13. Oktober 2016

Linke Gewalteskalation – Was tun, Martin Sellner?

von Benedikt Kaiser / 11 Kommentare

Als Kopf der deutschsprachigen Identitären Bewegung (IB) arbeitet Martin Sellner an der theoretischen Fundierung der IB und ihrer Umsetzung in politische Aktivitäten. Diese Versuche werden – ob in Deutschland oder Österreich – immer häufiger von linker Gewalt gestört. Wie weiter, angesichts der linken Eskalation? Wir stellten Sellner einige Fragen dazu.

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

SEZESSION: Martin, die Gewalt gegen politisch Andersdenkende in Deutschland und Österreich nimmt zu. Ob Frauke Petry oder identitäre Jugendliche in Halle/Saale oder Graz – jeder, der politisch aneckt, kann Opfer des antifaschistischen Mobs werden. Gleichzeitig fürchten sich immer mehr Bundesrepublikaner vor "rechter Gewalt". Wie erklärst Du Dir dieses relationale Ungleichgewicht zwischen wirklicher linker Gewalt und häufig konstruierter rechter Gewalt?

MARTIN SELLNER: Der „gewalttätige Skinhead“ ist genau wie der Hitlerbart in der Bundesrepublik mittlerweile ein unausrottbares Klischee geworden. „Rechts“ und „Gewalt“ sind eine reflexartige Assoziationskette, die uns von den Medien mit tausenden gezielten Schlagzeilen, und Bildern eingetrichtert wurde. Es geht soweit, daß Leute wirklich automatisch vermuten, politische Gewalt würde prinzipiell von rechts ausgehen, obwohl die Realität genau das gegenteilige Bild zeigt.

Ich habe das selbst einmal erlebt, als ich auf der Uni von einer handvoll vermummter Antifas attackiert wurde. Die Passanten, die sich rasch ins Handgemenge einmischten, beschimpften die Linksextremen reflexartig als „Scheißnazis“. Ganz einfach, weil sie diese Assoziation in den Medien gelernt hatten. Auch wenn sowohl Hitler als auch die Skinheadbewegung längst der Geschichte angehören, spuken sie dank der Medien immer noch in den Köpfen der Gesellschaft herum.

SEZESSION: Was kann man aus der Gewalteskalation gegen nonkonforme Kräfte für Folgerungen ziehen? Ist die Linke nicht nur moralisch, sondern nun auch strategisch am Ende?

SELLNER: Ich würde sogar sagen: politischer Terror war von Anfang an ein Teil der linken Hegemonie. Er gehört zu Multikulti wie die Political Correctness und ihre Denk- und Sprechverbote. Dort, wo sozialer Druck und Meinungsterror nicht mehr ausreichen, um die Leute auf Linie zu halten, schlägt die Antifa zu. Die Gewalt der Linken auf der Straße vollstreckt die verbale Gewalt, die von Leuten wie Augstein, Prantl, Maas und Gabriel ausgeht. Die Rede ist von „Pack“, „Dunkeldeutschland“, „Vergiftung“ etc. Es ist eine exterminatorische Sprache, die sich diesen neuen Bewegungen und Parteien nicht stellen, sondern sie zerschlagen und vernichten will. Die Haltung dieser „moralischen Elite" ist zutiefst antidemokratisch und totalitär. Es geht nur um die Verhinderung einer Debatte.

Die linksextreme Gewalt vollzieht sich, medial unbeachtet, vom Rechtsstaat ignoriert und von der Politik verharmlost im Schatten dieses sanften Totalitarismus. Daß sie stärker wird, zeigt, daß der soziale Druck immer seltener ausreicht, daß es immer mehr „Ausreißer“ gibt und die harten Bandagen immer häufiger angelegt werden müssen. Das ist ein Zeichen von Schwäche. Jeder Totalitarismus wird um so schwächer, je öfter er repressive Maßnahmen anwenden muß. Jeder „Einsatz“ der Antifa, trifft uns zwar kurzfristig, aber schwächt insgesamt die Meinungsdiktatur die sie verteidigen wollen.

SEZESSION: Zuletzt wurden junge Identitäre in Halle/Saale von einer größeren Gruppe lokaler Antifaschisten überfallen. Was sagst Du euren jungen Mitstreitern, die vielleicht nach mehreren solcher Attacken zur Gegenwehr übergehen wollen? Wie verhindert man die Affirmation der von links inszenierten Gewaltspirale?

SELLNER: Die Identitären, ob in Halle, Paris, oder Wien können und werden sich natürlich immer verteidigen, wenn sie überfallen werden. Wir wissen genau worauf wir uns einlassen, wenn wir in dieser linken Jagdgesellschaft politisch aktiv werden und Widerstand leisten. Wir wissen aber auch genau, was uns politisch weiterbringt und wovor unsere Gegner am meisten Angst haben: sie fürchten sich nicht vor ein paar rechten Hooligans, die „ihren Block“ kontrollieren. Sie haben Angst vor kreativen Aktivisten, die Gesicht zeigen und sie mit dem konfrontieren, was sie am wenigsten vertragen: Kritik. Darauf fokussieren wir uns mit der IB.

Ein gelungener aktivistischer Coup, und damit mediale Aufmerksamkeit, steigende Mitgliederzahlen und wachsende Strukturen schmerzen die Antifa viel mehr als irgendein Revancheakt. Also tun wir genau das.

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kommentare (11)

Erik
13. Oktober 2016 10:05
Ich möchte hier keine nationalen Randgruppen verteidigen und schönwaschen, dennoch muss angemerkt werden, dass das Gros der vermeintlich nationalistischen Gewaltakte, siehe Mittweida oder Sebnitz, ebenso staatlich konstruiert worden sind. Auch sind Übergriffe auf „rechts“ kein neues Phänomen, außer vielleicht für die frisch auftretenden Identitären. Ansonsten ist der Antwort Sellners im Moment die Richtige. Wehrhaftigkeit im Angriffsfall JA, blinde Vergeltungsschläge NEIN.
Winston Smith 78699
13. Oktober 2016 10:45
Ohne widersprechen zu wollen, möchte ich anfügen: wo die SPD großen Einfluß etwa auf einen Betrieb hat, da kitzelt diese Präsenz mit diabolisch anmutender Präzision das Übelste und Niederträchtigste aus der Belegschaft heraus, aus Gruppen sowie Einzelpersonen. (Die Schwarzen mögen - siehe etwa den Fall Mollath - da praktisch-moralisch nicht unbedingt besser abschneiden, aber sie segeln wenigstens nicht unter derartig falscher Flagge, das macht ja das Faszinosum der graduellen Stalinisten aus.) Ziviler Terror scheint mir die Erwachsenenvariante zum Kinderterror auf der Straße zu sein, und sie erscheint mir nicht minder gefährlich - ich würde gar vermuten, dass die Zahl der Todesopfer in den letzten Jahren in keinem Vergleich zu den "fotogenen" physischen Ausschreitungen in der Öffentlichkeit steht. Sellners Ausführungen stellen die Straßengewalt als Folge einer Verblendung und Aufwiegelung durch die Medien und vielleicht der sogenannten Erziehung und Bildung dar. Mich würde eher eien Beleuchtung einer möglichen Kontinuität hiervon zu subtilerer oder weniger physischer Gewalt im zivilen Alltag interessieren. Zum subtilen Terror gibt es natürliche viele Mobbingbücher und Literatur zur Psychopathologie (ich erwähne gerne auch mal Marie-France Hirigoyen). Denn die größten Schweine freuen sich ja noch immer, wenn alles nur auf die Krawallos starrt. Das sind ganz andere Kaliber. Und sie lächeln perfekt.
cherusker69
13. Oktober 2016 17:41
Martin Sellner
hat absolut Recht und wer ehrenvolle Ziele hat braucht sich auch nicht zu vermummen.. Die Strategie der Spannung darf man nicht mitmachen den auf dies wartet der politische Gegner ja nur.
Gesicht zeigen um den Bürger klar zu machen wer hier die Demokratie verachtet und wer für sie streitet.
Wer hier die geistigen Brandstifter sind sieht man ja auf der aktuellen Facebook Seite der SPD. Nur ein Beispiel von vielen.
Aristoteles
13. Oktober 2016 21:52
Zu Heribert Prantl fällt mir folgende heutige Anekdote ein:

Unschuldig und gedankenlos gehe ich durch das Zentrum der Stadt,
da sehe ich, wie in der Fußgängerzone ein Verkaufsstand aufgebaut wird.

Ich gehe in eine Bäckerei, kaufe ein Brot, komme wieder heraus,
da schart sich ein recht dichter Pulk junger Menschen um den Stand der Süddeutschen Zeitung.

'Die leichtesten Opfer sind wohl Studenten', denke ich, 'die gerne mal (umsonst!) an der intellektuellen BRD-Welt teilhaben möchten.'

Doch dann bemerke ich,
als ich etwas näher am Stand vorbeilaufe,
lauter Ritter-Sport- und Milka- und andere süße Schokoladen und Bonbons hinter den Zeitungen aufgestapelt - sozusagen als Willkommensteddybär.

'Alles klar', so meine Mutmaßung, 'in einer Diktatur gibt es eben nicht nur Peitsche, sondern auch Zuckerbrot.'
bran
13. Oktober 2016 22:57
Ich finde Sellner und seine Aktionen gut. Er macht sicher viel mehr als ich es könnte oder was mir innerhalb meines Rahmens möglich wäre.
Was ich aber kritisiere, ist dieses erwähnen der "verbalen Gewalt". Hier begibt man sich auf das Glatteis des gegnerischen Vokabulars. Am Ende sprechen auch wir von Hetze und somit aus der Defensive. Prantl et. al. am besten einfach ignorieren und ihr Geschwätz als Geschwätz als abtun.
Sind wir erst mal soweit, dass auch wir Angst vor "Hetze" haben, agieren wir nicht mehr, sondern reagieren nur noch.
Der Baum soll sich nicht drum kümmern, wenn die Sau sich daran reibt.
Man gibt den verbalen Fundamentlegern der Linken und Liberalen nur Wirkunsgmacht, wenn man Lamentos über ihre Ergüsse anstimmt.
Diese Menschen dürfen auf der Strasse, bei der direkten Aktion und der Begegnung mit der Antifa einfach nicht existieren und ihr Diskursanteil muss weggeleugnet werden.

Daneben: Ich weiss aus Erfahrung, dass Antifas durchaus Respekt haben vor Hools, die auf Demos auflaufen. Die üblichen Glatzendeppen beeindrucken sie nicht, der Seitenscheitelnazi beeindruckt sie nicht, aber die Kategorie C hat schon Überzeugungskraft und kann ne Gruppe von 100 Antifas alleine durch die Anwesenheit zu gemässigtem Verhalten bringen.
ulex
13. Oktober 2016 23:22
Was meines Erachtens fehlt, ist ne es, die vielen "Einzelfälle", die dank Internet ja zumindest im eigenen Bereich weite Verbreitung finden, entsprechend zusammen zu fassen und zu bündeln um die Massivität und das stets gleiche Muster deutlich zu machen.

Sei es in der Art einer bundesweiten Wochen-Zusammenfassung, sei es auf lokaler Ebene.

In Leipzig kommt es bekanntlich ja seit Jahren zu massiven gezielten Übergriffen, teils mehrfach die Woche, gegen Wohnungen / Büros bzw PKWs von "freien Aktivisten", AfDlern, CDULern, Immobilienfirmen/ Gentrifizierern, Polizei & Justiz, sonstige staatliche Einrichtungen etc pp. Dazwischen grad bei den Fahrzeugbränden sicherlich auch die ein oder andere "Vandalismustat".

Umgekehrt findet nicht alles den Weg in die Presse, teils weil diese bewusst verschweigt, teils weil die Betroffenen um weiteren Ärger (zB mit Vermieter oder Verischerung oder mit Nachahmungstätern) zu verweiden, die Vorfälle selbst nicht an die grosse Glocke hängen.

All dies findest zwar Eingang in die Lokalzeitung, aber eben alles als wiederkehrende Einzelfälle. Demzufolge gibt es auch keine entsprechende Sonderkommission der Polizei für diese Fälle.

Und hier wäre sicherlich die örtliche AfD-Fraktion im Stadtrat und im Landrat in der naheliegenden Verantwortung entsprechend Druck mit Anfragen zu machen oder auch selbst Statistiken und Übersichten zu erstellen.

Was zudem im zweiten Schritt dann fehlt ist die viel offensivere Herausstellung der Verstrickungen der Etablierten mit Antifa-Szene, sei es personeller Art, als auch durch den Einsatz von Steuergeld. All das was dort publik wird, ist meist auch nur Stückwerk.
Olle
14. Oktober 2016 00:06
Sellner hat verdammt recht mit dem Hinweis, daß politischer Terror von Anfang an Teil der linken Hegemonie gewesen ist. In Destruktion und Gewalt (und Lüge natürlich auch) besteht das arcanum imperii der herrschenden politischen Verhältnisse. Ist zwar 'ne üble Sache, aber wir müssen das in unsere taktischen Überlegungen integrieren. Das Wie ist dabei also eine rein taktische Frage.
Ich habe manchmal das Gefühl, daß wir alle in diesem Punkt Nachholbedarf haben. Wir müssen die herrschenden Verhältnisse theoretisch konsistent kritisieren, wegen der Lügen, aber wir müssen natürlich auch , wegen Destruktion und Gewalt, kampffähig sein. Zweigleisig fahren! Das macht Spaß und ist übrigens auch eine Ehrensache. Sonst bekommen Leute wie Frau Finsterling und Herr Klonovsky noch recht und es findet sich tatsächlich niemand, der deutsche Frauen verteidigt.
herr k.
14. Oktober 2016 11:52
...es kann nicht schaden, seine Wehrhaftigkeit auch gegenüber mehreren Angreifern zu trainieren. Krav Maga oder MMA sind da ganz gut.
Ist auch ein guter Grund sich als Team zu treffen, einzuspielen und zu funktionieren. Hut ab vor eurem Willen. Hier in Leipzig ist es ähnlich, von daher versuche ich mich schon taktisch zu verhalten.
Andreas Walter
14. Oktober 2016 15:35
Klare Worte, Herr Sellner. Vor allem Ihre zweite Antwort hat mich beeindruckt und macht es sehr deutlich sichtbar.

Das wir in einer Scheindemokratie, Scheinfreiheit leben. In einer Scheinwelt, die nichts mehr fürchtet als entdeckt, entlarvt, aufgedeckt, enttarnt zu werden. Denn wie soll man sich sonst so viel Widerstand dagegen erklären?Gegen die Aufklärung der Neuen Aufrechten? Der Wiederstand selbst ist doch bereits der Beweiss, dass da etwas ist, sich da etwas im Schatten verborgen hält, wie ein Raubtier, ein Nachtjäger in einer Höhle am Tag. Ein Wesen, das sich lieber in der Dunkelheit bewegt als im Licht der Sonne.

Hihihi, wollte das mal poetisch ausdrücken, wer hier die Sonne, das Licht ist, und wer es fürchtet.
Mitropa
15. Oktober 2016 12:13
Ob es wirklich ein Zeichen von Schwäche ist, daß man "politische" Gewalt nahezu ungestört durch staatliche Verfolgung ausüben kann, darüber lässt sich wohl trefflich streiten.
Die angebliche Motivation die dahinter steckt ( wir haben soviel Erfolg, deshalb muß der Gegner zu diesen Mitteln greifen) höre ich jetzt allerdings schon etwas zu lange, um noch daran zu glauben.

Es liegt wohl eher an der personell recht starken, jungen und aktiven afa Szene, die heutzutage mit den ganzen NeoNazi Horrorgeschichten aus den 90érn aufgewachsen ist. Ihr Selbstverständnis als heldenhafte antifaschistische Widerstandskämpfer ist natürlich lächerlich, da sie ja vom gesamten politisch-medialen Komplex bei diesem "Widerstand" unterstützt werden. Doch es scheint sehr reizvoll zu sein, Rebell ohne Risiko zu spielen.

Das bürgerliche Gegenmilieu ist mit dieser Gewalt allerdings schon ziemlich überfordert und es ist auch klar, jeder Versuch eines nationalen Selbstschutzes würde vom System sofort kriminalisiert und zerschlagen werden. Da wären dann auf einmal alle Mittel und Möglichkeiten da, die es bei der antifa nicht zu geben scheint.
Das sich Menschen wehren, die angegriffen werden ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und müßte nicht extra erwähnt werden. Ansonsten hat auch dieses Interview, mir keine Antwort auf die eingangs gestellte Frage Was tun? geliefert.
Ellen Kositza
16. Oktober 2016 21:49
Danke, Ende!

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