15. Dezember 2016

Narrative für Naive?

von Lutz Meyer / 14 Kommentare

Irgendwelche Werbefachleute müssen Politikberatern vor langer Zeit mal gesteckt haben, daß Storytelling gerade im Fall schwer faßbarer Inhalte ein erfolgreiches Mittel sei, um Kunden- oder Wählerbindung zu erhöhen, Identifikationsbereitschaft und Produkt- bzw. Parteitreue zu fördern, Neugier und Kauffreude bzw. Akzeptanz zu wecken.

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Das war wohl die Geburtsstunde der sogenannten Narrative in der Politik. Fortan versuchte man, durch sinngebende Erzählungen noch die sinnwidrigste Politik zur Erfolgsstory zu machen.

Zuletzt betraf das bekanntlich die politisch erzwungene Massenmigration. Ob „Flüchtling“, „dringend benötigtes Talent“ oder „Fachkraft“: Sämtliche angebotenen Narrative dieser Art scheiterten binnen kürzester Zeit. Sie scheiterten an der Faktenlage und damit an sich selbst.

Dieser Erledigung der Migrationsnarrative für Gutgläubige folgte umgehend ein weiteres Narrativ: Das des Postfaktischen – überall lauern böswillige Verdreher der Wirklichkeit, verantwortungslose Stimmungsmacher, gewissenlose Populisten.

Das Narrativ des Postfaktischen richtet sich ironischerweise gerade gegen jene, die auf die der Migrationspolitik widersprechenden, nüchternen und nachprüfbaren Fakten verwiesen.

Fakten sind, das lernen wir daraus, nicht immer Fakten. Fakt ist offenkundig das, was amtlich zum Faktum erklärt wird.

Doch wie müsste so ein Narrativ, wie müsste das Storytelling eigentlich beschaffen sein, um nachhaltig erfolgreich zu sein? Erfolg ist hier identisch mit einer langfristig stabilen Gewinnung des öffentlichen Vertrauens.

In allererster Linie müsste das Narrativ also wohl glaubwürdig und durch die Realität wenigstens in soweit gedeckt sein, daß es nicht auf den ersten Blick als Konstrukt entlarvt werden kann. Narrative sind nämlich kein Freibrief für Lüge und Vertrauensmißbrauch, sondern sollen im Gegenteil Vertrauen stärken.

Zweitens kommt es auf die motivierende und mobilisierende Wirkung auf die Masse an. Im Fall des Migrationsnarrativs war das der Appell an das Gute im Menschen, an die Hilfsbereitschaft, an Barmherzigkeit, soziales Empfinden und die Bereitschaft, diese Welt zu einer besseren zu machen, an eine Mentalität also, die in Deutschland vielleicht stärker verbreitet ist als in anderen Ländern.

Das war als Schuß mitten ins Herz an sich sehr gut gezielt, doch was das Narrativ trotzdem schnell zum Scheitern brachte, war die allzu offensichtliche Diskrepanz zwischen Inhalt und Realität, zwischen Produktbild auf der Verpackung und Produktwirklichkeit – hier war einfach nicht das drin, was drin sein sollte. Das versprochene Filet erwies sich als falscher Hase.

Die schnell geplatzte Vertrauensblase ließ die Verantwortlichen nicht etwa am Inhalt des Narrativs zweifeln, sondern zu der Einsicht gelangen, daß man die eigene Politik künftig nur besser kommunizieren müsse. Was nichts anderes besagt, als daß man das Narrativ formal optimieren müsse. Was wiederum – das dürfen wir hier einfach mal unterstellen – nichts anderes als die Ankündigung der nächsten, noch dickeren Lüge und damit der nächsten Bauchlandung sein dürfte.

Storytelling als Kunst guten Marketings ist eben mehr als der Versuch, die Leute systematisch hinter die Fichte zu führen. Die Politik hat nicht einfach Werbung, sie hat schlechte Werbung kopiert. Und das gleich mehrfach hintereinander.

Dieses Versagen spricht allerdings nicht gegen die Verwendung von Narrativen generell, sondern nur gegen deren falsche Anwendung.

In Vorwegnahme weihnachtlicher Besinnlichkeit möchte ich anregen, über unsere eigenen Narrative nachzudenken – das konservative Narrativ, das rechte Narrativ, vielleicht sogar ein besseres linkes Narrativ –, kurzum: das ganz andere Narrativ. Brauchen wir überhaupt ein Narrativ? Haben wir überhaupt solche Geschichten zu erzählen, die schwer Faßbares gleichsam in einem klaren Bild kristallisieren?

Was sind das für Geschichten, wer sind ihre Protagonisten, wer erzählt die Geschichten massenkonform? Sind sie für die Gegenwart nachvollziehbar oder zu sehr auf Historisches fixiert und im schlimmsten Fall gar vorgestrig? Sind sie hinreichend glaubhaft einerseits und packend genug andererseits?

Die Weiterreichung der Frage an das Publikum möge mir bitte nicht als Arbeitsverweigerung ausgelegt werden – ich wäre an substantiellen Antworten ehrlich interessiert. Vor allem natürlich an solchen, die einen anderen als den gewohnten Blick wagen.

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

Kommentare (14)

Winston Smith 78699
15. Dezember 2016 17:13

Haufenweise Narrative hier von Bosselmann in "Kapparoth Deutschland?" (14.8.2013), auch in den Kommentaren (mir gefällt "Mucki" Pinzner):

sezession.de/40234/kapparoth-deutschland

Kann verstehen, wenn das erstmal oder gar nicht freigeschaltet wird, man such ja nach neuen.

Aristoteles
15. Dezember 2016 17:32

Wir nehmen mit:

1) Die ungeheure Macht des Medienmonopols, das einer volksmörderischen Agenda folgt. Das Medienmonopol ist der Hauptfeind.

2) Die Medienmonopolisten erklären die Welt nicht ausgehend von der Realität, sondern schreiben und schmummeln sich die Realität so zurecht, wie sie sie gerne hätten, und müssen dann, wenn der Konflikt mit der Realität allzu sichtbar wird, immer weiter schreiben und schummeln.

3) Selbstverständlich braucht der Mensch ein Narrativ. Es gibt kaum etwas Menschlicheres als Geschichtenerzählen und -hören.

4) Die BRD narriert sich einem närrischen Ende entgegen.

5) Auch wenn es immer wieder platt klingt: Wer seinen Kindern nicht von Klein auf die Geschichten der Bibel, der Edda, des Nibelungenlieds, der Grimm'schen Märchen- und Mythensammlung, der Deutschen Geschichte erzählt --- sollte noch nicht einmal anfangen, über Weiteres nachzudenken.

Die Linken sehen es doch schon
15. Dezember 2016 18:15

Die Linken beschreiben das rechte Narrativ als die "Welt der 1950er in die manche zurück wollen". Ich finde das als Anknüpfungspunkt schon mal nicht schlecht, zurück zu einer funktionierenden Gesellschaft. Daß diese Gesellschaft eine Kopie der BRD in den 1950ern sein soll bezweifle ich jetzt einfach mal.

Wir fremdeln ein bisschen mit diesem Narrativ der funktionierenden Welt von gestern, man bringt sich hier ja auch schnell in die Position des "Ewiggestrigen". Dennoch ist das eine gute und schöne Geschichte.

Eine aus den Fugen geratene Welt in der die Globalisten aus Elfenbeintürmen heraus den Ton angeben hat uns dahin geführt wo wir heute stehen. Gehen die Protagonisten in unserer Geschichte nun weiter auf die sichtbare Klippe zu oder kehren sie um? Quo Vadis?

Es ist übrigens recht interessant wie diese Geschichte von den Linken derzeit bekämpft wird. Da wird schon vorsorglich darauf hingewiesen, dass es kein Zurück gäbe. Das Erzählen der Geschichte soll schon von vorne herein unterbunden werden. Meiner Meinung nach haben die Linken die Hosen gestrichen voll, dieser Geschichte haben sie nämlich nur eine durch die Globalisierung verheerte Welt entgegenzusetzen. 

Eine funktionierende Welt in der wir unseren eigenen Herren sind. Eine schöne Geschichte oder nicht?

Arminius Arndt
15. Dezember 2016 18:19

Im politischen Bereich waren Erzählungen (neudeutsch Narrativ) und Mythen immer von Bedeutung - ich möchte in diesem Zusammenhang an Sorel erinnern, der die Bedeutung des Mythos für eine politische Bewegung sehr exemplarisch dargestellt hat (Über die Gewalt).

Unsere Regierung hätte durchaus den Mythos des weltoffenen, gastfreundlichen und hilfsbereiten Deutschlands propagieren können und dürfen, um so ihre Kräfte bündeln und motivieren zu können. Der Fehler war, dass man es zu einem kleingeistigen Narrativ mit öffentlich-rechtlichem Anschluss- und Benutzungszwang inklusive Gesinnungsjakobinismus herunter gebrochen hat - alles aus der vermeintlichen "Alternativlosigkeit".

Da muss ja der brävste Bürger irgendwann das Kotzen bekommen - ganz unabhängig von den schwerstkriminellen Ergebnissen dieser Politik.

Das Gespür für Verhältnismäßigkeiten und Zumutbarkeiten ist vollkommen abhanden gekommen. Man will das Alles den Leuten irgendwie "vermitteln" und erklärt allein dadurch, dass man es ihnen unbedingt beibringen will, sie damit letztlich faktisch für blöd und manipulierbar.

Bei einem normalen Konsumprodukt kann man als Bürger weiterzappen, das Zeug nicht kaufen und offen und ehrlich darüber ablästern etc. - man ist da ja mittlerweile entsprechend abgebrüht und langatmig geworden. Aber keine Alternative zur Alternativlosigkeit zu haben und dazu auch noch schweigen zu sollen bzw. es sogar unbedingt begrüßen zu müssen, dass ist eben dann doch zu viel. Die kalte Hand des totalen Zugriffs der Gesellschaftsingenieure kann einfach zu sehr am eigenen Halse gespürt werden.

Im Beitrag zuvor von Frau Sommerfeld wurde das heikle Thema "Wahrheit" angesprochen. Der Mythos der Rechten ist der Mythos der Wahrheit und des rechten, weil richtigen Weges. Und wer die Wahrheit hat, hat sie eben ganz und nicht nur zum Teil (in memoriam H.Milch).

Wo wir sind, ist der Bürger erwachsen und muss nicht mit einem Heer von Sozialpädagogen auf die polit-korrekte Spur von Maloche über alles, Konsumieren, Sporteln, Fressen, Ficken und im Übrigen Maul halten gebracht werden.

Wir sind keine Eloi!

Der freie Bürger ist ein Ergebnis rechter Politik und kein Popanz sozialliberaler Neurotiker.

Wir sind die Voraussetzungen, von denen Böckenförde richtig erkannt hat, dass ohne sie ein freiheitlicher Staat nicht funktionieren kann und die ein freiheitlicher, säkulariserter Staat eben nicht gewährleisten bzw. erzwingen kann. Mit uns läuft der Laden, ganz ohne Gängelung.

Wir sind diejenigen, die Respekt vom Staat einfordern, dann aber auch ihm Respekt erweisen.

Deutsch sein, heißt eine Sache um ihrer Selbst willen zu tun (R.Wagner).

Überhaupt Wagner: Er sah die Dekadenz und wollte eine Regeneration. Wenn er wüsste, wer heutzutage alles Stammgast bei seinen Festspielen ist und wie wenig diese Gäste davon regeneriert werden ... Eine Religion hat wiederum den Anspruch der vollständigen Wahrheit (und damit schließt sich mein Gedankenkreis).

PS: Man verzeihe mir den einen oder anderen, derben Ausdruck. Aber vollständigen Zurückhaltung ist bei dem Grad der angedachten Verblödung der Einwohner dieses Landes unangebracht.

 

Sven Jacobsen
15. Dezember 2016 20:55

Narrative sind identifikationsstiftend. Das ist nicht naiv. Das ist Berechnung.

paul
15. Dezember 2016 21:03

Das Wort "Narrativ" ist z.Z. ein ebenso hipper Begriff wie das Wort "postfaktisch". Eine Kartoffel bleibt eine Kartoffel, auch wenn sie einem als pomme de was weiß ich vom Chefkoch persönlich serviert wird. Mir persönlich gefällt das Wort Saga besser, zumal es deutscher ist als der Begriff Narrativ. Geschichten haben sich die Menschen schon immer erzählt. Geschichten von der Liebe, dem Krieg, übermenschlichen Helden und Göttern. Die ganze Bibel ist eine einzige Saga. Die Geschichte von Jeus Christus hat Menschen zu Märtyrern werden lassen und massgeblich den Lauf der Welt bestimmt. Geschichten sind mächtiger als alle Fakten. Aber egal von wem odr es diese Geschichten handeln, die Menschen wollen so darin wiederfinden, sich mit dem Helden, dem Opfer oder dem Schurken identifizieren. Geben wir den Menschen doch verdammt noch mal eine gute Geschichte !

Siddharta
16. Dezember 2016 09:02

Die Geschichte ist authentisch und hat mich sehr berührt. Allerdings weiß ich die Quelle nicht mehr. Eine Einheit Freiwilliger springt im April 1945 als Fallschirmjäger über der Festung Breslau ab. Die Lage ist aussichtslos. Zusammen mit der zurückgebliebenen Bevölkerung feiern die Soldaten ein letztes Fest in den Trümmern.

Der_Neugierige
16. Dezember 2016 10:43

Wo werden  in unserer Gesellschaft noch schöne Geschichten erzählt?

Neulich habe ich in einem Mainstreamblatt folgende Überschrift gelesen.

Wissenschaftler hat herausgefunden das die Geschichte vom Weihnachtsmann schädlich für die Kinder ist. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln und ich dachte, was sich diese Volkszerstörer doch nicht alles einfallen lassen.

Sie erzählen nur noch die Geschichten die unserer Gemeinschaft sprengt, das wäre dann das ENDE DER GESCHICHTE.

Richard Cobden
16. Dezember 2016 11:01

Wir brauchen ein Narrativ von einem Volk, das sich selbst in große Schwierigkeiten gebracht hat, auf Lügner hereingefallen ist und durch die Schlauheit und Widerstandskraft einiger weniger vor der Selbstzerstörung gerettet wurde. Wir müssen daran erinnern, dass es in der Vergangenheit ähnliche Situationen gab und Menschen wie Luther und Arminius, die ihre Zeitgenossen wachgerüttelt bzw. vor der Unterwerfung durch fremde Mächte bewahrt haben.

Wir brauchen auch eine Vielzahl an neuen Symbolen, die unsere Ideen verkörpern. Menschen bilden sich eine Meinung über eine Sache in weniger als einer Sekunde. Es heißt nicht umsonst Menschen BILDen sich eine Meinung! Wir müssen unsere Inhalte bildhaft erklären; Analsysen der Lage wurden schon genug verfasst.

Pepe der Frosch ist nicht zufällig ein Symbol der Altright geworden. Der Frosch ist eine der am meisten gefährdeten Tierarten auf der Welt, die Haut von Fröschen ist extrem empfindlich auf Veränderungen der Lebensumwelt (z.B. durch Giftstoffe), Frösche machen daher auf ein Ungelichgewicht in der Natur aufmerksam. Die Farbe grün symbolisert Wachstum und Erneuerung.

Hipster werden in den USA von der Altright als snowflakes bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem Kultbuch Fight Club und bezieht sich spöttisch auf die Angewohnheit dieser urbanen Spezies sich als einzigartige Geschöpfe zu betrachten, wie Schneeflocken eben. Schnee ist unmenschlich und potentiell tödlich, er ist ein archetypisches Symbol für Unterdrücktes und distanzierte Gefühle. Linke unterdrücken eine Menge an natürlichen Gefühlen. Wir müssen diese Gefühle zum Aufschmelzen bringen.

Dietrich Stahl
16. Dezember 2016 22:47

"Lügenmärchen für den Pöbel", lieber Lutz Meyer, ist die deutsche Version Ihrer Überscheift. Sie beschreibt auf den Punkt, was die Politik/Medien/Kultur Mafia dem Volk an den Kopf schmeißt; und, was sie von ihm hält.  

Narrativ ist eine dieser Orwellschen Wortschöpfungen zur Verschleierung oder Verkehrung der Wahrheit in ihr Gegenteil. Kollateralschaden, Nullwachstum, Verschwörungstheorie, ... Die Liste ist inzwischen schier endlos.

Geschichten erzählen. Diese zwei Worte haben einen ganz anderen Klang. Selbst einfache Geschichten, wie sie Ellen Kositza in ihrer Das-wars-Kolumne erzählt, haben mehr Tiefgang als alle Narrative. Die Marco Polo Geschichte vom 5.12.16 werde ich wohl nicht so leicht vergessen.

Seit 1945 versucht man, dem deutschen Volk das Deutsche auszutreiben. Seit zwei, drei Jahren ist die Rückbesinnung auf das Eigene erkennbar geworden.

Also, mehr Geschichten erzählen!

Nordlaender
17. Dezember 2016 11:37

"Narrativ" ist nicht minder schwul wie z.B. "Erfolgsgeschichte", "Hingucker" oder "Chance".

Laurentius
18. Dezember 2016 16:30

Das Doofe ist, dass die Konservativen immer nur die uralten, hundert Mal durchgekauten Narrative vorzeigen können - klar es sind ja Bewahrende.

Was haben es die Linken dahingegen gut, die können alle 5 Jahre mit einem neuen Leitbild um die Ecke kommen können und sind immer hip vorne mit dabei. Der Vorteil des Umstürzlers, dass er mit seinem dummen Geschwätz von gestern nie assoziiert werden kann, er wird sich stets darauf berufen, dass sich die Welt ja geändert hat. 

Der Rechte muss sich damit begnügen, dass seine Narrative meist nur die Reaktion auf sich verschlechternde Umstände sein können - also die Antithese, die Re-Aktion... die Erinnerung an Zeiten der sicheren Grenzen, der sozial intakten Gesellschaft. 

destijl
18. Dezember 2016 16:34

Ich empfehle die Lektüre von Yuval Harari "Ein kurze Geschichte der Menschheit". Der Autor sieht unsere Heraufkunft als sich reflektierende Spezies und den Beginn und Fortgang unseres Gemachten, also der Zivilisation, als Ergebnis von gelungenem Storytelling: Nur der Glaube an gemeinsamen FIktionen hat die Zusammenarbeit in größeren Mengen von Individuen (jenseits der biologisch verträglichen 150) ermöglicht. Ohne Narrativ keine Städte, Nationen etc. Wirklich sehr empfehlenswert und ich fände es schön, wenn das bereits vor 3 Jahren erschienene und mittlerweile zum Bestseller avancierte Buch doch noch in der Sezession besprochen werden würde. 

Winston Smith 78700
21. Dezember 2016 12:07

Surfen in tvtropes - "tropes", das sind ebensolche "Narrative". Oder mit Kreativitätstechniken, das ist wie mit dem Legen von Tarotkarten: das Bild dockt teils erfreulich an Bekanntem an (Fuß in der Tür), daraus speist die Deutung ihren Impuls, zwingt dann aber mittels dieser Energie zum Denken von was Neuem oder gar Neuartigem.

Filme gezielt mit der Frage nach dem Narrativ oder der Problemlösung ansehen. Aber nicht etwa: wo ist das deutsche Volk in "Rosemary's Baby"? Das ist zu einfach. Wo ist es zum Beispiel in "Le Mépris"? Also dort suchen, wo nichts zu Findendes ausgelobt ist. (In Mepris zitiert Fritz Lang Hölderlin - hier vielleicht andocken.)

Mir fiel als Narrativ jetzt Krankheit und reinigendes Fieber ein, also eine derartig riskante Transformation, dass der Patient eigentlich bereits über die Klippe gegangen sein muß, für tot erklärt, damit das Heilige erst wirken kann - man bekommt es nicht geschenkt, man darf es nicht zähmen wollen. (Ich kenne das Buch von M. Lichtmezs nicht, vielleicht steht da was Ähnliches.)

Im Übrigen eignet sich für mein Empfinden der aufgewärmte Artikel von Wegner über Kriegskunst für eine Coagulation (alle Alchemie ist auch Kreativitätstechnik - so hat es Nietzsche erfaßt) mit diesem hier.

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