20. März 2017

Hypergamie und Einsamkeit: Kositza über Devlin

von Nils Wegner / 3 Kommentare

Der US-Kulturphilosoph F. Roger Devlin ist Lesern der Sezession im Netz kein Unbekannter: Bereits im Oktober 2015 erschien eine Übersetzung seines Essays »Die Ursprünge der deutschen Selbstverbrennung«.

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Nun ist Devlin Antaios-Autor. Sein Werk Sexual Utopia in Power. The Feminist Revolt Against Civilization erschien erstmals 2015 bei Counter-Currents in San Francisco; seit vergangenem Freitag ist nun die deutsche Fassung unter dem Titel Sex, Macht, Utopie lieferbar. Es handelt sich dabei um eine Sammlung grundlegender Texte aus den Jahren 2006 bis 2015, die sich thematisch von nüchtern-ökonomischen Aspekten der klassischen Ehe bis hin zu Fragen eines möglichen stammesgeschichtlichen Rückschlags im Sexualverhalten der westlichen Industriegesellschaften.

Ellen Kositza, die sich für ihre Einzelfalle selbst intensiv mit der Geschichte und den skurrilen Blüten des zeitgenössischen Feminismus befaßt hat, betreute das Projekt von Anfang an. In ihrem mittlerweile bereits 18. Literaturvideo stellt sie die Anthologie vor und kommt dabei besonders auf Devlins Analysen des Frauenbilds in der amerikanischen (und das bedeutet: mit ein paar Jahren Verzögerung auch unserer) Popkultur zu sprechen.

Was hat es mit der weiblichen Hypergamie auf sich, dem instinktiven Bedürfnis, sich im Hinblick auf sozialen Status "nach oben zu paaren"? Und wie wurde aus der erträumten "Freiheit zu" der sogenannten sexuellen Revolution eine "Freiheit von" allen Bindungen, die unterm Strich allen Beteiligten nichts als vermehrte Einsamkeit gebracht hat? Devlin gibt unangenehme Antworten auf Fragen, die heute niemand mehr stellt, weil alles irgendwie selbstverständlich geworden ist – und er plädiert ausdrücklich für eine Rückkehr zum klassischen Familienbild.

Das aber nichts für Konservative, denn zum Konservieren ist nichts mehr übrig. Schonungslose Einblicke finden sich in Sex, Macht, Utopie zuhauf – Ellen Kositza gibt einen Einblick!

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F. Roger Devlin: Sex, Macht, Utopie, Schnellroda 2017. 304 Seiten, 22 Euro – hier einsehen und bestellen!

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Kommentare (3)

Der Gehenkte
20. März 2017 15:20

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Ihre Töchter, Frau Kositza, vom schauen der "Gossip Girls" tatsächlich verdorben werden. Devlin kann das - ebenso wie die Bratz-Puppen und "Cosmopolitan" - doch nur als Chiffre gemeint haben. Der Cosmopolitan-Style ist doch tatsächlich überall.Und selbst als Chiffre ist das Argument allzu einfach.

Mir scheint es hingegen wichtig, sich diesen Realien zu stellen, die Konfrontation bewußt zu suchen und eine Gegenwelt zu schaffen, die stärker und überzeugender ist und mit den Kindern darüber - ganz unaufgeregt und nicht belehrend - immer wieder und in allen Formen zu sprechen und zu handeln, ja, ihnen sogar die Wahl zu lassen. Bei diesem Konzept wird sich das Wahre und Richtige in der Regel durchsetzen.

Unsere Tochter spielte auch mit Barbiepuppen und kleidete sich "seltsam". Irgendwann, aber schon sehr früh, hatten wir den Kampf aufgegeben und sie frei gelassen. Sie ist ganz anders geworden als wir. Trotzdem: Heute abonniert sie ganz unabhängig von uns die "Sezession", liest wie eine Verrückte und gibt das wirkliche Leben an andere Kinder weiter … auch – da nicht anders möglich - mit Barbiepuppen …

Monika L.
20. März 2017 17:44

Es ist hohe Zeit für einen antifeministischen 'Klassiker'. Ein Gegengewicht zu Beauvoirs " Das andere Geschlecht" oder Schwarzers " Der kleine Unterschied". Devlins Buch ist sicher ein Schritt in diese Richtung ( könnte man etwas über seinen philosophischen Hintergrund, seine geistige Ausgangsposition erfahren ? ) Ich warte trotzdem irgendwie auf einen antifeministischen Donnerschlag. Eine Befreiung der Frau  von dem Verdammtsein zur ( vor allem  sexuellen ) Freiheit. Es gibt nichts Traurigeres als ältere Feministinnen. Deren Lebensleistung u.a, darin besteht, bei einem "lustvollen Sexualleben ' nur' zwei Abtreibungen gehabt zu haben" ( O-Ton Jutta Ditfurth) . 

Es müßte eine Bilanz des Feminismus gezogen werden. Und mir fällt immer nur der Titel ein: Die verlorene Tochter. 

Antifeminitische Literatur ? Otto Weininger und Nietzsche ? Da werde ich nicht so recht fündig. Eher bei Gertrud von le Fort :

http://www.gertrud-von-le-fort-gesellschaft.de/Nicht_mitzuhassen-_mitzulieben_bin_ich_da.pdf

Aber, das ist ein weites Feld. Ich gestehe: Manchmal war ich froh, dass ich nur Söhne habe und keine Tochter. Und die stehen beide nicht auf gossip girls oder Dummbratzen. Gar nicht so einfach für die heutigen Jungs, ein ' normales' Mädchen zu finden.

Irgendwann sagte mein Sohn mal: " Ich will keine Frau, die nur mit mir ins Bett will".  Da bin ich fast erschrocken: " Die gibt es tatsächlich ?" 

Solution
20. März 2017 20:00

Endlich. Das Buch ist ein absoluter Hammer. Es deckt sich mit meinen Lebenserfahrungen und theoretischen Studien.

Das Buch ist gut geschrieben und gut zu lesen. Gelegentlich hat der Verfasser auch eine gewisse Art Humor, wo es angebracht ist. Ich kann nur jedem dieses Buch empfehlen, da es uns alle angeht. 

Es ist die   r e i n e   Wahrheit!

Die ersten Exemplare sind geordert. Sie werden manchen zum Toben bringen, andere begeistern.

Drei Bücher sollte man zum Thema gelesen haben:

1. Das Buch von Devlin

2. Ulrich Kutschera: Das Gender-Paradoxon - Mann und Frau als evolvierte Menschentypen

3. Roderick Kaine: Smart and SeXy -The Evolutionary Origins and Biological Underpinningsof Cognitive Differences between the Sexes

Ich hoffe, daß das Buch von Kaine auch seinen deutschen Verleger finden wird, wenngleich es dem Leser einiges abverlangt.

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