Sezession
8. Dezember 2016

Österreich nach der Wahl: Wie weiter?

Martin Lichtmesz / 8 Kommentare

Gezielte Angstmache vor dem braunen oder "autoritären" Gespenst

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

* Der damit eng zusammenhängende Feldvorteil 2 Van der Bellens war, dass er auf einen tiefsitzenden, medial immer wieder von Neuem erzeugten psychologischen Komplex setzen konnte: der Angst vor einem neuen 1933 oder 1938, einer "Machtergreifung", einer Wiederkehr brauner oder "autoritärer" Gespenster usw. usf. Hier wurde exakt das betrieben, was der FPÖ und den "Rechtspopulisten" im allgemeinen immer wieder vorgeworfen wird: "diffuse Angstmache". Man beschwor Affekte und Ängste beschworen, die sich gegen jede rationale Analyse sperren und erzeugte mitunter allen Ernstes den Eindruck, dass es bei der Wahl darum gehe, einen neuen Holocaust zu verhindern. Dafür zerrte man etwa eine 89jährige, anscheinend nicht mehr ganz mit der Gegenwart in Fühlung stehende Frau vor die Kamera, um die nötigen Emotionen zu erzeugen und sich unangreifbar zu machen. Leider sind offenbar viele Menschen auf dieses weniger "aufrüttelnde" (wie es überall hieß) als gehirnvernebelnde Video hereingefallen; der ORF hat "Oma Gertrude" bereits zur wahlentscheidenden Heldin erklärt. Martin Sellner hat auch diese Propagandanummer gekonnt zerlegt.

Die Rolle der ethnischen Wahl

* Eine nähere Untersuchung sollte sich auch der Frage stellen, welche Rolle die ethnische und die Elitenwahl gespielt haben. Es ist bekannt, dass Wähler mit Migrationshintergrund dazu tendieren, einwanderungsfreundliche Parteien zu wählen, schlicht, weil dies ihren ethnischen Interessen entgegenkommt, und sie sich häufig eher mit anderen Einwanderern als den Einheimischen identifizieren. Von den wahlberechtigten Türken und Türkischstämmigen Österreichs ist z.B. bekannt, dass sie stark zu Rot-Grün neigen, während sie oft in ihrer eigenen alten Heimat lieber einen dezidierten Nationalisten wie Recep Tayyip Erdoğan an der Macht sehen.

Die Roten und Grünen wiederum fördern aktiv dieses Potenzial und gebärden sich wohl deshalb so einwanderungsfreudig, weil sie darauf spekulieren, sich eine Wählerklientel zu importieren und einzuverleiben, mit der sie fix rechnen können. Darum wird es mit wachsendem Einwandereranteil zunehmend schwieriger werden, einwanderungskritische Mehrheiten zu mobilisieren. Die Presse meldete, dass auch bei dieser Wahl "Bezirke mit hohem Ausländeranteil" für Van der Bellen stimmten, während Hofer in den "ältesten Regionen" punktete. Das ist genau die Formel für den "großen Austausch": demographischer Schwund/Überalterung + Masseneinwanderung = Bevölkerungsaustausch, an dessen Ende Österreich keine Ähnlichkeit mit sich selber haben wird. Es ist leider ein Fakt, dass wir uns mitten auf diesem Weg befinden.

Die Elitenwahl: ein verdeckter Klassenkampf?

* Wahrscheinlich noch wichtiger ist einstweilen der Faktor der "Elitenwahl". Er bedürfte einer eingehenderen Analyse; ich habe dieses Problem an anderer Stelle darzustellen versucht. Wir haben es hier mit einer Form des verdeckten Klassenkampfes zu tun. Gebildetere und besser verdienende Schichten haben mehr Möglichkeiten, sich in ihre "Blasen" zurückzuziehen und dort in kosmopolitischen oder sogenannten "weltoffenen" Idealen und Wunschvorstellungen zu schwelgen. Sie gefallen sich in der bessermenschlichen Rolle und vermeiden gleichzeitig den Kontakt mit den negativen Seiten der multikulturalistischen Politik. Martin Sellner spricht in seinem Vlog darüber ab ca. Minute 6:40.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (8)

Mario
8. Dezember 2016 12:39

Harte Zeiten machen starke Männer.
Starke Männer bringen gute Zeiten.
Gute Zeiten machen schwache Männer.
Schwache Männer bringen harte Zeiten.

Krebs tötet, wer ihn hat,
Islam, wer ihn nicht hat.

Ein gebürtiger Hesse
8. Dezember 2016 13:28

Was im letzten Satz steht, ist am allerwichtigsten. Wir müssen selbst was tun, mehr tun als immer wieder. Der Schlendrian derer, denen es "noch zu gut geht", betrifft eben auch die Rechten. Hier darf man sich ruhig an die eigene Nase fassen. Wer weiß, ob es letzten Sonntag nicht doch für die ersehnte Wende gereicht hätte, wenn man mehr agitiert, geackert, mehr Gesicht gezeigt hätte (Sellner & friends ausgenommen). Im nächsten Jahr muß da einfach mehr kommen.

cherusker69
8. Dezember 2016 14:00

Warum Hofer die Wahl verloren hat? tja das hat für mich folgende Gründe.
Man muss ja wirklich sagen, dass diese Medien übermächtig sind..Medien machen Meinungen. Das ist nichts neues den wer diese besitzt, hat die Macht und kann das Volk manipulieren..

Dazu kommt das natürlich der Schuldkult nach wie vor in den Köpfen der Menschen sitzt, ja nicht mehr so stark, packen kann man sie aber trotzdem noch.

Als nächstes kommt natürlich, das Patrioten keine offene Bühne gegeben wird zu protestieren. Bei uns in Deutschland ist es ja noch schlimmer..Bekennt man sich zur AFD und co, droht der Verlust des Arbeitsplatzes. Ein Familienvater wird sich zwei dreimal überlegen ob er das riskiert. Repression und Einschüchterung.

Was Thorsten Hinz hat in seinen Buch Weltflucht und Massenwahn geschrieben, dass viele diesen grossen Austausch überhaupt nicht mehr als bedrohlich wahrnehmen..

Das ist ein Bündel von Ursachen, die es Patrioten erheblich schwer machen uns Gehör zu verschaffen..

la vie est belle
8. Dezember 2016 15:00

>Mangel an Kreativität und Innovation

Vollkommen richtig. Das heißt für uns: Kreativität und Innovation maßgeblich vorantreiben und solche Kräfte auch gezielt fördern. Aber dann brauch man eben auch eine VISION für die Zukunft, eine noch nicht existente Utopie (=linkes Grundparadigma) die beschreibt, wie das denn aussehen soll, WOHIN wir wollen. Ist das Ziel einigermaßen umrissen, so kann auch ein Weg gefunden werden, der dahin führt. Und der führt niemals in die Wiederherstellung des Gestrigen, es ist ein kollossaler Irrtum zu glauben, man könnte die guten alten Tage wiederherstellen. Es ist unmöglich, da die Zeitachse sich nunmal nur in eine Richtung bewegt.

Ja. Wenn die Rechte sich weiterentwickeln will, dann muss sie auch gewinnbringende Eigenschaften wie Innovation und Fantasie einbringen. Ein Graus für alle verstockten Konservativen, die sich neurotisch in der Analyseschleife befinden.

Aber gute Zeiten für Sellner und Co....!

Dietrich Stahl
8. Dezember 2016 15:08

Die Wahl Trumps und die Nichtwahl Hofers haben zweierlei gezeigt.
Es kann überraschende Sprünge nach vorn geben; und es wird nicht ohne Rückschläge abgehen – wie im richtigen Leben [jeder, der möchte – es werden nicht so viele sein, kann sich an dieser Stelle ein Smiley, ganz nach eigener Fasson, denken].

Ein großer Schwachpunkt des patriotischen Lagers ist sein Mangel an Kreativität, Innovation und Energie.

Freude und Humor möchte ich unbedingt ergänzen. Oben in Klammern dazu ein mehr oder weniger (Ihre Entscheidung und Geschmack) gelungener Versuch von mir.

Humor ist sehr anziehend. Dazu gibt es einige Studien. Mit dem anderen lachen zu können, wird von vielen an Nummer 1 auf die Frage nach den Kriterien für die Partnerwahl gesetzt.
Man fühlt sich einfach wohler mit Menschen, die Freude haben, an dem was sie tun, und die über sich lachen können.

Nicht zuletzt: Das Eigene.

Das hat sich zu einem Mantra für mich hier bei SiN entwickelt.
Ich halte es für das Wichtigste. Das Eigene in einem weiten Sinn.
Identität, Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein und Volk, Nation Rasse.

Das patriotische Lager muss hier aktiv an einer Veränderung mitarbeiten, auch außerhalb des Wahllokals und der Wahlkampfsaison. Vielleicht sollte dies die wichtigste Lehre der Wahl sein.

Karl K
8. Dezember 2016 15:37

Die Österreicher haben die Tür sehr weit aufgemacht. Immerhin haben sie nun ein Zwei-Parteien System - und die Regierenden welcher Couleur auch immer können sich mit ihrer Politik ganz sicher nicht mehr gegen das Volk richten wie noch in Merkel-Land, wo das Volk wütend zusehen muss, wie die Sozialkassen geplündert werden und die Zukunft der Kinder gefährdet wird, damit die Eliten ihre Lohndrücker bekommen.

thotho
8. Dezember 2016 17:51

Mir haben zur Nachwahlbetrachtung die Worte Mölzers gut gefallen.

Man muss vom Stil her die Mitte ansprechen, aber von der Sache her hart bleiben. Die FPÖ ist deshalb eine Systemalternative, weil sie für die autochthone Bevölkerung, für die Erhaltung der österreichischen Identität, gegen Massenzuwanderung, gegen Sozialmissbrauch eintritt. Würde sie da aufweichen, wäre sie historisch obsolet. Sie wird es vom Stil her moderat machen müssen.

So kann man das in Österreich am ehesten bewerkstelligen. Hofer sollte, meiner Meinung nach, Strache ablösen (auch wenn der die Partei wieder nach oben gebracht hat). Es geht schließlich um die Sache, nicht um Personen, gebe ML vollkommen Recht.

MS liegt in puncto zivilgesellschaftliches Engagements vollkommen richtig. Es gibt schon Kreative neben den Leuten der IB (siehe etwa die Freunde der Tagespolitik oder hier und da ein paar Sachen von Gegenargument.at auf Facebook), aber einen Vergleich zu dem, was die VdB-Jünger auf die Beine gestellt haben, hält das alles nicht stand.

Ich glaube aber weniger, dass es mit der typischen rechten Anonymität zu tun hat aufgrund des sozialen Drucks, sondern mit mangelnder kreativer Affinität aus unserem Lager. Nicht erst seit Sellners Video frage ich mich, wo zum Teufel all die Progammierer, Informatiker, Grafikdesigner etc. sind, die hier locker etwas leisten könnten.

Denn auch qualitativ ist das linke Zeug nicht immer schlecht, das muss man zugeben. Rechts ist hier spröde, bieder und konservativ unterwegs, auch was die FPÖ selbst anbelangt. Man kann ja konservativ sein, aber dann sollte man den Inhalt lässig verpacken und unter die Menschen bringen.

Reichsvogt
8. Dezember 2016 20:29

Nicht erwähnt wurde die Tatsache und die Begründung für den Austritt Hofers aus der katholischen Kirche. Das hat sicherlich katholisch-konservative, österreichische Patrioten verschreckt.
https://www.kath.net/news/23397

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