11. August 2014

Notizen zu einem Interview mit Armin Nassehi (Fundstücke 22)

von Martin Lichtmesz / 14 Kommentare

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

NassehiHeute bekam ich von einem Freund ein älteres Interview mit dem bekannten Soziologen Armin Nassehi zugeschickt, geführt im Jahre 2012 von Christ und Welt. Anlaß war das "Schreibverbot", das der Bischof von Augsburg dem Pfarrer Georg Alois Oblinger erteilte, weil dieser regelmäßig in der Jungen Freiheit publiziert hatte.

Damals stand wie üblich nicht der Inhalt von Oblingers Kolumnen zur Debatte, sondern es wurde lediglich der Publikationsort skandalisiert, als wäre die Meinung des Autors allein schon dadurch diskreditiert. Schützenhilfe bekam Oblinger damals von gewichtigen und hochrespektierten Köpfen des katholischen Lagers wie Robert Spaemann, Wolfgang Ockenfels und Walter Hoeres; genützt hat es freilich nichts.

Christ & Welt ließ zwei ehemalige Mitarbeiter des Rheinischen Merkur pro & contra "Schreibverbot" zu Wort kommen: Michael Rutz wollte "klare Schnitte" sehen, Peter Meier-Bergfeld dagegen plädierte:
Der Verstand und die Vernunft gebieten, alle Meinungen zu hören, weil es denkmöglich ist, daß sie etwas richtiges enthalten.

Nassehis Einwurf fand ich in vieler Hinsicht etwas seltsam. Ein paar Punkte (bei weitem nicht alle, die mir aufgefallen sind), will ich hier herausgreifen.  Wenn man daraus etwas lernen kann, dann, daß es offenbar auch Soziologen schwerfällt, sich in eine andere Position und Perspektive hineinzuversetzen. Wie viele Liberale spricht auch Nassehi von einem "Fantasma eines 'politisch korrekten' Kesseltreibens", von dem die Betroffenen, etwa die Junge Freiheit, am Ende nur "profitieren" würden, da es ihnen die Gelegenheit gäbe, sich als "Helden" oder "Opfer" zu präsentieren. Er versteigt sich sogar zu der Behauptung, die Junge Freiheit "nutze" diese Zensur, denn nun könne sie sagen: "Seht her, diese Dinge dürfen nicht ausgesprochen werden."

Man hört diesen Einwand oft von liberaler Seite. Er klingt zwar als Einfall zunächst ganz witzig und hat gewiß auch ein Körnchen Wahrheit für sich - denn auch mit dem Ruf des "politisch Unkorrekten", dessen heldenhafter Ruf nach Wahrheit unterdrückt wird, kann man sich profilieren, interessant machen und ein Publikum von einem gewissen Umfang gewinnen. Aber diejenigen, die das "Kesseltreiben" und seine größeren und kleineren Abarten am eigenen Leib erlebt haben, wissen nur zu gut, daß es sich hierbei um alles anderes als um ein "Fantasma" handelt, und daß die negativen Effekte bei weitem überwiegen.

Das gilt im Persönlichen ebenso wie im Schöpferischen und Sachlichen: denn mit wachsendem Druck, der auch das Private affiziert und ins Materielle wirkt, wird es natürlich auch schwieriger, eine anspruchsvolle, qualitativ hochwertige Publizistik zu schaffen: es fehlt dann an Geld, an Zeit, an Personal, an stützenden Strukturen, an Talenten, die sich zu den "wilden Kerlen" wagen, aber auch an dem notwendigen Resonanzraum, an Publikum und produktiver Auseinandersetzung und einem belebenden (nicht beliebigen) Pluralismus.

Ein großer Teil der notorischen Neigung des rechten bzw. "konservativen" Lagers, sich selbst für nichts und wieder nichts zu zerlegen und gegenseitig die Beine zu stellen, hat mit diesem Außendruck zu tun, der sich psychologisch vielfältig auswirken kann, und dem Willen zur Wahrheit und zur Qualität und der allgemeinen Redlichkeit äußerst abträglich werden kann. Trotz all ihrer inneren Zerstrittenheit hat es die Linke in ihrer Geschichte dagegen immer wieder fertiggebracht, im Zweifelsfall nach außenhin "zusammenzuhalten", und das fällt ihr heute, da sie kulturell und metapolitisch absolut dominant ist, umso leichter.

Noch der wüsteste linksradikale Autonome weiß, daß er heute Freunde in der Presse, in den etablierten Parteien, in den Kirchen und in diversen humanitären Stiftungen hat, ein Riesenapparat, der ihm Sympathie, Unterstützung, Helden-, Opfer- und Märtyrerstatus verschafft, auch wenn er nur ein stinknormaler, randalierender Tropf ist wie "Josef S.". In einer solchen Lage hat man keinen großen Bedarf, sich zu "distanzieren" oder die eigene Position und seine Bündnispartner allzu skrupulös zu überdenken.

Auch letzteres mag aus geistiger Sicht ein Nachteil sein, verleitet es doch zur Faulheit, Selbstgerechtigkeit, Lagerblindheit, intellektueller Stagnation. Aber qualitative Fragen spielen umso weniger eine Rolle, je weniger sie nötig sind, um sich Aufmerksamkeit, Macht und Status zu verschaffen. Heute reicht dafür oft schon eine bloße linke oder sonstwie "korrekte" Gesinnung aus, um die Prämie zu bekommen.

Und dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt: wer die "falsche" Gesinnung hat, hat schon von vornherein verloren, egal, was er sonst noch zu sagen hat. Raoul Thalheim hat dieses Dilemma in seinem Roman "Hirnhunde" grandios dargestellt. Nassehi sollte nicht glauben, daß es einen so wahnsinnig großen Spaß macht, den "Helden" oder das "Opfer" zu spielen, wenn dafür kein ausreichend großer Lohn winkt und der allgemeine Applaus ausbleiben wird.

Apropos Robert Spaemann spricht Nassehi von einer "klassisch rechtskonservativen Polemik", die in folgender Denkfigur besteht:
Man unterstellt einen Zwang, der verhindere, die Wahrheit zu sagen.

Unabhängig davon, ob man von der Wahrheit dieser Wahrheit überzeugt ist: der Verhinderungszwang besteht real, ob nun sachlich festgestellt oder "polemisch" angeprangert. Und das weiß Nassehi in Wirklichkeit selber. Auf die Frage, ob er einer "rechtskonservativen Zeitung" ein Interview geben würde, antwortete er:
Ich hatte schon Anfragen, aber ich habe sie abgelehnt. Das ist vielleicht feige, aber man müßte zuviel erklären, und das war mir dann doch zu kompliziert.

Womit Nassehi bestätigt hätte, daß an dem "Fantasma" eben doch etwas dran sein muß, denn ansonsten hätte er ja keinen Grund, "feige" zu sein oder müßte er keine Sorge haben, in Erklärungsnot zu kommen. Schizophrenien dieser Art sind unter liberalen Köpfen oft anzutreffen. Mich erinnern sie ein wenig an Zen-Koans: "Wie klingt das Klatschen der einen Hand?" Es ist ja nicht die Schuld der Jungen Freiheit, daß "solche Dinge nicht ausgesprochen werden dürfen" ohne Sanktionen, und wenn sie diese Tatsache nachher anklagt, dann eben deswegen, weil es, ähm, eine Tatsache ist, und weil sie das Recht hat, diese Tatsache anzuklagen.

Aber Nassehi tut so, als ob es hier um eine letzten Endes dem Business "nützliche" self-fulfilling prophecy seitens der JF ginge, als ob es darauf ankäme, sich in dieser Nische und diesem Markenzeichen des unverstandenen Kämpfers gegen den Maulkorb gemütlich einzurichten. Nur daß es dort nicht gemütlich ist, und das es letzten Endes eben doch um das Ziel des "Aussprechendürfens" dessen, was man für wahr hält, geht - und nicht um die Perpetuierung eines auf die Dauer zermürbenden Zustandes.

Die Betroffenen dürften sich angesichts solcher Argumentationsschleifen mitunter in einen Kafka-Roman versetzt fühlen. Ein Oblinger wird mundtot gemacht, muß sich rechtfertigen, muß um seinen Ruf fürchten, und plötzlich ist er, in den Worten Nassehis, "ein Marketingfachmann", der alles "richtig gemacht" hat. Vielleicht hatte Oblinger aber auch gar keine Lust, ein "Held" oder "Opfer" zu werden, vielleicht hat er einfach gesagt und geschrieben, was ihm sein Gewissen eingeben hat, und darunter fand sich nichts, womit die Kirche ein Problem haben sollte.

Merkwürdig ist auch Nassehis Behauptung, Robert Spaemann übe eine "extreme" Dekadenzkritik , die er sogleich mit politischem Extremismus an "beiden Flügeln des politischen Spektrums" in Verbindung bringt. Was für ein Maßstab! Spaemann, ausgerechnet der so bedächtig formulierende Spaemann, bediene sich einer "extremen Sprache"!  Spaemann, über den Ijoma Mangold geschrieben hat:
Wenn Sokrates' Muttersprache Deutsch gewesen wäre, er hätte gesprochen, wie Spaemann schreibt.



Und warum erscheint Spaemann "extrem"?
Es geht hier ja nicht um die biblische Wahrheit, sondern die Wahrheit eines konservativen Diskurses, der immer schon weiß, was richtig ist, und damit weit hinter den Stand des religiösen und theologischen Denkens zurückfällt.




Abgesehen davon, daß es äußerst ungerecht ist, einem Spaemann dogmatische Rechthaberei oder Besserwisserei oder auch philosophisches Hinterwäldlertum vorzuwerfen, finde ich die Vorstellung ausgesprochen zweifelhaft (um es gelinde zu sagen), "religiöses" oder "theologisches" Denken wäre etwas, das man wie wissenschaftliche Forschungsergebnisse quasi auf einen neuesten, verbindlichen "Stand" bringen könne, nach dem sich dann jeder zu richten hätten.




Und von der wohltemperierten, jedem "Extremismus" abholden "Dekadenzkritik" der biblischen Propheten und des Neuen Testaments will ich an dieser Stelle schweigen. (Kann religiöse Dekadenzkritik denn überhaupt zu "extrem" sein? Welchen Maßstab setzt man hier an?  (Die Hölle ist vielleicht nur vom Paradies aus gesehen die Hölle.)




Ich will die Betrachtung an dieser Stelle stehen lassen; sie bringt auch gewiß nicht viel Neues. Unter konservativen Katholiken kursiert das auf Kuehnelt-Leddihn (oder vielleicht auch auf Donoso Cortés) zurückgehende Bonmot, die achselzuckende Frage des Pilatus "Was ist Wahrheit?" sei der archetypische Leitsatz des Liberalen aller Zeitalter (was in diesem Zusammenhang negativ gemeint ist). In diesem Sinne bin ich wohl auch ein Liberaler. Vielleicht hat man nicht viel Wahl: Gómez Dávila sagte einmal, es gibt nur zwei mögliche Positionen: Skeptiker oder Katholik zu sein.




Jedenfalls: ich wünsche mir weiterhin täglich, die rechte Publizistik hätte eine solche Freiheit und Elastizität, wie sie die linke Publizistik heute hat. Da alle Welt heute irgendwie "links" ist oder sein will, kann sie sich einen enormen Pluralismus leisten, und niemand, der etwas zu sagen hat, braucht Berührungsängste zu haben. Nur von den "Rechten" wird ständig verlangt, daß sie sich exakt schubladisieren, kategorisieren, positionieren, abgrenzen, distanzieren und so weiter und so fort sollen. Warum? Wozu? Das erledigen ja schon die Bundeszentrale für politische Bildung, das DISS, die Antifa oder die Rosa-Luxemburg-Stiftung für mich, schönen Dank.




In einem anderen Interview sprach Nassehi von der "symmetrischen" Ausrichtung der heutigen Gesellschaft:



In unserer Kultur ist heute fast alles symmetrisch gebaut. Jedes Argument, jeder ästhetische Geltungsanspruch, jede Art von ethischer Orientierung, von Lebensform, von Kultur findet heute auf gleicher Augenhöhe statt. In dieser Gesellschaft gibt es ein großes Symmetrieversprechen.




Mir ist nicht ganz klar, wie das zu verstehen sein soll. "Egalitär" scheint mir der passendere Ausdruck zu sein, und einen solchen Anspruch kann man leicht erkennen: theoretisch soll es keine Wert- und Rangunterschiede ethischer, ästhetischer, kultureller Natur mehr geben. Ob ein solches "Versprechen" erfüllbar oder überhaupt wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt. In unserem Zusammenhang ist es jedenfalls offensichtlich so, daß zwischen "links" und "rechts" kulturell und politisch eine geradezu krasse Asymmetrie herrscht.




Das soll nach dem Wunsch der Nutznießer dieser Ordnung offenbar auch so bleiben, weshalb jedes "rechte" oder "konservative" Element oder was gerade dafür gehalten wird,  möglichst isoliert, ausgegrenzt und die Begriffsquaränte gesteckt werden soll, und dies meistens auf eine krampfhafte, hysterische, reflexhafte, jedes freie Denken beleidigende Weise.




Es ist klar, daß sich an dieser Stelle wenig entwickeln und erweitern kann, wenn ständig irgendein Wächter und Alarmkläffer darauf achtgibt, wer was bei wem sagt. Oh, ich weiß, das hat auch und vor allem mit Macht und Machterhalt zu tun, und die Auseinandersetzungen um die Freiheit der Publizistik drehen sich immer zuerst um Macht und dann erst vielleicht um so etwas wie "Wahrheit".




Aber manchmal träume ich von einer "Neuen Rechten", die es noch gar nicht gibt, die heute allenfalls von ein paar Prototypen, Testläufern und Einzelgängern verkörpert oder vorweggenommen wird, eine "Neue Rechte", die sich durch einen undogmatischen Pluralismus auszeichnet und mindestens so elastisch in der Bestückung ihrer Foren ist wie die asymmetrisch überzählige Linke. Daß es dazu einstweilen nicht kommen wird, ist zu einem erheblich Teil den politischen Machtverhältnissen zu verdanken, und sollte nicht allzu viel den wenigen verbliebenen Rechtsintellektuellen selbst angelastet werden.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (14)

der demograph
12. August 2014 10:18
das ganze ist einfach nur traurig. Nassehi gehoert doch zu denen die, obwohl etabliert, noch am ehesten dazu in der Lage sein sollte verrueckte Gedanken zu denken, leidenschaftlich zu denken. Oder dieses vermeintliche Dogma des spaeten 20. Jdh einmal in die - denkerische - Tat umzusetzen: anything goes. Er ist Soziologe - wofuer soll es denn Soziologen geben wenn nicht dafuer zumindest in Erwaegung zu ziehen dass eine andere Sichtweise interessant sein koennte als jene die vetreten wird von der Bild Zeitung, der New York Times, der SZ und FAZ, der BBC und CNN, Arte und RTL, Coca Cola und Goldman Sachs, Hollywood und der Schule gegen Rassismus, auf der wir nach 1970 geborenen die Schukbank drueckten.
Fuer mich persoelich ist das auch deshalb traurig weil ich die Systemtheorie fuer ziemlich clever halte, und insgesamt die Soziologie nicht gerne abschreibe.
Nordlaender
12. August 2014 10:40
"Das erledigen ja schon die Bundeszentrale für politische Bildung, das DISS, die Antifa oder die Rosa-Luxemburg-Stiftung für mich, schönen Dank."

"Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. (Abkürzung DISS) ist eine private interdisziplinäre Forschungseinrichtung. Das Institut erstellt Analysen zur gesellschaftlichen Entwicklung für eine politische, pädagogische und journalistische Praxis. Es wurde 1987 gegründet. Geforscht wird nach eigenen Angaben insbesondere nach den Ursachen von Rechtsextremismus, Rassismus, völkisch-nationalen Tendenzen, Antisemitismus und sozialer Ausgrenzung."
(Wikipedia)

Heureka! So lange gegrübelt, wo der Begriff "DISSen" (Jugendsprache) wohl herkommt und endlich dahintergekommen.

http://de.wiktionary.org/wiki/dissen

Finde ich gut, daß sich das DISS mit sozialer Ausgrenzung befaßt. Gibt es von diesen DISSern eigentlich schon Untersuchungen darüber, wie es den Personen geht, die dank dem mutigen und unermüdlichen Einsatz der Rechtsextremismusexperten, Rassismusforscher und Antisemitismusspezialisten bereits aussortiert worden sind?
Ein Fremder aus Elea
12. August 2014 11:05
Vielleicht hat man nicht viel Wahl: Gómez Dávila sagte einmal, es gibt nur zwei mögliche Positionen: Skeptiker oder Katholik zu sein.

Was er damit wohl meint ist dies: Entweder Sie glauben daran, daß die verborgenen Aktivitäten der Autoritäten gerechtfertigt sind, oder Sie tun es nicht.

Dabei ist es zunächst einmal egal, wer die Autoritäten sind, obwohl es langfristig durchaus einen Unterschied machen dürfte, mit welcher Substanz sich die Form verbindet.

Ich meine, die Kirche, genauer gesagt St. Ansgar, hat damals den Wikingern Gold gegeben dafür, daß sie das Christentum annehmen, mit welchem sie Kämpfer bezahlen konnten, und weitere Beute und Königswürden wurden ihnen versprochen. Das Gold wurde zum Teil gefunden. In Byzanz gefertigte Schmuckstücke im germanischen Stil, etwa Kreuze. Und als die Wikinger eintrafen, um Beute zu machen, erklärte die Kirche den Betroffenen, sie müßten mehr beten und spenden, um Gott milder zu stimmen.

Und mit den Spenden hat die Kirche dann weitere Wikinger bezahlt.

Nun ja, der Zweck heiligt die Mittel. Und materiell betrachtet war es ein niedriger Preis, um Skandinavien zu christianisieren und damit die Grundlage für eine gesamteuropäische Ethik zu legen.

Nur spirituell ist diese Art der Missionierung ungültig.

Heute gibt es analoges Verhalten, Nazis gegenüber, etwa, oder militanten Islamisten.

Wahrscheinlich hat Nassehi auch sowas im Auge, wenn er von einem Marketingerfolg spricht, also daß sich die JF in der Position als Spieler etabliert, obwohl ich mir natürlich nicht sicher sein kann, was er denkt.

Ich meine, am Beispiel des transatlantischen Handelsabkommens kann man schön studieren, wie weit der Einfluß der Puppenspieler auf die AfD, auf PI und so weiter reicht. Und das ist durchaus substantiell. Zwar gibt es Widerstände, aber immerhin wirkt diese Seite, von welcher man an und für sich den entschlossensten Widerstand erwarten sollte, bereits zerstritten.

Auch wenn es einem gegen den Strich geht, am Ende macht man sich, wie die Wikinger, zum Vehikel der einzig wahren Kultur. Es waren schließlich die Normannen, welche einen Ableger des Lateinischen wieder partiell in England einführten.

Nassehi fühlt sich möglicherweise durch die Erweiterung der Spieler und möglichen Spielzüge bedroht. Und ganz falsch ist das ja auch nicht: Im Kasperletheater entscheiden schließlich auch die auftretenden Figuren über die Wendung der Handlung.

Nun ja, so gesehen ist die SPD das Bollwerk des deutschen Nationalismusses. Aber sonderlich günstig gestaltet sich der Kurs, welchen sie fährt, nicht.

Formal könnte man sagen: Alles wie gehabt. Substantiell hingegen liegt eine Inversion vor, deren Folgen wir bald spüren werden.
Christian Bode
12. August 2014 11:08
Der Soziologe war mir bislang unbekannt, scheint ja auch wichtigere Personen zu geben, aber das Aufdecken der linksliberalen, bzw. egalitär liberalen (ist das nicht eigentlich ein Oxymoron?) Schizophrenie ist gewohnt gut und einleuchtend.

Zur kulturellen und politischen Hegemonie, die wiederum die 'Störenfriede' der schönen, neuen Welt unterdrückt, ja unterdrücken muss - und zwar reflexartig, also im Sinne eines automatisierten Selbstschutzes, welcher deutlich schneller und somit effektiver funktioniert, als nachsinnendes Reagieren - möchte ich ein paar Punkte ansprechen, die meiner Meinung nach von rechtsintellektueller Seite stark vernachlässigt werden.

Die Erkenntnis, dass wir in Deutschland nicht mehr in einer wirklichen Demokratie für das Volk (und seine Aufrechterhaltung in der Zukunft) leben, ist ja Konsens. (Die Frage ist, ob man das gut oder schlecht findet.) Auf verlorenem Posten über diese und jene Themen zu sprechen, zu referieren und für sie einzustehen, das alles ist ehrenhaft und das gebietet einem auch einfach die Pflicht, aber die großen Ströme fließen weiter.
Das Wort Design scheint nirgends so rar gesät wie im rechten Umfeld und ich kreide das einfach mal der konservativen Mentalität an, die Kurtragic zurecht kritisiert. Von einem fahrenden Wagen herab den rechten Fuß schleifen zu lassen, das verändert nicht die Richtung und verringert nicht einmal merklich die Geschwindigkeit. Während qualitativ hochwertige Blätter zu vereinzelten Kulturpartisanen in den Busch vordringen, durch den sie sich eitel einzeln durchschlagen, als sei es ein Jünger'sches Gesetz der Mathematik, treffen sich Bilderberger, konsultieren sich Image- und Creative-Agenturen mit Politikern, Parteien und NGOs (Social Design), führen transnationale Multikonzerne mit Hilfe von globalen Marketing-Agenturen eine Werbekampagne nach der anderen, entstehen individuelle Design-Projekte, die mit Hilfe von politisch links-liberal gefärbten Online-Magazinen (spreading) Millionen erreichen.

Einige kurz zusammengesuchte Beispiele:
1) Technologisierung des Alltags (gleichzeitige Vernetzung aka Souveränitätsaufgabe) in einer völlig liberalisierten Individualkulturenfriedefreudeeierkuchenwelt. Ich fühle mich ja immer wieder schlecht dabei, dass ich mich nicht einfach wohlig in diese globale Welt aus kunterbunter Watte zurückfallen lassen kann.
https://www.youtube.com/watch?v=ejaDY8tXCts
https://www.youtube.com/watch?v=_mRF0rBXIeg

2) Social Design und Design Thinking von frogDesign (frog ist übrigens ein Akronym für Federal Republic of Germany, gegründet im Schwarzwald, heute aus USA global agierend). Hier wird Vor- und Nachteil der dem Design zugrunde liegenden Philosophie/Denkweise recht gut sichtbar. Während Innovation auch die Tradition lebendig halten kann, geht es im Social Design oft einfach um Social Change und das meint meistens ökonomisch, aber eben auch kulturell, zumindest subkutan.
http://designmind.frogdesign.com/magazine/

3) Von einzelnen Designern oder kleinen Gruppen initiierte Projekte, welche bei bestimmten Online-Medien positive Resonanz finden und mit Hilfe von Spreading immer wieder das Internet überschwemmen, eben eine Deutungshoheit gewinnen und den reziproken Kulturverlauf Oben-Unten und Unten-Oben verdeutlichen, wobei eben überwiegend die Aufwärtsbewegung von 'oben' gesteuert werden kann und wird. (Hier ein Beispiel, dass es eigentlich gar keine rassischen oder ethnischen Unterschiede gibt, sondern nur individuelle, also Individualfärbungen.)
http://humanae.tumblr.com/
http://www.fastcodesign.com/3027693/whats-your-pantone-color-consult-this-incredible-spectrum-of-human-skin-tones

Gruß,
#c
Der alte Fritz
12. August 2014 11:14
Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

ich verfolge Ihre Artikel stets mit großem Interesse; auch wenn ich zugeben muss, dass ich dem belesenen Charakter Ihrer Ausführungen oftmals nicht zu folgen imstande bin-

deshalb möchte ich auch nur kurz versuchen meine eigenen Beobachtungen zur gesamten Assoziierungskette rechts> links> Kultur> Gesellschaft zusammenzufassen.

Für mich lässt sich diese Wirkungskette relativ simpel beschreiben: "Follow the money"!

Anders gesagt: Das Alles, was wir heute erleben (dieser traurige und doch schöne?) Zustand ist -meiner Meinung nach- ein gewollter, der punktgenau genauso gesteuert wird (s. Bill Still, The MoneyMasters <a href="https://www.youtube.com/watch?v=joPoBIaPdZQ" ). Mir ist bewusst, dass ich so impliziere, dass wir (die meisten von uns) nicht mehr Herr über unsere Sinne, über unsere Taten, Gedanken und Wünsche sind, doch leider ist für mich diese Welt anders nicht (mehr) zu begreifen- auf diese Art und Weise allerdings sehr gut. Ich vertrete demzufolge einen offensichtlich kalten, nüchternen und harten Ansatz- es wird keine (Er-) Rettung geben!
Und es liegt einzig an uns selbst allein unser Leben, unsere Umwelt u Umfeld so zu gestalten, dass wir es an unserem Platz aushalten können.

Kafka- "Gib`s auf"?

Ja und Nein! In Bezug auf die alten Grabenkämpfe (a.k.a. Macht) ein klares JA: Die (leider) Verblendeten werden nie begreifen, dass wir eigentlich alle im selben Boot sitzen.
In Bezug auf uns selbst- auf unsere Welt- ein klares NEIN. Hier haben wir alle Möglichkeiten, das was uns schön erscheint auch als solches zu sehen (für mich zB das Marine- Ehrenmal in Laboe oder der weibl. Kleidungsstil in Vertigo); hier haben wir doch auch die Möglichkeit uns selbst zu bestimmen.

Es ist eine Zufriedenheit im Kleinen, im Privaten von der ich behaupte, dass es nie eine andere gegeben hat- aus der Sicht eines anderen Menschen mit anderen Ansprüchen vermag ich selbstverständlich nicht zu sprechen.
Roland
12. August 2014 12:26
Danke Herr Lichtmesz!
Hoffentlich ein Beitrag, der auch zur dringend notwendigen Verständigung beiträgt. Es ist, als formulieren sie meine Gedanken aus. Genau das habe ich nämlich gedacht, als dieser Streit vor kurzem seinen traurigen Höhepunkt erreicht hat. Wir brauchen im konservativen Spektrum mehr Pluralismus. Diejenigen, die zur Realpolitik tendieren, dürfen nur aufgrund ihrer politischen Schwäche, nicht alle eigenen Metapolitik verraten und opfern. Aber diejenigen, die der Metapolitik, damit meine ich jetzt den Prinzipen und Grundsätzen treu bleiben, sollten aber auch nicht jeden realpolitischen Versuch verurteilen. Wenn nur zwei Prozent unserer Positionen durch das parlamentarische System implementiert werden könnten, wären es eben auch zwei Prozent Gewinn im Frontverlauf der Metapolitik, der politischen Debatte und des politischen Specktrums. Aber es gibt eben leider auch diejenigen, die im verzweifelten Kampf um den Anschluss an die politische Debatte, bereit sind, alle Brücken zu den eigenen Wurzeln zu sprengen. Man darf aber nicht aufgrund der realpolitischen Schwäche, alles verraten das im Moment nicht anschlussfähig ist. Das "Interregnum" Mohlers ist ein gutes Beispiel. Dass man sich dann auch noch, gegen mühevoll etablierte Begriffe wie "Neue Rechte" wendet, ist einfach fatal. Diese metapolitischen Frontgewinne können eben nur wirksam werden, wenn man sich im Realpolitischen, nicht völlig von der eigenen Metapolitik distanziert. Die Linken zeigen doch sehr deutlich, wie wichtig es ist, eine geschlossene Front zu bilden: zusammenzuhalten. Aber wenn sich die Prinzipienorientierte in die dunkle Ecke setzen, um darauf zu warten, bis alles zusammenbricht, in der wahrlich utopischen Hoffnung, dann gerufen zu werden, ist das aber ebenso falsch. Auch subversive Aktionen dürfen eben nur eine Ausnahme sein, die zur realpolitischen Umsetzung der eigenen Metapolitik beiträgt. Wir kennen doch unseren Machiavelli und Schmitt; ohne unsere Positionen in der institutionellen Macht zu verankern, ohne einen Zugang zur Herrschaft, wird es keine Frontgewinne geben. Den Satz: "Die haben es doch schon immer gesagt, gebt denen die Macht" wird niemand sprechen. Beide Seiten müssen Hand in Hand gehen und sich nicht untereinander bekämpfen. Auch darf sich die anschlusssuchende Seite, nicht immer der von Außen erzwungenen Distanzierung hingeben, nur weil es eben "leichter" und "bequemer" ist. So verrät man schon auf dem Weg ins Parlament, fast alle eigenen Standpunkte und die eigene Metapolitik.
al-Muschrik
12. August 2014 15:05
Tja, Herr Lichtmesz, das bloße Bekenntnis zum Liberalismus oder zur Nichtexistenz der Wahrheit gilt wohl schon seit langem nicht mehr als zureichender Humanitariernachweis. Und in Zukunft wird man wohl immer mehr beibringen müssen, um vor einem aufmunternden "Kusch! Saunazi!" einigermaßen sicher zu sein.

Das, sagen wir einmal: etwas gespannte Verhältnis des Liberalen zur Wahrheit würdigen beide, der Ritter wie der Marqués.

Erik von Kuehnelt-Leddihn in Freiheit oder Gleichheit, Salzburg 1953 p164:
Unwillkürlich fällt einem da auch die Tragödie des Pilatus ein. In Johannes XVIII, 37–38 lesen wir, wie Christus in dessen Gegenwart bekräftigte, daß er tatsächlich der König der Juden sei, der, um Zeugnis für die Wahrheit zu geben in diese Welt gekommen war. Jeder, so belehrte ihn der Heiland, der in der Wahrheit wiedergeboren ist, wird auf seine Worte hören. Pilatus aber stellt die Verzweiflungsfrage: „τί ἐστιν ἀλήθεια; Was ist Wahrheit?“ Er ist so überzeugt, daß es keine Antwort auf diese Frage gibt, daß er den Menschensohn verläßt und zur tobenden Menschenmenge hinausgeht, wo er diese unangenehme Sache aus dem Bereich des liberal-häretischen Zweifels in den der demokratischen Prozedur verlegt. Die Mehrheit sollte entscheiden … und diese beschloß den Gottesmord.


Und Juan Donoso Cortés in einem Brief an
SEÑOR DIRECTOR DE El Orden.
PARÍS, 10 de Junio de 1851
Mayores cosas verá V., si Dios no se apiada de nosotros. Verá V. á la mentira levantarse serena, y decir á la verdad: Yo soy la verdad, y tú eres la mentira; á los calumniadores decir á los calumniados: Nosotros somos los calumniados, vosotros sois los calumniadores. Nadie distinguirá lo justo de lo injusto, lo honesto de lo deshonesto, la verdad del error, ni la virtud del vicio. Y todos se preguntarán unos á otros, como Pilatos al Señor : ¿Qué cosa es la verdad? ¿Qué significan esos nombres? Y como Pilatos, el mundo no recibirá respuesta hasta que, descendiendo de lo alto un rayo de luz, se ilumine de súbito esta obscurísima noche, y tomen su vuelo hacia el Oriente las palomas, y hacia el Occidente las harpías.

[Mit V. ist wohl Veuillot angesprochen.]

oder in seinem

Ensayo sobre el catolicismo, el liberalismo y el socialismo 1, 8:
De todas las escuelas, ésta es la más estéril, porque es la menos docta y la más egoísta. Como se ve, nada sabe de la naturaleza del mal ni del bien; apenas tiene noticia de Dios, y no tiene noticia ninguna del hombre. Impotente para el bien, porque carece de toda afirmación dogmática, y para el mal, porque le causa horror toda negación intrépida y absoluta, está condenada, sin saberlo, a ir a dar con el bajel que lleva su fortuna al puerto católico o a los escollos socialistas. Esta escuela no domina sino cuando la sociedad desfallece; el período de su dominación es aquel transitorio y fugitivo en que el mundo no sabe si irse con Barrabás o con Jesús y está suspenso entre una afirmación dogmática y una negación suprema. La sociedad entonces se deja gobernar de buen grado por una escuela que nunca dice afirmo ni niego y que a todo dice distingo. El supremo interés de esa escuela está en que no llegue el día de las negaciones radicales o de las afirmaciones soberanas; y para que no llegue, por medio de la discusión confunde todas las nociones y propaga el escepticismo, sabiendo como sabe, que un pueblo que oye perpetua mente en boca de sus sofistas el pro y el contra de todo, acaba por no saber a qué atenerse y por preguntarse a sí propio si la verdad y el error, lo justo y lo injusto, lo torpe y lo honesto, son cosas contrarias entre sí o si son una misma cosa mirada desde puntos de vista diferentes. Este período angustioso, por mucho que dure, es siempre breve; el hombre ha nacido para obrar, y la discusión perpetua contradice a la naturaleza humana, siendo, como es, enemiga de las obras. Apremiados los pueblos por todos sus instintos, llega un día en que se derraman por las plazas y las calles pidiendo a Barrabás o pidiendo a Jesús resueltamente y volcando en el polvo las cátedras de los sofistas.


Nicolás Gómez Dávila allerdings gibt den Skeptikern, jedenfalls gewissen Arten davon, etwas mehr Hoffnung:
— La apologética debe mezclar escepticismo y poesía.
Escepticismo para estrangular ídolos, poesía para seducir almas.
— El escepticismo no mutila la fe, la poda.
— Sólo el escepticismo estorba la incesante entronización de ídolos.
— Entre el escepticismo y la fe hay ciertas connivencias: ambos minan la presunción humana.
— Entre el escepticismo y la fe no hay conflicto sino un pacto contra la imposture
— El escepticismo es la humildad de la inteligencia
— Escéptico o católico: lo demás se pudre con el tiempo
— El escéptico es un filósofo que no ha tenido tiempo de volverse cristiano
— Escuchar a convencidos es interesante, pero sólo se puede dialogar con escépticos
— Contra la soberbia gnóstica sólo inmunizan el escepticismo y la fe.
El que no cree en Dios puede tener la decencia de no creer en sí mismo
Martin Lichtmesz
12. August 2014 16:00
Das trifft es besonders gut:
El escepticismo es la humildad de la inteligencia
Rainer
12. August 2014 17:24
Dieser Nassehi ist mir bereits während der Debatte um Sarrazins Buch " Deutschland schafft sich ab" unangenehm aufgefallen. Während einer Lesung von Sarrazin im Literaturhaus in München vor 4 Jahren wurde er vom Veranstalter als vermeintlicher "Experte" neben anderen Sarrazin-Gegnern eingeladen, um dessen Argumente zu entkräften und zu diffamieren. Es gelang ihm natürlich nicht, stattdessen saß er auf dem Podium, gab arrogante Bemerkungen ab und beschimpfte das Publikum. Zitat: "Ja genau, deshalb bin ich hier: um Ihnen etwas beizubringen und Ihnen zu sagen, was richtig ist." Ein Bericht von dem Abend ist hier zu lesen:

http://www.pi-news.net/2010/09/muenchen-ein-abend-mit-thilo/

In einem Interview in der Süddeutschen fühlte er sich als "Opfer" der Zuschauer dieser Veranstaltung und bezeichnete diese sogar als borniert und selbstgerecht, obwohl diese Eigenschaften offenbar genau auf ihn selbst zutreffen.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/soziologie-nassehi-muenchen-ist-wie-dritte-zaehne-1.1338507-2
al-Muschrik
12. August 2014 20:47
Mir hat von Gomez' Aphorismen über die Skepsis
— Contra la soberbia gnóstica sólo inmunizan el escepticismo y la fe.
El que no cree en Dios puede tener la decencia de no creer en sí mismo

am besten gefallen, weil er recht gut wiedergibt, was es braucht um sich von linkem Gutmenschentum und pelagianischem Gnostizismus befreien zu können.
Und
— El escéptico es un filósofo que no ha tenido tiempo de volverse cristiano

weil er mir Hoffnung gibt, doch noch zum christlichen Glauben finden zu können.
El escepticismo es la humildad de la inteligencia

ist tatsächlich treffend, aber verweist vielleicht auch am deutlichsten auf ein mögliches großes Problem der Rechten.
Donoso, der christliche Aktivist und Politiker, der Apologet einer dictadura del sable gegen eine dictadura del puñal weiß, daß der Liberalismus
por medio de la discusión confunde todas las nociones y propaga el escepticismo
und
el hombre ha nacido para obrar, y la discusión perpetua contradice a la naturaleza humana, siendo, como es, enemiga de las obras

Von Gomez dagegen, dem Verteidiger der Skepsis und katholischen Quietisten, berichtet Martin Mosebach:
"Ich bin ein demütiger Katholik", sagt Gómez Dávila über sich und kann bei modernen Oberhirten, die gern vom "mündigen Christen" reden, damit nur Verlegenheit auslösen. "Die Kirche stirbt", fährt er mit gesenktem Kopf fort, "wir müssen mit Gott allein sein. Das Gebet ist die einzig intelligente Tat."


Das Problem wären also womöglich:
skeptische, zuweilen sogar demütige, und glaubensschwache Rechte mit denen man interessante Dialoge führen kann
und
von jeglichen Zweifeln freie, fanatisch gläubige Linke, die jede mißliebige Äußerung schon im Keime ersticken können.

Wer wird unter diesen Umständen die Oberhand behalten?

M.L.: Das erinnert mich an Yeats: The best lack all conviction, while the worst are full of passionate intensity...


Inselbauer
12. August 2014 22:44
Dort, wo die symbolische Politik des gegenwärtigen Regimes von Rechts in den Grundfesten erschüttert werden könnte (und das wäre ja der Sinn der metapolitischen Auseinandersetzung), hat man schnell die Polizei im Haus. Es bleibt daher ein schöngeistiges Etwas übrig, das im Grunde auch in einem Roman über dieses Milieu stehen könnte.
Deshalb ist "Thalheims" Roman ja auch so gelungen. Er ist besser als die Realität.
Versucht man ernsthaft, z.B. gegen das NSU-Phantom Wühlarbeit zu leisten, ist die rechte metapolitische Publizistik nicht dabei. Ja, es wird schon ein Körnchen Wahrheit in der Unterstellung liegen, dass man auf der Rechten vor nennenswerten Erfolgen die Hosen voll hat.
Carsten
13. August 2014 10:43
Es kommt heute nicht darauf an, WAS gesagt wird, sondern WER es sagt.
Das ist also der "herrschaftsfreie Diskurs" der Linken. Na schönen Dank!
Rumpelstilzchen
13. August 2014 11:45
Ich sage nicht, dass Sie am rechten Rand stehen,
sondern frage Sie, wie Sie sich davon abgrenzen.


Claudia Janssen ( EKD) in einem Interview zu Birgit Kelle

Das beschreibt m. E. ganz gut das Dilemma beim Umgang mit "Linken".
Meine linksgrüne Freundin lässt ganz stolz und scheinbar ungezwungen die TAZ auf ihrem eames chair rumliegen ( sie ist sehr weltoffen).
Ich dagegen drehe manchmal verschämt den Titel der JF in meinem Einkaufskorb nach unten,
Je nachdem wem ich begegne. Dabei steht nun wirklich nichts Schweinisches oder Ehrenrühriges drin.
Diese eingebaute Selbstzensur macht mich betroffen und ich fühle mich ausgegrenzt.
Andererseits besagt dies auch, dass die Soziologie gar keine richtige Wissenschaft ist. Sie ist weder Natur- noch Geisteswissenschaft, sondern ein "Abfallprodukt" der Aufklärung.
Ihr geht es gar nicht um Wahrheit. Nicht einmal um eine diskursive Wahrheit.
Was soll's also.
Während die Linke noch immer in der ewigen Gegenwart lebt und manch ein Rechter oder Konservativer in der ewigen Vergangenheit, scheint es eine lichte Zukunft nicht mehr zu geben. Vielleicht steuern wir auf den Eisberg zu.
Wie schrieb Alexander Blok zum Untergang der Titanic 1912 in sein Tagebuch:
" Den Ozean gibt es also doch !"
Götz Kubitschek
13. August 2014 11:46
und schluß.
gruß! kubitschek

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