07. Dezember 2016

Österreich nach der Wahl: Wie weiter?

von Martin Lichtmesz / 16 Kommentare

Diesen Artikel habe ich für das österreichische Netzportal Unzensuriert verfaßt. Seit 1986 hatte ich nicht mehr ein so lebhaftes, auch emotionales Interesse an einer österreichischen Bundespräsidentenwahl - damals, als Zehnjähriger, habe ich glühend zu Kurt Waldheim gehalten, ohne wirklich die Hintergründe der Kampagne gegen seine Person zu verstehen.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Dieser Beitrag hat mehrere Seiten:

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  • Mir genügte das Gefühl, daß mein Land ungerechtfertigt verunglimpft wird, was mich ziemlich erboste und in eine ähnliche Trotzhaltung brachte wie viele Österreicher, was auch dazu führte, dass Waldheim "jetzt erst recht" gewählt wurde.

    Ein Sieg Norbert Hofers hätte in vielerlei Hinsicht einen politischen und metapolitischen Durchbruch bedeutet; und darüberhinaus habe ich schon lange nicht mehr so viel Sympathie und Respekt für einen Politiker empfunden wie für ihn. Der Bundespräsident ist allerdings nicht der wichtigste politische Posten Österreichs. Heinz Fischer, wohl der bisherige Tiefpunkt in der Gallerie unserer Präsidenten, war eine konturlose Nullpersönlichkeit mit gauckartigen Zügen, der auch sonst nicht weiter aufgefallen ist.

    Mit Van der Bellen hat sich ein korrumpiertes und auf die Dauer unhaltbares System eine Galgenfrist und seinen geeigneten Repräsentanten verschafft. Ich kann mir gut vorstellen, daß er vielleicht sogar noch als Katalysator wirken wird, um es umso gründlicher an die Wand zu fahren und zu diskreditieren. Verbohrt genug scheint er ja zu sein. Wer weiß, welche Finten der Weltgeist noch auf Lager hat!

    Hier also der Text für Unzensuriert.

    ****

    Nach dem zweiten Anlauf zur Bundespräsidentenstichwahl stehen wir im Wesentlichen wieder dort, wo wir beim ersten Mal waren. Meine Analyse vom Mai ist im Großen und Ganzen nach wie vor gültig: etwas überspitzt gesagt, haben wir nun einen grünen Präsidenten in einem weitgehend blauen Land, der sich auch nach diesem Land richten muß, wenn er es ernsthaft zusammenhalten will.

    Die Lage ähnelt verblüffend jener in den USA, mit dem Unterschied, dass dort Donald Trump dank des Systems der "electoral vote" gewonnen hat: In beiden Fällen stimmten die urbanen Ballungsgebiete überwiegend für den eher "linken" Establishment-Kandidaten und der auf der Karte größere Rest für den eher rechten "populistischen" Herausforderer (lustigerweise mit umgedrehten Farben: Blau steht für die Demokratische Partei).

    Auch sonst gab es, trotz aller nicht minder großen Unterschiede, erhebliche Parallelen zwischen beiden Wahlkämpfen: Trumps großes Thema war der Schutz der Interessen der Nation und des Volkes vor dem Zugriff des Globalismus und der von ihm proftierenden übernationalen Mächte. In diesen Zusammenhang gehören auch Phänomene wie Brexit, das Italienreferendum und die "Fünf-Sterne"-Partei, der Auftstieg des Front National in Frankreich und der AfD in Deutschland, wie auch die betont nationale Politik von osteuropäischen Ländern wie Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei oder Bulgarien. Nicht anders als in Österreich spielte in den USA die Frage nach sicheren Grenzen und einer besseren Einwanderungskontrolle und -politik eine ebenso große Rolle wie die Wiederaufwertung und Wiederbelebung des Patriotismus ("Make America Great Again!"). Das Ergebnis der US-Wahl erschütterte die Allmacht der politisch korrekten Medien und Meinungsmacher, die zu 90 % gegen Trump angeschrieben hatten, und rüttelte an den komfortablen Blasenwelten der BoBos und linksliberalen Eliten.

    All dies wäre einen eigenen Artikel wert, doch soll es an dieser Stelle um Hofer vs. Van der Bellen gehen. Es wäre für die FPÖ nun wichtig, die Ursachen der Niederlage zu analysieren. Dazu empfehle ich diesen hervorragenden Kommentar des Identitären Martin Sellner, aus dem ich im folgenden einige Punkte und Gedanken herausgreifen werde.

    Wie konnte Hofer so viele Stimmen verlieren?

    Wie konnte es dazu kommen, dass seit dem letzten Wahldurchgang derart eklatant viele Stimmen für Hofer verloren gingen?  Die Differenz zwischen den Kandidaten betrug im Mai lediglich 0,7%, bei der erneuten Stichwahl jedoch mehr als das Zehnfache: 7,6%. Zählt man die gültigen Einzelstimmen für Hofer (ich benutze Wikipedia als Quelle) dann hat er 95,993 Stimmen verloren. Zusätzlich war die Wahlbeteiligung höher (72,75%  vs. 74,21% mit Briefwahl), man kann also vermuten, dass die "Hofer-verhindern"-Mobilisierungstaktik Van der Bellens aufgegangen ist und noch einige zusätzliche Wähler zu den Urnen getrieben hat - einer Umfrage zufolge waren satte 64 % der Wähler von dieser Motivation getrieben, denen 43 % Van der Bellen-Verhinderer gegenüberstanden.

    Wie auch bei der ersten Wahl kann man davon ausgehen, dass die meisten Hofer-Wähler auch wirklich Hofer wollten, und nicht lediglich den Gegenkandidaten verhindern. In jedem Fall hat die FPÖ eine starke Präsenz behauptet, und immerhin bedurfte es der vereinten Kräfte des gesamten (allerdings in Bezug auf die FPÖ nicht mehr ganz so einigen) ÖVP-SPÖ-Grünen-NEOS-Blocks, um genug Gegenstimmen gegen die einzige echte Oppositionspartei des Landes zusammenzuraffen. Man kann also getrost sagen - wie dieser Mainstream-Kommentator -, dass "die FPÖ Grund trotzdem zum Feiern hat":

    Hofer mag die Wahl verloren haben. Wenn die FPÖ den ersten Schock verdaut hat, kann sie sich dennoch über einen großen Sieg freuen. Denn die Meinungsumfragen lagen falsch, weil die Institute die Bekennerfreudigkeit der FPÖ-Wähler unterschätzt haben. Bisher galt, dass sich viele, die in der Wahlzelle FPÖ ankreuzten, für ihre Entscheidung genierten. Das wussten die Meinungsforscher, deshalb bewerteten sie die FPÖ stets höher, als es die Rohdaten vermuten ließen. Nun aber zeigt sich, dass fast jeder FPÖ-Wähler zu seiner Stimme steht.

    Die rechtspopulistische FPÖ ist in Österreich endgültig salonfähig geworden, der Kandidat der Freiheitlichen hat 47 Prozent der Stimmen bekommen. Das wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen.

    Daher wird auch der Jubel in der Parteizentralen von SPÖ, Grünen und NEOS bald verklingen. Das links-liberale Lager wollte lange nicht bei den rechten Schmuddelkindern anstreifen. Das ging, solange es Mehrheiten jenseits der FPÖ gab. Doch das ist längst keine sichere Bank mehr. Die Rechtspopulisten sind gekommen, um zu bleiben und sie sind ein innenpolitisches Faktum, an dem man sich nicht vorbei schummeln kann.

    Kommen wir also zu einigen möglichen Ursachen für den erheblichen Stimmenverlust Hofers.

    Van der Bellens "Feldvorteile": Die Macht der Medien

    * Feldvorteil 1 Van der Bellens war seine Popularität bei den Journalisten und Medienmachern. Die fortgesetzt feindselige Haltung der Medien gegenüber Norbert Hofer, insbesondere des ORF, hat zweifellos die Wahl stark beeinflusst. Man darf nicht vergessen, dass die meisten Journalisten und Medienleute eher links stehen und häufig der Ansicht sind, ein Art Priesteramt auszuüben. Dies ging in den USA nach hinten los, weil der Bogen zu weit überspannt wurde, und weil es dort inzwischen eine stärkere Gegenöffentlichkeit gibt, die über alternative und soziale Medien wirksam ist. Es versteht sich von selbst, dass dieselben Medien, die sich besonders emsig und perfide an dieser Meinungs- und Stimmungsmache beteiligt haben, nun am lautesten über die "Rechtspopulisten" spotten, die ihnen die Schuld an der Wahlniederlage geben - der inzwischen zum Standard gewordene "Gaslighting"-Kurs eben.

    Gezielte Angstmache vor dem braunen oder "autoritären" Gespenst

    * Der damit eng zusammenhängende Feldvorteil 2 Van der Bellens war, dass er auf einen tiefsitzenden, medial immer wieder von Neuem erzeugten psychologischen Komplex setzen konnte: der Angst vor einem neuen 1933 oder 1938, einer "Machtergreifung", einer Wiederkehr brauner oder "autoritärer" Gespenster usw. usf. Hier wurde exakt das betrieben, was der FPÖ und den "Rechtspopulisten" im allgemeinen immer wieder vorgeworfen wird: "diffuse Angstmache". Man beschwor Affekte und Ängste beschworen, die sich gegen jede rationale Analyse sperren und erzeugte mitunter allen Ernstes den Eindruck, dass es bei der Wahl darum gehe, einen neuen Holocaust zu verhindern. Dafür zerrte man etwa eine 89jährige, anscheinend nicht mehr ganz mit der Gegenwart in Fühlung stehende Frau vor die Kamera, um die nötigen Emotionen zu erzeugen und sich unangreifbar zu machen. Leider sind offenbar viele Menschen auf dieses weniger "aufrüttelnde" (wie es überall hieß) als gehirnvernebelnde Video hereingefallen; der ORF hat "Oma Gertrude" bereits zur wahlentscheidenden Heldin erklärt. Martin Sellner hat auch diese Propagandanummer gekonnt zerlegt.

    Die Rolle der ethnischen Wahl

    * Eine nähere Untersuchung sollte sich auch der Frage stellen, welche Rolle die ethnische und die Elitenwahl gespielt haben. Es ist bekannt, dass Wähler mit Migrationshintergrund dazu tendieren, einwanderungsfreundliche Parteien zu wählen, schlicht, weil dies ihren ethnischen Interessen entgegenkommt, und sie sich häufig eher mit anderen Einwanderern als den Einheimischen identifizieren. Von den wahlberechtigten Türken und Türkischstämmigen Österreichs ist z.B. bekannt, dass sie stark zu Rot-Grün neigen, während sie oft in ihrer eigenen alten Heimat lieber einen dezidierten Nationalisten wie Recep Tayyip Erdoğan an der Macht sehen.

    Die Roten und Grünen wiederum fördern aktiv dieses Potenzial und gebärden sich wohl deshalb so einwanderungsfreudig, weil sie darauf spekulieren, sich eine Wählerklientel zu importieren und einzuverleiben, mit der sie fix rechnen können. Darum wird es mit wachsendem Einwandereranteil zunehmend schwieriger werden, einwanderungskritische Mehrheiten zu mobilisieren. Die Presse meldete, dass auch bei dieser Wahl "Bezirke mit hohem Ausländeranteil" für Van der Bellen stimmten, während Hofer in den "ältesten Regionen" punktete. Das ist genau die Formel für den "großen Austausch": demographischer Schwund/Überalterung + Masseneinwanderung = Bevölkerungsaustausch, an dessen Ende Österreich keine Ähnlichkeit mit sich selber haben wird. Es ist leider ein Fakt, dass wir uns mitten auf diesem Weg befinden.

    Die Elitenwahl: ein verdeckter Klassenkampf?

    * Wahrscheinlich noch wichtiger ist einstweilen der Faktor der "Elitenwahl". Er bedürfte einer eingehenderen Analyse; ich habe dieses Problem an anderer Stelle darzustellen versucht. Wir haben es hier mit einer Form des verdeckten Klassenkampfes zu tun. Gebildetere und besser verdienende Schichten haben mehr Möglichkeiten, sich in ihre "Blasen" zurückzuziehen und dort in kosmopolitischen oder sogenannten "weltoffenen" Idealen und Wunschvorstellungen zu schwelgen. Sie gefallen sich in der bessermenschlichen Rolle und vermeiden gleichzeitig den Kontakt mit den negativen Seiten der multikulturalistischen Politik. Martin Sellner spricht in seinem Vlog darüber ab ca. Minute 6:40.

    Hofers Fehltritte

    * Kommen wir nun zu den Fehltritten, mit denen Hofer und seine Partei offenbar viele Wähler verstimmt haben. Andreas Unterberger bietet eine Liste an, die ich allerdings nur mäßig befriedigend finde. Viele Vermutungen werden spekulativ bleiben. Man darf nicht vergessen, dass der Österreicher ein eigenwilliges und zur Sturheit neigendes Wesen ist, das gerne schnell beleidigt ist. Ein Freund teilte mir mit, dass Ursula Stenzels Versuch, in Richtung Van der Bellens Vater die Nazikeule zu schwenken, mehrere ihm bekannte Hofer-Erstwähler verstimmt habe, und sie fanden es sympathisch und anrührend, als der Angegriffene in der letzten Diskussionsrunde ein Foto seines Vaters zückte. Ich muss sagen, dass auch ich diese Attacke als unterirdisch fand. Selbst wenn Stenzels Vorwürfe zuträfen, so haben Sippenhaftung und historische Instrumentalisierung in einem Wahlkampf nichts zu suchen. Dass Van der Bellen und seine Genossen selbst davon reichlich Gebrauch gemacht haben, ändert daran gar nichts: Die Nazikeule muss generell entsorgt und wirkungslos gemacht werden.

    Dem patriotischen Lager mangelt es an Innovation und Kreativität

    * Ein großer Schwachpunkt des patriotischen Lagers ist sein Mangel an Kreativität, Innovation und Energie. Gewiss, ich befand mich in Wien und damit auf Van-der-Bellen-Territorium, aber ich fragte mich oft: Wo sind die Hofer-Aufkleber, wo die Bekenntnisanstecker, die Fan-Poster, die Graffitis, die pfiffigen Meme, die Kabarettnummern, wo sind die für Hofer werbenden Raps, Volkslieder, Rocksongs, oder was auch immer einem Schönes und Witziges einfallen mag? Vermutlich hat dies auch mit der weiterhin vorhandenen - und leider durchaus berechtigten! - Angst zu tun, Gesicht zu zeigen, sich aus dem Fenster zu lehnen, für seine Meinung öffentlich einzustehen, und damit andere zu ermutigen und mitzureißen.

    Das betrifft auch das übliche Aufgebot an Stars und Sternchen, an Voll-, Halb- und Viertelpromis. Dass Andreas Gabalier zu den Blauen neigt, ist ein offenes Geheimnis - ich kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass er für Van der Bellen gestimmt hat. Dennoch hat er es nicht gewagt, sich offensiv für Hofer aus dem Fenster zu lehnen, wie es etwa Tom "Conchita Wurst" Neuwirth für seinen Gegenspieler getan hat. Es nützt uns nichts, alle paar Jahre ein Kreuzchen zu machen und alles "der Politik" zuzuschieben. Eine Wahl zeigt nur gleich einem Thermometer an, was in einer Gesellschaft brodelt, erzeugt es jedoch nicht. Das patriotische Lager muss hier aktiv an einer Veränderung mitarbeiten, auch außerhalb des Wahllokals und der Wahlkampfsaison. Vielleicht sollte dies die wichtigste Lehre der Wahl sein.

    Hofers metapolitischer Gewinn: Patriotismus und Heimatliebe als Trend

    Positiv bleibt zu verzeichnen, dass die FPÖ trotz der Niederlage Hofers erheblich an Boden gewonnen hat. Ihre Themensetzungen werden nun mindestens in halb Österreich als legitim anerkannt, und dies weit über die Parteigrenzen hinaus. Ein Scherzbold brachte dies mit einem spaßigen Tweet auf den Punkt:

    VdB hat meine Awareness für die Heimat geraiset. Welche Partei soll ich wählen, wenn mir Heimat wichtig ist?

    Es ist kein Zufall, dass Van der Bellen massiv mit Patriotismus und Heimatliebe für sich warb, wohl wissend, dass er die FPÖ in diesem Punkt noch überholen musste, um ernsthaft zu punkten - eine Tatsache, die vielen Linken Bauchschmerzen bereitete (Antifa hat ihn bereits als "Nationalisten" tituliert). Hier ist ein im Rückblick amüsanter Artikel vom April, der Van der Bellen zu genau einem solchen Kurs riet, wenn er gegen Hofer ankommen wolle:

    Für viele Konservative ist gerade Van der Bellens Linie in der Flüchtlingskrise indiskutabel. Der Ex-Grünen-Chef plädiert dafür, mehr Menschen aufzunehmen. Noch sei die Kapazitätsgrenze nicht erreicht. Das mag stimmen, doch redet er damit gleichzeitig die Ängste der Bürgerinnen und Bürger klein - die Hofer geschickt für sich arbeiten lässt. "Österreich zuerst" lässt sich da hervorragend vermarkten.

    Bei näherer Betrachtung reichlich weltfremd wirkt Van der Bellens Aussage, eine FPÖ-geführte Regierung nicht anzugeloben. Diese Taktik mag ihm wohl die Stimmen einiger Hardcore-Strache-Gegner einbringen. Vernünftig denkenden Menschen muss sie Bauchweh oder zumindest Sodbrennen bereiten. Liebe Leute, so funktioniert Demokratie nicht!

    In der Tat hat Van der Bellen weder seine Linie in der Flüchtlingspolitik geändert, noch hat er zu erkennen geben, dass er "die Ängste der Bürgerinnen und Bürger" wirklich ernst nimmt. Er hat lediglich patriotisches Wald-, Berg- und Wiesen-Opium ausgeteilt und damit die unbequemeren Fragen, wie man Österreich am besten "dient", ausgeblendet und vernebelt.

    Van der Bellens Rezept: "Weltoffenheit" + Wohlfühlpatriotismus

    Übrigens wurde mir von nicht wenigen Van-der-Bellen-Wählern berichtet, die durchaus die Probleme sehen, die etwa die gescheiterte Integration, die fortschreitende Islamisierung oder die zu große Abhängigkeit von Brüssel mit sich bringen, und die sich trotzdem scheuten, für Norbert Hofer zu stimmen. Der Affekt und das Misstrauen gegenüber den Blauen sind einfach zu groß, und so schien Van der Bellen das Ei des Kolumbus entdeckt zu haben, als er beides versprach: die sogenannte "Weltoffenheit" (womit in der Regel die Zustimmung zu Multikulturalismus und einer äußerst liberalen Einwanderungspolitik gemeint ist) und die Garantie, dass die Sicherheit, Geborgenheit und Identität der Heimat erhalten bleibt. Bezeichnend dafür ist etwa dieses Wahlkampfvideo, in dem eine offenbar totalstintegrierte Quotenschwarze extradick ins Bild gerückt wurde, um das umgedichtete Vorarlberger Wälderbähnle-Lied mit "Diversity"-Ästhetik zu würzen (spaßigerweise ist aus irgendeinem Grund auch ein Typ mit Thorshammer in das Video geraten).

    Dass ein derartiges Theater ausgerechnet von einem Grünen kommt, hat viele Patrioten besonders nachhaltig empört. Uns erscheint Van der Bellen als ein fürchterlicher Heuchler und Betrüger, und der Beifall von den Häuptlingen des Todessterns, auf dem er ein solch großes Ansehen genießt, verheißt nichts Gutes.

    Die krassen Wahrnehmungsdiskrepanzen der beiden Lager

    Es bleibt dabei, dass vom Gesichtspunkt der nationalen Repräsentation aus weder Van der Bellen noch Hofer ideale Kandidaten waren. Beide werden spiegelbildlich von den Anhängern der jeweiligen Gegenseite geradezu gehasst und als das inkarnierte Böse angesehen. Beiden warf man vor, Kreide gefressen zu haben und ihre wahren Motive und Absichten zu verbergen. Die einen fürchteten die Wiederkehr des braunen Gespenstes, die anderen die fortgesetzte Zerstörung unseres Landes durch Islamisierung, ungebremste Zuwanderung aus der Dritten Welt und demokratiefeindliche Souveränitätsabgabe. Es sind jedoch die Befürchtungen der letzteren, die auf Fakten, Realismus und Vernunft beruhen, auch wenn ihr die Gegenseite ständig das Gegenteil einzureden versucht.

    Während viele Wähler Van der Bellens glauben, sie haben das Land noch einmal vor dem Nationalsozialismus 2.0 oder zumindet vor einem "autoritären" (Lieblingsgruselwort des österreichischen Geistesriesen Hans Rauscher) Staatstreich gerettet, kann ich umgekehrt in ihnen nur Lemminge sehen, die nun blindlings eine weitere Station auf dem Weg zu ihrem eigenen Untergang bejubeln. Ich bin mit dieser Ansicht nicht alleine. Sie scheint mir in der Tat die vorherrschende Empfindung im Hofer-Lager zu sein. Wir fragen uns, wie man so blind und selbstschädigend sein kann. Wir sogenannten Schlechtmenschen sind so schlecht, dass wir uns sogar über das Schicksal der Gutmenschen und ihrer Kinder Sorgen machen. Wenn ich junge österreichische Paare mit Kindern sehe, die für Van der Bellen gestimmt haben oder generell Rot-Grün wählen, dann fühle ich einen Stich und eine tiefe Beklemmung. Genausogut könnten diese Eltern in meinen Augen ihre Kinder dem Moloch in den Rachen werfen.

    Sinkt das Schiff oder bereichert uns das Wasser?

    Die Diskrepanz der Wahrnehmung beider Seiten, mitsamt ihren Zwischenzonen und Übergängen ist heute ungeheuer groß. Es ist, als ob wir in Paralleluniversen nebeneinander herleben würden. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, eine verzerrte Realitätswahrnehmung zu haben. Die Gutmenschen erklären sich diese Diskrepanz damit, das wir "Schlechtmenschen" sind und irgendwie einen ethischen Defekt haben müssen, während sie in unseren Augen eher verblendet, uninformiert, und ja, oft geradezu betondumm wirken.

    In anderen Zeiten war es nicht allzu schwer, sich mit einem roten oder schwarzen Präsidenten oder Bundeskanzler abzufinden, denn es gab zumindest einen Konsens, dass Österreich sozusagen ein Schiff ist, das seetauglich bleiben soll. Heute wird darüber diskutiert, ob man die Lecks im Schiffsboden stopfen oder vergrößern soll, ob diese Lecks überhaupt existieren oder nur "Konstrukte" sind, oder ob das eindringende Wasser uns nun "bereichert" oder ersäuft.

    Aus diesem Grund kann es kein "Walzertanzen" mit einem Van der Bellen geben. Unsere Opposition muss sich nun genauso verschärfen und genauso unversöhnlich sein, wie jene der anderen Seite, wenn Hofer Präsident geworden wäre. Er soll uns beweisen, dass es ihm mit der "Heimatliebe" zu Österreich ernst ist.

    Wird aus Van der Bellen noch ein echter Patriot?

    Es gibt nämlich vielleicht noch eine andere denkbare Möglichkeit. Auch ein Van der Bellen ist am Erhalt seiner Macht interessiert, und das allmähliche Einschwenken von Teilen der SPÖ und ÖVP und anderer in Richtung FPÖ - Kanzler Kern spricht endlich auf Augenhöhe mit Strache, Reinhard Lopatka spricht sich für Hofer aus, ein Ex-Grüner und Kenner der islamischen Gefahr wie Efgani Dönmez pflegt gute Kontakte zu den Blauen - ist ein Indikator, dass man allmählich begreift, dass bestimmte Positionen und Forderungen des nationalen Lagers legitim, vernünftig, ja allmählich unumgänglich werden, will man das Schiff nicht versenken. Es wäre also vorstellbar, dass nun allmählich ein Absporptionsprozess einsetzen wird, um den Wind aus den blauen Segeln in die eigenen umzuleiten. Nichts anderes hat Van der Bellen gemacht, als er so massiv auf die Heimatliebe und Patriotismuskarte setzte.

    Sollte aus ihm noch ein echter Patriot werden, der wahrhaftig Österreich dient (und nicht der EU, den Merkels, Hollandes, Junckers und Schulzen, den Globalisten, Volksaustauschern und Multikulturalisten), wie er es versprochen hat, soll mir das recht sein. Es liegt mir nichts an der FPÖ an sich; sie ist nur ein Vehikel, um zu vertreten und durchzusetzen, was nötig ist, damit wir Österreich auch in fünfzig, hundert Jahren noch als Österreich wiedererkennen. Wer den Job verrichtet, ist mir letztlich egal, aber irgendjemand muss es tun.

    Und wie gesagt: wir dürfen uns hier nicht auf "die Politik", "die Politiker" oder die sporadischen Kreuzchen am Wahlzettel verlassen. Wahlsiege werden nicht im Wahllokal errungen - wir selbst müssen diese Sache in die Hand nehmen und aktiv auf einen Bewusstseinswandel unserer Gesellschaft einwirken!

    Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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    Kommentare (16)

    Mario
    08. Dezember 2016 12:39
    Harte Zeiten machen starke Männer.
    Starke Männer bringen gute Zeiten.
    Gute Zeiten machen schwache Männer.
    Schwache Männer bringen harte Zeiten.

    Krebs tötet, wer ihn hat,
    Islam, wer ihn nicht hat.
    Ein gebürtiger Hesse
    08. Dezember 2016 13:28
    Was im letzten Satz steht, ist am allerwichtigsten. Wir müssen selbst was tun, mehr tun als immer wieder. Der Schlendrian derer, denen es "noch zu gut geht", betrifft eben auch die Rechten. Hier darf man sich ruhig an die eigene Nase fassen. Wer weiß, ob es letzten Sonntag nicht doch für die ersehnte Wende gereicht hätte, wenn man mehr agitiert, geackert, mehr Gesicht gezeigt hätte (Sellner & friends ausgenommen). Im nächsten Jahr muß da einfach mehr kommen.
    cherusker69
    08. Dezember 2016 14:00
    Warum Hofer die Wahl verloren hat? tja das hat für mich folgende Gründe.
    Man muss ja wirklich sagen, dass diese Medien übermächtig sind..Medien machen Meinungen. Das ist nichts neues den wer diese besitzt, hat die Macht und kann das Volk manipulieren..

    Dazu kommt das natürlich der Schuldkult nach wie vor in den Köpfen der Menschen sitzt, ja nicht mehr so stark, packen kann man sie aber trotzdem noch.

    Als nächstes kommt natürlich, das Patrioten keine offene Bühne gegeben wird zu protestieren. Bei uns in Deutschland ist es ja noch schlimmer..Bekennt man sich zur AFD und co, droht der Verlust des Arbeitsplatzes. Ein Familienvater wird sich zwei dreimal überlegen ob er das riskiert. Repression und Einschüchterung.

    Was Thorsten Hinz hat in seinen Buch Weltflucht und Massenwahn geschrieben, dass viele diesen grossen Austausch überhaupt nicht mehr als bedrohlich wahrnehmen..

    Das ist ein Bündel von Ursachen, die es Patrioten erheblich schwer machen uns Gehör zu verschaffen..
    John Glenn
    09. Dezember 2016 12:16
    Lichtmesz zählt zahlreiche Gründe auf, warum Hofer verloren hat, jedoch sticht einer besonders hervor, nämlich der Mangel an Kreativität und Aktionismus im rechten Lager. Der Hofer - Wahlkampf wurde hauptsächlich von der FPÖ geführt, was einen völligen Kontrast du den vielen kreativen Aktionen grüner Aktivisten darstellt. Die Unterstützer Hofers waren viel zu bequem, um Eigeninitiative zu zeigen. Ihre Meinung war, dass es reicht am Wahltag ein Kreuz bei Hofer zu machen. Wir haben es hier mit einer besonderen Art von politischer Ignoranz zu tun. Auf den Punkt gebracht: Viele konservative Studenten wagen es nicht mal in einem Toilettenhäuschen einen Aufkleber anzubringen, denn das wäre ja "Sachbeschädigung". In diesem Bereich muss ein völliges Umdenken stattfinden. Wir haben die Pflicht nach außen zu vermitteln, dass es uns gibt, dass wir existieren. Allein dadurch unterminiert man schon die Absicht der Linken uns in einem atomisierten Zustand verharren zu lassen. Wir brauchen eine eigene kampagnenfähige Blogosphäre mit Trollarmeen. Wir brauchen bessere und zahlreichere Memes. Wir müssen von Trumps Anhängern in den sozialen Medien lernen, wie man gewinnt.
    Sven Jacobsen
    09. Dezember 2016 14:46
    Das Establishment verfügt v.a. mit den traditionellen Medien (insbesondere den bedeutenden Tageszeitungen oder den bekanntesten Fernsehsendern) über zuverlässige Möglichkeiten der Einflussnahme. Alle Statistiken der Mediennutzung, mit den altersspezifischen Vorlieben quergelesen, belegen, wie hartnäckig sich die traditionellen Medien halten. Auch altgediente Wahlkämpfer wissen zu berichten, wie unverzichtbar Faltblätter im Briefkasten, Zeitungsartikel oder die nach kurzer Zeit demolierten Wahlplakate an den Straßenrändern sind. Sie verkörpern in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit Präsenz. Bis auf Weiteres ist das zwingend. Präsenz zeigt man übrigens, indem man sachlich, zu seiner Meinung offen stehend und argumentativ gut ausgestattet auftritt (z.B. in den Leserbriefen der Lokalzeitung). Was das Fernsehen angeht: Dort schneiden „Rechtspopulisten“ i.d.R. eher schlecht ab. Die Zusammenstellung der Gäste ist ungünstig und die Moderatoren greifen schnell mit peinlichen Zitaten aus ganz anderen Zusammenhängen ein, wenn sich Punktsiege abzeichnen. Selbst der intelligenteste, ruhig auftretende und rhetorisch begabteste Mensch wird auf Dauer regelrecht zerrieben, weil spätestens die Nachbereitungen am Folgetag nicht vorhersehbar sind und Darstellungen verzerren können. Es stellt sich daher die Frage, ob man diese Bühne nicht medienwirksam meiden sollte. Das sorgt für Gespräche, die irgendwo immer etwas Positives hinterlassen, weil die Leute auf der Straße mittlerweile wissen, wie sich der Verzicht auf TV-Auftritte begründet. Anstatt also eine weitere inszenierte Talkshow abzusitzen, bietet man deren Veranstaltern besser – für sie kostenpflichtige - Pressemitteilungen an und konzentriert sich bis auf Weiteres darauf, andere Kanäle, vom Wachstumssektor Internet bis hin zur bekannten Postwurfsendung, kreativ zu besetzen.
    Thunderbellen
    09. Dezember 2016 16:48
    Ein gelungener Schachzug des VDB-Wahlkampfleiters Lothar Lockl war mit Sicherheit diese beharrliche Fixierung auf Heimatsujet, ausgerechnet von den polyglotten Grünen, auch wenn VDB diese parteiliche Zuordnung aus gutem Grund (die Grünen sind in Ö nur eine 10-12% Partei) strikt ablehnte und sich als unabhängiger, parteifreier Kandidat positionierte. So sah man VDB in Lederhosen, auf Volksfesten Hände schütteln und Schnaps trinken, auf Almen herumwandern und mit den Sennern scherzend - wieviel Überwindung mag das gekostet haben? Bei ÖVP-Wählern kam es allem Anschein nach jedoch gut an, links von der Mitte graste er ohnehin alles ab. Ein Kommentator gestern meinte, es könnte Hofer geschadet haben, aus der r-k Kirche ausgetreten zu sein, das hätte ihm 1953 wohl wirklich geschadet, 2016 dürften das vielleicht ein paar Dutzend Stimmen sein, ohne Bedeutung. Die aggressive, medienwirksame Haselsteiner-Kampagne ("Hofer bedeutet Öxit") hat im feigen bürgerlichen Lager gewiss Angst erzeugt und Stimmen für VDB gebracht. Ich selbst habe Hofer zwar gewählt, auch wenn er mich nicht im Geringsten überzeugt hat und wählen meiner Ansicht nach nicht viel bringt oder verändert, und schon gar nicht eine gleich wie geartete politische Wende herbeiführen kann. Das dürfte nur die Hoffnung von Greisenvölkern sein.
    Jürg_Jenatsch
    10. Dezember 2016 00:36

    Die Analyse ist wie zumeist von Martin Lichtmesz messerscharf analysiert und brilliant zu Papier gebracht. Von ähnlicher Qualität wie die Analyse von Manfred Kleine-Hartlage. Auch ich sehe in der Niederlage keine wirkliche Katastrophe, denn dazu ist das Amt nicht gewichtig genug. Sollen sie auch fürderhin ihre Fehler machen. Nur ein Punkt, wenn die europäischen Völker nicht bald mehr Kinder bekommen, dann werden sie demographisch von den virileren und fruchtbareren Ethnien überrollt, die sie noch dazu in absoluter Verblendung auf den eigenen Boden siedeln lassen. Die Zukunft Europas wird im Kreißsaal entschieden. Wer sich die Geburtsstationen und die meisten Schulen ansieht, der bekommt eine Ahnung wohin die Reise geht. Ich muß nur in die Klassen meiner Töchter schauen. Da ist eine knapp verlorene Wahl um das Amt des Staatsnotars das geringste Problem. Aber es wird standgehalten, mag die Lage auch aussichtslos aussehen.

    Der_Jürgen
    10. Dezember 2016 10:50

    Das neue Format von Sezession ist sehr ansprechend, deutlich besser als das alte, wenn man die Anfangsschwierigkeiten überwunden hat. Gut ist insbesondere, dass die Kommentare jetzt numeriert sind, so dass man bei Hinweisen einfach die betreffende Nummer nennen kann. Kommentar 4 stammt von mir.

    Erzreaktionär
    10. Dezember 2016 13:12
    Kann es nicht auch sein, daß vielen Österreichern der sich immer länger hinziehende Dauerwahlkampf auf den Senkel gegangen ist, und man das irgendwie der FPÖ angelastet hat, da diese auf Einhaltung einer ordentlichen Durchführung der Wahl gepocht hat? (Als Nicht-Demokrat bin ich über den laxen Umgang gerade der "Deine Stimme zählt!"-Fraktion mit den Spielregeln der Demokratie immer wieder erstaunt...). Zumal das Niveau der Auseinandersetzung von beiden Seiten ja wohl über weite Strecken unterirdisch war. Daß Hofer nicht gewonnen hat - schade, aber sei's drum. Ich sehe es so: Typen wie Van der Bellen sind das letzte Aufgebot des Systems. Im Herbst 2016 braucht es eine "Volksfront" von linksaußen bis in die "Mitte", um mit Ach und Krach diesen Sandler (solche zerknautschten und unrasierten Figuren schnorren einen normalerweise am Bahnhof um 50 Cent an...) auf den Präsidentensessel zu hieven. Viel interessanter dürften doch die Auswirkungen auf die kommenden Parlamentswahlen sein. Die Zahlen legen ja irgendwie nahe, daß ein Großteil der traditionellen ÖVP-Wähler den Vorgaben der Parteileitung nicht gefolgt ist und für Hofer gestimmt hat. Ob sich die "Christlichsozialen" damit langfristig einen Gefallen getan haben?
    Richard Cobden
    10. Dezember 2016 21:38
    Man sollte sich in diesen Tagen die beeindruckende "Masters of the Universe" - Rede von Alex Kurtagic durchlesen, die klar ausführt, dass die Rechte metapololitisch ein Sieger-Image und eine Gegenkultur mit einer eigenen Symbolsprache aufbauen muss. Ziel muss sein, dass die Menschen fühlen wofür wir stehen. Wir müssen die Menschen dazu bringen zu fühlen, bevor wir sie zum denken bringen. Hier ein Auszug: http://www.counter-currents.com/2011/09/masters-of-the-universe/ "And a winning formula means acting as if. Acting as if we are already there. Which implies operating like an alternative society, offering access to a parallel universe, physical and metaphysical. Access to a different cosmology, a different system of symbols, a different way of understanding life. The new nationalism looks like an establishment in waiting." [...] "And to be attractive we have to be image conscious—because a picture speaks a words. If we want our fellow citizens to see, we have to help them visualize. We have to show them what we mean, and we have to do it in less than a second. Most people make up their minds about something or someone in less than a second."
    Miena Eiben
    11. Dezember 2016 08:46
    Österreich hat seinen Staatsvertrag. In Bezug auf die ehemalige britische Besatzungsmacht wird man sicherlich bald die Fesseln lösen können. Die Brexit-Verhandlungen. Spanien wird Gibraltar fordern. Österreich sollte einen Grundlagenvertrag mit den Briten schließen, der die Fesseln seiner Souveränität lockert und auch die Südtirolfrage anspricht. Denn der Brexit gibt europäischen Staaten Verhandlungsmacht. Ein grüner Präsident, der mit dem Staatsvertrag gepudert ist, wird kaum treibende Kraft werden.
    la vie est belle
    08. Dezember 2016 15:00
    Mangel an Kreativität und Innovation

    Vollkommen richtig. Das heißt für uns: Kreativität und Innovation maßgeblich vorantreiben und solche Kräfte auch gezielt fördern. Aber dann brauch man eben auch eine VISION für die Zukunft, eine noch nicht existente Utopie (=linkes Grundparadigma) die beschreibt, wie das denn aussehen soll, WOHIN wir wollen. Ist das Ziel einigermaßen umrissen, so kann auch ein Weg gefunden werden, der dahin führt. Und der führt niemals in die Wiederherstellung des Gestrigen, es ist ein kollossaler Irrtum zu glauben, man könnte die guten alten Tage wiederherstellen. Es ist unmöglich, da die Zeitachse sich nunmal nur in eine Richtung bewegt.

    Ja. Wenn die Rechte sich weiterentwickeln will, dann muss sie auch gewinnbringende Eigenschaften wie Innovation und Fantasie einbringen. Ein Graus für alle verstockten Konservativen, die sich neurotisch in der Analyseschleife befinden.

    Aber gute Zeiten für Sellner und Co....!
    Dietrich Stahl
    08. Dezember 2016 15:08
    Die Wahl Trumps und die Nichtwahl Hofers haben zweierlei gezeigt.
    Es kann überraschende Sprünge nach vorn geben; und es wird nicht ohne Rückschläge abgehen – wie im richtigen Leben [jeder, der möchte – es werden nicht so viele sein, kann sich an dieser Stelle ein Smiley, ganz nach eigener Fasson, denken].

    Ein großer Schwachpunkt des patriotischen Lagers ist sein Mangel an Kreativität, Innovation und Energie.


    Freude und Humor möchte ich unbedingt ergänzen. Oben in Klammern dazu ein mehr oder weniger (Ihre Entscheidung und Geschmack) gelungener Versuch von mir.

    Humor ist sehr anziehend. Dazu gibt es einige Studien. Mit dem anderen lachen zu können, wird von vielen an Nummer 1 auf die Frage nach den Kriterien für die Partnerwahl gesetzt. Man fühlt sich einfach wohler mit Menschen, die Freude haben, an dem was sie tun, und die über sich lachen können.

    Nicht zuletzt: Das Eigene.



    Das hat sich zu einem Mantra für mich hier bei SiN entwickelt. Ich halte es für das Wichtigste. Das Eigene in einem weiten Sinn. Identität, Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein und Volk, Nation Rasse.

    Das patriotische Lager muss hier aktiv an einer Veränderung mitarbeiten, auch außerhalb des Wahllokals und der Wahlkampfsaison. Vielleicht sollte dies die wichtigste Lehre der Wahl sein.

    Karl K
    08. Dezember 2016 15:37
    Die Österreicher haben die Tür sehr weit aufgemacht. Immerhin haben sie nun ein Zwei-Parteien System - und die Regierenden welcher Couleur auch immer können sich mit ihrer Politik ganz sicher nicht mehr gegen das Volk richten wie noch in Merkel-Land, wo das Volk wütend zusehen muss, wie die Sozialkassen geplündert werden und die Zukunft der Kinder gefährdet wird, damit die Eliten ihre Lohndrücker bekommen.
    thotho
    08. Dezember 2016 17:51
    Mir haben zur Nachwahlbetrachtung die Worte Mölzers gut gefallen.

    Man muss vom Stil her die Mitte ansprechen, aber von der Sache her hart bleiben. Die FPÖ ist deshalb eine Systemalternative, weil sie für die autochthone Bevölkerung, für die Erhaltung der österreichischen Identität, gegen Massenzuwanderung, gegen Sozialmissbrauch eintritt. Würde sie da aufweichen, wäre sie historisch obsolet. Sie wird es vom Stil her moderat machen müssen.


    So kann man das in Österreich am ehesten bewerkstelligen. Hofer sollte, meiner Meinung nach, Strache ablösen (auch wenn der die Partei wieder nach oben gebracht hat). Es geht schließlich um die Sache, nicht um Personen, gebe ML vollkommen Recht.

    MS liegt in puncto zivilgesellschaftliches Engagements vollkommen richtig. Es gibt schon Kreative neben den Leuten der IB (siehe etwa die Freunde der Tagespolitik oder hier und da ein paar Sachen von Gegenargument.at auf Facebook), aber einen Vergleich zu dem, was die VdB-Jünger auf die Beine gestellt haben, hält das alles nicht stand.

    Ich glaube aber weniger, dass es mit der typischen rechten Anonymität zu tun hat aufgrund des sozialen Drucks, sondern mit mangelnder kreativer Affinität aus unserem Lager. Nicht erst seit Sellners Video frage ich mich, wo zum Teufel all die Progammierer, Informatiker, Grafikdesigner etc. sind, die hier locker etwas leisten könnten.

    Denn auch qualitativ ist das linke Zeug nicht immer schlecht, das muss man zugeben. Rechts ist hier spröde, bieder und konservativ unterwegs, auch was die FPÖ selbst anbelangt. Man kann ja konservativ sein, aber dann sollte man den Inhalt lässig verpacken und unter die Menschen bringen.

    Reichsvogt
    08. Dezember 2016 20:29
    Nicht erwähnt wurde die Tatsache und die Begründung für den Austritt Hofers aus der katholischen Kirche. Das hat sicherlich katholisch-konservative, österreichische Patrioten verschreckt. http://www.kath.net/news/23397

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