien mir ein gutes Gegengewicht zur üblichen sentimentalen Weihnachtsfolklore zu bilden. Auch die Anschläge in Paris vom 7.1. und 13.11. letzten Jahres habe ich in meine Predigten und ins Gebet aufgenommen.

Als Pegida Fahrt aufnahm und in der Berichterstattung eine dumpfe, ressentimentgeladene Hysterie dominierte, habe ich einen "offenen Abend" veranstaltet, über die Unterschiede zwischen Christentum und Islam informiert und den Fragen, die Pegida stellt, einen Raum zur Diskussion gegeben. Das war ein Abend mit anregenden Gesprächen, mit offenem, ehrlichem Suchen. Und auch das Gebet für die verfolgten Christen hatte in meinen Gottesdiensten selbstverständlich einen festen Platz.

Jenseits der Kanzel habe ich mich mit meinen politischen Ansichten zu erkennen gegeben. Ich habe sie niemandem aufgedrängt, sie aber auch nicht zurückgehalten, wenn ich gefragt wurde. Die meisten Leute konnten gut damit umgehen, etliche äußerten auch Anerkennung dafür, dass ich ins Marschblasen des Mainstreams nicht mit einstimmte. Die meisten Leute in den Gemeinden hier neigen zum strukturellen Konservatismus, und die Erinnerung an die sozialen Mechanismen der DDR-Gesellschaft und die befreiende Wirkung der Demonstrationen zur Wendezeit sind noch lebendig.

Kositza: Die Beendigung des Vertrags geschah ja nun nicht aus heiterem Himmel. Es gab  Warnschüsse.

Wawerka: Los ging das vor etwa anderthalb Jahren. Ich wurde von meinem direkten Vorgesetzten, dem Superintendenten, zu Gesprächen eingeladen, die ganz freundlich mit der Frage begannen, wie es mir ginge, ob ich mich eingelebt hätte usw., die aber mit der Warnung endeten, genauer darauf zu achten, wo im Netz ich unter Klarnamen schriebe – „damit sind Sie ja identifizierbar“. Ich nickte und wartete, aber mehr kam nicht. Weder beim Superintendenten noch im Landeskirchenamt kam es zu irgendeiner Art inhaltlicher Debatte. Nie. Diese Debatte wurde vielmehr mit allen Mitteln verweigert. Ich wartete darauf, aber mittlerweile habe ich begriffen, dass ich nicht mit dem, WAS ich geschrieben habe, eine „rote Linie“ überschritt, sondern mit dem WIE und WO.

Ziemlich zügig folgten weitere Gespräche, abwechselnd beim Superintendenten und im Landeskirchenamt, zuletzt mit einem Kirchenjuristen als Gegenpart. Mir war völlig klar, daß man mich „auf dem Kieker“ hatte, aber damit konnte ich umgehen. Theologisch konnte man mir ja nichts vorwerfen, von der praktischen Amtsführung her auch nicht, und was meine Äußerungen im Netz betrifft, so halte ich diese für überwiegend reflektiert und differenziert und durchweg innerhalb des politisch und kirchlich-theologisch akzeptierten Meinungsspektrums positioniert – ich dachte also, was soll mir schon passieren?! Die Kaltschnäuzigkeit, mit der ich dann abserviert wurde, hat mich überrascht und auch entsetzt.

Kositza: Und nun? Wie geht es weiter für Sie? Oder, in Coachingsprache gefragt: Wo sehen Sie sich in einem, in zwei Jahren?

Wawerka: Zunächst einmal muß ich erstaunt feststellen, daß ich mich u.a. auch erleichtert fühle. Die Entbindung von Amt und Würden bringt mehr Freiheit mit sich. Das Korsett, in dem man sich als amtskirchlich ordinierter Gemeindepfarrer bewegt, ist schon recht eng. Jetzt kann ich mich leichter bei Dingen einbringen, die ich für wichtig halte, die mir vorher aber verwehrt waren bzw. zu problematischen Folgen geführt hätten. Ein schönes Beispiel ist die Friedensandacht, die ich in Schnellroda anläßlich des Aufmarschs linksextremer/autonomer Demonstranten gehalten habe. (Für einen Lothar König beispielsweise ist dergleichen natürlich kein Problem, aber er steht eben auf der „richtigen Seite“.) Vielleicht ergibt sich so etwas in Zukunft öfter.

Durch das, was ich im Lauf der Zeit erfahren habe, was ich selbst erlebt oder mit anderen besprochen habe, ist in mir ein Bild gewachsen – eine Vision, wenn Sie so wollen: Eine kleine Kirche, eine kleine Kommunität, die dort im Rahmen eines traditionalen, kulturell selbstbewußten, heimatverbundenen Christentums lebt und arbeitet. Die mit anderer Stimme spricht und in der moralischen Debatte, von der jede politische Äußerung begleitet und gerechtfertigt wird, entsprechend andere Akzente zu setzen vermag. Die vielleicht jene Leute auffangen und seelsorgerlich begleiten kann, die die Amtskirchen verlassen, weil sie sich dort geistlich und politisch nicht mehr vertreten fühlen. – Ich weiß, das ist eine sehr vage Vorstellung, und man bräuchte vor allem die richtigen Leute, weiterhin auch Finanzen und andere Ressourcen, über die ich nicht verfüge … Aber so ist das mit Visionen, wenn was dran ist, wird Gott auch etwas fügen und wachsen lassen.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (108)

Milarepa
07. Oktober 2016 12:32
Sehr geehrter Herr Wawerker,
Ihre Vision werden Sie verwirklichen.
Ganz bestimmt.
Beste Grüße Milarepa
Martin
07. Oktober 2016 12:33
Die Damen und Herren Denunzianten und Kriecher die diese Demontage zu verantworten haben wären, da bin ich mir sicher, ebenso stramme (Volks)genossen geworden (oder gar gewesen?) Alles nur eine Frage der Zeit und der jeweiligen Windrichtung.
Ein gebürtiger Hesse
07. Oktober 2016 12:54
Herr Wawerka, Sie senden ein wahres Licht aus. Danke für Ihren Mut, Ihren Einsatz, Ihren Klarblick, Ihre - Vision.
Alt-Badener
07. Oktober 2016 12:56
Immer wieder wird man jetzt mit Entscheidungen und Beiträgen der Amtskirche konfrontiert, mit denen ein Verbleib in der Amtskirche absolut nicht mehr möglich ist. Viele Mitbürger haben den Kirchenaustritt als einzig verbleibende Maßnahme schon vollzogen, aber es sind noch immer viel zu wenige. Noch reichen die aktuellen Kirchenaustritte nicht aus, um die Verantwortlichen in den Amtskirchen zu einem Umdenken zu veranlassen.
Schon längst ist gerade die evangelische Amtskirche zu einer grünlinken Partei verkommen, denen die eigene Kultur und die gewachsenen Werte des christlichen Abendlandes nichts mehr wert sind. Ich habe den Kirchenaustritt schon vor ca. 25 Jahren vollzogen, als mein jüngster Sohn, damals in der evangelischen Jugend aktiv mitwirkend, zu einer politischen linken Demonstration missbraucht wurde. Ich habe danach die ersten Jahre immer wieder gezweifelt, ob mein Entschluss richtig war und bin schon längst zu der Erkenntnis gekommen, dass meine damalige Entscheidung die einzig richtige war.
Manchmal dachte ich darüber nach, der katholischen Kirche beizutreten, aber auch dort begann in den letzten Jahren die Hinwendung zum Zeitgeist, das Überbordwerfen der kulturellen und sittlichen Werte, das Kriechertum vor dem uns wohl verschlingenden Islam. So bleibt leider nichts anderes übrig als der Versuch, die gewachsenen christlichen und kulturellen Werte für sich selbst zu bewahren, auch wenn der Zeitgeist wahrscheinlich ungebremst über uns hinwegfegen wird. Das Ende des christlichen Abendlandes ist offenbar nicht mehr aufzuhalten, gerade auch dann, wenn die Institutionen unseres christlichen Abendlandes dem Islam Tür und Tor öffnen und somit unsere europäische Festung wehrlos aufgegeben wird.
Morbrecht
07. Oktober 2016 13:11
Bei der EKD macht man sich ja schon verdächtig, wenn man davon ausgeht, dass eine Ehe von Mann und Frau geschlossen wird oder die Weihnachtsgeschichte eine höhere Bedeutung hat als nur ein Stück Agitprop für offene Grenzen zu sein. Eine der besten Entscheidungen meines Lebens war es, den Weg von dort weg gefunden zu haben. Alle Wege führen nach Rom.
Das sollte man nicht aus politischen Gründen tun, und gerade in Deutschland ist der Linkskatholizismus sehr stark, aber auch der kann die katholische Lehre nicht nach Belieben verbiegen, die tatsächlich ein Fels ist, auf dem man solide stehen kann. In der katholischen Kirche gibt es zudem auch in Deutschland Dutzende Gemeinschaften, die zwar in den Medien nicht sehr präsent sind, aber in denen man auch als Konservativer Willkommen geheißen wird.
Der_Jürgen
07. Oktober 2016 13:24
Nachdem Gott in Sodom keine zehn Gerechte gefunden hatte, liess er die sündige Stadt der Zerstörung anheimfallen; auf sie ging ein Feuerregen nieder. (1. Mose 18; 19.)

Ich habe mich einmal gefragt, ob es unter den protestantischen Geistlichen in Deutschland noch zehn Gerechte geben mag, denen die Verbreitung des Evangeliums wichtiger ist als der Einsatz für "alternative Familienmodelle", für die "multikulturelle Gesellschaft" und "gegen rechts".

Einen solchen Gerechten gibt es nachweislich; er heisst Thomas Wawerka. Dies verleiht der Hoffnung Auftrieb, dass sich anderswo in Deutschland noch wenigstens neun andere Geistliche seines Kalibers finden mögen.

Bei den Katholiken ist die Lage nur unwesentlich besser; die Verfallserscheinungen sind dort fast eben so krass wie bei den Protestanten. Wenn schon der oberste Hirte ein falscher Fuffzger ist, der muslimischen Immigranten aus dem Nahen Osten im Vatikan Asyl gewährt, christlichen Immigranten dieses jedoch verwehrt, "weil ihre Papiere nicht in Ordnung waren" - bei den Muselmanen waren die Papiere aber ganz bestimmt in Ordnung, nicht wahr? -, was kann man da von Geistlichen subalternen Ranges erwarten?
Matthias Grund
07. Oktober 2016 13:26
Der Leikulturklüngel aus glaubensfernen Bedford-Strohmkirchen, substanzlosem Opportunismus, Übernächstenliebe und Selbsthass, Woelkis Flüchtlingsheilandfieber, Genderingenieuren und No-border-Nomaden usw...da bleibt nur die Genugtuung: Alles dem Untergang geweiht, weil alles am Leben vorbeigeplant. Der gläubige Christ wird das alles überdauern, so wie schon seit ein paar tausend Jahren. Die Zeit der Amtskirchen aber neigt sich dem Ende. Deus vult, oder so.
Winston Smith 78699
07. Oktober 2016 13:26
"... naja, Sie passen eben nicht zu uns." Verkürzt gesagt: Das war der Spruch, den ich irgendwann zu hören kriegte, nachdem ich allerlei nebulöses Zeug und Unterstellungen bis hin zu glatten Lügen von höheren Beamten entkräftet hatte. Wawerka: Sie sind nicht allein. Da Sie ja vom Fach sind, spare ich mir Bemerkungen zum seelischen Umgang mit sowas. Aber ich komme gerne auf Besuch.
Brandenburger Sandstein
07. Oktober 2016 13:28
Dass das tatsächlich passiert ist, ist schon der reine Wahnsinn. Kann es gut verstehen, dass die Enthebung auch etwas Gutes für den Herrn Wawrenka mit sich bringt. Und jemanden der so tiefgläubig ist, dem wird Gott auch schon in diesem Leben beiseite stehen. Gewissermaßen ist das ja jetzt schon der Fall bei der Stärke die Ihnen innewohnt! Der letzte Satz hat etwas sehr Erhabenes, auch etwas Trostspendendes. Und vielleicht sollte jeder Gläubige froh sein mit diesen, ich nenne sie einmal Systemkirchen, nichts mehr zu tun haben zu müssen. Respekt und viel Kraft für Sie Herr W., mein Dank der Sezession.
Heinrich Brück
07. Oktober 2016 13:33
Eigentlich ein juristischer Skandal. Auch ein Helmut Schmidt, der nicht unbedingt für seine politische Blauäugigkeit bekannt war, freute sich in einer Gesprächsrunde einmal über die steigende Juristenvermehrung in China.
Wenn eine Gemeinde nicht einverstanden ist, und der Pastor trotzdem gekündigt werden kann, haben juristische Eiterbeulen das Kirchenschiff übernommen. Die Zehn Gebote und das NT liegen in der zweiten Reihe.
Justitias Aufklärungsschiff hat die Pest an Bord. Der kalte Hauch des Todes, repräsentiert von einer vollständig emotionsbefreiten Sprache, ohne jegliche Inspirationskraft. Zombiekirchen.
Morbrecht
07. Oktober 2016 13:47
@Matthias Grund
Ihr Kommentar erinnert an Worte des großen katholischen Theologen Robert Spaemann:

Man muß klar sehen, daß sich der christliche Glaube in der Welt seit jeher im Kampf befindet. Schon der heilige Petrus sprach von einer übermenschlichen Gegenmacht, die "umhergeht wie ein brüllender Löwe" (1 Petr 5,8). Auch wie der Kampf ausgeht, ist bereits klar. ... Denn "die ganze Welt ist in der Gewalt des Bösen" (1 Joh 5,19). Was zählt sind die, die "sich retten lassen aus diesem verkehrten Geschlecht" (Apg 2,40), um "mitten unter einem verkehrten und verdrehten Geschlecht zu leuchten wie die Sterne im Weltall" (Phil 2,15). ...Es ist uns gesagt, daß am Ende der Geschichte der große Abfall kommt (2 Thess 2,3), daß der Menschensohn, wenn er wiederkommt, fast keinen Glauben mehr antrifft (Lk 18,8), daß auch die Christen sich Lehren nach ihrem eigenen Geschmack zurechtmachen werden (2 Tim 4,3)....Im übrigen wissen wir nicht, an welcher Stelle der Geschichte wir stehen, ob das Ende aller Dinge unmittelbar vor der Tür steht, ob Gott im Europa des nächsten Jahrtausends noch einmal "viel Volk" haben wird, oder schließlich, ob der Leuchter ganz einfach von der Stelle gestoßen wird, wie der der Gemeinde von Ephesus (Offb 2,5), und unser Kontinent wieder ins Dunkle sinkt.


http://www.kath-info.de/frustration.html
wir-selbst
07. Oktober 2016 13:53
Es ist wirklich merkwürdig:

Das sich kleine Gemeinschaften von Christen außerhalb der Amtskirchen bilden, das erlebe ich seit einigen Monaten über Initiativen von christlichen Bloggern und YouTubern.

Deren Vorträge und Videos haben mich tatsächlich dazu gebracht, mich nach jahrzehntelanger Gottesferne wieder dem Glauben anzunähern.

Das geht aber heute (leider) nur außerhalb der Amtskirchen, als "freier Katholik" oder ähnliches. Ich persönlich halte die Vision Wawerkas für durchaus realisierbar, allerdings erst einmal nur in kleinem Rahmen. Der Bedarf an Vernetzung und die Bereitschaft, dafür etwas zu geben, ist sicherlich vorhanden.
herr k.
07. Oktober 2016 14:07
Herr Wawerka,

Vielleicht ist es auch Art Prüfung vom "Chef" höchstpersönlich. Ich finde es mutig und vorbildlich, wie Sie zeigen, dass es noch aufrechte Christen gibt...besonders auf unserer "Seite". Nicht , dass Sie noch unser neuer Luther werden...;)

Ich wünsche Ihnen Erfolg beim Verwirklichen Ihrer Vision, was mit Freude getan wird, kann nur von Erfolg gekrönt sein.
Matthias Grund
07. Oktober 2016 14:08
Komisch. Gestern noch analysierte Abteilungsleiter Stefan Kuzmany von Deutschlands Leitmedium SPON in seinem Leitartikel messerscharf das Fabulieren über vermeintlichen Arbeitsplatzverlust als Reaktion auf Kritik als "Wahndiskurs", "wahnhafte Vorstellungen" und "imaginierte Notlage", und empfahl Dialog mit derlei "Modernisierungsverlierern" nur zu "therapeutischen" Zwecken - und nun so was.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wahndiskurs-von-afd-und-pegida-abgehaengt-kommentar-a-1115501.html

Ein traurig und zugleich mutig stimmendes Interview, denn im souveränen, glaubensfesten und vorausschauenden Umgang mit seiner unfreiwilligen Zwangslage ist Herr Wawerka ein echtes Vorbild.
Fredy
07. Oktober 2016 14:17
Gut so. Vernünftige Menschen haben in den Amtskirchen, aber leider auch den meisten Freikirchen, nichts mehr verloren. Manchmal kann nur mit Zwang etwas neues entstehen.

Früher gab es bei den Freikirchen viel Zeltgottesdienste, recht erfolgreich. Wird sich schon ein Bauer finden, der das Land kostenfrei stellt. Für Großzelt und Bänke haben wir eigene Leute. Anfangspublikum läßt sich gewiss aus Legida und Pegida rekrutieren. Ort irgendwo zwischen Dresden und Leipzig. Es braucht nur jemand der wirklich was zu sagen hat.
Paul
07. Oktober 2016 14:23
Wir erleben doch gerade nicht nur im kirchlichen Umfeld, sondern in allen anderen Zusammenhängen eine politische und juristische Durchdringung aller Lebensbereiche. Sogar die intimste Lebensbereich, nämlich der Bereich der Sexualität und der Bereich der Glaubensüberzeugung, sollen durch staatliche Indoktrinationsmaßnahmen geregelt werden.
Neuerdings gehören Schlagworte wie "Gendergerecht" und "Sexuelle Vielfalt" doch auch zum Kirchenvokabular, wie das Vater Unser. Alles wird mit allem verknüpft und zur Unkenntlichkeit vermengt.

Die Kirchen waren allerdings noch nie die zeitlosen Flaggschiffe der unumstößlichen Wahrheiten. Immer schon waren ihre Kirchenfürsten dem weltlichen zugetan. Die Politik der Kirchen und ihr Streben nach Macht und Geld haben schon immer den Blick auf die Glaubensbotschaften der hl. Schrift verstellt.

Auch heute verdienen die kirchlichen Wohlfahrtsverbände selbst nicht schlecht an der sog. Flüchtlingskrise.

Es scheint sich wie ein roter Faden auch durch die Kirchengeschichte zu ziehen, dass Menschen, die den Drang zur Wahrheit und Klarheit verspürten eher zu Märtyrern als zu Würdenträgern wurden. Kein Landesbischof oder Papst wurden je für ihre Überzeugungen ans Kreuz geschlagen oder hingerichtet (zumindest nicht in der Neuzeit).

Insofern verwundert mich das Schicksal des Pastors in keiner Weise.

Ich selbst habe der Kirche schon lange den Rücken gekehrt. Nicht, weil ich nicht gläubig wäre, sondern weil es mir nicht einleuchtet, dass ein Bischof etwa für sich alleine mehr Geld zur Verfügung hat, als eine Durchschnittsverdienerfamilie mit 2 Kindern.

"Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher ins Himmelreich eingeht".
Einar von Vielen
07. Oktober 2016 14:24
Falls materielle Not eintritt bitte eine Kontonummer veröffentlichen. Wir müssen zusammenhalten und werden es.

Ich wünsche mir ohnehin einen Hilfsfonds für Opfer des Linksfaschismus, gerne von der AfD organisiert, international bekannt gemacht um der Welt vor Augen zu führen was in Deutschland tobt, und genutzt, um Menschen solidarisch zumindest den materiellen Schaden zu ersetzen die sie durch ihren Mut zugefügt bekommen.

Für die deutschen Kirchenorganisationen empfinde ich mittlerweile nur noch abgrundtiefe Verachtung.
Stil-Blüte
07. Oktober 2016 14:58
@ Wa(h)rwerka
So betrübt ich über Ihre Geschichte bin, sie doch zugleich tröstlich und vor allem wird sie erweckend wirken.

Herr Pfarrer, da Sie sich auf die 10 Gebote und das Neue Testament (das ja immer Erben braucht, ansonsten als Testament wertlos wäre) 100%ig berufen, wird es Ihnen gelingen, Ihre Vision zu ver
w e r k lichen.

Die bis heute nicht untätige (aber leider auch stark verwässerte) Zellbildung und Zellteilung gläubiger verfolgter, unverstandener Christen in der Herrnhuter Brüdergemeine könnte für Ihre Vision
einer kleinen Kommunität'
Muster für ein neues Gotteshaus 'verlorener, schwarzer Schafe' werden.

Gottes Segen!

Ist Froh-Burg, an der Grenze zwischen Sachsen und Thüringen dafür nicht ein schönes Omen(nomen est omen?!

Bitte mehr Weckrufe, die am Anfang auch das Rasseln eines Weckers oder das insistierende Piepen eines Handys haben, um Erweckung zu werden?
Arminius Arndt
07. Oktober 2016 14:58
Ja, klar, wenn man so etwas liest, wird - neben all den anderen offenen Scheunentoren, welche die Amtskirchen bieten - das Thema Kirchenaustritt immer drängender und ich habe denn Eindruck, dass nur noch ein massiver Austritt von Kirchenmitgliedern ggf. zu einem Umdenken führen kann, denn dann geht es ans Geld. Während die katholische Kirche so reich ist, dass sie dass quasi aussitzen kann, hätte die EKD hier recht schnell ein ernstes Problem ...

Ich hab das an anderer Stelle schon einmal geschrieben:

Wenn jemand als einzelner Austritt, hat er kein Problem und spart sich die Steuern.

Ehepaare, die sich gemeinsam zur Steuer veranlagen lassen wollen (sollten), müssen den Schritt aber gemeinsam gehen, sonst holt sich die Kirche Geld vom in der Kirche Verbliebenen über das sog. besondere Kirchgeld.

In Bayern könnte man dies vermeiden, in dem man bspw. dem Bund für Geistesfreiheit beitritt, der eine anerkannte Körperschaft öffentlichen Rechts ist. Aber dieser Bund ist genuin links - so etwas will man dann auch nicht finanzieren.

Bitte gründet eine Alternative, eine Kirche für Ausgetretene und geht die Mühlen bis zur Anerkennung durch, damit den Kirchen wirklich jeder Zugriff aufs eheliche Einkommen versagt wird.

PS: War immer überzeugtes Kirchenmitglied, aber mir langt es so langsam gewaltig. Freikirchen habe ich aber bislang zumeist nur als evangelikale Bibelforscher erlebt, wo man am Sonntag am besten mit Anzug und Krawatte in den Gottesdienst geht - das ist selbst mir, als Amerika-Freund, zu sehr bible belt. Außerdem "lobpreise" ich keinen Gott - ich bin kein Orientale, der meint, er könne einen Gott durch irgendwelches Gekrieche und Gepreise, gnädig stimmen.
Morbrecht
07. Oktober 2016 15:00
Für Katholiken ist die Kirche keine Partei und die Frage der Mitgliedschaft nicht von den politischen Positionen einzelner Mitglieder des Klerus abhängig, sondern von der Zustimmung zur Lehre, die von politischen Aktivisten im Klerus allenfalls entstellt vertreten oder dargestellt, aber nicht verändert werden kann.
Man darf zudem nicht vergessen, dass die Medien linkskatholischen Stimmen übermäßig Raum geben, während andere Stimmen, die es auch gibt, fast nicht vorkommen. Das erzeugt ein verzerrtes Bild, das zunehmend auch Katholiken frustrieren lässt. Tatsächlich sind in der katholischen Kirche aber mehr intakte Traditionsbestände vorhanden als manche denken, und ich zitiere mit Robert Spaemann z.B. eine führende Stimme aus diesen intakten Beständen. Hier z.B. seine Antwort auf offene Grenzen:

Es gibt verschiedene Grade der Nähe, und hier hat Augustinus den entscheidenden Begriff geprägt: ordo amoris, also eine Rangordnung der Liebe. Wo unserer Hilfe Grenzen gesetzt sind, da ist es auch gerechtfertigt auszuwählen, also zum Beispiel Landsleute, Freunde oder auch Glaubensgenossen zu bevorzugen. Johannes schreibt in einem Brief: Tut Gutes allen. Besonders aber den Glaubensgenossen. Es gibt rational nachvollziehbare Gründe der Auswahl.


http://www.ksta.de/23378464

Spaemann steht als einer von vielen auf der Grundlage einer intakten zweitausendjährigen Tradition und Lehre, während ein Woelki einen sehr unkatholischen revolutionären Bruch damit propagiert und pseudochristlich ummantelt. Am Ende hat in der Kirche die Revolution aber nie gesiegt, und dementsprechend sollte man sie nicht verlassen, sondern die intakten Bestände in ihr suchen und sich ihnen anschließen.
Ansgar
07. Oktober 2016 15:21
Die Amtskirchen nehmen unsere christliche Aufgabe zur Mission und Taufe von Muslimen nicht ernst. Aber sie meinen es gut, sie wollen gesellschaftliche Konflikte vermeiden. Ich finde es gegenüber Gegnern wichtig, nicht so eliminierend zu denken (vergessen wir mal Schmitt). Denn der Wille zu Elimination des anderen oder des unanständigen (=rechten) ist das autoritäre Gift des Augenblicks, das die gesamte politische Mitte durchzieht. Dass man Minderheiten nicht gelassen toleriert und als Bereicherung empfindet, sondern ausmerzen möchte. Dieser Gedanke des Ausmerzens, er ist mir fremd. Man könnte sagen, die Konservativen werden als Substitut für die Fremden, die sie unterbewusst eigentlich verdrängen wollen, zu Pariahs, Projektionen ihrer eigenen autoritären Verfassung. Toleranz, Buntheit und Bereicherung für diese Geister meint die unritterliche Bekämpfung von irgendwie sich rechts positionierenden Kreisen, gerne auch von hinten rum.
ThomaSo
07. Oktober 2016 15:26
Ein bedrückendes; aber auch ein mutmachendes Interview. Genauso begreife ich meine eigene christliche Identität, jedoch immer zweifelnd. Es ist wichtiger denn je, dem vorherrschende Meinungskartell von Politik, Medien und dem mehrheitlichen Teil der Amtskirche etwas entgegenzusetzen. Dabei wünsche ich Herrn Thomas Wawerka weiterhin Mut und Solidarität...meine hat er auf jeden Fall. Danke auch an Ellen Kositza und Götz Kubitscheck für Ihre so wichtige und wertvolle Institution.
Treverer
07. Oktober 2016 17:04
Was für ein Kontrast zu den Kirchen der Selbstauflösung.
Karl brenner
07. Oktober 2016 17:07
Ich würde dem Mann vorschlagen, zu versuchen eine eigene unabhängige Gemeinde zu gründen. Dann braucht er auch nicht mher die Briefe des Bischofs vorzulesen. Man kann sich in einem Haus treffen und dort Gottesdienste machen. Musik kann auch vom Band kommen.
Westpreuße
07. Oktober 2016 17:10
Lieber, sehr geehrter Herr Pastor Wawerka!

Ja, man wird fast sprach-los ob der Lieblosigkeit und mangelnden Fürsorge der Evangelischen Kirche Ihnen gegenüber...

Diese Kirche, die durch die Jahrhunderte schuldig geworden ist, auf Throne, Fürsten, Könige, Kaiser, "Führer und Reichskanzler" setzte, braunen und roten Machthabern... huldigte:

Vermaledeite Kirchenfunktionäre, die weder Willen noch Mut noch ein weites Herz haben, zu sagen: Ja, DER gehört AUCH zu uns. Wir wollen ihm geistig -geistlichen Raum, Schutz und ein auskömmliches Einkommen für sich und seine Familie (?) gewähren. Wir sind es ihm schuldig...!
Diese ungetreuen Diener Jesu Christi haben der brüderlichen Liebe keinen Raum gegeben. Das Herz aus Stein der verantwortlichen Kirchen - Funktionäre...

https://www.youtube.com/watch?v=rB06Rkq3sjo
Part II: Chorale: Befiel du deine Wege (J.S. Bach, Mathew Passion)
1:02 Min.
"collegium vocale gent", Belgien. Philippe Herreweghe
Eine über Belgien sehr bekannte und angesehene private Institution.

Ganz herzlichen Dank auch, liebe Frau Kositza!

Falls Hilfe finanzieller Art notwendig wird, teilen Sie es hier bitte mit.
Eine evangelische KOMMUNITÄT, ein geistlicher Mittelpunkt, ein geistliches Kraft-Zentrum im Sinne der heimatlosen Christen, wo man leben kann, zeitlich begrenzt, arbeiten kann, aufbauen kann, ganz praktisch handwerklich, auch gärtnerisch, dazu geistig und geistlich, auch finanziell unterstützen kann: Das wär's...
: Grüße von der Weichsel
Siddharta
07. Oktober 2016 17:19
22 Kommentare und kein einziger tritt für eine laizistische Gesellschaft ein? Was spricht denn eigentlich für Religionsunterricht in den Schulen? Natürlich hat die Volksferne der Kirchen mir der steuerrechtlichen Alimentierung zu tun.
Monika
07. Oktober 2016 18:06
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen.

Mt 18


Durch das, was ich im Lauf der Zeit erfahren habe, was ich selbst erlebt oder mit anderen besprochen habe, ist in mir ein Bild gewachsen – eine Vision, wenn Sie so wollen: Eine kleine Kirche, eine kleine Kommunität, die dort im Rahmen eines traditionalen, kulturell selbstbewußten, heimatverbundenen Christentums lebt und arbeitet. Die mit anderer Stimme spricht und in der moralischen Debatte, von der jede politische Äußerung begleitet und gerechtfertigt wird, entsprechend andere Akzente zu setzen vermag. Die vielleicht jene Leute auffangen und seelsorgerlich begleiten kann, die die Amtskirchen verlassen, weil sie sich dort geistlich und politisch nicht mehr vertreten fühlen. – Ich weiß, das ist eine sehr vage Vorstellung, und man bräuchte vor allem die richtigen Leute, weiterhin auch Finanzen und andere Ressourcen, über die ich nicht verfüge … Aber so ist das mit Visionen, wenn was dran ist, wird Gott auch etwas fügen und wachsen lassen.


Lieber Thomas Wawerka,
das ist weder eine vage Vorstellung, noch unrealisierbar!
Das ist eine Idee, die ich schon lange habe.

Ich bin z. B. heimatlose Katholikin, nach der skandalösen Abwicklung unserer Pfarrgemeinde aus der Kirche ausgetreten. Es gibt viele katholische und evangelische Christen, die keine Heimat in den Amtskirchen mehr haben. Ich kenne auch einige Pfarrer, die sich in diesen amtskirchlichen Strukturen nicht mehr wohl fühlen.
Da kann zusammenkommen, was zusammen gehört.
Ich wäre froh, einen Pfarrer wie sie zu "haben", dem es wirklich um die "Sache Jesu" geht. Und wäre auch bereit, die eingesparte Kirchensteuer direkt an einen solchen Pfarrer zu zahlen.
Da ist einiges denkbar und machbar.
Die Idee wird mich nicht loslassen...
Vorerst herzliche Grüße
Monika
Kirchenaustritt jetzt
07. Oktober 2016 18:17
Mo., der 2. Januar 2017 ist der erste Werktag des Lutherjahres. Nichts wie zum Amtsgericht!

Gerade wer sich die Entscheidung, aus seiner Kriche auszutreten, schwermacht, hat ja jetzt das Lutherjahr: Das ist ein würdiger Rahmen, um mit einer jahrhundertealte Familientradition zu brechen.

Die wenigsten haben die Selbstlosigkeit, "kaputtzumachen, was sie kaputtmacht". Aber man muß es wenigstens nicht mehr unterstützen.
Curt Sachs
07. Oktober 2016 18:18
und das betrifft beide Kirchen.


Es gibt nur die una sancta.
WahrerSozialDemokrat
07. Oktober 2016 18:23
Manchmal wünsch ich mir einfach nur ausreichend Geld zu haben, um einen Menschen wie Herrn Wawerka seine Vision zumindest mit ein wenig Startkapital finanzieren zu können.

Ganz egal dabei, das ich Katholik bin, da sitzen wir Christen im selben Boot!

Gottes Segen für Sie Herr Wawerka.
Carsten
07. Oktober 2016 18:54
Die evangelische Käßmann-Kirche ist zu einer kommunistischen Vorfeldorganisation geworden: "...die im Gottesdienst für verfolgte Christen betete, kurz darauf ein Dienstaufsichtsverfahren wegen „Fremdenfeindlichkeit“ am Hals hatte..." Das muss man sich mal vorstellen!!! Unfassbar! Leider sieht es bei den Katholiken nicht besser aus, auch so Herz-Jesu-Kommunisten! Konkurrzenz belebt das Geschäft: Der zivilcouragierte Herr Wawerka sollte eine Freikirche gründen. Vielleicht kann man dazu ein Schwarmfinanzierungs-Projekt bilden...
Exmeyer
07. Oktober 2016 18:57
Hiermit durchbreche ich meine Abwesenheit vom Kommentarbereich um das folgende mitzuteilen:

Herr Pastlor, lassen Sie einen Gemeindeverein / Trägerverein gründen. Ich würde Mitglied, ganz gleich, wo der Standort wäre.
Karl K
07. Oktober 2016 19:10
Werter Herr Wawerka,

treten Sie der AfD bei, werden sie Kultur- oder Kirchenreferent und kontaktieren Sie ihre Kirchenoberen, wenn Sie Abgeordneter oder Mitglied der Regierung sind. Bei der gegenwärtigen Ignoranz der Regierungsparteien eine Frage weniger Jahre. Aus der Perspektive der Herrschaft können sie mehr erreichen, als ein kleines Häufchen mühselig und beladener um sich zu sammeln. Das können Sie in ihrer Freizeit immer noch.
cherusker69
07. Oktober 2016 19:11
Herr Wawerka,

vielen Dank für ihren Mut, sie haben gezeigt das es noch Pfarrer mit Rückrat gibt. Die EKD ist inzwischen die Vorfeldorganisation der Grünen geworden wie man an vielen Beispielen erkennen kann.

Das beste Beispiel ist Margot Käßmann. Ich frage mich ja immer, will sich diese Kirche selber abschaffen? haben sie vor dem Islam schon kapituliert ? oder meinen diese das der Kelch an ihnen vorbei geht ?

Von solchen Machenschaften hat der "Normalbürger" keine Ahnung und er wird es auch nie erfahren.
Wenn ich schon Phrasen wie"Menschenfeindlichkeit" oder"Fremdenfeindlichkeit" höre dann könnte ich schon..., nein lassen wir das. Ich wünsche ihnen Herr Wawerka alles Gute und wie hier jemand schon sagte, sie sind nicht alleine.
Heinrich Brück
07. Oktober 2016 20:14
"Was spricht denn eigentlich für Religionsunterricht in den Schulen?"

Für einen Katholiken so ziemlich alles. Sollte eine Angelegenheit des Gemeindepriesters sein. Die Religion hat in der Schule nichts verloren. Dagegen als Fach schon eher die Philosophie; und im Rahmen des Gesundheitsschutzes die Ernährungswissenschaft.
Qualität statt Kompetenzdrill. Nicht so viele Fächer (pro Jahr).
Fünfzehnjährige Gymnasiasten werden nach ihren Berufswünschen abgefragt. Elternsitzungen dauern drei Stunden. Ohne Druck läuft nichts.
Lehrer? Als Religionslehrer eher Therapeut, oder Zuschauer schlafender Schüler. Prediger und Wiedergutmacher paßt schon.
thotho
07. Oktober 2016 20:19
Geschätzter Herr Wawerka!

Die Kirche treibt mich förmlich dazu, mit ihr zu brechen. Ich gehe seit einigen Monaten nicht mehr in den Gottesdienst, auch wenn ich ein inneres Bedürfnis danach habe.

Doch ich kann diese Politisierung (natürlich links, was sonst) nicht mehr ertragen, vom Pfarrer angefangen bis hin zu den Fürbitten (also dem Pfarrgemeinderat). Nein, das geht nicht mehr.

Dann lese ich so etwas - zu dem, was Würdenträger sonst in Zeiten der Eiwanderungskrise schon alles fabriziert haben - und mir kommt schlicht das Grausen.

Und eines realisiert man auch: so groß kann der Priestermangel offenbar doch nicht sein.
Gardeleutnant
07. Oktober 2016 20:30
Außerdem „lobpreise“ ich keinen Gott – ich bin kein Orientale, der meint, er könne einen Gott durch irgendwelches Gekrieche und Gepreise, gnädig stimmen.

(Arminius Arndt)

Den Allmächtigen und Allgütigen werden Sie wohl kaum durch Gekrieche gnädig stimmen, das ist er bereits und hat er durch Entsendung seines eingeborenen Sohnes und Vergebung der Sünden hinreichend erwiesen. Wir Christen loben und verherrlichen Gott, weil es Ausdruck der Menschenwürde ist, sich im Bewußtsein seiner eigenen Begrenztheit, seiner Geschöpflichkeit und auch seiner Potentiale in ein Verhältnis zum Ewigen zu setzen. Und da bleibt wenig zu tun als fassungslos zu preisen und demütig zu danken.
Karl Brenner
07. Oktober 2016 20:37
@ Siddharta
"22 Kommentare und kein einziger tritt für eine laizistische Gesellschaft ein?"

Laizismus ist sicher auch ein Weg. Für Frankreich oder die USA.
Aber ist er realistisch für Deutschland?
Dafür müßte die Verfassung geändert werden..

Deutschland ist de-facto nicht mehr so christlich.
Das natürliche Update für das Christentum ist der Islam.
So war es im lateinischen Orient (Ägypten. etc).
Und so kann es auch in Europa kommen.

Wer sich jetzt als Christ opfert, der wird auch geschlachtet (Zitat Proebstl).
Die Regierung (Merkel-CDU, SPD, Grüne, FDP. etc) sind nicht christlich.
Und in ihren Entscheidungen schlachten sie dieses Land.

Das Problem ist vielleicht vielmehr die institutionalisierte Religiosität, geleitet von ZdJ oder EKD/ZDK, welche sich haben kaufen lassen, von den jeweiligen Regierungen. Im Islam vielleicht OK. Dort ist alles unified. Aber im Judentum und im Christentum unmöglich. Die Dokumente sprechen Bände. Kierkegaard ist längst TEIL des Bewußtseins der Menschen der ev. Religion.

Man hat sich kaufen lassen. Und genau das widerspricht zentralen Elementen und Aussagen der eigenen Religion.
Paul
07. Oktober 2016 21:07
@Monika

Ich finde ihre Idee prima. Irgendwann ist einfach der Moment für etwas Neues gekommen. Es gibt für alles eine Zeit. Das wusste schon der Prediger. It's time to say goodbye. Warum immer und immer wieder wie eine Art masochistisches perpetuum mobile versuchen etwas zu ändern, was nicht verändert werden will.
Keine Sorge, ich will keine neuen Utopien aus dem Berg hacken....aber nur mal so vor mich hin gedacht....warum verlassen wir nicht einfach die links-grüne Matrix und machen unser eigenes Ding. Wer will das verhindern...ausser wir verhindern es selbst.
Fyrdung
07. Oktober 2016 21:14
Die derzeitig verantworlichen Götzeanbeter in den beiden großen Kirchen werden ihrer gerechten Strafe zugeführt, davon bin ich felsenfest überzeugt.

Herr Wawerka, Ihnen alles erdenklich Gute und viel Kraft für den weiteren Weg. Ich hoffe sehr, Sie bei einer Friedensandacht in Schnellroda mal persönlich erleben zu dürfen. Dazu muss ich aber erst noch meine Angst überwinden und mich nach Schnellroda trauen.

Viele Grüße,
Fyrdung
Paule
07. Oktober 2016 21:33
Hallo Herr Wawerka,

was soll man sagen ... aber ich sehe in ihnen weilt eine guter Geist.

Zögern sie nicht uns mitzuteilen wenn sie Hilfe bei Ihrem Werk benötigen. Ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen.

Mit Hochachtung
Paule
Kiki
07. Oktober 2016 21:44
Lieber Herr Wawerka,

Geld habe ich leider nicht in rauhen Mengen, daher erlaube ich mir, eine hl. Messe (im altehrwürdigen, ewigen Stil) für Ihre Anliegen lesen zu lassen und für Sie zu beten.

Gott segne Sie!
H. M. Richter
07. Oktober 2016 21:57
Bruder Wawerka war mir in den vergangenen Monaten oftmals Trost, Ermutigung und Freude - mitunter zugleich.

Stets vermied er Trennung, stets versuchte er zusammenzuführen.

Früh ahnte ich, daß sein offenes Visier Pfeile auf sich ziehen würde, auch und gerade aus der eigenen Landeskirche heraus.

Daß diese Ahnung Wirklichkeit wurde, schmerzt.
_____________________________________


Sollte noch eine juristische Infragestellung des Vorgangs möglich sein, gebe ich, wie andere bestimmt auch, gerne.

Und kommen werde ich zum ersten gemeinsamen Gottesdienst.
_________________________________________________


Danke Thomas Wawerka für Ihre Offenheit, für Ihren Einsatz,
- danke für Ihr Zeugnis.
Eckesachs
07. Oktober 2016 22:26
Exmeyer
Freitag, 7. Oktober 2016, 18:57 (URL) | Kurz-URL
Hiermit durchbreche ich meine Abwesenheit vom Kommentarbereich um das folgende mitzuteilen:
Herr Pastlor, lassen Sie einen Gemeindeverein / Trägerverein gründen. Ich würde Mitglied, ganz gleich, wo der Standort wäre.

Abgemacht. Bin auch dabei.
jack
07. Oktober 2016 22:33
@ Arminius Arndt
Während die katholische Kirche so reich ist, dass sie dass quasi aussitzen kann, hätte die EKD hier recht schnell ein ernstes Problem


Das macht denen keine Probleme.
Sie entweihen eine evangelische Kirche und verkaufen sie an eine muslemische Gemeinde, wie man vielfach im Netz nachlesen kann.

Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann hat bereits 2002 eine Schrift heraugebracht, die sich mit dem Verhältnis der evangelischen Kirche zum Islam beschäftigt, und was sie schreibt zeigt den Zustand der Kirche nachdrücklich.
http://www.ojc.de/salzkorn/2005/islam-christentum/islam-universitaet-kirche/

Herr Schäuble (CDU) agierte ziemlich erfolglos auf diversen Islamkonferenzen und Herr Müntefering (SPD) stellte spezielle Programme der SPD für Muslime vor. Deutsche Bundepräsidenten und die Bundeskanzlerin konstatierten, daß der Islam zu Deutschland gehört, es wurden hunderte Moscheen gebaut.
Der Jesuiten Papst küßt den Muslimen die Füße und macht sich stark für für weltumspannende Neue Religion der Globalisten :"Interfaith“.http://www.interfaith.lu/

Da geht es natürlich gar nicht, daß der Pastor einer kleinen Gemeinde nicht mitjubiliert über die Bereicherung, die Europa gerade heimsucht.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) , Heinrich Bedford-Strohm, hat den Reformator Martin Luther (1483 bis 1546) kritisiert. "Luther hat sich in seiner Spätzeit unhaltbar und in kruden Thesen über das Judentum und den Islam geäußert", sagte Heinrich Bedford-Strohm ."Diese Verirrungen können nur Anlass zu Trauer und Scham sein."
Zu 500 Jahre Reformation im Jahr 2017 wird man sicher noch einiges von Heinrich Bedford-Strohm hören. Acht- und Bann auf den Reformator Luther, und Bedford-Strohm wird in die neuere „Kirchengeschichte“ eingehen.

Da sich die "evangelische Kirche" nach einem halben Jahrtausend für ihren Gründer schämt, kommt wohl noch einiges auf uns alle zu.
Bernhard
07. Oktober 2016 23:03
Bei allem Respekt für Christen, die aus guten, vom Fall Wawerka noch einmal überdeutlich illustrierten Gründen aus der Kirche austreten -
ich zweifle, ob dies der rechte Weg ist und schließe mich @ Morbrecht an:

"Für Katholiken ist die Kirche keine Partei und die Frage der Mitgliedschaft nicht von den politischen Positionen einzelner Mitglieder des Klerus abhängig, sondern von der Zustimmung zur Lehre, die von politischen Aktivisten im Klerus allenfalls entstellt vertreten oder dargestellt, aber nicht verändert werden kann."


Leere Kirchen sind zudem das falsche, ja ein verheerendes Signal bei sich gleichzeitig füllenden Moscheen im Lande. Austritt heißt immer auch Preisgabe. Laien, die nicht um Ämter und berufliche Existenz zu fürchten brauchen, sollten stattdessen besonnen, aber klar ihre Meinung in den Gemeinden, auch gegenüber den Pfarrern vertreten.
Dabei zeigt sich meiner Erfahrung nach nämlich, dass man gewisss nicht in der Mehrheit, aber keineswegs allein ist.
Meier Pirmin
08. Oktober 2016 00:17
Vorsicht, Falschbenachrichtigung!

Die Pfarrer, darunter die Superintendenten Matthias Weismann (Borna) und Martin Henker (Leipzig), nehmen „eine offenkundige Not der um den Bruch des im Dublinvertrag geordneten Asylrechts besorgten Männer und Frauen wahr, denen als Christen vorgeworfen wird, in Befürchtung einer angeblichen Erneuerung der Bevölkerung Gottes Wahrheit vorsätzlich zu ignorieren“. Zudem kritisieren sie, dass das Pfarrdienstrecht der Landeskirche politisch abweichende Geistliche zwar mit Rücksicht auf das Grundgesetz keineswegs diskriminiere, deren willkürliche Diskriminierung aber nicht ausdrücklich unterbinde.

Dieser Text ist falsch. Es heisst korrekt und in Wirklichkeit:

Die Pfarrer, darunter die Superintendenten Matthias Weismann (Borna) und Martin Henker (Leipzig), nehmen „eine offenkundige Not homosexueller Männer und Frauen wahr, denen als Christen vorgeworfen wird, Gottes Wahrheit vorsätzlich zu ignorieren“. Zudem kritisieren sie, dass das Pfarrdienstrecht der Landeskirche schwule und lesbische Geistliche diskriminiere.


"Der Henker hol's, ich muss mich übergeben!"
Heinrich von Kleist: Der zerbrochene Krug
Christin
08. Oktober 2016 08:13
Lieber Herr Wawerka,

immer wieder tröstlich

https://www.youtube.com/watch?v=aN7dGz6NH5M

Sie sind in mein Rosenkranzgebet mit eingeschlossen. Unter dem Schutzmantel der Gottesmutter ist Platz für uns alle.

Es grüßt Sie herzlich
Veronika
treu
08. Oktober 2016 10:06
Da kriecht sie wieder hervor aus dem dunklen Sumpf, die deutsche Blockwartmentalität, Hand in Hand mit der häßlichen Fratze des in der deutschen Geschichte leidvoll bekannten Denunziantentum, gepaart mit dem vorauseilendem Gehorsam staats-und linientreuer Bediensteter, die auch ohne Befehl von Oben wissen was "zu tun ist" und sich sicher sein können, daß im Zweifel diese Tat wohlgedeckt und abgesegnet sein wird. Schlimm, dreckig und einfach nur eine Schande für das, was die Herrschenden immer noch ganz frech und verlogen "Demokratie" nennen.
Friedrich
08. Oktober 2016 10:10
Betrifft : Trägerverein o.ä.

Wäre auch dabei.

Gute Wünsche aus Württemberg und Respekt für den Mut !

Friedrich
Hajo Blaschke
08. Oktober 2016 10:31
Ist nicht der mit Frauke Petry in Scheidung liegende Pfarrer Sven Petry Kirchenchef in Frohburg?
Stogumber
08. Oktober 2016 10:33
Bisschen naiv, der Mann. Die große Austrittswelle aus der EKD hat es schon gegeben - damals sind auch Großspender wie Axel Springer ausgetreten, die wirklich was finanzieren konnten.
Wer ist jetzt noch in der EKD geblieben? Ein gedankenloser kleinbürgerlicher Rest, der selbst um seinen Lebensunterhalt kämpft - und eine finanzkräftige Oberschicht, die die Kombination von open borders und Radau-Antifaschismus aus Überzeugung unterstützt. Von diesen Leuten kann er nichts erwarten.
Er sollte versuchen, bei einer der vielen schon bestehenden kleinen freikirchlichen Alternativen unterzukommen (SELK, Bekennende Gemeinden etc.).
Meier Pirmin
08. Oktober 2016 10:43
PS. Zum Begriff "Befürchtung einer angeblichen Erneuerung der Bevölkerung" in Umredaktion der Solidaritätsadresse der Superintendenten zugunsten der schwulen und lesbischen Geistlichen. Der Begriff lehnt sich an die Wortbildung von Daniel Cohn-Bendit vom letztvergangenen Tag der Deutschen Einheit in der Paulskirche an. Wörtlich sprach der Redner einer "neuen europäischen Bevölkerung" das Wort. Es bleibt sein Verdienst, an der bedeutendsten Stätte deutscher Republikgeschichte den Begriff "Umvolkung" so formuliert zu haben, dass man nun neu nicht von einem Unwort, sondern von einem Wort des Jahres sprechen kann.

Was Herrn Wawerka betrifft, hat er nicht bei "Sezession", aber in anderen Blogs das politische Schlagwort "bunt" als für das Evangelium nicht charakteristisch hingestellt und auch sachte Kritik an der Prioritätensetzung geübt, in deutschen Pfarrhäusern schwule und lesbische Paare nicht weiter zu diskriminieren. Es ging jedoch bloss darum, ob dies ein vorrangiges seelsorgerisches Anliegen der Kirche sei. Diese im Netz namentlich gezeichneten Meinungsäusserungen, indirekt Kritik an der gegenteiligen Prioritätensetzung von Vorgesetzten, scheinen zu Indizien für die Erklärung des Vorwurfs der "Menschenfeindlichkeit" geworden zu sein. Wawerka verzichtete jedoch klug darauf, krass homophobe Stellen aus den Briefen des Apostels Paulus zu zitieren. Letztere Beurteilungen sind, vergleiche die strenge Vorschrift des Analverkehrs in der schwarzen Teufelsmesse des Mittelalters, auch als Distanzierung von nichtchristlichen Kulthandlungen zu verstehen. Kommt dazu, dass man für seine sexuellen Neigungen nichts kann, hingegen sehr wohl für seine selbst verantworteten politischen Auffassungen zur Verantwortung gezogen werden könnte oder gar sollte. George Orwell nannte es "Verbrechdenk". Die Geschichte der Inquisition zeigt, auch Calvins Musterprozess gegen Serveto, wo in allen Gemeinden Einstimmigkeit gegen den Aussenseiter verlangt wurde, dass die Kirche viel Erfahrung hat im Bestreben, den Anfängen zu wehren.
Fridolin Kiesewetter
08. Oktober 2016 10:43
Da kommt mir Hanns Dieter Hüsch in den Sinn: Nachdem die Kirchenoberen Gott nahegelegt hatten, doch bitte aus der Kirche auszutreten, sprachen die Menschen: "Gott sei Dank, endlich ist er frei, kommt, wir suchen ihn."
ThomaSo
08. Oktober 2016 11:51
@Stogumber
Nein...ich finde nicht, daß das etwas mit Naivität zu tun hat. Herr Wewerka ist einfach in die Fänge eines Meinungsmonopols geraten. Übrigens des Meinungsmonopols, was Sie selbst in Ihrem Kommentar benannt haben. Hier gilt es wachsam zu sein und sich dem mit aller Kraft zu widersetzen. Es muß sich ein viel größerer Aufstand entwickeln gegen Kulturvernichter und Förderer einer sich religiös gerierenden faschistischen Ideologie, die jedes Mittel nutzt, um ihren Machtanspruch auszubauen. Darum bin ich dankbar für ein Forum wie Sezession. Zensur erlebe ich jeden Tag in den etablierten Pro-Merkel-Medien, abgesehen von staatlichen Bestrebungen, Meinung mehr und mehr mit dubiosen Stiftungen zu kanalisieren.
Olaf
08. Oktober 2016 12:08
Hier werden Leute in "Rente" geschickt, dort werden Leute aus der Rente geholt -- stets aus dem gleichen Grund: auch in Deutschland ist alles in Bewegung:

https://www.youtube.com/watch?v=SqS0Piosqtg
Depp
08. Oktober 2016 12:40
Bei aller Trostlosigkeit, die sich schon bei der Lektüre des Interviews einstellte, bin ich froh, daß die meisten Kommentatoren zumindest einen Funken Hoffnung haben.
Wawerka, nicht nur ein Name, den ich mir merken werde.
Arminius Arndt
08. Oktober 2016 14:25
Jetzt, nach einmal über die Geschichte schlafen, stößt mir besonders negativ auf, dass es offenbar keine echten Proteste und Solidaritätsbekundungen für den eigenen Pfarrer seitens der Gemeinde gab. Mit solchen Schafen, die dann ein bloßes "Bedauern" äußern, lässt sich von oben natürlich einfach die gottlose Linie durchziehen.

Mich ekelt der ganze evangelische Kirchenkomplex mehr und mehr an. Habe auch keinen Bock mehr auf die Floskel, die man als Kirchenaustrittswilliger immer zu hören bekommt, dass man doch lieber "auftreten" statt "austreten" solle ...
Metall-Hahn
08. Oktober 2016 15:26
Vielen Dank Herr Wawerka. Bei der kleinen Andacht während der diesjährigen Sommerakademie war ich auch zugegen, und es hatte mich gewundert, dass ein Pfarrer der EKD so etwas machen kann. Denn just in diesem Frühjahr bin ich aus der EKD ausgetreten, und eine leichte Reue überkam mich im ersten Augenblick. Nun weiß ich, dass es nichts zu bereuen gibt. Es ist schlicht kein Platz mehr für zeitgeistkritische, Rückgrat zeigende und offen den Dialog suchende Menschen wie Herrn Wawerka in der Evangelischen Amtskirche. Das ist sehr sehr schade angesichts der Tatsache, mit wie viel Blut (Stichwort Dreißigjähriger Krieg) die Freiheit eines abweichenden und reformierten Bekenntnisses historisch erkämpft wurde. Deshalb habe ich auch lange gezögert, wirklich auszutreten, obwohl die Unzufriedenheit mit der allgemeinen Entwicklung der EKD schon lange schwelte, und die medialen Auftritte bspw. einer Frau Käßmann oder eines Herrn Schneider mir immer häufiger Zahnschmerzen bereiteten. Zudem muss ich bekennen, dass ich kein wirklicher Christ bin, mehr Agnostiker, aber das Christentum als eine der Grundlagen unserer Kultur und Zivilisation prinzipiell bejahe, gerade auch in unserer heutigen Zeit, wo das Wegbrechen christlicher Werte und Normen ein verheerendes Vakuum hinterlässt, das aktuell vor allem mit Hedonismus, Nihilismus, Konsumismus und anderen Merkmalen der "Spaßgesellschaft" und Kennzeichen des kulturellen Zerfalls gefüllt wird, in Zukunft - wenn es so weiter geht - womöglich mit islamischen Sitten- und Moralvorstellungen. Gerade für das Christentum selbst stellt das sich Ausbreiten des Islams in Europa eine existenzielle Gefahr dar - unfassbar, wie man angesichts dessen mit einem derart naiven und weltfremden Appeasement reagieren kann. Letzter Auslöser - der Tropfen also, der das Fass zum Überlaufen brachte - war dann die Eröffnung eines "Studienzentrum der EKD für Genderfragen" - also die Tatsache, dass sich die evangelische Amtskirche die absolut unchristliche Ideologie des "Gender Mainstreaming" zu eigen machte. Einer Institution, die ihre eignen Grundlagen missachtet und mit Füßen tritt, möchte ich nicht länger angehören, und habe daher die Konsequenzen gezogen. Vor der Amtskirche als Institution habe ich keinen Respekt mehr. Respekt gilt Menschen wie Herrn Wawerka, die für ihren Glauben und ihre Überzeugungen auch dann einstehen, wenn es dafür keinen Applaus gibt, sondern Ausgrenzung, Anfeindungen und letztlich der Amtsverlust drohen. Leider hat die EKD (Stichworte Kulturkampf in der Kaiserzeit und drittes Reich) auch in der Vergangenheit schon (stärker als die katholische Kirche) die Tendenz gezeigt, mit dem jeweiligen gerade herrschenden Zeitgeist konform zu gehen. Das steht einer christlichen Kirche nicht gut zu Gesicht, konnte das Christentum doch überhaupt erst dadurch reüssieren, dass eine kleine Minderheit (im damaligen Römischen Reich) allen Widerständen, einer drückenden und antagonistisch eingestellten Mehrheit gegenüber und entgegen dem, was man heute den Zeitgeist nennen würde, Stehvermögen und Selbstbehauptungswillen bewiesen hat. Anders geht es auch nicht. Die politische Kultur dieses Landes befindet sich im Niedergang - wer mit DIESEM Strom schwimmt, wird keine neuen Ufer erreichen.
Gustav
08. Oktober 2016 15:57
“Diese Verirrungen können nur Anlass zu Trauer und Scham sein.“

Wohl war, aber nur wenn Bedford-Strohm sich damit meint.

Martin Heidegger hat die Neuzeit im Blick auf den Prozeß, den man gemeinhin Säkularisierung nennt, durch die Erscheinung der »Entgötterung« charakterisiert. Gemeint ist eine Dialektik von Verchristlichung des Weltbildes und gleichzeitiger Entchristlichung des Christentums. Das Christentum paßt sich der Neuzeit an, indem es sich auf eine Weltanschauung reduziert und sich gleichsam selbst historisch wird. Durch diese Selbstreduktion setzt das moderne Christentum »das religiöse Erleben« frei, das nun beliebig eingefärbt werden kann.

Die christlichen Kirchen und vor allem der Protestantismus haben das Kreuz inflationiert. So hört man von den Repräsentanten der beiden großen Kirchen nur noch selten etwas über das Ärgernis und den Skandal des Paulinischen Wortes vom Kreuz, aber sehr viel über die unzähligen kleinen Kreuze wie Welthunger, Arbeitslosigkeit, Klimakatastrophe usf.. Zusammengehalten werden diese kleinen Kreuze durch die Dauerbereitschaft eines »Reden wir miteinander«. Formelhaft gesagt: Das Diakonische verdrängt das Dogmatische. Die christlichen Kirchen vermeiden Konflikte, indem sie immer weniger behaupten - nämlich im Sinne des Dogmas und der Orthodoxie, also des »richtigen Glaubens«.

Der Weg einer Selbstsäkularisierung des Protestantismus zum sozialistischen Humanitarismus ist längst schon gebahnt. Als Beobachter bekommt man hier leicht den Eindruck, daß das Christentum in der modernen Welt sich selbst nicht mehr für anschlußfähig hält, jedenfalls nicht in seiner kirchlichen Dogmatik. Deshalb ersetzt es den Skandal des Gekreuzigten zunehmend durch einen neutralen Kult der Menschheit. Thomas Mann hat das einmal »Verrat am Kreuz« genannt . Der Humanismus der Kirchen kompensiert, daß sie die Themen Kreuz, Erlösung und Gnade tendenziell aufzugeben bereit sind. Was dann noch bleibt, ist Sentimentalität als letzter Aggregatzustand des christlichen Geistes. Doch sind Zweifel an der Publikumswirksamkeit dieser Strategie angebracht. Wenn die Kirche sich öffnet, gehen nicht die Ungläubigen hinein, sondern Gläubige hinaus. (Norbert Bolz)
Gustav
08. Oktober 2016 16:06
Da sich die „evangelische Kirche“ nach einem halben Jahrtausend für ihren Gründer schämt, kommt wohl noch einiges auf uns alle zu.

Auch Luther war ein Spalter.

Für Cortés war ein Kompromiß zwischen der Wahrheit des Katholischen und dem Irrtum der aus Aufklärung und Revolution geborenen modernen Häresien undenkbar. Als Vorläufer, sozusagen als historische Beispiele für die Selbstermächtigung des Menschen galten dem Spanier Cortés, der vom Eroberer Mexikos abstammte, die Reformation und die politische Religion des Islam, deren Herrschaft über Spanien erst die Reconquista beendete: „Wenn sich der Mohammedanismus wie eine Sintflut über halb Afrika, Asien und Europa ergießen konnte, so kam das daher, daß er mit leichtem Gepäck marschierte und alle seine Wunder, Beweise und Zeugnisse in seine Degenspitze verlegte.“ Ernst Jünger lobte nicht von ungefähr an Cortés dessen „Geist eines spanischen Konquistadoren“. Doch dieser alte Glaubensmut, der Europa vor dem Untergang gerettet hat, ist fast verschwunden. Zu seinem Freund Louis Veuillot meinte Cortés, daß das Heil Europas keine Sache ist, „die von selber geht und an der man nicht zweifeln darf. Blicken Sie um sich! Sie sehen die Gesellschaft ist in zwei Heerlager geteilt: das der Schlafenden und das der Einschläferer. Im letzteren stehen auch Katholiken (…)“ Nur die Rückkehr zu Christus und zu Seiner Kirche kann Europa vor dem Untergang retten, den ihm ein gottloser Liberalismus und Materialismus vorbestimmt: „Die europäische Gesellschaft stirbt. Ihre Extremitäten sind bereits kalt. Bald wird es auch ihr Herz sein. Und wissen Sie, warum sie stirbt? Sie stirbt, weil sie vergiftet worden ist. Sie stirbt, weil Gott sie geschaffen hatte, um mit der katholischen Substanz ernährt zu werden und weil Kurpfuscher ihr die rationalistische Substanz als Nahrung verabreicht haben (…) Sie stirbt, weil der Irrtum tötet und weil diese Gesellschaft auf Irrtümern aufgebaut ist (…) Daher wird die Katastrophe, die kommen muß, in der Geschichte die Katastrophe schlechthin sein. Die einzelnen Menschen können sich noch retten, weil sie sich immer retten können. Aber die Gesellschaft ist verloren, nicht deshalb, weil ihre Rettung eine radikale Unmöglichkeit an sich darstellt, sondern weil die Gesellschaft meiner Überzeugung nach ganz offenbar sich nicht retten will. Es gibt keine Rettung für die Gesellschaft, weil wir aus unseren Kindern keine wahren Christen machen wollen und selbst keine wahren Christen sind. Weil der katholische Geist, der einzige, der Leben in sich trägt, nicht alles belebt, weder den Unterricht noch die Regierung noch die Institutionen noch die Gesetze noch die Sitten. Es wäre ein gigantisches Unterfangen, das sehe ich nur zu klar, wollte man den derzeitigen Lauf dieser Dinge ändern.“

http://www.sezession.de/3702/donoso-cortes-und-der-katholische-blick-auf-das-abendland.html/5
Hartwig aus LG8
08. Oktober 2016 17:29
Ich gehe von Folgendem aus: Herr Wawerka hat mit seiner Entlassung einen nicht schlecht dotierten Posten verloren. Es geht also nicht nur um eine neue geistliche Heimat, sondern um die künftige materielle Existenz. Das ist durch das "Unterkommen bei einer freien Kirche" nicht so ohne Weiteres auszugleichen.

Ich folge der Herde, die @Exmeyer hinter sich herzieht. Mitgliedschaft inklusive Vereinsbeitrag, ich wäre dabei.
Andrenio
08. Oktober 2016 17:33
Das alles kommt nicht von ungefähr. Alle Warnungen an die damals an höherer Position Verantwortlichen die Gelder zu streichen für die radikalen evangelischen und katholischen Studentengemeinden, weil dort Kader für den Marsch durch die kirchlichen Institutionen finanziert würden, verhallten bzw. verwehten im Wind.

Schon damals setzte man sich mit Befürwortern des Massenmordes an einen Tisch.

Wen wundert es, wenn diese jetzt die Superintendentenposten unter sich aufteilen. Diese Nattern machen sich auch bis zum Vatikan breit. Wann bricht Ratzinger diesbezüglich sein Schweigen?

Die dummen, kirchenobrigkeitshörigen Schafe hielten diese Warnrufe für übertrieben und schweigen jetzt teilweise aus Angst vor dem Verstossenwerden.

Nun, verehrter Herr Wawerka, Sie sind jetzt dort, wo Sie hingehören, nämlich außerhalb dieser vom Steuerzahler genährten Natternbrut.

Die Idee von @einsr von vielen ist vielleicht gar nicht so schlecht. Herr Höcke oder Herr Poggenburg übernehmen Sie!
Stil-Blüte
08. Oktober 2016 18:10
@ Stogumber

Er sollte versuchen, bei einer der vielen... unterzukommen.


Nicht doch! Pfarrer Wawerka hat genügend Kraft bewiesen, um ein Gründer, ein Vorangehender zu werden. Viele dieser o.g. 'freikirchlichen Alternativen' haben inzwischen wie die Normalos im Sinn, mehr dem/den Fremden als sich selbst und den/dem Eigenen zu dienen.
Rainer Gebhardt
08. Oktober 2016 20:36
Thomas, glaub mir, es ist gut so, daß es so gekommen ist.
Sven H.
08. Oktober 2016 21:23
Die Kirchenführung würde Jesus abschwören,
bedrohte man sie denn mit der Abschaffung der Kirchensteuer.
Das Verhalten der Kirchenführung ist nicht verwunderlich.
Meiner Ansicht nach besteht große Furcht, dass die Systemkritiker die transzendenten Quellen des versiegenden Christentums abgreifen könnten. Denn dies ist eine große Macht, der die Polen den Kommunismus besser überstehen liess.
Im Übrigen empfehle ich das Buch "Die Aristie des Jesus von Nazareth" von Hans Blüher zu lesen. Quintessenz: Das Christentum ist für sehr wenige nur gedacht. Pfarrer Wawerka ist einer davon.
Heinz Obst
08. Oktober 2016 21:56
Als Götz Kubitschek am Sonnabend vor drei Wochen ohne Namensnennung schrieb

"... Während der Pfarrer dann vor rund 200 Leuten seine Andacht begehen konnte, zogen die Isolierten an den Kuhställen vorbei durch die ehemalige LPG-Straße und brachten ihren Aufzug zu einem unbeachteten Ende. ..."

fragte ich mich: Welcher Pfarrer von der EKD oder der RK mag sich wohl dafür hergegeben haben, diese Andacht in Schnellroda zu halten?

Den nunmehr seiner materiellen Existenzgrundlage beraubten Herrn Pfarrer Wawerka in das persönliche oder das Rosenkranzgebet mit einzuschließen ist aller Ehren wert, hilft dem entlassenen Pfarrer aber hier im irdischen Leben zunächst nicht aus der Bredoullie.
Sollte er zuvor in einem der Kirche gehörenden Pfarrhaus gewohnt haben, ist er demnächst nicht nur erwerbs- sondern zusätzlich möglicherweise alsbald auch noch von Obdachlosigkeit bedroht.

Wenn es darum geht, die materielle Existenz Anderdenkender zu vernichten, stellt sich das Bunte System noch rigoroser dar, als es seinerzeit im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat usus gewesen ist.

Zweifellos ist die EKD mittlerweile zu einer schwindsüchtigen Polit-Sekte degeneriert. Auch in der (hiesigen) römischen Kirche sind die Zersetzungserscheinungen nicht mehr zu übersehen.

Auf der Netzseite der Deutschen Bischofskonferenz findet sich aktuell sowas wie:

# 04.10.2016
Deutsche Bischofskonferenz übermittelt Aleviten Segenswünsche zum Muharram-Fasten und zum Aschura-Fest 2016

# 02.10.2016
Kardinal Marx übermittelt Segenswünsche zum Jüdischen Neujahrsfest Rosch haSchana

oder

# Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge


Seltsame Figuren wie Rainer Maria Woelki und Reinhard Marx sind da wohl nur als die berühmte Spitze des Eisberges anzusehen.

Bisher scheint es so zu sein, daß beide Amtskirchen den finanziellen Verlust der ihnen durch Kirchenaustritte entsteht, mehr als kompensiren können, indem sie über die Caritas respektive Diakonie welche beide ganz wesentlich im 'Welcome-Buisiness' engagiert sind, horrende Einnahmen in nie zuvor dagewesener Größenordnung generieren.

Interessant zu wissen in diesem Zusammenhang ist es auch, daß die katholischen Bischöfe nicht etwa aus der Kirchenkasse, sondern aus der staatlichen Steuerkasse besoldet werden, es sich bei diesen vulgo um im wahrsten Sinne des Wortes fürstlich entlohnte Staatsangestellte handelt.

Auch in der DDR wurde Kirchensteuer erhoben. Allerdings war dies nicht etwa Sache des Finanzamtes, sonder der Kirche selber.
Mitglieder der RK hatten ihre, auf Grundlage des angegebenen Berufes geschätzte (sic!) Kirchensteuer alljährlich im Pfarrbüro einzuzahlen.

In vielen Ländern ist eine Kirchensteuer völlig unbekannt.
Dort kann die Kirche nur über das verfügen, was ihr die Kirchenmitglieder auf freiwilliger Basis zukommen lassen.

Katholische Bischöfe, die sich ungeniert mit der staatlichen Obrigkeit ins Bett legen, wären seinerzeit in der DDR untragbar gewesen.

Wenn der oberste Freimaurer aus dem Vatikan bei Besuchen auf den Philippinen oder in Paraguay ein Millionenpublikum auf die Beine bringt, liegt dies gewiß auch daran, daß dort überhaupt nicht bekannt ist, wessen Lied er hier in der alten Welt, bei jeder unpassenden Gelegenheit, mit Innbrunst trällert.

Dies alles hilft dem armen Herrn Werwerka allerdings kein Stückchen weiter.

Woran es neben aktiver Solidarität mangelt, sind sich dem nationalen Lager zugehörig fühlende Gewerbetreibende und Unternehmer, welche die Unabhängigkeit besitzen, Leute bei denen das Bunte System danach trachtet ihnen die materielle Existenz zu vernichten, umstandslos aufzufangen.
A.H.
08. Oktober 2016 22:28
Meinen Respekt, Herr Wawerka !

Wo sind wir gelandet?
Genau da, wo wir schon einmal waren, wir Ossis.
Kein Wunder, warum wir skeptischer sind. Die Wunden sind einfach noch nicht gut genug verheilt, um uns hinters Licht zu führen.
Unser Empfinden diesbezüglich , unser Bauchgefühl feinfühliger. Oder einfach nur ein gebranntes Kind.

Visionen sind wichtig und keiner kann sie uns nehmen!
Winston Smith 78699
08. Oktober 2016 23:07
Eine kleine Anmerkung noch zum Artikel und nicht zu Wawerka, der da nunmal jetzt steht und nicht anders kann, wie manche großen Männer und Frauen des Christentums vor ihm schon.
Kositza: Ich kenn durchaus solche Zuspitzer und Grobiane aus unserem Kommentarbereich, die aber dennoch ein gutes Herz haben.

Neigt nicht das Overton-Fenster zur Muskelverkürzung durch Besonnenheit und muß gedehnt werden? Könnte es nicht auch sein, dass der eine oder andere "Zuspitzer oder Grobian" hin und wieder eine Notwendigkeit zur Sagbarkeitsgymnastik verspürt und das dann eben übernimmt, gerade weil (nicht obwohl) er ein gutes Herz hat? Oder anders gesagt: raus aus dem seichten Delta?
Waldgänger aus Schwaben
09. Oktober 2016 08:38
Die Trennung zwischen Thomas Wawerka un der EKD hat zwei Ebenen. Die politische und die religiöse.

Die politische Ebene:
Es gab in der Geschichte der BRD schon öfters politische Fragen, die das Volk in zwei Blöcke spaltete. Bewusst und intensiv miterlebt habe ich die Debatte um den Nato-Doppelbeschluss. Beide Seiten waren der Meinung, wenn die andere sich durchsetzt, beschwört dies die Gefahr eines Dritten Weltkrieges herauf. Es ging also in Wahrnehmung vieler Menschen um die Existenz unseres Volkes.
In dieser Zeit fiel den Kirchen aber auch anderen wichtigen Organisationen wie Gewerkschaften die Funktion des Brückenbauers zu. Nicht in dem Sinne, dass Kirchenmänner keine Position einnehmen sollten, sondern, dass sie in ihrer Kirche auch Raum ließen für die Meinung der anderen Seite.

Heute versagen die Kirchen in dieser Funktion gänzlich! Beide Kirchen! Kardinal Marx wettert in der taz gegen die CSU und spricht ihr das Christ-sein ab, weil sie eine Obergrenze für die Aufnahme von "Flüchtlingen" fordert. Der Vatikanstaat hält de facto eine Obergrenze natürlich auch ein.

Die religiöse Ebene:
Die Kirche ist kein weltlich Ding. Der Christ ist zur Treue und Liebe gegen den mystischen Leib Christi in der Welt aufgerufen. Und Liebe und Treue gilt der konkreten Organisation. Von Konstrukten im traditionalistischen katholischen Milieu, wie "Treue gegenüber dem Ewigen Rom" halte ich wenig. Gerade in schweren Zeiten erweist sich, ob die Treue ernst meint ist oder nur ein Lippenbekenntnis. Ich kann auch nicht sagen:

"Der Frau, die ich vor 25 Jahren geheiratet habe, gilt meine Liebe und Treue. Mit dem Weib, dass sich heute meine Frau nennt, will ich nichts mehr zu schaffen haben!"

Aber über der Treue steht noch das Gewissen. Wer es nicht mehr mit dem eigenen Gewissen vereinbaren kann, in der Kirche an jenem Posten zu dienen, an dem er steht, muss ihn verlassen oder wie Thomas die Ablösung in Kauf nehmen.
Mein Respekt gilt Thomas, nicht wegen seiner politischen Ansichten, sondern vor allem, weil er seinem Gewissen folgte, und dafür handfeste Nachteile in Kauf nahm.
Meier Pirmin
09. Oktober 2016 09:23
@Gustav. Donoso Cortes, eine Leitfigur der spanischen Rechtskatholiken, nach der sich zum Beispiel in der Schweiz der Konvertit und Rechtspolitiker James Schwarzenbach orientierte, kann nicht gerade als Lutherkenner gekennzeichnet werden. Die Verketzerung Luthers setzt voraus, wie diejenige von Meister Eckhart, dass man von Mystik und also von Religion nichts versteht. Dies ist ein in katholischen Kreisen verbreiteter Schwachpunkt. Zwar immer noch besser als religiöse Gleichgültigkeit, weswegen ja dann auch der Islam heute "gleich gültig" ist. Schon Lessing hat ihn bekanntlich nicht ernst genommen.


Ihre Ausführungen @Gustav werden Herrn Wawerka nur bedingt weiterhelfen. Der brillante Donoso ist die spanische Entsprechung zum Savoyer Ideologen der päpstlichen Unfehlbarkeit, Joseph de Maistre. Man kann diese katholische Ideologie als Integrismus bezeichnen, im Gegensatz zum mehr protestantischen, auf wörtliche Bibelauslegung orientierten Fundamentalismus. Cortes und de Maistre sind von Dostojewskijs Grossinquisitor nicht weit entfernt, also kluge Analytiker der Bedürfnisse einer Gesellschaft, als deren Konsens-Ideologie der Katholizismus vorgesehen ist. Das gibt es heute kaum mehr. Für den Katholizismus des 19. Jahrhundert ist Cortes natürlich von enormer Bedeutung.


Demgegenüber geht Luther davon aus, dass die Gerechtigkeit des Gerechten allein vom Glauben gespeist ist gemäss dem Paulinischen Römerbrief, so wie Luther fast der erste war nach Augustinus und Meister Eckhart, der Paulus wirklich ernst genommen. Es handelte sich beim Völkerapostel und beim afrikanischen Kirchenvater aus Hippo Regius faktisch um die Begründer der christlichen Religion. Jesus selber bleibt ein vieldeutiges Rätsel, von dem hauptsächlich das Vaterunser als sicher überliefert gelten kann, was nach Nikolaus von Flüe, Paracelsus und Tolstoi schon fast genügt. Als Bekenntnis zur heiligen Dreifaltigkeit sind die Taufformel und das Kreuzzeichen von existentieller Bedeutung.


Luther hat auch die alte scholastisch-katholische Lehre vom vierfachen Schriftsinn überwunden, in der er noch gross geworden war, zugunsten einer hermeneutischen Bibelauslegung. Sehr gut ist das im Lutherbuch von Pesch dargestellt. Klar ist aber, dass Luther als Pauliner meilenweit von der Säkularisierung des Christentums entfernt war, was @Gustav sehr gut dargestellt hat. Interessant bleibt der riesige Abstand von Paulus gegenüber heidnischen Kulten, worin seine vernichtende Kritik an sodomitischern Praktiken zu verstehen ist, die er als Kult, Ersatzbekenntnis, einschätzte. In der Geschichte der westlichen Menschheit ist die Heiligkeit des Bekenntnisses zur Homosexualität (das Wort gibt es seit 1868) erst jetzt zu einer eigentlichen Religion geworden ist, das sog. Coming-Out als moderne Form eines unantastbaren Glaubensbekenntnisses. Wer hier höhnt und spottet, untersteht, was zwar noch nicht endgültig geregelt ist, einer neuen Blasphemiegesetzgebung. Nachweisbar haben homophobe Äusserungen, dies zeigt auch die Nichtaufnahme eines Berliner Direktkandidaten in die AFD-Fraktion, eher politische Konsequenzen als wenn jener Politiker sich unehrfürchtig über die Mutter Gottes geäussert hätte.


Interessant, wie sich nun in der neusten FAZ ein Franziskaner zu seiner Homosexualität bekennt, als hätte er nicht gewusst, dass diese Problemlage dem heiligen Benedikt schon längst bekannt war und dass das Mönchtum nicht zuletzt auch ein Programm zur Sublimierung der Homosexualität war und ist. Neu gewinnt jedoch das Ausleben als Bekenntnis eine religiös-kultische Dimension, was Bestandteil auch der Gender-Ideologie ist, die man als Ersatzreligion nicht unterschätzen sollte. Dem gegenüber sollte Paulus ernst genommen werden, freilich nicht als Apostel der Homophobie. Die Freiheit des Christenmenschen (Luther) ist noch einmal was anderes und hat weder mit den Kulten zur Zeit des Apostels Paulus noch mit den heute dominierenden Kulten zu tun. Wenn etwa ein Donald Trump sinngemäss sagt "Ich bin ein Grapscher und das ist gut so" (er scheint sich zwar nun doch ein bisschen zu schämen), sollte man das so wenig mit der Freiheit eines Christenmenschen verwechseln wie das Bekenntnis, dass homosexuelle Praxis manchmal Spass macht, manchmal auch nicht, was man beispielsweise in der schonungslosen Darstellung des bisexuellen Alltags im Buch "Kick Verlangen Leidenschaft" des Autors Adriano nachlesen kann. Das Interessante an jenem Buch ist, dass es nichts religiös zu verbrämen gibt und dass sowohl homosexuelle als auch heterosexuelle Ausschweifung das Gegenteil von dem ist, was Paulus unter Erlösung versteht, von Jesus ganz zu schweigen. Zu den Errungenschaften aber von Luther und Kierkegaard gehört, dass die Existenz des neuzeitlichen Christen eine problematische ist und dass der Christ vor sich selber immer ein Sünder bleibt, was zwar die Heiligen des Altertums und des Mittelalters auch längst schon gewusst haben. Im Vergleich zu Donoso Cortes, Joseph de Maistre und sogar auch Luther scheint mir Erasmus von Rotterdam unter den Christen der Neuzeit derjenige zu sein, der den Weg zu einem christlichen Humanismus weist, auch im Appell an die Überwindung des Krieges und der Zwietracht unter den Christen und erst noch einer humoristischen Weltanschauung, wie sie sonst nur noch Thomas Morus erreicht hat. Dank Humor, was in diesem Blog freilich auch gar nicht dominiert, kann man mit eigenen und fremden Widersprüchen besser leben. Für Erasmus war natürlich auch klar, dass der Humanismus stets gefährdet ist. Wie Ratzinger wusste es, dass zum Beispiel die Eroberung von Konstantinopel durch Sultan Mehmed dort das Ende des Humanismus bedeutete. Die Diskussion, ob die Fliege, die ins Weihwasser fällt, das Weihwasser entheilige, oder ob das Weihwasser umgekehrt die Fliege heilige, war definitiv zu Ende.


Zu Herrn Wawerka. Ich gehe davon aus, dass er noch längst nicht am Ende seines Weges ist. Er hat sich bekanntlich auch als Autor fantastischer Erzählungen versucht. Ich gehe davon aus, dass er als Seelsorger wohl neben dem Tiefgründigen seine unterhaltsame Seite hatte. Mutmasslich wird die Landeskirche, die ihn faktisch ausgeschlossen hat, durch diesen Verlust nicht nur einen Teil ihrer "Vielfalt" einbüssen, sondern geistig eintöniger und somit langweiliger werden.
Meier Pirmin
09. Oktober 2016 09:33
Korr. Zum zweitletzten Abschnitt: Wie Ratzinger wusste er (Erasmus von Rotterdam), dass die Eroberung von Konstantinopel dort das Ende des Humanismus bedeutete.
Valjean72
09. Oktober 2016 11:13
Als ich das erste Mal vor gut einem dreiviertel Jahr hier hereinschneite, fiel mir der Name Thomas Wawerka auf. Es ist schließlich ein auffälliger Name und zudem meinte ich diesen Namen schon des Öfteren in verschiedenen Leserforen deutscher Tages- und Wochenzeitungen begegnet zu sein.
Seine Sprache war immer mit Bedacht gewählt und auch versöhnlich, soweit ich das in Erinnerung rufen kann.

Dass nun die evangelische Kirche in Sachsen so vorging, zeigt meines Erachtens, dass wir uns schnurstracks auf totalitäre Strukturen hinzubewegen, trotz und gerade wegen hochgehaltenen Schlagwörtern wie freiheitlich-demokratische Grundordnung, Menschenrechte und Willkommenskultur.

Auf der Seite des Verfassungsschutzes der Freien und Hansestadt Hamburg war unlängst die besorgte Warnung an junge Menschen zu lesen, sich doch bitte nicht die berufliche Zukunft zu verbauen und sich daher besser von der „Identitären Bewegung“ fernzuhalten.

Herr Wawerka, ich möchte Ihnen an dieser Stelle meinen Respekt und meine Wertschätzung übermitteln.
Andreas Törner
09. Oktober 2016 11:42
@Sven H.

Ja, Blühers "Aristie" ist gewaltig. Sie enthüllt vor allem gnadenlos das Problem der "Hamartia"/"Erbsünde" - mithin den herrschenden Weltzustand des "notwendig Mißratenen".

Der Mensch erscheint dabei als das bei weitem häßlichste, verlogenste aller Geschöpfe - zumal in der "kollektivistischen" Ausprägung des von Blüher als "sekundär" charakterisierten Typs.

In Christus habe "die Natur" - nach Blüher - gleichsam einen Vorstoß unternommen "wie noch nie zuvor in einem Menschen, aber grausam wie sie ist: sie hat das Gefäß an diesem Ereignisse zerbrechen lassen."

Das" Lamm Gottes" vermochte nicht, die Last der "Fehle der Welt" zu tragen - geschweige denn, sie "aufzuheben".
Christoph Jung
09. Oktober 2016 14:56
Auf diesem Wege möchte ich Pfarrer Wawerka meine Anerkennung übermitteln.

Thomas Wawerka verkörpert für mich die wahre bekennende Kirche, die Kirche, die am Glauben festhält und nicht wie die Amtskirchen den Diktaturen, die wir in Deutschland hatten und wohl leider wieder zu bekommen scheinen, willfährig zu Diensten ist.

Solchem Glauben und solchen Gläubigen gilt mir als Agnostiker mein tief empfundener Respekt.
Monika
09. Oktober 2016 16:40
Bisher scheint es so zu sein, daß beide Amtskirchen den finanziellen Verlust der ihnen durch Kirchenaustritte entsteht, mehr als kompensiren können, indem sie über die Caritas respektive Diakonie welche beide ganz wesentlich im ‚Welcome-Buisiness‘ engagiert sind, horrende Einnahmen in nie zuvor dagewesener Größenordnung generieren.


@Heinz Obst

Trotz hoher Austrittszahlen in 2015 hat die katholische Kirche in Deutschland weiterhin sehr gute Einnahmen über die Kirchensteuer und Ortskirchensteuer ( Steuer auf Grundstücke) . Viele dieser Einnahmen fließen auch direkt an Rom. Deshalb lässt Rom die Bischöfe in Deutschland auch machen.
In Deutschland wurden im Jahr 2015 gerade mal 58 Priester geweiht !
Nur noch 10 Prozent der Katholiken gehen regelmäßig in den Gottesdienst.
Gemeinden werden zu Großpfarreien zusammengelegt. Soetwas wie Seelsorge ist nicht mehr möglich.
Die Bischöfe werden fürstlich vom Staat bezahlt. Hier wird nicht eingespart.
Den meisten Bischöfen sind ihre Schäfchen egal.
Geld ist wirklich noch genug da. Und wie Bischof Marx so schön sagt:
Bei Geld fängt die Freundschaft an:
http://www.taz.de/!5339472/
Das Geld wird allerdings nicht in die Verkündigung und Glaubensunterrichtung gesteckt.
Das Kirchensteuersystem in Deutschland scheint den Zerfall der Kirche eher zu begünstigen als zu befördern. Ob ein System wie in Frankreich allerdings eine Alternative ist, wage ich zu bezweifeln.
der Dachs
09. Oktober 2016 16:47
Nun schreibe ich doch auch hier noch, nicht bloß an Herrn Wawerka direkt:
Der casus zeigt, daß wir genau das brauchen, was uns die Gegenseite, mit psychiatrischem Unterton, immer vorwirft:
Eine Parallelwelt.

DIe geistige zeigt sich auf SiN u.ä. schon lange in Entwicklung - wie sich hier zeigt, fehlt es jedoch noch an der materiellen.
Im seelsorgerischen Bereich wird Herr Wawerka wohl bis zum Ende der herrschenden EKD-Strukturen nur im Rahmen einer Freikirche noch eine Chance erhalten können.
Eine Umschulung im Alter von 41 Jahren wird, angesichts des herrschenden Jugendwahns, dazu mit 'DIESEM' Hintergrund, eine notwendige Überlegung sein, aber ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Man müßte vielmehr das Instrument der Stiftungen für uns nutzen - als, mindestens zeitweisen, materiellen Rettungsanker, aber auch zur Schafung schöpferischer Freiräume, um unseren Raum geistig und organisatorisch erweitern zu helfen.
Welche Stiftungen kämen in Frage?
Wer könnte und würde eine passende Stiftung initiieren?
Monika
09. Oktober 2016 16:49
Nach ein paar Texte zur Flüchtlingspolitik der katholischen Kirche:
https://www.wir-sind-kirche.de/
Heinz Obst
09. Oktober 2016 22:54
Monika
Sonntag, 9. Oktober 2016, 16:49 PM


Nach ein paar Texte zur Flüchtlingspolitik der katholischen Kirche:
https://www.wir-sind-kirche.de/



Liebe Monika,

solcher Schmonzes findet sich mittlerweile auf der Netzseite einer jeden Pfarrgemeinde.

Zu Ihren Ausführungen etwas weiter oben, Eintrag vom Sonntag, 9. Oktober 2016, 04:40 PM:

Was die Bischofsdarsteller der sogenannten Deutschen Bischofskonferenz anbelangt sind diese mehrheitlich wohl genau das, was man als Pharisäer oder etwas neuzeitlicher ausgedrückt, als Pfeffersäcke bezeichnet: Realitätsferne, übersättigte, dem irdischen Wohlleben zugetane Schwätzer. Deren exorbitant hohe Besoldung beruht meines Wissens auf einem Abkommen mit dem Deutschen Reich, welches seinerzeit Kircheneigentum verstaatlichte und im Gegenzug die Alimentation der Bischöfe aus der Staatskasse garantierte.

Nur am Rande bemerkt:
Nicht von ungefähr handelt es sich bei den beiden Amtskirchen auch um Arbeitgeber, die ganz besonders rabiat mit den bei ihnen beschäftigten, gemeinen Arbeitnehmern umspringen.
Ähnlich räudig ihren niederen Angestellten gegenüber, gebärden sich die BRD-Papiertigergewerkschaften.

Die RK der BRD brachte 2015 gerade mal noch 58 Neupriester hervor.
# Wieviele der 58 werden auf Dauer Priester bleiben?
# Wieviele dieser 58 fühlen sich mehr dem Zeitgeist, als der Seelsorge verpflichtet?

Um die Nachwuchsgewinnung jahrhundertealter Ordensgemeinschaften ist's in der BRD nicht besser bestellt.


Zwei andere Beispiele:

# Im einzigsten römisch katholisch geprägten Land Südostasiens, den Philippinen, gibt es keinen Priestermangel. Die katholische Kirche der Philippinen ist sogar in der Lage Priester zur Betreuung philippinischer Diasporagemeinden ins Ausland zu entsenden.

# "In Nigeria verloren in den letzten Jahren mehr als 20.000 Menschen (Anmerkung: Im Klartext bedeutet dies wohl, daß annähernd 20.000 Christen im Namen der angeblichen "Religion des Friedens" ermordet wurden) bei religiösen Konflikten ihr Leben. Neben all diesen menschlichen Tragödien wurden Kirchen und Klöster zerstört. Für diese Entwicklung sind auch die nördlichen Bundesstaaten in Nigeria mitverantwortlich als sie 1999 eigenmächtig die Scharia einführten, die auch für die dort lebenden Christen gilt. Da die Menschen aller Glaubensrichtungen in der Schweiz friedlich zusammen leben, kam Obiora F. Ike zum Schluss, dass die Schweizer wie im «Himmelreich» leben.
In diesem Beitrag erklärte der nigerianische Geistliche, dass in Nigeria oft bis zu 3000 Menschen an einem Gottesdienst teilnehmen, was die tiefe Frömmigkeit der Nigerianer illustriert. So lässt sich erklären, dass in Nigeria in diesem Jahr etwa 670 neue Priester geweiht werden, in ganz Europa soll es 2011 voraussichtlich 200 Neupriester geben. Diese vielen Priesterberufungen überfordern momentan die Ausbildungsstätten in Nigeria, sodass viele Kandidaten abgewiesen werden müssen." (

heißt es in einer Meldung aus dem Jahre 2011.

Quelle - Klick mich!
Meier Pirmin
09. Oktober 2016 23:11
Der mutmasslich letzte kirchlich berufene Theologe, der sich mit Klarnamen nicht nur als Blogteilnehmer, sondern sogar als Artikelschreiber von Sezession outete, war der derzeitige hochangesehene Stadtpfarrer von Lindau am Bodensee, Georg Alois Oblinger, der vor vier oder fünf Jahren vom Bischof ein Schreibverbot für die junge Freiheit und offenbar noch andere indizierte Publikatonen erhielt. Er wechselte von seiner früheren Pfarrei, wo er offenbar teilweise umstritten war, nach Lindau, das "glükselige Lindau" Hölderlins, und hat sich bis anhin als konservativer Befürworter des kirchlichen Gehorsams an den Ukas des Schreibverbotes in rechten und wohl auch weiteren Organen gehalten und scheint damit gut gefahren zu sein. In Sezession schrieb er 2009 den Jubiläumsartikel zum 100. Geburtstag des österreichischen Philosophen und Autors Erk von Kuehnelt-Leddihn, den ich 1969 als Referent in die Schweiz einlud zum Thema "Südamerika - Kontinent ohne Hoffnung?" Küehnelt-Leddihn referierte auch vor der Wilhelm-Röpke-Gesellschaft und nannte sich selber einen "rechtsradikalen Liberalen" mit Lieblingsfeindbild Französische Revolution und mit Betonung linker Versatzstücke beim Nationalsozialismus. Der Erzkatholik war stets überzeugter Monarchist altösterreichischer Prägung, publizierte unter vielem anderen über Donoso Cortes und Franz Grillparzer, auch Tocqueville.


Wichtiger als die Ablehnung der Säkularisierung bei Cortes (@Gustav) ist ohne Zweifel dessen Theorie der Diktatur. Was Engels für die Begründung der Unentbehrlichkeit linker Diktaturen einleuchtend gemacht hat, natürlich systemkonsequent, schaffte Cortes für die lateinische Rechte. Ausgangspunkt ist die Differenz zwischen "Diktatur der Regierung" und "Diktatur der Empörung". In diesem Dilemma müsse man sich für die Diktatur der Regierung entscheiden. Genau diese dezisionistische Denke fand dann Eingang in die Staatstheorie von Carl Schmitt. Es ist der Punkt, der spätestens seit dem Scheitern der griechischen Miltärdiktatur durch zum Beispiel den christlichsozial gesinnten General Stylianos Pattakos (lebt noch, über 100 Jahre alt) in Europa definitiv als gescheitert anzusehen ist. Ich empfehle im Umfeld von Sezession Zurückhaltung beim Zitieren einschlägiger Passagen bei Cortes und Carl Schmitt. Wenn man schon Volksbefragungen nicht ausschliesst, sollte man nicht gleichzeitig noch den Eindruck erwecken, man strebe eine Systemveränderung im autoritären Sinne an. Genau dies wird Sezession und Kubitschek, sogar der AfD immer wieder mal unterstellt im Sinn von "antidemokratisch". Wenn schon die Europäische Union im westlichen Europa die Institution ist mit dem grössten Demokratiedefizit, wird es richtig sein, eine Demokratietheorie zu entwickeln, die eher radikaldemokratisch einherkommt.


Zurück zu Wawerka. Beim Kulturkampf in der Schweiz wurde gegen den Widerstand der Bischöfe und gegen die altbernische autoritäre evangelische Kirchenpolitik noch vor 1880 die demokratische Volkswahl der Ortspfarrer im staatskirchenrechtlichen System durchgesetzt. Faktisch bedeutete es, dass der Pfarrer im Status der Festanstellung sowohl dem Bischof genehm sein musste wie ebenfalls über eine Mehrheit seiner Gemeindeglieder verfügen musste. In Röschenz Baselland und im Kanton Uri konnte es sich der Bischof nicht leisten, einen nicht genehmen Pfarrer, der sich auf die zählbare oder sogar ausgezählte Mehrheit seiner Gemeinde berufen konnte, abzusetzen. Im Fall Wawerka sind mir die juristischen Fussangeln nicht bekannt. Am bequemsten erfolgt die Entlassung über die Nichtverlängerung eines Vertrages, den man gemäss Kleingedrucktem problemlos und ohne Rekursmöglichkeit auslaufen lassen konnte, so wie ein Fussballspieler nach Ablauf seiner Vertragszeit keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung hat. Machen wir einen Vergleich mit dem Lehrberuf: Es ist bzw. war schwierig, einen einmal gewählten Oberstudienrat oder Oberstudiendirektor loszuwerden, nicht jedoch einen jungen Lehrer in den ersten zwei bis vier Jahren seiner Tätigkeit zum Beispiel als vertraglich engagierter Lehrer. Je nach Anstellungsmodalitäten tritt für die Vorgesetzten der Satz in Kraft oder auch nicht: Das Schönste am Regieren ist die Willkür! Je leichter die Nichtbestätigung, umso dringender ist Vorsicht geboten bei allem, was sich als heikel erweisen könnte. Dazu gehören heute Facebook-Aktivitäten in Wort und Bild sowie natürlich alle namentlich nachweisbaren Meinungsäusserungen im Netz.
la vie est belle
10. Oktober 2016 00:44
Ach Thomas,

jetzt ist das sicher blöd für dich, aber dafür kannst du auch noch in 20 Jahren in den Spiegel schauen, ohne kot**n zu müssen. Das hat auch was.
t.gygax
10. Oktober 2016 07:16
"Ihr aber , seht euch vor! Denn sie werden euch überantworten den Gerichten, und in den Synagogen werdet ihr geschlagen werden, und vor Fürsten und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis"
Markus 13, 9
"Und ihr werdet gehaßt werden von jedermann um meines Namens willen."
Markus 13,13
Also, jeder wird hier deutlich darauf hingewiesen, daß "Christsein" teuer bezahlt werden muss.
Deswegen wird es eben dann der mühsame Waldgang ganz im Sinne Ernst Jüngers, ein Weg durch den Dschungel, alleine und auf sich selbst gestellt, aber zeitweise beschenkt mit Begegnungen, wenn man andere auf dem Weg findet.
" Wo zwei oder drei zusammen sind"....ebenfalls ein Wort Jesu, mehr ist nicht drin, aber es reicht zum Überleben.

Und dabei kann man auf Kirchen und Institutionen gelassen verzichten, die sind Menschenwerk und sonst gar nichts. ( Völlig pervers natürlich bei uns die Finanzierung der Kirche durch den Staat, ich bin schon längst für eine radikale Trennung Kirche und Staat wie den USA; die Amtskirchen bei uns wären nach 3 Monaten erledigt, wenn das Kirchensteuersystem auf einen Schlag gestoppt würde...)
Meier Pirmin
10. Oktober 2016 09:57
Nachtrag: Stylianos Pattakos, die annähernd einzige interessante Figur der griechischen Militärjunta, welche am 21.April 1967 die Macht ergriff und 1973/74 unterging, starb am 8. oder 9. Oktober, 2016 also fast im Moment, da ich ihn im Zusammenhang mit der Theorie der Diktatur bei Donso Cortes noch erwähnte, im Alter von fast 104 Jahren. Bei meiner Griechenlandreise im Oktober 1969 stellte ich fest, dass dieser Mann wegen seiner mittelstandsfreundlichen Sozialpolitik auf dem Lande als wohl einziger unter der Junta noch beliebt war. Zur Zeit der griechischen Militärdiktatur wurde in Europa unter rechten und rechtskonservativen Kreisen erörtert, ob notfalls auch Italien durch einen Militärputsch vor dem Kommunismus "gerettet" werden sollte. Es würde sich allenfalls lohnen, sich im Zusammenhang mit Pattakos, der ein frommer Christ war, aber wohl auch für Folterungen mitverantwortlich, über die Leistungen der damaligen Militärdiktatur im Vergleich zu den Leistungen der griechischen Regierungen der letzten Jahre und der Gegenwart Gedanken zu machen. Mit Sicherheit konnte ohne kriminelle Energie mutmasslich nicht regiert werden. Nach meinem Eindruck als Beobachter 1969 hatte die griechische Kirche mit der damaligen Diktator so wenig Mühe als sie es in den letzten Jahren mit dem Syriza-Regime hatte. Letzteres erwähnte der wohl einzige bedeutende Redner im europäischen Parlament, Guy Verhofstadt, vor etwa zwei Jahren bei seiner rhetorisch einmalig brillanten Abrechnung mit den Griechen. Verhofstadt spielt in jenem Parlament etwa 5 Ligen höher als AfD-Gründer Lucke, für dessen letzte oder vorletzte Rede sich nur um 20 Hörer interessiert haben sollen.
Meier Pirmin
10. Oktober 2016 13:37
@L Gygax. Im möglichen Gegensatz zu Ihnen habe ich mich, schon 1975, als Mitglied des aargauischen Verfassungsrates, konkret für die Abschaffung der Kirchensteuer und die Trennung von Kirche und Staat verwendet, wofür immerhin 36 von etwa 170 anwesenden Abgeordneten ihre Stimme hergaben. Dabei war im Gegensatz zu Ihren ehrlich gesagt etwas aggressiven Vorstellungen von einer Übergangsfrist von 50 Jahren die Rede, zumal die Kirchen zum Beispiel für Bauten und anderes hohe Investitionen gemacht haben und ein uraltes System nicht ohne gewaltige Kollateralschäden einfach beseitigt werden kann, Ohnehin gilt es im historisch langen Atem zu denken. So oder so nähern wir uns Tag für Tag dem Untergang eines Systems, das im 22. Jahrhundert in dieser Form wohl spätestens verschwinden wird. Interessant ist, dass die Kirchenleute von heute die "Gleichberechtigung" des Islam oftmals deswegen fordern, weil sie gerade damit dieses System "diskriminierungsfrei" erhalten wollen. Interessant ist, dass die Juden am entsprechenden Angebot einer öffentlich-rechtlichen Synagoge in Europa nie interessiert waren.
t.gygax
10. Oktober 2016 17:39
@pirmin meier
Die aggressive Formulierung-wie Sie es empfinden- hat einen einfachen Grund: ich bin Insider, habe vom 17.Lebensjahr bis zum 37 .Lebensjahr in evangelischen Landeskirchen gearbeitet. Was ich dort an Heuchelei, Zynismus und Menschenverachtung erlebt habe, et voila, da muss man lange suchen, bis man einen solchen Laden findet. Und ich habe auch beim Staat, in der freien Wirtschaft und als Selbstständiger gearbeitet, kenne wahrlich verschiedenste Lebensbereiche und weiß, das die Welt kein Paradies ist und kein "guter Ort für sittliches Handeln" ( jetzt dürfen Sie erschrecken, das ist ein Zitat von Horst Mahler..........), aber was finanziell in den Kirchen abgeht, welche Privilegien sich die obere Schicht dort leistet, und wie die auf Du und Du mit den Mächtigen in der Politik sind, es ist einfach irre.
"Der Bischof nimmt den Priester in den Arm / ich halt sie dumm // halt du sie arm" Ich schätze Reinhard
Mey nicht sehr, aber hier trifft er den Kern der Dinge.
Und noch etwas aus dem reichen Fundus deutscher Kultur, Johann Wolfgang von Goethe, Faust I
"der Schmuck für Gretchen angeschafft, den hat ein Pfaff hinweg gerafft" -so ein wütender Mephisto zu Faust , der trocken kommentiert "das ist ein allgemeiner brauch / ein Jud und König kann es auch"
Seien Sie auf den Knien dankbar, dass Sie in der freien Schweiz leben, offenbar als Gymnasiallehrer niemals vom Berufsverbot betroffen waren und sowohl Verlage wie auch Medien fanden, die Ihnen Möglichkeiten einräumten. Das ist ein großes Geschenk, anderen Leuten zu anderen Zeiten ging und geht das nicht so gut........
freundliche Grüße aus dem großen Kanton !
Arrow
10. Oktober 2016 18:18
Der Fall erinnert entfernt an die Entlassung von Hw. Reto Nay durch Bischof Huonder. Ein bisschen Kritik an Kardinal Meisner wegen dessen Aufgabe elementarster Lebensschutzstandards an katholischen Krankenhäusern auf dem gleichen Blog, auf dem Don Reto schrieb (gloria.tv), und schon war die Pfarrei im Bistum Chur ohne ihren Seelenhirten. Don Reto scheint als Priester für traditionellen Katholiken weiter zu wirken, nur eben ohne irgendwo inkardiniert zu sein.
Meier Pirmin
10. Oktober 2016 18:57
@Gygax. Verstehe Sie besser. Klar ist zu unterscheiden zwischen der Meinungsbildung über die Kirche und dem konkreten Vorgehen bei einer allfälligen Trennung von Kirche und Staat. Sie haben das Recht, erzürnt, vielleicht empört zu sein. Und wenn einer etwas so eindrücklich und leider richtig formuliert hat wie der, den Sie zitieren, bleibt Ihnen das abermals unbenommen.
Arrow
10. Oktober 2016 19:26
@ Hajo Blaschke,

zumindest scheinen Dr. Sven Petry und Hw. Wawerka in eng benachbarten Gemeinden Dienst getan zu haben:

http://www.frohburg.de/leben-in-frohburg/kirche-religion/
Meier Pirmin
10. Oktober 2016 20:16
@Arrow. Sie tun Herrn Wawerka vielleicht keinen Gefallen, wenn Sie eigenwillige Überaktivisten, von aussen auch als Fanatiker angesehen, in den gleichen Topf werfen. Wawerka und Pfarrer Oblinger sind nie als der Typus des übereifrigen Missionars aufgetreten. Noch würden sie, was allerunterste Schublade ist, dem Glaubensbruder als admonitioi fraterna ein Hakenkreuz aufschmieren.

Um einen zu nennen, der allerdings grösser war als fast alle Dissidenten: Thomas Morus' Widerstand bestand schlicht aus ruhigem konsequentem Nichtmitmachen. Es galt schon als Attentat, dass er ein Papier als einziger nicht unterschreiben wollte. Dieses grandiose Schweigen war von keinem Lärm übertönbar. So weit haben wir es noch längst nicht gebracht, insofern wir unsere Beunruhigung über die Zeit hier austragen.
Heino Bosselmann
10. Oktober 2016 20:17
Sehr interessant, leider wohl symptomatisch, deswegen geradezu berückend und das in uns bewegend, was am ehesten erregt und aufregt, den Gerechtigkeitssinn nämlich. Besonders dramatisch und drastisch dadurch, daß sich durch diesen „Fall“ namentlich eine Institution selbst disqualifiziert, der es primär um Gerechtigkeit gehen sollte. –„Gerechtigkeit der Erden, o Herr, hat dich getötet“, diesen Choral stimmen die Betrogenen in Heinrich Bölls Geschichte „Die Waage der Baleks“ an. Er paßt zum Schicksal des Pastors Wawerka. –

Bizarr zudem, wenn Formulierungen und Diktion der Vorwürfe sowie die raunenden Drohungen des Kirchenapparats mittlerweile den Tönen des SED-Apparats ähneln: „Ihretwegen haben wir jetzt richtig große Probleme.“ Allein darin offenbart sich die würdelos kleinmütige Ängstelei der untergeordneten Funktionäre gegenüber der Obrigkeit in der Hierarchie des „demokratischen Zentralismus“, der, mag sein, der evangelisch-lutherischen Kirche mittlerweile in ähnlicher Weise eignet wie früher „der Partei“. – Die Enthusiasten, die Markigen, die Leidenschaftlichen, die Kantigen und Kritischen trifft es zuerst, insofern der Apparat vielmehr der ph-Neutralen und Mediokren, mithin der Apparatschiks bedarf, weil die funktionieren, ohne aufzuregen. Nur wird’s so eben lebloser, vermutlich auch in der Kirche.

Für mich frappierend, wie sich eine Gesellschaft, die ich im Sinne Poppers tatsächlich als prinzipiell offen aufgefaßt habe, eigendynamisch immer mehr ideologisiert. Ist darin eine Art forschreitende Neurotisierung zu erkennen, derart, daß „man“ (also die Wortführer der sog. „politischen Mitte“ der Berliner Republik) etwas zu kompensieren versucht, um Ängste abzuwehren? Insbesondere die Angst davor, daß die eigenen Konstrukte an Begriffen, Zuschreibungen, Interpretationen von ihrer andauernder surenhaften Wiederholung und allüberall pflichtgemäß erfolgenden Ventilation nicht wahrer oder auch nur viabler werden? Daß den eigenen Reden nicht mehr zu trauen ist? Mithin also die halbbewußte Furcht vor dem das zunehmend unkritische Denken heimsuchenden Alp, der Kaiser wäre doch mal wieder nackt, weshalb dem diesen Skandal bemerkenden Kind der Mund um so strenger verboten gehört?

Es ist das Kennzeichen nicht nur der letzten politischen Wende, wenn danach – zu spät, wieder mal – die gesellschaftliche Wahrnehmung so verblüfft wie erschüttert zu begreifen versucht, weshalb man das so Offensichtliche vorher doch kleinmütig verschwieg. Und wenn schon von einer Wende die Rede ist: Nicht automatisch wird von Wendungen alles besser, freier, offener. Es sind ganz im Gegenteil allergische Reaktionen denkbar, die die „Umstände“ verschlimmern und eben nicht ins Freie, sondern weiter ins Vormundschaftliche führen. Nicht jede Verspannung mündet in Befreiung, nicht jede Entzündung gesundet. Das bereitet mir Sorge.
Meier Pirmin
10. Oktober 2016 20:19
admonitio fraterna. "Brüderliche Ermahnung" (kath.) unter Geistlichen.
Jürg Rückert
10. Oktober 2016 20:58
„Mir steht das Beispiel einer Kollegin aus Brandenburg vor Augen, die im Gottesdienst für verfolgte Christen betete, kurz darauf ein Dienstaufsichtsverfahren wegen „Fremdenfeindlichkeit“ am Hals hatte ...“
Genau das ist die Moral der „Kreuzzügler gegen das Eigene“, der „begeisterten Selbstmörder“.

@Metall-Hahn: Der 30jährige Krieg erbrachte keine Religionsfreiheit. Vielmehr hieß es „cuius regio, eius religio“ - der Landesfürst entschied, welcher Glaube gefälligst anzunehmen sei. Man könnte in diesem Krieg auch die Strafe Gottes sehen für Luthers Revolte: Die Hälfte der Bevölkerung war dahin, das Land so geschwächt, dass der Franzosenkönig wenig später das Elsaß-Lothringen abknöpfen konnte und der Türke vor Wien stand.

Tscharntke, Pastor einer ev. Freikirche in Riedlingen in Oberschwaben, wurde prompt von einem Mitbruder gerichtlich angezeigt, als dieser in der Flüchtlingsfrage Wahrhaftigkeit einforderte.
http://www.efk-riedlingen.de/downloads/037%20Wie%20gehen%20wir%20als%20Christen%20mit%20der%20Zuwanderungsproblematik%20um.pdf
H. M. Richter
10. Oktober 2016 21:36
Eine Bitte:

Es wäre hilfreich, weil es m. E. bisher nicht deutlich genug geworden ist, wenn mittgeteilt werden könnte, welcher dienstrechtlicher Art die Beendigung des Pfarrdienstes in der Sächsischen Landeskirche von Pfarrer Warwerka gewesen ist.

Mancheiner, so darf angenommen werden, möchte auf die entstandene Situation reagieren, indem er sich beispielsweise nach Dresden wendet, und dabei ist es durchaus wichtig, zu wissen, ob es sich um eine Nichtverlängerung eines befristeten Vertrages handelte oder um etwas anderes, gar um eine regelrechte Entlassung.

Ich erinnere noch die Wochen und Monate nach dem Freitod von Oskar Brüsewitz im Jahr 1976, auch so manches damals geführte Gespräch.

Auch seinerzeit waren konkrete Informationen enorm wichtig, um handeln zu können, nicht zuletzt, um staatlich, aber auch (im staatlichen Auftrag) innerkirchlich verbreiteten Lügen begegnen zu können.
Heinz Obst
11. Oktober 2016 00:32
@Heino Bosselmann
Montag, 10. Oktober 2016, 08:17 PM

Off topic:
Schön, mal wieder eine Wortmeldung vom Herrn Bosselmann zu lesen!
Konservativer
11. Oktober 2016 00:52
Herr Wawerka ist ein grundanständiger Konservativer.

Für diejenigen, die seine Kommentare auf dieser Seite kennen, sind die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von „Fremdenfeindlichkeit“ oder „Menschenfeindlichkeit“ absurd und letztendlich bösartig (was die Konsequenzen anbelangt).
Doch wie ich es sehe, ging es im Zusammenhang mit der Nichtverlängerung seines Arbeitsvertrages nicht um die Inhalte seiner Kommentare, sondern weil er diese auf der Seite "Sezession im Netz" geschrieben hat.

Olaf Latzel, ein (konservativer) Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde ( https://de.wikipedia.org/wiki/Olaf_Latzel ) ist dagegen immer noch im Amt. Wohl nicht zuletzt, weil sich sowohl der Vorstand der St.-Martini-Gemeinde, als auch die Gemeinde selbst hinter ihn gestellt haben.

Die "Käsmann-Protestanten" in der evangelischen Kirche sind zwar sehr einflußreich, doch noch beherrschen sie den "Laden" nicht vollständig.

Ich gehe davon aus, daß Herr Wawerka aus Berufung Pastor geworden ist. Man wechselt eine Berufung nicht wie ein Hemd.
Das seine Gemeinde zu ihm steht spricht für seine Qualitäten als Geistlicher.
Womöglich bietet sich ihm die Möglichkeit, als Pastor eine Gemeinde in einem anderen Ort betreuen zu dürfen.

Sollten letztlich alle Stricke reißen, reihe ich mich in den Kreis um Exmeyer ein, obgleich meine finanziellen Mittel bedauerlicherweise sehr beschränkt sind.

Abschließend zwei Zitate und ein Videobeitrag:

"Totalitäre Strukturen: Sie wirken bis heute fort. Die sogenannten 68er, die wie alle “Revolutionäre” als “Befreier” kamen und als Unterdrücker endeten, sind die geistig-ideologischen Ausläufer des 20. Jahrhunderts. Sie bilden heute den Link zwischen der alten, offenen, plump naiven Totalität und der neuen, verdeckten, geschmeidigen und raffinierten des 21. Jahrhunderts. Doch ist die innere Verwandtschaft beider Formen evident. Wer das verkennt, ignoriert die politische Realität, die zwar jeden umfängt, aber mit ihrer ganzen Gewalt eben nur zu spüren bekommt, wer sie herausfordert."
...
"Das Neue, sagen sie, wächst an den Rändern, wie die Bedrohung. Also müssen sie die Ränder überwachen und damit auch das Neue. Denn die Fähigkeit zum eigenen Urteil wollen sie einfach nicht dulden, obwohl sie gerade diese Forderung ständig im Mund führen. Das ist der große Widerspruch, ist die Bigotterie, die uns zu ihren Gegnern macht. Wo sie sind, ist die Freiheit gemordet und hängt nun als aufgeputzter Kadaver in den Bäumen ihrer Gärten. Die Lüge kommt täglich, bürstet die Leiche und spricht: “Ach Freiheit, wie schön du bist.” (aus Frank Lisson, “Widerstand. Lage – Traum – Tat”


Die Gesellschaft tut immer so, als würde die Gegenmeinung nur von Ahnungslosen, Irren und Verbrechern vertreten. Wie konnte ein so großer Gelehrter wie Ernst Nolte sowas sagen? Ja, wahrscheinlich weil er ein großer Gelehrter ... (war)! (Günter Maschke)


Ernst Nolte - Ein deutscher Streitfall:

https://www.youtube.com/watch?v=0l2ZWRqDtZc
Winston Smith 78699
11. Oktober 2016 13:46
@ der Dachs

Man müßte vielmehr das Instrument der Stiftungen für uns nutzen – als, mindestens zeitweisen, materiellen Rettungsanker, aber auch zur Schaffung schöpferischer Freiräume, um unseren Raum geistig und organisatorisch erweitern zu helfen. Welche Stiftungen kämen in Frage? Wer könnte und würde eine passende Stiftung initiieren?

Die laufenden Kosten und Gebühren für ein Internetradio halten sich in Grenzen. Meine umfänglich sowie thematisch außergewöhnliche CD-Sammlung stelle ich gerne zur Verfügung und berate auch in musikgeschichtlichen und didaktischen Fragen, übernehme und stelle z.T. die Aufnahmetechnik und Instrumente – wobei dies für Wort- und Abspielradio eigentlich minimal wäre. Auch rechtefreie Literatur zum Vorlesen gibt es im Rahmen der identitären Oberthematik bereits
ZUHAUF !!! Muß man alles selbst vorlesen? Als Nachholschüler in identitären Dingen lasse mir, wenn mal die Augen nicht mehr mögen (oder früher für die Rauchpause), so manchen alten SIN-Artikel mit dem Google-Translate vorlesen. Und dies genügt allemal, um den Sinn zu erfassen. Oder man schreibe an Leser den Aufruf aus, den einen oder anderen Artikel einzusprechen, nach dem Modell von librivox.
Wichtig für ein Internetradio ist meines Erachtens ein verläßliches 24/7 Rund-um-die-uhr-Programm, nicht nur vereinzelte Sendezeiten. Das Einschalten darf nie eine Enttäuschung bedeuten – ansonsten kann man auch eine Podcastseite nützen. Es muß ein Jetzt-Programm geben, um das unsichtbare Gemeinschaftserlebnis von „Radio“ in seiner besonderen Poesie herzustellen. Wenn man den Eifer der SIN-Leser, wie er sich in den Kommentaren zeigt, produktiv machen will: Vorschläge aufnehmen, etwa eine Höcke-Rede, einen Pirincci, Kubitschek usw. einem Text von Hölderlin, Novalis, Kant, Luther, Schiller gegenüberzustellen – oder dies wiederum einer Musikaufnahme, oder letztere tiefgründig kommentieren wie Adorno. Und so weiter und so fort. Einspielen von internationalen Beiträgen (Jones, Molyneux etc.). Wobei dieses 24/7-Programm natürlich vor allem die Plattform für die Höhepunkte bieten kann: Bürgertelefon, Liverunden, Liveübertragung, Rebellenlieder live. So manche Peinlichkeit muß und darf man dann auch aushalten.

Wieviel würde man monatlich dafür spenden wollen? Kriegt man damit ein paar kleine Gehälter zusammen? Ein Theologe und Seelsorger würde durchaus in das Profil passen. Man stelle sich vor, der Rabatz gehe los und hier wäre jemand, der Trost spenden und Zuversicht herbeisprechen kann.
der Dachs
11. Oktober 2016 14:42
@Winston Smith 78699
Das wäre ein weiterer Medienkanal. Gut, kann man machen.
Ich dachte eher an eine im engeren Sinne wissenschaftliche oder konzeptualistisch tätige Unternehmung.
Analog etwa zu dem, was sich die Blockparteien seit Jahrzehnten leisten - Konrad-Adenauer-Stiftung, Böll-Stiftung etc.
Der Knackepunkt dabei ist freilich, daß hier Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, und zwar solche, von denen man wenigstens halbwegs leben kann, so daß man Leute wie Herrn Wawerka damit, zumindest eine Weile, finanzieren könnte; es geht also schon bei nur einer Person um fünf-, eher mit Räumlichkeiten, Material etc: sechsstellige Summen pro Jahr.
Sofern man nicht, wie die Blockparteien, dafür Staatsgelder abzweigt, gibt es freilich nur finanziell potente Unternehmer als mögliche Finanzierer. Langfristig werden wir um solch eine Institution nicht herumkommen, bis dato sind wir gezwungen, auf U-Boote zu setzen, die in der normalen staatlichen Finanzierung stehen. Diese können aber nie deutlich profiliert in Erscheinung treten, sonst sind sie enttarnt und werden gesellschaftlich vernichtet, siehe Beispiel Wawerka; und vor allem haben solche Leute, die bereits 'enttarnt' sind, keinerlei Chancen, je an diesen etablierten Futtertopf gelassen zu werden.
Th. Wawerka
11. Oktober 2016 15:18
Werte Mitforisten!

Ich bedanke mich aufrichtig & herzlich für alle Anteilnahme, ermutigenden und freundlichen Worte sowie die Anregungen und Hinweise, besonders aber für die Aufnahme ins persönliche Gebet!
Nun zu den Antworten auf offen gebliebene oder neu aufgeworfene Fragen:

- Ich bin umgezogen und habe durchs ALG erstmal ein Auskommen, also keine Sorge! Ich bin weder obdachlos, noch stehe ich in Gefahr, zu verhungern.

- Mein Dienstvertrag war befristet auf drei Jahre, was die gängige Zeit für den Probedienst ist. Rechtlich ist die Nichtverlängerung des Arbeitsvertrags als solche nicht anfechtbar, höchstens die Bedingungen, unter denen es geschehen ist (ich habe bereits vor Beendigung meines Dienstverhältnisses Rechtsberatung eingeholt).

- Bruder Petry kenne ich als Pfarrer meiner unmittelbaren Nachbarschaft gut, ich schätze ihn als Kollegen und als Mensch sehr.

- Neben den Pastoren Latzel und Tscharntke, deren Namen ja bereits genannt wurden, sollte man auch den famosen Philip Kiril Prinz von Preußen im Auge behalten, der Pfarrer in Brandenburg ist und immerhin schon mal ne Compact-Konferenz eröffnet hat und die Rückkehr Deutschlands zur Monarchie verficht ...

- @ H. M. Richter, @ la vie est belle: Kennen wir uns persönlich? Dann wär's schön, wenn Sie sich mir offenbarten - die Ungewissheit, wer sich hinter Ihren Pseudonymen verbergen mag, ist doch ein bisschen verwirrend.

- Die Gründung einer freien Gemeinde oder das "Wegtauchen" in eine solche (oder die innere Emigration) scheint mir aus verschiedenen Gründen nicht der richtige Weg zu sein. Erstens bin ich Lutheraner aus Überzeugung, und wenn das Schiff in die falsche Richtung fährt, ist nicht das Schiff verkehrt, sondern die Besatzung. Dann sehe ich meine Aufgabe darin, es wieder auf Kurs zu bringen - oder mindestens jedoch vom richtigen Kurs zu reden! Zweitens möchte ich nicht an der weiteren Zersplitterung mitwirken, sondern diese vielmehr überwinden, weshalb die Kommunität, die ich erwähnte, keine evangelische oder katholische Kommunität wäre, sondern eine überkonfessionelle und von den Amtskirchen unabhängige. Es wäre überhaupt eine Kommunität neuen Typs, aber ich will mich hier nicht in Details verlieren ... Drittens ist es ja so, dass ein stiller Exodus der Konservativen stattfindet (in der sächsischen Ev.-Luth. Kirche bestimmt noch am Wenigsten), was bedeutet: Ihre Stimmen sind weg. Sie kommen nicht mehr vor. Sie haben keine Öffentlichkeit mehr. Und das trägt ebensoviel zur linksliberalen Politisierung der Kirchen bei wie die Aktivisten, die diese vorantreiben.

- @ Exmeyer, Monika, Paule und all die anderen, die sich für meine Vision erwärmen können (@ Rainer Gebhardt: auch dich hätte ich gern dabei!): Bitte unterstützt mich! Wir sollten zuerst den Trägerverein gründen, das organisatorische Basisgerüst. Dazu braucht man sieben Leute. Ich schlage vor, wir treffen uns am 14. Januar. Bitte gebt mir über die Mailadresse "wawerka@sezession.de" Bescheid, ob ihr dabei seid, dann kann ich euch zurückschreiben (Ort, genaueres Vorgehen usw.). Ich bereite alles vor, dann bauen wir die Sache peu à peu auf. Meine Vorstellungen sind schon recht konkret, ich möchte das aber nicht alles hier ausbreiten, das wird zu lang & umständlich.

- Zur Kontofrage: Ich habe schon verschiedene Unterstützungsangebote erhalten. Wie gesagt, ich leide im Moment keine Not und brauche für mich auch gar nicht viel. Spenden würde ich gern für den Verein entgegennehmen, nicht für mich persönlich (und der Verein wird eine Menge Geld benötigen ... ich würde gern eine Kirche kaufen). Ein Konto zu eröffnen hat aber erst Sinn, wenn der Verein besteht und als gemeinnützig anerkannt ist - erst dann kann man ja Spendenquittungen ausstellen usw.

- Kubitschek riet dazu, ein blog ins Leben zu rufen. Auch das wird es geben. Ich hab schon mal damit rumexperimentiert, muss es bloß reaktivieren. Durch den Umzug bin ich allerdings nur eingeschränkt netzkompatibel (hab auch zu FB keinen Zugang - das zur Erklärung an jene, die mich zu kontaktieren versuchen); bevor mir wieder die volle Bandbreite der Möglichkeiten zur Verfügung steht, dauert es noch ein paar Wochen - O2 treibt mich gerade ein bisschen in den Wahnsinn, wenn man bei der Hotline anruft, muss man mit Wartezeiten von mindestens einer dreiviertel Stunde rechnen, was ist denn das für ein Service?! Also bitte: Geduld. Es kommt.

Gruß! Thomas Wawerka
Winston Smith 78699
11. Oktober 2016 18:07
@ der Dachs
Das wäre ein weiterer Medienkanal. Gut, kann man machen.
Ich dachte eher an eine im engeren Sinne wissenschaftliche oder konzeptualistisch tätige Unternehmung.

Und das wäre ein zweites Schnellroda - wozu? Sagen Sie mir doch bitte ein bestehendes identitäres Internetradio, aber jetzt nicht einen jener Sender mit einschlägiger Grölmusik, die dann mit zwingender Logik verboten werden, und nicht irgendein falsches Transatlantikerding zur Gehirnwäsche. Soll ich jetzt erklären, wozu ein solches Radio gut sein könnte? (... gerade fallen mir aus der Kindheit der Roman "Es" von Stephen King und der Film "The Fog" von John Carpenter ein, denn beide handeln als Nebenthema von der Rolle jeweils eines lokalen Radiosenders in der Zeit einer unklaren Bedrohung. Vielleicht ist es einfach Nostalgie.) Was "Radio" bedeutet, aber auch was der Hintergrund bedeutet: dass die wissenschaftliche Recherche nicht mehr größtenteils ungenutzt bliebe, so wie leider jetzt; dass trockene Materie lebendig gemacht werden könnte (wozu sonst gibt es Audiobooks, wozu sonst die mittlerweile ja nur noch unerträglichen Kultursender), dass es ein Archiv gäbe und eine Bibliothek und eine Möglichkeit zu mehr Beteiligung, dass es auch einen ständigen Output der "wissenschaftlichen und konzeptualistischen" Arbeit geben könnte, also auch die Möglichkeit ein Feedback von Hörern einzuholen, die weder Sezession abonnieren, noch online lesen mögen. Dass es in Krisenfällen - zumindest solange das Internet noch nicht abgeschaltet ist - noch eine "Stimme" geben kann: jemanden, der auch nicht erst zum Videoportal "uploaden" braucht, sondern zur Not live am Mikro sitzt und etwa den Bewohnern einer Stadt etwas sagen kann, die im Katastrophenfall von zuviel Twitterchaos überfordert sind. Dass Text und Musik und Report eben eine besondere Alchemie ergeben können, die auch von pi-news nicht erreicht wird, weil es keine zeitliche Struktur (eines Vortrags, eines Features) vorgeben kann und man jenes nicht bei der Hausarbeit, beim Kochen, im Garten, oder wenn man selbst gerade auch läuft, "mitlaufen" lassen kann, sondern ein Gerät mit Händen bedienen muß oder auf eine spezielle Software zugreifen. (Im Idealfall nur einen Schalter bedienen - gut, da kommt man mit einem Webradio natürlich vorerst nicht hin.) Dass das Medium "Audio" die Augen in Frieden läßt. Aber wie ich gerade lese ist Wawerka ja bereits nicht mehr zu haben. Alleine werde ich nicht damit bestimmt nicht anfangen, weil es in politischen Dingen oft mehr als eine einzige Einschätzung braucht - Blogs und Kanäle von Einzelgängern gibt es in der Tat mehr als genug, und gegenseitige Zerfleischungen unter diesen Videobloggern leider auch. (Gerade unter denen vermute ich nämlich fast keine Uboote, sondern nur Verstiegenheit, wie sie sich bei Einhandseglern zwangsläufig ergeben muß, und dann Mißverständnisse.)
der Dachs
11. Oktober 2016 18:44
@Winston Smith 78699
Sie gehen immer gleich so in die Vollen, wenn ich (unter einem meiner vielen Pseudonyme) schreibe:
Warum nur das Eine? Habe ich von Ihrer Radio-Idee abgeraten??
Ich habe vielmehr selbst erst kürzlich in AfD-Kreise ähnliche Anregungen injiziert.

Ebenso glaube ich nicht, einem Schnellroda-Double das Wort zu reden. Allenfalls einer Erweiterung über einen Verlag mit angegliederter Redaktion und gelegentlichen 'workshops' hinaus.

Was die Verfügbarkeit von Herrn Wawerka anbetrifft, könnte das meine Idee treffen - Ihre gewiß nicht, denn solch besondere Gemeinde kann allenfalls an Ausnahmetagen erhoffen, die meisten ihrer Schäfchen in einem Hause vereinigt zu finden. Sie wird vielmehr gerade auf landesweite Verbreitung der Predigten über das Netz setzen müssen.
Abgesehen davon, hat es nun Herrn Wawerka erkennbar getroffen - aber ich bin mir leider sicher, daß er noch zahlreiche Leidensgenossen hat und bekommen wird.
H. M. Richter
11. Oktober 2016 19:01
@ Thomas Wawerka

"Kennen wir uns persönlich?"
______________________


Nein, bisher nicht.

Aber dies wird hoffentlich demnächst der Fall sein, wenn Ihre Pläne Wirklichkeit werden.

Bis dahin: Gott befohlen.
Arrow
11. Oktober 2016 20:02
@Meier Pirmin,
Don Dato Nay, da dürfen Sie nicht auf die Lügenpresse reinfallen, ist kein “eigenartiger Überaktivist“ und auch kein Hakenkreuzschmierer. Er ist wie Hw. Wawerka einfach aufgrund von Meinungsäußerungen (zum Lebensschutz) in einem verfemten Blog von seinem Bischof entlassen worden. Sicher hat die Kampagne des Spiegel Bischof Huonder bedrängt. Im Fall Wawerka waren die Kirchenbosse noch voreiliger. Gegen Hw. Wawerka gab es ja gar keine Kampagne.
Th. Wawerka
11. Oktober 2016 20:44
Winston Smith 78699:

Aber wie ich gerade lese ist Wawerka ja bereits nicht mehr zu haben.


Lieber Winston,

fragen Sie mich doch erstmal, wofür genau Sie mich haben wollen, dann kann ich Ihnen sagen, ob ich dafür zu haben bin oder nicht. I.A. bin ich nämlich arbeitslos ...
Ihr Besuch wäre mir übrigens willkommen! Schreiben Sie mir per PN, dann machen wir was aus.
Stil-Blüte
11. Oktober 2016 23:30
@ Meier Pirmi
So sehr ich Ihre Allwissenheit über Gott und die Welt schätze und davon profitiere, muß ich Ihnen zurufen:

Fasse dich kurz!


Oder: verweisen Sie nach einem kürzeren Beitrag auf ausführliches Detailwissen Ihrer Web-Seite.

Ich komme einfach nicht mehr hinterher. Was zu viel ist, ist zu viel

M.L.: Ich sekundiere!


Nebenbei: Könnten wir uns auf einige Sachen einigen, die die Lesbarkeit der Texte erleichtern?

- bei längeren Texten unbedingt Absätze
- Zitate durch einen Klick auf Zitat kenntlich machen
- Ansprechpartner durch @... angeben
- Auswahl der Links: in u n s e r e m Sinne. Demo-Links, die das Gegenteil darstellen, vermeiden (muß ich mir das antun?)
- auf ganz spezielle Vorlieben (Melodien, Lieder, Musik) verzichten,
- D/Englisch vermeiden
- Bei Abkürzungen zunächst ganze Bezeichnung vorstellen, z. B. 1) Bundeskriminalamt (BKA), 2) dann BKA gebrauchen
- fremdsprachige Zitate (Latein, Englisch) innerhalb eines Textes kursiv drucken, gerne in Parenthese mit Übersetzung

Der Ordnung halber. Ich komm sonst nicht mehr hinterher, möchte aber gerne dabeibleiben.
JeanJean
12. Oktober 2016 09:59
Von der Seelenrettung zur Weltheilung. Ganz einfach ein fremdes religiöses Konzept, das folgrichtig von der freiwilligen Barmherzigkeit zum Zwang der Unterstützung aller organisierten Weltheilungsprozesse mutiert ist. Natürlich unter der Führung erstberufener Weltheilungsspezialisten.Daraus ergibt sich auch die Verfolgungskultur, denn wer kann sich dem Weltheilungsprozess entgegen stellen - nur der Menschenfeind.

Dass die Welt nur durch unser Verschwinden geheilt werden kann, ist unser Pech, aber weil das so ist, müssen wir es begrüßen oder...

Ich denke, dass sich christlich theologische Erklärungsversuche für das, was sich heute in den Kirchen abspielt über kurz oder lang als so fruchtlos zeigen werden wie sie es heute schon sind.Um, wenn der Vorhang sich öffnet, einem großen Erschrecken unter den Schafen vorzubeugen muss noch eine Weile lang "christlich" schwadroniert werden.Der Stab ist noch da aber der Hirte ist längst in die Grube geschmissen worden.

Mir tut es ehrlich weh gute und ernsthafte Menschen unter diesen Institutionen leiden zu sehen.
Th. Wawerka
12. Oktober 2016 11:56
A.H.:

Wo sind wir gelandet?
Genau da, wo wir schon einmal waren, wir Ossis.


Wahrlich!
Man wacht eines Tages auf, kratzt sich den Kopf und stellt fest, dass die "friedliche Revolution" gar keine Revolution war und man nunmehr zwar Orangen und Datteln kaufen kann, aber um die Früchte der Wende beschissen wurde.
Nach der Phase des nationalen Sozialismus und des internationalen Sozialismus nun der antinationale Sozialismus, irgendwie ...

Grüße von Ossi zu Ossi!

http://2.bp.blogspot.com/-mHiQ-K_AbWw/UnH7HLmAatI/AAAAAAAAi0U/wgiO6anHIE0/s1600/pl0009.gif
Meier Pirmin
12. Oktober 2016 16:31
@Wawerka, bleiben Sie dran. Ossi ist schon gut, aber darüber hinaus sind Sie Theologe. Nicht vergessen, dass auch Meister Eckhart, Luther und Jacob Böhme Ossis waren. Dann gab es noch die Zwickauer Propheten, nachhaltiger als der Trabi. Der Mensch lebt nicht von politischen Perspektiven allein.
Meier Pirmin
12. Oktober 2016 19:48
Mit welchen Fanatikern Wawerka und Oblinger nicht zu vergleichen sind

@Arrow. Ihr Don Reto. Klar, dass SPIEGEL-TV mit aufdringlichem unerlaubtem Filmen reines Stalking betreibt, der Unterschied zu sexueller Belästigung fällt kaum ins Gewicht, weil das Religiöse genau so wie das Sexuelle wie auch das Recht gefilmt zu werden zur Intimsphäre gehören und generell Filmen beim Eindringen in ein Haus ohne zu fragen absolut gesinnungskriminell ist, darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Würden die Spiegelleute es bei der Mafia oder bei Islamisten so zu machen versuchen, würden sie niedergeschossen. Es bleibt auch dabei, dass zum Beispiel die Übertragung eines Gottesdienstes von Lourdes bei Gloria TV (und noch anderes) eindrucksvoll und verdienstlich ist.


Mit der Hakenkreuz-Aktion gegen Bischöfe hat sich aber Gloria TV nun mal auf die unterste Fanatismusstufe begeben, mentalitätsmässig der blindwütigen Antifa vergleichbar, und mit exorzistischen Teufelsaustreibungen kann man, sage ich als volkskundlicher Teufelskenner, weder gegen die Abtreibung noch gegen die Pille danach via "Angriff" auf eine gynäkologische Klinik sinnvoll ankämpfen. Wirklich, fragen Sie den Teufel, eine der intelligentesten und fortschrittlichsten Instanzen der Schöpfung, und er würde Ihnen antworten, dass solch dumme Aktionen unter seinem Niveau seien und in der unterdessen modernisierten Hölle viel realistischer, wissenschaftlicher und effizienter gearbeitet würde. Schliesslich wirkt Reto Nays ins Internet gestellte Auslegung der Apokalypse, auf Patmos aufgenommen, für den des Griechischen mächtigen Kenner dieser Textsorte esoterisch-paranoid. Der Ton und der gesamte Auftritt wirken lehrbuchmässig fanatisch. Sie können es natürlich anders sehen, aber: Wenn das der Ton und die Seelsorge @Wawerkas gewesen wäre, hätte er die jetzigen Probleme mit dem Wohnungswechsel nicht, weil er via Krankenversicherung mal einstweilen am richtigen Ort versorgt wäre. Es bleibt dabei, wie Paracelsus in St.Gallen 1531 mit eindrücklichsten Beispielen belegte, dass Religion eine der gefährlichsten und vor allem ambivalentesten Praktiken des Menschen ist mit enormen Gefahren, wenn der Mensch von der Krankheit Fanatismus erfasst sich gottgleich macht.

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