03. November 2016

Christopher Lasch vs. Michael Seemann: Blinde Elite und globale Klasse

von Martin Lichtmesz / 83 Kommentare

Der Tagesspiegel hat letzte Woche einen interessanten  "Gastbeitrag" von Michael Seemann veröffentlicht, der ursprünglich für die Jungle World verfaßt, vom verantwortlichen Redakteur jedoch abgelehnt wurde. Der Artikel liest sich über weite Strecken wie eine linke Selbstkritik, die am Ende gerade noch in eine Art Selbstvergewisserung umgebogen wird.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Seemann berichtet aus dem Inneren einer löchrig gewordenen Blase, deren Bewohner gerade mit Verwunderung entdecken, daß diese beste aller Welten auch von "Anderen" bewohnt wird, die eine gänzlich andere Sicht auf die Dinge haben als sie selbst.

Ich fühlte mich an einen erheiternden Kommentar aus dem österreichischen Bobo-Blatt Fleisch (Nr. 38, 2/2016) erinnert, wo das Platzen der Blase im Gefolge der 49,7 % Stimmen für Norbert Hofer beschrieben wurde. "Wer, zur Hölle, sind die Anderen?" fragte der irritierte Autor:


Die längste Zeit waren die Anderen zwar viele, viel mehr als wir, aber sie waren bloß eine Art Füllpersonal für uncoole Wohngegenden. Sie zählten nicht. Sie schienen keine Musik zu haben, keine Ideen, keinen Sinn für Fortschritt, stattdessen langweilige Jobs und Autos mit Garagenplätzen.

Sie waren das Gegenteil einer Hegemonialmacht und sie machten auch keine Anstalten, eine zu werden. Wir erdachten eine Welt aus Homo-Ehe, DJ-Kultur, Euro-Rettungsschirmen, Elektroautos und veganen Burgern, und errichteten ein System, das die von uns für prima befundenen Sachen für uns umsetzte. (Wie wir genau dieses System errichteten, ist gar nicht so einfach zu erklären, aber dass es existiert, können alle Gegner des Systems bestätigen.) Die Anderen kriegten die Homo-Ehe, die veganen Burger und all das per Gesetz oder Markt auch geliefert, sie mussten es ja deshalb nicht konsumieren. Manchmal ließen die Anderen deshalb ein Grummeln vernehmen, aber dann drehten wir den Volumen-Regler der DJ-Kultur etwas lauter und weg war es.

Wenn es nach uns gegangen wäre, hätte es immer so weiter laufen können.

KRACH! TRUMP! PAFF! GRENZZÄUNE! ORBAN! KAWUMM!
BREXIT! HOFER!


Irgendjemand hat unser System kaputt gemacht.


Ähnlich Seemann (Jahrgang 1977):


Die westliche Welt ist in heller Aufregung. Von überall her sprießen neue rechte Bewegungen aus dem Boden oder gewinnen an Fahrt. Von Trump, über AfD, FPÖ, Le Pen bis zu Brexit scheinen sie Leuten eine Stimme zu geben, die vorher glaubten nicht zu Wort gekommen zu sein. Seitdem wird abseits der “besorgten Bürger” gerätselt, was die Ursachen für diesen Unmut sein könnte.


Das liest sich für unsereiner auf der anderen Seite der Barrikade einigermaßen drollig. Was bloß, was könnten bloß die "Ursachen für diesen Unmut" sein? Seemann weist die gängige Erklärung, es handele sich bei den Besorgten und Unmutigen um bloße "vom kapitalistischen System abgehängte Globalisierungsverlierer", als zu einfach zurück:


Zwar ist es richtig, dass sich das Heer der Frustrierten zu einem Gutteil aus geringverdienenden und wenig gebildeten Dienstleistungsarbeiter/innen speist. Aber da ist ist noch eine zweite, fast genau so große Gruppe. Das mittlere Bürgertum ist ebenfalls gut vertreten auf den Barrikaden. Heinz Bude spricht schon von einer strategischen Allianz aus Arbeiterschaft und frustriertem Bürgertum. Doch während sich die Motivlagen der prekär Beschäftigten marxistisch deuten lassen, passen die Wutbürger nicht so recht ins Bild.

Ist das nicht ein merkwürdiger Klassenkampf, in der Arbeiter und Bürger Seit an Seit gemeinsam kämpfen?


Seemann konstatiert nun äugleinreibend und wimpernklimpernd, daß sich der Zorn dieser Arbeiter und Bürger seltsamerweise auf die Klasse oder Kaste richtet, der er selbst angehört:


Uns? Sie meinen tatsächlich uns?

Ja, das tun sie. Arbeiter und Bürger haben sich zusammengeschlossen, um gegen eine dritte Klasse zu kämpfen.

 




Offenbar gibt es in dieser "dritten Klasse" einen "blinden Fleck", und Seemann fordert sein Milieu auf, sich ihm zu stellen:


Man muss, statt den Frust der Wutbürger als verkappten Verteilungskampf wegzuinterpretieren, einmal hinhören, was diese Leute von sich geben. Man muss sich in sie hineinversetzen, muss den Slogans lauschen und ihre Narrative nachvollziehen. Man muss zwar nicht ihre Ängste, aber ihre Parolen ernst nehmen.


Er gibt die Sichtweise unseres Lagers ziemlich korrekt wieder:


Da ist zunächst die Erzählung einer Verschwörung, über alle Parteigrenzen hinweg. Es gäbe gar keine echte Demokratie mehr, sondern nur noch die Einheits-Blockpartei CDUSPDFDPGRÜNELINKE. Auch die Medien (“Lügenpresse”) steckten mit unter der Decke. Gut wird empfunden, dass die endlich Gegenwind bekämen (Trump, Le Pen, AfD, FPÖ, Brexit) und sich eine „echte Alternative“ (Alternative für Deutschland, Alt-Right-Movement) bildete.


Ja, ist so. Bloß hat das mit "Verschwörungen" nichts zu tun. Für alle, die noch Augen im Kopf haben, liegt das offen zutage. Wer mitten in der Soße steckt und obenauf auf der Suppe schwimmt, wird sich freilich schwertun, es zu sehen.


Es ist leicht, diese Vorstellungen als Spinnerei abzutun, aber wenn man sich die drei wesentlichen Eckpfeiler der neurechten Programmatik besieht – Migration, Globalisierung und Political Correctness – dann ist nicht zu leugnen, dass es in diesen Bereichen tatsächlich einen gewissen Grundkonsens in den Medien und Parteien (die CSU mal ausgeschlossen) gibt.


Nun: Die CSU ist nichts weiter als der Good cop der CDU, der den Unmutigen noch einen Rest von Pluralismus vorspielt. Sie hat eine Alibi- und Ventilfunktion. Ihre Abweichungen vom Grundkonsens sind in der Regel minimal, und sie ist ebenso fixer Bestandteil des Bundessandkastens wie der Rest der genannten Parteien.


Ein Konsens, von dem allerdings gerne angenommen wird, dass es ein gesamtgesellschaftlicher Konsens ist. Weil es vernünftig ist. Weil es menschlich ist. Weil es das einzig richtige ist. Da müssten doch alle dafür sein. Nicht?


Nein, es sind eben nicht "alle dafür". Zur Verblüffung all jener Bien-pensants, die dachten, sie wären endgültig angekommen in der Welt der Vernünftigen, Menschlichen und Richtigen, in der man nichts mehr falsch machen kann. Und gerade diese Klientel muß nun von Seemann daran erinnert werden, daß "politische Verortung eine Frage der Perspektive ist", was für jeden Rechten eine Selbstverständlichkeit ist.

Wie William F. Buckley sagte:


Liberals claim to want to give a hearing to other views, but then are shocked and offended to discover that there are other views.

Die (Links-)Liberalen beteuern, daß sie anderen Sichtweisen Gehör schenken wollen, und sind dann schockiert und beleidigt, wenn sie darauf kommen, daß es andere Sichtweisen gibt.


Seemann weiter:


So wie Köln und Düsseldorf sich als grundverschiedene Städte begreifen und der Berliner nur “Ruhrpott” sieht, sehen die besorgten Bürger in uns eine homogene Gruppe.


Umgekehrt wird ein Schuh daraus!


Wir sind das nicht gewohnt, weil es unserer binnenwahrnehmung widerspricht. Aber das spielt keine Rolle, denn wir werden von rechtsaußen so wahrgenommen. Und wir werden längst so referenziert. Donald Trump und das Alt-Rightmovement haben einen Namen für uns. Sie nennen uns „the globalists“.


Hier wäre der erste Einspruch fällig: "Globalisten" meint nicht in erster Linie das Fußvolk der Blogger, Journalisten und der "Digital Bohème", aus deren Reihen sich Seemann rekrutiert, also all jene Shareholder am konformen, ubiquitären Rauschen der Meinungsmache, die hoffen, auf diese Weise auf der Seite der "Globalisierungsgewinner" zu bleiben und am Herrschaftskuchen mitnaschen oder sich zumindest in seinem Abglanz sonnen zu dürfen.

"Globalisten" sind für den Rechtspopulisten in erster Linie die großen Tiere, die inter- und übernationalen Finanz-, Wirtschafts-, Medien- und Bildungsmächte, die einen weltweiten "Globalismus der offenen Grenzen" (Open border globalism) durchzusetzen versuchen und deren Hauptversuchsanstalt momentan "die westliche Welt" ist.

Man könnte diesen Komplex durchaus altlinks als "Kapitalismus" bezeichnen (wie es Benedikt Kaiser in seinen exzellenten "Thesen zur europäischen Rechten" in der aktuellen Sezession tut), und die große Nuß für jene Linken, die darüber "erschrecken" (es sind nur sehr wenige, denen dies überhaupt auffällt!), daß sie sich, so Seemann, "in so vielen politischen Fragen auf einmal an der Seite von Angela Merkel" wähnen, ist die Frage, warum es gerade die Mächte des Kapitals sind, die heute ihre Lieblings-Agenden wie Migration, Multikulturalismus, Political Correctness oder "Menschenrechte" unterstützen.revolution




Als Mitglied der angegriffenen Klasse geht es Seemann jedoch vor allem um die Verteidigung des eigenen Status in dem großen Schema. Seine (Selbst-)Beschreibung der "globalisierten Klasse der Informationsarbeiter, der die meisten von uns angehören und die viel homogener und mächtiger ist, als sie denkt", ist ziemlich anschaulich und treffend:


Es sind gut gebildete, tendenziell eher junge Menschen, die sich kulturell zunehmend global orientieren, die die New York Times lesen statt die Tagesschau zu sehen, die viele ausländische Freunde und viele Freunde im Ausland haben, die viel reisen, aber nicht unbedingt, um in den Urlaub zu fahren. Es ist eine Klasse, die fast ausschließlich in Großstädten lebt, die so flüssig Englisch spricht, wie ihre Muttersprache, für die Europa kein abstraktes Etwas ist, sondern eine gelebte Realität, wenn sie zum Jobwechsel von Madrid nach Stockholm zieht. (...) Diese neue globalisierte Klasse sitzt in den Medien, in den StartUps und NGOs, in den Parteien und weil sie die Informationen kontrolliert (liberal Media, Lügenspresse), gibt sie überall kulturell und politisch den Takt vor. (...) Diese Klasse entspringt dem Bürgertum, aber hat sich von ihm emanzipiert. (..)

Irgendwann begann sich der progressivere Teil des Bürgertums sozial enger mit seinesgleichen über Ländergrenzen hinweg zu vernetzen und kulturell zu orientieren. Die globale Klasse entstand und hat den kulturellen Wandel der Globalisierung beschleunigt. Globale Standards nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in Politik, Kultur und Moral. Die progressiven, zunehmend global orientierten haben die anderen einfach abgehängt. Aber weil sie anders herrscht und weil sie sich dabei mit der Gesellschaft selbst verwechselt, merkt sie es nicht mal. Sie hat keine Gewalt auf ihrer Seite und die meisten haben noch nicht einmal wahnsinnig viel Geld. Im Gegenteil. Die globale Klasse hat zwar sehr reiche Individuen hervorgebracht, vor allem im Silicon Valley, aber interessanter Weise nutzen sie diesen Reichtum vor allem wieder, um es in diskursives Kapital zurückzuverwandeln; in andere StartUps oder in ambitionierte Weltrettungsprogramme. Denn insgeheim weiß sie längst, was die eigentliche Quelle ihrer Macht ist: Sie kontrolliert den Diskurs, sie kontrolliert die Moral.


Auch die heutige Linke ist heute nichts anderes als ein Mitläufer und Mitschwimmer in dem großen nordamerikanisch-globalistisch-kapitalistischen Strom:


Wer die Jungleworld liest, gehört unweigerlich zur globalen Klasse. Egal, wie linksradikal oder gar kommunistisch sich die Leser hier wähnen mögen, mit ihrem Weltbild sind sie uneingestandener Maßen viel näher an Obama und Justin Trudeau, als an den meisten Deutschen. Wir halten trotz der „neoliberalen Scheiße“ die EU für eine gute Idee und gucken zu Hause Netflixserien im Original. Wir haben uns losgesagt von den regionalen und nationalen kulturellen Standards, Idomen (gemeint ist wohl "Idiomen"), Weltanschauungen und sind auch noch stolz darauf. Wir rümpfen die Nase über die, die für ihre Identität und ihr Wertegefüge auf den Bezugsrahmen Nation nicht verzichten können oder wollen.


Die Titelzeile des Tagesspiegels bringt Seemanns Thesen folgendermaßen auf den Punkt:


Das Bürgertum hat die Deutungshoheit verloren. Eine neue, die globale Klasse hat die Herrschaft übernommen. Sie kontrolliert den Diskurs und die Moral.


Den Aufstieg dieser "globalen Klasse" hat der US-amerikanische Historiker und Sozialkritiker Christopher Lasch (1932–1994) bereits vor über zwanzig Jahren analysiert und kritisiert. Lasch war ein ehemaliger Sozialist, der für einen konservativen, kapitalismuskritischen Populismus eintrat. Als sein bekanntestes Werk gilt Das Zeitalter des Narzissmus (1979, dt. 1980), eine treffende und nach wie vor aktuelle Analyse der regressiven Folgen des westlichen Konsumindividualismus.

Sein 1995 – ein Jahr nach seinem Tod – erschienenes Buch Die blinde Elite (The Revolt of the Elites) warf der von Seemann beschriebenen Klasse vor allem eines vor: sich immer weiter von der Lebenswelt der "gewöhnlichen Menschen" – Arbeiter und Bürger – zu entfernen und in den Dienst einer letztlich postdemokratischen Ordnung zu stellen.

Dieser "neue Klassenkampf" besteht also nicht erst seit heute, und es sind die Eliten der "globalen Klasse", die ihn eröffnet haben, nicht umgekehrt. Wenn ihnen heute der Zorn der "Wutbürger", der Trump-, AfD-, Le-Pen- und Hofer-Wähler entgegenschlägt, dann bekommen sie lediglich die Rechnung dafür präsentiert, daß sie jahrzehntelang "die regionalen und nationalen kulturellen Standards" und  "Wertegefüge" (Seemann) verächtlich gemacht haben, dabei immer an der Zipfeln der Macht und des Geldes hängend oder gierig danach schielend. Wenn sie nun ganz unschuldig darüber "rätseln", woher dieser Zorn und "Unmut" kommen, dann deswegen, weil sie, wie Lasch bereits 1994 schrieb, blind für alles geworden sind, das außerhalb ihrer digitalisierten, globalisierten, kosmopolitischen Lebenswelt liegt.

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Es ist essentiell, zu begreifen, daß die von Seemann beschriebene Entmachtung des Bürger- und Arbeitertums auf nichts anderes hinausläuft als auf einen massiven Verlust der demokratischen Teilhabe, die ihnen auf dem Papier immer noch garantiert wird. Diese Teilhabe wird den Arbeitern und Bürgern zunehmend von einem medial-politischen Komplex verweigert, der gleichzeitig unaufhörlich den Begriff der "Demokratie" im Munde führt und seine Gegner und Kritiker routinemäßig als "un-" oder "antidemokratisch" diffamiert. Ist es da noch ein Wunder, daß sich diese Arbeiter und Bürger zunehmend um ihre Rechte und Interessen geprellt sehen, daß sie zunehmend gereizt auf die Versuche reagieren, sie einerseits therapeutisch nach bestimmten ideologischen Vorgaben zu erziehen, andererseits mit der Zuchtrute der politischen Korrektheit zu diffamieren und einzuschüchtern?

Die "Informationsarbeiter" der "globalen Klasse" betrachten es heute als ihre Aufgabe, das Hohelied des herrschenden demokratischen Simulacrums zu singen, der "Demokratur", wie Thorsten Hinz diese Spätphase des demokratischen Staats nennt. Als Hohepriester eines Diskurses, der keiner mehr ist (Lasch spricht von einer "verlorenen Kunst des Disputierens"), und als Profiteure der Macht haben sie keinen Grund zur Opposition gegen den Status quo. Dies kann Seemann freilich in dieser Deutlichkeit nicht erkennen, wohl geblendet durch seine Klasseninteressen:


Auf magische Weise hat das Bürgertum trotz Grundbesitz, privater Krankenvorsorge und leitenden Angestelltenfunktion die Deutungshoheit verloren. „Take Back Control“, der Slogan der Brexiter ist der eigentliche Schlachtruf all der neurechten Bewegungen. Es gibt gerade im Bürgertum das Gefühl des Kontrollverlusts. Gemeint damit ist der Verlust der kulturellen Hegemonie, der als nationale “Souveränität” erinnert wird.


Demgegenüber hat Lasch bereits in den neunziger Jahren die Partei dieses zurückgelassenen Bürgertums ergriffen, das immerhin einst als das Rückgrat der demokratischen Institutionen galt. Trotz aller Unterschiede zwischen den USA und der BRD gibt es genug Parallelen, die auch auf unsere Lage zutreffen – sind wir doch mehr oder weniger eine amerikanische Kolonie! Im Anschluß an Mickey Kaus schrieb Lasch:


Laut Kaus geht die schwerste Bedrohung für die Demokratie in unserer Zeit nicht so sehr von der ungleichen Verteilung des Wohlstands, sondern vielmehr vom Verfall oder der Preisgabe der öffentlichen Institutionen aus, in denen Staatsbürgerinnen und -bürger sich als Gleiche begegnen. (...) Das Dilemma unserer Gesellschaft liegt nach Kaus nicht einfach darin, daß die Reichen zu reich sind, sondern daß ihr Reichtum sie, mehr als es früher einmal der Fall war, vom gewöhnlichen Leben isoliert. Daß Manager und Angehörige höherer Berufe "routinemäßig als gesellschaftliche Klasse für sich anerkannt werden", hält Kaus für eine unheilvolle Entwicklung, ebenso wie "die selbstgefällige Verachtung, die diese Kaste für die wirtschaftlich und sozial weniger Privilegierten hegt".


Dem fügt Lasch hinzu:


Ein Teil des Problems liegt darin, daß wir den Respekt für solide körperliche Arbeit verloren haben.


... hier frage ich mich nebenbei, ob die prätentiöse Selbstbezeichnung "Informationsarbeiter" nicht ein inneres Unzulänglichkeitsgefühl gegenüber "echter" Arbeit kompensieren soll.

Lasch weiter:


Unter "kreativer" Arbeit verstehen wir abstrakte geistige Prozesse, die sich in einem Studio oder Büro abspielen, vorzugsweise computerunterstützt, und nicht die Produktion von Nahrung, Wohnraum und anderen Lebensnotwendigkeiten. Die intellektuellen Schichten sind auf verhängnisvolle Weise von der physischen Seite des Lebens abgetrennt (...). Ihre einzige Beziehung zur Produktion ist die von Konsumenten. Sie haben keine Erfahrung darin, irgend etwas Substantielles oder Dauerhaftes herzustellen. Sie leben in einer Welt der Abstraktionen und Symbole, einer simulierten Welt, die aus computergenerierten Modellen der Welt der Realität besteht, einer "Hyperrealität", wie sie genannt wurde, im Unterschied zu der handgreiflichen, unmittelbaren, physischen Realität, in der gewöhnliche Menschen zu Hause sind.


Laschs Beschreibung dieser Klasse – zu ihr zählen Betätigungsfelder wie Banken, Immobilienhandel, Ingenieurswesen, Consulting, Publizistik, Systemanalyse, Werbung, Verlagswesen, Film, Fernsehen, Unterhaltung, Journalismus, die Universitäten, die Künste und die Literatur – ähnelt Seemanns aufs Haar. Diese Eliten "operieren" auf einem "Markt", der "internationale Reichweite" hat:


Die neuen Eliten sind mehr am reibungslosen Funktionieren des Systems als Ganzem interessiert als an irgendeinem seiner Teile. Ihre Loyalitäten - wenn der Begriff als solcher in diesem Zusammenhang nicht anachronistisch ist - sind eher internationaler als regionaler, nationaler oder lokaler Natur. (...) Die Geld- und Bevölkerungsbewegungen über die Ländergrenzen hinweg haben (...) die grundlegenden Vorstellungen von Zugehörigkeit transformiert. Die privilegierten Klassen in Los Angeles empfinden mehr Verwandtschaft mit Leuten ihrer Art in Japan, Singapur und Korea als mit den meisten ihrer eigenen Landsleute.


Das hat weitreichende politische Implikationen:


Volksbefragungen über die Vereinigung Europas enthüllten eine sich immer weiter vertiefende Kluft zwischen der Kaste der Politiker und den gewöhnlichen Mitgliedern der Gesellschaft, die befürchten, daß Bürokraten und Technokraten, die kein Gefühl für nationale Identität oder Bindungen haben, die europäische Wirtschaftsgemeinschaft beherrschen werden. Ein von Brüssel aus regiertes Europa wird aus ihrer Sicht der Kontrolle durch das Volk und den politischen Interessen des Volkes immer weniger zugänglich sein. Die internationale Sprache des Geldes wird die lokalen Sprachen übertönen. Das Wiedererstarken des ethnischen Partikularismus in Europa ist unter anderem auf solche Ängste zurückzuführen. (...)

Die Denationalisierung von wirtschaftlichen Unternehmungen geht mit der Herausbildung einer Klasse von Kosmopoliten einher, die sich selbst als "Weltbürger verstehen, ohne jedoch auch nur einen geringen Teil der Verpflichtungen zu übernehmen, die normalerweise mit der Zugehörigkeit zu einem Gemeinwesen verbunden sind" (Lasch zitiert hier Robert Reich).


Wie gesagt: Lasch schrieb diese Sätze bereits Anfang der neunziger Jahre.




Nach Lasch ist nun "Beherrschung" zur "Obsession" der "intellektuellen Schichten" geworden – Beherrschung vor allem des Lebens jenseits der "sozialen Konstrukte" (ihrer prägenden Ideologie) und der "artifiziellen Umwelt", gegen die "unvorhersehbaren Wechselfälle der menschlichen Existenz". Damit haben sich diese Eliten "von der Realität selbst" losgesagt. In diesem Zusammenhang ist vielleicht interessant, daß Seemann ein Buch über den "digitalen Kontrollverlust" veröffentlicht hat.

Nun, wenn man schon die eigenen Daten nicht mehr kontrollieren kann und feststellt, daß man selbst auch nur eine kleine kontrollierte Fliege im großen globalen Datennetz ist, dann bleibt vielleicht die Kompensation, wenigstens noch Einfluß auf die öffentlichen Diskurse nehmen, gar sie kontrollieren zu können. Wie Seemann selbst sagt: Die globale Klasse "kontrolliert den Diskurs und die Moral".

Insofern ist es ziemlich heuchlerisch, wenn er ein paar Absätze später behauptet:


Und weil man gegen die globale Klasse nicht moralisch und argumentativ gewinnen kann, bleibt der alternativen Rechten nur noch, jede Moral und jedes Argument zu verweigern.


Das Gegenteil trifft zu: Es ist umgekehrt die "globale Klasse", die via Diskurskontrolle heute hartnäckig jegliche argumentative Auseinandersetzung (etwa über die "Flüchtlingskrise" und die Realität der multikulturalistischen Ideologie) verweigert, verhindert und unterdrückt, und zwar eben deswegen, weil sie allmählich spürt, daß sie sich derart ins Unrecht gesetzt hat, daß sie in einem offenen Disput nicht mehr "argumentativ gewinnen kann". Anders kann man sich ihre hysterischen Abwehrreaktionen und ihre Stasi-Maßnahmen à la Heiko Maas kaum erklären. Sie verschanzt sich hinter ideologischen Begriffen und Schlagwörtern, die sie wie Keulen zum Diskussionsabbruch einsetzt. Erneut Lasch:


Sobald Wissen mit Ideologie gleichgesetzt ist, braucht man mit Gegnern nicht mehr aus intellektuellen Gründen zu argumentieren oder sich auf ihren Standpunkt einzulassen. Es genügt, sie als eurozentrisch, rassistisch, sexistisch oder homosexuellenfeindlich, mit anderen Worten: als politisch suspekt abzuqualifizieren.


Und:


Die Kulturkriege, die Amerika seit den sechziger Jahren erschüttern, versteht man am besten als eine Art Klassenkampf, in dem eine (selbsternannte) aufgeklärte Elite nicht etwa versucht, der Majorität (einer Majorität, die als unverbesserlich rassistisch, sexistisch, provinziell und fremdenfeindlich angesehen wird) ihre Wertvorstellungen aufzudrängen, geschweige denn, diese Majorität mit den Mitteln einer rationalen öffentlichen Debatte zu überzeugen, sondern bestrebt ist, parallele oder "alternative" Institutionen zu schaffen, die jede weitere Konfrontation mit den Unaufgeklärten überflüssig machen.


Sobald nun die "Liberalen der oberen Mittelschicht" auf Widerspruch stoßen, reagieren sie meistens gereizt und aggressiv:


Wenn sie mit Widerstand gegen diese Initiativen (etwa hygienische oder politisch korrekte Kreuzzüge) konfrontiert sind, legen sie den giftsprühenden Haß an den Tag, der unter der Oberfläche der wohlwollenden Obere-Mittelschicht-Einstellung liegt. Angesichts von Opposition vergessen Streiter für die humanitäre Sache die liberalen Tugenden, die sie zu verfechten glauben. Sie werden gereizt, selbstgerecht und intolerant.


Die Argumente unserer "Informationsarbeiter" sind indes inzwischen imposant angewachsen, wobei der derzeitige Zustand der Lügen-, Lücken- und Lumpenpresse uns eine Steilvorlage nach der anderen liefert. Seemann steckt wohl immer noch so tief in seiner Klassenblase, daß er noch gar nicht weiß, daß es überhaupt Gegenargumente gibt.

Was die "globale Klasse" dagegen "Moral" nennt, meint in der Regel nur eine bestimmte, absolut gesetzte, und verengte Form von Moral, als Gesinnungsmoral, Hypermoral, abstrakte oder partikulare, zumeist erpresserisch gehandhabte Moral; das sogenannte "moralische" oder "hypermoralische" Argument dient in der Regel dazu, sachliche Argumente in Hate facts zu verwandeln und die Diskussion mit rhetorischen Nebelkanonen einzudecken. Es ist ja so einfach, sich in der bequemen Vorstellung zu wiegen, man habe "die Moral" für sich gepachtet! Die globale Klasse ist in ihrer Selbstgerechtigkeit unfähig, ihre eigenen Moralvorstellungen zu hinterfragen und zu kritisieren. Es liegt auf der Hand, warum das so ist: "die Moral" ist ihre stärkste Waffe zur Kontrolle des "Diskurses".




"Moral" wird dabei auch meistens mit politisch korrekten Ideologemen identifiziert. Auch das gibt Seemann mehr oder weniger zu:


Sie (die "kulturell Abgehängten") merken, dass uns ihre Welt zu klein geworden ist, dass wir uns moralisch überlegen fühlen und dass wir nach größerem streben. Vor allem merken sie, dass wir dabei erfolgreich sind, dass wir auf diesem Weg die Standards definieren, die nach und nach auch an sie selbst angelegt werden. Ökologische, antirassitische, antisexistische Standards. Politisch korrekte Standards eben. Und die Standards, die dabei entwertet und verdrängt werden, kamen mal aus dem Bürgertum, aus einer Zeit, als sie noch das Sagen hatten. Es ist eine kulturelle Gentrifizierung.


Vergleiche dies mit Christoper Laschs Analye:


Die gleichzeitig arroganten und unsicheren neuen Eliten, insbesondere die höheren Berufsstände, stehen den Massen mit einer Mischung von Geringschätzigkeit und Besorgnis gegenüber. In den USA symbolisiert "Middle America"- ein Begriff, der sowohl das konservative Kleinbürgertum als auch die geographische Zone bezeichnet, in der sich sein Einfluß am stärksten bemerkbar macht - mittlerweile alles, was dem Fortschritt im Wege steht: "Familiensinn", geistloser Patriotismus, religiöser Fundamentalismus, Rassismus, Homophobie, rückständige Ansichten über Frauen. In den Augen der meinungsprägenden Gebildeten sind die "Middle Americans" hoffnungslos schäbig, altmodisch und provinziell, nicht auf dem laufenden, was Veränderungen im Zeitgeschmack oder in intellektuellen Trends angeht, süchtig nach kitschigen Liebes- und Abenteuerromanen und durch Dauerfernsehen verblödet. Sie sind lächerlich, aber gleichzeitig auch irgendwie bedrohlich, nicht etwa, weil sie die bestehende Ordnung stürzen wollten, sondern weil ihre entschiedene Verteidigung eben dieser Ordnung offenbar von so irrationalen Motiven gesteuert ist, daß sie sich auf der höchsten Intensitätsstufe als fanatische Religiösität äußert, als repressive Sexualität, die sich gelegentlich in Gewalt gegen Frauen und Homosexuelle Bahn bricht, und in einem Patriotismus, der imperialistische Kriege und eine nationale Ethik aggressiver Männlichkeit unterstützt.


Man erkennt in dieser Karikatur unweigerlich Hillary Clintons "Basket of deplorables" wieder:


Man könnte die Hälfte von Trumps Unterstützern in einen, wie ich es nenne, „Korb der Erbärmlichen“ stecken. Sie sind rassistisch, sexistisch, homophob, xenophob, islamophob...


Worauf Trump via Twitter antwortete (10. September 2016):


Wow, Hillary war so BELEIDIGEND zu meinen Unterstützern, Millionen von großartigen, hart arbeitenden Menschen. Das wird sie Stimmen kosten.


Wie ein Kommentator des American Conservative bereits im April anmerkte:  Der Geist von Christopher Lasch kehrt im Phänomen Trump wieder:


Donald Trump ist eine schlechte Spielcasino-Nummer. Sicher. Er ist ein klassischer Demagoge mit einem gemeinen Zug. Er ist aber auch der Katalysator für den Widerstand des ländlich-proletarischen (yeoman) Amerikas gegen Globalismus, "Diversity" und progressive Dogmen. Wie konnte das passieren?, fragen sich die Eliten der Nation. Sie haben immer noch keine Ahnung, inwiefern ihre Arroganz den Trumpismus hervorgebracht hat, oder warum sich jemand mit so vielen Defekten stetig gegen alle Widerstände behauptet.

Fünfzig Jahre linksliberaler Kampagnen, um die amerikanische Gesellschaft inklusiv und "fair" nach genau festgelegten Vorgaben zu machen, sind nach hinten losgegangen. Das Steißbein des weißen Salz-der-Erde-Amerikas der Mittelschicht hat erkannt, daß man es im Stich gelassen und erniedrigt hat. Die verbindliche Anteilnahme der herrschenden Klasse am "Flyover"-Amerika – oder an der ganzen Nation, wenn wir schon dabei sind – ist lose oder noch weniger als das. Donald Trump ist für die Enteigneten ein Demagoge wie auf Bestellung.


Was hier auf die "Globalisten" zukommt, auf die großen ebenso wie auf ihr Fußvolk in der digitalen Bohème und anderswo, ist die Rechnung für ihr eigenes Versagen, ihre eigene Verblendung, ihre eigene Arroganz, ihre eigene Gier, ihre eigene Maßlosigkeit, ihren eigenen Narzißmus. Vielleicht ahnen einige in der Blase bereits, daß all dies nicht ewig so weitergehen kann, ohne mit einem großem Knall zu zerplatzen. Vielleicht ist Michael Seemann schon auf dem besten Weg zu dieser Erkenntnis. Ihm und seiner Kaste gebe ich noch ein Zitat von Christopher Lasch mit:


Das Schwinden der Fähigkeit zur Selbstkritik ist das sicherste Zeichen des Absterbens einer intellektuellen Tradition.


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Alle Zitate aus: Christoper Lasch: Die blinde Elite, Hamburg 1995.

 


Bild Christopher Lasch: wikimedia.org

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (83)

Stogumber
03. November 2016 08:04
Kleine Korrektur. Wenn Seemann von regionalen und nationalen "Idomen" spricht, dann meint er wahrscheinlich Idiome/idioms, nicht Idole.

Übrigens kann man vieles davon schon vor Lasch finden: bei Helmut Schelsky ("Die Arbeit tun die anderen"), der schon die Diskursherrschaft als formierendes Merkmal einer neuen Klasse beschreibt.
Hans_
03. November 2016 08:48
Großartig, wie Sie die Bezüge zwischen den Positionen herstellen, herzlichen Dank dafür. Das hat mir nach Benommenheit durch meine momentane Beschäftigung mit der Syrien-Propaganda eine angenehme geistige Klarheit und Entspannung verschafft.
Auch bei diesem Thema sind die Logiklöcher des Mainstreams scheunentorgroß. Genau wie bei angeblich sachlichen Auseinandersetzungen in der großen Institution, in der ich meine Brötchen verdiene. Immer mehr komme ich persönlich zu einer negativen Anthropologie, und traue uns Menschen ein von Herdendenken und argumentativer Immunisierung freies Miteinander in Großgruppen gar nicht mehr zu. Die konservative Antwort auf unser Mängelwesen, eng geführte Institutionen, ist für mich ein Zirkelschluss, denn welche erlauchte Gruppe sollte diese Systeme denn aufsetzen? Die Entwicklung in meinem beruflichen Feld empfinde ich als desillusionierend, nur die aberwitzigsten Änderungen werden von vernünftigen, langfristigen Planern gestoppt. Der Rest wird umgesetzt, die Nachteile unter den Teppich gekehrt, die Verantwortung geleugnet, relativiert und anderen zugeschoben.
Naja, solange die Widersprüche irgendwie wegerklärt werden können, läuft der Laden weiter. Und darin ist die Herde im Großen wie im Kleinen beeindruckend fähig.
Waldgänger aus Schwaben
03. November 2016 08:59
Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.
Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne?

(Kohelet 1,2 f)

Die Analyse Seemanns halte ich für mangelhaft, weil sie eine wichtige Triebfeder historischer Entwicklungen außer Acht lässt- die Transzendenz.

Die "dritte Klasse" hat, keine anderen Götter neben sich duldend, alles zerstört was ihr bei der Herrschaft über Ethik und Moral widersprechen könnte.

Allerdings war die Dritte Klasse nicht potent genug an die Stelle des Zerstörten etwas von gleicher Wirkmächtigkeit zu setzen.
Wofür soll der Geringverdiener, der Angehängte, Opfer in Kauf nehmen? Wofür soll der gut situtierte Bürger sich weiter anstrengen unter der Sonne?

Für Gott, Familie, Vaterland?

Alles zerschlagen und zerstört im Namen einer neuen, höheren Moral. Ist jemand aufgefallen, dass kaum noch Missbrauchsskandale in der rkk aufgedeckt werden, seit Franziskus auf Linie eingeschwenkt ist? Angefangen hat die Aufdeckung in den USA als der widerborstige Benedikt gegen den Irak-Krieg, gegen Abtreibung und Zerstörung der Familie noch deutlichere Worte fand, gar den Islam kritisierte.

Die Grünen haben 2013 gewaltig Stimmen verloren, weil sie den Anschein des Eindrucks erweckten, von den Menschen irgendein Opfer zu verlangen ("Veggie-day").
Niemand wird bereit sein für die Rettung der Herrschaft der Dritten Klasse auch nur einen Finger krumm zu machen, wenn es ernst wird.

Jetzt schon vertreten die Gobalisten rein defensive Positionen: Auf die Stärke der eigene Argumente vertrauen sie schon lange nicht mehr, sie setzen nur noch auf die Angst vor Veränderung, vor den Anderen, vor "Rassisten, Sexisten, Nazis".
Wenn nach dem Sieg eines Trumps, Hofers, oder wessen auch immer, nach einem erfolgreichen Brexit, diese Angst als unberechtigt entlarvt wird, wenn dann gleichzeitig wegen unausweichlich bervorstehenden Wirtschaftskrisen, echte Opfer für die große Masse notwendig werden, dann bricht diese letzte Verteidigungslinie zusammen.
Ein gebürtiger Hesse
03. November 2016 09:49
Von einem "Informationsarbeiter" wie Herrn Seemann ist freilich zu erwarten, daß er diese vorbildlich gründliche Analyse seines Textes liest, bedenkt und auf sich wirken läßt. Gerade ja auch, weil sie just aus der Ecke kommt, auf die er selbst einen Scheinwerfer richten möchte. Man könnte sich daher durchaus wünschen, daß er die Steilvorlage, die ML ihm bietet, annehmen und mit uns an dieser Stelle ins Gespräch eintreten würde. Kommen Sie, Herr Seeman, solche Gelegenheiten bieten sich nicht alle Tage ...
Th. Wawerka
03. November 2016 10:15
Lieber Lichtmesz,

vielen Dank für diesen erhellenden und instruktiven Artikel, den ich als das ideale pendant zum letzten Sellner empfinde - Sie behandeln Fragen, die für mich dort aufgeworfen wurden. Beide Artikel ergänzen einander.

Nicht nur ein Michael Seemann, sondern auch ein Slavoj Zizek hat den Schuss gehört und offenbart in seinem jüngsten Büchlein "Der neue Klassenkampf" eine ganz erstaunliche Einsichtsfähigkeit, verbunden mit heftiger Schelte der Linken.

Ansonsten fällt mir auf, dass auch durch Herrn Menzel immer wieder globalisierungs-/kapitalismuskritische Themen lanciert werden und der gute alte "Klassenkampf" auch in der NR noch nicht vollständig ad acta gelegt wurde. Ob sich hier perspektivisch Überschneidungen mit Linken ergeben können, die Deutschland nicht abschaffen wollen? Ist hier zumindest theoretisch ein Minimalkonsens denkbar? (Wobei man natürlich immer in eine unangenehm berührende Gemengelage gerät, wenn man die nationale Frage mit der sozialen Frage zusammendenkt ... aber es nützt ja nischt!)
CitizenKane
03. November 2016 10:49
Ich hatte schon mal geschrieben, dass es mich fast erschüttert, wie Lichtmesz meine Gedanken in einer akkuraten intellektuellen Form hinschreibt.
Als ich die ersten Absätze gelesen hatte, wollte ich dieses
Das Gegenteil trifft zu: Es ist umgekehrt die „globale Klasse“, die heute hartnäckig jegliche argumentative Auseinandersetzung (etwa über die „Flüchtlingskrise“ und die Realität der multikulturalistischen Ideologie) verweigert, verhindert und unterdrückt, und zwar eben deswegen, weil sie allmählich spürt, daß sie sich derart ins Unrecht gesetzt hat, daß sie in einem offenen Disput nicht mehr „argumentativ gewinnen kann“.

so erklären
Der Grund des Boykottes von Sellner ist nicht der, dass Sie die Aufwertung eines rechtsradikalen Satans verhindern wollen, sondern dass Sie wissen, in einem öffentlichen Schlagabtausch mit wenigstens marginalen Ansätzen objektiver Moderation vor normalem Publikum argumentativ untergehen würden.
Dass Sellner eine Majorität vertritt, die (noch) nicht weiß, dass Sie die Majorität ist.
Gustav Grambauer
03. November 2016 10:55
Opa Jockel rutscht schon ganz nervös auf seiner italienisch-minimalistischen Designer-Sessel-Skulptur herum:

http://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-die-fundamente-rutschen-1.3183134

Und Opa Udo pinkelt schnell noch, bevor die Presse nach gedrehtem Wind so etwas nicht mehr abdruckt, die bei den Linken verhaßte Helen Fischer an:

http://www.spiegel.de/panorama/leute/udo-lindenberg-fordert-helene-fischer-zu-mehr-engagement-gegen-rechts-auf-a-1119306.html

- G. G.
Johannes P.
03. November 2016 11:02
Ich möchte noch einmal ausdrücklich auf den Artikel hinweisen, den Seemann am Ende empfiehlt: "Zwischen Hyperkultur und Kulturessenzialismus" von Andreas Reckwitz. Vielleicht als ersten Schritt für eine konsensfähige Realitätsbeschreibung jenseits der Wahrnehmungsblasen.
Sagan
03. November 2016 11:10
Wo im Text von Seemann "Idomen" steht, ist das tatsächlich gemeinte naheliegenderweise nicht "Idolen", sondern "Idiomen".
Karl
03. November 2016 11:18
Lieber Herr Lichtmesz,
mit "Idomen" sind m.E. "Idiome" (nicht "Idole") gemeint: "Das Idiom (von griechisch ἰδίωμα (idíoma) ‚Besonderheit‘, ‚Eigenart‘[1]) ist die eigentümliche Sprache oder Sprechweise einer regional (Mundart) oder sozial (Soziolekt) abgegrenzten Gruppe..." (Wikipedia).
VG
Karl
Taunusadler
03. November 2016 11:43
Einer dieser Artikel mit dem wohl alles gesagt ist. Daß Seemanns Aufsatz nicht in der Jungle World erscheinen durfte spricht Bände über den Mangel an Selbstkritik innerhalb des linken Spektrums.
Die Erziehung zum "Weltbürgertum" ist ein Projekt der globalen Elite (der Fisch stinkt vom Kopf her), die "dritte Klasse"- vor allem jene die geldmäßig nicht sonderlich stark profitieren- sind lediglich darauf reingefallen und wollen sich nicht eingestehen, daß sie in einer Blase leben. Also umgeben sie sich konsequenterweise nur mit Leuten die ebenso darin verweilen. Die "Rechten" (Deplorables) sind deswegen so gefährlich, weil sie ihnen ihre Blase (und damit ihre "Welt") zum Platzen bringen könnten.
Die Realität so zu sehen wie sie ist ist eben nicht "schön", also wehrt man sich dagegen mit aller Kraft. "Linksliberale" sind in Wahrheit ängstliche Wesen und projezieren ihre eigene Angst auf den Gegner, der mit seiner Nadel auf ihre Seifenblase losgehen will.
Konkretes Beispiel: Was ist bequemer zu glauben? Daß Masseneinwanderung etwas total Natürliches, Ungefährliches und letzlich Gutes ist (der "Weltbürger" und "Kosmopolit" kann ja garnicht genug "Welt", also Fremde, um sich herum haben). Oder sich einzugestehen, daß wir ein massives Problem haben und einem politischen, militärischen und monetären schier übermächtigen Gegner gegenüberstehen, dem wir uns stellen müssen, weil er unser aller Existenz bedroht?
Diesen Kampf anzunehmen erfordert wahren Mut, aber weil kein Mensch sich eingestehen möchte ein Feigling zu sein, sagt man sich einfach die Rechten seien die Angsthasen ("Angst vor Veränderung").
Ich war vor kurzem auf einer "hippen" Party in Berlin, umgeben von Leuten aus der "dritten Klasse". Es war alles so krampfhaft auf Spaß getrimmt, so seelenlos... Die "dritte Klasse" macht sich andauernd etwas vor, daß ist mir an diesem Abend klar geworden.

Achja @ML: Ich finde es gut, daß Sie in ihrem Artikel ein paar "Memes" eingebaut haben. Bilder sagen oft mehr als tausend Worte und Humor ist eine Waffe gegen die moralische Hoheit der Linken.
Hillary Clinton sah sich sogar genötigt "Pepe den Frosch" öffentlich zu kritisieren, was unfreiwillig komisch war aber auch zeigt, wie effektiv dieses Mittel ist.
Paul
03. November 2016 13:30
Guter und erhellender Beitrag, Herr Lichtmesz.

Etwas anderes war auch nicht zu erwarten. Präzise analysieren und punktgenau schlussfolgern sind eben Stärken der Rechten, Konservativen und Libertären. Es sind bürgerliche Stärken.
Wer so an Dinge herangeht oder sie überdenkt, nähert sich der Wahrheit und Klarheit der Dinge.

Die von ihnen beschriebene Klasse halte ich im Grunde nicht für ideologisch geprägt. Ich halte hier eine Unterscheidung zwischen Ideologie und Weltanschauung für erforderlich.

Der für die Galerie und das eigene Gewissen grün angehauchte Gutmensch, der mit seinem SUV die 800 m zum nächstgelegenen Bio-Markt fährt (statt zu laufen oder ÖPNV zu nutzen - das ist ja eher was für die Unterschicht), um mit gutem Gefühl die völlig überteuerten Bio- Eier von glücklichen Bio-Hennen zu kaufen, ist im Besitz einer verqueren Weltanschauung.
Er oder Sie möchte gar nicht, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu guten Lebensmitteln, Kunst und Kultur oder weiterführenden Schulen und guten Berufen haben. Er oder sie möchte das nur denken oder anderen erzählen. Er oder Sie wünscht sich dies insgeheim nur für sich und seinesgleichen oder ihresgleichen.
Die Welt soll gut sein, für Menschen, die so sind wie sie und was sie unter einer guten Welt verstehen, bekommen wir jeden Tag in den Medien zu hören.
Das ist keine Ideologie. Das ist eine von extremen Narzissmus geprägte Sicht auf die Welt, das Leben und die Menschen.
Das ist weder Marxismus, noch Kapitalismus, noch Liberalismus......das ist einfach nur eine vergiftete und auch von geistiger Wohlstandsvermüllung geprägte Sichtweise.

Man könnte es auch ein neues Pharisäertum nennen. Das diese Menschen sich nicht oder nur partiell als Pharisäer oder Narzisten identifizieren können, wundert mich nicht.
Gustav
03. November 2016 14:27
KRACH! TRUMP! PAFF! GRENZZÄUNE! ORBAN! KAWUMM!
BREXIT! HOFER!

"Irgendjemand hat unser System kaputt gemacht."

Divide et impera, Herr Seemann! Die Globalisten (sprich: Imperialisten)
reagieren halt auf den wachsenden Unmut, genau so, wie sie es immer getan haben: Sie bereiten den Boden für einen vorgetäuschten Wechsel innerhalb ihres Systems vor. Die alten "nützlichen Idioten" dürfen gehen
(mit einem ordentlichen Knall), die neuen "nützlichen Idioten" übernehmen die Theaterbühne.

Solange das herrschende Geldsystem von den Protagonisten nicht in Frage gestellt wird, können sie sicher sein, das auf der Theaterbühne nur Marionetten rumhüpfen.

"Hinter der sichtbaren Regierung sitzt auf dem Throne eine unsichtbare Regierung, die dem Volke keine Treue schuldet und keine Verantwortlichkeit anerkennt. Diese unsichtbare Regierung zu vernichten, den gottlosen Bund zwischen korruptem Geschäft und korrupter Politik zu lösen, ist heute erste Aufgabe des Staatsmannes."
Theodore Roosevelt, "Aus meinem Leben", Leipzig 1914, S. 487
AfD-Mitglied KV WB
03. November 2016 14:28
Als AfD-Mitglied des KV Wittenberg, ein Kreisverband der durch ganzheitliche politische Lähmungserscheinungen gezeichnet ist, habe ich mich bereits parteiintern zum Thema geäußert.
Um den Prozess der Globalisierung zu verstehen, hilft uns der Begriff der "globalen Klasse" nicht weiter. Die Funktionseliten (Manager, Chefredakteure, Geschäftsführer, Referenten, Abgeordnete,...) aus Politik und Wirtschaft sind in jedem globalisierten Staat auf den neoliberalen Finanzkapitalismus ausgerichtet, sie sind darin verwoben.

Der Neoliberalismus ist die ideologische und praktische Grundlage der Globalisierung. Neoliberalismus ist ein Dogma und stützt sich auf: Die Vorstellung, dass nur freier Handel die Wohlfahrt steigert, dass Märkte von sich aus effizient sind, dass private Wirtschaft grundsätzlich stabil ist, dass Krisen als Folge staatlicher Eingriffe auftreten, dass Gewinnmaximierung zu Lasten des Humankapitals (Ausbeutung) zulässig ist und dass Eigentum an den Produktionsmitteln die institutionelle Grundbedingung des neoliberalen Projektes ist.
Demzufolge wird jede staatliche –insbesondere demokratische- Einflussnahme auf die ökonomische Globalisierung abgelehnt und denunziert. Regulierungen und Steuerungen werden als Protektionismus bekämpft.
Notwendig ist eine Neubewertung des Begriffes Protektionismus. Es gilt das Primat der Politik:
1. Es gibt Grenzen die man nicht überschreiten darf
2. Es gibt schutzwürdige Güter, Werte und Normen der Gesellschaft
3. Die Herabwürdigung und Verächtlichmachung von Protektionismus denunziert Schutzbedürftige und Benachteiligte in der Gesellschaft und der Staatenwelt. Ein globales Selektionsprinzip wird durchgesetzt: Das Recht des Stärkeren
4. Es muss der demokratischen Entscheidung einzelner Staaten überlassen bleiben, was sie in welchem Ausmaß für schutzbedürftig halten und was nicht.
5. Es gibt keine politische oder wirtschaftliche Ordnung ohne Protektionismus, sondern immer nur die Frage, was oder wer in wessen Interesse geschützt wird (Investitionen, Gewinnerwartung der transnationalen Konzerne oder das Allgemeine Wohl der Bevölkerung vor Ort).
Nach Aussage des Wirtschaftsministers Gabriel vor dem Parteikonvent zur Beratung über CETA wäre die Globalisierung bisher ein rein wirtschaftlicher Prozess für die Interessen der Konzerne gewesen aber nun seien die Menschen und ihre Anliegen und Bedürfnisse Inhalt eines internationalen Vertrages.
Das ist natürlich Betrug, der sich gegen uns alle richtet. Die offizielle Politik der Globalisierung der letzten 25 Jahre war niemals rein betriebswirtschaftlich oder einzelwirtschaftlich begründet worden, man hatte immer den allgemeinen Wohlstand als Ziel und Beweggrund vorgeschoben. Dabei hatte die regierende Politik geflissentlich über Monopolisierung, Marktbeherrschung, private Machtkonzentration und Ent-Demokratisierung, welche die Deregulierung und Liberalisierung des internationalen Kapital- und Warenverkehrs zur Folge hatten, geschwiegen.
Bereits mit dem Maastricht- und dem WTO-Vertrag (Ratifizierung im BT am 29. Juni 1994) kam es zu einer einseitigen Festlegung auf ein bestimmtes Wirtschaftsprinzip und zu einer schrittweisen Aushebelung der Handlungskompetenz der demokratischen Verfassungsinstitutionen auf nationaler Ebene. Wettbewerb, Kapital- und Warenverkehrsfreiheit sind in der EU ein Primärrecht, also ein über allen anderen Bestimmungen stehender Rechtsgrundsatz. Die Verfasstheit der EU ist also Motor der real-existierenden Globalisierung. Was auf nationaler Ebene nicht möglich ist, wird über den Umweg von zwischenstaatlichen bzw. multilateralen Verträgen systematisch eingeführt. Das eindeutige Ziel und die dahinterstehende Absicht sind heute genauer zu identifizieren als vor 15 oder 20 Jahren. Somit steht hinter der Globalisierung eigentlich eine Transformation des Herrschafts- und Machtsystems, welches nur mittelbar und indirekt zu beobachten und zu analysieren ist. Hier hilft uns die Power Structure Research:
Im Zwiebelschalenmodell erkennen wir schematisch den Aufbau der globalisierten Struktur. Russland und China gehören nicht dazu. Der innere Kern ist das Gravitationszentrum der Vermögensakkumulation und gleichzeitig der Motor der übrigen Prozesse (Aufblähung des Geld-Macht-Komplexes, Geldschöpfung durch Kredit, Austeritätszwang) und bestimmt die Wertvorstellungen der politischen Eliten.
Betrachten wir mal ein Beispiel das uns alle bekannt ist: Landgrabbing. Die Spekulation mit Agrarland führt auch in Mitteldeutschland dazu, dass die Bodenpreise sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht haben und immer weniger Agrarland den Betrieben hier an Ort und Stelle gehört. Landgrabbing führt zu einer Umverteilung des Landeigentums. Kapitalgesellschaften und Holdings, bei denen die wirklichen Investoren im Dunkeln bleiben kaufen zunehmend Ackerflächen und treiben auch die Pachtpreise nach oben. Pachtpreise die in keinem Verhältnis mehr zu den erzielbaren Erträgen stehen. Land wird zum Spekulationsobjekt. Der Grund liegt in der Instabilitiät des globalisierten deregulierten Finanzsystems. Das exponentiell steigende Geldvermögen sucht sich sichere Anlagemöglichkeiten, die sichere Kapitalverwertung, denn Kapital will bedient werden. Geldvermögensbesitzer betrachten nämlich den Wertzuwachs ihres Kapitals als Grundrecht. Das sind die ideologischen und praktischen Auswirkungen des neoliberalen Gesellschaftsumbaus der letzten 35 Jahre in der Bundesrepublik.

Politische Leitformeln:
Globalisierungsprozesse sind umkehrbar
Globalisierung ist steuerbar
Globalisierung ist kein Naturgesetz

Frage:
Wird es die AfD mittragen, dass die unerlässliche Infrastruktur privatisiert wird und in die Verfügungsgewalt transnationaler Unternehmen übergeht, weil das Kapital nun mal neue Investitionsmöglichkeiten sucht?
Sven Jacobsen
03. November 2016 15:01
Auf zwei Aspekte möchte ich eingehen. 1. Die derzeitig arg verhaltene Selbstkritik der Linken kommt nicht von ungefähr. Abgesehen von der Wahrnehmung, dass der linksintellektuelle Diskurs etwas auf der Stelle tritt, pfeift v.a. die Realität eines ihrer Postulate nach dem nächsten hinter die Startlinie zurück. Oder anders formuliert: die Realität bleibt hinter den Erwartungen zurück. Das ist, wie Martin Lichtmesz im Artikel andeutet, nicht ungefährlich. Nun droht die Flucht nach vorn, ein Jetzt-erst-recht. Statt die zahlreichen Fehler bspw. in der Migrationskrise zu korrigieren, hätten wir es mit dem Gegenteil zu tun und das, was Thorsten Hinz mit dem Begriff der „Demokratur“ beschreibt, würde sich intensivieren. 2. Es ist problematisch, in Donald Trump, wie zum Schluss des Artikels geschehen, eine - wenn auch mit Fragezeichen versehene – Lichtgestalt zu erblicken, die den im amerikanischen Politsystem lange unterdrückten Gruppen eine Stimme gibt. Politische Beobachter registrieren ein gewaltiges Ausmaß der Politikverdrossenheit kurz vor der Wahl, weil sowohl Clinton als auch Trump keine befriedigenden Perspektiven vermitteln: der übliche verschwenderisch teure und elendig lange Wahlkampf, das gewohnte wechselseitige Abtasten nach Skandalen, die üblichen persönlichen Schwächen, die man aufspürt, der monumentale mediale Zirkus um zwei Personen, die man als defizitär wahrnimmt. So gesehen bestätigt sich eher, dass die wir es im „postdemokratischen Zeitalter“ mit einem ausgeprägten Elitenproblem in der Parteiendemokratie zu tun haben, was ausgesprochen bedauerlich ist. Diese Diskussion sollte geführt werden.
la vie est belle
03. November 2016 15:21
...also den Schlußsatz hätte man wirklich nicht besser formulieren können.

Gerade deswegen möchte ich ihn noch argumentativ ergänzen. Wer folgendes sagt:

"Und weil man gegen die globale Klasse nicht moralisch und argumentativ gewinnen kann, bleibt der alternativen Rechten nur noch, jede Moral und jedes Argument zu verweigern."

...der entzieht sich jeder Sachdebatte. Das hat den Vorteil, es sich Zeit und Mühe dafür sparen zu können (sei es aus dem Irrglauben, "besser" zu sein oder intuitiv zu spüren, dass die eigene Weltsicht als selbstwidersprüchlich entlarvt, das macht erstmal keinen Unterschied). Es hat aber auch den Nachteil, sich keinerlei Feedback (oder wie ich es nenne: Rückkopplung) besorgen kann, außer das der eigenen Fraktion, die im Endeffekt aus Angst vor Ausgrenzung nur auf Selbstbestätigung hinausläuft, smit keine Neuerkenntnisse liefern kann.
Es können also keine Informationen zur Wachstumsgewinnung generiert werden - die vermeintlich politische Idee transformiert sich zum quasireligiösen Moralkult des Konsums, bei dem eigene Verantwortlichkeiten auf Dritte projiziert werden, welchen dann die Externalisierung bevorsteht.
Aber sollten wir uns nicht auch fragen, wieviel Neuerkenntnisse wir zulassen, damit uns nicht das gleiche Schicksal ereilt?

...mit anderen Worten: auch dem Globalisten besteht der Sonnenuntergang bevor, unabhängig davon, ob er vom Monitor in seinem Kabuff aufschauen will oder nicht. Da hilft auch keine Diffamierung des Wetterdienstes.

Das der durchschnittliche Bürger dem trögen Konsum hingibt und seine eigene Kultur allenfalls als nervig betrachtet sehe ich als wahre Herausforderung. Doch wie soll man das anders gestalten?
Andreas Müller
03. November 2016 15:25
Sehr interessante Analyse, Respekt für das hohe Niveau!
Es bleibt eine Frage: wie widersteht man dem imperialen Globalismus und seinen autoritären Zumutungen, ohne in einer Barbarei Zuflucht zu suchen?
Reaktionär (Julius)
03. November 2016 15:42
Eine lesenswerte Analyse dieser „Spaltung der Gesellschaft“ liefert die österreichisch-serbische Journalistin Vesna Knezevic in einem Gastkommentar in der Presse vom 24.10.2016 unter dem Titel "Europa an einem Punkt des radikalen Wandels", in dem sie das Begriffspaar Gutmenschen/Schlechtmenschen bemüht:

Der Einwanderungstypus, mit dem Europa gerade konfrontiert ist, ähnelt eher dem Muster des „ver sacrum“ vieler antiker, als kultische, kriegerische und patriarchale „Männerbünde“ integrierter Gemeinschaften. Im „heiligen Frühling“ wurden damals Gruppen junger Männer vom Kollektiv ausgesandt, um neues Land zu erobern.
Als Kolonisten ausgeschickt sollten sie nicht nur Land für ihren eigenen Unterhalt erobern, sondern auch die kultische Stärke der Gemeinschaft unter Beweis stellen, die gute Nachricht über ihre Lebensenergie in der Welt zu verbreiten. Im Geltungsbereich der symbolischen Formen angewandt, wurde aus dem „ver sacrum“-Muster eine neue Kunst geboren, die über die ästhetischen Grenzen hinausgeht. Im Ansatz des realen Lebens, hier und jetzt, wurde aus diesem Muster das Phänomen der „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ geboren – berauschend lebenshungrig, fokussiert aufs Abstecken, Besetzen und Behaupten aller kulturellen Zeichen, die ihnen feindlich gesinnt oder einfach unverständlich gegenüberstehen.

Ein Axiom des italienischen Geschichts- und Rechtsphilosophen Giambattista Vico, appliziert auf den Gut/Schlecht-Index, kann helfen: Der Gutmensch ist demnach jener, der seine Bindung zur Imagination des Ganzen verloren hat. So gesehen genießen Schlechtmenschen einen traurigen Vorteil. Indem sie ihre Bindung zur Imagination nie getrennt haben, können sie frei imaginieren was aus ihren Gesellschaften und Kulturen werden könnte, wenn eine fremde, von der demografischen Überzahl getragene, kulturell selbstversorgende Religion auf einmal den Gesellschaftsvertrag in Europa mitbestimmt.
Es ist nicht so, dass die Gutmenschen über keine Fantasie verfügen; nur der Reflex der erinnerungsfähigen Imagination ist ihnen abhandengekommen. Im Unterschied zu ihnen tut der Schlechtmensch nichts anderes, als sich an jenen Prozess zu erinnern, in dem Dinge wie Freiheit, Individualismus, Rationalität, Säkularismus, Gewaltentrennung, Gender-Gleichstellung oder der soziale Staat entstanden sind und überlegt, wie fragil sie immer noch sind. Überspitzt gesagt: Wenn er das Fürchten lernen will, geht der Gutmensch ins Kino, der Schlechtmensch schaut Nachrichten an.
Der Imagination zivilisatorisch beraubt, können sich die Gutmenschen überhaupt nicht vorstellen, dass ihnen oder ihren Liebsten etwas Schlechtes passieren kann, weil sie dazu neigen, das Fremdartige, das Entfernte, das Dunkle auf das Vertraute zu reduzieren. „Wieso“, fragt man sich nach Nizza, Paris, Brüssel, New York, Boston und Ansbach verzweifelt – „wieso tun sie uns das an?“


Erfrischend klarsichtig der daraus gezogene Schluss:

Europa ist an dem Punkt des radikalen Wandels angelangt. Die „weißen“ Kulturen, allen voran der Westen mit seiner Vormachtstellung, können nicht so weitermachen. Bis jetzt konnten sie ihre Universalität mit der Kraft des Vorbildes behaupten. Und mit dem Glanz ihrer Waffen. Kein Grund sich zu schämen, es ist sowieso zu spät dafür.
Die Gutmenschen sind bereit, an der Scham der Geschichte zugrundezugehen. Die Schlechtmenschen pfeifen auf die historische Verantwortung, akzeptieren nur ihre eigene, und wollen sich zur Wehr setzen.
Dies ist eine existenzielle Krise, die nur in einem neuen gesellschaftlichen Konsens aufgelöst werden kann: Haben die Gutmenschen das Recht, die Schlechtmenschen mitzuopfern? Sind die Schlechtmenschen damit einverstanden, dass es sich eine lebenshungrige fremde Religion mitten in ihrer säkularisierten Gesellschaft bequem macht? Und das nicht in Form von individualisierten, hilfsbedürftigen Menschen, sondern als ein gleich über die Gruppen- und die politischen Rechte verhandelndes Kollektiv?


Der Sieg der "Gutmenschen" bedeutet den Untergang Europas:

Wenn in diesem diskursiven Kräftemessen die Schlechtmenschen in Minderzahl bleiben? Na gut, dann gehen wir eben unter. Plus, und das könnte als eine weitere Errungenschaft des Inklusionsprinzips in die Theorie eingehen: Nicht, wie bis jetzt, Demokratie oder Untergang, sondern Demokratie und Untergang.
Taunusadler
03. November 2016 16:50
Warum wird mein Kommentar nicht veröffentlicht?! Für eine Erklärung wäre ich dankbar, dann kann ich mir die Tipperei beim nächsten Mal sparen. Ich wüßte gerne, welche "Regel" ich gebrochen habe.
Ansonsten denke ich mir meinen Teil.

Mit hochtrabenden, intellektuellen, metaphysischen, geopolitischen, altgriechischen und transzedenten Grüßen,

Der Taunusadler

P.S: Deutschland wird weder durch Texte noch durch Kommentarspalten gerettet. Insofern erweisen Sie mir durch den willkürlichen Ausschluß aus der Diskussion einen echten Dienst.
CitizenKane
03. November 2016 17:10
Man muss, statt den Frust der Wutbürger als verkappten Verteilungskampf wegzuinterpretieren, einmal hinhören, was diese Leute von sich geben. Man muss sich in sie hineinversetzen, muss den Slogans lauschen und ihre Narrative nachvollziehen. Man muss zwar nicht ihre Ängste, aber ihre Parolen ernst nehmen.


Wieder so ‘n sozialpädagogischer Schmonz. Zoologische Feldforschung im Primatengehege ist jetzt wohl angesagt; „diese Leute“ sic! bah! „von sich geben“ absondern, ausscheiden.

Soso, „man“ muss Herr Seemann; oder sollte?
Wer ist “man“? Die faulen Flaschen auf Ihrer Seite werden keinen Slogans lauschen oder Narrative nachvollziehen.
Zieht man die hedonistischen Systemprofiteure bzw. die Wendehälse, die nun doch schon sehr wahrnehmbar ihre Genickbandscheiben ölen ab, was bleibt Ihnen dann noch von „man“?
Und Vorsicht mit solchen Ratschlägen Herr Seemann; so mancher wird beim Hineinversetzen, Lauschen und Nachvollziehen auf den Trichter kommen, dass es sich bei den Affen vielleicht doch besser lebt.

Das Personal der Gegenseite ist per se schwach, leidenschaftslos, selektiv gebildet von keiner Vision beseelt wie wir, mit Ausnahme der Profitvisionen, die die Systemkonformität bietet.
Harte Jungs wie Putin und Erdogan lachen sich ja schlapp über die.

Also nur Quantität, keine Qualität, kein Herzblut, keine Bindung, keine Identität. Sowas hat schon verloren.
In der Wolle gefärbten alt 68er Politopas, wie der von den östereichischen Grünen, kann man schon aufgrund des natürlichen Abganges vernachlässigen.
So wie es sich momentan entwickelt, braucht „man“ bei uns nur eines – Geduld.
Und die Antifanten sitzen dann mit Klampfe am Lagerfeuer und singen „Hohe Tannen“.
Caroline Sommerfeld
03. November 2016 17:12
Was die „globale Klasse“ dagegen „Moral“ nennt, meint in der Regel nur eine bestimmte, absolut gesetzte, und verengte Form von Moral, als Gesinnungsmoral, Hypermoral, abstrakte oder partikulare, zumeist erpresserisch gehandhabte Moral; das sogenannte „moralische“ oder „hypermoralische“ Argument dient in der Regel dazu, sachliche Argumente in Hate facts zu verwandeln und die Diskussion mit rhetorischen Nebelkanonen einzudecken. Es ist ja so einfach, sich in der bequemen Vorstellung zu wiegen, man habe „die Moral“ für sich gepachtet!


Dafür habe ich auch einen hellsichtigen Text aus den 80ern beizusteuern: Niklas Luhmann Paradigm lost. Über die ethische Reflexion der Moral (1989).

Darin stellt er fest, daß wenn der Code der Moral, gut/böse, der ganz normal zur Bewertung von Menschen, Handlungen, Sätzen etc. verwendet wird, auf einer übergeordneten Ebene mit "gut" bewertet wird, die Verwendung von Moral dysfunktional wird. Moral im Sinne von "moralisch ist gut" wird dann zerstörerisch, Luhmann sagt "polemogen", und parasitär anderen Sozialsystemen (z.B. der Politik, der Kunst, der Erziehung, der Religion) gegenüber. Moral ist dann nicht mehr reflexiv (was sie als Ethik sein sollte), sondern wird fundamentalistisch, will andere Systeme kapern, übersteuern, schließlich zerstören. Und sie zerstört sich selbst schließlich auch, einseitig überbeanspruchte Systemfunktionen führen zum Kollaps (z.B. wenn bei der Differenz Mann/Frau alles nur noch "Frau" sein soll, kippt die ganze Differenz ins Sinnlose).

Hier: wenn die gesamte politische Opposition nur noch "böse" ist, oder ihr auf der Metaebene vorgeworfen wird, "Fakten und Moral einfach zu leugnen" (pikant ist, daß gleich beides zusammen hier als Doppelkeule konstruiert wird, bei der jeweils eine Seite gerade besser trifft), sei das der "Tod der Demokratie" (Luhmann, a.a.O.).
CitizenKane
03. November 2016 17:53
@Sven Jacobsen
Das ist, wie Martin Lichtmesz im Artikel andeutet, nicht ungefährlich. Nun droht die Flucht nach vorn, ein Jetzt-erst-recht.

Halte ich für keine Gefahr, sondern für einen Untergangsbeschleuniger. Ich denke, die haben ihr Pulver verschossen.
Was bliebe ihnen als nächste Eskalationsstufen? Noch offensichtlicherer Rechtsbruch und Gewaltanwendung!?
Dazu sind die zu schwach; siehe meinen Vorbeitrag, und Demokratur haben wir schon längst.
Und wenn sie doch noch was in Petto haben – Eskalationsbeschleunigung! War doch mal hier Thema.
Ich bin auch nicht für „Merkel muss weg“, das würde nur das Leiden verlängern.
Merkel soll ihr Werk vollenden.
Coon
03. November 2016 18:41
In der Bundesrepublik reden wir nicht vom Zusammenbruch des "Neoliberalismus", sondern vom weiteren Rückbau des Sozialismus, diesmal in seiner sozialdemokratischen Variante. Wo genau ist der Neoliberalismus bei einer Umverteilungsquote von weit über 50% aller Einkommen?
marodeur
03. November 2016 18:49
Seemanns halbwegs rationale Selbstkritik ist in der heutigen Zeit wie ein kleiner Sonnenaufgang und daher zu begrüßen. Zumal ich mich persönlich in seiner Beschreibung des "globalisierten Informationsarbeiters" wiederfinde, der heute in Madrid und morgen in Stockholm arbeitet. Allerdings habe ich diese entwurzelte Lebensweise nie genossen oder gar als überlegen wahrgenommen. Das Gegenteil ist der Fall. Während meine Kollegen diese prekäre Situation geradezu genießen, blutet mir jeden Tag das Herz beim Blick aus dem Glashochhaus, wo sich aktuell jede Stadt in die gleiche gesichtslose Fremde verwandelt. Wenn diese Ödnis wirklich die viel besungene Vielfalt darstellt, dann möchte ich bitte zu den "abgehängten" gezählt werden.

Sehr lesenswert ist der Kommentar von "Rechtpopulist" unter Seemans Beitrag (inkl. der Reaktionen):

Sie berücksichtigen die sozioökonomische Situation zu sehr.
...
Die eigene gewohnte Lebenswelt – in der Nachbarschaft, im Erleben von Sprache im Umfeld und in den Medien, das Lebensgefühl und Sicherheitsempfinden in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Schwimmbädern und auf der Straße – ist einer massiven, immer schnelleren und stets von außen übergestülpten, fremd gesteuerten, nie selbst gewollten Veränderung unterzogen. Diese Veränderungen werden nicht nur abgelehnt, sondern subjektiv als Leid empfunden. DAS ist der Punkt!
Großstadtpauker
03. November 2016 20:39
gut vernetzte , äußerst diskrete "Herrenclubs" und ihre nachgeordneten Serviceclubs sind das eigentliche Problem . Die Unterschleife , der Betrug ist systematischer Natur .

wenn in der großen grauen Stadt der Bürgermeister einen hässlich - bolschewistischen Lampenladen hinsetzt ist es eine Machtdemonstration . wenn in eben dieser Stadt Fassaden vergoldet werden ist es eine Provokation des Steuerzahlers .

Benennt die "Herrenclubs" ;zeigt sie im Netz , beschreibt Zusammenhänge .

Wir können aus ganz anders . Das muss jeder "Herr" im "Herrenclub" begreifen .

wenn der dummdreiste Pinguin geoutet wird kann er sich ein Flugticket kaufen und seinen Kumpels in neu york Gesellschaft leisten - wir brauchen in Deutschland keinen privaten Geheimdienst der Frauen diskriminiert und Politiker kauft .
Sven Jacobsen
03. November 2016 21:00
Caroline Sommerfeld, CitizenKane

Eine kleine Ergänzung:
"Die Deutschen müssen erkennen, daß die Trennung von Moral und Politik auch eine Errungenschaft war. Sie müssen dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, und ihre politische Sympathie für diejenigen aufsparen, die ihr Vaterland mehr lieben als ihre private Moral."

(Bernard Willms, ausgehend von der Annahme, dass eine Vermoralisierung der Politik permanente Überforderung nach sich ziehe)
Cairdis
03. November 2016 21:46
Das Narzißmuskonzept der Psychoanalyse beruht darauf, daß das neugeborene Kind seine Mutter noch nicht als ein getrenntes Wesen wahrnimmt, sondern ein Gefühl von ozeanischem Frieden und Einheit erlebt. Diese Verschmelzung des Kindes mit der Mutter nannte Freud den primären Narzißmus. Wenn von pathologischem Narzißmus gesprochen wird, ist weniger bloße Selbstverliebtheit gemeint, sondern ein grandioses und maßloses Selbst, verbunden mit Illusionen der Einheit mit der Welt. Narzißmus hat mehr mit Selbstverurteilungen aufgrund eigenem Versagens und eigener Schwächen zu tun, als mit Selbstbewunderung.
Im Kommentarbereich findet sich ein passender Satz: „Die Gutmenschen sind bereit, an der Scham der Geschichte zugrundezugehen.“ Wenn von Lügenpresse, Lücken-, Lumpen- oder Spitzbubenpresse gesprochen wird, mag es als schwerer Vorwurf erscheinen. Das stimmt keinesfalls, all diese Worte sind noch Abmilderungen. Dahinter steht gegen sich selbst gerichteter Haß, der zu rasender Wut werden kann; Freud ging schließlich so weit von einem Todestrieb zu sprechen. Es ist nicht bloß eine Lügenpresse, sondern die Deutschland-verrecke-Presse. Der Begriff mag unangenehm drastisch gewählt sein, doch alles andere wäre eine Flucht in Euphemismen. Sein oder Nichtsein - man ist auf dem Weg das Eigene auszulöschen wie eine Kerzenflamme. Nietzsche schrieb, wir fürchten uns alle vor der Wahrheit: „Versteht man den Hamlet? Nicht der Zweifel, die Gewißheit ist das, was wahnsinnig macht.“
Trouver
03. November 2016 23:03
"Moral" hat das Antlitz von Felix Reichstein auf ihrem Avers und das von Alois Mannichl auf ihrem Revers.
Heinrich Brück
04. November 2016 00:05
Die globale Klasse der Informationsarbeiter gehört nicht zur obersten Klasse. -Zuträger, mehr nicht. Der Monopolychampion besitzt die wertvollen Straßen, er gehört der obersten Klasse an, und er wird seine Straßen weitervererben.
Wer wird in diesem Spiel geopfert? Der Kapitalismus? (Trump-Kapitalismus gegen Clinton-Kapitalismus. Der Unterschied und das Ziel.)
Um der politisch korrekten Moral zu dienen, muß der Gutmensch global agieren. Seine, darauf angesprochen, eher antinationale Haltung, deckt sich hervorragend mit der Willkommenskultur der Umvolkungsmigranten aus aller Welt. Dieser globalisierte Gutmenschenimperialismus dient dem Großkapital; und wo von Kultur keine Rede sein kann, ist die Moral nicht der Rede wert.
Wenn der Monopolychampion (die Großbanken) den Sozialstaat aufgefressen hat, geht es der globalen Klasse an den Kragen. Ein solcher Krieg sorgte immer für Proportionalität. Nur, wer würde jetzt noch für den Monopolychampion in den Krieg ziehen, nachdem er für die teuren Straßen Miete blechen mußte?
Die Spielregeln bestimmten das Spiel. - Das Ziel ...
Hoffnungsvoll: "Denn die Weltgeschichte ist mindestens zur Hälfte eine Liebesgeschichte." (Robert Musil)
S. Fischer
04. November 2016 01:19
Der Seemann ist ausbaufähig, habt ihn nicht zu gern sonst lassen sie ihn gar nicht mehr zu Wort kommen.
Sebastian-Maximilian
04. November 2016 04:55
" Diese neue globalisierte Klasse sitzt in den Medien, in den StartUps und NGOs, in den Parteien"

Also da wo wenig körperlich gearbeitet wird. Ich habe es als Handwerker satt mir von linken Sozialpädagogen die Welt erklären lassen zu müssen.

In Wahrheit denkt der kleine Mann aus dem Mittelstand normal und will keine Homoehe, Masseneinwanderung, Genderwahn usw. Er will von diesem Mist in Ruhe gelassen werden aber soll den Blödsinn der gegen ihn gerichtet ist auch noch latzen.

Der grösste Trick der Medien ist es uns weiss zu machen das wir mit unseren normalen Ansichten in der Minderheit wären. Und genau das Gegenteil ist der Fall. Deswegen versuchen sie auch die Leute einzuschüchtern und eine politische Korrektheit zu inszenieren.

Politische Korrektheit ist ein Krebsgeschwür und ein Verbrechen an sich.

Nur durch pc ist sowas wie Rothenham und die Kölner Silvesternacht möglich.

Es geht wirklich darum wer die Macht um die Worte hat.

(...)
Waldgänger aus Schwaben
04. November 2016 09:09
@marodeur

"Allerdings habe ich diese entwurzelte Lebensweise nie genossen oder gar als überlegen wahrgenommen. Das Gegenteil ist der Fall. Während meine Kollegen diese prekäre Situation geradezu genießen, blutet mir jeden Tag das Herz beim Blick aus dem Glashochhaus, ..."

Ich kenne diese Lebensweise auch, als Angestellter und später als IT-freelancer. Ein armseliges, oberflächliches Leben, vor allem für jene, die keine Familie und Heimat haben.
Allerdings traf ich kaum einen Kollegen, der wirklich glücklich war mit dieser Lebensweise. Ob es ein oder zwei Etagen drüber besser aussieht, bezweifle ich. Da sitzen allenfalls betrogene Betrüger.

Was anderes:
Umfragen zeigen, dass das Trump vielleicht doch gewinnen wird. Dann wird es hier so richtig rund gehen. Da ich mich am Arbeitsplatz und im Verwandten- und Bekanntenkreis nicht mit jedem über Trump austauschen will und natürlich auch nicht mit den Wölfen heulen werde, suche ich eine höfliche Umschreibung für den Satz:

"Mit einem Idioten wie Dir, will ich nicht über Politik im Allgemeinen und Trump im Besonderen diskutieren!"

Vorschläge:

"Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen."

"Das ist ein vielschichtiges/komplexes Problem (Frage)."

Andere Ideen?
Der_Jürgen
04. November 2016 10:26
Michael Seemann lehnt sich sehr weit aus dem Fenster hinaus. Er macht den Rechten die erstaunlichsten Konzessionen, schreckt aber, um den Totalbankrott seiner Ideologie nicht eingestehen zu müssen, davor zurück, die Konsequenzen aus seinen Feststellungen zu ziehen.

Gefühlsmässig würde ich sagen, dass dieser Mann mit 10%-iger Wahrscheinlichkeit den Weg nach Schnellroda finden, mit 50%-iger Wahrscheinlichkeit trotzig "jetzt erst recht" donnern und sich mit 40%-iger Wahrscheinlichkeit in resigniertes Schweigen flüchten wird.
M.M. Hof
04. November 2016 11:38
@ Caroline Sommerfeld bzgl. Luhmann

Zu Luhmanns Ausführungen: L. war immer sehr geschickt darin, den Traditionsstrang zu verbergen, vom der eigentlich abstammt: nämlich Freyer - Gehlen - Schelsky. Das o.g. Luhmann-Zitat ist funktionalistisch umformulierter Gehlen ("Moral und Hypermoral"), verbirgt sich aber, wie alles bei L., hinter Parsons, Maturana, Spencer Brown etc.
Monika
04. November 2016 11:57
Der Globalist in uns allen

Ich empfinde nicht, dass die Klasse mittleres Bürgertum/ Arbeiter im Kampf gegen eine dritte Klasse der Globalisten stehen.
Ich erfahre dagegen oft:
die Globalisten sind unsere eigenen Kinder und wir sind stolz darauf .
Sowohl bürgerliche Eltern als auch Arbeitereltern schicken ihre Kinder nach dem Abi erstmal ins Ausland. Und man staunt, wo die Jugend überall rumreist.
Bologna machts möglich. Ein Auslandssemester in Medellin, ein Praktikum in Toronta. In naturwissenschaftlichen Fächern ist auch in Deutschland Englisch vorherrschende Sprache. Die Studiengänge sind international. Die Jugend besucht sich in aller Welt. So weit so schön.

Jetzt mal ein Hausfrauenkaffeklatsch:
Mutter 1
Mein Sohn hat einen Job in Kalifornien. Keine Ahnung, wann ich ihn wiedersehe. Seine Frau ist Philipinin. Sie wollen ein Kind. Das ist dann Amerikaner.
Mutter 2
Mein Sohn ( Informatiker) hat eine chinesische Frau ( Mathematikerin) geheiratet. Sie leben in Heidelberg. Haben eine kleine Tochter. Die chinesischen Großeltern haben das Kind noch nie gesehen.
Mutter 3
Meine Tochter hat sich im Auslandspraktikum in einen Peruaner verliebt.
Der will jetzt nach Deutschland
usw. usw.
Die globalists sehen die Probleme Migration, Globalisierung, PC unter ganz anderen Aspekten als ihre bürgerlichen und Arbeiter-eltern.
Die " verwaisten Eltern" zuhause sind mit anderen Realitäten konfontiert.
Das familiäre Situation dieser Globalisten wird mit viel Energie und Logistik am Leben gehalten. Sie kann aber genauso schnell zusammenbrechen.
und da finden Globalisten und regional Vereinsamte wieder eine gemeinsame Sprache: Da will die chinesische Schwiergertochter etwa ihr Kind nicht in den nagegelegenen Multi-Kulti- Kindergarten schicken...Begründung: .zuviele Ausländer
Die Entwicklung in Deutschland geht an den Globalisten erst mal vorbei.
Die Konfrontation mit der Realität ist oft umso härter.
Stil-Blüte
04. November 2016 12:02
@ Waldgänger aus Schwaben
suche ich eine höfliche Umschreibung für den Satz: 'Mit einem Idioten wie dir will ich nicht über Politik im Allgemeinen und Trump im Besonderen diskutieren!


Bitteschön, hier einige Vorschläge

- Überleg mal: Es ist doch besser, daß e r gewinnt. Wäre dem nicht so, wollte er, wie sein Großvater, zurück nach Deutschland kommen. Stell dir das mal vor!

- Ist er nicht wie Hilary C. (frech) und Bill C. (sexuell präsent) gleichzeitig? Das ergibt einen optimalen Präsidenten in e i n e r Person, statt in zweien wie bei Hilary C.

- Überleg mal, über wen könnte man sich mehr lustig machen als über Trump! Das ist doch ein Sieg für eine fröhliche Politik!

- (Für sog. Verschwörungstheoretiker) Du weißt doch, Hegel, These (Hilary C), Antithese (Trump), Synthese (Neue Weltordnung) Oder?

- Denk mal nach: Kasperletheater für uns Kinder: Hilary C. : Grete, Trump: Kaspar. Ja, nun sag du mir doch mal, bitte schön, wer der Dorfpolizist und das Krokodil sind.

- Du, nichts weiß man nicht. Du etwa? Selbst Trump weiß nichts. Ich auch nicht. Aber eines steht fest, er ist männlich, blond (wenn auch Perücke und gefärbt), deutschen Geblüts u n d steht wie eine Eins (hahaha).

- Warst du schon mal in dem Trump-Haus, das er den New-Yorkern geschenkt hat? Ich schon. Kombination aus Wasserfall, Felsenwand, also deutsche Romantik, und überall Goldknaufe. Wer könnte da schon nein sagen.
Karl
04. November 2016 12:19
@ Waldgänger aus Schwaben:

Vorschlag:
"Ach lass uns doch darüber nicht reden; sind doch beide gleich gute Kandidaten, letzten Endes wird sich bei uns nicht viel verändern, egal wer gewinnt." ;-)
ene
04. November 2016 13:02
Die Konfrontation mit der Realität ist oft umso härter.

Liebe Monika,

weil ich gerade so einen Fall vor Augen habe - der letzte Lebensabschnitt (der oft recht lange währt) ist da noch gar nicht in Betracht gezogen. Der kommt aber mit Sicherheit!
Vater gestorben, Mutter halbblind, beide Söhne (unverheiratet) hier und da. Wer kümmert sich?
Verdrängte Alltagsschicksale, die dann noch bitterer werden, wenn es an Geld fehlt, um alle kleinen Hilfeleistungen zu bezahlen. Und auch die gutsituierten Rentner werden bald weniger.
Was Ihre Fälle (Mutter 1-3) eint, ist dies: keines der betroffenen Kinder wird sich je um die alten Eltern kümmern können.
schneekette
04. November 2016 13:07
@Waldgänger

Vorschlag: Darüber rede ich mit Ihnen nicht.

Lassen Sie doch den anderen grübeln, warum.

Auch gut: Das Gespräch ist beendet.
Corax
04. November 2016 14:08
@ Waldgänger:

Vorschlag:

Ihr Interesse an meiner Meinung zur Causa Trump schmeichelt mir, dennoch ziehe ich es vor, meine Einschätzung unkommuniziert zu lassen, da ein Kommunizieren derselben die Lage in kein noch düstrerem Licht erscheinen ließe als jenem, in welches Sie sie selber tauchen.
Monika
04. November 2016 16:11
Zur Ergänzung:
Habe den Beitrag über "Hänschen klein" in Zeiten der Globalisierung doch noch gefunden:
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kinder-im-ausland-aber-mutter-weinet-sehr-14220868.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
herbstlicht
04. November 2016 16:38
Gerade auf ein Gespräch mit Bengt Holmström (Nobelpreis Wirtschaft 2016) gestoßen: Wirtschaftspreisträger Bengt Holmström darüber, warum die Eliten Trump unterschätzten.. Übersetze kurz daraus; daß Trump die einfachen Leute anspricht, ist hier ja bekannt und wird auch von Holmström so gesehen:


... Die Menschen sind verzweifelt. Und dies haben die Eliten nicht verstanden.

Warum habt ihr das nicht verstanden?

Weil wir in unserer eigenen Blase gelebt haben. Und die Globalisierung hat die Mittelklasse viel härter getroffen, als irgend ein Wirtschaftler vermutet hat. Ich saß zehn Jahre im Vorstand von Nokia und es war faszinierend zu sehen, wie man ein Fabrik in China oder im Dschungel in Südamerika bauen konnte und daß diese innerhalb drei Monaten genauso effektiv war und Waren gleich hoher Qualtät produzierte wie eine eingesessene Fabrik in Deutschland. Die Menschen begannen in China oder Brasilien gefertigte Waren zu kaufen in einem Umfang, von welchem wir nicht geträumt hatten.

Was kann die Politik tun, um die Wut zu beschwichtigen, welche die Wirtschaft verursacht hat?

Weniger Freihandel ist die historische Reaktion. Höhere Zölle. Das ist meine Vermutung. ...

Die historische Reaktion ist sogar Krieg, um es gerade heraus zu sagen. Nicht unbedingt ein weiterer Weltkrieg. Aber vielleicht ein Cyberkrieg großen Umfangs.


Das Gespräch kommt auch auf Einwanderung/Identität. Hier sieht er das "homogenere" Finnland in günstigerer Lage als Schweden --- er ist Finnland-Schwede. Spricht über die Situation in den USA --- ethnische Enklaven --- und rät:


Ich glaube, Europa würde viel besser funktionieren, wenn man die Leute zwar willkommen heißt, sie aber nur eingeschränkt ökonomisch unterstützt. Laßt sie auf Platz Eins beginnen und sich emporarbeiten. Dies ist ein wichtiger Teil des amerikanischen Denkens. Und laßt den Leuten ihre Zusammengehörigkeit in Gruppen; ihre eigene Kultur. Hört auf, das Ghettos zu nennen.


M.L.: Danke für die Übersetzung!
Waldgänger
04. November 2016 19:19
Hier ist der Link zum persönlichen Blog von Seemann, wo der Artikel noch vor der Veröffentlichung im Tagesspiegel gestanden hat:
http://mspr0.de/?p=4696#comment-14711

(Hoffe, es hat mit dem Link geklappt. Ansonsten hier noch einmal auf technisch einfach: http://mspr0.de/?p=4696#comment-14711

Interessant auch die dortigen Leserkommentare.
Venator
04. November 2016 21:19
@ Caroline Sommerfeld

Also ist es nach Luhmann nicht gut, wenn die Moral sagt, das Moralische sei gut? Was sollte sie sonst sagen? Das wäre doch erst die Paradoxie, wenn sie es nicht sagen würde.

Ich halte es unbedingt für einen Fortschritt, dass die Moral nicht mehr bloß unterscheidet zwischen gut und schlecht, sondern auch zwischen gut und böse. Die Funktionalität einer Sache, auch einer Moral, ist nicht alles. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele.

Könnte die Annahme gerechtfertigt sein, dass die weltanschauliche Rechte angesichts der derzeit überbordenden hypermoralistischen Gesinnungsethik ins andere Extrem verfällt und einer Hyperverantwortungsethik und gar einer Amoralität das Wort redet?
Caroline Sommerfeld
04. November 2016 22:55
@ M.M.Hof: Klar, die neurobiologische und kybernetische Aufladung der Theorie war in den 80ern gerade die angesagteste Darreichungsform, Konservativismus alter Bauart kam nicht so gut. Luhmann zehrt auch sehr von der europäischen Moralistik (hilft hervorragend gegen Hypermoral, hab ich ausprobiert) und vom Deutschen Idealismus (was ihm anfänglich Organisationssoziologie war, war dort Organismusdenken). Dahin muß auch noch ein Gang gegraben werden: konservatives Denken und "Organismus".
Fredy
04. November 2016 22:55
@Waldgänger

"Als leidenschaftlicher Pussygrabber steh ich auf Seiten von Meinesgleichen."

Nein, die Reaktionen wären zu lustig.
Kaliyuga
05. November 2016 00:21
Ach, werter Herr Lichtmesz,

es ist gut, Sie zu haben. Gemüt und Ruhe mit Ihnen, solche „Literatur“ wieder und wieder auseinanderzunehmen. Haben Sie als Wiener denn nun gar nichts vom Mundl und seiner Verdonnerung zu „14 Doog Schädlwaggln“?

Ihr Bild von Soße und Suppe verortet der Physiker, von laminarer Strömung ausgehend, dynamisch-unbewegt schnurstracks im Relativitätsprinzip.

Wenn’s erlaubt ist, ein am Leben gewonnener Exkurs eines Bauernsohns:
Der Liberale kippt wie der bloß Strukturkonservative leicht ins Linke, zuweilen driften sie auch im Zeitraffer ab, den andern und vor allem sich selbst unbemerkt. So ein, wie sich vor einigen Jahren herausgestellt hat („Iatz host mi dawischt!“) FDP-Mitglied, akademisches und bajuwarisches Urgewächs, sehr alter Freund und großer Bruder, der in einem der letzten Sommer vor einer viel zu hübschen, uns lang schon bekannten ungarischen Bedienung im Biergarten urplötzlich gegen die konservativen Vorstellungen eines bekannten Spitzenpolitikers ihres Landes doziert. Das hätte auf das Nanometer eines Haares unsere eherne Blutsfreundschaft gekostet.

Erst jüngst, in epistemologischem Gespräch die aufgeweichte, seit Heisenberg auch in den Naturwissenschaften „unscharfe“ Distinktion zwischen Determinismus und Stochastik erörternd, entbirgt sich unvermutet, die Frankfurter Schule habe er wegen ihrer Ideologie stets zu meiden gesucht. Um den auch in seinem Fach gesetzten Habermas sei er da und dort aber doch nicht herumgekommen. Das Gespräch fällt von da auf einen das Thema verfehlenden Aufsatz eines der „geistigen“ Väter des eben Genannten. Was sich in der Akademie in den Engen der Jahrzehnte denn auch alles durchsetzt.

Nun wird man einem großen, irrenden Bruder vom Nachbarhaus verzeihen, selbst wenn er philosophisch nicht über den Kritischen Rationalismus hinauskommt.

Und die CSU? Auf einer Treppe eines Hotels mit zu vielen Sternen neulich mit einem ihrer akademisch „Hochgeweihten“, stramm auf das siebte Jahrzehnt Zugehenden, über das Maximilianeum und den FJS. Seine Augen, und vielleicht nicht nur die seinen, leuchten. Wir wissen, wenigstens insgeheim, daß wir uns nur er-innern, das Gemüt freilich flammt. Wann wird der Stoff aufgebraucht sein?

Und der „strukturkonservative“, vermutlich noch ÖVP oder schon FPÖ wählende Österreicher? Lassen Sie, ohne den Namen des hier ohnehin weithin unbekannten Autors zu nennen, den zeitlosen und in ein Zentrum unserer Dekadenz weisenden Essay des Julius Evola zu „Uomo e donna“ (s. „Rivolta contro il mondo moderno“, 1934) in der Diskussion anklingen. Sie werden dumpfe Ablehnung erfahren: Das sei von gestern.

Grüße, aus dem Kaliyuga.
Winston Smith 78699
05. November 2016 01:28
Im Bild vom Klassenkampf zwischen Arbeiterbürgern und digitaler Globalistenelite kommt leider der schäbige Apparat nicht vor. Die niederen Apparatschiks aber sind ebenso noch Bürger wie die allbekannten Getrieberädchen (die verängstigten oder deprivierten oder zum Ertragen ihres Elends weggesoffenen ... Liste der realen Subsistenzformen erweiterbar) - aber eben hier, im ratternden System, entsteht kein geringer Teil des Schadens: hier zuvorderst wird das Totalitäre nämlich ausgeführt, nicht in so chiquen Hochglanzduellen zwischen Magazinen und Nassehis.

So eine digitale Globalistin hingegen, getarnt als deutsche Blondine, meinte ich vor fünfzehn Jahren in einer Mensa daran zu erkennen (ohne die Krankheit bereits benennen zu können), dass ihr vom Nebentisch herüberwallendes Deutsch bereits in der Grammatik - und nur dort - wie schlecht übersetzt aus dem Englischen klang und den Geschmack verdarb. Kann man jetzt schon "Flughostesse" studieren? Ach ja: bestimmt irgendwas mit Business. Jedenfalls fehlt im Bild dieser Kaste was; die kommen zu gut weg.

Wer aber seine Heimat in den Gefilden der Computerspiele und seine Familie von Bezugspersonen in diesem Netflix 451 hat, also selbst insgesamt ein so verwechsel- wie ersetzbares, weil künstlich aus nur profitorientiert Fabriziertem synthetisiertes Wesen wie millionen andere auch ist, der merkt vielleicht, in UMTS-schwachen Momenten, diese metaphysische Armut der Campbell-Dose gerade noch und muß wohl, wie Seemann ja vorführt, das Gespenst der Leere ohn' Unterlass verscheuchen mit Hybris und Selbstfeier als der neue Übermensch.

Oder wen soll dieser offensichtlich doofe, androgyne All-No-Race-Equalityboy mit der Kastratenstimme denn ansprechen, dem im Fernsehen ständig das Telefon ins Spülasser fällt? Und immer wieder! So wenig wie der wirklich schwul ist, ist der der Spot wiederholt - das ist vielmehr je eine neue Aufnahme und jeweils ein ganz anderer Nerd oder doch immer derselbe ... egal!

Denn Innenwelten von Homunkuli sind allesamt endlich Flixwerk aus verkürzten Reklamebildchen. Natürlichem aber genügt doch das Weltall kaum, dagegen verlangt Künstliches wie gesagt geschloßnen Raum. Man kann Digitalnomaden auseinandernehmen und zu neuen zusammenbauen, wenn nicht mehr rentabel: es macht ihnen nichts aus zu verschwinden. Keine Sorge, die Legomenschen meckern nicht, probier'n Sie 's aus, das ist im Design so vorgesehen.

[Und jetzt noch ein wenig Blabla von Dies-Sein (Objekt), Die-Sein (die Vielen) und so, das denken Sie sich einfach dazu, danke. Super Artikel übrigens wieder, für mein Empfinden. Mit zum Beispiel Sommerfelds Kommentar zu Luhmann - was mir ähnlich zu Bateson vorkommt - ist das sehr einladend für Frontenwechsler: man merkt den Texten lange oder gar nicht ihr Lager an.]
Waldgänger aus Schwaben
05. November 2016 08:55
Inzwischen werden wir von Verständnis überschüttet:

Wir müssen auch Menschen tolerieren, die wir für reaktionär halten
„Wir sind Teil des Problems“: Palmer gibt den Grünen eine Mitverantwortung, dass sich Menschen ausgegrenzt fühlten. Auch Leute, die man für „kleingeistig“ hält, müssten ernst genommen werden.


Palmer hat recht, "Rechtspopulist" aus dem verlinkten Originalartikel hat recht, wenn er den Verlust der Identität als Beweggrund anführt, Lichtmesz hat recht, wenn er die mangelnde Teilhabe nennt. Bengt Holmström kann man zustimmen. Alle die darauf verweisen, dass wirtschaftliche Erklärungen nicht ausreichen, haben recht.

Aber mir geht es so, dass dies meine Gründe "rechts" zu sein, nicht gänzlich umfasst. Meine Einstellung ist aus einem Widerwillen gegen einen Staat und einen medialen-politischen Komplex geboren, der sich anmaßt, alle Lebensbereiche durchdringen und regeln zu wollen. Und der dafür keinen anderen Grund angibt als:

"Wir wollen die Macht!"

Im Roman 1984 von George Orwell enthüllt ein Vertreter der Elite (O’Brien) das metaphysische Geheimnis der Partei: Die Macht (über Menschen) als Selbstzweck. Die Macht der Partei dient nur der Ausübung von Macht.

Hinter all dem Gutmenschen-Getue lugt der blanke Wille zur Macht hervor. Das ist es was meinen Widerwillen gegen diese Gesellschaft begründet. Sie reißt unsere Wurzeln um der eigenen Macht willen aus der Erde. Und diese Macht dient nicht mal einem höheren Zweck, den man ablehnen oder befürworten könnte. Und sie werden grandios scheitern damit.

Das Böckenförde-Diktum ist hier den meisten bekannt:
„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann."

@Trump

Vielen Dank für all die Anregungen.
Der 10.11 wird hoffentlich so ablaufen:
Übernächtig und mit einem beseelten Grinsen werde ich am späten Vormittag bei der Arbeit einlaufen. Irgendeiner oder eher Irgendeine wird mich in der Kaffeeküche direkt ansprechen:
"Diese Amis - unglaublich. Rassisten, Sexisten, red necks ... geifer geifer"
Dann gilt es einen guten, coolen, aber nicht zu schroffen Spruch auf den Lippen zu haben, vielleicht irgendwas mit Trumps Frisur, die ich besser finde, als die von Clinton.
Dietrich Stahl
05. November 2016 14:49
@ Waldgänger aus Schwaben

Hinter all dem Gutmenschen-Getue lugt der blanke Wille zur Macht hervor.


Das gleiche Muster erkannte ich intuitiv als Jugendlicher in der DDR. Die Kommunisten waren auch eine Art Gutmenschen, die scheinbar die Welt beglücken wollten.
Wenn sie die Maske abnahmen, war da aber ebenfalls nur noch Macht und dummdreiste Arroganz.

Meine Einstellung ist aus einem Widerwillen gegen einen Staat und einen medialen-politischen Komplex geboren, der sich anmaßt, alle Lebensbereiche durchdringen und regeln zu wollen.


Wiederholt sich Geschichte etwa doch? Zumindest tauchen die gleichen Muster immer wieder in neuem Gewand auf. Vielleicht ist ja die „Macht an sich“ das, was diese Muster herbringen MUSS.

Mein Freiheitsdrang und mein Widerwille gegen das kommunistische System und die DDR Lügenmedien – das Wort musste noch geprägt werden, aber es trifft genau wie heute – war so vehement, dass ich schließlich gehen musste.

Nur um fast genau dreißig Jahre später wieder mit derselben Konstellation in digital aufgepepptem Gewand konfrontiert zu werden. Nur ist da heute „Kein Ort. Nirgends“ an den ich gehen kann. Damals gab es wenigstens noch die USA als Möglichkeit des Weiterziehens. Aber heute?

Jeder, der heute in Dresden auf die Strasse geht, wird bestätigen, dass die die heutige Situation ein Spiegelbild der damaligen ist.

Es heißt ja, wir werden solange mit derselben Situation konfrontiert, bis wir die Lektion gelernt haben. Das ist vielleicht die Aufgabe für die deutsche Nation:

Die Lektion lernen, aufwachen und die Aufgabe erfüllen, von der der eine Traditionslinie spricht, die im Nebel der Geschichte ihren Ausgang nimmt, und später von Luther über Goethe, den deutschen Idealismus, Bismarck, Nietzsche bis hin zu Heidegger führt, um nur einige zu nennen. Viele gute Namen wären hier zu nennen.

Das ist es was meinen Widerwillen gegen diese Gesellschaft begründet.


Dieser Widerwille ist der Grund, warum ich seit Jahrzehnten keine Nachrichten sehen oder hören kann. Ich bekomme sofort Pickel, wenn ich diesen falschen Singsang höre. Das Gleiche gilt für Werbung – Grrrh.

Sie reißt unsere Wurzeln um der eigenen Macht willen aus der Erde. Und diese Macht dient nicht mal einem höheren Zweck, den man ablehnen oder befürworten könnte.


Was habe ich persönlich zu lernen, wenn ich immer wieder dasselbe vor die Nase gesetzt bekomme? Wo kann ich noch hingehen?
Auf der Erde: Kein Ort. Nirgends.
Das heißt nicht, dass es keinen Ort gibt. Es gibt ihn wohl. Nur liegt der im eigenen Inneren. Hier kann ich sehr reale Welten finden – und wirkliche Freiheit.
Geistige Freiheit ist die einzige, die substanziell ist. Alle anderen Freiheiten, sind nur ihre Schatten. Es lohnt sich trotzdem und es ist notwendig, auch für die relativen Freiheiten zu streiten.

Und sie [die Machthaber] werden grandios scheitern damit.


Geistige Freiheit – das ist die Ebene auf der sich die subjektive Aufgabe des Einzelnen und die Aufgabe der deutschen Nation treffen.
thotho
05. November 2016 20:13
Sehr guter Artikel, wie so oft, Herr Lichtmesz!

Berauscht von den vielen lesenswerten Kommentaren kann ich nur sagen: Am Montag wieder um 8 auf die FH.
Eingetaktet, um wenige Zeit später im Zirkus der Globalisten gekonnt durch den Reifen zu springen. Die Haltungsnoten erteilen selbstredend die beschriebenen Chai-Latte-Warmen mit Hallo-Europa-Tarif.
Andudu
05. November 2016 20:17
Wieder ein durch und durch und mit Spannung gelesener Artikel, der nicht nur meinen Eindruck bestätigt, sondern feiner ausformuliert und um Referenzen ergänzt, viel besser geschrieben ist, als ich es könnte. Wunderbar!

Solange solche Denker bei den Rechten sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns auch politisch ausreichend etablieren können. Hoffentlich dauert diese Leidenszeit nicht zu lang und schwingt nicht zu sehr ins Extreme. Ich merke an mir selbst, wie meine Geduld sich neigt...
Caroline Sommerfeld
05. November 2016 23:53
dass die weltanschauliche Rechte angesichts der derzeit überbordenden hypermoralistischen Gesinnungsethik ins andere Extrem verfällt und einer Hyperverantwortungsethik und gar einer Amoralität das Wort redet

Zur Begriffsklärung bei Luhmann: Moral ist die Verwendung der Unterscheidung gut/böse (so wie Recht die Verwendung von recht/unrecht, Kunst schön/häßlich usw.) - Moral passiert einfach, und diese Verwendung ist weder gut noch böse.

Ethik dagegen ist die Reflexionstheorie der Moral, und die kann normativ sein (also Moral so definieren, daß sie einem guten Ziel verpflichtet ist) oder deskriptiv sein (also eine Metaebene zur Beobachtung des Moralcodes). Normative Ethik ist noch keine Hypermoral (jede größere philosophische Ethik von Aristoteles bis Kant oder Utiltarismus ist normativ).
Hyperverantwortungsethik kann es nicht geben, weil Verantwortungs- vs. Gesinnungsethik eben das Hypertrophe als "Gesinnung" kritisiert, und zu Verantwortung mahnt.

Amoralität ist ratsam als Beobachtungshaltung - also eben nicht auf politische, ästhetische, pädagogische, religiöse usw. Äußerungen unverzüglich sein "gut!" oder "böse!" draufzuklatschen. Und innerhalb der moralischen Bewertung heißt "amoralisch" meist dasselbe wie "böse", ist also eine bloße Schmähvokabel.

Die politische Rechte, wenn sie beobachtet, wie der Linken galoppierend die Moral durchgeht, als "amoralisch" zu bezeichnen, heißt, genau die hypermoralischen Kategorien auf sie anzuwenden. Und wenn Rechte sich mitunter zum Bösen hingezogen fühlen, liegt's vielleicht am Überdruß allem verordneten Gutsein gegenüber?
Kein Globalist
06. November 2016 00:40
Ich finde, in den Beiträgen scheint hier oft noch ein Respekt gegenüber diesen Leuten vom Schlage Seemans durch, der völlig fehl am Platze ist. Was diese kleinen Globalisten nämlich häufig auszeichnet, dass sie (a) materiell eigentlich einer Art neuem Prekariat angehören und (b) zwar formal hohe Qualifikationen und entsprechende Berufswege vorweisen mögen, sich tatsächlich aber bestenfalls als Fachidioten darstellen, die über keinerlei echte Bildung verfügen. Ich bin selber Auslandsdeutscher und habe andere Auslandsdeutsche, wo ich lebe, quasi ständig vor der Nase. Vor allem die Forscher, die an den lokalen Unis arbeiten, sind solche Fälle. Die haben sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag gehangelt, jetzt vielleicht eine feste Stelle, dann verschulden sie sich aber gleich wieder bis über beide Ohren, um nicht im hiesigen Multikulti leben zu müssen. Und wenn man mit ihnen bekannt wird und sie bei sich zu hause besucht, dann meistens das immer gleiche Bild: Die Glotze prominent im Wohnzimmer stehend gibt es kaum ein einziges ernsthaftes Buch. Ich kenne sogar welche in hohen akademischen Würden, die fast überhaupt keine Bücher haben, nichtmal Phantasy oder Krimis. Und ausserdem: Alk, viel Alk. Fast alle haben ein Regal oder eine Schrank voll damit. Kennzeichen der Verwarlosung. Aber natürlich sind sie alle, alle ideologische Globalisten also links. Panische Angst vor Kontakt allem, was nicht links ist, denn wenn das an der Uni ruchbar wird, sind sie ganz schnell out. Ich glaube, dieses Prekäre ist auch für breitere Zuträgerkreise des Globalismus typisch. Wer etwa als ITler im Ausland arbeitet, der mag sich zwar alles mögliche einbilden, aber in Wirklichkeit zeigt diese Tatsache selber, welcher unheimlichen internationallen Konkurrenz er auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt ist. Und diese Karrierewahl soll smart sein? Da lachen die Hühner. Also sollte man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wer ausser Englisch noch eine weitere Fremdsprache spricht, sich ins Ausland begeben hat, dort meistens mühsam durchhangelt und vielleicht auch noch Sushi mit Stäbchen essen kann, ist keineswegs irgendwie besser oder weiter gekommen, als jemand, der es in der Heimat zu etwas gebracht hat, und dem diese Heimat am Herzen liegt. Diese Seemann-Globalisten sind i.d.R. wirklich nur kleine umhergebeutelte Mitläufer.
Roman.U
06. November 2016 01:21
Und eine schöner Artikel zum Thema:

http://www.zerohedge.com/news/2016-10-25/how-half-america-lost-its-fking-mind
Trouver
06. November 2016 03:17
er ist gekommen , um zu bleiben

Le substantif masculin « zouave » est emprunté à l'arabe maghrébin Zwāwa (au singulier : zwawi), désignant une confédération de tribus kabyles de la région du Djurdjura, en Algérie, où étaient traditionnellement recrutés des soldats
Wutbürger
06. November 2016 07:13
Was für ein absolut großartig geschriebener Artkel. Ganz großes Kino, lieber ML.

Unsere linken Feinde wundern sich also, warum wir ihre kunterbunte weltoffene und ach so tolerante Gesellschaft nicht nur entschieden ablehnen, sondern sogar erbittert bis zum letzten Mittel bekämpfen?
Die Antwort ist ganz einfach: wir wollen Deutsche in einem als deutscch empfundenen Vaterland bleiben und unsere eigene nationale Identität bewahren..
So simpel ist das...und doch so unendlich schwer zu erreichen.
Menschen, die Rasse, Volk und Nation nicht als erhaltenswert betrachten, können das leider nicht verstehen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer.

Wer wissen will, ob der Westen verloren ist, der schaue sich – wie ich in letzter Zeit – beispielsweise einmal die Reihe Biete Rostlaube – suche Traumauto an (immer auf VOX jeden Sonntag ab 18.15).

Dort versucht eine Griechin namens Panaiota Petridou immer irgendwelchen Berwerbern, die eine ‚Rostlaube‘ anzubieten haben, gerne aber einen ‚Traumwagen‘ hätten, aber leider nicht das Geld dafür, genau einen solchen zu beschaffen, indem sie zunächst die ‚Rostlaube‘ in monetäres Startkapital umwandelt, dafür einen weiteren Oldtimer für möglichst wenig Geld kauft und für möglichst viel Geld wieder verkauft.

Das macht sie dann drei Mal … und dann muß sie das Geld für den ‚Traumwagen‘ zusammen haben, mit dem sie dann die jeweiligen Bewerber zu überraschen versucht. Das nur kurz zur Erklärung für die, die die Reihe vielleicht noch nie gesehen haben. Der Punkt dabei: Wenn Frau Petridou (die nebenbei Wert darauf legt in ihrer Selbstvorstellung zu Beginn jeder Sendung, zu betonen: Ich bin Griechin! … obwohl 1979 in Solingen geboren und deutschsprachig!!) dann zu einer neuen Unternehmung ausrückt, wird sie begleitet von ihrem treuen Adlatus Vincenzo.

Wenn sie zusammen mit Vincenzo die jeweilige ‚Rostlaube‘ dann mit dem Anhänger abholt und zur Erstinspektion in die Werkstatt ihres Vertrauens bringt, dann fährt sie zu Paolo. Und wenn sie eine reparierte und neu getüvte ‚Rostlaube‘ nicht privat los wird, dann versucht sie es bei einem Autohändlerkollegen wie beispielsweise Murat. In einer kürzlichen Folge verkaufte sie irgendeine ‚Rostlaube‘ dann ein irgendjemand anderen mit irgendeinem ausländischen Namen… – Gesprächsverlauf etwa: Grüß dich, ich bin Panaiota – und du bist XXXX? Wo kommst du denn her? Aus Afghanistan!

Wie gesagt, in der nämlichen Folge tauchten glaube ich ein oder zwei deutsche Namen auf …. der Rest? Aus aller Herren Länder!! Die Leute sprechen alle deutsch, schlagen auch niemanden tot und scheinen ihr Brot alle mehr oder weniger ehrbar zu verdienen. Der Punkt ist nur: Das ist nicht mehr Deutschland! Egal welche Begründungen oder Erklärungen man mir dabei noch liefern mag: DAS … ist nicht mehr Deutschland!!

Und da es so ja nicht nur im Ruhrgebiet oder in ‚Khölle‘ aussieht, sondern in allen Ballungsgebieten, bleibt für mich nur noch das Fazit: Ja, der Westen ist verloren! Zumindest was die Frage betrifft, ob er noch ‚deutsch‘ sei oder bleiben könne. Es wird im ehemaligen Deutschland sicher auch noch Inseln mit weitgehend bzw. mehrheitlich deutscher (nicht nur deutschsprachiger) Bevölkerung geben … aber ein deutsches Deutschland – und welches bitte sonst könnte überhaupt ‚Deutschland‘ (= das Land der Deutschen) genannt werden?? – wird es im Westen nicht mehr geben.

Und der Grund sind nicht die reinströmenden Ausländermassen, sondern einzig & allein das vollständige Desinteresse und die absolute Gleichgültigkeit der sogenannten ‚Bio-Doisen‘ an ihrem Selbsterhalt als ethnisch geschlossener Gruppe!

Ich meine, ich bin Angehöriger der Generation, die unmittelbar an die 68er anschloß… – und ich habe sowohl die 68er (noch als Lehrer) erlitten … wie auch meine eigenen Generationsgenossen … und von daher weiß ich aus Erfahrung wovon ich spreche: ‚Deutschland‘ ging und geht ihnen allesamt am Arsch vorbei!!! Hier könnten Schimpansen und Eisbären die ethnische Mehrheit haben und die politische Macht ausüben… es ginge ihnen ebenfalls am Arsch vorbei!

Ich bin in Grünberg Ende der siebziger Jahre in die Oberstufe gegangen … und ich war schätzungsweise einer gegen dreißig was dieses Thema betraf. Später bekam ich einmal auf Umwegen mit, daß einer, der damals öffentlich ganz scharf links auftrat in Wirklichkeit CDU wählte (also nicht Merkel, sondern die damalige CDU!) … hatte er mal nach einem Kasten Bier einem Spezi von sich anvertraut … und der, weil er auch mein Spezi wurde, hat es mir Jahre später (nach der Schule) mal erzählt. Trotzdem: Sie waren mehrheitlich allesamt linker Mainstream … und irgendwie passend auch, daß es aus dieser Gruppe nicht eine einzige stabile Dauerbeziehung gegeben hat, die sozusagen ‚gehalten hätte‘.

Ich glaube, daß was in diesen beiden Generationen bzw. überhaupt allem, was mit und nach den 68ern kam, an kollektiv-identitärer Selbstvernichtung gelebt und ‚kultiviert‘ worden ist in der Geschichte ohne Beispiel dasteht. Und ohne Beispiel werden damit auch die Folgen dastehen…??

Da sich diese unahltbaren Zustände nur ändern werden, wenn die politische Recht hier die Macht erlangt, haben wir gar keine Alternative: wir müssen siegen!
Waldgänger aus Schwaben
06. November 2016 09:26
@Dietrich Stahl

danke für Ihre Rückmeldung. In der Zeit um die Wende wandte ich mich auch von der CSU ab. Der Grund war die Kehrtwende in der Frage der Abtreibung.
Jahrelang hatte ich im Bekannten- und Verwandtenkreis eine strikte Lebensschutz Position vertreten und tue das heute noch. Oft musste ich deshalb scheele Blicke ertragen.

Bis zur Wende immer in Überstimmungen mit der CSU, der Partei, die damals in Bayern noch die Lufthoheit über die Stammtische inne hatte.
Dann in der Wendezeit gab die CDU/CSU diese Positon auf.
Und zwar aus einem einzigen Grund: In der Ex-DDR hätte ein Festhalten an der Position zuviele Stimmen gekostet. In einer zentralen Frage, in der es um menschliches Leben geht, räumte die CDU/CSU um des Machterhalts willen eine Position. Wäre es z.B. um die Frage der Energieversorgung gegangen, hätte ich noch die Kehrtwende verstanden.

Heute wiederholt die CDU/CSU das Spiel wieder. Um der Macht willen gibt sie alles auf, für das sie angeblich jahrezehntelang stand.
Und die CDU/CSU wird diesen Weg weiter gehen.Tauber will die CDU nach links rücken.

Wer lebt da in einer Filterblase?

In vielen westlichen Staaten haben sich Spannungen aufgebaut, die zur Entladung drängen. Zur Zeit ganz aktuell in den USA.

Ich sehe für Deutschland nur noch einen Weg zu einer politischen Lösung:
Bundesweite Volksabstimmungen, besser der Umbau unseres Systems zu einer Demokratie nach Schweizer Vorbild.
Und es bleibt nicht mehr viel Zeit dazu. Die kommende Wirtschaftskrise schwebt als Damoklesschwert über uns.
Der_Jürgen
06. November 2016 11:13
@Waldgänger aus Schwaben

Volle Unterstützung für Ihre Position in der Abtreibungsfrage. Bedenken Sie aber bitte folgendes:

Nehmen wir an, Ihr Wunsch ginge durch ein Wunder in Erfüllung, und die Deutschen bekämen wie ihre südlichen Nachbarn das Recht auf Lancierung von Initiativen und Referenden. Nehmen wir weiter an, Sie und Ihre Gesinnungsfreunde würden dann eine Initiative lancieren, die das Verbot der Abtreibung (ausser in genau definierten Ausnahmefällen wie Schwangerschaft als Folge von Vergewaltigung oder Inzest oder Gefahr für das Leben der Mutter) fordert. Wie sähe das Ergebnis der Volksabstimmung wohl aus? Wir beide wissen es. Mindestens zwei Drittel der Stimmberechtigten, vielleicht 80 %, würden nein zum Abtreibungsverbot sagen, selbst wenn Befürworter und Gegner in den Medien gleichermassen zu Wort kämen.

Um dies zu ändern, müsste lange und intensiv auf das Bewusstsein des Volkes eingewirkt werden, damit dieses begreift, dass

a) Kein Recht auf die Tötung eines unschuldigen Menschen, und befinde er sich auch noch im Embryonalzustand, existiert.
b) Die Abtreibung den Volkstod fördert und das deutsche Volk nur durch eine hohe Geburtenrate der ethnischen Deutschen aus der Demographiefalle befreit werden kann.

Parallel zu dieser Aufklärung müsste natürlich vom Staat dafür gesorgt werden, dass keine Mutter in Not gerät, weil sie ein Kind zur Welt gebracht hat. Dies würde eine Anerkennung der Mutterschaft als Beruf und hohe Prämien für jedes Kind voraussetzen. Erklären Sie das heute dem gehirngewaschenen Normalbürger oder gar dem antifaschistischen Eiferer, so schreit er gleich: "Aha, Mutterkreuz. Die Frau soll wieder zur Gebärmaschine herabgewürdigt werden, wie es unter Franco, unter Mussolini, unter dem Leibhaftigen aus Braunau der Fall war. Weiche hinweg, Satan."

Es führt kein Weg an der Einsicht vorbei, dass ein Abtreibungsverbot mitsamt den unabdingbaren flankierenden Massnahmen nur in einem autoritäten Staat durchzusetzen sein wird - und in diesem kann es kein Recht auf Initiativen und Referenden geben.

Ein Staat, der das Wohl seiner Bürger sowie den Schutz von Natur und Umwelt anstrebt, muss notfalls auch unpopuläre Schritte ergreifen. Ich sagte einmal zu einer französischen Kollegin, die erste Massnahme, die ich als französischer Staatschef mit weitgehenden Befugnissen ergriffe, wäre das Verbot des Stopfens von Gänsen und somit der von den Franzosen so geliebten Gänseleberpastete. Damit würde ich gleich zu erkennen geben, dass ich auch gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit zu handeln bereit bin, wenn mein Gewissen es mir vorschreibt.

Was für die Abtreibungsfrage gilt, gilt gleichermassen für die Erzwingung eines Drittwelteinwanderungsstops und die Einleitung der "Remigration", wie Martin Sellner zu sagen pflegt. Es gilt für das Verbot des Gender Mainstreaming und die Abschaffung der Schwulen-"Ehe". All diese absolut notwendigen Massnahmen sind nicht in einem System durchführbar, in dem die Volksfeinde, die Befürworter des Grossen Austauschs, Narrenfreiheit geniessen.
Winston Smith 78699
06. November 2016 12:11
@ Caroline Sommerfeld @ M.M. Hof @ venator

Dieser interessante Disput hebt gerade ab, für mein Empfinden zumindest. Den Satz
Hyperverantwortungsethik kann es nicht geben, weil Verantwortungs- vs. Gesinnungsethik eben das Hypertrophe als „Gesinnung“ kritisiert, und zu Verantwortung mahnt.

lese ich immer wieder - mit mehr oder weniger Gehlen in dem Wort - und komme jedesmal, wenn überhaupt, auf andere Ideen in der Hoffnung auf ein Verstehen. Das aber kann es ja nicht sein. Vielleicht sind ja andere auch zu schwach für den Satz. Vielleicht ein Beispiel? Und auch hier bitte eines:
Und wenn Rechte sich mitunter zum Bösen hingezogen fühlen, liegt’s vielleicht am Überdruß allem verordneten Gutsein gegenüber?
... damit das nicht mißverstanden wird. Fühlen die sich bewußt oder unbewußt hingezogen? Ist das Drang oder nur Faszination? Wer in diesem Sinne Böses vorhat - will der Böses oder einfach nur Vorteil und Gewinn? Sind sie sich des Überdrusses bewußt und ist dies Entscheidung, oder werden sie von diesem Überdruss beherrscht? Vielleicht halte ich einfach mal dagegen und sage: Kein Rechter fühlt sich je zum Bösen hingezogen - und wenn es schon mal vorkommt, dann ist dies Sünde vor seiner Gesinnung und Abfall von der Lehre. Insofern einer ein Rechter ist, will er das Gute.
deutscheridentitärer
06. November 2016 12:55
So simpel ist das…und doch so unendlich schwer zu erreichen.
Menschen, die Rasse, Volk und Nation nicht als erhaltenswert betrachten, können das leider nicht verstehen.



Die Frage ist ja, warum so viele Menschen dieses für uns selbstverständliche Anliegen, seine nationale Identität zu bewahren, nicht teilen.


Meiner Meinung nach gibt es eine diskursiv unüberbrückbare Kluft zwischen uns, die ihre nationale Identität als existientielle Gegebenheit empfinden und jenen, die sich ihrer zugunsten einer "Menschheitsidentität", unter welchem politischem Vorzeichen auch immer, entledigt haben.


Es greift deshalb auch zu kurz, unsere weltanschaulichen Feinde als dumm abzukanzeln..

Dieses Urteil trifft zwar auf eine große Masse zweifellos zu (wiewohl auch auf Rechte), verkennt aber, dass es hier nicht um richtig oder falsch, sondern um zwei verschiedene Paradigmen geht, die sich in einem Kampf auf Leben und Tod miteinander verstrickt sehen.


Als jemand, der sich sehr oft über die Kluft hinweg zu verständigen versucht hat (und ich rede hier nicht von einer bloßen links-rechts Trennung, bekanntlich hat auch die Linke (noch) antiglobalistische Elemente, kann ich nur von der vollständigen Sinnlosigkeit dieses Unterfangens warnen.


Es geht nicht darum, sich im diskursiven Rahmen durchzusetzen, das ist überhaupt erst ab einer gewissen gemeinsamen Schnittmenge möglich, sondern das eigene Paradigma zu stärken und das gloalistische zu zerstören.

Hier haben auch diskursive Mittel ihren Wert, aber eben nicht als Selbstzweck; man muss deshalb hier allen vermeintlichen Anstand und Höflichkeit fallen lassen (es sei denn es ist situationsbedingt angebracht).



Die radikale Linke ist hierbei mit ihrer Diskursverweigerung wieder einmal faktisch weit mehr an ihrem Machtinstinkt orientiert.


Der Eintritt in den Diskurs und die Kaperung desselben kann nur der erste Schritt zur Verdrängung des Feindes daraus sein.


Es ist nichts ethisches daran, seinen Feinden und Möchtegern-Mördern das freie Wort zu gestatten.

Ethisch ist es das partikularistische Paradigma von Millionen, eigentlich Milliarden Menschen gegen das globalistische Paradigma von einigen hundertausend wohlstandsverwahllosten privilegierten oberen Mittelschichts- und aufwärts Angehörigen zu verteidigen.


Ethisch ist es weiterhin, sich nicht von seinem Zweifel an der Wahrheit, der einen nicht-primitiven Menschen wahrscheinlich nicht verlassen wird, dahingehend bestimmen zu lassen, dass man auch den als unethisch erkannten Feinden tolerant entgegentritt, weil man sich ja irren könnte.

Dieses Risiko muss man eben auf sich nehmen und ggf. die Verantwortung dafür übernehmen.
Winston Smith 78699
06. November 2016 14:27
@ deutscheridentitärer

Ich versuche es öfters mit dem Argument von der Sprache: es kann nicht sein, dass Denker in deutscher Sprache wie etwa auch Marx, Brecht und die Frankfurter in dem Sinne zur Auslöschung der Kultur verwendet werden, dass in dem resultierenden globalen und zu Einheitsbrei verflachenden Kulturgemisch (unter uns: Höllenpfuhl der Sklavenidiotie) niemand mehr ausreichend deutsch können wird, um genau diese Gedanken zu verstehen. Dass dies paradox ist und ob sie das denn wollen können. Dass dies in Wahrheit auch das Ende der Sozialismen wäre.

Jenen Ausländern, die nur auf die Plünderung von Land und Volk aus sind - und dies jedem vermeintlich links agierenden Orientalen und auch bisweilen den Südosteuropäern zu unterstellen neige ich zusehends - , und die den medialen Diskurs deutlich mehrheitlich prägen, wäre das natürlich egal. Die argumentieren auch nicht ehrlich und lassen sich dann sicher auch nicht auf Argumente ein. Und dort ist auch alle von Ihnen genannte Härte und Konsequenz bis zur Diskursverweigerung angebracht - und wenn doch irgendwann einmal wieder unterlegen, brauchen diese Gauner auch nicht mehr um Verständnis bitten.

Was aber ist mit den verwirrten Deutschen? Stünde es, wenn man das Volk und dessen Eigenschaften hochhält, nicht dazu im Widerspruch, ihnen die Fähigkeit zur Einsicht und Umkehr auch nach viel Indoktrination abzusprechen, indem man den Diskurs verweigert und sie wie endgültig Verlorene abschreibt? Sollte man die nicht (vielleicht in einer der Herunterbildung angepaßten Form) mit Argumenten wie dem oben zu erreichen suchen?
Venator
06. November 2016 15:07
@ Caroline Sommerfeld

Ich bleibe dabei, dass es eine Moral nicht geben kann, die sich nicht selbst für gut hält, sei dies bewusst oder unbewusst. Man unterscheidet nicht einfach so zwischen gut und böse, sondern man tut dies, weil man es für sittlich richtig hält. Und es kann auch keine Moral geben, die nicht auch auf andere Bereiche wirken will, die letztlich keine Grenzen zur Politik, Religion usw. anerkennen will. Die gute Sittlichkeit erfasst den ganzen Menschen und somit auch die ganze Gesellschaft (oder vielleicht besser umgekehrt: zuerst als *suedh- das allgemein Übliche und daraus das vom Einzelmenschen als gut Erkannte). Was der Beobachter darüber denkt, ist eine andere Frage. Aber auch er wird wenigstens in gewissen Teilen nicht um ein Sittenurteil umhinkommen, kann also den amoralischen Zugang letztlich nicht aufrechterhalten.

Witwenverbrennung, Ehrenmord und uneingeschränkte patria potestas sind nicht bloß spannende volkskundliche Eigenheiten, sondern tatsächlich böse. Sie sollten verurteilt und bekämpft werden, wenn nicht verantwortungsethisch die Kosten dafür zu hoch sind. "Hyperverantwortungsethisch" wäre es hier, opportunistisch und gesinnungslos zu sagen, sollen die Inder doch weiterhin ihre Witwen verbrennen, solange ich mit ihnen gewinnbringend und arbeitsplatzsichernd Handel treiben kann, sollen die hiesigen Moslems doch weiter ihre Töchter umbringen, wenn ein zu scharfes Durchgreifen unserer Justiz zu Unruhen führen könnte.

Das heißt also: Keine Trennung von Moral und Politik, wenngleich die Moral immer auch verantwortungsethisch beleuchtet werden muss (woran es im Merkeldeutschland gewiss mangelt). Kein Machiavellismus, kein Talleyrandismus, kein Bismarckismus, kein "Not kennt kein Gebot".
Antillectual
06. November 2016 15:10
Bin ich eigentlich der Einzige, den diese ständige Rumklickerei auf sezession.de nervt? Warum den Artikel auf SECHS Seiten aufbröseln?

Entschuldigung, daß ich meinem Ärger unbeherrscht Luft mache, aber ich finde, euer primitives Blogformat steht im krassen Gegensatz zur Qualität eurer Beiträge.

Hier wird ein Linker zitiert, daß wir die "Uncoolen" sind, und das Layout dieses Blogs bestätigt genau das. Wer heute Normalos anziehen will, kann sich nicht darauf beschränken, nur den Intellekt anzusprechen, er muß auch ästhetisch überzeugend auftreten. DOMINIEREND auftreten.

Die Identitären haben das kapiert, die Alt Right auch, ihr nicht. Für 2 Riesen könntet ihr euch von talentierten Webdesignern eine Netzseite bauen lassen, die optisch und funktional auf eure Feinde ehrfurchtgebietend wirken würde.

Statt dessen backt ihr hier seit Jahr und Tag mit diesem graumausigen 0815-Layout kleine Brötchen und signalisiert der Linken, daß ihr in eurer kleinen Nische ganz zufrieden seid.

So und jetzt schlagt mich.

M.L.: SiN wird demnächst mit einem funkelnagelfrischen, sexy-herrischen Outfit neu gestartet. Aber ehrlich gesagt, nichts könnte mir scheißegaler sein, als daß irgendein hipper linker Stinker unser Seitendesign für "uncool" hält. Das soll mir im Gegenteil eine Ehre sein. Überhaupt ist "uncool" das neue "cool", Klonovsky ist uns auf Acta Diurna diesbezüglich weit voraus.
Nero
06. November 2016 15:41
@ Kein Globalist

Hochinteressante Ausführung.
Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Als ich den Leuten die schon alles wissen erklären wollte, dass Globalisierung ökonomisch jeder gegen jeden bedeutet, kurz Hyperwettbewerb, erntete ich totales Unverständnis.
Offene Grenzen sein doch gut, bringen sie die Leute näher zusammen...
Solchen Bullshit haben mir da Leute mir einem Doktor vor ihrem Namen erzählt. Ich denke das ist typisch für die jetzigen Akademiker.
Ich frag dann auch immer ob es gut sei wenn 7,5 Milliarden Menschen nach Deutschland kommen wollen? Menschenrechte geben das ja her...
Antwort: Also das ist jetzt Unsinn. Da kommt dann schon keiner mehr.
Rechte Panikmache... und überhaupt dieser Trump... geht gar nicht.
Wenn dann argumentativ nichts mehr zu holen ist, dann wird die Menschheitskarte auf den Tisch geknallt. Wir forschen für die gesamte Menschheit!

So oder so, sie haben Angst, dass sie ihren Platz verlieren. Ihnen ist keine Aussage zu dumm um nicht doch irgendwie am System festzuhalten. Wie sie richtig erkannt haben gehören diese Leute aber selber zum akademischen Lumpenproletariat und erkennen nicht, dass sie sich selber schaden. Dabei könnten doch gerade diese hier nur gewinnen wenn sich etwas in unsere Richtung bewegt.
Ein gebürtiger Hesse
06. November 2016 15:45
@ deutscher Identitärer

Es ist nichts ethisches daran, seinen Feinden und Möchtegern-Mördern das freie Wort zu gestatten.

Manche Sentenzen erreichen einen wie ein weises Priesterwort bei der Sonntagsmesse. Sie wirken aufschließend, und das so sehr, daß man sie sich gar nicht erst "hinter die Ohren schreiben" muß, sondern sie tun das praktisch von selbst. Danke für obige Aussage wie Ihren ganzen Kommentar!
Andreas Müller
06. November 2016 17:09
Dieser Radiobeitrag wirft auch ein interessantes Licht auf die globale Klasse und ihre Krise, die unter anderem durch den US-Wahlkampf erhellt wurde:
https://hintermbusch.wordpress.com/2016/11/06/das-amerika-von-trump/
Waldgänger aus Schwaben
06. November 2016 17:24
@Der_Jürgen

Natürlich wäre es falsch, die eigene Truppe sinnlos im Feuer einer nicht zu gewinnenden Volksabstimmung zu verheizen. Ich würde mich in keiner Initiative engagieren, die einen strikten Lebensschutz durchsetzen will, weil diese momentan nicht zu gewinnen wäre. Hier braucht es eine Politik der kleinen Schritte.

Mein Punkt ist ein anderer. Ich denke, die drängenden Fragen der Zeit sind in Deutschland nur mittels Volksabstimmungen politisch zu lösen. Und mit politisch lösen meine ich friedlich, unblutig lösen.

Die Firnis der demokratischen Kultur ist so dünn. Wenn zum Beispiel eine Lösung der Frage, wie wir mit den gegen Deutschland drängenden Menschenmasen aus Afrika und dem arabischen Raum umgehen, im Wege einer Volksabstimmung entscheiden, dann könnte die unterlegene Seite dies noch am ehsten akzeptieren und friedlich bleiben. Jede andere Entscheidungsfindung birgt eine größere Gefahr in sich, dass die unterlegene Seite zu unfriedlichen Mitteln greift.
Heino Bosselmann
06. November 2016 17:51
An Michael Seemanns Beitrag finde ich erstaunlich, dass tatsächlich ansatzweise marxistisch analysiert, also nach den ökonomischen Basis-Regularien, mithin nach den „Produktionsmitteln“ gefragt wird, die eine neue Welt und ein anderes Denken schaffen. Was ich ansonsten von der intellektuellen Linken höre, ist einfach nur gefühliges, also moralisierendes Zeug, reiner „Überbau“, um mal bei Marx zu bleiben – und damit die ihn verkehrende Illusion, mit moralischen Floskeln, mit Menschenketten und Kerzenhalterei, mit Rauchverbot, Genderkuriosem und Gleichstellungsrhetorik ließen sich gesellschaftliche Zustände verändern. Rückfall in die Hegelei! – Zum anderen pathologisiert Seemann den rechten Abwehrreflex nicht, was ansonsten doch sogleich geschieht, sondern versucht ihn herzuleiten. Grundsätzlich sogar richtig.

Was allerdings die sog. Demokratie betrifft – ob nun in der Darstellung Seemanns oder hier in Herrn Lichtmesz’ Deutungszusammenhang, so bliebe zu fragen, ob sie tatsächlich das ist, was alle Welt als aufklärerischen Ausdruck von Gerechtigkeit darin vermuten möchte oder ob sie nicht vorzugsweise vor allem eines bewerkstelligt, nämlich die organisierte Herrschaft von Hegemonen, die sich ihrer routiniert zu bedienen wissen, und zwar phänomenal clever, indem bislang ein utilitaristischer Interessenkompromiß stabilisiert gewährleistet wird – sehr „social-demokratisch“ zwischen Besitzenden und nach wie vor „doppelt freien Lohnarbeitern“, die sich auf Discounter-Niveau zufriedengestellt und billig unterhalten finden, während die Leistungs- und Entscheidungsträger, vor allem aber die – in Größenordnung – Besitzenden ihr Ding machen können. Ganz abgesehen davon, dass bürgerliche Grundfreiheiten, ja selbst die beweihräucherten Menschen- und Bürgerrechte immer weniger Menschen interessieren, solange sie nur versorgt und multimedial in ihre Illusionen entlassen sind.

So bleibt gerade in einer „komplexeren Welt“ stets zu fragen: Wer ist mit welchem Ziel Agens? Welcher Mittel bedient er sich zu welchem Zweck? Wie wird im Marxschen oder im Schmittschen Sinne (was dicht beieinander ist) Macht etabliert und genutzt? – Und wo ist meine materielle und ideelle Position, die sich womit vergleichen ließe wo Anschluss fände. –
Klaro
06. November 2016 19:35
@Wutbürger

Da sich diese unahltbaren Zustände nur ändern werden, wenn die politische Recht hier die Macht erlangt, haben wir gar keine Alternative: wir müssen siegen!


@Waldgänger aus Schwaben

Ich sehe für Deutschland nur noch einen Weg zu einer politischen Lösung: Bundesweite Volksabstimmungen, besser der Umbau unseres Systems zu einer Demokratie nach Schweizer Vorbild.


Siegen ja, aber wie? Durch Volksabstimmungen? Wie um alles in der Welt soll man sich unter der de facto herrschenden Diktatur für Abstimmungen denn überhaupt aufstellen? Das ist, wie wenn man in der Sowjetunion Volksabstimmungen gefordert hätte. Völlig sinnlos. Auch die neulich der AfD bundesweit attestierten 12% haben keinen anderen Effekt, die Blockparteien nur noch fester gegen die vermeintlichen Nazis zusammenzuschweissen, siehe die gleichzeitigen Zuwächse bei den Grünen. Es sei hier mal die These aufgestellt, dass nur noch ein strategischer Rückzug zusammen mit einer Strategie der verbrannten Erde und anschliessender Rückeroberung europäische Identität in Europa retten kann. In den USA gibt es die Bewegung "Freier Nordwesten", die einen Rückzug der brauchbaren Elemente der weissen Bevölkerung in die Bundesstaaten Washington, Idaho und Montana propagiert. Ähnlich brauchen wir in Europa eine Bewegung "Freier Osten", denn der der ganze Rest einschliesslich Ostdeutschlands ist einstweilen verloren. Überlasst die Globalisten in ihren Städten ihrem Schicksal, eher über kurz als über lang wird es sie dann gar nicht mehr geben, denn in der Konkurrenz mit einer clanbasierten Einwandererdemographie aus der dritten Welt verliert der Starbucksgänger allemal. Wenn der Westen dann zu einem gigantischen Libanon herabgesunken ist (bestenfalls), dann ist die Stunde der Rückeroberung gekommen. Als Gewinn winkt dann ein Europa ohne Linke.

@Der_Jürgen

Was Abtreibung und Reproduktionsmedizin anbelangt, muss man sich völlig eiskalt stellen, denn für alles andere ist die Lage zu ernst. In den USA hat die LIberalisierung der Abtreibung jedenfalls den Effekt gehabt, die absehbare Minderheitswerdung der weissen Bevölkerung aufzuschieben, denn schwarze Frauen neigen eher zu Abtreibungen als weisse. Ausserdem hilft die pränatale Diagnostik älteren Akademikerpaaren, gesunde Kinder zu bekommen, und senkt somit deren Hemmschwelle für die Familiengründung.
Waldgänger aus Schwaben
06. November 2016 22:48
@Klaro,
Es ist vielleicht Ihrer Aufmerksamkeit entgangen, dass die CSU eine Mitgliederbefragung zum Thema Volksentscheide auf Bundesebene vorgenommen hat.


Das Votum ist eindeutig:

Die CSU-Basis hat sich in einer Mitgliederbefragung klar für Volksentscheide auf Bundesebene ausgesprochen. Mehr als zwei Drittel (68,8 Prozent) der Teilnehmer befürworteten diese, wie Generalsekretär Andreas Scheuer auf dem CSU-Parteitag in München mitteilte.

SPD, Grüne udn FDP haben das sowieso schon lange in ihren Programmen stehen, nur die CDU ist offiziell dagegen. Und 2017 wird die CDU allein keine Blockademacht mehr mit einem Drittel der Abgeordneten haben.

Interessanterweise stand diese Forderung bereits 2013 im Wahlprogramm der CSU fiel dann aber bei den Koalitionsverhandlungen still und heimlich unter den Tisch.

Warum liess jetzt Seehofer jetzt darüber die Mitglieder abstimmen?

Möglicherweise will er Volksentscheide auf Bundesebene zu einer zentralen Wahlkampfaussage der CSU machen um die AfD in Bayern klein zu halten, und wird für die Unterstützung von Merkel verlangen, dass sie ihm dabei im Wahlkampf nicht in die Parade fährt.

Da 2018 Wahlen in Bayern sind, kann die CSU 2017 kaum einen Koalitonsvertrag unterschreiben, in dem dieses Thema wieder aussen vor bleibt.

Haben wir erst mal Volksentscheide auf Bundesebene können wir diesen Hebel zu Veränderungen nutzen auch ohne parlamentarische Mehrheit der AfD.

Noch ist Polen nicht verloren.
deutscheridentitärer
07. November 2016 00:22
Mein längerer Kommentar ist leider verloren gegangen, bevor ich in absenden konnte, deshalb in aller Kürze:


Was aber ist mit den verwirrten Deutschen? (...) Sollte man die nicht (vielleicht in einer der Herunterbildung angepaßten Form) mit Argumenten wie dem oben zu erreichen suchen?


Doch, sollte man, auf jedenfall.

Nur eben unter der Maßgabe taktischer Gesichtspunkte, an Stelle intellektuell-erkenntnisorientierter.


Ihr obiges Argument scheint mir allerdings ein Paradebeispiel für die Verwechslung oder besser die Gleichsetzung beider Kategorien zu sein:

Mit hohem Reflexionsgrad, deshalb intellektuell stark, aber wie ich vermute kaum geeignet einen Bewusstseinswandel bei jemandem hervorzurufen, der außerhalb unseres Paradigmas steht.

Allerdings: Ihr Argument ist gut geeignet zur Selbstversicherung der eigenen Position, als Bollwerk gegenüber den Zersetzungsversuchen des Feindes.

Das ist meiner Erfahrung nach die wichtigere Rolle des Intellekts.


Die Weltanschauung eines Menschen ist nur zu einem geringen Teil rational geprägt.

Diesen Teil kann und sollte man versuchen anzusprechen, wenn es denn erfolgversprechend erscheint.

Es ist hierbei effektiver, die subjektive Identität des Anderen zu zersetzen, anstatt ihn positiv für die eigenen Identität gewinnen oder auch nur Verständnis dafür hervor rufen zu wollen.

Ist das Fundament und die Selbstverständlichkeit seiner globalistischen Identität ersteinmal zerstört, wird er sich nach kurzer Leidensphase auf eine partikularistische Identität zurückziehen, das bedingt die Polarität beider Anschauungen.

Dass die partikulare Gruppenidentität, wenn durch konkrete Erfahrungen herausgefordert, die stabilere gegenüber der globalistischen Identität ist, die für die allermeisten Menschen keine Realität etwa im Sinne einer zu erwartenden konkreten Solidarität ist, wirkt sich systematisch zu unseren Gunsten aus.

Die aktuellen Entwicklungen werden mannigfaltige solcher Herausforderungen bereit halten und auf ihre bewusstseinserweckende Kraft sollten wir zählen.

Wer es dadurch nicht lernt, lernt es rational erst recht nicht.
Paul
07. November 2016 09:24
Auf der einen Seite des politischen Spektrums sieht man nur die eigene Welt und die Welt, wie sie sein sollte. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums sieht man die Welt, wie sie ist.

Traum und Wirklichkeit, Schein und Sein .....ich könnte hier noch Stundenlang Gegensatzpaare bilden...aber ich denke, jeder hier weiß, wovon ich spreche.

Wir leben in einer geschichtlichen Epoche, in der die Gegensätze wie nie zuvor in den letzten Jahrzehnten hervortreten.

Es gibt Bruchlinien, die Gräben entstehen lassen, die nicht mehr zu überbrücken sind.
Der common sense ist schon längst zu Grabe getragen worden.

Man muss Blind sein, um nicht erkennen zu können, dass sich die entstandenen Gräben nicht mehr schließen lassen.
Der einstige Kitt in Form von Wohlstand und Konsum für Alle, der dieses Gesellschaftsmodell zusammen gehalten hat, ist porös und brüchig geworden. Er klebt nicht mehr zusammen, was nicht zusammen gehört.

Zu unterschiedlich sind die sich gegenüberstehenden Positionen, als dass sie in einem Kompromiss wieder zusammen gebracht werden könnten.

Der Kampf um die Deutungshoheit ist in vollem Gange....und es gibt keine andere Option als zu gewinnen.
Meier Pirmin
07. November 2016 12:39
@Wutbürger/deutscher Identitärer/ gebürtiger Hesse: der Hinweis, was wäre, wenn endlich "die Rechten" an der Macht wären macht mir den Eindruck einer Machtphantasie, die sich schnell mal zu einer Allmachtsphantasie weiter-metastasieren kann. Desgleich der Hinweis "es ist nichts Ethisches daran, seinen Feinden und Möchtegern-Mördern das freie Wort zu gestatten". Ich weiss nicht, ob gegen Sie schon - zum Beispiel von Gewerkschaftsseite - Unterschriften gegen Ihren Stellenantritt gesammelt wurden oder ob Sie schon wegen Meinungsverbrechen entlassen wurden. Wer solche Erfahrungen schon gemacht hat und auch noch ganz ganz andere, einschliesslich der polizeilichen Klassierung und Fichierung als Extremist, kommt unter Umständen zur Auffassung, dass Meinungsfreiheit doch nicht so schlecht wäre und dass eine solche Behandlung selbst dem politischen Gegner schon deswegen nicht gegönnnt werden sollte, weil diejenigen, die wirklich schikaniert werden, auch beim Gegner leider meistens "die Falschen" sind. Obige Machtphantasien, was man denn tue, wenn endlich die Richtigen an der Macht wären, scheinen mir umso mehr obsolet, als jeder, der hier schreibt, auch jede, sich seiner wohl dauerhaften Aussenseiterposition bewusst sein sollte. Erst vor wenigen Tagen habe ich wieder mal die Erfahrung gemacht, dass in einer Vereinigung von theoretisch gleichgesinnten "Liberalen" mir eine Dozentin, Publizistin und Buchautorin explizit zu verstehen gab, bestehende Meinungsverschiedenheiten mit mir auch auf elektronischem Wege nicht austragen zu wollen. Hintergrund: Ich hatte mich vor einem oder zwei Jahren auf diesem Blog hier kritisch über sie geäussert, was offenbar schon vom Medium her als unter aller Kritik eingeschätzt wurde. Es ist tatsächlich keine Kleinigkeit, wie es Wawerka machte und noch andere, von diesem Forum aus mit Klarnamen politische und metapolitische Kritik zu artikulieren. Oder wie ich es mir vorige Woche mal in einer früheren Sezessions-Debatte zu vermuten erlaubte: Die Toleranz hört immer oder wenigstens sehr oft dort auf, wo die wahren Meinungsverschiedenheiten auf den Tisch gelegt werden. Zu den Neurosen der sogenannten Liberalen gehört es, dass sie sich für toleranter halten als andere.


Um aber auf die obigen Thesen zurückzukommen: Wenn diejenigen an der Macht wären, die sich hier "wir" nennen, dann bliebe Opposition auf der Basis von Meinungs- und Gedankenfreiheit erst recht eine Notwendigkeit. Weil die Macht auch diejenigen zu korrumpieren pflegt, die glauben, sie seien nun endlich die Richtigen.
Der_Jürgen
07. November 2016 14:41
@Klaro

Sehr gut möglich, dass in den USA schwarze Frauen häufiger abtreiben als weisse, aber ich bin sicher, dass muslimische Frauen weitausl seltener eine Abtreibungsklinik aufsuchen als deutsche. Somit lässt sich Ihr Argument nicht auf Deutschland übertragen.

Einwanderungsstop, Remigration und Abtreibungsverbot (mit den in meinem vorherigen Beitrag erwähnten Ausnahmeregelungen) sind eng miteinander verknüpft. Sie sind allesamt Bestandteile des erforderlichen Programms zur Reconquista. Dies wird bestimmt auch den Atheisten und Agnostikern im nationen Lager einleuchten, die im Gegensatz zum schwäbischen Waldgänger oder mir keine grundsätzlichen moralischen Einwände gegen die Abtreibung erheben.
Klaro
07. November 2016 14:46
@Waldgänger aus Schwaben

Es ist vielleicht Ihrer Aufmerksamkeit entgangen, dass die CSU eine Mitgliederbefragung zum Thema Volksentscheide auf Bundesebene vorgenommen hat.


Ja, das ist meiner Aufmerksamkeit entgangen, ich finde es aber auch irrelevant. MIt den Volksentscheiden wird es dann bestenfalls wie mit Stürzenbergers Bürgerbegehren: Rohrkrepierer. Dafür wird das System dann schon sorgen. Warum sollte die CSU sich auch für Volksentscheide einsetsen, die wirklich etwas bringen, wenn sie es mit einer Verfassungsbeschwerde in der Hand gehabt hätte, der Merkelschen Grenzabschaffung wirksam etwas entgegenzusetzen? Eine Verfassungsbeschwerde seitens der CSU hätte das BVerfG nicht so einfach ignorieren können, und bei einem Erfolg - zugegebenermassen unwahrscheinlich aber auch nicht unmöglich - wären die weiteren Folgen unabsehbar gewesen. Dieses Hoffen, Hoffen, Hoffen auf eine Einkehr des Machtkartells, sei es, dass sie sich durch Volksentscheide oder wie auch immer ausdrückt, ist vergebens, Diese Leute wollen nur eins: Die Abschaffung Deutschlands und der Deutschen. Dieses Ziel verfolgen sie systematisch und enthusiastisch, wobei sie opportunistisch und kurzfristig auf sich veränderte Gegebenheiten reagieren und sie für sich ausnutzen. Das sollte man sich zu Gemüte führen und entsprechende gedankliche und handlungsmässige Konsequenzen ziehen.
deutscheridentitärer
07. November 2016 16:38
Obige Machtphantasien, was man denn tue, wenn endlich die Richtigen an der Macht wären, scheinen mir umso mehr obsolet, als jeder, der hier schreibt, auch jede, sich seiner wohl dauerhaften Aussenseiterposition bewusst sein sollte.


Ihre umfangreiche Bildung in Ehren, aber politisch sind Sie unbedarft.

Dass sie persönlich Repressionserfahrungen gemacht haben (wie viele übrigens), macht ihre Bedenkenträgerei zwar etwas weniger schmächlich, aber nicht nutzbringender.
Waldgänger aus Schwaben
07. November 2016 18:22
@Klaro
Nun denn manche haben es sich in ihren Untergangsphanastien gemütlich eingerichtet.
Ja ich hoffe.
Dum spiro, spero

Cameron ist zum Brexit gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Eigentlich wollte er nur die UKIP klein halten und hat deswegen eine Abstimmung über den Brexit versprochen. darauf vertrauend, dass die Briten schon nicht den Mut dazu aufbringen. Und dann kam es halt anders. Möge es der CSU ähnlich ergehen.

Das BVerfG hätte eine Verfassungsbeschwerde der CSU abgeschmettert, genauso wie Klagen gegen die Euro-Rettung. Dieses Gericht ist inzwischen genauso Teil des Systems wie der Bundes-Gauckler.
Merkel schon die Richtigen reingesetzt.
deutscheridentitärer
07. November 2016 18:24
Ergänzung:

Um das an einem konkreten Beispiel zu verdeutlichen:


Als in der Hochphase von PEGIDA Interviews verweigert wurden und das Schlagwort "Lügenpresse" populär wurde, hat das das Meinungskartell weit mehrgetroffen, als es jedes noch so wohlformulierte Argument je gekonnt hätte.

Hier war "Diskursverweigerung" also der richtige Weg und das obwohl man eben gerade nicht in einer Machtposition war, womit die Unzulänglichkeit ihres Arguments hoffentlich klar wird.
Der_Jürgen
07. November 2016 19:50
@Deutscheridentitärer
@Ein gebürtiger Hesse

"Es ist nichts Ethnisches daran, seinen Feinden und Möchtegern-Mördern das freie Wort zu gestatten."

Uh, wie intolerant! Da wird es manchem feinen Liberalkonservativen eiskalt den Rücken herablaufen.

Mir nicht. Man lese - um ein Beispiel von unzähligen zu erwähnen - diesen Artikel

http://www.taz.de/!5114887/

und sage mir dann, ob sein Verfasser, plus die Redakteure der Zeitung, die diesen Kot abdrucken, einen Anspruch auf Meinungsäusserungsfreiheit haben. Nach dieser Logik könnte man einen notorischen Kinderschänder ungehindert sein Unwesen treiben lassen, weil sonst ja sein Recht auf ungehinderte sexuelle Entfaltung verletzt würde, oder einen Drogendealer unbehelligt Heroin an Minderjährige verkaufen lassen, unter Berufung auf die Gewerbefreiheit.

Unlängst wurde ein Mann, der in einer Forumdiskussion gefordert hatte, "die Öfen von Auschwitz wieder in Betrieb zu nehmen", deswegen zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Mit dieser Äusserung hat er sich als Strohkopf der Extraklasse profiliert, aber wieviele Jahre Gefängnis müsste dann ein Kerl erhalten, der nicht auf einem Forum, sondern in einer grossen Tageszeitung für den Völkermord an den Deutschen trommelt?

@Pirmin Meier

"... jeder, der hier schreibt, sollte sich seiner wohl dauerhaften Aussenseiterposition bewusst sein..."

Ich habe es schon früher einmal geschrieben, wiederhole es aber: Glauben Sie, die Kubitscheks und die Kositzas, die Lichtmesz und die Sellners, die Meyers und die Kaisers schrieben hier ausschliesslich, um ihre Gesinnungsgenossen und die Foristen mit ihrer profunden Bildung und ihrem eleganten Stil zu beeindrucken?

Gewiss, von einer gewissen Eitelkeit ist - bis auf Sie natürlich - keiner frei, aber all diese Menschen schreiben wohl in allererster Linie, weil sie dazu beitragen wollen, den Boden für jene radikale Wende vorzubereiten, die zur Rettung Deutschlands unabdingbar ist. Sie alle sind nicht bereit, sich "ihrer wohl dauerhaften Aussenseiterposition bewusst zu sein", und gar mancher Forist, der sich hier zu Wort meldet, auch nicht.
Annemarie Paulitsch
08. November 2016 08:39
Ein Abtreibungsverbot wird abtreibungswillige Frauen nicht vor einer Abtreibung zurückhalten. Bei einem Verbot werden also entweder wieder die Engelmacher Hochkonjunktur haben oder die Frauen begeben sich ins liberale Ausland. Außerdem: was für ein Leben hat ein Kind zu erwarten, das nicht mal von der eigenen Mutter angenommen wird?
deutscheridentitärer
08. November 2016 11:03
Ein Abtreibungsverbot wird abtreibungswillige Frauen nicht vor einer Abtreibung zurückhalten. Bei einem Verbot werden also entweder wieder die Engelmacher Hochkonjunktur haben oder die Frauen begeben sich ins liberale Ausland. Außerdem: was für ein Leben hat ein Kind zu erwarten, das nicht mal von der eigenen Mutter angenommen wird?


Ach bitte ... so ein Blödsinn.

Erstens ist es absolut nicht plausibel, dass ein Gesetz samt Sanktionen die überhaupt keinen Abschreckungseffekt auf "Abtreibungswillige" hätte.

Wissen Sie, ich habe auch oft Lust, manchen Mitmenschen ins Gesicht zu schlagen, bin also gewissermaßen durchaus willig, alleine das Bewusstsein um die rechtlichen Folgen hält mich davon ab.

Zweitens sind Gesetze auch ein Ausdruck des moralischen Konsens einer Gesellschaft, deshalb sind unmoralische Dinge auch dann unter Strafe zu stellen, wenn die Aufklärungs- und/oder Repressionsquote gering wäre.
Martin Lichtmesz
08. November 2016 11:29
Zum Abschluß der Diskussion - und passend zu dem Artikel - der heutige Eintrag von Michael Klonovsky:


8. November 2016

Morgen entscheidet sich – wer weiß? – vielleicht nichts, vielleicht das Schicksal der Welt? Dass eine Robin-Hood- oder Rienzi-Figur wie Donald Trump überhaupt so weit steigen konnte, versöhnt mich mit den USA. Die gesammelte moralische Minderwertigkeit Amerikas, ja des Planeten hasst Trump: die Ganoven der Wall Street ebenso wie die globalistischen Spitzbuben vom Schlage eines Soros, die Nivellierungsbarbaren in ihren Bürotürmen und NGOs, die kriegsgeilen Neocons, die feministische und die Migrationslobby, die meisten Charaktersimulanten und Leinwandkasper aus Hollywood, die neidzerfressenen sogenannten Linksintellektuellen und natürlich die Pressstrolche, die smarten opportunistischen Faktenverdreher aus den klebrigen Medienkanälen. Egal indes, wer morgen triumphiert, die USA sind, wie nahezu sämtliche westlichen Länder, zutiefst gespalten, man sieht es bei der österreichischen Präsidentenwahl, man sieht es in Frankreich, wo der Front National zwar stärkste Partei ist, von den vereinten Konservativen und Sozialisten jedoch erfolgreich von der Regierungsverantwortung ausgeschlossen wird, man sieht es an der grotesken Blockbildung hierzulande gegen die AfD. Künftige demokratische Voten mit 51:49 Prozent-Resultaten werden den Riss nicht kitten können, vor allem wird sich die große Masse der Absteiger nicht länger manipulieren und sedieren lassen. In den Staaten der westlichen Welt tritt seit mehr als sechzig Jahren erstmals eine Generation ins Berufsleben ein, die genau weiß, dass es ihr schlechter gehen wird als ihren Eltern, und dass es ihren Kindern mit hoher Wahrscheinlichkeit schlechter gehen wird als ihnen selbst, dass es in zwei Generationen keinen Mittelstand mehr geben wird und wahrscheinlich auch ihre Völker nicht mehr existieren, dass sie verarmen und verelenden und sich in ihren ehemaligen Heimatländern, vor den Ruinen ihrer Nationalkulturen, mit dem Lumpenproletariat der dritten Welt und dessen halbbarbarischen Riten werden herumschlagen müssen, während sich in den Händen einiger weniger ungeheuere Kapitalmengen konzentrieren und genau diese jeglicher Bindung und Verantwortung enthobenen, mobilen Weltabmelker daran arbeiten, dass es den sogenannten einfachen Menschen noch schlecher geht. Es riecht nach Revolution, es riecht nach Bürgerkriegen allüberall...

Dazu passt dieses mitreißende (und perfekt gemachte) Wahlkampfvideo von Trump. Wenn Globalisierung heißt, dass die Staaten zerfallen, dass die Völker entwurzelt und aufgelöst und die Kulturen verramscht werden, dann spucken wir auf sie. Wenn Globalisierung heißt, dass der Planet in die graue Tristesse der Diversity getaucht wird, dann pfeifen wir auf sie. Let's make the people, let's make the nations great again!

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