Sezession
28. April 2015

Institut Iliade tagte am 25. April in Paris – SiN vor Ort

Benedikt Kaiser

Danach blieb es Philip Stein vorbehalten, einen deutschen Erinnerungsort in seiner Bedeutung für das europäische Geistesleben vorzustellen. Er bettete die Wartburg in die deutsche und europäische Geschichte ein, erläuterte Luthers nachhaltige Wirkung auf die Weltgeschichte und vergaß als Burschenschafter nicht, die Bedeutung des mit der Wartburg eng verbundenen Waffenstudententums im Wirken für die deutsche Nationalbewegung zu skizzieren:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Im Jahr 1848 wurden sie [die Burschenschafter] zum Wegbereiter und Träger der deutschen Märzrevolution, die sich in verschiedenste revolutionäre Ereignisse in ganz Europa einreiht. Während Giuseppe Mazzini und sein „Junges Europa“ vorwiegend in Italien kämpften, standen deutsche Studenten ebenfalls für ihr Vaterland auf den Barrikaden. Die erste deutsche Studentenrevolte entfaltete trotz ihrer bürgerlichen Ursprünge eine weitaus größere umstürzlerische Energie, als etwa Rudi Dutschke und seine linke 68er-Generation rund 150 Jahre später. Statt zeitgenössischer Sitzblockaden und Flashmobs übten sich die Studenten der Wartburg-Generation in körperlicher Ertüchtigung, Turnübungen und Gymnastik. An Stelle der Internationalen sangen die Burschen nationales und volkseigenes Liedgut.

Stein beließ es aber nicht bei einer deutschzentrierten Perspektive und stellte einen gesamteuropäischen Kontext her. Sein Plädoyer für eine europäische Annäherung, die nicht zuletzt dem geistigen Patron des Symposiums – Dominique Venner – stets am Herzen lag, endete mit der Feststellung, daß es nicht nur das gleiche geschichtliche Schicksal sei, das Europa verbinde, sondern auch das mannigfaltige Zusammenwirken des europäischen Intellekts. Die Wartburg als Ausgangspunkt vieler deutscher Umwälzungen, die auf das gesamte Europa überschlugen, ist, so Stein, zweifellos ein wichtiger Pfeiler der gemeinsamen Geistestradition.Stein Iliade

Weitere Wortbeiträge kamen von Marie Monvoisin („Brocéliande“), die über "Merlins Wald" in der Bretagne referierte, der auf keiner modernen Landkarte verzeichnet ist und in der keltischen Mythologie eine große Rolle spielt; von Christopher Gérard („Die Schönheit und das Göttliche“); vom bereits erwähnten Jean-François Gautier („Die Polyphonie der Welt“), dessen großartige Tour d’horizon über Hunderte Jahre Musiktradition die Gäste verzückte; und abschließend vom spanischen Schriftsteller Javier Portella („Die Spaltung/Dissidenz durch Schönheit“), der in einem unterhaltsamen, visuell begleiteten Beitrag die (post)moderne Kunst als Antikunst einer Kunst des Schönen entgegensetzte.

Nächstes Jahr soll ein dritter großer Kongreß stattfinden. Bis dahin will das Institut einen Förderkreis bilden, der die Bildungsarbeit für die Bewahrung europäischer Traditionen stützen und forcieren soll, und weitere Veranstaltungen durchführen. Man darf gespannt sein, zumal die Meßlatte mit der diesjährigen Veranstaltung enorm hoch angesetzt wurde.

Weiterführende Informationen zum Kolloquium 2015 finden sich auf der Netzseite und der Facebook-Präsenz des Instituts. Das Iliade-Sonderheft der livr’arbitres – mit den Vorträgen von Benoist, Gautier, Portella, Gérard, Stein, Scianca – kann hier bestellt werden (8 € + Porto); die Vorstellung einer älteren Ausgabe des Literaturmagazins findet sich hier.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


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