Sezession
2. April 2015

Die Schnellrodaer Gestalt – zur 15. Winterakademie des Instituts für Staatspolitik

Gastbeitrag

Zu solchen paradoxen Reaktionen kommt es mitunter in der Kunst, wenn man etwa beim Betrachten einer Kriegsmalerei von Goya über die finsteren Motive hinaus – aber auch durch sie hindurch – ästhetisch berührt, erfüllt und beseelt wird. Doch kommt es dazu nur auf höchstem Niveau, wenn nämlich der unbedingte Einsatz des Künstlers seiner Darstellung eine Intensität verleiht, die wiederum den Betrachter durchdringt und sein Auge erst „sonnenhaft“ werden läßt.

Einen ähnlichen Vorgang gab es bei Kubitscheks Rede und, wie bei einem Lauffeuer, das alles Umliegende erfaßt, immanent auch bei allen anderen Vorträgen zum Thema „Geschichtspolitik“, die den 90 Teilnehmern zu Ohren gebracht wurden. Ob Erik Lehnert über den Schuldstolz, Friedrich Pohlmann über den Historikerstreit, Michael Rieger über die geschichtspolitische Positionierung der Literatur oder Klaus Hammel über die nachgereichte Moral beim Blick auf die Wehrmacht referierte - immer griff mehreres ineinander:

Hingabe an den Gegenstand, Eifer und Ernsthaftigkeit auf Seiten der hervorragenden Redner, geballte Konzentration, Strebsamkeit und Aufnahmehunger auf Seiten der Zuhörer. Der Höhepunkt des Wochenendes: ein grandios dichtes Gespräch über Martin Heidegger bei Kerzenlicht, das auf nicht mehr als zehn Teilnehmer beschränkt war, nährte sich ganz entschieden von dieser Dynamik und wäre ohne sie nicht halb so intensiv gewesen.

Es ist dieses Ineinander, dieses gegenseitige Beflügeln ALLER Beteiligter, das so etwas Schwerwiegendes darstellt: nämlich die Bergung und Freilegung einer Gestalt, die letztlich jenem Schreckensbild des entlebendigten, technokratischen Seifenmenschen genau entgegensteht. Sie birgt all das, was diesem entzogen ist: innere Entflammbarkeit, Vehemenz, Unverlogenheit, Demut.

Vielleicht darf man sie, und sei es bloß der Griffigkeit halber, die „Schnellrodaer Gestalt“ nennen. Denn allein dort, in der Abgeschiedenheit der Sachsen-Anhaltischen Provinz, flankiert von den Denkfabriken IfS – Antaios – Sezession wird an ihr und ihrer Zukunft gearbeitet, werden ihre Anlagen gestärkt und verfeinert. Man kann – und jeder der 90 Teilnehmer wird es bestätigen – allen weiteren Interessierten nur zuraten, an dem Prozeß teilzunehmen. Er ist einmalig und gravierend.


 Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.