03. Januar 2017

Metaphern, "Hate speech", Gewalt

von Caroline Sommerfeld / 19 Kommentare

Metapherntheorien können uns gegenwärtig gefährden oder befreien. Sie gefährden die Freiheit, wenn sie kulturmarxistisch Orte befallen, wo sie keiner annimmt, sie aber große Schäden anrichten.

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Sie befreien, wenn einem klar wird, welche Metapherntheorien hinter dem medialen Zirkus um Hate speech liegen, und wie in sozialen Medien eigentlich metaphorisch gehandelt wird, aber auch, wenn man merkt, was Metaphern überhaupt nicht vermögen.

Metaphern sind als „sprachliche Bilder“, die einen Ausgangs- und einen Zielbereich haben, von George Lakoff und Mark Johnson in ihrem Standardwerk Leben in Metaphern 2004 allgemein beschrieben worden. Menschliche Sprache ist von Metaphern durchzogen, sie sind weder bloß „schmückende Beiwerke“, wie Aristoteles annahm, noch der komplette Bestand der Sprache, wie Nietzsche gelegentlich meinte.

Metaphern drücken fundamentale körperliche und taktile Erfahrungen aus, zumeist gibt es einen sehr konkreten, körperlichen Ausgangsbereich und einen abstrakten Zielbereich. Je körperlicher und grobschlächtiger, desto stärker ist die Metapher.

„Wir bekommen die Krätze geschenkt.“ Henryk M. Broder hat diesen Satz im ganz schwachen Sinn des Wortes ironisch-metaphorisch benutzt, insofern die Krätze kein buchstäbliches Geschenk sein kann. Er fragt sich indes auf der buchstäblichen Ebene, ob das Auftreten von Skabiesfällen seit der Migrationswelle signifikant höher geworden sei, was medizinische Studien anscheinend nahelegten.

Jakob Augstein las den schmalen, lakonischen »Achse«-Beitrag und verstand eine starke, böse, große Metapher: die Flüchtlinge sind die Krätze. Prompt zitiert er in einer Liste indiskutabler rechter Aussagen zum Berliner Anschlag Broder mit diesem Satz und befindet, daß Rechte böser als Islamisten sind. Körperlicher Ausgangsbereich, abstrakter Zielbereich, was bleibt – Ekel. Wohl vor zweierlei: vor der übertragbaren Krankheit und vor den moralischen Diffamierungsmethoden Augsteins.

Metaphern können ganz schön etwas ausrichten. Dies liegt daran, daß sie im Buchstäblichen verankert bleiben, wenn sie abstrakt werden.

Donald Davidsons Metapherntheorie („Was Metaphern bedeuten“; in: ders.: Wahrheit und Interpretation) behauptet das Gegenteil: Metaphern haben keine Bedeutung. Sie funktionieren wie außersprachliche Begleitmittel der Sprache, z.B. Bilder herzeigen, Winken, Küssen, Ohrfeigen, Erröten. So eine Neudeutung kann jetzt unter Sprachphilosophen schöne lange Kontroversen nach sich ziehen, hat sie auch.

Wichtig hier ist, daß die Vorstellung, Metaphern hätten „keine Bedeutung“, von Richard Rorty begeistert hergenommen worden ist, um seine Theorie zu untermauern, daß es Wahrheit, Wirklichkeit, Substanz und eben auch Bedeutung von Begriffen gar nicht gebe und das auch gut so sei. Die Philosophen hätten sich geirrt, wenn sie angenommen hätten, es käme auf mehr an als auf die kontingente Veränderung von „Vokabularen“ der Menschen und darauf, daß diese einer „immer größeren Sensibilisierung“ für Unterdrückung, Schmerz und Demütigung von Menschen zugänglich würden.

Ahnt man schon langsam, was für Metaphernbegriffe hier zurechtgemacht werden? Wenn nicht, Metaphernbegriff Nummer zwei:

[Solche] sprachliche(n) Ausdrücke beschreiben und bewerten nicht (bzw. nicht nur). Sie erzeugen vielmehr ein Verständnis der (vorsprachlichen) physikalischen Realität und gesellschaftliche Realität(en), die als allgemeingültig verstanden werden und deshalb nicht ohne Weiteres hinterfragt werden können.

Das klingt noch wissenschaftlich-allgemein, hat aber einen gewaltigen Drall ins Unausweichlich-Totalitäre, wenn man darunterlegt, auf welchem Theoriemodell es fußt. Judith Butlers Haß spricht ist der Gewährstext für die zitierte Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung (im übrigen auch für die deutsche Wikipediaseite zu „Hassrede“). Butlers extremfeministischer Ansatz versteht die soziale Zeichenwelt als „heterosexuelle Matrix“, als Foucaultsches Gewaltdispositiv, aus dem es kein Entkommen gibt.

Entsprechend kann der in der Broschüre zu Wort kommende Sprachwissenschaftsprofessor Stefanowitsch auch die totale Haßmetaphorik ausfindig machen: egal ob intendiert, ob nichtintendiert (Mißverstehen und Humor also ausgeschlossen), ob direkt oder indirekt (z.B. nicht zu erwähnen, daß Menschen ein bestimmtes Merkmal haben), ja sogar das Nichterwähnen bestimmter Gruppen oder Personen kann Hate speech sein (haßerfülltes Schweigen über Flüchtlinge als Wirtschaftselite, darf man sich das so vorstellen?).

Rortys postmodernistisch-liberale Bekämpfung von Wahrheit und Bedeutung zugunsten von „Sensibilisierung“ und Butlers Kampf gegen die „verletzenden Verfahren der Performativität“ haben trotz Gegensätzen (der eine findet gar keine Buchstäblichkeit mehr in der Metapher, die andere nur noch Buchstäblichkeit, die allenthalben offensive wirkt!) gemeinsam etwas vollbracht. Ihre aufklärerische Absicht schlägt um in Hörigkeit.

Heiko Maas' Vorwort zu der erwähnten Amadeu-Antonio-Stiftung-Broschüre zu Hate speech darf hier als Metapher für einen sattsam bekannten neuen Überwachungskomplex stehen.

Hate speech gibt es also nicht als soziales und mediales Phänomen (wie es etwa Internetdating oder Memes im Netz gibt), sondern ein bestimmter Sprachgebrauch muß, sieht man ihn durch die Brille der beschriebenen Metapherntheorien, Hate speech sein. Versuche, diesen Sprachgebrauch justitiabel zu machen, müssen davon ausgehen, daß sie es hier mit einem extrem voraussetzungsreichen, wenn nicht wirklich abseitigen Philosophiestrang zu tun haben.

Um es zuzuspitzen: Ich wurde einmal Zeuge einer Diskussion unter Studentinnen, die lächelnd der These zustimmten, eigentlich wäre doch der Analverkehr die wirklich revolutionäre Praxis, weil nur so die unausweichliche Reproduktion der heteronormativen Familie durchbrochen würde. Man stelle sich vor, daß dies die Basis einer Broschüre des Familienministeriums wäre.

Wie also weitertun mit dem Problem, das als Hate speech im linken Paradigma beschrieben wird? Wir könnten annehmen, daß das Phänomen eine ganz leere Zuschreibungskategorie ist, eine bewußte Diskursentgleisungsstrategie, die als Derailing pointiert aufs Korn genommen geworden ist, siehe hier und hier. Wenn Argumente nicht reichen, schreie man bei Gegeneinwänden laut: „Das ist aber Hate speech!“

Metaphern sind Insider. Sie funktionieren in genau dem Sinn, in dem wir bestimmte Witze nur mit bestimmten Leuten teilen können, und wenn wir sie anderen erklären müssen, wird es mühsam und der Witz ist weg.

Im Internet gibt es Möglichkeiten zuhauf, Teil der verschiedensten In-groups zu werden, vielleicht basiert das Internet – zwischenmenschlich betrachtet – überhaupt nur darauf.

Erstaunlich viele dieser In-groups betätigen sich, z.B. während sie ihr Onlinespiel kommentieren, in deftigem, sich ständig überbietendem Trash talk. (Beispiel? Ärger über einen Mitspieler, der einem zuvorgekommen ist, mit „Ich fick deine tote Mutter“ auszudrücken.) Natürlich hassen die Mitspieler einander nicht, kein Mensch nimmt hier eine Metapher buchstäblich, und wenn einer zu expressiv oder zu dumm wird und das Spiel verdirbt, können die anderen oder der Betreiber ihn blockieren, ignorieren und notfalls die komplette IP-Adresse blockieren. Leuten, die "offenden", explizit sagen zu müssen, daß das nicht in Ordnung sei, ist, wie einen Witz erklären zu müssen.

Was in der In-group paßt, ist nicht für außerhalb bestimmt, denn dort wird die Metaphorik höchstwahrscheinlich buchstäblich genommen und dann, da sie eben körperlich-konkret ist, als Kränkung und Schmähung körperlich-konkreter Adressaten aufgefaßt. Brutale, grobe Netzkommentare sind nur allzuoft nachher „als Scherz gemeint gewesen“, ein verzweifelter Versuch, metapherntheoretisch unbeleckt genau dieses Problem zu benennen: man bewegte sich wie in der In-group und hat nicht mit den Reaktionen der Welt gerechnet. 

Ganz viele „Haßpostings“ sind Grenzfälle dieser Beschreibung. In einer sprachlich aufeinander eingeschossenen Gruppe, und sei es die der H.-C.-Strache-Facebookseiten-Kommentatoren, gibt eine grobe Metapher die andere. Nun kommentiert einer im selben Duktus nach außen (beispielsweise nicht über die Frau Wieczorek mit ihrem #aufschrei, sondern an sie), und schon ist es nimmer Einverständnis, sondern „Haß“.

„Motive sind keine Gefühle, sondern Zuschreibungen von Handlungsgründen.“ (Niklas Luhmann) Wechselnder Kontext erklärt hier viel mehr als Gefühl.

Hate speech metapherntheoretisch freizulegen, zeigt, was es nicht ist. Julius Streicher erklärte in Nürnberg 1946, die Stürmer-Karikaturen seien „doch nur Metaphern“ gewesen. Mit Metaphern kann man niemanden umbringen, man kann sie aber auch nicht kausal für Gewalttaten verantwortlich machen. („Geistige Brandstiftung“ gehört womöglich auch zum Derailing?)

Die Beschreibung von „Haß“-Metaphern als Metaphern entschuldigt nichts, sondern durch ihre latente Buchstäblichkeit wirken sie überhaupt erst. Und betonen zu müssen, daß diese Wirkung böse ist, ist, als müsse man einen Witz erklären. Da krieg ich die Krätze!

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Kommentare (19)

Einar von Vielen
02. Januar 2017 19:46

Ich halte den ganzen Hate Speech Kokolores für ein Eigentor der Junta. Jede Repression wirft ihnen nur kurzen Gewinn ab, langfristig erhöht das nur die Wut. 

Ein Fremder aus Elea
03. Januar 2017 09:26

Eine Metapher ist eine Beschreibung, welche auf Strukturgleichheit beruht.

Metaphern erfordern Deutung, und sind oftmals vieldeutig.

Hin und wieder ist auch nicht klar, ob etwas wörtlich oder metaphorisch gemeint ist, wie zum Beispiel bei Broders Krätze: Augstein nimmt an, Broder wolle ausdrücken, daß uns die Flüchtlinge "unter die Haut gingen" (selbst wieder eine Metapher") und uns dort "juckten".

Leider ist festzustellen, daß die Heutigen nicht besonders gut im Metapherngebrauch sind, also oftmals Metaphern nicht erkennen oder falsch verstehen.

Füße, wie die eines Bären, werden beispielsweise von den Wenigsten als Beschreibung von Stiefeln identifiziert, wiewohl, wenn Sie mal wieder einen Zoo besuchen, sich dieser Vergleich wirklich aufdrängt.

Benno
03. Januar 2017 09:28

 "Prompt zitiert er in einer Liste indiskutabler rechter Aussagen zum Berliner Anschlag Broder mit diesem Satz und befindet, daß Rechte böser als Islamisten sind."

Broder? Rechts? Wenn man den Witz erklären muss, dann ist er auch hier nicht mehr lusitg.

Den Anstand kann man auch dann wahren, wenn man sich in der in-group befindet. Braucht es dazu "Hate speech"-Gesetze? Nein. Eine offene und ehrliche Diskussion über die Vor- und Nachteile islamistischer Anschläge würde solchen Kommentaren mehr entgegenwirken.

der Gehenkte
03. Januar 2017 10:13

Nicht zu vergessen, der metaphorische Tat-Zynismus, für den Peter Sloterdijk mit seiner "Kritik der zynischen Vernunft" ein Anti-Manifest geschrieben hatte. Auch die symbolische Geste entfaltet ihre metaphorische Wirkung und die wird gern von der Justiz verstanden udn weil sie Tat ist, auch gern "miß"verstanden.

So wurde in England ein Mann zu einem Jahr Haft verurteilt, weil er ein Sandwich gegen eine Moscheetür warf. Nicht daß diese Tat besonders lobenswert oder intelligent gewesen wäre, zeigt das Strafmaß doch, wohin die Reise geht.

Das ist eine Lektion für alle Aktivisten, die Menetekel sind unübersehbar. Ich plädiere daher im Metapherngebrauch – ganz im Sinne Sloterdijks – für einen Kynismus, dessen Glutkern die parrhesia war, statt für zynische Aktionen und Kommentare.

Dabei geht es nicht um Feigheit sondern in der wunderbaren Lutherübersetzung:

"Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben." (Matth.10.16)

 

 

Ernst Wald
03. Januar 2017 10:45

Den Gebrauch der Bezeichnung "Hate Speech" mit Metapherntheorien zu erklären, erscheint mir als zu umständlich und letztlich nicht überzeugend.

Denn von "Hate Speech" sprechen doch nur Vertreter der Political Correctness. Und die vorherrschende Ideologie der Political Correctness hat eine neue Verbrechensart geschaffen: Hassverbrechen.

Seither können alle Befunde, Aussagen und Meinungen, die nicht den Maßregeln der Political Correctness gehorchen, als "Hate Speech" gebrandmarkt werden.

Umgekehrt kommt es den Anhängern der Political Correctness natürlich nicht in den Sinn, ihre heftigen und beleidigenden Ausfälle gegen Andersdenkende als "Hate Speech" einzustufen.

Winston Smith 78700
03. Januar 2017 11:08
 

An @ Ein Fremder aus Elea.  Sie schreiben: "Leider ist festzustellen, daß die Heutigen nicht besonders gut im Metapherngebrauch sind, also oftmals Metaphern nicht erkennen oder falsch verstehen."

Ich befürchte, dass dies täuschen könnte.  Vielleicht soll es uns nur so erscheinen. Lakoff/Johnson als zentrales Werk ist im Original aus dem Jahr 1980. Wenn Sie mal die Nachfolger Andrew Goatly, Gilles Fauconnier, Mark Turner und evtl. gar Thomas Sebeok googeln, dann tauchen beunruhigende Gegenstände auf.

Das ist eines der Gebiete, wo sich gerade junge Leute - etwa die Kohorten der Besucher dieser Schnellrodaer Seminarwochenende - reinbeißen müßten, um an Waffen für den medialen Kampf zu gelangen. Diese sollten als aufsteigende Kraft nämlich vor allem schlauer und wendiger sein als ihre Gegner und der Macht um gedankliche Züge voraus, und das ist nicht mit körperlichem Kampfsport zu erreichen. Klar klingt das ätzend: lernen, studieren, Streberei . Mit modernen Methoden der Didaktik (wie sie bei Kindern und Jugendlichen eher schlechter funktionieren als bei ohnehin intrinsisch motivierten "Studenten" ) könnte man da aber Arbeit gut kooperativ aufteilen aufteilen und vorverlagern. Man zieht doch am gleichen Strang. Sie sollten auch intellektuell zu Aktivisten werden.

Der_Jürgen
03. Januar 2017 11:30

@Der Gehenkte

Makabrer Nachtrag zu Ihrem Hinweis auf den Mann, der in England ein Jahr bekam, weil er ein Sandwich mit Schweinefleisch gegen eine Moscheetür warf: Der Mann wurde im Gefängnis von muslimischen Mithäftlingen ermordet. Dass man ihn nicht von diesen getrennt unterbrachte, dürfte wohl Kalkül gewesen sein. De facto also die Todesstrafe für einen dummen Bubenstreich, für den eine Busse oder allenfalls eine Haftstrafe auf Bewährung angemessen gewesen wäre.

In der BRD bekam ein Mann, der im Internet gefordert hatte, die Krematorien von Auschwitz wieder in Betrieb zu nehmen (wodurch er sich als Volltrottel outete) zu zweieinhalb Jahren ohne Bewährung verurteilt. Wenn die Antifa öffentlich "Deutschland verrecke" oder "Bomber Harris, do it again" skandiert, fällt das hingegen unter den Begriff der Meinungsfreiheit.

Die Herrschenden definieren eben, was "Hate Speech" ist und wie hart man dafür bestraft wird. Es läuft alles auf die Machtfrage hinaus.

 

der Gehenkte
03. Januar 2017 11:55

@ Der_Jürgen

"Der Mann wurde im Gefängnis von muslimischen Mithäftlingen ermordet."

Das wäre ja auch schon eine große Metapher auf das multikulturelle Leben. Gibt es dazu Quellen oder ist das schon "fake news"?

 

Benno
03. Januar 2017 12:05

@Jürgen Können sie dazu eine Quelle nennen? Zum Mord an dem Sandwichwerfer. Danke schon mal.

Herr k.
03. Januar 2017 12:24

 Guter Artikel!

Allerdings betrachtest du die Sache aus einer philosophischen bzw. quasiwissenschaftlichen  Perspektive, welche die Psychodynamik (vorerst) unberücksichtigt lässt. Und hier liegt der Hase im Pfeffer, denn wie eine Künstlerin unserer Zeit einmal sagte: Hate can be an useful ressource. Die Frage ist, ob man die Energie zum Erreichen des Eigenen oder zur Verhinderung der Anderen nutzt.

Oder anders: die haben nur Angst. Das ist alles. Die denken wie ein 5-jähriges Mädchen, das annimmt, man könne das Gute tun und das Böse lassen. Und man könne das Unangenehme verbieten. Ja, dann verbietet doch mal Arbeitslosigkeit.

Ich appelliere an unser Lager, Gefühle von Hass ausdrücklich zuzulassen. Das heißt aber nicht, dass diese die Kontrolle über nehmen sollten oder müssten. 

der Dachs
03. Januar 2017 12:28

Der entscheidende Punkt sind nicht poetologische oder philosophische Metapherntheorien. Sondern wer die exekutive Macht besitzt. Der instrumentalisiert sich die passende Theorie.

Denn was im konkreten Fall Metapher ist, was nicht, ist Auslegungssache.

Es bedarf keiner Schnellrodaer Metapherntheorie, sondern klarer Kante gegen böswillige Auslegungen.

Ein Fremder aus Elea
03. Januar 2017 12:32

Winston Smith 78700,

nun gut, wir haben also eine Wissenschaft für verwaschene Begriffe, so wie wir auch eine Psychologie für Geistesstörungen, nicht aber für einen gesunden Geist haben.

Der beste Weg, der Verwirrung zu entkommen, besteht nicht darin, ihre Mechanismen offenzulegen, sondern darin, sie durch Klarheit zu ersetzen.

Wenn jemand meint 2+2 sei 5 , soll ich dann wirklich eine Dissertation darüber schreiben, wie er darauf gekommen ist?

Großer Aufwand, ungewisser Nutzen.

Der_Jürgen
03. Januar 2017 13:46

Zu dem von mir erwähnten Todesfall: Der Engländer, der ein Jahr Gefängnis bekam, weil er ein Sandwich mit Schweinefleisch gegen eine Moschee geworfen hatte, ist tatsächlich vor ein paar Tagen in Haft gestorben, aber die Todesursache ist nicht geklärt, bzw. wurde nicht offiziell bekanntgegeben. Ich hatte die Version, wonach er von muslimischen Mithäftlingen ermordet wurde, von einer rechten Website, die offenbar - fahrlässig oder absichtlich - ungenau berichtet hatte. Für mich ein Lehrstück; man sollte immer nachprüfen, ehe man unbestätigte Versionen verbreitet. Ich bitte um Entschuldigung. - Daran, dass das Urteil ein Skandal war, ändert das aber gar nichts.

http://metro.co.uk/2016/12/29/man-who-attacked-mosque-with-bacon-sandwiches-found-dead-in-prison-6350609/

Herr Meier
03. Januar 2017 14:14

Es geht um die Schaffung EIGENER Metaphern! 

Mehr Handlungsorientierung, weniger Elfenbeinturm, bitte! Auch Denker sollen etwas liefern.

Die eigenen Metaphern oder Symbole, die wir dringend einpflanzen sollten:

- SCHLÜSSEL: Jeder hat ihn in der Tasche. Jeder vertraut ihm sein Zuhause an. Denn wer wäre schon so dumm und offen, dass er sein Zuhause anderen auf Gut Glück überließe, wie es Politiker mit unserem Land machen? Nein, Sicherheit kommt von Zusperren-Können. Schlüssel ist Sicherheit. Hoch den Schlüssel (ganz konkret: Man kann ihn hochhalten, tausendfach, jeder hat ihn dabei, z.B. bei Pegida)

- SARRAZIN-BUCH: 2010 hatten wir die Vorstufe der jetzigen Debatte. Jeder Patriot hat dieses Buch damals gekauft und es steht noch im Regal, winkt verhalten herüber. Warum nehmen wir es nicht mit auf die Straße? Halten es am Marktplatz vor uns hin, zu vielen? Sarrazin wusste, in welche Richtung es ging, damals, wir wussten es - und wie haben die Antideutschen gehetzt?

Jetzt ist ihr Versagen offenbar und das müssen wir ihnen auch hinreiben und es auswerten in Definitionsmacht in der Öffentlichkeit.  Gerne auch mit einem eigenständigen, positiven Akt: Gemeinsam und öffentlich auf das Buch schreiben: "Stop!" oder "Es reicht!"...

 

Also, ich hoffe, ihr nehmt das auf: Es geht darum, welche Pfosten WIR einrammen. 

_______

Jetzt beginnt das sehr wichtige Jahr 2017. 

JETZT muss eine umfassende Strategie zur Offensive kommen. 

Wartet nicht, bis Zschäpe wieder eine "NSU"-Aktion angefangen wird....

Gut durchdacht und verbreitet: Hunderttausend Deutsche sind mit Sicherheit bereit, etwas zu unternehmen, Blätter verteilen usw. Jetzt sind die Deutschenhasser in der Defensive, jetzt muss der Vorstoß kommen. Dann aktiviert dieses Potenzial! Ihr seid die Denkfabrik, tut es einfach!

Leonhard hagebucher
03. Januar 2017 16:56

Ach Gott, Frau S., wozu benötigen Sie für den eindeutig unterstellenden  Kampfbegriff "Hate speech" irgendeine Metapherntheorie ? Und dann auch noch den alten Aristoteles verunglimpfen. "Bloß schmückendes Beiwerk"; welch ein Unsinn!

Übrigens, wie das Wort von der "geschenkten Krätze" gemeint war, ob lediglich partiell metaphorisch ("Seuche=Geschenk") oder zur Gänze ("Einwanderung=Seuche")  ist dem  Rezipienten überlassen; im vorliegenden Fall dem krausen Weltverständnis eines Augstein.  Wenn der miese Ideologe dies so interpretiert, ist das eine böswillige Unterstellung (vielleicht sogar eine Projektion). Der buchstäbliche Kontext gibt solche Deutung jedenfalls nicht her. Bitte einfache Sachverhalte nicht durch pseudowissenschaftliches Sprechen verunklären!

Wilhelm II
03. Januar 2017 17:02

Quelle für ermordeten Briten

http://www.bbc.com/news/uk-england-bristol-38458529

Sven Jacobsen
03. Januar 2017 22:30

Ob Sprache als einengend oder befreiend begriffen wird, hängt vielleicht weniger von einer wissenschaftstheoretischen Beschreibung ab (die im Zweifelsfall wenige kennen), sondern eher von den als gültig empfundenen gesellschaftspolitischen Normen, die sich durch ziemlich viele Einflussfaktoren zusammenstellen. Sprachwissenschaftler wissen deshalb, dass Normierungsversuche allein von einer Seite vermutlich noch nie durchschlagend erfolgreich waren. Das ist nicht schwer zu belegen. Was nun die Diskussion um die sog. Hate speech anbelangt, so wäre es aus mehreren Gründen geradezu wunderbar, wenn sich die Regierung in diesem Bereich versucht. Wer beispielsweise die sprachlich-intellektuelle Qualität der Forumsbeiträge hier mit denen auf einer nahezu beliebig ausgewählten anderen Seite eines sozialen Netzwerkes vergleicht, wird schnell feststellen, dass auf den meisten Internetseiten im Gegensatz zu dieser Beleidigungen, Fäkalsprache und Inkompetenz überwiegen. Sollte sich das Niveau allgemein heben, wäre das nur zu begrüßen; ein wahrhaft konservatives Ansinnen. Zudem ist es ja keineswegs so, dass „Hate speech“ ein Phänomen ausschließlich im Umfeld rechtsorientierter Köpfe ist. Der Twittereintrag „Do! It! Again!“ bzgl. der Stadt Dresden, ich muss das berüchtigte Beispiel nicht weiter ausführen, wäre mit großer Wahrscheinlichkeit ein zu sanktionierendes Musterbeispiel für „Hate speech“. Abschließend sei auf die Sorge eingegangen, dass der juristisch etwas unscharfe Terminus „Hate speech“ eine beliebig anwendbare Kontrollfunktion für das Establishment einrichtet und sachliche, dezidiert vorgetragene Argumente verunmöglicht. Das ist mit Blick auf die Verfassungs- und Gesetzeslage auszuschließen. Wer könnte z.B. den Satz „Angela Merkels Flüchtlingspolitik wird von ehemaligen Verfassungsrechtlern wie Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio im Januar 2016 oder zuletzt von Parlamentariern wie Dr. Hans-Ulrich Rülke von der FDP am 3. Januar 2017 mit Rechtsbruch in Verbindung gebracht“ als „Hate speech“ bezeichnen?

teutoburgiensis saltus
05. Januar 2017 00:36

"Ich verstehe nicht, was Sie mit 'Glocke' meinen", sagte Alice. Goggelmoggel lächelte verächtlich.

"Wie solltest du auch - ich muß es dir doch zuerst sagen. Ich meinte: 'Wenn das kein einmalig schlagender Beweis ist!'"

"Aber 'Glocke' heißt doch gar nicht ein 'einmalig schlagender Beweis'", wandte Alice ein.

"Wenn ich ein Wort gebrauche", sagte Goggelmoggel in recht hochmütigem Ton, "dann heißt es genau, was ich für richtig halte - nicht mehr und nicht weniger."

"Es fragt sich nur", sagte Alice, "ob man Wörter einfach etwas anderes heißen lassen kann."

"Es fragt sich nur", sagte Goggelmoggel, "wer der Stärkere ist, weiter nichts."

(aus: Lewis Carroll, Alice hinter den Spiegeln)

Kantkopf
05. Januar 2017 11:15

'Man stelle sich vor, daß dies die Basis einer Broschüre des Familienministeriums wäre.' - Das IST die Basis des BRD-'Familien'-Ministeriums ...

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