23. März 2016

Das war's. Diesmal mit: AfD für Frauen, kulturpessimistischer ZEIT und Luhmann

von Ellen Kositza / 30 Kommentare

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

16. März 2016 -- Wer je behauptet hat, Alice Schwarzer sei von gestern und überhaupt auf dem Holzweg, sieht sich heute abermals eines Besseren belehrt. Schwarzer beklagt den überheblichen Umgang mit der AfD und ihren Wählern:
Denn die AfD-Wählerinnen sind nicht die Anderen – es sind wir selber.



(…) Am Wahlabend fiel, auch bei den Differenzierteren, immer wieder ein Satz: „Jetzt müssen wir Demokraten zusammenrücken.“ Wer ist „wir“? Sind die etablierten Parteien die Demokraten und die AfD ist das nicht? Aber dann hätte sie gar nicht zur Wahl antreten dürfen, denn das können in Deutschland nur demokratische Parteien.

Und weiter: "Die Deutschen sollten endlich lernen, zwischen rechts und rechtsradikal zu unterscheiden."
Endlich sagt´s mal eine!

Daneben darf ausgerechnet Barbara Vinken im Deutschlandradio ein Frauke-Petry- Pressebild „lesen“, ein seltsames Format für’s Radio, zumal der Zuhörer das interpretierte Bild ja gar nicht sehen kann. So stellt es sich dar: Die Berliner Zeitung hatte Petry auf dem Titel. Sie ist dort anscheinend übergroß auf dem Bildschirm zu sehen, über ihr ein güldener Glorienschein, entstanden durch Lichtreflexe. Vor ihr ein vergleichsweise kleiner Mann, gesichtslos, von hinten, Verkabelungen führen an sein Ohr: Der Interviewer als willfährige Marionette.

Hübsch zu hören, wie Barbara Vinken angesichts dessen ins Schwärmen gerät: über das „offene, sehr offene“ Gesicht der treffend als „garconnehaft“ bezeichneten Petry, über ihren eindringlichen Blick, ihre Energie: Sie, die Petry, gegen die Lügenmachenschaften der Medien! „Aug in Aug“ mit dem Marionettentyp, eindringlich, souverän.

Scheint, man könnte die AfD sehr gut zu einer Partei auch für Frauen ausbauen. Sollte man. Muß man.

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21. März 2016 -- Unter der illusionslosen Überschrift „Keine Fragen, keine Interessen, keine Antworten“ beschreibt ein Schriftsteller in der ZEIT, wie er ein Semester lang vergeblich versucht hat, mit Studenten der Gesamthochschule Essen ins Gespräch zu kommen. Es ist das Protokoll einer „Bildungsnot“.

Und eine Fortsetzung: Bereits ein paar Ausgaben zuvor hatte ein Professor der Literaturwissenschaft an gleicher Stelle geklagt: „Sie schreiben falsches Deutsch, sie lesen keine Bücher: Studenten verlernen das Denken“. Unseren hochengagierten Schrifsteller nun ödet bereits der Weg zur Uni an, all diese in den verödeten Kaufschluchten herumhängenden Jugendlichen, die trübselige Architektur.

In seinem Seminar finden sich anfangs fünfzig Hörer ein, am Semesterende fünf oder sechs, die Veranstaltung lief nämlich außerhalb der Zertifkatbetriebs. Aber auch die verbleibenden „Germanistinnen und Germanisten“ hatten keinen Redebedarf; „alles, worüber ich sprach, schien unbekannt zu sein“, „freischweifendes Kombinieren und Assoziieren“: erst recht Fehlanzeige. Selbst der „übliche Linksüberholer“ verstummt bald träge.



Das, so die Folgerung des Schriftstellers, sei das Resultat eines „Schulsystems, in dem allein das Auswerten von Ergebnissen, aufgespalten in Bits und Terms, die strömungsgünstig und funktionstüchtig unserer Leitplankenkultur zum Gedeihen“ verhülfen.

Wie wahr, eine notwendige Klage! Und das - in der ZEIT? Ja, nämlich in der Ausgabe vom 4. April 1980. Ein Leser hat uns gerade ein mächtiges Konvolut an alten, sorgsam sortierten Zeitungsartikeln überlassen. Merke: Manche Zustände dauern schon länger an. Manche Medien haben sich ihnen angepaßt: strömungsgünstig und funktionstüchtig.

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22. März 2016 -- Zweimal zum Lächeln, erstens: Im elektronischen Postfach zwei mails unbekannter Herkunft mit dem Betreff „Ihre Osterwerbung“. Gleich rattert‘s im Hirnkasten: Ah, kommen diese Leute jetzt drauf, daß wir uns im „Osten“ ein Rittergut gekauft haben? Olle Kamellen! Oder was ist das? Ich surfe gelegentlich auf „schlesischen Seiten“ – sorgt diese meine Aktivität nun algorithmisch dafür, daß „man“ denkt, ich hätte Interesse an einer Erwerbung im Osten? Klar ratterts nur kurz: Gemeint ist keine Ost-Erwerbung“, sondern die „Oster-Werbung“ des Verlags. (Hörte gelegentlich, der Bindestrich gelte als „undeutsch“…)Zweitens: Tochter lächelt mit gewisser Überlegenheit über einen Lehrer, der in letzter Zeit immer ein Luhmann-Bändchen bei sich trägt. (Wortlaut: „Der mit seinem kindischen Luhmann-Bändchen immer…“) Nun handelt es sich um einen Lehrer, über dessen Sprüche ich mir gelegentlich schon Gedanken gemacht habe. Welchen Luhmannband trägt der wohl bei sich? In den Gängen der Schule, in der Pause, oder was?

Staune noch mehr über die Überheblichkeit der Tochter. Wann habe ich Luhmann entdeckt? Mit 15 sicher nicht. Was weiß sie von Luhmann, was sind ihre („kindisch“) Argumente? Zwanzig Sekunden intensivsten Grübelns, dann die Auflösung: Der Mann trägt ein Loom-Armbändchen am Handgelenk, ein modischer Zuspätkommer…

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (30)

Westpreuße
23. März 2016 22:43
Frau Kositza,

ich verfolge mit Interesse und Vergnügen die "Querfront", die von Ihnen zu Frau Alice Schwarzer seit einiger Zeit angebändelt wird. Gibt es denn schon eine Rückmeldung...? Halten Sie uns auf dem Laufenden? Bitte, ja!

"Garconnehaft"; da mußte ich nachschauen!
Hat das etwas mit Stoffen, Kleidung, Brautkleidern, Schnittmustern...
zu tun? Bin etwas verunsichert...Klären Sie mich bitte auf, falls möglich! Danke!

Man soll ja bekanntlich anderen Menschen von Zeit zu Zeit Freude bereiten:Hier, für Sie und Frau Alice Schwarzer und wen es immer interessiert, das grüne Fräulein aus der Schweiz vielleicht auch noch,
ein ganzes Bündel von Lexika. Ein ganzer Schatz...!

http://www.deacademic.com/
Darf ich Ihnen das "Damen Conversations Lexikon", 10-bändige Ausgabe, Leipzig 1834 bis 1838, besonders ans Herz legen?

Aber, Vorsicht Vorsicht..., stammt alles aus Rußland. Bin ich drauf gekommen, als ich auf der Seite der "Baltischen Föderalen Immanuel-Kant-Universität" in Kaliningrad, unser liebes Königsberg/Preußen, herumstöberte...
Nun mal ernsthaft: Tolle Lexika, bei uns fast vergessen...

Sie nehmen meinen Kommentar bitte mit Humor?
P.S. Und natürlich ein frohes Osterfest, Ihnen und denen, denen Sie besonders verbunden sind: Zuerst die Familie, danach die anderen...
: Patriotische Grüße von der Weichsel
Ein gebürtiger Hesse
23. März 2016 22:44
Da haben Sie (und wohl nicht nur Sie) die SiN-Leser heute gleich zweimal aufs Glatteis geführt: mit der Adnote zur Dummheit, die sich erst in der letzten Zeile als Bonhoefer-Zitat herausstellt, und mit dem ZEIT-Artikel, der einen beim Lesen schon kräftig mit dem Kopf nicken und ob seiner richtigen Wahrnehmung frohlocken lässt, bis sein Erscheinungsdatum ins Auge fällt. Zwei zum Erkenntnisgewinn führende Irrwege, zwei Treffer.

Auch ansonsten ein vorzüglicher Beitrag. Besten Dank.
Gustav Grambauer
23. März 2016 23:56
Frau Literatur Redakteurin, seien Sie froh, daß es überhaupt noch zusammengesetzte Substantive gibt, in spätestens zehn Jahren sind die so tot wie der Brock Haus von 1904.

Die Trends kommen über den Atlantik. Die neueste Seuche ist der sog. "`s-genitive", mit dem die deutsche Sprache in der ersten (derzeitigen) Stufe ("Markt Einführung") zunächst ohne Apostroph vergewaltigt wird, Beispiel:

- althergebracht: "die Münchner Pinakothek"
- ---> Stufe 1: "Münchens Pinakothek"
- ---> Kompetenz Ziel: Deutschlands Sprach Handler
haben "München`s Pinakothek" internalisiert.

Hier wird nichts dem Zufall überlassen, und es schließt sich der Kreis zu Ihren weiteren Ausführungen: ist jemandem bis hierhin noch nicht klar, was Germanisten eigentlich so treiben?

Na denn: Herzliche Oster Grüße allen Sezession Lesern, ebenso an Schnellrodas Ritter Gut Bewohner!!!

In zehn Jahren ist diese Niedergangsstufe, die zugleich dem ...

https://de.wikipedia.org/wiki/Kanak_Sprak

entgegenkommen soll, "common sense" ...

- G. G.
En Passant
23. März 2016 23:57
Das Luhmann-Bändchen! Hab's glatt vor mir gesehen, orange und
abgegriffen - und, nicht ohne leise Enttäuschung, herzhaft gelacht
beim Loom-Armbändchen - Wer hätt's gedacht, beim abendlichen
"Zeitungslesen", dieser Tage ...
AfD KV WB
24. März 2016 09:54
Guten Morgen!

Wirklich lesenswertes Interview mit Beatrix von Storch, sie befürwortet einen Volksentscheid über den Verbleib in der EU
http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2016/03/warum-gibt-es-kein-referendum-uber-ein.html

Kommentar von mir:
Was in letzter Zeit öfters in einen Topf geworfen wird sind
1. internationale Solidarität und
2. Globalismus (finanzkapitalistische Globalisierung)

Das letztere wird gar nicht mehr benannt (außer von den Globalisierungskritikern), sondern man spricht
von perfiderweise von Internationalismus wenn man z.B. auf die Bankenrettung anspielt.
Das ist natürlich genau das Gegenteil. Internationale Solidarität (genauer:proletarischer Internationalismus) ist ein durch die sozialistische Staatengeneinschaft geprägter Begriff und hat die Bedeutung der Hilfe zur Selbsthilfe der Menschen und Völker. Mosambiquaner, Angolaner Vietnamesen wurden in der DDR ausgebildet um damit in den
Heimatländern den sozialistischen Aufbau der Wirtschaft zu fördern. Auch die Unterstützung der Sandinistas in ihrem Freiheitskampf (Nicaragua1980-1988) gegen die US-Todesschwadrone aus Honduras war proletarischer Internationalismus.
Globalisierung hat viele Gesichter. Globalisiert wurde und wird das anglo-amerikanische Finanzsystem, das Mediensystem, die Kommunikation und Information... Politisch ist Globalismus ein Deckwort für den ungehemmten Weltmachtanspruch der anglo-amerikanischen Macht-und Geldeliten.

Übrigens auch der Deutsche Richterbund lehnt TTIP ab:
https://stop-ttip.org/de/blog/deutscher-richterbund-lehnt-investitionsgericht-in-ttip-ab/

Für alle Freunde der (mobilen) elektronischen Datenverarbeitung und Kommunikation: Vielleicht demnächst wieder öfters per Handzettel? Das Handy muss auch in der Fraktionssitzung ausgeschaltet bleiben!
Die Verbindungen zwischen Google und der US-Regierung sind eng. Google ist Teil des "Arcanum Imperii"
http://www.golem.de/news/clintons-e-mails-veroeffentlicht-google-wollte-beim-sturz-assads-helfen-1603-119932.html

Zwischen den Pseudolinken und Alt-Linken gibt es immer schon Konflikte. Wen es interessiert, es wurde der Chef der ältesten Antifa-Gruppe der BRD als US-neokonservativer zionistischer Einflussagent verdächtigt. (zumindest liegt das nahe)
http://www.freidenker.org/cms/dfv/index.php?option=com_content&view=article&id=483:wer-ist-hier-eigentlich-der-zauberlehrling&catid=1:latest-news

Sonnige Ostern
ene
24. März 2016 10:55
@ westpreuße

Werfen Sie hier einen Blick auf Elisabeth Bergner - der Haarschnitt, die schwarze Schleife. Es gehört zu diesem Stil noch viel mehr, aber dies ist schon mal ein Eindruck:
http://www.virtual-history.com/movie/cigcard/68/large/1846-1.jpg
Gardeleutnant
24. März 2016 11:16
@Gustav Grambauer: nichts gegen Germanistenschelte, aber meiner Beobachtung nach kommt die Mode, keine Komposita mehr zu verwenden, sondern ein "Deppenleerzeichen" zu lassen, keineswegs aus den geleerten Stuben (!) irgendwelcher Professorendarsteller, sondern - Sie werden's (!) nicht glauben - von der ubiquitären Nutzung von Suchmaschinen im Netz, die in die Alltagssprache durchschlägt (und dann möglicherweise hinterher pseudowissenschaftlich legitimiert wird; in den "Duden" wird ja auch jeder Unsinn aufgenommen, wenn er nur tatsächlich von hinreichend vielen Leuten verwendet wird). Denn wenn ich Hoffnung auf ein vernünftiges Ergebnis bei Bing & Co. haben will, suche ich natürlich nicht "Untergangsvisionen in der Spenglerrezeption", sondern "Spengler Rezeption Untergang Vision".
Stefan ohne Metaphysik
24. März 2016 11:38
Als jahrelanger Mitleser auf dieser Seite sind mir die wiederkehrenden - wenn auch leisen - Sympathie- und Respektsbekundungen von Frau Kositza für Frau Schwarzer natürlich nichts Neues. Bevor hier jedoch - wie einer der Kommentatoren bereits erwartungsfroh meinte - an einer "Querfront" gebastelt werden sollte, möchte ich doch noch ganz dezent auf ein paar wesentliche Highlights in der Lebensleistung von Bundesverdienstkreuzträgerin Frau Schwarzer hinweisen.
- Es ist die seit Jahrzehnten von ihr als Hauptagitateurin verbreitete Ideologie
des Feminismus, der wir die Zerstörung von Millionen deutscher Ehen, Fa-
milien und Beziehungen zu verdanken haben.
- Das bedeutet nicht nur millionenfaches seelisches Leid für Männer, Kinder
und letztendlich auch für die massenhaft beziehungsunfähig gewordenen
Frauen selbst, sondern auch eine nicht unerhebliche Schwächung des Ge-
samtzusammenhalts unseres Volkes, sowie das großflächige Abhandenge-
kommensein einer positiven Grundstimmung im täglichen Miteinander der
Geschlechter.
- Und an oberster Stelle steht natürlich Frau Schwarzers Verdienst der weit-
reichenden Mitverantwortung für die -zig Millionen Abtreibungen während
ihrer langen erfolgreichen Karriere. Wozu ich nichts weiter äußern möchte,
da allen hier geläufig.
Zusammenfassend stellt sich nun die Frage, welche Anknüpfungspunkte es für rechts oder auch nur konservativ und patriotisch denkende Menschen mit Gedankengut und Gesamthaltung dieser Person geben könnte. Die von nicht wenigen Konservativen freudig beklatschte kritische Haltung Schwarzers gegenüber der muslimischen Einwanderung, oder neuerdings ein paar nicht ganz falsche Anmerkungen zum allgemeinen Umgang mit der AfD können das von mir oben Angeführte jedenfalls kaum aufwiegen.
Im Gegenteil: Es sind Frau Schwarzer und ihr Feminismus - eine durch und durch bösartige und zerstörerische Ideologie - welche einen Hauptbeitrag dafür geleistet haben, dass heute um uns herum alles in Trümmer stürzt, was einem Konservativen oder Rechten Hoch und Heilig ist. Die durch die jahrzehntelange Verteufelung von jedweder Äußerung von Männlichkeit es geschafft haben, dass grabschende und prügelnde "Einwanderer" auf unseren Straßen kaum ernsthafte mannhafte Gegenwehr zu befürchten haben. Die durch die fanatische Propagierung von Abtreibung - eines wahren Todeskultes -dafür gesorgt haben, dass die deutschen Jugendlichen im eigenen Land gnadenlos ins nicht nur zahlenmäßige Hintertreffen gegenüber den Anmaßungen und Machtansprüchen der orientalischen Einwandererjugend gerät, und damit unsere gesamte Kultur und Heimat unweigerlich ins Aus zu kippen droht.
Aber nein, es ist doch viel netter zu beobachten, wie die alte Schwarzer plötlich so altersweise und -milde zu werden scheint...
Ein gebürtiger Hesse
24. März 2016 12:15
@ Gardeleutnant

Da stellen Sie eine ausgezeichnete Beobachtung an. Wir wissen ja noch viel zu wenig - obwohl wir es ständig an uns selbst erfahren -, wie sehr unsere täglich angewendeten Google-Techniken unseren sprachlichen Objekt-Bezug beeinflusst und verändert. Denn der kürzeste Weg, der bloß mit zwei, drei, allerhöchstens vier Begriffen operiert, erweist sich ja stets als der beste. Jede weitere Ausformulierung führt zu weniger geeigneten Suchergebnissen. Auf lange Sicht dürfte das etwas "mit einem machen". Was genau, möchte ich vielleicht gar nicht wissen.

Und ja, dass der Duden heute rein gegenwarts-chauvinistisch arbeitet und eben keine Erziehung zum guten Sprachgebrauch betreibt, ist ein verdammtes Ärgernis. Mein zerfleddertes Allgemeines Duden-Wörterbuch von 1989 stellt mir inzwischen eine Art Gral dar. Das Gefälle zu heutigen Editionen ist dramatisch. In dem Wohlformulierten der Wortbedeutungen, das man in der alten Ausgabe noch ständig antrifft, liegt geradezu etwas Seelenvolles, das heute wie ausgemerzt erscheint.
Gustav Grambauer
24. März 2016 13:06
Gardeleutnant

Ich wollte eigentlich auf die schleichende Angleichung des Deutschen an das Englische hinaus, denn dort war die getrennte Schreibweise seit jeher weit verbreitet, zumal bei Eigennamen

http://www.code-knacker.de/gesellschaftsrechtlich.htm

oder man denke z. B. an "spring festival", "survival training" oder "swimming pool" (schwimmendes Becken?, hieran zeigt sich besonders, wie tiefgreifend unsere ganze Denkstruktur mit dieser Überfremdung manipuliert werden soll).

Und nahezu jedes größere Unternehmen hat in seinem PR Dpt. Linguisten sitzen, die diese Machinationen wie "Markteinführungen" von Katzenstreu projektieren. (Die Deutsche Bahn grenzt sich da übrigens wohltuend ab.)

Aber selbstverständlich katalysiert das "Googeln" diese Entwicklung enorm.

Noch eine Buchempfehlung:

http://www.frieling.de/Autoren/Dornseiff,-Johannes

- G. G.
Andreas Walter
24. März 2016 13:15
Hahaha, Germanisten. Den Ausdruck habe ich so noch nie betrachtet.

Jetzt habe ich endlich eine weitere sprachliche Alternative für das extrem abwertend konnotierte Wort "Nazis" gefunden, oder für die immer noch auch heiklen, umstrittenen Begriffe deutsche Nationalisten und, wenn auch etwas weniger kritisch, deutsche Patrioten.

Wahrscheinlich darf man, soll man lediglich auch Germanismus nicht zu obsessiv betreiben, doch das gilt ja bereits vielfach bekannt für alle Ismen.

Jetzt schaue ich aber erstmal, woher überhaupt das Wort heikel stammt. :) ;)

Und ob Germanisten tatsächlich nur Sprachwissenschaftler sind, denn nur dort habe ich sie zumindest bisher verortet, grosshirntechnisch archiviert, abgespeichert. Ja, auch Sprache sollte man sich erlauben auch kreativ zu verwenden, wenigstens gelegentlich, auch sie sollte man nicht von der Evolution, der Rekombination und damit vom Wachstum ausschliessen.
marodeur
24. März 2016 13:25
Wieder eine sehr schöne Sammlung. Die Überlegungen rund um die Luhmann-Bänder hätten auch von mir sein können. Meine Töchter liefern auch immer wieder neue Rätsel. Vor ein paar Wochen haben wir intensiv überlegt, wer oder was "Stavros Klummboss" sein könnte (Star Wars Clone Wars).

Bzgl AfD: Die Darstellung von Petry in den Medien hat sich in den vergangenen Wochen stark gewandelt. Vor der Wahl wurden von ihr Bildnisse standardmäßig mit einem mürrischen Gesicht und spitzer Wutschnute verwendet - am besten garniert mit dunklen ahnungsvollen Schatten. Jetzt lächelt sie sympathisch von allen Zeitungenn und darf sich über 1-2 % Zuwachs in irgend einer irrelevanten Wahlprognose freuen. Es ist ein Segen, diese Frau an der Spitze der Bewegung zu haben.
Andreas Walter
24. März 2016 14:20
Na ja, so schwierig war das ja jetzt auch nicht, liebes Wiktionary. Ich habe dafür gerade mal, allerdings auch dank Netz, 10 Minuten gebraucht, und ihr liegt ja auch schon fast richtig mit heien und heigen (unser heutiges hegen).

Heischen habt ihr allerdings vergessen zu betrachten und dann muss man eben auch mal an das auch nahliegende hakeln (Jägersprache) und häkeln denken.

Ab 2:30 wird's nämlich heikel, wird gehakelt, um die Weibchen geheischt:

https://www.youtube.com/watch?v=cpTIoY4SRqY

Herr Gott, was soll ich denn machen. Ich habe nun mal eine schnelle CPU, einen hohen IQ. Das bringt nun mal auch Konflikte mit sich. Weil ich mir darüber nicht die ganze Zeit bewusst bin. Stärken sind eben auch Schwächen. Doch soll ich deswegen mein Licht unter den Scheffel stellen? Damit wäre niemand gedient und ich streite auch nur mit Menschen, die mir etwas bedeuten, an denen mir etwas liegt. Denn ich bin eben kein Hirsch, sondern ein "Germanist", und wir brauchen gerade alle Rechenkraft der Welt, wenn wir uns behaupten, weiter unseren Stammplatz behalten wollen. Als Gruppe.

Durchaus möglich, dass ich deswegen derzeit noch manchmal "zu hart, zu heftig" bin. Doch ich tue das nicht aus Boshaftigkeit oder Eitelkeit, sondern aus Sorge.
drogenfahnder
24. März 2016 16:43
@ Gardeleutnant

Die Mode, Komposita zu vermeiden, hat ihren Ursprung meiner Beobachtung nach in hirnlosem Marketingsprech. Irgendwann um die Milleniumjahre fingen PR-Leute und Werber an, ihren Kunden einzureden, es sei elegant und verstärke die Rezeption des Markennamens, wenn dieser nicht von lästigen "Anhängseln" besudelt werde. Bald hieß es daher nicht mehr "Allianz-Arena" , sondern "Allianz Arena" und das Erlebnismuseum "BMW-Welt" mutierte zur "BMW Welt". Hat halt beides offenbar nichts miteinander zu tun. Dieser Drang nach Hervorhebung zieht sich heute durch alle Texte, die vor allem große Unternehmen streuen.
der Gehenkte
24. März 2016 17:53
Köstlich diese Formatierungsfehler.
Letzten Herbst beim Fahrrad-Fritze: hatte mir wiederholt 'nen Platten gefahren. Frage, woran das liegen könne. Er: "Zorn und Zeit". Was? Der Fahrradklempner ein Sloterdijk-Leser? Ich frage nach, wittere schon einen Verbündeten: "Was haben Sie gesagt?" - "Dornenzeit."

Die Welt war wieder "in Ordnung". Man erkennt den anderen eben doch an seinen Fehlern.
Denkender
24. März 2016 18:58
Loom-Armbändchen hatte meine Cousine schon Weihnachten 2014. Also der Lehrer ist ja mehr als von vorgestern...
Stil-Blüte
24. März 2016 20:54
Frau Kositza, wie schön, daß Sie uns immer ausreichend Raum für Assoziationen lassen.

@ Westpreuße

garconnehaft


synonym mit knaben-jungenhaft, viril, androgyn, sportiv

@ Gardeleutnant
Da haben Sie wohl recht, daß sich die Programmierer/Informatiker im Internet mit den Suchmaschinen zur Aufgabe gemacht haben, komplexere Sprachen so zurechtzubiegen, daß sie automatisch kompatibel werden. Eine große Hürde als weitreichende Publikationssprache war und ist das komplexe Deutsch. Sein ausgesprochen solitärer Charakter bleibt bei der Transformation mehr und mehr auf der Strecke.

Was noch gar nicht im vollem Umfang als Verlust wahrgenommen wird, ist das Verschwinden des sog. Rahmensatzes, einer Konstruktion, die durch ihren analytischen Aufbau die Konzentration des Sprechenden, Schreibenden, Lesenden, Zuhörers von Anfang bis Ende eines Satzes nicht nur beansprucht, sondern ganz entscheidend förderlich ist. Heutzutage hört und liest man allenthalben Hauptsätze. Immer weniger Relativsätze. Beispiel: 'Ich bin müde, weil - ich habe den ganzen Tag gearbeitet.' Wir werden selber immer unfähiger, einen Gedanken ohne 'Aufmerksamkeitsdefizite' mitzuverfolgen, was der Stringenz der Philosophie-, Verwaltungs- und Wissenschaftssprache einst enorm dienlich war.

Eine andere Beobachtung: Die Vielfalt der Zeiten hat rapide abgenommen. In fast allen Artikeln, Beiträgen ist fast ausschließlich Präsens und Imperfekt vorhanden. Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und II - Mangelware. Auch der Zauber der Möglichkeitsform schwindet dahin, dahin. Und wie oft wird ein Nebensatz allein mit 'wo' angeleitet. Von den für die deutsche Sprache so wichtigen obligatorischen Kommaregeln will ich gar nicht erst reden. Allenthalben Irritation durch Verlust.

Wenn ich mir manchmal die vielen einfallsreichen Komposita zu Gemüte führe, die im Deutschen regelrecht erfunden wurden und die Umschreibungen nicht zwingend notwendig machten, bin ich über die Einfallslosigkeit mit Zugriff aufs Englische oft frustriert. Ja, die Saugfähigkeit der deutschen Sprache, fremde Einflüsse zu inhalieren, sich einzuverleiben, sich als Eigenes anzueignen, hat zusehends nachgelassen, wenn sie nicht bis auf einige Ausnahmen ganz verschwunden ist. ('Rucksack' als Gegenstand und Wort hat noch die ganze Welt erobert. Wir sind auch sprachlich phantasie- und planloser geworden. Le 'Waldsterben' war nur ein Schlagwort. Wird das nächste 'Flüchtlingsheim' sein?

Ein Kuriosum: Der lapidare Imperativ ('Steigen Sie ein!' 'Einsteigen, bitte!') wird im Umgang mit Kindern zu einer gewundenen Floskel, so daß er beim besten Willen nicht mehr wirksam werden kann. Stattdessen tönt es nun: 'Könntest Du vielleicht mal so lieb sein und einsteigen?' (Alternativ: 'Wie wäre es denn, wenn Du vielleicht mal...'). Aufforderung wird rhetorische Frage. Und dann wundert man sich, daß die Kinder nicht mehr hören. Einem unachtsamen Kind, unumwunden 'Achtung!' statt 'könntest du vielleicht mal bitte ein bißchen besser aufpassen, wo du hintrittst', zuzurufen, wirkt garantiert. Leider hat bis in die feinsten Verästelungen des Alltäglichen, Intimen die Umerziehung gegriffen, mußte doch der effektive preußische 'Befehlston' zersetzt werden, aber nicht die frohe Botschaft 'Christ ist erstanden...' Halt!

'Frohe Ostern' zu wünschen, wäre verfrüht. Gutes Gelingen der Festtage!
Caroline
24. März 2016 21:06
Es gibt da so ein unbewusstes Verstehen/Missverstehen der Kinder ... mein mittlerer Sohn kam aus der Schule und fragte sinnierend: "Mama, warum lagern eigentlich heutzutage wieder die osmanischen Heerscharen vor den Toren Wiens?"
Ich (meine Einbildungskraft förderte fieberhaft "Gates of Vienna" und ähnliche Quellen zutage, die ein Zehnjähriger nicht kennen
k a n n) fragte vorsichtig, ob er das im Unterricht GENAU SO gehört habe (immerhin besucht er eine Waldorfschule :-), man weiß ja nie).
"Nein, das hab ich selber gedacht. Mama, kann die Geschichte eigentlich wiederkommen wie ein Zombie?"
Eine Mama-Sohn-Geschichtsstunde der anderen Art folgte ...
nörgler
24. März 2016 22:07
Werte Ellen Kositza,
das Verständniss,bzw.die Kritik am Umgang mit der AFD,(ich bin kein Anhänger dieser Partei,eher skeptisch eingestellt)nehme ich A. Schwarzer nicht ab.Auch die durchaus plausiblen Äußerungen zum Thema Islamimport und deren Folgen(für europäische Frauen) sind meiner Ansicht nach nur als Ausdruck einer eher spezifischen Exaltiertheit zu betrachten.Die Dame war mir schon immer suspekt und natürlich auch unsympatisch,in ihrer ganzen Art.Im Gegensatz zu besagter Dame nehme ich für meine Betrachtungsweise nicht den Begriff der Objektivität und Rationalität in Anspruch:es wäre glatter Mißbrauch.
Na ja,immerhin nahm sie ja mal Ihr Buch entgegen und bedankte sich auch.Allerdings vor der Lektüre,oder habe ich Sie jetzt falsch zitiert,Ellen?(Gerhardt Löwenthal Preis)
Hermann Karst
25. März 2016 18:09
@ Ellen Kositza

„Ost-Erwerbung“? Sehr schön, ich habe lachen müssen!

Apropos Lachen: Jetzt, da wir das Osterfest begehen, sei erwähnt, daß es in früheren Zeiten das sog. „Osterlachen“ in den Kirchen gab. Auch das war kein „Ost-Erlachen“, es war ein „Oster-Lachen“. Tatsächlich wurde in den heiligen Räumen lauthals gelacht. Der Pfarrer und die ganze Gemeinde taten’s, aber – erst nach Ostersonntag. Der Grund fürs Lachen und den Zeitpunkt: Durch Christi Auferstehung zeigte sich: der Tod war überwunden; das war Anlaß zu unbekümmerter Freude, die durfte und sollte gezeigt werden.

Ein weiterer Aspekt in Sachen Wortsegmentierung: Heutzutage trennt der PC; das kann er gut, aber er denkt nicht. Eine Worttrennung „Ost- erwerbung“ ist also durchaus denkbar. Der gutgetrimmte PC berücksichtigt natürlich auch die neuen Trennregeln (nach der Rechtschreibverhunzung, die sich Reform nennt). So sind Trennungen möglich (und in Druckerzeugnissen auch auffindbar) wie etwa „Elbu- fer“. Früher gab es in den Druckereien intelligente Setzer und bei den Verlagen versierte Korrektoren. Braucht man heute nicht mehr, der PC hat alles im Griff.

Ein schönes Beispiel für eine PC-Verhunzung nach der beschriebenen Art: In Walter Falks „Wissen und Glauben um 2000“, Summa eines Forscherlebens, erschienen bei Schöningh 2003, findet sich mehrfach die Trennung „Uran- fang“. Falk meinte aber „Ur- anfang“. Dessenungeachtet: Das Buch des großen, leider viel zu früh verstorbenen Marburger Germanisten Falk ist zu empfehlen, uneingeschränkt und mit Nachdruck; ich bin mir sicher: gerade in diesem Forum gibt es eine Reihe Leser, die es interessieren könnte.

@ Gustav Grambauer

Zu Ihrem Vergnügen(?) möchte ich Sie auf zwei Kommentare vom Donnerstagabend hinweisen. In dem einem findet sich: „Mama-Sohn-Geschichtsstunde“, im zweiten, gleich darunter: „Gerhardt Löwenthal Preis“.

Allen ein frohes Osterfest!
eulenfurz
25. März 2016 20:06
Osterwerbung und Osterwerbung - ganz alt sind sind die Hinweise auf Mißverständnisse bei Wachstube und Wachstube nach der Abschaffung des langen s (ſ), welches gerade noch im ß (ſz) etwas überlebt hat. Die Wachſtube ist sowieso ein überholter Begriff und in der Konsumgesellschaft sollte auch klar sein, was mit Oſterwerbung gemeint ist, schließlich sind wir nicht mehr bei den Alldeutschen.
Ein Fremder aus Elea
26. März 2016 11:46
1980 ging's halt um Helmut Schmidt und das Bruttosozialprodukt. (Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das... )

Floskeln aus einem Baukasten, welche man je nach Bedarf anwendet.

Wirklich erschreckend ist der gleichbleibende Ton in der hohen (internationalen) Politik seit mehr als 100 Jahren, kein Unterschied zwischen der Frankfurter Zeitung damals und der FAZ heute.
Exmeyer
26. März 2016 12:48
1. Menschen, die versuchen gedanklich der Pflanze ins Wurzelwerk zu folgen, sind von Natur aus und begrifflich radikal. Die AfD ist es kaum, Petry wohl gar nicht.
Ob die Schlüsse, die man auf dem Weg ins Wurzelwerk zieht und die gegebenenfalls zu Planung und Handlung führen "radikal" sind, sprachlich also eher "drastisch", ist keine zwingende Folge, wenn auch wahrscheinlicher.
"Extrem" hingegen mag auch jemand sein, der weniger Interesse daran hat, was die Welt theoretisch und praktisch im Innersten zusammenhält, sondern es handelt sich eher um abenteuerliche Charaktere. Ob man nun Basejumping betreibt, sich mit der Polizei oder dem politischen Gegner Straßenschlachten liefert oder im Krieg Eiserne Kreuze sucht, ist dabei eigentlich egal. Auch Äußerungen können extrem sein. Denn auch damit kann man Konflikt, Provokation und Abenteuer suchen und finden.
Wie tief oder oberflächlich dabei die gedankliche Suche nach dem Grund ist, spielt dabei keine Rolle.

2. Das einzige, was ich der Frau Schwarzer - vermutlich - zugestehen kann, ist, daß sie Zweifel besitzt. Mehr nicht. Konsequenzen ziehen?
Ihr Werk war bislang darauf gerichtet, das, was die Welt im Innersten zusammenhielt anzugreifen; genaugenommen, die kulturellen Institutionen, die sich diesbezüglich entwickelt haben.
Ich hingegen bezweifle, daß ihre Zweifel bezüglich ihres Werkes so weit reichen, Zielrichtung und Wirkung zu erfassen.
panther rei
26. März 2016 14:45
Ich hielt Alice Schwarzer schon immer (na ja, seit so 1984 oder so) für unseriös, und daran wird kein Rechtsruck etwas ändern. Diese Frau ist eine Opportunistin. Von mir aus eine selbstherrliche Opportunistin, aber dann ist eben auch das Teil der Show. Sie argumentiert regelmäßig unredlich.

Es geht mir hier nicht darum, dass ich inhaltlich nicht mit ihr übereinstimme (was ganz sicher der Fall ist) (obwohl ich den Feminismus durchaus differenziert zu sehen bereit bin, und natürlich will ich nicht in die Adenauerzeit zurück), sondern es geht mir um ihren Stil. Es gibt Leute, die hat man abgehakt, egal was sie noch sagen mögen. Soll sie auf ihre alten Tage ihr Schwarzgeld verprassen, von mir aus, ich wünsch ihr in dem Sinne nichts Böses (das wünsch ich ja irgendwie niemandem), aber in einer ernstgemeinten Diskussion hat dieses Weib nichts verloren.
Urwinkel
27. März 2016 15:44
‚Frohe Ostern‘ zu wünschen, wäre verfrüht.


Inwiefern, Stil-Blüte? Die Osterraser sind gerade ganz munter unterwegs und nerven rum. Die sind ganz und gar nicht 'zu früh' unterwegs. Es geht um diese Motoradaffen die hier gerade im Minutentakt vorbeirasseln. Als hätt' ich irgendeine geheimistragende Uhr danach gestellt. Ich bin kein Prophet, kann euch aber trotzdem sagen, daß ihr Volldeppen seid. Was soll die Scheiße? Wie wärs mal mit spazieren gehen, anstatt pseudoheldenhaft mit einem Motorpferd sinnlos durch die Gegend zu brettern? So viele dumme Menschen; da wünscht man sich den Winter zurück.
Anja
27. März 2016 23:21
@ Stil-Blüte
Donnerstag, 24. März 2016, 20:54

"Heutzutage hört und liest man allenthalben Hauptsätze. Immer weniger Relativsätze. Beispiel: ‚Ich bin müde, weil – ich habe den ganzen Tag gearbeitet."

Völlig richtig!

Das ist mir auch schon längere Zeit aufgefallen. Daraufhin achtete ich bewußt -zumindestens bei meinen Kindern - darauf und dort klappt es nun, den Satz mit "weil" auch ordentlich zu beenden ohne einen neuen Hauptsatz zu beginnen.

Aber ich vermeide es natürlich, andere oberlehrerhaft zu berichtigen. Es fällt eben auch bei Moderatoren, die gerade auch mit Sprache ihr Geld verdienen, auf und die werden wohl von ihren Chefs nicht berichtigt.
Anja
27. März 2016 23:22
@Caroline
Donnerstag, 24. März 2016, 21:06

Gratulation zu dem klugen Sohnemann!
Kryptokonservativer
28. März 2016 13:53
Entgegen aller "Querfront"-Romantik sei hier in aller Zurückhaltung angemerkt, dass sich neben besagter Frau S. in den letzten 50 Jahren BRD-Geschichte wohl niemand engagierter (sprich: fanatischer) für den millionenfachen Massenmord am ungeborenen Leben sowie die Zersetzung der traditionellen Werte von Ehe und Familie eingesetzt hat als ebendiese.

Wem das Überleben des eigenen Volks oder zumindest das ein oder andere reactionäre Ideal am Herzen liegt, sollte jegliche Apologie dieser Person tunlichst meiden.

Dass sich Frau S. mit ihren Invektiven gegen den Islam nun scheinbar nach rechts spielt, halte ich überdies für einen Trugschluss. Dieses Ressentiment ist am ehesten der Tatsache geschuldet, dass S. - eine unter J.P. Sartre geschulte Marxistin - die ab den '80er Jahren im Feminismus einsetzenden Debatten um "Intersektionalität" schlichtweg verpasst hat; sei es aus ideologischem Starrsinn, sei es aus einsetzender Senilität. (Sonst "wüsste" S. schließlich, dass das "Rassismus"-Blatt die "Sexismus"-Karte durchweg sticht, zumal sie selbst eine privilegierte "Weiße" ist.)
Der Gutmensch
28. März 2016 18:18
Mir ist auch nicht wohl bei den Worten Schwarzer´s über Dr. Petry; da wird doch schon wieder ein Image verpasst, wenn das mal nicht in die Hose geht, es wäre ja nicht das erste Mal!

Wohin Dr. Petry mit der AfD will, ist offensichtlich noch gar nicht ausgemacht. Auf das Strebermädchen mit der Kurzhaarfrisur lässt sich diese Politikerin aber bestimmt nicht reduzieren. Dagegen spricht ja schon ihre Entscheidung, lieber einem Magazin, das unbestritten der leichten Unterhaltung dient, ein Interview zu geben, als jemandem, dessen Agenda Fragen aufwirft.

Was ich in den letzten Monaten wahrgenommen habe, sind enthemmte Vorwürfe, Beschuldigungen vieler aufgrund von (größtenteils noch unaufgeklärter) Taten einzelner und hochmoralische Forderungen hauptsächlich von nicht demokratisch mandatierten Personen (zum Beispiel von Komödianten) - mithin Forderungen rein persönlicher Natur - und das alles ausgebracht gegenüber Bürgern, die keine Schuld daran trifft, dass sich woanders bekriegt wird und andere einen IS bilden. Bürger, die im übrigen auch nicht von diesen schlimmen Verhältnissen profitieren, sondern sich im Gegenteil um ihren Lebensunterhalt auf mäßigem Niveau sorgen.

Geht man davon aus, dass es im Rahmen der Flüchtlingskrise dennoch entscheidend auf die persönliche Hilfe und das zwischenmenschliche Verständnis dieser Bürger angekommen ist und auch weiterhin ankommen wird - denn ein Staat, der in den Ländern wohl längst nicht so gut organisiert ist, wie man das angesichts der damit verbundenen, immer höheren Kosten erwartet hatte, ist definitiv auf den guten Willen und die persönliche Hilfsbereitschaft seiner Bürger angewiesen - könnte man indessen auch ein anderes Verhalten für angezeigt halten.

Ich halte es daher für nachvollziehbar, wenn ein Politiker im Zweifel doch lieber gar kein Interview gibt, als dass er auch nur das geringste Risiko einginge, dass am Ende noch mehr Schaden angerichtet wird.

Wenn einem die Intention des anderen Kopfzerbrechen bereitet, sollte man stets Vorsicht walten lassen - das würde im Zweifel sogar die Frau Kahane unterschreiben.

d. G.
Ellen Kositza
28. März 2016 20:57
Danke, Ende!

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