24. November 2016

Buchtips zu Weihnachten- Schmökern, Teil II

von Ellen Kositza / 8 Kommentare

Folgend fünf weitere Geschenkschmöker! Donovan-Sellner, Nolte-Kaiser, Raspail-Kubitschek, myself-Tenenbom, Wirzinger-Borrmann. Voilà:

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Martin Sellner:

Jack Donovan: Der Weg der Männer, Schnellroda: Antaios 2016. 232 S., 16 €

Donovan beschreibt, wie mir Martin Lichtmesz unlängst etwas lakonisch anvertraute, „eigentlich Selbstverständlichkeiten, Dinge die man sich so immer schon selbst irgendwie gedacht hat“. Kraft, Mut, Kompetenz, Ehre und viele andere männliche Tugenden werden von Donovan mit Verweisen auf die Evolutionspsychologie abgehandelt. Er tut das aber, wie Lichtmesz hinzufügte: „auf eine derart eingängige und klare Weise“, das im Gesamtbild ein Kompendium entsteht, das gerade für Identitäre wie mich unverzichtbar ist. Denn nicht nur die ethnokulturellen, sondern auch die Identitäten der Geschlechter stehen heute auf dem Spiel.

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Benedikt Kaiser:
Ernst Nolte: Faschismus. Von Mussolini zu Hitler – Texte, Bilder, Dokumente, Schnellroda: Antaios 2016. 389 S., 28 €

Man muß Ernst Noltes fragwürdige Theorie über den Nationalsozialismus als »Radikalfaschismus« nicht teilen, um dieses nun wieder aufgelegte Werk jedem Leser wärmstens zu empfehlen. Der Geschichtsdenker Nolte durchdringt die Essenz der einzelnen philofaschistischen, faschistischen und nationalsozialistischen Bewegungen Europas, bettet sie in den historischen Kontext ein und stellt den »kausalen Nexus« zum Klassenmord der Bolschewiki als treibendes Movens (vor allem des NS) heraus. Über 400 seltene Abbildungen aus Bewegungs- und (evtl.) Regime-Phase der faschistischen Parteien und Gruppen gewähren einen Einblick in die »Epoche des Faschismus«, wie er von keinem zweiten Werk geboten wird. Noltes Faschismus-Band sollte daher in keiner Bibliothek zum kurzen 20. Jahrhundert fehlen.

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Götz Kubitschek:
Jean Raspail: Der Ring des Fischers, Roman, Schnellroda: Antaios 2016. 351 Seiten, 22 €

Ich will – als Verleger – ausschließlich auf die Früchte unserer Arbeit aus den letzten Monaten hinweisen: Vieles, was in anderen Verlagen an Empfehlenswertem erscheint, erhält Aufmerksamkeit genug. Jüngst schloß ich die Lektüre des neuen Romans von Christoph Ransmayr ab, Cox oder Der Lauf der Zeit, ein sprachlich-kompositorisches Meisterwerk, aber er ist leider wieder nicht bei Antaios erschienen.
Daher aus unserem Haus: Der Ring des Fischers von Jean Raspail, der dritte Roman, den wir aus seiner Feder veröffentlichen durften. Es geht um die Avignon-Linie der Päpste, die gegen die römische letztlich den Kürzeren zog und nach dem Konzil von Konstanz (1417) an ihr Ende kam. Raspail – ein für ihn typischer Gedanke! – spinnt den Faden weiter: Nichts sei an sein Ende gekommen, eine ununterbrochene Linie von Benedikts zöge sich bis in unsere Gegenwart, von wenigen treuen Gläubigen unterstützt, das Papsttum des verlorenen Postens, widerständig bis zur Armut der Landstreicher. Wie dann der allerletzte dieser Benedikts von einem Agenten des Vatikan aufgespürt und quasi nach Rom heimgeholt wird, ist sehr schön komponiert.

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Ellen Kositza:
Tuvia Tenenbom: Allein unter Amerikanern. Eine Entdeckungsreise, Berlin: Suhrkamp 2016. 463 S., 16.95 €

Tenenbom war bereits Allein unter Deutschen und Allein unter Juden, beide Reiseberichte wurden Verkaufsschlager. Interessant, daß Suhrkamp einen derart politisch unkorrekten Autoren hält! Tenenbom ist alles andere als ein Klugscheißer, wiewohl er womöglich etwas weniger naiv ist, als er tut bei seinen Reisen durch's Land. Seine bewährte Methode: Den Leuten einfach auf’s Maul schauen, sie ungeschminkt zu Wort kommen zu lassen. Und ab und an ein nettes Foto zu schießen. Wir lernen viel, ganz zwanglos. Lachen/weinen inklusiv.

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Sigrid Wirzinger:
Mechtild Borrmann: Trümmerkind, München: Droemer 2016, 304 S., 19.99€

Mechtild Borrmann ist eine mehrfach ausgezeichnete deutsche Krimiautorin; ihr Markenzeichen sind kluge, vor einem gut recherchierten historischem Hintergrund gestellte Kriminalromane. Mit "Trümmerkind" ist ihr wieder ein sehr guter Wurf gelungen:  Ein Findelkind in den Trümmern Hamburgs 1946; eine Familie auf ihrem Gut in der Uckermarck, Hin- und Hergerissen zwischen Bleiben und Gehen; mehrere Trümmermorde, die nicht aufgeklärt werden können; eine Hamburger Familie, die ums Überleben kämpft; Kriegsheimkehrer zwischen Trauma und Sinnsuche und letztlich 1992 zwei junge Menschen auf Spurensuche in ihrer Vergangenheit. – In diesem Roman werden auf spannenden Art und Weise und in einer schönen Sprache jenseits der Schuldfrage die Schäden aufgezeigt, die zwei Kriege, Besatzungszeit und Schweigen im Volk hinterläßt. Ein lohnenswerter Krimi, für Frauen und Männer gleichermaßen!

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Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (8)

K. R.
27. November 2016 15:35
Man nehme es mir bitte nicht übel, aber bisher finde ich die Buchtips zu einfallslos. Bisher waren fünf von neun Empfehlungen aus dem Antaios-Verlag, aber deren Bücher dürfte jeder Leser von sezession.de kennen. Besteht die Hoffnung, dass in den nächsten Teilen etwas unbekanntere Bücher empfohlen werden?
Peter Voit
26. November 2016 16:04
Wie wäre es zudem mit den Werken von Theodor Storm? In dessen Erzählung "Ein grünes Blatt" (1850) etwa heißt es:

"So leb denn wohl, Regine!" sagte er und reichte ihr die Hand. Aber sie trat zurück und sagte zögernd: "Sag mir noch eines . . . ; weshalb mußt du in den Krieg?"
"Weißt du es nicht, Regine?"
Sie schüttelte den Kopf. "Großvater spricht nicht davon", sagte sie und sah wie ein Kind an ihm herauf.
Er verlor sich stumm in ihren Augen; eine Nachtigal schlug plötzlich neben ihnen aus den Büschen (...) Sie stand ihm gegenüber, ohne Regung, kaum belebt von lindem Atmen; nur in ihren Augen, im tiefsten Grunde regte sich die Seele; er wußte nicht, was so ihn anschaute.
"Sprich nur!" sagte sie endlich.
Er ergriff einen Zweig, der ihr zu Häupten hing, und brach ein Blatt herab.
"Es ist für diese Erde", sagte er, "für dich, für diesen Wald - - - - damit hier nichts Fremdes wandle, kein Laut dir hier begegne, den du nicht verstehst, damit es hier so bleibe, wie es ist, wie es sein muß, wenn wir leben sollen - unverfälschte, süße, wunderbare Luft der Heimat!"
Korrektheiten
24. November 2016 15:13
Sezession:Buchtips zu Weihnachten- Schmökern, Teil II: Folgend vier… https://t.co/b5eLyMgb7l #Lesefrüchte #AlleinunterAmerikanern #Antaios
Lenamaria11
24. November 2016 18:04
#Lesefrüchte #AlleinunterAmerikanern #Antaios Buchtips zu Weihnachten- Schmökern, Teil II https://t.co/buxaNtjN71
Benedikt Kaiser
25. November 2016 09:17
@Der_Jürgen: Danke für die Nachfrage. Mangels Zeit verweise ich an dieser Stelle auf meine zusammengefaßte Argumentation in einem Beitrag der Neuen Ordnung (II/2014).
Der_Jürgen
24. November 2016 22:39
@Benedikt Kaiser

Ich habe Noltes Buch über den Faschismus schon vor sehr langer Zeit, als ich noch ein braver Konservativer und Sympathisant des rechten Unionsflügels war, mit Gewinn gelesen. Noltes Definition des Nationalsozialismus als "Radikalfaschismus" leuchtete mir schon damals ein, und ich finde sie heute noch zutreffend. Können Sie bitte kurz erklären, weswegen Sie diese Theorie als "fragwürdig" einstufen? Die Frage interessiert bestimmt nicht nur mich, so dass sich eine Antwort lohnen würde. Besten Dank.
Der_Jürgen
25. November 2016 13:22
@Benedikt Kaiser

Verbindlichen Dank für den Hinweis auf Ihren kenntnisreichen Artikel, den ich mit grossem Interesse las.
Stil-Blüte
25. November 2016 16:51
@ Tuvia Tenenbom, 'Allein unter Amerikanern'

Ich kann Ellen Kositzas Einschätzung nur bestätigen - das Schmökern wird zum kurzweiligen Vergnügen.

Obwohl es um Amerika geht, wird man auch auf fast jeder, wirklich fast jeder Seite daran erinnert, daß jüdisches Erzählen, Berichten, Dokumentieren nicht selten ein lockeres Plaudern ist, ich möchte es phantasievolles Augenzwinkern statt Flunkern nennen, eine jüdische Begabung, die die eigene jüdische Identität mit Humor und Chupze nicht aus dem Blick lässt, und uns auf diese Art und Weise so viele komische jüdische Witze, Legenden, Anekdoten beschert hat und immer wieder aufs Neue beschert.

Nicht einmal dann wird er sie aus dem Sinn verlieren, wenn er sich auf die Suche nach den 80 Millionen Deutschstämmigen macht und sie nicht so recht finden kann, was nach meiner Meinung wiederum für die Unfähigkeit der Deutschen sprechen könnte, die eigene Sache und Sprache nicht nur in einem fremden Land, sondern, wie wir sehen, sogar im eigenen, so zu bewahren, daß das Eigene erhalten bleibt. Oder ist es gar keine Unfähigkeit, sondern eine sehr deutsche Fähigkeit aufzugehen bzw. aufzugeben, eine spezielle Eigenschaft diametral zur jüdischen einer eigenen Präsenz?

In diesem Buch kann man sich über diese Frage ganz nebenbei hermachen, ohne Amerika und die Amerikaner aus dem Blick zu verlieren.

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