18. April 2013

FAZ, Identitäre und Merkel: Zweierlei "Diskurs"?

von Martin Lichtmesz / 21 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

 Discourse_this"Diskurs" ist ein mitunter ganz brauchbares und griffiges Wörtchen, mit dem sich so mancher schwache Text intellektuell würzen und so manche Formulierungsverlegenheit überspielen läßt.  In der Form, in der es heute am häufigsten benutzt wird, geht es auf die "Diskurstheorie" Michel Foucaults zurück.

"Diskurse" meint dabei begrifflich abgesteckte Gelände und Sprachsysteme, die Foucault vor allem unter dem Aspekt der Ausübung von "Herrschaft" zu analysieren suchte. Wissenschaftler, Psychologen, Mediziner, Juristen, Theologen usw. verfügen allesamt über spezifische Sprachen, um die Wirklichkeit in Begriffe zu fassen. Diese wird dadurch gedeutet, beurteilt, beherrscht und bis zu einem gewissen Grad auch erst geschaffen.

Manche dieser "Diskurse" müssen erst durch eine Analyse freigelegt werden; sie basieren oft auf unterirdischen Tiefenschichten unseres Welt- und Wirklichkeitsverständnisses, auf Prämissen, die uns so selbstverständlich sind, daß wir sie gar nicht mehr wahrnehmen. Der Kampf um die "Diskurshoheit" und die Begriffe ist auch immer ein Machtkampf. So weit, so einleuchtend.

Nun ist vor allem der Aspekt der Wirklichkeitskonstruktion für die heutigen Schüler Foucaults bedeutsam, die ihn zum Teil derart zuspitzen, daß am Ende nur noch beliebige "Konstruktionen", aber keine Bausteine mehr übrigbleiben. Die Diskurstheorie mündet direkt in Strukturalismus und Dekonstruktivismus, und damit in die linksintellektuelle Superwaffe, die Strahlenkanone aller Strahlenkanonen: die Politik der Gänsefüßchen, die darin besteht, einen Sachverhalt verschwinden zu lassen, indem man den Begriff, der ihn bezeichnet, anvisiert, als bloßes Diskurs-Element abstempelt und damit neutralisiert.

Die Diskurstheorie ist daher auch die Basis der Vorstellung, Identitäten (z.B. geschlechtliche oder nationale) kämen auf rein "diskursiver" Basis zustande, und hätten damit keine "eigentliche" Realität für sich (zumindest sofern es die Identität der "Anderen" betrifft, der Heterosexuellen, Weißen, Christen usw.).

Vor allem aber ist die Diskurstheorie Foucaults eine der wichtigsten Wurzeln der "Political Correctness" und ihrer quasi-magischen Vorstellung, man könne durch Sprachverhübschung und -verzuckerung auch Realitäten verändern und beispielsweise "Diskriminierungen" und "Ungleichheit" aus der Welt schaffen. Daraus folgt dann auch die Moralisierung der Diskussionen und Diskurse: der Sprachgebrauch wird zur Frage von Gut und Böse. Wer die "falschen" Wörter benützt, signalisiert damit seine Bosheit und seine ethischen Defekte, wer die "richtigen" benutzt, seine moralische Überlegenheit.

Das alles sei hier rekapituliert, um den Artikel von Hannah Lühmann in der FAZ vom 16.04. über die "identitäre Bewegung"  in den richtigen Kontext zu setzen. Lühmann bedient sich darin der üblichen "diskursiven" Kneifzange, mit der nicht-linke Bewegungen und Ideen angefaßt werden. Die eine Backe ist der "Gefährlichkeitsdiskurs":
Dass etwas ganz und gar nicht neu ist, bedeutet nicht, dass es nicht gefährlich werden kann. Im Falle der „Identitären Bewegung“, über die in letzter Zeit in einigen deutschsprachigen Medien berichtet wurde, haben sich mehrere Konzepte zusammengefunden, die in ihrer Synthese zumindest beunruhigend sind.

Die andere der "Mimikry"-Diskurs:
Angeblich stehen die jugendlichen Anhänger der „Identitären Bewegung“ weder links noch rechts. Aber die Rhetorik trügt.

Beide Backen werden von der Autorin zwar routiniert, aber doch eher sachte in Anschlag gebracht - denn ganz sicher scheint sie sich ihrer Sache nicht zu sein, wie sie das Eisen anfassen soll:
Sowohl Verteufelungen als auch Verharmlosungen bedeuten jedoch unbeabsichtigte Werbung für solche Gruppen. Berichterstattung über sie natürlich auch.

So endet der (ansonsten einigermaßen sachliche) Artikel mit dem etwas unbeholfenen Nachschlag:
So sei hier nur darauf hingewiesen, dass ein rechtsextremistischer Diskurs ein rechtsextremistischer Diskurs bleibt, auch wenn Springerstiefel out sind, auch wenn er sich differenziert und jugendlich gibt. Und als solcher muss er erkannt werden.

Und damit glaubt sich die Autorin wohl des, um ihre Worte zu gebrauchen, lästigen "Differenzierungsgetriebes neuer politischer Ausdrucksformen" entledigt zu haben. Der "böse" Diskurs ist als solcher entlarvt und mittels eines Bannworts in die Quarantäne gesteckt, also Finger weg, inhaltliche Auseinandersetzung überflüssig, ab jetzt Totschweigen .

Die FAZ-Leser sind jedoch offenbar nicht überzeugt. Bis dato sind fast sämtliche Leserkommentare kritisch gegenüber dem Artikel ausgefallen. Viele Leser sympathisieren gar offen mit den "Identitären". Hier ein paar Kostproben:
Diese Unfähigkeit der Wahrnehmung, gepaart mit Arroganz der Macht (Politik) oder Meinung (Medien, Lehrer) macht die Rechten zornig. Und genau das erleben wir bei den Identitären. Ich hab mir durchgelesen, was sie wollen und ich wünsche ihnen viel Erfolg!

Eine Gesellschaft, die ihre überkommenen religiösen Symbole (in diesem Fall das Kreuz) aus dem öffentlichen Raum entfernt und die sich für "fortschrittlich" hält, wenn sie alle identitätsstiftenden Merkmale als "gestrig" oder "rückwärtsgewandt" abtut, muss sich nicht wundern, dass Zuwanderer dafür nur Verachtung empfinden. Und auch nicht, dass zumindest ein Teil der eigenen Jugend sich ganz bewusst für einen anderen Weg entscheidet.

Das Traurige in unserer Zeit ist, daß sehr sehr viele nicht differenzieren können oder wollen. Besonders schlimm ist dies, wenn es Journalisten sind. Man frage einmal Japaner, Chinesen oder Inder, ja auch viele Schwarzafrikaner, ob sie Deutschland als ausländerfeindlich ansehen. Ich denke, die werden es durch die Bank verneinen. Es ist doch nur eine bestimmte Klientel, gegen die sich die "Ausländerfeindlichkeit" richtet. (...) Warum wird bei so viel Gewalttaten von Jugendbanden der Vorname genannt, wenn es autochtone Deutsche sind, aber sehr viel häufiger die Namen aber nicht genannt? Man wirft heute den Menschen im 3. Reich vor weggeschaut zu haben. Schauen aber heute nicht grade unsere Medien weg?

Warum wird nun der Einheimische als rechtsextrem diffamiert wenn er sich mit seiner eigenen Kultur identifizieren will, während dies bei Migranten als natürlich und notwendig angesehen wird? Sollen wir unsere eigenen kulturellen Werte zugunsten Multikulti einfach über Bord werfen?

In ein paar Absätzen ist die Analyse abgeschlossen und das Urteil, gemäß der derzeit geltenden journalistischen PC-Richtlinien zum Thema deutsche Identität u. Multikulti, gesprochen: die Bewegung ist pöhse. Ich persönlich habe mich noch nicht genauer mit der Identitären Bewegung befaßt, aber dieser Reflexartikel, der, wie üblich, in allem, was als Kritik an unkontrollierter Zuwanderung verstanden werden kann, das Böse sieht, sorgt dafür, daß ichs jetzt tun werde.

Vielleicht, liebe FAZ, sollten Sie mal die jungen Leute selber fragen. Vielleicht würden sie Ihnen erzählen, was sie in ihrer Schule und auf der Strasse, ja sogar beim Sport unter den Kindern der "Kulturbereicherer" gelitten haben.


Lühmann kann also soviele "Diskurse" identifizieren, wie sie will, sie kann die Berechtigung der darin aufgeworfenen Fragen und ihre Auswirkung auf die Lebenswirklichlichkeit der Deutschen schwerlich kleinreden. Was nun den angeblichen "Rechtsextremismus" des identitären Diskurses betrifft, so besteht er letztlich in nichts anderem in als einer abweichenden Wertung jener Diskurse, die zur Zeit die deutsche Öffentlichkeit und Politik bestimmen.

Das kann man gut an Merkels Rede vom 10. 4. anläßlich des Festakts „60 Jahre Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ ablesen. Dem "Herrschaftssystem" (merci encore, Michel Foucault) des landesüblichen Newspeak wurde darin ein neues klingendes Vokabel zugefügt: "Wir"  sollen und "wollen" nun also ein "Integrationsland" werden. Was heißt das eigentlich? In Merkels eigenen Worten (das Phrasenschweinchen platzt mal wieder vor Überfüllung):
In Deutschland leben nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist etwa ein Fünftel unserer Bevölkerung. Die Zuwanderung ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger ist sozusagen kein vorübergehendes Phänomen, wie lange angenommen wurde, sondern eine dauerhafte Realität. Deshalb dürfen wir nicht dabei stehen bleiben, dass wir ein Land sind, das eine hohe Migrationsrate hat, sondern wir wollen ein Integrationsland werden. Integration – das ist ein Wort für einen verstärkten Zusammenhalt. Es ist auch Ausdruck davon, dass wir in zunehmender Vielfalt eine Bereicherung sehen, dass wir Chancen sehen, dass wir diese Chancen freilegen wollen, dass wir aber auch nicht die Augen verschließen vor den Schwierigkeiten, die sich auf diesem Wege ergeben.

In Zeiten von Globalisierung, aber auch in Zeiten des demografischen Wandels, den wir in Deutschland sehen, ist das von allergrößter Bedeutung. Denn in den nächsten Jahrzehnten wird sich unsere Bevölkerung noch einmal stark verändern. Wir werden weniger werden, wir werden im Durchschnitt älter werden und wir werden in unserer Bevölkerungsstruktur vielfältiger werden. Deshalb darf es keine Frage der Herkunft sein, sondern es muss für jeden klar sein: Jeder, der sich mit seinem jeweiligen kulturellen Hintergrund, mit seinen Interessen, Kenntnissen, Erfahrungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in unserem Land einbringt, ist ein Gewinn für unser Land. So, wie jeder Einzelne seinen Alltag gestaltet, so prägt er natürlich auch unser Land. Und unser Land und sein Bild in der Welt werden auch dadurch geprägt, wie wir miteinander umgehen.

Merkel spricht hier unmißverständlich aus, daß die "Struktur" der "Bevölkerung" aufgrund der Zuwanderung und der sie begleitenden demographischen Dynamik innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu Ungunsten der deutschen Noch-Mehrheit kippen wird. Sie sagt ganz offen, daß sich Deutschland in einen Vielvölkerstaat verwandeln wird,und daß diese Entwicklung nicht aufzuhalten sei, sondern vielmehr noch aktiv voranzutreiben sei. Frei nach Nietzsche: Was fällt, soll man auch noch stoßen! (Nebenbei versäumt es Merkel auch nicht, den Nationalsozialismus und die angeblichen "NSU"-Verbrechen als moralische Legitimation und Goldgrund für diese Politik vorzuschieben. Auch das ein Argumentationsklassiker!)

Die Verkitschung und Verschleierung der Sprache ist wohlkalkuliert und hat ihren guten Grund. Merkel kann sich ja schlecht hinstellen, und offen sagen: Liebes Noch-Staatsvolk der Biodeutschen, wir haben euch zwar nicht gefragt, und werden das auch in Zukunft nicht tun, aber da ihr demographisch ohnehin am Abschlappen seid und eine miese rassistische Vergangenheit habt, haben wir beschlossen, daß es an der Zeit ist, daß ihr anderen und ihren Interessen (sic!)  im Namen der Menschenrechte und der alternativlos dauerhaften Realität Platz macht. (Wie war das nochmal mit der von der Génération Identitaire beklagten und von Lühmann zitierten "erzwungenen Vermischung", die wohl eher auf eine "erzwungene Fragmentierung" hinauslaufen wird?)

Das ist es einfacher, nicht sooo konkret zu werden, sondern sein Publikum im Tonfall einer Kindergartentante anzusprechen:  Wir wollen uns jetzt alle ganz fest bei den Händen halten und ein kunterbuntes, kuschelweiches "Integrationsland" werden, in dem alle ganz doll zusammenhalten. Prima, das sagen wir jetzt alle im Chor nach.

Aber halt, wer ist eigentlich "wir"? Und was heißt "zusammenhalten"? Und seid wann eigentlich ist "Zusammenhalt" gleichbedeutend mit "Integration"? Und wer gewährleistet überhaupt, daß diese Vielen in der "Vielfalt" überhaupt Bock haben, mit uns und anderen Anderen "zusammenzuhalten"? Und was soll überhaupt die Basis dieses "Zusammenhalts" sein? Daß wir es uns alle ganz, ganz fest vornehmen und weil es Tante Böhmer und Onkel Gauck so wollen?

Und wer garantiert uns denn, daß all dies wirklich "Chancen", "Bereicherung" und "Gewinn" bringt? "Chancen" auf was, und für wen? "Bereicherung" für wen? "Gewinn" für wen?  Was für "Chancen", "Bereicherungen"  und "Gewinne" hat "uns" all dies bisher überhaupt gebracht? Aber wer hier dumme Fragen stellt, und all das für einen zweifelhaften Diskurs hält,  ist wohl schon mittendrin im "rechtsextremistischen" Diskurs.

Der euphemistische Begriff der "Vielfalt", den Merkel hier benutzt, meint, wie stets in diesem Kontext, ethnische (in den USA, woher er stammt, sogar dezidiert "rassische") "Vielfalt", ohne den Begriff der Ethnie oder der "Rasse" selbst in den Mund zu nehmen. Anders würde er aber überhaupt keinen Sinn ergeben. Er bezeichnet einen Pluralismus von Völkern und "Kulturen" an einem bestimmten, gemeinsamen Ort. Der "ethnopluralistische" Ansatz hält es dagegen für günstiger und dem demokratischen Prinzip wie dem solidarischen Zusammenhalt und der "Integration" zuträglicher, wenn jedes Volk seinen Staat Israel, also seinen eigenen Ort hat. Und dieser Ansatz hat die ganze Erfahrung der Geschichte auf seiner Seite.

Wie gesagt: Der "identitäre Diskurs" sieht also dieselben Entwicklungen, wie sie Merkel beschreibt und herbeiersehnt, bewertet sie aber anders, findet andere Worte dafür, stellt andere Zukunftsprognosen.  Er setzt genau dort an, wo sich heute der Mainstream der Politik befindet. Die Rede vom "rechtsextremen Diskurs" bedeutet nichts anderes als den Versuch, Kritik an dieser Politik und ihrem fadenscheinigen "Vielfalts-Diskurs" auszuschalten und zu verunglimpfen.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (21)

Nordländer
18. April 2013 10:10
Eines von vielen gesellschaftlichen Konstrukten ist der "herrschaftsfreie Raum". (Siehe auch den "herrschaftsfreien Diskurs" ala Habermas). Einen solchen gibt es in der Natur nirgendwo, Herrschaft übt bereits die Sängerin aus, so sie denn die gänzliche Aufmerksamkeit und die Herzen des Auditoriums erobern kann.

(Die eigentliche Bedeutung solcher Begriffe wie "Macht", "Gewalt", "Herrschaft", "Autorität" ist schon weitgehend verschüttet worden und nahezu tabuisiert, gerade auf sprachlicher Ebene hat eine ganz enorme Enteignung stattgefunden.)

Eine solche Konstruktion von Realität, ein Erschaffen aus dem Nichts, aus etwas, das gar nicht vorhanden ist, kann einen ganz immensen Einfluß auf die Lebenswirklichkeit haben, die Anschauung und Auslegung der Welt von Massen verändern, insofern, daß diesen partielle Herrschaft geraubt wird, während sich zugleich Herrschaft immer mehr in den Händen einer kleinen Elite konzentriert.

Der moderne Herrscher setzt sich für die Freiheit ein, denn der Unfreie könnte womöglich sonst Ressentiments gegen die herrschende Elite entwickeln, die sich bis zum Aufstand hochschaukeln könnten.
Er schenkt dem Volke Themen, mit dem sich dieses befassen darf. Für oder gegen die "Ehe" gleichgeschlechtlich Orientierter? Über solche Fragen, die an den allgemeinmenschlichen Bereich der Sittlichkeit anknüpfen, hat ein jeder so dieses oder jenes zu sagen, was, ist eigentlich nur sekundär, solange die Elite fernab von dem allgemeinen aufgeregten Geschnatter der "Talk"-Runden z.B. den ESM ohne großen Widerstand installieren kann oder ihre aggressive Politik im Maghreb oder Syrien ungestört weiterverfolgt.

Mit den Identitären für "Integration" (allerdings dann nur von Herrschaften aus aller Herren Länder ohne implementierten Koran-Chip), für den Wirtschaftsstandort Europa, gegen Rechts und "Rassismus"?
Oder gegen die Identitären, für "Integration", auch der Mohammedaner, gegen Rechts und "Rassismus"?

Wer käme auch auf die freche Idee, wenn man ihm großzügig die Freiheit gewährt, sich zwischen COKE oder SPRITE zu entscheiden, sich lieber einen Tee zuzubereiten oder sich ungezuckerten Apfelsaft einzuschenken?

Ein kluger Herrscher gibt immer das Paradigma, die Matrix vor. Der Pascha läßt seine Frau dann ganz alleine auswählen, welches Muster ihr für die neue Tischdecke am besten gefällt.
Rumpelstilzchen
18. April 2013 11:02
Mal wieder ein sehr komplexer Text von Herrn Lichtmesz.

Ich habe auf eine entsprechende Reaktion in der SEZESSION gewartet, nachdem ich den Beitrag in der FAZ ( 16.4) gelesen habe und über die durchweg konstruktiven und wohlwollenden Leserkommentare angenehm überrascht war.

Die Kommentare bringen das Problem auf den Punkt:
1. "Fremdenfeindlichkeit" bei Jugendlichen kommt aus der ERFAHRUNG am eigenen Leib mit "Kulturbereicheren", ist also kein Ergebnis rechter Gesinnung, sondern gründet in Erfahrung.

2. Diese negativen Erfahrungen, die authochtone Jugendliche machen, werden von Politik und Medien ignoriert und klein geredet. Diese "Unfähigkeit der Wahrnehmung" verstärkt das Ohnmachtsgefühl der Jugendlichen und macht sie zornig.

3. Die Jugendlichen sehen, dass muslimische Migranten eigene kulturelle und religiöse Werte pflegen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu ihrer lokalen Wertegesellschaft entwickeln .Die Wertekultur der Migranten wird von Medien und Politik als wertvoll angesehen und als erwünscht dargestellt.

4. Dagegen empfinden authochthone Jugendliche oft keinerlei Identifikationsmöglichkeit. im Gegenteil, Politik und Medien tun identitätsstiftende Merkmale ab (religiöse, politische , ethnische)

5. Die einheimischen Jugendliche werden zu Entwurzelten auf der Suche nach Identität, sie werden zu IDENTITÄREN.
Und nichts anderes besagt dieses Wort .

Identitär = heimatlos
Fansik
18. April 2013 11:24
Sehr guter Artikel!
"Diskurs" ist ja das magische Zauberwort aller postmoderner Intellektueller. Er wird ja angeblich alle Probleme und inneren Widersprüche ihrer Abschaffung der Politik, der Unterschiede und der Herrschaft heilen.
Blöd nur wenn sich ungebetene Töne in ihre heiteren Diskurse, die fernab der Realität plätschern einklinken. Aber immerhin nimmt man die Identitären Ernst genug um ihnen überhaupt einen (wenn auch rechtsextremen und mit Gänsefüßchen versehenen) Diskurs zu zusprechen. ;)
Martin Lichtmesz
18. April 2013 11:42
Mit der "Diskurstheorie" könnte man die ganze PC in Stücke zerlegen, eben deswegen, weil diese stark auf jener aufbaut.
Toni Roidl
18. April 2013 12:11
Deutschland braucht einen Numerus Clausus für Geisteswissenschaften.
Ernst Wald
18. April 2013 12:25
Ad Martin Lichtmesz

Es ist natürlich vollkommen richtig, wenn Sie behaupten, dass die PC-Gouvernanten oft mit dem von Foucault stammenden Diskursbegriff hantieren. Aber Foucault selbst war kein Linker. Paul Veyne, ein langjähriger Vertrauter Foucaults, bemerkte diesbezüglich:

„Ce gauchiste prétendu, qui n´était ni freudien, ni marxiste, ni socialiste, ni progressiste, ni tiers-mondiste, ni heideggérien, qui ne lisait ni Bourdieu ni Le Figaro, qui n´était ni `nietzschéen de gauche´ (comme d´aucuns), ni d´ailleurs de droite, a été l´inactuel, l´intempestif de son époque, pour reprendre à juste titre un terme nietzschéen. Par là, il était non conformiste, ce qui semblait suffisant pour le classer à gauche“ (Veyne, Paul: Foucault, sa pensée, sa personne, Paris, 2008 / S.227).

Foucault hat letztlich eine theoretische Werkzeugkiste hinterlassen, die durchaus auch von Rechten gebraucht werden kann.

M.L.: Absolut!
Dr. Schneider
18. April 2013 12:41
Was vielleicht noch anzumerken wäre:

Vernunft, Rationalität und logisches Denken sind erst recht bei Derrida, aber auch schon bei Foucault selbst Diskurse, die es zu dekonstruieren gilt.

Damit beißt sich die Schlange dann in den Schwanz und das Ganze verkommt zu einer Art Bauchdenken und einem Dreschen suggestiver Phrasen.
Eh voilà: die "Theorie" hinter dem politischen und (mainstream)medialen "Diskurs" unserer Zeit.
Karolus
18. April 2013 12:42
Ich danke für diesen sehr interessanten Beitrag, der sich mit einem Wort beschäftigt, welches den Lesern sprachlich anspruchsvollerer Tageszeitung in jeder Ausgabe anspringt, was vor ca. 30 Jahren noch nicht der Fall war. Obwohl dieses Wort nicht das Hauptthema von Lichtmesz' Ausführungen ist, nutze ich die Gelegenheit, die sich hier Versammelnden mit dem zu konfrontieren, was Eckhard Henscheid in seiner von Reclam unter dem Titel "Dummdeutsch" veröffentlichten Sammlung zu dem Begriff DISKURS sagt:

"Diskurs Wahrscheinlich von J. Habermas zum Start der 80er Jahre erfundener, eher trübsinniger und aber höchst folgenreicher Schnickschnack: Diskursethik, Diskurs über soziale Ungleichheit, Diskurs des Radikalen, Diskurstheorie des Rechts usw. usf. DER Quatsch der akademischen 80er Jahre. Erscheint deshalb meist bei Suhrkamp. Ab 1990 in jedem zweiten Buchtitel oder Untertitel (vgl. dazu Eckhard Henscheids elementare Studie 'Spaß nit Suhrkamp' in der FAZ vom 3.9.92).
Vorsicht: Es gibt einen Projekt-Diskurs, aber auch ein Diskursprojekt! Ohne Bindestrich!"

Seit einigen Monaten nun stoße ich zunehmend auf 'Narrativ'. Jemand des Englischen Mächtiger muss Gefallen an '(the) narrative' gefunden haben und hat diesen in der aktuellen Ausgabe des DUDEN nur als Adjektiv vermerkten Begriff erfolgreich unters Volk gebracht. Bin ich der einzige Leser, der 'Narrativ' so ekelhaft wie 'Backshop' oder den 'Servicepoint' bei der DB findet?

M.L.: "Narrativ" benutze ich hin und wieder auch ganz gern, aber ich kann die Abneigung verstehen. Es gibt inzwischen eine Flut von akademischer Literatur, in der pro Seite gefühlte fünfmal von "Diskursen" und "Narrativen" die Rede ist. Und danke für den Henscheid!
JeanJean
18. April 2013 12:57
Es hüpft von "wir " zu "wir". "Wir" werden weniger und "wir" werden vielfältiger. Da kann einem schwindelig werden!

Den "Zusammenhalt" finden "(neues) wir" über die Ebenen der Räte, die den Ethnopluralismus organisieren und die Interessen der Stakeholder ausformulieren,sortieren, gewichten und die dann aus den Höhen des Regimes in Form von Wohltaten für die Einen und Abstrafung der Anderen, ganz nach dem Regenbogenmodell, in einem fortlaufenden Prozess der Vermittlung und des Ausgleichs, festgeschrieben werden .

In Berlin wünscht man ja bereits organisierte, ethnopluralistische Hausgemeinschaften, zur Konfliktlösung auf unterster Ebene, die dann wie eine kleine UN Vollversammlung kulturell sensibilisiert, darüber debattieren können, wie man damit umgehen sollte, wenn beständig in den Aufzug uriniert wird.

So darf man sich auch die "Menschenrechtserziehung" in Schule und Kita vorstellen, die darauf abzielt, die gesamte Familie einzubeziehen und in den "communities" friedensstiftend wirksam zu werden.

Aufschlussreich auch die Frankfurter "Stadtverfassung", die Frankfurt zur Global City erhebt und ein schariaartiges Netz aus Microregulierungen und Gesprächsforen über den Alltag der Bürger breitet.

Zusammenhalt, in Großbritannien sagt man etwas deutlicher community harmony, bedeutet den ewigen im Dialog zu suchenden Ausgleich sich gänzlich widersprechender, sich ausschließender und unvereinbarer Interessen, der nur darauf abzielt, einen Friedensprozess im Gang zu halten, der niemals enden darf, weil sonst das Wort Bürgerkrieg nicht mehr zu vermeiden ist.

Natürlich kommt den Autochtonen, bis sie überflüssig werden, nur die Aufgabe zu, zu moderieren, abzugeben und sich willig und wertschätzend als Nährlösung zur Verfügung zu stellen.

Ja, der Haken ist bei Merkels Rede, dass die Frage nach dem deutschen "wir" so überdeutlich im Raum steht, aber natürlich in keinem Moment einen Bezugspunkt bietet, da wir nur als alternd und schrumpfend (morsche Knochen), wahrgenommen werden dürfen. Revolutionen und totalitäre Regime setzen stets auf die Jugend und auf das beschleunigte Ableben der Alten.
Georg Albrecht
18. April 2013 17:21
Foucault trieb die deutsche Frage um:

"Wir haben im zeitgenössischen Deutschland [d.h. 1979, G.A.] einen Staat, den man einen radikal ökonomischen Staat nennen kann ...: Seine Wurzel ist vollkommen ökonomisch. ... Ich meine auch, daß man sich nicht über die Natur des geschichtlichen Prozesses täuschen soll, der den Staat gegenwärtig so unerträglich und problematisch macht. Deshalb, aus diesem Grunde wollte ich die Organisation dessen untersuchen, was man das deutsche Modell und seine Verbreitung nennen könnte, wobei es natürlich klar ist, daß dieses deutsche Modell ... nicht das so oft herabgewürdigte, verbannte, öffentlich bloßgestellte und beschimpfte Modell des Bismarckschen Staates ist, der sich zum Hitler-Staat entwickelt. Das deutsche Modell, das sich ausbreitet und das in Frage steht, ... ist die Möglichkeit einer neobliberalen Gouvernementalität." (Geburt der Biopolitik, S. 126 u. 269)
Andreas Vonderach
18. April 2013 17:57
Es ist an der Zeit, daß das IfS einmal von kompetenter Seite eine Aufklärungsschrift über den linken, postmodernen Ideologiekomplex und -jargon des Konstruktivismus / Dekonstruktivismus, Diskurstheorie usw. herausgibt. Eine solche ist als Argumentationshilfe dringend von Nöten!
JeanJean
18. April 2013 18:00
http://www.realclearworld.com/articles/2013/04/16/us_could_be_worlds_most_populous_country.html

Der Autor:

Joseph Chamie, former director of the United Nations Population Division, recently stepped down as research director at the Center for Migration Studies. He is the lead author of the groundbreaking, seminal study, "Replacement Migration: Is It a Solution to Declining and Ageing Populations?" © 2013 Yale Center for the Study of Globalization
Zadok Allen
18. April 2013 20:54
Die Diskurstheorie mündet direkt in Strukturalismus und Dekonstruktivismus, und damit in die linksintellektuelle Superwaffe, die Strahlenkanone aller Strahlenkanonen: die Politik der Gänsefüßchen, die darin besteht, einen Sachverhalt verschwinden zu lassen, indem man den Begriff, der ihn bezeichnet, anvisiert, als bloßes Diskurs-Element abstempelt und damit neutralisiert.

Die Diskurstheorie ist daher auch die Basis der Vorstellung, Identitäten (z.B. geschlechtliche oder nationale) kämen auf rein „diskursiver“ Basis zustande, und hätten damit keine „eigentliche“ Realität für sich (zumindest sofern es die Identität der „Anderen“ betrifft, der Heterosexuellen, Weißen, Christen usw.).


Meine Empfehlung: Keine Berührungsangst mit den "dekonstruktivistischen" Ansätzen. Nimmt man sie zu ihrem Nominalwert, so lassen sie sich blitzschnell in recht scharfe argumentative Waffen umkehren.

Diese Theoreme sind nicht notwendigerweise mit bestimmten wertrationalen Einstellungen verbunden (auch wenn das ihre Erfinder, wie Habermas und Foucault, natürlich gerne hätten).

Natürlich hat Herr Lichtmesz vollkommen richtig beschrieben, wie sie als Instrumente zur Delegitimierung und Herabwürdigung der europäischen Völker und ihrer Institutionen eingesetzt werden. Die dahinterstehende Theorie ist aber ontologiekritisch gemeint: es gibt überhaupt nur "Diskurse". Diese sind allumfassende Entitäten, die uns alle tragen und in denen wir leben.

Das gilt nun, nimmt man den Ansatz einmal probehalber eine Minute lang ernst, selbstverständlich auch und gerade für solche "Diskurse" wie den "Menschenrechtsdiskurs", den "Multikulturalismus-Diskurs", den "Gender-Diskurs" usw. usf. Nichts von alledem hat ein fundamentum in re, ein irgendwie geartetes ontisches Substrat - wenn man, nota bene, die theoretischen Prämissen kauft, was man ja auch nicht muß.

Nochmals: Mir ist klar, in welchen Gesinnungskreisen der "Dekonstruktivismus" entstanden ist und wie er funktionalisiert wird. Daß er aber als "Strahlenkanone aller Strahlenkanonen" eingesetzt wird, liegt nicht an der Theorie selbst, sondern an dem historisch zufälligen Umstand, daß er bestimmten (sog. "linken") sozialen Gruppen als Waffe dient. (Hätten diese nicht den "Dekonstruktivismus", so hätten sie eben etwas anderes als Waffe.)

Man sollte also nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren, sondern sich klarmachen, daß sich mit besagtem theoretischen Ansatz im Handumdrehen skeptische, pessimistische, relativistische und partikularistische Werthaltungen verbinden ließen. Im Prinzip öffnet der "Dekonstruktivismus" einem radikalen Dezisionismus des Einzelnen sowie beliebiger Gruppen Tür und Tor.

M.L.: Wie gesagt, diese Waffe läßt sich in der Tat mit Leichtigkeit gegen ihren Urheber wenden... übrigens hat sich schon Mohler aus ähnlichen Gründen für Postmoderne und Dekonstruktivismus interessiert.
Ein Fremder aus Elea
18. April 2013 23:18
die Wirklichkeit in Begriffe zu fassen. Diese wird dadurch gedeutet, beurteilt, beherrscht und bis zu einem gewissen Grad auch erst geschaffen.

Diese wird dadurch partiell erfaßt.

Aufgrund der Partialität der Erfassung bleibt Raum für implizite Assoziationen.

Welche problematisch sind, weil

1. ihre logische Konsistenz nicht überprüft werden kann und
2. die verbreitetsten von ihnen, welche nicht zu nachhaken, sondern zu stillem Einverständnis führen, das aufgrund uniformer Vermittlung durch die Massenmedien sind.

Sagt Foucault noch mehr?

Nun, das ist die profane Seite des Problems, alle über die Erfahrung der Naturgesetze hinausgehenden Selbstverständlichkeiten werden gemacht, und sie müssen keineswegs widerspruchsfrei sein.

Noch kürzer... Aber es gibt auch noch eine andere Seite des Problems, nämlich die des Festhaltens der Begriffe, als welches sich üblicherweise im Umgang mit ihnen vollzieht, so daß ein eingeschränkter Umgang auch eine eingeschränkte Begrifflichkeit begünstigt, welche ihrerseits wiederum einen eingeschränkten Umgang begünstigt, also ein Teufelskreis der Borniertheit.

Das ist viel schwerwiegender, die Fessel, welche Millionen für Jahrtausende in Ignoranz hält.

Nun, Herr Kleine-Hartlage hat sich über den Wegfall des Demos ja des öfteren ausgelassen, daß ohne ihn Demokratie nicht möglich ist, was wohl das beste Argument für ihn ist, und also auch das beste Argument für die Identitären, und ich habe es auch einmal getan:

http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2013/03/voraussetzungen-des-dialektischen.html

Aber natürlich ist unsere Korporationenkoordinationszentralstelle darüber nicht unbedingt unglücklich.
Irrlicht
19. April 2013 11:36
@Zadok Allen
Der Relativismus des Postmodernismus oder der nordamerikanischen Cultural Studies in Bezug auf Geltungsfragen, Ontologie, etc. zählt auch zu deren größten theoretische Schwächen, weshalb derartiges in Deutschland auch nur im Feuilleton , in der akademischen Philosophie aber nicht, anzutreffen ist. Die Begeisterung für die angebliche "Strahlenkanone aller Strahlenkanonen" für einen nah am Selbstwiderspruch balacierenden Relativismus erschließt sich mir jedenfalls nicht. Und die wissenschaftlichen Standards dieser akademischen Turnübung wurden durch den Sokal Hoax beleuchtet.
Inselbauer
19. April 2013 12:06
Ich bin mir nicht so sicher, ob die "Werkzeugkiste" des Herrn Foucault nicht doch ein linker Kramladen ist. Dieser Verdacht nährt sich aus der persönlichen Erfahrung, dass ich die Hälfte meines Lebens linke Schrott-Texte auf der Grundlage dieses Köfferchens produziert habe, beim Abfassen eines auch nur annähernd nationalen Textes aber niemals auch nur auf die Idee käme, Machtverhältnisse an Sprachregelungen festzumachen. Das Gerede von Stürzenberger ist da ein gutes Beispiel: Er bedient alle möglichen schwachsinnigen "Diskurse" und plumpst in so gut wie alle offen stehenden Mistlöcher von Sprachregelung, trotzdem ist er einer der ganz wenigen, die etwas Wirkungsvolles gegen die Islamisierung machen. und er ist ein Deutscher, wie er deutscher gar nicht sein könnte.
Ich bin auch der Ansicht, dass der gute Franzose in seiner Jugend einfach zu viel Stalin gelesen hat und ihm die "Linguistikbriefe" eine Art Prägung verpasst haben.
Vielleicht sind das aber auch nur persönliche Vorurteile.

M.L.: Aus dem akademischen Abfall, der mittels poststrukturalistischem Jargon verfaßt wurde, könnte man einen Himalaya aufbauen.- Sicher, Stürzenberger macht auch nichts anderes, als laufende "Diskurse" aufzugreifen und sie als eigenen Spieß zu benutzen. Damit entlarvt er die Doppelstandards der Liberalen, allerdings eher als Nebeneffekt seiner Agitation, der, wie ich fürchte, ihm selber gar nicht auffällt. Er glaubt offenbar "wirklich" an die gängigen "Diskurs"-Hülsen, aber genau hier kann ja eine Aufklärung über "Diskurse" ansetzen. Mir sind jedenfalls Leute, die keinerlei Distanz zu politischer Phraseologie erkennen lassen, zutiefst unheimlich. Jedesmal, wenn Stürzenberger den Mund aufmacht, verspüre ich den unwiderstehlichen Drang, auf der Stelle zum Islam zu konvertieren.
Inselbauer
19. April 2013 12:50
Stürzenberger ist ein Post-Diskurs-Phänomen, er tritt als phraseologisch Behinderter auf, der durch seine Biographie in der CSU schwer geschädigt worden ist und jetzt mit einem geistigen No-Problem-Orchester (eine musikalische Institution, die Jörg Haider in Kärnten erfunden hat) durch die Fußgängerzonen knallt. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass er das strukturelle Vorbild seiner Spaßtruppe genau kennt ("Chance 3000" von Schlingensief) und den Rollstuhlfahrer, die paranoide Beflaggung und das nagelneue Megaphon als Setting bewusst kopiert hat.
Er ist sich seiner Rolle sehr wohl bewusst, und er hantiert mit den Diskurs-Leichen wie mit Bomben. Ich finde das toll, er widerlegt damit alles, was es an "Diskurstheorie" noch gibt. Es ist eine brüllende Combo, PI ist jetzt ein Massenmedium, das bei Alexa künstlich zurückgestuft werden muss.
Diese therapeutischen Ausbrüche sind immerhin noch ein unbewusster ethnischer Abwehrkampf. Den Trommler im No-Problem-Orchester darfst du nach dem Haider nicht fragen, er kennt ihn gar nicht.
Nordländer
19. April 2013 13:31
@ M.L.:

"Jedesmal, wenn Stürzenberger den Mund aufmacht, verspüre ich den unwiderstehlichen Drang, auf der Stelle zum Islam zu konvertieren."

Stürzenberger, Femenaufstände, allerlei politisch-inkontinentes liberales Gebroder ... habe mir jetzt zumindest schon einmal Materialien angesehen, die Einwanderungsgesetzgebung Saudi Arabiens anbelangend.

Die Gemeinde derer, die da meint, eine Verneinung sei eine Verneinung, ein Widerspruch sei ein Widerspruch, ist beachtlich.
Der angepaßte Biedermann, der da klagt "Ich fühle mich als "Bio-Deutscher" (Cem Özdemir, sic) diskriminiert."

"Es ist nicht wahr, daß ich meine Frau seit Wochen im Keller gefangen halte. Ich weise weiterhin ausdrücklich darauf hin, daß ich all meine Waren im Lebensmittelmarkt grundsätzlich und immer an der Kasse zu bezahlen pflege."

Quietschvergnügt bejaht der politisch Inkontinente das Paradigma der BUNTEN Spassgesellschaft durch seine Verneinung, mit Wohlbehagen betrachtet er sein schmuckes Narrenkostüm des allzeitkritischen Islamkritikers im Spiegel, er wird auf dem Ball so manchen Harlekin, Cowboy und Indianerhäuptling ausstechen und in die zweite Reihe verweisen.
Theosebeios
19. April 2013 17:15
Mir wird bei so viel Zuspruch zu Foucault bzw. konstruktivistischen Ansätzen recht unbehaglich. Da scheint mir, pardon liebe Mitstreiter, ein gerüttelt Maß an Naivität mitzuschwingen. Es erinnert etwas an den emotionalen Aufschwung, den Herr Bosselmann vor Monaten hier anlässlich seiner Adorno-Lektüre zeigte. Kühlen Kopf bewahren. Bin dankbar für den messerscharfen und in kürzest möglicher Form eingebrachten Kommentar von "Irrlicht" (kontrafaktisch zu seinem Aliasnamen sozusagen).
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Methoden können blenden. Der negative Nutzeffekt (die Zersetzung der Zersetzer) ist zugestanden. Aber man zeige eine einzige konstruktive (sic) Anwendung bei gleichzeitiger Bewahrung vor Selbstinfektion.
Heinrich Brück
21. April 2013 19:04
Eine moralische Diskursethik, und die Mächtigen definieren die Moral?
Die Achtundsechziger werden Hitler niemals verzeihen daß er verloren hat.
Martin Lichtmesz
22. April 2013 14:05
Geschlossen, Dank an alle Teilnehmer.

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