10. Oktober 2011

Waren wir mal "Kameraden", Lorenz Jäger?

von Götz Kubitschek / 45 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Es ist ein Freitagabend im Spätsommer: Ich sitze mit einigen Leuten bei Jüterbog vor der Dorfkneipe und trinke Bier. Auf dem Feld rodet ein übertrieben großes Gefährt Kartoffeln, das Land ist flach, der Boden wird in langen Staubfahnen vom Wind erodiert. „Hier fehlen Hecken, hier fehlen Alleebäume, Windbremsen, die den Abtrag verhindern“, sage ich. „Bleib mir mit Deinem grünen Gewäsch vom Leibe“, sagt einer. „Ökofritze, Vollidiot.“

Er darf so sprechen, er darf mich gleich duzen, ich erfahre es später, er ist Großbauer und in der CDU. Er ist nicht konservativ, nicht rechts, sondern einer von denen, die aus der Ackerkrume ein totes Substrat gemacht haben, zwanzig Leuten in den Kuhställen und auf den Feldern Arbeit geben und neu gepflanzte Bäumchen ebenso plattwalzen wie Differenzierungen und Argumente, die ihnen im Wege stehen. CDU: Das ist für diese Leute das Pragmatische, das Technokratische, das Wirtschaftsfreundliche.

Lorenz Jäger muß solche Leute gemeint haben, als er am 5. Oktober in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sein „Adieu, Kameraden, ich bin ein Gutmensch“ rief und damit aller Öffentlichkeit signalisierte, daß er fortan „nicht mehr unter Rechten“ sein wolle. Vielleicht saß er mit einem solchen Bauern zusammen, der irgendwie rechts wirkte, während einer der Traktoren am Feldrain jede Vielfalt zu Tode spritzte. Jäger hat sich aus dem Gespräch gemerkt, daß man gegen den Atomausstieg und für die landwirtschaftliche Fleisch- und Milchfabrik sein muß, wenn man „rechts“ ist, natürlich für den Irakkrieg und gegen die Grünen (und eine weitere, von der Tagesstimmung abhängige Anzahl von „Vollidioten“).

Und leider hat Jäger beim Blick auf den Wahlkampf des CDU-Abweichlers René Stadtkewitz die Binsenweisheit nicht begriffen, daß man auf Wahlplakaten und in Bierzelten nicht Adorno auslegen, sondern die Hoffnungen und Ängsten der Wähler mit ein paar griffigen Vokabeln bespielen muß, um Prozentpunkte einzufahren.

Diesen totgespritzten Parteien-Feldrain präsentierte Jäger den Lesern seines Feuilletons nun als das Gesamtbiotop rechter Daseinsäußerungen in Deutschland. Das ist ein starkes Stück, denn er weiß, daß es anders ist: Gegen jede Wahrscheinlichkeit und gegen die geballten Erziehungsbemühungen einer nicht-rechten, nicht-konservativen Lehrer-, Politiker- und Publizisten-Generation gibt es eine artenreiche, rechte Landschaft in Deutschland – Lorenz Jäger kennt sie genau, zumal er selbst eines der feinen Gewächse dieses Milieus nicht nur beschnuppert, sondern auch gegossen hat.

Dieses Gewächs ist der Karolinger Verlag mit Sitz in Wien, Jäger hat dort zwei Bücher verlegen lassen, Bücher über zugegebenermaßen ein wenig abseitige Themen. Sie befinden sich bei Karolinger jedenfalls in guter Gesellschaft, sie stehen neben der „Bibliothek der Reaction“, und Karolinger ist zudem jener Verlag, der für ein deutsches Publikum den elitären Geheimtip Nicolás Gómez Dávila entdeckte. Auch Martin Mosebach verlegte dort bereits, und ehrlich: Hat es ihm geschadet?

Man sollte mit dem „rechten Milieu“ so verfahren wie mit allem Organischen: es von einem Zentrum her zu den sich verwischenden Rändern hin beschreiben. Dieses Zentrum erfaßt man am besten, indem man den von Gottfried Benn beschriebenen „Orangenstil“ anwendet: Fruchtstück um Fruchtstück ist die Orange um die weiße, zähe Wurzel, den Phänotyp, angeordnet und auf ihn bezogen.

Diese Wurzel: das ist das Historische, die daraus zu erfassende konkrete geschichtliche Lage des konkreten deutschen Volkes jenseits aller Utopien; das ist die Frage nach der Lebens- und der Meinungsvielfalt; die gute rechte Toleranz, der „nichts menschliches fremd ist“, die den Mensch als „riskiertes Wesen“ (Arnold Gehlen) für erziehbar hält, aber von jedem Experiment hin zum „neuen Menschen“ die Finger läßt; die Beschreibung des Daseins als Dienst (Claus von Stauffenberg); der Stolz auf das Eigene und die Pflicht, es zu verteidigen; der Respekt vor dem Schicksal, und gerade deshalb ein trotziges „Man tut was man kann“; das Ordnungsdenken, das Ernstfalldenken (Carl Schmitt), die Verantwortungsethik, das „in der Lage leben“, das Leistungsprinzip.
Test

Fruchtstücke? Nur ein paar, exemplarisch:
+ der DDR-geborene Thorsten Hinz, der in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ Gesellschaftsdeutungen von großer prognostischer Kraft vorlegt und den manche Entwicklungen, die unser Land nimmt, an seine Erfahrungen hinter der Mauer erinnern. Hat Kamerad Jäger in der FAZ dessen "Psychologie der Niederlage" besprochen, oder die "Literatur aus der Schuldkolonie"?;
+ der Historiker Karlheinz Weißmann mit seinem Werk. Er hat beispielsweise eine „Kurze Geschichte der konservativen Intelligenz nach 1945“ vorgelegt und darin einen rechten Resonanzraum aufgespannt, in dem sich selbstverständlich ein Lorenz Jäger tummelt;
+ das „Institut für Staatspolitik“, das Jahr für Jahr hunderte Studenten zu seinen Akademien versammelt und in dem der Geschäftsführer Erik Lehnert jüngst einen Band über die „Schlüsselwerke“ konservativer Denker herausgegeben hat;
+ die „Junge Freiheit“ um den Blattgründer Dieter Stein, bei dem Lorenz Jäger jene „Sehnsucht nach Maßstäben“ hätte befriedigen können, wenn er denn je gründlich gelesen hätte;
+ Martin Lichtmesz, der hier im Netz-Tagebuch grandiose Traktate über „unsichtbare Gegner“ oder die „verschleppte Gewalt“ veröffentlicht, demnächst ein Buch mit Essays des norwegischen Bloggers Fjordman herausgibt und bei alledem ständig ein Metathema bearbeitet: die Hilflosigkeit des warnenden Intellektuellen vor der verantwortungslosen Politik, die in unserem Land fast alles geschleift hat, was zur „Verteidigung des Eigenen“ noch taugen könnte.

Von Lichtmesz, den ich, seit ich ihn kenne, neben mir in den Trümmern der deutschen Identität wühlen höre, zurück in den Abschiedstext von Lorenz Jäger. Er schreibt dort:
„Nein, ich bin nicht mehr dabei, please count me out. Es war eine schöne Zeit, diese vergangenen zehn Jahre unter Rechten, ich gestehe es. Vor allem aber war sie bequem.“

Das möchte ich mir einrahmen: Daß es bequem war bei uns. Und ich werde folgendes in den Bilderrahmen ritzen: „Bequem war es für Jäger nur, weil er nie wirklich bei uns war.“

Jäger hat den Ernst der Lage nie begriffen, er hat unseren Ernst nie begriffen und hat die weiße, zähe Wurzel der Orange nie freigelegt: jene Überzeugung, daß es für uns Deutsche ein „Wir“ und ein „Nicht-Wir“ gebe (mit aller Unschärfe an den Rändern und allen historischen Einverleibungen wiederum!), und daß die große, nationale Aufgabe darin bestehe, dieses Wir in Form zu halten, es durchzuhalten und dafür zu sorgen, daß unsere Leute eine deutsche Zukunft haben.

Unser Land ist dabei, diese Selbstverständlichkeit zu verspielen, und es ist nicht Lorenz Jäger, der zuerst darunter zu leiden haben wird. Der Publizist Michael Paulwitz (noch solch ein Orangen-Fruchtstück von rechts) hat jüngst ein Buch über „Deutsche Opfer, fremde Täter“ vorgelegt: Warum fehlt einem Jäger die Empathie, sich „Junge Männer auf Feindfahrt“ (Frank Schirrmacher) vorzustellen? Er müßte doch nur einmal den Stadtteil in Frankfurt wechseln.

„Lachen konnte man immer“, schreibt Jäger. Ja worüber denn, „immer“? Natürlich, er saß mit uns in Gesprächen voller „magischem Realismus“ (Ernst Jünger). Ich hoffe aber, er hat nie heimlich gelacht, wenn er sich von mir erzählen ließ, wie das so ist, wenn man ein rechtsintellektuelles Verlagsprogramm macht und eine Zeitschrift führt – mit der Pflicht, jedem Autor, der noch etwas mit sich vorhat, ein Pseudonym zu empfehlen.

Jetzt jedenfalls, „nach Sarrazin“, jetzt, wo die Wahrnehmung einsetzt, weil die Wirklichkeit sich in den Bereichen Bildung, Überfremdung, Geschlechterpolitik, Demographie, Staatskrise so entwickelt, wie wir Rechtsintellektuellen es seit Jahren prognostizieren: Jetzt plötzlich sieht Jäger, daß nicht alles Spielerei und Melancholie, ein bißchen Davila und ein bißchen Kulturkritik war. Und jetzt versucht er – aus welchen Gründen auch immer – die Artenvielfalt im rechten Milieu als eine Magerweide aus Kleinstparteien, amerikanischen Blogger und Stimmenfangniveau darzustellen.

Wir treiben unsere Projekte ins Unbequeme hinein weiter, mit einem für Jäger nicht nachvollziehbaren Kontakt zu denjenigen, für die das Leben kein intellektuelles mal hier, mal da ist, sondern vor allem „das Gewicht der Wirklichkeit“. Der nun Scheidende würde uns diese Anstrengungsbereitschaft gerne absprechen. Wir waren nie "Kameraden", und es ist schade für Lorenz Jäger, daß er nie wirklich dabei war: Es geht jetzt nämlich erst los.
Test

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (45)

Beseelt
10. Oktober 2011 05:51
Wie wäre es wenn Sie Herr Kubitschek alle Kritiker durch Taten widerlegten, indem Sie eine Reformation auf dem Weg der Vernunft anstreben im Sinne der Akzeptanz der Vernunftfähigkeit ihrer Adressaten und Mitmenschen und sich von allen dumpfen, niederen, in die Irre führenden Gefühlsappellen ("amerikanische Blogger" & Co.) distanzieren würden. Die zu Tage getretene Verengung der Perspektive auf xxxx-Bashing auch auf dieser Internetseite müsste dann freilich - unter Inkaufnahme sinkender Klickzahlen - und zu Gunsten einer Rückkehr zum Blick auf das Ganze aufgegeben werden. Haben Sie dazu das Vermögen?
Ahoi

antwort kubitschek:
die vernunft hat ihren platz, der gefühlsappell hat seinen platz, die differenzierung kann eine stärke sein, die pauschalierung bleibt in manchen fragen und antworten unerläßlich, und wenn sich fronten bilden, dann ist der einzelne, leidende, getroffene nur für den sanitäter interessant, nicht aber für die kombatanden.
aber: dies alles ist nicht das thema meines textes.
Volker Faust
10. Oktober 2011 08:50
Nun, vielleicht sollten wir uns der Wahrheit stellen, das Rechts nicht gleich Rechts und eigentlich diese Unterteilung nicht mehr aktuell ist. Es ist doch letztlich nur der Propagandabegriff des politischen Gegners, der zur Abgrenzung und als Synonym dient. Denn Links ist „gut“ und Rechts ist alles andere, nämlich „das Böse“. Und es ist leicht sich vom Bösen zu distanzieren.

Wie dem auch sei, wir müssen uns von den vorgegebenen Mustern des Gegners befreien, uns nicht in einen Topf mit den selbsternannten Rechten und nun Abweichlern, den CDU-„Bauern“ und sonstigen „Rechten“ werfen lassen.

Es ist die Besinnung auf uns und die unseren nötig, denn wir sind nicht Teil dieser Rechten. Wir sind etwas sui generis. Armin Mohler nannte, was unsere Art am nächsten kam und kommt, wohl bewußt nicht DIE Rechte sondern eben die konservative Revolution, auch wenn der Begriff ungeschickt gewählt ist, wie er wohl später selbst teilweise anmerkte.

Aber sind wir nicht das, was der Begriff „konservativ“ seinem Wortsinn nach meint? Sind wir nicht DIE Bewahrer? Die Bewahrer der Natur, der Mitwelt bzw. des Göttlichen in all seinem Wesen, nicht nur des begreifenden sondern auch der entsprechenden Regeln und der daraus ergebenden natürlichen bzw. göttlichen Ordnung? Sind wir damit nicht die Bewahrer der Unsterblichkeit?

Aber wenn wir das sind, haben wir nichts mit dem pragmatischen, technokratischen und Wirtschaftsfreundliche CDU-„Bauern“ dem jede Natürlichkeit und Göttlichkeit egal zu seinen scheint gemein. Auch mit einem Lorenz Jäger teilen wir keine Gemeinsamkeiten. Und ebensowenig sind wir rückgewandt, wie es der im allgemeinen verstandenen Konservativen und Rechten immer unterstellt wird. Wir sind ganz mit Arthur Moeller van den Bruck sinngemäß gesagt jene, die „Dinge schaffen, die zu erhalten sich lohnt.“ Und es lohnen sich jene Dinge, die der Natur bzw. dem Göttlichen dienen und die Unsterblichkeit der Schöpfung sichern. Wir lehnen nicht den Fortschritt ab, betrachten ihn aber nicht als grundsätzlich gut. Denn Fortschritt kann der Schritt in die richtige oder in die falsche Richtung sein.

Genug an dieser Stelle. Jedenfalls: Wir sind nicht „die Rechte“ und sollten uns nicht über solche aufregen. Denn wir sind die Bewahrer!
Hohenstaufer
10. Oktober 2011 08:51
Lieber Herr Kubitschek,

besten Dank für die pointierte Einordnung Lorenz Jägers.

Ergänzend hierzu:
Vor einigen Monaten saß ich mit eben jenem Herrn Jäger in einer kleinen Runde im Nachgang zu einem seiner Vorträge und sprach diesen - neben historischen Anekdoten - auf Bahners Linkskurs an, den Jäger zu meinem Erstaunen bestritt, gleichsam aber betonte, im Wissenschaftsteil doch die konservative Fahne hochzuhalten. Nachhakend erwähnte ich Weißmanns Richtung eines "wahren" Konservatismus und war erstaunt über Jägers doch sehr genaue Kenntnis von dessen Werken. Unüberhörbar war aber dessen negativer Unterton ob eines angeblichen Radikalismus in Reihen der Neuen Rechten, den er in seinem Habitus als "Weltbürger" natürlich nicht teile.

In dieser Geschichte spiegelt sich der hier glänzend analysierende Beitrag im Konkreten wider: Jägers "rechtssein" beschränkt sich auf die Attitüde eines britischen Salon-Konservativen, dem jedwede Tiefenebene traditionellen Denkens abgeht.
Zadok Allen
10. Oktober 2011 11:15
Bei aller Läppischkeit der Argumente Lorenz Jägers glaube ich doch den Grund dafür angeben zu können, daß er sich nie ganz "eingelassen" hat. Es ist derselbe Grund, der die schier unglaubliche Passivität der normalen, durchschnittlichen Deutschen gegenüber den sich zum Kataklysmus aufwölbenden Krisenphänomenen (als da sind Masseneinwanderung, Weltwirtschaftskrise, Oktroyierung des europäischen Superstaats zu später Stunde...) erklärt.

Der Grund dürfte darin liegen, daß wir - die europäischen Völker, allen voran natürlich das deutsche - durch allseits bekannte historische Geschehnisse von Subjekten zu Objekten der Weltgeschichte geworden sind.

Dieser Umstand ist m.E. in den letzten Jahrzehnten ins Alltagsbewußtsein der Massen hinabdiffundiert, freilich ohne daß diese sich die Ursachen ihrer mentalen Disposition reflexiv machen könnten. Er führt zu dem undeutlichen Gefühl, daß jede Parteinahme letztlich egal, daß ideologische und politische Formierung nur (mehr oder weniger angenehmes) Spiel ist. Unter Intellektuellen, denen noch nicht jede Sensibilität verlorengegangen ist, kann dies Gefühl zu dem kondensieren, was Hohenstaufer oben die "Attitüde eines britischen Salon-Konservativen" genannt hat.

Für die irreflexiven Massen äußert sich die besagte mentale Disposition in Sätzen wie "Man kann eh nichts machen". Und das Schlimme ist, daß dies objektiv wohl auch zutrifft.
Michael
10. Oktober 2011 12:25
also ich bin nicht die zielgruppe dieser seite, da ich überhaubt nicht intelektuell bin, ich komme eher aus der bildungsfernen arbeiterschicht, lese aber immer gerne mit und bin auch auf Eurer seite.

tatsache aber ist, daß man sich, sobald man dies öffentlich bekennt, sehr schnell ins abseits begibt und von vielen "alten freunden" urplötzlich gemieden wird. vieleicht musste er einfach die seiten wechseln, weil ihm der druck zu groß wurde und er schlichteweg angst um seine existens hatte. wenn nicht - was ist das für ein diabolischer virus des linken der da so unbarmherzig um sich greift ?

gruß

michael
Landser
10. Oktober 2011 12:49
So, wie es Toskana-Linke gibt, so gibt es eben auch Toskana-Rechte. Die Spreu trennt sich vom Weizen, und das ist gut so. Uns tschüss, Genosse Jäger!
Harald
10. Oktober 2011 13:01
"Es geht jetzt nämlich erst los". Dieser letzte Satz sagt viel aus; freut mich das zu hören, denn ich war etwas bedrückt nach dem aktuellen, meinem Eindruck nach zu pessimistischem Artikel "Strahlkraft der KR" in der aktuellen Sezession. Habe mir den Kopf darüber zerbrochen, was mit den "Schatten" auf den aktuellen Texten gemeint sein könnte... Keine Ahnung...Was zählt ist doch im Zweifelsfall das trotzige "Dennoch!" Im Büchlein "Unsere Zeit kommt" hat Weißmann als Perspektive für den Ernstfall das Jahr 2016 genannt. Bis dahin ist noch nichts entschieden. Egal wie es ausgehen mag, lasst uns dafür sorgen, dass es für Leute wie Lorenz in jedem Fall nicht bequem werden wird.
Papist
10. Oktober 2011 13:55
Ebenfalls aus konservativer (katholischer) Sicht, übrigens mit einer Erwähnung Weißmanns, beleuchtet die Tagespost die Geschehnisse:

http://www.die-tagespost.de/Libertaer-nicht-konservativ;art456,128359
Martin
10. Oktober 2011 15:39
Der Artikel hat noch einmal gut die konservative Sicht und wohl auch einen Teil des Schnellrodaer Selbstverständnisses dargestellt. Der Anlass für dieses schöne Repititorium war es aber nicht wert, auf 2 Seiten etwas dazu zu schreiben, bzw. den Anlass dafür zu erwähnen.

Über Herrn Jäger hätte ich keine Zeile verloren ... der scheinbare "Flügelwechsel" wird ja allmählich zur Mode im Schreibergeschäft und scheint eine Form des "fishing for compliments" der (oftmals) peinlicheren Art zu sein.

Um einen "Flügel" wechseln zu können, muss man erst einmal einen Standpunkt haben - und daran mangelt es doch den meisten, unserer "post-" oder gar "post-postmodernen" Generation. Das begründete Ändern von Standpunkten hingegen, ist durchaus legitim.

Insofern ist es nur Ausdruck der Beliebigkeit, wenn einer pathetisch "Adieu, Kameraden ..." in den Blätterwald schreibt.

Und ein guter Mensch zu sein, ist das Ziel eines jeden Konservativismus ... ein "linker" geht nunmal nicht den "rechten" Weg.
Hesperiolus
10. Oktober 2011 15:40
Ist im Falle Jäger einfach der abseitige Widerspruchsreiz einer intellektuellen Grille verblasst, ist der Apostat zurück ins "weltbürgerlich" Indifferente nun deren Ausmünzung und Inszenierung müde oder leid geworden, womöglich lebensweltlich opportun? Locken neue Gefilde? Eine narzisstische Erschöpfung oder Metamorphose, eine energetische Häutung. Das Bild der Häutung drängt sich in dem floskelhaften Abschwörungstext auf. Nun liegt er da, in Fetzen, seltsam unscheinbar unter der kraftlos-trüb rückschauenden Optik des vormaligen Diskurs-Insiders, die abgetane Hülle des Jägerschen Konservatismus. Irgendwie schattenhaft zu der infam-pralleren Hanswurstiade eines David Berger. Schade
S. W.
10. Oktober 2011 16:02
Der Ernstfall scheint schrittweise einzutreten, so daß seine Wirkung auf die Öffentlichkeit des sich langsam erhitzenden Wassers auf einen Frosch im Kochtopf ähnelt.

Denen, die die Entwicklung zum Ernstfall zu verantworten haben, dürfte jedoch klar sein, wohin die Reise geht. Ein Umsteuern wäre jedoch a) kaum noch mit allgemein akzeptierten Methoden möglich und würde b) ein Eingeständnis voraussetzen, das mit Glaubwürdigkeits- und Machtverlust verbunden wäre. Also geht man gegen die (rechten) Überbringer der schlechten Botschaft vor, die man mit den bekannten Vorwürfen auch noch für die von ihnen diagnostizierten Entwicklungen verantwortlich macht. Die Hoffnung macher Rechter darauf, daß die Entwicklung zum Ernstfall eine Wende herbeiführen kann, halte ich daher für unrealistisch.

Herr Schirrmacher und Herr Jäger haben möglicherweise verstanden, daß das politische Klima für jeden, der irgendwie für "rechts" gehalten werden könnte, in den kommenden Jahren umso schwieriger werden wird, je deutlicher sich der Ernstfall offenbart.

Die bevorstehenden Jahre dürften allgemein für jeden Rechten schwierig werden, der beruflich oder sozial etwas zu verlieren hat. Anstatt die eigenen Kräfte in der Öffentlichkeit in Rückzugsgefechten aufzureiben, sollte man m.E. über Alternativen nachdenken und die Voraussetzungen dafür schaffen handlungsfähig zu sein, sobald die Temperatur im Kochtopf den Siedepunkt erreicht.
Ein Fremder aus Elea
10. Oktober 2011 17:26
An Zadok Allen.

"Für die irreflexiven Massen äußert sich die besagte mentale Disposition in Sätzen wie „Man kann eh nichts machen“. Und das Schlimme ist, daß dies objektiv wohl auch zutrifft."

Das trifft nicht objektiv zu. Objektiv zutrifft, daß man nichts machen muß und auch, daß man guten Gewissens nichts machen darf.

Wir haben die letzten 60 Jahre doch ganz gut in Europa gelebt. Wieviel Einsicht bedarf es bittesehr einzusehen, daß wir mit einem in Brüssel beschlossenen gesamteuropäischen Haushalt nicht besser dran sind?

Die Politik zielt auf Krieg. Sie macht die Probleme erst, aus welchen er später ersteht. Sämtliche Krisen sind freiwillige Krisen unser politischen Eliten. Weder brauchen wir Immigration, noch eine auf dem Dollar gegründete Währung (Voraussetzung der IWF Zugehörigkeit), noch die Übertragung unserer politischen Steuerungsmöglichkeiten nach Brüssel.

Und daß aus diesen Punkten nur Schlechtes erwachsen kann ist in jedem Falle ziemlich klar, wobei man sich freilich beim Dollar etwas in die Materie einarbeiten muß.

Wir können auch heute noch umkehren. Liebe ich meine französischen Nachbarn weniger, wenn ich sie ihre Politik in Paris entscheiden lassen, anstatt sie dem Votum der Repäsentanten von 27 Ländern zu unterstellen?

Das ganze bewegt sich doch an der Grenze zur Geisteskrankheit. Manchmal wird es ja auch offen ausgesprochen. Wenn ganz klar gesagt wird, daß wir in Europa nicht das Recht hätten, auf einer Insel der Seligen zu leben.

Aber selbstverständlich ist genau das die Grundlage von Frieden.
Regor
10. Oktober 2011 17:43
Lorenz Jägers schablonenhafte Darstellung der "Rechten" beweist nur, dass der Gutsituierte trotz einiger Pirouetten ein Spieler des Medienestablishments ist und bleiben will. Für das Profil war die eine oder andere Lockerungsübung gut, mehr muss nicht sein und ist für die Karriere hinderlich. Er gehört wie Fleischhauer zu den wenigen Hofnarren, die sich Linksorgane leisten, um dem Schein genüge zu tun. An die wirklich harten Fragen traut er sich nicht ran und von den Antworten der Rechten will er publizistisch nichts wissen. Rechts ist für ihn (und dem Gros seiner Leser) PI, Die Freiheit etc. Dabei blendet er andere Akteure bewußt aus. Jäger richtet sich also wieder im Milieu der Satten, Selbstgerechten und Etablierten gemütlich ein. Er wird auch in Zukunft den einen oder anderen Krumen, vermeintlich "rechts" für den Leser anrichten, der dann ein Ventil zumindest kurzzeitig findet. Warten wir es ab, wie lange das alles noch gut geht. Neue Zeiten klopfen bereits an die Türen (Demographie/Euro/Finanzkrise) - Jägers Sandkastenspiele im Meinungskorridor des Establishments sollten wir gut beobachten, vielleicht werden sie eines Tages geradezu lächerlich wirken.
d.n.
10. Oktober 2011 19:08
@ Hohenstaufer

Daß Jäger Weißmanns Werk kennt, wundert nicht; eher, daß er so abfällig darüber denkt. – Traten Jäger und Weißmann nicht vor einigen Jahren gemeinsam auf einer Veranstaltung auf und stellten ihre zeitgleich erschienenen „Hakenkreuz“-Bücher gegenseitig vor? Bezeichnend daran fand ich jedenfalls bereits damals, daß man lediglich auf den Netzseiten des IfS resp. der „Sezession“ darüber gelesen konnte – kein Wort darüber aber von Jäger in der FAZ.

Der Begriff „Toskana-Rechter“, den ein Vor-Kommentator in die Runde warf, trifft den Nagel auf den Kopf: Jäger ist (jetzt, angeblich: war) einer jener gar nicht mal so wenigen Intellektuellen, die die Diskurse von rechts verfolgen, die sich an dem dortigen geistigen Niveau sichtlich erfreuen, denen die rechte Meinungsvielfalt offensichtlich mehr zusagt als die linke Engstirnigkeit, die sich mit konservativen Denkern befassen und deren Werke studieren: All das aber aus einer wohl kalkulierten Distanz, ohne sich dabei die Finger schmutzig zu machen. Nur so lassen sich etwa auch manche abstruse Stilblüten in Jägers FAZ-Artikeln erklären, etwa jener „Klassiker“ über Jean Raspails „Heerlager der Heiligen“, der, wie Jäger schreibt, „leider in einem obskuren Verlag“ erschienen ist, ohne den ach so obskuren „Hohenrain“-Verlag allerdings beim Namen zu nennen.
Lucius de Geer
10. Oktober 2011 19:47
War ich neulich noch sehr angetan darüber, wie Erik Lehnert in der neuen Ausgabe der 'Sezession' eine - wenn auch versäumte - Traditionslinie 'Lebensreform - KR - Kommunitarismus' zieht (und was mich, ich will aus meinem Herzen keine Mördergrube machen, wieder etwas darüber hinwegtröstete, wie mit dem derzeitigen Lieblingsprojekt 'Deutsche Opfer' einem Affen Zucker gegeben wird, der sich als nicht stubenrein herausstellen dürfte) jetzt dieses Dramolett aus verschmähter Liebe und voraussehbaren Leserreaktionen (danke, Volker Faust, für den Lichtblick...).
Kiki
10. Oktober 2011 21:37
Manche werden im Alter halt sentimental, legen die alten Platten auf, probieren die alten Jeans nocheinmal an, die man all die Jahre heimlich auf dem Speicher aufbewahrte ... und manch einer kehrt zurück in die alleinseligmachende Horde seiner Jugend.

Dies wird wohl das ganze Jägergeheimnis sein. In den Mannesjahren probierte man das eine oder andere Kostümchen an, stöberte verwegen in allerlei Schmuddelecken herum und eilt dann, wenn der Wind in dieser zugigen, kalten Welt schärfer bläst, erschrocken heim ins vertraute Milieu.

Wie alt solche Menschen werden mögen - infantil sind und bleiben sie immer.

Sie stehen für nichts, das man ernstnehmen sollte.
Georg Mogel
10. Oktober 2011 22:13
Wenn er mit seinen Hirngespinsten Schluß macht,
entdeckt der gewöhnliche Mensch nicht die Wahrheit,
sondern die Anziehungskraft der Niedertracht.

Nicolas Gomez Davila
Georg Mogel
10. Oktober 2011 22:18
Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
Wird sichtbar am Horizont.
Bald mußt du den Schuh schnüren
Und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
Denn die Eingeweide der Fische
Sind kalt geworden im Wind.
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel:
Die auf Widerruf gestundete Zeit
Wird sichtbar am Horizont.
............

Sieh dich nicht um.
Schnür deinen Schuh.
Jag die Hunde zurück.
Wirf die Fische ins Meer.
Lösch die Lupinen !

Es kommen härtere Tage.




Ingeborg Bachmann
(Die gestundete Zeit)
Schopi
10. Oktober 2011 23:10
Lieber Herr Kubitschek,
zu den FAZ Spießern habe ich nichts zu sagen, bei Ihnen habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, und wenn sie in entspannter Runde solch "grüne" Entdeckungen machen, ja wunderbar, der "Öko-Gedanke" gehört auch irgendwie zu Deutschland und die grüne Partei hatte einmal Mitgründer wie Baldur Springmann ein Ur Konservativer, wenn man so will. Es wäre auch nicht schlecht, wenn man einmal davon ablassen würde "Opfer" dieses Systems zu diskreditieren (wie ich in diesem Blog schon über Sozialhilfeempfänger gelesen habe) - auch eher neoliberalem ausgerichtete Plattformen wie "eigentümlich frei" wohin ja auch Querstrassen führen, sind keine Empfehlung für deutsches Gedankengut -
Gruß in die staubige Kartoffelackeridylle in Mitteldeutschland!
Freiheitsverherrlicher
10. Oktober 2011 23:38
"... auch eher neoliberalem ausgerichtete Plattformen wie „eigentümlich frei“ wohin ja auch Querstrassen führen, sind keine Empfehlung für deutsches Gedankengut – ..."

Sehr schön, jetzt lassen Sie die Katze doch noch aus dem Sack (hatte schon befürchtet dass niemand außer mir mehr auf die ökonomische Basis des "Bruderzwists" zwischen Jäger/FAZ und PI/Sezession eingehen wird). "Deutsches Gedankengut" ist die Rechtfertigung einer Haltung sich auf die faule Haut zu legen, seine Nichtvermittelbarkeit als systembedingt zu halluzinieren - und sie letztlich den Ausländern (Konkurrenz um Arbeitsplätze) und Juden ("Finanzhaie") anzulasten, von denen man sich als Urdeutscher dann aber doch ganz gern durchfüttern lässt. Ob in Schnellroda oder Bergisch-Gladbach. Da neidet man es dann einem Frohgemut wie Jäger der im FAZ-Feuilleton untergekommen ist und für den die Welt daher nicht absolut böse, "verjudet" und "verausländert" ist. Einen Glückspilz, der seinen ehemaligen "Kameraden" vorwirft sich nicht einmal über Dinge freuen zu können die jeden Nazi freuen müssen: z. B. ein "Neger"präsident und eine Blondine an der Spitze der USA die ein Problem damit haben wenn Juden sich in Ostjerusalem ansiedeln.

antwort kubitschek:
ich habe kurz überlegt, ob ich diesen ebenso dummen wie von keiner kenntnis angekränkelten kommentar überhaupt freistellen solle. ich tu es hiermit und hänge zwei links an, damit der freiheitsverherrlicher mal eine ahnung von der argumentationshöhe bekommt, auf die er sich hocharbeiten sollte:
andre lichtschlag (eigentümlich frei) über eine konservativ-libertäre zusammenarbeit - http://www.sezession.de/7792/fuer-die-libertaer-konservative-sezession.html
ich selbst mit meiner krtik daran - http://www.sezession.de/7797/verfuegungsraeume-antwort-auf-lichtschlags-angebot.html
Carepaket
11. Oktober 2011 05:37
Lucius, Du befindest Dich dem Holzweg, und zwar auf wirklich peinliche Weise. Es geht nicht um sentimentale Befindlichkeiten, es geht hier wirklich um Grundsätze. Wer das nicht sofort kapiert, wenn er Kubitschek und Jäger liest, sitzt immer noch im Vorraum, wo es unernst bleibt, und wo auch Jäger den Rest seiner Tage verschimmeln wird. Schlimm genug. Noch schlimmer: Die eigene Fixierung auf Befindlichkeiten, die sie dann auf andere projizieren, verwechseln manche "stubenreine" Konsis auch noch mit weißen Handschuhen oder weißen Westen.
Volker Faust
11. Oktober 2011 11:29
@ Papist: Ein sehr schöner Verweis, in dem mir folgender Teil aus der Seele spricht:

Was sich hier „konservativ“ nennt, ist es schlicht nicht. Es handelt sich bei den sogenannten Rechtspopulisten, denen, die Jäger Neukonservative nennt, eigentlich um echte Libertäre. Sie alle eint, dass sie zutiefst an der Ordnung von 1945 festhalten: der amerikanisch dominierten Verbindung von individuellem Liberalismus und expansivem Kapitalismus, dem Ende der Geschichte, der besten aller Welten. Im Grunde handelt es sich um Transatlantiker, die sehen, dass der Westen seine beste Zeit – demografisch, kulturell, ökonomisch – hinter sich hat und noch gegensteuern wollen. Das unterscheidet sie von anderen Liberalen.


@ Lucius de Geer: Leider verstehe ich den Inhalt bzw. Sinn Ihrer Ironie nicht. Es ging mir nicht darum, ein kleines Drama aus verschmähter Liebe daraus zu machen. Es ist mir grundsätzlich relativ egal, wer meine Meinung und Überzeugung mag oder teilt und wer nicht. Es ging mir vielmehr um die Positionierung, die ich auch durch den eben zitierten Text noch einmal deutlich machen möchte. Rechts ist eben nicht gleich rechts, konservativ ist nicht gleich konservativ, ebensowenig wie links gleich links ist und zu guter Letzt eben grün nicht gleich grün ist. Es müsste also Schlagwortartig schon aus der Begrifflichkeit klar werden, wofür wir stehen und worin wir uns unterscheiden. Denn ich glaube z.B. nicht, dass das Umfeld der Sezession viele Gemeinsamkeiten mit den von Herrn Kubitschek beschriebenen CDU-Bauern hat und man sogar soweit gehen könnte, dass die größere Schnittmenge im Bezug auf den Umgang mit der Natur bei den Anhängern der Grünen zu finden wäre. Und doch hüte und verwehre ich mich zutiefst, mit DIESEN Grünen in nur einem Atemzug genannt zu werden.
Mithin wollte ich die Eigenart "der unsrigen" in den Vordergrund stellen und in Abgrenzung zu den anderen selbst ernannten Konservativen und Rechten bringen, von denen sich eben auch ein Herr Jäger abzugrenzen versucht. Herr Jäger macht meiner Meinung nach aber den Fehler, dass er wie die Linke und die bürgerliche politisch ungebildete Mitte, alles einfach gemeinsam in den rechten Suppentopf wirft und nicht in der Lage ist zu differenzieren.
Schopi
11. Oktober 2011 13:03
@ Freiheitsverherrlicher

Haben Sie denn (nicht in der Dorfkneipe, sondern vorm PC) eventuell zu viel Bier getrunken?

Warum Sie Teile meines Kommentars zusammenhanglos zitieren, sozusagen als Ouvertüre ihres aggressiven Rundumschlages, kann ich nicht nachvollziehen.

Um es auf den Punkt zu bringen. Neben viel Licht gibt es für mich hier "auf" sezession.de auch schattiges Terrain. ich verstehe nicht warum man die "soziale" und auch ökologische Frage ganz den Linken überlässt und dann - hier ist mein Anknüpfungspunkt zu diesen Artikel - wenn etwas zu diesen Themen kommt, dieses oft auf selber Ebene zu finden ist, wie die Bemerkungen des mitteldeutschen Großbauers. (Ich möchte jetzt nicht suchen, erinnere dabei aber exemplarisch einen Beitrag über die sozial Randständigen in Schnellroda/Umgebung.)

Überhaupt ist es merkwürdig einerseits viele menschliche Merkmale als angeboren, vererbt hinzustellen und dann aber trotz diesem die "Schuld" bei den Leuten selbst zu suchen. In dieser Konstellation haben Hinduismus und Buddhismus die intelligenteren Antworten als deutsche Rechte.

Kein ernsthafter Mensch kann heute mehr ++auch++ die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und Individuum leugnen. Vielleicht waren die schnellrodaer dicken Internetshoper zu DDR Zeiten ganz brauchbare Mitbürger ?! Es gibt immer Menschen, die bestimmte Ordnungsprinzipien brauchen, die eben nicht zum Unternehmer oder Spekulant geboren/gemacht worden sind. Fehlt dieser Rahmen, dann verloddert man eben.

Mein Kritikpunkt, lieber Herr/Frau FreiheitsverherrlicherInn, das hat mit Ihren Zeilen nicht das Geringste zu tun. Übrigens wäre ihr Kommentar bei PI viel besser aufgehoben.
Lucius de Geer
11. Oktober 2011 14:31
@ Volker Faust

Mein Lieber, das war keine Ironie! Ich habe Sie exakt so verstanden, wie Sie es jetzt wieder ausführen und angemerkt, dass sich Ihre Einschätzung wohltuend von anderen Kommentaren abhebt (daher 'Lichtblick'...).
Nicht immer gleich das Schlimmste vermuten...

@ Carepaket

Vielleicht haben Sie die Höflichkeit, auch mir Grundsätze - möglicherweise sogar ehrenhafte - zuzugestehen.

Was das Dramolett um verschmähte Liebe angeht: die meisten von uns kennen die Situation - nach einer Zurückweisung werden vorher durchaus geschätzte Eigenschaften plötzlich zu Charakterdefiziten. Aus der Leichtigkeit des Wesens wird kokettierende Oberflächlichkeit, Weltzugewandheit wird zu schamlosem Flirten mit anderen...
Der Betrachter solcher Beziehungstrümmer ist in der Regel darauf angewiesen, sich seinen eigenen Reim zu machen, da die jetzt derart geschmähte Geliebte in den Monologen des Verlassenen oft nur noch eine Karikatur ohne eigene Stimme ist.

So auch hier: ich bin mit Sicherheit nicht der Einzige, dem Jägers Text nicht vorliegt. Hat es denn wirklich nur für mich ein leichtes intellektuelles Geschmäckle, wenn viel vermutet wird ('Lorenz Jäger muß solche Leute gemeint haben...', 'Vielleicht saß er mit einem solchen Bauern zusammen...'), ich mir aber die Position Jägers mühsam aus Bruchstücken im Internet zusammenreimen muss?
Kern des Vorwurfs scheint mir zu sein, dass Jäger sich von einer bestimmten Ausprägung des CDU-'Konservativismus' verabschiedet und diesen Typus mit der Rechten gleichsetzt.

Nun, Jäger hat seinen Artikel in einer der größten Tageszeitungen Deutschlands veröffentlicht und mithin für ein allgemeines Publikum geschrieben, ein Publikum, das in seiner überwältigenden Mehrheit genau das tut: diese von Lorenz angegriffene Position mit Rechts und Konservativ gleichzusetzen! Wenn eine gewisse 'wahre Rechte' jetzt glaubt, dagegen protestieren zu müssen, als Kind mit dem Bade ausgeschüttet zu werden, kann ich nur auf die jämmerliche Figur hinweisen, die seit Jahrzehnten die Anarchisten machen, wenn sie sich darüber beklagen, dass ihre Philosophie fälschlicherweise mit Chaos und Bomben gleichgesetzt wird. Hier wie dort ist der Kampf ein Kampf gegen Windmühlenflügel und verschlingt Energien, die ich zumindest gerne sinnvoller einsetze.

kurze antwort kubitschek:
ich kann Ihnen den jäger-artikel leider nicht zur verfügung stellen, ich darf ihn nicht gescannt ins netz packen. aber ich kann Ihnen versichern: wenn übrhaupt jemand aus der FAZ-Redaktion, dann ist es jäger, der genau weiß, daß er dieses eindimensionale bild von der "rechten" in deutschland mit ein paar guten artikeln hätte zurechtrücken können. einfach berichtend. gar nicht zustimmend, sondern einfach sammelnd, berichtend, nachhakend. hat er nicht getan. er hat vielmehr das pauschale jedermannswissen nun noch einmal zementiert.
meine worte sind nicht die der gekränken geliebten, sondern die desjenigen, der sich für die differenzierung seit zehn jahren die hacken abläuft. das könnten sie sogar nach der lektüre des Ihnen zu pauschal anmutenden buchs "deutsche opfer, fremde täter" feststellen.
Martin
11. Oktober 2011 15:04
Das geht jetzt etwas vom Thema ab, aber mir fällt immer wieder an den Diskussionen auf, dass es wohl einigen Erörterungsbedarf zum Thema "Rechts", "Konservativ", "Liberalismus", "Libertär" und der Frage, ob es denn wohl auch tatsächlich möglich sein könnte, "Rechtsliberal" oder "Liberalkonservativ" zu sein, gibt, denn die meisten Diskussionen münden sehr oft in dieser Zuspitzung und weichen damit vom Ausgangsthema ab.

Ggf. böte es sich an, hierzu einmal eine gesonderte Diskussion an anderer Stelle zu eröffnen - auch wenn Seitens der "Sezession" dazu schon sehr viel (oder fast alles?) gesagt wurde.

Dem Herrn Jäger wird bereits - über diese Seite hinaus - zu viel der Ehre der Aufmerksamkeit geschenkt. Die immer wieder aufkeimende "Liberalismusdebatte" halte ich dagegen für unausweichlich ...
Lucius de Geer
11. Oktober 2011 16:29
@ Götz Kubitschek

ich kann Ihnen den jäger-artikel leider nicht zur verfügung stellen, ich darf ihn nicht gescannt ins netz packen.

Ich weiß, aber ich persönlich wäre schon mit einem ausführlichen Zitieren zufrieden gewesen.

wenn übrhaupt jemand aus der FAZ-Redaktion, dann ist es jäger, der genau weiß, daß er dieses eindimensionale bild von der „rechten“ in deutschland mit ein paar guten artikeln hätte zurechtrücken können.

Ich halte das für eine Überschätzung des Einflusses der Publizistik (zumindest, was kurz- und mittelfristige Veränderungen angeht).

An Ihrem Einsatz für Differenzierung zweifele ich überhaupt nicht, meine Schwierigkeiten mit dem Projekt 'Deutsche Opfer' liegen anderswo, aber das ist ein anderes Problem.
Volker Faust
11. Oktober 2011 17:35
@ Lucius de Geer: Nun, dann entschuldige ich mich dafür bei Ihnen, Sie falsch verstanden zu haben und nehme Ihren Kommentar als Kompliment an. :)
Georg Mogel
11. Oktober 2011 21:57
Lorenz Jäger, * 1951, in seinen Studentenjahren ein radikaler Linker und in Freundschaft verbunden mit RAF- Baader, wie er selbst freimütig und fast etwas stolz berichtet, einem protestantischen Elternhaus entstammend, "öffnete" sich dem Katholizismus und kehrte im Lebensgang auch dem Marxismus den Rücken. Für die große Kehren scheint Jäger eine gewisse Schwäche zu haben.
"Es gehört zu Jägers Denkungsart, die Wanderung von Ideen durch die einzelnen Stadien immer neuer Gestalten zu untersuchen - da war es eigentlich kein Wunder, daß er eines Tages nach seiner Abkehr vom Marxismus, dem angehangen zu haben er heute noch nicht als reinen Irrtum bezeichnen würde, in der katholischen Kirche dies Widerstandspotential gegen die liberale Zivilisation entdecken würde." (Martin Mosebach).
Jäger war bisher, neben einer kleinen Handvoll weiterer, ein Grund, die FAZ noch zu lesen und sein bei Karolinger verlegtes Freimaurerei - Buch "Hinter dem Großen Orient" von 2009 ist zur Standortbestimmung zweifellos empfehlenswert. Nach seinem kryptischen "Adieu, Kameraden, ich bin Gutmensch" vom 5.X. 11 in der FAZ wird man über den Menschen Lorenz Jäger aber noch einmal nachdenken müssen.
Toni Roidl
12. Oktober 2011 09:59
Verzeihung, ich bin kein Intellektueller. Vielleicht verstehe ich deshalb nicht, warum Herr GöKu diesen Jäger so wichtig nimmt. Herr Lichtmesz, warum lachen Sie über den Kommentar »Ich halte das für eine Überschätzung des Einflusses der Publizistik (zumindest, was kurz- und mittelfristige Veränderungen angeht).«? Ich sehe das auch so. Es ist doch Zeitverschwendung, dieses ganze Geschreibsel überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.
Viel interessanter finde den anderen Aspekt des Beitrages: Wie CDU-nahe Bauern mit der Natur umgehen. Darüber könnte ich mich aufregen! Aber über so einen Schreiberling...?
Unke
12. Oktober 2011 12:27
Lorenz Jäger? Nie gehört.

Was ich aber mal machen werde ist eine längliche Erwiderung auf den hier missbrauchten Liberalismusbegriff. Linke und Sozen werden nämlich mit Liberalen in einen Topf geworfen, und das hat Methode (es ist nicht das erste Mal, dass ich das anspreche; ich weiss).
Martin Lichtmesz
12. Oktober 2011 14:16
»Ich halte das für eine Überschätzung des Einflusses der Publizistik (zumindest, was kurz- und mittelfristige Veränderungen angeht).«? Ich sehe das auch so. Es ist doch Zeitverschwendung, dieses ganze Geschreibsel überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.


Die FAZ, die Welt, der Focus, die Zeit, die Bild etc. haben keine politische Macht und keinen politischen Einfluß? Sie können nicht maßgeblich beeinflußen, wer hop, top und flop ist, wer in den Sandkasten darf, und wer nicht, wer im Rampenlicht und wer in der Eselsecke steht?
Andreas Kröpcke
12. Oktober 2011 14:46
Verzeihung, ich bin kein Intellektueller. Vielleicht verstehe ich deshalb nicht, warum Herr GöKu diesen Jäger so wichtig nimmt. [...]
Viel interessanter finde den anderen Aspekt des Beitrages: Wie CDU-nahe Bauern mit der Natur umgehen. Darüber könnte ich mich aufregen! Aber über so einen Schreiberling…?


Nun, es ist kein besonderes Kunststück, sich über Schreiberlinge lustig zu machen. Nur sollte man sich dabei gelegentlich die berühmten Sätze John Maynard Keynes' ins Gedächtnis rufen:

Praktische Männer, die von sich glauben, frei von allen intellektuellen Einflüssen zu sein, sind üblicherweise die Sklaven irgendeines verstorbenen Ökonomen. Verrückte Machthaber die Stimmen hören, destillieren ihren Rausch aus den Schriften eines akademischen Schreiberlings der jüngeren Vergangenheit.
Freiheitsverherrlicher
12. Oktober 2011 15:16
@Götz: "Zuwenig oder zuviel Geld: Beides versaut über kurz oder lang dem Durchschnitt (nie dem besonderen, untypischen Einzelnen) den Charakter, weil menschliches Maß fehlt." Ob ich mich jemals zu solchem Argumentationsniveau hocharbeiten werde? Und zu welchem Preis (ich meine auf dem bösen freien Markt)?

"Sezession vom Mainstream macht eigentümlich frei." Ja, bitte, seien S' so frei, sezedieren Sie sich nach Herzenslust vom mainstream, aber - jetzt kommt gleich wieder ein kaltherzig-plutokratisch-libertärer Wermutstropfen für Sie und Ihr "Volksrahmen"-Denken: Tun Sie dies bitte, bitte, bitte, bitte nicht auf unsere Kosten!!!!

antwort kubitschek:
1. gell, das ärgert Sie: eine einfache aussage, nichts kompliziertes, sondern etwas, worüber Sie lange nachdenken müssen, ohne es zu begreifen.
2. auf Ihre kosten läuft hier gar nichts, ich weiß, daß Sie beim staat arbeiten.
3. ich weiß das, weil ich jemenden gefragt habe, der es weiß. aber sonst weiß es hier kaum einer: denn Sie sind so freiheitlich, daß sie unter pseudonym schreiben und ihre seite für echte männer auch mit einem ganz und gar nicht transparenten impressum laufen lassen. schon toll, soviel mut.
Petrus Urinus Minor
12. Oktober 2011 15:30
Was Jäger hätte schreiben sollen:


Liebe Konservative:

Wie oft hörte ich von Ihnen: man müsste… Man sollte… Wenn endlich…
Die größten Hoffnungen legen Sie man wieder und wieder in „Wahlen“; „Hoffnungsträger“ und „den Zusammenschluss aller konservativen Kräfte“. Sie träumen von "friedlichen Revolutionen" und scheinen recht gern Spengler zu lesen. Ich habe zugehört, lange gewartet, aber inzwischen habe ich ziemlich die Schnauze voll von Ihnen.

Ich habe ehrlich gesagt kurz überlegt, ob ich zur anderen Feldpostnummer (wie Sie das so schön mit Altherrenwitz zu sagen pflegen) wechseln soll. Denn von Ihnen kommt wohl nichts mehr und
langsam wird mir der Boden heiss unter den Füßen.

-

Ich will Ihnen mal was sagen: in 20 Jahren ist hier Schluss. Demographisch Schluss. Schluss – Aus – Mickymaus. Und daran werden irgendwelche konservativen Gesprächskreisle, Verschwörungspamphlete im Selbstverlag und verkniffene Trudchen im geblümten Kleid nichts ändern. Genausowenig wie die x-te achsoliberale Kleinstpartei! Wenn man dem Bürger sagt, dass die „Freiheit“ Nazis sind, dann glaubt der das auch. Punkt. Da kann sich das Stadtkewitz weinerlich distanzieren, soviel er will.

Wenn 5000 Ein-Themen-Fetischisten sich gegenseitig zehnmal am Tag versichern, wie recht sie doch haben, dann ergibt das 50.000 Zugriffe am Tag bei PI – aber keine Hoffnung für eine neue Partei, keine neue Bewegung, denn den Bürger interessiert dies alles einen Dreck.

Sie fragen sich nach der Legalität der Meinungsäußerung? Nach der Berechtigung, doch schließlich nur die Wahrheit zu sagen? Nach der Richtigkeit eines Sachverhaltes, nämlich dass Mohammed bei Neugeborenen der häufigste deutsche Vorname ist? Schließlich und zum Erbrechen immer wieder der Ruf nach der endlich perfekten konservativen Kleinstpartei? Die endlich nichts mit Nazis zu tun hat? Und nichts mit Reichsflugscheibentheoretikern und anderen verkrachten Gestalten? Und wenn dann noch endlich der richtige Anführer käme… der März, der Sarazin, der Henkel? Wie brav! Die Deutschen kaufen wohl noch zur Revolution eine Bahnsteigkarte.

-

Wissen Sie eigentlich, wie die Zukunft aussieht ? Ihre Altersversorgung? Einen Schlauch in jede Öffnung, ans Bett fesseln und alle drei Tage Waschlappen von der Billigpflegekraft! Und haben sie es alle nicht verdient ?

Die Konservativrentner, die wirklich nichts mehr zu verlieren hätten und nur labern, labern, labern …; die Elterngeneration, die unendlich verspießerten arrivierte; die jung hip dynamisch erfolgreichen Eppendorfer Grünenwähler; die engagiert hysterische Klassensprecherantifatusse bei Amnesty, Greenpeace und im Sportverein?

Betteln sie nicht beide in Wahrheit nach der harten Hand, das feministische Grünweibchen und der neoliberale Siegertyp?

Und gerade Sie? Selbst der rechtskonservative Verächter, der soldatische…

Für das Weibchen gibt es in der Zukunft wahrhaft virile Liebhaber und das Männchen kann in der Hölle, die die Zukunft sein wird, endlich beweisen, dass es zu Recht zu den Alphatieren gehört…

-

Keine Revolution hat jemals ohne Gewaltpotential funktioniert. Selbst die friedliche „Revolution“ von 1989, die eben keine war, hatte durch die Weltöffentlichkeit und die Masse so ein Potential. Es gälte eben, diesen Schritt zu gehen, den Point of no return zu überschreiten.

Andernfalls landet man bei Professorenparlament (1848) und dem Merkel.

Den Adel entrübt zu haben ist die größte Errungenschaft der Franzosen, selbst wenn die französische Revolution seltsame Züge von Jakobinertum und Großem Orient trug. Selbst wenn ein Großteil des heutigen Dilemmas damals von genau diesen Erwähnten ideologisch seine Grundlagen gefunden hat.

Natürlich könnten Sie einwerfen, dass nach Umwälzungen sich noch stets neue Opportunisten gefunden haben, das immer wieder „Schweine“ nachwachsen und sich voll stiller Größe in Ihre Diskussionsrunden zurückziehen.

Sie hätten recht. Aber wenigstens wurden die alten entfernt. Dass die Natur des Menschen, die natürliche Korruption in Bahnen gelenkt wird, ihr Grenzen gesetzt werden, denn mehr ist gar nicht möglich, dass ist die einzige Aufgabe einer Verfassung. Danach. Aber der erste Schritt muss gegangen werden. Alles andere bleibt Laberei.

-

Ist die Lage Hoffnungslos?
Die Geistvollen unter Ihnen handeln nicht, die Narren freuen sich über Zugriffszahlen, Israel und Claudia Roth, die Verkrachten über Kraftstrahlkanonen und die Grausamen am Neumanchester...
Ist es nicht besser für mich Sie alle, die versagt haben in einen Topf zu werfen, Deckel drauf und endlich wieder zur Gesellschaft zu gehören?
Schliesslich: Ich bin dank Gnade der frühen Geburt alt genug und nach mir die Sintflut?

NEIN!
Nur Schluss mit den Illusionen! Schluss mit den Illusionen, mit den Hoffnungen, die wir ganz bewusst solange nähren sollen bis es zu spät ist.

Aufklärung? Schwachsinn!
Die Menschen wollen es nicht glauben, sie werden nicht zuhören. Esoterisch-Hysterischer Hitlerismus, Genderblödsinn und Multikultivölkermord sind die Staatsreligion dieser BRD!
Eine Religion stirbt aber nicht durch den Gegenbeweis.

Wahlen? Unfug!
Es wird keinen Erlöser geben, keinen Statdtke-Witz, keinen Henkel, keinen März und keinen Sarazin. Es wird sich nichts ändern, auch nicht durch einen deutschen Strache oder Wilders.
Wenn Wahlen in diesem System noch etwas ändern könnten, wären sie verboten.

Keine Gewalt? Rübe ab!
Keine Revolution ohne Zusammenbruch; kein Zusammenbruch ohne Gewalt. Es wird innerhalb dieses Systems keinen Generalstreik geben, keine friedlichen Massenversammlungen, keinen Zusammenhalt und keinen Ghandi. Gewaltloser Widerstand funktioniert nur solange, wie das System für alle Teilnehmer ohne Ausschluss vom Diskurs demokratisch ist und die Presse wohlwollend.
Beide Bedingungen sind nicht mehr gegeben.

Heißt das, man sollte zur Gewalt aufrufen?
Aber nein, wie dumm wäre das. Mit kleckerlichen und lächerlichen Gewalttaten anzufangen, wäre das dümmste, was eine Kleinstminderheit tun könnte. Das brauchen Sie auch gar nicht. Das besorgen andere.

Das System bröckelt gerade und hält nicht inne. Treiben wir ihm, dem Tiger, im Gegenteil die Sporen in die Flanke! Wählen wir die Grünen. Hoch mit jedem Rettungsschirm! Hurrah für die Gleichstellungsbeauftrage und das zehnte Umweltverträglichkeitsgutachten. Machen wir es dämlicher! Machen wir es teurer!

Deswegen bin ich auch in weisester Voraussicht in den Schoss des Systems scheinbar zurückgekehrt!

Zur Gewalt werden andere greifen. Das geschieht bereits. In Berlin, in Stuttgart, in den Ghettos. Was wird erst geschehen, wenn das System fällt?

Dann aber werden die gleichen, die jetzt nicht zuhören wollen, die verfluchte Spießer, deren Tarnkappe ich nur trage, nach der Ordnung rufen! Dann gilt es, eine Verfassung zu erarbeiten, die die natürliche Korruption etwas mehr in Fesseln schlägt.

-

JETZT aber kann es für jeden Deutschen nur einen Gedanken geben:

"Wie kann ich Öl ins Feuer gießen?"
Thomas Fink
12. Oktober 2011 16:19
Wie mein alter ego bezüglich des Lorenz Jäger Artikels auf Korrektheiten kommentierte:
„Herr Jäger hat ganz einfach herausgefunden, daß “die Rechte” den ganzen Streß nicht wert ist, den es heute braucht, sich öffentlich zu ihr zu bekennen.“
Den Rest möge man da nachlesen. Hier ein paar Ergänzungen:
In den 90er Jahren war ich für einige Zeit Abonnent von „Criticón“. Das Blatt wurde direkt in meinen damaligen kleinen Laden in dieser schnuckeligen Universitätsstadt geliefert, in der man damals den Burschenschaftern noch nicht die Mützen vom Kopf riss. Irgendwann bekam ich in besagtem Laden Besuch. So ein Mensch hat sich nicht alle Tage in dieses krumpelige, etwas freakige Lädelchen verirrt. Ich würde ihn mal charakterisieren als stattlichen Preußen mit sexy Harem. Er stellte merkwürdige Fragen und wollte auf jeden Fall irgend etwas über mich herausfinden. Kurze Zeit nach diesem Besuch bekam ich einen Brief, in dem mir Schrenk-Notzing mein Abo kündigte. Ich bin mir sicher, daß der Preuße Meldung beim Chef gemacht hat und ich als Antifa Bazille klassifiziert wurde, die „Criticón“ abonniert hatte, um den Feind auszuspähen.
Jedesmal wenn ich mich dem „Junge Freiheit“ Stand auf einer Buchmesse nähere, stecken diese Typen die Köpfe zusammen und ich merke, daß ich als Feind klassifiziert werde. Ich sehe heute nicht mehr so freaky aus aber irgendwie habe ich etwas anti-preußisches an mir.
Caspar von Schrenk-Notzing hat in der „Criticón“ öfters darüber schwadroniert das der „Rechte“ den Feind sozusagen physisch erkennen und erspüren kann. Und das ist eurer spezielles Dilemma in der Sezessions und JF Ecke. Ihr kommt aus eurer Haut einfach nicht heraus (auch sehr gut zu sehen in dem Fensehfilm). Das Preußentum ist ein Produkt der Aufklärung, des Atheismus, der Freimaurerei und des Kulturkampfes gegen die deutschen Katholiken. In der neuen, der „Konservativen Revolution“ gewidmeten, Sezession steht unter Daten der KR: „1899 Ludwig Klages, Karl Wolfskehle und Alfred Schüler bilden in München den Kreis der `Kosmiker´“ Und das ist der andere, mit dem preußischen korrespondierende, Traditionsstrang in dem ihr euch befindet: der Traditionsstrang der Gnostiker, der Menschenanbeter.
Und diese Beiden sind Traditionstränge der Moderne, meine lieben Freunde. Nur die andere Seite der Medaille.
Caspar von Schrenk-Notzing hat auch gerne betont, daß die Rechten immer die besseren Frauen und den besseren Sex haben. Das kann gut sein, wobei ihr euch dabei aber dem wirkungsvollsten Projekt der Moderne unterwerft: der sexuellen Libertinage und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Kontrolle welche heute grob geschätzt 1 Milliarde Pornographie konsumierende Männer und eine wachsende Zahl von Frauen an den Bildschirmen kleben läßt.
Oder wie der heilige Augustinus sagte:
„So ist ein guter Mann, selbst als Sklave, frei; aber der Gottlose ist, selbst als König, ein Sklave. Denn er dient nicht einem Mann alleine, sondern hat so viele Herren wie er Laster hat.“
Toni Roidl
12. Oktober 2011 20:29
Lieber Herr Lichtmesz,

ich fühle mich geehrt, dass Sie mir hier antworten; ich lese Ihre Beiträge am liebsten.

Aber... nö. Glaub' ich nicht. BILD ja, die schon, aber die anderen?
Ist Sarrazin da nicht ein Gegenbeispiel?
Und: Wollen Sie denn in DEN Sandkasten?

Herzliche Grüße
Lucius de Geer
13. Oktober 2011 00:58
Die FAZ, die Welt, der Focus, die Zeit, die Bild etc. haben keine politische Macht und keinen politischen Einfluß? Sie können nicht maßgeblich beeinflußen, wer hop, top und flop ist, wer in den Sandkasten darf, und wer nicht, wer im Rampenlicht und wer in der Eselsecke steht?

Um Himmels Willen, Lichtmesz! Eigentlich schätze ich ja Ihre Beiträge, aber jetzt argumentieren Sie unter Ihrem Niveau...
Natürlich streite ich nicht ab (und ich bin geneigt, zu Ihren Gunsten anzunehmen, dass Sie mich hier absichtlich missverstehen), dass die Journaille bestimmt, wer 'hop, top und flop ist', aber ist das die Liga, in der wir spielen? Vielleicht war es ja irreführend, wenn ich von 'Publizistik' geredet habe - was ich meinte, ist:
'Rechts' zu sein (ich mag diese Bezeichnung nicht, aber sei's drum...) ist keine politische Verortung, sondern ein Lebensgefühl. In einer bestimmten historischen Situation kann es bedeuten, einen wirtschaftlichen Plan zu erstellen oder dem Markt mehr Raum zu geben, für oder gegen bestimmte technische Neuerungen zu sein, ästhetische Revolutionen zu unterstützen oder zu bekämpfen. Nicht, weil es politisch opportun ist, sondern weil die Wirklichkeit auf Ideologien scheißt. Jäger hat seine 'Aufgabe' nicht erfüllt? Wieso eigentlich? Wem hat er mit seinem Artikel geschadet? Mir nicht.
'Korrektheiten' hat getan, was ich hier angemahnt habe: eine Kritik zu schreiben, in der Jägers Artikel ausführlich zitiert wird.
S. W.
13. Oktober 2011 14:01
Der Beitrag von Jäger ist jetzt im Netz verfügbar, aber leider nicht kommentierbar:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/debatte-adieu-kameraden-ich-bin-gutmensch-11481906.html
Martin Lichtmesz
13. Oktober 2011 14:19
Um Himmels Willen, Lichtmesz! Eigentlich schätze ich ja Ihre Beiträge, aber jetzt argumentieren Sie unter Ihrem Niveau…
Natürlich streite ich nicht ab (und ich bin geneigt, zu Ihren Gunsten anzunehmen, dass Sie mich hier absichtlich missverstehen), dass die Journaille bestimmt, wer ‚hop, top und flop ist‘, aber ist das die Liga, in der wir spielen?


Das war ja nicht an Sie gerichtet, sondern an Toni Roidl. Siehe oben. Nein, das ist nicht die Liga, in der wir spielen. Leider, aber wir leben ja auch im Kali-Yuga. Und nun?

Wem hat er mit seinem Artikel geschadet? Mir nicht.


Das ist aber schön für Sie!

Und: bitte ersparen Sie mir in Zukunft die abgedroschene "Niveau"-Nummer, das kommt aus der selben Rappelkiste, wie "shame und blame" und andere rhetorische Kniffe, wenn die Argumente ausgehen. Überhaupt sind mir Leute suspekt, die sich allzuviel auf ihr vermeintliches "Niveau" einbilden. Eine besonders herausragende Niveauspitze kann ich bei Ihnen leider eher nicht erkennen, ein paar gedrechselte Sätze und lateinisch gespitze Lippen reichen dafür jedenfalls nicht aus.

Ja, @ Toni Roidl, gerne wäre ich in diesem "Sandkasten", aber in erster Linie, um ihn umzukrempeln. ;)
Ein Fremder aus Elea
13. Oktober 2011 18:00
Ist nicht unbedingt als Kommentar gedacht, geht auch nicht um Lorenz Jäger, sondern um die von Götz Kubitschek angesprochene Notwendigkeit, den Leuten durch ein angemessenes Einkommen einen sozialen Rahmen zu geben.

Ich habe dazu etwas geschrieben, allerdings nicht im engen realpolitischen Rahmen, sondern grundsätzlich vor dem Ausblick auf die Weltgeschichte und Utopien. Wenn es interessiert, hier ist der direkte Link: http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2011/10/abschlieende-erorterung-des.html
juergen
14. Oktober 2011 00:08
"Es geht jetzt nämlich erst los" sind starke Worte für jemanden, der angesichts des Ausverkaufs des deutschen Volkes an die Bankenkaste sprachlos bleibt.
Es mutet außerdem sehr seltsam an, wenn die Hartzer in Schnellroda - wie @Schopi schon bemerkte - unlängst mit abfälligen Kommentaren bedacht wurden, das selbe "arbeitsscheue Gesindel" in Neukölln aber plötzlich "Landsleute" sind die es zu verteidigen gilt. Wo ist denn da der Kontakt zum einfachen Mann? Das ist doch auch eine Art sich die Wirklichkeit zurechtzuzimmern.

@Schopi
Zur Eigentümlich frei bzw. den Rechtslibertären (zu denen ich mich zähle, allerdings spreche ich sicher nicht für alle):
Wir sind nicht aus sozialer Kälte, Egoismus oder Gleichgültigkeit gegen den Sozialstaat, sondern weil wir der Meinung sind, dass durch ein solches Zwangssystem die effizienteste Form der Sozialhilfe, nämlich die freiwillige Solidarität innerhalb einer Gemeinschaft untergraben wird. Wer einen erheblichen Teil seines Einkommens an eine Zentrale Behörde abgeben muss die dieses geld dann umverteilt hat weniger Zeit und weniger Geld um sich selbst um seine Mitmenschen zu kümmern. Außerdem wird so die Moral untergraben: Warum sollte ich jemandem Helfen wenn der ohnehin Geld vom amt bekommt?

Wenn es um Konservative Vorbilder geht möchte ich Ihnen an dieser Stelle die Autoren Friedrich Willhelm Raiffeisen ("Die Darlehenskassenvereine", der Mann hatte ein sehr rechtes Elitedenken), Willhelm Röpke (im Bezug auf die landwirtschaftliche Diskussion eingangs sehr interessant, der erste "Öko") und Johann Heinrich von Thünen (ebeso zum Thema Landwirtschaft, aber auch soziales Unternehmertum und private Rentensysteme) empfehlen.

Die Darlehenskassen Raiffeisens waren so erfolgreich, dass seinerzeits darüber diskutiert wurde, diese von Staates wegen verpflichtend einzuführen. Dieser Vorschlag hat Ihn ziemlich entsetzt, da er erkannte, dass man Solidarität und die Bereitschaft für einander zu bürgen niemals erzwingen kann.

Das angloamerikanische Bankensytem ebenso wie das staatliche sind ja sooo effizient, dass jetzt der Steuerzahler zur Bürgschaft gezwungen wird.

Wenn wir über die Zukunft Deutschlands sprechen sollten wir das in Deutschland und im ganzen deutschen Sprachraum gewachsene Genoissenschaftswesen nicht außer acht lassen - das übrigens mit dem islamischen Bankwesen mehr gemein hat als mit dem angloamerikanischen.

Bevor mir Herr Kubitschek zuvorkommt: Ich bin auch im Staatsdienst also Nettosteuerempfänger ;)

antwort kubitschek:
ich danke für diesen guten und weiterführenden kommentar. zu Ihrer kritik ganz oben kopiere ich einen teil aus "these 3" des buchs "deutsche opfer, fremde täter". es geht darin um den sozialtransfer für ausländer. weiter: "Das Problem verschärft sich, weil auch ein Teil der Deutschen sich in einem solchermaßen alimentierten Leben unterhalb der früher üblichen deutschen Arbeitsethik gut zurechtfindet und versorgen läßt, auf einem Niveau, das noch vor 50 Jahren für Arbeitslose oder Arbeitsunwillige unvorstellbar war. Diese Deutschen gehen als Teilmasse der Massengesellschaft dem Anspruch an ein leistungsbereites, deutsches Leben ebenso verloren wie der Großteil der Einwanderer." aber dennoch, juergen, sind diese deutschen unsere leute, und wir können uns nicht auch noch um millionen nicht integrierbarer zuwanderer kümmern, wenn wir das erziehungsziel mit unseren eigenen leuten nicht erreichen.
juergen
15. Oktober 2011 22:58
Herr Kubitschek,

um meine Position genauer zu verorten: Als Libertärer finde ich mich - das mag vielleicht manche erstaunen - in der Gedankenwelt Alain de Benoists wieder, der ja gerade mit Kritik an den egalitaristischen Tendenzen des angloamerikanischen Kapitalismus nicht gespart hat.

Nach meiner Aufassung ist der Mensch gerade noch zum Denken in Gemeinschaften fähig, Gesellschaft und Staat hingegen sind Konstrukte aus dem Elfenbeinturm die mit der Lebenswirklichkeit der Meisten wenig zu tun haben.

Seit diesem Jahr muss ich beruflich das erste mal Verantwortung für einen anderen Menschen übernehmen was mich tagtäglich vor schwierige Entscheidungen stellt. Die Vorstellung einen Handlungsrahmen für ein ganzes Volk zu spannen übersteigt schlicht meinen Horizont und ich gehe so weit eine solche Fähigkeit jedem anderen Menschen abzusprechen. Die Geschichte gibt mir - so denke ich - recht, denn es waren immer diejenigen die sich anmaßten für das ganze "Volk" zu sprechen die Deutschland ins Unglück stürzten.

Sie schreiben - und da stimme ich zu -, dass sich auch viele Deutsche in der staatlich-bürokratischen Alimentierung eingerichtet haben. Für mich gibt es nur eine Antwort darauf: Die Alimentierung abzuschaffen. Das staatliche Sozialsystem sollte korrekt eigentlich Asozialsystem heißen, da es die Empfänger freispricht von jeglicher Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Finanziert wird es ja vom Staat - von der Gesellschaft - und es gibt ja sogar noch einen Rechtsanspruch.

Eine Antwort wäre, von staatlicher Seite her Zwang auszuüben, der jedoch nach allen Möglichkeiten hin unterlaufen werden würde. Eine andere Möglichkeit ist jedoch, die Fürsorge für die Gescheiterten wieder in die Hände natürlicher Gemeinschaften zu legen.

Das würde unter anderem bedeuten, dass die Türken (oder jede andere Gruppe) in Deutschland, genauso wie die Deutschen selbst - Verantwortung für die Mitglieder in ihrer Gemeinschaft übernehmen müssten. Nicht die Türken als Masse sondern eben die jeweiligen Gemeinschaften in einer Stadt. Nur so läst sich der soziale Druck aufbauen der letztlich soziale "Teilhabe" ermöglicht.

Wenn der Staat sich anmaßt, sich um jedes Individuum im Staatsgebiet kümmern zu können so untergräbt er damit jegliche Versuche von den Menschen, die Verantwortungsbewusstsein besitzen (und das ist gänzlich unabhängig von der Herkunft oder gar der Religion) ihre jeweilige Gemeinschaft so zu führen, dass alle Mitglieder der Gemeinschaft die Möglichkeit haben ihren Platz darin zu finden.

Das ist die kommunitaristische Position, die ich auch aus den Schriften Benoists herauslese. Ich bin der Überzeugung, dass nur solch Gemeinschaftsdenken Zukunft hat.

Bestätigt werde ich u.a. durch die Forschungen von Elinor Ostrom die schlüssig zeigen konnte, dass nicht der schiere Individualismus und auch nicht staatlicher zwang sondern vor allem gemeinschaftliche und evolutionär sich entwickelte Lösungen in der Bewirtschaftung von Allemendegütern die besten und nachhaltigsten (über Jahrhunderte hinweg!) Lösungen finden.

Lassen wir also wieder dem Denken Raum, dass die Deutschen nicht als homogene Masse - ein Volk - sieht, sondern als Badener, Schwaben, Bayern, Sachsen, Franken, Preußen, Friesen, Rheinländer, Thüringer oder Ruhrpottler (wiederum nicht als Masse sondern als Gemeinschaften die so viel gemeinsam haben, das es sich lohnt über eine gemeinsame Politik nachzudenken und diese voluntaristisch zu verhandeln), die für sich Sorgen ohne den Sorgen der anderen gleichgültig gegenüber zu stehen. Akzeptieren wir, dass die Zugewanderten sich in diesen Vielvölkerbund der Deutschlands Größe ausmacht nicht integrieren - nein, sondern mit ihren Eigenheiten und Traditionen die sie bewahren geradezu verpflichtet sind einreihen, - und geben wir unser bestes um die Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung - unserer Gemeinschaft eben das zu geben, was ihrer Prosperität nutzt.

Integration bis zur Selbstaufgabe ist Gift - ein friedliches Nebeneinander ist Pflicht. Die Rechte bietet mit ihrer Betonung auf Eigenverantwortung, Disziplin und der Sanktionierung von gemeinschaftsfeindlichem Tun eine bessere Antwort als der ewige Kult des 2Ich bin ja Opfer der Umstände" der Linken.

Wo jedoch der linke Hang zur Vermassung und Gleichmacherei (z.B. der unhaltbaren Klassifizierung einer heterogenen Religion als "System") nachgegeben wird, da ist ein Versagen der Rechten Position schon vorprogrammiert.
Gardeleutnant
17. Oktober 2011 15:55
Thomas Fink:

da werfen Sie aber nun durcheinander, was nicht zusammengehört.

1) Ihre Erfahrung mit CvS-N ist bedauerlich und mir unverständlich. Allerdings sollten Sie ihn und Kubitschek/das IfS/die JF nicht in einen Topf werfen. Zwischen der Hochzeit von Criticón und dem Aufstieg dieser "Neuen Rechten" liegen große zeitliche und andere
Erfahrungsräume. Die Obengenannten sind aus der 89er Bewegung entstanden und großgeworden in EU-Zeiten, Criticón war cum grano salis ein Produkt des Kalten Krieges.
Schrenck-Notzing hat nicht verstanden oder nicht verstehen können, was die Aufgaben einer Rechten im 21. Jahrhundert sein würde. Kubitschek an seiner Stelle hätte mit dem Geld, das damals zur Verfügung stand, sicherlich etwas anderes angestellt als ein paar Kampfschriften und eine nette Zeitschrift herauszugeben und dabei die Zukunftssicherung zu vergessen. So ist von S.-N. kaum etwas übriggeblieben als eine riesige Bibliothek, die kaum jemand nutzen
wird.

2) Können Sie nicht verstehen, daß JFler bei einer öffentlichen Veranstaltung vorsichtig sind? Wissen Sie, daß man Dieter Stein in der Vergangenheit das Auto angezündet hat, daß man seine Reifen manipuliert hat (lebensgefährlich!), daß JF-Mitarbeiter geschlagen und
getreten wurden? Mit "preußischem Aussehen" hat das nur ganz am Rande zu tun. Ich habe am JF-Stand einer Buchmesse die Redakteure im Gespräch mit Ausländern und Alt-68er-Typen gesehen. Außerdem kenne ich mehrere Herrschaften, die ich ohne weiteres als "rechte Hippies" oder Rechtsalternative einstufen würde und die dennoch,
wenn einmal klar ist, daß sie "dazugehören", behandelt werden wie jeder andere auch. Indem Sie andeuten, "wir" seien alle ordentlich gescheitelte Bügelfaltenhosenträger mit Schmiß und Kragen, bedienen Sie ein Klischee.

3) Ihr Rekurs auf Ideen der Vormoderne ist geradezu skurril: Kennen Sie jemanden, der sich mehr um die Wiederentdeckung vormodernen Denkens verdient gemacht hätte als die JF (durch Feuilleton-Artikel), Criticon und der rechte Karolinger-Verlag? Daß die Sezession (vielleicht!) eher preußisch geprägt ist, liegt wohl daran, daß die Ideen und das "Lebensgefühl" Preußens in der heutigen Zeit noch besser vermittel- und nacherlebbar sind als die Gedankenwelt katholischer
Traditionalisten oder volksbewußter Bündischer es ist. Aber sie glauben, als Leser der Sezession (???), doch nicht ernsthaft, ausgerechnet "uns" sei rechtes Denken abseits eines niederdeutschen reformierten nachhegelianischen Preußentums nicht bewußt?
Über die Landsmannschaft der Herausgeber der Sezession könnten Sie sich ggf. auch nocheinmal informieren.
Noch ein letzter Punkt: die Kosmiker und selbst noch die Georgianer sind ein relativ wenig beachteter Nebenstrang des von der intellektuellen Rechten derzeit bearbeiteten Terrains. Daß wir uns darin "befinden" würden (gar gleichberechtigt mit dem Preußentum?) ist ein Irrglaube.
Vulture
19. Oktober 2011 20:33
Kubitschek bringt es fertig aus einem nichtswuerdigen Anlass noch einen exzellenten Artikel zu zaubern.
Als ich den Jaeger auf FAZ.net las musste ich an Euch denken. Was für ein Kasper...

Deitsch on frei woll´mer sei!
mcbad
24. Oktober 2011 16:05
Reisende soll man nicht aufhalten. Man soll sie gehen lassen. Wie man eben jemanden gehen lässt, von dem zu vermuten ist, das hinter seinem “mea culpa“ womöglich die Hoffnung steckt, sich auf lukrativeren Passagen durch diese Zeiten zu schlagen. Schirrmacher hatte Jäger ja nicht nur schon vorgemacht, wie man sich an ruhigere Ufer verpisst, er hatte auch durchblicken lassen, er habe begründete Hoffnung im Kielwasser der Linken ließen sich jene bürgerlichen Werte in eine Gesellschaft retten, in der Verstaatlichung, Protektionismus, Beschäftigungs- und Sozialprogramme und noch mehr Staatschulden das Heil sind. Nun ist es auch Jäger wie Schuppen von den Augen gefallen: Die Konservativen haben uns in die Bredouille geritten - und ich hab' mitgemacht.

Zu vermuten ist aber, daß Schirrmachen und Jäger mehr retten wollen als ihre Seelen. Zunächst vielleicht nur ein paar Aktien, bald aber schon ihren Arsch, falls der Karren denn wirklich vor die Wand gefahren wird. Deshalb diese moralische Kreditaufnahme bei denen, die dann womöglich das Zepter schwingen. Ausgerechnet bei denen, müsste man sagen, denn die werden ihnen dann trotzdem den Hals umdrehen. Vielleicht sollte man ihnen ins Gedächtnis rufen, was Slavo Zisek - der Saint Just der kommender Aufstände - den sich still formierenden Roten Garden immer wieder einschärft: Dieses Mal müssen noch mehr Köpfe rollen. Wieso die dann die Köpfe von Schirrmacher und Jäger verschonen sollten, wissen nur sie selber. Nur, weil sie "gute Taten" vollbracht haben? Das war noch in keiner Säuberung ein Argument.

In der kleinen konservativen Armada, läßt uns Jäger wissen, sei er eigentlich nur als feuilletonistisches Narrenschiff mitgesegelt: hier eine Glosse, da eine Posse. Auch wo er härteren Tobak verabreichte, soll das jetzt nur blauer Dunst gewesen sein. Aber es hat Spaß gemacht. Und nur das kann gemeint sein, wenn er sagt „Es war eine schöne Zeit, diese vergangenen zehn Jahre unter Rechten, ich gestehe es. Vor allem aber war sie bequem.“ Das ist hinterlistig, aber lässlich. Widerlich ist, was er der kleinen Schar von wirklich Konservation aus sicherer Entfernung zuruft: Euer Konservatismus ist die "Ideologie der Großindustrie und Kriegsverkäufer". Das ist beinahe schon Denunziation. Wir wissen, wer gemeint ist, wissen auch, daß sich Jäger damit die Eintrittskarte für seinen neuen Club verschaffen möchte: „Please count me in!“

Es ist gut, wenn Leute aussteigen, denen das Herz in der Hose hängt und der Arsch auf Grundeis geht. Das erleichtert die Fahrt. Gut auch, daß sich Kubitschek nicht rechtfertigt, sondern eine konservative Positionsbestimmung vornimmt. Knapper und präziser lassen sich die Koordinaten nicht benennen. Wem die Richtung nicht klar ist, findet hier Wegmarken. Wer die Zuversicht verloren hat, könnte sie mit diesem Beitrag zurückgewinnen.

Beste Grüße!

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