19. März 2017

Sonntagsheld (4) – Reactio ad absurdum

von Till-Lucas Wessels / 16 Kommentare

Janusz Korwin-Mikke, seines Zeichens EU-Abgeordneter der nach ihm selbst benannten KORWIN-Partei, ist ein libertärer Vollblutkapitalist, veritabler Reaktionär und unser Sonntagsheld.

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Wer oder was ist der Mann mit dem Kosakenbart, der wirkt wie eine krude Kombination aus Jean Raspail und Martin Sonneborn, stets Fliege trägt und vor wenigen Wochen mit dem verschmitzten Lächeln eines Spitzbuben erzählte, daß Frauen selbstverständlich weniger zu verdienen hätten, weil sie weniger leisteten und einen geringeren Intelligenzquotienten hätten?

Korwin-Mikkes rechtes Rebellentum beginnt früh, bereits in den 1960er Jahren wird er im kommunistischen Polen wegen "antikommunistischer Umtriebe" eingesperrt, auch danach ist er Mitglied in zum Teil illegalen Widerstandsgruppen. Seine Aktivität treibt ihn durch eine ganze Reihe von Parteien, seine jetzige politische Heimat KORWIN kann man getrost als auf ihn ausgerichtetes Ein-Mann-Projekt bezeichnen.

Seinen Weg pflastern dabei Kontroversen; mit seinem Hang zu einem ungesund radikalen Libertarismus (Korwin-Mikke ist zum Beispiel für die Legalisierung rein digital erstellter Kinderpornographie), seiner unverblümt geäußerten Verachtung für den Parlamentarismus und einem erzkonservativen Sittlichkeitsverständnis, aus dem heraus er die Einführung der Todesstrafe und die Abschaffung des Frauenwahlrechts fordert, eckt der polnische Exzentriker bei Konservativen wie bei Liberalen gleichsam an.

Seit 2014 sitzt dieser Querulant also im Europäischen Parlament und produziert mit wachsendem Genuß Skandale: Bei der Diskussion um einen europaweiten Fahrschein zeigte er den Hitlergruß und rief "Ein Volk, ein Reich, ein Ticket!", die Demokratie bezeichnete er als "dümmste Regierungsform, die je erdacht wurde", und seine Beiträge im Parlament beendet er schon mal mit seinem persönlichen Ceterum censeo: "Außerdem bin ich der Ansicht, daß die Europäische Union zu zerstören ist."

Wer sich jetzt voller Grauen von seinem Bildschirm ab- und, in konservativem Furor zitternd, gleichsam entsetzt und enttäuscht seiner Ernst-Jünger-Gesamtausgabe zuwendet, um sich unter der beruhigend beunruhigenden Lektüre des Waldgangs zu fragen, ob man bei Sezession im Netz jetzt full Godenholm gegangen ist, daß man hier solch einen Spinner ehrt, der tut unserem Helden Unrecht.

Janusz Korwin-Mikke ist das exakte Gegenteil von dem was man landläufig als Cuckservative, im deutschsprachigen Raum vielleicht als Jungfreiheitlichen bezeichnet. Er ist ein Tänzer, ein Troll, ein unbelehrbarer Monarchist und vor allem einer, der versucht, auf dem schmierigen Parkett des Europäischen Parlaments die Haltung zu bewahren.

Dabei beweist er Humor und Charakter, gibt nebenbei eine ganze Institution der Lächerlichkeit preis und – das ist das herrlichste daran – treibt die bräsigen Eurokraten zur Weißglut.

Daß er sich dabei über seinen realpolitischen Einfluß keine Illusionen macht, zeigen diverse Interviews, die er zu seiner Rolle im Parlament gegeben hat: Ihm geht es darum, die gute Bezahlung einzustreichen und vor allem mächtig auf die Kacke zu hauen.

Bei den jungen Polen kommt das gut an: Bei der letzten Europawahl wählten ihn 28,5 Prozent der 18- bis 25jährigen. Da kann man schonmal klatschen: Batsch, batsch!

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Kommentare (16)

Utz
19. März 2017 17:05

Tut mir leid, viel heldenhaftes kann ich da nicht sehen. Nichts was echten Mut erfordern würde, nichts was besonders viel Kreativität und Witz hätte und 18- 25-jährige Polen zu erreichen ist in meinen Augen auch keine Heldentat.

Wenn seine Aktionen wenigstens so absurd wären, daß sie einem Respekt abnötigen. Sind sie aber nicht, scheint ja doch bloß immer die Ängstlichkeit der Erzkonservativen (vor Frauen und sonstigen Ärgernissen des Alltags) durch.

"Bräsige Eurokraten" zur Weißglut bringen, OK, dennoch, alles in allem: nicht mein Held.

Harald
19. März 2017 17:25

 Der Mann ist klasse und er hat einen netten Nachbarn .

Dietrich Stahl
19. März 2017 17:45

Ein polnischer Eulenspiegel, dem der Witz aus den Augen blitzt. So einen könnten wir in Deutschland auch gut gebrauchen. Dem würden die Links/Grünen aber wohl schnell den Staatsanwalt auf den Hals hetzen.

Starhemberg
19. März 2017 18:06

Der Kerl ist großes Kino und hat mit seinen allermeisten Aussagen schlicht und ergreifend recht. Außerdem haben uns die Polen schon 1683 vor Wien den Arsch gerettet. Weiter so, Janusz, gib ihnen Saures wann immer es geht.

Sven Jacobsen
19. März 2017 19:39

Gibt es keine geeigneteren Sonntagshelden? Ich kenne Korwin-Mikke nicht näher, würde ihm aber mit seinem ungeschickten, dadaistisch anmutenden Gebaren kein politisches Vertrauen schenken. 

fischer
19. März 2017 21:02

Genau so wenig, wie man sich ständig überall auf Knopfdruck "distanzieren" muss sollte man dem Drang nachgeben, jede noch so skurrile Figur im vermeintlich eigenen Lager ostentativ abzufeiern.

Distelfink
20. März 2017 08:40

Ein (Sonntags-) Held muß nicht unbedingt in Harnisch und mit Schwert daherkommen. Manchmal genügt auch ein Degen oder wie bei Schneider Korwin-Mikke eine Nadel, um die Aufgeblasenen zum Platzen zu bringen.

Eine schöne Woche!
df

Jürg_Jenatsch
20. März 2017 10:46

@ UTZ ehrlich gesagt verstehe ich Ihre Aussagen nicht. Ängstlichkeit vor Frauen bei den Erzkonservativen? Wer heutzutage Frauen als kleiner, schwächer und dümmer bezeichnet und aus diesem Grund höhere Gehälter für Männer als gerechtfertigt ansieht, der ist alles andere, aber nicht ängstlich. Natürlich ist der Libertarismus mit seiner radikalen Ablehnung der Herrschaft in seiner Konsequenz genauso undurchdacht wie die linken Entwürfe. Es wird immer Herrschaft geben. Aber einen Teil der Wegstrecke kann man gemeinsam gehen. D stehen die rechten Libertaristen uns näher,  u.a. weil sie uns mehr Bewegungsraum geben können.

Klaus Scholz
20. März 2017 12:10

Was ist los in Schnellroda? Erst ein atavistischer Muskelprotz als Gegenstand der Verehrung, nun ein offensichtlicher Egomane bar jeglichen politischen Inhalts als Sonntagsheld? Arbeiten Sie gegenwärtig an einer Sparte für Realsatire, oder gibt Herr Wessels den Minenhund für zukünftig Zumutbares ?

Mit verwunderten Grüßen,

Klaus Scholz

Abdiel
20. März 2017 16:49

a) Korwin-Mikke ist äußerst sympathisch und hat Stil und Witz

b) Seine Aussagen zu Frauen sind nichts desto weniger unglücklich. Ich bin freundlich genug, sie nicht ernst zu nehmen. Und darf ferner höflich daran erinnern, daß keine größere politische Bewegung der Moderne ohne weibliche Unterstützung erfolgreich gewesen. An die Rolle, die Frauen in der größten politischen Bewegung Deutschlands im 20. Jahrhundert gespielt haben, sei hier nur kurz erinnert - wertneutral. Frauen, die sich, wie ich, durch solche Grobheiten nicht vergrätzen lassen und sich trotzdem als rechts definieren, sind dünn gesät. Also schön halblang machen!

c) Wessels schreibt pfiffig, beim Inhalt ist noch Luft nach oben.

Gonzague de Reynold
20. März 2017 17:04

Jeder, restlos jeder, der es auf sich nimmt, die Politiksimulation in Brüssel blosszustellen und ad absurdum zu führen ist zumindest partiell (und natürlich lediglich unter rein pragmatischen Gesichtspunkten betrachtet) "einer von uns".

Wir können nicht wählerisch sein, unserer "Front" besteht nunmal nur aus einer losen Kette von Schützenlöchern, besetzt mit irgendwelchen Versprengten. Solange der Lauf in die richtige Richtung zeigt ist alles in Butter. Ich zumindest habe mit dieser Art von «Buntheit» wenig Probleme. Obwohl natürlich diverse Punkte mehr als nur ein Augenbrauenhochziehen provozieren; Kinderporno ? Libertärer Monarchist (wie geht das denn ?) …

@Jürg_Jenatsch (schöner nom de guerre, nebenbei erwähnt): Sie sind nicht zufälligerweise Landsmann ?

Cacatum non est pictum
20. März 2017 21:40

@Utz

Tut mir leid, viel heldenhaftes kann ich da nicht sehen. Nichts was echten Mut erfordern würde, nichts was besonders viel Kreativität und Witz hätte und 18- 25-jährige Polen zu erreichen ist in meinen Augen auch keine Heldentat.

Der Mann hat für seine widerständige Gesinnung in einem Knast des sozialistischen Polens gesessen! Damit dürfte er ausreichend Mut bewiesen haben. Ansonsten empfinde ich Provokateure wie ihn - auch ohne jede seiner Ansichten zu teilen - mittlerweile als Galionsfiguren im autokratischen Beamtenapparat Brüssel. Jeder, der diesem Moloch Sand ins Getriebe streut, ist ein Bundesgenosse.

Jürg_Jenatsch
21. März 2017 10:08

@Abdiel Und darf ferner höflich daran erinnern, daß keine größere politische Bewegung der Moderne ohne weibliche Unterstützung erfolgreich gewesen. An die Rolle, die Frauen in der größten politischen Bewegung Deutschlands im 20. Jahrhundert gespielt haben, sei hier nur kurz erinnert - wertneutral.

Nun meine Hochverehrte, darf ich Sie vielleicht daran erinnern, mit welcher Infamie und Brutalität die linken Machos ihre Weiblichkeit behandeln. Wie haben beispielsweise Baader und Che sie behandelt? Oder Hollande (auch Fischer/Schröder), der seine Frauen ablegt wie abgenagte Hundeknochen.  Dagegen sind Rechte und Konservative nun echte Vaserl dagegen. Aber gleichwohl ist es notwendig, den gesellschaftszersetzenden Tendenzen des Egalitarismuses entgegenzutreten, auch, aber nicht zuletzt dem Feminismus. Nun Korwin-Mikke hat es etwas uncharmant ausgedrückt, aber es ist nun einmal eine Tatsache, daß Hochintelligenz eine überwiegend männliche Domäne ist (genauso wie umgekehrt Schwachsinn). Insofern sollte die männliche Führung der Regelfall sein, während Frauen nur in Ausnahmen zu dieser befähigt sind. Das ist auch mein ganz persönliches Resümee von 30 Jahren Berufstätigkeit. Ich habe nur eine Frau kennengelernt, die als Vorgesetzte nicht nur brauchbar, sondern gut war.

@Gonzague Leider nein - nicht direkt aus der Schweiz, aber ich habe auch einen alemannischen Vorfahren vom Bodensee. Das ist ja nicht so fern. Den Namen habe ich aus 3 Gründen gewählt. Zunächst ist er meinem Namen ähnlich, des weiteren war er eine kämpferische und umstrittene Gestalt, was ihn nicht unsympathisch macht und darüber hinaus hat meine Mutter in der Schwangerschaft den Roman Jürg Jenatsch gelesen.

Abdiel
21. März 2017 18:45

@Jürg Jenatsch Geschätzter Mitforist, was hat die in der Tat unsägliche Art, wie die radikale Linke mit ihren Frauen umging (Baader z.B. war in der Tat ein Scheusal erster Klasse)  mit meinem Argument zu tun? Allenfalls bestärkt sie es, denn die Rotzigkeit der Männer im SDS bildete eine Keimzelle, jedenfalls des deutschen Feminismus, hat also nichts Positives erzeugt.

Auch mit der Frage männlicher oder weiblicher Hochbegabung hat das (unabhängig davon, daß die von Ihnen benannte, bekannte Verteilung so durchaus zutreffen dürfte) nichts zu tun.

Nochmals: Mir geht es an dieser Stelle um ein taktisches Argument, das im Interesse der gesamten Rechten liegt. (Es geht nicht schon wieder um Männer oder! Frauen.) Und das ist m.E. so nicht von der Hand zu weisen. Frauen haben nun mal Wahlrecht (ich bewerte das jetzt nicht), sie reproduzieren gesellschaftliche Werte, indem sie in pädagogischen Berufen stark vertreten sind usw. Daß all diese hypermoralischen Weiber überproportional viel und fatalen Einfluß in der "Flüchtlingskrise" ausgeübt haben, läßt sich (zu unserem gemeinsamen Leidwesen, wie ich annehme) nicht bestreiten. Die Attraktivität der Rechten für Frauen ist noch nicht stark genug, wie sich das ändern soll, weiß ich auch noch nicht, aber durch undifferenzierte Herabsetzungen wird es nicht gehen. Die bewußte Bewegung aus dem vergangenen Jahrhundert (;) verstand das taktisch besser...

Schneekette
21. März 2017 23:06

Also, ich teile mit Korwin-Mikke bis auf Antifeminismus und generelles rechts-sein offenbar so gut wie keine einzige Position, aber trotzdem macht mir der Mann gute Laune.

Also: Der Troll meines Feindes ist mein Grinsen über beide Ohren.

Wolf Silius
22. März 2017 13:51

@Jürg_Jenatsch

"Nun meine Hochverehrte, darf ich Sie vielleicht daran erinnern, mit welcher Infamie und Brutalität die linken Machos ihre Weiblichkeit behandeln. Wie haben beispielsweise Baader und Che sie behandelt? Oder Hollande (auch Fischer/Schröder), der seine Frauen ablegt wie abgenagte Hundeknochen."

„Devise für den jungen Linken: Revolution und Fotze.“ Nicolás Gómez Dávila

Promiskuität der revolutionären Studenten und deren weitgehendes Negieren weiblicher Vorzüge über die Eignung als Sexualobjekt und zur Bedienung des Kopiergerätes hinaus hat maßgeblich zum Entstehen der zweiten Welle des Feminismus beigetragen. Nach dem berühmten Tomatenwurf einer Delegierten der Konferenz des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) im September 1968 in Frankfurt auf den männlich besetzten Vorstand kam es zur Gründung von Weiberräten. Dem Wahlspruch der männlichen Kollegen, „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“, setzten die Mädels die Forderung „Befreit die linken Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen“ entgegen. (Soviel zur unterentwickelten Affinität der Frauen zur Gewalt …). Fortan war „Diskriminierung der Frauen“ ein Thema der Linken.

"... gleichwohl ist es notwendig, den gesellschaftszersetzenden Tendenzen des Egalitarismuses entgegenzutreten, auch, aber nicht zuletzt dem Feminismus."

Der Radikal- (Gleichheits-)Feminismus, der den Differenz-Feminismus völlig marginalisiert hat, ist maßgeblicher Teil des Egalitarismus, weshalb auch die rührenden Bemühungen der sogenannten Männerrechtler um eine „echte Gleichberechtigung“ zwangsläufig ins Leere laufen.

"Korwin-Mikke hat es etwas uncharmant ausgedrückt, aber es ist nun einmal eine Tatsache, daß Hochintelligenz eine überwiegend männliche Domäne ist (genauso wie umgekehrt Schwachsinn). Insofern sollte die männliche Führung der Regelfall sein, während Frauen nur in Ausnahmen zu dieser befähigt sind. Das ist auch mein ganz persönliches Resümee von 30 Jahren Berufstätigkeit. Ich habe nur eine Frau kennengelernt, die als Vorgesetzte nicht nur brauchbar, sondern gut war."

Als Vorgesetzte von Frauen sind Frauen selbstredend geeignet. Einen Mann, der in der Zeit der Pubertät die zweite Abnabelung von der Mutter verpaßt  und im Alter von siebzehn, achtzehn Jahren noch Anweisungen von Frauen entgegennimmt, darf man dagegen getrost als degeneriert bezeichnen. Die zunehmende Bereitschaft von Männern, sich Frauen unterzuordnen, geht einher mit der seit Jahrzehnten zu beobachtenden Infantilisierung von Männern. Oswald Spengler konstatierte bereits vor einhundert Jahren die parallel zur weiblichen Emanzipation verlaufende Emanzipation der Männer und beschrieb als deren Grund das Bestreben, sich von Pflichten und Verantwortung zu befreien. Ohne diese von Spengler vorhergesehene Entwicklung würden wir hier zur Gänze andere Diskussionen führen, wenn überhaupt. Der eigentliche Skandal der Affäre Korwin-Mikke , der zu meinem Erstaunen hier überhaupt ken Thema ist, sind die Sanktionen gegen den Abgeordneten (30 Tage  - 9180 Euro - keinTagegeld, Ausschluß für zehn Tage von allen Aktivitäten des Parlaments, Verbot der Vertretung des EU-Parlaments gegenüber anderen Parlamenten oder Institutionen für ein Jahr).

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