Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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  • Aus dem deutschen Volk ist eine lose Konsumgemeinschaft geworden, die in zeitlosen Nichtorten, in Malls, Clubs und Lounges seit Jahrzehnten „Auszeit“ von der Geschichte nimmt.

    Die Migranten haben in den meisten Fällen starke nationale Identitäten, die in der Politik des faktischen Multikulturalismus sogar noch gefördert werden.Der aufkeimende Wunsch, sich als „Deutsche ohne Migrationshintergrund“  bewußt zu werden, ist in einer Multiminoritätengesellschaft, in der es auch Deutsch-Türken, Deutsch-Albaner, Afrodeutsche, Deutsch-Tunesier etc. gibt, unvermeidbar. Wenn das „Deutsch-Sein“ nicht der zentrale positive Wert ist, an den sich Neuankömmlinge geistig und im Verlauf der Generationen auch „körperlich“ assimilieren sollen, dann muss es ja ein partikulares Interesse sein.

    Warum sollen sich dann nicht auch die „Deutsch-Deutschen“ ihrer Gruppeninteressen bewußtwerden und ihre Kultur pflegen?

    Daß diese, im Unterschied zu den förderungswürdigen, „interessanten“ und „exotischen“ Kulturen der Neubürger, eine nicht identitätsfähige „Konstruktion“ sei, ist natürlich keine ernsthafte Aussage mehr, sondern ethnomasochistisches Patientenmaterial. (Vom paternalistischen Rassismus, der in dieser Sonderbehandlung und positiven Diskriminierung der „edlen Wilden“ mitschwingt, ganz zu schweig en.)

    Entweder ist Deutschsein das ethnokulturelle Zentrum Deutschlands, was eine klare Assimilationspolitik und entsprechende Regelung der Einwanderung erfordern würde, oder Deutschland ist ein Vielvölkerstaat, in dem die deutsche Volksgruppe dasselbe Recht auf Identität und Zukunft hat wie alle anderen auch. Tertium non datur.

    Das letztere "kommunitaristische" Szenario wird aber schwer durchführbar sein. Daß auch die Demokratie und die vielbesungenen abstrakten „Werte“ so abstrakt gar nicht sind, sondern aus einer ethnokulturellen Ideengeschichte entspringen, zeigt sich spätestens da, wo der Rechtsstaat im importierten Tribalismus zerfließt wie Schnee in der Sonne und ein „Arabischer Frühling" Muslimbrüder an die Macht bringt.Das Gerede vom „starken Rechtsstaat“ und die Hymnen auf „das Grundgesetz“, die allerorts angestimmt werden sind entkernte Phrasen einer verendenden Bürokratie, die in wenigen Jahren von der Demographie vor „normative Fakten“ gestellt wird. Wer das nicht glaubt, blicke in die Gesichter der Nafris zu Köln und dann auf das demographische Datenmaterial.

    Bei muslimischen Bevölkerungsmehrheiten können und werden alle Werte als das abgewählt werden, das sie sind: soziale Konstrukte. Auch das ist eine unangenehme Wahrheit, die jedem insgeheim bewußt ist. Die gemeinsame ethnokulturelle Identität und das geteilte Narrativ sind nicht nur ein „Wohlfühlfaktor“ oder die fixe Idee verträumter Idealisten. Ethnische Vielfalt und räumliche Nähe bedeuten ein mörderisches Konfliktpotential.

    Zahlreiche Studien zeigen, was ohnehin jedem klar sein müßte: je multiethnischer und multikultureller eine Gesellschaft ist, desto schlechter funktionieren alle soziale Praktiken, die auf mutualem Vertrauen und dem Zusammengehörigkeitsgefühl aufbauen und desto stärker müssten bindende Narrative sein. 

    Dieser Text soll keinen möglichen Ausweg aus dem Dilemma aufzeigen. Er soll jedoch zeigen, welche Aufgabe vor uns liegt. Es geht nicht nur um das Drehen an ein paar Einwanderungszahlen. Es geht um die zentrale Frage nach Identität, die seit Jahrzehnten von unseren Politikern und Ideologen unterdrückt, vor sich hergeschoben oder gar kriminalisiert wird.

    Diese Frage kann man heute nicht so stellen, als ob keine Einwanderung stattgefunden hätte. Auch wenn sie nicht Teil eines positiven deutschen Narrativs geworden ist, ist sie ein Teil der "deutschen Wirklichkeit". Diese stellt heute jedoch nichts mehr als eine bohrende Frage da. Sie ist ein Zustand. Die Aufgabe aller freien (das heißt heute wohl: "rechten") Denker in Deutschland läßt sich vielleicht in vier Punkten zusammenfassen:

    1. Die Überwindung und Entlarvung des ethnomasochistischen Eliten-Narrativs und des Großen Austauschs als die politische Konsequenz.
    2. Die Bewußtwerdung der „Deutsch-Deutschen“ als einer ethnokulturellen Gruppe mit Existenzanspruch, jenseits von Ethnomasochismus und Rassismus 
    3. Die Frage nach einer möglichen Bedeutung und Aufgabe von „deutsch sein" in der Gegenwart,  sowie nach Assimilationskapazitäten dieses neuen deutschen Narrativs. Darüber muss es eine offene und dogmenfreie Debatte geben in die alle im Land einbezogen werden.
    4. Nach dieser Debatte eine Politik der Leitkultur, Grenzschließung und Remigration, die den geistig und politisch grenzenlosen "deutschen Zustand" beendet.

    Ich weiß nicht, wer diese Fragen stellen und wer sie beantworten wird. Sie sind schmerzlich und unbequem. Nichts wäre angenehmer, als sie zu umschiffen, auszublenden und abzutun. Das kann ich nach einem Jahr der „öffentlichen Vertretung“ einer patriotischen Bewegung aus eigener Erfahrung sagen. Aber sie müssen gestellt werden, sonst stellen sie uns. Ohne diesen 4 Schritten wird das Seinsurteil über das deutsche Volk und ganz Europa zur Wirklichkeit werden. Seine Existenz endet.

    Das Volk ist kein Konstrukt, keine metaphysische Essenz, oder eine mathematische Formel sondern ein lebendiges Phänomen und eine ewige Aufgabe. Jeder, der Teil dieser Aufgabe sein will, muß sich den Fragen stellen. Und es könnte – trotz allem – noch eine großartige Geschichte werden.

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    Kommentare (121)

    Einar von Vielen
    10. Januar 2017 15:04

    Hallo Herr Sellner,

    wie gewohnt eloquent geschrieben. Aber ist es nicht viel einfacher zu beantworten? Ja, ‚Volk‘ IST eine soziale Konstruktion wie ALLES eine soziale Konstruktion ist. Der Mond ist ebenfalls eine soziale Konstruktion, ein Vorstellung die wir alle miteinander teilen von etwas, was so wie wir es uns vorstellen nicht existiert, denn der Mond ist wie jede Materie luftleerer Raum mit vergleichsweise winzigen nichtmateriellen Ladungen darin. Trotzdem ist der Mond Wirklichkeit genug, um im Wattenmeer zu ersaufen wenn man die Gezeitenfolge nicht beachtet. Mein Kaffee, ich selbst, alles ist konstruiert weil nur über Vereinfachung des wahrnehmbaren Teils der Wirklichkeit überhaupt erst Denken möglich ist.

    Es kann hier also nicht um das SEIN oder NICHT SEIN des Konstrukts ‚Volk‘ gehen, sondern nur um seine Bedeutung für unser Handeln als maßgeblich oder nicht maßgeblich. Auch im Postfaktischen wird nicht einmal von den Volksverächtern behauptet, die Bedeutung des Konstrukts ‚Volk‘ wäre in der Vergangenheit nicht maßgeblich gewesen. Wie sagt es GK daher immer so schön, wer die Verhältnisse auf den Kopf stellen will ist in der Nachweispflicht, nicht umgekehrt. Folglich muss ‚nur‘ von den Volksverächtern der Nachweis geliefert werden, weshalb diese soziale Konstruktion ab heute nicht mehr maßgeblich sei. Das Charakteristikum des Konstrukts ist dabei nicht maßgeblich.

    Nordlaender
    10. Januar 2017 15:31

    Was "bitte" ist ein "Deutsch-Deutscher"? Gibt es "auch" Deutsch-Deutsche? Falls ja, besteht da ein Unterschied? Was immer das ist, bin froh, daß ich das nicht bin.

    Unsere gesamte Sprache setzt sich aus Unmengen sozialer Konstrukte zusammen. Volk ist ein Konstrukt, Baum ist eines, Kind, Geist, PKW usw.

    Herr Kleine-Hartlage hat mal die entscheidende Aussage getätigt, daß bei jedem einzelnen Konstrukt ausschließlich interessant ist, ob es unserer Gemeinschaft dienlich oder abträglich ist.

    Manche Konstrukte sind sogar Lügen. Z.B. die Institution der Höflichkeit. Man heuchelt, wünscht dem Feind einen guten Tag. Z.B. die Gleichheit vor Gericht. Es gibt sie nicht, der Spitzbube und Serienverbrecher ist nicht gleich dem unbescholtenen Bürger. Trotzdem gut, wenn man so tut als ob und ihm Raum zur seiner Verteidigung einräumt.

    der Gehenkte
    10. Januar 2017 15:35

    Bravo Maestro!

    Wenn die "Kulturmarxisten" ihre eigene Muttertheorie noch kennen würden, müßte man diese Dinge gar nicht erklären, denn das Bewegungs- und Werdeelement ist im Marxismus - besser: in der Marxschen Theorie und icn der "Dialektik" - konstitutiv!

    Anhand des Lebens und damit alle  vergleichbaren abstrakten Begriff meinend, also alle potentiellen "Konstruktionen", schrieb Engels im Anti-Dührung:

    "Definitionen sind für die Wissenschaft wertlos, weil stets unzulänglich. Die einzig reelle Definition ist die Entwicklung der Sache selbst, und diese ist aber keine Definition mehr. Um zu wissen und zu zeigen, was das Leben ist, müssen wir alle Formen des Lebens untersuchen und im Zusammenhang darstellen. Dagegen kann für den Handgebrauch eine kurze Darlegung der allgemeinsten und zugleich bezeichnendsten Charaktere in einer sog. Definition oft nützlich und sogar notwendig sein, und kann auch nicht schaden, wenn man von ihr nicht mehr verlangt, als sie eben aussprechen kann ..." 

    Und: „Unsere Definition des Lebens ist natürlich ungenügend, indem sie, weit entfernt alle Lebenserscheinungen einzuschließen, sich vielmehr auf die aller allgemeinsten und einfachsten beschränken muß.... Für den Handgebrauch sind jedoch solche Definitionen sehr bequem und stellenweise nicht gut zu entbehren; sie können auch nicht schaden, solange man nur ihre unvermeidlichen Mängel nicht vergißt."

    Ein gebürtiger Hesse
    10. Januar 2017 16:14

    Wer diese Geschichte verstehen will, muß sie lesen. Wer das Stück verstehen will, muß es hören. Und wer ein Volk verstehen will, muß es als Vollzug erfahren, was nicht am Reißbrett geht. Er muß seine Geschichte hören und bis zu einem gewissen Grad selbst Teil dieser Geschichte werden. Sie ist als Wesen des Volkes sein geistiger und körperlicher Niederschlag und insgesamt: Herkunft.

    Ganz hervorragend erkannt und gesagt. Bravo, Martin! Überhaupt der erste große Grundlagentext aus der Antaios-Sphäre in diesem Jahr. Für uns andere heißt das: copy & paste, ausdrucken, mit uns rumführen, lesen, wieder lesen, Freunden und Nicht-Freunden in die Hand drücken (in der missionarischen Handlung stellt sich das eigene Bekenntnis zum Guten am stärksten dar).

    Linker Rechter
    10. Januar 2017 16:22

    "Nach den ersten Minuten der Debatte wurde klar, daß sich alle relativ einig waren: das Volk sei eine Fiktion, ein Konstrukt, es „existiert als identitäres homogenes Phänomen nicht. […] Volk besteht vielmehr aus einer Vielzahl regionaler, ethnischer, ökonomischer, politischer, religiöser oder weltanschaulicher sowie durch Geschlecht, Alter, Bildung, Interessen, vielfach sozial differenzierter Gruppierungen. Diese sind durch das einigende Band der Geschichte, der Kultur und auch der Verfassung zu einer stets aufgegebenen Einheit zusammengefügt.“ So wird Rudolf Steinburg, emeritierter Professor der Uni Frankfurt, zitiert."

    Nur kurz:

    Ich sehe diese Aussage von Prof. Steinburg unkritisch. Problematisch sind in erster Linie diejenigen Menschen, welche den fettgedruckten Teil, also das „Band“ (Geschichte, Kultur, Verfassung), eben gerade nicht teilen.

    Meint: Nicht teilen können (Geschichte), nicht teilen wollen (Zitat: „Ich lebe seit dreißig Jahren hier, bin hier geboren, habe einen Doppelpass. Aber ich bin Türke und würde im Zweifel für die Türkei gegen Deutschland in den Krieg ziehen.“) und/oder sogar abweisend gegenüberstehen (Scharia versus „Verfassung“).

    Seht, das Problem ist: Wieso sollte irgendein Politiker, der irgendwann einmal irgendwas bestimmt hat (beispielsweise SPD/Grüne die doppelte Staatsbürgerschaft) darüber entscheiden, ob jemand deutsch ist? Wenn dann irgendwann irgendein anderer Politiker kommt (CDU-Basis, Ende 2016, Votum für Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft), dann sind nachfolgende Menschen plötzlich keine Deutschen mehr, weil sie sich dagegen entscheiden würden, ihren ursprünglichen Pass abzugeben? Und hätte Hitler den Krieg gewonnen, dann wären alle Menschen Deutsche (mit Ausnahme der Jude)?

    Es tut mir furchtbar Leid, aber für mich ist das reichlich absurd. Die Zugehörigkeit zu einem Volk kann nicht dadurch begründet werden, was irgendein Hansel irgendwann beschließt – und im Zweifelsfall wieder abschafft.

    André Schröder
    10. Januar 2017 16:51

    Ganz schön kompliziert und abstrakt geschrieben. Wer nicht erkennt, dass sich die Menschen auf der Welt in Völkern organisieren, die zumeist auch Nationalstaaten sind, muss schon ganz schön beschränkt sein.

    Selbst Linke dürften doch begreifen, dass mindestens Kurden und Palästinenser Völker sind, die man nicht so einfach wegreden kann, und die für ihre Freiheit kämpfen. Völker sind offensichtlich sprachliche, kulturelle und rassische Großgruppen, die füreinander kämpfen. Und ein Vielvölkerstaat kann auch mal krachend auseinander gehen wie im ehemaligen Jugoslawien, wenn sich die Völker nicht mehr verstehen.

    Vielleicht sollte man gewisse Leute, die hier einen Vielvölkerstaat errichten wollen, nicht mehr zu widerlegen versuchen, sondern es so hinnehmen, dass sie Deutschland als Einheit und Macht dauerhaft vernichten wollen. Es sind Feinde, die man sowieso nicht bekehren kann. Feinde bekämpft man, da sie für Argumente nicht mehr zugänglich sind. Und die Feinde Deutschlands versuchen natürlich durch subversive Aktivitäten und Lügen die Einheit und Souveränität des deutschen Volkes zu verhindern.

    Seien wir uns bewusst, dass Deutschland ein besetztes Land war (oder noch ist) und dass die aktuellen Machthaber die Interessen der ehemaligen Besatzer ausführen, denen sie ihren Ursprung und ihre Macht zu verdanken haben. Nie und nimmer wäre solch ein politischer Abschaum an die Macht gelangt, wenn die Besatzer nicht gewesen wären! Jedem großen deutschen Führer lag die Einheit und Stärke des Volkes sehr am Herzen und er wäre nie auf die Idee gekommen, hier massenhaft Abschaum ins Land zu holen und die Deutschen gegeneinander aufzuhetzen, ihnen krankhafte Schuld einzuflößen und sie auszuplündern!

    Elementarsatz
    10. Januar 2017 17:54

    Der Text ist sicherlich in vielerlei Hinsicht richtig; auch daß ein Volk nicht nur naturwissenschaftlich definiert werden kann, leuchtet in gewisser Weise ein. Dennoch: Vonderach schreibt in einem der wohl besten Sezession-Artikeln -- Wir selbst[1] --, daß 64,4% der Deutschen anhand von genetischen Merkmalen als ethnisch Deutsche zugeordnet werden können. Das ist enorm. (Im übrigen gibt es keine "Deutsch-Pakistaner" und ähnliches, es sei denn sie sind gemischtrassig.)

    [1]: http://sezession.de/37160/wir-selbst-anthropologisch

    Ein ganz klares Nein! zur Assimilation! Punkt 16 der Alt Right lautet:

    "16. The Alt Right is a philosophy that values peace among the various nations of the world and opposes wars to impose the values of one nation upon another as well as efforts to exterminate individual nations through war, genocide, immigration, or genetic assimilation."

    https://voxday.blogspot.de/2016/08/what-alt-right-is.html

    Sir Francis Galton hat den mittleren IQ der antiken Griechen, der Athener, auf ca. 120 geschätzt. Da seine Schätzungen für die Briten und Schwarzafrikaner sich mit den inzwischen gesammelten Daten decken, dürfte dieser Wert recht nahe liegen. Heute hat Griechenland einen mittleren IQ von 92. Der Grund ist neben Kriegen, die die Griechen dezimierten, die massenhafte Einwanderung und Vermischung mit Türken seit dem 14. Jahrhundert.

    In Richard Lynns Race Differences in Intelligence schreibt er bezüglich Südeuropa, daß es eine Korrelation von 0.928 (!!) zwischen der Dauer der Herrschaft der Nordafrikaner in einer spanischen Region und dem heutigen mittleren IQ dort gibt. D.h. je länger in einem Gebiet die Nordafrikaner/Araber dort herrschten, desto größer die Vermischung und desto geringer die Intelligenz. Das trifft im Grunde auf ganz Südeuropa zu. Auch Vox Day schreibt, daß die Süditaliener nette Leute sind, doch mit denen kommt man nicht auf den Mond.

    Daher ist, wie Vox Day in den 16 Punkten schreibt, genetische Assimilation entschieden abzulehnen. Ich mache mir keine Illusionen: man wird den Großteil nicht mehr aus dem Land bekommen. Die Vermischung ist zwar eher gering, da die meisten eben aufgrund der Genetic Similarity Theory (Salter, Rushton) genetisch ähnliche Menschen bevorzugen; dennoch ist natürlich die Gefahr eines genetischen Verfalls umso größer, je mehr Fremde im Land sind.

    Man sollte dajer den Quatsch mit der Assimilation lassen. Man kann höchstens Europäer als europäisches Volk assimilieren, die massenhafte und extrem fremde Einwanderung aus der Dritten Welt ist dagegen brandneu, erst seit 50 Jahren im Gange, wie Sarrazin richtig bemerkt. Und hochgradig inkompatibel in kultureller und genetischer Hinsicht. Da kann nichts gescheites bei herauskommen (siehe, wie gesagt, die Südeuropäer).

    Greg Johnson und Kevin MacDonald führen ja auch den weiteren Punkt an, daß eben nicht nur die IQ-, Temperaments- und Charakterunterschiede eine Rolle spielen, sondern das so ziemlich alle außeuropäischen Kulturen kollektivistisch und nepotistisch sind. Das heißt, die "Minderheiten" -- es sind welweit gesehen Mehrheiten, die Minderheit sind wir weißen Europäer -- verlangen von uns, als Individuum behandelt zu werden; doch sie selbst sind gruppenorientiert. Und so verlöre eine individualistische Gesellschaft wie die unsere nach einigen Runden das Gesellschafts-Spiel, da wir nicht nach Rasse usw. diskriminieren, und im Grunde auch ein Türke Bundkeskanzler werden kann. Dieser wird natürlich ethnozentrisch denken -- denn wir Europäer sind am wenigsten ethnozentrisch, was schon ein Witz ist, bedenkt man die Propaganda, die uns das Gegenteil zuschreibt.

    Wenn nun noch hinzu kommt, daß die allermeisten ja nun auch nicht kamen, weil sie in der Türkei bereits gerne Schopenhauer im Original lasen oder in Syrien Bach auf und ab hörten, sondern weil wir eben vom Wohlstand her gesehen -- in meinen Augen auch kulturell, wissenschaftlich sowieso -- die überlegene Kultur unser eigen nennen, kommen die meisten eben nur der materiellen Vorteile wegen. Das schließt eine Identifikation mit dem Aufnahmeland sowieso aus. Ist das hier abgegrast, geht's weiter zum nächsten Land.

    Daher: Lasst es uns lieber wie die Japaner machen, die verstehen, daß das, was derzeit auf Europa einprasselt, das Aus für die Japaner bedeuten würde als fleißiges Hoch-IQ-Volk.

    Zu guter Letzt zitiere ich aus Nicolaus Fests letztem Blog-Beitrag, der mich überrascht hat und dem ich uneingeschränkt zustimmen kann (obwohl mir klar ist, daß wir größtenteils verloren sind: nicht nur weil wir genetisch verkommen durch Vermischung mit Menschen aus der Dritten Welt, sowie durch Fortpflanzungsverweigerungen der klugen Deutschen, sondern weil vielen ethnische Deutschen ihre Identiät, ihr genetisches Erbe und ihre Kultur egal sind):

    "Für Christentum heißt gegen Islam, für Aufklärung heißt gegen Koranschulen und DITIB, für Humanismus heißt gegen die Verachtung von Frauen, Homosexuellen und Andersgläubigen; und für europäische Kultur heißt Opposition gegen jede, auch friedliche Einwanderung. Denn Multikulti und die Vermischung mit muslimischen oder anderen Einflüssen bedeutet das Ende der europäischen Kultur. Wenn die Europäer als Träger einer Kultur verschwinden, wenn immer mehr Menschen im Koran und nicht in Bibel und griechischer Philosophie die Grundlagen erkennen, dann verschwindet auch Europa als Idee und kulturelle Einheit. Und mit ihm auch alle Traditionen, Ideale und Formen, in denen es sich selbst erkannte: Bach, Mozart oder Chopin sind Muslimen, Buddhisten oder den Anhängern von Voodoo so egal wie Giotto, Vermeer oder van Gogh, wie Shakespeare, Petrarca oder Goethe. Denn auch diese Olympier sind nicht die ihren."

    Andreas Walter
    10. Januar 2017 19:18

    Richtig. Das ist der Hauptpunkt. Das wurde mir allerdings erst in den letzten Wochen richtig klar, als ich die Nationen, eben ganz bestimmte Siedlungsräume als etwas verstanden habe, die auch durch eine Art Evolution auch erst langsam entstanden sind, sich herausgeschält, über Jahrhunderte und Jahrtausende entwickelt haben. Nationen betrachte ich darum jetzt wie die unterschiedlichen Organe eines höheren Organismus, welcher in seiner Ganzheit die Welt oder die Erde heisst. Ein älterer Begriff für eine ähnliche Vorstellung ist Gaia.

    Jeder Siedlungsraum prägt nämlich auch die Individuen, die diesen besiedeln, selbst morphologisch, und formt aber auch deren Geist, damit die Kultur und in Folge auch Geschichte. Dieser Erkenntnisschub kam mir beim Betrachten mehrerer Filme auf YouTube über internationale Geopolitik und Geostrategie, wobei es in diesem konkreten Fall um China und seine Nachbarn, Chinas natürliche Grenzen und ihr Zugang zum Meer und andere Handelswege ging. Auch Klima, Rohstoffe, Geografie, Geologie, Demographie, halt alle relevanten Aspekte einer Nation, eben eines Siedlungs- und Wirtschaftsraumes, fliessen dabei in so eine meist militärische aber auch ökonomische Betrachtung mit ein.

    Also auch eine Frage der Bodenhaftung, der Erdung, ob man eben eher auch Deutscher oder ein Wolkenmensch ist. Die Wolkenmenschen sind darum eher das Konstrukt ihres eigenen, oft auch vater- und vaterlandslosen Geistes, und können darum die Erdverbundenen auch gar nicht verstehen. Darum ist mir jetzt auch klar, warum es immer in wirtschaftlich schlechten Zeiten den Wolkenmenschen an den Kragen geht, und auch die Kunst dann stärker in den Hintergrund rückt. Papiergeld ist ja auch etwas virtuelles, künstliches, konstruiertes, die Scholle aber mit ihren Früchten dann etwas ganz konkretes, überlebenswichtiges.

    Wolkenmenschen können daher die Welt nicht so sehen wie die Erdmenschen, selbst wenn sie es wollten. Sie können darum auch nicht erkennen, dass sie selbst das Konstrukt sind, wie auch der Fisch das Wasser um sich herum nicht als etwas besonderes wahrnimmt. Heimat? Nation? Was ist das, fragt der Wolkenmensch. Das sind doch alles nur Konstrukte des Geistes. Bis er aus Einer vertrieben wird. Dann wird auch er ungemütlich.

    Ein Fremder aus Elea
    10. Januar 2017 19:18

    Man kann auch schlicht sagen: Keine Gewöhnung ohne Vertrauen.

    Solution
    10. Januar 2017 19:24

    Mit Sellner als Theoretiker kann ich - bei allem Respekt vor seinen öffentlichen Aktionen - zunehmend weniger anfangen. Hier wird doch nichts anderes betrieben, als die  Verwässerung und Aufweichung des Volksbegriffs, möglichst weit weg von der Biologie, mit der Sellner auf Kriegsfuß zu stehen scheint. Ich empfehle ihm zum Thema Homogenität von Völkern das Buch von Vonderach: "Anthropologie Europas". Sellner verliert sich zu sehr im abstrakten Philosophieren.

    Donaufischer
    10. Januar 2017 21:00

    Sehr guter Artikel, Herr Sellner! Die Grundfrage ist doch immer die kritische Wahrnehmung der Wirklichkeit. Religionen und Ideologien verzerren immer diese Wahrnehmung.  Da waren uns die Griechen im Altertum voraus, sie konnten in mancher Hinsicht klarer denken als die meisten "Intellektuellen" heute. Die abrahamitischen Religionen hatten sich ja auch noch nicht ausgebreitet. Die political correctness als Ideologie legt sich heute wie ein grauer Schleier über das Denken. Ob das "Volk" ein Konstrukt ist wie etwa das "Reich" oder heute der Götze "Markt"? Jedenfalls gibt es eine biologische und genetische Realität und diese zeigt uns mehr oder weniger homogene ethnische Gruppen. Manche bilden Staaten wie die Europäer, manche schaffen es nur sich in Clans zu organisieren. Unsere Zukunft sehe ich mit gemischten Gefühlen. Ethnische und kulturelle Homogenität im deutschen Sprach- und Kulturraum können wir wahrscheinlich nicht mehr erreichen. Aber die Besinnung auf das Eigene tut not. Vielleicht stehen wir in allen westlichen Ländern am Beginn einer Entwicklung wie im alten Indien: der Herausbildung von Kasten, die sich kulturell und auch genetisch unterscheiden. Damit könnte zumindest ein Teil unseres europäischen Erbes gewahrt bleiben.

    Dietrich Stahl
    10. Januar 2017 21:05

    @ Solution

    „Mit Sellner als Theoretiker kann ich - bei allem Respekt vor seinen öffentlichen Aktionen - zunehmend weniger anfangen.“

    Geht mir genauso. Werter Martin Sellner, die deutsche Sprache ist essentieller Ausdruck des deutschen Wesens, voller Schönheit und Tiefe; sie ist das Arbeitszeug unserer Dichter und Denker.

    Monika
    10. Januar 2017 21:14

    Grau ist alle Theorie. Alles etwas kopflastig und blutleer.

    Zu Teil I betreffend linker "Universalismus" , Welteinheit

    Schon vor 500 Jahren stand "dieser Universalismus vor den Trümmern einer Utopie " 

    So schreibt Stefan Zweig in Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam:

    In ihrer Überschätzung des Zivilisatorischen mißverstehen die Humanisten die Urkräfte der  Triebwelt mit ihrer unzähmbaren Gewalt und banalisierten durch ihren Kulturoptimismus  das furchtbare und kaum lösbare Problem des Massenhasses und der großen leidenschaftlichen  Psychosen der Menschheit.

    ....

    Denn dies war die tiefste Tragik des Humanismus und die Ursache seines raschen Niederganges: seine Ideen waren groß, aber nicht die Menschen, die sie verkündeten. Ein kleines Gran Lächerlichkeit haftet diesen Stubenidealisten wie immer den bloß akademischen Weltverbesserern an, dürre Seelen sie alle, wohlgesinnte, honette, ein wenig eitle Pedanten, die ihre lateinischen Namen tragen wie eine geistige Maskerade: eine schullehrerhafte Pedanterie verstaubt bei ihnen die blühendsten Gedanken. Rührend sind diese kleinen Genossen des Erasmus in ihrer professoralen Naivität, ein wenig ähnlich den braven Menschen, die man auch heute in den philanthropischen und Weltverbesserungsvereinen  versammelt erblickt , theoretische Idealisten, die an den Fortschritt wie eine Religion glauben, nüchterne Träumer, die an ihren Schreibpulten eine sittliche Welt konstruieren und Thesen des ewigen Friedens niederschreiben, während in der wirklichen Welt ein Krieg dem anderen folgt und ebendieselben Päpste, Kaiser und Fürsten, die ihren Verständigungsideen begeistert Beifall zollen, gleichzeitig mit- und gegeneinander- paktieren und die Welt in Brand setzen.

     

    Christian Stahm
    10. Januar 2017 21:20

    Lieber Herr Sellner,

    das identitäre Projekt scheint zu sein, "Linke" mit universellen Selbstverständlichkeiten zu konfrontieren, die in der berechenbaren Zwanghaftigkeit das bekennende Rechte zu negieren, vollends in die Falle laufen.

    Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass alles zur "Hasssprache" werden kann, vom unschuldigen Paulchen Panther aufgrund der Nutzung durch die mutmaßlichen Rechtsterroristen, über den Pali bis hin zum 4Chan Meme Pepe der Frosch. Das Umarmen ist eine Macht, die jeder hat, der sich offen der Rechten zuordnet, und dank der Paranoia faszinierende Kontamination verursacht.

    Der Dissenz zwischen "identitär" und "multikultisch" ist nur oberflächlich der Sachverhalt der Begrenztheit der Aufnahme, der Dissenz ist der Zeitpunkt, wann es kippt, wann ein Volk in seiner Identität gefährdet ist. Auch wer die Grenzen ganz aufmachen will für Wirtschaftsflüchtlinge, ist mit der Endlichkeit des deutschen Sozialsystems konfrontiert. Diese Einsicht kann sich auf Dauer niemand verschließen.


    Werden also die Bürger unseres Landes wie Frösche gekocht?

    http://www.n-tv.de/wissen/frageantwort/Haelt-ein-Frosch-beim-Erhitzen-still-article445899.html

    W. Wimmer vom NABU ist optimistisch, die Sache mit den Fröschen geht gar nicht: "Der Frosch hüpft da natürlich raus, oder er versucht es zumindest " und(!) "klar, wenn es nicht geht, kriegt er irgendwann einen Kollaps."

    Der Unterschied ist wohl in der Substanz, wann gehüft wird und wie viel Risiko zum Kollaps die jeweiligen Personen zu riskieren wünschen. Wie scharf die Brise sein soll, wie viel Salz die Suppe verträgt. Das Beispiel Japans zeigt durchaus auch wie kulturbildend widrige Umstände sind. Bei der Multikulti-Praxis macht gewiss auch die Dosis das Gift.

    Dass die Linke die Erzählung der Neoliberalen geschluckt hat, dass eigene Identität geschwächt werden muss, wenn man Internationalismus (kleingedruck: in Form der neoliberalen Globalisierung) haben will, ist eine der größten ideologischen Kniffe der Nachwendezeit. Die der Systemkonvergenzutopie beraubte Linke brauchte wieder einen einigenden Ersatzfeind, zu dem die Treuhand oder der Herr Dr. Kohl nie werden konnten. Die Vielschichtigkeit der jeweiligen staatenspezifischen Erzählweisen in den vielen Ländern des Westens, weshalb die eigene Nation überwunden werden müsse, mal postkolonial, mal antirassistisch, mal autobahnkritisch, mal euroförderalistisch usw. zeugt von einer möglichen Koordination dahinter. Fragt sich, ob die politisch rechts stehenden weiter die Projektionsfläche für eine ziellose Linke mit Ersatzfeinden sein wollen. Da finde ich es überzeugend und richtig, wie die Identitären damit spielen und immer abstrusere Erzählungen über sich in den Gazetten erhalten, ein schmackhafter Schwedentrunk für den einen, anders betrachtet ein guter Dung für den Acker.

    Fredy
    10. Januar 2017 21:26

    Nein Sellner, so wirds mit Deinem Klientel nichts. Du darfst doch nicht wagen zu denken, zu hinterfragen und heilige Kühe zu schlachten ;-)

    Aber nur so gehts. Leute, die geschichtlich etwas bewirkt haben, haben oftmals auch dem eigenen Klientel die Faust in die Fresse gehauen.

    Gerade heute muß man es mal wieder sagen: Es muß ein Ruck durch Deutschland gehen!

    Dogmatiker, Ewiggestrige, Unbewegliche, Kleinkarierte ... muß man einfach jammern und lamentieren lassen. Damit ist kein Krieg zu gewinnen. Sie werden immer Zaungäste der Geschichte sein.

    @Sellner

    Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, aber wer bin ich schon. Weitermachen!

    Nordlaender
    10. Januar 2017 21:32

    @ Donaufischer

    "Die Grundfrage ist doch immer die kritische Wahrnehmung der Wirklichkeit. Religionen und Ideologien verzerren immer diese Wahrnehmung. "

    Schopenhauer erklärte bereits, die Wirklichkeit ist genau das, was auf das einzelne Subjekt wirkt.

    Wenn ein Subjekt etwas als wahr nimmt, steht das im Zusammenhang mit seinem als eine Kür seines Willens gesetzten Wertesystems. Wenn mehrere Subjekte ein gemeinsames Wertesystem als eine Kür ihres Wertesystemes teilen, spricht man von einer Ideologie.

    Objektivität gibt es nicht. Jedem Anschauen dieser Welt ist ein subjektives Interesse des Betrachters vorgelagert.

    In der Bildungssprache bedeutet Ideologie Weltanschauung. In der Wissenschaft(Wissensoziologie) ist jedes System von Normen eine Ideologie, das Gruppen zur Rechtfertigung und Bewertung eigener und fremder Handlungen verwenden.

    In der politischen Welt findet der Ewige Krieg zwischen einander widersprechenden Ideologien statt. Wer an diesem öffentlichen Geschehen teilnimmt, ist immer ein Ideologe. Ein Nichtideologe wäre lediglich der absolute Privatier, der sich ausschließlich z.B. seinem Gärtnersteckenpferd, seiner Münzsammlung oder dem Sport widmet.

    Mich schmerzt dieses tumbe "Gar nicht Ideologe - selber Ideologe!"

    Meier Pirmin
    10. Januar 2017 21:35

    "Das Volk, das Volk, das sind die vielen leeren Nullen,

    Die gern sich beimisst, wer sich fühlt als Zahl

    Und wegstreicht, kommt's zum Teilen in der Rechnung."

    Franz Grillparzer: Der Bruderzwist im Hause Habsburg

     

    Dass der Volksbegriff vertieft aufgearbeitet wird, dass aus Staatsrecht "Volkrecht" werden müsste, wie es der Schweizer Hegelschüler Ignaz Paul Vital Troxler auf den Punkt gebracht hat, ist nicht mit dem nur sektenintern brauchbaren Volksbegriff Vonderachs gleichzusetzen; daran müsste in der Tat historisch und phänomenologisch noch gearbeitet werden. Sellner leistet dies teilweise, ohne auch nur auf einer Zeile zu thematisieren, dass er eigentlich Österreicher ist und dass von dort her der Volksbegriff besonders kritisch, auch nationalismuskritisch, unter die Lupe genommen werden müsste, wie es der oben zitierte Grillparzer natürlich gemacht hat. Ein ganz anderer Geist als die schweizstämmigen Vonderach und Mohler, die in der Freiheitstradition ihrer Heimat die  Rolle Null spielten und spielen. Es bleibt aber dabei, dass der Volksbegriff wesentlich mit Identität und in einem gewissen, noch nicht zu Ende gedachten Sinn mit "identitär" zu tun hat und am allerwenigsten mit einer blossen Konsumentinnen- und Konsumentengemeinschaft in Verbindung zu bringen ist. Das sieht Sellner überaus klar.  Finden die europäischen Völker und Staaten zu einem vernünftigen Begriff ihrer eigenen Volkssouveränität zurück, welcher Begriff aber ebenfalls neu durchdacht werden muss, darf man auf eine Alternative zum nicht verteidigungsfähigen Gebilde der Europäischen Union hoffen. Ein friedliches Zusammenleben der europäischen Völker, die sich unbedingt Grenzen zu setzen haben, bleibt unabdingbar. Zuallererst und zuallerletzt aber gilt: Freiheit! Es ist nicht ausgeschlossen, dass Sellner eines Tages einen noch klareren Weg gehen wird. Warum nicht sehr bewusst als Österreicher? Noch lesenwert für eine völkerrechtliche Ordnung innerhalb souveräner Staaten wäre die Doktorarbeit des schon länger verstorbenen österreichischen Staatspräsidenten und UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim. Die Frage, ob derselbe oder wenigstens sein Pferd in der SS gewesen seien, ist im Vergleich zu dem genannten nicht ganz unbedeutenden Text weniger wichtig. Auch mit dem Gedankengut von Otto von Habsburg sich wieder mal auseinanderzusetzen dürfte sich im Hinblick auf einen weder nationalistischen noch totalitären Volksbegriff, der aber Abgrenzung gegen Beliebigkeit  beinhaltet, sich auf lange Sicht lohnen. Ich bin überzeugt, dass Habsburg die Politik Merkels in den vergangenen Jahren mutmasslich nicht gutgeheissen hätte. Die bedeutendsten Habsburger waren übrigens seit Erzherzog Sigismund (1473) Pilger an der Wallfahrtsstätte des heiligen Niklaus von Flüe. Ich bin gespannt, was aus Sellner noch wird. Klar ist, dass man ohne die Fähigkeit zur Abstraktion auf hohem Niveau nicht theoretisch und also auch nicht philosophisch denken kann. Das Höchste, was eine Theorie leistet, ist am Ende nicht ihre Brauchbarkeit als politisches Programm, sondern ihr kritisches Potential, das allenfalls dann verhältnismässig vernünftiges Politisieren ermöglicht.    

    Johann
    10. Januar 2017 22:12

    Auch die Nazis sprachen doch nie von einer "Rassenreinheit", dass diese bestünde oder gar möglich sei. Der nordische Typus war stets nur eine Projektion und Idealisierung. Rassentheoretiker wie Günther sprachen ja auch vor allem von sechs (im Aussehen und Wessen sehr unterschiedlichen) Unterrassen, die in Deutschland vorherrschten. Dass Begriffe wie "Arier" absurd sind, wurde auch den Nazis klar, daher wurde dieser ab 1935 im offiziellen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet. Stattdessen sprach man von "deutschblütig" oder von "deutschem und artverwandtem Blut". Als artverwandt galten aber nicht nur andere germanische Völker, sondern auch Franzosen, Polen und Tschechen. Selbst heute werfen Zeitgeistmedien ein, dass rund 60 % der Deutschen germanische Vorfahren besitzt, der Rest keltische oder slawische.

    Manches hier erinniert mich an Äußerungen von Hans Milch. War dieser tatsächlich ein Einfluss, Herr Sellner? Etwa, dass wenn man Volk ist, man nicht 20 oder 30 Jahre alt ist, sondern Jahrhunderte Jahre alt. Da der Mensch geprägt ist von dem, was früher geschah.

    https://www.youtube.com/watch?v=JHl2AzIfmI0

    Obwohl erzkatholischer Pfarrer, verkörpert Milch für mich germanisches Neuheidentum durch und durch.

    Der_Jürgen
    10. Januar 2017 22:14

    Ich finde die - wenn auch verhaltene - Kritik, die einige Kommentatoren an Sellners Text üben,  befremdlich.  Meines Erachtens ist er ausgezeichnet; er entlarvt nicht nur die logischen Kurzschlüsse und absurden Widersprüche linken Denkens, sondern kann darüber hinaus vielen in unserem Lager als wertvolles argumentatives Rüstzeug dienen.

    @Elementarsatz

    Ihre Ergänzungen sind wichtig. Der biologische Aspekt der Frage wird von Sellner aber keinesfalls geleugnet, sondern allenfalls zu wenig herausgestellt.  Lassen Sie mich Ihre Darlegungen mit einem Hinweis auf Lateinamerika ergänzen.

    Laut den Statistiken von Lynn und Vanhanen beträgt der mittlere IQ im fast rein weissen Argentinien 93, im mehrheitlich von Mestizen und Indianern bewohnten Mexiko 88, in Brasilien mit seiner aus Weissen, Mulatten und Schwarzen zusammengesetzten Bevölkerung 87 und in der Dominikanischen Republik, deren Einwohner fast ausschliesslich Mulatten sind, 82. Im schwarzen Haiti sinkt er auf 67 ab. Wer hier noch von Zufall redet, kann unmöglich ernstgenommen werden.

    Ein wichtiger Aspekt der Frage ist natürlich auch, dass gemischtrassige Gesellschaften im allgemeinen instabil sind und hohe Kriminalitätsraten aufweisen. Die weltweit höchste Mordrate pro Kopf der Bevölkerung findet man, Irrtum vorbehalten, in Honduras mit seiner Mischbevölkerung aus Weissen, Indianern und Schwarzen.

    Der Hinweis auf diese Fakten ist keinesfalls sektiererisch, wie ein ansonsten sehr kluger Forist in einem der letzten Stränge meinte. Sie sind von ungeheurer Wichtigkeit, weil die Zukunft Deutschlands und Europas entscheidend davon abhängen wird, wen wir ins Land gelassen bzw. nicht wieder in seine Heimat zurückgeschickt haben. In Dänemark sind einer Studie zufolge 69% der dort eingewanderten männlichen Somalis noch nach zehn Jahren keiner Arbeit nach - was heisst, das sie auch künftig keiner nachgehen und der Gesellschaft zeit ihres Lebens zur Last fallen werden. Zugleich weisen somalische Immigranten die höchste Pro-Kopf-Rate an Kriminellen auf. Unter diesen Umständen müssten die Politiker, die überhaupt noch irgendwelche Somalis nach Dänemark einreisen lassen, eigentlich wegen Hochverrats vor Gericht gestellt werden. Dasselbe gilt natürlich für Deutschland und andere Länder.

    Noch ein anderer Punkt. Wer von der "multikulturellen" Gesellschaft schwärmt, den sollte man auffordern, genau zu definieren, was er damit meint. Versteht er darunter die Verschmelzung aller nationalen und ethnischen Gruppen zu einem Einheitsbrei mit einer Einheitskultur aus Hollywoodfilmen und Coca Cola und einer antirassistischen und antiidentitären Einheitsideologie, so ist die Multikultur dahin. Will er aber, dass jede Volksgruppe und Ethnie ihre Eigenart bewahrt, so muss er, wenn er konsequent ist, afrikanischen und muslimischen Migranten das Recht auf den bestialischen Brauch der Mädchenbeschneidung, auf Ehrenmorde, auf arrangierte Ehen zwischen sechzigjährigen Männern und sechzehnjährigen Mädchen, auf die Steinigung von Ehebrecherinnen sowie auf die Hinrichtung von Schwulen durch Herabstürzen von einem hohen Gebäude zuerkennen.

    Lehnt er diese Praktiken mit dem Argument ab, die Einwanderer hätten unsere Verfassung zu achten, die dies alles verbiete, so macht er sich seiner eigenen Ideologie zufolge der Intoleranz, des Rassismus und des kulturellen Imperialismus schuldig.

    Winston Smith 78700
    10. Januar 2017 22:34

    @ Dietrich Stahl @ Solution

    Ich bin überzeugt, dass Sellner ganz aufmerksam zuhört, wenn Sie ihm genauer erklären, was er in Ihren Augen besser machen kann, wenn er für uns mit Worten kämpft. André Schröder hat das doch schön vorgeführt. Sind es zuviele Wörter, die man nachschlagen müßte? (Ich etwa habe beim "Seinsurteil" geschluckt.) Müßte eine Stelle breiter erklärt werden? (Da sind mir ein paar Hürden aufgefallen.) Wenn Sie fragen, dann hilft vielleicht ein anderer Kommentar weiter und vielleicht macht es dem sogar Spaß. Außerdem ist das ein anspruchsvoller und dichter Text und es ist keine Schande, dran zu knabbern. Aber bitte laßt uns doch lernen, einander zu helfen, anstatt nebulös über den Text als Ganzes herumzuorakeln. Dümmer werden wir bestimmt nicht daran. Ich fang also mal an: was ist ein "Seinsurteil" und hat das was mit dem "Grundphänomen des Daseins" zu tun?

    calculus
    10. Januar 2017 22:38

    Was bitteschön ist ein "soziales Konstrukt"? Es ist die Sprache des Gegners, die Sprache Jacques Derridas, die Sprache der Dekonstruktion.

    Muß ich mich damit auseinadersetzen?

    Die Antwort ist ein klares nein. Ich bin (Natur-)Wissenschaftler. Wissenschaft besteht im Bilden von Begriffen, nicht in deren Dekonstruktion. Dekonstruktion ist auch nur eine Variation über dem Lügner-Paradoxon "alle Kreter lügen" (wer definiert eigentlich den Begriff "Dekonstruktion"? Jacques Derrida?)

    Jedes Kind weiß, was ein Volk ist.

    calculus
    10. Januar 2017 22:50

    Dekonstruktion als Variation des Lügen-Paradoxons in Derridas eigenen Worten:

    There is no point in recalling once more that deconstruction, if there is such a thing, is not a critique and even less so a methodocally run, theoretical or speculative operation, but that if there is such a thing, it takes place - as I have said too often, and yet once again in Psyché (19), to dare repeat it again - as the experience of the impossible.

    For the love of Lacan
    Keynote lecture at the Benjamin N. Cardozo School of Law
    Jacques Derrida
    Fall 1993
    http://www.psychomedia.it/jep/number2/deridda.htm

    Nordlaender
    10. Januar 2017 22:51

    @ Meier Pirmin

    "Dass der Volksbegriff vertieft aufgearbeitet wird, dass aus Staatsrecht "Volkrecht" werden müsste, wie es der Schweizer Hegelschüler Ignaz Paul Vital Troxler auf den Punkt gebracht hat, ist nicht mit dem nur sektenintern brauchbaren Volksbegriff Vonderachs gleichzusetzen"

    "Sekte ... ist eine Bezeichnung für eine religiöse, philosophische oder politische Richtung und ihre Anhängerschaft. Die Bezeichnung bezieht sich auf Gruppierungen, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen unterscheiden und oft im Konflikt mit ihnen stehen."

    (wikipedia)

    Wegen seines zunehmend rein pejorativen Gebrauches wird der Begriff von der heutigen Soziologie und Religionswissenschaft nicht mehr verwendet.

    Der freiberufliche Historiker, Anthropologe und Publizist Vonderach listet in seinen Werken jede Menge Thesen und Antithesen sorgfältig auf, er zählt für mich zu den seriösesten und wertvollsten Autoren, die mir in den letzten zehn Jahren begegnet sind.

    deutscheridentitärer
    10. Januar 2017 22:57

    Das Thema hat mich in letzter Zeit viel beschäftigt und ich habe es, zumindest gegenwärtig, für mich befriedigend lösen können.

    Dazu vielleicht morgen  mehr, jetzt will ich nur kurz eine "Definition" in den Raum werfen, die ich in dem lesenswerten Buch "Bauchschmerzen" von Wolfgang Gottschalk laß:


    "Deutsch ist, wer rassisch Mitteleuropäer und deutscher Muttersprachler ist."

    Diese Definition gefällt mir mit ihrem dreist-pragmatisch konkretem Ansatz je besser, desto mehr ich mich auf abstrakten Pfaden  abmühe das Problem mit meiner geringen geistigen Kraft in den Griff zu kommen.


    Man prüfe die Definition an konkreten Beispielen und sei erstaunt, wie äußerst selten sie fehl geht.

    Nordlaender
    10. Januar 2017 23:00

    @ calculus

    "Was bitteschön ist ein "soziales Konstrukt"?"

    Beispiel: Die soziale Konstruktion "der Jugendliche". Eine Schublade (bildungssprachlich "Kategorie"), DEN Jugendlichen gibt es dabei freilich nicht.

    Wann beginnt die Jugend? In der Nacht zum vierzehnten Geburtstag? Wann hört sie auf?

    Dem Jugendlichen wird eine gewisse Narrenfreiheit zugeschrieben, er muß noch nicht so viel Verantwortung tragen. Ist diese soziale Konstrukt nützlich für eine traditionelle Gemeinschaft von Jägern und Sammlern oder von Bauern? Ganz bestimmt nicht. Für die Westliche Wertegemeinschaft ist dieses Konstrukt hingegen sehr dienlich, der Jugendliche ist der ideale Konsument.

    "Es ist die Sprache des Gegners, die Sprache Jacques Derridas, die Sprache der Dekonstruktion."

    Sprache des Gegners ist es dann, wenn man selber nicht begriffen hat, welchen Segen Konstruktionen einer Gemeinschaft bescheren können, nicht einmal begriffen hat, was ein Konstrukt ist.

    Es ist die Sprache des Gegners, die Sprache Jacques Derridas, die Sprache der Dekonstruktion.

    marodeur
    10. Januar 2017 23:04

    Das ist alles sehr interessant aber zu gleich irritierend. Warum kämpfen wir für eine amorphe nicht greifbare Struktur namens "Volk", die der politische Gegner mit einfachsten Mitteln dekonstruieren kann? Das scheint ja ein echter Schwachpunkt zu sein. Ich finde, das angebotene Konzept steht in krassem Gegensatz zu den griffigen und einfachen Formeln, die der IB sonst zu bieten hat.

    Warum tun wir uns das überhaupt an? Mein Eindruck ist, dass die Theorien bzw. Utopien des Gegners vollens gescheitert sind. Das ist denen auch durchaus bewußt. Daher konzentriert man sich vollständig auf einen trotzigen Kampf gegen rechts. Ein bisschen mehr Selbstbewußtsein würde uns dabei gut zu Gesicht stehen. Meine Erwartung wäre, dass unsere Metapolitiker auch mal ein Auge zudrücken und trotz diverser Widersprüche standfeste Definitionen für unsere wichtigsten Kampfbegriffe finden. Da gehört "Volk" zuvorderst einfach dazu.

    Abdiel
    10. Januar 2017 23:13

    Ein Text ohne Makel, jedes Wort an seinem Platz! Dicht ohne unverständlich, sich Heideggerscher Sprache bedienend, ohne raunend zu sein, stringent, ohne den Leser logisch zu würgen, klar ohne akademische Kälte. Die Betonung der Einzigartigkeit jedes Volkes entlastet klug von Rassismus- und Nationalismusvorwürfen und stellt gleichzeitig dazu frei, diese Einzigartigkeit des eigenen Volkes zu leben.

    der Gehenkte
    10. Januar 2017 23:16

    @ calculus

    „Ich bin (Natur-)Wissenschaftler. Wissenschaft besteht im Bilden von Begriffen, nicht in deren Dekonstruktion.“

    Dann erforschen Sie doch Natur und überlassen die Geisteswissenschaften den Geisteswissenschaftlern. Die Vermengung der Kategorien ist …

    Das hat selbst Habermas besser gewußt: „In den Ansatz der empirisch-analytischen Wissenschaften geht ein technisches, in den Ansatz der historisch hermeneutischen Wissenschaften ein praktisches und in den Ansatz kritisch orientierter Wissenschaften jenes emanzipatorische Erkenntnisinteresse ein.“(Technik und Wissenschaft als Ideologie)

    Nordlaender
    10. Januar 2017 23:41

    "Die Betonung der Einzigartigkeit jedes Volkes entlastet klug von Rassismus- und Nationalismusvorwürfen und stellt gleichzeitig dazu frei, diese Einzigartigkeit des eigenen Volkes zu leben."

    Alle Erscheinungen in der Natur sind singulär, eine Binse. Wenn ein Volk sich über eine Nation selber bestimmen kann, siehe die Tibeter, siehe die Kurden, dann wird es schwierig.

    Läßt sich nicht verifizieren, daß die Ansage "0 % Rassismus" von den BUNT-Bolschewisten anerkannt wird. Michael Stürzenberger hat sich noch viel intensiver vor den Vorgaben der Kulturmarxisten verbeugt. Hat das etwa dazu geführt, daß er nicht mehr als Rassist und Nazi gilt?

    Wer sagt, er stehle nicht bei LIDL, begibt sich damit freiwillig auf die Anklagebank. Gerade die Negation bestätigt das vorgegebene Thema. Ein HERR entscheidet punktuell, zu welchen Themen er Aussagen tätigt und zu welchen er schweigt. Wer wähnt, sich permanent rechtfertigen zu müssen, kann niemals ein HERR sein.  

    Pernille
    10. Januar 2017 23:49

    "Volk! Was ist denn Volk im Grunde? Was bedeutet volklich wohl?"

    Die klassische Antwort gab Nikolai Frederik Severin Grundtvig 1848

    Byrd og blod er Folke-Grunde,
    Ikke Luft og mindre Staal,
    Fælles Ord i Folke-Munde
    Det er Folkets Modersmaal,
    Som det klinger, som det gløder,
    Saa hos Danskere og Jøder
    Holder det i skjulte Baand
    Luftens eller Himlens Aand!
    Svar ei fattes Skoven!

    Blut, Geburt sind Volkes-Gründe,
    nicht Ideenhauch und wen’ger Stahl.
    Doch des Volkes Muttersprache
    Ist der Grund noch überall.
    Wie sie klingt, und wie sie schafft:
    Wie bei Dänen, so bei Juden,
    hält sie insgeheim verbunden,
    Geistes oder Himmels Kraft.
    Schallt es aus dem Walde!

    Til et Folk de alle hører,
    Som sig regne selv dertil,
    Har for Modersmaalet Øre,
    Har for Fædrelandet Ild;
    Resten selv som Dragedukker
    Sig fra Folket udelukker,
    Lyse selv sig ud af Æt
    Nægte selv sig Indfødsret!
    Svar ei fattes Skoven!

    Alle, die zum Volk gehören,
    die sich selbst zu ihm bekannt,
    freuen sich der Muttersprache,
    brennen für das Vaterland.
    Die sich nicht zum Volk bekennen,
    sondern eigenwillig trennen
    selbst vom eigenen Geschlecht,
    leugnen selbst ihr Bürgerrecht!
    Schallt es aus dem Walde!

    Das ganze Gedicht gibt's hier zu lesen: Die Volklichkeit

    Dietrich Stahl
    10. Januar 2017 23:57

    In meinem ersten Beitrag hatte ich mich absichtlich kurz gefasst und nur das für mich Wesentliche unterstrichen: Das Eigene und speziell die Bedeutung des Gebrauchs der deutschen Sprache. Auf die freundliche Anregung von @ Winston Smith 78700 hin werde ich nun doch konkreter werden. Lieber Martin Sellner, in Ihrem Text geht es um das Deutsch-sein und um den Begriff des Volkes. Die folgenden Passagen finde ich auf den Punkt, klar und einfach formuliert:

    Am Ende „ist“ jedes Volk vielleicht im wesentlichen eine lebendige Frage nach Sinn, die sich aus vielen Einzelnen zu einer Sprache, Religion und Kultur steigert.

    Es geht um die zentrale Frage nach Identität, die seit Jahrzehnten von unseren Politikern und Ideologen unterdrückt, vor sich hergeschoben oder gar kriminalisiert wird.

    Das Volk ist kein Konstrukt, keine metaphysische Essenz, oder eine mathematische Formel sondern ein lebendiges Phänomen und eine ewige Aufgabe. Jeder, der Teil dieser Aufgabe sein will, muß sich den Fragen stellen. Und es könnte – trotz allem – noch eine großartige Geschichte werden.

    In einem Gespräch mit einem Jung-Akademiker verwendete ich einmal das Wort Rasse. Ihm entgleisten fast die Gesichtszüge; und er erklärte mir, daß Ethnie das richtige Wort sei. Der Text ist (siehe obige Zitate) inhaltsreich und diskussionswürdig. Die Form entspricht dem für mein Gefühl nicht. Das akademische Neu-Sprech ist es, was mich an Ihrem Text ratlos macht. Ein Beispiel:

    „Die gemeinsame ethnokulturelle Identität und das geteilte Narrativ“

    Ich verstehe schon, was Sie meinen – die gemeinsame Identität als Volk und die geteilte Erzählung. Das kann man doch sagen. Mir scheint es wichtig, besonders auch komplexe Zusammenhänge möglichst einfach darzustellen. „Ethnomasochistisches Eliten-Narrativ“ ist für ein akademisches Papier vielleicht möglich. Doch dieser Ausdruck meint zwar etwas, verschleiert es aber gleichzeitig: Den selbstzerstörerischen Hass der Eliten auf ihre deutsche Herkunft und auf das deutsche Volk.

    Das kursiv Gesetzte ist eine klare und deutliche Aussage, die nicht dasselbe ist wie das „Narrativ“. Ähnliches gilt für den „Kollateralschaden“. Die Neu-Sprech Vokabel verschleiert: Es gibt/gab Tote. Ach ja, dann ist da noch die Ethnie.

    Identität und das Eigene – Klarheit und Einfachheit.

    calculus
    11. Januar 2017 06:28

    @Nordlaender

    Sprache des Gegners ist es dann, wenn man selber nicht begriffen hat, welchen Segen Konstruktionen einer Gemeinschaft bescheren können, nicht einmal begriffen hat, was ein Konstrukt ist.

    Am Beispiel des Begriffs Jugendlicher haben Sie sehr schön das Wesen wissenschaftlicher Begriffsbildung herausgerbeitet: es ist immer eine Abstraktion, es abstrahiert vom Unwesentlichen und vertärkt so das Wesentliche. Das macht man so seit tausenden von Jahren so.

    Das macht sich die Dekonstruktion zunutze. Sie greift sich einen Einzelfall mit einer Eigenschaft heraus, von der abstrahiert wurde und plärrt sofort los: das erfaßt euer Begriff nicht. Von daher die nimmer endende Rede von den Einzelfällen.

    Dekonstruktion ist nur ein anderes Wort für Zersetzung.

    Erst die Neuzeit hat solche offensichtlichen Scharlatane wie Derrida hervor- und zu Einfluß gebracht (siehe oben). Dekonstruktion ist Scharlatanerie und damit das glatte Gegenteil von Wissenschaft.  Daß so etwas wie Dekonstruktion an (philosophischen) Lehrstülen der westlichen Welt ernst genommen und betrieben wird, wirft ein Schlaglicht auf den geistigen Zustand dieser Welt und in mir immer wieder ernsthafte Zweifel hervor, ob eine Wende überhaupt noch möglich ist.

    PAule
    11. Januar 2017 06:34

    Hallo Herr Seller,
    zu aller erst danke für das Aufgreifen des Themas, da ja sowohl von den MM aber auch von der CDU/CSU versucht wird in Vorbereitung der BW 2017 zu besetzen.
    Der Grund dafür ist genauso klar zu erkennen. Wer beweist, dass es kein Volk gibt, braucht es auch nicht zu fürchten. Die, die sich auf das Volk berufen, sind delegitimiert. Aber sie gehen ja sogar noch einen Schritt weiter sie sagen ja das es kein Volk braucht(!) das es überflüssig, ja störend, zerstörend ist. Dabei entsteht ein Volk eben nicht aus Zufall, sondern aus Notwendigkeit. Notwendig weil es den Kampf, der Volksangehörigen, um die Existenz effektiver macht. Wie sollte es auch anders sein? Selbstorganisationen von Systemen und Organisationen sind seit langen bekannt (Immanuel Kant, Wilhelm Joseph Schelling, Max Weber, Erwin Schrödinger, Herbert Hörz ....)

    Die vielen Punkte der anderen Diskussionsbeiträge, was ein Volk ausmacht, sind genau diesem Umstand geschuldet (von IQ bis zur Sprache, Kunst und Kultur und sozial-psychologische Problemlösungsstrategie). Es sind Mittel um Instrumente in diesem Kampf. Das Volk ist notwendig, weil dieser Kampf noch heute tobt und immerwährend ist. Das Seins des Volkes allein ist dafür Beweis genug. Man sollte nicht vergessen es leben weniger Völker auf Erden als entstanden und vergangen sind. Das ist das gemeinsame Wissen das in jedem Menschen, der eine Familie und damit eine Geschichte hat, vorhanden ist. Es ist dem Menschen als soziales Wesen immanent. Dabei dient das Volk, als Gemeinschaft gleichberechtigter Souveräne (also in einem Nationalstaat), eben nicht nur zur Rechts-, Kampf- und Schicksalsgemeinschaft nach außen, sondern auch als Rechts- und Solidargemeinschaft im Inneren. Das freiwillige(!) setzen und befolgen(!), gemeinsamer Rechtsnormen sichert die Freiheit des Einzelnen, der Familien und anderer Gruppen innerhalb der Gemeinschaft. Das Volk ist als der Garant der „brüderlichen Einigkeit in Recht und Freiheit“. Und das eben auch gegen die eigenen Eliten. Das Volk garantiert Demokratie! Im aktuellen Tagesgeschehen geht es genau um diese Funktion des Volkes. Womit wir bei dem Motiv der Eliten für die Leugnung des Volkes und der gezielten Bekämpfung des völkischen, des Volkes sind. Das genannte Tatmotiv der Eliten (nach @Dietrich Stahl Schreibweise) “Den selbstzerstörerischen Hass der Eliten auf ihre deutsche Herkunft und auf das deutsche Volk.“ halte ich nicht für das wichtigste. Die entscheidenden Leute sind keine triebgesteuerten Irren, sondern rational Handelnde. Sie wissen das o.g. genau. Das eigentliche Motiv zur Bekämpfung und Negierung des Volkes ist, das dieses der Träger der Demokratie ist. Davon wollen sie sich befreien, weil sie sich davon mehr Macht, Reichtum, Freiheit, Religion... Sex and Drugs and Rock 'n' Roll... versprechen. Deshalb Propaganda, Massenzuwanderung, Kulturimperialismus Marke Hollywood, Schuldkultur, Geschichtsnegierung, Bildungsnivellierung, Genderisierung und Sexualisierung, Familienzerstörung, Entsozialisierung, Lesben und Schwulenvergötterung ...

    Meier Pirmin
    11. Januar 2017 07:14

    @Pernille. Zur Ergänzung. In den Schweizer Lesebüchern der Deutschschweiz hat man bekanntlich aus Protest gegen den ab 1942 "abendländisch" ausgerichteten Nationalsozialismus bis nach 1960 die alte Frakturschrift beibehalten. In diesen alten Lesebüchern war noch das Gedicht von Ernst Moritz Arndt "Wes ist des Deutschen Vaterland?" mitenthalten, welches die Sprache als Grundlage der Nation festlegt. Darüber hat man indes schon zur Zeit des Ausbruchs des 1. Weltkrieges etwa in der Neuen Helvetischen Gesellschaft heftig gestritten, auch Carl Spitteler, Nobelpreisträger von 1919, schloss sich dieser Meinung nicht gerade an, wurde dann selber in Deutschland boykottiert. Es ist aber trotzdem ein bedenkenswertes Gedicht. @Klar ist, @Dietrich Stahl, "Narrativ" ein Neusprech-Wort. Was aber gemeint ist, hat seit dem Mittelalter Nationen gebildet. Die Schweiz, die stets "Willensnation" genannt wurde ab 1848, ist in Tat und Wahrheit eine Narrativ-Nation. Dasselbe gilt für Österreich, Slowenien und natürlich das "heilige Russland", welches vor genau 200 Jahren bei der grossen Hungersnot Getreidelieferungen in den Alpenraum getätigt hat. Wegen der Krim-Affäre wagte es die Schweiz vor 2 Jahren nicht, die 200 Jahre der schweizerisch-russischen Verbundenheit zu feiern. Auf der Krim gab es damals unter den Siedlern auch eine schwäbisch-schweizerische Verbundenheit, bis dann Stalin im Umfeld des 2. Weltkrieges jener Kultur den Garaus gemacht hat. Ja, es gibt viel zu erzälen, auf die sog. "Narrative" kommt es nicht unwesentlich an. Klar, hat der soeben verstorbene Roman Herzog, wohl weil er im Gefolge seines Vorgängers nicht anders konnte, seinerzeit das Auschwitz-Narrativ mit dem 27. Januar offiziell institutionalisiert, was nicht  zur Erweiterung, sondern zur Verengung der Erzählung über den 2. Weltkrieg geführt hat. Roman Herzog war wohl trotzdem der letzte Darsteller eines sogenannten deutschen Staatsoberhauptes, der diese seine Rolle noch einigermassen eindrucksvoll gespielt hat. Er war immerhin ein noch bedeutender Verfassungsjurist. Aus der Summe dessen, was er gesagt hat, lässt sich bei richtiger Interpretation auch Zeitkritisches herauslesen.

    PS. Das Gedicht von Arndt "Wes ist des Deutschen Vaterland?", ein Begründungstext des Sprach-Nationalismus, lässt sich im Internet an mehreren Stellen finden und es bleibt eindrucksvoll, wiewohl es für mich zumal ein historischer Text zum deutschen "Narrativ" ist. Wenn ich denke, dass ich dieses Gedicht noch 1960 als Schulaufgabe auswendig gelernt habe! Nicht das Gegenteil der "alten" deutschen Nationalhymne mit den Flussnamen Etsch, Belt, Memel usw. Auch die derzeitige russische Hymne erzählt ein Geographie-"Narrativ". Der Begriff des Narrativs entspricht durchaus der Theorie von Geschichte als Identitätsrepräsentation im Standardwerk "Geschichtsbegriff und Geschichtsinteresse", 2. Auflage, Schwabe-Verlag 2012, welches ich zum 90. Geburtstag des Philosophen Hermann Lübbe (Verfasser) vor wenigen Wochen in der "Weltwoche" ausführlich wieder mal rezensiert und bei dieser Gelegenheit die Unsinn-These von Francis Fukuyama über das "Ende der Geschichte" argumentativ auf Null gebracht habe.

    KAB
    11. Januar 2017 07:15

    Mir erschließt sich zunehmend schwerer an wen solche Aufsaetze die verquert Erklaerungsmodelle fuer Selbsverstaendliches liefern wollen adressiert sind?  

    Diese GruenLinken Gutmenschen sind wie es aktuell in einem Text auf Tichys Blog (nach Loeschung nur noch bei David Berger nachzulesen) herausgearbeitet worden ist psycho pathologisch vorbelastet wodurch sich jedwede Diskussion mit solchen Freakz eruebrigen sollte. 

    Meine beiden grossen Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren wissen seit geraumer Zeit, da sie es verstanden haben dass Deutscher nur sein kann wer Deutsche Vorfahren hat und Deutschland das Land der Deutschen ist. Gleichwohl auch das nich jeder Afrikaner ein Vergewaltiger oder Schlimmeres ist nichtsdestotrotz aber hier nicht seine Heimat hat und doch wieder gehen sollte.

    Ganz simpel eigentlich... Wen gilt es zu hier zu überzeugen? Steht irgendetwas zur Dispostion oder muss ein Konsens gefunden werden? Meines Erachtens NEIN, Es gibt nix zu verhandeln und keine Kompromisse.

    calculus
    11. Januar 2017 08:26

    @der Gehenkte:

    Dann erforschen Sie doch Natur und überlassen die Geisteswissenschaften den Geisteswissenschaftlern.

    Was genau kritisieren Sie denn nun an dem, was ich gesagt habe?

    Der_Jürgen
    11. Januar 2017 09:37

    @KAB

    Da Sie nicht Stefan George sind und für Sie, wie für uns gewöhnliche Sterbliche alle, die Weisheit "Quod licet Iovi, non licet bovi" gilt, empfehle ich Ihnen, sich in Ihren Beiträgen an die anerkannten Komma.- und Grammatikregeln zu halten. Deutsch sein müsste eigentlich auch heissen, seiner Muttersprache den gebührenden Respekt entgegenzubringen.

    Der vom Cuckservative Tichy zensierte Text ist übrigens auch von Elsässer veröffentlicht worden. Tichy ist - ebenso wie Vera Lengsfeld - ein klassisches Beispiel dafür, wie man den Kampf NICHT gewinnt - sofern es diesen Leuten überhaupt ernsthaft um Kampf und nicht nur um Selbstdarstellung geht. Da ist einem selbst der an Tunneldenken leidende Stürzenberger sehr viel lieber, denn dem glaubt man, dass er etwas verändern will.

    @Pernille

    Danke, dass Sie den Lesern den bedeutenden dänischen Denker Grundtvig näher bringen.

    Abdiel
    11. Januar 2017 09:43

    @calculus "Dekonstruktion ist nur ein anderes Wort für Zersetzung." Exakt. Die Scharlatanerie dekonstruktiven Vorgehens hätte immer ersichtlich sein können, aber sie war als Denkrichtung für den Unviersitätsbetrieb pragmatisch gesehen nützlich. Viele Ex-Marxisten und Ex-Linsradikale zogen sich zeitgerecht dieses Mäntelchen über, als ihr Denken endgültig diskreditiert war. Außerdem ermöglichen die notorischen begrifflichen Unschärfen auch schwächsten Geistern den Anschein intellektueller Raffinesse. ("Es gibt Geister, die ihre Gewässer trüben, damit sie tief erscheinen.") Das jedoch als generelle Kritik gegen die Geisteswissenschaften zu wenden, wie Sie es tun, ist, wie ich als Geisteswissenschaftlerin in eigener Sache sagen muss,  selbstverständlich falsch. Diese bestehen keineswegs nur aus dekonstruktivistischen Tiraden. Es gibt gesündere Traditionen, auf die zurückgegriffen werden kann und in absehbarer Zeit hoffentlich auch wieder zurückgegriffen werden wird.

    Und Nein, nicht jedes Kind weiß, was ein Volk ist. Arbeit am Begriff ist notwendig und wird in diesem Artikel dankenswerterweise geleistet. Die Linken haben damit jahrzehntelang die Unviersitäten und die Bildungsschichten erfolgreich hypnotisert. Wie können ihnen schwerlich den Satz entgegenstellen, dass "jedes Kind weiß, was ein Vok ist." Damit hätten wir schon verloren.

    @Nordlaender Von "Binse" ist keine Rede, zumal es hier nicht um Innovation um ihrer selbst willen geht. Das Argument hat einen nicht zu überschätzenden strategischen Stellenwert, indem es den Abstand zu rassistischen Denkweisen eindeutig zu markieren erlaubt. Unter anderem darauf dürfte es doch wohl ankommen. 

     

     

    La vie est belle
    11. Januar 2017 10:07

    Naja, es ist nie einfach gewesen Konservative die notwendigen Veränderungen zu verkaufen. Merken sie aber anschließend, dass es gut war, so sind sie schon immer dafür gewesen - und halten daran fest. Bis die nächste Veränderung kommt...

    Martin, du machst nen guten Job. Das Rumgeheule heißt lediglich, dass die Leute erstmal an ihre ganz eigenen Grenzen gekommen sind. Hier musst du dann mit Feingefühl zwischen Fördern und Überforderung differenzieren. Das Volk in seinem Vollzug erleben heißt vor allem die eigene Kultur vorbildlich vorleben. Let's get it on! 

    Th Wawerka
    11. Januar 2017 10:17

    Natürlich sind Völker AUCH Konstrukte, wie ja alle Phänomene, mit denen wir zu tun haben, sprachlich vermittelte, u.d.h. sozial konstruierte Gegenstände sind. Wir begegnen ihnen nicht objektiv, sie sind für uns immer bereits mit vorhandener Bedeutung "aufgeladen" - wir sind immer bereits auf eine bestimmte Herangehensweise und Sicht "geeicht" und "gepolt".

    Das "Ding an sich", und wäre es auch nur etwas so einfaches wie ein Tisch, wäre, zumindest wenn man Husserl folgen möchte (mit Heidegger kenne ich mich nicht aus), etwas Unendliches, nicht abschließend Fass- oder Beschreibbares. Die Abstraktion "Tisch" reicht aber auch völlig aus: Wir brauchen ihn, um uns dranzusetzen und zu essen oder etwas zu schreiben. Die Realität außerhalb sozialer Konstruktion erkennen oder beschreiben zu wollen halte ich für unmöglich. Vgl auch Nietzsche:

    http://www.textlog.de/21137.html

    Wenn "Dekonstruktion" bedeutet, sich über die eigenen Voraussetzungen, den eigenen Standpunkt, von dem aus etwas beobachtet und beurteilt wird, klar zu werden, darüber, was wir aufgrund unserer "Sozialkonfiguration" mitbringen und in welchem Lichte wir die Dinge sehen - so ist doch eigentlich nichts dagegen einzuwenden.

    Um das mal auf den Begriff vom "Volk" anzuwenden: Welches Bedürfnis leitet uns, danach zu fragen und davon zu reden? Ich kann natürlich erstmal nur von mir sprechen: Es ist der Wunsch nach Orientierung und Sicherheit. Wenn ich "Volk" denke, stelle ich mir einen Binnenraum vor, in dem ich mich sicher bewegen kann und in dem ich anderen Menschen als Gleicher begegne. Die letztere Einsicht hat mich selber erstaunt: Finden wir in unserer Vorstellung vom "Volk" nicht das starke Bedürfnis nach Egalität, das wir sonst so gern kritisieren? Keine sozial bestimmte Egalität, aber doch die Begegnung Gleichartiger gegenüber anderen Völkern, also Fremdartigen. 

    Und weiter, kann es sein, dass der Wunsch Vater des Gedankens ist? Mit strengem historischen und geopolitischen Blick muss man feststellen, dass mit der Kolonialisierung Afrikas, Amerikas und Asiens ein Transformationsprozess eingesetzt hat, der zur Multikultur und ethnischen Fragmentierung führte - zuerst unsichtbar, in den Hafenvierteln, im Londoner East End, wo malaiische Seeleute neben norwegischen auf der Pritsche einer Opiumhöhle lagen, bis das nächste Schiff sie in irgendeinen anderen Winkel der Welt verfrachtete ... Aber zunehmend erfasste und veränderte dieser Prozess ganze Gesellschaften. Was, wenn er unumkehrbar wäre?   

    Was, wenn das "Volk", diese anheimelnde Vorstellung, die vielleicht schon zu Caspar David Friedrichs Zeiten eine bewusst gegen den Gang der Weltgeschichte eingesetzte Konstruktion war, nur ein vorübergehendes Phänomen im wirbelnden Fluss der Zeiten ist? Nichts Festgelegtes, nur ein Provisorium für ein paar Jahrhunderte?

    Das Zusammenwachsen/-drängen zur "globalen Gesellschaft" geht scheinbar Hand in Hand mit einer immer ausgeprägteren Fragmentierung in Milieus im Kleinen - man vergleiche die SINUS-Milieustudie:

    http://www.sinus-institut.de/sinus-loesungen/sinus-milieus-deutschland/

    D.h.: Auch der imaginierte Binnenraum, in dem Verständigung, ein gemeinsam geteiltes Selbstverständnis, Selbstverständlichkeiten gegeben sind und damit Orientierung und Sicherheit gewähren, löst sich auf - das "Volk" verschwindet zunehmend, von außen her durch ethnische und kulturelle Vermischung, nach innen durch Milieubildung. Es folgen daraus ganz andere Konstruktionen für das "Gemeinsame" und "Solidarität": ein grün-linker Berliner "Performer" sieht evtl. mehr Gemeinsamkeit mit einem Programmierer aus Neu-Delhi als mit mir, dem "Nazi" aus der Provinz.

    Es gibt nur eine Weltstadt, deren Viertel New York, London, Paris, Bangkok, Istanbul, Tokio, Rio de Janeiro usw. heißen: Airports, Hertz-Autovermietung, Hotels, McDonalds und ein paar nette folkloristische Details. Und das tribalistische Hinterland ...

    Was, wenn die nächste Generation schon ganz selbstverständlich mit der multikulturellen Gesellschaft lebt, diese als Voraussetzung akzeptiert hat, mit allen Vor- und Nachteilen? Und uns als Relikte ansieht und nicht versteht, worauf wir eigentlich hinauswollen?

    Und wer soll eigentlich die Hunderttausenden in ihre Heimatländer zurückführen? Wer hätte die Kraft und Durchsetzungsfähigkeit dazu? Schaut uns doch an, wir halten uns schon für Helden, wenn wir mal Gesicht zeigen, irgendwo ein klares Wort sagen oder eine Aufsehen erregende Aktion mit Bannern und Fahnen durchführen ... Das letzte Aufgebot, halb erstickt unter der politisch korrekten Knute der "Volksverräter", die ja nicht nur in der Regierung sitzen, sondern im Volke selbst, und deren hysterischen antideutschen Furor ich nur als vorauseilende und untertänigste  Bitte um Schonung gegenüber den "Neubürgern" verstehen kann ...  

    Was also, wenn wir über den "point of no return" längst hinaus sind, wenn es das "Volk" - nicht nur das deutsche, sondern das "Volk" an sich - nurmehr als museales Ausstellungsstück gäbe, das man mit Andacht betrachten, aber nicht mehr nutzen kann: Wie sollen wir dann leben?

    Ein Fremder aus Elea
    11. Januar 2017 10:36

    Wenn's mir vergönnt sei, etwas auszuholen...

    Jeder Mensch ermißt durch das Vertrauen, welches er anderen Menschen entgegenbringt, die Aussichten in ihrer Gesellschaft seinen Zielen näher zu kommen, und das ist das zentrale volksbildende Urteil: Gewöhnung und Paarung kommen später.

    Selbstverständlich verstärken Gewöhnung und Paarung bereits existierende Gemeinsamkeiten und auf diese Weise verfestigen sich Völker im Laufe von Jahrhunderten.

    Dennoch, das Kollektiv entspringt individuellen Urteilen, so wie ein Stück Eisen der schwachen elektromagnetischen Wechselwirkung einzelner Atome entspringt. Und würde das Urteil des Einzelnen, also wem er vertraut und wem nicht, nur geachtet werden, anstatt es zur Staatsräson zu erklären, es außer Kraft zu setzen, wäre das völkische Kollektiv hinreichend geschützt.

    Es ist überflüssig, über diese Frage biologisch zu diskutieren, es sei denn, man wollte Völker künstlich formen, denn dann braucht man in der Tat einen Ersatz für die individuellen Urteile, welche man dabei außer Kraft setzt.

    Meier Pirmin
    11. Januar 2017 10:57

    @calculus @der Gehenkte. Nicht zufällig wurden die Naturwissenschaften in früheren Generationen, auch in Stundenplänen höherer Schulen, "Naturgeschichte" genannt. Was Newton vom Apfel erzählte, der vom Baum fällt, ist nun mal genau so eine Geschichte wie die für die Erkenntnistheorie der Moderne ("Logik der Forschung") von Popper bis Quine bedeutsame Erzählung vom schwarzen Schwan. Die bei weitem bedeutendste naturwissenschaftliche Geschichte bis heute ist natürlich Darwins Evolutionstheorie. "Lass es nicht wahr sein, und wenn es wahr ist, lass es nicht bekannt werden!", soll die Frau des Erzbischofs von Canterbury seinerzeit mit weinerlicher Stimme ausgerufen haben. Auch das ist eine Geschichte!  Erkenntnistheoretisch ist jedoch der Satz "erforschen Sie die Natur und überlassen die Geisteswissenschaften den Geisteswissenschaftlern" längst nicht mehr über das Vulgärwissenschaftliche hinaus haltbar.

    Ein Plädoyer für Dekonstruktion

    Zur Dekonstruktion: diese gehört zur Philosophie und Wissenschaft ebenso wie die Lehre vom Rückbau zur Architektur. Was Kopernikus machte, war über weite Strecken Dekonstruktion, dito Einstein. Ein bedeutender Dekonstruktivist war Michel Foucault, nicht nur in seinem Standardwerk "Überwachen und Strafen". Wir haben nicht zu viel, sondern zu wenig Dekonstruktion an Schule und Hochschule. Zu den bedeutenden Errungenschaften der letzten 100 Jahre gehörte sicher die Dekonstruktion der Geschichtsphilosphie. Die sog. Gesetzmässigkeit der Geschichte von Marx über Comte bis Spengler und anderen bleibt für den Rest der Menschheitsgeschichte nur noch ein Deppenreservat, hier haben Popper und Lübbe ganze Arbeit geleistet. Die Dekonstruktion der Religion durch Ludwig Feuerbach und der Moral durch Friedrich Nietzsche hat zwar jeweils Religion und Moral nicht völlig zerstört, aber letztlich kann ein vernünftiger Mensch hinter diese Kritik nicht mehr zurückfallen. Zu den fälligen Dekonstruktionen, die sich noch nicht genügend durchgesetzt und insofern ganze Hochschulinstitute unter Sektenverdacht stellen, sind zum Beispiel die Theorien von Freud, C.G. Jung und natürlich die Frankfurter Schule einschliesslich der rein ideologischen Fragestellungen der Gender-Theorie. Hier ist die Dekonstruktion, die man durchaus Zersetzung nennen kann und soll, noch längst nicht am Ziel, obwohl zum Beispiel das rein logische Niveau teilweise noch unter dem einst noch ziemlich konsequenten System der Hexenprozesse anzusetzen ist. Natürlich war zumal der Hexenwahn auf einem dogmatischen System beruhend, welches im höchsten Grade auf Dekonstruktion angewiesen war. Herrn Sellner empfehle ich, im Kampf gegen zeitgenössische Wahnideen weniger mit Bekenntnissen zu arbeiten, nicht mal Bekenntnissen zum Patriotismus, sondern konsequent auf Dekonstruktion zu setzen.

    PS. Das Sonderheft von Charly Hebdo vom 7. Januar, jetzt deutsch an Ihrem Kiosk, kann ich allen hier wärmstens empfehlen, besonders denjenigen, für die "islamophob" kein Schimpfwort ist. Dass hier nun aber Fidel Castro endlich als Massenmörder gewürdigt ist, übrigens bei der Machtergreifung mit doppelter Opferzahl wie Hitler am 30. Juni 1934, und Jean-Paul Sartre in einem französischen Magazin mit guten Gründen als hochverlogener "Schuft" bezeichnet wird, so die deutsche Übersetzung, verkörpert ein lehrbuchmässiges Ausmass an "Dekonstruktion".

    Zam
    11. Januar 2017 10:58

    @KAB 

    Nachdem ich davon ausgehe, dass Sie als Rechter hierarchischen Systemen ihren gebührenden Wert zugestehen, ist es doch schön, dass Sie Ihren Platz im indoeuropäischen Kastensystem erkannt haben. 

    Wenn es doch nur für alle so einfach wäre.

    Nordlaender
    11. Januar 2017 11:33

    @ Meier Pirmin

    "Zu den fälligen Dekonstruktionen, die sich noch nicht genügend durchgesetzt und insofern ganze Hochschulinstitute unter Sektenverdacht stellen, sind zum Beispiel die Theorien von Freud, C.G. Jung und natürlich die Frankfurter Schule einschliesslich der rein ideologischen Fragestellungen der Gender-Theorie."

    Die "gender"-Theorie ist nicht falsch, WEIL sie ideologisch ist. Unwissenschaftlich ist es, den Begriff Ideologie einfach zu ignorieren.

    1) Weltanschauung (bildungssprachlich)

    2) In der Wissenschaft (Wissenssoziologie): System von Normen , das Gruppen zur Rechtfertigung und Bewertung eigener und fremder Handlungen verwenden.

    Die Niederschläge der Rassenleugnung eines Franz Boas ("Cultural anthropology" oder der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule sind Hauptstrom. Hier von einer Sekte zu sprechen ist wissenschaftlich nicht haltbar.

    "Herrn Sellner empfehle ich, im Kampf gegen zeitgenössische Wahnideen weniger mit Bekenntnissen zu arbeiten, nicht mal Bekenntnissen zum Patriotismus, sondern konsequent auf Dekonstruktion zu setzen."

    Wer Argumente gegen den Feind hat, Wert auf Diskursethik legt, benötigt kein ad hominem, keine nervenärztlichen Ferndiagnosen. Ja zur Dekonstruktion, aber das Werfen mit Lehmklumpen ist keine.

    calculus
    11. Januar 2017 12:15

    @Meier Pirmin

    Ein Plädoyer für DekonstruktionZur Dekonstruktion: diese gehört zur Philosophie und Wissenschaft ebenso wie die Lehre vom Rückbau zur Architektur. Was Kopernikus machte, war über weite Strecken Dekonstruktion, dito Einstein.

    Nach meinem Eindruck verwechseln Sie das, was ich Revisionismus nenne (also die ständige Überprüfung und ggf. Revision bestehender Theorien oder Modelle über die Wirklichkeit), mit Dekonstruktionismus. Ich meine mit Dekonstruktionismus genau das, was Derrida in die "Philosophie" eingebracht hat, eine Variation über dem Lügenparadoxon (wie oben dargelegt).

    Daß wir Revisionismus brauchen, daran besteht kein Zweifel, vor allem nicht in der Geschichtswissenschaft.

    Nordlaender
    11. Januar 2017 12:20

    @ Abdiel

    "Von "Binse" ist keine Rede, zumal es hier nicht um Innovation um ihrer selbst willen geht. Das Argument hat einen nicht zu überschätzenden strategischen Stellenwert, indem es den Abstand zu rassistischen Denkweisen eindeutig zu markieren erlaubt. Unter anderem darauf dürfte es doch wohl ankommen."

    Warum Konservative, Islamkritiker, Patrioten und Identitäre sich dermaßen dafür einsetzen, die Rassismusdefinition, geleistet von Lew Bronstein ("Trotzky") oder auch Magnus Hirschfeld, unbedingt aufrechtzuerhalten und zu befördern, erschließt sich mir einfach nicht.

    Monika
    11. Januar 2017 12:20

    Herrn Sellner empfehle ich, im Kampf gegen zeitgenössische Wahnideen weniger mit Bekenntnissen zu arbeiten, nicht mal Bekenntnissen zum Patriotismus, sondern konsequent auf Dekonstruktion zu setzen.

    @Pirmin Meier

    Ihr Plädoyer für eine konsequente Dekonstruktion ist theologisch hochinteressant 

    Jetzt ist mir auch klar, warum Sie Texte von Meister Eckhart auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Eckhart ist salopp gesagt, der konsequenteste Dekonstruktivist. Lebenslehre wird zur Seinslehre. 

    Denn ob Eckhart von den sittlichen Tugenden oder von den Grundworten der Vollkommenheit ( Gerechtigkeit, Abgeschiedenheit, Gelassenheit, Armut, Eigenschaftslosigkeit, Wirken ohne Worumwillen) spricht, stets versteht er diese von ihrem Grund im Sein her, wo sie nichts anderes sind, als das Sein selbst.

    .......

    Abgeschiedenheit, Loslösung, Gelöst-sein bedeutet nicht Aszese oder Weltflucht, sondern das Reich der selbstgesetzten Zwecke zu verlassen, um die Fraglosigkeit göttlichen Daseins selbst das Leben durchprägen zu lassen. 

    Stichworte bei Eckhart: ich lebe darum, daß ich lebe; ich wirke darum, daß ich wirke, Wirkeinheit mit Gott, lernen, mitten im Wirken frei zu sein, Teilhard de Chardin spricht von der Loslösung in der Tätigkeit.....etc. Und jetzt wird es ernst, Herr Meier, man sollte nicht mit Bekenntnissen arbeiten ?

    Vielleicht könnte man sich aber bekennen ? Zu Jesus Christus? Klingt für uns fast komisch - ist aber letzte Konsequenz , oder? Schockschwerenot - dieses Bekenntnis suchen wir zu vermeiden, und politiktauglich ist es schon gar nicht? Wieso genau?

    Claus Leggewie hat das Unaussprechliche mindestens gestreift, wenn er Kubitschek schreibt: "In Pegida-Kreisen ist man gegen Islamisierung, aber nicht für Jesus Christus....Das wäre mal ein Gesellschaftsexperiment für kath.net und IDEA, dem Volksaufstand von heute eine christliche Note zu geben !"

    Werter Herr Meier, danke für Ihre anregenden, wenn oft zu voluminösen Beiträge. Ich empfehle Ihnen für die Insel  Meister Echhart, Einheit im Sein und Wirken, von Dietmar Mieth, meinem Professor für theologische Ethik an der Universität Tübingen.

    Und lagern Sie zahlreichen MUT-Magazine nicht in Ihrem Kühlschrank ein. Auch von Bücherbergen kann man sich lösen...

    Es grüßt Sie Monika

    der Gehenkte
    11. Januar 2017 12:30

     @Calculus

    "Was genau kritisieren Sie denn nun an dem, was ich gesagt habe?"

    Die Vermengung der Kategorien. Dabei ist das, wie Meier Pirmin korrekt andeutet, erkenntnistheoretisch durchaus möglich – die Methoden können verschwimmen – aber ihr Gedankengang beginnt mit einer unsäglichen Setzung: Ich bin Naturwissenschaftler ergo muß ich mich mit Dekonstruktion nicht auseinandersetzen, weil das naturwiss. Denken das nicht abdeckt. „Ich bin (Natur-)Wissenschaftler. Wissenschaft besteht im Bilden von Begriffen ….“ Ein solcher Satz erscheint mir unsinnig oder gar arrogant und ignorant.

    Im Übrigen stimme ich Meier Pirmin vollkommen zu: Wir müssen uns auch die Dekonstruktion aneignen.

    @ Meier Pirmin: „Was Newton vom Apfel erzählte, der vom Baum fällt, ist nun mal genau so eine Geschichte“

    Es ist freilich ein Unterschied zwischen der Geschichte, die Newton erzählte, als narrative Geschichte und dem Fallen des Apfels, als Realgeschichte; die Differenz von Ereignis und Erzählung. Der Naturwissenschaftler widmet sich dem Ereignis, beginnt er aber in Ereignissprache eine Erzählung darüber aufzubauen, wird es schief. Der Kollektivsingular Geschichte ist eine Errungenschaft der Aufklärung. Droysen: „Über den Geschichten ist die Geschichte“. Koselleck hat das herausgearbeitet, Danto seine Paradoxien entwickelt, Lübbe den Sinn des Satzes „das muß man historisch betrachten“ entfaltet, Ricœur – auch schon ein „Dekonstruktivist“ – die sprachanalytische Komponente erarbeitet, Gadamer die hermeneutische, Waldenfels die phänomenologische … ich will hier kein name droping betreiben, sondern darauf aufmerksam machen, daß wir hier Hyperkomplexität vorliegen haben und daß Sellner ein Wespennest ansticht, das man nicht durch ad-hoc-Simplifizierungen einfach wegwischen kann.

    Die Postmoderne, die Dekonstruktion, hat neben allerlei Destruktion auch enormes in der Konstruktion (positiv gemeint) geleistet. Blindes Derrida-Bashing führt da nicht weit, man muß ihn produktiv aneignen.

    Ein Fremder aus Elea
    11. Januar 2017 13:03

    An Herrn Wawerka und andere.

    Selbstverständlich geziemt es einem Philosophen, den Begriffen, welche er verwendet, auf den Grund zu gehen, aber einen Vergewaltiger, der fragt: "Aber was heißt überhaupt freier Wille?", oder einen Mörder, der fragt: "Aber was heißt überhaupt Leben?", sollte man dessen ungeachtet dennoch nicht zu vorbildlich politisch Handelnden erklären.

    Pernille
    11. Januar 2017 13:28

     @ Meier Pirmin

    zu Grundtvig

    Allerdings greift Grundtvig weiter aus und meint nicht nur die Sprache. Wenn Grundtvig von „Volk“ spricht, dann meint er keine vordergründig biologische oder vererbte Verbindung, sondern leitet es von einer Willens- und Überzeugungsgemeinschaft, aber auch dem historischen Zusammenhang ab. Identität – zumindest die nordische – wurzelt auch in den volklichen Mythen, deren tragenden Geist er oft mit den mosaischen Texten verglich.

    Um sie verstehen zu können, bedarf es einer gemeinsamen Sprache, die gemeinschaftlich gewachsen ist, einer Muttersprache. Nur die Muttersprache gewährt den Zugang ins „Reich der Mütter“ (Faust), zu den tiefen und geistigen Gebieten eines Volkes.

    Grundtvig kann als Begründer des Ethnopluralismus verstanden werden, der ein gemeinsames, gleichberechtigtes und friedliches Mit- und Nebeneinander der volklichen Einheiten vertritt, eine Vielfalt des Einzigartigen. "Folkeligheden" bündelt sein Konzept am besten.

     

    Aristoteles.
    11. Januar 2017 14:25

    Dass Hintenrum-Völkermördern wie Wawerka und Meier hier das Wort gewährt wird, mir aber nicht, der ich mich für den Erhalt des Volks (der Völker) einsetze, das sagt viel aus.

    Abdiel
    11. Januar 2017 14:42

    @MeierPirmin @derGehenkte

    Der Dekonstruktionsbegriff wird zu weit gefasst, wenn man ihn mit architektonischem Rückbau vergleicht. Dass wir diesen benötigen, ist keine Frage, aber das entspricht nicht dem sehr spezifischen Dekonstruktionsbegriff Derridas, der speziell darauf angelegt ist, ein Nebeneinander verschiedener Lesarten bei der Textinterpretation offen zu halten, wobei diese Lesarten sich gegenseitig neutralisieren. Das ist ein interessantes Spiel für Philologen, was neben den oben angeführten Momenten den enormen Erfolg Derridas in der Literaturwissenschaft erklärt. Er heiligt gewissermaßen die Endlosigkeit des Interpretationsspiels.

    Daraus erhellt auch, warum die Anwendung von Dekonstruktion im Derridaschen Sinn mit einem politisch gerichteten Diskurs unvereinbar (!) ist: Diese ist die Legitimation der ewigen Unentschiedenheit. Derridas eigene politische Interventionen und die linkslastige Haltung der Anhängerschaft erwachsen keineswegs aus der Dekonstruktion selbst, sondern stehen in Widerspruch zu dieser. -

    Das "con" in Dekonstruktion ist daher zwangsläufig eine Täuschung. Man muss Derrida nicht bashen (dazu finde ich ihn auch nicht mehr interessant genug), allerdings für die Neue Rechte neue Zugriffe entwickeln und ältere auf ihre Tauglichkeit überprüfen - dies wird, da bin ich sicher, auch kommen.

    Das wärs für heute, ich habe noch Arbeit, allen Foristen weiter viel Vergnügen!

     

    Pirmin Meier
    11. Januar 2017 15:03

    @Pernille. Der Volksbegriff als konsequente existentielle kollektive  Ausgestaltung einer grossen Erzählung: So "funktionierte" auf der Basis von Homer das alte Griechenland (Ilias, Odyssee). Die anderen waren "Barbaren", was in einer Binnengesellschaft, die noch längst nicht vom Gedanken der Gleichheit durchdrungen war, natürlich nicht mit heutigen Wertungen wie "Rassismus" zu verwechseln war. Die Sache mit Ernst Moritz Arndt war nicht als Parallele, sondern als Ergänzung gedacht.

    Winston Smith 78700
    11. Januar 2017 15:14

    Supi Sellni oder "Wir basteln uns den Übermartin"
    (in 5 überschaubaren Teilen)

     I. Lagesondierung a: Dekonstruktion und Wissenschaft im Kommentarstrang, die Gegnerlager

    Die Frage nach der Legitimität der Dekonstruktion liegt quer zu der Spatung der Leserschaft nach geisteswissenschaftlicher oder naturwissenschaftlicher Herangehensweise.

    Wie @ marodeur ...
    Warum kämpfen wir für eine amorphe nicht greifbare Struktur namens "Volk", die der politische Gegner mit einfachsten Mitteln dekonstruieren kann? Das scheint ja ein echter Schwachpunkt zu sein. Ich finde, das angebotene Konzept steht in krassem Gegensatz zu den griffigen und einfachen Formeln, die der IB sonst zu bieten hat.
    ... lehnt auch @Solution die Dekonstruktion naturwissenchaftlich ab:
     ... Hier wird doch nichts anderes betrieben, als die  Verwässerung und Aufweichung des Volksbegriffs, möglichst weit weg von der Biologie ...  auch mal ein Auge zudrücken und trotz diverser Widersprüche standfeste Definitionen für unsere wichtigsten Kampfbegriffe finden.

    Auch der geisteswissenschaftlich zwar kenntnisreiche @ calculus scheint mit seiner Terminologietheorie der Einstellung nach eher in die NW-Ecke zu gehören, obgleich essentialistisch angehaucht, wenn er von einem hervorzukehrenden "Wesen" ausgeht. @ Elementarsatz liefert zwar Fakten für das biologisch argumentierende Lager, scheint sich dann aber nicht dort einzuordnen.

    Auch in der geisteswisschnschaftlich argumentierenden Fraktion gibt es sowohl Gegner wie @ Abdiel als auch Befürworter der Dekonstruktion, darunter etwa Wawerka. Dann gibt es noch Gegner von zu hoher Theorie überhaupt, die ich gleichwohl kulturwissenschaftlich einordne, etwa die mystische  @ Monika ("Grau ist alle Theorie. Alles etwas kopflastig und blutleer." - hoffentlich kann ich Monika ein wenig erklären, was Sellner hier leisten muß) und schließlich das geheimnisvolle @ KAB:
    Mir erschließt sich zunehmend schwerer an wen solche Aufsaetze die verquert Erklaerungsmodelle fuer Selbsverstaendliches liefern wollen adressiert sind? ...
    Diese GruenLinken Gutmenschen sind ... psycho pathologisch vorbelastet...

    Winston Smith 78700
    11. Januar 2017 15:23

    (Supi Sellni oder "Wir basteln uns den Übermartin")
    II. Lagesondierung b: Dekonstruktion und Wissenschaft im Kommentarstrang, die Mitte

    Eine Brücke zwiechen Geistes- und  Naturwissenschaft schlagen bereits @ Elementarsatz, @ Paule, @ Meier und der @ Fremde aus Elea; wohingegen ich den vermutlich neuheidnischen @ Nordlaender im Schema nicht unterkriege und @ Der_Jürgen und @ der Gehenkte eher seitlich des Kampfplatzes stehen (ich selbst bin zu feige für eine Position). Paule etwa benutzt mit "Selbstorgnisation" (siehe z.B. Prigogine) bereits einen brückenschlagenenden Gedanken: 

    Wer beweist, dass es kein Volk gibt, braucht es auch nicht zu fürchten. Die, die sich auf das Volk berufen, sind delegitimiert. Aber sie gehen ja sogar noch einen Schritt weiter sie sagen ja das es kein Volk braucht(!) das es überflüssig, ja störend, zerstörend ist. ... Selbstorganisationen von Systemen und Organisationen sind seit langen bekannt ....  Das eigentliche Motiv zur Bekämpfung und Negierung des Volkes ist, das dieses der Träger der Demokratie ist. Davon wollen sie sich befreien, ...

    @ Fremder aus Elea hingegen will keine Biologie, sondern Atome als Modellparadigma, landet dann aber geheimnisvoll scheinbar doch bei der kulturwissenschaftlichen Herangehensweise:

    ... Selbstverständlich verstärken Gewöhnung und Paarung bereits existierende Gemeinsamkeiten und auf diese Weise verfestigen sich Völker im Laufe von Jahrhunderten. ... Dennoch, das Kollektiv entspringt individuellen Urteilen, so wie ein Stück Eisen der schwachen elektromagnetischen Wechselwirkung einzelner Atome entspringt. ... Es ist überflüssig, über diese Frage biologisch zu diskutieren, es sei denn, man wollte Völker künstlich formen, denn dann braucht man in der Tat einen Ersatz für die individuellen Urteile, welche man dabei außer Kraft setzt.

    Ich nehme vorweg:  der Fremde argumentiert hier in begriffen der Mereologie (Teil-Ganzes-Lehre), indem er sagt, das Ganze sei nicht mehr als die Summe der Teile während andere aber Sellner vorwerfen, er sei zu philosophisch ...

    Winston Smith 78700
    11. Januar 2017 15:27

    (Supi Sellni oder "Wir basteln uns den Übermartin")
    III. Sellner als Einzelkämpfer kann es nicht allen recht machen; absichtlich sitzt er zwischen den Lagern - Sellners Herkulesaufgabe

    Auch Sellner muß beide Lager bedienen / abholen / darf sie nicht vergrätzen und hat es hier doch redlich versucht, unter Verwendung von leider reflexartig die Leserschaft spaltendem Heideggersprech und unter expliziter Aufzählung von Vertretern einer Denklinie. Dabei stehen Schopenhauer bis teilweise sogar Heidegger in der von Attitüde gereinigten Substanz gar nicht so sehr gegen die Naturwissenschaften, das kapieren nur die Naturwissenschaftler nicht, und zwar wegen der schwülstigen Sprache und weil diese Denker sich von zu weit draußen nicht mehr erklären. Schopenhauer bis Heidegger (mit einer kleinen Ausnahme bei Nietzsche) zeigen kaum mehr als das das Resultat und nicht mehr den Weg und die Naturwissenschaftler wissen nicht, wie sie ihnen entgegengehen können.

    Wissenschaftstheoretisches Metageschwafel hilft da nicht. Unpraktikabel ist auch ein aufwendiges "Programm" wie etwa das der logischen Positivisten oder der operationalistischen "Konstruktivisten", welche alle diese (offenbar praktisch noch immer vorhandene) Kluft des neunzehnten und zwanzigsten, wenn nicht gar schon achtzehnten Jahrhunderts bereits gesehen hatten - und vor ihnen gar noch Klages etc. bis Dilthey ... nicht praktikabel, weil das Geschäft der Politik zu schnellebig ist und wir längst im gehetzten Kampfmodus.

    Was also kann Sellner tun?

    Winston Smith 78700
    11. Januar 2017 15:31

    (Supi Sellni oder "Wir basteln uns den Übermartin")
    IV. Sellner-Supermans Möglichkeiten, ein Vorschlag an einem Beispiel

    Ein brillianter Kopf wie Sellner könnte sich (zur Abwechslung von z.B. Gadamer) als einen undogmatischen, an konkreten Denkwerkzeugen orientierten Brückenschlag etwa mal das Büchlein "Languages of Art" reinpfeifen, wo mit der Unterscheidung von analog und digital eine präzise Begrifflichkeit entwickelt wird, die zur Beschreibung der Eigentümlichkeiten jener unendlichen Beschreibbarkeit taugt, mit der Sellner hier hinsichtlich des Deutschseins ringt, mit dieser infinit feinen und tiefen und venetzten Angelegenheit, wie sie auch in @ Pernilles Skizze zu Grundtvig anklingt.

    So wie Heideggers Hammer mit dem Gewitter in Verbindung steht, so auch sekundär mit allem anderen, was mit Gewitter zu tun hat. Nur aber hat Sellner der hitzigen Lager wegen keine andere Wahl, als dies ohne Heideggersprech zu erzählen. Weitere Werkzeuge als das von Goodman - nicht nur erkenntnistheoretische, sondern meinetwegen ontologische - also konkrete, nichtprogrammatische, undogmatische, organale Übergänge zwischen den ach so weit getrennten Reichen finden sich in passenden Schriften noch einige andere. Überhaupt sollte ein idealer "Sellner" verstärkt quer zum bisherigen Bücherregal lesen. Das wäre für einen allein natürlich nicht zu reißen.

    Sellner sollte aber nicht nur die Irritation durch philosophisch zu lagerlastige Termini vermeiden, sondern auch beiläufig verwendete Spezialbegriffe wie "Epiphänomen" und stattdessen lieber eine gute bildliche Erklärung finden, so eine "begriffliche Metapher", eine gute Analogie. Dennoch: auch das Epiphänomen ist so ein Brückenthema (und verwandt mit Emergenz und Supervenienz und eben jener "Selbstorganisation") und sollte daher inhaltlich sehrwohl berücksichtigt werden. Einen Sachverhalt knapp zu erklären ist aber schwieriger und kunstvoller als die Verwendung des Fachworts.

    Winston Smith 78700
    11. Januar 2017 15:37

    (Supi Sellni oder "Wir basteln uns den Übermartin")
    V. Sellner gemeinsam - wir schaffen das

    ... Dazu braucht es nämlich die Verbindung einer gewissen mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenz mit einer gewissen poesiesprachlichen - und einer geistesgeschichtlichen, mit der man etwa sehen kann, welche Fässer @ Nordlaender mit seiner "Binse" über die Natur mal beiläufig aufmacht (z.B. Platon-Aristoteles oder Darwin-Gott). Das alles aber einem Sellner, der ja nebenbei auch noch rumklettern soll, im Alleingang aufzuladen und ihn dann auch noch mit Fußfegern zu kritisieren ist aberwitzig und macht auf kurz oder lang den Spieler kaputt.

    Solange die AfD mit ihren nun zusehends verfügbaren Mitteln aber scheinbar nur Stellen für Juristen ausschreibt und immer weiter in die Krallen dieser ganz speziellen Zunft gerät (wenn sie es nicht bereits unauflöslich ist), wird sie keine Leute fair binden können, die dies auch auf einer so tiefen Ebene anpacken können - tiefer als vielleicht in einer flippigen Werbeagentur oder Unternehmensberatung, mit der man nur mal schnell einen Wahlkampf rumkriegen möchte. Und tiefer als - übertrieben gesagt - Fachidioten gleich welcher Disziplin.

    Die Koordination etwa in einer vernetzten (und gerne auch verteilten, kein Büro erfordernden) Forschungsstelle, wo von Zeitschriften und Redenschreibern Anfragen gestellt werden können und von wo aus Strategiediskussionen unterstützt werden können, kann auch noch nicht von einem dieser 16-20jährigen brillianten Ehrgeizlinge geleistet werden (welche es vorerst eher mit anspruchsvollen und relativ lukrativen Preisausschreiben zu interessieren gilt; Genaueres auf Anfrage).

    Im Idealfall wäre dort ein so (eigentlich unbezahlbar) hochvernetztes Wissen wie von Meier verfügbar. Ein eingebundener Wahlkämpfer oder Parlamentarier kann das selbst nicht dauerhaft leisten. Wenn andererseits die AfD sich aber intellektuell weiterhin selbst genug ist, scheint sie so etwas offenbar nicht zu brauchen, kriegt es dann aber evtl. auch nicht mehr, wenn die Intellektuellen sich nicht mehr umsonst reinhängen können. 

    calculus
    11. Januar 2017 15:51

    @der Gehenkte

    Der Naturwissenschaftler widmet sich dem Ereignis, beginnt er aber in Ereignissprache eine Erzählung darüber aufzubauen, wird es schief.

    Dem (Natur-)Wissenschaftler sollte immer klar sein, daß er über ein (mathematisches) Modell der Realität redet, nie über die Realität selbst. Sollten die Schlüsse, die er aus seinem Modell zieht, nicht mit der Realität zur Deckung zu bringen sein, sollte er darüber nachdenken, ob sein Modell für den Anwendungsfall überhaupt geeignet ist, und es ggf. revidieren.

    der Gehenkte
    11. Januar 2017 16:12

    @Abdiel

    „dem sehr spezifischen Dekonstruktionsbegriff Derridas, der speziell darauf angelegt ist, ein Nebeneinander verschiedener Lesarten bei der Textinterpretation offen zu halten“

    Das ist sicherlich eines, aber kein erschöpfendes Verständnis der Dekonstruktion.

    Derrida ist für uns schon deswegen interessant, weil er auch einige konservative Hauptdenker „dekonstruierte“ und dabei ganz wunde Punkte berührte. Etwa in „Geschlecht“ die „Sexuelle Differenz, ontologische Differenz“. Man denke auch an die Nietzsche-Renaissance in Frankreich im Zuge der Postmoderne (Derrida, Blanchot, Klossowski, Jean-Luc Nancy und vor allem das sensationelle Nietzsche-Buch Deleuze`.

    Daraus haben sich hochspannende Auseinandersetzungen mit Gadamer ergeben, den ich um die Jahrtausendwende auf der Nietzsche-Konferenz in Naumburg darüber sprechend noch erleben durfte. Hierzu Philippe Forget: Text und Interpretation.

    Auch den phänomenologischen Beginn Derridas sollten wir nicht vergessen: „Das Problem der Genese in Husserls Philosophie“. Und seine – das dürfte Frau Sommerfeld interessieren – metaphorologischen Arbeiten, etwa „Die weiße Mythologie“ in „Randgänge der Philosophie“ sind nützlich.

    Es gibt im Übrigen bereits Auseinandersetzungen aus konservativer(er) Sicht mit der Derrida und der Postmoderne. Sehr empfehlenswert: Ernst Behler: „Derrida-Nietzsche-Derrida“.

    Ein Schlüsselbuch meiner philosophischen Jugend war Hans-Martin Schönherr: "Die Technik und die Schwäche. Ökologie nach Nietzsche, Heidegger und dem ‚schwachen Denken'“- ein heißer Tipp auch für Sellner! Schönherr legt den Begriff der Gelassenheit unter postmodernen Perspektiven aus und war einer der ersten, der das „Umwelt“-Problem dem linken Diskurs entriß, ihn historisch korrekt der „Rechten“ angliederte und Schnittstellen zum „pensiero debole“ (Vattimo) aber auch zu Eco, Deleuze und Derrida suchte.

    Das ist jetzt 25 Jahre her - müsste man jetzt, mit neuem Kenntnisstand und neuen Erfahrungen, noch einmal studieren.

    (geschrieben vor Lektüre des Mehrteilers von Winston)

    der Gehenkte
    11. Januar 2017 17:23

     Den vorherigen Faden weiterspinnend ...

    Man kann die Dekonstruktion auch als einen Versuch sehen, ”herrschaftsfreie Texte” zu produzieren, denn Derrida hat ja nicht nur andere Texte dekonstruiert, sondern damit auch selbst welche geschaffen, die der Dekonstruktion ebenfalls offen stehen. Allerdings sind sie so gehalten – so zumindest verstehe ich die Dek. -, daß ihre Dekonstruierbarkeit minimiert wurde.

    Anders gesagt: Derrida wollte ein Schreiben kreieren, das einerseits die inhärente Gewalt eines Textes bricht und andererseits weitgehend nicht mißbrauchbar ist. Das hatte er wesenhaft von Nietzsche und Marx (”Marx’ Gespenster”) gelernt, daß Texte, besonders apodiktische Texte sich sehr schnell gegen die Intention des Textes wenden können und das wollte er vermeiden.

    Damit wäre die Dekonstruktion als eine Spielart des ”pensiero debole” zu verstehen.

    Das mag auf den ersten Blick für Schmittianer und andere ”Rechte” fürchterlich klingen, aber man darf das konservative Element darin nicht übersehen. Indem ich nämlich einen Text entmächtige, entmächtige ich auch das daraus abgeleitete Handeln, sprich das Verändern, Revolutionieren, Erneuern.

    Und damit sind wir im konservativen Kernland. Derrida und die Dekonstruktion könnte als Mittel fruchtbar gemacht werden, die allgemeine Akzeleration zu verlangsamen. So verschwindet bei ihm etwa der revolutionäre Impetus Marxens.

    Schwach denken heißt schwach handeln und schwach heißt hier: nicht invasiv!

    Voilà: Derrida ist ein Rechter!

    Th Wawerka
    11. Januar 2017 17:33

    Ein Fremder aus Elea:

    An Herrn Wawerka und andere.

    Selbstverständlich geziemt es einem Philosophen, den Begriffen, welche er verwendet, auf den Grund zu gehen, aber einen Vergewaltiger, der fragt: "Aber was heißt überhaupt freier Wille?", oder einen Mörder, der fragt: "Aber was heißt überhaupt Leben?", sollte man dessen ungeachtet dennoch nicht zu vorbildlich politisch Handelnden erklären.

    Vollkommen einverstanden!

    Nur bin ich a) weder ein Mörder noch ein Vergewaltiger, b) haben Verbrechen wie Mord und Vergewaltigung mit der Frage nach dem "Volk" erstmal nicht ursächlich zu tun und c) muss man den Prozess der Auflösung der "Völker" (im Antifadeutsch: den "Volkstod") nicht notwendig als Genozid an den Bewohnern Europas ansehen - man kann ihn ja auch produktiv/progressiv als Überführung in andere, neue Solidargemeinschaften begreifen (wenn ich hier wieder mal den advocatus diaboli spiele und die Perspektive des politischen Gegners einnehme, dann gewiss nicht aus Sympathie, sondern aus dem inneren Drang, sein Denken zu verstehen).

    Forderte die konservativ grundierte Lebensphilosophie, ausgehend von Nietzsche, nicht die beständige Anpassung an die Bewegung des Lebens, mithin auch an immer neue Formen?   

    Heinrich Brück
    11. Januar 2017 17:33

    Ein Volk wird durch die Überlieferung und Abstammung zu einem Volk. Einem Konstrukt fehlt die Freiheit des Volkes.

    Die Deutschen sollten nach 1945 jahrhundertelang keine politische Rolle mehr spielen, deshalb die Dekonstruktion der Überlieferung.

    Wenn alle Völker einzigartig sind, müßten auch alle unter Naturschutz stehen. Nur machen die Menschen nicht die Natur, und diese kümmert sich nicht um das Verschwinden der Völker. Mir fehlt diese historische Friedenssehnsucht der Dekonstruierten.

    Wenn starke Völker schwache nicht mehr besiegen wollen, können sie nicht stark sein. Der patriotische Ansatz ist sympathischer Natur, hat aber keine Herrschaftsmacht inne. Und im Sozialstaat wird Loyalität mit Patriotismus verwechselt. Nationalismus ist nicht unlogisch, er ist massenuntauglich.

    Der Kampf gegen Rechts zeigt die Verwirklichungsbereitschaft einer suizidalen Gruppenstrategie, während die Kämpfenden von einer Überlebensstrategie ausgehen. Wenn ein Volk bei seiner Selbstbeseitigung zum Gelingen beitragen soll, muß es also vom Gegenteil überzeugt werden.

    Das geschaffene Zusammengehörigkeitsgefühl glaubt nicht an ein Konstrukt, sondern an die Befriedigung des Selbsterhaltungstriebs als Überlebensstrategie der Gruppe. Konstrukt oder Gruppe anstatt Volk. Die Lüge dieses Überlebenskampfes ist offensichtlich.

    calculus
    11. Januar 2017 19:20

    @der Gehenkte

    Voilà: Derrida ist ein Rechter!

    Vollkommen klar. Die hohe Kunst der Dekonstruktion macht's möglich! Sie sind ein wahrer Meister in diesem Hokuspokus!

    Trouver
    11. Januar 2017 19:25

    Die Spätaussiedler im Sinne des Bundesvertriebenengesetzes müssen, nach wie vor, ihre etnische Zugehörigkeit beweisen - also Blut znd Boden pur - um das Recht auf Niederlassung in Deutschland zu bekommen.

    Wo es, also, um die Auslandsdeutsche geht, dort gelten unbeirrt kaiserlich-nationalsozialistische Grundsätze.

    Deutsch ist, wessen Eltern es waren.

     

    Nordlaender
    11. Januar 2017 19:26

    @ Pirmin Meier

    "So "funktionierte" auf der Basis von Homer das alte Griechenland (Ilias, Odyssee). Die anderen waren "Barbaren", was in einer Binnengesellschaft, die noch längst nicht vom Gedanken der Gleichheit durchdrungen war, natürlich nicht mit heutigen Wertungen wie "Rassismus" zu verwechseln war."

    Keine Ahnung, "Herr" Meier, was "Barbaren" sind und was "funktionieren" bedeutet. Es "funktionierte" nicht so. Es funktionierte so. Die anderen waren keineswegs "Barbaren". Es handelte sich um Barbaren.

    Was ist denn nun Rassismus? Ohne Begriffsklärung kann ich mit Ihrer Aussage nichts anfangen. 

    Ein Fremder aus Elea
    11. Januar 2017 19:31

    Nein, Herr Wawerka,

    es geht nicht mehr darum den "Gegner", ich wüßte auch nicht zu sagen, wer das überhaupt ist, zu verstehen, sondern darum, öffentlich vorgetragene Idiotie in ihre Grenzen zu verweisen.

    Wer die Öffentlichkeit in ihrer Gesamtheit dazu auffordert, ihre Begriffe zu überprüfen, während er sich gleichzeitig am Gegenstand dieser Begriffe zu schaffen macht, will in jedem einzelnen denkbaren Falle damit nur erreichen, daß sein Handeln nicht auf der Grundlage dieser Begriffe bewertet wird.

    Meine Beispiele waren vollkommen angemessen.

    Milarepa
    11. Januar 2017 20:54

    Für den Meditationsbeginner ist der Berg ein Berg und der Fluss ein Fluss.
    Für den Fortgeschrittenen ist der Berg kein Berg mehr und der Fluss kein Fluss.
    Für den Meister hingegen ist der Berg wieder ein Berg und der Fluss ein Fluss.

    Zen Sprichwort

    Karl
    11. Januar 2017 20:55

    Ethnologie und Volkskunde als Wissenschaften sind ja so gut wie verschwunden in der deutschen Universitätslandschaft. "Kulturanthropologie" ersetzte diese Lehrstühle, eine aus den USA importierte Pseudowissenschaft, die den dekonstruierenden Relativismus/Universalismus, also reine Hirngespinste,  anstelle wissenschaftlicher Datensammlung setzte. Die in Osteuropa vorherrschende Ethnostheorie wäre eine Alternative gewesen, passte aus ideologischen Gründen natürlich nicht in die westliche Denktradition. Daraus aber Anleihen für diese Diskussion zu entlehnen halte ich hier für geboten. Das Primat der historischen Entwicklung, ethnisches Selbstbewußtsein und das Ethnonym sind hier zentrale Axiome. "Das Historische des Biologischen nennt man Evolution.  Das Biologische des Historischen nennt man Mensch." (C. BÖTTGER: Ethnos. Der Nebel um den Volksbegriff. Lindenberg Verlag. Schnellbach 2014, S. 177) Ich würde empfehlen die Ethnostheorie mehr zu rezipieren, um den Volksbegriff wirklich vom Kopf auf die Beine zu stellen.

    Stil-Blüte
    11. Januar 2017 21:30

    Ich gratuliere Ihnen nachträglich zu Ihrem 28. Geburtstag, um so mehr, als Sie beinahe zu den sog. Siebenundzwanzigern gehört hätten. Ihr Schutzengel war Ihnen hold. Möge es so bleiben.  

    Ein Avangardist zu sein, wann hat es ihn letztmalig gegeben? Das Umwerfende, Neue gehört unbedingt dazu. Das ist Martin Sellner zu gönnen. 

    Hat sich das Alte und das Altbewährte, das Überlieferte und das Bewahrte deswegen überholt? Todesstoß dem Volke, weil es als  'völkischer' Kampfbegriff mißbraucht wurde (Nazis) und mißbraucht wird (Antifa).

    Ich gehe einmal vom - 'dem Volk auf's Maul schauen' , das Vaterland zur Linken, die Muttersprache zur Rechten als Klammern:

    Volksmund, Volkslied. Volksmärchen. Volkstanz. Volksmusik. Volksvergnügen, Volksbildung, volkstümlich, Schicksal eines Volkes, Volksverräter. Volksverdummung. Volksverblödung.

    Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern,/ in keiner Not uns trennen, noch Gefahr./ Wir wollen frei sein wie die Väter waren,/eher den Tod als in Knechtschaft leben. (Friedrich Schiller)

    W i r  sind das Volk. Wir sind  e i n Volk. (Sprechchöre während der Wende)

    Das gemeine Volk. Das einfache Volk. Das liederliche Volk. Ein buntes Völkchen.

    '...und nicht über, und nicht unter and'ren Völkern woll'n wir stehn' (Auszug Nationalhymne der DDR) '...Einigkeit und Recht und Freiheit für des Volkes Vaterland...' (Auszug Nationalhymne BRD)

    Völkerschlachtdenkmal, volksverbunden, Bienenvolk, Volkstribun, Völkerwanderung, Völkerverständigung, Im Namen des Volkes..., Volksvertreter, Volkskirche, Folklore, Völkerfreundschaft, volkseigen

    indigene Völker, Völkerpsychologie, Volkswagen, Volksaustausch, Volkstod.

    ... 

    Genug. Hätte nicht einjeder, egal welchen Alters,  welcher Schicht automatisch gewußt, was, 'Volksschule' vorausgesetzt, mit diesen Wörtern, die eben keine reinen Begriffe, keine Konstruktionen, keine 'Konstrukte' sind, damit gemeint ist? Kommt es nicht in erster Linie darauf an, daß sich ein Volk auf lange Zeit auf allen Ebenen in allen Schichten ohne großen Federlesens, so gut es eben geht, untereinander verständigen kann?

    Sie schaffen ein neues Verständnis   ü b e r  uns Deutsche. Schaffen Sie damit auch Verständigung   u n t e r e i n a n d e r ? Gehen Sie über den Duden, der uns ja babylonisches Sprachengewirr eingebrockt hat,  nicht noch hinaus?

    Neues Denken, neue Denkansätze, allemal von vorauseilenden Denkern und Aktivisten wie Sie, eben Avantgarde, bewundernswert, an- und aufregend.  Aber ist 'neu' auch immer ein Qualitätsmerkmal? Sind nicht eher 'alt' und 'neu' wie 'links' und 'rechts', 'überholt' und 'modern' Konstrukte statt ein Kontinuum.  Sollte nicht die Wiedererkennung überlieferten fortlebenden Wortschatzes ('folk' seit dem 11. Jhd. belegt) stärker sein?

    deutscheridentitärer
    11. Januar 2017 21:37

    "man kann ihn ja auch produktiv/progressiv als Überführung in andere, neue Solidargemeinschaften begreifen (wenn ich hier wieder mal den advocatus diaboli spiele und die Perspektive des politischen Gegners einnehme, dann gewiss nicht aus Sympathie, sondern aus dem inneren Drang, sein Denken zu verstehen)."

    Unser Feind sieht das sicher so. Aber er irrt sich eben, bzw. insoweit es eine Frage des Geschmacks ist hat er eben einen schlechten. Wer sich vom GG als bindender Klammer mehr angesprochen fühlt als von 1000 Jahren deutscher Geschichte, nun ja, mit dem habe ich dann eben keine Diskussionsgrundlage.

    Aber auch objektiv zeichnet sich ab, dass die diversen Zukunftsprojekte der Multikultis, seien sie nun liberaler, normenfixierter oder linksradikal "progressiver", scheitern werden.

    Es verschwinden ja eben nicht die Völker an sich, sondern ein Volk, bzw. die mittel- und westeuropäischen Völker. (Was auch ein Trost ist- gehen wir auch unter, dass rechte, agonale, hierarchische Prinzip bleibt unberührt)

    "Forderte die konservativ grundierte Lebensphilosophie, ausgehend von Nietzsche, nicht die beständige Anpassung an die Bewegung des Lebens, mithin auch an immer neue Formen?"

    Das sehe ich auch so. Aber auch das Standhalten und eben die Sezession vom Zeitgeist sind eben  wesentliche Elemente der rechten  Weltsicht. In diesem Zusammenhang fällt mir  ein kitschiger Kalenderspruch ein:

    "Gott, gib mir die Kraft die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Dinge zu akzeptieren, die mir unveränderlich sind und die Weisheit beides unterscheiden zu können."

    deutscheridentitärer
    11. Januar 2017 21:42

    Das Problem ist, dass die Dekonstruktionsversuche selbsterfüllende Prophezeiungen sind:

    Ein Volk, dass sich nicht mehr für ein Volk hält, ist eben auch keines mehr.

    Wenn man den Leuten mit Humangenetik und biologischer Anthropologie kommen muss, um sie zu überzeugen, dass sie doch irgendwie zusammengehören, ist der Zug eigentlich bereits abgefahren.

    Blöd für uns, die gerne noch eine Weile mitgefahren wären.

    Waldgänger aus Schwaben
    11. Januar 2017 21:43

    Woran es dem Artikel fehlt, ist der Blick über die Grenzen.  In Frankreich gab es im Vorfeld der Auswahl des konservativen Präsidenten-Kandidaten eine Identitätsdebatte.

    Von Sarkozy, der selber von ungarischen Adligen und sephardischen Juden aus Griechenland abstammt, kam der bemerkenswerte Satz:

    «Wer Franzose wird, hat die Gallier und Vercingetorix als Vorfahren.»

    Bei der Abstimmung über den konservativen Präsidenten-Kandidaten ging Sarkzy allerdings unter. Die Franzosen wählten Fillon, der für das ländliche, katholische  Frankreich steht, als Kandidaten, der gegen Marine LePen antreten wird.  Sarkozy ahnte wohl eine Sehnsucht im Volke nach Identität. Die Pfeile der Sehnsucht zielen aber dem vorrevolutionären, katholischen, monarchischen Frankreich, das immer noch virulent ist und nicht nach einer konstruierten gallischen Identität.

    Und das Phänomen Trump ist in Europa, auch in der deutschen Rechten noch nicht mal ansatzweise verstanden.

    Wer über Identität schreibt muss sich mit diesen Erscheinungen im christlich-abendländischen Kulturkreis intensiv befassen.

    Jürg_
    11. Januar 2017 21:51

    ieser Text Sellner ist im Vergleich zu dem vorherigen um Längen besser. Beim letzten hatte ich das Gefühl, daß in Kürze mein Kopf als Opfergeschenk über die Mauer fliegt, damit die Opportunisten gnädig gestimmt werden. Mit einer derart verkopften Diskussion wie teilweise hier im Kommentarstrang, wird man aber schwerlich die Massen des Volkes auf seine Seite ziehen. Weniger Herumphilosophieren und mehr Le Bon wäre von Vorteil. Das einfache Volk liebt die Selbstüberzeugten und nicht die ständig Zweifelnden. Ich weiß, gerade die Intelligenten sind oftmals von Selbstzweifel geplagt, kenne ich dieses Gefühl doch zur Genüge. Aber siegen tut man so nicht. Und natürlich Herr Sellner hat ein Volk eine biologische Wurzel, alternativ auch Abstammungsgemeinschaft genannt. Unsere europäischen Völker haben sich zumeist vor mehr als 1.000 Jahren formiert, das sind keine neuen Einwanderergesellschaften wie die USA, Kanada ect., denen nebenbei die wesentlichen Eigenschaften einer echten Nation abgehen. So z.B. dem Solidargedanken, der nur auf dem Boden einer in Jahrhunderten bewährten Rechts-, Sprach-, und Abstammungsgemeinschaft wachsen kann. Deshalb müssen beispielsweise die USA ein solches Gewese um nationale Symbole machen, deren Funktion es ist eine artifizielle Gemeinschaft herzustellen, die in der Realität nicht existiert. Ein paar Takte noch zu den Defaitisten unter den Kommentatoren. Ich arbeite selbst in der angeblich so internationalen Welt der IT. Gerade dort leiden viele unter den angeblichen Segnungen der Globalisierung. Ich habe selbst viel mit Indern zu tun. Das sind wie schon Raspail festgestellt hat, beileibe keine schlechte Menschen per se und ich hatte mit 2,3 von ihnen sehr interessante private Gespräche. Die Themen betrafen zumeist die Kultur, Sprache und am Rande religiöse Punkte. Sie waren meist sehr froh, daß man sich wirklich für ihre andersartigen Ursprung interessiert und sich z.B. mit dieser uralten indoarische Sprache Sanskrit beschäftigt, die im übrigen einige sehr bemerkenswerte Überschneidungen auch mit den Russischen hat. Tabar ist auf Sanskrit die Streitaxt und Topor ist Russisch die Axt. Trotzdem würde ich es bevorzugen vorwiegend mit Deutschen oder zumindest Europäern beruflich zu tun zu haben. Und dieses Gefühl teile ich mit vielen, die dies aber nur unter 4 Augen äußern. Im übrigen wissen die meisten Ausländer durchaus welches ihr Volk ist, nur ein Teil der Deutschen läuft mittlerweile orientierungslos durchs Gelände. Eine Bekannte meiner Frau, eine Albanerin, wollte die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen (also Bunzelbürgerin werden), hat mir aber unbewußt in einem Nebensatz zu verstehen gegeben, welches das Volk ihres Herzen ist. Es ist das albanische. Die Interessen ihrer Landsleute sind für sie von Bedeutung.  Die deutsche Staatsbürgerschaft hat nur einen rein funktionellen Charakter und eröffnet gewisse Vorteile. Ich kann diese Leute beim besten Willen nicht als meine Landsleute betrachten. Historisch betrachtet haben auch germanische Stämme gelegentlich Fremde von starker Rasse im Spenglerischen Sinn aufgenommen, aber hier wurde eine Vorleistung und Identifikation mit dem neuen Stamm erwartet. In geringer Zahl und bei Assimilationsvermögen und Assimiliationsleistung (vorab) des Aufzunehmenden ist eine solche Naturalisierung möglich. Das kann und darf aber kein Massenphänomen werden und sollte sich vor allem auf Europäer beschränken. Die sonstigen Folgen für Durchschnitts IQ, Charakter und Selbstverständnis wurden ja schon von anderen akzentuiert. Ich muß das jetzt nicht wiederholen, es reicht wenn ich es unterstreiche. Guten Abend!

    Nordlaender
    11. Januar 2017 22:04

    @ calculus

    "Vollkommen klar. Die hohe Kunst der Dekonstruktion macht's möglich! Sie sind ein wahrer Meister in diesem Hokuspokus!"

    Wenn ich lese, daß Derrida ein Rechter sein soll, bekomme ich auch Bauchschmerzen.

    Auf Konstruktion und Dekonstruktion will ich aber auf gar keinen Fall verzichten.

    Dekonstruktion, Beispiel I)

    Im Wahrheitsmedium wird kontrovers darüber diskutiert, wie erfolgreich die Integration bislang verlaufen ist. Soweit der Text. Was ist aber der Nichttext? Ganz einfach: Das Wahrheitsmedium spannt eine Integrationsmatrix auf, über Nichtintegration, das Nichthineinlassen von Nichteuropäern in unsere Länder soll nicht gesprochen werden.

    Medienkritik heißt für mich grundsätzlich: Was will mir der Dichter nicht sagen, wenn er mir etwas sagt.

    Dekonstruktion, Beispiel II:

    "Unsere Atheisten sind fromme Leute." (Max Stirner - Der Einzige und sein Eigentum)

    "Atheismus" läßt sich hier gut lesen als Universalismus/Menschismus/Eine-Welt-Humanismus 2017

    In Sachen Dekonstruktion mit das Wichtigste, was ich je gelesen habe. Gehe davon aus, daß Nietzsche Stirner von Stirner profitiert hat, ihn aber - womöglich aus einer gewissen Eitelkeit heraus, nie erwähnt hat. Für Stirner betreibe ich unentwegt Reklamen, obwohl mir dessen Idee des Vereins als eine Art libertäres Konzept ganz und gar gegen den Strich geht.

     

    Nordlaender
    11. Januar 2017 22:07

    @ Aristoteles

    "Dass Hintenrum-Völkermördern wie Wawerka und Meier hier das Wort gewährt wird, mir aber nicht, der ich mich für den Erhalt des Volks (der Völker) einsetze, das sagt viel aus."

    Grundsätzlich das Eigentumsrecht von Weltnetzseitenbetreibern ganz und gar anerkennend, möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich Ihre mit Herzensblut verfaßten Beiträge in diesem Themenstrang schon sehr vermißt habe.

    Pernille
    12. Januar 2017 00:10

    @ Meier Pirmin @ Der_Jürgen

    Eine umfassendere Deutung des berühmten Gedichtes und die Einordnung in Werk und Leben Grundtvigs, sowie in die dänische Geschichte, findet sich hier:

    Volk oder Völk? Grundtvigs Grundlegung

    Es wird auch Bezug zum Begriff des "völkischen" genommen und versucht, den Begriff "volklich" für die Debatte bereit zu stellen. Velbekomme!

     

    Nordlaender
    12. Januar 2017 00:25

    @ Waldgänger aus Schwaben

    "Von Sarkozy, der selber von ungarischen Adligen und sephardischen Juden aus Griechenland abstammt, kam der bemerkenswerte Satz:

    «Wer Franzose wird, hat die Gallier und Vercingetorix als Vorfahren.»"

    Als Nichtkonservativer füge ich mal dieses über Sarkozy ergänzend bei, bist du nicht willig ...

    "What is the goal. It's going to be controversial. The goal is to meet the challenge of racial interbreeding. The challenge of racial interbreeding that face us in the 21st. century. It's not a choice, it's an obligation. It's imperative. We cannot do otherwise. We risk finding us confronted with major problems. We must change; therefore we will change.

    We are going to change all at the same time. In business, in administration, in education,, in the political parties. And we will obligate ourselves as to results.

    If the voluntarism does not work for the Republic, then the State will move more coercive measures."

    Sarkozy, Palaiseau; 17.12. 2008

    calculus
    12. Januar 2017 03:58

    @Nordlaender

    Auf Konstruktion und Dekonstruktion will ich aber auf gar keinen Fall verzichten.

    Eigentlich bin ich mit Ihnen immer einer Meinung. Nun stelle ich dennoch einen kleinen Dissens fest. Mein Vokabular ist bereits mit Begriff vollständig. Wozu noch das das neumodische Konstrukt?

    Rumpelstilzchen
    12. Januar 2017 07:23

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten!

    Oscar Wilde

    KAB
    12. Januar 2017 07:27

    @DerJürgen

    danke für den wichtigen Hinweis zur Kommasetzung.  Dem geneigten Leser dürfte aufgefallen sein, dass die Darstellung der Umlaute auf die Verwendung eines SmartPhones beim Verfassen des Textes hinweist. Es ist leider so, dass ich um diese Uhrzeit quer durch das Ruhrgebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meiner Arbeitsstelle pendele und meistens auch durch die zwingend erforderlich Beobachtung meiner unmittelbaren Umgebung anscheinend zu sehr abgelenkt bin um den Ansprüchen der Sezession-Kommentar-Spalte gerecht zu werden.

    Dort vorort in der Realität muss man auch nicht zur eigenen Standortbestimmung und Selbstvergewisserung den Begriff des Volkes sezieren sondern stabil stehen und ab und an robust handeln :)

    Aristoteles.
    12. Januar 2017 08:52

    @Nordlaender

    Sellner ist Richter im Ring, absolut in Ordnung. Habe keine Rastalocken und würde auch nicht jeden in meine Wohnung lassen. Allerdings würde ich - ohne den Dialog zu verweigern - anders selektieren. Vielleicht war zu viel geistiger Sprengstoff in meinem Gepäck.

    Danke trotzdem für die Worte, sie waren etwas Balsam für eine geschundene Deutsche Seele.

    Ob der Hausmeister so freundlich wäre, uns gegenseitig die Elektro-Adressen zu vermitteln? Würde Ihnen meinen Beitrag zur internen Diskussion zusenden, da auch Sie vermutlich Einwände vorbrächten.

    Außerdem würde mich interessieren, wie Sie mit Ihrem Buch vorankommen: 'Unter Cuckservativen'.

    quarz
    12. Januar 2017 09:16

    Ich würde die Metaphysik weglassen. Erstens, weil dieses schlüpfrigeTerrain den Leugnern des Offensichtlichen allzu viele billige Fluchtgassen offenlässt. Und zweitens, weil sich die Realität ethnischer Gegenbenheiten bereits auf rein empirischer Basis gut argumentieren lässt. Man braucht lediglich das Zugeständnis, dass der Relationsbegriff "x weist zu y größere kulturelle Ähnlichkeit auf als s zu t" nicht extensionsleer ist (was ehrlicherweise niemand bestreiten kann; und den Unehrlichen kann man publikumswirksam demütigend offensichtliche Beispiele vor die Nase halten). Der Rest lässt sich logisch und sogar mathematisch in größerer Stringenz abhandeln als Martin Sellner zu hoffen bereit ist.

    Der_Jürgen
    12. Januar 2017 10:06

    @ Aristoteles

    Wir beide stimmen in entscheidenden Fragen überein, und ich schätze Ihren Intellekt und Ihren Patriotismus, aber wenn sie Thomas Wawerka und Pirmin Meier als "Hintenrum-Völkermörder" bezeichnen, frage ich Sie: "Geht es nicht auch eine Nummer kleiner?" In Ihrer Denkweise erinnern Sie mich an Horst Mahler, den ich ob seines Mutes und seiner Intelligenz sehr schätze, dessen monokausale Welterklärung ich jedoch für falsch und kontraproduktiv halte. 

    Meine scharfe Kritik an Ihren Formulierungen bedeutet nicht, dass ich Pirmin Meier zustimme, wenn er jene, welche die Bedeutung vererbter Intelligenz unterstreichen, des Sektierertums verdächtigt, oder wenn er das nationalsozialistische Deutschland der Jahre 1933 bis, sagen wir mal 1939, ausschliesslich nach den Morden vom 30. Juni/1. Juli 1934 beurteilt und es nicht für nötig hält, die gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften jener Jahre auch nur mit einem Wort zu erwähnen (so wie er Castros Revolution einzig und allein nach den - von niemandem bestrittenen - Hinrichtungen und Einkerkerungen Oppositoneller beurteilt, aber kein Wort über die grossen Leistungen auf dem Gebiet der Medizin und des Bildungswesens verliert). Meier ist im Grunde seines Herzens eher Liberaler als Konservativer und bringt es nicht fertig, das kollektive Interesse über das individuelle zu stellen. Ein "Hintenherum-Völkermörder" ist er deswegen aber noch lange nicht, wenn die Wörter noch eine Bedeutung haben.

    Zu Thomas Wawerka, den ich ebenso wie Pirmin Meier respektiere; er fragt: "Wer soll eigentlich die Hunderttausende in ihre Heimat zurückführen? Wer hätte die Kraft dazu?" Meine Antwort: Erstens geht es nicht um Hunderttausende von Zurückzuführenden, sondern um Millionen. Zweitens: Wenn keine nationale Regierung ans Ruder kommt, welche diese Rückführung durchführt - was schwierig und mit unvermeidlichen Härten verbunden, aber sehr wohl möglich wäre; wenn man den Immigranten kein Arbeitslosen- und Kindergeld mehr zahlt, gehen sie scharenweise freiwillig, besonders wenn sie dann noch eine Abfindung bekommen -, geht Deutschland unter. Wir haben die Wahl.

    Die Eierkuchen-ChristInnen a la Kässmann mögen uns tausendmal einreden, der Selbstmord sei unsere humanitäre und christliche Pflicht, aber ich erinnere daran, dass im 16. Jahrhundert, als das Denken noch nicht so korrumpiert war wie heute, ein Mann wie Erasmus, den man heute als Liberalen bezeichnen würde, die Berechtigung des Abwehrkampfes gegen den Islam ausdrücklich anerkannt hat. Mir ist Erasmus lieber als die unsägliche Tante Kässmann.

    @Pernille

    Muss die letzte Zeile von Grundtvigs Gedicht nicht heissen "Svar ei fattes i skoven" statt "Svar ei fattes skoven"? Ich habe im Internet nachgesehen und in mehreren Versionen die bei Ihnen fehlende Präposition "i" gefunden.

    @Winston Smith

    Dass ich mich zu der Dekonstruktionsdebatte und Derrida nicht äussere, liegt daran, dass ich Derrida nicht gelesen habe und auch kein Bedürfnis verspüre, ihn zu lesen. Die Zusammenfassungen seiner Dekonstruktionstheorie, die man im Netz findet, lassen für mich erkennen, dass er ein geistiger Hochstapler war, ein Geschwätzwissenschaftler im wahrsten Sinne des Wortes.

    Pernille
    12. Januar 2017 10:47

    @Der_Jürgen

    "Muss die letzte Zeile von Grundtvigs Gedicht nicht heissen "Svar ei fattes i skoven" statt "Svar ei fattes skoven"? Ich habe im Internet nachgesehen"

    Nein, natürlich nicht. Alles andere ist fake news. Wo surfen Sie denn? Ich finde nirgends was Sie sagen.

    Winston Smith 78700
    12. Januar 2017 10:49

    @ Aristoteles

    "Dass Hintenrum-Völkermördern wie Wawerka und Meier hier das Wort gewährt wird, mir aber nicht, der ich mich für den Erhalt des Volks (der Völker) einsetze, das sagt viel aus."

    Erklären Sie doch bitte, warum Wawerka und Meier das sind. Vielleicht weiß so einer das ja selbst nicht, hat etwa was übersehen. Womöglich haben Sie ja recht, aber wie soll man das dennn jetzt beurteilen? Wenn Ihnen das gelingt, dann haben Sie sich hiermit wiederum um den Erhalt des Volks eingesetzt. Wenn nicht, dann ebenso. Achten Sie halt darauf, dass man es auch ohne Blaulicht freischalten kann.

    Desprecio
    12. Januar 2017 11:51

    @ "Nordländer" /11.Jan., 22:07

    betr. Ihre Antwort auf "Aristoteles"

    Da ich fast schmerzhaft lernen mußte, in diesem Forum zwischen meinen "Brüdern im Geiste" und denen, mit denen ich besser nicht hinter den Barrikaden stehen möchte, um die Reste meines/unseres Deutschseins zu verteidigen, kann ich Ihnen hinsichtlich des Foristen "Aristoteles" nur zustimmen. Auch ich, der ich mich ohnehin nur sporadisch in diesem Forum bemerkbar mache, habe mich weitgehend zurückgezogen, beteilige mich aber weiterhin intensiv als Leser.

    Die Attacke eines Foristen vor etwas über einem Monat, der sich dahingehend äußerte, daß "er sich vor mir graue" (ich hatte mir erlaubt, eine aus meiner Sicht völlig berechtigte Kritik an den derzeitigen Kirchenführern zu üben, gab mir zu denken, wie weit diejenigen, die sich hier einbringen, überhaupt noch meine (!) Mindestanforderungen an konservatives und rechtes Denken erfüllen.

    Ich lese immer wieder, daß durch unsere Gesellschaft ein tiefer Riß geht. In diesem Forum ist für mich zu erkennen, daß unsere Seite des Risses noch mindestens zehn mal untereinander getrennt ist, von deren jeweiligen Verfechter die einen fast nichts mehr mit den anderen gemein haben.

    Pirmin Meier
    12. Januar 2017 12:48

    @Nordländer. Sei können die Sachen wie gewohnt und von Ihnen gern zitiert  bei "Wikipedia" nachschauen, was zwar bei meinen Schülern gewöhnlich noch nicht für eine genügende Note reichte. Ich muss Ihnen als Graecist, der griechische Literatur und Philosophie normalerweise im Original las, den Begriff des Barbaren hier nicht für Anfänger erklären und als politischer Philosoph auch nicht den Rassismus-Begriff, über dessen Widersprüchlichkeit im alltäglichen Geschwätz ich in der Schweiz bei der entsprechenden Volksabstimmung öffentlich debattiert habe. In der deutschen Literatur ist der Begriff des Barbaren bzw. der Barbarin nie tiefer behandelt als bei Grillparzers Argonautentrilogie mit Medea im Zentrum, was durchaus mit dem Österreicher Vielvölkerstaat zu tun hat. Falls Sie sich mit mir unterhalten wollen, kommen Sie vielleicht am 4. Februar ins Theater nach Darmstadt zur Premiere der von meinem Kollegen Kurt Steinmann neu übersetzten Orestie. Die Begrifflichkeit des Barbaren kommt auch bei Aischylos, Sophokles und besonders Euripides vor, sogar szenisch und insofern narrativ vor, als Bestandteil eben einer grossen Erzählung.

    PS. In der heutigen Nummer der "Weltwoche" hat Matussek einen umfangreichen in keiner Weise kritischen Artikel über die Identitären publiziert mit prima Foto des 24jährigen Martin Sellner unter dem Titel "Die mutigen Einzelnen".

    Dietrich Stahl
    12. Januar 2017 13:00

    „What is the goal. It's going to be controversial. The goal is to meet the challenge of racial interbreeding. […] It's not a choice, it's an obligation. It's imperative. […] If the voluntarism does not work for the Republic, then the State will move more coercive measures.“

    Danke @ Nordlaender! Genau diese Sätze kamen mir beim Beitrag über Sarkozy in den Sinn. Wenn man nicht ständig mitdenkt, daß der Großteil der führenden Politiker dieser Agenda verpflichtet ist, verliert man sich in deren Theatervorstellung. Die unteren Chargen spielen dasselbe Spiel, doch noch ohne die höheren Weihen [Einweihungen].

    @ deutschidentitärer

    „Gott, gib mir die Kraft die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Dinge zu akzeptieren, die mir unveränderlich sind und die Weisheit beides unterscheiden zu können.“

    Find ich überhaupt nicht kitschig. Leider geht mir oftmals diese angesprochene Weisheit ab. Dann will ich überzeugen. Man lernt.

    @ Stil-Blüte

    Ah, das Volk. Sie sind eine Poetin!

    Der_Jürgen
    12. Januar 2017 13:18

    @Pernille

    Erste Kolonne, gleich zu Beginn:

    http://www.grundtvig.dk/files/manager/pdf/20090917-folkeligt-skal-alt-nu-vaerepd.pdf

     

    der Gehenkte
    12. Januar 2017 13:21

     @ Nordlaender

    „Wenn ich lese, daß Derrida ein Rechter sein soll, bekomme ich auch Bauchschmerzen.“

    Muß man tatsächlich auch auf dieser Seite ”Ironie off” schreiben. Das wäre ein Grund, zu kündigen.

    Die kleine derridasche Grobschnitzerei war ein Versuch, ganz logisch und überhaupt nicht dekonstruktiv, aufzuzeigen, daß die Rechte gut daran tut, sich dieser Denkmethode anzunehmen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die Dekonstruktion enthält starke immanente konservative Elemente und die könnte man fruchtbar machen.

    @ Der Jürgen

    Dass ich mich zu der Dekonstruktionsdebatte und Derrida nicht äussere, liegt daran, dass ich Derrida nicht gelesen habe und auch kein Bedürfnis verspüre, ihn zu lesen. Die Zusammenfassungen seiner Dekonstruktionstheorie, die man im Netz findet, lassen für mich erkennen, dass er ein geistiger Hochstapler war, ein Geschwätzwissenschaftler im wahrsten Sinne des Wortes.“

    Auf gut Deutsch: Weil Sie es nicht kennen, ist es Quark. Damit bringen Sie die Auffassung eines Teils der Kommentatoren auf einen traurigen Punkt: Die Grenzen meines Verstehens sind die Grundlage meines Wertens. Das alte Problem der Setzung.

    ICH sage Ihnen: Derrida war kein Geschwätzwissenschaftler, auch wenn er mitunter geschwätzt hat – aber das ist auch Heidegger passiert - und auch wenn viele seine Gedanken als Freifahrtsschein für akademisches Gewäsch mißbraucht haben …

    Und wenn Ihnen das nicht genügt: Sloterdijk nimmt ihn noch immer ernst, Gadamer nahm ihn ernst, Paul de Man ist ohne ihn nicht denkbar, man kann Schmitt, Lübbe und Derrida zusammen denken usw.

    Mir scheint dieses Forum dient vielen Teilnehmern nicht der Horizonterweiterung, sondern der Selbstbespiegelung, Selbstvergewisserung und Selbstbestätigung. Und was nicht verstanden wird, gilt schnell als leeres Gerede.

    Pernille
    12. Januar 2017 13:36

    Der_Jürgen

    Ein Tippfehler des Kommentators - Gedicht finden Sie hier: http://danmarkshistorien.dk/leksikon-og-kilder/vis/materiale/nfs-grundtvig-folkeligheden-1848/

     

    Aristoteles.
    12. Januar 2017 14:07

    @Der_Jürgen

    Wer im derzeitigen gesellschaftlichen Kontext mit "ethnischem Zeugs" nichts anfangen kann oder nach neuen Solidargemeinschaften sucht, ohne das Deutsche Volk bis in Ewigkeit konservieren zu wollen (als ob sich die Konservativen neuen Arrangements grundsätzlich verweigern würden, DAS ist ja stets nur die totalitäre Unterstellung des Feindes!) - der trägt mit seinen Beiträgen zum Völkermord bei.

    Horst Mahlers Ansichten kenn ich nur auszugsweise, den Rest (Hegel) versteh ich kaum. Im Gegensatz zu ihm sehe ich in der Judenheit auch NICHT den Satan. Auch glaube ich, anders als Höcke, dass das Neue Testament nicht vom Alten zu lösen ist.

    Und schließlich ist mir die rein literale Bibellektüre suspekt. Wer nicht auch andere Perspektiven einnehmen kann oder will (historisch, allegorisch, eschatologisch) - dem fehlt nach meinem Dafürhalten ein spiritueller Zugang.

    Auch habe ich den Eindruck, dass viele Alt-Rechte die Ereignisse nicht ausreichend berücksichtigen, die sich vor über 2000 Jahren in Judäa abspielten. Wer diese in Bezug auf die aktuelle Politik nicht berücksichtigt, sieht schlicht zu kurz. Die Deutschen sollten sich mal fragen, ob ein Flavius Josephus nicht vielleicht mehr zum Erhalt des jüdischen Volkes beigetragen hat als ein Bar Kochba.

    Ich glaube auch, dass es unter Christen, Juden, Moslems, Freimaurern überall Gute und Schlechte gibt.

    Solange der Islam in Deutschland INSTITUTIONELL keine Wurzeln schlägt (Moscheen, Kopftücher für Beamtinnen usw.) habe ich vor einer Muslimin mit Kopftuch sogar mehr Respekt als vor einem Deutschen, der sich nicht öffentlich zu seiner Deutschen Religion und Kultur bekennt. (Wobei die Musliminnen einfacheres Spiel haben, da sie vom bunten Regime protegiert werden im Gegensatz zu denjenigen, die sich zum Deutschtum bekennen.)

    Ich sehe in Ihrer Kritik den Versuch, sich nach anderen Seiten offen zu halten. Absolut richtig. Nur muss man eben auch DAGEGEN HALTEN dürfen, sonst geht die Strategie des Gegners auf, nämlich eine Nebelkerze nach der anderen zu zünden und falsche Unterstellungen zu verbreiten.

    Was das Philosophische angeht, so ist ja sogar der junge Sellner schon weiter als der Schweizer Kauz, der immer wieder von Freiheit faselt. Klar streben wir nach größtmöglicher Freiheit, aber wer nicht auch vor der NATÜRLICHEN Notwendigkeit Demut zeigt - und dazu gehört der Respekt vor den VÖLKERN -, der macht sich des größtmöglichen Vergehens schuldig - der Hybris gegenüber Gott.

    Und was das Überleben des Deutschen Volkes angeht, so gibt es da eben eine Linie. Punctum.

    Nordlaender
    12. Januar 2017 14:26

    @ Meier Pirmin

    "Sei können die Sachen wie gewohnt und von Ihnen gern zitiert  bei "Wikipedia" nachschauen, was zwar bei meinen Schülern gewöhnlich noch nicht für eine genügende Note reichte. "

    Bote und Botschaft? Gibt es die deskriptiv vorgehende Wissenschaft der Wissensoziologie auch dann, wenn Wikipedia von dieser spricht?

    "Ich muss Ihnen als Graecist, der griechische Literatur und Philosophie normalerweise im Original las, den Begriff des Barbaren hier nicht für Anfänger erklären und als politischer Philosoph auch nicht den Rassismus-Begriff, über dessen Widersprüchlichkeit im alltäglichen Geschwätz ich in der Schweiz bei der entsprechenden Volksabstimmung öffentlich debattiert habe."

    Sehr geehrter "Herr" Meier, was Barbaren sind, ist mir bekannt. Meine Frage war jedoch, was denn "Barbaren" seien. Halten Sie Dekonstruktion per Gebrauch von "Diddelchen" etwa für seriös?

    Was ist denn an dem Rassismusbegriff, den Sie verwenden, nun widersprüchlich? kann ich nur beurteilen, wenn Sie Ihren Rassismusbegriff definieren. Zwingen kann und will ich Sie dazu nicht.

    Monika
    12. Januar 2017 14:27

    http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2017-2/artikel/die-mutigen-einzelnen-die-weltwoche-ausgabe-22017.html

    Danke, Herr Meier, ein Hoch den mutigen Einzelnen!

    Nordlaender
    12. Januar 2017 14:36

    @ calculus

    "Eigentlich bin ich mit Ihnen immer einer Meinung. Nun stelle ich dennoch einen kleinen Dissens fest. Mein Vokabular ist bereits mit Begriff vollständig. Wozu noch das das neumodische Konstrukt?"

    Begriffe sind soziale Konstrukte. Wozu? Weil Konstrukte konstruktiv sind. Wenn allerdings bestimmte Konstrukte der Gemeinschaft schaden, dann sollte man sich des Werkzeuges der Dekonstruktion bedienen.

    Und aus Wahrheitsliebe. Hinter die erkenntnistheoretischen Vorlagen eines Kant und eines Schopenhauers will ich nicht zurückgehen.

    @ der Gehenkte

    "Muß man tatsächlich auch auf dieser Seite ”Ironie off” schreiben. Das wäre ein Grund, zu kündigen."

    Nicht nur das. Dererlei Stillosigkeiten gehörten empfindlich abgestraft. Meine Aussage zu Derrida ist im Nachhinein als gescheiterter Versuch anzusehen, zwischen Ihnen und dem geschätzen Mitforisten "calculus" eine Brücke zu errichten.

    Winston Smith 78700
    12. Januar 2017 14:37

     @ quarz

    Sie wollen also natürliche Grenzen dort festlegen, wo sich wenige Exemplare (Funktionswerte?) aufhalten, wie analog bei Landesgrenzen in Gewässern oder auf Bergeshöhn. Nette (wenngleich letztlich nihilistische) Idee mit so einer Metrik ... aber wie wollen Sie diese Funktion denn ohne Metaphysik definieren - die vielen Variablen (z.B. Essgewohnheiten) und deren Gewichtung und Zusammenhang? Was etwa ist wichtiger: Essgewohnheit oder Sprache oder Religion oder Moralvorstellung, und in welchem Verhältnis stehen sie? Gibt es höherwertige kulturelle Merkmale? Metaphysik als Lehre von der Ordnung der Welt durch Begriffe muß man (und kann man vielleicht) doch auch nicht loswerden, solange man sie in den exoterischen Texten (etwa Wahlkampfreden) verständlich und elegant erklärt und terminologisch nicht dick aufträgt.

    Nordlaender
    12. Januar 2017 14:49

    @ Aristoteles

    "Danke trotzdem für die Worte, sie waren etwas Balsam für eine geschundene Deutsche Seele."

    Da nich' für. Habe mitgelitten, weil Erinnerungen an alte Zeiten in mir aufgetaucht sind. Betreutes Debattieren im SPIEGEL-Forum vor x Jahren. Lustige Sache, wenn man nur einen von drei Beiträgen durchbringt. Muß aber ausdrücklich sagen, daß meine Wenigkeit diese schmerzlichen Erfahrungen auf der sezession erfreulicherweise nicht wiederholen mußte.

    "Ob der Hausmeister so freundlich wäre, uns gegenseitig die Elektro-Adressen zu vermitteln? Würde Ihnen meinen Beitrag zur internen Diskussion zusenden, da auch Sie vermutlich Einwände vorbrächten."

    Diesem Wunsch an die Moderation schließe ich mich an, meine e-Postadresse darf gerne an den Genossen Aristoteles weiterleitet werden.

    "Außerdem würde mich interessieren, wie Sie mit Ihrem Buch vorankommen: 'Unter Cuckservativen'."

    Haufenweise Blätter, Vorentwürfe. Was für ein pöhse Überschrift! Als durchgehend sanfter und lieber Zeitgenosse habe ich dem Buch den Titel "Unter Konservativen" gegeben.

    Meier Pirmin
    12. Januar 2017 14:56

    _derjürgen. Ich habe in der Aargauer Zeitung, es wurde aber leider nur im Regionalteil veröffentlicht, einen langen differenzierten Nachruf auf Fidel Castro geschrieben, ihn nicht nur als ehemaligen Jesuitenschüler dargestellt, sondern tatsächlich die bildungspolitischen und anderen Fortschritte gewürdigt. Sie können bei mir das Studium der Literatur stets voraussetzen, auch der Castro-freundlichen, z.B. von Frei Betto, dem Theologen, dessen Buch "Nachtgespräche mit Fidel" Freunde von mir vor 30 Jahren szenisch im Kurtheater Baden gebracht haben. Als Geschichtslehrer, ebenfalls damals, liess ich meine Schüler das Kapitel "Leistungen" von Sebastian Haffner lesen, sie wissen sehr wohl, welche Leistungen damit gemeint sind. Merkwürdigerweise erhielt ich nach 2000, bei einem Rektorenwechsel, an meiner Schule keine Geschichtspensen mehr, konnte mich jedoch als Philosophielehrer immer noch sehr gut "ausleben". Über Derrida habe ich Schüler natürlich geprüft, doch gab es neben dem Dekonstruktivismus auch den Konstruktivismus, das Wichtigste war und blieb aber die Logik, auch als Basis für ontologische Grundbegriffe. A propos Heidegger: Laut seinem Freund Emil Staiger, meinem Germanistikprofessor in Zürich, waren Studien wie "Sein und Zeit" und "Der Spruch des Anaximander" für Studenten ohne Griechischkenntnisse nicht vorgesehen. Heidegger war in diesem Sinn enorm elitär und eigentlich für Nationalsozialisten wirklich nicht geeignet. 1934 sagte er dann seine Vorlesung über den Staat ab und las "Logik", was er stark im Hegelschen Sinn verstand und nicht etwa im analytischen Sinn etwa in der Art von "Winston Smith", den ich im übrigen von allen in diesem Blog einschliesslich der Autoren als den bestqualifizierten Logiker und Analytiker einschätze. Ich glaube, dass Sloterdijk von ihm methodisch noch was lernen könnte...

     

    Heidegger: "Das Schicksal des Abendlandes hängt an der Übersetzung des Worten '0n'"  (Griechisch für "seiend") möglicherweise im Sinne von "Seyn". Regelmässig trat Heidegger in den Zolliker Seminarien des Psychoanalytikers Medard Boss auf, zu denen ich freilich damals als Student nicht zugelassen war.   

    Winston Smith 78700
    12. Januar 2017 14:59

     @ quarz

    Sie wollen also natürliche Grenzen dort festlegen, wo sich wenige Exemplare (Funktionswerte?) aufhalten, wie analog bei Landesgrenzen in Gewässern oder auf Bergeshöhn. Nette (wenngleich letztlich nihilistische) Idee mit so einer Metrik ... aber wie wollen Sie diese Funktion denn ohne Metaphysik definieren - die vielen Variablen (z.B. Essgewohnheiten) und deren Gewichtung und Zusammenhang?

    Extensional geht nicht, das ist zirkulär: dann sind die Grenzen da, wo sie eben sind, denn sie sind dort, wo sich extensional (!) wenige "kulturell ähnlich" sind - und was bitte soll das jetzt wieder bedeuten, außer daß primitiv die einen "Deutsche" wären und die anderen eben nicht, ohne weitere Erklärung, warum und was das bedeten soll, weil ja "extensional".

    Was etwa ist wichtiger: Essgewohnheit oder Sprache oder Religion oder Moralvorstellung, und in welchem Verhältnis stehen sie? Gibt es höherwertige kulturelle Merkmale? Metaphysik als Lehre von der Ordnung der Welt durch Begriffe muß man (und kann man vielleicht) doch auch nicht loswerden, solange man sie in den exoterischen Texten (etwa Wahlkampfreden) verständlich und elegant erklärt und terminologisch nicht dick aufträgt.

    Nordlaender
    12. Januar 2017 15:00

    @ Desprecio

    "In diesem Forum ist für mich zu erkennen, daß unsere Seite des Risses noch mindestens zehn mal untereinander getrennt ist, von deren jeweiligen Verfechter die einen fast nichts mehr mit den anderen gemein haben."

    Schwierig, schwierig, schwierig zwischen Konservativen und Rechten. Wohin der Kurs nun gehen soll, obliegt alleine dem Willen der Betreiber dieser Weltnetzseite, ich bin lediglich Gast.  Habe ich mich vor einiger Zeit noch immer wieder darüber gefreut, daß sich hier so verschiedene Welten begegnen dürfen, bin ich in den letzten Wochen nur noch besorgt über eine Kluft, die sich aus meiner Sicht drohend vergrößert. Auf einiges ausgesprochenes Entweder-Oder (Nationalismus ja oder nein z.B.) hätte ich liebend gerne verzichtet.

    Oder schärfer formuliert: Haben sich einige Konservative vielleicht hoffnungslos in den zentralen Begriflichkeiten des feindlichen Kulturmarxismus verheddert?

    Winston Smith 78700
    12. Januar 2017 15:18

    @ quarz

    Eine extensionale (!) Feststellung der kulturellen Ähnlichkeit würde nur über eine Volksabstimmung oder repräsentative Umfrage über jeden einzelnen Kandidaten zur Volkszugehörigkeit (also prinzipiell über jeden Menschen auf der Erde). Erste theoretische Probleme: wer darf abstimmen - ist das damit nicht schon zirkulär? Und welche Eigenschaften des Kandidaten führen Sie den Stimmberechtigten vor - steckt hier nicht wieder die metaphysische Variablenauswahl drin?

    Winston Smith 78700
    12. Januar 2017 15:47

    @ Mod: Danke fürs Freischalten der Antwort an Quarz. Diese macht aber wegen der Bezugnahme auf die Variablenauswahl  nur Sinn, wenn Sie die vorherige auch freischalten oder meinetwegen zusammenpasten. Das ar der Text:

     @ quarz

    Sie wollen also natürliche Grenzen dort festlegen, wo sich wenige Exemplare (Funktionswerte?) aufhalten, wie analog bei Landesgrenzen in Gewässern oder auf Bergeshöhn. Nette (wenngleich letztlich nihilistische) Idee mit so einer Metrik ... aber wie wollen Sie diese Funktion denn ohne Metaphysik definieren - die vielen Variablen (z.B. Essgewohnheiten) und deren Gewichtung und Zusammenhang?

    Extensional geht nicht, das ist zirkulär: dann sind die Grenzen da, wo sie eben sind, denn sie sind dort, wo sich extensional (!) wenige "kulturell ähnlich" sind - und was bitte soll das jetzt wieder bedeuten, außer daß primitiv die einen "Deutsche" wären und die anderen eben nicht, ohne weitere Erklärung, warum und was das bedeten soll, weil ja "extensional".

    Was etwa ist wichtiger: Essgewohnheit oder Sprache oder Religion oder Moralvorstellung, und in welchem Verhältnis stehen sie? Gibt es höherwertige kulturelle Merkmale? Metaphysik als Lehre von der Ordnung der Welt durch Begriffe muß man (und kann man vielleicht) doch auch nicht loswerden, solange man sie in den exoterischen Texten (etwa Wahlkampfreden) verständlich und elegant erklärt und terminologisch nicht dick aufträgt.

     

    Winston Smith 78700
    12. Januar 2017 15:53

    @ Mod.:  Entschuldigung, jetzt erzeuge ich Kuddelmuddel. aber ich habe mich ja schon gebessert.

    In dem Kommentar von 14:37 fehlt ein Absatz in der Mitte. Kurz darauf habe ich einen Kommentar mit diesem eingefügten Absatz nachgeschoben. Der von 14:37 isz also obsolet. Vielleicht kriegen Sie es ja hin. Dies ist wohl einer der interessantesten Stränge überhaupt auf SiN, also gänzlich überall überall.

    marodeur
    12. Januar 2017 16:13

    der Gehenkte:

    "Mir scheint dieses Forum dient vielen Teilnehmern nicht der Horizonterweiterung, sondern der Selbstbespiegelung, Selbstvergewisserung und Selbstbestätigung. Und was nicht verstanden wird, gilt schnell als leeres Gerede."

    Man könnte entgegnen, dass einige Teilnehmer die reine Scholastik über die lebensnahen Themen stellen, dabei vor allem Gleichgesinnte suchen und gradlinige Fragen oder Widerspruch von vermeintlich horizontarmen Foristen als geradezu obszön empfinden.

    Ich persönlich bin immer sehr stolz, wenn der politische Gegner uns verächtlich "die einfachen Lösungen" zuschreibt. Von den Sezessionisten konnte ich lernen, dass es hinter diesen klugen und lebensnahen Einsichten philosophische tiefgründige Welten zu entdecken gibt. Dabei beherrschen die Sezessionisten die Kunst des Exkurses, ohne dass man sich belehrt fühlt oder gar zwischendurch den Faden verliert (insbesondere in der Printausgabe). Meine Einschätzung: Einige Foristen erreichen zwar eine ähnliche Tiefe, aber nicht den klugen Zirkelschlag zurück ins Leben, während andere Teilnehmer immer wieder erfolgreich zwischen den Welten vermitteln.

    Das Ganze ist als als Gegenrede zum Kommentar oben zu verstehen. Das Niveau der Kommentarspalten kann gerne so wunderbar gemischt bleiben, wie es ist.

    Frieda Helbig
    12. Januar 2017 16:40

    Auch ich möchte mich zu Wort melden und meinen Vorrednern zustimmen, daß der Umgangston hier sich nicht zum Besseren entwickelt. Gerade Sellners letzte Artikel sind kontrovers und vielleicht auch provozierend (Stichwort Schlachten Heiliger Kühe), aber das empfinde ich durchaus als bereichernd und vor allem geistig herausfordernd. Dennoch sollten Sellner und seine Fans wissen, daß solche Artikel Widerspruch bzw. Widerrede hervorrufen. Genauso wie ich Sellners Artikel ernst nehme und versuche zu durchdenken, sollten auch seine Anhänger die Gegenrede ernst nehmen, durchdenken und respektieren. Immerhin geht es hier nicht darum, wer Recht hat oder gewisse Dinge vermeintlich am Besten weiß oder gar wer die meisten Bücher gelesen hat, sondern um Deutschland!!! Ständig beklagen wir uns über die mangelnde Gesprächs- bzw. Diskussionskultur der Linken, bekommen es hier aber selbst nicht ohne Anfeindungen auf die Reihe. Zumal es sich hier um ein öffentliches Forum handelt und daher der Gegner sicher mitliest. Also welches Bild wollen wir nach außen abgeben? Stark, vereint, kameradschaftlich und dennoch zum offenen Diskurs fähig? Oder ein zerstrittenes und daher weniger ernst zunehmendes? Denn noch ist doch nichts erreicht, um Richtungskämpfe zu führen!!! Oder habe ich die Grenzschließung und das Remigrationsprogramm und zuvor die Abwahl dieser volksfeindlichen Regierung verpaßt? 

    In diesem Sinne fand ich @Rumpelstilzchens Zitat sehr treffend. Entweder man führt hier eine vernünftige und vom gegenseitigen Respekt geprägte Debatte oder man hält lieber einfach mal den Mund...

    Meier Pirmin
    12. Januar 2017 16:57

    Eduard Stäuble: Rasse und Rassismus, Katastrophenbegriffe des 20. Jahrhundert, Zürich 2000 (nicht im Netz abrufbar), einer der bedeutendsten Beiträge zur Versachlichung der Rassismus-Debatte.

    @Nordländer. Fragen Sie mal meinen Jahrgänger Sloterdijk, ob er mit Ihnen auf Wikipedia-Basis über seine Begriffe mit Ihnen diskutieren will. Dass ich angeblich meinen Begriff von Rassismus  selber für widersprüchlich halte, zeigt vor allem, dass Sie nebst der verwiesenen Fachliteratur auch das nicht lesen, was man hier schreibt. Es wäre vielleicht besser, Sie würden, wie angedeutet, endlich mal etwas zu Verantwortendes mit wissenschaftlichem Anspuch unter Ihrem Namen publizieren  als ständig mit Zeugs zu kommen, das Sie nicht selber, und zwar ausserhalb des Netzes, auch erarbeitet haben. @-Meine Antwort an @_derjürgen betr. Bildungspolitik in Kuba, worüber ich mal einen Aufsatz publiziert habe, und die von Sebastian Haffner gewürdigten "Leistungen" des deutschen Regimes bis 1939  (was ich als Lehrer behandelte und sogar prüfte) wurde mutmasslich deswegen nicht geschaltet, weil ich bei der ebenfalls geführten Debatte um Derrida auf einen ausgewiesenen Wissenschaftstheoretiker unter unseren Blog-Teilnehmern verwies,  was  gewiss nicht als Fremd-Outing gemeint war, zumal ich nur sein Pseudonym auf diesem Blog nannte. Das war aber vermutlich bereits zu viel, so dass für die Nichtschaltung Verständnis aufzubringen ist. Immerhin: Es beteiligen sich hier Leute, die tatsächlich wissenschaftliche Leistungen erbracht haben und bei dem, was sie mitteilen, nicht auf Wikipedia angewiesen sind. Natürlich muss nicht jeder Debatter ein Wissenschaftler sein, nicht wenige beeindrucken durch beträchtliches Erfahrungswissen.  

     

    Paule
    12. Januar 2017 19:50

    Hallo @Nordlaender,

     "Haben sich einige Konservative vielleicht hoffnungslos in den zentralen Begriflichkeiten des feindlichen Kulturmarxismus verheddert?"

    Die Frage stellt sich mir auch. Wir berauschen uns in Wortgeklingel und der Diskussion philosophische Techniken die im Zweifelsfalle in der tatsächlichen Auseinandersetzung über die Zukunft unseres Volkes nicht weiter helfen, sondern eher die Wahrheit der Dinge verschleiert, verschleiern sollen.

    Damit wären wir wieder bei Martin Sellers Frage: Volk – Aufgabe oder Konstrukt?

     

    Diese Fragestellung impliziert die Fragen für wen ist das Volk Aufgabe und für wen Konstrukt und die Frage warum es gerade jetzt eine Frage ist, zu einer Frage gemacht worden ist.

    Meine Antwort darauf habe ich in meinem ersten Beitrag versucht darzustellen. Das Volk ist keine Aufgabe und auch kein Konstrukt. Es ist Existenz!

    Das Volk ist eine Organisationsform von souveränen(!) Menschen (Barbaren und freien(!) Griechen) als Ergebnis der Selbstorganisation dieser, um im Existenzkampf, genannt Leben, effektiver abzuschneiden.

    Die ausgeformten und lebendigen Traditionen, die Sprache, Kultur, also die Art wie Problemlösungsstrategien bewertet und zur Problemlösung eingesetzt werden, sind Instrumente um den Existenzkampf des Volkes als einer Gemeinschaft von gleichberechtigten Gleichverpflichteten, aber nicht Gleichen, sicherzustellen.

    Das sich daraus ergeben Organisationsprinzip ist die Demokratie. Jedem gleichberechtigten Gleichverpflichteten eine Stimme, die er mit Loyalität gegenüber der Gemeinschaft nutzt.

    Das Prinzip dabei ist die freiwillige Loyalität gegenüber der Gemeinschaft, genannt Volk.

    Diese Loyalität geht über das Leben hinaus bis zum Einsatz desselben im Interesse des Volkes und durch biologische aber auch materielle Vererbung an die eigen, engen Nachfahren, aber auch an die erweiterte Nachfahrenschaft.

    Die biologische Komponente unterstützt durch Vererbung, in den Genen und der Epigenetik bestimmter, förderlicher Ausprägungen der physischen und intellektuellen Fähigkeiten der Individuen des Volkes, diese Selbstorganisation.

    Die materielle Vererbung an die eigenen Nachkommen ist offensichtlich die an die erweiterte erkennt man am materiellen und geistigen Reichtum der Gemeinschaft. (Man könnte auch formulieren: Sind die Straßen gut geflickt ist die Gemeinschaft gut gestrickt oder Brennt das Licht in der Schule helle ist die Elite an der richtig stelle.)

    Das der Mensch als Einzelner nicht überlebensfähig ist, ist jedem intuitiv bewusst. Jeder Mensch kann die Seinen instinktiv erkennen und das mit gutem Grund.

    Daraus ergeben sich für mich zwei Schlussfolgerungen.

    1.) Das Volk existiert.

    2.) Nur das Volk kann und wird, in dem es lebt, also im Existenzkampf, entscheiden wer dazu gehört.

    Damit sind wir bei der Frage hinter den Fragen.

    Wer oder was will den dem Volk sich Selbst vergessen machen? Warum will er das tun?

    Wie macht er es?

    Was tun wir dagegen?

    Ich bin sicher das Volk lebt, ist vital und wehrt sich. (Erkennbar am Packgeschrei.)

    Leisten wir also unseren Beitrag, benenn wir die Volksnegierer und die Volksauflöser mit ihren Helfern und Helferlein, nennen wir ihre eigensüchtigen Motive, und beschreiben wir die „Paradiese“ dieser falschen Propheten, als das, was sie sind, kulturelle Wüsten, Sklavenställe für die Völker, Totenäcker für die Familien, Folterkeller für die souveränen Menschen und sexuelle Perversion für ihre Kinder. Ohne Hoffnung auf Flucht oder Entkommen, da dieses „Paradies“ weltweit errichtet werden soll.

    Es ist unser vornehmstes Recht und unser heilige Pflicht, wenn wir loyal zum Volk stehen.

    quarz
    12. Januar 2017 21:43

    @Winston

    Ich nehme die (komparative) Gesamtähnlichkeit als Grundbegriff und nicht als Begriff, der definitorisch auf Ähnlichkeiten in dieser und jener spezielleren Hinsicht beruht. Das geht logisch und ist auch auf verschiedenen Feldern durchexerziert worden (z.B. von Carnap in phänomenalen oder von David Lewis in metaphysischen Gefilden). Dafür muss man nicht einmal epistemische Priorität unterstellen, es reicht die organisatorische Rolle im theoretischen Gerüst.

    Aber es ist auch vom Erkenntnisaspekt durchaus naheliegend. Wenn ich beurteilen soll, ob das Gesicht von A dem seines Zwillings B oder dem von Angela Merkel ähnlicher ist, dann sage ich nicht: "Moment, da muss ich erst mal die Größe der Ohren oder die Neigung der Mundwinkel etc.  vermessen, um mir ein Urteil bilden zu können", sondern das empirische Urteil ist denkbar spontan.

    Ebenso kann ich die kulturelle Gesamtähnlichkeit von geographischen Grundeinheiten, sagen wir: Dörfern, gut ohne analytische Umwege bewerten. Um erkennen zu können, dass Schliersee zu Tegernsee eine größere kulturelle Gesamtähnlichkeit aufweist als zu einem Dorf in Zimbabwe, genügt ein kurzer Aufenthalt, bei dem ich das Leben in diesen Orten ohne spezifisch analytische Hintergedanken auf mich wirken lasse.

    Durch Erfahrungen dieser Art werden Sätze, in denen vergleichend größere Gesamtähnlichkeit festgestellt wird, empirisch untermauert. In ihnen wird etwas über die kulturelle Realität ausgesagt. Grundsätzlich verweigert wird die Zustimmung oder zu solchen Urteilen meiner Meinung nach nur von Leuten, die entweder trotzig originell sein wollen oder von Agenten im Dienst einer übergeordneten Ideologie. Im Grunde seines Herzens gibt das jeder zu.

    Um den Bogen von diesem Grundsachverhalt zu Aussagen über die Existenz von Völkern zu spannen, bedarf es dann nur noch der logischen Regulierung der begrifflichen Einschränkungen, aus denen dann ein quantitatives Ähnlichkeitsmaß durch ein Repräsentationstheorem gewonnen werden kann. Der Rest ist Clusteranalyse.

    Natürlich gibt es einen gewissen Spielraum um die Eindeutigkeit, aber der ist für die meisten einschlägig zur Debatte stehenden Fragestellungen genauso irrelevant, wie es der Spielraum einer Nutzenfunktion für die Feststellung der Bedingungen für die Nutzenmaximierung ist.

    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kryptisch.

    Meier Pirmin
    12. Januar 2017 22:40

    @Monika. Ich halte Ihre Beiträge stets für weiterführend und fast immer lehrreich. Wie wichtig der überragende christliche Thomist und klare Stilist Josef Pieper für die philosophische Auseinandersetzung auch innerhalb der deutschen Rechten zur Zeit ihres grössten Dilemmas wurde, beweist die Tatsache, dass im Sommer 1934 Ernst Jünger, der sich noch zur Ermordung der Frau Schleicher äusserte, Carl Schmitt das Büchlein von Josef Pieper "Vom Sinn der Tapferkeit" schickte, das ihm Schmitt dann allerdings ohne Kommentar wieder zurücksandte. In der "Rassenfrage" setzte sich Jünger von Hans Friedrich Karl Günther ab, indem er sich aber dann auf den Biologen Friedrich Mertenschlager (1892 - 1968) berief, der in Sachen "Rassenvermischung" unorthodoxe Ansichten hegte. Noch wichtig sind für die Zusammenhänge mit der Konservativen Revolution Hugo Fischer (1797 - 1875), der Jurist und Zeitschriftenherausgeber Friedrich Hielscher (1902 - 1991) und der evangelische Theologe Heinrich Oberheid (1895 - 1977), der sich aber dann im Gegensatz zum bald mal kirchlich gemassregelten Katholiken Carl Eschweiler (1886 - 1936) nach der Röhmgeschichte vom politischen Engagement zurückzog. Nicht zu vergessen Conrad Weiss (1880 - 1940), ferner der ungefähr gleichaltrige Peter Wust, christlicher Existenzphilosoph.  Diese Zusammenhänge sind nachzulesen bei Heimo Schwilk, in Mohlers Standardwerk zur Konservativen Revolution und am besten im Briefwechsel Jünger - Carl Schmitt. Letzterem ist dort zugutezuhalten, wiewohl nicht wenige Briefe unterdrückt scheinen, dass er zeitlebens jüdische Kapazitäten, nicht nur Gerschom Scholem, sogar auch Walter Benjamin, durchaus vorurteilsfrei zu zitieren in der Lage war. Jünger hielt indes fast nichts von Ludwig Wittgenstein, weil er, ähnlich wie Heidegger, aber auch Reinhold Schneider, immer noch Hoffnungen auf eine posthegelsche Metaphysik setzte. Diese Zusammenhänge sind nach Möglichkeit mit Konsultation von Originaltexten in den Diskurs einzubringen. Wie gesagt wird ein Denker wie Josef Pieper nicht nur bei den Rechten, bei denen er im Prinzip nicht einzugmeinden ist, sondern auch bei den "Katholen" heute ordentlich unterschätzt. Sie, @Monika, verfügen hier über einen beeindruckenden Überblick, für den Herr Sellner im Einzelfall noch zu jung ist.

    calculus
    13. Januar 2017 04:38

    Abschließend möchte ich mich nun doch noch einmal zu Wort melden, etwas persönlicher, etwas näher am Thema.

    Der Begriff Volk ist für mich persönlich am besten erfaßt durch einen Film, den ich als Sechsjähriger im Kino gesehen habe und dessen Bilder mir zeitlebens im Kopf sind: Die Heiden von Kummerow.(https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Heiden_von_Kummerow_und_ihre_lustigen_Streiche).

    Nicht nur der Begriff an sich, sondern auch wie eine Gesellschaft idealerweise organisiert sein sollte: in einer Balance linker (repräsentiert duch Gottlieb Grambauer, Martins Vater) und rechter (repräsentiert Pastor Breithaupt) Kräfte.

    Dieses Jahr habe ich mir den Film zu Weihnachten geschenkt. Die Bilder haben ihren Glanz nicht verloren. Vielleicht nur etwas unzeitgemäß produziert. Offenbar war das die erste gesamtdeutsche Produktion, von daher war der Film zeitnah im DDR-Kino.

    Heutzutage besteht die Balance zwichen links und rechts nicht mehr, sondern sie ist gnadenlos nach links gekippt. Zunächst einmal muß diese Balance wiederhergestellt werden, daran gibt es keinen Zweifel.

    Was mich jedoch an der Disskusion, zumindest in diesem Strang, irritiert, ist der Umstand, daß Leute, die sich als rechts sehen, kulturmarxistische, also linke, Begriffe mit der Muttermilch aufgesogen zu haben scheinen und mit Klauen und Zähnen verteidigen.

    In diesem Zusammenhang muß ich Ihnen gestehen, daß ich als dummer Ossi bis vor wenigen Jahren (2012) noch nie etwas von Dekonstruktion gehört hatte. In dem Jahr bin ich von einer ausländischen (ukrainischen) Jurastudentin gefragt worden, ob ich ihr mal erklären könne, was Dekonstruktion bedeute, und ich mußte ihr gestehen, daß ich das Wort bis dahin noch nie gehört hatte, aber ich wolle mich schlau machen. Was ich entdeckt habe, hat mich am Westen zweifeln lassen, nicht zum ersten Mal:

    Der Begriff ist per Itention nicht definiert! Aber alle reden darüber! Des Kaiser neue Kleider lassen grüßen, in Reinkultur! Herr Sellner studiert Jura. Vielleicht mußte er auch mal eine Semesterarbeit über Dekonstruktion schreiben. Von daher verstehe ich auch, wenn er den Begriff Volk neu konstruieren will. Das ist sicher auch sinnvoll, wenn er all die Verführten aus dem Dunkel holen will. Aber ich bin sicher nicht seine Zielgruppe: 1) bin ich ein alter Ossi und lehne diesen westlichen Schwachsinn sowieso komplett ab, 2) bin ich sowieso dreißig Jahre zu alt, um zu seiner Zielgruppe zu gehören.

    Meier Pirmin
    13. Januar 2017 08:25

    Über Hugo Fischer. Er lebte natürlich zwischen 1897 und 1975, nicht hundert Jahre zuvor, wie von mir versehentlich geschrieben. Der Philosoph, 1926 aufgrund einer Arbeit über Hegels Methode habilitiert, stand dem linken Flügel der sog.  Konservativen Revolution nahe, besonders Nikisch. Ernst Jünger hat ihn als "Magister" und "Nigromontan" in Romanform verewigt. Fischer lernte Jünger um 1925 kennen, wurde ihm zum philosophischen Lehrer, schriftstellerischen Anreger und gelegentlichem Reisebegleiter. Fischer hat gemäss Kommentar zum Briefwechsel Jünger-Schmitt "von dem Frontsoldaten-Nationalismus weggezogen, hat seinen Blick auf die Problem der internationalen Moderne gelenkt und hat wohl auch die Bekanntschaft zwischen Jünger und Schmitt vermittelt; mit Schmitt brach er 1937 wegen dessen positiver Einstellung zum Nationalsozialismus. Der Druck von Fischers wichtigstem Buch 'Lenin der Machiavell des Ostens' wurde 1933 eingestellt". Fischer war, wollen wir ihn etwas klischeehaft einschätzen, ein rechter Nationalbolschewist. 1949 bot ihm die DDR einen Lehrstuhl in Leipzig an, doch kehrte er erst 1956 auf Dauer nach Deutschland zurück. 1957 wurde er in München zum ausserplanmässigen Professor ernannt und nach "Wiedergutmachungsgesetz" besoldet. Wohl einer der wenigen Dissidenten von 1934, die "Wiedergutmachung" kriegten. Natürlich ist es sowohl für die nötige Kritik wie auch für potentielle Anschlussmöglichkeiten für Nichtlinke mit geistigen Ansprüchen von Relevanz, sich mit der Konservativen Revolution zu beschäftigen. Für mich persönlich wurden vor gut 50 Jahren vor allem Hugo von Hofmannsthal und Reinhold Schneider wichtig, dessen Tagebuch 1930 - 1935, im Insel-Verlag erschienen, ein Dokument der Konservativen Revolution ist. Ich finde es indes gut und von langfristigem Orientierungswert, dass sich Sellner und andere seiner Weggefährten mit der Konservativen Revolution befassen. Es dürfte aber aus kulturpolitischen Gründen schwierig werden, für dieses Thema an einer heutigen Universität einen Lehrstuhl zu bekommen. Es müsste immerhin der Versuch einer Dissertation und anschliessenden Habilitation, vgl. Hugo Fischer, gewagt werden. "Bewusstseinsveränderung" findet auf lange Sicht nun mal nicht auf der Strasse statt.

    Nordlaender
    13. Januar 2017 09:02

    @ Meier Pirmin

    "Fragen Sie mal meinen Jahrgänger Sloterdijk, ob er mit Ihnen auf Wikipedia-Basis über seine Begriffe mit Ihnen diskutieren will."

    Nein. Wer samma denn? Ich fragte Sie, ob Sie die Wissenschaftssoziologie für existent halten, obwohl Wikipedia von dieser berichtet.

    Französischer Philosoph A. L. C. Destutt de Tracy (1754-1836): Ideologie = a) an eine soziale Gruppe, eine Kultur o. Ä.  gebundenes System von Weltanschauungen,  Grundeinstellungen u. Wertungen; b) weltanschauliche Konzeption, in der Ideen der Erreichung politischer u. wirtschaftlicher Ziele dienen. (DUDEN/ Das große Fremdworterbuch)

    "Dass ich angeblich meinen Begriff von Rassismus  selber für widersprüchlich halte, zeigt vor allem, dass Sie nebst der verwiesenen Fachliteratur auch das nicht lesen, was man hier schreibt."

    Ich schrieb dieses:

    "Was ist denn an dem Rassismusbegriff, den Sie verwenden, nun widersprüchlich? kann ich nur beurteilen, wenn Sie Ihren Rassismusbegriff definieren. Zwingen kann und will ich Sie dazu nicht." (Nordlaender)

    "Ihre" war wohl zu salopp formuliert. Besser: Was ist denn an dem Rassismusbegriff, auf den Sie sich beziehen, widersprüchlich? Ihre Aussage kann ich nur beurteilen, wenn Sie die Definition mitteilen."

    "Es wäre vielleicht besser, Sie würden, wie angedeutet, endlich mal etwas zu Verantwortendes mit wissenschaftlichem Anspuch unter Ihrem Namen publizieren  als ständig mit Zeugs zu kommen, das Sie nicht selber, und zwar ausserhalb des Netzes, auch erarbeitet haben. "

    Vielleicht mal etwas über Sophistik. Jemand klagt, das gerade beim Bäcker erworbene Brötchen sei alt und pappig. Ein Schlosser, der nie das Bäckerhandwerk erlernt hat. Was schließen Sie daraus?

    Winston Smith 78700
    13. Januar 2017 09:20

    Entschuldigung nochmal an alle wegen des vorherigen Saustalls in meinen Kommentaren.

    @ quarz

    Selbst wenn jeder Mensch jeden Menschen kennen würde - oder zumindest genügend von ihnen innerhalb einer Häufung, aber dann doch jeden an der Peripherie, und selbst wenn das rechnerisch zu machen wäre: sie können diese Gesamtheit, die sich auch noch ständig ändert (Zeit und Veränderung der Grundmenge sind ja auch einer der Haken bei Carnap, der einen Menschen annimmt, der das halbe Leben erst gedankenlos wahrnimmt und danach nur noch denkt),  praktisch nicht erheben, zugänglich machen.

    Jemand, der für die Existenz eines Volks argumentiert, kann sich auf so eine Gesamtheit und ihre Erhebung natürlich berufen wie auf eine Möglichkeit: "Würde man" ... "Könnte man"  ... alle Menschen befragen, so hätte man recht klare phänomenale Grenzen. Oder als unzugängliche Gegebenheit:  In Wahrheit wissen wir alle in der Summe (bzw. als Gesamtheit) doch nur zu gut ... und die tradierten Grenzen geben diese Gesamteit aller Urteile wieder ("wie" ein Summenvektor, ein resultierender Stoß aus vielen Billardkugeln etc.).

    Die Frage ist nur, wie weit man mit der Bezugnahme auf so eine Idee oder gar Fiktion oder Gedankenexperiment argumentativ kommt. Irgendwann muss man vor Massen sprechen und auch für Massen argumentieren, in denen sich natürlich auch Fieslinge finden, die jede Schwäche nutzen werden und dabei selbst nicht auf die Konsistenz ihrer Angriffe achten. Ob da eine fiktive Erhebung besser ankommt als eine metaphysische Idee?

    Meier Pirmin
    13. Januar 2017 09:22

    @Calculus. Das mit der Balance zwischen Links und Rechts, wiewohl man sich darüber nie Illusionen machen durfte, haben Sie im Hinblick auf eine nicht existierende Diskurskultur wohl treffend gesehen. Unterschätzen Sie sich nicht!  Die Anfänge des Konstruktivismus und der Dekonstruktion liegen schon Generationen zurück, da können Sie sich nicht einfach selbstironisch hinter dem dummen alten Ossi verschanzen. Ich fürchte, die Ossis haben sich seinerzeit auch nicht mit dem Marquis de Sade befasst, einem "Dekonstruktivisten" der ganz besonderen Sorte. Und politisch schon gar nicht mit dem Neoliberalismus in der Art von Hayek, den man ja auch kennen sollte, ehe man ihn ablehnt, das gilt zumal für die Mainstreamlinke der Gegenwart.

    Nordlaender
    13. Januar 2017 09:28

    @ Paule

    "Damit wären wir wieder bei Martin Sellers Frage: Volk – Aufgabe oder Konstrukt?"

    Selbstverständlich beides. Der Kulturmarxismus muß gänzlich dekonstruiert werden, ein bißchen Gemecker über die sogenannte Politische Korrektheit reicht ganz und gar nicht aus. Leider begreifen viele nicht, wie sinnvoll Konstrukte wie z.B. hier Volk sein können.

    "Das Volk ist keine Aufgabe und auch kein Konstrukt. Es ist Existenz!"

    Richtig, Existenz, das negiert aber weder Konstrukt noch Aufgabe.

    "Das der Mensch als Einzelner nicht überlebensfähig ist, ist jedem intuitiv bewusst. Jeder Mensch kann die Seinen instinktiv erkennen und das mit gutem Grund."

    Soziobiologisch besehen ist der einsame Wolf (Radikalindividualismus) ein Verlierermodell. Das Gewinnermodell ist der Gruppenegoismus, der ideologische Zusammenhalt einer partikulären Gruppe, die unterhalb der nur rein abstrakten Gesamtgruppe der sogenannte Menschheit liegt.

    Problem: Die Frage wird gestellt, was denn ein Mann sei. Ist jemand überhaupt noch ein Mann, wenn er erklärt, warum er ein solcher ist? Beim Begriff Volk sehe ich das nicht viel anders. Mit dem Instinkt steht und fällt alles. Ist der nicht mehr da, ist nichts mehr zu retten.

    "Wer oder was will den dem Volk sich Selbst vergessen machen? Warum will er das tun?"

    Der Verfassungspatriot, Anhänger des Konzeptes der Willensnation, sieht den homo sapiens als ein rationales Wesen, übersieht quasi physisch vorgeschaltete Bindungen, die zugleich nichtrationale, gefühlsmäßige sind, aber evolutionär besehen doch wieder zutiefst sinnvolle. Das letzte verbliebene heilige Ritual der Liberalen in der Moderne ist der Vertrag zwischen autonomen Individuen. Ein Konstrukt, das die Schicksalsgemeinschaften Familie und Volk negiert.

     

    Monika
    13. Januar 2017 09:41

    @Pirmin Meier

    Danke für die Blumen. Da Sie Reinhold Schneider erwähnen, möchte ich an Joseph Rossé erinnern, Elsässer und Regionalist, Gründer des Verlages Alsatia in Colmar.

    Rossé verlegte Reinhold Schneider und hatte Kontakt mit dem Deutschen Widerstand ( Colmarer Kreis). Reinhold Schneider schrieb über Rossé: "Er hat unendlich viel Gutes gewirkt, ohne davon zu sprechen".

    Tragischerweise ist diese elsässische Kulturverwandtschaft zum deutschen Widerstand verloren gegangen. Das Elsassbild wird bis heute von Jaques Watz (Hansi) geprägt, einem Feind des Deutschen.

    Siehe dort:

    https://www.noth.net/elsass/hansi%20joseph%20rosse.htm

    Hier wäre ein Fundstück durch den Verlag Antaios näher zu betrachten !

    Dietrich Stahl
    13. Januar 2017 11:00

    Wege zur Wahrheit gibt es mindestens so viele wie es Menschen gibt. Und keiner ist besser oder schlechter als der andere – das gilt für Mensch und Weg. Stellen Sie sich eine Karikatur vor:

    Zuoberst ein Buch, Autor A. Schmidt - Titel: Philosophie von allem.

    Daneben drei Bände, B. Müller, C. Schulz, D. Wegner - Titel jeweils: Über die Philosophie von A. Schmidt.

    Daneben 20 Bänder verschiedener Autoren - Titel: Was Müller, Schulz, Wegner et al. über die Philosophie von A. Schmidt schreiben.

    Wie es mit Karikaturen so ist, trifft auch diese einen Punkt, überzeichnet ihn aber. Originäres Denken ist selten. Philosophie ist ein wichtiger Weg. Aber nicht der einzige. Eine Hausfrau ohne akademische Bildung und Interessen kann ein tieferes Verständnis haben als viele Akademiker. "Man sieht nur mit dem Herzen gut."

    Viele Foristen hier haben einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund. Andere nutzen vor allem das Internet, um sich ihr Bild zu machen. Davon neigt wiederum ein Teil zu alternativen Erklärungen von Zusammenhängen, die diffamierend mit Aluhüten in Zusammenhang gebracht werden. Denn gibt es wiederum einige, die die verschiedenen Wege zur Information und als Inspiration nutzen. Bis auf die Trolle, die ab und an zu provozieren suchen, eint alle ein Band der Verbundenheit mit dem deutschen Volk, der Heimat und dem Vaterland. Respekt vor der Sichtweise und Meinung des anderen ist unabdingbar.

    Meier Pirmin
    13. Januar 2017 12:17

    @ Monika. Joseph Rossé. Das mit dem christlichen Widerstand, den man nur bedingt und aus klar nachträglicher Perspektive so genannt hat, ist das Eine. Jämmerlich und schändlich bleibt, dass Rossé nach dem Zweiten Weltkrieg im Elsass von der rachsüchtigen französischen Politik erledigt wurde, auch das Gefängnis von innen sah, dabei war er zur Kriegszeit der einzige, der eine deutsche Bibel druckte. Er verlegte im Elsass  viel, was im eigentlichen Reich nicht zu drucken war, sozusagen "streng illegal", wie Reinhold Schneider es zwar etwas übertrieben nannte. Alle diese Tätigkeit war ohne bedeutende Anpassungsleistungen an die Wiedereroberer des Elsass nicht zu machen, und selbstverständlich musste Rossé auch Goebbels Konzessionen machen. Für dies alles wurde er nach dem Krieg auf läppische Weise bestraft. Da nützte es nicht einmal, dass sich Albert Schweitzer für ihn verwendete. 1942 veröffentlichte Rossé ein hoch eindrucksvolles Buch mit dem Titel "Stimme des Abendlandes", ein Beleg dafür, dass Wesentliches der nachträglichen Kritik am 3. Reich auch innerhalb desselben formuliert und gedruckt werden konnte, wenn man es nur wagte. So der Text von Reinhold Schneider: Die Schuld der Geistigen, Alsatia Verlag, Kolmar 1942.

    "Mit der Schuld des Handelnden verbindet sich die der Geistigen, die noch schwerer wiegt, weil sie statt an der Wirklichkeit an deren Gesetzen geschieht; es wird keine Schuld der Tat begangen ohne die Vorarbeit, den Beifall und die  Reue des Geistes. Und wenn auch der Geistige meist nicht so schnell vor Gericht gezogen wird wie der Täter, den das in Gang gesetzte Räderwerk der Wirklichkeit sofort wieder erfasst, so muss er doch vor der Geschichte die grössere Verantwortung tragen:"

    So muss man schreiben gegen den Zeitgeist, bei einem Verleger, der dann bald dafür ins Gefängnis kommt. Und natürlich musste und muss auch Schuld erörtert werden, aber jenseits von billigem und oftmals instrumentalisiertem Schuldkult. Was Entschuldigungen betrifft, so sollten sich alle Politiker und Politikerinnen immer zuerst für ihre eigenen Fehler entschuldigen. Das galt und gilt zum Beispiel auch für Mitglieder der durchaus achtbaren Familie Weizsäcker. Carl Friedrich von Weizsäcker und Reinhold Schneider standen sowohl während des Krieges als auch danach in direkter Auseinandersetzung miteinander.

    quarz
    13. Januar 2017 12:34

    @Winston

    Ich verstehe nicht alles, was Sie geschrieben haben. Einen Punkt greife ich heraus.

    Um für die reale Existenz eines außerhalb des konstruierenden Bewusstseins bestehenden Kollektivs zu argumentieren, ist es nicht notwendig, jedes Mitglied dieses Kollektivs und dessen präzise Beziehung zu den übrigen Mitgliedern aus eigener Wahrnehmung zu kennen.

    Es genügt zu zeigen, dass gewisse, konstituierende Relationen real gegeben sind (und sei es nur an einem einzigen Beispiel) und dann das Kollektiv als Gesamtheit dessen zu definieren, was durch dieses relationale Geflecht zusammengehalten wird. Damit ist diese Gesamtheit als real existierend etabliert.

    Ein einfaches Beispiel. Jemand behauptet, Ahnenreihen seinen nur ein Konstrukt und nicht etwas, das real existiert. Ich verweise darauf, dass es für die Relation "x ist ein Elternteil von y" ein Beispiel gibt: Johann Sebastian Bach ist Elternteil von Carl Philipp Emanuel Bach. Dann definiere ich eine Ahnenreihe als abgeschlossene Erweiterung dieser Relation zu einer Relationskette. Ich muss nicht jede Person in dieser Kette kennen, geschweige denn ihr persönlich begegnet sein, aber ich habe jedem die reale Existenz von Ahnenreihen nachgewiesen, der mein Beispiel anerkennt.

    Paule
    13. Januar 2017 14:48

    Hallo @Nordländer,

    wir verwenden die gleichen Begriffe aber jeweils unterschiedliche Aspekte derselben.

    Wenn ich Aufgabe oder Konstrukt für das Volk verneinte, dann in dem Sinne das ich das Volk für keine Aufgabe und auch kein Konstrukt für/von Personen außerhalb des Volkes halte.

    Natürlich ist das Volk im philosophisch/sozialwissenschaftlichen Sinne ein gedankliches Konstrukt, als Objekt der Betrachtung und Beschreibung seiner Prozesse, Funktionen, Teile oder seiner inneren und äußeren Wechselwirkungen – das aber, so glaube ich, ist nicht das Anliegen der Fragestellung.

    Wenn man im Leben also, außerhalb gelehrter Stuben oder Türme oder Politiker- und Propagandabüros, über das Volk spricht, ist das entscheidende das, dieses Volk eine nicht zu verleugnende Tatsache, eine vorhandene Organisation, ein Macht- und Überlebensfaktor ist.

    Es ist für Fragesteller keine Aufgabe, keine erwünschtes oder gefordertes Ziel das er durch tätig werden erreichen muß, eher ist es so, das das Volk Aufgaben für die Volksangehörigen erledigt, und es ist auch kein Konstrukt da es eben durch den Fragesteller nicht Konstruiert oder dekonstruiert werden kann, da es bereits existiert.

    Zu ihren Problem: Was ist der Mann, und wenn wie lange.

    Ich stimme ihnen zu die Antwort liegt auf der gleichen Ebne. Und doch gibt es einen Unterschied.

    Die Frage nach der Definition des Mannes, kann man wieder der theoretischen- philosophisch/sozialwissenschaftlichen oder sozialbiologische Betrachtung unterwerfen, ich kann sozusagen den Käfer aufspießen und unter das Mikroskop legen, in diesem besonderen Falle, also Mann, kann ich ihn auch befragen. Das ändert aber immer noch nichts an seiner Existenz und auch nicht sein Verständnis von sich selbst und von anderen – ganz genau wie auch das Volk.

    Also kann genauso wie das Volk, der Mann nur sich selbst zum Mann erklären.

    Wenn man darüber nachdenkt (in der warmen Stube), wie das Volk, der Mann funktioniert, zeigen sich die wirklichen Unterschiede darin das eine ist ein Einzelwesen, das andere eine Gruppe. So wie also das Volk mit dem vorhanden Prozesse, Funktionen, Teile und seine inneren und äußeren Wechselwirkungen zum höheren (effektiveren) strebt und dabei ganz bestimmte Ausprägungen annimmt, also zum z.B. zum Deutschen Volk wird, so wird der Mann eben zu einer der beiden möglichen Spezifika des Einzelwesen der Art Mensch.

    Ob, der durch tätiges Handeln gewordene Mann, eine hinreichend effektive Form des Mannes ist, erfährt er über die äußeren Wechselwirkungen mit dem anderen Geschlecht, der engeren Familie oder der weitern, also dem Volk; auch das analog zum Volk.

    Der Mann hat, genauso wie die Frau, wie das Volk eine Aufgabe zu erfüllen: die Fortpflanzung und dadurch die Sicherung der Nachkommen, der Gene, also die Sicherung des Ergebnisses von vielen Generationen Anstrengung im Lebenskampf.

    Nur mit dem Instinkt, im Sinne von angeborenen, zwanghaften Reflex habe ich ein Problem.

    Der Mensch hat sie, er braucht sie als Waffe im Kampf des Lebens, aber er hat im Bestreben der Effektivierung im Lebenskampf Techniken und Problemlösungsstrategien entwickelt, die besser (effektiver) wirken als Instinkte - Kultur und Zivilisation, Wissenschaft und Organisationsformen wie Familie, Sippe und Volk.

    Deshalb bin ich gerne Deutscher und das nicht nur, weil ich als Deutscher geboren, sondern auch weil unser Volk eines der ältesten auf der Welt noch existierende ist.

    Gibt es einen besseren Beweis, dass unsere Vorfahren sehr viel richtig gemacht haben?

    Freundliche Grüße Paule

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