Sezession
1. Juni 2012

Verfassungsputsch – Umsetzung und Finte

Martin Lichtmesz

Nicht wenige Demonstranten verhöhnten mit Wollust die neuen Untermenschen. Ventile öffneten sich. Einer brüllte: »Zum Mitschreiben für eure Blätter: Ihr und eure Freunde, Familien, Frauen und Kinder seid die Pestbeule am Sack von Adolf Hitler!« Andere skandierten: »Wir kriegen euch alle!« und das übliche »Nazis raus!« Manche Gesichter schwelgten im Triumphgefühl, Teil einer siegreichen Volksgemeinschaft zu sein, die alles Recht auf ihrer Seite hat. Die Burschenschafter verhielten sich dagegen friedlich, würdevoll und diszipliniert. Als sie abrückten, strömte die Masse ihnen gierig hinterher. Die Masse – folge ihr niemals, niemals! Sie verwandelt dich zum Schaf, zum Schwein und dann zum Wolf.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

All dies firmierte in der Presse als »Störversuche ohne gröbere Zwischenfälle«. Vermutlich sieht man auch darin ein »unerschütterliches Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit« und eine »richtige« Art des »Gedenkens und Erinnerns«. Dabei war es nichts anderes als der staatlich nicht unterbundene, sondern als Ablenkungsmanöver willkommene Kampf der guten Mehrheit gegen eine unbelehrbare, böse Minderheit, die es wagte, von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen. Anläßlich der Ausschreitungen von Salafisten gegen eine Demonstration der islamkritischen Bürgerbewegung Pro-NRW in Bonn sprach der Publizist Manfred Kleine-Hartlage auf seiner Internetseite korrektheiten.com von einer gezielten Politik der »Entdemokratisierung und Entliberalisierung, von Gängelung und Mobterror, von Gesinnungsjustiz und unverhohlenem Rechtsbruch.«

Was am Heldenplatz am 8. Mai 2012 besonders auffiel, war die peinliche Abwesenheit des Staates, dem die Aufgabe zufiele, ein würdiges Gedenken jenseits der Bürgerkriegsgräben zu garantieren. Er hat, wie auch auf dem Finanzsektor, freiwillig das Feld geräumt und dem Mob die Drecksarbeit überlassen, die Widersassen seiner Politik wegzuputzen. Tatsächlich zeigt Faymanns Rede, daß sich das propagierte Geschichtsbild der Regierung weitgehend mit dem der Grünen und der Antifa deckt. Die extreme Linke zeigt sich einmal mehr als nützlicher Idiot und blinder Kettenhund einer Strategie der Ablenkung von den wahrlich demokratiegefährdenden globalen Finanzinteressen und einem quasi schon vollzogenen Verfassungsputsch. Dabei wäre doch der einzige Verbündete im Kampf gegen diesen Ausverkauf der starke Nationalstaat – und mit ihm sein Rückgrat: eine starke Rechte.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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