Dialoge mit H. – Kassandra-Syndrom

"Und wenn ein Volk in trotz'gem Widerstreit/dem gottgesandten Strahl das Herz verschließet/um Hütt' und Schloß der Lügen Unkraut sprießet:/das ist der Seher, der Propheten Zeit." (Emanuel Geibel, 1837)

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Ich hal­te es nim­mer aus, daß ich von Lem­min­gen umge­ben bin. Ein beson­ders lie­ber Lem­ming sitzt im Wohn­zim­mer und hat vor­hin, natür­lich spra­chen wir über Frank­reich, anhand des Kon­zepts der “eth­ni­schen Wahl” abso­lut nicht ver­ste­hen kön­nen und wol­len, daß und war­um ich so einen “Alar­mis­mus” ver­brei­te: Dies zu tun sei “immer falsch”.

„Du gehst immer von der größt­mög­li­chen Kata­stro­phe aus und machst die­se zu dei­ner poli­ti­schen Direk­ti­ve. Aber ihr sehnt euch ja nach der Apokalypse.“

„Ich den­ke doch nur von Zah­len und Befun­den her, die vor­lie­gen.“ Aus Zah­len zu extra­po­lie­ren, ist gän­gi­ge Pra­xis bei­spiels­wei­se in den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten oder in der Demo­gra­phie, aber sobald dar­aus irgend­wel­che Schlüs­se zu zie­hen für mich zwin­gend ist, kommt H. und meint, daß ich nur Kata­stro­phen an die Wand malte.

Ich erzähl­te ihm vom Titel­blatt der Gra­tis­zei­tung ÖSTERREICH, auf dem zu lesen war, oben: „66 % – Macron zer­stört Le Pen“, und unten: „3000 am Tag – Neue Asyl­wel­le im Mit­tel­meer“, und wag­te es, einen Zusam­men­hang her­zu­stel­len: „Da haben sie ja dann, was sie wollen!“

H. schüt­tel­te den Kopf, die Fran­zo­sen hät­ten doch Macron „wegen der Arbeits­plät­ze“ gewählt, und Sahra Wagen­knecht, die er ja zu wäh­len geden­ke, habe Macron kri­ti­siert wegen des Sozi­al­ab­baus. Genau dadurch wür­de Le Pen doch gestärkt.

Ich wand­te ein, daß das lin­ke The­ma „sozia­le Gerech­tig­keit“ wohl doch ent­schie­den von Le Pen bedient wor­den wäre (was ihr ja auch Vor­wür­fe von Ali­ce Wei­del ein­ge­bracht habe) und man die Sozia­le Fra­ge heu­te nicht ohne die Migra­ti­ons­fra­ge stel­len dürf­te, und da müß­te man sehen, daß in Frank­reich bereits gan­ze Stadt­vier­tel und Städ­te gekippt seien.

„Gekippt? Das glau­be ich nicht! Wel­che denn?“ Ad hoc konn­te ich das auch nicht beant­wor­ten, aber allein das Wun­dern über die­se Tat­sa­che war nahe dar­an, mei­nen Frame zu Fall zu brin­gen: Was macht man, wenn jemand eine Tat­sa­che so betrach­tet, als höre er die­se nicht nur zum ers­ten Mal, son­dern als wäre die­se abso­lut begrün­dungs­be­dürf­tig und völ­lig außer­halb des gemein­sa­men Para­dig­mas?

Nichts Gerin­ge­res als alle mei­ne Annah­men (zum Gro­ßen Aus­tausch, zum Glo­ba­lis­mus, zur Migra­ti­on aus Afri­ka, zur Res­sour­cen­end­lich­keit aka Peak oil, zur Trag­fä­hig­keit die­ses Wirt­schafts­sys­tems, zur Deka­denz die­ser Kul­tur, des Chris­ten­tums und sei­ner Wehr­haf­tig­keit) hält H. für „Kata­stro­phen­sehn­sucht“, um einer ver­meint­li­chen Lan­ge­wei­le zu entfliehen.

Dabei gel­te es doch, mit Augen­maß und Sach­ver­stand die Din­ge zu beob­ach­ten und nicht bru­ta­le Lösun­gen aus ima­gi­nier­ten Sze­ne­rien abzu­lei­ten. Die Ver­nunft lie­ge doch ein­deu­tig auf sei­ner Sei­te, die Phan­tas­te­rei auf mei­ner, und ich hiel­te sie bloß für Rea­li­täts­be­ob­ach­tung. Es gel­te außer­dem, gera­de die­sen lang­wei­li­gen Zustand einer seit Jahr­zehn­ten befrie­de­ten Demo­kra­tie mit Wohl­fahrts­staat und Lebens­ver­si­che­run­gen hoch- statt gering­zu­schät­zen. Mei­ne Apo­ka­lyp­tik unter­gra­be alle ja durch­aus ange­brach­te Skep­sis und das Abwä­gen ratio­na­ler Argumente.

Woher bil­de ich mir eigent­lich ein, Din­ge sehen zu kön­nen, die er und die Mehr­heit der Gesell­schaft nicht sehen kön­nen oder wol­len? Wahr­schein­lich habe ich mir ein hart­nä­cki­ges Kas­san­dra-Syn­drom eingefangen.

Gus­tav Schwab erzählt in den Sagen des klas­si­schen Alter­tums (Chris­ta Wolfs femi­nis­ti­sche, beharr­lich „Achil­les das Tier“ has­sen­de Kas­san­dra ist nur ihre deka­den­te Schwester):

Kas­san­dra ver­än­der­te ihre Mie­ne nicht bei die­sen Wor­ten; lan­ge blieb sie ohne Regung auf dem Stuhl ihres Wagens sit­zen, die Die­ne­rin­nen muß­ten sie nöti­gen, ihren Platz zu ver­las­sen. End­lich sprang sie vom Sit­ze wie ein gescheuch­tes Wild, ihr Herz wuß­te alles, was ihr bevor­stand; sie war gewiß, daß der Schluß des Schick­sals nicht zu ändern sei.

Die Sehe­rin ist bekannt­lich mit dem Fluch geschla­gen, die Zukunft vor­aus­sa­gen zu kön­nen, aber ihr wird kei­ne Vor­aus­sa­ge geglaubt. Alles Mah­nen und War­nen und Zusam­men­rech­nen und Extra­po­lie­ren von der unmit­tel­ba­ren Gegen­wart auf Zukunft wird als „wie­der mal typisch Kas­san­dra“ lächer­lich gemacht. Aber es tritt mit Not­wen­dig­keit ein, es ist „der Schluß des Schicksals“.

Das Kas­san­dra-Syn­drom ist nicht mei­ne Erfin­dung. Pro­ble­ma­tisch an ihm ist zweierlei:

  1. „Wenn wir über Ver­leug­nung spre­chen, neh­men wir doch wohl als gege­ben an, daß wir genau wis­sen, was die Wahr­heit ist.“ (Léon Wurm­ser) Ich kann mir nur die Rol­le der Kas­san­dra anma­ßen, wenn ich weiß, daß die ande­ren die blin­den Lem­min­ge sind, die die Rea­li­tät verleugnen.
  2. Selbst­ge­rech­tig­keit droht, Abkap­se­lung im immer wie­der von Lin­ken uns gern vor­ge­wor­fe­nen „geschlos­se­nen Welt­bild“. Sozi­al ist Kas­san­dra nicht anschluß­fä­hig. Die Dia­gno­se der Dumm­heit der Lem­min­ge wird mit dem Preis der Ein­sam­keit erkauft, in der man sich bei ent­spre­chen­der Ver­an­la­gung auch gefal­len kann.

Das Kas­san­dra-Syn­drom wird in der Psy­cho­lo­gie als typisch für Asper­ger-Autis­ten the­ma­ti­siert. Um in der moder­nen Kas­san­dra-Meta­pho­rik zu blei­ben: Viel­leicht sind die Rech­ten die „Aspies“ der Gesell­schaft, die ihrer­seits mas­siv irri­tiert auf sie reagiert?

Die Betrof­fe­nen leben nach einem selbst erstell­ten Sche­ma (die „Vor­her­sa­gen“), reagie­ren unan­ge­mes­sen auf Ver­ständ­nis­lo­sig­keit der Außen­welt und ent­wi­ckeln neben sprach­li­chen und ver­hal­tens­tech­ni­schen Beson­der­hei­ten nicht sel­ten auch Insel­be­ga­bun­gen und hohe Intelligenz.

Die­se Defi­ni­ti­on ent­stammt einem frü­he­ren Wiki­pe­dia-Arti­kel zum „Kas­san­dra-Syn­drom“, der nicht mehr exis­tiert. Dies liegt mög­li­cher­wei­se dar­an, daß die Exis­tenz des Syn­droms über­haupt bestrit­ten wur­de, und zwar von see­lisch Gesun­den. Die­se lei­den dar­un­ter, Kas­sand­ren in ihrer Umge­bung zu haben, und ent­wi­ckeln gestei­ger­te Streßsymptome.

Ihre Logik: Daß die Aspies ihre Per­spek­ti­ve auch noch zu ver­tei­di­gen wagen (ein­fach, weil die Vor­her­sa­gen objek­tiv wahr sind und, ver­dammt noch mal, zutref­fen!), liegt an – deren Empa­thie­lo­sig­keit! Es zeugt also von man­geln­der Empa­thie, mich nicht in die Men­schen mei­ner Umge­bung hin­ein­ver­set­zen zu kön­nen, die durch die „Vor­her­sa­gen“ gestreßt wer­den. So als wäre der Über­brin­ger der Bot­schaft das Übel selbst.

Der Psy­cho­ana­ly­ti­ker Léon Wurm­ser hat 1989 in sei­nem Werk „Die zer­bro­che­ne Wirk­lich­keit“ das “Kas­san­dra-Syn­drom” als kol­lek­ti­ves Pro­blem umrissen.

So gäbe es denn auch eine Art kul­tu­rel­les Kas­san­dra-Syn­drom: einen (pho­bi­schen) Kern der Angst,  […] Ver­mei­dung und glo­ba­le Ver­leug­nung, Glau­bens­struk­tu­ren, die dem Gefürch­tet-Gemie­de­nen ent­ge­gen­ge­setzt sind, Hand­lungs­ab­läu­fe, die der Beschüt­zung gegen jene Gefah­ren die­nen sol­len, und der dar­aus resul­tie­ren­den Spal­tung des Selbst- und Welt­erle­bens (die Kassandra-Konfiguration).

Das erklärt, inwie­fern rech­te Kas­sand­ren unge­hört blei­ben müs­sen – die insti­tu­tio­na­li­sier­ten und ver­in­ner­lich­ten Glau­bens­sys­te­me die­nen dem see­li­schen Selbst­schutz der Mehr­heits­ge­sell­schaft. Wurm­ser patho­lo­gi­siert nun nicht die gesam­te west­li­che Gesell­schaft, für einen Psy­cho­ana­ly­ti­ker ist eine gewis­se Dosis Pho­bie, Neu­ro­se, Abwehr, Abspal­tung über­le­bens­not­wen­dig. Offe­ne Kon­fron­ta­ti­on mit dem Abge­wehr­ten erzeugt indes namen­lo­se Angst.

Den Empa­thie­lo­sig­keits­vor­wurf kön­nen wir argu­men­ta­tiv parie­ren, die Spal­tung des Selbst- und Welt­erle­bens müs­sen wir zu ertra­gen ler­nen. Und was tun mit den Lem­min­gen, den „Fein­den des Vol­kes“? Kas­san­dra, die Sehe­rin, gibt ihren schwar­zen Rat nicht ohne Hintersinn:

Ihr Herz wuß­te alles, was ihr bevor­stand; sie war gewiß, daß der Schluß des Schick­sals nicht zu ändern sei; und hät­te sie ihn ändern kön­nen, sie hät­te der Rache­göt­tin den Feind ihres Vol­kes nicht ent­zie­hen wol­len, und weil er doch ihr Ret­ter war, so ver­droß es sie nicht, mit ihm zu sterben.

H.: „Ein selbst­zer­stö­re­ri­scher Schluß! Ich hof­fe, kei­ne selbst­er­fül­len­de Prophezeiung!“

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (18)

Starhemberg

12. Mai 2017 18:48

An den kommenden Beben sind dann die Seismographen schuld... 

Nach Jahrzehnten der Vollkaskomentalität und einem Jahrhundert der Sozialdemokratisierung ist der reale Zusammenbruch einer fragilen Gesellschaftsstruktur für solche Menschen einfach nicht mehr vorstellbar. Die Generation, die noch aktiv den letzten Krieg erlebte, wusste, wie schnell es gehen kann. Nur die sind inzwischen tot oder dement.

Doch steter Tropfen höhlt den Stein, ich argumentiere viel mit Zahlen, z.B. Fertilitätsrate etc... Oder die Kosten der bisherigen Entwicklungshilfe in Afrika, ohne jedes erkennbare Ergebnis. Und, dass "Empathie" nichts, aber auch gar nichts mit Sicherheitspolitik zu tun hat. Auch wenn die Bundeswehr wohl die erste "empathische Inklusionsarmee" der Welt sein wird. Das gibt sich wieder, spätestens sobald die ersten Massengäber ausgehoben werden müssen.

Ich kann aber nicht verhehlen, dass sich mein Bekanntenkreis in den letzten vier, fünf Jahren deutlich reduziert hat. Dafür sind allerdings auch ein paar neue, rechtsdenkende Menschen dazugekommen, eine wahre Bereicherung. Vor allem die Opportunisten sollte man weglassen. Diese sind, so glaube ich, die Mehrheit. Und Menschen, die tatsächlich "DIE LINKE" wählen wollen, finde ich höchstens bizarr, sonst aber nichts. Mit denen diskutieren ist mehr "Comedy", man darf das unmöglich ernst nehmen. Überhaupt - Humor hilft, so finde ich.

Und eine Waffe im Haus.

Aristoteles

12. Mai 2017 21:00

Der Vergleich ist sehr gut. Wer hier nicht begreift, dass wir nach 2000 Jahren wieder an einer Zeitenwende stehen ... Der Vorteil dabei ist, dass die unruhigen Zeiten lange Verschüttetes wieder ans Tageslicht befördern, gerade aus der Antike, und dass die Not auch neue Erkenntnisse gebiert. Beruhigend lässt sich vielleicht sagen, dass es viele Frauen gab, Sibyllen, Pythien, Veleden, die durchaus die Wahrheit verkündeten und auf die gehört wurde. Auch von Vernunftmenschen. Mich soll der Teufel holen, wenn ich hinter den 66 Prozent für Macron nicht auch noch eine 6 hinter dem Komma vermuten darf.

Klaus D.

12. Mai 2017 22:28

Tja, es macht in einer Beziehung schon mehr Spaß, wenn beide Partner auch in weltanschaulichen Anschauungen übereinstimmen. Zum Glück ist das bei meiner Frau so. Zusammen mit einem befreundeten Ehepaar haben wir sogar schon mehrfach an AfD-Demos teilgenommen. Man muß aber hin und wieder, seiner seelischen Gesundheit zuliebe, aus diesem Themenkreis ausbrechen (s.a. @Monacensis zum vorigen Artikel von G. K.). Meine liebste Medizin dafür ist Theodor Fontane und die Wanderungen "mit ihm" durch die Mark Brandenburg.

@Starhemberg

"... der reale Zusammenbruch einer fragilen Gesellschaftsstruktur für solche Menschen einfach nicht mehr vorstellbar  ..."

Genau diese Erfahrung ist im Osten Deutschlands bei vielen Menschen noch sehr lebendig.

 

Dieter

12. Mai 2017 23:03

Vielen Dank für einen weiteren wunderbaren Artikel aus Ihrer Feder. Es hilft artikuliert zu sehen, was man empfindet, ehrlich. Mir fiel das wunderbare leider nur noch antiquarisch zu erwerbende Buch von Walden - Kassandrarufe, Deutsche Politik in der Krise ein. Ich kann es jedem nur empfehlen.

Albert

13. Mai 2017 00:04

"Ich kann aber nicht verhehlen, dass sich mein Bekanntenkreis in den letzten vier, fünf Jahren deutlich reduziert hat. Dafür sind allerdings auch ein paar neue, rechtsdenkende Menschen dazugekommen.."

Geht mir auch so. Ich habe in den letzten zwei Jahren locker die Hälfte meines Bekanntenkreises eingebüßt (+ 40 FB-Entfreundungen) - das alles für Aussagen, die in den '00er Jahren noch CDU-Mainstream waren. Hier bin ich jetzt als der "Rechte" bekannt; etliche Leute grüßen mich nicht mehr. Unser Gemeindepfarrer hat mich persönlich zu Hause besucht, um seine Aufforderung, als Presbyter zu kandidieren, zurückzuziehen, er bitte "um Verständnis." Die wenigen Rechtsdenker, die ich seitdem kennengelernt habe, haben ihre eigenen Leben. Ein Milieu gibt es hier nicht.

Inzwischen halte ich die Klappe: Die sozialen Kosten sind zu hoch, ein Nutzen nicht erkennbar. Der Preis ist ein eklatantes Defizit an echter Verbindung. Und ewig reicht die "innere-Emigrations"-Literatur auch nicht; von Bergengrün & Co. habe ich mittlerweile alles gelesen. Neulich habe ich laut darüber nachgedacht, auf einen vergammelten Bauernhof im Vogtland zu ziehen. Hingewiesen darauf, dort würde ich doch mein Sozialleben verlieren, dachte ich still bei mir: So viel würde sich da eigentlich nicht ändern.

Paracelsus

13. Mai 2017 00:48

Ich möchte auf einen unbeachteten Aspekt hinweisen: die von H. wiedergegebenen Aussagen haben keinen Dialog-Charakter; insofern wäre es richtiger, die Überschrift zu korrigieren. Herr H. ergeht sich in sogenannten "Du-Botschaften", d.h. Aussagen, mit denen er etwas in sein Gegenüber hineinprojiziert:

"„Du gehst immer von der größtmöglichen Katastrophe aus und machst diese zu deiner politischen Direktive. Aber ihr sehnt euch ja nach der Apokalypse.“"

Da geht es nicht mehr um die Prognose der Autorin, die stimmen kann oder falsch sein kann, sondern um ein vermutetes Motiv für diese Prognose...

Das ist also alles hochemotional seitens des Herrn H., auch wenn es so rational daher kommt.

Der Gehenkte

13. Mai 2017 01:11

"Woher bilde ich mir eigentlich ein, Dinge sehen zu können, die er und die Mehrheit der Gesellschaft nicht sehen können oder wollen?"

Hier rührt H am Wesentlichen! Dieses Argument bekomme ich immer wieder zu hören, meist ebenfalls mit Arroganzvorwürfen verbunden. Und es ist etwas dran! Niemand kann in die Zukunft sehen, alles könnte doch noch irgendwie gut oder anders werden ... Das "Argument" ist nicht zu hintergehen - es ist aber auch das Ende aller Argumentation.

Die Geschichte ist ergebnisoffen. Morgen kann einerseits der Komet einschlagen und alles beenden, es kann der Messias erscheinen, es können auch alle Migranten fleißige Arbeiter werden ... Und Vorhersagen - das hatte Arthur C. Danto in seiner "Analytischen Philosophie der Geschichte" überzeugend dargelegt - scheitern an der nachfolgenden Handlungsbeeinflußung: ein Soldat, dem man prophezeit, daß er in Iwo Jima auf seine Kugel treffen wird, kann die Prophezeiung falsifizieren, indem er nicht nach Iwo Jima geht oder sich gleich die Kugel gibt. Selbst Ödipus hätte das Schicksal durch Freitod überlisten können.

Ich sage dann meist etwas in diese Richtung: Sicher kann ich mit 120 auf einen Baum zurasen und wenige Meter davor noch immer behaupten, daß noch alles möglich ist ... aber wer macht das?

H's Denken ist letztlich magisches Denken - noch ist es an der Macht.

Monika L.

13. Mai 2017 09:13

Suchen Sie Seelenverwandte, lassen Sie sich von Seelenverwandten finden...

https://m.youtube.com/watch?v=gAazpkhPo7k

Utz

13. Mai 2017 09:17

 In meiner Jugend erzählte man sich oft die Geschichte von den Menschen, die im Krieg im tiefsten russischen Winter in einer warmen Hütte waren, aßen und tranken, als sie ein Bote erreichte, der sie vor herannahenden feindlichen Soldaten warnte. Die Menschen in der Hütte wollten ihm nicht glauben, da sie, wenn sie ihm geglaubt hätten, unweigerlich die Hütte hätten verlassen und fliehen müssen, hinaus in die garstige Kälte. Die Geschichte hatte auch einen Schluß: natürlich kamen die Soldaten trotz der Selbsttäuschung und metzelten die Ungläubigen nieder.

Meines Erachtens sind wir in einer ähnlichen Zeit. Leider ist dort, wo eigentlich eine einfache Entscheidungsmatrix helfen könnte (wenn ich dem Boten glaube und er hat nicht recht, gehe ich umsonst in die Kälte, wenn ich dem Boten nicht glaube, und er hat recht, verliere ich mein Leben), die Angst vor der Kälte überübergroß, und um uns herum nur Medien, die die Glaubwürdigkeit des Boten von früh bis spät diskreditieren.

Aristoteles

13. Mai 2017 12:53

@Albert

Ihr Kommentar macht mich betroffen, weil ich damit auch meine eigenen Erfahrungen noch einmal nacherlebe. Ich würde aber das Bemühen um Austausch mit Gleichgesinnten nicht aufgeben. Schweigen bedeutet auf Dauer Tod. Halten Sie es mit Nietzsche: "Lieber ein ganzer Feind als ein halber Freund."

Zur Apokalypse: Allein diese Dimension kann ein Volk zusammenschweißen. Das Volk Israel und die Bibel sind dafür das beste Beispiel. Und tatsächlich bin ich fündig geworden:

https://www.epochtimes.de/politik/europa/macrons-wahlsieg-fast-alle-stimmen-ausgezaehlt-emmanuel-macron-erhielt-66-prozent-der-stimmen-a2113643.html

Die 66,06 Prozent wurden zu 66,1 Prozent aufgerundet. Bekanntlich ist das Große Tier (z.B. bei Irenaeus) auch als 616 überliefert, worüber sich auch Friedrich Engels ausließ. https://de.wikipedia.org/wiki/Sechshundertsechsundsechzig#/media/File:P._Oxy._LXVI_4499.jpg

Katzbach

13. Mai 2017 17:13

Tut mir leid Frau Sommerfeld, der Funke ist irgendwie nicht übersprungen,
aber Sie haben mein Mitgefühl.

Biggeo

13. Mai 2017 18:36

Heute stand ich am allgemein zugänglichen Staubsauger einer öffentlichen Tankstelle. Neben mir eine Dame mit offensichtlichem Migrationshintergrund, aber eher aus der südamerikansichen Ecke und sehr gut deutsch sprechend.

Ein Mann gesellte sich dazu, denn er wartete auf uns, damit er in den Genuss des Autostaubsaugers kam und so kamen wir drei ins Gespräch und sehr schnell auf die Politik. Schließlich leben wir alle in NRW, einer westdeutschen Großstadt. Es war sehr wohltuend  von beiden zu hören, dass sie morgen die AfD wählen wollen und die Nase voll haben von den etablierten Parteien. Der Mann ein offensichtlich länger hier Lebender, kannte sich gut aus und war ganz erstaunt, das so eine "Akademikerzicke" wie ich über unser Land die gleichen Ansichten hatte wie er.  Auch die nette Dame, war ganz auf unserer Seite. Nun, haben wir nur Angst, dass morgen wieder gefaket wir bei der Auszählung und dies ist so einfach möglich. Und zu Frau Sommerfelds Artikel noch eine Anmerkung, Kassandra ist den meisten gar nicht bekannt. Sie ignorieren das was man direkt sehen und erleben kann  und denken noch immer, alles ist weit weg. Offensichtlich scheint nur noch der persönliche Schmerz eine Umkehr im Denken zu veranlassen. Aber der Virus der Dekadenz hat sich einfach schon zu stark eingenistet.

Cacatum non est pictum

13. Mai 2017 20:02

@Aristoteles

Die 66,06 Prozent wurden zu 66,1 Prozent aufgerundet. Bekanntlich ist das Große Tier (z.B. bei Irenaeus) auch als 616 überliefert, worüber sich auch Friedrich Engels ausließ.

Bis vor etwa einem Jahr hätte ich Sie für eine solche Interpretation ausgelacht. Mittlerweile - reichlich Lektüre zum Bezug von Politmacht und dem von Ihnen angeschnittenen Themenkreis später - gefriert mir eher das Blut in den Adern, wenn ich so etwas lese. Danke für die aufmerksame Beobachtung, die übrigens eindeutig für Wahlfälschung spricht, wie sie der Forist Zadok Allen in einem anderen Kommentarstrang ins Gespräch gebracht hat. Ich will das hier nicht vertiefen, möchte aber zur Sensibilisierung einen Bildausschnitt aus dem norwegischen Staatsfernsehen (unbekannten, aber offenbar älteren Datums) verlinken, in dem unser heutiger NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu sehen ist; man beachte den Schriftzug auf seinem T-Shirt, das er unter dem Jackett trägt:

https://fellowshipofminds.files.wordpress.com/2011/07/jen-stoltenberg.jpg

Nautilus

13. Mai 2017 22:36

Ich habe keine Freunde mehr von der anderen Feldpostnummer, dass ist mir zu anstrengend muss ich sagen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese lieber ihre eigenen Kinder diesen Wahnsinn opfern, als sich zu fragen ob sie nicht irren.

Die anderen braucht man mit Politik überhaupt nicht kommen, dass interessiert viele überhaupt nicht. Auf die Frage ob es ihnen egal ist was passiert, bekommt man oft die Antwort... da kann man eh nichts machen.  Was soll man da noch machen.. Der Wahnsinn schreitet voran.. Ich bin froh das ich den Weg zur Sesession gefunden habe... Meine Güte, endlich normale Menschen unter sich.

silberzunge

14. Mai 2017 01:28

Sie sind wirklich nicht mehr als Köchin in der alternativen Schule angestellt, Frau Sommerfeld? Wann haben die Grünen, die dort ihre Kinder hinschicken (wie hoch ist dort eigentlich der Ausländeranteil/Verbraunungsgrad?), bemerkt, dass Sie rechts sind?

Rosenkranz

14. Mai 2017 13:14

Vor 10 Jahren hatte ich mich auch einmal intensivst in die Peak-oil-Problematik eingearbeitet und eine kleine Energiewendegruppe (Transition-Town) gegründet. Die Gruppe hat sogar Vorträge u.a. mit Nico Paech (Postwachstumsökonomie) veranstaltet. Was blieb am Ende übrig? Zunächst eine tolle Gartengemeinschaft, die bis heute existiert. Sonst haben wir nichts erreicht. Selbst dem grünsten Grünen konnte die Resourcenproblematik nicht zum Aktivismus verhelfen. Man trank auf den Veranstaltungen Bionade, redete klug und machte weiter wie bisher. Von meinen "Peak-Oil-Horrorszenarien" wollte keiner mehr etwas wissen. Also vertummte ich bei diesem Thema.

Gestern in Hamburg auf dem Markt. Abseits ein AfD-Stand und als Gegendemonstranten ca. 20 Mitglieder der örtlichen Antifa. Auf dem Markgelände wurden von der Antifa Prospekte verteilt. Die Leute nahmen gern an. (So viel zum Thema der schweigenden Mehrheit.) Sie kommentierten und lasen in einer selbstgefälligen Art, die irgendwie grotesk wirkte. Ich war der gefühlt einsamste Mensch auf diesem Platz. Der AfD-Stand wurde unter den Augen der Polizei, von der Antifa mit langen Spruchbändern im Abstand von 5m quasi abgeriegelt. Der AfD-Mann klagte mir sein Leid. Er wurde von der Staatsmacht genau beobachtet, daß er ja nicht mehr als 3m von seinem Stand Prospekte verteilt. Ich hatte ihm nämlich vorgeschlagen, auf die andere Straßenseite in Richtung CDU-Stand zu wechseln, weil da viel mehr Leute erreichbar wären. Nach 10min bin ich dann durch das Pulk der Gegendemonstranten ohne Probleme nach Hause.

Klaus D.

14. Mai 2017 16:19

@Rosenkranz

Ja, solch ein Erlebnis wie auf dem Hamburger Markt kann schon frustrierend wirken. Was ich nicht verstehe, warum wird in solchen Fällen nicht mehr Aktivität durch die AfD selbst entwickelt, z.B. Mitglieder bestellt, die für "Masse" sorgen? Ähnlich erging es mir bei AfD-Demos Anfang des Vorjahres, bei denen zunehmend weniger Teilnehmer erschienen. Trotzdem erreichte die AfD bei der darauf folgenden Landtagswahl knapp 25 % ...

Lotta Vorbeck

15. Mai 2017 02:38

@Albert, 12. Mai 2017, 10:04PM

...

Inzwischen halte ich die Klappe: Die sozialen Kosten sind zu hoch, ein Nutzen nicht erkennbar. Der Preis ist ein eklatantes Defizit an echter Verbindung. Und ewig reicht die "innere-Emigrations"-Literatur auch nicht; von Bergengrün & Co. habe ich mittlerweile alles gelesen. Neulich habe ich laut darüber nachgedacht, auf einen vergammelten Bauernhof im Vogtland zu ziehen. Hingewiesen darauf, dort würde ich doch mein Sozialleben verlieren, dachte ich still bei mir: So viel würde sich da eigentlich nicht ändern.

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Solange Sie dabei nicht Ihre materielle Existenzgrundlage auf's Spiel setzen, was spräche tatsächlich dagegen, auf den vergammelten, vogtländischen Bauernhof zu ziehen?

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