Sezession
1. Dezember 2008

Zur Moral des Bombenkrieges

Gastbeitrag

Fritze stellt zu Beginn seines moralphilosophisch angelegten Essays richtig fest, das Thema halte Fallstricke bereit. Er versucht denen er aber dadurch zu entgehen, daß er ausdrücklich die „unbestrittene" politische und moralische Hauptverantwortung Deutschlands für die „europäische Komponente des Ereignisses Zweiter Weltkrieg" anerkennt. So rückversichert, geht er dann aber auf überraschend erfrischende Weise an die heiklen Themen, wie „legitime Kriegsziele", „Warum eine Allianz mit Stalin?", „ungültige Rechtfertigungsgründe" und andere mehr. Er legt dabei die geltenden Maßstäbe der Vereinten Nationen an und nennt als legitimen Kriegsgrund nur die Selbstverteidigung und die Hilfe für angegriffene Dritte. Auch dabei dürfe der Einsatz kriegerischer Mittel bloß die Wiederherstellung des Rechts zum Ziel haben, sei also nach Art und Umfang begrenzt. Der Vernichtungskrieg zur Ausschaltung eines potentiellen Gegners oder wirtschaftlichen Konkurrenten ist demnach keinesfalls gerechtfertigt.
An dieser Stelle offenbart ein Blick in Stichwortregister und Literaturverzeichnis das Fehlen des Namens Carl Schmitt. Das überrascht, muß aber insofern kein Schaden sein, als Schmitts vielfach zutreffende und teilweise zynische Analyse der Politik des westlichen Imperialismus es gelegentlich nicht vermeiden konnte, von Sein auf Sollen zu schließen. Genau dort hört die Moral bekanntlich auf, und es ist durchaus erfrischend zu lesen, wie Fritze einen Moralessay zur Zeitgeschichte verfaßt hat, der letztlich die einseitigen Schuldzuweisungen in bezug auf den Zweiten Weltkrieg in ihrer Gesamtheit untergräbt. Dem Autor ist dabei bewußt, daß sein Versuch, Machtpolitik unter moralischem Gesichtspunkt zu beleuchten, „manchem ‚Realisten‘ als abwegig erscheinen" muß. Den Vorwurf der Relativierung von Verbrechen nimmt er offen an und bezeichnet ihn als Mißverständnis. Wenn sowohl Täter als auch Opfer Schuld auf sich geladen hätten, relativiere sich der Unterschied zwischen Täter und Opfer, stellt er fest: „Und dies sollte man auch nicht vermeiden wollen!" Die Schuld des Täters wird dadurch seiner Ansicht nach nicht geringer. Ob mit diesen feinen Maßstäben die heute verbreiteten Irrtümer über ein genozidales Jahrhundert wie das zwanzigste korrigiert werden können, bleibt fraglich.


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