Sezession
16. März 2010

Verteidigungsrede eines Kollaborateurs

Gastbeitrag

I. Vor dem Kriege.

Ich bin immer Nationalist und Internationalist zugleich gewesen.
Internationalist nicht auf pazifistische und humanitäre Weise; nicht Universalist, sondern im Rahmen Europas. Schon mit meinen ersten Gedichten aus den Schützengräben und Lazaretten der Jahre 1915 und 1916 habe ich mich als französischer Patriot und als europäischer Patriot ausgewiesen.
Den Haß irgendeinem Volk gegenüber habe ich stets abgelehnt. Meine ersten Gedichte waren überschrieben: „Klage der europäischen Soldaten“, „Für euch, Deutsche“ („Ich hasse euch nicht, doch ich trete euch entgegen mit der ganzen Kraft meiner Waffen“).
Nach dem Kriege bin ich so geblieben, ich kümmerte mich um Frankreich, sein Wohlergehen, seinen Ruhm, und zugleich setzte ich meine Hoffnung in den Völkerbund. Ich habe zunächst geglaubt, der Kapitalismus könnte sich durch sich selbst erneuern, dann habe ich auf diese naive Gläubigkeit verzichtet und mich von 1928 oder 1929 an als Sozialist betrachtet. Meine Bücher „Frankreichs Bewährung“, „Genf oder Moskau“, „Europa gegen die Vaterländer“ beweisen die Beharrlichkeit dieses zweifachen Empfinden, das neben einem regsamen, gottlob reicht kritischen Geist vorhanden war.
Alle Parteien in Frankreich habe ich zur Genüge studiert und bin dahin gelangt, sie zu verachten. Weder die alte Rechte noch die alte Linke gefielen mir. Ich habe daran gedacht, Kommunist zu werden, doch das nur aus Verzweiflung. Ab 1934 fanden meine Zweifel und mein Zaudern ein Ende. Endgültig gebrochen mit der alten Demokratie und mit dem alten Kapitalismus habe ich im Februar 1934. Als aber die Volksfront außer den Radikalen und den Sozialisten auch die Kommunisten aufnahm, zog ich mich zurück. Gern hätte ich die Demonstranten vom 6. Februar mit denen vom 9. zusammengebracht, die Faschisten und die Kommunisten.
Diese Verschmelzung glaubte ich 1936 bei Doriot zu finden. Endlich trafen sich Rechte und Linke. Ich war enttäuscht vom französischen Pseudo-Faschismus, wie andere enttäuscht waren von der Volksfront. Doppeltes Fiasko, von dem das alte im Sterben liegende, aber immer noch schlaue Regime profitierte.
Was ich mit Doriot und meinen Kameraden von der Französischen Volkspartei unternehmen wollte, war dies: Ein starkes Frankreich schaffen, das vom Parlament und von den Kongregationen frei wäre und stark genug, England ein Bündnis aufzuzwingen, in dem Gleichheit und Gerechtigkeit herrschten. Frankreich und England sollten sich an Deutschland wenden und mit Einsicht und Festigkeit Verhandlungen einleiten; wir sollten Deutschland Kolonien geben oder es auf Rußland zuschieben. Zu gegebener Zeit hätten wir in den Konflikt eingreifen können.
Als Doriot wie ein ganz gewöhnlicher La Rocque gescheitert war, befanden wir uns in einer mißlichen Lage. Nach dem Münchener Abkommen, für das ich freudlos und mit Geringschätzung eintrat, verließ ich Doriot, zog mich in mein Arbeitszimmer zurück und wartete auf die Katastrophe.
39 und 40 hatte ich von den Vorgängen eine klare Vorstellung; ich wußte, daß in Frankreich die von einem Franzosen ausgelöste Revolution unmöglich war. Eine Revolution konnte nur von außen kommen. Ich glaube es jetzt noch, doch 1940 schöpfte ich Hoffnung gegen jede Wahrscheinlichkeit.


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