25. Oktober 2016

»Brandherd Syrien« – Teil 2

von Benedikt Kaiser / 10 Kommentare

Der Krieg in Syrien eskaliert auf jeder Ebene: Wer mischt mit, wie wird desinformiert, wie geht es weiter mit Syrien? Nach dem ersten folgt nun der zweite und abschließende Teil des Berichts zur Tagung der »Gesellschaft für Internationale Friedenspolitik e. V.« (GIF) am 22. und 23. Oktober:

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kevork Almassian
Der 1987 geborene Kevork Almassian stammt selbst aus der umkämpften Metropole Aleppo. Seine Eltern besaßen dort ein Ladengeschäft, das den Bomben der »Rebellen« zum Opfer fiel. Er stammt aus einer christlich-armenischen Familie, die seit Generationen in Syrien lebt. Nach einem Studium der Internationalen Beziehungen an der University of Kalamoon (Syrien) wechselte er zu einem Vertiefungsstudiengang in den Libanon. Nach seinem Abschluß in »Middle Eastern Politics« ging er nach Deutschland, wo er als Analyst und Projektkoordinator arbeitet, zudem ist er Nahost-Experte für das von Manuel Ochsenreiter geleitete »German Center for Eurasian Studies«. Sein Vortragsthema »Die geopolitischen Gründe hinter dem neo-osmanischen Projekt der Türkei in Syrien« ergab sich gewissermaßen durch den Zwang der Verhältnisse.

In Nord-Aleppo, also der ländlich geprägten Gegend im Norden der Großstadt, rücken derzeit türkische Soldaten mit syrischen Islamisten gegen kurdische Separatisten und den Islamischen Staat vor, während in Süd-Aleppo und in der Stadt Aleppo selbst die syrische Armee gegen – ehedem ebenfalls von der Türkei gesponserte – Dschihadisten kämpft. Die komplizierte Situation besonders in Nord-Aleppo konnte von Almassian anschaulich erklärt werden. Den Türken geht es dabei vor allem um die Verhinderung einer zusammenhängenden Kurdenregion, weniger um einen totalen Sieg über den IS, mit dem man bis vor kurzem Ölgeschäfte abwickelte. Es kam so zur bizarren Situation, daß syrisches Öl, das aufgrund der Sanktionen gegen Damaskus nicht direkt importiert werden darf, vom IS in die Türkei gelangte und von dort an westliche Staaten weiterverkauft wurde. Sanktionen gegen Syrien also, die dem Terrorismus direkt zugute kommen.

Almassian ging präzise auf die einzelnen Interessen der Türkei ein. Er unterschied die strategischen Vorgehensweisen der Soft und Hard penetration, stellte türkische Bündnispartner vor und analysierte die Bedeutung der Handelsmetropole für imperiale Ambitionen Ankaras. Als ironische Begleitmusik zum Vortrag meldete die arabische Nachrichtenseite Al-Masdar, daß Erdogan just an ebendiesem 23. Oktober verkündete, Aleppo (und Mossul) stehe dem türkischen Volk zu. Die Millionenstadt Aleppo sei indes einstweilen nicht in türkischer Reichweite. Denn Rußland als Schutzmacht Syriens werde nicht zulassen, daß die Türkei ihre »Euphrat-Schutzschild«-Kampagne, die sich gegen Kurdenmilizen und den IS richtet, auf syrische Regierungsgebiete ausweite. Dennoch bleibe die Situation mehr als angespannt, da innerhalb weniger Kilometer die Herrschaftsgebiete des IS, Türkei-finanzierter Dschihadisten, syrischer Armee und kurdischer Separatisten aneinander grenzen. Die Fronten bleiben volatil, Änderungen sind täglich zu erwarten.

kevork-almassian



Maram Susli
Nach Almassian sprach mit Maram Susli (Damaskus/Sydney) eine junge Frau, die in einigen westlichen Medien als ultimatives Feindbild fungiert, wenn es um den syrischen Krieg geht. Sie wird wahlweise als »Assad-Fangirl« oder gar als »Antisemitin« diffamiert. Der Grund für diesen Haß auf die Journalistin, deren Spitzname »Partisangirl« lautet, liegt darin begründet, daß die Expertin mehrerer arabischer Fernsehsender kein Blatt vor den Mund nimmt und nicht selten polemisch und harsch auf westliche oder israelische Expansionspolitik reagiert. Zur »Migrationskrise aus syrischer Sicht« war sie geladen, und es war denn auch eine syrische Sicht, keine »assadistische«. Denn ganz unpassend zum Label als »Assad-Propagandistin« hatte Suslis (sunnitische) Familie nach der Machtübernahme der Baath-Regierung das Land verlassen: Die Familie galt aufgrund ihres Landbesitzes als »bourgeois« und unzuverlässig. Das hindert Maram Susli freilich nicht, einen dezidierten Standpunkt bezüglich der Legitimität der »Rebellion« einzunehmen.

Ihr Einstieg regte zum Nachdenken an: »Aus syrischer Perspektive begann die Flüchtlingskrise, als Europäer illegal nach Syrien einreisten« und Terrorstrukturen unterstützten. Angesichts Tausender europäischer Islamisten unterschiedlicher Couleur, die seit 2011 nach Syrien sickerten und allmählich wieder zurück nach Europa strömen, ist es in der Tat hervorhebenswert, daß der Terror zuerst aus Europas Problemstadtteilen nach Syrien wanderte, bevor er nun den Westen heimsucht. Das werde, so Susli, nicht zuletzt von europäischen Rechtspopulisten vergessen. Sie zitierte eine UKIP-Verlautbarung, wonach »die« Syrer nach einem »guten Leben in Europa« streben würden. Nein, meinte Susli, die meisten Syrer hatten bereits ein gutes Leben, bevor westliche und Golf-Staaten das Land mit Krieg überzogen. Sie wies in diesem Zuge ebenfalls darauf hin, daß nach unterschiedlichen Schätzungen rund 80 Prozent der Flüchtlinge in Europa gar nicht aus Syrien stammen, sondern u. a. aus dem Sudan, Afghanistan, Pakistan oder Libyen.

Susli griff die These bellizistischer Westmedien auf, die propagierten, man müsse »Assad wegbomben«, um die Flüchtlingskrise zu lösen. Ihre Frage in Richtung von BILD und Co.: Wenn das Gros der syrischen Flüchtlinge in die von Assad gehaltenen Gebiete flüchtete (sieben Millionen), um sich in Sicherheit vor unterschiedlichen Terrormilizen islamistischer und dschihadistischer Färbung zu bringen: Wie löse man die Flüchtlingskrise, indem man nun diese Schutzbastion (die sich von Damaskus über Tartous bis Latakia streckt) bombardiere? Wie helfe man den sieben Millionen Flüchtlingen, wenn man sie erneut mit Krieg heimsuche?

Die Referentin, die in wenigen Tagen auch in Linz sprechen wird, hob zudem die Rolle Syriens vor 2011 hervor. Millionen Palästinenser und Irakis wurden aufgenommen und gänzlich integriert in den Arbeitsmarkt, in das Bildungs- und auch Gesundheitssystem, erhielten allerdings keine syrische Staatsbürgerschaft. Da Identität zum Wesenskern eines jeden Menschen zähle und die nationalkulturelle Identität ein wesentlicher Baustein der Persönlichkeit sei, war und ist es der Standpunkt des syrischen Staates, daß die Menschen, die nach Syrien flüchteten, zwar gleichberechtigt leben können, aber weiterhin sehen sollten, daß Palästina oder der Irak ihr Heimatland bleiben, in das sie eines Tages zurückkehren würden. Sie empfahl dieses identitäre Verständnis von Flucht und Aufnahmebereitschaft auch Europa.maram-susli





Tim Anderson
Der dritte Referent dieses thematischen Blocks war der in Sydney lehrende Politikwissenschaftler Tim Anderson. Sein Vortrag orientierte sich am jüngst ins Deutsche übertragenen Werk Der Schmutzige Krieg gegen Syrien. Andersons Ziel ist die Offenlegung der »Desinformationskampagne der USA und der Golfmonarchien im Krieg gegen Syrien«. Entsprechend dieser Prämisse nahm er sich einzelner »Höhepunkte« des Syrienkrieges an. 2011, so Anderson, habe – den westlichen Mythen nach – ein friedlicher Aufstand gegen eine Despotie im südsyrischen Daraa begonnen, der brutal niedergeschlagen wurde, woraufhin syrische Soldaten, die das Leid der geschundenen Bevölkerung nicht mehr ertrugen, die Seiten wechselten und die »Freie Syrische Armee« gründeten. So sei der Bürgerkrieg ins Rollen gekommen, weil das Regime zu keinen Zugeständnissen bereit gewesen sei. Anderson betonte: Nichts davon sei wahr. Der Aufstand in Daraa sei von Anbeginn von sunnitischen Extremisten geführt worden, Vermittlungsangebote wurden ausgeschlagen, Sicherheitskräfte von Insurgenten getötet. Doch die Golfmedien und ihre Kollegen im Westen waren ganz im »Arabischen Frühling« gefangen und vermittelten den Nachrichtenkonsumenten, hier sei ein weiterer Sturz eines Tyrannen durch das Volk im Gange.

Der Bürgerkrieg nahm seinen Lauf, der Westen und die Golfstaaten heizten islamistische Gruppen an, die Rede von einer »humanitären Intervention« wurde lanciert. Dafür mußten unterschiedliche Mythen herhalten, darunter Giftgaseinsätze, Faßbombenmassaker oder die Behauptung, Assad führe einen Krieg gegen sein eigenes Volk. Anderson betonte, daß Assad – nach Umfragen aus West und Ost, nach Mitteilungen von Geheimdiensten und Spitzeln – bei der Mehrzahl der Syrer beliebt sei. Nur haben diese Menschen keine Lobby in Berlin und Washington, während die Mär vom »Schlächter Bashar« wider besseres Wissen über alle Kanäle läuft, um die Anti-Assad-Grundstimmung der westlichen Bevölkerung unter Kontrolle zu halten, damit weitere Schritte gegen Syrien (Sanktionenverlängerung, Rußland-Schelte usw.) geboten erscheinen. Anderson griff sich einige besonders prominente Greuelmärchen über syrische Verbrechen heraus und wies (wie im Buch Schritt für Schritt und quellengesättigt nachvollziehbar!) nach, daß das Schema (leicht vereinfacht dargestellt) so ablaufe: US-Kräfte und Islamisten behaupten eine schreckliche Tat des Regimes, der Medienblock verbreitet es global, nach ein paar Wochen kommt die Wahrheit heraus, aber nun blockieren die Medien die Richtigstellung, weshalb bei den Bevölkerungen das Ursprungsbild gefestigt bleibe. Anderson wies demgegenüber – durchaus in Übereinstimmung mit der Referentin vom Vortag, Schwester Hatune – auf die »Genocide mentality« der sunnitisch-dschihadistischen Regierungsgegner hin, und zwar von »moderater« FSA bis hin zum IS.

Andersons Fazit lautet wie folgt: Desinformation gegen Syrien ist nötig, um die »eigene« (westliche) Legitimität in diesem internationalen Stellvertreterkonflikt zu wahren. Würde man jetzt die Genozidmentalität der Opposition einräumen, würde man den Mythos der friedlichen Erhebung gegen einen Tyrannen fallen lassen müssen. Fällt aber dieser Mythos, fällt der US-Plan eines Neuen Mittleren Ostens! Und für dieses hegemoniale Projekt ist man offenbar bereit, Hunderttausende Tote, Millionen Flüchtlinge und endlose humanitäre Katastrophen in Kauf zu nehmen.tim-anderson





Diskussion Almassian, Susli, Anderson
Der Einstieg in die lebhafte Diskussion gelang dem Moderator, Oberstleutnant a. D. Jochen Scholz, mit seiner Bemerkung, man dürfe nicht vergessen, daß die Syrer schon eine Hochkultur hatten, als die Germanen noch vorzivilisatorisch lebten. Das werde im Westen zu oft vergessen.

Diskutiert wurde hernach im einzelnen:
- die peinliche Rolle vermeintlich linker, kriegskritischer Medien im Einklang mit der bürgerlichen Mainstreampresse
- die personellen Überschneidungen zwischen NGOs wie Human Rights Watch und westlich-hegemonialen politischen Strukturen, etwa dem State Department
- die Rolle des Aleppo-Ringens in diesem Krieg (Almassian: Assad will, anders als die Islamisten, keine »Apokalypse«, daher könne er nicht all in gehen, da er noch Männer braucht, die das Syrien von morgen bauen werden)
- die Funktion der Al-Qaida-nahen »NGO« der Weißhelme, die bekanntermaßen von den USA und Großbritannien finanziert wurden
- die Position Israels: Susli verwies in ihrer Antwort auf einen Fragesteller, daß Israel mit seiner islamistenfreundlichen Politik in Syrien Verschiedenes erreichen möchte: dauerhafte Sicherung der syrischen (aber israelisch besetzten) Golanhöhen, Balkanisierung Syriens, Unterstützung kurdischer Separatisten, dauerhafte Schwächung der Achse Beirut-Damaskus-Teheran
- die Bedeutung der Sanktionen gegen das syrische Volk (Anderson: einzige positive Ausnahme im Westen ist Tschechien)
- die Rolle der Moslembruderschaft in der Türkei, in Syrien, in Ägypten
- die Heuchelei des Westens, wonach US-Angriffe auf Zivilisten ständig als bedauerliche, fehlerhafte »Einzelfälle« relativiert werden, während syrisch-russische Bombardements pauschal als Verbrechen dargestellt werden, selbst wenn sie sich nachweislich gegen Terroristenstrukturen richten.

Nachmittags referierten u. a. noch Dr. Salem El-Hamid und William Engdahl. El-Hamid, der kein gutes Haar an der destruktiven Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ließ, veröffentlicht in diesen Tagen seine deutsch-syrische Lebensgeschichte, während Engdahl zuvor die Heartland-Theorie sowie die Geschichte der US-Hegemonie und ihr zuarbeitender Denkfabriken wiedergab. Er hob zudem die Rolle der Öl-Konzerne hervor, die eng verschränkt mit der US-Politik agieren würden. Aufschlußreich waren auch seine Ausführungen zum Projekt Neue Seidenstraße und der Shanghai Cooperation Organisation (SCO). Man darf gespannt sein, was Rußland, China und weitere Staaten auf dem Weg zu einer neuen multipolaren Weltordnung leisten werden. Die USA sieht Engdahl jedenfalls am Anfang vom Ende: »Amerika ist ein Hegemon im Untergang.«

Die Gesellschaft für Internationale Friedenspolitik bereitet eine DVD der Veranstaltung vor. Sie wird hier zu beziehen sein. Die GIF-Vorsitzende Friederike Beck, die aus gesundheitlichen Gründen der Veranstaltung fernbleiben mußte, hat außerdem ein neues Buch veröffentlicht, das bei Interesse am Thema »Massenzuwanderung« über Antaios zu beziehen ist. 2017 soll ein weiterer Kongreß stattfinden, der sich am Niveau der diesjährigen Tagung zu orientieren hat.

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kommentare (10)

Der_Jürgen
25. Oktober 2016 16:09
Ganz herzlichen Dank, Benedikt Kaiser, für diesen hervorragenden Bericht.

Bezüglich der in Ihrem Artikel erwähnten trüben Rolle, die Israel bei der syrischen Tragödie spielt, sei auf folgendes hingewiesen: 1982 veröffentlichte der israelische Journalist Oded Yinon in der Zeitschrift "Kivunim" (Richtlinien) einen Aufsatz mit dem Titel "Einne Strategie für Israel in den achtziger Jahren", der vom Antizionisten Prof. Israel Shahak unter dem Titel "The Zionist Plan for the Middle East" ins Englische übersetzt wurde und leicht im Netz zu finden ist. Als Hauptfeind Israels ortete Yinon den Irak, dessen Auflösung für Israel "noch wichtiger als die Syriens" sei.

In vollem Übereinklang mit diesem Plan hetzten die Neokonservativen (Norman Podhoretz,Douglas Feith, Charles Krauthammer, Paul Wolfowitz, Richard Perle, Elliott Abrams, Bernard Lewis etc.) jahrelang zum Krieg gegen den Irak, der durch das gnadenlose Lebensmittelembargo (Madame Albright, 1937 als Tochter jüdischer Eltern in Prag geboren, zur Journalistin Leslie Stahl als Antwort auf deren Frage, ob der Tod von bis zu 500.000 irakischen Kindern durch Hunger kein zu hoher Preis sei: "Nun, es ist eine harte Wahl, aber ich denke, es ist es wert") schon schwer gebeutelt war. Unter dem lügenhaften Vorwand der "irakischen Massenvernichtungswaffen" führte Bush junior die Invasion des Irak durch, nachdem die unter falscher Flagge inszenierten Anschläge vom 11. September 2001 in der US-Öffentlichkeit ein interventionistisches Klima geschaffen hatten.

Am 9. April, dem Tag, an dem Bagdad fiel, schrieb der israelische Pazifist Uri Avnery: "Amerika kontrolliert die Welt, und wir kontrollieren Amerika. Nie zuvor haben Juden einen dermassen unermesslichen Einfluss im Zentrum der Weltpolitik ausgeübt."

(www. counterpunch.org/2003/04/09/the-night-after)

"Propagandistischer Antizionismus", nicht wahr, lieber Pirmin Meier?

Das Ergebnis: 2,2 Billionen Dollar Kosten für die USA allein bis März 2013; bisher über 5.000 gefallene und ca. 100. 000 verwundete Amerikaner. Die Zahl der irakischen Toten wird auf bis zu 1,4 Millionen geschätzt. Als Ergebnis der Anarchie entstand mit ISIS eine Terrororganisation, wie sie die Welt seit den Roten Khmer nicht mehr sah.

In Syrien wurde dasselbe versucht, mit bisher ca. 300.000 Toten oder mehr und vielen Millionen Entwurzelten. Und dies in einem Land, wo die Christen unter der Baath-Regierung volle Glaubensfreiheit hatten, wie früher unter Saddam im Irak. Aber der russische Bär lässt Assads Sturz Gott sei Dank nicht zu.

Zum Schluss eine durchaus nicht rhetorische, sondern sehr
ernst gemeine Frage an Pirmin Meier, der die Schweizer Politik zehnmal besser kennt als ich:

Mit welchen Mitteln die BRD-Lügenpresse kontrolliert wird, wissen wir (Atlantikbrücke, Aspen Institute etc. sowie direkte Bestechung, man lese Stefan Scheil, Eva Herman, Udo Ulfkotte). Wie wird denn in der Schweiz erreicht, dass (fast) alle Journalisten dieselben Lügen verzapfen, sei es über Syrien, die Ukraine oder die "Flüchtlinge"? (Rühmliche Ausnahme "Die Weltwoche"). Wie wird die Gleichschaltung bei uns durchgesetzt? Ich frage ja nur; vielleicht wissen Sie als ehemaliger Berater von Politikern es.

(Den von Ihnen im letzten Strang erwähnten Dr. Schlüer kenne ich übrigens; er ist ein wackerer Mann, hält sich aber auch an die roten Linien des Systems, ebenso wie der schneidige Roger Köppel. Man muss halt Realist sein.)
Meier Pirmin
25. Oktober 2016 17:08
@_derjürgen. Ich riet und rate noch heute jedem Politiker von falsch verstandener Solidarität ab. Mehr habe ich hier nicht zu sagen.
Dietrich Stahl
25. Oktober 2016 17:38
@Der_Jürgen
Ihre Darstellung der zionistischen Strategielinie Oded Yinon – Wolfowitz & Friends – Irakriege – Libyen – Syrien ist schlüssig.
Die Tagung des GIF skizziert sehr verdienstvoll die aktuellen ökonomischen/geopolitischen Spieler und Interessen.

Politische Probleme erinnern mich Zwiebeln. Die GIF Tagung entfernt vielleicht die zwei äußeren Schalen der Syrienzwiebel.
Wenn man die obige Strategielinie zeitlich weiter zurückverfolgt, schält man die syrische Problemzwiebel und nähert sich dem Kern. Und man sieht mit tränenden Augen, dass die Paneuropa Bewegung mit dem, was heute in Syrien geschieht verknüpft ist.

Graf Coudenhove-Kalergi und seine zionistischen Förderer sind genauso Glieder der Kette wie heute die zionistische Aktivistin Barbara Lerner Spectre, der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy und der US Stratege Thomas P. M. Barnett.

Youtube – Klartext Barbara Lerner Spectre
https://www.youtube.com/watch?v=p7flRWCzJfo

Sarkozy über strategische „Notwendigkeiten“
https://www.youtube.com/watch?v=gY3nVUD8eqE

Das vereinigende strategische Ziel ist die Umvolkung Europas. Sie ist der Kern der Zwiebel oder, wenn man so will, des Pudels.

Klar wird gerne mitgenommen, dass man noch ein paar Dollar verdienen kann – am Sterben und durch die Bodenschätze, die man sich unter den Nagel reißt.
Der Kern des Zwiebelzopfes Irak-Libyen-Syrien ist aber das NWO Motto Ordnung aus Chaos.
Arminius Arndt
25. Oktober 2016 18:27
nachdem die unter falscher Flagge inszenierten Anschläge vom 11. September 2001 in der US-Öffentlichkeit ein interventionistisches Klima geschaffen hatten.


Dem möchte ich widersprechen (maximal let it happen ist hier denkbar - möchte diese Diskussion aber nicht aufmachen und erspare uns allen daher eine Begründung). Und da ich dem Rest jetzt nicht ausdrücklich widerspreche, dürften Sie eigentlich zufrieden sein.

Aber jetzt zum Thema:
Syrien bestätigt den alten Spruch, dass das erste, was bei einem Krieg stirbt, die Wahrheit ist. Man kann als Außenstehender nicht richtig durch blicken.

Einen etwas kontroversen Punkt möchte anfügen: Russland agiert doch erstaunlich schwach, denn sonst wäre der Konflikt schon deutlich weiter in Richtung Assad verlaufen. So viel scheint Russland offenbar dann doch nicht aufzubieten zu können - oder zu wollen.

Dies stimmt nachdenklich, da damit eigentlich nur noch das Nuklearpotential die glaubhafteste Abschreckung Russlands darzustellen scheint - und das ist für uns in Europa meiner Meinung nach mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Ein Gleichgewicht des Schreckens hat im kalten Krieg vor allem auch deshalb recht gut funktioniert, da wir auf beiden Seiten gut durchorganisierte, rational agierende Player hatten, die zudem über ein enormes Eskalationspotential verfügten, ohne gleich zu Nuklearwaffen greifen zu müssen.

Wenn man es etwas enger sieht, dann sind wir wieder näher an einer atomaren Auseinandersetzung als vor 89 ... und wenn der Präsident der USA diejenige wird, welche interessierte Kreise schon immer haben wollten, dann sind wir noch einen Schritt weiter ...
Der_Jürgen
25. Oktober 2016 19:29
@Dietrich Stahl

Alles richtig, was Sie schreiben. Den Coudenhove-Kalergi-Plan dürfen Sie aber hier nicht mehr erwähnen. Über den wurde früher hier so ausführlich debattiert, dass Martin Lichtmesz jedem, der ihn nochmals zur Sprache droht, eine lebenslange Sperre angedroht hat. Das wollen Sie sich doch nicht antun, oder?

Auch die anderen von Ihnen erwähnten Damen und Herren sind mit ihren Aussprüchen den allermeisten Sezessionisten vermutlich längst ein Begriff. Aber es lesen hoffentlich auch Frischlinge mit, und für die ist all das vielleicht noch neu.
Dietrich Stahl
25. Oktober 2016 21:12
@Der_Jürgen

Danke für den Hinweis. Ich bin hier auch noch "the new kid on the blog".
Da kann man schon mal ins Fettnäpfchen treten.

Cheers.
Der_Jürgen
25. Oktober 2016 23:27
@Arminius Arndt

Sie werfen die legitime Frage auf, weshalb der Krieg ein Jahr nach der russischen Intervention nicht schon längst zu Assads Gunsten entschieden sei. Es gibt hierfür zwei Gründe:

1) Im Gegensatz zu den USA, die mit Vorliebe Hochzeitsfeiern und Begräbniszeremonien zu bombardieren scheinen, tun die Russen ihr Bestes, um zivile Opfer zu vermeiden. Dass es nicht ganz ohne solche abgehen dürfte, liegt leider in der Natur der Sache. Wenn man heute in Ost-Aleppo, wo die Halsabschneider die ganze Zivilbevölkerung als Geisel nehmen, militärische Positionen der Terroristen bombardiert, werden dabei zwangsläufig viele Zivilisten getötet oder verletzt. Baschar Assads Vater Hafez hatte solche Skrupel nicht. Als die Moslembrüder anno 1982 in der Stadt Hama einen Aufstand anzettelten, schlugen Assad seniors Truppen diesen innerhalb einiger Wochen nieder - um den Preis von ca. 20.000 zivilen Toten und der Zerstörung der Stadt.

2) Putin hat vor einem Jahr versprochen, keine Bodentruppen zu entsenden. Mit 50 Armata-Panzern und 2000 Speznaz-Kämpfern könnte man den Halsabschneidern sehr rasch "zeigen, wo die Krebse überwintern", wie man in Russland sagt, aber das widerspräche der erklärten Doktrin. Also geht es nur "the hard way", wie die Angelsachsen zu sagen pflegen. Jedenfalls werden die Russen dafür sorgen, dass Aleppo allerspätestens vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten im Januar, wer es auch sei, befreit wird. Das schaffen die, um eine sattsam bekannte "deutsche" Politikerin zu persiflieren.
Erik
26. Oktober 2016 08:34
Interessante Veranstaltung, guter Tagungsbericht. Klar ist mittlerweile, dass sich die Gründe für den „Konflikt“ aus vielerlei Faktoren speisen. Wirtschaftliche, geopolitische, religiöse. Viel gibt es darüber auch nicht mehr zu schreiben. Zumindest nicht, ohne Gefahr zu laufen sich ständig zu wiederholen. Wichtig wäre es nun, dass die Menschen nun endlich aufwachen und gegen dieses satanische Spiel der Westmächte und der Golfmonarchien opponieren.
Raskolnikow
26. Oktober 2016 10:06
Jungs, Jungs, Jungs ...

Immer wieder ließ ich es mir angelegen sein, hier auf die unbedingte Notwendigkeit einer globalen/außenpolitisch-strategischen Perspektive hinzuweisen; aber, um gottes Willen doch nicht so!

Laßt mich kurz replizieren: Diese Tagung ist sicher gut und schön, auch die Intention mit Syrern zu reden, anstatt mit den üblichen retirierten Generälen oder einem Scholl-Latour vom Grunde der Moccatasse zu lesen, ist hervorragend. (Ich weiß, Ihr liebt S-L, ich nicht, aber weder er noch wir sind hier das Thema, also haltet an Euch!)

Wer allerdings schon einmal im Orient war, wird feststellen, was "die Sichtweise der Einheimischen" bedeutet. Man sollte sich das anhören und zum eventuellen Gebrauch bereithalten, mehr nicht. Meine Oma kam erst vor ein paar Tagen mit einem rosaroten Zeppelin aus der in Rede stehenden Gegend zurück an die heimische Kaffeetafel. Sie fuhr mit ihrem Landauer die M5 von Süden nach Norden hinauf und sprach in recht kurzen Zeitabständen mit Männern verschiedener Gruppen (Liwa al-Quds, Nujaba, Basij und; Omas Lieblinge von der PLA), mit den syr. SOF-Offizieren, die den ausländischen Verbündeten zugeteilt sind, sowie mit Zivilisten aller Art und Nuance.

Glauben Sie ihr bitte, sie hörte von jedem eine schlüssige Version, worum es in diesem Krieg wirklich, wirklich!, ginge und wer was, wann, wo, wie, wozu tut. Und jeder hat auf irgendeiner Ebene, aus irgendeiner Perspektive recht. Nur, sind diese Sichten und Nuancen allein für Leute interessant, die sich dort bewegen.

Für uns als Deutsche/Europäer, als Oppositionelle, als intellektuelle Widerständler, die vllt. einmal verantwortliche Entscheidungen treffen werden müssen (Ja, ich bin wieder Optimist, was bestimmt an meiner starken Medikation, Tramal, Baclofen u.a., liegt, aber wer weiß ...!) sind diese Spielchen nichts als Kickifax! Ähnlich MH17, Brutkastengreuel in Kuweit, WMD im Irak oder die Faßbombenmärchen aus Syrien sollten uns die Diskussionen um UNO-Konvois oder White Helmets nicht interessieren.

Diese Bespaßungs- und Kriegsmotivationsgeschichtchen sind für die Massen gedacht und sollten ernsthafte Leute nicht interessieren, denn die Dinge, die wirklichen Dinge, laufen woanders ab. Und die Arbeit und Aufmerksamkeit, die z.B. Diplomaten unseres fake-Staates und zahlreiche Außenpolitikexperten in die Sortierung solcher Meldungen stecken, ist ein Witz sondergleichen und beweist nur Uninformiertheit und, vom Hegemon gewollte, Belanglosigkeit unseres Apparates.

Was läuft ab? Was ist für uns von Relevanz? (Ich hoffe, ich schaffe das irgendwie kurz zu halten, pirminsche Ausmaße liegen mir eigentlich fern ...)

In der Ukraine und in Syrien sehen wir zum ersten Mal das Aufeinandertreffen der Nachkriegsordnung und der Zukunft. Die Konfrontation des US-Imperiums und eines, vllt. des momentan entschlossensten, Herausforderers.

Es geht für uns nicht um Poroshenko, Kolomoijski oder Sacharchenko, Plotnitzki; auch nicht um Assad, Saud oder Bazani. Es geht vor allem um die Vereinigten Staaten von Amerika vs. die Russische Föderation.

Und auch wenn hier in kaum zu übertreffendem Maße des Bescheuertseins immer wieder vor einer russischen Hegemonie gewarnt und für einen "deutschen Weg" geworben wird, (Wir werden mindestens 10 Jahre brauchen, aus Deutschland überhaupt wieder einen Staat zu machen. An selbstständige Außenpolitik zu denken, ist Buddelkastengrößenwahn!) kämpft Russland momentan für alle Völker dieser Erde, um den Sturz des Wallstreet-Imperiums. Jeder Mann, dem die notwendigen und nicht zu unterschätzenden Demonstrationen in DD und anderswo zu wenig sind, fände hier eine hervorragende Betätigung!

Antwort Benedikt Kaiser:
In aller Kürze: Aleppo ist das wirtschaftliche Zentrum Syriens, die zweitgrößte Agglomeration nach Damaskus ...


Diese Sicht ist natürlich nicht falsch, aber sie ist, wie oben angedeutet, eben nur der unwichtige Teil der Antwort. Fällt Aleppo, ist Washington (erneut) blamiert. Die USA unterstützen die Terroristen mittlerweile ganz offen und die Russen machen ihnen den Garaus. Das ist keine Weltmacht mehr.

Seit der ersten Oktoberwoche ist das US-Imperium im freien Fall. Der Putsch den Ashton Carter und seine Cowboys gegen Obama-Kerry veranstaltet haben, ließ die Dinge zu Tage treten. Die Russen haben diese Schwächen genutzt und mit heftigen Schlägen beantwortet (Wer Bescheid weiß: Plutonium-Vertrag, S300/400, Venezuela, WDW in Ägypten, die Kuba-Vietnam-Frage, KalibrS, der Bunker im Samaam-Gebirge usw ...) Mit dem Angriff auf Deir-Ezz (dort starben 7 russ. FAC´s!) haben sich die Cowboys verspekuliert und alles läuft ganz schnell ab.

Russland agiert doch erstaunlich schwach, denn sonst wäre der Konflikt schon deutlich weiter in Richtung Assad verlaufen. So viel scheint Russland offenbar dann doch nicht aufzubieten zu können – oder zu wollen.


Lieber Arndt, ich glaube, Sie gehören auch zu den von mir angesprochen Vor-Russland-Warnern, bitte verlassen Sie doch mal Ihren Vorgarten!

Es geht eben nur in zweiter Linie um Assad. Natürlich haben sie recht, sowohl Syrien, als auch die Ukraine wären in zwei Wochen von US-Püppchen gesäubert. Das wird Putin ja von russ. Nationalisten immer vorgeworfen (Girkin und Co). Nur haben diese Kritiker keine Ahnung! Der Kreml will keinen full-scale-Krieg. Und ein großer Krieg ist auch unnötig. Es reicht, die Unfähigkeit des Imperiums zu demonstrieren.

Die Rückzüge vor der russ. Flugabwehr, der Versuch, die Takfiris aus Mossul nach Syrien (am besten Aleppo) zu schieben, der moderate Ton der letzten Wochen aus Think-Tanks usw.

Warten Sie ab, was passiert, wenn der russ. Trägerverband im Mittelmeer ist! Die Pjotr Weliki (und noch zwei weitere Schiffe) hat Oniks-Raketen an Bord. Ich bin sehr gespannt, denn US-Admiräle haben bereits geäußert, daß sie ihren eigen Verbänden eigentlich einen Mindestabstand von 250 bis 300 km befehlen müssten. Ob sie sich bei den Hardlinern durchsetzen, bleibt abzuwarten ...

Jedenfalls hat das russ. Verteidigungsministerium verkündet, diese Schiffe seien keineswegs für die Bekämpfung terroristischer Gruppen in Syrien gedacht.

Auch Israel unterstützt die JaS, aN, al-Zenki u.a., nicht, um Europa mit Flüchtlingen zu fluten, sondern, um das Imperium, ihre Schutzmacht zu stützen. Nur die Angst vor US-Feuerkraft garantiert die Unversehrtheit dieser Entität. Momentan wird diese Feuerkraft aber als virtuell entlarvt, als gigantischer Bluff. Wo sind denn die F-35? Das USAF-Kontigent im Irak, im persischen Golf und im Mittelmeer besteht aus F-16, F-18 - 70er-Jahre-Schrott (und Cruise Missiles)!

Wenn ich mich für den Mittelpunkt der Welt, oder den Mittelpunkt der Zwiebel halte, komme ich zu so absurden Schlußfolgerungen, wie der Syrienkrieg sei inszeniert worden, um Deutschland mit Flüchtlingen zu zerstören. Diese Art zu denken, hat Nietzsche sicher zu der Aussage inspiriert, jede Mücke halte sich für den Mittelpunkt des Universums ... Deutschland ist so unrelevant, wie nur irgendwas unrelevant sein kann.

Ich muss hier abbrechen, das wird zu lang. Und ich befleissige mich schon jener gewöhnlich-ordinären Sprache, die ich so verabscheue.

Meine Oma würde bestimmt zu einer strategischen Plauderstunde anreisen, sollte Kubitschek oder Lehnert (oder Kaiser?) Derartiges organisieren ....

Völlig zugedröhnt,

R.
Benedikt Kaiser
26. Oktober 2016 10:21
Könnte es ein besseres Schlußwort geben? Nein. Daher: Danke an alle Beteiligten.

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