Sezession
26. Juni 2014

15 »Schwarze Hefte«, 1200 Seiten, 3 Fundstücke

Erik Lehnert

SEZESSION: Manchmal hat man den Eindruck, Heidegger hätte seine helle Freude an den überzogenen Reaktionen und Urteilen der Journalisten und Wissenschaftler, weil sie ja seine Verachtung der Medien unfreiwillig bestätigen. War er sich bewußt, welche Aufmerksamkeit jede seiner Zeilen auch vierzig Jahre nach seinem Tod noch finden würde?

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Heidegger: Nach dem Krieg hat er zu mir mehrmals gesagt, wenn er sterbe, hätte ich nichts anderes zu tun, als alles, was handschriftlich von ihm vorliege, zu verschnüren und zu versiegeln und für 100 Jahre gesperrt in ein Archiv zu legen. Die Zeit sei noch nicht reif, ihn zu verstehen. Das war seine eigentliche Vorstellung. Er wollte gar keine Gesamtausgabe.

Der Verleger Klostermann kam dann zu mir und wollte, daß ich meinen Vater von seinem Plan überzeuge. Das ist mir schließlich mit einer Begründung gelungen, die heute vielleicht seltsam klingt, damals (1973) aber verständlich war: Wie sollten seine Schriften erhalten werden, falls es einen atomaren dritten Weltkrieg geben würde? Nach einigen Minuten des Nachdenkens sagte er: »Hermann, aber dann bitte ich dich, daß du das in die Hand nimmst.«

Ich war völlig überrascht, da ich für diese Aufgabe an seine hervorragenden Schüler Gadamer, Biemel und Bröcker dachte und selbst noch drei Bücher schreiben wollte, doch diese Pläne habe ich bald aufgegeben, da ich erkannte, daß die Arbeit für die Gesamtausgabe Martin Heideggers meine ganze Arbeitskraft bis zu meinem Lebensende beanspruchen würde.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.


Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Bitte überweisen Sie auf das Konto:

Verein für Staatspolitik e.V.
IBAN: DE86 5185 0079 0027 1669 62
BIC: HELADEF1FRI

Oder nutzen Sie paypal:

Sezession unterstützen

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.