06. Dezember 2016

Buchtips zu Weihnachten! Nun: Umdenken, Teil 1

von Ellen Kositza / 4 Kommentare

Hier die Geschenkratgeber unserer Stammautoren, Kategorie: Umdenken! Zunächst Martin Sellners, Siegfried Gerlichs, Ellen Kositzas und Lutz Meyers Leseempfehlungen!

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Martin Sellner:
Thomas Wagner: Robokratie. Google, das Silicon Valley und der Mensch als Auslaufmodell, Köln: PapyRossa 2015. 177 S., 13.90 €

Silicon Valley ist in aller Munde. Linke Kritiker, wie der Autor diese Bandes, sind sich mit rechten Kritikern einig, dass das was in den USA herangewachsen ist eine Gefahr für alle darstellt. Ein Thema, das die kommenden Debatten dominieren wird und vielleicht als Material für eine „kontinentale Querfront“ gegen die „singularity“ taugen könnte, wird in diesem Buch quellenreich und spannend aufbereitet. Wagner zieht die in vergleichbaren Bücher wie Christopher Keeses „Silicon Valley“ beschriebenen Tendenzen des Transhumanismus, Technokults und der Elitarismus im „mächtigsten Tal der Welt“ bis zum möglichen Ende durch. Und das ist erschreckend.

Ein ideales Buch zum Einstieg in die Thematik, hier bestellen.

-- -- -- -- --

Siegfried Gerlich:
Ellen Kositza: Die Einzelfalle — Warum der Feminismus ständig die Straßenseite wechselt, Schnellroda: Antaios 2016. 160 S., 13€

Den Horizont des mit leichter Feder geschriebenen Buches von Ellen Kositza bildet der durch die gegenwärtige Völkerwanderung verursachte »clash of civilizations«, bei dem »orientalischer Männerwahn« und »westliche Frauenquote« unversöhnlich aufeinanderprallen. Konsequent rechnet Kositza mit Jungfeministinnen ab, die bei Dirndls und Brüderles mutig aufschreien, während sie sich zu Köln oder Neukölln eher kleinlaut und wie Sprecherinnen von Islamverbänden äußern. Da hält es unsere Autorin schon eher mit dem alten Schlachtroß Alice Schwarzer, für die jene in einer arabischen oder afrikanischen »rape culture« sozialisierten jungen Männer in einer ganz anderen Liga spielen als unsere »alten weißen Männer«.
Liberalen und linken Leserinnen gibt Kositza zu bedenken, daß der Feminismus, wenn er seine geschlechterdemokratischen Errungenschaften »bewahren« will, in einem eurozentrischen Sinne »konservativ« werden muß. Konservative und rechte Leserinnen hingegen könnten ins Grübeln kommen, ob es nicht in ihrem eigensten Interesse läge, das »konservative Minimum« des »weißen« Altfeminismus zu verteidigen.

Einzelfalle: hier bestellen.

-- -- -- -- --

Ellen Kositza
Mithu Melanie Sanyal: Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens, Hamburg: Edition Nautilus 2016. 240 S., 16 €

Ernstes Thema, freudige Lektüre! Daß Sanyal eine waschechte Feministin ist und politisch korrekte musts aus dem effeff beherrscht, ist das eine. Es wiegt gering gegenüber ihrer sonst unprätentiösen Sprache und ihrer überaus unkonventionellen Herangehensweise. Sanyal, promovierte Kulturwissenschaftlerin zeichnet nach, wie das Schreckensthema Vergewaltigung „gegendert“ wurde. Ein Buch, an dem man sich abarbeiten kann,

sobald man es hier bestellt hat.

-- -- -- -- --

6079_720x600Lutz Meyer:
Torben Lütjen: Die Politik der Echokammer. Wisconsin und die ideologische Polarisierung der USA, Bielefeld: Transcript 2016. 296 S., 29.99 €

Was geschieht, wenn man – in realen wie virtuellen Räumen – nur noch im Saft der eigenen Meinung schmort, nur noch den Reden Gleichgesinnter lauscht? Berauscht vom Echo der eigenen Worte, verschließt man sich leicht der Ansprache der Realität. Der Politikwissenschaftler Torben Lütjen untersucht die Auswirkungen der Echokammer auf die Politik anhand einer Analyse der Verhältnisse im US-Bundesstaat Wisconsin. Die Echokammer als Folterkammer des Geistes ist freilich nicht allein ein amerikanisches Problem, sondern kennzeichnet, zur Linken wie zur Rechten, längst den deutschen Alltag. Ein Buch, das gerade wegen des räumlichen und kulturellen Abstands gut geeignet ist, auch in hiesigen Echokammern nachdenklichem Schweigen Raum zu geben.

Die Echokammer hier bestellen.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (4)

Monika
06. Dezember 2016 10:03
Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße ( metanoete) und glaubt an das Evangelium!

Mk 1,15
Bücher zum Umdenken !
Irgendwie erschreckend, dass zwei der vorgestellten Bücher sich mit Vergewaltigung und Übergriffen auf Frauen befassen.
Und das zu Weihnachten.
Wo das Kind von der Jungfrau Marie geboren wird.
Eine andere Maria wird nie mehr ein Kind bekommen.
Ihr junges Leben wurde grausam ausgelöscht.

Umdenken oder umkehren ?
metanoete meint: den Sinn ändern.
Das geht noch etwas tiefer als umdenken.
Das Böse als Böses erkennen und benennen.
Es nicht umgendern, nicht kleinreden, nicht instrumentalisieren.....

Die Macht des Bösen erweist sich in seiner Furchtbarkeit.....
Der aufklärerische Liberalismus stellt sich blind für das Böse der Welt:
sowohl für die dämonische Macht des adversarius diabolus, des bösen Feindes schlechthin, wie für die geheimnisvolle Macht menschlicher Verblendung und Willensverkehrtheit; schlimmstenfalls dünkt ihn die Macht des Bösen nicht so im Ernst gefährlich, daß man nicht mit ihr verhandeln und sich auseinandersetzen könnte. Aus dem liberalistischen Weltbild ist das unheimliche " Nein", für den Christen eine selbstverständliche Realität, ausgelöscht. Das ethische Leben des Menschen wird zu einer risikolosen und unheroischen Harmlosigkeit verfälscht; der Weg zur Vollendung erscheint als pflanzenhafte "Entfaltung" und "Entwicklung", der das Gute kampflos gelingt.


in Josef Pieper , Vom Sinn der Tapferkeit

Maria L. wäre heute 20 Jahre alt geworden.
M. M.
06. Dezember 2016 12:36
> bei dem »orientalischer Männerwahn« und »westliche Frauenquote«
> unversöhnlich aufeinanderprallen.

Das muss nicht sein:
https://www.youtube.com/watch?v=ecJUqhm2g08

Englisch, gut gemachter Agitprop.
der Gehenkte
06. Dezember 2016 13:37
Martin Sellners Buchempfehlung sind besonders aufschlußreich – sie zeigen, daß der junge Mann auf fester Basis (Heidegger) nach verschiedenen Richtungen ausgreift und auch nach vorne schaut. Da ich beide von ihm empfohlene Bücher kenne, ein paar schnelle Gedanken dazu.

@ ”Robokratie” ist ein erschreckendes, aufrüttelndes Buch, eine Warnschrift vor einer scheinbar übermächtigen Kraft, die die Welt, wie wir sie kennen, bald irreversibel verändern wird. Damit wird auch der konservative Dialog relativiert – wenn nur die Hälfte davon stimmt, dann führen wir hier nur Scheingefechte. Die wahren Schlachten werden im Silicon Valley gefochten. Das Google-Facebook-Twitter-Amazon-Geflecht wird die Welt dominieren. Die Verwischung von Biologie und Technik wird enorme Kräfte freisetzen, die ”Transhumanistische Arbeitsteilung” wird alle ökonomische Theorie pulverisieren. Das systemische Konzept der ”Disruption” ist auf globale Zerstörung tradierter Strukturen aus …

Davor zu warnen und darüber zu informieren, ist Verdienst dieses Buches.
Aber es krankt auch an verschiedenen Schwächen. Zum einen scheint Wagner einen falschen, viel zu kurzen Begriff der ”Singularität” anzuwenden, viel konservativer als Ray Kurzweil, an den man sich in dieser Frage halten sollte (The singularity is near). Zum zweiten strahlt das Buch eine gewisse linke Panik aus, eine Angst vor der baldigen Überflüssigkeit, was dazu führt, daß Wagner viel sammelt aber wenig denkt. Schließlich mangelt es ihm an Kritikfähigkeit, blendet er die globale ökonomische und ökologische Krisensituation zu stark aus. Es könnten schlicht und einfach die Ressourcen fehlen oder die Systeme dabei umkippen, wenn die angedachten Ideen in die Tat umgesetzt werden.

Aber über all das läßt sich reden, vor allem auch mit der Linken.

@ Friedrich-Wilhelm von Herrmann: Die zarte, aber helle Differenz: Heidegger und Stefan George

Von Herrmann ist Heideggerianer durch und durch, einer seiner treuesten Schüler, der nie auch nur den Anspruch hatte „originell“ zu sein. Daher eignet sich das Buch besonders für Einsteiger ins Werk Heideggers unter dem Gesichtspunkt der Dichtung. Weniger ertragreich wird es für George-Leser.

Man kommt an Heideggers George-“Interpretationen“ ja nicht vorbei, sie gehören zum tiefsten und kongenialsten was je über George gedacht wurde. Von Herrmann kann diese Lektüre nicht ersetzen. Außerdem wirkt es immer etwas peinlich, wenn jemand den Sprachgestus eines anderen nachahmt, umso mehr, wenn es sich um Heideggers einzigartige Sprache handelt.

Es handelt sich um heideggernde Heidegger-Reflexionen am Beispiel von Heideggers George-Lese. Man sollte beide schon gut kennen, um dieses etwas gewollte Buch genießen zu können.
Eveline
08. Dezember 2016 08:58
Ich bin so frei und stelle mal ein Gespräch hinein, wo Franz Hörmann und Armin Risi aufklären und neue Wege zeigen, die raus aus der alten Denke führen.

Die neuen Pfade sind auch schon installiert, es könnte eigentlich schon morgen losgehen... aber es weihnachtet schon.

Die alte Denke? Wenn es mir gut geht, mu0 es einem anderen schlecht gehen.

Das neue Geldsystem läßt es allen Menschen gut gehen und zwar im Überfluss.


https://www.youtube.com/watch?v=X5OjP9oeu1U

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.