Sezession
14. Oktober 2013

Raspail und Fernau – Auftakt zur edition nordost

Gastbeitrag

Entscheidend ist, daß dieser Ritt sich als Suche nach einem konservativen, rechten, reaktionären Traum entpuppt, dem sieben rechte Charaktere nachjagen: der militärische Führer, der Aktivist, der Kleriker, der Gescheiterte, der Urwüchsige, der Waldgänger, der Preuße. Jeder hat einen Traum, jeder erlebt und berichtet die Geschichte auf seine Weise, und das ebenso überraschende wie schockierende Ende zeigt, daß derlei Ritte vielleicht die einzige Möglichkeit sind, etwas von jener Größe wiederzugewinnen, die vollständig zerstört und verloren ist: Indem man schreibt oder liest, ist man in jenem Traum, dem das Schreiben und das Lesen gelten. Dies kann man wahlweise als Weltflcht, Unreife, Unbeirrbarkeit, Selbstsicherheit oder Trotz beschreiben, auch als Waldgang, oder eben als den erneuten Beginn von allem.

Wie das Ende von allem liest sich der zweite Band der neuen Edition: Hauptmann Pax von Joachim Fernau basiert auf einem Tatsachenbericht, der Germanist Burkhart Berthold hat das in seinem Nachwort dargestellt. Die Erzählung schildert den Ausbruch von rund einhundert deutschen Kriegsgefangenen, die sich im Sommer 1944 zur Truppe durchschlagen wollen.

Fernaus Bericht ist beinahe ein Drehbuch. Dialoge wechseln mit Szenenbildern, von denen einige immer wiederkehren: Hunger, Erschöpfung, Hoffnung, Streitsucht – vor allem aber der Verlust von Kameraden, die nicht mehr weiterkönnen. Der lapidare Ton Fernaus paßt zum Grundcharakter des Erzählten: Was getan werden muß, läßt sich nicht wegquatschen, und so ertragen Fernaus Figuren ziemlich stumm, »was kein Tier ertragen könnte«.

Die edition nordost hat an beiden Büchern Illustratoren arbeiten lassen. Für Hauptmann Pax griff der Fotorealist Ralph Oertel zum Stift, und die in Rußland lebende Künstlerin Kristina Zieber fertigte für Sieben Reiter szenische Zeichnungen an. Man kann nur hoffen, daß die Leser die Bedeutung der neuen Edition erkennen und dem Projekt mangels Lesebereitschaft kein frühes Ende bereiten. Unter anderem, hört man, hat ein Autor erste Proben eines Romans über jenes Milieu eingereicht, dem auch die Sezession entstammt – er soll Anfang nächsten Jahres erscheinen.


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