Sezession
1. August 2007

Autorenportrait Ezra Pound

Gastbeitrag

Pound war ein großer Anreger und Lehrer, der der stumpfen, dummen Welt mit allen Mitteln seine Einsichten vermitteln wollte, um dem zum Durchbruch zu verhelfen, was er als richtig erkannt hatte („Let us take arms against a sea of stupidities" - „Zu den Waffen gegen eine See von Dummheiten!"). Dieses Bedürfnis nach Belehrung der Menschheit und seiner amerikanischen Mitbürger brachte ihn wohl zu seinen berüchtigten „Radio speeches" während des Zweiten Weltkrieges, aber auch zur Abfassung seines ABC des Lesens. Das erzieherische Motiv scheint aber auch noch in seiner anspruchsvollen und daher nicht immer leicht verständlichen Lyrik auf, die zudem viele fremdsprachliche Zitate enthält, griechische, chinesische, französische, italienische, lateinische. Pound erwartete von seinen Lesern etwas zumal heutzutage keineswegs Selbstverständliches, nämlich daß sie von ihrer Intelligenz Gebrauch machten. „Wenn wir niemals etwas anderes schrieben als was bereits verstanden wurde", so antwortet er in Canto 96 auf Kritik, „würde der Bereich des Verstandes niemals erweitert werden. Manchmal nimmt man für sich das Recht in Anspruch, für eine kleine Zahl von Leuten mit besonderen Interessen zu schreiben, deren Neugier sich bis in die Details erstreckt." Ein solches Kulturverständnis ist elitär, doch wer würde ernsthaft bestreiten, daß es Dinge gibt, die nur „für eine kleine Zahl von Leuten mit besonderen Interessen" wirklich von Belang sind? „Man braucht ungefähr sechshundert Leute, um eine Zivilisation ins Werk zu setzen" - das ist Pounds aristokratisches Credo. Nur, welcher klardenkende Mensch würde bereit sein, sich der aristokratischen Herrschaft der Schriftsteller, Künstler (und womöglich der Intellektuellen) zu unterwerfen? Die romantisch-revolutionäre, vom Dichter Percy B. Shelley geprägte Vorstellung von den Dichtern als den „geheimen Gesetzgebern der Welt" setzte sich bei Pound um in den Traum von der wirklichen Herrschaft der Kunst, und das heißt der Künstler, im Faschismus. Nach Pound weiß der Künstler, „daß er dazu geboren wird zu herrschen, aber er hat keine Absicht zu versuchen, mittels des allgemeinen Wahlrechtes zu herrschen." Inmitten all der Stupidität und des Schwachsinns der Massen, den Pound um sich wahrzunehmen meinte, war für ihn das Problem, eine Gruppe voranschreitender Dichter am Leben zu erhalten, „die Künste in den ihnen zustehenden Rang als anerkannte Führer und Leuchten der Kultur einzusetzen".


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