Sezession
4. Oktober 2014

Michael Köhlmeiers »Joel Spazierer«

Ellen Kositza

Man darf den Lebensweg des späteren Spazierer als ein »aus sich selbst rollendes Rad« verstehen, als Weg eines Übermenschen im zarathustrischen Sinne: »Seine Welt gewinnt sich der Weltverlorene« (Nietzsche). András alias Joel ist dabei kein Gottsucher. Nicht das »credo ut intelligam« begleitet seinen Weg, sondern umgekehrt: Unser Held glaubt nicht an Gott, keineswegs tut er das (er wird in der DDR als charismatischer Professor E.-T. Koch einen Lehrstuhl für wissenschaftlichen Atheismus innehaben), er weiß, daß es ihn gibt, denn er ist ihm zweifellos begegnet.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Es gibt einen Unterschied zwischen Wahrheit und Wirklichkeit! Man könnte ihn kompliziert sezieren. Ähnlich verhält es sich mit der Trennung zwischen Gut und Böse. Es gibt ungezählte Traktate darüber, ebenso zum aus mittelalterlicher Zeit stammenden Streit zwischen Universalismus und Nominalismus. All diese Erwägungen vereinigen sich im abenteuerlichen Leben des Joel Spazierer, diesem von aller Welt geliebten Narren in Christo. Selten erscheint ein Buch von solcher Welthaltigkeit. Dies hier ist Weltklasse.

Michael Köhlmeier: Die Abenteuer des Joel Spazierer, München 2013. 653 S., 24,90 € – hier bestellen!


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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