Sezession
26. Juni 2014

15 »Schwarze Hefte«, 1200 Seiten, 3 Fundstücke

Erik Lehnert

SEZESSION: Muß die Beurteilung von Heideggers Denken einer Revision unterzogen werden, wie es Trawny fordert?

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Heidegger: Nein, diese Forderung ist überzogen. Die Stellen sind innerhalb des Textes eher Randbemerkungen und haben keinerlei zentrale Stellung. Man kann diese Bemerkungen im Kampf gegen Heidegger gut als Munition verwenden, das ist alles. Der entscheidende Punkt aber ist: Heideggers Kritik am Judentum wird heute nicht mehr verstanden. Ich sehe eine wichtige Aufgabe darin, dies dem heutigen Leser verständlich zu machen.

Die öffentliche Wahrnehmung stellt von den bisher erschienenen etwa 1 200 Seiten zusammengerechnet zwei Seiten in den Vordergrund. Sie übersieht, daß die Schwarzen Hefte auch eine scharfe Beurteilung des Amerikanismus, des Bolschewismus, des Christentums und nicht zuletzt des Nationalsozialismus enthalten. In diesem Zusammenhang sehe ich auch seine deutliche Kritik am Weltjudentum.

Auch auf das öffentliche Auftreten meines Vaters während der NS-Zeit ist hinzuweisen: Bereits vor seiner Wahl zum Rektor waren die jüdischen Mitglieder der Universität aus ihren Ämtern entfernt. Bereits eine Woche nach Amtsantritt war es ihm gelungen, dies rückgängig zu machen. Der schon genannte Werner Brock konnte an die Universität zurückkehren, Husserl bekam die amtliche Mitteilung, wieder Vorlesungen halten zu dürfen. Auch die Rektoratsrede enthält keinen Antisemitismus.

Diese Tatsachen werden leider nicht oder viel zu wenig zur Kenntnis genommen.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.


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