16. März 2017

Wer sind wir? Wer sind "Wir"? (2)

von Johannes Konstantin Poensgen / 3 Kommentare

Eine Welt globaler Vernetzungen und Machtstrukturen ist die Frage nach der politischen Eigengruppe nicht mehr einfach zu beantworten. Ein Heimatgefühl haben viele, doch taugt dies wirklich zur Scheidung von Freund und Feind?

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

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Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Kommentare (3)

Monika L.
16. März 2017 12:25

"Die Katastrophen prüfen, in welchem Maße Menschen und Völker noch original gegründet sind. Ob wenigstens noch ein Wurzelstrang unmittelbar das Erdreich aufschließt  - daran hängen Gesundheit und Lebensaussicht jenseits der Zivilisation und ihrer Versicherung"

Ernst Jünger, Waldgang

Der Kampf um oder die Suche nach Identität wird in den nächsten Jahren sicher zu einem großen Thema. Dazu hat auch der niederländische Soziologe Paul Scheffer "DAS MULTIKULTURELLE DRAMA " grundlegendes geschrieben:

https://www.welt.de/politik/ausland/article162768616/Unser-heutiges-System-ist-im-Niedergang-begriffen-Unwiderruflich.html

Wir suchen Rückversicherung in einer globalisierten Welt. Scheffer etwa sieht Europa deshalb als Sicherheitsgemeinschaft. ( Linker /sozialer und rechter/ kultureller  Protektionismus) . Was transnationale Identifikationsfiguren der Rechten betrifft, vermisse ich in der Aufzählung christliche Identifikationsfiguren. Auch die christlichen Kirchen in Europa sind in einem rapiden Zerfall begriffen. Gemeinden vor Ort lösen sich auf mit allen bekannten Folgen. Christliches Erbe, Tradition gehen verloren. Vielleicht geht es bei dem " Wir" weniger um Zahlenverhältnisse als um Seinsverdichtungen ( Jünger) . Um Orte, wo sich die Verlorenen treffen, ihren Wurzeln nachspüren, usw. Kleine Gemeinschaften bilden, Klosterneugründungen ( etwa Kloster Neuzelle als Ableger von Stift Heiligenkreuz)  oder Kulturvereine. Auch Schnellroda ist ja so ein Ort der " Seinsverdichtung" .  Einen solchen Ort sollte jeder in seiner Nähe haben. Selbst gründen etwa.

Elektriker
16. März 2017 18:13
"Der Kampf um oder die Suche nach..." Warum befinde ich mich im Kampf? Weil das Gegenwärtige MIR widerspricht! Was hat Sie(Leser) zur SIN getrieben? Wir tragen es nicht IN uns. Wir SIND es...gottverdammisch...um SICH kämpfen Alzheimerkranke. Und WIR kämpfen..ja..um geistigen und geographischen RAUM. Und ich kämpfe..ja..um alles Echte und Ehrliche, um alles Meisterhafte und Schöne. Wer das nicht macht, ist der Andere. Und wer meine Sprache nicht spricht auch. Und wer anders aussieht sowieso. (Das ist grob, ich weis...ich bin grob...im Geiste...von meiner Sorte gibts die meisten!!) Noch zu etwas anderem: Donovan war Klasse. Genau dieser Modus, diese Selbstüberhöhung mit Augenzwinkern, dieses Er-greif-ende. Herr-lich. Mit bestem Gewissen, einervonvielendiedenLadenderweilamLaufenhalten
Valjean72
17. März 2017 09:04

ZITATE: „die drei häufigsten transnationalen Identifikationsfiguren auf der Rechten erwähnt: europäisch, WESTLICH und weiß.

Die Beziehungen zwischen Rußland und dem WESTEN …

Das gleiche Problem stellt sich freilich auch für die zweite Beschreibung unserer Eigengruppe als "der WESTEN“

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Das mag vielleicht spitzfindig erscheinen, auch habe ich nicht ausreichend langem Atem dies  gebührend auszuführen aber ich sehe Deutschland EBEN NICHT bloß als einen namenlosen Teil des Westens. Deutschland hat sich einst als eigenständige Kulturnation begriffen, mit einem eigenen Sendungsauftrag an die Welt. Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass wir der Welt etwas anderes  geben können, als die „den Westen“ beherrschende angelsächsische Welt. Und bei der gewählten Formulierung der „Beziehungen zwischen Rußland und dem WESTEN“ wird ja deutlich, wer sich bisher hinter diesem Codewort verbarg: die Eliten in den USA. Russland könnte mit Deutschland (und auch mit Frankreich) durchaus gedeihliche Beziehungen führen, wen es denn den USA gefiele. Am 4. Februar 2015 gab George Friedman, der Gründer des privaten Nachrichtendienstes STRATFOR folgendes von sich:

“the primordial interest of the Unites States over which we for centuries have fought wars, the first second and cold war has been the relationship between Germany and Russia. Because united they are the only force that could threaten us and to make sure that that doesn’t happen…

For the United States, the primordial fear is… German technology and German capital, Russian natural resources and Russian manpower… the only combination that has for centuries scared the hell out of the United States.”

Ich begreife die historische Aufgabe eines wiedergewonnenen deutschen Patriotismus gerade in der Emanzipation gegenüber der westlichen, sprich US-amerikanischen Dominanz, auch und gerade auf kulturellem Gebiet. Das bedeutet ja nicht in Gegnerschaft zu treten oder sich interessanten Anregungen zu verschließen.

Das ich damit an diesem Ort ein Exot bin, dessen bin ich mir durchaus bewusst.

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