19. April 2017

Wider die ethnizistische Reduktion des Eigenen

von Siegfried Gerlich / 48 Kommentare

Lieber Herr Sellner, Ihr Sezession-Beitrag ist mir Anlaß, um gegen Ihr »neurechtes« Plädoyer für ein ethnopolitisch korrigiertes Selbstverständnis der Deutschen ein gleichsam »altdeutsches« Veto einzulegen.

Siegfried Gerlich studierte Philosophie sowie Musikwissenschaft und lebt als freier Autor und Pianist in Hamburg.

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    Siegfried Gerlich studierte Philosophie sowie Musikwissenschaft und lebt als freier Autor und Pianist in Hamburg.

    Kommentare (48)

    RMH
    19. April 2017 11:34

    Wenn ein Beitrag, der eigentlich ein Fachartikel sein könnte oder sein soll, schon mit der Einleitung "Lieber" als Anrede anfängt, dann weiß man meist, wie er endet. Um mich kurz zu fassen, mich stört der Ton und weniger der Inhalt, auch wenn anzumerken ist, dass Herr Gerlich vom NS entweder rechtwenig Ahnung hat oder aber diese eben nicht zeigen will. So wird auch hier sich wie die Katze um den heißen Brei gedreht und gewunden. Der heiße Brei ist eben der NS und seine Kontaminationswirkung - aus dieser Kontamination versucht Sellner sich und seine Bewegung herauszuwinden bzw. diese zu überwinden und Gerlich scheint fast zu meinen, als ob es diese "Vergiftung" nie gegeben hätte - aber "Denken Sie groß" ist im Politischen kein Fehler, wenn man dennoch seine Grenzen kennt.

    Was bleibt, ist Poesie und hier - wie bei dieser Debatte und der Art, wie sie geführt wird, naheliegend - unser Hölderlin:

    "Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne
      Auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt,
      O ihr Guten! auch wir sind
      Tatenarm und gedankenvoll!“

    Maiordomus
    19. April 2017 12:25

    Ein tiefschürfender Beitrag von Siegfried Gerlich, der das Universalienproblem im Vergleich zu Sellner, dessen Stärke vorläufig eher nicht die Philosophie ist, differenzierter darstellt. Dabei ist es falsch, den Universalismus des Missionsauftrages, der sich seit dem Vertrag von Tordesillas (1498) nachweisen lässt, schlechthin als gescheitert zu bezeichnen. Immerhin wqr dies die Basis der Katholisierung des heutigen Lateinamerika, und auf christlich-universalistischer Grundlage vertraten Bartolomé de Las Casas und andere Dominikaner die Menschenrechte der Indianer, wobei freilich aus ökonomischen und anderen Gründen die Schwarzen nicht gleich bewertet wurden. Aber auch ihnen gegenüber beruht der Missionsauftrag auf Universalismus, und noch im 20. Jahrhundert war die Missionsgeschichte trotz aller ihrer auch dunklen Seiten eine Erfolgsgeschichte, was sich zum Beispiel an der Tätigkeit des Schweizer Missionsbischofs Gallus Steiger (1880 - 1966)  in Tansania nachweisen lässt. Allerdings brach dann der Glaube an die Mission in neuerer und neuester Zeit in sich zusammen, weil es vom christlichen zu einem sogenannt aufgeklärten allgemein menschenrechtlichen Universalismus kam, zu dem auch die sogenannte Religionsfreiheit gehört. Spätestens seit Papst Franziskus ist Missionieren kein Bestandteil der katholischen Ideologie mehr. Diese Entwicklung deutete sich bereits unter Papst Johannes Paul II. beim synkretistischen Treffen in Assisi an. Es war natürlich keine Absage an den Universalismus, sondern die Ersetzung des christlichen Universalismus durch einen überkonfessionellen Universalismus, ein Gedankengut unweit auch von Gotthold Ephraim Lessings Nathan, dessen universalistisches Modell humanitärer Menschheitsbefreiung ich allerdings für überschätzt halte.

    Durchaus treffend sind Gerlichs Ausführungen betreffend den Universalismus des Nationalismus der Französischen Revolution und auch Fichte betreffend. Es wäre zu analysieren, wei weit das Denken Fichtes bereits totalitär war. Auf jeden Fall begründete es noch im 20. Jahrhundert einen auf angebliche Emanzipation ausgehenden deutschen Nationalismus, was noch Gerhart Hauptmann 1913 in seinem "Festspiel in deutschen Reimen" betonte. Ein noch interessantes und höchst fragwürdiges Werk betreffend die Spätwirkung des Ideologen Fichte, den man durchaus als Universalisten sehen sollte, ist Reinhold Schneiders Buch "Fichte, der Weg zur Nation" von 1932, gemäss der Dissertation "Form und Dissonanz - Reinhold Schneider als historiographischer Schriftsteller" von P. Meier eine universalistisch- nationalistische Verirrung des späteren christlichen Schriftstellers.

    deutscheridentitärer
    19. April 2017 16:01

    Ich kann mit dem Artikel nicht recht etwas anfangen. Wenn wir den Sachverhalt mal pragmatisch betrachten stellt er sich mir so dar:

    Das Nationalbewusstsein hat sich zu Beginn der Moderne als maßgebliche Form kollektiver Identität herausgebildet. Ob dies, wie heute herrschende Meinung bei Leuten, die sich damit beruflich befassen, auf verfälschender Geschichtsbetrachtung beruht, also eine Konstruktion ist, die nicht weitergepflegt werden sollte, ist für mich wenig relevant. Fakt ist nämlich, dass dieses Gemeinschaftsgefühl den Menschen große gemeinschaftliche Leistungen ermöglicht hat und, wenn man will, das Schlimmste, aber doch auch ganz eindeutig das Beste im Menschen hervorgebracht hat.

    Dieses Gemeinschaftsgefühl ist seit grob einigen Jahrzehnten zunehmender Korrosion ausgesetzt, und zwar ohne, dass sich darüber eine befriedigende Alternative aufgetan hätte. Ich bin, in mir angesichts meines sozialen Umfeld im Nachhinein unerklarlicher Weise, fest im Glauben an das nationalstaatliche Paradigma aufgewachsen. Erst vor nicht allzulanger Zeit erfuhr ich überhaupt davon, dass die Wissenschaft festgestellt hat, dass es gar keine Völker und Nationen gibt.

    Grundsätzlich wäre ich ja durchaus bereit mich mit einem andersgearteten Kollektiv zu identifizieren. Die Identifikation mit einem Volk schließt ja auch viele Leute mit ein, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben will. Insofern könnte ich mich selbstverständlich auch etwa mit einem dynastisch-ständischen Gesellschaftsmodell arrangieren.

    Nur was wird einem denn heute geboten? Offiziell eine kitschige One-World-Kindergartenphantasie und inoffiziell eine religiöse Eintrittskarte in eine Stammesgemeinschaft mit einem Durchschnitts-IQ um die 80. Also bleibt man halt bei seiner nationalen Identität, die war wenigstens mal großartig.

    Solution
    19. April 2017 17:05

    Diese Diskussionen über mehr als gewagte Theorien führen zu nichts. Sie enden im Nichts und verwirren nur. Man sollte statt dessen klar sagen, was man will und was nicht: Ich will in einem Staat leben, in dem ich unter Menschen meiner Art bin. Was ist daran unklar? Was gibt es da noch zu diskutieren?

    Deutschland ist das Land der Deutschen und Europa das Land der Europäer. 

    Verschwenden wir nicht zuviel Zeit und Gedanken an Eiertänze. Wer nicht völkisch denkt, reißt seine Flanke mit allen Konsequenzen auf. Es wird diesen Leuten nie gelingen einen Konsens jenseits des Völkischen zu erzielen, weil es immer noch jemanden gibt, der noch ein klein wenig mehr Zugeständnisse und Komprimisse macht.

    Warum nicht gleich hier eine Abstimmung abhalten: Wie hätten Sie es gerne? Wollt Ihr unter 100%,  91%, 87%, 73%, 59%  oder unter noch weniger Deutschen leben? Vergessen sollte man dabei nicht, daß die Nichtdeutschen früher, in kürzeren Abständen und mehr Kinder in die Welt setzen. Selbst aus 1% wird unter diesen Bedingungen irgendwann eine fremde Mehrheit (von der Masseneinwanderung gar nicht zu reden).

    Mir scheint, hier wollen einige nur das Tempo des Austauschs und der Vermischung bremsen. Entweder halten wir unseren Genpool rein oder wir geben auf.

    Roman.U
    19. April 2017 17:43
    Herr Sellner reduziert den Universalismus auf die Interaktion zwischen den Völkern und macht dort Zwänge aus, wo sie nicht unbedingt vorliegen müssen. Dabei ist Universalismus eine Weltanschauung, hinter die man auch schlecht wieder zurück kann. Ich kann mich nicht hinstellen und behaupten, dass eine Vergewaltigung in Indien keine Vergewaltigung ist. An der Bewertung ändert die Ferne nicht einen Deut. Das Ausgreifen ist dagegen nicht zwingend. Wenn in Indien eine Vergewaltigung stattfindet, bin ich nicht in gleicherweise betroffen, oder mitverantwortlich, wie bei Verbrechen, die in Köln stattfinden. Jedenfalls liegt kein Zwang vor in Extreme zu verfallen. Nur ist ein Sonnenaufgang auch im Kongo ein Sonnenaufgang. Ich kann und sollte den Kontext berücksichtigen, nur ist das Objekt der Beurteilung dadurch nicht beliebig zu zerlegen. Selbst wenn ich theoretisch sagen könnte, dass die Eingeborenen dort keine Sonne sehen, werde ich selbst dadurch keinen Mond erblicken. @RMH: Das ist nicht der Punkt des Autors wie es mir erscheint. Er verweist hier nur auf die ältere Tradition. Man hätte aber auch schreiben können, dass die Nation nicht im Widerspruch zu einem ethnischen Kernbezug stehen muss und praktisch nicht kann, da es immer ein Feld um diesen Kern geben wird. Möchte man die staatliche Legitimation aus der Ethnie ableiten, muss man sie als Nation denken, egal wie eng man die Grenzen der Zugehörigkeit und Veränderungsmöglichkeiten setzt.
    Caroline Sommerfeld
    19. April 2017 17:51

    Eine substantielle Antwort auf die Frage nach dem »Eigenen« geben Sie jedenfalls nicht, und so ist denn auch der partikularistisch verstockte Ethnozentrismus, den Sie gegen einen universalistisch entspannten Nationalismus ausspielen, ein rein formales, vollkommen inhaltsleeres Konzept.

    Sehr geehrter Herr Gerlich,

    Sie haben in meinen Augen beide recht und unrecht! Umso mehr verwundert mich der zersetzende Ton, den Sie als zweifellos Älterer und historisch Belesenerer hier anschlagen. Muß nicht sein, Auseinandersetzung um Begriffe sollte kein friendly fire sein, sondern Auseinandersetzung um Begriffe.

    Je nun, zum Punkt: Sellner hat was gegen den Nationalismus, und Sie haben was gegen den Ethnozentrismus.

    Der entscheidende Begriff, nämlich der  S t a a t, spielt bei keinem von Ihnen beiden eine besondere Rolle. Nationalismus hat historisch den Sinn, Identität weg vom Substanzbegriff "Volk" hin zur funktionalen Differenzierung im "Nationalstaat" umzudefinieren. Der "Weltstaat" ist dabei immer latent mitgedacht, der "Ewige Frieden" winkt normativ herüber. Deswegen ist aber (@Sellner) Nationalismus nicht gleich Universalismus, sondern grenzt sich zeit seiner Existenz davon ab. Heutiger "Postnationalismus" ist eben gerade gegen den Nationalstaat gerichtet, erklärt ihn für obsolet und hält den globalen "Ewigen Frieden" für bereits verwirklicht, wenn der Nationalstaat doch bloß endlich real und nicht nur ideologisch erledigt wäre. In diesem Sinne müssen wir doch wohl weiterhin für den Nationalstaat streiten, "universalistisch entspannt" geht das wohl kaum vonstatten, und gehört im übrigens zum Inhalt des "Eigenen" wesentlich dazu!

    Der "Ethnozentrismus" geht über Staaten hinweg als gänzlich a-historischer Blick. Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" ist für so einen Blick aufs Deutschsein eine kontingente Erscheinungsform, die "Bundesrepublik Deutschland" ebenfalls. Wichtig ist ihm: da leben Deutsche! Und war rassisch Deutsche, das deutscheVolk, unsere Ahnen. Im Grunde ist éthnos kein politischer Begriff. Den ethnischen Begriff zu verteidigen ist deshalb wichtig (@Gerlich), weil ein abstrakt-staatlicher Nationalismus im Grunde ohne genuines Volk auskommt.  Dem reicht dann auch eine "Bevölkerung" mit hinreichend "Verfassungspatriotismus", die sittliche Substanz, das Trägervolk, ließe sich austauschen.

    Wenn man sich des Ethnischen als Kategorie entschlägt, kommt man genauso wie beim Verlust des Nationalen in das Revier der Deutschlandabschaffer. Da Sie da alle beide nicht hineingeraten wollen - tun Sie sich doch besser zusammen!

    Rainer Gebhardt
    19. April 2017 18:00

    Zum Universalismusproblem in dieser Debatte vergl. auch Felix Dirsch: "Relativierung des Universalismus. Zur neuen Attraktivität des Eigenen." (DIE NEUE ORDNUNG, Nr. 1/2016 Februar)

    http://web.tuomi-media.de/dno2/Dateien/NO116-5.pdf 

    deutscheridentitärer
    19. April 2017 21:49

    "Diese Diskussionen über mehr als gewagte Theorien führen zu nichts. Sie enden im Nichts und verwirren nur. Man sollte statt dessen klar sagen, was man will und was nicht: Ich will in einem Staat leben, in dem ich unter Menschen meiner Art bin. Was ist daran unklar? Was gibt es da noch zu diskutieren?"

    So sehe ich das auch. Im Zweifel findet sich schon jemand, der ausgefeilter argumentieren kann als man selber oder der die intellektuell ansprechendere Theorie vorleget -  was dann? Gibt man dann sein Selbstbehauptungsrecht auf? Eine Diskussion darüber, ob man denn das Recht zu leben hätte, würden wohl die meisten als Zumutung empfinden. Ähnlich geht es jemanden, der ein Bewusstsein dafür hat, mit der Frage danach, ob ein Volk denn ein Recht habe über Einwanderung in sein Lebensraum souverän und nach seinen eigenen Interessen zu entscheiden. Eventuell sind diese Diskussionen trotzdem nötig, eventuell schaden sie sogar - ich bin da noch zu keinem Ergebnis gekommen.

    "Dabei ist Universalismus eine Weltanschauung, hinter die man auch schlecht wieder zurück kann. Ich kann mich nicht hinstellen und behaupten, dass eine Vergewaltigung in Indien keine Vergewaltigung ist. An der Bewertung ändert die Ferne nicht einen Deut."

    Eine nachvollziehbare Aussage - die ich dennoch nicht unbedingt teile. Aus einer gewissen Perspektive heraus geht das von Ihnen beschriebene, ich selbst habe das jahrelang mit voller Überzeugung so gesehen. Spengler schreibt das dazu nötige in dem Kapitel "Stoizismus, Sozialismus und Buddhismus", in dem er diese universalistische Form der Moral als abendländische Eigenheit herausarbeitet. Ihr Beispiel ist gut gewählt, um ihre These zu untermauern. Die Gegenthese wird dagegen plausibel, wenn wir Fragen der Staatsform untersuchen: Wir mögen hier etwa die Demokratie als moralische Verpflichtung betrachten, aber trotzdem in anderen Kulturen andere Staatsformen als legitim akkzeptieren. (Deshalb begrüße ich auch den Ausgang des türkischen Referendums - ein weiterer Erdteil, der dem Ende der Geschichte gekündigt hat.)

    "Das Ausgreifen ist dagegen nicht zwingend."

    Das sehe ich anders. Sofern die eigene Macht hinreicht, wäre es gem. ihrer These eine zwingende Folgerung, die Vergewaltigungen in Indien zu verhindern.

    CCCED
    20. April 2017 01:56

    Wenn ich für das Fortbestehen der deutschen Nation eintrete, warum muss ich mich dann gegen den Vorwurf verteidigen, ich sei ein Nationalist? Wenn ich die Existenz von menschlichen Rassen behaupte, warum muss ich mich dann gegen den Vorwurf verteidigen, ich sei ein Rassist?

    Rührt die Stacheligkeit des Schlagabtausches zwischen Sellner und Gerlich nicht daher, dass wir uns den begrifflichen Setzungen und Wertungen unserer Gegner unterwerfen, ja unterwerfen müssen? Sellners Position sehe ich aus der Not geboren: Wenn man heute Leute unter einem Banner versammeln möchte, muß man die Deutungshoheit des Gegners über die Begriffe anerkennen und kreativ neue Wege finden. Das funktioniert auch, er schafft Raum, baut Strukturen auf. Angriffsfläche wird wenig geboten, denn man nützt die diskreditierten Begriffe nicht.

    Gerlichs Bitterkeit teile ich: Die Entschiedenheit, mit der Sie das reichsgeschichtliche und kulturnationale Volk der Deutschen zu einer bloßen »Ethnie« naturalisieren, die besser im stillen Winkel ihrer Öko-Nische ihr Glück versucht hätte als eine kulturelle Mission zu verfolgen, weckt meinen Argwohn, ob Ihnen hierin nicht manche unserer nationalmasochistisch zerknirschten oder einfach in postnationale Gleichgültigkeit verfallenen Landsleute achselzuckend beipflichten würden.

    Sie wird vor allem durch die reale Verfassung der Nation gespeist und wendet sich gegen den Überbringer dieser Nachricht, in diesem Fall Sellner. So verstehe ich Sellner: Er versucht die ethnische Basis der Nation zu erhalten, indem er auf den Umstand des Volksaustausches hinweist, ohne auf Begriffsminen des Gegners zu treten. Mehr wird Sellners Tat nicht leisten können. Inwieweit er darüber hinaus unersetzlichen Begriffen wie Nation und Volk schadet indem er aus taktischen Gründen ihre überspitzten negativen Verformungen alleine in die Debatte nimmt - das wird man sehen.

    Cacatum non est pictum
    20. April 2017 02:58

    Nichts gegen eine theoretische Fundierung. Aber wenn es stimmt, dass die Deutschen seit Jahrhunderten ergebnislos um die genaue Bestimmung ihrer Identität ringen, dann ist jetzt der denkbar schlechteste Zeitpunkt, seine Gedanken um Detailfragen dieser Art kreisen zu lassen. Die mohammedanische Masseneinwanderung macht jedem Betroffenen begreiflich, dass sich da eine fremde Kultur auf seinem angestammten Territorium ausbreitet, die ab einer bestimmten Größenordnung bedrohlich wird. Dies zu erkennen, reicht fürs Erste aus, um in Abgrenzung zu den Fremden sein Eigenes zu finden; und zwar selbst dann, wenn man noch nie in seinem Leben etwas von Fichte gehört hat.

    Die eigene Identität wiederzuentdecken und gegen die Fremden zu behaupten, wird gelingen oder eben nicht. Ob sie zunächst eher ethnopluralistisch oder altdeutsch ausgeprägt sein wird, oder ob die Deutschen sie weiterhin uneinheitlich betrachten, kann dahinstehen. Und noch eines ist wichtig: Vom bevorstehenden Niedergang sind nicht nur wir Deutsche betroffen, sondern - zumindest langfristig - auch alle unsere europäischen Nachbarvölker. Daher meine ich, dass wir diese identitäre Schlacht gemeinsam werden schlagen müssen.

    Maiordomus
    20. April 2017 08:06

    @Caccatum. Es wird wohl richtig sein, dass die Einsicht in das Setzen und Behaupten von Grenzen nicht schon mit Nationalismus zu verwechseln ist und dass man dies tun kann, ohne Fichte zu kennen oder sich über das elementare Ablehnen von politischen Irrtümern des Gegners hinaus zu einer Ideologie bekennen zu müssen.

    ALD
    20. April 2017 10:43

    Eine gelungene, fundierte Kritik aus dem weitblickenden Norden des Landes.

    Die zum Teil das weite Feld der komplexen Verflechtungen von Sprache und Wirklichkeit aus dem Auge verlierenden Versteifungen des Herrn Sellner auf bestimmte Schlagwörter werden immer wieder zum Spiegel seiner Widersprüchlichkeit, die sich bemerkbar macht durch das Fordern einer tiefgreifenden Rückbesinnung, Verinnerlichung und Bewahrung des Eigenen auf der einen Seite, und gleichzeitig im banalisierenden bzw. zu parolenhaften und simpflifizierenden Tun, Sprechen und Handeln diese Bestrebungen gleichermaßen untergräbt.

    Einige Male bereits hatte ich ihm versucht klar zu machen, daß im politischen Kampf, wenn man die erforderlichen, scheinbar schlafwandelnden deutschen Massen für die Bewahrung des Eigenen gewinnen möchte, die Akzentuierung und Gewichtung der Themenfelder und ebenso der Umgang und die Deutung, die man bestimmten Begrifflichkeiten zumißt, von immenser Bedeutung sind. Leider konnte keine Bereitschaft zur Diskussion dieser Kritiken erkennen.

    Beispielsweise fällt die Sellner-IB mit ihrer oberflächlichen Anti-Multikulti-Positionierung eben genau auf die Strippenzieher einer Politik der totalen Egalisierung und letztendlichen Auslöschung der Vielfalt der Völker und Kulturen herein, wenn sie eben den Mißbrauch des Begriffs der Multikulturalität - die es seit Menschengedenken auf individueller Ebene eben immer schon gab - zu einer Multikulti-Heilsideologie übernimmt, anstatt die eigentliche Bedeutung des Begriffs herauszukristalisieren und aufzuzeigen, daß der Begriff durch den angeblich liberalen und menschheitsliebenden politischen Zeitgeist allemal geschunden und durch den Dreck gezogen wird, daß da wo Multikulti drauf steht zumeist Multi drin ist, aber sicher keine Kultur; daß Multikulturalität im wirklichen, individiuellen Sinne immer schon positiv und beglückend auf die Völker Europas gewirkt hat, und daß was Heute von Statten geht - ein demographischer Enteignungsprozeß - das Gegenteil von dem ist, weil es vor allem entkultivierend wirkt.

    rautenklause
    20. April 2017 11:32

    Caroline Sommerfeld hat in meinen Augen ein Kernproblem der Debatte hier angesprochen:

    Der "Ethnozentrismus" geht über Staaten hinweg als gänzlich a-historischer Blick. Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" ist für so einen Blick aufs Deutschsein eine kontingente Erscheinungsform, die "Bundesrepublik Deutschland" ebenfalls. Wichtig ist ihm: da leben Deutsche! Und zwar rassisch Deutsche, das deutsche Volk, unsere Ahnen. Im Grunde ist éthnos kein politischer Begriff. Den ethnischen Begriff zu verteidigen ist deshalb wichtig (@Gerlich), weil ein abstrakt-staatlicher Nationalismus im Grunde ohne genuines Volk auskommt.  Dem reicht dann auch eine "Bevölkerung" mit hinreichend "Verfassungspatriotismus", die sittliche Substanz, das Trägervolk, ließe sich austauschen.

    Und genau an diesem Punkt setzt nunmehr die nächste, sprachlich-rechtliche Umgestaltung von Karlsruher Gnaden an, über die seltsamerweise hier kaum Worte gefallen sind (sollte ich es überlesen haben, so bitte ich um Entschuldigung). Es geht um das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im sog. NPD-Verbotsverfahren. Es lohnt sich, wenn juristische Grundkenntnisse vorhanden sind, die Urteilsbegründung eingehend zu studieren.

    http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2017/01/bs20170117_2bvb000113.html

    Denn der eigentliche Knack- und Hebelpunkt der Entscheidung ist in meinen Augen eben nicht (gut, nicht nur) der Umgang mit einer prozentual unter „ferner liefen“ Partei, sondern vielmehr die schweren Geschütze, die gegen „das deutsche Volk“ in Stellung gebracht wurden. Ja, ich verwende bewußt diesen pathetischen Begriff, denn als Dreh- und Angelpunkt der Verfassungswidrigkeit wurde der „ethnische Volksbegriff“ installiert. Also genau das, worum hier (auch) gestritten wird. Eine erste, gute Zusammenfassung war in „Zuerst“ zu finden

    http://zuerst.de/2017/03/03/wider-das-volk-gedanken-zum-npd-urteil-des-bundesverfassungsgerichts /

    und hinter Bezahlschranke in der ef

    http://ef-magazin.de/2017/01/20/10440-urteil-des-bundesverfassungsgerichts-zum-npd-verbot-gedanken-zu-einer-politischen-katastrophe

    Ausführlich ausgearbeitet und auf den Punkt gebracht wird es aber im Beitrag von Thor von Waldstein, bekannt als Referent beim IfS, in der aktuellen Ausgabe der Neuen Ordnung (NO 1/2017, dort S. 20-24 unter dem Titel „Unterwegs zur Karlsruher Republik – Die Folgen eines Urteils).

    Worum geht es nun im Spruch der Weisen aus Karlsruhe? Nun, eben um viel mehr als nur um ein wie auch immer geartetes reines Verbot einer Partei (was ja auch nicht zustande kam – weshalb es doch sehr verwundert, warum das Gericht 300! Seiten für die Zurückweisung eines Verbotsantrages benötigt): hier wurden Pflöcke eingerammt, die Merkels Aussage: „Volk sind alle, die hier leben“ eine kanonische Legitimation gibt.

    Denn im angesprochenen Urteil wird ausführlich postuliert, der (ethnische) Volksbegriff sei verfassungsrechtlich unhaltbar […]. Für die Zugehörigkeit zum deutschen Volk und den daraus sich ergebenden staatsbürgerlichen Status ist demgemäß die Staatsangehörigkeit von entscheidender Bedeutung. […] (RN 690). „Demgemäß kommt bei der Bestimmung des „Volkes“ im Sinne des Grundgesetzes ethnischen Zuordnungen keine exkludierende Bedeutung zu. Wer die deutsche Staatsangehörigkeit erwirbt, ist aus Sicht der Verfassung unabhängig von seiner ethnischen Herkunft Teil des Volkes. Diese verfassungsrechtliche Vorgabe steht in deutlichem Gegensatz zur Auffassung der Antragsgegnerin, nach deren Überzeugung der Erwerb der Staatsangehörigkeit nicht dazu führt, dass der Eingebürgerte Teil des deutschen Volkes wird“. (RN 691). Und mit der in RN 698 eingeschobenen Feststellung, aus einer ethnisch definierten Volksgemeinschaft leite sich eine Mißachtung der Menschenwürde ab (und damit das schlimmste Verbrechen nach Nichtzahlung des Rundfunkbeitrages und Rauchen außerhalb gekennzeichneter Raucherzonen) ist der Drops endgültig gelutscht: „Menschenwürde“ ist der Porsche 911 im Autoquartett meiner Jugend! Denn:

    Die Würde des Menschen bleibt nur unangetastet, wenn der Einzelne als grundsätzlich frei, wenngleich stets sozialgebunden, und nicht umgekehrt als grundsätzlich unfrei und einer übergeordneten Instanz unterworfen behandelt wird. Die unbedingte Unterordnung einer Person unter ein Kollektiv, eine Ideologie oder eine Religion stellt eine Missachtung des Wertes dar, der jedem Menschen um seiner selbst willen, kraft seines Personseins (BVerfGE 115, 118 <153>) zukommt. Sie verletzt seine Subjektqualität und stellt einen Eingriff in die Garantie der Menschenwürde dar, der fundamental gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verstößt.

    bb) Menschenwürde ist egalitär; sie gründet ausschließlich in der Zugehörigkeit zur menschlichen Gattung, unabhängig von Merkmalen wie Herkunft, Rasse, Lebensalter oder Geschlecht (RN 540)

    Was das für Positionen der Identitären oder der von dort geschmähten „alten Rechten“ bedeutet, mag jeder für sich entscheiden.

    Schneekette
    20. April 2017 12:02

    @ALD

    "(...) Versteifungen des Herrn Sellner auf bestimmte Schlagwörter werden immer wieder zum Spiegel seiner Widersprüchlichkeit, die sich bemerkbar macht durch das Fordern einer tiefgreifenden Rückbesinnung, Verinnerlichung und Bewahrung des Eigenen auf der einen Seite, und gleichzeitig im banalisierenden bzw. zu parolenhaften und simpflifizierenden Tun, Sprechen und Handeln diese Bestrebungen gleichermaßen untergräbt".

    Wie bitte? Widersprüchlichkeiten ja. Mag sein. Gefällt mir auch nicht unbedingt. Aber was bitte soll an dem HANDELN des Herrn Sellner in irgendeiner Weise kritikabel sein? Sellner ist der ERSTE ÜBERHAUPT, der ein praktikables Handlungskonzept jemals in die Tat umsetzt! Es gibt nichts erfolgreicheres als Parolen und Taten. Auch wenn Trump offenbar eingefangen wurde - das, was wir von ihm lernen können sind seine ach so scheusslich proltenhaften Parolen. Man kann natürlich auch unsimplifizierende, nichtparolenhafte Kommentare schreiben oder im Selbstverlag zur Rettung Deutschlands herausbringen. Wäre was ganz neues und funktioniert bestimmt...

    RMH
    20. April 2017 12:28

    @rautenklause,

    Danke für Ihren Beitrag. Jetzt dürfte wohl jedem klar werden, warum die IB so einfach unter "Beobachtung" des VS gestellt werden konnte und warum auch Teile der AfD in dessen Visier geraten, wenn sie sich zur IB mehr oder weniger bekennen (wie jüngst wohl auch Herr Bystron).

    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/petr-bystron-afd-bayern-verfassungsschutz-identitaere-bewegung

    Utz
    20. April 2017 12:44

     Oje, Fragen über Fragen! Vielleicht habe ich auch vieles einfach nicht verstanden. In diesem Fall bitte ich um Aufklärung.

    1. @ ALD

    Einige Male bereits hatte ich ihm versucht klar zu machen, daß im politischen Kampf, wenn man die erforderlichen, scheinbar schlafwandelnden deutschen Massen für die Bewahrung des Eigenen gewinnen möchte, die Akzentuierung und Gewichtung der Themenfelder und ebenso der Umgang und die Deutung, die man bestimmten Begrifflichkeiten zumißt, von immenser Bedeutung sind. Leider konnte keine Bereitschaft zur Diskussion dieser Kritiken erkennen.

    Hat Martin Sellner nicht schon Massen gewonnen? Ist vorstellbar, daß er, aus unserer schwierigen derzeitigen Position heraus, mehr gewinnen könnte?

    2. @ Siegfried Gerlich

    Die Entschiedenheit, mit der Sie das reichsgeschichtliche und kulturnationale Volk der Deutschen zu einer bloßen »Ethnie« naturalisieren, die besser im stillen Winkel ihrer Öko-Nische ihr Glück versucht hätte als eine kulturelle Mission zu verfolgen, weckt meinen Argwohn, ob Ihnen hierin nicht manche unserer nationalmasochistisch zerknirschten oder einfach in postnationale Gleichgültigkeit verfallenen Landsleute achselzuckend beipflichten würden.

    Wie können wir eine kulturelle Mission erfüllen wollen? Kommt da dann nicht gleich der Vorwurf, es solle wieder "am deutschen Wesen die Welt genesen"? Spricht die Kultur nicht für sich allein, so daß wir darauf verzichten könnten? Muß man nicht, um das Postulat der Gleichwertigkeit aller Ethnien aufrechterhalten zu können (was in meinen Augen auch seine echte Berechtigung hat), die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen? Macht uns ein Verzicht auf die Berufung auf vergangene kulturelle Leistungen schwächer?

    F. Donandt
    20. April 2017 12:56

    Ich denke, ein Problem, das für Widersprüche sorgt, ist, dass wir stets Deutschland und die deutsche Nation vor Augen haben. Diese taugt aus meiner Sicht aber gerade nicht als Projektionsfläche für derartige Fragen.

    Bekanntlich sind die Deutschen ein Sonderfall der Geschichte. Während andere Nationen sich aus den Bevölkerungen bestehender Staatswesen formten, schloss die deutsche Nation sich zuerst auf ethnokultureller Grundlage zusammen und formte dann das Staatswesen. Nation und ethnokulturelle Identität sind bei den Deutschen schlicht dasselbe, daher auch der Vorwurf der Wortklauberei. 

    Auch ich denke, dass die Nation und der Nationalstaat, d.h. die Ausrichtung auf eine Staatlichkeit, als Konzept am Ende ist. Die Nachfolge werden ethnokulturelle Gemeinschaften mit einer Ausrichtung auf die gemeinsame Identität antreten:

    1. Für Dtl. und andere ethnokulturell homogene Staaten, wie die Skandinavischen Monarchien, ändert sich daher wenig.

    2. Für ethnokulturell homogenisierte (Assimiliation) Staaten wie Frankreich wird sich auch wenig ändern (Bretonen & Elsässer sind heute Franzosen). 

    3. ethnokulturell heterogene Nationalstaaten werden zerfallen und sich die Bruchstücke auf ethnokultureller Basis zu etwas Neuem formen. Dies zeichnet sich bereits ab. Separationsbewegungen in Spanien, Belgien, dem Vereinigten Königreich usw. Auch die "Nationalstaaten" in Afrika und dem Nahen Osten werden nicht zu halten sein. Auch in Nordamerika gibt es erste Anzeichen. Nordkalifornien, Cascadia, Appalachia u.a. bilden eigene Identitäten aus.

    Das Phänomen Masseneinwanderung / Migrationsgesellschaft habe ich bei den 3 Gruppen außen vorgelassen, ist aber die entscheidende Variable und wohl auch der treibende Anreiz sich in ethnokulturellen Identitäten zusammenzuschließen.

    Der entscheidende Unterschied zum Nationalstaat ist, dass es keine radikale Verabsolutierung des Eigenen wie im Nationalismus geben wird. Die ethnokulturellen Gemeinschaften eines Kulturraumes werden durch ein übergeordnetes Band (Europa, Westen) verbunden sein. Eine Erbfeindschaft zwischen Deutschen und Franzosen undenkbar, ebenso eine radikale Fremdenfeindlichkeit gegen ethnokulturell nahestehende Einwanderung, z.B. Polen in Deutschland. Das alles zeichnet sich schon ab, das Zusammenwachsen Europas wird nicht rückgängig gemacht werden können. 

    Vielleicht kehren wir auf dieser Grundlage in die vor-nationalen Zeiten zurück. Deutschland hätte die Chance wieder eine vielfältige, föderale Kulturnation, besser Kulturraum, zu werden. (Mittel-)Europa wird mglw. dem losen Altreich von vor 1806 gar nicht so unähnlich sein.

    Starhemberg
    20. April 2017 13:21

    Ich gestehe frei heraus, nicht allen Details der philosophischen Diskussion folgen zu können. Dazu fehlt mir eindeutig das Fachwissen. Ich möchte aber frecherweise trotzdem einen Namen in diesen Gedankenaustausch hineinwerfen, und dieser Name lautet Akif Pirincci. Wie den Lesern dieser Seite wohl bekannt ist, wurde Pirincci 1959 in Istanbul geboren und ist unzweifelhaft Türke. Im Alter von zehn Jahren kam er mit seinen Eltern nach Deutschland. Und nun? Für mich ist Pirincci, mit seinem atemberaubenden Umgang mit der deutschen Sprache, mit seiner Liebe zu deutscher Kultur und Lebensart und mit seiner Wertschätzung für deutsche Toleranz und Solidarität vor allem eines:

    Ein durch und durch Deutscher! Nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich von dem Rucksack seines muslimischen Glaubens getrennt hat, so wie ich selbst mich von meinem Rucksack des katholischen Glaubens. Ich bin Österreicher und denke deutsch. Pirincci ist Türke und denkt deutsch. Viele Menschen der "Köterrasse" hingegen sind zwar biologisch "Deutsche", denken aber undeutsch. Deutsch zu sein ist also in letzter Konsequenz eine bewusste Willensanstrengung, ein unbedingtes Wollen, welches höher geht als selbst die Religion. Ein Weitertragen einer Fackel, ein stetiger Kampf dieses Feuer niemals erlöschen zu lassen. Wer verlässlich und treu mitkämpft und mitleidet, der ist Deutscher.

    deutscheridentitärer
    20. April 2017 13:49

    "Für mich ist Pirincci, mit seinem atemberaubenden Umgang mit der deutschen Sprache, mit seiner Liebe zu deutscher Kultur und Lebensart und mit seiner Wertschätzung für deutsche Toleranz und Solidarität vor allem eines:

    Ein durch und durch Deutscher! "

    Warum muss immer alles und jeder Deutscher sein? Warum kann Pirincci nicht ein in Deutschland lebender, germanophiler Türke sein? Würde ihn das abwerten? Ich finde nicht.

    Starhemberg
    20. April 2017 14:01

    Bester deutschidentitärer, tja, damit sind wir am Punkt. Wie ich schrieb - für mich ist Deutscher, wer deutsch denkt. Und um Auf- oder Abwertung geht es selbstverständlich nicht. Wer wären wir auch zu glauben, auf- oder abwerten zu dürfen.

    deutscheridentitärer
    20. April 2017 14:10

    @RMH

    Die Frage, die ihre Analyse aufwirft, ist , wo die Richter denn nun falsch liegen (denn das sie es tun, ist ja offensichtlich, aber das reicht anscheinend nicht, wenn das Offensichtliche geleugnet wird)?

    Ich versuche mich mal an einer Antwort: Der Nationalismus ist dadurch gekennzeichnet, dass er staatliche und ethnische Grenzen zur Deckung bringen will. Die Gründung des deutschen Reiches, mit dem sich die BRD in staatsrechtlicher Kontinuität befindet, geschah unzweifelhaft in nationalistischem Geist: Die Staatsangehörigkeit formalisierte die materielle Tatsache der Volkszugehörigkeit als juristisches Merkmal. Die Existenz ethnischer Minderheiten auf deutschem Staatsgebiet berührt diese These nicht. Mittlerweile hat der Nationalstaatsgedanke jedoch in weiten Teilen der Bevölkerung an Legitimität eingebüßt. Als konstitutiv für unser politisches Gemeinwesen wird oft nicht mehr die ethnische Zugehörigkeit, sondern ausschließlich die Loyalität zur Rechtsordnung gesehen. Unter dieser Perspektive macht das Urteil des BVerfG auch Sinn. Problematisch ist dabei, dass ein erheblicher Teil der neuen Staatsbürger allerdings weiterhin dem nationalstaatlichen Paradigma verhaftet bleibt und eine Anerkennung der deutschen Rechtsordnung hierbei bestenfalls pragmatisch motiviert stattfindet. Hier geht das Urteil des BVerfG also an der Wirklichkeit vorbei: ganz egal, was ein NPD-Mitglied für nötig erachtet, um als Deutscher zu gelten, ein Gutteil der hier Eingewanderten sieht es sowieso ganz anders als das BVerfG (sind die dann auch verfassungsfeindlich?). Jenseits der Frage, wie das mit dem Deutschen denn nun sein sollte, birgt diese Lage offensichtliches Konfliktpotential.

    deutscheridentitärer
    20. April 2017 14:19

    "Bester deutschidentitärer, tja, damit sind wir am Punkt. "

    Ganz richtig.

    "Wie ich schrieb - für mich ist Deutscher, wer deutsch denkt."

    Nun gut, aber diese Definiton bleibt vage und außerdem zirkulär. Insofern wir hier das deutsche Volk als politische Größe, steht am Anfang eines Assimilationsprozess in der Tat ein Bekenntnis zur politischen Gemeinschaft. Ein solches hat Pirrinci überzeugend geliefert. Meinetwegen ist er also nun gewissermaßen Ehrendeutscher.  Aber seinen Abschluss findet der Assimiliationsprozess erst nach einer gewissen Dauer. Wie lange genau - darüber gehen die Meinungen auseinander wie man sieht. Soweit ich weiß sind die Deutschen als Ethnie ja ebenfalls erst durch politisch formierende Rahmenbedingungen ins Leben gerufen worden, nämlich die Teilung des Frankenreichs, aus dessen östlichen Teil sich dann allmählich ein gesondertes Gemeinschaftsgefühl entwickelte. Und insofern mag es schon stimmen, dass ein Gemeinwesen politisch und nicht ethnisch konstituiert wird; aber einmal konstituiert wird die Zugehörigkeit zu ihm wesentlich von der Elterngeneration an ihre Nachkommen weitergegeben: das bildet in allen Staaten, auch dezidierten Einwanderungsstaaten, den Regelfall, an dem andere Möglichkeiten, die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zu erwerben, gemessen werden.

    Das Relikt
    20. April 2017 15:00

    @ deutscheridentitärer

    "Warum muss immer alles und jeder Deutscher sein? Warum kann Pirincci nicht ein in Deutschland lebender, germanophiler Türke sein? Würde ihn das abwerten?"

    Genau die richtige Frage. Selbstverständlich ist Pirinci kein Deutscher. Es ist wohl auch kein Mangel, nicht zur Ethnie zu gehören, zu der Angela Merkel und Martin Schulz gehören. Viel wichtiger ist: Pirinci ist ein Ehrenmann. Er hätte sich mit seinem Wohlstand einen schönen Lebensabend machen können, aber er wirft diesen und seine Reputation in die Waagschale um für seine Ideale einzustehen. Das ist das wesentliche.

    @Starhemberg

    "Deutsches Denken", was soll das sein? Wie erwirbt man das? Welchen Kanon muss man kennen (Luther? Goethe? Nietzsche?)? Werde ich ein Türke, wenn ich türkisch denke? Wie mach ich das? Werde ich eine Frau, wenn ich weibisch denke? Kann irgendjemand ein Denken haben, dass nicht eh schon das seine ist? Und ist es nicht viel entscheidender was die Anderen von mir denken? Das Schöne und Bittere an der Ethnizität (und am Geschlecht und an der Rasse): Sie verweist den Intellekt mit seinen Allmachtsphantasien auf seine Platz. Dir selbst kannst du nicht entfliehen.

    rautenklause
    20. April 2017 15:09

    Werter deutscheridentitärer,

    das Ergebnis von Veränderungen in der Bedeutung von Wörtern verbunden mit Neusetzung von Begriffen und der daraus resultierenden Unfähgkeit, sich zu verständigen zeigte schon sehr schön Peter Bichsel in einer frühen Kurzgeschichte:

    http://www.deutschunddeutlich.de/contentLD/GD/GT67cTischistTisch.pdf

    Die Schlüsse, die ich damals auf dem Gymnasium daraus zog, gefielen dem jungen Referendar allerdings nicht ...

    Starhemberg
    20. April 2017 15:09

    Nun, wie Pirincci so schön beschreibt, gab es nach Ende des Zweiten Weltkrieges viele Neueinwanderer in die USA aus osteuropäischen Ländern. Damalige echte Flüchtlinge vor dem Sowjetsystem. Diese Polen, Esten, Letten, Litauer, Tschechen, Slowaken oder Ungarn fühlten sich verpflichtet, besonders zahlreich und motiviert für ihr neues Heimatland in Korea und Vietnam zu kämpfen, zu leiden und zu fallen. Sie waren dadurch schlagartig US-Amerikaner, und zählten fürderhin bis heute zu den verlässlichsten Stützen der dortigen (mittlerweile allerdings brüchigen) Ordnung.

    Utz
    20. April 2017 16:13

    Als konstitutiv für unser politisches Gemeinwesen wird oft nicht mehr die ethnische Zugehörigkeit, sondern ausschließlich die Loyalität zur Rechtsordnung gesehen. Unter dieser Perspektive macht das Urteil des BVerfG auch Sinn. Problematisch ist dabei, dass ein erheblicher Teil der neuen Staatsbürger allerdings weiterhin dem nationalstaatlichen Paradigma verhaftet bleibt und eine Anerkennung der deutschen Rechtsordnung hierbei bestenfalls pragmatisch motiviert stattfindet.

    Wieso? Werden die geprüft auf Gesetzestreue? Wenn ich unsere Kanzlerin richtig verstanden habe, genügt es hier zu wohnen, um zum deutschen Volk zu gehören. Und wenn man zum deutschen Volk gehört, ist man doch auch Deutscher, der Form nach dann auch über kurz oder lang.

    Wir müssen einfach umdenken, aufhören so engstirnig deutsch zu sein. Ein Lama, das in Australien auf die Welt kommt, kann auch ein Kängeru sein!

    Roman.U
    20. April 2017 17:52

    @deutscheridentitärer: Die kurzfristige Macht, Vergewaltigungen in Indien zu stoppen, führt nicht zwingend zu einer automatischen Verpflichtung sie in anderen Regionen zu unterbinden. Es kann ja sein, dass eine kurzfristige "Befreiung" am Ende doch nur einen "IS" hinterlässt. Man kann den Universalismus wunderbar mit einer weitestgehenden Politik des Isolationismus kombinieren. Das beisst sich schon auf der theoretischen Ebene nicht. Selbst wenn man unterstellt, dass das Wohl der Menschheit als Ganzes angestrebt werden sollte, sind Alternativen und Experementierfelder angebrachter als eine Monokultur. Herr Sellner stellt dort Probleme auf, wo keine vorhanden sind. In der politischen Praxis sind Übergriffe auf andere Staaten auch aus Eigeninteresse heraus ohnehin nicht zu vermeiden. Allein schon weil man Aussenpolitk nicht vermeiden kann. Ich halte sowohl taktisch als auch theoretisch für nicht geboten den Universalismus wieder entsorgen zu wollen. Einen utopistischen oder missionistischen Überbau kann ich theoretisch einer ethnischen Zentrierung verpassen und übergriffig werden. Die Deutsche Nation hat einen relativ gut eingrenzbaren ethnischen Kern, wie eigentlich auch die vermeintlichen Schmelztiegel oder Imperien, egal was sie behaupten. Nimmt man ihn weg, hat man ein anderes Gebilde. Bestes Beispiel die USA selbst. Nehme ich WASPS weg, so habe ich nicht mehr die USA. Würden die anderen Ethnien verschwinden, hätte man zwar gewisse Verluste, aber man könnte immer noch von "Amerika" sprechen. Die Nation brauche ich nur dann nicht, wenn die staatliche Legitimation nicht mehr demokratisch, sondern religiös oder monarchisch abgeleitet wird. Wir brauchen auch keine theoretische Diskussion über einen staatlichen Zerfall in Folge des Verzichts auf die Nation zu führen. Wenn die Trägerethnie einfach nur ihre Dominanz verliert, ohne sich zumindest tatsächlich mit den anderen Spielern zu vermischen, zerfällt der Staat in der Regel sowieso. Auch in der deutschen Praxis ist es nicht so als würde man eine Vermischung zu beobachten sein. Die Deutschen weichen einfach zurück. Mal abgesehen davon ist ein Einheitsbrei, weder als Utopie noch als Schreckensgespenst realistisch, insofern man technisch die Körper nicht beliebig anpassen kann. So mobil sind Menschen nicht. Es bilden sich entsprechen neue Klaster heraus, die sich nach äußeren Kriterien von anderen Gruppen abgrenzen. Was kein Aufruf zur Selbstaufgabe ist. Die Feststellung, dass in tausend Jahren "Tunesier" in der Gegend leben würden, hätte Hannibal auch nicht getröstet. Eröffnen sich technische Möglichkeiten der Anpassung ist es natürlich gelaufen, jedenfalls nach rein äußeren Kriterien der Einsortierung. An dem Punkt sind wir aber noch lange nicht.

    Roman.U
    20. April 2017 18:12
    @rautenklause: Karlsruhe kann auch verkünden, dass die Menschenwürde auch im Kongo gilt. Genauso wie ich verkünden kann, dass das römische Reich existent ist. Faktisch besteht der Unterschied zwischen meinen möglichen Aufrufen und den Karlsruher Vorstellung in der Kontrolle über ein Gebiet. Verschwindet der ethnische Kern ohne die Übernahme dieser Vorstellungen durch die neuen Herren, ist entweder das Staatsgebiet nicht mehr in den Grenzen vorhanden, oder die Vorstellungen nicht mehr durchsetzbar. Papier ist in der Hinsicht geduldig. Zunächst einmal ist es nur eine Vorstellung. Wenn man sie zu einem massiven Zuwanderungsprogramm heranzieht, wird die dauerhafte Durchsetzung der Vorstellungen von alten weissen Männern in ein paar Jahrzehnten höchst fraglich sein. Muss man doch beachten, dass diese Vorstellungen ausserhalb Europas nicht sonderlich verbreitet sind.
    Barto
    20. April 2017 18:24

    Siegfried Gerlich hat Recht, wenn er auf Widersprüchlichkeiten in Herrn Sellners Definitionen und Herleitungen hinweist, doch scheint er selbst einem noch schwerwiegenderen Missverständnis zu unterliegen. Im Gegensatz zu Martin Sellner scheint er heutige deutsche Realität bei seinen Überlegungen vollkommen auszublenden. Seine Vorstellungen vom Wesen des Deutschen sind die Vorstellungen eines Elfenbeinturmintellektuellen, der die fatalen Zustände, in denen sich das deutsche Volk befindet nicht wirklich versteht und es sich deswegen leisten kann,  erhaben über "prähistorischen Ethnozentrismus" und Tropenmentalität zu spotten. Fakt ist, dass ein universalistischer Nationalismus - völlig unabhängig davon, ob Sellners ideengeschichtliche Theorien schlüssig sind - ein lupenreiner Anachronismus ist. In einer sich ethnisch fragmentierenden Gesellschaft, in der das Deutsche im Bewusstsein der meisten Deutschen bis zur Unkenntlichkeit dekonstruiert wurde, wo Deutschsein irgendwo zwischen „die die schon länger hier leben“ und „Neubürger ohne Pass“ verortet wird, wo die ethnische Substanz der Deutschen sich exponentiell verflüchtigt, sind solche Überlegungen etwas, was man in abendlichen akademischen Gesprächsrunden ausphilosophieren mag, aber nichts, was im realen politischen Kampf, und sei er meta-politisch, einen relevanten Nutzen hat. Diese Herangehensweise, die den Ethnozentrismus angewidert beiseiteschiebt, hat eine Berechtigung in einer ethnisch homogenen Gesellschaft, wo die Frage nach Ethnie und Rasse eine völlig überflüssige, ja unschickliche ist, weil die ethnische Identität eine unbewusste Selbstverständlichkeit ist. Heute, als Volk im demographischen Todeskampf, ist die pauschale Ablehnung des Ethnozentrismus eine große Torheit. Eine kompromisslose Haltung, die nicht einsehen kann, dass wir uns in einem Kampf um die bloße Existenz befinden und in diesem Kampf selbstverständlich liebgewonnene Aspekte der eigenen Identität verloren gehen, oder zumindest beschädigt werden, bringt niemanden weiter. Die Substanz hat Vorrang vor der Ausprägung. Letztere kann wiederentdeckt und neu geformt werden, die Substanz dagegen ist nicht wiederherstellbar.

    Hartwig aus LG8
    20. April 2017 20:55

    @ Barto

    Ich stimme Ihnen zu. Mir fehlt der Backround, um an diesem Disput teilnehmen zu können. Gerlich klingt schlüssig. Was er schreibt klingt richtig im Sinne einer Colleg-Philosophie. Sellners "Philosophie" kommt zuweilen holprig als eine Art Gefechtsphilosophie daher, die sich unmittelbar "auf dem Felde" bewähren muss. So gesehen also ein nötiges Gerüst als Waffe im realen Kampf. Mein unmittelbarer Eindruck beim Kontakt mit Jungs und Mädels der IB: Um der Einigkeit willen philosophieren die so gut wie gar nicht.

    Benno
    20. April 2017 21:53

    Viele Menschen der "Köterrasse" hingegen sind zwar biologisch "Deutsche", denken aber undeutsch. Deutsch zu sein ist also in letzter Konsequenz eine bewusste Willensanstrengung, ein unbedingtes Wollen, welches höher geht als selbst die Religion.

    Was wollen sie denn mit den undeutschen Deutschen machen? Die Staatsbürgerschaft aberkennen? Sie ins Exil verschiffen? Ich für meinen Teil möchte keinen Gesinnungsstaat, bei welchem die Leute die richtige Meinung und Einstellung haben müssen, um als Deutsche zu gelten. Deutsch sein beinhaltet meiner Meinung  mehr als nur das Biologische. Aber es wird immer Abweichungen geben. Folgedessen ist das Denken ein eher schlechtes Kriterium zur Abgrenzung. Deutsch ist, wer deutsche Eltern hat. Pirincci ist ein gut integrierter Ausländer. Um es etwas plakativer darzustellen: Ein Mozart liebender und Schiller lesender Kongolese ist kein Deutscher. Da kann er an Gesinnung mitbringen was er will. Oder würden sie es ernstnehemen, wenn ein paar Weisse in Südafrika von sich behaupten würden, sie wären Zulu, weil sie die Sprache beherrschen und eine Antilope mit einem Speer erlegen können?

    @ Starhemberg Die USA sind etwas anderes als Deutschland. Es kann nicht das Ziel europäischer Nationen sein, massenweise andere europäische Völker zu integrieren.

    Rüdiger Plantiko
    20. April 2017 22:54

    "Müssen wir uns wirklich mit einem solchen »patriotischen Minimum« begnügen?"

    Es sagt ja niemand, dass "wir" das müssen. Der Ethnopluralismus ist ja nur ein abstrakter Rahmen, und als solcher hat er selbst keine Substanz. Er ist wirklich nur ein "Minimum", wie er sich heute als Gegenthese zum Multikulturalismus  formiert. Trotz der formalen Gegensätzlichkeit hat er eine Menge mit dem Multikulturalismus gemeinsam - der eine Punkt, in dem er sich unterscheidet, ist lediglich, daß er verschiedenen Kulturen ihre je eigenen Räume zugesteht. Das ist die wesentliche Kampflinie, hier ist der Ort, an dem praktisch-politisch etwas verändert werden soll. 

    Die Gemeinsamkeiten sind offensichtlich: wenn man auf Bewertung der Kulturen verzichtet, wie es der Ethnopluralismus ganz entschieden tut, ist man inhaltlich beim Relativismus (und in aller Konsequenz letztlich beim Nihilismus). Überspitzt gesagt, würde ein Ethnopluralist es achselzuckend dulden, wenn er in der Zeitung erfährt, daß die Franzosen ihre Witwen verbrennen, ihre Minderheiten ausrotten, Nekrophilie oder Kannibalismus betreiben oder sonst irgendetwas Schreckliches tun: "die sind eben so, das ist ihre historisch gewachsene Art, ihr Sosein als Volk, wer bin ich denn, die Sitten eines anderen Volkes zu verurteilen!" Wenn aber seine eigenen Landsleute dasselbe machen, würde er Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um ihnen ihre Unsitten auszutreiben.

    [Andere Kommentatoren haben schon vermerkt, daß auch die Diskussion Interventionismus/Isolationismus oft zu vereinfacht geführt wird. Nicht jede Intervention ist ein Krieg - sonst gäbe es keine Außenpolitik. Eine Intervention im weitesten Sinne einer Einflußnahme auf andere Länder ist nicht grundsätzlich böse, führt nicht zwangsläufig in anderen Ländern zu Terror, Chaos und Anarchie, wie wir das bei den US-Interventionen so oft beobachten müssen.] 

    Der Ethnopluralismus ist ein Konzept, das in aktuellen, konkreten Kämpfen von politischen Aktivisten als ein aussichtsreiches erkannt wird. Schade natürlich, daß nicht mehr als dieses Minimum möglich ist, aber was die aussichtsreichen Parolen und Konzepte sind, das bestimmt sich eben in den konkreten Auseinandersetzungen. Wenn diese Kämpfe um das Minimum, um unseren eigenen Raum, erfolgreich sind - dann können wir weitersehen.

    Heinrich Brück
    21. April 2017 00:21

    Es gibt keine Kultur ohne Volk. Hätten chinesische Bauern den kleinen Göthe an einem Flußufer gefunden, aufgenommen und nach chinesischer Tradition aufgezogen, wäre aus ihm ein Goethe geworden? Die Erhaltung des Volkes, seine Entwicklungsarbeit, bleibt die Voraussetzung für Kultur. Nationalismus ist lediglich die Erkenntnis dieses Zirkelbeweises.

    Den Nationalismus sollte man nicht dem Dritten Reich überlassen, oder aus jenem Reich die Deutungsmacht ableiten. In jenem Reich haben noch andere ihre Finger im Spiel gehabt, wie in der BRD auch, hineingepfuscht; schließlich wurde noch niemand davor, aus einem Wiener Männerwohnheim, Kanzler des Deutschen Reiches.

    Am Nationalismus ist nichts antihumanistisch; wie auch Sellners Patriotismus mir als humanistische Haltung nicht zu widersprechen scheint. Es geht letztendlich um die geistigen Kulturerzeugnisse der Völker. Jedes Volk in seiner Kultur. Jede Kultur angewiesen auf die Geistigkeit ihres Volkes. Gelebt, nicht nur gedacht. Es muß gelebt werden.

    Barto
    21. April 2017 00:23

    @Starhemberg

    Eine ethnische Identität ist mehr als eine Art zu Denken, es ist etwas, was nicht auf eine endgültige Formel gebracht werden kann. Etwas, das viel tiefer geht, als ein freiwilliges Bekenntnis, oder die Liebe zu einer speziellen Kultur. Am genauesten erscheint mir da immer noch Kubitscheks Definitionsversuch, an den er sich in einem Vortrag heranwagt, der auf Youtube ansehbar ist. "Ethnische Bruchlinien - eine Prognose"

    Frei und unvollständig wiedergegeben:

    "Deutscher ist, wer von Deutschen abstammt. Deutscher wird, wer sich den Deutschen über Generationen soweit an ähnelt, dass er sich nicht mehr von ihnen unterscheiden lässt"

    Ich habe keinerlei Probleme einen Pirinçci aus einer großen Gruppe von "Biodeutschen" (Deutsche) herauszupicken und auf den ersten Blick als eindeutig "anders" bzw. fremdländisch zu identifizieren. Zweitens erscheint mir Akif Pirinçcis Temperament auch klassisch südländisch, wodurch er auf mehreren Ebenen sehr "undeutsch" ist. Was natürlich keineswegs als Abwertung gemeint ist. Gerade der deutsche Geist im Ausländer, im Fremden fasziniert die Leute ja so an Pirinçci und an anderen deutschen Südländern wie Imad Karim.

    quarz
    21. April 2017 09:48

    @Benno

    "Ein Mozart liebender und Schiller lesender Kongolese ist kein Deutscher. Da kann er an Gesinnung mitbringen was er will."

    Ich plädiere für eine Definition, die die kulturelle Partizipation zum entscheidenden Merkmal macht. Das ist mehr als bloß eine Gesinnung, es beinhaltet auch die Fähigkeit, gemäß einer kulturellen Verfasstheit zu leben. Denken wir uns ein Beispiel, in dem diese Partizipation insofern auf ein Höchstmaß gesteigert ist, als der Kongolese nicht nur als Neugeborener von "urschwäbischen" Eltern adoptiert wurde und in einer ethnisch ziemlich  homogenen Umgebung aufgewachsen ist, sondern auch Gedichte von der emotionalen Qualität der hölderlinschen schreibt und Lieder vom geistigen Ausdruck Schuberts komponiert. Aus welchem Grund sollte man ihn dann nicht als Deutschen durchgehen lassen? Bloß weil er schwarz ist?

    Die biologische Abstammung ist diesbezüglich ein bloßer Indikator, der mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit verbürgt, dass die kulturelle Teilhabe gegeben ist. Aber dieser Indikator ist weder ein notwendiges noch ein hinreichendes Kriterium. Er war bis vor kurzem eine ziemlich verlässliche Faustregel, inzwischen lässt ihr Orientierungswert aber deutlich nach.

    Dietrich Stahl
    21. April 2017 10:17

    Das Eigene – Darum geht es. Eine Form, sich dem Eigenen zu nähern, ist die Frage:

    „Was ist deutsch?“ Solange uns diese Frage bewegt, lebt das Deutsche. Auf die Frage, wer Deutscher ist, gab Götz Kubitschek in seiner Magdeburg Rede eine Antwort:  

    https://www.youtube.com/watch?v=5V1yEPY1xD4

    1. Deutscher ist, wer deutsche Vorfahren hat. 

    2. Deutscher kann werden, wer sich auf Gedeih und Verderb auf die Seite des deutschen Volkes schlägt, d.h. die Geschichte dieses Volkes zu tragen beginnt, ältere Loyalitäten abgibt und im Ernstfall für dieses deutsche Volk und die Fortsetzung seines Ganges durch die Geschichte kämpft, auch wenn es den Einsatz des gemächlichen Lebens oder der Karriere oder sogar des Lebens erfordert.

    In Kubitscheks Definition sind einige Antworten die Frage nach dem, was Deutschsein ausmacht, zu finden:

    • Deutsches Blut

    • Geschichtsbewusstsein

    • Loyalität

    • Kämpfertum

    • Abenteuerlust

    • Treue

    Kubitscheks Antwort ist vor allem eine praktikable. Verbesserungen sind immer möglich.

    Starhemberg
    21. April 2017 10:41

    Da ich mich etwas falsch verstanden fühle, nochmals der Versuch einer Erklärung:

    Die genetische Abstammungskette steht für mich persönlich gar nicht zur Diskussion - "Deutscher ist wer von Deutschen abstammt" - jawohl! Selbstverständlich.

    Mir ging es um eine Erweiterung der Definition in Reaktion auf die Globalisierung und die Ereignisse der letzten Jahre. Denn man versucht uns ja einzureden, jeder der hier lebe sei in letzter Konsequenz dann "Deutscher", oder jeder der einen heimische Pass bekäme wäre dann "Deutscher".

    Ich wollte darauf hinweisen, dass wir es einerseits mit "wahren Deutschen" vom Kaliber eines Heribert Prantl oder Jakob Augstein zu tun haben, die jeden Tag fanatisch und gnadenlos an der Abschaffung ebendieses "Deutschen" arbeiten. Diese Leute denken für mich "undeutsch". Sie schaden damit massiv deutschen Interessen. Und das ist ja auch genau, was sie wollen.

    Dem möchte ich das Beispiel eines Akif Pirincci gegenüberstellen, der doch als geborener Türke wesentlich "deutscher"wirkt und waltet, in seiner Liebe und Treue zu diesem Land, als die obengenannten Figuren.

    Um ein klares Bild zu verwenden - wer zu meiner linken oder rechten im Schützengraben liegt und mit mir Deutschland verteidigt, der ist, als "Lohn der Tat", für mich dann folgerichtig auch Deutscher. Ein "Beutegermane" sozusagen.

    Diese Definition kommt für mich "on top" (huch, immer diese Anglizismen), sie verbreitert die Möglichkeiten. Im Übrigen gibt es eine sehr schöne Definition der Nation von Wilhelm Heinrich Riehl:

    "Die Nation ist ein durch Stamm, Sprache, Sitte und Siedlung verbundenes Ganzes."

    Pirincci kann darin meines Erachtens auf Sprache, Sitte und Siedlung zurückgreifen. Immerhin.

    Jedenfalls ist es für mich als relativ neuen Sezessionisten ein Vergnügen und auch eine gewisse Anstrengung, in diesen anspruchsvollen Foren mitreden und mithalten zu dürfen.

    Utz
    21. April 2017 13:26

    Denken wir uns ein Beispiel, in dem diese Partizipation insofern auf ein Höchstmaß gesteigert ist, als der Kongolese nicht nur als Neugeborener von "urschwäbischen" Eltern adoptiert wurde und in einer ethnisch ziemlich  homogenen Umgebung aufgewachsen ist, sondern auch Gedichte von der emotionalen Qualität der hölderlinschen schreibt und Lieder vom geistigen Ausdruck Schuberts komponiert. Aus welchem Grund sollte man ihn dann nicht als Deutschen durchgehen lassen? Bloß weil er schwarz ist?

    Ein schönes Beispiel! Wie würde er bei uns leben? Er würde nicht abgelehnt werden, er würde akzeptiert, vielleicht auch geliebt werden. Es würde dennoch etwas fehlen. Wenn ich in ein die Gesichter meines Dorfes sehe, sehe ich darin Gesichtszüge, die eine Geschichte erzählen (der hat diese oder jene typische Nase, die roten Haare, die von seiner Verwandtschaft mit ... zeugen usw.), das ergibt ein Gefühl der Vertrautheit, der Heimat. Das Gesicht des Kongolesen wäre in diesem Zusammenhang leer. Hätte ich nie mein Gesicht im Spiegel gesehen, und wären alle anderen auch schwarz, wäre meine Wahrnehmung eine andere. Aber dem ist nicht so.

    In der Sprache von Starhemberg hätte er drei von vier Punkten. Das genügt um in Frieden und Freundschaft zu leben. Es geht nicht darum Deutschsein zu definieren, sondern darum die Gefahr zu benennen, die darin besteht, daß die Masseneinwanderung uns unser Deutschseinkönnen nimmt.

    Barto
    21. April 2017 17:18

    "Bloß weil er schwarz ist?" Auf einen Punkt gebracht: Ja. Warum sollte man biologische Herkunft einfach als sekundär einstufen, wenn doch jeder, der einen Schwarzen in einem deutschen Umfeld sieht, sofort weiß, dass dieser eine andere Herkunft hat? Das ist menschliche Realität. Rechte sollten nicht den Fehler machen und wie die Linken auf eine Konstruierbarkeit von allem zu bestehen. Wer einen afrikanischen, türkischen, oder asiatischen Phänotyp und Herkunft hat, kann niemals die selbe Identität haben, wie sie ein Biodeutscher hat. Wie Nana Domena im Gespräch mit dem Nationalisten Frank Krämer erklärt, als Antwort auf seine deutschen Freunde, die ihm erklären wollen, dass er doch genauso Deutsch sei, wie sie selbst: "Wenn du der einzige Schwarze in einem Bus bist, dann merkst du schnell, dass du schwarz bist" Er hat das nicht aus einer Opfer- und Vorwurfhaltung heraus gesagt, sondern einfach deskriptiv die Realität beschrieben. Als veranschaulichendes Beispiel – Wenn ich in einem Wartezimmer auf einen Augstein treffe, dann werde ich ihn ohne großes Überlegen als Deutschen identifizieren. Einen Pirincci dagegen werde ich auf den ersten Blick vermutlich für einen Refugee halten, der hier auf deutsche Kosten seine Weh­weh­chen behandeln lässt. Solche nicht persönlichen Begegnungen machen mindestens 60% des menschlichen Alltags aus. Das sind die unbewussten Begegnungen, die einem Menschen entweder ein Gefühl von Heimat und Vertrautheit geben, oder einen Zustand von Entfremdung und Unsicherheit auslösen. Ein amerikanisches Volksverständnis , "the people of the spirit",  ist,  wie man heute in den USA sehen kann, eine ziemliche Katastrophe. Denn kulturelle Identität ist an die ethnische Identität gebunden, wird sie losgelöst, verwandelt sie sich und wird etwas anderes, nicht mehr "Eigenes".

    Roland W.
    21. April 2017 17:26

    Na prima! Frage: Was kann ich jetzt im täglichen Leben mit dem Artikel von Herrn Gerlich anfangen? Martin Sellner und die Identitären bewegen was. Und zwar richtig. An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen. Das zählt. Bitte nicht zu theorielastig werden. Oder?

    quarz
    21. April 2017 21:33

    @barto

    Ich lese in Ihrer Antwort nur Erläuterungen Ihres Standpunktes, keine Begründungen desselben. Denn was wohl als solche gedacht war, das "an der Hautfarbe als Nichtdeutscher erkannt werden können", ist eine petitio principii. Natürlich ist man am Phänotyp als biologischer Abkömmling von Afrikanern erkennbar. Um daraus den Schluss zu ziehen, dass man so als Nichtdeutscher erkennbar sei, muss man aber die Prämisse hinzufügen, dass dieser Umstand das Nichtdeutschsein impliziere. Und das ist ja gerade strittig, kann also nicht als gegeben vorausgesetzt werden. Das ist, wie wenn ich Deutschsein mit Bärtigkeit gleichsetzen und diese Gleichsetzung damit begründen würde, dass ich Bärtige im Bus sofort erkenne.

    Die Bedeutung des Wortes "deutsch" lässt sich einerseits durch die Analyse der Regeln seines Gebrauchs ermitteln. Wenn diese aber neuerdings mögliche Situationen nicht abdecken, dann können wir uns semantisch nicht auf die sprachliche Erfahrung berufen, sondern müssen eine Entscheidung darüber treffen, wie wir den Sprachgebrauch in Bezug auf diese neue Situationen handhaben wollen. Und dabei wird uns letztlich die Frage leiten, was uns wichtig ist. Ist es uns wichtig, an welchem geographischen Ort die biologischen Vorfahren einer Person gelebt haben, oder ist es uns wichtig, ob diese Person die kulturelle Befindlichkeit, die wir "Heimat" nennen, mitträgt, mitlebt und mit uns gegen die Zerstörungsversuche der Verallerweltlicher verteidigt?

    Barto
    21. April 2017 22:41

    Die Begründung ist, wie ich durch die die Bezüge zum Alltag versucht habe zu vermitteln, dass  wenn die Frage nicht "was ist deutsch?" lautet, sondern ganz konkret  "wer ist deutsch?"  es sich auf die Ethnie beziehen muss und nicht auf den abstrakten Geist.

    Wenn wir ethnisches Deutschsein anhand von abstrakten Werten und Idealen festmachen und es an feingeistige Südländern vergeben, dann müssten wir im Gegenzug zirka 60% der Pegida-Spaziergänger dieses ethnische Deutschsein aberkennen, weil diese gar nicht, oder nur sehr selten in einer solchen von Ihnen angedachten Weise kulturell partizipieren. Sowieso ist die Debatte nach der endgültigen Assimilierbarkeit von grundsätzlich Fremdrassigen unfassbar theoretisch.. Wir gehen hier von Laborbedingungen aus, die in der Realität quasi nie vorhanden sind.

    Einem Volkszugehörigkeit ist eine tiefgreifende Identitätsfrage und Identität umfasst nun mal mehr, als nur kulturelle Partizipation. Dass z.B. Hautfarbe und die damit einhergehenden biologischen Herkunft, völlig ausreichen, eine extrem starke Kollektividentität zu erschaffen, sehen wir besonders schön in den USA, wo kulturelle Wurzeln kaum eine Rolle mehr spielen. Dass allein eine "gemeinsame Kultur" ein rassisch grundlegend heterogenes Kollektiv zusammenhalten kann, wird dagegen durch die Realität widerlegt, oder zumindest nicht bestätigt.

    Mit meinem begrenzten Erkenntnisvermögen schließe ich also, dass das Wesen des Menschen eng an seine Biologie gekoppelt ist und dass die Transzendierung seiner Identität in etwas Geistigen nur von von statten gehen kann, wenn erstere berücksichtigt wird.

    Romat
    22. April 2017 00:04

    Eigentlich wollte ich mich an dieser Diskussion ja nicht beteiligen, aber auf die immer weiter überhand nehmenden biologistischen Thesen von Barto sehe ich mich nun doch genötigt zu antworten - und zwar nicht zuletzt deshalb, weil ich sie geradezu für eine Beleidigung des Nationengedankens im allgemeinen und der deutschen Kulturnation im besonderen halte.

    Was soll denn bitte an einer biologisch gedachten "Abstammung" überhaupt wertvoll sein und was daran kulturelle Identität ausmachen? Gene haben nichts mit Identität zu tun. Wenn wir unsere kulturelle Identität auf irgendwelche Gene stützen müssten, dann hätten wir gar keine kulturelle Identität, denn Gene und Biologie bringen keine Kultur und damit keine Identität hervor. Sie sind im Hinblick auf die Frage der Identität schlicht irrelevant.

    Was an der Vielfalt der kulturellen Identitäten wertvoll und bedeutsam ist, ist, dass sie - wie eine auf Herder zurückgehende Überlegung lautet - jede für sich ein spezifischer "Gedanke Gottes" sind. Der teilweise geschmähte Fichte hat eine solche Theorie, allerdings angewandt auf einzelne Individuen, in seiner Spätphilosophie entfaltet: Jeder einzelne Mensch ist ein unvertretbares und unverwechselbares Bild des Bildes Gottes. Unvertretbar insoifern als denjenigen Aspekt des Bildes Gottes, den er darstellt, eben kann nur er darstellen kann - niemand kann ihn "vetreten". Dieser Gedanke ist ohne weiteres auch auf Kulturen und ihre Identitäten anwendbar.

    Man kann das auch weniger theologisch formulieren: jede Kultur stellt eine bestimmte, einmalige und individuelle Art und Weise des Welt- und Selbstverhältnisses dar, die jeweils von einem Kollektiv von Menschen hervorgebracht, getragen und fortgeführt wird. 

    Identität ist damit ein geistiges und geschichtliches Phänomen, aber eben kein plattes biologisch-genetisches.  Die Abstammung spielt dabei nur insofern eine Rolle, als die Kultur, die Sitten, die Geschichte - kurz: die Identität - einer Nation sich zunächst einmal in der Familie tradieren. Deshalb wird aus einem Türken oder Kongolesen, auch wenn er in Deutschland geboren wird, in der Regel kein Deutscher im Sinn der geistig-kulturellen Identität, die wir "deutsch" nennen: weil ihm im Elterhaus diese Kultur, diese Sitten und diese Geschichte nicht vermittelt werden, sondern die der Türkei, des Kongo etc.

    Dementsprechend wäre aber, um das Beispiel aufzugreifen, ein aus dem Kongo stammender Mann, der in einer deutschen Familie aufgewachsen wäre und dem in dieser Familie deutsche Kultur, Sitten und Geschichte vermittelt worden wären, dessen kulturell-geschichtliche Identität also die eines Deutschen wäre, ebendies: in vollem Sinn und ohne Abstriche ein Deutscher. 

    Der Versuch des primitiven Herabziehens des Geistigen auf die Stufe von Genen und Biologie ist demgegenüber dem geistigen Wesen der Nation überhaupt und Deutschlands im besonderen schlechthin unwürdig.

    quarz
    22. April 2017 00:20

    "Wenn wir ethnisches Deutschsein anhand von abstrakten Werten und Idealen festmachen und es an feingeistige Südländern vergeben, dann müssten wir im Gegenzug zirka 60% der Pegida-Spaziergänger dieses ethnische Deutschsein aberkennen, weil diese gar nicht, oder nur sehr selten in einer solchen von Ihnen angedachten Weise kulturell partizipieren."

    1. Ich habe nicht von abstrakten Objekten gesprochen, sondern von konkreten Einstellungen, Dispositionen, Emotionen, Wünschen.

    2. Wieso sollten ca. 60% der Pegida-Spatiergänger diesbezüglich ausgeschlossen sein?

    Stil-Blüte
    22. April 2017 10:04

    @ Roland W. ...bitte nicht zu theorielastig werden...

    Dieser Bitte kann ich mich ohne  Wenn und Aber und auch ohne'Oder?'  anschließen. (Das Grundsätzliche, das sich nicht nur auf diesen sicher fundierten Artikel bezieht, bitte ich im Voraus zu entschuldigen.)

    Es fällt (mir) auf, daß hier 'theorielastige' Angebote mit spezifischem Fachartikelcharakter vermehrt vorkommen, in einer Zeit und Art und Weise, die Handeln, Ermutigung, Stärkung der Widerstandskraft, geistvolle Inspiration, Vorankommen im Alltäglichen, im Wirklichen kaum zu brauchen scheint. Das erinnert mich an den bekannten Spruch, daß wir Deutschen uns (ganz gewiß eines ihrer hervorstechenden Charakteristika) verpflichtet sehen, vor einer Revolution erst eine Bahnsteigkarte zu lösen. Der Zug ist (dann inzwischen) ohne uns abgefahren.

    Ich vermisse nicht selten den mehr essayistischen, aber nicht weniger substantiellen Charakter dieser Seite.  So kann ich aus dem Essay eines Ernst Jünger oder aus einem Hitchchok-Film (z. B. 'Sabotage' vs Terroranschläge), wann immer entstanden, mehr Schlüsse für mein eigenes Denken und Handeln ziehen als aus aktuellen Fachvorträgen. Das 'Neue' hat immer dann weniger Substanz, wenn es ohne die Anknüpfung an den (wohl wahr, gerissenen) Traditionsfaden auskommt.

    Lassen wir das Feuer nicht ausgehen und sei es nur ein kleines Flämmchen oder auch nur die Glut.  Junges, frisches Holz muß erst lagern, bevor es eine gute Flamme ergibt.  Die Glut entfachen, weniger über sie reflektieren, einzugrenzen oder gar selbst auszutreten.

    deutscheridentitärer
    22. April 2017 12:17

    "Was soll denn bitte an einer biologisch gedachten "Abstammung" überhaupt wertvoll sein und was daran kulturelle Identität ausmachen? Gene haben nichts mit Identität zu tun. "

    Ich sehe mich selbst nicht als "Biologist" - aber das kan man nicht unwidersprochen lassen.

    Erstens, geht es nicht darum, ob Identität wertvoll ist. Es geht darum, wer zu uns gehört.
    Zweitens bin ich jedenfalls froh, dem europäischen Genpool anzugehören. Die Schwarzen mögen athletischer sein, die Chinesen klüger, insgesamt bin ich mit unserer genetischen Ausstattung sehr zufrieden.

    Der Phänotyp indiziert die Abstammung - und das ist nun mal der identitätsprägenste Faktor von allen. Das muss man anerkennen, und dann kann man meinetwegen auch über eine Lösung Identitätsprobleme reden, die die Verwerfungen der Masseneinwanderung geschaffen haben.

    Utz
    22. April 2017 12:59

    @ Romat

    Dementsprechend wäre aber, um das Beispiel aufzugreifen, ein aus dem Kongo stammender Mann, der in einer deutschen Familie aufgewachsen wäre und dem in dieser Familie deutsche Kultur, Sitten und Geschichte vermittelt worden wären, dessen kulturell-geschichtliche Identität also die eines Deutschen wäre, ebendies: in vollem Sinn und ohne Abstriche ein Deutscher. 

    Angenommen, es stehen eine Million Afrikaner vor den deutschen Grenzen und begehren Einlaß mit den Worten: "Ja, ja, wir wollen alle deutsch werden. Wir bekennen uns zu eurer Kultur." Wie würden Sie reagieren?

    Ich glaube es sinnlos, zu definieren, was deutsch ist. Wir müssen klar machen, was wir NICHT wollen.

    Warum müssen wir eigentlich immer bis ins Detail begründen, WARUM wir etwas nicht wollen? Wir sollten uns nicht so in die Ecke drängen lassen.

    Nils Wegner
    22. April 2017 14:28

    »Was soll denn bitte an einer biologisch gedachten "Abstammung" überhaupt wertvoll sein und was daran kulturelle Identität ausmachen? Gene haben nichts mit Identität zu tun. Wenn wir unsere kulturelle Identität auf irgendwelche Gene stützen müssten, dann hätten wir gar keine kulturelle Identität, denn Gene und Biologie bringen keine Kultur und damit keine Identität hervor. Sie sind im Hinblick auf die Frage der Identität schlicht irrelevant.«

    Das zäumt das Pferd genau so von hinten auf, wie es meine Alterskohorte von der Grundschule an beigebracht bekommen hat. Oh mein Gott, bitte niemals biologistisch werden, wir wissen ja, wohin das führt *leises Aufschluchzen*.

    Niemand, der nicht nur vorgeäußertes, moraldurchtränktes Wiedervereinigungswissen wiederkäut, sondern sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt (Human biodiversity oder HBD, wie es jenseits des Großen Teichs so schön heißt), insbesondere mit den Schriften Richard Lynns, kann so etwas ohne Agenda behaupten.

    Identität entspringt nicht der Kultur, sondern umgekehrt, ebenso wie Staat, Recht usf. Alles andere führt zur drolligen Situation, daß Materialismus gegen Biologie in Stellung gebracht wird – ein poststrukturalistisches Kunststück.

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