27. Oktober 2012

Lotte fliegt wieder!

von Martin Lichtmesz / 0 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Die beliebten "Fliegerschals" des Potsdamer Labels "Lotte in Moskau" müssen den Lesern dieses Blogs wohl nicht mehr weiter vorgestellt werden. Wie alle Jahre gibt es nun wieder eine neue, liebevoll zusammengestellte Kollektion von farbig bedruckten Satinschals - diesmal auch mit Wollstoffrückseite für die kalten Tage.

Mit dabei sind natürlich wieder die Dauerbrenner: die Modelle "Oberschwäbischer Bombenleger" (eine Hommage an Claus von Stauffenberg) und "schnell und laut an Höhe verlierendes Flugzeug aus dem Hause Junkers" (ornamentale Muster aus kleinen Sturzflug-Stukas) in diversen Variationen.

Der Schlager dieser Saison sind allerdings die erstmalig aus reiner Seide hergestellten Modelle mit ganz neuen Motiven, darunter wieder einige, deren Potential als Muster für ein Bekleidungsstück wohl bisher niemand erahnt hat.  Niemand außer Thomas Michael eben: der "Lotte in Moskau"-Designer gibt sich wie immer verschmitzt-esoterisch, und bietet nur wenig Hinweise auf die Hintergründe zu seinen Artefakten, die zum Teil fast zu schön sind, um getragen zu werden.

Denn der Reiz von "Lotte" besteht zu einem guten Teil darin, daß es sich um ein ganz privates Liebhaberprojekt handelt, eine auratische Feier von persönlichen Fetischen und ästhetischen Vorlieben, die im Grunde nicht einmal ein Publikum braucht. "Sciarpa come me - triste, dura, severa" heißt es in Anspielung auf Curzio Malaparte auf der Begrüßungsseite: "Ein Schal wie ich - traurig, hart & ernst".  Ganz so streng sind die Entwürfe selbst nun aber doch nicht - in der Tat durchzieht die Kollektion eher spielerische Heiterkeit als trister Bierernst.

Anspielungen gibt es diesmal unter anderem auf die Neofolk-Band Death in June ("This Road leads to Heaven") und auf den Schriftsteller Gerd Gaiser, dessen "Sterbende Jagd" zu den besten Romanen über Kampfpiloten zählt. Ein Schal ist mit einem langen George-Zitat bezeichnet und zeigt graphisch stilisiert die Überreste eines zerbombten Beratungszimmers in Ostpreußen.  Ein Schal zeigt die "Wolokolamsker Chausee", ein anderer eine Weltlandwirtschaftskarte von 1913, ein weiterer faksimiliert ein uraltes landwirtschaftliches Tagebuch.

Bestellen, solange der Vorrat reicht, kann man die handgenähten Kult-Schals hier zum Preis von 35 bzw 40 Euro. Wie man sie richtig bindet, demonstriert der Israel-Korrespondet des Labels in diesem kurzen Lehrvideo. Und einen ausfühlichen Artikel über die "Neue deutsche Halsmode" gibt es hier.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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